Tunesien

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Geschrieben von daneel 21/04/2009 @ 00:11

Tags : tunesien, afrika, ausland

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Tunesien

Lage von Tunesien in Afrika

Tunesien (amtlich die Tunesische Republik) ist ein Staat in Nordafrika, der im Norden und Osten an das Mittelmeer, im Westen an Algerien und im Süd-Osten an Libyen grenzt. Sein Name ist von dem Namen seiner Hauptstadt Tunis abgeleitet. Tunesien ist das östlichste der Maghreb-Länder. Die größte vorgelagerte Insel ist Djerba (514 km²). Die Fläche des Landes ist mit 163.610 km² ungefähr doppelt so groß wie die Österreichs.

Tunesien ist das nördlichste Land Afrikas und nur 140 Kilometer von Sizilien entfernt. Es erstreckt sich zwischen dem Mittelmeer und der Sahara, zwischen 37° 20’ und 30° 10’ nördlicher Breite sowie zwischen 7° 30’ und 12° östlicher Länge. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung zwischen Cap Blanc und der Grenzstation Bordj el Khadra beträgt rund 780 km, die größte Ost-West-Ausdehnung zwischen der Insel Djerba und Nefta etwa 380 km. Die Mittelmeerküste misst ungefähr 1.300 km Länge.

Der Nordwesten Tunesiens wird vom Tell-Atlas bestimmt. Parallel zur Nordküste verlaufen von der algerischen Grenze bis zur Bucht von Bizerte die Gebirgszüge der Kroumirie (700–800 m Höhe). Daran schließt sich nordöstlich das Mogod-Bergland (300-400 m Höhe) an, welches zum Beispiel im Cap Blanc in einer meist steilen Felsküste ins Mittelmeer abfällt. Auf der dem Wind abgewandten Seite des Gebirges schließt sich das Talbecken des ganzjährig wasserführenden Medjerda an, dessen Unterlauf zur wichtigsten Agrarzone des Landes gehört.

Die Bergrücken der Dorsale verlaufen von Nordost (Cap Bon) nach Südwest mit dem höchsten Berg Tunesiens (Djebel Chambi, 1.544 m) in einer Länge von 220 km. Östlich der Dorsale entlang der Mittelmeerküste zwischen Hammamet und Skhira, Sousse und Sfax umschließend, liegt der Sahel (arabisch für „Küste“) genannte Küstenstreifen, der durch Regen bringende Ostwinde sehr fruchtbar ist und unter anderem große Olivenbaumkulturen ermöglicht.

Südlich der Dorsale schließt sich die steppenhafte Schottsenke (Chott el Djerid, Salzsee) an, die noch weiter südlich in die Wüste Sahara mit dem Östlichen Großen Erg übergeht. Entlang des Mittelmeeres, etwa von Gafsa im Westen bis zur libyschen Grenze erstreckt sich die Djeffara-Ebene, welche durch das bis zu 600 m hohe Kalksteinplateau Dahar vom Erg getrennt ist und über sandige Flachküsten, Lagunen und vorgelagerte Inseln verfügt.

Die Gewässer Tunesiens befinden sich fast sämtlich im Norden des Landes. Der wichtigste Fluss ist der Medjerda, er bekommt die meisten Niederschläge (400 mm pro Jahr) und führt somit 82 % der Wasservorkommen. Außer dem Medjerda existieren in Tunesien noch einige kleinere Wadis, also Flüsse, die nicht ganzjährig Wasser führen. Wichtigste Seen, Lagunen und Sabcha sind der See von Bizerta, der Ichkeul-See, der See von Tunis, die Lagune von Ghar El Melh, die Sabcha Ariana und die Sabcha Sejoumi.

Die Landesmitte und der Süden Tunesiens sind durch Aridität und Abflusslosigkeit gekennzeichnet. Die Gewässer wie die Sabcha Sidi El Héni haben nur 12 % bzw 6 % der Wasserresourcen. Allerdings existieren hier große Grundwasservorkommen, was die Fläche an Oasen in den letzten dreißig Jahren von 15.000 auf 30.000 Hektar zu vergrößern erlaubt hat.

Bereits während der Kolonialzeit wurde mit dem Bau von Stauseen begonnen, damals vor allem, um Tunis mit Trinkwasser zu versorgen. Nach der Unabhängigkeit wurden die Projekte weitergeführt, damals mit dem Ziel der Bewässerung. Seit den 1980er Jahren ist die Verstädterung für den starken Anstieg des Wasserbedarfs verantwortlich. Mittlerweile gibt es in Tunesien 21 große Staudämme, zahlreiche kleinere Stauanlagen, sowie 98 Kläranlagen. 80 % des Wasserverbrauchs entfiel im Jahr 2000 auf die Landwirtschaft. Ab dem Jahr 2030 wird mit ernsthaftem Ressourcendefizit an Süßwasser gerechnet.

In Tunesien stoßen mediterranes und arides Klima aufeinander. Die Niederschläge nehmen von Nord nach Süd ab und von Ost nach West leicht zu. Es lassen sich unterscheiden der winterfeucht-sommertrockene Norden, die vom wechselhaften Klima bestimmte zentraltunesische Steppenregion mit heißen Sommern, kalten Wintern und abnehmenden Niederschlägen, die vom Meer beeinflusste Mittelmeerküste mit ausgeglichenerem Klima und das Wüstenklima südlich der Schotts.

Mit zunehmender Entfernung vom Mittelmeer weicht sein ausgleichender Einfluss einem kontinentalen Klima. Die Mitteltemperaturen liegen im Januar bei 10 °C, im August bei 26 °C (Tunis). Südlich des Atlas herrscht ganzjährig trockenheißes Wüstenrandklima mit sehr unregelmäßigen Niederschlägen. Die Temperaturen erreichen hier Maximalwerte bis 45 °C wobei es zu 10 °C Temperaturdifferenz im Schatten kommen kann (normalerweise nur 5 °C. Die extremsten Unterschiede werden in der Sahara mit sommerlichen Temperaturen von 50 °C und Bodenfrösten im Winter erreicht. Unerträgliche Hitze kann der in Tunesien Chehili genannte Saharawind Schirokko bringen.

Niederschläge fallen fast nur in den Wintermonaten und werden meistens von Tiefausläufern des weiter nördlich gelegenen Westwinddrifts herangeführt. Im Sommer liegt das gesamte Land im Bereich der subtropischen Hochdruckzone, welche die Tiefdruckgebiete der Westwinddrift um das Mittelmeer herumleitet. Jedoch kann es in Ausnahmefällen auch im Sommer zu heftigen Regenfällen kommen, die vorher ausgetrocknete Oueds (Wadi) in reißende Ströme verwandeln. Während im Norden die jährliche Niederschlagsmenge bei 500-1.000 mm an der Nordküste und 1.500 mm im Gebirge liegt und damit für einen erfolgreichen Regenfeldbau ausreicht, ist im Süden die Verdunstung stärker als die unregelmäßige Niederschlagsmenge von allenfalls 200 mm pro Jahr.

An der Nordküste und im Atlasgebirge wächst mediterraner Laub- und Buschwald (Macchie) mit Steineichen, Korkeichen und Aleppokiefern, wo neben Kleinwild auch Wildschweine Nahrung finden. Zwischen 1990 und 2000 hat der Waldbestand um 0,2 % zugenommen. In den sich anschließenden südlichen Steppen leben Gazellen. In den Wüstengebieten kommen vor allem Heuschrecken, Skorpione, Schlangen und Bussarde vor.

Tunesien hat im Jahr 2005 die Schwelle von 10 Millionen Einwohnern überschritten. Dies bedeutet eine Verdreifachung der Bevölkerung seit 1956, und eine Verdoppelung seit Beginn der 1970er Jahre. Seit dem Beginn der 1990er Jahre hat sich das Bevölkerungswachstum jedoch verlangsamt. Tunesien hat heute die niedrigste Geburtenrate der ganzen arabischen Welt und ein Bevölkerungswachstum von etwa 1%.

Die große Mehrheit der Tunesier (98%) identifiziert sich kulturell mit den Arabern, wenngleich Studien belegen, dass sie sie aus ethnischer Sicht den Berbern als auch den Iberern näher stehen, während der genetische Anteil der Araber, die die Region im 7. und 8. Jahrhundert besiedelten, geringer ausfällt. Unter den Zivilisationen, die das Gebiet des heutigen Tunesiens besiedelt haben und die, zu jeweils unterschiedlichen Graden, assimiliert wurden, sind die Phönizier,, die Römer, die aus Germanien kommenden Vandalen, die Ottomanen und zuletzt die Franzosen. Dazu kamen zahlreiche Mauren und Juden aus dem Andalusien des 15. Jahrhunderts.

Die ersten Ostaraber kamen im 7. Jahrhundert, als die moslemische Eroberung des Maghreb stattfand. Sie islamisierten den Großteil der Ifriqiya. In dieser Epoche entstanden neue Städte wie Kairouan und Mahdia. Ab dem 11. Jahrhundert kamen die aus Ägypten vertriebenen Banu Hilal im heutigen Tunesien an und besiegelten die sprachliche und kulturelle Arabisierung des Landes. Die berberische Sprache und Kultur ist nur in einigen geographisch isolierten Gebieten in den Bergen nahe Matmata, Tataouine, Gafsa oder Sbeïtla erhaltengeblieben. Anders als in Marokko oder Algerien, wo die Berber eine ethnische Minderheit darstellen, ist ihre Zahl in Tunesien verschwindend gering.

Der Islam ist in Tunesien Staatsreligion; 98% der Bevölkerung bekennen sich zu diesem Glauben. 85% der tunesischen Muslime gehören dem malikitischen Madhhab der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam an. Der Rest sind Hanafiten und Ibaditen. Christentum und Judentum sind in Tunesien kleine Minderheiten, aber das Land ist gegenüber religiösen Minderheiten tolerant.

Die Verfassung Tunesiens sieht die freie Ausübung des Glaubens vor, so lange diese nicht die öffentliche Ordnung stört. Dieses Grundrecht wird von der tunesischen Regierung in der Regel respektiert. Politische religiöse Parteien sind jedoch nicht zugelassen, ebenso sind Proselytismus und Polygamie verboten. Das Tragen des Hidschab ist eingeschränkt und in der Verwaltung und öffentlichen Schulen nicht gestattet. Islamische Feiertage (wie etwa das Islamische Opferfest, das Fest des Fastenbrechens oder Mawlid an-Nabi) sind in Tunesien öffentliche Feiertage.

