Umar Hasan Ahmad al-Baschir

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Geschrieben von tron 15/04/2009 @ 20:09

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Umar Hasan Ahmad al-Baschir

al-Baschir auf der 12. Konferenz der Afrikanischen Union im Februar 2009

Generalleutnant Umar Hasan Ahmad al-Baschir (arabisch ‏عمر حسن أحمد البشير‎, DMG ʿUmar Ḥasan Aḥmad al-Bašīr; * 1. Januar 1944 in Hosh Bannaga bei Schandi) ist der Staatschef Sudans, der 1989 nach einem unblutigen Militärputsch an die Macht kam und das Land nach einer islamisch-fundamentalistischen Haltung regiert. Seit dem Friedensabkommen mit dem Süden 2005 tritt er allerdings gemäßigter auf.

Al-Baschir stammt von einer alten, sehr einflussreichen Familie im islamisch dominierten Norden ab. 1960 trat er in die Armee ein und absolvierte Militärakademien in Ägypten, Malaysia, Pakistan und 1988 auch in den USA. Der überzeugte arabische Nationalist machte schnell Karriere in der Armee und verfügt zudem über militärische Erfahrungen aus seiner Teilnahme am Jom-Kippur-Krieg 1973 gegen Israel auf ägyptischer Seite. Nach seiner Rückkehr aus Ägypten war er im Kampf der Regierungstruppen gegen die Sudan People’s Liberation Army (SPLA) im Süden des Landes eingesetzt.

In Sudan war er seit den 1980ern Verfechter einer islamisch-fundamentalistischen Haltung und stärkte damit den Norden gegen die christlich geprägten südlichen Landesteile. Al-Baschir förderte in seinem Herrschaftsbereich die Anwendung der Scharia tatkräftig. Wenn er den Eindruck hatte, dass einzelne Islamisten im eigenen Lager seine Macht gefährdeten, ging er auch gegen diese Glaubensfreunde vor.

Am 30. Juni 1989 übernahm al-Baschir mit einer Gruppe Offiziere die Macht in Sudan nach einem unblutigen Militärputsch. Er gründete den Revolutionären Kommandorat zur Errettung der Nation (RCC), ernannte sich zum Oberkommandierenden der Streitkräfte und zum Staatsoberhaupt. Mit seinem Revolutionären Kommandorat errichtete er ein eisernes islamisches Regime und führte gegen den Süden des Landes einen erbitterten Feldzug. Der christlich und animistisch geprägte Süden bestehend aus drei Südprovinzen fühlte sich seit der Unabhängigkeit des Landes (1. Januar 1956) vom Norden unterdrückt, so dass er weitreichende Autonomie verlangte, die ihm al-Baschir vorerst nicht zusicherte, so dass der Einflussbereich der Zentralregierung bürgerkriegsbedingt hier wenig zählte.

Ab 1993 wurde al-Baschir auch formell Staatspräsident und in dieser Funktion bei Wahlen 1996 und 2000 im Amt bestätigt. 1999 unterband al-Baschir eine Verfassungsänderung, welche seine Macht beschnitten hätte, durch Auflösung des Parlaments. Die USA setzten Sudan in den 1990er Jahren auf die Liste der Schurkenstaaten. Osama bin Laden konnte sich unter al-Baschir problemlos bis 1996 im Lande aufhalten. Nach den Attentaten am 7. August 1998 auf die US-Botschaften in Nairobi/Kenia und Daressalam/Tansania führten die Vereinigten Staaten Militäraktionen auch gegen Khartum durch, weil in Sudan Unterstützer der Terroristen vermutet wurden. Der Raketenangriff zerstörte die Asch-Schifa-Arzneimittelfabrik in al-Chartum Bahri. Dies führte zum Bruch al-Baschirs mit der westlichen Weltmacht. Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 beteiligte sich jedoch al-Bashir an den von den USA initiierten Anti-Terror-Maßnahmen.

2004 beendete al-Baschirs Regime den Krieg gegen die Südprovinzen des Landes um die reichen Ölvorkommen sowie um den Machteinfluss durch einen Vertrag im Januar 2005. Seitdem zeigen sich auch gemäßigte Züge seiner Regierung.

Seit 2003 ging er aber mit unverminderter Härte auch gegen die sudanesische Provinz Darfur vor, wo sich neue Rebellengruppen gegen das autoritäre Regime in Khartum auflehnten. Dieser von den Vereinigten Staaten als Völkermord bezeichnete kriegerische Konflikt in Darfur wird aber offiziell als innere Angelegenheit angesehen, was eine Einmischung der UN erschwert.

Am 14. Juli 2008 hat der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag, Luis Moreno-Ocampo, gegen al-Baschir Haftbefehl wegen Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen beantragt. Dies war der erste Fall, bei dem gegen einen amtierenden Staatschef beim Internationalen Strafgerichtshof ein Haftbefehl beantragt wurde. Der IStGH erließ am 4. März 2009 den beantragten Haftbefehl, jedoch wurde dabei der Vorwurf des Völkermordes durch Mehrheitsentscheid (bei einem Sondervotum der lettischen Richterin Anita Ušacka) nicht eingeschlossen, da für diesen keine hinreichenden Beweise vorgelegt worden sind; ein spätere Erweiterung des Haftbefehls um diesen Vorwurf behielt sich das Gericht jedoch ausdrücklich vor.

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Sudan

Bevölkerungsentwicklung in Sudan von 1961 bis 2003

Die Republik Sudan (arabisch ‏جمهورية السودان‎, DMG Dschumhūriyyat as-Sūdān) ist ein Staat in Nordost-Afrika mit Zugang zum Roten Meer und grenzt im Norden an Ägypten und Libyen, im Westen an Tschad und die Zentralafrikanische Republik, im Süden an die Demokratische Republik Kongo, Uganda und Kenia und im Osten an Äthiopien und Eritrea. Mit einer Fläche von über 2,5 Millionen Quadratkilometern ist das Land etwa siebenmal so groß wie Deutschland und größter Flächenstaat des Kontinents.

Verwechslungen zwischen der Republik Sudan und der Großlandschaft Sudan können vermieden werden, indem man Namen von Staaten ohne Artikel (Sudan, Kongo) und geographische Namen von Landschaften, Flüssen und Regionen mit Artikel verwendet (der Sudan, der Kongo). Nach Ansicht des Dudens kann für den Staat Sudan wahlweise ein Artikel verwendet werden oder nicht, der Ständige Ausschuss für geographische Namen des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie sieht keinen Artikel vor. Dennoch findet man häufig in der Literatur die Schreibweise "der Sudan", wenn der Staat und nicht die Landschaft gemeint ist.

Ein Teil des Staates Sudan ist Teil der Großlandschaft Sudan und der Sahelzone. Sein Relief wird von der Beckenlandschaft des Nils und seinen Randgebirgen bestimmt. So erhebt sich im Nordosten das Bergland des Dschibal al-Bahr al-ahmar am Roten Meer, das eine Höhe bis 2.259 m erreicht. Im südlichen Grenzbereich zu Uganda liegt im Immatong-Gebirge der Berg Kinyeti, der mit 3.187 m der höchste Berg des Landes ist. Den südwestlichen Beckenrand stellen die Nordäquatorialschwelle und die Zentralafrikanische Schwelle dar, die auch die Wasserscheide zwischen Nil- und Kongosystem bilden. Im Westen erhebt sich ein Basaltgebirge auf dem Marra-Plateau, dessen höchste Erhebung mit 3.088 m der Berg Marra ist. Im Zentrum erheben sich die Nuba-Berge, die zwischen 500 m und 1.325 m hoch sind. Im Norden geht das Land beiderseits des Nils in die Sahara über, wobei der Teil westlich des Nils als Libysche Wüste und der Teil östlich des Nils als Nubische Wüste bezeichnet werden. In der Region um Khartum, wo Weißer Nil und Blauer Nil zum eigentlichen Nil zusammenfließen, breiten sich weite, flache Tonebenen aus. Südsudan wird überwiegend von Überschwemmungs- und Sumpflandschaft geprägt, wobei der Sudd die größte zusammenhängende Sumpflandschaft darstellt.

Hohe Temperaturen und Sommerregen besonders im Süden kennzeichnen das tropische Klima Sudans. In der Regenzeit von April bis November verteilen sich die Niederschlagsmengen von 1.500 mm im Süden auf weniger als 100 mm im Norden. Die mittleren Monatstemperaturen liegen zwischen 24 °C und 32 °C. Dabei können die Temperaturen aufgrund des Wüstenklimas im Norden 41 °C am Tag und 4 °C in der Nacht erreichen.

