Tourismus

3.3883895131196 (2670)
Geschrieben von bishop 11/03/2009 @ 20:13

Tags : tourismus, wirtschaft, reise, freizeit

Neueste Nachrichten
Pfingsten stellt Tourismus-Branche zufrieden - Ostsee Zeitung
Rostock (dpa/mv) - Blauer Himmel, Sonne und volle Strände: Das Pfingstwochenende hat die Erwartungen der Tourismus-Branche voll erfüllt. «Im Land war richtig viel los», sagte der Sprecher des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Tobias Woitendorf...
Berlin wirbt in Krise um sparsame Touristen - WELT ONLINE
Berlin (dpa/bb) - Berlin will in der Wirtschaftskrise verstärkt um sparsame Touristen aus Deutschland werben. An diesem Samstag wird dafür eine neue Kampagne unter dem Motto «Von Berlin hat man mehr» mit Anzeigen, Plakaten und im Internet gestartet,...
Fünf Jahre Bonifatius-Route durch Vogelsberg - "Gut in Tourismus ... - Osthessen News
Die Route passe hervorragend ins Tourismus-Konzept der Region. Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung des 17. mittelhessischen Kultursommers wurde das Vereinsjubiläum am vergangenen Samstag in Altenstadt im Wetteraukreis gefeiert....
Italien fördert Tourismus mit Kredit über 1,4 Milliarden Euro - tt.com - Wo's Click macht
Italien will seine Tourismus-Branche durch günstige Kredite mit einem Gesamtvolumen von 1,4 Milliarden Euro stützen. Rom - Ministerpräsident Silvio Berlusconi sagte am Sonntag, eine entsprechende Übereinkunft sei mit den Banken des Landes erzielt...
Touristen auf der Suche nach der Mauer in Berlin - WELT ONLINE
Mai 2009, 07:19 Uhr Sie ist einer der größten Touristen-Magnete in der Hauptstadt, obwohl sie physisch so gut wie gar nicht mehr vorhanden ist: die Berliner Mauer. 1989 fiel sie und jetzt, 20 Jahre danach, hört man Berlin-Besucher immer häufiger...
Zukunftsbranche Tourismus - stadtleben.de Darmstadt
Die Wachstumschancen in der Zukunftsbranche Tourismus können nur durch Spitzenqualität genutzt werden - dies sprach Wirtschaftsstaatssekretär Steffen Saebisch gestern im darmstadtium. Dort traf sich die hessische Tourismusbranche - zum ersten Mal in...
(Feiertagszusammenfassung) Nach Opel streitet Politik über ... - Ad-Hoc-News (Pressemitteilung)
Berlin/Essen (ddp-nrw) Nach der Einigung auf eine Lösung zur Rettung des angeschlagenen Autoherstellers Opel ist in der Politik ein heftiger Streit über Hilfen für den von Insolvenz bedrohten Tourismus- und Warenhauskonzern Arcandor entbrannt....
SPD-Abgeordnete wollen CCS-Gesetz stoppen - Wir Klimaretter
Zur Begründung führten sie an, das Vorhaben schade dem guten Ruf der Region und dem Tourismus. Zudem sei ein solcher Eingriff in die Natur mit Unsicherheiten verbunden. Nach den Plänen von Vattenfall soll das ab 2015 im künftigen...
Ältere Generation als Zielgruppe ans Herz gelegt - Main Post
Professor Karl Born, der an der Hochschule Harz in Wernigerode Tourismusmanagement lehrt, forderte von allen Beteiligten im Tourismus ein bedingungsloses Eingehen auf die Wünsche der Kunden. Deren Ansprüche hätten sich gewandelt....
Versuch gegen Nazi-Tourismus - n-tv
Es hätte so schön sein können: Mit einem Luxushotel wollte die damals noch allein in Bayern regierende CSU den Nazi-Tourismus im Berchtesgadener Land eindämmen. Ex-Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) sprach vom "Zwei-Säulen-Konzept"....