Im Volksglauben der Tunesier finden sich noch heidnische Überbleibsel wie etwa der Glaube an den Bösen Blick. Das ganze Land ist von kleinen, meist weißen Gebäuden namens Marabout übersäht. Dies sind die Grabstätten von islamischen Heiligen, von denen geglaubt wird, dass sie ein Botschafter zwischen Mensch und Gott sein können. Noch heute gibt es Tunesier, die solche Marabouts um Hilfe bitten, auch wenn dies vom offiziellen Sunnitentum als Abgötterei bezeichnet wird.

Das Judentum war in Tunesien einst sehr bedeutend, heute gibt es noch rund 1.500 Juden. Auf der Insel Djerba steht seit wahrscheinlich über 1.000 Jahren die Al-Ghriba-Synagoge („Die Erstaunliche“), eine der ältesten Synagogen der Welt. Jedes Jahr, am 33. Tag nach dem Pessach-Fest (gleichzeitig mit dem westkirchlichen Ostertermin), findet hier die größte jüdische Wallfahrt Nordafrikas statt. Zu dieser Wallfahrt werden Gläubige aus der ganzen Welt erwartet. Auf Djerba leben ebenfalls noch einige muslimische Kharidjiten.

Tunesien ist unter den Maghreb-Staaten das aus linguistischer Sicht homogenste Land, weil fast die gesamte Bevölkerung Tunesisch-Arabisch spricht und auch das Schriftarabisch, die offizielle Amtssprache des Landes, beherrscht. Für das Tunesisch-Arabisch, das eigentlich eine Mischung mehrerer Dialekte ist, gibt es keine offizielle Regulierung. Es wird vor allem als Alltagssprache verwendet. Nur im Süden des Landes und auf der Insel Djerba werden noch vereinzelt berberische Dialekte benutzt.

Während der Zeit des französischen Protektorats in Tunesien wurde die französische Sprache den Institutionen in Tunesien aufgezwungen, speziell den Bildungseinrichtungen. Nach der Unabhängigkeit wurde zwar die arabische Sprache wieder eingeführt, speziell Verwaltung, Justiz und Bildungswesen blieben jedoch lange Zeit zweisprachig. Tunesien ist den europäischen Sprachen auf Grund seiner geographischen Lage und durch die Medien und Tourismus stark ausgesetzt, was Kenntnis dieser Sprachen bei den Tunesiern fördert.

In den 1990er Jahren wurde das französische aus dem öffentlichen Leben zurückgedrängt, um einerseits den Zugang zu höherer Bildung zu vereinfachen und um das arabisch-islamische Flair im öffentlichen Raum zu beleben. Seit Oktober 1999 wird von allen Geschäftstreibenden verlangt, in ihren Werbeaufschriften mindestens doppelt so viel Platz für arabische wie für lateinische Zeichen zu verwenden. Die Verwaltung wurde dazu angehalten, alle Kommunikation auf arabisch umzustellen, obwohl dies bisher nur im Verteidigungs- und Justizministerium sowie im Parlament gelungen ist. Französisch wird somit zu einem Symbol des höheren Bürgertums.

Für das Jahr 2007 wurde die Zahl der im Ausland lebenden Tunesier auf eine Million Personen geschätzt. Davon sind 84% in Europa, 600.000 davon allein in Frankreich, 143.000 in Italien (etwa. 10% der Bevölkerung in Sizilien sind tunesischer Abstammung) und 80.000 in Deutschland. In Nordamerika sind 26.000 (2,6%) und in den arabischen Staaten leben insgesamt weitere 140.000 Tunesier, davon 80% in Maghrebländern (überwiegend in den Nachbarstaaten Libyen und Algerien, wo sie sich als Nachbarn kulturell schnell integrieren können) und etwa 24.655 hochqualifizierte Arbeitskräfte in den Golfstaaten. Die Tunesier in den europaischen Ländern besitzen in der Regel einen Doppelpass. Die meisten sind entweder im 19. Jahrhundert, während des französischen Protektorats, nach Europa ausgewandert, oder kamen später in den 50er und 60er Jahren als Gastarbeiter. Diese Auswanderer haben eine große Bedeutung für die tunesische Wirtschaft: Sie überweisen einerseits hohe Summen, um die daheim gebliebenen Angehörigen zu unterstützen, andererseits investieren Heimkehrer aus dem Ausland viel in heimische Wirtschaftsbetriebe.

Erste Spuren von menschlicher Besiedelung des heutigen Tunesien stammen aus der Altsteinzeit: in der 20 Kilometer östlich von Gafsa gelegenen Oase El Guettar wurden Spuren von nomadisch lebenden Jägern und Sammlern gefunden.

Auf das Ibéromaurusien, eine an der nordafrikanischen Küste verbreitete Kultur, folgte das Capsien. Von dieser Kultur wurden 15000 Jahre alte Skelette und Werkzeuge gefunden, die darauf hinweisen, dass die Capsien-Menschen neben Steinwerkzeugen auch Nadeln aus Knochen herstellten, die sie zum Nähen von Kleidung aus Tierhäuten benutzten.

Während der Jungsteinzeit formte sich die Sahara mit ihrem heutigen Klima. Diese Epoche ist gekennzeichnet von der Einwanderung der Berber. Es entstanden erste Kontakte mit den Phöniziern in Tyros, die gegen Ende der Jungsteinzeit begannen, das heutige Tunesien zu besiedeln und später das Karthagische Reich gründeten.

Das heutige Tunesien erlebte zu Beginn der geschichtlichen Aufzeichnungen die Gründung von Handelsniederlassungen durch Siedler aus dem östlichen Mittelmeer. Gemäß der Legende war die erste dieser Niederlassungen Utica im Jahre 1101 v. Chr. Im Jahr 814 v. Chr. gründeten aus Tyros kommende phönizische Siedler die Stadt Karthago. Nach der Legende war es die Königin Élyssa, die Schwester des Königs von Tyr, Pygmalion, welche die Stadt gründete.

Karthago wurde innerhalb von 150 Jahren zur größten Macht des westlichen Mittelmeeres. Die Einflussnahme geschah teils durch Kolonisierung, größtenteils jedoch durch Handelsniederlassungen und Verträge. Diese Macht, und das hohe landwirtschaftliche Potential des karthagischen Mutterlandes führten dazu, dass das Interesse des jungen, erstarkenden römischen Reiches geweckt wurde und es kam zur Konfrontation, die in den drei Punischen Kriegen gipfelte. Karthago konnte mit seinen unter anderen von Hannibal geführten Truppen während des Zweiten Punischen Krieges (218−201 v. Chr.) das Römische Reich mehrermals an den Rand einer Niederlage bringen. Am Ende des Dritten Punischen Krieges (149-146 v. Chr.) wurde die Stadt Karthago drei Jahre belagert und letzten Endes zerstört. Das Gebiet des heutigen Tunesien wurde Teil der römischen Provinz Africa mit Hauptstadt Utica. Im Jahr 14 wurde Karthago Hauptstadt von Africa, und im Jahr 44 beschloss Caesar, eine Colonia in Karthago zu gründen, was jedoch von Augustus erst mehrere Jahrzehnte später verwirklicht wurde.

Africa wurde, neben Ägypten, zu einem der bedeutendsten Lieferanten landwirtschaftlicher Produkte Roms, vor allem lieferte Africa Getreide und Olivenöl. Es entstand ein dichtes Netz an römischen Siedlungen, deren Ruinen bis heute noch zu sehen sind, etwa Dougga (römisch Thugga), Sbeïtla (Sufetula), Bulla Regia, El Djem (Thysdrus) oder Thuburbo Majus. Africa war, zusammen mit Numidien, für sechs Jahrhunderte lang eine sehr wohlhabende Provinz, wo etwa die Mosaikkunst blühte. Dank seiner Rolle als Knotenpunkt der Antike siedelten sich in der Folge auch Juden und die ersten Christen im heutigen Tunesien an.

Das Christentum breitete sich im heutigen Tunesien schnell aus, vor allem durch die Ankuft von Siedlern, Händlern und Soldaten. Die bisher heidnische Bevölkerung widersetzte sich zunächst dem neuen Kult; später wurde die Christianisierung auch mit Gewalt durchgesetzt. Ab dem Jahr 400 durchdrang das Christentum, dank der Aktivitäten von Augustinus von Hippo und seiner Bischöfe, sämtliche Gesellschaftsschichten, indem sie die städtische Aristokratie und die Landbesitzer auf ihre Seite brachte. Krisen wie etwa das donatistische Kirchenschisma, das mit dem Konzil von Karthago abgewendet wurde, überwand das Christentum im heutigen Tunesien dank der guten wirtschaftlichen und sozialen Lage schnell. Bis heute zeugen davon Ruinen von Bauwerken wie die Basilika von Karthago oder die zahlreichen Kirchen, die auf heidnischen Tempeln (wie etwa in Sbeïtla) erbaut wurden.

Am 19. Oktober 439 eroberten die Vandalen und Alanen Karthago und errichteten ein Königreich, das ein Jahrhundert dauern sollte. Die Vandalen gehörten dem Arianismus an, einer Glaubensrichtung, die auf dem Ersten Konzil von Nicäa zur Häresie erklärt worden war. Die Vandalen forderten von der zumeist katholischen Bevölkerung die Treue zu ihrem Glauben und antworteten auf deren Weigerung mit Gewalt. Besitztümer der katholischen Kirche wurden beschlagnahmt. Die Kultur der ansässigen Bevölkerung blieb aber unangetastet und auch das Christentum florierte bis zu dem Ausmaß, wie es die neuen Herrscher tolerierten. Das Vandalenreich kollabierte nach der verlorenen Schlacht bei Tricamarum, bei welcher die Vandalen unter König Gelimer gegen die oströmischen Truppen von Belisar unterlagen. Kaiser Justinian I. machte aus Karthago eine Diözese und 590 das Exarchat von Karthago, das gegenüber der kaiserlichen Zentralmacht hohe zivile und militärische Autonomie besaß. Heiden, Juden und Herätiker wurden von der byzantinischen Zentralgewalt, die das Christentum zur Staatsreligion erheben wollte, verfolgt.

Die ersten arabischen Vorstöße auf das heutige Tunesien begannen im Jahre 647. Im Jahre 661 wurde in einer zweiten Offensive Bizerta erobert; die Entscheidung fiel nach der dritten, 670 durch Uqba ibn Nafi angeführten Offensive und der Gründung von Kairouan, die später Ausgangspunkt für die arabischen Expeditionen auf den nördlichen und westlichen Maghreb wurden. Der Tod von Uqba ibn Nafi 693 führte nur zu einem vorübergehenden Stillstand der arabischen Eroberung; 695 nahm der Ghassaniden-General Hassan Ibn Numan Karthago ein. Die Byzantiner, deren Seestreitkräfte den Arabern überlegen waren, griffen 696 Karthago an und nahmen es ein, während 697 die Berber unter al-Kahina die Araber in einer Schlacht besiegten. 698 jedoch eroberten die Araber Karthago erneut und besiegten auch al-Kahina.