Die Vegetation reicht von spärlichstem Pflanzenwuchs in den nördlichen Wüsten und Halbwüsten über Dornstrauchsavannen in der Sahelzone, Trocken- und Feuchtsavannen mit Hochgras bis zu Regenwaldgebieten im äußersten Südwesten. Der Waldbestand hat zwischen 1990 und 2000 um 1,4 Prozent abgenommen. Im Sumpfgebiet des Sudd sind Schilfgräser, Papyrus und Wasserhyazinthen dominierend, die durch ihr schnelles Wachstum die Schiffbarkeit einschränken. Die vielfältige Tierwelt umfasst vor allem in Zentral- und Südsudan Elefanten, Büffel, Giraffen, Antilopen, Hyänen, Löwen, Flusspferde und Krokodile sowie zahlreiche Greif- und Wasservögel.

In Sudan gibt es zehn Nationalparks (Stand 2006). Das Schutzgebietssystem umfasst dabei aber auch Naturschutz- und Vogelschutzgebiete. Der Berg Barkal mit der historischen Stadt Sanam gehören zum Welterbe der UNESCO und beide zusammen bilden die antike Hauptstadt Napata des Königreiches von Kusch.

Zur Bevölkerung Sudans gibt es unterschiedliche Angaben. Sie reichen von 35.847.407 (Berechnung 2006, World Gazetter), über ca. 38 Millionen (Schätzung 2006, Auswärtiges Amt) bis 41.236.378 (Berechnung Juli 2006, CIA World Fact Book 2006). 38,9 Prozent der Sudanesen lebten 2003 in Städten; Ballungsgebiet ist Khartum. 39,5 Prozent der Einwohner waren im gleichen Jahr jünger als 15 Jahre. Die Bevölkerung wächst mit 2,55 Prozent pro Jahr (Stand: 2006).

Das Durchschnittsalter der Bevölkerung beträgt 18,3 Jahre (Stand: 2006). Die Lebenserwartung beträgt 58,92 Jahre, wobei sie bei Männern 57,69 Jahre und bei Frauen 60,21 Jahre beträgt (Stand 2006).

52 Prozent der Bevölkerung sind Schwarzafrikaner, 36 Prozent sind arabischer Abstammung (Sudanaraber), 9 Prozent gehören zu kuschitischen Völkern (v. a. das der Bedscha), 2 Prozent sind Ausländer (meist Flüchtlinge der diversen Kriege in Afrika) und 1 Prozent anderer Zugehörigkeit.

Rund die Hälfte der Sudanesen sprechen Arabisch (Sudanesisch-Arabisch), welches vor allem im Norden gesprochen wird (davon sprechen es 42% als Muttersprache). Die andere Hälfte spricht Afrikanische Sprachen, darunter Nuer-Dinka (12 Prozent Dinka, 6 Prozent Nuer; wird vor allem im Süden gesprochen), Nubisch (9 Prozent; am mittleren Nil), Bedscha (8 Prozent; im Nordosten), Azande (5 Prozent; im Südwesten), Bari (3 Prozent; im Südosten). Eine kleine Bevölkerungsgruppe spricht Ndogo. Englisch ist als zweite Amtssprache verbreitet.

Der Islam ist in Sudan Staatsreligion. 70 Prozent der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, 25 Prozent Animisten und 5 Prozent Christen. Die Nichtmuslime leben hauptsächlich im Süden des Landes und in Khartum. Mit dem Übertritt zum Islam oder Christentum ist gleichermaßen ein sozialer Aufstieg verbunden. Die selbst eingeschätzte Zuschreibung zu einer Religion entspricht daher im Süden auch einer gesellschaftlichen Einordnung. Aus afrikanischen Religionen sind in unterschiedlichem Maße Vorstellungen in die beiden abrahamitischen Religionen eingeflossen und haben zu deren vielfältigen Glaubensäußerungen beigetragen.

Die geltenden Scharia-Gesetze sind Teil eines staatlichen Islamisierungsprozesses, dem auch die Muslimbrüder unter Hasan at-Turabi zustimmen. Die Anhänger des ehemaligen Mahdi gerieten politisch in den Hintergrund. Unter der moslemischen Bevölkerung haben sich verschiedene Sufi-Orden (Tariqa) weit verbreitet. Dazu zählen die Qadiriyya, die im 19. Jahrhundert eingeführten Bruderschaften der Sammaniya und vor allem der Khatmiyya. Gegen den offiziellen Islam behaupten sich in der traditionell liberalen sudanesischen Gesellschaft volksislamische Rituale wie der Zar-Kult.

Christen in Sudan sind mehrheitlich Anhänger der römisch-katholischen Kirche, die im Süden um 1900 in der Region um Wau gleichzeitig mit den britischen Anglikanern um Bor zu missionieren begannen. Die amerikanische Presbyterian Church fand bei den Nuer am Oberen Nil ihr Betätigungsfeld. Seit Ende des Bürgerkriegs breiten sich im Süden verstärkt totalitäre amerikanisch-evangelikale Gruppierungen aus. Es gibt einige Kopten im Norden, die zumeist aus Ägypten stammen.

Im afrikanischen Vergleich sind in Südsudan traditionelle Religionen wie die der Dinka noch überdurchschnittlich verbreitet.

Sudan gehört zu den ärmsten Entwicklungsländern in Afrika. Die soziale Absicherung und die medizinische Versorgung sind unzureichend. Die Analphabetenrate liegt bei 29 Prozent unter Männern und 51 Prozent unter Frauen. Die älteste der sudanesischen Universitäten wurde im Jahre 1956 in Khartum gegründet.

Mehr als zwei Jahre nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen der Khartumer Regierung und der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee 2005, das den 21 Jahre währenden Bürgerkrieg beendet hat, wird die Anzahl der intern Vertriebenen immer noch auf fünf Millionen Menschen geschätzt, davon nahezu zwei Millionen in der Darfur-Region. Nach dem Abkommen waren es vor allem Vertriebene aus dem Süden des Landes, denen sich neue Möglichkeiten zur Rückkehr eröffnet haben. Dennoch bleibt Sudan das Land mit den meisten Binnenvertriebenen weltweit, so das Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) in Genf.

Die Sklaverei in Sudan lässt sich bis in alt-ägyptische Zeiten mit Quellen belegen. Auch im 20. Jahrhundert war sie noch anzutreffen, trotz der Abschaffungs-Bemühungen der Briten im Anglo-Ägyptischen Sudan im 19. Jahrhundert.

Die Geschichte Sudans reicht bis in die Pharaonenzeit zurück. Für das alte Ägypten war Nubien als Lieferant von Gold und Sklaven von Bedeutung; mit Beginn der 12. Dynastie (1991-1785 v. Chr.) wurde es dem ägyptischen Kernland einverleibt. Als Folge der Auflösung des Neuen Reiches vom 12. Jahrhundert v. Chr. an entstand in Nubien im 9. Jahrhundert v. Chr. der Staat Kusch, der bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. bestand. In den Jahren 712-664 v. Chr. beherrschte Kusch die "kuschitische Dynastie" von ganz Ägypten.

Etwa zeitgleich mit der Christianisierung der Region bildeten sich bis zum 6. Jahrhundert n. Chr. die drei nubischen Königreiche Nobatia, Makuria und Alodia heraus. 651 schloss das inzwischen von islamischen Arabern beherrschte Ägypten mit Nubien einen Friedensvertrag; er begründete bis zum 14. Jahrhundert relativ stabile Beziehungen. In Zentralsudan entstanden die Sultanate Darfur und Sannar, die bis ins 18. Jahrhundert Bedeutung hatten. Nach der Christianisierung und der Entstehung christlicher Königreiche wurde Sudan - mit Ausnahme des Südens - zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert islamisiert.

Im frühen 19. Jahrhundert begannen die osmanischen Vizekönige von Ägypten, Sudan zu erobern. Gegen die ägyptische Besetzung fand von 1881 bis 1899 unter dem islamisch-politischen Führer Muhammad Ahmad, dem selbsternannten Mahdi, der Mahdi-Aufstand statt. Dieser gilt als der erste erfolgreiche Aufstand eines afrikanischen Landes gegen den Kolonialismus und führte am Ende des 19. Jahrhunderts zur Bildung eines eigenen Staates. Das sog. Kalifat von Omdurman existierte 15 Jahre und wurde 1898 durch eine anglo-ägyptische Streitmacht in der Schlacht von Omdurman zerstört. Nach der Rückeroberung Sudans wurde 1899 ein britisch-ägyptisches Kondominium errichtet. Faktisch blieb Sudan bis 1953 britische Kolonie.

