Weimar

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Geschrieben von c3po 14/04/2009 @ 09:12

Tags : weimar, thüringen, deutschland, hessen

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Weimar

Wappen der Stadt Weimar

Weimar ist eine kreisfreie Stadt in Thüringen (Deutschland), die vor allem für ihr kulturelles Erbe bekannt ist. Weimar liegt an einem Bogen der Ilm südöstlich des Ettersberges, der mit einer Höhe von 478 Metern der höchste Berg im Thüringer Becken ist. Sie ist nach Erfurt, Jena und Gera die viertgrößte Stadt Thüringens, außerdem ist sie jene mit dem höchsten Bevölkerungswachstum im Freistaat.

Weimar ist ein Mittelzentrum mit Teilfunktionen eines Oberzentrums und seit 2004 offizielle Trägerin des Beinamens Universitätsstadt. Neben der Bauhaus-Universität beherbergt die Stadt die Hochschule für Musik Franz Liszt und die Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Außerdem haben in der Stadt zahlreiche Behörden ihren Sitz, wie zum Beispiel das Thüringer Oberverwaltungsgericht, der Thüringer Verfassungsgerichtshof und das Thüringische Landesamt für Archäologie.

Zum kulturellen Erbe der Stadt gehören neben der dominierenden Weimarer Klassik um Wieland, Herder, Goethe und Schiller auch das Bauhaus und die Gründung der ersten Republik auf deutschem Boden, der Weimarer Republik (1919).

Außerdem war Weimar seit 1572 Hauptstadt von Sachsen-Weimar bzw. Sachsen-Weimar-Eisenach. Dies war der erste Staat Deutschlands, der sich eine Verfassung gab (1816). Von 1920 bis 1948 war Weimar die Hauptstadt des Landes Thüringen. 1999 war sie die Kulturstadt Europas.

Weimar liegt in rund 200 Metern Höhe in der Mitte Thüringens. Die Landschaft wird durch fünf Regionen bestimmt. Durch die Stadt verläuft die Ilm in einem Bogen. Sie tritt bei Taubach im Südosten ins Stadtgebiet ein, fließt weiter durch Oberweimar und die Altstadt, bevor sie unterhalb Tiefurts das Stadtgebiet in nordöstlicher Richtung verlässt. Nach Westen erstreckt sich vom Ilmtal an das Thüringer Becken als zweite Landschaftskomponente. Es handelt sich um eine fruchtbare, sanft hügelige Lößlandschaft, in der die Ortsteile Gaberndorf, Tröbsdorf und Niedergrunstedt liegen. Das nördliche Stadtgebiet wird vom Ettersberg eingenommen. Er ist mit 478 Metern der höchste Berg im Thüringer Becken und erstreckt sich über rund acht Kilometer von Ottstedt am Berge im Westen bis nach Schöndorf im Osten. Der Ettersberg ist mit Buchen- und Eichenmischwald bestanden. Auf der Weimar abgewandten Seite liegt dort die Gedenkstätte Buchenwald. Östlich des Ilmtals erhebt sich die Ilm-Saale-Platte, eine mächtige, trocken-verkarstete Muschelkalk-Formation. Sie bricht zum Ilmtal hin steil ab, was in einigen Stadtbereichen gut sichtbar ist, beispielsweise im Park Tiefurt. Auf ihr liegt der Ortsteil Süßenborn. Im südlichen Stadtgebiet liegt die Buntsandstein-Formation des Tannrodaer Sattels. Höchste Erhebungen sind hier der 380 Meter hohe Rosenberg und die 363 Meter hohe Gelmerodaer Höhe. In diesem Bereich verläuft die Bundesautobahn 4. Nördlich von ihr liegt der Ortsteil Gelmeroda sowie südlich die Dörfer Legefeld und Possendorf. Der Belvederer Forst ist hier neben dem Ettersberg das zweite Waldgebiet der Stadt.

Die Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd-Richtung etwa 13 Kilometer und in West-Ost-Richtung etwa neun Kilometer. Nachbarstädte sind Erfurt etwa 20 Kilometer westlich, Jena etwa 20 Kilometer östlich, Apolda etwa 15 Kilometer nordöstlich und Bad Berka etwa 10 Kilometer südlich. Dadurch nimmt Weimar auf der Thüringer Städtekette eine Verbindungsfunktion zwischen den beiden größten Städten Thüringens, Erfurt und Jena, ein.

Weimar befindet sich im Zentrum der Thüringer Mulde, einer sedimentären Struktur des Zechstein und der Trias, die den Untergrund der Stadt mit Muschelkalk und Keuper dominiert. Etliche Verwerfungen im Stadtgebiet wie die Weimarer Störung und die Oberweimarer Störung, die in NO-SW-Richtung liegen und durch Faltung entstandene Rücken komplizieren das geologische Bild. Entlang der durch die Störungen entstandenen Senke fließt seit dem Mittelpleistozän die Ilm, die weitere Schichten (Schotter) eintrug. Travertin und Löß aus dem Pleistozän und Holozän bilden Deckschichten, während sich in der Kaltzeit des Pleistozän Solifluktionszungen in NW-Richtung bildeten.

Die Stadt befindet sich bei 11°18,6' östlicher Länge und 50°58,6' nördlicher Breite in der Westwindzone. Weimar gehört aufgrund seiner Lage zur Vegetationszone des sommergrünen Laubwaldes im humiden Klimagebiet. Beeinflusst wird das lokale Klima durch die Lage „hinter“ dem Ettersberg, der die Stadt nach Norden und Nordwesten abschirmt. Dadurch wird das Klima etwas wärmer und trockener als in anderen Regionen Mittelthüringens. Der Niederschlagsdurchschnitt liegt bei ca. 574 mm/Jahr (DWD).

Der älteste Siedlungskern Weimars ist der Bereich zwischen Graben, Schillerstraße und Stadtschloss mit dem Marktplatz und dem Herderplatz als Mittelpunkte. Noch im Mittelalter wurde das Jakobsviertel nördlich des Grabens bis zur Friedensstraße in die Stadtbefestigung einbezogen. In der Neuzeit wuchs die Stadt über ihre mittelalterlichen Grenzen hinaus und die Stadtmauern wurden abgetragen. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wuchs die Stadt sehr rasch in alle Himmelsrichtungen. Zwischen der Altstadt und der Thüringer Bahn entstand die Nordvorstadt mit den Straßen nach Ettersburg und Buttelstedt als Hauptstraßen, im Westen zwischen Schwanseestraße und Humboldtstraße die Westvorstadt, im Süden die Südstadt zwischen Berkaer Straße und Belvederer Allee. Im Osten entstand entlang der Jenaer Straße die Parkvorstadt. Bedingt durch den hohen Anteil an Beamten und Angestellten, der nur wenigen Arbeitern gegenüberstand, bestehen in diesen Vierteln vor allem Villen und verhältnismäßig wenige im Block gebaute Mietskasernen. Zwischen den einzelnen Stadtteilen erstrecken sich von der Altstadt bis zum Stadtrand ausgedehnte Grünflächen. Zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg entstanden zahlreiche Siedlungen am Stadtrand, die teilweise in erheblicher Entfernung zum Zentrum liegen (z.B. Ettersbergsiedlung fünf Kilometer nördlich). Zur Zeit der DDR wuchs Weimar nicht mehr; es gab auch keine bedeutende Industrie und folglich blieb der Wohnungsbau in geringem Umfang. Es entstanden die Plattenbaugebiete Weimar-West hinter der Berkaer Bahn, Weimar-Nord hinter der Thüringer Bahn und Waldstadt nördlich der Stadt am Ettersberg. Die Gewerbeflächen konzentrieren sich auf den Bereich hinter dem Bahnhof und in geringerem Ausmaß auch im Westen an der Erfurter Straße.

Die Nachbargemeinden Weimars liegen alle im Landkreis Weimarer Land. Sie werden im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordwesten genannt: Berlstedt, Ettersburg, Kleinobringen, Heichelheim, Großobringen, Wohlsborn, Kromsdorf, Umpferstedt, Mellingen, Vollersroda, Buchfart, Hetschburg, Bad Berka, Troistedt, Nohra, Daasdorf am Berge, Hopfgarten und Ottstedt am Berge.

In Ehringsdorf, einem Stadtteil im Südosten Weimars, wurde 1925 das Skelett des Ehringsdorfer Urmenschen gefunden, dessen Alter auf etwa 200.000 Jahre geschätzt wird.

In einem Torfstich bei Possendorf wurde 1850 ungefähr 6 m tief ein großer, stark abgenutzter Kupferkessel gefunden, der mehrfach repariert worden war. Um ihn herum waren sieben Gefäße angeordnet. Dabei lag auch eine anthropomorphe Holzfigur mit eingesteckten Armen. In der Nähe fand sich eine große Eiche und dabei ein menschliches Skelett. Der Kessel wird in die Zeit zwischen dem 4. und dem 1. Jahrhundert v. Chr. datiert, das einzige erhaltene Tongefäß wird um die Jahrhundertwende vom 2. zum 1. Jahrhundert angesetzt. Eine längere Nutzung des Platzes ist nicht festzustellen. Es könnte sich um eine rituelle Vergrabung von Kultgerät handeln.

Die ältesten Aufzeichnungen über Weimar reichen bis ins Jahr 899 zurück. Der Name änderte sich im Laufe der Jahrhunderte von „Wimares“ über „Wimari“ zu „Wimar“ und letztlich zu „Weimar“, was aus den altgermanischen Worten wih für heilig bzw. geweiht und dem althochdeutschen mar für See, Sumpf oder Moor abgeleitet wird.

Zwischen 946 und 1346 existierte die Grafschaft Weimar (später als Grafschaft Weimar-Orlamünde) als eigenständige politische Einheit. Kaiser Otto II. erwähnte auf einer am 3. Juni 975 für das Kloster Fulda ausgestellten Urkunde die Siedlung Burg Weimar; diese gilt als „Geburtsurkunde der Stadt“, obwohl nicht ganz sicher ist, ob mit „Wimares“ wirklich die heutige Stadt gemeint ist. Es könnte auch der Ort Wechmar gemeint gewesen sein, der sich viel besser in den vermeintlichen Reiseweg Ottos einfügt. Sicher dagegen ist, dass obwohl es sich bei der Burg keineswegs um eine steinerne sondern nur um eine mit Palisaden versehene Wallanlage handelte, sie verhältnismäßig sicher gewesen sein muss. Sowohl die Truppen von König Otto III., die 984 den Grafen Wilhelm II. in seiner Burg bedrängten, als auch im Jahre 1002 die um die Vorherrschaft in Thüringen kämpfenden Ekkehardiner mussten die Belagerung erfolglos aufgeben. Zerstört wurde sie im Winter 1173/74 durch den Landgrafen Ludwig III. aus dem Hause der Ludowinger, die inzwischen zur Territorialmacht in Thüringen aufgestiegen waren. Allerdings wurde sie schnell wieder aufgebaut, denn im Jahr 1214 fand eine erneute Belagerung der diesmal ausdrücklich als castrum Wimar bezeichneten Anlage statt.

