Zentralabitur
- Tesch hält an Forderung nach Zentralabitur fest - Ostsee Zeitung
- Schwerin (dpa/mv) - Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Henry Tesch (CDU), hält an seiner Forderung nach einem Zentralabitur in Deutschland fest. «Das Ziel ist ehrgeizig», sagte Tesch am Donnerstag dem Sender Antenne Mecklenburg-Vorpommern...
- 4000 Bonner Schüler gegen Zentralabitur, Studiengebühren ... - PR-SOZIAL das Presseportal (Pressemitteilung)
- Der Protest, der sich unter anderem gegen das Zentralabitur, zu große Schulklassen und Studiengebühren und die Chancenlosigkeit vieler Jugendliche durch Hartz IV richtet, soll gegen 16 Uhr mit einer Abschlusskundgebung auf dem Münsterplatz zu Ende...
- Polizei räumt Rektorat in Heidelberg - Spiegel Online
- Sie forderten kostenlose Bildung für alle, mehr Lehrer, ein freieres Studium und die Abschaffung von Kopfnoten, Turbo- und Zentral-Abitur. In Leipzig nutzten Protestierende einen Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in den Künstler-Ateliers...
- Schulministerin Sommer bewirbt sich um Landtagsmandat - RP ONLINE
- Nach der Landtagswahl 2005 hatte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) die Schulamtsdirektorin zur Ministerin gemacht. Die Opposition hatte in den vergangenen Jahren unter anderem wegen Pannen beim Zentralabitur mehrfach den Rücktritt der Ministerin...
- Bildungsstreik: "Das war erst der Anfang!" - Ahlener Zeitung
- Die Schüler demonstrierten gegen die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur, gegen Leistungsdruck durch das Zentralabitur sowie für bessere Chancen für junge Leute aus ärmeren Familien. „Wir brauchen dringend den Wechsel hin zu einem gerechten...
- Aufstand der Pragmatiker - FR-online.de
- Die Schüler sind gegen das mehrgliedrige Schulsystem, gegen das um ein Jahr verkürzte Gymnasium G8, gegen Lehrermangel und Zentralabitur; die Studierenden meckern über den Bologna-Prozess, die Studiengebühren, die Verflachung der Studieninhalte....
- Neuss: Protest - Für ein besseres Bildungssystem - wuppertal Zeitung
- Im Gegensatz zu vielen seiner Mitschüler hat er am Zentralabitur wenig auszusetzen. Im Rahmen des Bildungs-Streiks hat es auch in der Region Proteste gegeben. Am Mittwoch zogen mehrere tausend Schüler und Studenten durch Düsseldorf und machten ihrem...
- In Siegen gibt es Aktionen zum Bildungsstreik - Siegener Zeitung
- Die Schüler kritisieren die achtjährige Gymnasialzeit und das Zentralabitur. Sie fordern zudem die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems und der Kopfnoten. Zum Auftakt des Bildungsstreiks hatte der Allgemeine Studierendenausschuss der Universität...
- Abitur im Doppelpack - Derwesten.de
- Da für beide das Zentralabitur gilt, ist der Lernstoff im Fach Deutsch für beide gleich: „Das hat uns oft zum gegenseitigen Austausch beflügelt”, erklärt Mutter Ruoff. Für ihre Tochter ist die gemeinsame Abiturphase eine interessante Erfahrung: „Meine...
Zentralabitur
Als Zentralabitur wird eine Abiturprüfung bezeichnet, bei der die schriftlichen Prüfungsaufgaben von einer zentralen Behörde vorbereitet werden. In Deutschland ist dies in der Regel das Kultusministerium des Landes.
Derzeit führen 14 der 16 Länder ein Zentralabitur durch.
Nach dem Ende der Besatzungszeit wurde es in Rheinland-Pfalz jedoch wieder abgeschafft.
Brandenburg orientierte sich zunächst an Nordrhein-Westfalen.
Einzig Rheinland-Pfalz will derzeit das dezentrale Abitur beibehalten. Hier reichen die prüfenden Lehrer Aufgabenvorschläge ein, die von Landesfachberatern geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Diese stellen die Einhaltung der EPA (Einheitliche PrüfungsAnforderungen) und der formalen Vorschriften sicher.
Beim Zentralabitur werden landesweit ausgewählte Lehrer (die zum betreffenden Termin meist keinen eigenen Kurs auf das Abitur vorbereiten) aufgefordert, Abituraufgaben vorzuschlagen. Aus diesen Vorschlägen wählt eine Kommission aus. In einem mehrstufigen Verfahren werden die Aufgaben überprüft und wenn nötig umformuliert.
In Baden-Württemberg wird manchmal die Auswahl der aufgabenstellenden Lehrer auch folgendermaßen durchgeführt: Die vier Regierungspräsidien beziehungsweise die jeweiligen Referate für Schule und Bildung werden angewiesen, Aufgaben zu stellen. Diese fordern bei den Schulen nach einem ihnen eigenen Verfahren Aufgabenvorschläge an. Die ausgewählte Schule bestimmt einen Lehrer, der die Aufgaben ausarbeitet. Dabei wird versucht, jedes Jahr andere Lehrer zu bestimmen. Es kann vorkommen, dass Lehrer Aufgaben stellen, die selbst einen Kurs auf das Abitur vorbereiten. Dies gilt besonders für Fächer, die wenig verbreitet sind. Beispiel: Informationstechnik im Technischen Gymnasium.
Die Prüfungsaufgaben des Zentralabiturs kommen somit unter Mitwirkung einer beträchtlichen Anzahl erfahrener Pädagogen zustande, wobei das entscheidende Personal im Laufe der Jahre nur langsam erneuert wird. Diese personelle Kontinuität garantiert weitgehende Kontinuität in Art und Schwierigkeit der Aufgaben. Andererseits kann die Kultusbürokratie durch überraschende Teilaufgaben durchaus auch einmal Impulse für die Neuausrichtung des Unterrichts setzen, und dies wesentlich effizienter als durch Lehrplanänderungen.
Wo kein Zentralabitur durchgeführt wird, muss jeder Lehrer, der einen Kurs auf das Abitur vorbereitet hat, mehrere Abiturvorschläge ausarbeiten, die von der Schulaufsichtsbehörde kontrolliert werden.
