Ukraine

3.3612791702249 (2314)
Geschrieben von bishop 01/03/2009 @ 23:08

Tags : ukraine, europa, ausland

Neueste Nachrichten
EM: Zwanziger: „Ukraine war deutlich schwächer“ - FOCUS Online
Im Interview mit dem SID nimmt DFB-Präsident und UEFA-Exko-Mitglied Theo Zwanziger zu den neuen Entwicklungen um die ukrainischen Spielorte der EM 2012 Stellung. Die UEFA hat zunächst nur Kiew Grünes Licht für die Austragung von EM-Spielen im Jahr 2012...
Flughafen-Zwischenfall Ukraine streitet um betrunkenen Minister - Kölnische Rundschau
In der Ukraine hat man den Vorfall um den betrunkenen Innenminister Juri Luzenko noch nicht abgehakt. Luzenko hatte Anfang Mai auf dem Frankfurter Flughafen randaliert. Die Opposition blockiert nun das Parlament, bis Luzenko aus dem Amt entfernt wird....
Die Schweiz und Ukraine stärken Beziehung - Bieler Tagblatt
Die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und der Ukraine sollen 2010 abgeschlossen werden. Dieses Ziel haben Bundesrätin Doris Leuthard und der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko bei einem Treffen vereinbart....
Euro-Fieber in Polen nach UEFA-Entscheidung - Financial Times Deutschland
Vor allem die Tatsache, dass vom Co-Gastgeber Ukraine bisher nur die Hauptstadt Kiew den Zuschlag bekommen hat, aber den Nachweis als tauglicher Endspielort noch erbringen muss, gibt den Polen große Hoffnung. «Die UEFA hat auf Polen gesetzt,...
Der Inkontinent - Tagesspiegel
Was ist mit der Ukraine, deren eine Hälfte Samuel Huntington in „Kampf der Kulturen“ dem „westlichen“ Kulturkreis zuschlägt, während die andere zum „orthodoxen“ gehören soll? Liegt hier nicht eher ein Wahrnehmungsproblem des Westeuropäers vor,...
Keine vorgezogene Präsidentschaftswahl in Ukraine im Oktober - AFP
Das ukrainische Parlament hatte am 1. April mit breiter Mehrheit für das Vorziehen des Wahltermins gestimmt. Die Entscheidung des Obersten Gerichts gegen dieses Votum bedeutet einen Sieg für Juschtschenko, der mehr Zeit gewinnen wollte, um bis zur Wahl...
Geraer Wisente werden in der Ukraine ausgewildert - Südthüringer Zeitung
Sechs Wisente aus dem Geraer Tierpark werden bald frei in einem Nationalpark in der Ukraine grasen. Ihre Reise dorthin sollen die sechs in Ostthüringen geborenen Tiere Ende Mai antreten. Zur Vorbereitung wurden sie am Donnerstag in Narkose gelegt und...
Microsoft Project Server jetzt neu in Russland und der Ukraine - fair-News.de (Pressemitteilung)
(fair-NEWS) - München, der Anbieter von Dienstleistungen und Produkten zum Microsoft Project Server weitet sein internationales Geschäftsfeld mit seiner Kernkompetenz, dem Microsoft Project Server Hosting, auf Russland und die Ukraine aus....
Eurovision Song Contest: Das Finale ist komplett - PRINZ
Mit Aserbaidschan, Kroatien, Ukraine, Litauen, Albanien, Moldawien, Dänemark, Estland, Norwegen und Griechenland sind nun auch noch die letzten offenen 10 Startplätze besetzt worden. In einem spannenden Halbfinale setzten sich vornehmlich die Favoriten...
Erste Absolventen der gemeinsamen Deutsch-Ukrainischen Fakultät ... - Informationsdienst Wissenschaft (Pressemitteilung)
Die ersten Absolventen des gemeinsamen Studiengangs der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) und der Nationalen Technischen Universität der Ukraine in Kiew (NTUU) haben ihr Maschinenbau-Studium erfolgreich abgeschlossen und wurden ins...

Ukraine

Flagge der Ukraine

Die Republik Ukraine (ukrainisch Україна/Ukrajina) ist ein Staat in Osteuropa. Sie grenzt an Russland im Nordosten, Weißrussland im Norden, Polen, Slowakei und Ungarn im Westen, Rumänien und Moldawien im Südwesten und an das Schwarze Meer und Asowsche Meer im Süden. Die Hauptstadt ist Kiew. Die Ukraine ist nach Russland das flächenmäßig größte Land Europas. Seit dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 ist die Ukraine unabhängig. Ein baldiger EU-Beitritt wird angestrebt.

Die slawische Wurzel krai kann sowohl ‘Gebiet, Land’ als auch ‘Rand, Grenze’ bedeuten (vergleiche auch, ohne das Präfix u‑, slawisch krajina, das u. a. in der kroatisch-serbischen Krajina, dem einst österreichischen Krain und der deutschen Uckermark erhalten ist). Von welcher dieser beiden Bedeutungen sich der Name des heutigen Staates herleitet, ist umstritten, wobei das Präfix u‑, das der Präposition am entspricht, die Variante Land am Rand, Grenzland wahrscheinlicher erscheinen lässt. Zahlreiche russische Chroniken benutzen ab dem 16. Jahrhundert das Wort Ukraina eindeutig als Grenzgebiet, allerdings nicht ausschließlich für die Teile der heutigen Ukraine (Sewerien), die damals zum Zarentum Russland gehörten, sondern auch für andere Grenzgebiete im Süden. Sowohl in Russland als auch im Großfürstentum Litauen, in dem die ruthenische Sprache verbreitet war, wurden Menschen, die an der gefährlichen Grenze zu den Steppengebieten siedelten, ukrainniki genannt.

Weite Verbreitung fand der Begriff Ukraine sowie das Ethnonym Ukrainer jedoch erst im späten 19. Jahrhundert. Davor wurde das Gebiet Ruthenien (Русь) oder Kleinrussland genannt. Die (Selbst-)Bezeichnung der Ukrainer war Ruthenen (русини, руськи).

Der größte Teil der Ukraine (ca. 95 %) liegt auf dem Gebiet der Osteuropäischen Ebene. Deshalb wird sie fast ausschließlich zu Osteuropa gezählt. Die restlichen 5 % zählen zu Mitteleuropa (die Karpaten und Lemberg) und Südosteuropa (Odessa und die Halbinsel Krim).

Andere Landschaftsräume außerhalb der großen Ebene finden sich lediglich in der südlichen Westukraine, wo das Land Anteil an den Waldkarpaten und an der Pannonischen Ebene hat, sowie im äußersten Süden. Der höchste Berg des Landes ist der Howerla in den Ostkarpaten, welcher eine Höhe von 2.061 Metern erreicht. Die höchste Erhebung der Krim ist der Roman Kosch mit 1.545 Metern.

Auf dem zur Osteuropäischen Ebene gehörenden Teil erstrecken sich insbesondere im Norden und Süden des Landes große Tiefländer (ukrainisch Низовина) wie etwa das Dneprtiefland und die Schwarzmeersenke. Das Gelände erreicht dort Höhen zwischen 0 und 200 m. Aufgrund der geringen Höhenunterschiede fließen die Flüsse dieses Gebiets sehr langsam. Im Bereich der Tiefländer gibt es insbesondere in der zentralukrainischen Oblast Poltawa kleinere Gas- und Erdölvorkommen, welche aber für eine Eigenversorgung des Landes nicht ausreichend sind. Hoffnungen werden in die Erschließung von Feldern im Schwarzen Meer gesetzt. Aufgrund der vermuteten Rohstoffvorkommen bestehen momentan Grenzstreitigkeiten mit dem südwestlichen Nachbarland Rumänien.

Im zentralen Landesteil erstrecken sich von Westen nach Osten höherliegende Gebiete mit Geländehöhen zwischen 200 und knapp über 500 m, welche Platten (ukrainisch Височина) genannt werden. Zu diesen gehören etwa die Podolische oder die Donezplatte. Diese Platten bestehen überwiegend aus Gestein aus dem Erdaltertum, welches durch die Entstehung des alpidischen Gebirgsgürtels in den letzten 10 Millionen Jahren wieder angehoben worden ist. Sie sind reich an Rohstoffen wie etwa Eisenerz und Kohle. Die größten Erzvorkommen finden sich um Krywyj Rih (Kriwoj Rog) im Oblast Dnipropetrowsk, während die Kohlelager sich überwiegend im Gebiet um die Stadt Donezk befinden. Die Platten sind von zahlreichen kleineren und größeren Flüssen durchschnitten, welche sich teilweise tief ins Gelände eingeschnitten haben.

Der Nordwesten der Ukraine wird als Wolhynien bezeichnet. Diese Landschaft wird mit Galizien zu den „Keimzellen“ einer unabhängigen Ukraine gerechnet, da diese Gebiete erst im Zuge des Zweiten Weltkriegs von Polen an die Sowjetunion abgetreten wurden. Teile Galiziens und Transkarpatien hatten bis dahin niemals zu einem von Moskau aus regierten Reich gehört, wobei die Mehrheit der Bevölkerung der russischen Herrschaft und den Russifizierungsmaßnahmen sehr reserviert gegenüber stand. Das Entstehungsgebiet der ukrainischen Kultur und Sprache liegt aber wahrscheinlich im Dneprgebiet südöstlich von Kiew, wo im 17. Jahrhundert für kurze Zeit der Kosakenstaat bestand.

Der geografische Mittelpunkt des Landes befindet sich in der Nähe der Siedlung Dobrowelytschkiwka, Oblast Kirowohrad. Darüber hinaus wurde von österreichischen Forschern Ende des 19. Jh. festgestellt, dass der geographische Mittelpunkt Europas in der Nähe des Ortes Rachiw liegen soll. Diese Theorie ist aber umstritten.

Abgesehen von den Berggebieten und den südwestlichen und südlichen Küstenregionen lässt sich die Ukraine hinsichtlich des Klimas, der Böden und der Vegetation in drei Großzonen gliedern. Im Nordwesten hat es Anteil an den Prypjatsumpfgebieten, welches insbesondere durch frühere Gletschervorstöße aus Skandinavien während der Eiszeiten geprägt wurde. Hier finden sich die schlechtesten Böden des Landes. Hinzu kommt, dass diese Region besonders stark von der Katastrophe von Tschernobyl betroffen ist. Das Gebiet erhält relativ viel Niederschlag (500-750 mm), die Sommer sind mild mit Durchschnittstemperaturen im Monat Juli von 17 bis 19 °C.

An diese Zone schließt sich nach Süden und Südosten die sogenannte Waldsteppenzone an, in welcher ehemals bestehende Waldbestände aber überwiegend schon abgeholzt wurden. Hier befinden sich weit ausgedehnte Lößebenen, die im Eiszeitalter unter periglazialen Bedingungen entstanden sind. Aus dem Löß haben sich überwiegend sehr fruchtbare Schwarzerdeböden entwickelt, welche zu den ertragreichsten der Welt gehören. Die Niederschlagsmengen liegen zwischen 350 und 400 mm, die Juli-Durchschnittstemperaturen bei 20 °C. Insgesamt bietet dieses Gebiet sehr gute Bedingungen für eine landwirtschaftliche Nutzung. Allerdings sind die Böden sehr erosionsanfällig, wenn sie, wie oft in Sowjetzeiten geschehen, falsch bestellt werden.

Im Südosten grenzt die Steppenzone an, welche nur über relativ geringe Niederschläge von teilweise unter 250 mm im Jahr verfügt. Auch sind die Sommer hier sehr heiß mit Durchschnittstemperaturen im Juli von teilweise über 23 °C. Die fruchtbaren Schwarz- und Kastanienbraunerden dieses Gebietes konnten überwiegend erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts in Wert gesetzt werden, nachdem durch den Bau von Staudämmen an den großen Flüssen ausgedehnte Bewässerungsanlagen entstanden sind (siehe auch Stauseen in der Ukraine).

Die Küstenregionen auf der Halbinsel Krim und im südwestlichen Bessarabien sind sehr fruchtbar und werden aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen mit milden Wintern insbesondere für den Obst- und Weinanbau genutzt.

Die Südküste der Ukraine hat einen 2782 km langen Anteil am Schwarzen Meer und am Asowschen Meer. Zu den zahlreichen Flüssen die das Land von Nord nach Süd durchkreuzen und dort im Schwarzen Meer münden zählen der Dnepr, die Desna und der Dnister. Im Westen bildet die Donau eine 54 km lange Grenze zwischen Rumänien und der Ukraine. Weitere große Flüsse sind der Pruth, die Horyn, der Siwerskyj Donez und der Südliche Bug. Viele kleinere Flüsse sind von versumpften Ufern mit Schilfbestand geprägt. Die Straße von Kertsch, eine 40 km lange Meerenge verbindet das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer und trennt die Halbinsel Krim von der Taman-Halbinsel (Russland). Über Polesien erstreckt sich mit einer Größe von 90.000 km² das größte Sumpfgebiet Europas.

Im Naturschutzgebiet „Schatskije osjora“ (Schatskijer Seen) liegt der Switjas-See.

Zu den Schwarzmeerinseln zählen Tusla und die Schlangeninsel im Süden des Landes. Die mit Abstand bekannteste Halbinsel ist die Krim, die seit 1954 zur Ukraine gehört. Chortyzja im Osten des Landes ist die größte Dnepr-Insel. Der Dnepr hat auch bei Kiew und in seinem Mündungsdelta am Schwarzen Meer viele kleine Flussinseln.