Im Jahr 1250 ist dann auch erstmals die Rede von einer Siedlung, die sich aber schon früher im Schutze der Burg gebildet haben musste. Zwischen 1245 und 1249 wurde die spätere Stadtkirche erbaut und spätestens 1254 dem Apostel Peter und bis 1433 beiden Aposteln Peter und Paul geweiht. Das Patronat der Stadtkirche wurde am 16. September 1284 dem Deutschritterorden übergeben, der die Geistlichen bis zur Reformation stellte. Der Orden, der der Diözese Mainz unterstellt war, verfügte über einen ausgedehnten Grundbesitz um die Stadtkirche herum und in der Rittergasse, der 1525 der Stadt zufiel. Spätestens seit 1307 war der Ritterorden mit dem Schulwesen betraut, mit der Krankenpflege ab 1383 in einem Spital an der Stelle des heutigen Marstalls.

Nach dem Aussterben der Ludowinger im Jahr 1247 konnten sich die Grafen von Weimar-Orlamünde nur schwer gegen die Wettiner halten, die nach dem thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg den Großteil Thüringens übernommen hatten. Zuerst verkauften sie Orlamünde an das Haus Wettin und schließlich mussten sie nach der Niederlage im Thüringer Grafenkrieg im Jahre 1365 auch Weimar als Lehen an die Wettiner abtreten. Seit der Leipziger Teilung war es in der Hand der ernestinischen Linie der Wettiner und ab 1547, nach der Wittenberger Kapitulation und dem damit verbundenen Verlust der bisherigen Hauptstadt Wittenberg, deren Hauptsitz.

Erst im Jahr 1410 hatte Weimar die Stadtrechte und damit eine den anderen wettinischen Städten vergleichbare Rechtsstellung erhalten. Der darauf folgende Aufschwung wurde aber bald im Jahr 1424 von einem verheerenden Stadtbrand zunichte gemacht. Den Wiederaufbau versuchten die Wettiner durch mehrmaligen Steuererlass, Zinsbefreiungen und Verleihung zusätzlicher Marktrechte zu fördern. Als wichtigste Maßnahme wurden die vorher bereits vorhandenen unbedeutenden Befestigungen der Burganlage auf die ganze Stadt ausgedehnt. Es entstand eine doppelte Stadtmauer in Form eines Doppelringes im Abstand von acht bis zehn Metern mit zehn Türmen und vier zusätzlich befestigten Toranlagen. Reste dieser Stadtbefestigung sind heute noch vorhanden, so unter anderem der Kasseturm am Goetheplatz.

1552 machte Herzog Johann Friedrich der Großmütige Weimar zur Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Weimar (später Sachsen-Weimar-Eisenach). Haupt- und Residenzstadt dieses Staates blieb Weimar bis 1918.

Am 4. Oktober 1653 fand zum ersten Mal der Weimarer Zwiebelmarkt statt, ursprünglich ein Markt für Obst und Feldfrüchte, der sich heute zu einem Volksfest von überregionaler Ausstrahlung gewandelt hat.

Eine wichtige Rolle spielte die Stadt als Ort der Weimarer Klassik während der Regentschaft der Herzogin Anna Amalia und unter ihrem Sohn Herzog Carl August Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts durch die Anwesenheit Wielands, Goethes, Herders, Schillers und Falks sowie anderer wichtiger Persönlichkeiten der Epoche. Carl August war zum einen bereit, an seinem Hof Künstler zu beschäftigen, zum anderen ließ er ihnen aber auch die Freiheiten, das zu verwirklichen, woran sie selbst glaubten. Herzog Carl August galt als tolerant und aufgeklärt; er war 1816 auch der erste Monarch Deutschlands, der seinem Staat eine Verfassung gab. Das Wartburgfest deutscher Studenten von 1817 fand auf seinem Territorium statt.

Unter der Großherzogin Maria Pawlowna und ihrem Sohn Carl Alexander, sowie dessen Frau Sophie erlebte die Stadt auf künstlerischer und kultureller Ebene neuen Aufschwung. 1842 wurde Franz Liszt zum Kapellmeister berufen; 1849 floh Richard Wagner zu seinem Förderer und späteren Schwiegervater nach Weimar, bevor er sich in die Schweiz absetzte; Liszt setzte 1850 die Uraufführung von Wagners Lohengrin in Weimar durch.

Aber nicht nur die Musik wurde gefördert; 1860 gründete Carl Alexander die Großherzoglich-Sächsische Kunstschule Weimar, an der Persönlichkeiten wie Arnold Böcklin, Franz Lenbach und Reinhold Begas unterrichteten. Die von ihnen geprägte realistische Kunstströmung ging als Weimarer Malerschule in die Kunstgeschichte ein. Das Andenken an die Weimarer Klassik war ein weiteres Anliegen Carl Alexanders und seiner Frau: Die in seinem Auftrag errichteten Denkmale Goethes, Schillers, Herders und Wielands sind auch heute noch zu besichtigen. 1859/60 wurde das „Lesemuseum“ (heute „Niketempel“) auf Maria Pawlownas Kosten für die 1831 gegründete Lesegesellschaft erbaut, deren Anliegen es war, ihren Mitgliedern und der Öffentlichkeit den Zugang zu Zeitschriften zu ermöglichen.

Im „Silbernen Zeitalter“ nahm die Arbeiterbewegung einen Aufschwung, u.a. auf kulturellem Gebiet mit der Gründung des Freundschafts-Sängerbundes 1885, der durch den Hofchorsänger und Chordirigenten Emil Steiniger seit 1907 zu kultureller Blüte geführt wurde und verschiedene Folgegründungen von Arbeitergesangvereinen im Umland bewirkte.

Auch Carl Alexanders Sohn Wilhelm Ernst verpflichtete sich u. a. der Förderung der Bildenden Kunst; unter seiner Regierung wurde Weimar zu einem Zentrum der Moderne. 1910 erhob er die von seinem Vater gegründete Großherzoglich-Sächsische Kunstschule Weimar in den Rang einer Hochschule, 1905 gründete er die Weimarer Bildhauerschule unter der Leitung von Adolf Brütt. 1907 erfolgte die Gründung der Großherzoglichen Kunstgewerbeschule, 1904 bis 1911 war die Gesamtplanungs- und Bauzeit der dafür von Henry van de Velde im Jugendstil erbauten Gebäude. 1903 stattete van de Velde das „Nietzsche-Archiv“ in Weimar aus und erbaute 1907–1908 sein eigenes Wohnhaus „Haus Hohe Pappeln“.

1846 erhielt Weimar Anschluss an die Eisenbahn (Strecke Halle–Erfurt). Eine weitere wichtige Bahnstrecke war die 1876 eröffnete Weimar-Geraer Bahn nach Jena und Gera. 1887 folgten die Weimar-Rastenberger Eisenbahn nach Buttstädt (seit 1946 stillgelegt) und die Ilmtalbahn nach Bad Berka. Dennoch kam es in Weimar nicht zu dem großen industriellen Aufschwung, wie er in anderen Städten Thüringens nach dem Bahnanschluss eintrat. Weimar blieb weiter eine Verwaltungs- und Residenzstadt. Am 9. November 1918 verzichtete Wilhelm Ernst nach Verhandlungen mit August Baudert für sich und seine Nachkommen auf den Thron des Großherzogtums und siedelte mit seiner Familie nach Heinrichau (heute: Henryków) um.

Im Jahre 1919 fand im Deutschen Nationaltheater in Weimar die verfassungsgebende Versammlung der Nationalversammlung statt. Basierend auf diesem Ereignis wurde die dann folgende Ära von 1919 bis 1933 als Weimarer Republik bezeichnet. Weimar wurde außerdem am 1. Mai 1920 Landeshauptstadt des neu gegründeten Landes Thüringen. 1919 wurde in Weimar auch das Bauhaus durch die Vereinigung der Kunstschule in Weimar mit der 1907 von Henry van de Velde gegründeten Großherzoglich Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar gegründet.

Im Vorfeld des Nationalsozialismus lieferten sich die Kulturschaffenden Weimars regelrechte „Publikationsschlachten“. Insbesondere die Auseinandersetzungen zwischen der freigeistigen Gruppe um Harry Graf Kessler (aus der das Bauhaus hervorging) und der völkisch-nationalistischen Gruppe um Adolf Bartels (die den geistigen Weg zur Macht Adolf Hitlers bereitete) hielten die Stadt in ständiger Polarität. Dies führte 1925 auch zum Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau.

Politisch entwickelte sich Weimar zwischen den Kriegen zu einem Zentrum konservativer und nationalistischer Strömungen. 1926 hielt die NSDAP ihren zweiten Parteitag nach der Neugründung vom 3. bis 4. Juli 1926 in Weimar ab. Auf diesem Parteitag wurde am 4. Juli 1926 offiziell die Hitlerjugend gegründet. Für die Nationalsozialisten war Weimar von doppelter symbolischer Bedeutung: als Gründungsort der verhassten Republik und als Zentrum der großen deutschen Kulturtradition. Hitler selbst besuchte Weimar über 40 Mal. 1939 war die Hälfte aller Erwerbstätigen der Stadt als Beamte in der Verwaltung tätig. Auch als Alterswohnsitz erfreute sich die Stadt zwischen den Weltkriegen großer Beliebtheit.

Trotz schwacher Industrie wuchs die Bevölkerung schnell, von etwa 37.000 im Jahr 1914 auf etwa 50.000 Einwohner im Jahr 1928. Auch der Tourismus entwickelte sich gut. Dennoch wurde die dominierende Mittelschicht durch die Wirtschaftskrise 1923/24 getroffen. Die Vermögensverluste durch die Inflation und die Arbeiterunruhen verstärkten die Distanz der Mittelschicht zur Weimarer Republik. Die Weltwirtschaftskrise 1929 bewirkte in angespannter Lage einen deutlichen Rückgang des Tourismus.

Vor diesem Hintergrund entwickelte sich ein national-konservatives Milieu, von dem vor allem die DVP und die DNVP profitierten. Unterstützt wurde diese Entwicklung von Strömungen innerhalb der evangelischen Kirche. So war Weimar während der Zeit des Nationalsozialismus eine Hochburg der Deutschen Christen.