Nach dem Sturz König Faruks von Ägypten 1952 und einer Phase der vorbereitenden Machtübergabe war für Sudan der Weg in die Unabhängigkeit frei. Am 1. Januar 1956 wurde nach einer Volksabstimmung die Republik Sudan ausgerufen. Aus den Parlamentswahlen ging die Nationale Unionspartei (Umma-Partei, kurz UP) als Siegerin hervor und ihr Vorsitzender Ismail al-Azhari wurde erster Ministerpräsident des Landes. Aufgrund innerparteilicher Differenzen wurde noch im selben Jahr sein Rivale Abdullah Chalil neuer Ministerpräsident. Wegen der weiteren Instabilität der Koalitionsregierung und einer angeblich drohenden ägyptischen Invasion wandte sich Chalil 1958 mit der Bitte an den Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Ibrahim Abbud, zu intervenieren. Nach dem Militärputsch wurde Abbud zunehmend mit Revolten, Komplotten und dem Bürgerkrieg in Südsudan konfrontiert. Da er mit diesen Problemen nicht fertig wurde, trat er aufgrund öffentlicher Proteste 1964 zurück und übergab die Amtsgeschäfte an eine Zivilregierung unter Ministerpräsident Sirr al-Chatim al-Chalifa. In den Folgejahren war keine politische Stabilität zu erreichen. 1965 wurde Muhammad Ahmad Mahdschub, 1966 Sadiq al-Mahdi, 1967 erneut Muhammad Ahmad Mahdschub und 1969 Babikar Awadullah Ministerpräsident.

Diese Situation nutzte Oberst Dschafar Muhammad an-Numairi 1969 zu einem weiteren Militärputsch. Numairis Politik orientierte sich an seinem ägyptischen Vorbild Gamal Abdel Nasser und so wurden einige sozialistische und panarabische Reformen durchgeführt. Die Sudanesische Sozialistische Union (SSU) wurde als alleinige Partei im Staat installiert. 1971 wurde er kurz durch einen kommunistischen Putsch entmachtet, danach aber wieder eingesetzt. Daraufhin wurde er zum Präsidenten gewählt, und es gelang ihm 1972 einen 17 Jahre andauernden Bürgerkrieg zwischen der sudanesischen Regierung und den Rebellen Südsudans (Sudanesische Volksbefreiungsarmee SPLA) mit dem Addis-Abeba-Abkommen zu beenden. 1981 vollzog er eine Hinwendung zu einer islamistischen Regierung. 1983 führt er die Scharia im ganzen Land, auch im jetzt autonomen Südsudan, ein. Das Addis-Abeba-Abkommen verletzend löste er die südsudanische Regierung auf. Dadurch trieb er die Erneuerung des Bürgerkriegs voran. Die politische Unruhe im Land nahm die Armee unter General Swar ad-Dahab 1985 zum Anlass für einen weiteren Militärputsch und die Abhaltung von Wahlen. Die Scharia blieb aber weiterhin in Kraft. Sadiq al-Mahdi wurde 1986 erneut zum Ministerpräsidenten gewählt.

1989 kam es aufgrund einer zunehmenden politischen Instabilität zu einem Militärputsch unter Generalleutnant Umar Hasan Ahmad al-Baschir, der zur Politik Numairis zurückkehrte. Obwohl er seitdem unangefochten als Vorsitzender des "Nationalen Kommandorates zur Errettung der Nation" das Land beherrscht, versuchte er vergeblich, die Regierungsgewalt über den Süden zurückzugewinnen. Von 1983 bis 2005 befand sich Sudan ununterbrochen im Bürgerkrieg. 2005 wurde ein Friedensabkommen zwischen der Regierung in Khartum und der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee (SPLA), der wichtigsten südsudanesischen Rebellengruppe, unterzeichnet. Es gewährt Südsudan Autonomie und sieht ein Referendum über die Unabhängigkeit Südsudans für 2011 vor.

Sudan ist gemäß der Verfassung von 1998 eine Islamische Republik und wird seit 1989 von einer Militärregierung regiert. Staatsreligion ist der Islam und seit 2005 gilt die Scharia nur noch im muslimischen Landesteil, also nicht mehr in der autonomen Region Südsudan. Der Präsident wird alle fünf Jahre direkt vom Volk gewählt. Bei den Wahlen zwischen dem 13. und 22. Dezember 2000 gewann die Nationale Kongresspartei (NCP) die absolute Mehrheit der Sitze, während die Oppositionsparteien die Wahl boykottierten. Alle Sudanesen im Alter ab 18 Jahren besitzen das Wahlrecht.

Seit 2005 regiert die Nationale Kongresspartei (NCP) und die Sudanesische Volksbefreiungsbewegung (SPLM) gemeinsam in der Regierung der Nationalen Einheit. Diese Machtaufteilung wurde im Friedensabkommen von 2005 vereinbart und soll freie Wahlen für 2008 bis 2009 vorbereiten. Die Nationale Kongresspartei kam mit dem Militärputsch 1989 unter Umar Hasan Ahmad al-Baschir an die Macht und übte bis 2005 die Alleinherrschaft aus, während die Sudanesische Volksbefreiungsbewegung bis 2005 für die Unabhängigkeit Südsudans kämpfte. Mit dem Friedensabkommen wurde die autonome Region Südsudan geschaffen, die die Sudanesische Volksbefreiungsbewegung allein verwaltet. Der Regierungschef der Autonomen Region Südsudan ist gleichzeitig Vizepräsident des Gesamtstaates.

Der langjährige Führer der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung (SPLM), John Garang, kam am 30. Juli 2005 bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben. Die Nachricht vom Tod des erst am 9. Juli vereidigten Vizepräsidenten der Zentralregierung löste zunächst Befürchtungen über einen erneuten Ausbruch des Bürgerkrieges in Südsudan aus, als nach Bekanntwerden der Nachricht bei gewaltsamen Ausschreitungen in Khartum, Malakal und Dschuba 130 Personen getötet und mehr als 400 verletzt wurden. Am 5. August wurde Garangs langjähriger Stellvertreter Salva Kiir Mayardit zum neuen Chef der SPLM bestimmt und am 11. August auch als neuer Vizepräsident Sudans vereidigt.

In der am 20. September vorgestellten Regierung der nationalen Einheit, die 29 Minister umfasst, behielt die Nationale Kongresspartei (NCP) von Staatschef Umar Hasan Ahmad al-Baschir 4 von 5 Schlüsselministerien: Inneres, Verteidigung, Energie und Finanzen. Lediglich das Außenministerium wurde dem SPLM-Politiker Lam Akol anvertraut. Die SPLM hatte auch das Erdölministerium beansprucht, um die Erdöleinnahmen (und den verfassungsrechtlich zugesicherten Anteil des Südens) kontrollieren zu können. Mayardit gab schließlich nach, um die Einsetzung der Regierung nicht weiter zu verzögern. Dafür erntete er heftige Kritik aus der SPLM, da die Regierung in dieser Form der vertraglich gesicherten Machtteilung kaum mehr entspreche. Auch die gesamte Verwaltung und alle anderen politischen Institutionen blieben vollständig in der Hand der NCP. Die Opposition im Norden des Landes zog ihre Minister aus der Regierung zurück, da sie sich in der Anzahl und Verteilung von Ressorts nicht angemessen berücksichtigt sah.

Mayardit stellte am 21. Oktober 2005 die erste Regierung der Autonomen Region Südsudan vor, der er als Regierungschef vorsteht.

Neben der Form des Islam, die vom islamischen Regime in Sudan eingeführt wurde und Frauen eine untergeordnete Rolle zuschreibt, gibt es starke kulturelle Strömungen wie den Zar-Kult, in denen Frauen eine wichtige spirituelle Rolle einnehmen und die auch heute noch praktiziert werden. Ende der 40er Jahre formierten sich dann die ersten Frauenvereine in Sudan, aus denen 1951 die Sudanese Women's Union hervorging. Seither ist eine Vielzahl von Frauenorganisationen entstanden, u.a. die New Sudan Women Federation (NSWF) und die Sudan Women’s Voice for Peace (SWVP) und die Women Action Group (WAG), die auch versucht haben, den Friedensprozess in Sudan voranzubringen.