Die Korrektur erfolgt in Baden-Württemberg in drei Durchgängen. Die Erstkorrektur findet durch die Fachlehrkraft anhand des vorgegebenen Lösungshinweises statt, wobei auch, wieder nach Fächern verschieden, die Punkteverteilung vorgegeben ist. Die Arbeiten werden von der Schulleitung kodiert und damit anonymisiert. Die Oberschulämter verteilen dann die Arbeiten anonym zur Zweitkorrektur an jeweils andere Schulen. Erst- und Zweitkorrektor vermerken ihre Punkte nicht in den Arbeiten, sondern auf einem gesonderten Formular, wobei der Zweitkorrektor die Punkteverteilung und Gesamtpunktzahl des Erstkorrektors nicht erfährt. Die Klausuren gehen an die Oberschulämter zurück und von dort an anonyme Drittkorrektoren, in der Regel Fachberater beziehungweise Fachabteilungsleiter (A 15). Diese erhalten auch die Ergebnisse der Erst- und Zweitkorrektur. Sie legen schließlich die Noten endgültig fest, wobei sie sich im Regelfall nur zwischen den Noten der Erst- und Zweitkorrektur bewegen dürfen. Zwischen den Korrektoren der drei Durchgänge gibt es keinerlei Kommunikation. Der Erstkorrektor erfährt vor der mündlichen Abiturprüfung das Endergebnis, jedoch keinerlei Hinweise, worauf eventuelle Abweichungen von seiner Note beruhen.
Niedersachsen ist das erste Land, in dem die Verteilung der Abituraufgaben über das Internet erfolgt.
In Nordrhein-Westfalen startete am 26. März 2007 mit dem Prüfungsfach Deutsch an 800 Gymnasien und Gesamtschulen erstmals die erste fast fünfstündige Zentralabiturprüfung, die den Schülern in Abweichung zur alten Regelung vier zentral ausgewählte Prüfungsthemen zur wahlweisen Bearbeitung vorlegt. Bei den Lehrern und rund 64.000 Schülern herrschte nach ersten Meinungsumfragen Zufriedenheit mit dem neuen Prüfmodus. Allerdings gab es in der Gedichtsanalyse im Deutsch-Leistungskurs gleich zwei Fehler. So wurde das Verfassungsdatum des Gedichts falsch angegeben, wobei sich die Aufgabenstellung auch noch explizit auf den epochalen beziehungsweise historischen Kontext bezog, und ein bedeutungsverändernder Fehler, der bei der Abschrift des Gedichts aus der Ursprungsquelle unbemerkt übertragen worden war, lag vor. Weitere bedeutende Fehler traten außerdem in den Klausuren der Leistungskurse Chemie und Biologie auf. Außerdem musste in den Klausuren des Sozialwissenschafts- und Geschichtsleistungskurses der Erwartungshorizont nachträglich abgeändert werden. Spekulationen über einen möglichen Vorteil für die Schüler beim ersten Durchgang in Nordrhein-Westfalen sind laut Ministerium völlig überzogen. Im Einzelfall ist es jedoch fraglich, ob Aufgabenvorschläge auf dem diesjährigen Niveau noch im Vorjahr zugelassen worden wären.
Eine ähnliche Regelung existiert auch im Saarland, dort jedoch schon seit längerer Zeit. Hier werden aus vier Themenbereichen (Gedichtinterpretation, Texterörterung, Problemerörterung und Textanalyse) drei Themen im Abitur den Abiturienten vorgeschlagen. Eines dieser Themen muss dann bearbeitet werden.
Pädagogisch ist das Zentralabitur umstritten, wobei die meisten Lehrer für diejenige Variante eintreten, die sie aus ihrem Land gewohnt sind.
Auf den ersten Blick erweckt das Zentralabitur den Anschein besserer Vergleichbarkeit oder höherer Transparenz. Tatsächlich kann davon jedoch nicht die Rede sein, wenn nicht zugleich auch eine zentrale Bewertung erfolgt wie in anderen Schulsystemen – und das ist in Deutschland in keinem einzigen Bundesland der Fall. Vielmehr obliegt die Bewertung weiterhin den jeweiligen Kurslehrern. Zwar muss die Bewertung stellenweise, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen, an einem zentral ausgegebenen Bewertungsraster ausgerichtet werden. Um Unabhängigkeit zu garantieren, findet in Baden-Württemberg und Sachsen eine Zweitkorrektur und Drittkorrektur an einer anderen Schule durch einen Zweit-/Drittkorrektor statt. Der Zweitkorrektor kennt weder den Namen von Erstkorrektor, Prüfling und Schule und weiß auch nicht, zu welcher Note der Erstkorrektor gekommen ist. Der Drittkorrrektor kennt ebenfalls die Namen der beiden Korrektore, der Schule und des Prüflings nicht, jedoch kennt er die beiden Vornoten und hat die Aufgabe zu einer Endnote zu kommen. Dieses Verfahren bildet jedoch die Ausnahme. In zahlreichen anderen Bundesländern ist zwar eine Zweitkorrektur vorgesehen, jedoch nicht notwendigerweise durch einen Lehrer an einer anderen Schule, und weder die Identität von Erstkorrektor und Prüfling noch die Note des Erstkorrektors sind hier geheim zu halten.
In ähnlicher Weise wird der zentralen Prüfung eine größere Gerechtigkeit attestiert. Dagegen lässt sich einwenden, dass bei einem zentral gestellten Abitur zwar die Prüfungsaufgaben, nicht aber die Vorbereitung für alle Schüler gleich ist. In diesem Kontext ist aber auch zu hinterfragen, inwiefern eine „gleiche“ Vorbereitung über identische Lehrpläne hinaus möglich wäre, zumal bei dezentral gestellten Prüfungen nahezu kein Anhaltspunkt zur Vergleichbarkeit der Vorbereitung der Schüler gegeben ist.
Trotzdem kommt es bei einem nichtzentralen Abitur in Einzelfällen vor, dass Lehrer ihre Schüler, unter Missbrauch ihres Ermessensspielraums, überaus gezielt auf einzelne Prüfungsaufgaben vorbereiten (literarisch verarbeitet in „Der Schüler Gerber“ von Friedrich Torberg). Um solche Gegebenheiten zu vermeiden, wurden entsprechende Kontrollmechanismen entwickelt, beispielsweise die schulaufsichtliche Kontrolle und Auswahl der eingereichten Aufgaben, eine Zweitkorrektur sowie mündliche Prüfungen bei signifikant von den Vornoten abweichenden schriftlichen Ergebnissen.