Schon im März 1930 war mit Innen- und Volksbildungsminister Wilhelm Frick der erste NS-Minister in einer Landesregierung aufgetreten, was in Weimar zu einer Infiltration der Polizei mit Nationalsozialisten führte. Zunehmend etablierte sich die NSDAP auch in Weimar und trat schließlich 1932 gemeinsam mit DNVP und DVP zu den Stadtratswahlen an. Im August 1932 übernahm die NSDAP unter dem in Weimar residierenden NSDAP-Gauleiter Fritz Sauckel die Regierung in Thüringen.

Wie überall im Reich setzte mit der Übergabe der Kanzlerschaft an Adolf Hitler die Verfolgung von politischen und humanistischen Gegnern des NS-Regimes ein. Am 1. April 1933 wurden jüdische Geschäfte und Einrichtungen boykottiert. Am 21. Juni 1933 fand im heutigen Ortsteil Niedergrunstadt bei der Sonnwendfeier des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes in Nachahmung der „Aktion wider den undeutschen Geist“ eine Bücherverbrennung statt. Zahlreiche Hitlergegner wurden in mehreren Prozessen mit Gefängnis- und Zuchthausstrafen überzogen und in die ersten KZ Nohra und Bad Sulza und später in das KZ Buchenwald verbracht. Dennoch bildeten sich kommunistische und sozialdemokratische Widerstandsgruppen, die Aufklärungs- und Sabotagearbeit leisteten. Auch Geistliche und andere Anhänger der Bekennenden Kirche stellten sich gegen Maßnahmen des NS-Regimes. In Weimar wurden auch Todesurteile gegen Feinde der Nazis vollstreckt oder solche durch den Volksgerichtshof im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Nach dem Novemberpogrom von 1938 verließen zahlreiche jüdische Weimarer die Stadt zur Emigration, und die in der Stadt verbliebenen wurden ab 1942 mit Reichsbahn-Transporten in die östlichen Vernichtungslager deportiert. In der Gestapozentrale Marstall wurden Gefangene grausam gefoltert und getötet. Beim Abzug von SS und Gestapo im April 1945 wurden 149 Gefangene, darunter sieben Frauen, im Webicht ermordet. Nach dem Krieg wurde dort den Opfern ein Gedenkstein errichtet. In den Krankenhäusern der Stadt wurden Zwangssterilisationen durchgeführt und Behinderte in „Euthanasie“-Anstalten verlegt. Hunderte von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen fanden den Tod und sind auf dem Hauptfriedhof bestattet.

Im Sommer 1937 wurde mit dem Bau des Konzentrationslagers Buchenwald auf dem Ettersberg begonnen. Von den etwa 250.000 Häftlingen wurden dort bis 1945 mehr als 56.000 ermordet. Am 11. April 1945 befreiten die US-amerikanischen Truppen das Lager. Eine Selbstbefreiung durch die Gefangenen gab es nicht. Zwar empfingen die US-Truppen am 8. April einen Hilferuf per Funk aus dem Lager, jedoch konnten die Häftlinge erst nach dem Eintreffen der US-Armee die verbliebenen SS-Leute entwaffnen. Nach dem Ende des NS-Regimes wurde Buchenwald noch fünf Jahre als Internierungslager der sowjetischen Militärpolizei genutzt, in dem 7.000 von 28.000 Inhaftierten starben.

Bei Bombenangriffen – fast ausschließlich der US Air Force – auf Weimar am 9. und am 27.Februar sowie am 10.März 1945 wurde die Innenstadt schwer in Mitleidenschaft gezogen. 965 Tonnen Bomben wurden abgeworfen. Allein am 9. Februar 1945 verloren etwa 300 Einwohner ihr Leben. Insgesamt 325 Gebäude wurden zerstört und weitere 210 schwer beschädigt. Darunter waren die Herderkirche, das Gelbe Schloss, Jägerhaus, Zeughaus, Wittumspalais, Tempelhaus im Goethepark, Kulissenhaus am Theaterplatz, Landesmuseum, Nationaltheater, Hofapotheke, Stadthaus, Fürstenkeller und Gasthof zum Erbprinz. In Mitleidenschaft gezogen wurden auch: Goethehaus, Vulpiushäuser, Schillerhaus, Residenzschloss, Goethes Gartenhaus, Kirms-Krakow-Haus, Sächsischer Hof und Deutschritterhaus. Diese kulturell wertvollen Gebäude wurden größtenteils wieder aufgebaut, nicht wenige – trotz des allgemeinen Mangels – bereits kurz nach dem Krieg.

Denkmäler – so das Goethe-Schiller-Denkmal vor dem Theater – waren wegen der drohenden Luftangriffe „eingehaust“ worden. Bewegliches Kulturgut wurde nach außerhalb verlagert. So verbrachte man Museumsbestände nach Schloss Schwarzburg, auf die Veste Wachsenburg bei Arnstadt, auf die Dornburger Schlösser und in die Staatliche Schnitzerschule in Empfertshausen/Rhön. Dort wurden allerdings unter der amerikanischen und insbesondere der sowjetischen Besatzung wertvolle Gegenstände, vor allem viele Gemälde, entwendet.

Weimar spielte auch in der "Friedlichen Revolution" in der DDR 1989/90 eine Rolle. Beginnend am 24.Oktober 1989 und ausgehend vom "Platz der Demokratie" fanden -jeweils am Dienstag- Großdemonstrationen statt, am 31.Oktober wurde die Teilnehmerzahl auf 15.000 geschätzt. Die Demonstrationszüge führten zu staatlichen Dienststellen, auch und besonders zur Kreisdiensstelle des Ministeriums für Staatssicherheit. Angeführt wurden die Demonstrationen von Pfarrer Christoph Victor, Diakon H.J. Olbrecht und Aktivisten des "Neuen Forum". "Gemeindeabende" in der Herderkirche ("Suchet der Stadt Bestes") waren überfüllt. Zunächst wurden Demokratie in der DDR und Öffnung der Stasi-Archive, später die Wiedervereinigung Deutschlands gefordert.

Am 5. November 1993 beschlossen die EU-Kulturminister, Weimar für das Jahr 1999 zur „Kulturstadt Europas“ zu ernennen.

Dies war eine besondere Herausforderung, da die Stadt Weimar 1995 praktisch bankrott war und in Weimar als erster deutscher Gemeinde mit Horst Krautter ein externer Controller eingesetzt wurde. Der aus Württemberg stammende Krautter wurde zusammen mit dem früheren Stadtkämmerer Egbert Geier durch die staatliche Kommunalaufsicht eingesetzt, um die städtischen Finanzen zu sanieren. Ansonsten hätte Weimar ein Staatskommissar gedroht.

Weimars besondere kulturgeschichtliche Bedeutung über verschiedene Epochen hinweg wurde bereits mehrfach von der UNESCO gewürdigt. 1996 wurde der Eintrag „Bauhaus und seine Stätten in Weimar und Dessau“ in die Welterbeliste aufgenommen, wobei Weimar hier mit drei Objekten vertreten ist: die ehemalige Kunstgewerbeschule Weimar, das heutige Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar, sowie das Haus Am Horn. 1998 folgte ein weiterer Eintrag der das Ensemble „Klassisches Weimar“ aus insgesamt elf verschiedenen Denkmälern der Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. 2001 wurde zuletzt der literarische Nachlass von Goethe aus dem Goethe- und Schiller-Archiv in das Weltdokumentenerbe (Memory of the World) aufgenommen.

Seit dem 1. Mai 2004 ist die Stadt Weimar Trägerin des Beinamens „Universitätsstadt“. Die Bauhaus-Universität Weimar wurde 1996 von einer Hochschule zu einer Universität erweitert.

2004 und 2008 erhielt die Stadt beim Bundeswettbewerb Unsere Stadt blüht auf eine Goldmedaille.

Am Abend des 2. September 2004 zerstörte ein Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek 50.000 Bücher. Dabei gab es erhebliche Verluste von Werken des 16. bis 20. Jahrhunderts. Unmittelbar danach begannen die Arbeiten zum Wiederaufbau der Bibliothek wie auch zur Rekonstruktion beschädigter, aber nicht völlig verbrannter Werke. Die Wiedereröffnung fand am 24. Oktober 2007 im Beisein des Bundespräsidenten Horst Köhler statt.

Seit dem 7. Mai 2008 erinnern 15 von dem Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig vor ihren letzten Wohnorten verlegte Stolpersteine an die Schicksale jüdischer Einwohner Weimars, die von den Nazis verfolgt und Opfer der Shoa wurden.

Im Jahr 1955 erreichte die Einwohnerzahl der Stadt Weimar mit knapp 67.000 ihren historischen Höchststand. Die Bevölkerungszahl ist seit Ende der 1930er Jahre relativ stabil geblieben und schwankte die ganze Zeit - trotz hoher Arbeitslosigkeit und Geburtenrückgang seit der Wende in der DDR im Jahre 1989 - zwischen 60.000 und 67.000. In den letzten Jahren konnte Weimar allerdings das höchste Bevölkerungswachstum einer thüringischen Kommune verzeichnen.

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1833 handelt es sich um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst. Die Angaben beziehen sich ab 1843 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1966 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1843 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Die CDU und das Weimarwerk Bürgerbündnis sind Koalitionspartner.

Die Opposition besteht aus Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen und der SPD.

Stefan Wolf (SPD) setzte sich am 21. Mai 2006 bei einer Stichwahl mit 58,3 % gültigen Stimmen als Oberbürgermeister durch. Die Amtsübergabe fand am 1. Juli 2006 im Weimarer Rathaus statt.

Blasonierung: In einem goldenen, mit roten Herzen übersäten Schild ein rot gezungter, steigender schwarzer Löwe.

Der Löwe im herzbestreuten Schild ist das Wappen der Grafen von Orlamünde, dessen ursprüngliche blaue Tingierung auf die dänische Prinzessin Sophia, die Gemahlin Siegfrieds III. (1176–1206) zurückgeht und der nach Übergang der Grafschaft in wettinischen Besitz in schwarz umgefärbt wurde. In der Zeit von 1938 bis 1945 wurde ein neues Stadtwappen verwendet - ein aus vier Adlerköpfen gebildetes altrotes Hakenkreuz in Goldfassung, über das ein goldenes vierspeichiges Rad gelegt wurde. Die jetzige Wappenform wurde 1975 im Rahmen der 1000-Jahr-Feier eingeführt.

Das Deutsche Nationaltheater mit der Staatskapelle Weimar ist der bedeutendste Theaterbetrieb Weimars. Es handelt sich dabei um eine Doppelinstitution, bestehend aus dem Bühnenbetrieb Deutsches Nationaltheater und dem Orchester Staatskapelle Weimar.