Interessanterweise fällt die Positionierung dieser Organisationen gegenüber der auf der Scharia basierenden Gesetzgebung sehr unterschiedlich aus. Einerseits wird Frauen hier, besonders in der Familiengesetzgebung, eine Männern untergeordnete Rolle und beschränkte Rechte zugeschrieben, andererseits garantiert das Gesetz gleiche Rechte bezüglich Wahlrecht, Arbeitsrecht sowie Bildung und Gesundheit. Eine weitere Aktivität ist der Kampf gegen die weiterhin verbreitete Beschneidung weiblicher Genitalien.

Eine wichtige Institution in Sudan ist außerdem die private Ahfad Universität für Frauen. Diese ist ausschließlich offen für weibliche Studierende, und hat, als eine der wenigen Universitäten im arabischen Raum, neben natur-, sozial- und agrarwissenschaftlichen und medizinischen Fakultäten auch ein Institut für women studies.

Darfur wurde 2003 zum Schauplatz einer blutigen Rebellion gegen die arabisch-dominierte sudanesische Regierung mit zwei schwarzafrikanischen Rebellengruppen – der sudanesischen Befreiungsarmee (Sudan Liberation Army, SLA) und der Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (Justice and Equality Movement, JEM), die die Regierung beschuldigen, Afrikaner zugunsten der Araber zu unterdrücken. Im Gegenzug begann die Regierung einen Feldzug mit Luftbombardements und Bodenangriffen, durchgeführt von einer arabischen Miliz, den Dschandschawid. Die sudanesische Regierung wies jedoch eine Mitschuld an den Verbrechen der Milizen in Darfur zurück. Am 8. April 2004 wurde aufgrund des internationalen Drucks ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen, für dessen Einhaltung die Friedensmission African Union Mission in Sudan (AMIS) mit logistischer Unterstützung der NATO sorgen sollte.

Im September 2005 kam es allerdings zu neuen Kämpfen in der Region. Hintergrund waren die am 15. September wieder aufgenommenen Friedensgespräche in Abuja. Eine Splittergruppe der SLA boykottierte die Verhandlungen und überfiel Hilfslieferungen und Regierungsgebäude. Am 29. September starben 30 Personen nach Attacken der Dschandschawid auf ein Flüchtlingslager in Nord-Darfur, am 9. Oktober entführte eine Fraktion der JEM 38 AMIS-Soldaten, die später wieder freigelassen wurden. SLA-Rebellen töteten am 7. Oktober vier Soldaten der AMIS-Friedenstruppe, die nur über einen Beobachterstatus verfügen und nicht einmal bei Vergewaltigungen einschreiten dürfen. Ein von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch am 12. Dezember veröffentlichter Bericht erneuerte die bereits seit 2004 erhobenen Vorwürfe gegen die sudanesische Regierung, bis in die höchsten Ebenen in Planung und Durchführung der Kriegsverbrechen in Darfur verwickelt zu sein, was von der Regierung zurückgewiesen wurde. Seit März 2005 ermittelt der Internationale Strafgerichtshof (ICC) gegen Kriegsverbrecher im Darfur-Konflikt.

Anfang Februar 2006 intensivierten sich die bewaffneten Auseinandersetzungen erneut. Der Befehlshaber der AMIS-Mission machte die Rebellenbewegungen hierfür verantwortlich. Sie hätten durch Angriffe auf die beiden in Regierungshand befindlichen Städte Shearia und Golo Gegenangriffe der Dschandschawid auf Flüchtlingslager ausgelöst. Als Reaktion auf diese Angriffe hatten bis zu 70.000 Personen die Flüchtlingslager verlassen. Nach unabhängigen Angaben waren es jedoch weiterhin hauptsächlich die mit der sudanesischen Regierung verbündeten Milizionäre, die gegen Flüchtlinge und die ausländischen Hilfsorganisationen vorgingen. Am 5. Mai 2006 unterzeichnete die sudanesische Regierung und die bedeutendere Fraktion der Sudan Liberation Army (SLA) unter Minna Minnawi ein Friedensabkommen in Abuja. Die andere Fraktion der SLA unter Abdelwahid al-Nur und die Bewegung für Gleichheit und Gerechtigkeit (JEM) lehnen eine Zustimmung zum Abkommen ab, da sie ihre Hauptforderungen der sofortigen Schaffung einer Region Darfur anstatt der drei Bundesstaaten und die Einrichtung eines zweiten Vizepräsidenten für Darfur nicht berücksichtigt sehen.

Die meisten Rebellen, die das Abkommen ablehnen, haben sich zur Nationalen Erlösungsfront (engl.: National Redemption Front, kurz NRF) zusammengeschlossen und erklärten den Waffenstillstand für beendet. Neue Kämpfe in Darfur zwangen Mitte Juni 2006 das Welternährungsprogramm, seine Arbeit einzustellen, wodurch 400.000 Menschen von einer Hungersnot bedroht waren. Die Dschandschawid hatten bereits in der Woche nach der Unterzeichnung des Abkommens ihre Überfälle wieder aufgenommen. Daraufhin entsandte die sudanesische Regierung zusätzliche Truppen nach Darfur und startete eine seit dem 28. August 2006 andauernde Offensive in Nord-Darfur mit Unterstützung der Minnawi-SLA um die Rebellen der NRF zurückzudrängen.

Nach jahrzehntelangem Sezessionskrieg in Südsudan von 1955 bis 1972 und noch einmal von 1983 bis 2005 wurde im Jahre 2005 die autonome Region Südsudan gebildet. Sie hat ca. 8,8 Millionen Einwohner in 10 Bundesstaaten.

Der Osten Sudans, der hauptsächlich von den Ethnien der Bedscha und Rashaida bewohnt wird, ist eine arme und unterentwickelte Region, deren Bewohner kaum von den dortigen Bodenschätzen oder von den Einnahmen aus dem Erdölexport profitieren. Viele Bedscha und Rashaida fühlen sich daher von der Zentralregierung in Khartum marginalisiert und unterdrückt. Die in der Eastern Front zusammengeschlossenen Widerstandsorganisationen verübten immer wieder Angriffe auf Regierungseinrichtungen. Seit Anfang 2006 laufen in Eritrea Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den Rebellen Ostsudans. Dabei wurde am 26. Juni 2006 bereits ein Waffenstillstands-Abkommen unterzeichnet.

Wegen des Konfliktes um Darfur und den damit einhergehenden Rebellenaktivitäten im Grenzgebiet stellte Tschad am 23. Dezember 2005 den Kriegszustand mit Sudan fest. Tschad erklärte aber, dass dies keine Kriegserklärung sei. Im April 2006 brach der westliche Nachbarstaat die diplomatischen Beziehungen zu Sudan ab, da er diesen der Unterstützung der oppositionellen FUC bezichtigt. Bei deren Angriff auf N'Djamena kamen zuvor bis zu 500 Menschen ums Leben.

Am 9. August 2006 gaben der Präsident Tschads, Idriss Deby, und sein sudanesischer Amtskollege al-Baschir die sofortige Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen und des Grenzverkehrs bekannt. Die Normalisierung der Beziehungen wurde durch die Vermittlung des libyschen Führers Muammar al-Gaddafi und des senegalesischen Präsidenten Abdoulaye Wade erreicht.

Aufgrund der Kritik Osama Bin Ladens am Königshaus von Saudi-Arabien zum Vorgehen im Irak-Krieg wurde er von Saudi-Arabien zur persona non grata erklärt und man versuchte, seiner Person habhaft zu werden. Wegen dieser Bedrohung floh Osama Bin Laden 1991 nach Sudan, der aufgrund eines Militärputsches von 1989 durch General al-Baschir und dessen islamisch-fundamentalistische Bestrebungen international isoliert war. Hier wurde Bin Laden vor allem geschäftlich tätig: Mit seiner Baufirma nahm er den Neubau einer Autobahn von Khartum nach Bur Sudan in Angriff und gründete eine Geschäftsbank. 1994 wurde ihm aufgrund seiner internationalen terroristischen Aktivitäten die saudische Staatsbürgerschaft entzogen. Auf saudischen und US-amerikanischen Druck hin verwies Sudan 1996 Osama bin Laden des Landes, der daraufhin nach Afghanistan reiste.

Trotz des Nachgebens galt Sudan weiterhin in den USA als Terrorstaat und 1998 kam es nach den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi, Kenia und Daressalam, Tansania, zu einer Vergeltungsaktion seitens der USA auf die Asch-Schifa-Arzneimittelfabrik, in der eine Giftgasfabrik vermutet wurde. Eine Verstrickung in die Bombenanschläge oder die Produktion von Giftgas in der bombardierten Fabrik konnten bis heute nicht nachgewiesen werden.