In den Karpaten existieren die letzten echten Urwälder Europas. Sie zählen seit Juli 2007 zum Weltnaturerbe der UNESCO. Knapp 16% der Fläche des Landes ist bewaldet (hauptsächlich mit Buchen, Kiefern, Birken, Espen, Eichen, Erlen, Eschen und Ahorn). Neben den Karpaten bilden der Dnepr-Basin und der Prypjat-Basin die wichtigsten Ökosysteme. Gurken, Tomaten, Paprika, Zwiebeln, Hülsenfrüchte und Auberginen sind das am häufigsten angebaute Gemüse. Zu den typischen Obstsorten zählen Trauben, Birnen, Melonen, Pfirsiche, Pflaumen und Aprikosen. Die wichtigste Nutzpflanze ist der Weizen. Neben ihm wird aber auch viel Roggen, Gerste, Kartoffeln, Mais und vor allem Buchweizen angebaut. Die Sonnenblume ist die Nationalpflanze.

Neben der natürlichen Artenvielfalt (Fasane, Kraniche, Pfauen) wurden im Naturschutzgebiet Askania auch Exoten wie der Afrikanische Strauß eingewildert. Auch kleine Affen leben dort. Zu den traditionellen Zuchttieren der Krim gehört das Kamel. In den Meeren um die Halbinsel sind einige Delfin- und Walarten beheimatet. Wasserschildkröten, Eidechsen und Schlangen sind im gesamten Land vertreten. Waschbären, Wildschweine, Bären, Wölfe und Hirsche sind Waldbewohner und daher am häufigsten im Westen und Norden der Ukraine anzutreffen. In Askania gibt es noch über 100 Exemplare des vom Aussterben bedrohten Przewalski-Pferdes. Bis vor 200 Jahren lebten in der Ukraine das Ukrainische Steppenrind und der Tarpan in freier Wildbahn bis sie schließlich ausgerottet wurden.

Nach schweren Umweltkatastrophen wie der Katastrophe von Tschernobyl und dem Tankerunglück im Schwarzen Meer, hat sich die neue Regierung zum Ziel gesetzt, neue Reformen für den Naturschutz zu setzen. So bemüht sich die Ukraine momentan Alternativen zusätzlich zur Kernenergie zu finden. Die Ukraine investiert in neue Umwelttechnik, daher sind die Märkte auch für westeuropäische Unternehmen attraktiv. Deren Fachwissen und Qualitätsmanagement sind in der Ukraine gefragt.

In der Ukraine gibt es 17 Nationalparks.

Vor dem ersten Weltkrieg lebte eine deutschsprachige Minderheit, bestehend aus mehreren hunderttausend Personen, auf dem Staatsgebiet der heutigen Ukraine (Galizien, Bukowina, Wolhynien, Schwarzmeerküste); heute sind es noch etwa 30.000 bis 40.000.

Bis 1944 lebten mehrere Millionen Polen auf dem Gebiet der heutigen Ukraine (Galizien, Bukowina und Wolhynien). 1944 kam es vor allem in Wolhynien zu Massakern an der polnischen Bevölkerung, denen über 40.000 Polen zum Opfer fielen. Nach dem Krieg und der Annexion der ehemals polnischen Gebiete östlich des Bugs wurde die polnische Bevölkerung vertrieben.

Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten in der Ukraine sehr viele Juden, die jedoch zu großen Teilen während der Besatzung durch das Deutsche Reich von SS-Einsatzgruppen ermordet wurden. Die Ukraine war eines der Hauptverbreitungsgebiete der jiddischen Sprache. Die Überlebenden wandern seitdem in die USA, nach Israel und zum kleinen Teil nach Deutschland aus. 2001 lebten noch rund 100.000 Juden in der Ukraine. Ihre Zahl nimmt wegen der erwähnten Auswanderung und des allgemeinen Geburtenrückgangs weiterhin ab.

Nach der offiziellen Volkszählung von 2001 leben in der Ukraine 77,8 % Ukrainer, wobei die Menschen mit den gemischten russischen und ukrainischen Nationalitäten als Ukrainer gezählt wurden, 17,3% Russen, und über 100 weitere Nationalitäten. Eine staatlich nicht anerkannte Minderheit sind die Russinen Transkarpatiens. Neben den 10 größten Nationalitäten gibt es noch kleinere Minderheiten mit weniger als 100.000 Einwohnern, darunter hauptsächlich Griechen, Roma, Aserbaidschaner, Georgier und Deutsche.

73 % der ethnischen Ukrainer sprechen Ukrainisch als Muttersprache oder Zweitsprache, 74,4 % beherrschen Russisch. Die russische Sprache dominiert als Muttersprache im Osten und Süden der Ukraine bis heute. Besonders in Kiew hat die russische Sprache einen hohen Stellenwert. Der Westen des Landes ist dagegen überwiegend ukrainischsprachig, wobei auch hier viele Bewohner sehr gute russische Sprachkenntnisse haben. In Galizien beherrschen auch noch viele Menschen Polnisch. Seit der Unabhängigkeit verschieben sich diese Verhältnisse aber in begrenztem Maße zugunsten des Ukrainischen, da es nun im ganzen Land Pflichtfach ist und zunehmend Unterrichtssprache an den Schulen wird. An vielen ukrainischen Hochschulen, insbesondere im technischen Bereich, findet der Unterricht jedoch mangels ukrainischer Fachliteratur überwiegend in russischer Sprache statt. Eine weit verbreitete mündliche Mischform mit dem Russischen ist der Surschyk.

Die "Sprachenfrage" ist in der ukrainischen Politik ein ständiges Streitthema. Ein großer Teil der Bevölkerung sowie die Partei der Regionen tritt für die völlige Gleichberechtigung der russischen Sprache durch den Status einer zweiten Amtssprache ein. Die "orangenen" Parteien rund um Präsident Juschtschenko und Julija Tymoschenko lehnen dies ab. Einige Oblasten und städtische Kommunen führten die russische Sprache als Amtssprache auf regionaler Ebene ein.

Die Ukraine ist traditionell ein konfessionell gemischtes Land. Dominierend sind die orthodoxen Kirchen, 46% der Ukrainer sind Anhänger der Ukrainisch-orthodoxen Kirche und der Ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Erstere untersteht einem Patriarchen in Kiew, während letztere der Russisch-orthodoxen Kirche in Moskau zugehört. Zwischen beiden Konfessionen tobt ein erbitterter Streit um Legitimität und um Besitzansprüche an Immobilien. Dem orthodoxen Ritus folgt auch die 1596 entstandene griechisch-katholische Kirche, die allerdings die Suprematie des Papstes anerkennt und mit Rom uniert ist. Ihr gehören ca. 5,5 Mio. Gläubige an. Daneben gibt es in der Ukraine ca. 2 Mio. islamische Minderheiten (4%, davon 1,7% Tataren), 1,1 Mio. römisch-katholische Christen (vor allem Polen u. Deutsche) sowie eine kleine Gruppe evangelischer Christen (2,7%), und cirka 103.000 Juden. 5,3% sind Atheisten oder gehören anderen Religionen an.

Die Lebenserwartung bei Männern liegt in der Ukraine bei 63 Jahren, Frauen werden durchschnittlich 74 Jahre alt. Das ist deutlich weniger als in Westeuropa und etwas weniger als in den restlichen mitteleuropäischen Staaten. Dies ist insbesondere auf die Wirtschaftskrise der 90er Jahre zurückzuführen, von der sich das Land immer noch nicht in vollem Maße erholt hat. Außerdem gibt es in der Ukraine keine obligatorische oder staatliche Krankenversicherung, daher können sich viele keine kostspielige Operation leisten. Eine besonders große Gefahr stellt das HI-Virus dar. 1,5 % der Bevölkerung sind bereits mit dem tödlichen Virus infiziert. Die Ukraine ist somit das am stärksten betroffene Land in Europa.

Ab dem 8. Jahrhundert befuhren schwedische Wikinger die osteuropäischen Flüsse, gründeten Städte und Siedlungen und vermischten sich mit der slawischen Mehrheitsbevölkerung. Diese auch Waräger oder Rus genannten Kriegerkaufleute waren maßgeblich an der Gründung des ersten ostslawischen Staates, der Kiewer Rus mit Zentren in Kiew und Nowgorod, beteiligt. Im 13. Jahrhundert unterwarfen die Mongolen einen Großteil der Rus und machten sie ihrem Reich der Goldenen Horde tributpflichtig, in dem bald Turkvölker (auch als Tataren bekannt) die wichtigste Rolle spielten. Der nordöstliche Teil der Rus (Fürstentum Wladimir-Susdal, Rjasan, Twer) blieb länger unter ihrer Herrschaft, während die Gebiete der heutigen Ukraine schon bald vom Großfürstentum Litauen erobert wurden, das später mit Polen eine gemeinsame Republik Polen-Litauen bildete. Die Ukraine gelangte dabei ab dem 16. Jahrhundert in den polnischen Herrschaftsbereich. Im Osten wurde aus dem Fürstentum Wladimir-Susdal das Großfürstentum Moskau, das nach und nach alle russischen Nachbarstaaten und schließlich das tatarische Khanat Kasan unterwarf. Die Ukraine wurde durch dessen Ausdehnung zum Grenzland und zum Rivalitätsgebiet zwischen zwei Machtzentren. Im Schwarzmeergebiet hielt sich die Herrschaft tatarischer Nomaden noch lange, zuletzt unter islamischer Oberhoheit bis ins 18. Jahrhundert, als die Krim vom Russischen Reich annektiert wurde. In Grenznähe lebten Kosaken, die sich der nomadischen Lebensweise angepasst hatten, in ständigem Kleinkrieg mit den Tataren. In Russland waren das die Donkosaken und in der Ukraine die Saporoger- oder Dneprkosaken.

1654 übernahm Moskau, seit 1547 Russisches Zarenreich genannt, große Teile der Ukraine, nachdem sich die ukrainischen Kosaken unter Bohdan Chmelnyzkyj gegen die polnische Herrschaft erhoben und sich im Vertrag von Perejaslaw Russland anschlossen. Weitere Gebiete erwarb Russland mit den Polnischen Teilungen, bei denen aber der äußerste Westen des ukrainischen Sprachgebietes an das Habsburgerreich fiel, das seinen Anteil Polens nach dem ukrainischen Fürstentum Halitsch als Galizien bezeichnete. Die Ukrainer wurden im Russischen Reich als Kleinrussen bezeichnet, in Anlehnung an eine alte byzantinische Definition eines Klein-Russlands (Kernland um Kiew) und eines Groß-Russlands (alle anderen Gebiete).

1917 gelang es der überwiegend bäuerlichen Machno-Bewegung eine anarchistische Revolution durchzuführen, welche zunächst den sowjetischen Bolschewiken gegen die „Weißen” half, dann 1921 jedoch von diesen nicht als gleichwertige Partner anerkannt wurde, so dass die Ukraine von der Roten Armee unter Trotzki in einem blutigen Krieg an Sowjetrussland angeschlossen wurde. Mit der Gründung der Sowjetunion im Dezember 1922 wurde die Ukraine zur Ukrainischen SSR. Für die junge Sowjetunion war die Ukraine die „Kornkammer”. Als unter Stalin 1932 – 33 die Landwirtschaft zwangsweise kollektiviert wurde, kamen schätzungsweise 3,5 Millionen Menschen durch Hungersnöte im Holodomor um. In der Ukraine gilt Lasar Moissejewitsch Kaganowitsch bis heute für die durch die Zwangskollektivierung herbeigeführte Hungersnot in der Bevölkerung in den 20er Jahren als verantwortlich.

Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg (1941 – 1943/44) stand das Land als Reichskommissariat Ukraine und Generalgouvernement zum größeren Teil unter deutscher Zivilverwaltung. Die Ukraine war Schauplatz zahlreicher Massenmorde an Juden und sowjetischen Kriegsgefangenen (z. B. Massaker von Babi Jar). Während der Besatzung kam es besonders im Osten und Süden der Ukraine zu Hungersnöten, da die Deutschen der Bevölkerung die Nahrung entzogen und die Ernteerträge nach Deutschland brachten. Zwischen Dezember 1941 und August 1942 verhungerten aufgrund dieser Ausplünderung allein in Charkow mehr als 12.000 Menschen. Der zweite Weltkrieg forderte in der Ukraine etwa 6,5 Millionen zivile Todesopfer, davon etwa 750.000 bis eine Million jüdische Ukrainer. Fast die gesamte jüdische Bevölkerung, sofern nicht geflohen, wurde ausgelöscht. Viele Dörfer und Städte wurden 1943 beim Rückzug der Deutschen Wehrmacht zerstört. Es gab 1945 in der Ukraine etwa 10 Millionen Obdachlose.

Zwischen 1941 und 1947 tobte nicht nur ein Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer, sondern es gab auch eine Unabhängigkeitsbewegung (Ukrajinska Powstanska Armija, „Ukrainische Aufständischenarmee”), die gegen die Sowjetherrschaft und die polnische Bevölkerung kämpfte. Da die Angehörigen dieser Untergrundarmee wussten, dass sie in der Hand sowjetischer Behörden dem Tod geweiht waren, dauerte ihre Niederschlagung durch Einheiten des NKWD über das Ende des 2. Weltkrieges hinaus.