Die Heftigkeit, mit der in Deutschland über die Organisationsform des Abiturs gestritten wurde, ist wahrscheinlich nur mit dem in kultureller Tradition begründeten Symbolwert dieser Prüfung zu erklären. Denn die tatsächliche Bedeutung der schriftlichen Arbeiten ist durch die Ausgestaltung des Abiturs als ausbildungsbegleitende Prüfung seit 1972 stark reduziert. Nach derzeit (2004) bundesweit geltender Regelung gehen die Noten aus sämtlichen schriftlichen Prüfungen zusammengenommen mit einem Gewicht zwischen nur 10,7 Prozent (6/56) und 21,4 Prozent (12/56) in die Abiturnote ein (das genaue Gewicht hängt davon ab, wieviele Abiturfächer es gibt, wieweit mündliche Prüfungen stattfinden und ob eine besondere Lernleistung eingebracht wird).
Während die Auswirkung des Zentralabiturs auf die Abiturnote also zumeist überschätzt wird, hat es signifikanten Einfluss auf den vorhergehenden Unterricht und die individuelle Prüfungsvorbereitung: Mit zentralen Prüfungen geht ein Kanon an einheitlich zu behandelnden Inhalten einher, welcher den Unterricht in der vorausgehenden Qualifikationsphase deutlich stärker bindet als ein neuer oder geänderter Lehrplan.
Bei der Durchführung der zentralen Prüfung ist es im Jahr 2008 zu Problemen gekommen: In Nordrhein-Westfalen etwa wurden in mehreren Fächern Aufgaben falsch, sinnentstellt oder unvollständig gestellt. Die ausgewählten Aufgaben wiesen für Kritiker einen Umfang und Schwierigkeitsgrad auf, der für die Schüler nicht zu bewältigen sei. Tatsächlich mussten in Nordrhein-Westfalen in einzelnen Leistungskursen 50 Prozent oder mehr der Schüler eine Nachprüfung absolvieren. Der Zusammenhang zum Zentralabitur wird jedoch von Befürwortern zurückgewiesen, da bei der Mehrheit der Schüler keine Auffälligkeiten festzustellen seien und die Lehrer aus einer Menge von Aufgaben auswählen könnten.
2009 kam es in Hessen zu Fehlern in der Zentral Abitur, sowohl die Grund- und Leistungskurse im Fach Mathematik waren betroffen. Die betroffenen Schüler dürfen nun am 30. April, freiwillig den offiziellen Nachschreibetermin zur Wiederholung der Abitur Klausur wahrnehmen.
Das französische Baccalauréat und das litauische Abitur werden ebenfalls mit einheitlichen Aufgabenstellungen zentral geschrieben, die Matura in Österreich zum Beispiel dezentral, wobei auch hier mittelfristig die Aufgaben zentral vorgegeben werden sollen.
Gymnasium am Treckfahrtstief Emden
Das Gymnasium am Treckfahrtstief, kurz GaT, ist eines von zwei allgemeinbildenden Gymnasien in der Seehafenstadt Emden in Ostfriesland. Benannt ist es nach einem Kanal, dem 23 km langen Treckfahrtstief, der unmittelbar an der Schule vorbeifließt.
Bis Anfang der 1970er Jahre handelte es sich um ein reines Mädchengymnasium, dann wurde die Schule im Rahmen der Koedukation auch für Jungen geöffnet. Sie ist eine Ganztagesschule. Das Angebot an Fächern insbesondere nachmittags ist zum Teil ein Wahlprogramm.
Es gibt für die Gymnasien in Emden von der Stadt vorgeschriebene Schulbezirke, also Einzugsbereiche. So wird die Schule vornehmlich von Schülern aus den östlichen Stadtteilen besucht, während die Kinder und Jugendlichen aus den westlichen Stadtteilen zumeist das Johannes-Althusius-Gymnasium besuchen. Neben Schülern aus Emden besucht auch eine kleine Anzahl von Schülern aus den Nachbargemeinden Hinte und Ihlow das Gymnasium.
Beim ersten niedersächsischen Zentralabitur im Jahr 2006 erreichten die Abiturienten des Gymnasiums mit 2,53 die beste Durchschnittsnote im Raum Ostfriesland.
Das GaT ist seit längerer Zeit Europaschule und unterhält rege Kontakte zu anderen Schulen im europäischen Ausland, außerdem in Israel, Russland und den USA. Diese Kontakte werden ständig durch häufigen Schüleraustausch vertieft. Zu den Partnerschulen zählt die Irondequoit High School in Rochester, NY.
An der Schule gibt es unter anderem eine Segelgruppe. Als Jugendgruppe von Amnesty International beteiligt sich die Emder Schülergruppe 1727 der Schule an Aktionen zur Freilassung politischer Gefangener.
Am Ende jedes Schuljahres gibt die Schule ein Jahrbuch heraus, in dem unter anderem jede Klasse ihren eigenen Beitrag leisten kann.
Bildungsreform
Von einer Bildungsreform spricht man im deutschen Sprachraum dann, wenn mehrere Sektoren des Bildungswesens nach einem übergreifenden Konzept umgestaltet werden.
Einzelne Neuerungen wie die flächendeckende Einführung von Horten, die Vorverlegung des Fremdsprachenunterrichts in die Grundschulen, die Verkürzung der Gymnasialschulzeit, die Umstellung auf Zentralabitur oder den Umbau von Studiengängen im Rahmen des Bologna-Prozesses addieren sich zu keiner Bildungsreform, solange sie nicht aus einem einheitlichen Ansatz heraus begründet werden.
Deshalb gibt es im Bildungswesen eine nahezu permanente Reformdebatte, aber selten eine Phase, in der eine breite Mehrheit der Fachleute, der öffentlichen Meinung und der entscheidungsbefugten Politiker im Konsens über die einzuschlagende Richtung eine als solche wahrnehmbare Bildungsreform durchsetzen.
Die meisten Bildungsreformen ergeben sich aus einem Maßnahmenbündel über einen längeren Zeitraum unter einer zentralen Idee oder einem Prinzip.
Am Anfang steht die Karolingische Bildungsreform im gesamten Frankenreich. Sie führte zur ersten Renaissance durch neue Zuwendung zur antiken Literatur, um diese christlich und dynastisch zu nutzen.