Die Gebiete mit umstrittener Grenzziehung sind das Hala'ib-Dreieck im Norden und das Ilemi-Dreieck im Süden. Das Hala'ib-Dreieck wird von Ägypten beansprucht und seit dem Jahr 2000 verwaltet, nachdem sich die sudanesischen Truppen aus dem Gebiet freiwillig zurückgezogen haben. Eine Einigung steht aber noch aus. Das Ilemi-Dreieck wurde bereits 1950 von Sudan aufgegeben, aber die Konflikte in der Region behinderten bisher eine vertragliche Einigung mit den angrenzenden Staaten Kenia und Äthiopien.

Sudan ist in 26 Bundesstaaten (wilayat) unterteilt, die sich wieder in insgesamt 133 Distrikte gliedern. Von den 26 Bundesstaaten bilden die zehn südlichsten die autonome Region Südsudan.

Die Städte mit über einer Million Einwohner (Berechnung 2007) sind Omdurman (3.127.802 Einwohner), die Hauptstadt Khartum (2.207.794 Einwohner) und al-Chartum Bahri (1.725.570 Einwohner), die sich in enger Nachbarschaft am Zusammenfluss des Weißen Nils mit dem Blauen Nil befinden. Alle anderen Städte bleiben unter der Grenze von 500.000 Einwohnern mit Ausnahme von Nyala im Süd-Darfur. Unverzichtbar für den Außenhandel ist die Stadt Bur Sudan, die über den einzigen Meerhafen des Landes verfügt. Entlang des Nils findet man noch folgende größere Städte von Nord nach Süd: Wadi Halfa, Atbara, Kusti, Rabak, Malakal, Bur und Dschuba.

1970 bestand nur eine asphaltierte Straße zwischen Khartum und Wad Madani. Bis 1980 war in Etappen und mit Hilfe von mehreren Ländern die weitere Strecke über Kassala bis Port Sudan asphaltiert (annähernd 1200 Kilometer). Insgesamt gab es 1990 von 20.000–25.000 Kilometer gesamtem Straßennetz etwa 3000–3500 Kilometer asphaltierte Straßen. Für 1996 werden 11.900 Kilometer unasphaltierte Fernstraßen und 4320 Kilometer Asphaltstraßen angegeben. Seit 2000 erfolgt parallel zum wirtschaftlichen Aufschwung durch den Erdölexport ein beschleunigter Ausbau aller Fernstraßen in Nordsudan. Ende 2008 waren die Straßenverbindungen zwischen den Städten im Bereich von El Obeid im Westen über Kassala und Port Sudan im Osten neu asphaltiert. Im Norden ist eine Querverbindung von Port Sudan über Atbara und Merowe bis Dongola asphaltiert. Mit der Fertigstellung der verbleibenden Teilstrecken nach Wadi Halfa, über Abu Hamad und entlang des Nil, wird für 2009 gerechnet. Eine Nilbrücke bei Merowe wurde 2008 eingeweiht, zwei weitere Brücken, bei Atbara und Dongola, befinden sich im Bau.

In Südsudan war es erst ab 2000 möglich, die Straße von Lokichoggio (Kenia) nach Dschuba zur Versorgung der vom Bürgerkrieg betroffenen Bevölkerung auszubauen. Seit Beendigung des Krieges 2005 müssen die Erdstraßen in weiten Teilen zuerst von Minen geräumt werden, bevor sie mit einem allwettertauglichen Schotterbelag versehen werden können. Die wichtige Versorgungsstrecke nach Gulu (Uganda) war 2008 noch in schlechtem Zustand, dafür wurde die Fertigstellung einer durchgehenden Schotterstraße von Dschuba über Wau nach Khartum gemeldet.

Das gesamte Schienennetz ist eingleisig in Kapspur und umfasste nach dem letzten Ausbau in den 1960er Jahren 5.995 Kilometer. 1897 begannen die Engländer in Wadi Halfa mit dem Eisenbahnbau zum Transport ihrer Militärgüter während ihres Vormarsches zur Eroberung des Mahdi-Reiches. 1899 erreichte die Bahn über Atbara die Hauptstadt. Von Atbara, das heute die einzige noch in Betrieb befindliche Wartungsstation für den Schienenverkehr ist, wurde 1906 eine Zweigstrecke zum Hafen in Port Sudan angelegt. Die Verlängerung von Khartum nach Süden bis El Obeid war 1911 fertiggestellt. Eine in den 1920er Jahren gebaute, von Sennar über Gedaref und Kassala an die Strecke nach Port Sudan anknüpfende Bahnverbindung diente dem Abtransport von Baumwolle aus der Gezira-Ebene. Sie ist nicht mehr in Betrieb. Mit Hilfe eines Weltbankkredits erfolgte um 1960 der Ausbau von El Obeid nach Westen über Babanusa nach Nyala (1959) und von Babanusa nach Süden bis Wau (1961). Wegen des Bürgerkriegs im Süden wurde die Strecke nach Wau für den Personenverkehr 1991 eingestellt, der Zugverkehr in den folgenden Jahren diente dem Transport von Rüstungsgütern in die von der Armee gehaltenen Stadt. Die Bahnverbindung nach Wau ist zerstört, eine Wiederherstellung scheitert seit Ende des Bürgerkriegs an den Kosten und der politischen Lage.

Der Verkehr auf den Strecken der Sudanesischen Eisenbahngesellschaft ist langsam und ineffizient. Ab Anfang der 1980er Jahren wurde aus politischen Gründen anstelle der Bahn nun der Ausbau der Fernstraßen favorisiert; in das Schienennetz wurde praktisch nicht mehr, in den Fahrzeugbestand kaum noch investiert. Für den Güterverkehr übriggeblieben und von einiger Bedeutung sind die Strecken von den beiden Häfen Port Sudan und Wadi Halfa in die Hauptstadt und gelegentlich weiter über Kusti nach Nyala. Die einzige noch bestehende Personenzugverbindung besteht zwischen Khartum und Wadi Halfa. Der wöchentlich verkehrende Zug benötigt knapp zwei Tage.

Der wichtigste Seehafen befindet sich in Port Sudan, über den das Erdöl aus dem Landesinneren mittels einer Pipeline exportiert werden kann.

Sudan verfügt über etwa 4.068 Kilometer Wasserstraßen, wovon 1.723 Kilometer (Blauer Nil und Weißer Nil) ganzjährig befahrbar sind. Wichtige Flusshäfen sind Dschuba, Khartum, Kusti, Malakal, Nimule und Wadi Halfa.

Das Pipeline-Netz umfasst für Erdöl 2.365 Kilometer, für Erdölprodukte 810 Kilometer und für Gas 156 Kilometer. Seit April 2006 fördert Sudan durch Ölpipelines 365.000 Barrel Erdöl am Tag, obwohl die Kapazitäten bereits auf 500.000 Barrel am Tag erweitert wurden - aufgrund von technischen Problemen mit der von Malaysia gebauten Öl-Pipeline kann dieses Potenzial noch nicht ausgeschöpft werden.

Das Bruttonationaleinkommen (BSP) pro Kopf beträgt 383 Euro (Stand 2003) und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf beträgt 2.246 Dollar (Stand 2005) (rund 1.826 Euro).

Sudan verfügt über reichhaltige Vorkommen von Bodenschätzen, wie zum Beispiel Erdöl, Eisen, Marmor, Gold und Uran. Allein die Erdölvorkommen werden nach US-amerikanischen Schätzungen aus den 1990er Jahren auf rund 3 Milliarden Barrel beziffert. Bisher sind die meisten Ölfelder noch nicht erschlossen – teilweise sind sogar die Konzessionen noch nicht vergeben. Allerdings arbeitet die Greater Nile Petroleum Operating Company daran, dem abzuhelfen.

Ein Drittel des sudanesischen Erdöls geht nach China; mittlerweile deckt das afrikanische Land schätzungsweise 6 bis 8 Prozent der gesamten Ölimporte Pekings. Man erwartet in absehbarer Zeit eine Steigerung auf 800.000 Barrel täglich.

Früher war allgemein ein System von gemeinschaftlichen Eigentumsrechten an Weiden und Ackerbauland üblich. Einige Familien besaßen auch private Landrechte. Ein 1926 erlassenes Gesetz stellte nichtprivates Land unter Eigentumsvorbehalt des Kolonialstaates, in der Praxis wurde aber das traditionelle Bodenrecht beibehalten. Nach dem 2. Weltkrieg wurde von den Briten mit der Einführung einer mechanisierten Landwirtschaft begonnen, mit dem ursprünglichen Ziel, die eigenen Truppen zu ernähren. Gesetzesänderungen um 1970 ermöglichten freie Zugriffsmöglichkeiten auf Landressourcen. Zusammen mit der durch Weltbankkredite finanzierten Mechanisierung der Landwirtschaft in fruchtbaren Gebieten führte das zu Enteignungen und zur Herausbildung einer Großgrundbesitzerschicht (suitcase farmers).