Am 24. Oktober 1945 trat die Ukraine als Gründungsmitglied den Vereinten Nationen bei.

Im Zuge der „Westverschiebung” Polens wurde die gesamte polnische Bevölkerung aus den ehemals polnischen Gebieten der heutigen Westukraine ausgesiedelt, teilweise auch gewaltsam vertrieben. Im Gegenzug wurde die ukrainische Minderheit Polens in die Ukraine zwangsumgesiedelt („Operation Weichsel”). Danach war die Ukraine – wie zuvor – Teil der Sowjetunion.

Chruschtschow schenkte 1954 die Halbinsel Krim anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Russisch-Ukrainischen Einheit an die Ukrainische SSR.

Die Ukraine ist seit 1991 unabhängig. 2004 erlebte sie einen demokratischen Umschwung - die „Orangene Revolution” - ausgelöst durch die Präsidentschaftswahlen, aus denen Wiktor Juschtschenko als Sieger hervorging. In der Folge wurde das politische System zu einem semi-präsidentiellen System mit einer Stärkung des Parlaments und der Regierung geändert. Dies war eine Voraussetzung für die Anerkennung des Sieges Juschtschenkos durch die Gegner des Umschwungs. Die Verfassungsänderung führte in Kombination mit den Mehrheitsverhältnissen im Parlament sowie der Uneinigkeit der westlich orientierten Kräfte zu einem andauernden Machtkampf zwischen dem westlich orientierten Präsidenten auf der einen und dem eher russlandfreundlichen Ministerpräsidenten sowie der diesen unterstützenden Parlamentsmehrheit auf der anderen Seite. Die ungeklärte Machtfrage verursachte eine politische Stagnation, die bis heute anhält. Dennoch erfuhr die ukrainische Wirtschaft in den letzten Jahren einen kräftigen Aufschwung, der jedoch nicht über den immer noch allgemein geringen Wohlfahrtsstand täuschen sollte.

Die Politik in der Ukraine ist seit der Unabhängigkeit 1991 und insbesondere nach der Orangenen Revolution geprägt durch den anhaltenden Machtkampf zwischen Vertretern einer Westorientierung sowie denen einer engen Anlehnung an Russland.

Nach der Amtseinführung von Präsident Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 bestätigte das ukrainische Parlament (Werchowna Rada) am 4. Februar 2005 die neue Regierung unter Premierministerin Julija Tymoschenko.

Während der ersten 100 Tage der Regierung Tymoschenko wurden die Privatisierungen einiger großer Unternehmen (Kryworisch Stal) aus der Zeit des früheren Präsidenten Kutschma überprüft. Es zeigte sich auch, wie schon im Wahlkampf, dass die Positionen von Präsident Juschtschenko und Ministerpräsidentin Tymoschenko in der Wahl der Mittel teilweise differieren.

Gleichzeitig führte die durch russische Unternehmen initiierte Verteuerung von Erdölprodukten, vor allem Benzin, zu Druck auf die ukrainische Regierung.

In verschiedenen Ministerien wie dem Innenministerium und auf regionaler Ebene wurden seit dem Machtwechsel bis zu 30 % der Mitarbeiter entlassen.

Am 8. September 2005 entließ Präsident Juschtschenko überraschend Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko und ihre Regierung im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen und Konflikten innerhalb des Kabinetts. Zum Interimspremier wurde der Wirtschaftspolitiker Jurij Jechanurow ernannt.

Jechanurow wurde später zum Ministerpräsidenten ernannt, und zwar mit 60 Stimmen mehr als er brauchte, die er überraschenderweise von der Opposition bekam.

Im August 2006 wurde der pro-russische Janukowytsch zum neuen Premierminister gewählt und von Präsident Juschtschenko bestätigt. Seither versuchte Janukowytsch das präsidiale System der Ukraine durch Gesetzesbeschlüsse so umzubauen, dass der Präsident in seinen Befugnissen deutlich eingeschränkt wird. Hinter den Kulissen fand daher ein Machtkampf zwischen Janukowytsch und Juschtschenko statt. Als letzter Vertreter des pro-westlichen Kurses von Juschtschenko in der Regierung gab Außenminister Borys Tarasjuk im Januar 2007 sein Amt auf. Versuche Juschtschenkos als Nachfolger Tarasjuks den Diplomaten Wolodymyr Ohrysko durchzusetzen, scheiterten mehrmals an den Gegenstimmen der Regierungsparteien in der Werchowna Rada.

Staatspräsident Wiktor Juschtschenko löste am 2. April 2007 das Parlament auf. Die Neuwahlen sollten zunächst am 27. Mai 2007 stattfinden. Nach einer heftigen Staatskrise, bei der die unterschiedlichen politischen Parteien und Gruppierungen versuchten die Macht an sich zu reißen, wurde am 26. Mai 2007 eine Einigung erzielt. So fanden schließlich am 30. September 2007 Neuwahlen des Parlaments statt. Bereits im Vorfeld der Wahl einigten sich Präsident Juschtschenko und Oppositionsführerin Tymoschenko auf ein Bündnis ihrer Parteien. Bei der Wahl wurde die Partei von Regierungschef Janukowytsch zwar stärkste Partei, doch da das Bündnis von Juschtschenko und Tymoschenko die Mehrheit der Sitze errang, konnte es die Regierung bilden. Am 6. Juni 2008 verlor die Regierung Tymoschenko jedoch ihre Parlamentsmehrheit nach dem Austritt zweier Abgeordneter aus dem Regierungslager.

Am 9. September 2008 haben die Ukraine und die EU in Paris die Vereinbarung für ein Assoziierungsabkommen getroffen. Das Abkommen stellt zwar keine Zusage des Beitritts dar, hellt die Aussicht darauf aber demonstrativ auf, wie Die Zeit schreibt.

Staatspräsident Wiktor Juschtschenko löste am 8. Oktober 2008 das Parlament erneut auf und kündigte Neuwahlen an, die im Dezember 2008 stattfinden sollten.. Zwei Monate später, am 9. Dezember 2008, einigten sich Juschtschenko und Julija Tymoschenko auf eine Fortsetzung ihres Bündnisses. Ergänzt wird die pro-westliche Regierungskoalition von Wolodimir Litwin, dem frisch gekürten Parlamentspräsidenten. Tymoschenko wird aller Voraussicht nach weiterhin das Amt der ukrainischen Premierministerin bekleiden. Die für Mitte Dezember geplanten Neuwahlen gelten nun als unwahrscheinlich.

Aufgrund der internationalen Finanzkrise und des Gasstreits mit Russland hat die NAK Naftohas Ukrajiny bereits Schulden von 3,2 Milliarden Euro angehäuft und steht Mitte Februar 2009 vor der Zahlungsunfähigkeit.

Die ukrainische Außenpolitik ist uneinheitlich. Während die pro-westlichen Parteien eine baldige EU-, und NATO-Mitgliedschaft anstreben, ist die südliche und östliche Bevölkerung für eine Annäherung an Russland. Zumindest eine NATO-Mitgliedschaft wird abgelehnt. Die Regierung unter Wiktor Juschtschenko versuchte durch eine militärische Beteiligung am Irak-Krieg 2003 seine Unabhängigkeit zu stärken, die Westorientierung voran zu treiben und gleichzeitig seine Solidarität mit den USA zum Ausdruck zu bringen, in der Hoffnung durch die USA in seinen Bestreben unterstützt zu werden.

Seit 1994 leistet die EU außerdem im Rahmen des TACIS-Programms Beratungs- und Ausstattungshilfe in der Ukraine. Deutschland hat einen Anteil von fast 30 % an der Finanzierung dieses Programms.

Ziel der „Europäischen Nachbarschaftspolitik“ der EU ist lediglich eine verstärkte Zusammenarbeit mit den EU-Nachbarstaaten, die durch „Aktionspläne“ konkretisiert wird. Für osteuropäische Nachbarstaaten wurde bisher neben dem Aktionsplan für die Ukraine im Dezember 2004 auch ein Aktionsplan für das Nachbarland Moldawien beschlossen.

Im Bereich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit soll den Nachbarstaaten langfristig eine Beteiligung am EU-Binnenmarkt und an einigen Gemeinschaftsprogrammen eröffnet werden. Eine Beitrittsperspektive, so EU-Kommissarin Ferrero-Waldner in einem Interview mit der Deutschen Welle am 21. Januar 2005, eröffnet die Nachbarschaftspolitik nicht.

Demgegenüber hat der ukrainische Staatspräsident Juschtschenko wiederholt betont, beispielsweise am 25. Januar 2005 vor dem Europarat in Straßburg, er strebe als „strategisches Ziel“ einen Beitritt der Ukraine zur EU an.

Anfang 2008 wurde der Ukraine seitens der EU die Einrichtung einer gemeinsamen Freihandelszone bis zum Ende des Jahres in Aussicht gestellt.

Die Ukrainischen Streitkräfte (Ukrainisch Збройні сили України, Sukhoputni Viys'ka ZSU) haben mit ca. 618 Millionen US-Dollar (Stand: 2005) einen der kleinsten Militäretats in Europa, insbesondere bezogen auf die Truppenstärke von 191.000 aktiven Soldaten sowie einer Million Reservisten. Die Ausrüstung ist meist noch sowjetischen Ursprungs.

Die Streitkräfte gliedern sich in das Heer mit einer Mannstärke von ca. 88.500, Luftwaffe mit einer Stärke von ca. 51.500 Mann und Marine, welche über ca. 17.500 Soldaten, davon 3.000 Marineinfanteristen verfügt. Des weiteren gibt es noch 39.900 Mann in den Truppen des ukrainischen Innenministeriums, 45.000 Mann ukrainischer Grenzschutz (inkl. 14.000 Mann Küstenwache) und über 9.500 Mann Truppen für die Zivilverteidigung (z.B. Katastropheneinsätze).

Der Wehrdienst ist in der Ukraine gesetzlich geregelt und setzt mit Vollendung des achtzehnten Lebensjahrs ein. Der Wehrdienst (gesetzliche Pflicht) dauert insgesamt neun Monate.

Die Ukraine ist in 24 Oblaste (ukr. область/oblast, Bezirke, wörtl. Gebiete), die Autonome Republik Krim und zwei Städte mit Sonderstatus, Kiew und Sewastopol, gegliedert.

Die Autonome Republik Krim (ukrainisch Автономна Республіка Крим), zu Zeiten der UdSSR offiziell Oblast Krim, ist geographisch gesehen die Krimhalbinsel und hat als Hauptstadt Simferopol.

Siehe mehr unter: Verwaltungsgliederung der Ukraine und Liste der Oblaste der Ukraine.

Unter Liste der Städte in der Ukraine sind die wichtigsten Städte jeder Oblast aufgezählt.

Die wichtigsten Außenhandelspartner sind Russland (21,1 %), Deutschland (8,0 %), die Türkei (6,9 %), Italien (6,3 %), gefolgt von den Vereinigten Staaten (4 %), Turkmenistan (3,8 %), Polen (3,4 %) und der Volksrepublik China (3,3 %) (2007).

Zypern und Deutschland sind die größten Direktinvestoren für das Jahr 2008, von insgesamt 36,5 Milliarden US-Dollar entfallen auf Zypern 8,3 Milliarden und auf Deutschland 6,8 Milliarden (Stand 1. Juli 2008). Die wichtigsten Exportgüter der Ukraine sind Metallurgieprodukte, chemische Waren, Maschinen, Geräte, Nahrungsmittel und Textilien.

Nachdem sich die Ukraine 1991 von der UdSSR losgelöst hat, hat sie schrittweise einen Privatisierungsprozess eingeleitet. In den 90er Jahren erlebte das Land ähnlich wie die anderen Transformationsländer Osteuropas aber zunächst eine Wirtschaftskrise, die eine Konsequenz der gesamtwirtschaftlichen Transformation war. Auch 2007 konnte die Ukraine das Produktionsniveau von 1991 noch nicht wieder erreichen. Dies wird insbesondere der IWF-Schocktherapie zugeschrieben, die von 1992 bis 1995 einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 60 % zur Folge hatte. Ende der 90er Jahre hat sich die Wirtschaft aber stabilisiert. Seit dem Jahr 2000 steht das Land im Zeichen eines starken wirtschaftlichen Aufschwungs. Das jährliche Wachstum des ukrainischen BIP beträgt seitdem im Durchschnitt etwa 7 %. Im Jahr 2007 waren es 7,3 %.

Vermehrt drängen ausländische Firmen in das Land und investieren in Betriebe oder gründen Auslandsfilialen, einerseits wegen der im internationalen Vergleich sehr günstigen Lohnsituation bei guter Qualifikation und andererseits, um Marktanteile in der Ukraine zu besetzen. Die Ukraine erzielt inzwischen einen Leistungsbilanzüberschuss.

Der Ende des Jahres 2004 erfolgte Machtwechsel, der nicht nur den Präsidenten betraf, sondern auch für neue Mehrheiten im Parlament sorgte, lässt tiefgreifende Reformen erwarten. Sie dürften die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufschwung zumindest langfristig verbessern.

Allerdings könnten sich künftig auch neue Belastungen ergeben: Der bislang sehr günstige Preis für russisches Erdgas hat sich seit 2006 drastisch erhöht. Die ukrainische Wirtschaft ist an dieser Stelle besonders empfindlich und in hohem Maße von russischen Energierohstoffen abhängig.