Das hohe und späte Mittelalter war geprägt von römisch-katholischer Theologie, scholastischer Philosophie und dem Wissensmonopol der Geistlichkeit. Höhere Schulen waren nur die kirchlichen Lateinschulen.
Mit dem Aufkommen der Reformation änderte sich dies langsam im 16. Jahrhundert, Philipp Melanchthon, auch praeceptor Germaniae genannt, setzte sich für eine bessere Bildung breiter Bevölkerungsschichten ein, um die Bibel lesen zu können. Er förderte die humanistischen Schulen, die bereits unter der Aufsicht der Kommunen standen. Im katholischen Bereich leisteten die Jesuitenschulen eine entsprechende Bildungsreform. In diese Phase fallen zahlreiche Schulgründungen in Deutschland (vgl. Liste der ältesten Schulen im deutschsprachigen Raum).
Andere wichtige Reformer, etwa Johann Amos Comenius im 17. Jh., forderten eine umfassende Allgemeinbildung für alle - einschließlich Armer, Bauern und Mädchen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg errichteten in nicht wenigen Orten lokaler Adel und Geistlichkeit ein Dorfschulnetz auch zum Rückgewinn sozialer Disziplin.
Im 18. Jahrhundert, im Generaledikt 1717 und im Generallandschulreglement 1763, führten die preußischen Könige die allgemeine Schulpflicht ein. Sie wurde anfangs nur mit großen Lücken durchgesetzt, immer mit Rücksicht auf die Feldarbeit und später die Fabrikarbeit der Kinder. Das Bildungswesen war aufgeteilt in die Elementarschule für breite Bevölkerungsschichten, an denen die Lehrkräfte oft keinerlei Ausbildung für den Lehrberuf besaßen, nicht selten alte Soldaten waren, und die höheren Schulen, an denen universitär gebildete Lehrkräfte oder Geistliche unterrichteten. Erste Ansätze zu einer mittleren Realien-Schule existierten ebenfalls. Der Zugang zu Universitäten und zur Offizierslaufbahn richtete sich nach den finanziellen Möglichkeiten und hing noch vom Adelsprivileg ab.
Für das Ende des 18. Jahrhunderts wird die Zahl der Schüler an "gelehrten Schulen" in Preußen auf ca. 16 000 Jungen geschätzt. Hundert Jahre später waren es etwa 150 000, 1930 bereits 300 000 Schüler und nun auch Schülerinnen. (vgl. Drewek, S. 197). Die Bildungsreformen begleiteten also eine erhebliche Expansion der höheren Schule.
Kern der Humboldtschen Bildungsreform war das humanistische Gymnasium. Im Kern des Curriculums standen die Sprachen der klassischen Antike Latein und Altgriechisch sowie das Grundwissen über Geschichte und Philosophie des klassischen Altertums einschließlich der Mathematik. Weiterhin waren auch christliche Wertvorstellungen tief im Gymnasium des protestantischen Preußens verankert. Naturwissenschaften hingegen spielten eher eine periphere Rolle, gleich der Bedeutung von Kunst, Musik und Sport, wobei die künstlerisch-ästhetische Erziehung ebenso wie sportliche Betätigung durchaus die gesamtheitliche Bildung abrunden sollten. Die grundlegende Bildung des Menschen sollte eine rein idealistische Erziehung sein, unabhängig von Fragen der Verwertbarkeit dieses Wissens.
Humboldt strebt eine humanistische Bildung für Kinder aller Klassen an, erreichte mit der Reform der Höheren Schulen und der Universitäten, die er staatlich in ihrer Existenz garantierte, jedoch weisungsunabhängig machte, fast nur die Ober- und ehrgeizige Mittelschicht. Vieles blieb von vornherein reine Planung.
Bis in die 1840er Jahre war das Schulsystem oft nur horizontal, also nach Altersklassen, gegliedert in Vorschule, Schule und Gymnasium. Die meisten Schüler verließen das Gymnasium weit vor dem Abitur, und es gab hier eine beachtliche soziale Offenheit im Vormärz.
Nur langsam bildete sich vertikal ein dreigliedriges Schulwesen heraus: Volksschule, Realschule, Gymnasium. Wichtige Wegmarken dafür waren das Abiturientenreglement 1834 und die Lehrplanreform 1837. Mit dem Fremdsprachenangebot in Latein und Griechisch entschied sich, ob der Weg zum Abitur noch möglich war. Viele Eltern entschieden sich für die neunjährige, lateinlose Realschule. Ein Hauptgrund dafür waren die Unterschiede im Schulgeld, das in Preußen bis 1888 "pro Kind und Jahr" in der Volksschule 10 Mark betrug, in den weiterführenden Schulen aber weitaus mehr bis zu 100 Mark, was einen erheblichen Teil des Durchschnittseinkommens ausmachte.
Die Volksschule vermittelte die grundlegenden Kenntnisse wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Naturkunde und christliche Wertvorstellungen und dauerte acht Jahre. Die Stiehlsche Regulative 1854 legte das Bildungsangebot in der "Schule der Untertanen" fest. Erst Bismarck unterstellte sie im preußischen Kulturkampf der staatlichen Aufsicht, die bis 1872 bei den Kirchen lag. Langsam wurden auch die letzten Dorfkinder schulpflichtig: 1871 erreichte die preußische Schulbesuchsquote 92 Prozent. Die Lehrer-Schüler-Relation betrug hier bis zu 1 : 80.
Die Mittel- oder Real(ien)schule vermittelte Realien, d.h. naturwissenschaftliche Grundkenntnisse und ggf. eine oder zwei lebende Sprachen. Sie diente der Ausbildung einer mittleren Schicht der Angestellten und kleineren Beamten und dauerte mindestens neun Jahre. Das "Einjährige" (Abschluss des zehnten Schuljahrs) wurde Voraussetzung, um statt drei Jahren Wehrdienst nur ein Jahr leisten zu dürfen und die Unteroffizierslaufbahn einzuschlagen. Über weitere Wehrübungen konnte sie bis zum Reserveöffizier führen. Das Adelsprivileg wurde rechtlich aufgehoben und das Abitur Voraussetzung für die aktive Offizierskarriere. Der direkte und übliche Weg zum Offizier führte über Kadettenanstalten. Mit dem Einjährigen konnte man in die mittlere Beamtenlaufbahn, auf Handelshochschulen, Kunsthochschulen oder Landwirtschaftliche Lehranstalten.