Seit dem Mittelalter besitzt Weimar ein Stadtschloss, das mehrmals erneuert wurde. Aus der Zeit der Weimarer Klassik stammt dagegen das Wittumspalais, in dem Anna Amalia ihre letzten Jahre verbrachte. Schloss und Park Belvedere, außerhalb des Stadtzentrums gelegen, waren ursprünglich die Sommerresidenz der Weimarer Fürsten. Eine besondere Bedeutung hatten Schloss und Park Tiefurt als Lieblingsresidenz Anna Amalias und Treffpunkt ihres literarisch-musischen Kreises. Auch Schloss und Park Ettersburg hatten zu dieser Zeit eine ähnliche Funktion und gehören heute zur Stiftung Weimarer Klassik.

Die größte Kirche Weimars ist die Stadtkirche St. Peter und Paul, die im Wesentlichen um 1500 erbaut wurde. Sie ist auch als Herderkirche bekannt, dieser Name geht auf das Wirken des Theologen und Philosophen Johann Gottfried Herder zur Zeit der Weimarer Klassik zurückgeht. Das Altarbild wurde von Lucas Cranach dem Älteren und dem Jüngeren geschaffen.

Die barocke Jakobskirche, die ehemalige Hofkirche, ist die Traukirche Johann Wolfgang Goethes. Auf ihrem Kirchhof sind die Grabmale mehrerer berühmter Persönlichkeiten zu sehen.

Die katholische Herz-Jesu-Kirche wurde 1891 im Neorenaissancestil erbaut.

Der Stadtteil Gelmeroda hat eine Dorfkirche, die durch den Maler Lyonel Feininger bekannt ist.

Zeitgenössische Kunst wird sowohl im Neuen Museum Weimar ausgestellt, einer Einrichtung der Klassik Stiftung Weimar, als auch in der von einem Verein betriebenen Galerie Eigenheim. Das Bauhaus-Museum zeigt rund 500 Exponate der im Jahre 1919 in Weimar gegründeten Kunstschule Bauhaus. Darunter Werke von Walter Gropius und Johannes Itten.

Das Thüringische Landesamt für Archäologische Denkmalpflege unterhält in Weimar das Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens. Die Geschichte der Stadt selbst wird im Stadtmuseum dargestellt, das sich im Bertuchhaus befindet. Die Ausstellung beginnt mit den Spuren der frühesten Besiedelung und hat als Schwerpunktthemen unter anderem das Wirken Johann Sebastian Bachs und Friedrich Justin Bertuchs in Weimar sowie die Nationalversammlung 1919 und die Weimarer Republik. Das Weimarhaus, ein privates „Geschichts-Erlebnismuseum“ zeigt wichtige historische Ereignisse in Form von unterhaltsamen Dioramen.

Im Deutschen Bienenmuseum sind alle Aspekte der Imkerei zu betrachten. Das Ginkgo-Museum beschäftigt sich als einziges seiner Art mit Ginkgopflanzen.

Der bekannteste Verein der Stadt ist der Fußballverein SC 1903 Weimar, früher Motor Weimar. Er hat zu DDR-Zeiten meist in der DDR-Liga (2. Liga), kurzzeitig auch in der Oberliga (1. Liga) gespielt, befindet sich zur Zeit allerdings nur in der Thüringen-Liga. Die Heimspiele werden im reinen Fußballstadion Am Lindenberg ausgetragen, welches an der Ausfallstraße Richtung Jena liegt.

Zentraler, genauer zwischen Zentrum und Weimar West, liegt die größte Ballung von Sportstätten der Stadt, bestehend aus Schwanseebad, Johannes-Schwimmhalle, Wimaria-Stadion, Tennisgelände und 3-Felder-Halle. Dazu existieren weitere Anlagen, wie z. B. die Falkenburg, ein Fußballhartplatz inklusive 3-Felder-Halle, das Bootshaus als Kanusportzentrum an der Ilm sowie die für die Vereine ab Nachmittag freigegebenen Schulsporthallen.

Das Tennisgelände wird vom TC Weimar 1912 genutzt, einem wichtigen Thüringer Tennisverein. Erfolge gab es aber auch in vielen anderen Sportarten. Ein besonderes Beispiel dafür ist der Wildwasserkanusport im KGC 66 Weimar, den Weimarer Athleten in der DDR zeitweise dominiert hatten. Auch im Volleyball, Schach, Boxen, Fechten, Judo, Basketball, Turnen und Rettungsschwimmen verfügt Weimar über Mannschaften oder Einzelsportler auf gutem Amateurniveau. Entsprechend vielfältig ist auch die Vereinslandschaft.

Am zweiten Oktober-Wochenende findet jedes Jahr der „Weimarer Zwiebelmarkt“ statt, dessen Traditionen bis in das Jahr 1653 zurückreichen. Der Zwiebelmarkt erstreckt sich über das gesamte Altstadtgebiet und zieht jährlich bis zu 350.000 Besuchern an. Neben den Verkaufsständen sorgen Bühnen mit Musik und Performances für Unterhaltung.

Zur „Langen Nacht der Museen“ werden jedes Jahr im Sommer die Kultureinrichtungen in Weimar und im Weimarer Land bis weit nach Mitternacht geöffnet. Interessierte können hier Museen, Galerien, Archive und Kirchen besichtigen, an Führungen teilnehmen oder Konzerte und Vorträge anhören.

Seit 2004 findet jedes Jahr von Mai bis Juni ein sechswöchiges Kleinkunst-Festival auf dem Beethovenplatz in Weimar statt. In dem dafür auf der Wiese errichteten „Köstritzer Spiegelzelt“ präsentieren Künstler aus verschiedenen Ländern ein Programm aus Musik, Theater und Kabarett.

Der Weimarhallenpark ist Anfang Juli jeden Jahres Schauplatz für ein klassisches Open-Air Konzert der Staatskapelle Weimar. Die Thematik des Events bezieht sich auf die Musik einer bestimmten Nation (2007:„Eine Ungarische Nacht“, 2008: „Eine Französische Nacht“). Das Konzert 2009 steht unter dem Titel „Eine Amerikanische Nacht“. Die Musiker spielen auf einer schwimmenden Bühne auf dem Teich, während die bis zu 3000 Zuschauer auf Terrassen und Wiesen des illuminierten Parks Platz nehmen.

Ende August bis Mitte September findet alljährlich das vierwöchige Kunstfest „pèlerinages“ in Weimar statt. Das Festival steht für eine Reflexion des Jetzt-Zustandes klassisch orientierter Kultur. Für die Jahre 2004 bis 2008 ist Nike Wagner künstlerische Leiterin des Weimarer Kunstfestes, das durch das Thüringer Kultusministerium, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Stadt Weimar finanziert wird.

Die Stadt Weimar vergibt jedes Jahr am 10. Dezember, dem von den Vereinten Nationen proklamierten Internationalen Tag der Menschenrechte, den „Menschenrechtspreis der Stadt Weimar“ an Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen, die sich mit ihrem Wirken für mehr Menschlichkeit und Toleranz zwischen den Menschen und Völkern einsetzen.

In Weimar arbeiten 11,2% der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe und 87,7% im Dienstleistungssektor. Davon entfallen allein 37,6% auf Gastronomie und Handel. 2002 gab es in Weimar 3.344 Betten in 37 Hotels mit insgesamt 435.677 Übernachtungen bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 1,9 Tagen.

Größtes Industrieunternehmen ist ein Standort der Bayer Schering Pharma mit etwa 500 Beschäftigten. Weiterhin befindet sich in Weimar ein Abfüllbetrieb von Coca-Cola, der 1991 aus dem Erfrischungsgetränkehersteller VEB Limona Weimar hervorging. Auf dem Gelände des 1898 gegründeten Waggonwerk Weimar, das während der DDR-Zeit als VEB Weimar-Werk verschiedenste Landmaschinen herstellte, befindet sich heute ein Standort der Hydrema-Gruppe, die in Weimar Baumaschinen herstellt. Der Einzelhandels-Discounter Aldi-Nord ist mit einer ihrer Regionalniederlassungen und einem großflächigen Zentrallager in Weimar ansässig.

In Weimar treffen die Thüringer Bahn, die Ilmbahn und die Holzlandbahn aufeinander.

Die Anbindung ans Nachtzugnetz besteht mit dem CNL Semper von/nach Frankfurt am Main–Zürich.

Im Nahverkehr in Weimar sind der Regionalexpress Göttingen–Erfurt–Weimar–Jena–Chemnitz/Zwickau, die Regionalbahn Eisenach–Erfurt–Weimar–Naumburg–Halle und die Regionalbahn Weimar–Kranichfeld von Bedeutung.

Im Stadtgebiet befinden sich zwei Bahnhöfe, Weimar und Weimar Berkaer Bahnhof sowie vier Haltepunkte: Oberweimar, Weimar West, Nohra (b Weimar), Legefeld. Der Bahnhof Weimar, in Weimar als „Hauptbahnhof“ ausgeschildert, wurde 2005 von der Allianz pro Schiene als Bahnhof des Jahres in der Kategorie Klein- und Mittelstädte ausgezeichnet.

Der öffentliche Personennahverkehr wird von der Stadtwirtschaft Weimar GmbH mit einem Stadtbusnetz durchgeführt. Die zentrale Umsteigehaltestelle am Goetheplatz wird von allen acht Stadtbuslinien bedient. Weitere wichtige - jedoch nicht von allen Linien angefahrene - Umsteigehaltestellen befinden sich am Hauptbahnhof, in der Gropiusstraße und am Wielandplatz. In der umliegenden Region, also im nordwestlichen Weimarer Land und im Landkreis Sömmerda, wird der ÖPNV von der Verwaltungsgesellschaft des ÖPNV Sömmerda und Weimar mbH betrieben.

Zwischen 1899 und 1937 verkehrte in der Stadt die Straßenbahn Weimar. Ihr Liniennetz mit 1000 Millimetern Spurweite wurde zu Gunsten von Bus und Oberleitungsbus stillgelegt. Der Obusbetrieb Weimar bestand von 1948 bis 1993. Am 1. April 2006 wurde in den Städten Erfurt, Jena, Weimar, Apolda und im nördlichen Landkreis Weimarer Land der einheitliche Verbundtarif Mittelthüringen eingeführt. Alle öffentlichen Verkehrsmittel der Region können seitdem zum einheitlichen Tarif benutzt werden.

Weimar hat an den zwei Anschlussstellen Weimar-West und Weimar Anschluss an die A 4. Zudem kreuzen sich in der Stadt die Bundesstraßen B 7 (West-Ost-Richtung von Erfurt nach Jena) und die B 85 (Nord-Süd-Richtung von Bad Frankenhausen nach Rudolstadt), wobei die B 7 von Erfurt kommend die Stadt in west-nördlicher Richtung auf einer teilweise zweispurig ausgebauten Umgehungsstraße umgeht. Der Bau einer weiteren Ortsumgehung in nord-östlicher Richtung nach Jena durch das Ilmtal bei Taubach ist immer wieder Gegenstand örtlicher Diskussionen.

Weimar liegt am Ilm-Radweg.