Etwa sieben Prozent der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt. Eine wichtige Devisenquelle des Landes ist die Baumwolle, die vor allem in den Bewässerungsgebieten der Dschazira-Ebene zwischen dem Weißen und dem Blauen Nil angebaut wird. Weitere Erzeugnisse sind Erdnüsse, Sesam, Hirse, Sorghum, Weizen und Zuckerrohr. Sudan liefert etwa 80 Prozent der Weltproduktion von Gummiarabikum, das aus dem Harz einer Akazienart gewonnen wird. Die Hälfte des produzierten Gummiarabicum stammt aus der Provinz Kurdufan, je ein Viertel aus Kassala und Darfur.

Die Volksrepublik China ist der wichtigste ausländische Investor in Sudan.

Haupt-Export-Länder (Stand 2004) sind China (64,3 Prozent), Japan (13,8 Prozent) und Saudi-Arabien (3,7 Prozent).

Haupt-Import-Länder (Stand 2004) sind Saudi-Arabien (11,7 Prozent), China (10,7 Prozent), die VAE (6,2 Prozent), Ägypten (5,2 Prozent), Deutschland (4,9 Prozent), Indien (4,6 Prozent), Australien (4,1 Prozent) und Großbritannien (4 Prozent).

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Operation Lifeline Sudan

Solche Lagerhallen für Baumwolle im Hafen von Port Sudan wurden als Umschlagplätze für Hilfsgüter angemietet. 1985 konnten pro Tag 15.000 Tonnen Nahrungsmittel abgeladen werden, die Eisenbahn konnte nur 2000 Tonnen wegschaffen.

Die Operation Lifeline Sudan, kurz OLS (deutsch: Aktion Überlebensbrücke Sudan) war eine humanitäre Operation der Vereinten Nationen in Sudan. Die OLS wurde im März 1989 angesichts einer sich ab Mitte der 1980er Jahre abzeichnenden Hungersnot in Südsudan auf dem Höhepunkt des zweiten Sezessionskrieges beschlossen. Unter Führung der UNICEF wurden Hilfeleistungen verschiedener humanitärer Organisationen koordiniert. Bekannt wurde die OLS durch tägliche Nahrungsmittelflüge von der Basis Lokichoggio in Kenia in verschiedene Orte Südsudans. Es war die erste großangelegte Hilfsaktion, bei der die Bevölkerung während eines Bürgerkrieges innerhalb des Kampfgebietes versorgt wurde.

Mit der Friedensvereinbarung von 1972 in Addis Abeba (Addis Abeba Peace Agreement), der den ersten Bürgerkrieg in Südsudan beendete, war für Südsudanesen die Hoffnung auf wirtschaftliche Entwicklung verknüpft. Es wurden in den folgenden Jahren zwar einige Entwicklungsmaßnahmen durchgeführt, aber diese waren deutlich zu gering und regional ungleichmäßig verteilt. Geld für Infrastrukturverbesserungen floss nur in den Straßenbau der Distrikte von Torit, Yambio und Yei in den südlichen Äquatoria-Provinzen und vor allem in den Bau des von der lokalen Bevölkerung abgelehnten Jonglei-Kanals. Der Export von Rindern und Trockenfischen in den Norden, der für einige Regionen einen hohen Marktanteil hatte, konnte zwar gesteigert werden, die grundsätzliche Unterentwicklung und Unzufriedenheit des Südens wurde damit nicht behoben.

Nach einem Jahrzehnt Frieden begann der zweite Bürgerkrieg in Südsudan konkret mit einem Aufstand des in Bor stationierten Bataillons 105 im Mai 1983. Der von Khartum aus zur Untersuchung der Angelegenheit losgeschickte Oberst John Garang schlug sich bei der Ankunft in Bor auf die Seite der Meuterer. Am 31. Juli 1983 wurde offiziell die SPLA gegründet, die anfangs nur mit wenigen Waffen Anschläge auf Regierungseinrichtungen verübte, ab 1984 aber von Muammar al-Gaddafi und Äthiopiens Staatschef Mengistu unterstützt wurde. Hintergrund für das Wiederaufflammen des Bürgerkrieges war die Islamisierung des Staates mit der Einführung der Scharia im September 1983 durch Präsident Numairi, die sich vor allem gegen die Christen im Süden richtete. In den folgenden Jahren stattete die Regierung arabischsprachige Baggara-Nomaden (islamische Milizen allgemein: Murahileen) mit Waffen aus und ermunterten diese zu Plünderungen und Grausamkeiten an der schwarzafrikanischen Bevölkerung (Dinkas und Nuer). Ebenso verhielten sich betrunkene Militärs. Es begann eine Massenflucht der Bevölkerung zur SPLA und damit eine Ausweitung der Kämpfe.

Für die Millionen Rinder in Südsudan wurden ab 1983 die staatlichen Impfprogramme eingestellt, der bisherige Viehhandel kam zum Erliegen. Mangels Geld wurden nun in privaten Transaktionen Rinder gegen Hirse getauscht. Tierkrankheiten und Diebstähle reduzierten die Viehbestände. Regierungssoldaten zerstörten als strategisch wertvoll eingestufte Dorfbrunnen. 1983 war der Niederschlag in Südsudan geringer als üblich, im Sommer 1984 fiel abgesehen von den südlichsten Provinzen fast kein Niederschlag. Sechs Millionen Einwohner von Kordofan und Darfur begannen zu hungern, eine Kommission von USAID untersuchte die Ernteausfälle, fand die Lage in den beiden Regionen verzweifelt und veranlasste die Lieferung von 82.000 Tonnen Sorghum, von dem ab November nur wenig über Port Sudan ins Land kam. Wegen der Dürre wurde im Winter 1984 auch in den mechanisierten Feldbaugebieten der Gezira-Ebene nur die Hälfte der Getreidemenge geerntet. Im Mai und Juni 1985 wurden 400.000 Tonnen Durra im Hafen von Port Sudan abgeladen, der mit dieser Menge völlig überfordert war. Der Weitertransport per Bahn oder LKW verlief wegen unzureichender Transportkapazitäten, schlechter Straßen und verbreiteter Korruption nur schleppend. So kam auf dem Höhepunkt der Hungersnot im zentralen Sudan einmal ein völlig leerer Frachtzug in Nyala (Darfur) an. Für diese Verluste wurde USAID kritisiert, obwohl diese Organisation für die von ihr zur Verfügung gestellten 425.000 Tonnen Nahrungsmittel andere Transportunternehmen beauftragte und bezahlte. Etwa 250.000 Menschen wurden ernährt, ebenso hoch könnte die Zahl der Todesopfer gewesen sein. Möglicherweise einige 10.000 wurden vor dem Tod bewahrt.

Präsident Numairi wurde im Zusammenhang mit der Hungersnot Gleichgültigkeit und Missmanagement vorgeworfen; keine der Südprovinzen hatte Hilfe aus Khartum erhalten. Das gehörte zu den Gründen, weshalb er am 6. April 1985 gestürzt wurde. Die anderen Gründe waren: die Entlassung der Muslimbrüder unter Hasan at-Turabi aus der Regierungskoalition, die hohe Inflation und eine durch die andauernden Kämpfe demoralisierte Armee. Der im April 1986 zum Nachfolger gewählte Sadiq al-Mahdi äußerte sich gegenüber der Hungersnot im Süden ähnlich indifferent und erklärte, die Hungerhilfe läge allein „in der Verantwortlichkeit des reichen Westens, nicht irgendeiner sudanesischen Regierung.“ Der „reiche Westen“ war, abgesehen von USAID, in Südsudan in Gestalt der Hilfsorganisationen Oxfam, Band Aid, Norwegian Church Aid, ACROSS (African Committee for the Relief of the Southern Sudanese) und protestantischen Kirchen vertreten. Es darf als Vorstufe der OLS gewertet werden, dass diese Organisationen sich ab 1985 unter dem Titel CART (Combined Action Relief Team) koordinierten.