Ein humanistisches Gymnasium hingegen war einer schmalen Elite vorbehalten - gegen Humboldts ursprüngliche Intention - und bereitete auf das Universitätsstudium vor. Daneben entwickelte sich Realgymnasium und Oberrealschule, die auf Altgriechisch verzichteten und stattdessen Naturwissenschaften oder moderne Sprachen boten. Oberrealschulen bereiteten auf das Studium an technischen Hochschulen wie Bergakademien und Ingenieurschulen vor. Erst 1900 wurden die drei Typen des Gymnasiums gleichberechtigt, womit die akademische Exklusivität des Humboldtschen Gymnasiums formell beendet war.
Unter der Bezeichnung Reformpädagogik werden verschiedene Ansätze zur Reform von Schule, Unterricht und allgemeiner Erziehung zusammengefasst, die sich Ende des 19. Jahrhunderts und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gegen Lebensfremdheit und Autoritarismus der vorherrschenden wilhelminischen "Paukschulen" wandten. In Deutschland gab es eine starke wechselseitige Beeinflussung mit der Jugendbewegung. Einige Reformpädagogen verbanden eine liberale Grundhaltung mit starkem sozialem Engagement, andere dachten eher völkisch.
Wichtige Prinzipien waren die Selbsttätigkeit der Schüler, das freie Gespräch, Erlebnispädagogik, Schulgemeindepädagogik, praktische Tätigkeiten oder Lernen durch Handeln. Reformpädagogen traten mit dem Konzept der Arbeitspädagogik auch auf der Reichsschulkonferenz zu Beginn der Weimarer Republik auf.
Mit dem Nationalsozialismus endete ab 1933 die Reformbewegung für mehr Chancengleichheit und Selbstbestimmung in der Schule. Dennoch erhielten sich Züge der Jugendbewegung in der Hitler-Jugend.
Die reformpädagogischen Initiativen blieben trotz ihrer "Wortführerrolle" (Detlev Peukert, Die Weimarer Republik, 1987, S. 146) insgesamt eine gesellschaftliche Randerscheinung und begründeten keine tiefgreifende Bildungsreform in Deutschland.
Unter anderem aufgrund des Sputnik-Schocks 1957, aber auch im Zuge der allgemeinen Durchdringung der Gesellschaft durch wissenschaftliches Denken wurden in den USA seit Ende der 1950-er bzw. Beginn der 1960-er Jahre Versuche einer Bildungsexpansion und höheren Qualifizierung unternommen.
Da in der Bundesrepublik gerade einmal 8% eines Altersjahrganges studierten, der Großteil der Bevölkerung jedoch nur Volksschulbildung besaß, setzte eine Diskussion ein über eine erforderliche Bildungsexpansion. Insbesondere das Buch "Die deutsche Bildungskatastrophe" von Georg Picht aus dem Jahr 1964 schob eine publizistische und politische Diskussion dieses Themas an. Die Expansion wurde teilweise technisch-ökonomisch, teilweise auch politisch mit dem Ziel einer größeren Demokratisierung der Gesellschaft (Ralf Dahrendorf) begründet. Mit der Studentenrevolte 1967/1968 traten marxistische Emanzipationstheorien hinzu. Auch bei den Wählern stießen Konzepte der Bildungsmodernisierung auf Zustimmung, da sie Hoffnungen auf einen "Aufstieg durch Bildung" machten. Nicht zuletzt gerieten Defizite der Frauenbildung in die Diskussion. Ein Schwerpunkt der sozialliberalen Koalition ab 1969 lag in der Bildungspolitik.
In den 1960-er Jahren leitete das Hamburger Abkommen 1964 die Reform der unteren Schulformen und Vereinheitlichung der Schulsysteme der Bundesländer ein, es folgten der Hochschulausbau als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern und viele Hochschulneugründungen wie die Ruhr-Universität Bochum, Universität Bielefeld oder in Bayern die Universitäten Augsburg, Passau oder Bamberg.
Die Einführung einer allgemeinen Förderung durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz 1971 für Schüler der gymnasialen Oberstufe, der Beruflichen Schule und Studenten ermöglichten breiteren Bevölkerungsschichten den Hochschulzugang und bessere Bildung.
Auch die Berufsausbildung wurde im Berufsbildungsgesetz 1969 reformiert. Seitdem hieß der vormalige Lehrling Auszubildender.
Eine weitere Steigerung des Bildungsniveaus versprachen sich die Reformer durch die Verwissenschaftlichung des Schulunterrichtes und die Oberstufenreform ab 1972. Das Kurssystem sollte die studienvorbereitende, wissenschaftspropädeutische Funktion des Abiturs verbessern.
Der so genannte "Öffnungsbeschluss" für die Hochschulen durch die verantwortlichen Bundesländer erfolgte 1977. Die Schere zwischen den Studienanfängern und -plätzen öffnete sich und wurde nur durch juristisch aufwändige Zulassungsbeschränkungen reguliert. Der Beschluss verkleinerte zwar die Fächerzahl mit Numerus clausus, führte aber zu einer Überfüllung der Universitäten bzw. Unterfinanzierung angesichts der hohen Studierendenzahlen.
Im Geldmangel zeigte sich das Problem dieser Phase der Bildungsreform, die bei leeren öffentlichen Kassen viele Ansätze verkümmern ließ. Mitte der 1970-er Jahre ließ der Reformeifer nach, der Konsolidierung und Nachbesserung wurde Vorrang gegeben. Konservative Kritiker warfen den Reformen vor, die Bildungsexpansion auf Kosten der Leistungen voranzutreiben ("Bildungsinflation"). Linke stellten ernüchtert fest, dass sie den benachteiligten Unterschichtkindern am wenigsten genutzt hatten. Mit der zunehmenden Zahl von Migrantenkindern stellten sich auch viele Fragen an ein integratives Schulsystem ganz anders.