Durch seine zahlreichen Klassikerstätten, durch weitere Museen, Galerien und Baudenkmale sowie Kulturstätten (Theater, Studenten- und Alternativ-Kultur) ist Weimar das bedeutendste Ziel für Städtetourismus in Thüringen. Weimar liegt am 124 km langen Ilmtal-Radwanderweg und ist gut in das in Thüringen bestehende Netz aus Wanderwegen eingebunden. Das kleinste Museum Weimars ist Marie Seebach in der Tiefurter Allee gewidmet. Immerhin Vorbild für Giuseppe Verdis Casa Verdi in Mailand.

Die Einwohner Weimars werden als Weimarer bezeichnet, wobei noch Johann Wolfgang von Goethe die Einwohner Weimars als Weimaraner bezeichnete. Heute versteht man unter Weimaraner eine Hunderasse, die im 19. Jahrhundert hier gezüchtet wurde.

Adjektivisch oder adverbial werden sowohl Weimarer (dann meist in Bezug auf die Stadt), als auch Weimarische/-r/-s (dann meist in Bezug auf das Land Sachsen-Weimar/Sachsen-Weimar-Eisenach) gebraucht (z.B. Weimarer Bürgermeister, Weimarischer Staatsrat).

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Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar

Nationaltheater Weimar (1923)

Das Deutsche Nationaltheater und Staatskapelle Weimar (kurz: DNT) ist der bedeutendste Theaterbetrieb Weimars. Es handelt sich dabei um eine Doppelinstitution, bestehend aus dem Bühnenbetrieb Deutsches Nationaltheater und dem Orchester Staatskapelle Weimar. Bespielt werden insgesamt sechs Bühnen im gesamten Stadtgebiet. Fester Bestandteil im Kulturbetrieb sind außerdem unregelmäßige Gastspiele aller Sparten des Theaters sowie des Orchesters im gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus sowie Auftritte in den elektronischen Medien. Der alleinige Träger des DNTs ist die Stadt Weimar.

Das Deutsche Nationaltheater ist eine Theaterbetriebs gGmbH, welcher alle drei Sparten eines Theaters bietet (Schauspiel, Musiktheater, Tanztheater (ausschließlich Gastspiele; als Nachfolgesparte des klassischen Balletts)), sowie Konzerte. Es handelt sich somit um eine der letzten Bühnen Thüringens, die alle Sparten eines Theaters bedienen kann (siehe auch Abschnitt „Weimarer Modell“).

In Weimar wurde schon lange vor dem Bau des heutigen Stammhauses Theater gespielt. Dabei handelte es sich vor allem um ziehende Komödianten, die den Weimarer Hof unterhalten sollten. Die ersten ständig bespielten Stätten wurden durch die kunstliebende Herzogin Anna Amalia, der Gemahlin des Herzogs Ernst August II. Konstantin von Sachsen-Weimar-Eisenach, eingerichtet: ein Liebhabertheater für Lustspiele, deutsche Singspiele, französisches Schauspiel sowie Opern. Die Mitglieder des Liebhabertheaters waren adlige und bürgerliche Laien, Angehörige des Hofes, Hofdamen und Sänger, aber auch Beamte und Minister. Die Spielstätten waren auch in dieser Gründungsphase nicht auf eine einzige Bühne beschränkt: das Redoutenhaus. Es handelte sich hierbei um ein Gebäude, das in der heutigen Schillerstraße (Cafe Sperling) liegt (nicht zu verwechseln mit der heutigen Redoute, einem Probenraum des Theaters in der Ettersburger Straße). Es wurde ebenso bespielt wie die Schloss- und Naturbühnen von Ettersburg und Tiefurt. Schon damals war künstlerische Qualität ein Kriterium: 1779, vier Jahre nachdem Johann Wolfgang Goethe seinen Wohnsitz in Weimar genommen hatte, wurde beispielsweise die Prosafassung von Iphigenie auf Tauris im Park von Tiefurt uraufgeführt, für die mit Corona Schröter in der Hauptrolle die erste Weimarer Berufskünstlerin verpflichtet wurde.

1791 beschloss Herzog Carl August die Gründung des Weimarer Hoftheaters im Komödienhaus, das 1779 am heutigen Standort des Theaters errichtet worden war. Die Leitung bekam Goethe übertragen. Er eröffnete es am 7. Mai 1791 mit Ifflands Schauspiel Die Jäger. Iffland war damals einer der am häufigsten gespielten deutschen Theaterautoren. Das Repertoire des Weimarer Theaters unterschied sich nur wenig von dem anderer Bühnen in jener Zeit – die Unterschiede lagen woanders: Goethe ermöglichte es den Autoren, auf die Inszenierungen ihrer Werke entscheidenden Einfluss zu nehmen, wodurch eine hohe Übereinstimmung zwischen dramaturgischen Absichten und schauspielerischen Darbietungen erreicht wurde. Außerdem sorgte Goethe dafür, dass sich ein festes Schauspielensemble formieren konnte, das mit seinem elaborierten Darstellungsstil nach Goethes Regeln für Schauspieler (1803) den Anforderungen der klassischen Dramen entsprach. Der ehemals anrüchige Ruf der Schauspielkunst wich einer hohen Wertschätzung und gesellschaftlichen Anerkennung der Schauspieler als Künstlerpersönlichkeiten.

Goethes Bemühungen um eine Theaterkultur in Weimar galt aber auch dem Publikum: Sensibilität für Schönheit und die ästhetische Vermittlung humanistischer Ideale bestimmten seine pädagogischen Absichten. Ohne die Vorlieben des Publikums für populäre Stücke wie z. B. die von August Kotzebue zu düpieren, sorgte Goethe für einen beeindruckenden Spielplan. Unter seiner Intendanz, die bis 1817 währte, wurden 4806 Vorstellungen gegeben. Das sind fast 300 Aufführungen pro Jahr. Wie sehr es Goethe um eine umfassende Theaterkultur ging, wird auch durch sein Engagement für die Gestaltung des Theaterraumes belegt. Äußerlich eher unscheinbar, wurde der Innenraum des Komödienhauses auf Goethes Betreiben in ein freundliches, glänzendes Feenschlösschen (Caroline Schlegel) mit Säulen, Galerien, Balkonen usw. umgewandelt, um dem Publikum ein rundum ästhetisches Theatererlebnis zu bieten.

Von 1799 bis 1805, dem Todesjahr Schillers, wirkten Goethe und Schiller, der inzwischen von Jena nach Weimar übersiedelt war, gemeinsam an der Weimarer Bühne. Schiller inszenierte seine Stücke selbst: Die Uraufführungen der drei Teile des Wallenstein (1798/99) begründeten Schillers Ruhm als Dramatiker. Bis auf die Jungfrau von Orleans wurden alle späten Dramen von Schiller in Weimar uraufgeführt, um von hier aus sehr schnell die Bühnen der Welt zu erobern. Das 1857 eingeweihte Goethe- und Schiller-Denkmal von Ernst Rietschel unmittelbar vor dem Haupteingang der Spielstätte symbolisiert das fruchtbare gemeinsame Wirken der beiden Dichter in Weimar. Es ist das Wahrzeichen der Stadt geworden. Der Dichter Jean Paul hatte schon 1798, dem Jahr der Uraufführung von Wallensteins Lager, an einen Freund geschrieben: „Gegen das neue Theater (in Weimar) sind die anderen deutschen nur Kulissen“. Nicht nur das Schauspiel erfuhr unter Goethe eine Blütezeit, auch das Musiktheater wurde von ihm gefördert. Vor allem Opern von Mozart begeisterten das Publikum – und unter diesen war die Zauberflöte die absolute Lieblingsoper der Weimarer Bevölkerung, die damals nicht mehr als 6000 Menschen zählte.

1817 gab Goethe nach jahrelangen Streitereien sein Amt als Theaterdirektor auf. Der letzte Auslöser für seinen Rücktritt mutet grotesk an: Karoline Jagemann, eine begabte Schauspielerin, Mätresse des Herzogs und eine Erzfeindin des Dichters und Theaterdirektors, setzte sich mit ihrem Anliegen durch, mit einem dressierten Pudel auf der Bühne erscheinen zu dürfen, was Goethe empörte. Es handelte sich dabei um eine Aufführung von Ignaz Franz Castellis Übersetzung Der Hund des Aubry von Pixérécourts berühmtem Melodram Le chien de Montargis (1814), in dem ein Hund den Mörder seines Herrchens identifiziert. Das Stück galt als Inbegriff der Unterhaltung für ein breites Publikum. – Nach Goethes Rücktritt fehlten im Schauspiel überdurchschnittliche und spektakuläre Ereignisse. Hingegen fanden die musikalischen Aufführungen immer mehr Beachtung, weit über Weimar hinaus.

Im März 1825 brannte das Komödienhaus ab, aber bereits im September desselben Jahres öffneten sich die Pforten eines neuen Hoftheaters an derselben Stelle.

Maria Pawlowna, Gemahlin von Großherzog Carl Friedrich, dem Sohn und Nachfolger von Carl August, setzte sich bereits seit 1804 insbesondere für das Musikleben in Weimar ein. Sie berief nach Goethes Rücktritt den europaweit gerühmten Mozartschüler und Klaviervirtuosen Johann Nepomuk Hummel als Kapellmeister nach Weimar, der dieses Amt bis zu seinem Tod 1837 ausübte. Hummel gab Benefizkonzerte für Witwen und Waisen. Die Werke von Mozart, Haydn und Beethoven bestimmten das Konzertprogramm. Einer der musikalischen und gesellschaftlichen Höhepunkte im Weimarer Hoftheater unter Hummels Leitung war ein Konzert des berühmten italienischen Geigenvirtuosen Niccolò Paganini (1829).

Hummel war ein Wegbereiter für das „Silberne Zeitalter der Tonkunst“ in Weimar. Doch erst das Wirken von Franz Liszt, der die Hochblüte der literarischen Klassik für die Musik wiederbeleben wollte, begründete den Ruhm Weimars als Stadt der Musik. 1842 wurde Liszt Kapellmeister in außerordentlichen Diensten. 1848 entschied er sich ganz für Weimar und übernahm das Amt des Hofkapellmeisters. Liszt hatte die Absicht, die mit den Namen Goethe und Schiller assoziierte Ära der Literatur durch eine Ära der Musik abzulösen, die mit den Namen Liszt und Wagner verbunden sein sollte. Die Oper Lohengrin des damals steckbrieflich gesuchten Dresdner Kapellmeisters Richard Wagner wurde, dirigiert von Franz Liszt, als Festoper aus Anlass des Geburtstages der Großherzogin am 101. Goethe-Geburtstag 1850 uraufgeführt, ein Jahr nachdem der Tannhäuser seine Erstaufführung in Weimar erlebt hatte. Auch viele Werke Liszts kamen in Weimar zur Uraufführung.