Die von der neuen Regierung angestrebte stärkere wirtschaftliche Ausrichtung der Ukraine in Richtung Europäische Union kann die Abhängigkeit der Ukraine von russischen Energielieferungen zwar kaum verringern, sie dürfte aber die ausländischen Investitionen steigen lassen und so den wirtschaftlichen Aufschwung stärken.

Die Rohstoffbasis der Ukraine umfasst verschiedene Metalle und Kohle. Etwa 5 % der weltweiten Eisenerzvorkommen liegen in der Ukraine. Dazu kommen Bauxit, Blei, Chrom, Speckstein, Gold, Quecksilber, Nickel, Titan, Uran und Zink. Am Schelf des Schwarzen Meeres wurden Erdöl- und Erdgasreserven entdeckt. Der Anteil der Schwerindustrie an der Gesamtwirtschaft übertraf selbst den des ebenfalls schwerindustriell geprägten Polens um mehr als das doppelte. 70 % der Industrieproduktion erfolgte 1991 in den Sektoren Maschinenbau, Schwarzmetallurgie (Eisen und Stahl), Energie, Chemie, Papier und Baumaterialien.

Viele Einwohner auf dem Land betreiben Subsistenzwirtschaft, da Löhne und Rente verspätet und unvollständig ausbezahlt wurden und das Lohnniveau mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten (in den 1990er Jahren Hyperinflation) nicht mithalten konnte.

Siehe auch: Russisch-ukrainischer Gasstreit.

Zum primären Sektor gehören traditionell Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei.

Im nördlichen Teil des Landes gab es einst eine ausgedehnte Waldsteppe mit sehr fruchtbarem Lößboden. Bis auf einen kleinen Restbestand wurden diese Wälder jedoch abgeholzt und in Ackerland umgewandelt. Das Land verfügt heute nur noch über etwa 5 % Waldanteil an der Gesamtfläche. Bekannt sind die Birkenwälder um Kiew und die Wälder in Wolhynien. An der nördlichen Grenze des Landes zu Weißrussland kann in einem Radius von 30 Kilometern um die Stadt Prypjat seit der Katastrophe von Tschernobyl 1986 (ukrainisch Tschornobyl) wegen der anhaltenden Verseuchung keine Landwirtschaft mehr betrieben werden. Unabhängig davon leidet die Landwirtschaft seit einigen Jahrzehnten zusätzlich unter starker Bodenerosion. Durch die damit verbundene Versteppung des Landes hat die Ukraine schon rund ein Achtel ihrer landwirtschaftlichen Nutzfläche eingebüßt.

Im Süden der Ukraine an der Küste und auf der Krim wird Wein- und Obstanbau betrieben, im Rest des Landes wird vorwiegend Weizen, Kartoffel und Zuckerrübe angebaut. Früher war die Ukraine aufgrund ihrer Schwarzerdböden als Kornkammer Europas bekannt. Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit wurden 55 % des ukrainischen Territoriums für Ackerbau genutzt und insgesamt 70 % der Fläche für die Landwirtschaft. Der agro-industrielle Komplex erwirtschaftete 1991 etwa 40 % des Nationaleinkommens. Heute werden in der Ukraine insgesamt 42.893,5 Tausend Hektar (ha) Land landwirtschaftlich genutzt (Stand: 11. Juli 2007).

Bei Krywyj Rih, Dnipropetrowsk und Saporischschja befinden sich Eisenerzlagerstätten mit entsprechender Verarbeitung. Hinzu kommen Maschinenbau, Bau von Elektrogeräten sowie eine umfangreiche Werftenindustrie. Ausgeführt werden vor allem Kohle, Stahl, Elektrogeräte und Nahrungsmittel, eingeführt werden vor allem Energieträger (Gas und Erdöl) aus Russland. Im Donezkbecken befinden sich viele Bergwerke, die stark sanierungsbedürftig sind und in denen es immer wieder zu schweren Grubenunglücken kommt.

Der tertiäre Sektor entwickelt sich in der Ukraine in den letzten Jahren sehr dynamisch und intensiv.

Im Bankwesen fand die erste Übernahme durch ein ausländisches Kreditinstitut erst im Oktober 2005 statt, aber schon davor wurden Banken mit ausländischem Kapital gegründet. Damals übernahm die österreichische Raiffeisen International die zweitgrößte Bank des Landes, „Bank Aval“ (jetzt „Raiffeisen Aval“). Die Verkaufsverhandlungen wurden von ukrainischer Seite bewusst in die Länge gezogen, da sich rasch weitere Interessenten an der Bank fanden, und sich der Kaufpreis somit Stück für Stück auf letztendlich 836 Millionen Euro (für 93,5 % Anteil) erhöhte. Zusammen mit der 1998 gegründeten „Raiffeisenbank Ukraine“ hielt die „Raiffeisen International“ einen Bilanzkapitalanteil von 12 % am ukrainischen Bankensektor bis zum Verkauf der ersteren an „OTP Bank“ 2006.

Von da an gab es plötzlich großes Interesse von zahlreichen ausländischen Banken, die ebenfalls in der Ukraine Fuß fassen wollten. Innerhalb von nur fünf Monaten schnellte der Anteil ausländischer Banken am ukrainischen Bankensektor von knapp über 12 % auf rund 25 % und beträgt z. Z. 31,7 % (Stand: August 2007).

Eine weitere der fünf ukrainischen Großbanken, die „Ukrssibbank“, wurde im Dezember 2005 von der größten französischen Bank, BNP Paribas, übernommen. 51 % wechselten für knapp 300 Millionen Euro ihren Besitzer.

Auch von den kleineren der 158 (per Ende 2005) ukrainischen Banken wurden bereits mehrere übernommen. So übernahm beispielsweise der russische Marktführer, die staatliche „Sberbank“, die ukrainische „NRB-Ukraina“ (hat dafür jedoch noch keine Erlaubnis der Bankenaufsicht erhalten), und die russische Nummer zwei, die ebenfalls staatliche „Vneschtorgbank“ (VTB) übernahm die ukrainische „Mrija“ für umgerechnet knapp 60 Millionen Euro. Man vermutet hinter den Übernahmen der staatlichen russischen Banken politische Motive, wie diese auch bereits im Januar 2006 in der plötzlichen Vervielfachung des Gaspreises von russischer Seite (siehe Russisch-ukrainischer Gasstreit) gesehen wurden.

Funktionen der Zentralbank übt die Nationalbank der Ukraine aus.

Die Ukraine ist in den letzten Jahren auch im Zusammenhang mit dem IT-Outsourcing bekannt geworden. Eine große Zahl ukrainischer Softwareentwicklungsunternehmen befindet sich vor allem in Kiew, Charkiw, Lemberg, Dnipropetrowsk, Donezk und Simferopol (Krim). Somit nutzt das Land seine geografische und kulturelle Nähe zu Westeuropa und macht bereits etablierten IT-Dienstleistern wie Indien und China Konkurrenz. Jedoch kann der Umsatz, der in diesem Bereich entsteht noch nicht mit dem indischen verglichen werden.

Die Ukraine besitzt aus Zeiten der Sowjetunion vor allem eine Nord-Süd-Verkehrsorientierung (Moskau-Kiew-Odessa, Moskau-Charkiw-Krim). Man versucht aber seit der Unabhängigkeit des Landes, die Infrastruktur in eine West-Ost-Orientierung zu reorganisieren und die Verbindungen zu Polen, der Slowakei und Ungarn zu intensivieren (Anbindung an den Paneuropäischen Korridor III: Straßenverbindung und Bahnstrecke Berlin/Dresden – Breslau – Krakau – Lemberg – Kiew und V: Košice – Tschop – Lemberg und Budapest – Tschop – Lemberg). Die Ukraine ist heute vor allem ein Transitland zwischen Mitteleuropa und dem Kaukasus und zwischen Südeuropa und Russland. Hauptverkehrsträger in der Ukraine ist die Eisenbahn, gefolgt vom Straßenverkehr und der Binnenschifffahrt auf dem Dnepr (Dnipro).

In allen wichtigen großen Städten befinden sich internationale Flughäfen. Ukraine International Airlines, Aerosvit Airlines und Donbassaero sind die bekanntesten Fluggesellschaften in der Ukraine. Der Flughafen Kiew, Flughafen Odessa und Flughafen Dnipropetrowsk sind die wichtigsten internationalen Verkehrsflughäfen der Ukraine. Der Flugzeughersteller Antonow mit Hauptsitz in Kiew hat mit der Antonow An-225 mit einem Frachtraumvolumen von insgesamt 1220 m³ (was den Transport von 12 Lastkraftwagen des Typs Mercedes-Benz Actros ermöglicht) das momentan weltweit größte Transportflugzeug im Einsatz.

In der Ukraine wird die Spurweite von 1.520 mm verwendet. Die Strecken im Raum Kiew, Lemberg und im Osten der Ukraine sind elektrifiziert, dazwischen befinden sich nicht-elektrifizierte Abschnitte. Eine komplette Elektrifizierung ist vorgesehen. Wichtigste Eisenbahngesellschaft ist die Ukrsalisnyzja. Der staatliche Eisenbahnhersteller ist die Lokomotivfabrik Luhansk.

Die Ukraine hat ein Straßennetz von fast 170.000 Kilometern Länge. Ein zusammenhängendes Autobahnnetz besteht noch nicht, es existieren jedoch vielerorts autobahnartig ausgebaute Fernstraßen und Nationalstraßen. Die M 06 von Ungarn nach Kiew wurde in den letzten Jahren renoviert und ist nun von der Grenze über die Karpaten bis Lviv durchgehend in sehr gutem Zustand. Das Tankstellennetz ist sehr dicht. In manchen Dörfern findet man jedoch noch Straßen, die diesen Namen kaum verdient haben, jedoch wird auch hier immer wieder etwas verbessert. In vielen Großstädten gibt es Straßenbahnen und U-Bahnen, wie beispielsweise die Metro in Kiew und überall im Land ein sehr dichtes Netz an Busverbindungen.

Die größten Automobilwerke sind KrAZ in Krementschuk, LuAZ in Luzk und Saporoschski Awtomobilestroitelny Sawod(ZAZ) in Saporischschja.

Wichtigste Binnenschifffahrtstraße ist der Dnipro, der bis Kiew auch für kleine Seeschiffe befahrbar ist; in Odessa, Mykolajiw, Cherson, Sewastopol und Kertsch befinden sich Seehäfen. Die Ukrainische Marine ist in Sewastopol am Schwarzen Meer stationiert.

Die Ukraine ist ein wichtiges Transitland für russisches Erdgas. Vor allem osteuropäische Länder werden über die Pipelines mit russischem Gas versorgt.

Das erste in der Ukraine erschienene Buch wurde von Jurij Drohobytsch im Jahre 1483 verfasst. Der in der Stadt Poltawa lebende Iwan Kotljarewskyj gilt als Erneuerer der ukrainischen Schriftsprache. Zu den bedeutendsten Schriftstellern gehören Nikolai Gogol, Iwan Franko, Lesja Ukrajinka, Michail Bulgakow, Bohdan-Ihor Antonytsch, Jurij Andruchowytsch und Taras Schewtschenko.

Der populärste Fußballspieler aus der Ukraine ist Andrej Schewtschenko vom AC Mailand. Die erste Fußballliga in der Ukraine ist die Wyschtscha Liha. Bekannte Vereine sind Dynamo Kiew und der amtierende Meister Schachtar Donezk. Der bisher größte Erfolg der jungen ukrainischen Fußballnationalmannschaft war das erreichen des Viertelfinales bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Oleh Blochin und Ihor Bilanow waren zu Sowjetzeiten Europas Fußballer des Jahres. Oleh Blochin war bis Januar 2008 Trainer der Ukrainischen Nationalmannschaft. Die Ukraine konnte am 18. April 2007 einen sportpolitischen Erfolg erringen, indem das Land, welches erst seit 1992 eigenständig dem Europäischen Fußball-Verband UEFA angehört, im ersten Wahlgang den Zuschlag des UEFA-Exekutivkomitees bekam, gemeinsam mit Polen die Fußball-Europameisterschaft 2012 auszurichten.

Im Amateurboxen konnte die Ukraine seit 1996 zwei Olympiasieger stellen: Wladimir Klitschko (1996, Superschwergewicht) und Wassyl Lomatschenko (2008, Federgewicht). Andrij Kotelnik (2000, Leichtgewicht) und Serhij Dotsenko (2000, Weltergewicht) gewannen Silbermedaillen. Zudem errangen ukrainische Boxer fünf Bronzemedaillen, unter anderem Wladimir Sidorenko (2000, Fliegengewicht) und Wjatscheslaw Hlaskow (2008, Superschwergewicht). Im Profibereich gelang es bisher fünf Athleten Weltmeistertitel zu gewinnen: Wladimir und Vitali Klitschko im Schwergewicht, Serhij Dsindsiruk im Halbmittelgewicht, Sidorenko im Bantamgewicht und Kotelnik im Halbweltergewicht.

Einer der größten Sportler unserer Zeit ist Serhij Bubka, 6-facher Weltmeister und Olympiasieger im Stabhochsprung. Er stellte insgesamt 35 Weltrekorde auf und schaffte 43 Sprünge über die Sechs-Meter-Marke. Er hält mit 6,14 Meter den aktuellen Weltrekord. Serhij Bubka stammt aus Luhansk.