Die Entwicklung des Bildungssystems der DDR, soweit es nicht bereits in der Sowjetischen Besatzungszone umgestellt worden war, vollzog sich in zwei Reformschüben nach der Gründung der DDR 1949 und mit der Bildungsreform von 1965 im "Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem". Wesentlich war die ideologische Ausrichtung des gesamten Schul- und Hochschulwesens auf die sozialistische Ideologie. Damit gingen einher die Abschaffung des gegliederten Schulwesens, die Beteiligung der kommunistischen Jugendorganisation, der Freien Deutschen Jugend, am Schulbetrieb, die Einführung und Stärkung ideologisch genehmer Unterrichtsfächer (Russisch als Pflichtfremdsprache, Polytechnik, Staatsbürgerkunde, später Wehrunterricht sowie Abschaffung systemwidriger Fächer (Religionsunterricht, alte Sprachen). Alle Unterrichtsinhalte wurden so weit als möglich systemkonform gemacht, die Lehrerausbildung ideologisch ausgerichtet. Dennoch zeigten sich einige Verbesserungen im Bildungssystem mit anerkennenswerten Leistungen: z. B. das gute Niveau der mathematisch-naturwissenschaftlichen Kenntnisse, die geringe Quote von Jugendlichen ohne Ausbildung.
Als 1990 die Übernahme der westlichen Schulstruktur in den neuen Bundesländern anstand, entschieden sich Sachsen und Thüringen für eine zweigliedrige Sekundarstufe mit dem Gymnasium von Klasse 5 bis 12 und der Mittelschule bzw. Regelschule von Klasse 5 bis 10, die nach der Orientierungsstufe den Realschulgang und den Hauptschulgang in sich vereint. Geeignete Schüler können das Abitur am Gymnasium nach 12 Schuljahren oder am Fachgymnasium nach dreizehn Schuljahren erreichen.
Diesem Modell sind inzwischen Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland und Rheinland-Pfalz unter anderen Namen wie Regionale Schule gefolgt. In Bremen und Sachsen-Anhalt heißt es Sekundarschule.
Ein aktueller Vorschlag in Hamburg zu dem Thema ist die Umsetzung eines Zwei-Säulen-Modells, Stadtteilschule und Gymnasium nebeneinander, das zum 1. August 2009 angestrebt wird. Danach sollen Stadtteilschulen künftig alle Schulabschlüsse bis hin zum Abitur nach 13 Jahren anbieten. Das Gymnasium soll schon nach 12 Jahren zur Hochschulreife führen. Welches Kind in welche Schule geht, soll wie bisher zunächst vorläufig nach der vierten, endgültig dann nach der sechsten Klasse entschieden werden. Das eine Jahr Unterschied zum Erreichen des Abiturs lässt sich vergleichen mit dem Verkürzen einer Ausbildung um ein halbes Jahr: es führt zum gleichen Ziel, ist aber etwas schwieriger.
In Berlin, Sachsen und Schleswig-Holstein werden Versuche mit der so genannten Gemeinschaftsschule unternommen, die im Wesentlichen eine integrierte Gesamtschule unter neuem Namen ist und verschiedene Formen des längeren gemeinsamen Lernens beinhaltet. Sie wird von der politischen Linken favorisiert und soll sich am erfolgreichen "finnischen Modell" orientieren.
Abitur
Das Abitur (von lateinisch abire = davongehen; daraus neulateinisch abiturire = abgehen werden, abituriens = Abiturient, abiturium = Abitur; kurz: Abi) bezeichnet in Deutschland den höchsten allgemeinbildenden Schulabschluss und ist die allgemeine Zugangsberechtigung für ein Hochschulstudium.
Dem Abitur geht die Abitur- oder Reifeprüfung (lat. Matura) voraus. Das Abitur- oder Reifezeugnis bescheinigt die erworbene Hochschulreife und Befähigung zu einem Studium an einer Universität bzw. Hochschule. Demgemäß ist das Abitur (Zeugnis der Reife) zuallererst die Allgemeine Hochschulreife, das sogenannte „Vollabitur” mit uneingeschränkter Studienberechtigung. Im Unterschied dazu beschränkt das Zeugnis der Fachgebundenen Hochschulreife die Hochschulzugangsberechtigung auf bestimmte – meist fachgebundene – Studiengänge.
Die lateinische Bezeichnung Matura/Maturität für die Reifeprüfung und das Reifezeugnis ist in der Bundesrepublik Deutschland unüblich; üblich ist auch hierfür die Bezeichnung Abitur.
Im 18. Jahrhundert bestimmten die Universitäten noch alleine über die Aufnahme von Studenten. Als erster deutscher Staat regelte Preußen die Hochschulzugangsberechtigung mit dem Abiturreglement von 1788, die der Kultusminister Karl Abraham von Zedlitz gegen kirchlichen Widerstand durchsetzte. Dieses Reglement geht auf Carl Ludwig Bauer zurück, der am Lyceum Hirschfeld 1776 zum ersten Mal ein besonderes Examen einführte, mit dem Schulabgänger auf ihre Hochschulreife geprüft wurden. Auch Johann Heinrich Ludwig Meierotto wirkte zu dieser Zeit als Rektor des Joachimsthalschen Gymnasiums Berlin in gleicher Richtung.
1896 konnten erstmals sechs Frauen in Preußen am Luisengymnasium Berlin Abitur machen.
Gymnasium und Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe bereiten in Deutschland mit ihrer zwei- bis dreijährigen Oberstufe auf das Abitur vor. Die gesamte Schulzeit bis zum Abitur beträgt 12 oder 13 Jahre: Primarstufe Klassen 1–4, Sekundarstufe I Klassen 5–10 (beim Abitur nach zwölf Jahren (G8): Klassen 5–9) und Sekundarstufe II Jahrgangsstufen 11–13 (G8: Jahrgangsstufen 10–12). Wenn die Schulzeit bis zum Abitur auf zwölf Jahre verkürzt wird, gilt die 10. Klasse zugleich als erstes Jahr der gymnasialen Oberstufe.
Das Abitur kann auch an beruflichen Gymnasien (zum Beispiel Wirtschaftsgymnasium, Technisches Gymnasium (TG), Ernährungswissenschaftliches Gymnasium (EG), Sozialpädagogisches Gymnasium (SG), in manchen Bundesländern auch Fachgymnasium genannt) bzw. Berufskollegs mit gymnasialer Oberstufe (Höhere Berufsfachschule) erworben werden. Die Jahrgangsstufe 13 der Fachoberschule oder die Berufsoberschule führt ebenfalls zur Allgemeinen Hochschulreife; ohne eine zweite Fremdsprache wird die fachgebundene Hochschulreife verliehen.
Staatliche und private Schulen bieten Lehrgänge des sogenannten Zweiten Bildungsweges an, die über sämtliche Schulabschlüsse bis zum Abitur führen.