Anders als vorherige Eroberer gaben sich die Araber nicht damit zufrieden, nur die Küstengebiete zu okkupieren, sondern machten sich auch an die Eroberung des Landesinneren. Nach einigem Widerstand konvertierten die meisten Berber zum Islam, vor allem durch die Aufnahme in die Streitkräfte der Araber. In den neugebauten Ribats wurden religiöse Schulen eingerichtet. Gleichzeitig jedoch schlossen sich zahlreiche Berber der Glaubensrichtung der Charidschiten an, die die Gleichheit aller Muslime unabhängig von ihrer Rassen- oder Klassenzugehörigkeit verkündigte. Das heutige Tunesien blieb eine Provinz der Umayyaden, bis es 750 an die Abbasiden fiel. Zwischen 767 und 776 wurde das gesamte Territorium Tunesiens von den berberischen Charidschiten unter Abu Qurra beherrscht, die sich später in ihr Königreich Tlemcen zurückziehen mussten.

Im Jahre 800 übergab der Abassidenkalif Harun ar-Raschid seine Macht über Ifriqiya dem Emir Ibrahim ibn Al-Aghlab und gab ihm auch das Recht, seine Funktion zu vererben. Somit wurde die Aghlabiden-Dynastie gegründet, die ein Jahrhundert lang den mittleren und östlichen Maghreb beherrschte. Das heutige Tunesien wurde zu einem bedeutenden Kulturraum, mit der Stadt Kairouan und seiner Großen Moschee in seinem Mittelpunkt. Tunis wurde bis zum Jahr 909 die Hauptstadt des Emirates.

Das Aghlabiden-Emirat verschwand innerhalb von 15 Jahren (893-909) durch die Aktivitäten des proselytischen Ismailiten Abu Abd Allah asch-Schiʿi, unterstützt durch eine fanatisierte Armee, die sich aus dem berberischen Kutama-Stamm rekrutierte. Im Dezember 909 rief sich Ubaid Allah al-Mahdi zum Kalifen aus und gründete damit die Fatimiden-Dynastie. Gleichzeitig erklärte er die sunnitischen Umayyaden und die Abbasiden zu Usurpatoren. Der Fatimidenstaat breitete seinen Einfluss auf ganz Nordafrika aus, indem er die Karawansereien und damit die Handelswege mit Schwarzafrika unter seine Kontrolle brachte. Eine letzte große Revolte des charidschitischen Banu Ifran-Stammes unter Abu Yazid konnte niedergeschlagen werden. Der dritte Fatimidenkalif Ismail al-Mansur verlegte die Hauptstadt nach Kairouan und eroberte 948 Sizilien. 972, drei Jahre nachdem die Region vollständig erobert war, verlegte die Fatimiden-Dynastie ihre Basis in östliche Richtung. Kalif Abu Tamim al-Muizz legte die Herrschaft über Ifriqiya in die Hände von Buluggin ibn Ziri, der die Ziriden-Dynastie begründete. Die Ziriden erlangten schrittweise die Unabhängigkeit vom Fatimiden-Kalifen, was mit einem kompletten Bruch mit den Fatimiden endete. Diese rächten sich für den Verrat damit, dass sie Beduinenstämme (die Banu Hilal und Banu Sulaym) aus Ägypten mit Eigentumstiteln auf Land in Ifriqiya ausstatteten und gegen die Ziriden ziehen ließen. Kairouan wurde in der Folge, nach fünfjährigem Widerstand, erobert und geplündert. 1057 flohen die Ziriden nach Mahdia, während die Eroberer in Richtung des heutigen Algerien weiterzogen. Die Ziriden versuchten danach erfolglos, das inzwischen von den Normannen besetzte Sizilien zurückzuerobern, und 90 Jahre lang versuchten sie, Teile ihres früheren Territoriums zurückzugewinnen. Sie verlegten sich auf Piraterie, um sich am Seehandel zu bereichern.

Diese Migration war das entscheidendste Ereignis in der Geschichte des mittelalterlichen Maghreb. Sie hat das traditionelle Gleichgewicht zwischen nomadischen und seßhaften Berbern zerstört und zu einer Bevölkerungsdurchmischung geführt. Das Arabische, das bis dahin nur von den städtischen Eliten und am Hof gebraucht wurde, begann, die berberischen Dialekte zu beeinflussen.

Ab dem ersten Drittel des 12. Jahrhunderts war Tunesien häufigen Angriffen der Normannen aus Sizilien und Süditalien ausgesetzt. Das Territorium von Ifriqiya wurde gleichzeitig (1159) vom Almohaden-Sultan Abd al-Mu'min von Westen aus erobert. Wirtschaft und Handel blühten auf; Handelsbeziehungen wurden mit den wichtigsten Städten am Mittelmeer aufgenommen. Der wirtschaftliche Aufschwung bewirkte, dass das almohadische Jahrhundert als goldenes Zeitalter des Maghreb in die Geschichte einging, in welcher sich große Städte mit prächtigen Moscheen entwickelten und wo Wissenschaftler wie Ibn Chaldun arbeiteten.

Die Almohaden legten die Verwaltung des heutigen Tunesiens in die Hände von Abu Muhammad Abdalwahid, doch bereits sein Sohn Abu Zakariya Yahya I. löste sich 1228 und gründete die Dynastie der Hafsiden. Zwischen 1236 und 1574 regierte somit die erste tunesische Dynastie. Die Hauptstadt wurde nach Tunis verlegt, welches sich dank dem Seehandel schnell entwickelte.

Ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts verlieren die Hafsiden langsam die Kontrolle über ihr Territorium und geraten, speziell nach der verlorenen Schlacht von Kairouan (1348) in den Einfluss der Meriniden unter Abu Inan Faris. Die Pest von 1384 traf Ifriqiya mit voller Wucht und trug zum Bevölkerungsschwund, der seit den Invasionen durch die Banu Hilal stattfand, bei. Gleichzeitig begannen Mauren und Juden aus Andalusien einzuwandern. Die Spanier unter Ferdinand II. und Isabella I. eroberten die Städte Mers-el-Kébir, Oran, Bejaia, Tripolis und die Algier vorgelagerte Insel. Die Hafsidenherrscher sahen sich genötigt, die Hilfe der Korsarenbrüder Khair ad-Din Barbarossa und Arudsch in Anspruch zu nehmen.

In seiner Bedrängnis erlaubten die Hafsiden den Korsaren, den Hafen von La Goulette und die Insel Djerba als ihre Basis zu benutzen. Nach dem Tod von Arudsch machte sich sein Bruder Khair ad-Din Barbarossa zum Vasall des Sultans von Istanbul und wurde von ihm zum Admiral des Osmanischen Reiches ernannt. Er eroberte 1534 Tunis, musste sich aber 1535 aus der Stadt zurückziehen, nachdem diese durch eine Armada von Karl V. eingenommen wurde. 1574 wurde Tunis wieder von den Ottomanen, diesmal unter Führung von Turgut Reis erobert. Tunesien wurde somit eine Provinz des ottomanischen Reiches. Die neuen Herrscher zeigten aber an Tunesien wenig Interesse und ihre Rolle nahm ständig auf Kosten von lokalen Machthabern ab; es waren nur 4000 Janitscharen in Tunis stationiert. Im Jahre 1590 kam es zu einem Janitscharenaufstand, in dessen Resultat ein Dey an die Staatsspitze gesetzt wurde, dem ein Bey unterstellt war, der für die Verwaltung des Landes und die Steuereintreibung verantwortlich war. Der den Bey gleichgestellte Pascha hatte nur die Aufgabe, den ottomanischen Sultan zu repräsentieren. Im Jahre 1612 gründete Murad Bey die Dynastie der Muraditen, am 15. Juli 1705 machte Husain I. ibn Ali sich zum Bey von Tunis und gründete die Dynastie der Husainiden. Unter den Husainiden erreichte Tunesien, obwohl es offiziell noch immer ottomanische Provinz war, einen hohen Grad an Selbständigkeit; speziell unter Ahmad I. al-Husain, der von 1837 bis 1855 regierte und einen Modernisationsschub einleitete, in welchem wichtige Reformen wie die Abschaffung der Sklaverei oder die Annahme einer Verfassung durchgeführt wurden.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten, hervorgerufen durch eine ruinöse Politik der Beys, hohe Steuern und ausländische Einflussnahme, zwangen die Regierung 1869, den Staatsbankrott zu erklären und eine internationale englisch-französisch-italienische Finanzkommission ins Leben zu rufen. Aufrund seiner strategischen Lage wurde Tunesien schnell zum Zielpunkt der französischen und italienischen Interessen. Die Konsuln Frankreichs und Italiens versuchten, aus den finanziellen Schwierigkeiten der Beys ihre Vorteile zu ziehen, wobei Frankreich darauf vertraute, dass sich England neutral verhalten würde (England hatte kein Interesse daran, daß Italien den Seeweg über den Sueskanal in seine Kontrolle bringen würde), und auch darauf, dass Bismarck die Aufmerksamkeit Frankreichs von der Elsaß-Lothringen-Frage ablenken wollte.

Einfälle von Plünderern aus der Kroumirie in das Territorium Algeriens lieferten Jules Ferry den Vorwand, Tunesien zu erobern. Im April 1881 drangen französische Truppen in Tunesien ein und eroberten innerhalb von drei Wochen Tunis, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Am 12. Mai 1881 wurde Bey Muhammad III. al-Husain zur Unterzeichnung des Bardo-Vertrages gezwungen. Aufstände rund um Kairouan und Sfax einige Monate später wurden schnell erstickt. Das Protektorat wurde mit den Vertrag von la Marsa vom 8. Juni 1883 gefestigt. Sie räumten Frankreich weitreichende Befugnisse in der Außen-, Verteidigungs- und Innenpolitik Tunesiens ein. Frankreich vertrat in der Folge Tunesien auf dem internationalen Parkett, während es das Land gleichzeitig in sein Kolonialreich eingliederte. Der Bey musste fast seine gesame Macht an den Generalresidenten abgeben. Auf wirtschaftlichem Gebiet gab es jedoch Fortschritte: Banken und Unternehmen wurden gegründet, die landwirtschaftliche Nutzfläche erweitert und für den Anbau von Getreide und Oliven genutzt, der Phosphat- und Eisenerzabbau begann. Ein zweisprachiges Bildungssystem wurde eingeführt, das es den Eliten Tunesiens erlaubte, sich in arabisch und französisch fortzubilden.