1 Liegt größtenteils in Asien.  2 Hat zusätzliche Gebiete außerhalb Europas.

Zum Seitenanfang



Flagge der Ukraine

Naval Ensign of Ukraine (dress, 1918).PNG

Die Flagge der Ukraine (ukrainisch Державний Прапор України/Derschawnyj Prapor Ukrajiny) ist die offizielle Nationalflagge der Ukraine. Ihren Ursprung hat sie im Wappen der warägischen Dynastie der Rurikiden, die vom 9. Jahrhundert bis 16. Jahrhundert über die Kiewer Rus und das spätere russische Reich herrschten; die Farben Blau und Gelb sind nicht zufällig dieselben wie in der Flagge Schwedens.

Die Nationalflagge der Ukraine besteht aus zwei horizontalen Streifen in blau und gelb. Die Farben in den Flaggen symbolisieren ein typisches Landschaftsbild der Kornkammer Europas, dabei symbolisiert das Gelbe im unteren Teil der Flagge reife Kornfelder und das Blaue im oberen Teil der Flagge den Himmel darüber.

Obwohl sich die Ukraine als Nationalstaat erst im 20. Jahrhundert konstituiert hat, gehört ihre nationale blau-gelbe Farbkombination zu den ältesten Europas. Die Ursprünge der ukrainischen Nationalfarben liegen im mittelalterlichen Fürstentum Galizien-Wolhynien, wo sie in dem aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhundert stammenden Fürstentumswappen - goldener Löwe im blauen Feld - zu finden sind.

Die erste bekannte Abbildung des Löwen wird dem Siegel in einer Urkunde des Fürsten Andreas (Andrij) und Leo II. (Lev II.) aus dem Jahre 1316 zugeordnet, manche Historiker führen dieses Siegel auch auf Leo I., den Sohn König Daniels von Galizien (Danylo Halyckyj), zurück. Der Löwe als Wappen Rutheniens erscheint auch auf Siegeln der späteren Fürsten im 14. Jahrhundert und nach dem Untergang des Fürstentums auf denen der polnischen Könige und litauischen Großfürsten, die die Gebiete von Galizien-Wolhynien unter sich aufgeteilt hatten. Der Löwe war auch auf Münzen abgebildet, die mit der Inschrift „moneta Rutheniae“ 1350 - 1410 in Lemberg geprägt wurden.

1410 nahmen Freiwilligenverbände aus dem Lemberger Land (Lvivska zemla, pl. Ziemia lwowska) unter dem blauen Banner mit dem am Felsen kletternden goldenen Löwen an der Seite des polnischen Königs in der Schlacht von Tannenberg teil. Die gleichen Farben trugen auch die Freiwilligen aus dem Przemyśler Land (Peremyslanska zemla, pl. Ziemia przemyska) - das blaue Banner mit dem goldenen Doppeladler.

Unmittelbar nach dem Tod des letzten galizisch-wolhynischen Fürsten Bolesław Troidenowicz 1340 (vergiftet durch Bojaren in Vołodymyr-Vołynśkyj) kam es zum ersten polnischen, vom König Kasimir III. dem Großen angeführten, Eroberungsfeldzug nach Galizien-Wolhynien, der jedoch nach kurzer Zeit scheiterte. Galizien und Wolhynien wurden noch fast zwei Jahrzehnte von einer adligen Oligarchie (Bojaren) regiert, bis Kasimir III. der Große sie endgültig 1349 der polnischen Königskrone einverleibte.

1432 wurde die eroberten galizischen Landen in der Woiwodschaft Ruthenien (pl. Wojewódzstwo ruskie, Ruśke vojevodstvo), bestehend aus Lemberger Land, Przemyśler (Peremyšl-) Land, Halitscher (Halicz-, Hałyč-) Land und Sanoker Land, vereint. Später wurde ihr auch das Chełmer (Chołm-) Land zugeschlagen. Der goldene galizische Löwe wurde zum Wappen der Woiwodschaft. Bekannt sind auch Versuche, durch Farbänderung zu rot-weiß das Wappentier zu polonisieren, der „ruthenische Löwe“ blieb aber gelb-blau und symbolisierte bis in das 17. Jahrhundert hinein die westruthenische Länder.

Im Gegensatz zu den westukrainischen Ländern gab es in der damaligen Ostukraine keine eindeutige Farbzuordnung. Die seit dem 15. Jahrhundert hier ansässigen Kosaken benutzten i. d. R. Fahnen, die ihnen die jeweiligen Monarchen während der Feldzügen an ihrer Seite überreichten. So ließ bspw. Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, 1593 ihnen über seinen Gesandten Erich Lasota ein Banner überbringen, das die Kosaken auch bei späteren Feldzügen benutzten.

Während des Aufstandes unter Hetman Bohdan Chmelnyćkyj (Bogdan Chmelnicki) 1648 - 1654 führten die Kosaken Banner in unterschiedlichsten Farben, meist mit Abbildungen der Himmelskörper (Sterne und Halbmond) und Kreuze sowie der jeweiligen Länderwappen oder des Wappen des Hetmans. Das wichtigste darunter war aber das 1646 vom polnischen König Władysław IV. geschenkte blaue Banner mit dem rot-weißen (polnischen) Adler. Im Februar 1649 überreichten in Perejasław die Gesandten des neugewählten polnischen Königs Johann II. Kasimir dem Hetman ein rotes Banner mit dem weißen Adler und der Inschrift „Ioannes Casimirus rex“. Die beiden Insignien gingen 1651 in der Schlacht von Berestečko verloren.

Die Sič hatte eigene Fahnen. Der Große Banner der Zaporožer Sič (Zaporižśka Sič) war rot mit der weißen Abbildung des Erzengels Michael (Wappen der ruthenischen Länder im Großfürstentum Litauen, heute auch Stadtwappen von Kiew) an der Vorderseite und des weißen orthodoxen Kreuzes umgeben von goldenen Himmelskörpern - Sonne, Sterne, Halbmond - an der Rückseite. Die einzelnen Sič-Einheiten hatten eigene Banner, meist in dunkelrot und mit Heiligenbildnissen oder orthodoxen Kreuzen, was Ende des 19. Jahrhundert zur irrtümlichen Annahme führte, dass alle Kosakenbanner dunkelrot wären. Zur See benutzten die Kosaken etwa ein weißes Banner mit der Abbildung des heiligen St. Nikolaus.

Seit dem 18. Jahrhundert beginnt die Verbreitung der blau-gelben Farbkombination auch im Hetmanat (Heťmanščyna). Diese führt man weniger auf westukrainische Einflüsse zurück (die Westukraine war zu diesem Zeitpunkt fest in polnischer Hand), sondern vielmehr auf die Flagge Schwedens zurück. Während des Großen Nordischen Krieges lief der ukrainische Hetman Iwan Masepa zum Schwedenkönig Karl XII. über, mit dem er später die entscheidende Schlacht bei Poltawa gegen Peter den Großen verlor. Die schwedentreuen Kosaken trugen während dieser Zeit blau-gelbe Armbinden, um von den Schweden als Verbündete erkannt zu werden.

Auf Bannern erscheint zu dieser Zeit meistens ein Kosak mit der geschulterten Muskete, der damals auch als „Wappen der Nation“ verstanden wurde, in Kombination mit dem Emblem eines Regiments oder einer Hundertschaft. Die Farben waren gold auf blau. Ein bekanntes derartiges Banner ist beispielsweise das der Domontiv-Hundertschaft des Perejasław-Regiments aus dem Jahre 1762. Es gibt auch zeitgenössische Zeugnisse, dass die ukrainischen Haidamaken während des Aufstandes unter Ivan Gonta 1768 blau-gelbe Kleidung trugen.

Infolge der ersten Teilung Polens 1772 ging die Woiwodschaft Ruthenien an Österreich über, das das Gebiet aufgrund einer kurzen Zugehörigkeit des Fürstentums Galizien-Wolhynien zum Königreich Ungarn im 13. Jahrhundert beanspruchte. Seit jener Zeit waren die betreffenden Länder auch fester Bestandteil der ungarischen Königstitulatur, die inzwischen die Habsburger führten. Von dieser Titulatur leitete sich auch die neue latinisierte Bezeichnung für die angeschlossenen Länder ab - Königreich Galizien und Lodomerien. Das Königreich umfasste zum einen Gebiete des früheren Fürstentum Galizien um Lemberg, Hałyč (Halicz) und Peremyšl (Przemyśl), jedoch ohne Wolhynien, das nun russisch wurde, zum anderen südliche altpolnische Gebiete (sog. Kleinpolen, Malopolska). 1775 wurde noch die von Türken eroberte Bukowina dazugeschlagen.

Nach dem Anschluss an Österreich gerieten die alten Landesfarben blau und gelb in Vergessenheit. Dem Königreich wurde ein neues Wappen - schwarzer Rabe am roten Balken mit drei goldenen Kronen - und neue Landesfarben gegeben. Zunächst rot-gelb-blau, dann bis zur Bildung des Herzogstums Bukowina 1849 nur die Wappenfarben blau-rot. Nach der Ausgliederung der Bukowina wurde für selbige blau auf rot, für Galizien und Lodomerien dagegen rot auf blau als Landesfahne festgelegt.

Zu einer Renaissance der ruthenischen Nationalfarben kam es erst während des revolutionären Umschwungs 1848. Am 2. Mai konstituierte sich in Lemberg der Ruthenische Hauptrat (Hołovna Ruśka Rada), die eine pro-österreichische Stellung einnahm. Als im Juni am Lemberger Rathaus die blau-gelbe Fahne erschien, distanzierten sich die Ratsmitglieder sofort davon.

Im April 1848 wurde von den Österreichern die Aufstellung einer Nationalgarde „zur Unterstützung der Ordnung“ erlaubt. Im Art. 19 der Satzung war vermerkt „jedes Bataillon soll einen Banner, jeder Schwadron eine Standarte in Landesfarben haben“. Während des ersten panslawischen Kongresses in Prag (2. - 16. Juni 1848) erreichten die ruthenische und polnische Delegation einen Kompromiss, wonach die Einheiten der Nationalgarde in Galizien Wappen und Farben beider Völker verwenden sollten.

Tatsächlich kam es jedoch zur Bildung einer polnischen Garde, woraufhin die ruthenische Seite auf eine Teilnahme verzichtete. Am 20. September 1848 erschien der Aufruf des Ruthenischen Hauptrates zur Aufstellung einer ruthenischen Nationalgarde. Als Abzeichen verwendeten deren Einheiten den goldenen „ruthenischen Löwen“ auf blau. Wegen der technisch anspruchsvollen Herstellung der Banner mit der Abbildung des goldenen Löwen ging aber allmählich zur Verwendung der einfachen Fahnen mit zwei horizontalen Streifen in den „ruthenischen Farben“ mit der Kombination blau-gelb oder gelb-blau über.

Da Galizien gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Art „ukrainischer Piemont“ geworden war, wurden auch die wiedergeborenen Nationalfarben in der ganzen Ukraine (der größte Teil lag im damaligen Russischen Reich) schnell aufgenommen. Als es 1911 - 1913 in Lemberger und Kiewer Zeitschriften zu einer breiten Diskussion über die Nationalsymbole kam, standen die Farben außerfrage, gestritten wurde nur um ihre Anordnung - gelb-blau oder blau-gelb.

Nach dem Ausbruch der Februarrevolution 1917 in Russland und der Abdankung des Zaren bildete sich in Kiew der Ukrainische Zentralrat (Ukrajinśka Zentralna Rada) als provisorische politische Repräsentanz der ukrainischen Nation. Absicht der Rada war zuerst die Bildung einer ukrainischen Autonomie innerhalb der neu ausgerufenen föderativen Russischen Republik. Nach dem Sturz der provisorischen Regierung unter Kerenski in Sankt Petersburg am 7. November 1917 durch die Bolschewiki (sog. Oktoberrevolution) ging die Rada in Kiew auf Distanz und rief schließlich am 22. November die Ukrainische Volksrepublik (Ukrajinśka Narodnia Respublika) aus, dies jedoch zunächst unter Beibehaltung einer föderativen Verbindung mit der „demokratischen Russischen Republik“ (Sowjetrussland erkannte die Rada als solche nicht an). Am 24. Januar 1918 folgte die Erklärung der völligen Unabhängigkeit von Russland.

Am 22. März 1918 hat die Centralna Rada als Nationalflagge der Republik endgültig die blau-gelbe Fahne mit dem gelben über dem blauen Streifen gesetzlich festgelegt. Damit kam die Rada dem Anliegen von Prof. Hruševśkyj entgegen, der ein konsequenter Verfechter der deutschen heraldischen Tradition war. Nach dieser Tradition wird die Farbe der Wappenfigur immer oben in der Flagge abgebildet. Die Farben sowohl des galizischen Löwen als auch des Tryzubs der neuen Republik waren golden auf blau, das sollte nach Hruševśkyjs Meinung auch in der Flagge konsequent umgesetzt werden.

Die erste demokratische Regierung der Ukraine konnte sich nicht lange halten. Am 29. April 1918, als die Centralna Rada gerade eine provisorische Verfassung für die Ukrainische Volksrepublik verabschiedete, erfolgte ein Staatsstreich unter dem von den Deutschen unterstützten zaristischen General Skoropadśkyj, der nun zum Hetman und die Republik zum Ukrainischen Staat (Ukrajinśka Deržava) ausgerufen wurde.