In Baden-Württemberg können Erwachsene mit einem mittleren Bildungsabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung an den Berufsoberschulen ihr Abitur machen.
Das Abitur kann für Erwachsene mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder gleichgesetzten Tätigkeiten und Zeiten auch an Abendgymnasien und Kollegschulen, in einigen Regionen auch an Volkshochschulen erworben werden.
Einige dieser Schulen bieten das sogenannte „Abitur online“ an. Hierbei besucht der Schüler nur an zwei Abenden die Schule und wird er an den übrigen per Internet (online) unterrichtet. Tagsüber übt er weiterhin seinen Beruf aus.
Unter den Privatschulen sind die staatlich anerkannten „Ersatzschulen“ von den staatlich nur zugelassenen „Ergänzungsschulen“ zu unterscheiden. Die meisten Privatschulen, besonders die zahlreichen kirchlichen und die Waldorfschulen, sind staatlich anerkannt, so dass es möglich ist, die Hochschulreife regulär im Rahmen interner Prüfungen zu erlangen, die allerdings von der Schulaufsicht des jeweiligen Bundeslandes wie an staatlichen Schulen kontrolliert werden.
Andere nur staatlich zugelassene private Schulen mit einem Oberstufenzweig bereiten – tagsüber oder am Abend – auf das Abitur vor, das allerdings erst nach einer externen staatlichen Prüfung (sogenannte „Nichtschülerabiturprüfung“, „Schulfremdenreifeprüfung“ oder auch „Schulfremdenprüfung“) zuerkannt wird.
Weiterhin ist es möglich, sich nach selbst organisierter Vorbereitung für eine „Nichtschülerprüfung“ anzumelden, um das Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife zu erwerben (siehe unten).
Waldorfschulen führen in zwölf Schuljahren zu einem eigenen Abschluss, dem Waldorfschulabschluss, mit starkem Gewicht auf künstlerischen Fächern und sozialen Kompetenzen. Der Waldorfabschluss kann als gleichwertig mit einem staatlichen Hauptschul- oder Realschulabschluss anerkannt werden. Auf das Abitur bereiten die Waldorfschulen in einem zusätzlichen 13. Schuljahr vor, dieses wird dann dem staatlichen Abitur gleichgehend in acht Fächern unter Aufsicht einer Staatsschule abgelegt. Eine Ausnahme bildet Hessen, wo die Sekundarstufe II der Waldorfschulen meist als gymnasiale Oberstufe anerkannt ist. Das Prozedere unterscheidet sich damit nicht von staatlichen Schulen. Auf die Fachhochschulreife wird in der 12. Klasse vorbereitet, wobei dann der künstlerische Abschluss wegfällt. An einigen Waldorfschulen kann dies mit einem Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf verbunden werden. Dadurch kann man die Schule nach 14 Schuljahren mit Lehrberuf und Abitur verlassen.
Auch Fernschulen (zum Beispiel ILS, SGD oder HAF) bereiten in etwa 30 bis 42 Monaten – je nach Vorkenntnissen – auf die staatliche Externenprüfung zum Abitur vor. Dieser Weg wird vor allem von Erwachsenen genutzt, die parallel zu ihrem Berufsalltag ihr Abitur nachholen möchten.
Mit einem Hochschulabschluss (Universität, Fachhochschule usw.) verbunden ist die allgemeine Hochschulreife, wenn das Studium zuvor lediglich mit einem Zeugnis der fachgebundenen Hochschulreife oder der Fachhochschulreife aufgenommen wurde. Rechtsgrundlage hierfür sind die Hochschulgesetze der Bundesländer (zum Beispiel § 10 Abs. 3 Berliner Hochschulgesetz, Art. 43 Abs. 3 S. 2 Bayerisches Hochschulgesetz).
Mit Bestehen der Vordiplomprüfung an einer Fachhochschule wird in einigen Bundesländern Inhabern des Zeugnisses der Fachhochschulreife die fachgebundene Hochschulreife zuerkannt (vgl. Hessisches Hochschulgesetz § 63 Abs. 3 Satz 2). Je nach Bundesland unterscheidet sich unter anderem die Zahl der mit ihr möglichen Studienfächer.
Beim Abitur für Nichtschüler (auch: „Begabtenabitur“, „Nichtschülerabitur“, „Fremdenprüfung“ oder „Außerschulisches Abitur“) wird die allgemeine Hochschulreife durch eine Prüfung ohne vorangegangenen Besuch einer entsprechenden Schule erworben. Die Prüfungsvorbereitung erfolgt autodidaktisch oder mit Hilfe externer Anbieter, die Zulassung zur Prüfung durch das Kultusministerium des Bundeslandes, in dem die Prüfung abgelegt werden soll.
In den „Abitur- oder Reifeprüfungen“ werden die in der Oberstufe erworbenen Kompetenzen in ausgewählten vier oder fünf Fächern geprüft. Die Prüfungsnoten fließen in die Durchschnittsnote des Reifezeugnisses mit ein.
Die Abiturprüfungen erfolgen schriftlich und mündlich, das Verfahren unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland deutlich.
In 15 von 16 Bundesländern wird in den schriftlichen Prüfungen überwiegend ein sogenanntes Zentralabitur abgelegt. Nur Rheinland-Pfalz will das bisherige dezentrale Abitur beibehalten.
Die schriftlichen Abiturklausuren werden von einem Erst- und einem Zweitkorrektor bewertet. Das Verfahren zur Festlegung der schriftlichen Endnote unterscheidet sich in den einzelnen Bundesländern.
In welchen und wie vielen Fächern eine mündliche Prüfung abgelegt wird, ist ebenso unterschiedlich geregelt. Mindestens eine mündliche Prüfung ist obligatorisch. Auf Wunsch des Schülers kann teilweise in einzelnen Fächern eine zusätzliche mündliche Prüfung stattfinden, wenn er auf eine Verbesserung hofft. Die mündliche Prüfung wird von einer Prüfungskommission, bestehend aus drei Lehrern, abgenommen. In Privatschulen kann ein staatlicher Beauftragter den Vorsitz der Prüfung übernehmen oder der Prüfung beiwohnen.
Besondere Lernleistungen, zum Beispiel die Teilnahme an einem Bundeswettbewerb oder Seminarkurs oder eine Facharbeit (Jahresarbeit) werden bisher oft in die jeweilige Fachabschlussnote mit einbezogen. Sie können seit 2006 auch das vierte oder fünfte Prüfungsfach ersetzen.