Der Kampf gegen die französische Besetzung begann am Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Gründung der reformistischen Intellektuellenbewegung Jeunes Tunisiens im Jahre 1907 durch Béchir Sfar, Ali Bach Hamba und Abdeljelil Zaouche. Diese nationalistische Strömung offenbart sich in der Djellaz-Affäre 1911 und im Boykott der Straßenbahn von Tunis 1912. Von 1914 bis 1921 herrschte in Tunesien der Ausnahmezustand und jede antikolonialistische Presse wurde verboten. Trotzdem bekam die nationale Bewegung mehr Zulauf und zu Ende des ersten Weltkriegs wurde von einer Gruppe um Abdelaziz Thâalbi die Destour-Partei gegründet. Sie verkündete nach ihrer offiziellen Gründung am 4. Juni 1920 ein Acht-Punkte-Programm. Der Anwalt Habib Bourguiba, der schon vorher in Zeitschriften wie La Voix du Tunisien oder L’Étendard tunisien das Protektoratsregime angeprangert hatte, gründete 1932 zusammen mit Tahar Sfar, Mahmoud Materi und Bahri Guiga die Zeitschrift L'Action Tunisienne, welche neben der Unabhängigkeit auch für den Laizismus eintrat. Diese Position führte zur Spaltung der Destour-Partei auf dem Kongress von Ksar Hellal am 2. März 1934. Der islamistische blieb beim alten Namen Destour, während der modernistische und laizistische Flügel sich Néo-Destour nannte. Er verlieh sich eine moderne Organisation nach dem Vorbild europäischer sozialistischer Parteien und nahm sich als Ziel vor, die Macht zu ergreifen, um die Gesellschaft zu verändern. Nach dem Scheitern von Verhandlungen mit der Regierung Léon Blum kam es 1937 zu einigen blutigen Zwischenfällen, die in den gewaltsam niedergeschlagenen Unruhen vom April 1938 gipfelten.

Diese Unterdrückung führte dazu, dass der Néo-Destour seinen Kampf im Untergrund fortführte. 1940 lieferte das Vichy-Regime Bourguiba auf Verlangen Mussolinis an Italien aus, welcher sich erhoffte, damit die Résistance in Nordafrika zu schwächen. Bourguiba rief jedoch am 8. August 1942 zur Unterstützung für die Alliierten auf. Zur gleichen Zeit war das Land Schauplatz der Schlacht um Tunesien, in deren Resultat die Truppen des Dritten Reiches am 11. Mai zur Kapitulation am Cap Bon gezwungen wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der bewaffnete Widerstand Teil der Strategie zur nationalen Befreiung. Verhandlungen mit der französischen Regierung wurden geführt und Robert Schuman deutete 1950 sogar eine schrittweise Unabhängigkeit Tunesiens an; nationalistische Auseinandersetzungen führten 1951 jedoch zum Scheitern dieser Verhandlungen.

Nach der Ankuft des neuen Generalresidenten, Jean de Hauteclocque, am 13. Januar 1952 und der Verhaftung von 150 Destour-Mitgliedern am 18. Januar, begann eine bewaffnete Revolte, während sich die Fronten auf beiden Seiten verhärteten. Die Ermordung des Gewerkschafters Farhat Hached durch die kolonialistische Extremistenorganisation La Main rouge führte zu Kundgebungen, Unruhen, Streiks und Sabotageaktionen, wobei das Ziel immer mehr die Strukturen der Kolonisation und Regierung wurden. Frankreich mobilisierte 70.000 Soldaten, um die tunesischen Guerilla-Gruppen unter Kontrolle zu bringen. Diese Situation wurde erst mit der Zusicherung innerer Autonomie an Tunesien durch Pierre Mendès-France am 31. Juli 1954 entschärft. Am 3. Juli 1955 wurden schließlich von Tunesiens Premierminister Tahar Ben Ammar und seinem französischen Amtskollegen Edgar Faure die französisch-tunesischen Verträge unterzeichnet. Trotz des Widerstandes von Salah Ben Youssef, der in der Folge aus der Destour-Partei ausgeschlossen wurde, wurden die Verträge vom Kongress des Néo-Destour am 15. November in Sfax ratifiziert. Nach neuen Verhandlungen erkannte Frankreich am 20. März 1956 die Unabhängigkeit Tunesiens an, wobei es sich die Militärbasis in Bizerta behielt.

Am 25. März wurde die konstituierende Nationalversammlung des Landes gewählt. Die Néo-Destour gewann alle Sitze und Bourguiba übernahm den Parlamentsvorsitz. Am 11. April wurde er von Lamine Bey zum Premierminister angelobt. Am 13. August wurde das fortschrittliche tunesische Personenstandsgesetz erlassen. Am 25. Juli 1957 wurde die Monarchie abgeschafft, Lamine Bey musste abdanken, und Tunesien wurde eine Republik. Bourguiba wurde am 8. November 1959 zu ihrem ersten Präsidenten gewählt.

Am 8. Februar, mitten im Algerienkrieg, verletzten Flugzeuge der französischen Streitkräfte die tunesisch-algerische Grenze und bombardierten das tunesische Dorf Sakiet Sidi Youssef. 1961, als das Ende des Algerienkrieges absehbar war, forderte Tunesien die Rückgabe der Militärbasis von Bizerta. Die folgende Bizerta-Krise forderte etwa 1000 Todesopfer, davon die Mehrheit Tunesier. Sie endete mit der Rückgabe der Basis am 15. Oktober 1963.

Nach der Ermordung von Salah Ben Youssef, dem wichtigsten Oppositionellen seit 1955, sowie des Verbots der Kommunistischen Partei am 8. Januar 1963 wurde die tunesische Republik zu einem von der Néo-Destour geführten Einparteienstaat. Im März 1963 leitete Ahmed Ben Salah eine sozialistische Politik ein, unter welcher praktisch die gesamte tunesische Wirtschaft verstaatlicht wurde. Bereits 1969 wurde Ben Salah jedoch entlassen, nachdem es zu Unruhen wegen der Kollektivierung der Landwirtschaft gekommen war; das sozialistische Experiment war damit auch beendet. Die schwächelnde Wirtschaft und der von Muammar al-Gaddafi gepredigte Panarabismus führten zu einem 1974 gestarteten politischen Projekt, das Tunesien und Libyen unter dem Namen Arabische Islamische Republik vereinigen sollte. Dieses Projekt wurde jedoch nach nationalen und internationalen Spannungen wieder fallengelassen.

Die Verurteilung Ben Salahs zu einer hohen Gefängnisstrafe leitete eine Periode ein, in welcher der durch Ahmed Mestiri angeführte liberale Flügel der mittlerweile nach PSD umbenannten Partei die Oberhand gewann. Bourguiba wurde 1975 zum Präsidenten auf Lebenszeit ernannt, der Gewerkschaftsbund UGTT gewann während der Regierung von Hédi Nouira eine gewisse Autonomie und die Tunesische Menschenrechtsliga konnte 1977 gegründet werden. Die erwachende Zivilgesellschaft konnte auch durch die Gewaltakte gegen die UGTT am Schwarzen Dienstag des Januar 1978 und die Angriffe auf die Bergbaustadt Gafsa im Januar 1980 nicht mehr mundtot gemacht werden.

Zu Beginn der 1980er Jahre geriet das Land in eine politische und soziale Krise, deren Ursachen in Nepotismus und Korruption, in der Lähmung des Staates angesichts der sich verschlechternden Gesundheit Bourguibas, in Nachfolgekämpfen und einer generellen Verhärtung des Regimes zu suchen sind. Im Jahre 1981 erweckte die teilweise Wiederherstellung des pluralistischen Systems Hoffnungen, die jedoch bereits mit der Wahlfälschung im November des gleichen Jahres zerstört wurden. Die blutige Niederschlagung der Brot-Unruhen im Dezember 1983, die erneute Destabilisierung der UGTT und die Verhaftung ihres Vorsitzenden Habib Achour trugen dann zum Sturz des alternden Präsidenten und zum verstärkten Aufkommen des Islamismus bei.

Am 7. November 1987 setzte Ministerpräsident Zine el-Abidine Ben Ali den Präsidenten aufgrund von Senilität ab, was von der Mehrheit des politischen Spektrums begrüßt wurde. Ben Ali wurde am 2. April 1989 mit 99,27 der Stimmen gewählt und schaffte es in der Folge, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Ben Ali bekämpfte den radikalen Islamismus aktiv und ersparte Tunesien somit die Gewalt, die das benachbarte Algerien erschütterte; die Ennahda-Partei wurde neutralisiert, zehntausende militante Islamisten verhaftet und in zahlreichen Prozessen zu Beginn der 1990er Jahre verurteilt. Die laizistischen Oppositionellen gründeten 1988 mit dem Pacte national eine Plattform mit dem Ziel, das Regime zu demokratisieren. Die politische Opposition und Nicht-Regierungsorganisationen begannen derweil das Regime der Einschränkung von Bürgerrechten zu beschuldigen, indem sie die Repression über die Bekämpfung des radikalen Islamismus hinaus ausweitete. In den Präsidentschaftswahlen 1994 wurde Ben Ali mit 99,91% der Stimmen wiedergewählt; im Jahr 1995 unterzeichnete er ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Die Präsidentschaftswahlen am 24. November 1999 waren die ersten pluralistischen Wahlen in der Geschichte des Landes, wurden jedoch von Ben Ali mit einem ähnlichen Stimmenanteil wie in den vorangegangenen Wahlen gewonnen. Die Verfassungsänderung des Jahres 2002 steigerte noch den Machtumfang des Präsidenten. Im gleichen Jahr meldete sich der islamische Terrorismus mit dem Anschlag auf die Al-Ghriba-Synagoge zu Wort.

Seit 2008 ist Tunesien mit der Europäischen Union assoziiert.

Tunesien ist, gemäß seiner Verfassung, eine Präsidialrepublik. Gleichzeitig wird es von zahlreichen Nicht-Regierungsorganisationen und Politikwissenschaftlern als autoritäres Regime bezeichnet. Trotz der an Frankreich angelehnten Staatsorganisation fehlt es an politischer Transparenz, die Meinungsfreiheit ist nicht garantiert, es herrscht Zensur, die Justiz wird häufig von der Regierungspartei instrumentalisiert. Die politische Opposition wird eingeschüchtert, es gibt politische Gefangene, Folter und andere Menschenrechtsverletzungen. Von tunesischer Seite wird jedoch darauf verwiesen, dass der UN-Menschenrechtsrat die Bemühungen der tunesischen Regierung anerkannt hat, und ihr Fortschritte in den meisten Problemgebieten attestiert hat.

Die Exekutive Gewalt in Tunesien liegt in der Hand des Staatspräsidenten. Er wird direkt vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt und ist zugleich Oberbefehlshaber der Streitkräfte und ernennt den Premierminister. Die vom Premierminister geführte Regierung umfasst momentan 27 Minister. Die nächsten Präsidentschaftswahlen werden zu Ende des Jahres 2009 stattfinden.