Am 29. April 1918 riss General Skoropadskyj, unterstützt von den Deutschen, die Macht an sich und ließ sich zum Hetman des Ukrainischen Staates ausrufen, der nun anstelle der sozialdemokratisch geprägten Ukrainischen Volksrepublik treten sollte. Skoropadskyj war Sprössling eines alten ukrainischen Kosakengeschlechtes, direkter Nachfolger Vasyl Skoropadskyjs, des Bruders von Hetman Ivan Skoropadskyj (Hetman der Linksufrigen Ukraine 1709 -1722).

Den Ukrainischen Staat verstand er als Fortsetzung des alten Hetmanats aus dem 18. Jahrhundert mit quasi-monarchischem Staatsoberhaupt, dem Hetman, was sich auch in den Staatssymbolen niederschlagen sollte. Er konnte jedoch auf die Symbole der Volksrepublik nicht ganz verzichten. Staatssiegel und Staatswappen zeigten nun den Kosaken mit geschulterter Muskette in Kombination mit dem Tryzub (Dreizack) der Republik. Die Ordnung der Farben in der Flagge wurde wiederum geändert und die blau-gelbe Fahne zur Flagge des Ukrainischen Staates erklärt. Tryzub und blau-gelbe Farben wurden unter Hetman auch zu Bestandteilen der Militäruniform.

Man entwickelte auch eine Reihe von Dienstflaggen mit den nationalen Symbolen. So wurde am 18. Juli 1918 vom Hetman die Dienstflagge der Ukrainischen Staatsflotte festgelegt. Die Flagge lehnte sich an die Kriegsflagge der deutschen Kaiserlichen Marine an und stellte ein dunkelblaues Kreuz auf weißem Grund mit der nationalen Bicolore und dem bronzenen Tryzub in der linken oberen Ecke dar. Diese Dienstflagge, jedoch ohne Tryzub, wird heute wieder von der Ukrainischen Marine als Dienstflagge benutzt.

Nach der Auflösung Österreich-Ungarns erklärte der sich in Lemberg konstituierte Ukrainische Nationalrat am 13. November 1918 im Provisorischen Grundgesetz zur staatlichen Selbständigkeit der ukrainischen Länder der vormaligen Österreich-Ungarischen Monarchie die Gründung der Westukrainischen Volksrepublik auf den von Ukrainern/Ruthenen bewohnten Gebieten der Kronländer Galizien und Bukowina sowie des Königreichs Ungarn. Im gleichen Gesetz wurden auch die Staatssymbole der neuen Republik festgelegt.

1919 wurde die Ukrainische SSR als Unionsrepublik Teil der Sowjetunion gegründet. Sie erhielt zunächst die Rote Fahne der kommunistischen Bewegung mit der Abkürzung “УССР” (USSR, Ukrayinskaya sotsialisticheskaya Sovetskaya Respublika) in Russisch) im oberen Liek, 1923 wurden Punkte hinter die Buchstaben hinzugefügt. 1927 wurde die Abkürzung in “Y.C.P.P.” (U.S.R.R.) geändert. In den 1930ern wurden die Punkte wieder entfernt und das Kürzel mit einer dünnen, goldenen Linie in einem Kasten gesetzt. Der Kasten verschwand 1937 wieder und das Kürzel wurde ins Ukrainische übertragen. Oberhalb von „У.Р.С.Р.“ (U.R.S.R., Ukrayins’ka Radyans’ka Sotsialistychna Respublika) erschienen nun Hammer und Sichel. In den 1940ern verschwanden die Punkte erneut und Hammer und Sichel wanderten unter die Buchstaben. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielten den Sowjetrepubliken 1949 als Anerkennung neue Flaggen, die auch auf regionale Besonderheiten Rücksicht nahmen. Die neue Flagge der Ukrainischen SSR wurde von der Sowjetunion übernommen, erhielt aber einen blauen Streifen unterhalb einer Hammer und Sichel mit rotem Stern Kombination. Diese Flagge behielt die Ukraine vom 25. November 1949 bis zum 24. August 1991. Bei allen Flaggen während der Sowjetzeit fehlten auf der Rückseite die goldfarbenen Elemente.

Unter dem Einfluss der Gorbatschowschen Perestrojka und Glasnost verstärkten sich gegen Ende der 1980er Jahre in den einzelnen Sowjetrepubliken die Bestrebungen zur stärkeren nationalen Autonomie und gar zur vollen Loslösung von der Sowjetunion. Dies betraf vor allem die baltischen Republiken und die Westukraine, also Gebiete, die am spätesten Bestandteile der UdSSR geworden waren. Diese Bestrebungen gingen mit Versuchen einher, die jeweiligen historischen Nationalsymbole wieder herzustellen. Noch 1988 beschloss der Oberste Sowjet der Litauische SSR die Wiedereinführung der Staatssymbole der Republik Litauen von 1918 – 1940. Dem folgten auch die Parlamente Lettlands und Estlands.

Die Ereignisse im Baltikum lösten ähnliche Prozesse in der Ukraine aus. Vor allem in der Westukraine und in Kiew wurden Prozessionen, Demonstrationen und Volksfeste unter nationalen blau-gelben Flaggen der 1917–1920 kurzzeitig unabhängigen Ukrainischen und Westukrainischen Volksrepubliken immer häufiger.

Sowohl die verschiedenen Streitkräfte der Ukraine, als auch der Präsident verfügen über eine eigene Flagge.

Die Krim führt als autonome Republik eine eigene Flagge. Ebenso haben die Oblasten, Rajone und Gemeinden jeweils eigene Flaggen.

Zum Seitenanfang



Fußball-Weltmeisterschaft 2006/Ukraine

Die ukrainische Fußballnationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

Die Mannschaft hat ihr Quartier in Potsdam im Seehotel Seminaris.

Die Mannschaft der Ukraine qualifizierte sich erstmals überhaupt für die Endrunde einer Fußball-Weltmeisterschaft und gelangte darüber hinaus bis ins Viertelfinale.

Zum Seitenanfang



Nationalparks in der Ukraine

Synevyr lake 1.jpg

In der Ukraine gibt es 17 Nationalparks.

Zum Seitenanfang



HIV/AIDS in der Ukraine

Regionales Aids-Zentrum Donetsk

Die HIV/AIDS-Epidemie in der Ukraine ist die schwerste Europas und eine der am schnellsten wachsenden weltweit.

In der Ukraine lebten am 1. Januar 2008 122.674 Menschen, die offiziell als HIV-positiv registriert waren. Nach Schätzungen von UNAIDS/WHO wie auch der ukrainischen Regierung deutet das auf eine Gesamtzahl von etwa 440.000 Infizierten hin. Das entspricht einer Infektionsrate von 1,63 % der Erwachsenenbevölkerung (von 15–49 Jahren) bei einer Einwohnerschaft von derzeit ca. 46,7 Millionen Menschen. Zudem steigt die Neuinfektionsrate laut dem Staatlichem AIDS-Zentrum der Ukraine derzeit jährlich um 10 %.

Die HIV-Epidemie ist eine soziale Krankheit. Sie tritt in verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich zu Tage. Die HIV-Epidemie in der Ukraine unterscheidet sich von denen in Afrika und Westeuropa bzw. Nordamerika u. a. durch ihre relativ späte Entstehung zu Anfang der 1990er Jahre, durch die von ihr hauptsächlich betroffenen Bevölkerungsgruppen und durch ihre Ko-Infektionen. Hauptverbreitungsweg für das HI-Virus in der Ukraine ist der intravenöse Drogengebrauch. Hauptsächlich betroffen war und ist daher zunächst das ohnehin marginalisierte Milieu der Drogenabhängigen und Prostituierten. Die wichtigste Ko-Infektion ist die Tuberkulose.

Andererseits kann die Ukraine in Hinsicht auf all diese Punkte als exemplarisch für viele dichter besiedelte Regionen der ehemaligen Sowjetunion gelten, besonders für Russland, Weißrussland und die Baltischen Staaten.

Von 1987 (erste HIV-Meldung in der Ukraine) bis Ende 2007 wurden dem Staatlichen AIDS-Zentrum insgesamt 122.314 HIV-Infektionen gemeldet. Ende 2007 waren 22.424 Menschen im Stadium AIDS und 12.490 gestorben. In über 78 % der Fälle waren und sind die Altersgruppe der 15–49-jährigen mit dem HI-Virus infiziert, geschätzte 15 % von ihnen waren 2007 zwischen 15 und 24 Jahre alt.

Bisher ist die HIV-Epidemie in der Ukraine nicht eingedämmt. 2006 wurden 16.078 Neuinfektionen gemeldet, 18,6 % mehr als 2005. Ende 2007 wurden 17.669 Neudiagnosen registriert, wiederum 10 % mehr als 2006.

Die registrierten HIV-Infektionen können nur unzureichend das Ausmaß der HIV-Epidemie widerspiegeln. UNAIDS und WHO schätzten für Ende 2007 die tatsächliche Zahl der Infizierten auf ca. 440.000 .Geschätzte 190.000 HIV-Infektionen davon betrafen Frauen. Die Zahl der erfassten HIV-Infektionen ist auch vergleichsweise niedrig, da nur diejenigen erfasst werden können, die direkten Kontakt zu den offiziellen Testangeboten haben, und es gerade Menschen, die besonders bedroht sind, vermeiden, sich testen zu lassen. Sie befürchten zusätzliche Diskriminierung und sie haben wenig zu hoffen: Im Jahr 2007 standen gerade einmal für 7.657 AIDS-Patienten eine Antiretrovirale Therapie zur Verfügung. Das sind 35 % der gemeldeten Patienten.

Die Hochrechnungen berücksichtigen daher eine Vielzahl anderer Indikatoren. So ergaben zum Beispiel HIV-Tests bei Menschen, die sich Drogen spritzen, in mehreren Oblasten eine Infektionsrate von über 60 %, und es gibt Regionen in denen ein Prozent oder mehr aller Schwangeren HIV-positiv sind.

Intravenöser Drogengebrauch ist Ende 2007 mit 40 % noch der Hauptübertragungsweg, wobei der prozentuale Anteil an Neuinfektionen bei intravenösen Drogengebrauchern jährlich leicht rückgängig ist.

Seit den späten 1990er Jahren steigt dagegen die Anzahl der HIV-Übertragungen durch sexuelle Kontakte und ist inzwischen zum zweitgrößten HIV-Übertragungsweg geworden. 2007 betrug der Anteil 38,4 %.

Die Verbreitung der gemeldeten HIV-Infektion ist regional sehr unterschiedlich. Die am meisten betroffenen Regionen liegen im Süd-Osten der Ukraine: die Region Odessa (414,2 pro 100.000 Einwohner), die Region Dnipropetrovsk (408,8 pro 100.000 Einwohner), die Region Donetsk (389,6 pro 100.000 Einwohner), die Region Mykolayiv (374,4 pro 100.000 Einwohner) und die Autonome Republik Krim (238,8 pro 100.000 Einwohner), insbesondere deren größte Stadt Sevastopol (309,4 pro 100.000 Einwohner). Auch in der Hauptstadt Kiew liegt die Zahl der HIV-Diagnosen mit 200,5 pro 100.000 Einwohner über dem landesweiten Durchschnitt von 174,9 pro 100.000 Einwohner. Währenddessen ist die Infektionsrate in der Westukraine nach wie vor auf einem niedrigen Niveau.

Die Epidemie gilt noch als konzentriert, das heißt, sie konzentriert sich auf die Hochrisikogruppen des marginalisierten Milieus der Drogengebraucher, Prostituierten und Häftlinge. Durch die Zunahme der Infektionen auf sexuellem Weg steht die Ausbreitung der Epidemie in die übrige Gesellschaft jedoch unmittelbar bevor.

Von 1987 bis 1994 wurden insgesamt 183 Neu-Diagnosen gemeldet. Dennoch muss angenommen werden, dass der Beginn der Epidemie unbemerkt in der Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs ca. zwischen 1991 und 1995 lag. Dafür spricht einerseits die erste Häufung von manifesten AIDS-Fällen um das Jahr 2000 (HIV hat eine Inkubationszeit von ca. 7–10 Jahren.) Andererseits konnte man ab 1990 eine enorme Verbreitung des Gebrauchs von Injektionsdrogen beobachten. 1990 waren in der Ukraine 22.466 „Narkomani“ registriert, 1999 74.554. Wobei die von Strafe verfolgten Drogengebraucher selbstverständlich alles daran setzen, sich nicht registrieren zu lassen. Das ukrainische Gesundheitsministerium geht von einer 5–10-fach höheren Dunkelziffer aus. Junge Leute, die sich Drogen spritzten, waren die erste Bevölkerungsgruppe, in der sich die HIV-Infektion in der Ukraine sehr schnell ausbreitete. Die am häufigsten benutzte Droge war und ist ein billiges, selbst zubereitetes Opiat, „Schirka“ (soviel wie „Dröhnung“).

Die Hauptursache für die epidemische Ausbreitung der Drogensucht war der Zusammenbruch der Sowjetunion. Viele Betriebe mussten schließen, massenhafte Arbeitslosigkeit führte zu Armut und Perspektivlosigkeit. Auf der anderen Seite gab es während und unmittelbar nach der Unabhängigkeit der Ukraine eine Phase niedrigerer Staatlichkeit. Es entstanden rechtsfreie Räume und es fehlte besonders jungen Menschen an Orientierung. Insofern die Sowjetideologie auch Religionsersatz war, war mit dem alten Staat auch das gesellschaftliche Wertesystem vernichtet worden.