2007 (2006) erwarben 432.500 (412.800) Schülerinnen und Schüler in Deutschland die Hochschul- oder Fachhochschulreife (4,2 Prozent plus seit 2006). Davon erreichten 302.200 Schüler die allgemeine Hochschulreife (= 69,9 Prozent), und zwar meist (258.900) an allgemeinbildenden Schulen. In Sachsen, Thüringen und Berlin war ein Rückgang der Abiturientenzahl zu verzeichnen.
2004/2005 erwarben erst 244.000 Abgänger allgemeinbildender Schulen die allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife (allgemeine Hochschulreife 24,1 Prozent; Fachabitur 1,3 Prozent; Realschulabschluss 41,6 Prozent; Hauptschulabschluss 24,8 Prozent; ohne Abschluss 8,2 Prozent). Dazu müssen die etwa 155.000 Absolventen der beruflichen Schulen mit allgemeiner Hochschulreife oder Fachhochschulreife (89,3 Prozent) gerechnet werden.
International gesehen ist die Abiturientenquote vergleichsweise gering. Sie liegt für 2005/2006 bei 43,1 Prozent. Ein Vergleich zwischen den Bundesländern zeigt, dass auch hier große Unterschiede existieren, ebenso zwischen Stadt und Land. Den geringsten Wert erreicht Mecklenburg-Vorpommern mit 32,2 Prozent, den höchsten Nordrhein-Westfalen mit 53,4 Prozent.
53,3 Prozent (2007) der Abiturienten sind weiblich.
Die deutsche Abiturientenquote wird gemessen als Anteil der Hochschulzugangsberechtigten an den 18- bis 20-jährigen, also den Abgängern aus den allgemeinen und beruflichen Schulen mit und ohne Abschluss.
Historisch ist ein langsames Anwachsen der Abiturientenzahl seit Anfang des 19. Jahrhunderts zu verzeichnen. Für 1820 wird ihre Zahl in Preußen mit 590 angegeben, für 1829 mit 1409. Die Zahl der deutschen Studenten stieg von 1815 bis 1830 von etwa 5000 auf über 16.000. Danach ging auch durch das Abiturreglement die Zahl wieder zurück, bevor sie in den 1850ern erneut anstieg. Die Abiturientenzahl lag damit dauerhaft unter ein Prozent des Altersjahrgangs. Um 1900 schwankte sie zwischen ein und zwei Prozent, auch weil einige Mädchen dazukamen. Ein Großteil der Gymnasiasten machte keinen Abiturabschluss. Die deutsche Studentenzahl stieg aber von 1860 bis 1914 rasant von 11.901 auf 60.235.
Da die Bildung in Deutschland im Kompetenzbereich der Länder liegt, gibt es von Bundesland zu Bundesland Unterschiede im Abitur. Für alle verbindlich sind aber die von der Kultusministerkonferenz (KMK) vereinbarten „Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung“ (EPA), die bundesweit für alle Fächer in der Abiturstufe dienen.
Ebenso sind die Notendurchschnitte der Abiturprüfungen in den Ländern unterschiedlich: So weisen die Länder Bayern und Baden-Württemberg einen wesentlich besseren Notendurchschnitt auf als die Länder Berlin oder Nordrhein-Westfalen.
Das Abitur geht seit Jahrzehnten einher mit diversen Bräuchen, die zum Teil regional unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Oft erfolgt etwa die Übergabe der Zeugnisse im Rahmen eines festlichen Abiballs. Immer häufiger nehmen die Abiturienten an einer gemeinsamen Abireise teil, ähnlich der amerikanischen Spring Break. Nach außenhin zeigen die Abiturienten anhand eines Abishirts, dass sie ihr Abitur bestanden haben. Außerdem veranstalten Abiturienten oft einen Abistreich, bei dem sie die Schule für einen Schultag erobern dürfen und in Absprache mit dem Lehrerkollegium beispielsweise Lehrer-Schüler-Spiele oder sonstige Unterhaltung für die anderen Schüler durchführen. Seit den achtziger Jahren entwickeln viele Schüler der Abitur-Jahrgangsstufen sogenannte „Abi-Logos“. Das sind Logos, die meist auf den Rückscheiben von Autos, T-Shirts oder Webseiten zu finden sind und oftmals auf selbst kreierten Slogans mit Abiturbezug basieren. Die Dokumentation dieser Bräuche kann zudem – neben einer Rückbetrachtung der gewöhnlichen Schulzeit – nennenswerte Teile der Abiturzeitung füllen. An einigen Schulen verewigen sich die Schüler mit der Gestaltung einer Wand oder dem Einlassen eines Steins in den Schulhof.
Nacionalinis egzaminų centras
Nacionalinis egzaminų centras (NEC), Nationales Zentrum für Prüfungen ist die litauische Behörde, die für das Prüfungsverfahren der Abiturienten zuständig ist. Das sog. Zentralabitur ist in Litauen seit 1999 stufenweise eingeführt worden und umfasst jetzt alle staatlichen Abiturprüfungen.
Das Zentrum stellt die schriftlichen Prüfungsaufgaben, führt die Prüfungen durch und korrigiert die schriftlichen Aufgaben bzw. bewertet die Ergebnisse der litauischen Abiturienten. Nach der bestandenen staatlichen Prüfung ist der Weg zum Studium an litauischen und europäischen Hochschulen möglich.
Die Existenz einer staatlichen Behörde im Bildungswesen bezüglich nur der Abiturprüfungen zeugt vom Misstrauen gegenüber Staatsbeamten (Lehrern) in Gymnasien und Mittelschulen in einem so kleinen Land wie Litauen (3,4 Mio. Einwohner). Die Zentralisierung der Prüfungen haben viel zur Transparenz beigetragen und alle Prüfungsmodalitäten vereinheitlicht.
Zur Zeit gibt es aber Bedenken, da die Anforderungen an alle Abiturienten gleich gestellt werden, obwohl sich die Qualifikation der Lehrer in den Schulen von Großstädten und Kleinstädten oftmals unterscheidet und dadurch nicht die gleichen Vorbereitungsbedingungen gesichert sind. Außerdem variiert die Zahl der Schüler in einzelnen Gruppen (Klassen) von 10 bis 30. Darum gewinnen die Dienstleistungen von Korepetitoren immer stärker an Popularität.