Tourismus

Ein großer Teil des zunehmenden Flugverkehrs dient dem Tourismus

Tourismus ist ein Überbegriff für Reisen, die Reisebranche und das Gastgewerbe und seit den 1980er Jahren gebräuchlich. Bis dahin wurde der Wirtschaftszweig bzw. das Gesellschaftsphänomen als Fremdenverkehr bezeichnet. Die Branche zählt weltweit zu den größten Wirtschaftszweigen. 2004 wurden nach Angaben der Welttourismusorganisation in diesem Bereich Erlöse von etwa 623 Milliarden US-Dollar erzielt. Mit weltweit rund 100 Millionen Beschäftigten gilt der Tourismus als einer der bedeutendsten Arbeitgeber. Grenzüberschreitende Reisen machen 25 bis 30 Prozent des Welthandels im Dienstleistungsbereich aus.

Der Begriff Tourismus (engl. tourism, frz. tourisme, ital. turismo, span. turismo, port. turismo, niederl. toerisme, schwed. turism, finn. turismi, norweg. turisme, slowen. turizem, dän. turisme, türk. turizm) geht zurück auf das französische Substantiv le tour (= Reise, auch Rundgang, Spaziergang), ist aber erstmals um 1800 im Englischen belegt; im Französischen taucht er 1816 auf und im Deutschen um 1830.

Die französischen Worte tourisme und touriste wurden als offizielle Begriffe erstmals vom Völkerbund verwendet, um Reisende zu beschreiben, die mehr als 24 Stunden im Ausland verbringen. Der Völkerbund hatte Französisch als Verkehrssprache.

Das Englische und das Französische kennen nur diesen Begriff für „Tourismus“, das Deutsche hingegen auch noch den älteren Begriff Fremdenverkehr. Im deutschen Sprachgebrauch tauchte die Bezeichnung „Tourismus“ in den 1960er Jahren auf. Seit den 1980er Jahren wurden die Bezeichnungen vieler offizieller Fremdenverkehrsinstitutionen im deutschen Sprachraum auf den Begriff Tourismus umgestellt, da man Gäste nicht länger als Fremde bezeichnen wollte. Um 2000 tauchte der Tourismus in der Wortprägung Kriminaltourismus mit negativer Konnotation auf. Zwischen Fremdenverkehr und Tourismus besteht heute kein Unterschied.

Tourismus kann folgendermaßen definiert werden: Die in einem bestimmten Ort bzw. Gebiet durch den Zustrom von Fremden bzw. nicht dort Ansässigen (Freizeitreisende, Geschäftsreisende, Tagestouristen) entstehende wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderung und die daraus dort und anderswo resultierende Industrie oder Tätigkeit. Aus beruflichen Gründen täglich in einen anderen Ort fahrende Unternehmer oder Arbeitskräfte („Pendler“) werden hier nicht erfasst.

Touristen sind Personen, die zu Orten außerhalb ihres gewöhnlichen Umfeldes reisen und sich dort für nicht mehr als ein Jahr aufhalten aus Freizeit- oder geschäftlichen Motiven, die nicht mit der Ausübung einer bezahlten Aktivität am besuchten Ort verbunden sind.

Das Bildungswesen bleibt bei diesen Definitionen weitgehend ausgeklammert. Befindet sich ein Student, der aus seinem Wohnort für zehn Monate in ein Studentenheim einer Universitätsstadt zieht, dort aus „geschäftlichen Motiven“? Bejaht man diese Frage, so kann man seine 300 Nächtigungen in diesem Heim ohne Weiteres in die Tourismusergebnisse der Universitätsstadt aufnehmen. In der praktischen Anwendung der Definitionen bestehen in Europa unterschiedliche Vorgangsweisen, soweit eine amtliche Tourismusstatistik überhaupt geführt wird.

In dieser Definition zeigt sich bereits klar, dass der Fremdenverkehr schon damals als ein Gesamtsystem von Beziehungen und Erscheinungen betrachtet wurde und nicht nur einen Verkehrsvorgang oder einen wirtschaftlichen Tatbestand darstellt. Allerdings war der Geschäftsreise-Fremdenverkehr in dieser Definition noch nicht mit einbezogen.