Tunesien verfügt über ein Parlament, welches aus zwei Kammern besteht: Die Abgeordnetenkammer (Chambre des députés) mit für fünf Jahre gewählten 189 Mitgliedern. Das Wahlgesetz sieht vor, dass mindestens 20% der Parlamentssitze der Opposition zufallen. Die erst seit 2005 existierende Rätekammer (Chambre des conseillers) mit für sechs Jahre gewählten Räten. Die Räte werden indirekt, d.h. von der Abgeordnetenkammer, dem Präsidenten oder Gemeinderäten ernannt. Die einzige in dieser Kammer vertretene Partei ist die RCD. Die Gesetzesinitiative liegt beim Präsidenten oder beim Chambre des députés, wobei sie in der Praxis meist vom Präsidenten wahrgenommen wird.

Wahlberechtigt ist in Tunesien jeder tunesische Staatsbürger, welcher das 20. Lebensjahr vollendet hat und über seine Bürgerrechte verfügt.

Die Justiz ist formal unabhängig, reagiert aber auf Empfehlungen der Exekutive, besonders in politischen Fällen. Sie orientiert sich am französischen Vorbild, bezieht aber auch islamisches Recht mit ein. Es gibt verschiedene beratende Körperschaften: Staatsrat, Sozial- und Wirtschaftsrat, Konstitutionsrat und den höheren islamischen Rat.

Tunesien war lange Zeit nach seiner Unabhängigkeit ein Einparteienstaat, in welchem die Parti Socialiste Destourien (PSD) alle Macht innehatte. Ihre Nachfolgerin, der 1988 gegründete sozialistische Rassemblement constitutionnel démocratique (RCD) ist bis heute die dominierende Partei. Sie entsendet 152 der 189 Parlamentarier.

Folgende Parteien befinden sich in Opposition zur PSD: der sozialdemokratische Mouvement des démocrates socialistes (MDS), die sozialistische Parti de l'unité populaire (PUP), die arabisch-nationalistische Union démocratique unioniste (PDU), der kommunistische Mouvement Ettajdid, die liberale Parti social-libéral (PSL), die marxistische Parti démocrate progressiste (PDP) und die Grünpartei Parti des verts pour le progrès (PVP). Die islamistische Ennahda wurde von der Regierung niemals als Partei anerkannt und wird aktiv bekämpft.

Tunesien hat relativ niedrige Verteidigungsausgaben, die sich 2006 auf etwa 1,4% des BIP beliefen.. Es unterhält eine Armee, die 2002 aus 27.000 Mann bestand, eine Marine mit 4500 Mann und einer Luftwaffe mit 3500 Mann. Daneben gibt es eine paramilitärische Nationalgarde, die 12000 Mann umfasst.

Es besteht Wehrpflicht für alle Männer über 20, der Militärdienst dauert ein Jahr..

Tunesien ist Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrages, der Chemiewaffenkonvention und der Biowaffenkonvention. Das tunesische Militär beteiligt sich an den momentan laufenden UN-Missionen in Äthiopien und Eritrea (UNMEE) und im Kongo (MONUC).

Menschenrechtsaktivisten beklagen weiter die politische Repression in Tunesien. Ein Bericht von Human Rights Watch (HRW) warf der Regierung im Juli 2004 unmenschliche Behandlung zahlreicher politischer Gefangener vor: Vierzig unter ihnen, ausnahmslos Islamisten, die keinerlei Gewalttaten begangen hätten, würden zum Teil seit Jahren in Isolationshaft gehalten. Seit 1991 die Tunesische Menschenrechtsliga (LTDH) einen einzigen Gefängnisbesuch machen durfte, wurde keiner unabhängigen Menschenrechtsorganisation der Zugang zu den Haftanstalten mehr gewährt. Die Regierung reagierte auf den Bericht mit einer Einladung an den HRW und dem Versprechen, keinen Häftling länger als zehn Tage in Einzelhaft zu halten.

Im Oktober 2006 lancierte die Regierung eine Kampagne gegen die zunehmende Verbreitung des Kopfschleiers in der Öffentlichkeit. Sie bezeichnete den "Hidschab" als politisches Symbol. Die Sicherheitskräfte gingen daraufhin dazu über, Frauen auf der Straße zum Teil handgreiflich zum Abnehmen des Schleiers aufzufordern. Bereits seit 1981 ist das Tragen einer islamischen Kleidung auch in der Öffentlichkeit untersagt; das Verbot wurde aber bisher nie konsequent umgesetzt. Tunesien hat darüber hinaus ein ausgereiftes System für Internetzensur aufgebaut.

Zum Jahreswechsel 2006/2007 gab es auch in Tunis heftige Gefechte zwischen bewaffneten Islamisten und Sicherheitskräften. Dabei wurden offiziellen Angaben zufolge zwölf Terroristen und zwei Polizisten getötet, 15 Islamisten konnten festgenommen werden. Die Regierung versuchte zunächst, die Vorfälle herunterzuspielen; erst zwei Wochen später räumte man ein, dass es sich bei den Bewaffneten um eine radikal-islamische Gruppierung handelte, die mit Algerien in Verbindung stand. Später meldete die Polizei, bei den Festgenommenen Pläne für Angriffe auf die britische und US-amerikanische Botschaft sowie auf ein Einkaufszentrum in der Nähe des Flughafens gefunden zu haben. Mitte Mai 2007 erging gegen 30 Personen Anklage wegen terroristischer Umtriebe und Gefährdung der inneren Sicherheit. Tunesien gilt als ein Polizeistaat.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist seit 20 Jahren stetig gestiegen. Dies war aufgrund der politischen Stabilität und Kontinuität im Land möglich. Tunesien wird deshalb von der OECD als Schwellenland eingestuft. 2007 wuchs das BIP um 6,3 %. Für 2008 soll sich das Wachstum leicht abschwächen, aber noch oberhalb von 5% liegen. Problemfelder sind die steigenden Nahrungsmittelpreise, die zu sozialer Instabilität führen könnten, die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und die hohe Belastung des Staatshaushaltes durch Subventionen. Die Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen und 2006 einen Bestand von 21.779 Mio US$ erreicht. Die Arbeitslosenquote lag 2006 bei 14,3 %, die Inflationsrate bei 4,5 %.

Charakteristisch für die tunesische Wirtschaft ist die hohe Ausrichtung an Europa, sowohl was den Außenhandel, als auch was die Tourismusbranche betrifft. Das Land kann sich deshalb vom Konjunkturzyklus in der EU nicht abkoppeln. Zwischen 1999 und 2002 lag der Anteil der Staatsausgaben für das Gesundheitssystem bei 6 %, für das Bildungssystem bei 20 % und für das Militär bei 5 %.

Die Landwirtschaft beschäftigt 16% der Arbeitskräfte und erwirtschaftete 2007 einen Anteil von 11,5% am BIP. Im nördlichen Landesteil werden vor allem Getreide (Weizen, Gerste), Zitrusfrüchte, Datteln und Gemüse angebaut sowie Rinder gehalten. Charakteristisch sind die ausgedehnten Olivenkulturen; Tunesien ist einer der bedeutendsten Exporteure von Olivenöl. Bedeutend ist auch der Weinbau. Im Süden gibt es vereinzelt Oasenwirtschaft und extensive Viehzucht (Schafe, Ziegen).

Die Landwirtschaft verbraucht 80% des Süßwassers des Landes, die bewässerte Fläche ist von 65.000 Hektar (1956) auf heute 345.000 Hektar angestiegen. Der Sektor ist jedoch relativ unproduktiv und stagniert praktisch seit 1992; die Weltbank empfiehlt eine weitere Deregulierung, was jedoch mit den Armutsbekämpfungszielen der Regierung nicht vereinbar ist. Des Weiteren ist die Landwirtschaft von Desertifikation und Bodenerosion betroffen, jedes Jahr gehen 20.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche verloren. Nachdem die Weltmarktpreise für jene landwirtschaftlichen Produkte, auf deren Import Tunesien angewiesen ist, in den letzten Jahren stark gestiegen sind, hat die Regierung das Erreichen der Autarkie zum Ziel erklärt.

Im Jahr 2006 wurden in Tunesien fast 110.000 Tonnen Fisch produziert, das meiste davon in intensiv bewirtschafteten Küstengewässern. Die Regierung versucht, die Hochseefischerei zu entwickeln; die Kühl- und Hafeninfrastruktur dafür steht mittlerweile zur Verfügung.

Die wichtigsten Bodenschätze sind Phosphate, Erdöl, Gold, Erdgas, Eisenerze, Zink sowie Blei. Für Januar 2006 wurden die Erdölreserven Tunesiens auf 308 Millionen Barrel geschätzt. Im Jahr 2005 wurden täglich 75.000 Barrel Öl gefördert. Tunesien ist somit nur ein sehr kleiner Ölproduzent. In Tunesiens Erdöl- und Erdgasförderung wurde in den letzten Jahren viel investiert und die Förderung wird 2009 bei etwa 8,4 Millionen Tonnen Öläquivalent liegen. Das bedeutet eine Steigerung gegenüber 2005 von 50%. Dies hatte für das Jahr 2007 erstmals seit langem eine ausgeglichene Energiebilanz zur Folge. Neben eigener Förderung bekommt Tunesien kostenlose Gaslieferungen als Zahlung für die Pipeline von Algerien nach Italien, die über tunesisches Gebiet verläuft. Die eigene Förderung von Energieträgern hilft dabei, die Effekte der steigenden Weltmarktpreise für Energie abzumildern. Tunesien hat nur eine einzige Raffinerie, die in Bizerta liegt und von der Société Tunisienne des Industries de Raffinage (STIR) betrieben wird. Sie hat aber nur eine Kapazität von 34.000 Barrel pro Tag. Eine weitere Raffinerie in Skhira ist in Bau, sie wird eine Kapazität von 6 Millionen Tonnen pro Jahr haben.

Im Jahr 2006 wurden in Tunesien 12,85 Milliarden Kilowattstunden elektrische Energie erzeugt. Davon kamen 12,66 Milliarden aus konventionellen Wärmekraftwerken. Diese werden größtenteils mit Erdgas betrieben. Erneuerbare Energien spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle, vor allem wird in die Gewinnung von Energie aus Wind investiert. Die staatliche Société Tunisienne de l'Electricité et du Gaz (STEG) hatte bis 1996 ein Monopol auf die Stromerzeugung und -Vermarktung, und sie hat bis heute den größten Marktanteil. Sie gibt an, dass 96% des Landes Zugang zu elektrischer Energie hat.