Besonders betroffen waren Regionen, die zu Sowjetzeiten zu den am höchsten industrialisierten des Landes gehörten und nun durch den Zusammenbruch der Industrie den abruptesten Fall erleben mussten.

Dem Bedürfnis nach Drogenkonsum, dem explosionsartig gewachsenen Markt für Drogen, kam die leichte Verfügbarkeit von Drogen in der Ukraine entgegen. Dies ist vermutlich ein Grund dafür, dass sich die Drogensucht und in ihrer Folge die HIV-Epidemie in der Ukraine schneller und weiter ausbreitete als in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken. Faktoren, warum es nicht nur eine solch große Menge an Drogen gab und gibt, sonder auch so viel Drogenarten, sind: Die Ukraine ist ein Transitland für den Opiumtransport vom mittleren Osten nach Europa. Die Böden in der Ukraine sind so gut, dass Schlafmohn auch im Land selbst gut wächst. Einige Städte der Ukraine sind traditionell Standorte der chemischen Industrie. Auf der anderen Seite fehlt es an staatlicher Kontrolle des Medikamentenmarktes.

So konnte das Opioid-Analgetikum Tramadol nach seiner Zulassung 2004 innerhalb weniger Monate durch den Schwarzhandel zu einer der beliebtesten Einstiegsdrogen werden.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion war die Voraussetzung und eine der Ursachen für den Ausbruch einer HIV-Epidemie in der Ukraine, andere Gründe liegen in der sowjetischen bzw. sogar russischen Vergangenheit. Die Herstellung und (besonders der gemeinschaftliche) Gebrauch von einfachen Opiaten wie „Kompott“ und „Schirka“ oder Ephedrin-Derivaten wie „Wind“ war bereits in der Sowjetunion üblich. In Mode kamen diese Drogen jedoch erst seit Ende 1990er Jahre, angeregt auch durch die heimkehrenden Afghanistan-Veteranen, von denen viele sich dort an den Opiumkonsum gewöhnt hatten. Trotz der erlittenen Niederlage ging in den Augen vieler Jugendlicher von diesen Soldaten der Glanz von „Freiheit und Abenteuer“ aus, so dass sie viele Nachahmer fanden.

Die wie selbstverständliche rasante Ausbreitung des Drogenkonsums unter Jugendlichen ist jedoch auch vor dem Hintergrund des weitaus älteren aus der russischen Tradition stammenden Massenalkoholismus zu sehen. Noch heute ist Alkoholismus vor allem bei Männern eines der größten Gesundheitsrisiken in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Und Jugendliche, deren Eltern trinken, neigen besonders dazu Drogen zu nehmen.

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Verbreitung von HIV in der Ukraine sind die Gefängnisse und „Gefängniskolonien“.

Ein sehr hoher Prozentsatz der Gefangenen sind Drogenabhängige. Dazu tragen auch zwei Gesetze bei. Erstens kann man in der Ukraine für den Besitz auch geringster Mengen illegaler Drogen zu drei Jahren Lager und mehr verurteilt werden. Zweitens wird die Miliz noch immer an einem bestimmten Plansoll gemessen, der Zahl der „verurteilten Verbrechen“. Es ist keine Ausnahme sondern die Regel, dass dieses Soll mit Drogensüchtigen aufgefüllt wird, die leicht zu finden sind. Wie überall auf der Welt ist der Drogenkonsum in den Gefängnissen größer als draußen, dafür sind Spritzen umso knapper. Insgesamt herrschen schlechte hygienische Zustände. Ein weiteres Problem ist die Gewalt unter den Häftlingen. Ein bedeutender Übertragungsweg für HIV sind Vergewaltigungen. Zudem gibt es bis heute in den ukrainischen Gefängnissen keine umfassenden Präventionsmaßnahmen, die den Gefangenen Zugang zu Präventionsmitteln gewähren würden.

Im Moment sind ca. 150.000 Menschen in der Ukraine inhaftiert und vor der Amtsübernahmedurch Präsident Juschtschenko nach der Orangenen Revolution waren es noch weitaus mehr.

Die Verbreitung von HIV über den Sexualverkehr nimmt stetig zu. Von den 2007 registrierten 122.674 Menschen mit HIV/AIDS in der Ukraine haben sich ca. 40 % beim Drogenspritzen und 38 % bei Sexualverkehr infiziert. Auch wenn noch von einer auf die Risikogruppen konzentrierten HIV-Epidemie die Rede ist, bedeutet die Zunahme der HIV-Infektionen beim Sex, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die Epidemie die Allgemeinbevölkerung erreicht hat. Die wichtigste Schnittstelle zwischen dem Drogenmilieu und der übrigen Gesellschaft ist die Prostitution. Sehr viele Frauen, die drogenabhängig sind oder mit drogenabhängigen Männern zusammenleben, finanzieren damit ihren Drogenkonsum und ihren Lebensunterhalt. Der Übertragungsweg speziell über Prostitution wird in der Ukraine nicht registriert. Erste Erhebungen deuten jedoch auf eine stark zunehmende Ausbreitung hin.

Dass die Prostitution in der Ukraine stark zunimmt, liegt an der materiellen Not dieser Frauen ebenso wie an der steigenden Nachfrage. In der Ukraine ist in den letzten Jahren eine starke Zunahme des Sextourismus zu beobachten. In seiner Folge nehmen auch sexuelle Ausbeutung und Menschenhandel zu. Umfragen unter Prostituierten deuten darauf hin, dass sie Kondome bei weitem nicht regelmäßig benutzen. In einer Studie von 2007 gaben nur 48 % überhaupt an, immer auf Safer Sex zu bestehen. Und diese Befragung fand bei Frauen statt, die schon von Präventionsprogrammen erreicht wurden (denn über diese waren die Kontakte für die Umfrage zustande gekommen). Eine Verbesserung der Lage der Prostituierten wurde dadurch erreicht, dass Prostitution seit 2006 in der Ukraine nicht mehr strafbar ist. Es ist zu hoffen, dass daher mittelfristig auch weniger Prostituierte den Kontakt zu Ärzten und Präventionsangeboten scheuen werden.

Die homo- und bisexuelle Übertragung des HI-Virus spielt in der Ukraine bisher nicht die Sonderrolle, die ihr in Westeuropa und Nordamerika zukommt. Von 1987 bis 2007 wurden offiziell 158 Fälle registriert, gut ein Drittel davon 2007 (48 Neuinfektionen). Man kann jedoch davon ausgehen, dass im Zuge der Zunahme der Verbreitung über Sex im Allgemeinen, gleichermaßen auch die Zahl der Infektionen unter Homosexuellen zunimmt. Allerdings ist dieser Umstand schlecht zu beurteilen, da viele Homosexuelle, die HIV-positiv getestet werden, es vorziehen, einen anderen Übertragungsweg anzugeben. Homosexualität ist in der Ukraine seit 1991 nicht mehr strafbar, aber nach wie vor schwer diskriminiert. Für Präventionsmaßnahmen ist auch diese Gruppe dementsprechend schwer erreichbar. Nach Erhebungen des Global Fund, werden nur geschätzte 5 % erreicht.

Seit 2004 werden schwangere Frauen und Mütter, die eine HAART erhalten, erfasst. 2006 bekamen 2.822 HIV-Infizierte Mütter in Ukraine Kinder, 2007 waren es 3.430. Die Versorgung dieser Frauen mit HAART, die das Risiko der Übertragung des Virus’ von der Mutter auf das Kind verringert, lag 2007 bei 92,5 % (2006 waren es 91 %, was zur Folge hatte, dass 7,1 % der betroffenen Neugeborenen HIV-positiv waren).

Das weitaus größere Risiko besteht jedoch für Jugendliche und junge Erwachsene durch riskantes Sexualverhalten. Eine umfangreiche Studie, die 2007 in der Ukraine unter jungen Leuten von 15–24 durchgeführt wurde, ergab dass 5 % von ihnen Sexualverkehr hatten, bevor sie 15 waren. In einem Alter, für das es keine Aufklärungsangebote gibt.

Umso höher ist das Risiko von Kindern und Jugendlichen einzuschätzen, die im Milieu von Drogenabhängigkeit und Prostitution aufwachsen, sowie für die kaum zu schätzende Zahl der Straßenkinder.

Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben sind ganz besonders gefährdet, sich mit HIV zu infizieren oder mit anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen (sowie Tuberkulose zu bekommen und vieles mehr). Offizielle Statistiken über gesundheitliche und psychosoziale Problem in dieser Risikogruppe gibt es nicht. Riskantes gesundheitsschädigendes Verhalten und somit vielfältige gesundheitliche Probleme sind aufgrund ihrer Lebensumstände mehr als wahrscheinlich und in unfangreichen Erhebungen belegt (u. a. schlechte Ernährung und schlechte hygienische Bedingungen, Alkohol- und Drogenkonsum, psychische und physische/sexuelle Gewalt und meist abgebrochene Schulausbildung und eingeschränktes Wissen über HIV). In den seltensten Fällen erhalten sie adäquate medizinische und psychosoziale Hilfe. Umso wichtiger sind Projekte, die den Kindern und Jugendlichen nicht nur lebensnotwenige Unterstützung, wie Essen oder Kleidung anbieten, sondern auch Wege für safer sex und safer use aufzeigen und den Zugang zu medizinischer und psychosozialer Beratung und Behandlung ermöglichen.

Bei allen hier beschriebenen Präventionsmaßnahmen ist zu berücksichtigen, dass die Hauptursachen der HIV-Epidemie in der Ukraine in der gesellschaftlichen Krise des Landes liegen. Wenn die Auswirkungen dieser Krise – wie massenhafte Armut und Perspektivlosigkeit oder Mangel an Solidarität – nicht gebessert werden können, wird auch eine AIDS-Politik letztlich nicht erfolgreich sein können.

Die HIV-Epidemie ist eine soziale Krankheit, die isoliert nicht zu besiegen ist. Um die Epidemie eindämmen zu können bedarf es struktureller Veränderungen im gesellschaftlich-politischen Bereich, die sich nicht nur auf den Gesundheitssektor beschränken. Die Veränderungen implizieren einen vielfältigen Maßnahmenkatalog, der von der Gesetzgebung und Normsetzung bis hin zur Finanzierung und Durchsetzung von Einzelprojekten reicht.

Nach der orangenen Revolution hat sich die ukrainische Regierung, auch auf internationalen Druck hin, zum Problem der Existenz der HIV-Epidemie und ihrer gesellschaftlichen Bedrohung für die Bevölkerung bekannt. Dennoch verzögern politische und ökonomische Instabilität in der Ukraine grundlegende Maßnahmen. Ausgehend davon, dass Verhalten und Verhältnisse sich gegenseitig bedingen, sind Veränderungen der strukturellen Verhältnisse entscheidende – und langwierige – Schritte, um die Epidemien einzudämmen. (Zumal auch die weiteren Epidemien unbedingt einbezogen werden müssen, der Drogenmissbrauchs und die Tuberkuloseausbreitung).

Letztendlich können sie aber nur begrenzt erfolgreich sein, wenn sich nicht auch die weit verbreitete diskriminierende bis hin zu feindliche Einstellung gegenüber den Risikogruppen und ihrer Erkrankungen verändert. Eine breitenwirksame Ansprache der Allgemeinbevölkerung ist demnach von entscheidender Bedeutung, mit Aufklärungskampagnen zu Übertragungswegen und Schutzmöglichkeiten und mit Strategien, die sich gegen Diskriminierung wenden und deutlich machen, dass das HIV-Problem nicht nur das der gesellschaftlichen Randgruppen ist. Zudem sind zielgruppenspezifische Präventionsprojekte weiter voranzubringen. Wichtige Zielgruppen sind hierbei einerseits die Altersgruppe der 15–24-jährigen, die schätzungsweise bis zu 15 % aller HIV-Meldungen ausmachen.

Andererseits brauchen auch die offiziellen Risikogruppen mehr Präventionsangebote (Menschen, die intravenös Drogen gebrauchen und ihre Partner, Prostituierte), da sie bisher von den Angeboten nur unzureichend erreicht werden, sowie Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben , und Menschen in Gefängnissen. Um den Einfluss der bisherigen Präventionsmaßnahmen überprüfen zu können, ist die Entwicklung eines nationalen HIV-Erfassungs-System wichtig, oder ein System, das die HIV-Daten unter den schwierig zu erreichenden Gruppen. Beides konnte noch nicht umgesetzt werden, sodass die bisherigen Maßnahmen nur eingeschränkt nachvollziehbar sind.

Um in den kommenden Jahre die Reichweite und den Erfolg von Anti-AIDS- und besonders Präventionsprogrammen zu messen entwickelt z. B. die International HIV/AIDS-Alliance 2007 das standardisierte Erfassungssystem SYREX.

Auch im nationalen Strategieplan 2009–2013 sind Monitoring und Evaluation inbegriffen.

Eine große Bedeutung in der Eindämmung der Epidemie kommt auch dem Angebot an Harm-Reduction-Programmen zu. Besonders wichtig wären hier auch Spritzentausch-Programme. Die Wirkungen werden jedoch gering bleiben, solange der Gebrauch von Drogen unter Strafe steht.