Für Hector Berlioz, den französischen Komponisten, mit dem ihn besonders die Idee der Programmmusik verband, setzte sich der weltbürgerlich denkende Franz Liszt in einzigartiger Weise ein. Innerhalb weniger Jahre kamen etliche bedeutende Werke Berlioz’ in Weimar zur Aufführung. 1852 und 1856 veranstaltete Liszt Berlioz-Wochen, die Weimar zu einem neuen geistigen Mittelpunkt für das musikalische Leben Deutschlands (Franz Brendel) machten. Am 1. März 1856 wurde z. B. Fausts Verdammnis unter Leitung des Komponisten zum ersten Mal in Weimar konzertant aufgeführt.

1889 wird Richard Strauss Kapellmeister in Weimar. Hier erleben seine Tondichtungen Don Juan, Macbeth und Tod und Verklärung ihre gefeierten Uraufführungen. Seine Oper Guntram erklingt in Weimar 1894 zum ersten Mal. Großen Erfolg erzielte Strauss außerdem 1893 mit der Uraufführung von Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel.

Wenn es in Weimar eine Tradition gibt, dann paradoxer Weise die, dass hier immer wieder Bruch und Aufbruch initiiert und praktiziert wurde. Die Glückssträhne schien allerdings um die Jahrhundertwende erst einmal vorbei zu sein. Denn der nächste Aufbruch, der eine Ära des Theaters hätte einleiten können, scheiterte. Um 1900 wurde Nietzsches Schrift Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik (1878) zur Initialzündung für Überlegungen zu grundlegenden Theaterformen. Das Theater sollte zukünftig „aus dem Geist der Musik“ ein „Fest des Lebens“ schaffen. Der Traum vom Gesamtkunstwerk bildete die Leitidee für ein „Festspiel“ auf der Bühne. Festspielprojekte nach dem Bayreuther Vorbild sollten die Gewähr für eine nationale Erneuerung des Theaters werden. Von Harry Graf Kessler und Henry van de Velde stammten Pläne für ein Mustertheater als avantgardistische Alternative zum Hoftheater.

Als Weimarer Festspiele konzipiert, sollten die besten deutschen Schauspieler in den drei Sommermonaten klassische und moderne Stücke aufführen. Man wollte in Weimar ein „Bayreuth für dramatische Literatur“ schaffen. Der damalige Intendant des Hoftheaters Hippolyt von Vignau vereitelte mit Unterstützung konservativer Kräfte diesen Plan, und scheute auch nicht davor zurück, öffentlich die jüdische Abstammung des Mustertheater-Verteidigers als Argument gegen das Projekt ins Feld zu führen.

Da das Gebäude den Anforderungen nicht mehr genügte – sowohl was Größe als auch Bausubstanz anbetraf – wurde 1907 der Architekt Max Littmann damit beauftragt, ein neues Theatergebäude zu entwerfen. Der neoklassizistische Bau, dessen Fassade sich bis heute erhalten hat, entsprach den Vorstellungen von einem repräsentativen Theaterbau. Die Einweihung des neuen Hoftheaters wurde am 11. Januar 1908 als feierlicher Staatsakt zelebriert, bei dem Kaiser Wilhelm II. und 70 Intendanten anderer Theater anwesend waren.

Künstlerisch machte das Hoftheater unter der Intendanz von Carl von Schirach (1909–1918), der auf einen klassisch orientierten Spielplan setzte, wenig von sich reden. Gleichwohl wurde das Hoftheater zu einer Kultstätte des konservativen Bildungsbürgertums. Mit der Ausrufung der Republik und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. und des Großherzogs Wilhelm Ernst 1918 entwickelte sich das Weimarer Theater zu einer Schaubühne politischer Selbstinszenierungen. Am 9. November 1918, anlässlich der 100. Aufführung der Maria Stuart, kam es zu einem Skandal: Die Vorstellung wurde abgebrochen, als man aus dem Zuschauerraum skandierte: Nieder mit der monarchistischen Theaterei! Jetzt machen wir Theater!. Von Schirach wurde von der provisorischen Landesregierung des Freistaates Sachsen-Weimar-Eisenach abgesetzt, das Hoftheater in Landestheater umbenannt, und die Hofkapelle hieß nun Weimarische Staatskapelle. Am 1. Januar 1919 wurde der Schriftsteller Ernst Hardt zum neuen Intendanten berufen. Bereits am 19. Januar, dem Tag der Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung, verkündete Hardt die erneute Umbenennung des Theaters, das fortan Deutsches Nationaltheater Weimar heißen sollte.

Vom 6. Februar bis 11. August 1919 tagte die Deutsche Nationalversammlung im Theater, um die Reichsverfassung zu verabschieden. Mit der Wahl des Ortes sollte der „Geist von Weimar“ für die junge Republik reklamiert werden. Für Republikanhänger und –gegner wurde das Theater zu einer Stätte symbolischer Politik und realer Auseinandersetzungen. Mit Duldung der konservativen thüringischen Landesregierungen veranstalteten hier die Nationalsozialisten seit 1924 Parteiversammlungen, 1926 wurde im Theater der erste Reichsparteitag der NSDAP nach Aufhebung des Verbotes abgehalten. Ernst Hardt verließ das Theater 1924 nachdem es von völkisch-nationaler Seite heftige und diffamierende Proteste gegen seine Aufführungen, die den Ideen des Mustertheaters verpflichtet waren, gab. Arthur Schnitzlers Reigen und Oskar Schlemmers Triadisches Ballett erzürnten die „anständigen Deutschen“. Bis zum Weggang Hardts und der Vertreibung des Bauhauses nach Dessau entstand zwischen dem Theater und dem Bauhaus eine fruchtbare Zusammenarbeit, bei der es um eine Erneuerung nationaler Kultur mit vereinten avantgardistischen Kräften ging.

Auch der Nachfolger Hardts, Franz Ulbrich, versuchte zunächst noch, trotz Zensurdrohungen und Forderungen nach „Säuberungen“ des Weimarer Theaterspielplans, Gegenwartsautoren wie Ernst Toller, Carl Sternheim u. a. weiter zu spielen. Er ging jedoch zunehmend Kompromisse mit den Nationalsozialisten ein, die ab 1930 an der Landesregierung beteiligt waren und ein „judenfreies" Theater forderten. Ab 1933 übernahm mit Ernst Nobbe ein NSDAP-Parteimitglied die Intendanz, 1936 folgte Hans Severus Ziegler, der sich bereits in den 20er Jahren für eine staatliche Zensurstelle eingesetzt hatte. In der Zeit der NS-Herrschaft wurde hauptsächlich ein klassisches Repertoire gespielt, wobei vor allem die Dramatik Schillers in eine nationalsozialistische Perspektive gerückt wurde. Der Anspruch, eine nationale Bühne der Zukunft zu sein, fiel der ideologischen Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten anheim. Das Theater spielte zur Unterhaltung der SS-Leute im Casino des KZ Buchenwald. Während Franz Léhars Das Land des Lächelns im Großen Haus beklatscht wurde, war der Librettist dieser Erfolgsoperette, Fritz Löhner-Beda, Häftling im nur wenige Kilometer entfernten Konzentrationslager Buchenwald.

Im Herbst 1944 wurde das Theater geschlossen und zu einer Rüstungsfabrik der Firma Siemens und Halske umfunktioniert. Ein US-amerikanischer Bombenangriff am 9. Februar 1945 legte das Theater bis auf die Fassade in Schutt und Asche. Das Weimarer Theater wurde bezeichnender Weise als erstes deutsches Theater nach dem Krieg wieder aufgebaut und 1948 mit Faust I neu eröffnet. Zum 200. Geburtstag Goethes am 28. August 1949 hielt der zum Ehrenbürger Weimars ernannte Thomas Mann seine berühmt gewordene Ansprache an die Deutschen.

Zu DDR-Zeiten sollte das Weimarer Theater und insbesondere das Schauspiel „von der sozialistischen Gesellschaftspraxis als dem geistigen Maßstab der Menschheitsentwicklung“ Zeugnis ablegen. In den fünfziger Jahren wurde unter der Generalintendanz von Karl Kayser (1950–1958) zunächst sowjetischen Revolutionsdramen Vorrang auf den Spielplänen eingeräumt, für die durch eine systematische Werbung mit großem Erfolg Besucher aus der Arbeiterklasse und der Bauernschaft gewonnen wurden. Aus allen Teilen Thüringens brachte man Besuchergruppen per Bus und Bahn zum Theater – wie es auch schon in der Vorkriegszeit üblich war. Auch die Klassiker-Literatur wurde gegen Ende von Kaysers Amtszeit wieder häufiger auf den Spielplan gesetzt. Besonders Schiller genoss hohe Wertschätzung. Zu seinem 200. Geburtstag wurden die „Schiller-Festspiele der deutschen Jugend“ am Nationaltheater veranstaltet – die man dann als Festspiele der FDJ jährlich weiterführte.

Allerdings gab es schon damals harsche Kritik an der agitatorischen und plakativen Interpretation der Klassiker, wie sie von Kayser zur Umsetzung der Beschlüsse der SED forciert und kulturpolitisch legitimiert wurde. Unter den Intendanten Otto Lang (1958–1973) und Gert Beinemann (1973–1987) standen Werke von DDR-Komponisten und -Autoren (z. B. Ottmar Gerster, Johannes R. Becher, Fritz Geißler (Das Chagrinleder, 1981), Bertolt Brecht, Volker Braun, Peter Hacks), aber auch Werke von Max Frisch (Biedermann und die Brandstifter, 1965) und Friedrich Dürrenmatt (Der Besuch der alten Dame 1978) auf dem Programm. Das Deutsche Nationaltheater Weimar blieb während der gesamten DDR-Zeit eine Stätte bedeutsamer Klassiker-Inszenierungen – Goethe, Schiller, Shakespeare – die häufig aus Anlass von Dichterjubiläen, Tagungen der in Weimar wirkenden literarischen Gesellschaften oder auch politischen Jahrestagen ihre Premiere hatten. Bemerkenswert war die hohe Zahl von Ur- und deutschen Erstaufführungen (vielfach Werke von osteuropäischen Autoren) sowohl im Schauspiel als auch im Musiktheater.