Wie im Verlauf des Bürgerkrieges Kämpfe um knappe Ressourcen entlang ethnischer Trennlinien ausgetragen wurden, zeigt sich besonders am Beispiel von El Diein (Ed Daein), einer Kleinstadt an der Bahnlinie östlich von Nyala. Der Ort war früher einer der Umschlagplätze für Sklaven, wurde wegen des 2003 ausgebrochenen Darfur-Konflikts Ende 2007 von USAID als für Hilfsorganisationen besonders gefährlich eingestuft und war 20 Jahre zuvor, Anfang 1987, Schauplatz eines Massakers. Bis Mai 1986 waren 17.000 Dinka aus dem Süden in das vermeintlich ruhige El Diein geflohen, wo es an den knappen Wasserstellen gelegentlich Streit mit den ansässigen Fur und Zaghawa gab. Zur Eskalation kam es, als Baggara im Januar 2007 Dinka-Dörfer überfielen. SPLA-Kämpfer griffen daraufhin diese arabischen Milizen an, töteten über 150 Baggara und brachten 4000 Rinder wieder in Dinka-Besitz. Am 27. März 1987 griff zunächst eine Gruppe bewaffneter Baggara Dinka an, die sich in einer Kirche versammelt hatten. Es bildete sich ein Mob, der durch Dinka-Stadtviertel wütete und mit Stöcken auf die Fliehenden einschlug. Am nächsten Tag wurde Feuer an einen zur Abfahrt bereiten und mit Dinka vollbesetzten Zug gelegt. UNICEF schätzte die Zahl der Todesopfer auf bis zu 1500, Amnesty International bestätigte später 426 getötete Dinka. Davon waren die meisten Frauen und Kinder.

1987 gelangten, behindert durch Bürokratie und Sicherheitslage, nur wenige Nahrungslieferungen in die Städte im Süden; am Anfang des Jahres wurde besonders im Distrikt Aweil über Hungersnot berichtet. Sadiq hielt sich nicht nur an seine Aussage, die Versorgung der Bevölkerung den Hilfsdiensten zu überlassen, es gab auch gezielte Maßnahmen der Regierung gegen diese Hilfe. Im Februar 1988 wurden auf Anweisung aus Khartum 20 OXFAM-Lkw im Wert von 600.000 US-Dollar, die Nahrungsmittel in die südliche Region bringen sollten, in Juba von der Armee beschlagnahmt, um Truppen für einen Angriff auf das ganz im Südosten gelegene Kapoeta zu transportieren, das kurz zuvor an die SPLA gefallen war. Die Fahrzeuge waren von der britischen Regierung gekauft und OXFAM überlassen worden, weshalb es zu Schlagzeilen in der britischen Presse kam.

Als es im August 1988 im gesamten Zentrum des Landes zu einer Überschwemmungskatastrophe kam, bei der 80 Prozent der Fläche Khartums unter Wasser stand und hunderttausende Menschen obdachlos wurden, traf in kürzester Zeit Nothilfe aus überwiegend arabischen Ländern ein. Saudi-Arabien flog mit 42 Militär- und 19 Zivilflugzeugen Nahrungsmittel ein, die von der Armee in Stadtteilen mit Regierungsanhängern verteilt und teilweise abgezweigt wurden. Auch USAID spendete 7100 Tonnen Nahrungsmittel, die über kirchliche Organisationen zu Flutopfern in den Randgebieten der Hauptstadt gelangten.

Die mühseligen internationalen Verhandlungen Anfang 1989 bis zur Einführung der OLS-Hilfsaktion geschahen zu einer Zeit, als sich Sadiq innenpolitisch in einer Krise befand und wegen des andauernden Krieges und vor allem als nach Einbezug der National Islamic Front (NIF) von Turabi im Februar in die Regierungskoalition auch seine Legitimität im Ausland schwand. Sadiqs Regierung verfügte zwar über eine ausreichende Mehrheit, dennoch wurde ihm die Unfähigkeit zu Wirtschaftsreformen zur Bekämpfung der Inflation (im Februar 80 Prozent) und der Auslandsverschuldung vorgeworfen (seit 1982 nahm die Wirtschaftsleistung ab). Wegen zunehmender Kriegsmüdigkeit forderte die Armee im Februar in einem einwöchigen Ultimatum Friedensgespräche mit der SPLA. Im Süden benötigten im März 1989 1,6 Millionen Flüchtlinge Hilfe, über eine Million Flüchtlinge befanden sich in Khartum.

Im März 1989 fand in Khartum eine UN-Konferenz statt, bei der James Grant, der Direktor von UNICEF und Leiter der geplanten OLS, seine Positionen durchsetzen konnte. Die Zugeständnisse der Regierung betrafen den Umtauschkurs in sudanesische Pfund für Spendenüberweisungen und Garantien für sichere Transportrouten, zu deren Einrichtung Sadiq einen Monat Ruhe versprach. Die SPLA unter John Garang erklärte sich ebenfalls mit der Einrichtung von Korridoren einverstanden, auf denen Hilfsgüter ab Malakal auf dem Nil, über die Eisenbahnverbindung von Norden nach Aweil und per LKW aus Uganda transportiert werden könnten, widersetzte sich aber einem Waffenstillstand. Der Beginn der Aktion wurde auf den 1. April festgelegt und sollte unter der Regie von UNICEF sechs Monate dauern. Das Sadiq aufgezwungene Hauptzugeständnis war die Zustimmung zu einem Friedensprozess, welcher auch in der von ihm am 25. März 1989 neu gebildeten Regierung (der fünften Regierung in drei Jahren) eine Mehrheit fand. Turabi verließ die Regierung und lehnte ein geplantes Treffen zwischen Sadiq und Garang ab.

Zu diesem Treffen kam es nicht mehr. Nach einem Putsch islamistischer Offiziere am 30. Juni 1989 übernahm Umar Hasan Ahmad al-Baschir die Macht. Baschir erklärte James Grant am Tag nach dem Staatsstreich zwar, die OLS werde fortgesetzt. Dennoch wurde für einen Monat die Reiseerlaubnis für Helfer ausgesetzt. Bis August 1989 wurde ein Flugverbot verhängt, danach wurden die Sicherheitsprozeduren derart verschärft, dass die Hilfsflüge von Khartum drastisch reduziert wurden. Allgemein erreichten Hilfsgüter nur teilweise und nach Verzögerungen ihr Ziel. Im November suspendierte die Regierung erneut alle Hilfsflüge und machte deren Fortsetzung von der Bedingung abhängig, dass künftig 80 Prozent aller Hilfsgüter in die von der Armee beherrschten Gebiete gehen müssten. Zuvor waren es 50 Prozent gewesen. Es begann ein Feilschen um Quoten. Allein die Lutheran World Federation scherte aus dem Konsens der Hilfsorganisationen aus, akzeptierte diese Bedingung und flog Hilfsgüter in die Garnisonsstadt Juba. Baschir wollte außerdem Armeeoffiziere an den Verladestellen der Hilfsgüter in Kenia und Uganda positionieren, was aber abgelehnt wurde.

Im Oktober war der ursprüngliche Vertrag abgelaufen und von Baschir auch nicht verlängert worden. Direkte Verhandlungen für eine Fortsetzung als OLS II fanden im November 1989 unter Vermittlung von Jimmy Carter in Nairobi statt. Sie waren erfolglos. Es kam zu keiner Vertragsverlängerung, stattdessen wurde die OLS ohne genaue Absprachen weitergeführt. Die internationalen Geber erklärten im März 1990 die zweite Phase der OLS für eröffnet. Diesmal sollten auch die Flüchtlinge in Khartum einbezogen werden. Bis zum offiziellen Ende im Oktober 1990 standen nun 118 Millionen Dollar zur Verfügung. Die ersten Hilfsflüge starteten von Lokichoggio im April. Der Beginn von OLS II war zögerlich, besonders nachdem die sudanesische Regierung ihre Unterstützung für den Irak erklärte: als dieser im August 1990 in Kuwait einmarschierte, schwand das Interesse der USA vollends. Sudan hatte sich nun auch von den arabischen Ländern politisch isoliert. Vorausschauend hatte Baschir im Februar die Selbstversorgung des Landes proklamiert, um „die Ehre und Würde des Sudan zu bewahren.“ Nicht in dieses Bild passt, dass die Regierung im September 1990 in Kosti 40.000 Tonnen Hilfsgüter aus dem Besitz von USAID beschlagnahmte, was zu internationalen Protesten führte. Eine Weiterführung von OLS schien daher fraglich, wurde aber trotz geringeren Interesses der Geber für das kommende Jahr beschlossen. Anfang der 1990er Jahre erhielten nur wenige Ausländer die Erlaubnis, die Lage vor Ort zu überprüfen.