Der Erfolg von Drogensubstitutionsprogrammen in vielen Ländern beruht darauf, dass sie es Drogenabhängigen erlauben, durch den legalen und hygienischen Drogengebrauch Entzugserscheinungen zu verhindern und durch die kontrollierte Dosierung der nicht sehr stark berauschenden Medikamente wieder am sozialen Leben teilzunehmen. Somit kann der Teufelskreis aus Drogenkonsum, Beschaffungskriminalität, prekärer gesellschaftlicher Lage und dem Drang, sich daraus in den Rausch zu flüchten, durchbrochen werden.

Substitutionsprogramme setzen eine umgebende stabile Gesellschaft voraus, die in der Lage und bereit ist, Drogenabhängige zu integrieren und ihnen eine Alternative zur Aussichtslosigkeit zu bieten, die sie zur Droge greifen ließ. Da diese Faktoren in der Ukraine derzeit nicht gegeben sind, ist dort die Einführung von Substitutionsprogrammen in großem Umfang fragwürdig. Zumal nicht klar ist, ob die staatlichen Kontrollmechanismen ausreichten zu verhindern, dass die Substitutionsdrogen den illegalen Handel bereichern.

Seit 2003 werden Substitutionsprogramme in der Ukraine als Pilotprojekte durchgeführt. Ende September 2008 wurden in 38 Standorten in der Ukraine für ca. 2220 Personen angeboten. Meistens wird Buprenorphin (Handelsname z. B. Subutex®) verwendet, das wesentlich teurer als Methadon ist und für das weltweit weniger Erfahrungen bestehen. Buprenorphin wird von der Bevölkerung und politischen Entscheidungsträgern jedoch leichter akzeptiert, d. h. als Medikament (Schmerzmittel) angesehen, im Gegensatz zu Methadon, das eher als Droge auf Staatskosten betrachtet wird.

Wichtige Akteure in der Umsetzung neuer Strategien und Maßnahmen sind neben der Regierung die nichtstaatlichen Organisationen (NGOs). Insgesamt arbeiteten 2007 150 NGOs in allen Regionen der Ukraine, die sich der Bekämpfung von HIV/AIDS widmeten.

Besonders zu nennen sind als Empfänger von Global Fund-Geldern das All-Ukraine Network of PLHA und die International HIV/AIDS-Alliance in Kiew, die sich für die Verbesserung der Rechte von Menschen mit HIV/AIDS einsetzen, für die Verbesserung des Zugangs zu medizinischer und nicht-medizinischer Versorgung, für die Förderung der Toleranz und die Stärkung der Fähigkeit der Selbsthilfe. Das All-Ukraine Network of PLHA ist der Dachverband der ukrainischen Selbsthilfeorganisationen und so mit mehreren hundert Mitgliedern in beinahe allen Regionen vertreten.

Weitere gleichfalls wichtige Akteure sind die staatlichen AIDS-Zentren in der Ukraine. Inzwischen gibt es in jedem der 24 Oblaste der Ukraine sowie auf der Krim und in den Städten Kiew und Sevastopol ein staatliches regionales AIDS-Zentrum. Die AIDS-Zentren haben den Auftrag, in ihren Polikliniken die primäre Behandlung durchzuführen und die Behandlung und Versorgung durch andere Gesundheitseinrichtungen der Region zu koordinieren. Die meisten AIDS-Zentren haben auch eine eigene epidemiologische Abteilung und ein Labor, in dem vor allem HIV-Erst- und Bestätigungstests durchgeführt werden. Häufig sind die AIDS-Zentren auch für die ART-Vergabe zuständig. Wenige AIDS-Zentren verfügen über genügend Kapazitäten, um alle Betroffenen der Region zu erreichen.

Teilweise sind in den AIDS-Zentren auch Selbsthilfegruppen angesiedelt oder es wird mit lokalen Initiativen zusammengearbeitet. Selten existieren psychologische Beratungsangebote. Da die AIDS-Zentren nicht alle Betroffenen in der Region betreuen können, sind auch einige staatliche Polikliniken für die Primärversorgung von HIV-Infizierten zuständig, die dann mit so genannten Vertrauensräumen ausgestattet sind. Neben Testangeboten werden dort HIV/AIDS-Patienten von Infektiologen medizinisch betreut.

Von vielen Schritten ist aktuell (2008) die Entwicklung und Umsetzung des Nationalen Strategieplan 2009–2013 wegweisend, an dem nationale und internationale, staatliche und nichtstaatliche Organisationen beteiligt sind. Das zuständige Committee on the Prevention of HIV/AIDS and Other Socially Dangerous Diseases koordiniert und überwacht zusammen mit dem ukrainischen Gesundheitsministerium die nationalen HIV/AIDS-Programme (Ende 2008 in der 1. Lesung vom Parlament akzeptiert).

Das deutsche Bundesministerium für Gesundheit engagiert sich im Jahr 2008 mit ca. einer Million Euro.

Die Gesundheitsversorgung in der Ukraine ist in sowjetischer Tradition zum ganz überwiegenden Teil staatlich. Theoretisch, d. h. nach dem Gesetz garantiert dieses staatliche Gesundheitswesen den Patienten eine kostenlose Behandlung. Die Behandlung erfolgt in Krankenhäusern und Polikliniken. Die Ausstattung vieler Krankenhäuser ist jedoch notdürftig und veraltet. Es gibt sehr wenig niedergelassene Ärzte und wenig private Kliniken in der Ukraine. Eine interdisziplinäre Vernetzung der Behandlung und Versorgung im medizinischen als auch im nicht-medizinischen Bereich ist wenig bekannt. In der Praxis müssen die Patienten zu der kostenlosen Versorgung häufig Leistungen dazukaufen. Dies kann besondere Diagnosetechniken, Behandlungsweisen und Medikamente betreffen. Auch Bettzeug und Essen müssen die Krankenhauspatienten bzw. deren Angehörige oft selbst mitbringen.

Eine Krankenversicherung nach dem Solidarprinzip, die diese Leistungen übernehmen könnte, gibt es nicht. Sie wäre bei der derzeitigen Wirtschaftslage des Landes auch kaum einführbar, da die meisten Menschen zu wenig verdienen, um die nötigen Kassenbeiträge einzahlen zu können.

Die schwierige Lage des Gesundheitssystems trifft alle Patienten. Für HIV- und AIDS-Patienten kommt erschwerend hinzu, dass es immer noch häufig Ärzte gibt, die ihre Behandlung aus Unsicherheit und Furcht vor Ansteckung ablehnen.

In den kommenden Jahren ist mit einem enormen Anstieg an Behandlungs- und Pflegebedarf für Menschen im Stadium AIDS zurechnen. Die Anzahl an gemeldeten AIDS-Diagnosen und der an den Folgen von AIDS Verstorbenen nimmt kontinuierlich zu. Ende 2007 waren von den offiziellen 122.314 HIV-Infizierten (seit 1987) noch 81.741 als lebend gemeldet und unter medizinischer Beobachtung. Geschätzte 80.000 Patienten werden bis 2011 eine ART benötigen. 2006 wurden mit 4.723 Fällen bisher die meisten AIDS-Diagnosen gemeldet. Ohne effektive schnelle Maßnahmen wird davon ausgegangen, dass 2011 bis zu 43.000 Menschen an den Folgen von AIDS gestorben sind, und es über 46.000 AIDS-Waisen geben wird.

Die Zahlen verdeutlichen, dass der steigende Bedarf an Behandlung und Versorgung für das Gesundheitswesen nicht nur finanziell eine große Herausforderung bedeutet. Internationale und nationale Projekte fokussieren daher seit einigen Jahren auf die HIV-spezifische Aus- und Weiterbildung von Gesundheitspersonal, u. a. in Infektiologie, (ambulanter) Pflege und Substitution. Aber auch Diagnosetechniken werden benötigt.

Bei der Behandlung von AIDS und seiner opportunistischen Krankheiten wurden seit 2004 große Fortschritte gemacht, vor allem dank der Zunahme der Behandlung mit HAART, die seit 2004 verfügbar ist (v. a. durch den Global Fund). 2005 erhielten 21 % der Erwachsenen und Kinder mit fortgeschrittener HIV Infektion eine HAART. 2006 waren es 27 % (4.777 Patienten) und 2007 35 % (7.657 Patienten).

Allerdings waren noch 2007 nur 78% der Patienten nach zwölf Monaten noch in Behandlung. Ein Teil von ihnen ist trotz HAART verstorben, ein Teil hat die Therapie aus verschiedenen Gründen abgebrochen.

Gerade die Therapietreue der Patienten ist ein entscheidender Aspekt in der Wirksamkeit der Antiretroviralen Therapie. Eine konsequente regelmäßige Einhaltung der Tabletteneinnahme muss für viele Ukrainer in ihrer Lebenssituation sehr schwierig sein. Und: Zwar ist HAART für Patienten in der Ukraine kostenlos. Kostenpflichtig ist aber die medikamentöse Behandlung der mit HAART verbundenen, teils gravierenden Nebenwirkungen.

Auch seitens der Behandler ist die Antiretrovirale Kombinationstherapie nur eingeschränkt einsetzbar, u. a. weil es bisher zumeist nur eine so genannte First-Line-Behandlung gibt. Entwickeln Patienten Resistenzen gegen die Wirkstoffe bestehen wenige Behandlungsalternativen. Wegen der begrenzten Ressourcen stehen den meisten Zentren auch keine Methoden zur Viruslast- und Resistenzbestimmung zur Verfügung, um die HAART optimal einsetzen zu können. Viele AIDS-Zentren in der Ukraine müssen die Proben zur Bestimmung nach Kiew schicken, und von den Patienten bezahlen lassen.

In der Ukraine ist Tuberkulose die häufigste opportunistische Infektion bei HIV-Infizierten, und zählt zu den Haupttodesursachen bei AIDS.

Auch Tuberkulose ist eine soziale Krankheit. Anfällig für sie sind besonders Menschen mit geschwächten Abwehrkräften, wie Menschen, die sich nicht ausreichend und gesund ernähren können. Ein durch HIV geschwächtes Immunsystem erhöht die Gefahr der Übertragung um ein vielfaches. Tuberkulose tritt besonders in ärmeren Länder und Ländern mit eingeschränkter Gesundheitsversorgung auf. Es gibt in der Ukraine auch viele Tuberkulose-Infizierte, die nicht HIV-infiziert sind. Auch die Tuberkulose hat in der Ukraine epidemische Ausmaße angenommen. Die beiden Epidemien bewegen sich aufeinander zu.

Auch die für die WHO geschätzten Tuberkulose-Neuinfektionen steigen kontinuierlich seit Mitte 1995 an.

Die Behandlung von Tuberkulosen ist sehr komplex, schwierig und kostenaufwändig und erfordert von den Patienten – ähnlich der HAART-Behandlung – ein hohes Maß an Therapietreue, um die Behandlung erfolgreich abschließen zu können, und um die Gefahr der Bildung multiresistenter Stammbäume zu minimieren. Antituberkulotika müssen lange eingenommen werden (mindestens ein halbes Jahr) also auch über die eigentlichen Beschwerden hinaus.

Eine flächendeckende Behandlung der Tuberkuloseinfektionen (z. B. nach Behandlungsleitlinien der WHO/DOTS) konnte noch nicht in der Ukraine erreicht werden. 15 % der geschätzten TB-Patienten, die auch HIV-infiziert sind, erhielten 2006 Antituberkulotika und HAART. Hinzukommt, dass es in der Ukraine ähnlich HIV und AIDS auch für die Tuberkulosebehandlung und -versorgung große Nachwuchsproblem beim Gesundheitspersonal gibt (geringe Bezahlung und hohe berufliche Ansteckungsgefahr mit TBC). HIV/AIDS und Tuberkulose zählen zu zwei getrennte Bereiche im Gesundheitswesen, obwohl die Therapie eng miteinander verbunden sein sollte. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist so nur schwer umsetzbar.

Zum Seitenanfang



Weinbau in der Ukraine

Weinbau in der Ukraine hat eine langjährige Tradition, produziert wird hauptsächlich für den heimischen Markt, die Nachbarländer, die Europäische Union und Nordamerika.

Weinbau wurde bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. auf der Krim von altgriechischen Kolonisten betrieben. Im 11. Jahrhundert führten orthodoxe Mönche den Weinbau in nördlicheren Gebieten rund um Kiew ein.

Unter Katharina II. (1729 - 1796) wurde die Krim 1783 russisch. Michail Woronzow legte 1820 ein großes Weingut bei Jalta an. Das Weinbauinstitut Magaratsch wurde 1828 gegründet. Lew Golizyn baute nach dem Krimkrieg den ersten “Schaumwein” (Krimsekt) auf seinem Gut Nowij Swet bei Jalta an. Unter Zar Nikolaus II. (1868 - 1918) wurde das Weingut Massandra gegründet. Die Ukraine wurde während der Sowjetära zum wichtigsten Weinlieferanten der UdSSR. 1986 wurden weite Teile der Güter während der Anti-Alkoholkampagne zerstört. Seit 2000 steigt die Produktion wieder.

Die wichtigsten Sorten sind Aligoté, Muskat, Isabella, Traminer, Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Fetească, Pinot Noir, Pinot Gris, Rkatsiteli.

Die Produktion von Schaumweinen wie Sowjetskoje Schampanskoje wächst. Die wichtigsten Produktionsstätten sind in Kiew, Artemiwsk, Lwiw, Odessa und Charkiw. Die Produktion basiert auf Pinot Blanc, Aligoté, Riesling und Feteaska.

Zum Seitenanfang



Source : Wikipedia