Der Industriesektor machte 2005 29 % am BIP aus und 32 % aller Erwerbstätigen sind hier beschäftigt.

Der wichtigste Industriezweige ist die Textil- und Lederbranche. 40% aller Industrieunternehmen sind dieser Branche zuzurechnen, sie beschäftigen 43% der in der Industrie angestellten Arbeitskräfte und erwirtschaften 35% des Exportwerts. Die Textilindustrie hatte 2007 ein Wachstum von 5,6%, obwohl nach der Aufhebung des Multifaserabkommens eine Krise befürchtet worden war. Es ist zu erwarten, dass ein Teil der Unternehmen die jetzt stärkere Konkurrenz aus der Türkei, Ägypten und Fernost nich überleben wird. Für den Fall einer ernsthaften Krise der Textilindustrie werden Schwierigkeiten für die gesamte tunesische Wirtschaft und ernste soziale Konsequenzen befürchtet.

Die chemische Industrie ist vor allem auf die Verarbeitung der tunesischen Phosphatvorkommen ausgerichtet. Sie erhält momentan vom Weltmarkt, wo Phosphatdünger eine starke Nachfrage erleben, starke Impulse, weshalb mehrere Anlagen zur Herstellung von Phosphorsäure im Bau sind.

Der Maschinenbau- und Elektrotechniksektor hat in den Jahren an Bedeutung stark gewonnen, vor allem durch die Auslagerung der Produktion von Kfz-Teilen. Für die Bauindustrie wird ein Boom vorhergesagt, weil einige Großprojekte der Regierung und von arabischen Entwicklungsgesellschaften anstehen. Weiters ist die Nahrungs- und Genussmittelindustrie bedeutsam, sie konzentriert sich auf die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte des Landes.

Tunesien verfügt über ein Straßennetz von fast 19000 km, davon 257 km Autobahnen, fast 12500 km befestigter Straßen, der Rest unbefestigt. Der Bau der Straßen begann in den 1880er Jahren. Ab den 1920er Jahren begann man, die Küstenstraße (die heutige Route nationale 1) von Tunis über Sfax und Sousse nach Gabès zu bauen. Es folgte eine Vernetzung der Straßen im Norden des Landes, während das Landesinnere bis in die 1950er bis 1970er Jahre auf seine verkehrsmäßige Erschließung warten musste. Die erste Autobahn wurde 1986 eingeweiht.

Der Personenverkehr wird größtenteils per Straße abgewickelt, entweder per Bus, der vor allem von der staatlichen Société nationale de transport inter-urbain angeboten wird. Daneben sind Sammeltaxis beliebt, die in Tunesien louage genannt werden.

Tunesien hat 2145 Kilometer Eisenbahnstrecke, das größtenteils aus der Kolonialzeit stammt, und 200 Bahnhöfe. Der Fernverkehr und die Vorortebahn von Tunis werden von der staatlichen SNCFT betrieben, während die Société des transports de Tunis die TGM und die U-Bahn Tunis verwaltet.

Es gibt 30 Flughäfen in Tunesien, davon sieben internationale Flughäfen. Die wichtigsten sind Flughafen Tunis, Monastir und Djerba. Tunis bekommt einen neuen Flughafen, der 2009 in Betrieb gehen soll und eine Kapazität von 5 Millionen Passagieren haben soll wobei seine Endkapzität bei 30 Million Passagieren sein wird. Tunesien wird im Linien- wie im Charterverkehr von vielen europäischen Flughäfen aus direkt angeflogen. Neben der 1948 gegründeten nationalen Fluglinie Tunisair gibt es zwei weitere, private Fluggesellschaften, nämlich Nouvelair Tunisie und Karthago Airlines.

Tunesien hat Handelshäfen in Bizerta, Gabès, La Goulette, Radès, Sfax, Sousse, Skhira und Zarzis. Sie unterstehen alle der staatlichen Hafenbehörde Office de la Marine Marchande et des Ports, gelten aber als nicht besonders effizient. Im 100 km südlich von Tunis gelegenen Enfidha wird deshalb ein Tiefseehafen gebaut, der 1,4 Milliarden Euro kosten wird und 5 Mio TEUs pro Jahr umschlagen kann.

Logistik und Informationstechnologie sind die momentan am schnellsten wachsenden Wirtschaftsbereiche Tunesiens, das Wachstum betrug 2007 14%. Dieser Sektor hat auch in der langfristigen wirtschaftlichen Strategie der Regierung einen hohen Stellenwert. In den Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur sollen in den nächsten Jahren fast 4 Milliarden Euro investiert werden und es wird erwartet, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre der Anteil dieses Sektors am BIP auf 27,5% steigt. Bereits jetzt hat Tunesien einen sehr hohen Rang im Network Readiness Index; es liegt vor einigen EU-Staaten und nimmt unter den arabischen Staaten den zweiten Platz ein.

Für März 2008 wurde die Zahl der tunesischen Internetnutzer mit 1,77 Millionen angegeben, es gab 204.000 Internetanschlüsse, davon 106.000 ADSL-Anschlüsse.

Tunesien hat mit 1300 Kilometern Küste, zumeist mit Sandstrand, und einem reichen kulturellen Erbe ein großes touristisches Potential. Der Fremdenverkehr hat sich somit seit Anfang der 1970er Jahre auch zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt und erwirtschaftete 2007 14,7% des BIP. Hatte Tunesien 1971 221 Beherbergungsbetriebe mit 41.000 Betten, so waren es 2005 816 Betriebe mit fast 230.000 Betten. 2007 besuchten 6,7 Millionen Auslandsgäste Tunesien; die Einnahmen beliefen sich auf 3,05 Milliarden Dinar. Ziele sind Küstenorte wie Hammamet, Nabeul, Sousse und Port El-Kantaoui, Monastir sowie die Insel Djerba Erholung; von hier aus werden die Wüste Sahara im Süden erkundet oder archäologische Fundstellen wie Karthago, nahe der im Norden des Landes gelegenen Hauptstadt Tunis, besichtigt.

Etwas mehr als die Hälfte der Touristen stammen aus Europa, danach folgen die Nachbarländer Libyen und Algerien. 2001 besuchten etwa eine Million Touristen aus Deutschland Tunesien, diese Zahl hat sich seitdem um 50% reduziert. Das Tourismusministerium Tunesiens versucht, in Europa gezielt Werbung zu schalten, um das Land vom billigen Image zu befreien. Der Erfolg ist bisher ausgeblieben, direkte Konkurrenten am Tourismusmarkt wie Ägypten, Marokko oder die Türkei haben höhere Zuwächse an Besuchern und Umsätzen zu verzeichnen.

Die tunesischen Exporte stiegen im Jahr 2007 um 25% gegenüber dem Vorjahr, während die Importe um 22% zulegten. Diese Zahlen sind vor allem auf die leichte Abwertung des Dinar gegenüber dem Euro sowie auf die gestiegenen Preise für Rohöl, das exportiert, und für Ölprodukte, die reimportiert werden, zurückzuführen.

Europa ist für Tunesien der mit großem Abstand wichtigste Handelspartner: Etwa drei Viertel der Einfuhren stammen aus Europa, und für 80% der Ausfuhren ist Europa der Abnehmer. Frankreich, Italien und Deutschland sind, traditionell in dieser Reihenfolge, die bedeutendsten Handelspartner.

Die wichtigsten Importgüter sind Lebensmittel, Raffinerieprodukte, Maschinen, Fahrzeuge, Telekom- und IT-Ausrüstung sowie Stoffe und Leder. Exportiert werden Textilien und Lederprodukte, Rohöl, Phosphatdünger und Phosphorsäure sowie Einzelteile für Kraftfahrzeuge.

Die Handelsbilanz Tunesiens ist negativ: Das Land importiert mehr, als es exportiert. Das Defizit wird durch den Tourismus und die Zahlungen der Tunesier an die zu Hause gebliebenen Verwandten ausgeglichen, so dass das Leistungsbilanzdefizit 3% des BIP ausmacht, das durch Direktinvestitionen aus dem Ausland gestopft werden muss.

Seit 2008 sind alle Zölle für Industriegüter zwischen Tunesien und der EU abgeschafft. Tunesien bemüht sich auch um ein Freihandelsabkommen mit den USA und um den wirtschaftlichen Zusammenschluss mit Libyen, Algerien, Marokko und Mauretanien zur Arabischen Maghreb-Union. Bei beiden letzteren ist aber noch kein Ergebnis abzusehen.

Die Währungsreserven Tunesiens beliefen sich Ende Mai 2008 auf 8,6 Milliarden US$.

Tunesien ist bekannt für die große Zahl der erhaltenen römischen Mosaiken. Die bedeutendsten archäologischen Fundstücke werden im Museum Le Bardo aufbewahrt. In Tunesien befindet sich El Djem, das besterhaltene römische Amphitheater Nordafrikas. Es hat ein Fassungsvermögen von 45.000 Zuschauern und wird noch heute für Konzerte genutzt.

Da Tunesien über die Jahrhunderte mehrere Einwanderungswellen aus Arabien, Spanien, Frankreich, der Türkei, Westafrika und den Berber-Reichen erlebte, unterscheiden sich die Tunesier in ihrem Aussehen und Kulturleben etwas von anderen arabischen Kulturnationen, wie z. B. Saudi-Arabien, Jemen oder Libyen. Dies äußert sich im Stadtbild (z. B. Place de Barcelone in Tunis oder besonders das maurisch-andalusische Viertel Sidi Bou Saïd, Straßenbeschilderungen und Geschäftsschilder sind meistens auf französisch), in der Töpferei- und Keramikkunst (z. B. in Nabeul), zahlreichen Bauten verschiedenster Epochen (z. B. das Fort im Golf von Hammamet) und in der tunesischen Küche (z. B. Baguette, Käse, Croissant sowie einigen Berbergerichten wie z. B.: Brik und dem beliebten „Makkarona“ aus Italien).

In Tunesien spielt sich das Literaturleben in zwei Sprachen ab: in arabisch und französisch. Die arabische Literatur existiert seit dem 7. Jahrhundert, als die arabische Zivilisation sich auf das Gebiet Tunesiens ausbreitete; französischsprachige Literatur gibt es erst seit 1881. Heute hat die arabischsprachige Literatur ein höheres Gewicht als die französischsprachige: Von den 1249 literarischen Neuerscheinungen des Jahres 2002 waren 885 in arabisch; mehr als ein Drittel der Neuerscheinungen waren Kinderbücher. Alles in allem ist das literarische Schaffen in Tunesien also, trotz seiner langen Geschichte, heute sehr überschaubar. Wichtige tunesische Autoren sind Abu al-Qasim asch-Schabbi, Moncef Ghachem und Mahmoud Messadi, weitere finden sich in der Liste tunesischer Schriftsteller.