Mit Harry Kupfer (1966–1973) und seinem Nachfolger Ehrhard Warneke (1973–1999) hatte das Deutsche Nationaltheater zwei außerordentlich erfolgreiche Operndirektoren vorzuweisen, die sich besonders für ihr Engagement um das zeitgenössische Musiktheater internationale Anerkennung erwarben. Im Schauspiel sind vor allem die drei Gesamtinszenierungen beider Teile des Faust durch den seit 1960 am Haus wirkenden Regisseur Fritz Bennewitz hervorzuheben, der außerdem mit seinen Brecht-Inszenierungen für internationale Aufmerksamkeit sorgte. Dem Intendanten Fritz Wendrich (1987–1994) folgte Günther Beelitz (1994–2000). Unter seiner Generalintendanz wurde das klassische Ballett durch zeitgenössisches Tanztheater (Chefchoreographen: Joachim Schlömer, Ismael Ivo) abgelöst. Inzwischen wird das Tanztheater als Gastspielprogramm in der Verantwortung von Francesca Spinazzi, seit der Spielzeit 2005/2006 von Susanne Winnacker präsentiert. Mit Beginn der Spielzeit 2002/03 hat Michael Schulz die Position des Operndirektors übernommen. Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar ist seit der Spielzeit 2000/01 Stephan Märki.

Der bis 2005 in Weimar aufgeführte Faust I (Inszenierung: Julia von Sell und Karsten Wiegand) mit dem wohl jüngsten Mephisto-Darsteller auf deutschen Bühnen (Marek Harloff) erhielt 2001 den Bayerischen Theaterpreis. 2004 führte das Deutsche Nationaltheater ein viel beachtetes Gastspiel am schweizer Rütli mit der Freiluft-Inszenierung Schillers Wilhelm Tell, ein Bühnenstück, das als Schweizer Nationalepos gilt. Dies ist insofern erwähnenswert, als es in der Geschichte des Rütli die einzige Theatervorstellung ist, die jemals dort, im kulturellen Herzen der Schweiz, durchgeführt werden durfte, und ein Gastspiel in solch authentischer Kulisse selbst für das Deutsche Nationaltheater nicht selbstverständlich ist.

Das DNT ist auch oder gerade heute eine beliebte Bühne für Gegenwartskunst und -künstler, das heutige Ensemble buhlt mit potenten Regisseuren, Darstellern und Künstlern um die Gunst des deutschsprachigen Publikums: Thomas Thieme oder Ben Becker sind ebenso in Weimar präsent wie Christian Brandauer, Blixa Bargeld (der Frontmann der Band Einstürzende Neubauten) oder Jimmy Hartwig (eher bekannt als ehemaliger Bundesliga-Fußballspieler). Der „Wallenstein“ von Helgard Haug und Daniel Wetzel (Rimini Protokoll) – eine Koproduktion des DNT mit dem Nationaltheater Mannheim, bei der Weimarer und Mannheimer Bürger mit Geschichten aus ihren Biografien auf der Bühne den Schiller-Text ersetzten -, wurde zu Festivals in Hamburg, Zürich, ans Berliner Theater Hebbel am Ufer und zum Berliner Theatertreffen 2006 eingeladen.

Die Staatskapelle Weimar ist das einzige A-Orchester Thüringens (die höchste in Deutschland erreichbare Qualitätsstufe eines Orchesters).

Die Staatskapelle Weimar zählt zu den ältesten und traditionsreichsten Orchestern in Deutschland. In den geschichtlich bedeutsamen Epochen wurde das Renommee der Staatskapelle Weimar auch von großen Namen der Musikgeschichte geprägt. Die erste Urkunde über die Existenz von Instrumentalmusikern im Dienste der Weimarer Fürsten stammt aus dem Jahre 1482. 1602 erhielt die Kapelle ihren festen Sitz in Weimar und daher gilt dieses Jahr als Gründungsdatum der Herzoglichen Hofkapelle.

Zu den ersten herausragenden Musikerpersönlichkeiten, deren Wirken mit der Hofkapelle in Weimar verbunden war, gehören die späteren Leipziger Thomaskantoren Johann Hermann Schein (1615/16) und Johann Sebastian Bach (1705 und 1708–1717). Sein Wirken als Hoforganist, stellvertretendem Kapellmeister und Kammermusikus bildete einen ersten Höhepunkt in der Geschichte der Weimarer Hofkapelle. Im Jahre 1761 kam mit Ernst Wilhelm Wolff eine bedeutende Musikerpersönlichkeit in das klassische Weimar.

Die nachklassische Zeit wurde durch die Berufung des Mozart-Schülers Johann Nepomuk Hummel als Hofkapellmeister (1819–1837) eingeleitet. Der Freund Beethovens und Schüler Mozarts wurde durch die Großherzogin Maria Pawlowna nach Weimar berufen. Mit ihm begann eine Reorganisierung des Musiklebens und damit die Periode, die man fortan als das „Silberne Jahrhundert der Tonkunst“ bezeichnete. Sie wurde zu einer der wichtigsten Epochen in der Geschichte der heutigen Staatskapelle. Mit dem Namen Hummel verbindet sich die Einrichtung von Abonnementskonzerten der Hofkapelle und eine Verbesserung des Sozialstatus der Kapellmitglieder.

Eine einmalige Glanzzeit erfährt das Weimarer Musikleben durch Franz Liszt. 1842 zum Hofkapellmeister in außerordentlichen Diensten ernannt, verbrachte er ab 1844 jährlich längere Zeit in Weimar und trat 1848 offiziell sein Kapellmeisteramt an. Die zehn Jahre seines Wirkens waren in erster Linie der Kultivierung des Neuen in Oper und Konzert gewidmet. Mit der Förderung des Schaffens von Komponisten wie Richard Wagner, Hector Berlioz, Peter Cornelius und nicht zuletzt durch seine Unterrichtstätigkeit machte er die kleine Residenzstadt an der Ilm zu einem Anziehungspunkt für Musiker aus vielen Ländern Europas. Er bewältigte mit seinem Orchester von nur 39 Musikern und einem kleinen Opernensemble zahlreiche großartige Aufführungen wie z. B. Tannhäuser und Der fliegende Holländer (Wagner) und die Uraufführungen Lohengrin (Wagner) und Der Barbier von Bagdad (Cornelius). Viele seiner sinfonischen Werke erklangen in Weimar zum ersten Mal. Die Faust-Sinfonie, die Dantesinfonie, seine beiden Klavierkonzerte und zwölf der sinfonischen Dichtungen, wie zum Beispiel Les Préludes, Tasso, Orpheus, Hunnenschlacht, Die Ideale, Mazeppa, Prometheus und Bergsinfonie, entstanden hier und wurden zum größten Teil auch in Weimar uraufgeführt.

Mit dem 25jährigen Richard Strauss, der von 1889 bis 1894 zweiter Kapellmeister war, erlebte man in Weimar einen neuerlichen Aufschwung. Er realisierte die Uraufführung seiner Oper Guntram und Humperdincks Hänsel und Gretel. Auch einige seiner Orchesterkompositionen begannen in Weimar den Siegeszug um die Welt, so Don Juan und Macbeth.

1907 wurde Peter Raabe Hofkapellmeister und mit ihm begann eine äußerst rege Konzerttätigkeit mit zyklischen Aufführungen und thematisierten Konzerten. Er setzte sich u. a. für die Werke Anton Bruckners und Richard Wetz' ein. Die Erweiterung des Wirkungsfeldes über Weimars Grenzen hinaus, die Gestaltung künstlerischer Höhepunkte bei Verpflichtung namhafter Interpreten – dies waren die Leitlinien der von Peter Raabe inspirierten Orchesterpolitik.

Als mit der Revolution von 1918 auch in Weimar die höfische Ära zu Ende ging, erhielt das Orchester den verpflichtenden Name Weimarische Staatskapelle (seit 1988 umbenannt in Staatskapelle Weimar). Ernst Praetorius (1924–1933) richtete die Konzert- und Opernplanung auf intensive Erbpflege und Förderung des experimentellen Gegenwartsschaffens aus. Praetorius, der mit einer Jüdin verheiratet war, emigrierte nach antisemitischen Angriffen der NS-Presse. Während der Nazi-Diktatur leitete der nationalsozialistische Kulturpolitiker Paul Sixt die Weimarische Staatskapelle. Weimar genoss als Gau-Hauptstadt Thüringens kulturelle Privilegien: Weltbekannte Solisten wie Wilhelm Kempff, Elly Ney, Ludwig Hoelscher und viele andere gastierten in Konzerten der Staatskapelle. Durch Hitlers Machtergreifung wurde dieser Entwicklung ein Ende gesetzt.

Das Weimarer Musiktheater und die Weimarische Staatskapelle erlebten mit der Berufung von Hermann Abendroth (1945–1956) einen fulminanten Neuanfang nach Kriegsende. Mit ihm stand im 20. Jahrhundert die dritte große Künstlerpersönlichkeit an der Spitze der Weimarischen Staatskapelle. Der weit über Weimar hinausreichende Ruf der Staatskapellen-Konzerte und des Musiktheaters wurde von Gerhard Pflüger (1957–1973) weiter ausgebaut. Ihm folgten Lothar Seyfarth (1973–1979), Rolf Reuter (1979–1980), Peter Gülke (1981–1982), Oleg Caetani (1984–1987 als ständiger Gastdirigent) und Hans-Peter Frank (1988–1996). Im Sommer 2002 endete die siebenjährige Amtszeit von George Alexander Albrecht, der Schwerpunkte vor allem mit der Sinfonik Gustav Mahlers und dem kompositorischen Schaffen von Wilhelm Furtwängler setzte. Ihm folgte der Niederländer Jac von Steen (2002–2005). In den Jahren 2003 bis 2006 führte die Institution eines „Composer in Residence“ mit Christian Jost, Aribert Reimann und Wolfgang Rihm drei herausragende Gegenwartskomponisten zu regelmäßigen Konzerten in Zusammenarbeit mit der Staatskapelle nach Weimar. Seit Sommer 2005 steht mit dem Amerikaner Carl St. Clair erstmals ein Nicht-Europäer an der Spitze des einzigen A-Orchesters im Freistaat Thüringen.

Die Staatskapelle Weimar und die Klassikerstadt sind eine historisch gewachsene Verbindung, die bis heute weit über Thüringen hinaus nationale und internationale kulturelle Bedeutung genießt.