Anfang 1991 verschob sich die militärische Lage zuungunsten der SPLA. In Äthiopien wurden nach dem Sturz der sozialistischen Regierung die sudanesischen Flüchtlingslager, die eine Versorgungsbasis der SPLA gewesen waren, aufgelöst und 100.000 Sudanesen zur Rückkehr in den Sudan gezwungen. Deren Versorgung musste nun dezentral und mitten im Kriegsgebiet erfolgen.

Seit ihrer Einführung hatte die OLS, von den komplizierten Verhandlungen abgesehen, mit schlechten und teilweise verminten Straßen und mit zumeist durch die SPLA begangenen Überfällen auf diesen Straßen und den Wasserwegen zu kämpfen. Die Versorgung musste daher zu großen Teilen aus der Luft erfolgen. Zum Umschlagplatz für die Versorgungsgüter und zur Basis der Hilfsorganisationen wurde der Flugplatz im kenianischen Lokichoggio. Das World Food Programme schätzte 2004 den Anteil der Transportkosten auf 38–43 Prozent der jährlichen Projektkosten und damit auf etwa doppelt so viel wie den Wert der Ware. Das Einfliegen über Lokichoggio verteuerte die Hilfslieferungen um das drei- bis fünffache. Um 1990 kostete der Transport einer Tonne Hilfsgüter von Kenia in die Krisenregion 700 US-Dollar. Teilweise wurden eine Million US-Dollar pro Tag ausgeben.

Unter Leitung der UNICEF waren den einzelnen Hilfsorganisationen in Südsudan Sektoren zugeteilt: AICF (Action Internationale Contre le Faim) um Kadugli; CARE International in an-Nahud (West-Kordofan); CONCERN Irland in Kosti und Malakal; ICRC in Wau; LRCS (League of Red Cross Societies) in Abyei; MSF in El Meiram (westlich Abyei); WFP in Malakal, Nasir, Kosti, Torit, Nimule (an Uganda-Grenze) und Wau; UNICEF in Kapoeta und UNDP. Nach Beendigung des Bürgerkriegs 2005 standen für die Hilfsorganisationen Minenräumung und Ausbau der Infrastruktur im Vordergrund, der kostspielige Gütertransport per Flugzeug ist deutlich zurückgegangen. In den letzten Jahren sind zahlreiche weitere Nichtregierungsorganisationen hinzugekommen, deren Tätigkeit sich nun als Entwicklungshilfe versteht. Die Projekte werden insgesamt nicht mehr als OLS zusammengefasst.

Hunger als Mittel der Kriegsführung wurde von beiden Seiten instrumentalisiert. Hungersnöte wurden gezielt zur Lenkung der Hilfslieferungen herbeigeführt, Hilfslieferungen wurden gezielt unterbunden, und Hunger war ein Mittel zur Demoralisierung der Bevölkerung. Die Zusicherung ungehinderter Transporte wurde jeweils nur gewährt, wenn die verschiedenen Machthaber ihr Gebiet bei der Verteilung prozentual angemessen berücksichtigt sahen. So bemühten sich die Hilfsorganisationen bereits vor Beginn der OLS ab 1986 besonders um die Versorgung der Bevölkerung in den von der Armee gehaltenen Städten, um die Regierung nicht zu verärgern; für die SPLA war genau dies der Grund, im Juni 1986 eine Feuerpause zur Hilfeleistung abzulehnen. Als Demonstration gegen unabgesprochene Hilfsflüge schoss die SPLA am 16. August 1986 ein Passagierflug der Sudan Airways bei Malakal ab. Es gab 60 Tote. Hilfsflüge wurden in der Zeit danach eingestellt. Die Regierung benahm sich gleichermaßen feindselig und wies im Oktober die für die Flüge verantwortlichen UN-Mitarbeiter außer Landes. Die sogenannte stille Diplomatie war erfolglos.

Wurde die Bevölkerung in Flüchtlingslager vertrieben, erzwang die jeweilige Kriegspartei damit die geballte Lieferung von Hilfsgütern an einen Ort, mit entsprechender Kontrollmöglichkeit. Solche Bevölkerungskonzentrationen wurden auch als Schutzschilde missbraucht: In der Regierungsgarnison Juba war die Einwohnerzahl 1993 auf etwa 300.000 gestiegen. Diese musste aus der Luft versorgt werden, da die Regierung die Zufahrtsstraßen verminen ließ, um zu verhindern, dass die Bevölkerung in Rebellengebiete floh.

Der Hauptvorwurf lautet, mit der OLS seien direkt oder indirekt die Konfliktparteien derart unterstützt worden, dass diese Hilfe zu einer Verlängerung des Krieges beigetragen habe. Indirekte Unterstützung ermöglicht Dreiecksgeschäfte: 1990 exportierte Sudan 98.000 Hirse als Viehfutter in die Europäische Union, während zugleich Nahrungsmittel in ähnlicher Größenordnung in den Sudan geflogen wurden. Einer kriegführenden Partei ließ man auf diese Art Devisen zukommen. Die Hungersnot hätte ohne diese Exporte verhindert werden können. Im andauernden Darfur-Krieg ist Hunger wiederum Kriegsstrategie und es lassen sich auch dort Hilfslieferungen und Nahrungsexporte der Regierung miteinander verrechnen. Es gab Absprachen, die sich ebenso als Unterstützung für die Regierung auswirkten: Hilfsorganisationen wurden gezwungen, die für ihre Projekte vorgesehenen Finanzmittel zu schlechten Kursen in sudanesische Währung umzutauschen und Hilfsgüter auf lokalen Märkten zu kaufen. Ihre Fahrzeuge mussten als Eigentum sudanesischer Behörden registriert werden, damit sie nach Beendigung des Einsatzes garantiert dem Staat zufallen würden.

Dass die SPLA überhaupt zu einer politischen Organisation aufsteigen konnte, die international Beachtung fand, lag auch an den Verhandlungen zur Einführung der OLS. John Garang war vom Aufständler zum anerkannten Gesprächspartner aufgewertet worden, der in seiner „Friedenstour“ im Mai 1989 die USA bereiste, wo er die bisherige Einschätzung seiner Organisation als kommunistisch loszuwerden versuchte.

Allgemein wurde beklagt, wie wenig politischen Druck die Organisationen ausübten, und dass die Einbeziehung ziviler Ziele in den Krieg, einschließlich der Angriffe auf die OLS selbst, von beiden Seiten nicht hinreichend kritisiert wurde. Während des 17-jährigen Bürgerkriegs sind geschätzte 2 Millionen Menschen getötet und 4,3 Millionen zu Flüchtlingen geworden.

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Sudan People's Armed Forces

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Die Sudan People's Armed Forces (Volksarmee von Sudan) sind das Militär Sudans. Sie wurden offiziell im Jahre 1990 gegründet und unterstehen dem Präsidenten. Diese Funktion hat seit einem Militärputsch 1989 der General Umar Hasan Ahmad al-Baschir inne. Es herrscht eine zweijährige Wehrpflicht für alle Männer zwischen 18 und 30 Jahren. Die Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Marine; außerdem sind zahlreiche paramilitärische Einheiten vorhanden.

Zusammenarbeit im militärischen Bereich gibt es mit Russland, der Volksrepublik China, Libyen und dem Iran. Es bestehen wirtschaftliche Sanktionen westlicher Länder gegen das Land, was sich auch auf die Rüstungskäufe auswirkt. Da Sudan seit 1989 eine Militärregierung hat, haben die Streitkräfte großen Einfluss in Wirtschaft und Politik.

Im Jahre 2004 besaß das Heer 270 Kampfpanzer (darunter Type 59 und Type 81), 218 gepanzerte Fahrzeuge, 316 Schützenpanzer und 470 Artilleriegeschütze.

Die Luftwaffe besitzt derzeit (Stand:2004) 5 Transportflugzeuge vom Typ Antonow An-24, sowie 3 Kampfflugzeuge vom Typ Mikojan-Gurewitsch MiG-23, 12 Mikojan-Gurewitsch MiG-29 Fulcrum, 22 Chengdu J-7, 5 Shenyang J-5, 20 Nanchang A-5 sowie 16 schwere Kampfhubschrauber vom Typ Mil Mi-24. Ein Transportflugzeug des Types Antonow An-32 stürzte im April 2008 über Moldawien ab.

Es wurden 12 Kampfflugzeuge des Types Chengdu Fierce Dragon von der Pakistani Aviation Integrated Company (PAIC) bestellt.

Der nationale Rüstungskonzern ist die Military Industry Corporation.

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Source : Wikipedia