Die Musik Tunesiens ist das Resultat der kulturellen Vermischung aus arabisch-andalusischer Musik, die Flüchtlinge nach der spanischen Eroberung Andalusiens im 15. Jahrhundert mitbrachten, arabischer und westlicher Musik. Sie hat viele Facetten; die berühmteste klassische Musikrichtung ist der Malouf. Er wird von kleinen Orchestern gespielt, bestehend aus Violine, Trommel, Sitar und Laute (Oud). Klassische Gesänge haben bis heute Erfolg beim Publikum. Abgesehen von der Instrumentierung unterscheiden sich städtische und ländliche Musik kaum. Im städtischen Umfeld dominieren Saiteninstrumente wie das Rebec, der Oud und das Kanun sowie die Trommel (Darbouka). Im ländlichen Milieu und den Gesängen der Beduinen dominieren neben der Perkussion die Blasinstrumente wie der Mezoued und die Gasba.

Unter den bedeutendsten Sängern des Landes sind Saliha, Khemaïs Tarnane, Ali Riahi, Hédi Jouini, Latifa Arfaoui, Mohamed Jamoussi, Cheikh El Afrit und Dhikra Mohamed zu nennen. Unter den Instrumentalisten sind der Oud-Spieler Anouar Brahem, Lotfi Bouchnak, Salah El Mahdi, Ridha Kalaï, Ali Sriti und Youssef Slama die wichtigsten. El Azifet ist ein reines Frauen-Orchester, eine Seltenheit im arabischen Raum. Baron Erlanger ist eine wichtige Figur der modernen tunesischen Musik. Er sammelte die Regeln und Geschichte des Malouf, welches 6 Bände füllte, und gründete eine Rachidija, ein wichtiges Konservatorium, welches heute noch genutzt wird.

Die Bevölkerung Tunesiens wird heute auch von ausländischer Musik angezogen, wobei hier vor allem die ägyptische, libanesische und syrische Musik einflussreich sind. Westliche Musik kommt in Form von Rockmusik, Hip-Hop, Reggae und Jazz in das Land.

Teppiche, Webereien, Trachten, Lederverarbeitung, Holzverarbeitung, Metallverarbeitung (Schmieden, Kupfer), Schmuck, Korallen, Silber, Keramik, Töpferei, Glas, Mosaiken, Korbwaren aus Halfagras etc.

Der wichtigste und meistbetriebene Sport in Tunesien ist der Fußball, sowohl was die Zahl der ihn Ausübenden, als auch was die Berichterstattung betrifft. Danach folgen Taekwondo, Handball, Volleyball, Judo, Karate, Leichtathletik und Tennis. Alle anderen Sportarten, wie etwa der Radsport, sind wenig verbreitet, was an fehlender Infrastruktur, Ausrüstung und geringem Medieninteresse liegt.

Die tunesische Fußballnationalmannschaft kann bisher vier Weltmeisterschaftsteilnahmen (1978, 1998, 2002 und 2006) vorweisen, wobei sie jeweils jedoch in der Vorrunde ausschied. An der Fußball-Afrikameisterschaft nahm Tunesien 13 Mal teil und gewann den Titel 2004. 1963 konnte der Arab Cup im Libanon gewonnen werden. Bedeutende Spieler sind Zoubaier Baya und Yassine Chikhaoui.

Der Klub Espérance Sportive de Tunis ist der Rekordmeister der tunesischen Fußballmeisterschaft mit 20 Titeln. Der Verein Club africain war hingegen der erste tunesische Vertreter, welcher 1992 die CAF Champions League gewinnen konnte. Étoile Sportive du Sahel gelang dieser Erfolg als erstem tunesischen Vertreter nach der Neuorganisation dieses Wettbewerbs, am 9. November 2007, daneben hat noch der Club Sportif Sfaxien in regionalen und kontinentalen Wettbewerbs Erfolge verzeichnen können. Das wichtigste Fußballereignis ist das Hauptstadtderby zwischen Club africain und Espérance Sportive de Tunis, es findet zweimal jährlich statt und zieht jedes Mal mehr als 60 000 Zuschauer an.

Die wichtigsten Meisterschaften, die in Tunesien ausgespielt werden, sind die tunesische Fußball-, die Handball-, die Volleyball- und Basketballmeisterschaften. Cups werden im Fußball, Handball, Volleyball und Basketball ausgetragen. Daneben gibt es eine Tunesische Radsportmeisterschaft und, unregelmäßig, die Tour de Tunisie. Auch internationale Meisterschaften wurden in Tunesien bereits ausgetragen, etwa die erste Ausgabe der Junioren-Fußballweltmeisterschaft im Jahr 1977. Die Fußball-Afrikameisterschaft war in Tunesien 1965, 1994 und 2004 zu Gast. Darüber hinaus wurde die Handball-Weltmeisterschaft der Herren 2005 in Tunesien ausgetragen.

Im Mai 2007 waren in Tunesien 1673 Sportvereine registriert, davon 250 Fußball-, 206 Taekwondo-, 166 Karate-, 140 Behindertensport-, 85 Handball-, 80 Leichtathletik-, 66 Judo-, 60 Kung Fu-, 59 Kickboxing-, 48 Basketball-, 47 Pétanque-, 45 Tischtennis-, 40 Volleyball-, 37 Box-, 31 Schwimm- und 30 Tennisklubs.

Der bedeutendste Sportler des Landes ist der Leichtathlet Mohamed Gammoudi, welcher vier olympische Medaillen gewinnen konnte. Weltmeister, die aus Tunesien kommen, sind Anis Lounifi (Judo) und Oussama Mellouli (Schwimmen).

Für das Gesundheitssystem wurden im Jahr 2008 2% des BIP bzw. 8% der öffentlichen Ausgaben aufgewandt. Es ist relativ gut ausgebaut mit 968 Menschen pro Arzt, mehr als 90% der Bevölkerung sind sozialversichert, und die Lebenserwartung liegt bei 73,9 Jahren. Dank mehrerer Familienplanungs-Programme der Regierung liegt das Bevölkerungswachstum bei nur 1%. Die Kindersterblichkeit lag bei 18,4 pro 1000 Lebendgeburten. Die HIV-Prävalenz war 2006 0,11 der Bevölkerung.

Wer nach Tunesien reist, sollte gegen Tetanus, Diphtherie, Polio, Hepatitis A und Hepatitis B geimpft sein. Bilharziose-Erreger kommen in vielen Gewässern Tunesiens vor.

Es gibt in Tunesien zwei öffentliche Fernsehkanäle namens Tunis 7 und Tunis 21. Privates Fernsehen gibt es erst seit 2005, wo der Betrieb von Hannibal TV begann. Seit 2007 sendet weiters Nessma. Die Regierung betreibt vier nationale Radiostationen, nämlich Radio Tunis, Radio Tunisie Culture, Radio Jeunes und RTCI sowie fünf lokale Stationen. Seit 2003 gibt es Privatradio, momentan existieren drei Stationen, nämlich Mosaïque FM, Jawhara FM und Zitouna FM. Zitouna FM ist größtenteils religiösen Inhalten gewidmet. Die Programme aller dieser Sender werden größtenteils auf arabisch gesendet, ein kleinerer Teil ist auf französisch.

Im Jahr 2007 wurden in Tunesien 245 Tageszeitungen und Zeitschriften gezählt, wovon 90% von privaten Organisationen herausgegeben werden.

Die Meinungs- und Pressefreiheit wird von der Verfassung garantiert; in der Praxis jedoch übernehmen die Medien die Regierungslinie, die über die staatliche Nachrichtenagentur Tunis Afrique Presse verbreitet wird, und berichten kritiklos über die Arbeit des Staatspräsidenten, der Regierung, der regierenden Partei RCD. Die In Tunesien herrscht Zensur und die Regierung beeinflusst auch über die Vergabe von Förderungsgeldern die Berichterstattung der Medien.

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Schlacht um Tunesien

Anfangsphase der Kämpfe im Nordwesten

Die Schlacht um Tunesien wurde im Zweiten Weltkrieg von Februar bis Mai 1943 zwischen den Alliierten und den deutsch-italienischen Achsenmächten ausgetragen. Sie endete mit der Kapitulation der Achsenmächte in Nordafrika.

Nach der Niederlage der Achsenmächte bei El Alamein (November 1942) und der Landung alliierter Truppen in Marokko und Algerien (Operation Torch) zogen sich die deutschen und italienischen Verbände (Panzerarmee Afrika) nach Tunesien zurück, um dort sowohl dem anglo-amerikanischen Vormarsch aus dem Westen, als auch der aus Libyen vorrückenden 8. britischen Armee General Montgomerys zu begegnen.

Beginnend im November 1942 wurden mehrere deutsche und italienische Divisionen aus Frankreich und Italien nach Tunesien verlegt, wo sie in der 5. Panzerarmee unter dem Befehl von General Hans-Jürgen von Arnim zusammengefasst wurden. Diese standen von Ende November bis Dezember 1942 im Nordwesten Tunesiens in Kämpfen mit den aus Westen herannahenden alliierten Truppen, die nach Anfangserfolgen zum Rückzug der Alliierten führten. Diese bauten ihre Kräfte im Westen weiter auf und fassten sie zum Jahreswechsel unter dem Kommando der 1. britischen Armee unter General Kenneth Anderson zusammen, die später auf insgesamt vier Korps, davon zwei britische und je ein amerikanisches und französisches anwuchs.

Anfang Februar 1943 besetzte die vor der 8. britischen Armee zurückweichende 1. italienische Armee (ehemals Panzerarmee Afrika) unter General Giovanni Messe mit dem deutschen Afrikakorps den südlichen Teil Tunesiens und insbesondere die an der tunesisch-libyschen Grenze gelegene Mareth-Linie. Diese Linie hatte Frankreich zwischen 1936 und 1940 militärisch ausgebaut, um seine Kolonie Tunesien gegenüber der italienischen Kolonialmacht in Libyen zu schützen. Die beiden Armeen der Achsenmächte bildeten ab Ende Februar die Heeresgruppe Afrika unter GFM Erwin Rommel.