Als im Zuge der Umgestaltung der Kulturlandschaft Thüringens seitens der Landesregierung die Auflösung der Theatersparten des Deutschen Nationaltheaters umgesetzt werden sollte (die Staatskapelle sollte von der Auflösung verschont bleiben und den Opern-Neubau Erfurts bespielen, bzw. komplett nach Erfurt umziehen), kam es zu einem regelrechten Kulturkampf zwischen dem DNT, voll unterstützt von der Stadt Weimar und der Thüringer Landesregierung, insbesondere der damals als Kunstministerin amtierenden ehemaligen Physik-Professorin Dagmar Schipanski. Die von der Regierung vorgeschlagene Auflösung des Theaters war für die damalige Mit-Trägerin des Betriebes, die Stadt Weimar, sowie natürlich für das DNT selbst als „Lösung“ finanzieller Engpässe absolut inakzeptabel. Beide Seiten zogen Anfang dieses Jahrtausends alle Register ihrer jeweiligen Macht – die Regierung strich sämtliche finanzielle Unterstützung Weimars und drohte mit einer „Lösung“ per Gesetz; das Theaterensemble wies bei jedem Auftritt (auch und insbesondere außerhalb Weimars) auf das mögliche Ende des von Goethe eingerichteten Traditions-Kulturbetriebes hin und suchte (erfolgreich) die Unterstützung der bundesdeutschen und internationalen Presse. Da auch der von der Landesregierung angesichts der bundesweiten und internationalen Solidarisierung mit Weimar, verbunden mit teilweiser harscher Kritik am Konfrontationskurs der Regierung, vorgeschlagene Kompromiss, die Auflösung könne eine Zeit lang durch das Bespielen des Erfurter Stadttheaters (Arbeitstitel: Theater-„Fusion“ Weimar-Erfurt) aufgefangen werden, abgelehnt wurde (der übrigens dazu führte, dass sich selbst die Stadt Erfurt, um ihr eigenes künstlerisches Profil bangend, auf die Weimarer Seite schlug), kam man schließlich überein, ein deutschlandweit bis heute einmaliges Experiment in Weimar zu wagen: Das so genannte Weimarer Modell.

Das Weimarer Modell ist gleichzeitig ein Reform- und ein Solidarmodell. Ziel ist es, dem Theater neuen Handlungsspielraum zu gewähren, indem auf der finanziellen Seite der Automatismus der Tariferhöhungen, der bei gleich bleibenden Budgets mittelfristig nur durch Personalkürzungen kompensiert werden kann, gestoppt wird. Er soll durch strukturelle Reformen begleitet werden und damit mehr Freiräume und Ressourcen für künstlerische Prozesse ermöglichen.

Beim Weimarer Modell geht es nicht um einseitige Gehaltskürzungen, sondern um den freiwilligen Verzicht der Mitarbeiter auf eine lineare Tariferhöhung. Dieser finanzielle Verzicht, der von allen Mitarbeitern des Theaters mitgetragen wird, dient der Anschubfinanzierung für Reformen, wodurch wiederum die Wirtschaftskraft des Theaterbetriebes gestärkt werden soll. Dem steht eine Kompensation gegenüber: es wird ein Bestandsschutz für die bestehenden Arbeitsplätze gewährt, alle Mitarbeiter sind an den wirtschaftlichen Erfolg des Theaters gekoppelt und werden daran durch einen Ausgleich beteiligt, der sich nach der Ertragslage des Theaters richtet. Dies stärkt die Verantwortung und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Gleichzeitig rücken die Partner im Theater, die Leitung des Hauses, der Betriebsrat und die Mitarbeiter, enger aneinander.

Der Weimarer Stadtrat hat dem Theater mit dem „Weimarer Modell“ bis 2008 Finanzierungssicherheit gegeben. Zusätzliche Gelder kommen vom Förder- und Freundeskreis, auf dessen Initiative hin 2001 die Stiftung Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar ins Leben gerufen wurde. Durch die Einwerbung von Zustiftungen sollen das Nationaltheater und die Staatskapelle in ihrer künstlerischen Arbeit, bei der Verbesserung der Spielstätten und der Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt werden. Daneben bietet das Theater die sogenannte Stuhlschaft an, bei der für eine Spende an die Stiftung ein Stuhl im Zuschauerraum mit dem Namen des Spenders versehen wird.

Von 1993 bis 2005 arbeitete das Deutsche Nationaltheater Weimar kontinuierlich mit der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig in der Ausbildung des schauspielerischen Nachwuchses zusammen. Nach zwei Jahren Grundlagenstudium in Leipzig erwarteten die Studentinnen und Studenten zwei Jahre der Praxis in Weimar. In diesen zwei Jahren konnten sie ihr bisher erworbenes Können in den Fächern Sprechen, Chanson, Szenenstudium, Monologe und Fechten durch die gleichzeitige Einbindung in den Theaterbetrieb erweitern und vertiefen. So übernahmen sie verschiedene Rollen in Inszenierungen des Theaters und präsentierten sich gemeinsam in der Diplominszenierung. Mit dem Stück Zeit zu lieben, Zeit zu sterben von Fritz Kater erhielt das Ensemble, darunter David Kramer und Petra Schmidt-Schaller, 2004 einen Förderpreis der Bundesministerin für Bildung und Forschung im Rahmen des 15. Bundeswettbewerbs zur Förderung des Schauspielnachwuchses in Hannover.

Das Schauspielstudio, bestehend aus acht Studierenden, arbeitete in ihrem vierten Ausbildungsjahr (dem zweiten in Weimar) an ihrem Intendanten-Vorspiel, zu dem alle Intendanten der deutschsprachigen Theater eingeladen waren. Es sollte den jungen SchauspielerInnen nach Möglichkeit ein festes Engagement an einer deutschsprachigen Bühne vermitteln.

Das Opernstudio am Deutschen Nationaltheater Weimar wurde zu Beginn der Spielzeit 2003/04 in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar eingerichtet. Junge Sänger können sich nach einem erfolgreich absolvierten Studium im Fach Gesang für diese zweijährige, praxisorientierte Form der Zusatzausbildung bewerben. Im Rahmen der Ausbildung erhalten die Studierenden Unterricht in den Fächern Gesang, Korrepetition, Schauspiel sowie Sprecherziehung und übernehmen kleinere Partien und Zweitbesetzungen in verschiedenen Inszenierungen. Zudem haben sie Gelegenheit, eine Hauptpartie musikalisch wie szenisch einzustudieren. Im Rahmen von Opernstudio-Matineen im Foyer I können die jungen Sänger darüber hinaus mehrmals pro Spielzeit ihr erarbeitetes Lied- und Arienrepertoire zur Aufführung bringen. Daneben absolvieren sie ein umfangreiches pädagogisches Programm, das als Ergänzungsstudium an der Hochschule für Musik Franz Liszt angeboten wird.

Auch in der Spielzeit 2004/05 setzt das DNT die erfolgreiche Kooperation mit dem Theater Waidspeicher und dem Puppentheater Erfurt fort. Aufgrund der großen Nachfrage wird Das verräterische Herz weiterhin im Waidspeicher zu sehen sein, ebenso wie die Produktion Kafka: Der zerrissene Fisch, die im Rahmen des Theaterspekatels Brennen! im Februar 2004 uraufgeführt wurde. Die Inszenierung Alice’s Adventures Under Ground (deutscher Titel: Alice im Wunderland), eine Bühnenbearbeitung des Buchklassikers von Lewis Carroll, die in der letzten Spielzeit in Zusammenarbeit der beiden Bühnen entstand, wird nun auch in Weimar gezeigt. Weitere gemeinsame Produktionen sowie die Übernahme bestehender Inszenierungen des Puppentheaters Waidspeicher an das Deutschen Nationaltheater sind geplant.

Am 22. November 2006 hatte Franz Fühmanns „Schneewittchen“ in einer Kooperation des DNT Weimar, dem Theater Waispeicher / Puppentheater Erfurt und der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch / Abteilung Puppenspiel, Berlin in der Regie von Bernd Weißig im e-werk als das Weihnachtsmärchen 2006 erfolgreiche Premiere.

Das Deutsche Nationaltheater Weimar und die Bauhaus-Universität Weimar sind bestrebt, ihre bisherigen Verbindungen zu stärken und projektbezogene Kooperationen weiter auszubauen. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit fand beispielsweise bei den 3. Internationalen Tanztheatertagen (Spielzeit 2002/03) statt, die unter dem Motto Tanz und Technologie standen. Hier waren Studierende der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität in die Organisation und Durchführung einzelner Veranstaltungen einbezogen. Auch in der laufenden Spielzeit sollen Synergien entstehen, indem Studien- und Diplomarbeiten an verschiedene Projekte des DNT angebunden werden. Die Studierenden haben somit Gelegenheit, praxisbezogen zu arbeiten sowie ihre Werke einem größeren Publikum zu präsentieren. Das DNT profitiert von dem kreativen Potential der Hochschule.

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Bahnhof Weimar

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Der Bahnhof Weimar ist der wichtigste Bahnhof im Stadtgebiet von Weimar in Thüringen und liegt an der Thüringer Bahn. Er ist ICE-Halt der Linie Frankfurt (Main) Hbf–Dresden Hbf und gehört der Bahnhofskategorie 2 an. Er trägt den offiziellen Beinamen KulturBahnhof, der auf allen Tafeln im Bahnhof vermerkt ist, und liegt etwa einen Kilometer nördlich der Weimarer Innenstadt am Ende der Carl-August-Allee.

Der Bahnhof wurde 1846 als Endpunkt einer von Halle (Saale) kommenden Eisenbahnlinie errichtet. 1847 wurde diese Strecke in Richtung Westen nach Erfurt fortgeführt, die bald darauf durchgängig bis Bebra befahrbar war. Im Jahr 1876 folgte eine zweite Strecke, die über Jena nach Gera führte. 1887 wurde eine dritte Strecke über Bad Berka nach Kranichfeld und Blankenhain eröffnet. Im selben Jahr folgte als vierte am Bahnhof anknüpfende Strecke die 1000-mm-Schmalspurbahn nach Großrudestedt bei Sömmerda. Diese wurde im Jahr 1946 stillgelegt.

Zur Zeit der Weimarer Republik war die Stadt Landeshauptstadt Thüringens. Deshalb wurde damals ein neues, repräsentatives Empfangsgebäude im neoklassizistischen Stil errichtet. Eine besondere Rolle spielte der Bahnhof auch zur Zeit des Nationalsozialismus als über ihn und eine hier beginnende Anschlussstrecke die Häftlingstransporte zum KZ Buchenwald liefen.

Zu DDR-Zeiten erfolgte dann die Elektrifizierung der Bahnstrecke von Naumburg nach Erfurt. 2005 wurde der Bahnhof von der Allianz pro Schiene zum kundenfreundlichsten Bahnhof seiner Größenklasse gewählt.

Zwischen 22 Uhr und 5 Uhr (wochentags) bzw. 6 Uhr (Wochenende) ist die Bahnhofshalle geschlossen und die Bahnsteige über einen seitlichen Nebeneingang zu erreichen. Damit besteht zu dieser Zeit auch kein Zugriff auf die Fahrkartenautomaten (die sich im abgeschlossenen Teil der Bahnsteigunterführung befinden), sodass Reisende gezwungen sind die Fahrt ohne Fahrkarte anzutreten. Die Deutsche Bahn behandelt diese Fahrgäste zunächst als Schwarzfahrer, verkauft aber als Kulanzregelung Fahrscheine im Zug gegen einen Aufschlag von drei Euro.

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Source : Wikipedia