Als die britische 8. Armee ihren Vormarsch an der Mareth-Linie wegen Nachschubproblemen vorübergehend einstellte, griff Rommel umgehend die alliierten Angriffsspitzen im Westen an. Nach Rommels Planungen sollte der Angriff an der Nahtstelle zwischen britischen und amerikanischen Verbänden durchgeführt werden, mit dem Ziel, über den Kasserine-Pass auf Tebessa vorzustossen, um dann in der algerischen Ebene die alliierten Verbände zu umfassen, die die 5. Panzerarmee von Arnims bedrohten. Die 5. Armee sollte ihrerseits in Richtung Sidi Bou Zid und Bir El Hafey vorstoßen ("Operation Frühlingswind"), die deutsch-italienische Panzerarmee auf Gafsa ("Operation Morgenluft"). Am 14. Februar griffen die 10. und die 21. Panzerdivision Sidi Bou Zid an und zerstörten dort innerhalb weniger Stunden etwa 50 amerikanische Panzer. Ein amerikanischer Gegenangriff im Raum von Gafsa scheiterte am folgenden Tag an deutschen 88mm-Flugabwehrgeschützen und Panzerverbänden, wobei etwa 100 weitere US-Panzer vernichtet wurden und 1.400 Amerikaner in Gefangenschaft gerieten. Am 20. Februar nahmen Verbände der 10. und 15. Panzerdivision sowie italienische Bersaglieri den Kasserine-Pass nach schweren Kämpfen ein. In diesem entscheidenden Moment trafen von Arnims Panzer (21. Panzerdivision) zu spät ein. Das unzureichende Ineinandergreifen der Angriffe Rommels und von Arnims gaben den Alliierten die Gelegenheit, sich von den Rückschlägen am Kasserine-Pass zu erholen und mit Verstärkungen einen Gegenangriff zu starten. Rommel musste sich in dieser Lage zurückziehen, um der völligen Vernichtung zu entgehen. Am 25. Februar nahmen die Alliierten den Pass wieder ein. Bei diesen Kämpfen fielen 10.000 alliierte Soldaten (6.500 des II. US-Korps). Deutsche und Italiener verloren demgegenüber nur 2.000 Mann.

Nach den Kämpfen am Kasserine-Pass konzentrierte sich Rommel wieder auf die Mareth-Linie. An dieser 35 Kilometer langen Verteidigungslinie zwischen den Matmata-Bergen und dem Meer standen Anfang März 1943 vier deutsche Divisionen (90. leichte Division, 15. Panzerdivision, 21. Panzerdivision, 164. Infanteriedivision, dazu die Fallschirmjägerbrigade Ramcke) und fünf italienische Divisionen (Panzerdivision "Centauro", motorisierte Division "Trieste", Infanteriedivisionen "Pistoia" und "La Spezia", Schwarzhemden-Division "Giovani Fascisti"). Mit der "Operation Capri" sollten die alliierten Kräfte zwischen Medenine und der Mareth-Linie vernichtet werden, doch diese Pläne waren den Briten dank ihres Ultra Secret genauestens bekannt. Am frühen Morgen des 6. März griffen die drei deutschen Panzerdivisionen die britischen Stellungen an. Der geplante Vormarsch auf Medenine scheiterte an den von den Briten hier konzentrierten 400 Panzern und 500 Panzerabwehrkanonen. Nach 11 Stunden hatte Rommel 50 seiner insgesamt 150 Panzer verloren und stellte den Angriff ein. Einige Tage danach fand man bei einem gefangenen britischen Unteroffizier eine Karte, auf der der geplante deutsche Angriff genau eingezeichnet war (Datumsangabe: 4. März). Rommel wurde am 9. März durch von Arnim als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Afrika abgelöst.

Im Raum Gafsa befand sich die Panzerdivision "Centauro" (Gen. Calvi di Bergolo).

Im Südwesten stand das II. US-Korps des Generals George Patton, der auf Gafsa vorstossen sollte.

Am 16. März griffen die Alliierten sowohl im Süden als auch im Westen an. Die Verbände der 8. britischen Armee versuchten an der Mareth-Linie im Raum des Wadis Zig-Zaou einen Durchbruch. Obwohl 620 britische gegen nur 91 italienische Panzer zum Einsatz kamen, scheiterte der Angriff des XXX. Britischen Korps am italienischen Widerstand. Der Vormarsch von Pattons II. Korps biss sich 12 Tage an der italienischen Panzerdivision "Centauro" fest, die bei diesen Kämpfen fast völlig aufgerieben wurde. Ein alliierter Versuch (neuseeländische, französische und amerikanische Verbände), die italienische 1. Armee von der 5. deutschen Armee zu trennen, scheiterte bei El Hamma unter schweren Verlusten.

Die Briten nahmen die Mareth-Linie erst am 26. März 1943 ein, nachdem sich von Arnim und Messe dazu entschlossen hatten, ihre Verbände auf die Akarit-Linie (15 km nördlich von Gabès) zurück zu nehmen. Der Rückzug erfolgte unter schweren alliierten Bombardements. Mehrere Tausend Italiener gerieten dabei in Gefangenschaft, weil sie ohne Transportmittel zurückgelassen wurden.

Der alliierte Angriff auf die deutsch-italienischen Stellungen beim Wadi Akarit begannen in der Nacht vom 5. zum 6. April 1943 mit einer massiven Artillerievorbereitung. Danach griff Montgomery mit 500 Panzern an, denen nur mehr etwa 20 Panzer der 15. Panzerdivision gegenüber standen. Die schweren Kämpfe bei Akarit endeten nach enormen Verlusten bereits nach einem Tag. Danach zog sich die 1. italienische Armee auf die 250 km nördlich gelegene Linie Enfidaville-Mansour zurück.

Die 15. Panzerdivision mit ihren verbliebenen 15 Panzern wurde zusammen mit den Resten der Panzerdivision "Centauro" in Reserve gehalten.

Die Kämpfe bei Enfidaville begannen am 19. April wiederum mit einer massiven Artillerievorbereitung. Auf dem Takrouna wehrte das 1. Bataillon des 66. italienischen Infanterieregiments "Trieste" zusammen mit Einheiten des deutschen Panzergrenadierregiments 47 mehrere Angriffe weit überlegener alliierter Verbände ab. Erst nach tagelangen verlustreichen Kämpfen gelang es den Alliierten diesen strategisch wichtigen Hügel einzunehmen (im britischen Rundfunk rechtfertigte man damals die schweren Verluste damit, dass Italien auf dem Takrouna seine besten Soldaten eingesetzt habe). Am 22. April sowie am 27. und 29. April scheiterten alliierte Angriffe an der Küste an den Divisionen "Giovani Fascisti" und "Trieste", auf dem Gerbi an der Division "Pistoia".

Im Nordwesten begann der Angriff der 1. britischen Armee am 22. April. Südlich von Goubellat griff das IX. Korps mit zwei Panzerdivisionen und einer Infanteriedivision an, weiter nördlich das V. Korps mit zwei Divisionen. Diese Verbände versuchten fünf Tage lang vergeblich, entlang des Medjerda-Flusses auf Massicault vorzustoßen. Dennoch eroberten die Alliierten andere wichtige Positionen, die für die späteren Kämpfe von besonderer Bedeutung sein sollten. Südlich des britischen Sektors besetzte das XIX. französische Korps den Mt. Fkirine, etwas weiter nördlich arbeitete sich das II. Korps ab dem 23. April auf Mateur vor. Die Amerikaner zwangen die deutschen Verbände nach und nach zum Rückzug. Der entscheidende Angriff erfolgte am 6. Mai. Das IX. Korps trug hierbei entlang der Straße Medjez-Tunis die Hauptlast. Am 6. Mai flogen die alliierten Luftstreitkräfte 2.500 Einsätze, die stark geschwächten Luftstreitkräfte der Achsenmächte brachten es auf 60 Einsätze. Nachdem die beiden Panzerdivisionen des IX. Korps Massicault erreicht hatten, stießen sie sofort weiter in Richtung Tunis vor, um sich dann anschließend von Norden aus mit amerikanischen Kräften zu vereinigen, die in ihrem Abschnitt am 7. Mai ebenfalls durchgebrochen waren und unter anderem Bizerta erobert hatten. Auf Grund dieser Operationen wurden drei deutsche Divisionen eingekreist, die sich am 9. Mai ergaben.

Nachdem die alliierten Verbände Tunis und Bizerta eingenommen hatten, konnten sich Italiener und Deutsche nur noch auf Cap Bon und bei Enfidaville halten. Enfidaville wurde am 9. Mai auch von Norden aus angegriffen.

Am 13. Mai 1943 um 12:30 Uhr kapitulierte als letzter Großverband die italienische 1. Armee unter ihrem Oberbefehlshaber Feldmarschall Giovanni Messe.

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Fußball-Weltmeisterschaft 1998/Tunesien

Dieser Artikel behandelt die tunesische Fußballnationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998.

Mit großen Hoffnungen, die Misserfolge der 1990er zu beenden, ging das junge englische Team um David Beckham in die WM 1998 und dem Weltmeister von 1966 gelang ein Auftaktsieg gegen Tunesien. Im zweiten Spiel sollte jedoch Rumänien seine Leistung von vor 4 Jahren bestätigen. In einem äußerst spannenden Spiel sorgte Petrescus Treffer für einen Sieg in letzter Minute gegen die englische Mannschaft. Trotz des folgenden müden 1:1 gegen Tunesien sicherte sich Rumänien damit vor England den ersten Platz. Kolumbien fand nie wirklich in das Turnier und so beendete die Elf um Altstar Valderrama das Turnier mit 3 Punkten auf Platz 3.

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Fußball-Weltmeisterschaft 1978/Tunesien

Dieser Artikel behandelt die tunesische Fußballnationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft 1978.

Tunesien gewann 4:2 im Elfmeterschießen.

Als leicht wurde die Gruppe 2, in die Deutschland gelost wurde, vorab eingeordnet. Polen, Mexiko und Tunesien schienen auf dem Papier wahrlich nicht unüberwindbar zu sein. Das Eröffnungsspiel gegen den vermeintlich stärksten Gegner Polen, dem WM-Dritten von vor vier Jahren, geriet jedoch zu einem miesen 0:0-Kick, wobei beide Teams nur noch Schatten der vor vier Jahren so erfolgreichen Mannschaften waren. Gegen ein völlig verunsichertes Mexiko, das zuvor Tunesien 1:3 unterlag, gelang dann zwar ein 6:0-Kantersieg, doch das glückliche 0:0 gegen die Nordafrikaner im letzten Gruppenspiel warf das deutsche Team wieder zurück. Polen hatte zudem nach dem Eröffnungsspiel seine Hausaufgaben gemacht (1:0 gegen Tunesien und 3:1 gegen Mexiko) und wurde Gruppensieger. Die Deutschen, die auf Legionäre wie Beckenbauer (Cosmos New York), Stielike (Real Madrid) und zwischenzeitig Zurückgetretene (Paul Breitner) verzichteten, hatten auch für die Spielmacher der frühen Siebziger, Overath und Netzer, trotz Hansi Müller, Heinz Flohe und Erich Beer keinen vollwertigen Ersatz. Enttäuschend blieb auch der Angriff, wo Rummenigge, Fischer, Dieter Müller und Abramczik kaum Normalform erreichten.

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Source : Wikipedia