Freizeit ist jener inhaltlich selbst zu bestimmende Anteil unseres Lebens, der in starker Abhängigkeit zum fremdbestimmten Anteil, der Arbeitszeit, zu sehen ist. Dazu Jost Krippendorf in „Freizeit und Tourismus“ (Hoffmann, 1981): Freizeit ist jener schmale, frei disponible Zeitraum, in dem die freie Zeit für das Individuum Freiheit bedeuten könnte …". Bei Arbeitslosigkeit sowie vor und nach dem Arbeitsleben ist dieser Zeitraum allerdings keineswegs schmal.

Waren es anfangs praktische Gründe wie Nahrungsplätze, Wasser oder Naturkatastrophen, die Menschen zu Reisenden werden ließen, so änderten sich die Gründe nach dem Sesshaftwerden des Menschen. Schon im alten Ägypten gab es Wallfahrten zu den Tempeln der Gottheiten. Reiche Römer besaßen Güter in den Provinzen, die sie von Zeit zu Zeit besuchten.

Nach der Völkerwanderung erholten sich die Länder nur langsam von ihren wirtschaftlichen und politischen Niedergängen. Doch schon früh entwickelte sich zunächst aus kirchlichen Motiven ein reger Wallfahrts-Fremdenverkehr (Tourismus war das damals noch nicht!). Entlang dieser Pilgerwege entstanden aber auch Handelszentren, die wiederum Handelsreisende hervorbrachten. Auch Seewege entwickelten sich zu Reisewegen, hier sei die Seerepublik Venedig erwähnt. Die Serenissima hatte regelmäßige Schiffsverbindung mit Konstantinopel, Marco Polo reiste am Landweg nach China.

Christliche Pilger waren bis vor wenigen Jahrhunderten auf Kost und Logis in kirchlichen Herbergen angewiesen, da sie meist über kein Vermögen verfügten. Richtig Reisen war lange Zeit nur einem kleinen Teil der Bevölkerung vorbehalten, der auch über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügte. Insbesondere Reisen zu Bildungszwecken waren weitgehend ein Privileg des Adels, der seine Söhne auf sog. Kavaliersreisen schickte, sowie später auch des gehobenen Bürgertums. Erholungsreisen kannte man nicht. Diese kamen erst im 19. Jahrhundert auf. Dabei ist die Industrielle Revolution als der entscheidende Wendepunkt anzusehen. Während die Reisen vor der Industriellen Revolution immer einen bestimmten Zweck erfüllen sollten, war jetzt das Reisen selbst der Zweck. Thomas Cook gilt als der Erfinder der Pauschalreise.

Auch in anderen Kontinenten bewirk(t)en Pilger oft beträchtliche Reiseströme, so z. B. die Hadsch genannten Pilgerreisen frommer Muslims nach Mekka oder die Treffen von Hindus zum rituellen Bad im Ganges.

Die Geschichte des Tourismus ist mit der Geschichte des Reisens größtenteils identisch. Allerdings gab es durchaus regionale Unterschiede in der Entwicklung. Der Alpinismus, der Ende des 18. Jahrhunderts auf dem europäischen Kontinent stärker einsetzte, brachte bescheidenen Fremdenverkehr zunächst in der Schweiz, im 19. Jahrhundert auch in Österreich (am 28. Juli 1800: Erstbesteigung des Großglockners, dann 1856: Besuch von Kaiser Franz Joseph I. mit seiner Gattin Elisabeth der Franz-Josefs-Höhe), um die Wende zum 20. Jahrhundert in Küstenorten wie Nizza, Grado und Abbazia.

Das Recht auf Urlaub (Urlaubsanspruch) ist etwa seit 1880 bekannt. Nach § 24 der Menschenrechtskonvention gibt es das Recht auf Erholung. Sogar die UdSSR hatte in einer ihrer letzten Verfassungen im Artikel 41 die Förderung des Tourismus ausdrücklich erwähnt.

Im deutschsprachigen Raum war im 20. Jahrhundert das organisierte Reisen des Kraft durch Freude-Programms der Nationalsozialisten der erste Ansatz für Massentourismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es zunächst noch schwierig, überhaupt reisen zu können. Die Zonengrenzen der alliierten Besatzungszonen waren für die Mehrheit der Bevölkerung unpassierbar. Anfang der 1950er Jahre setzte dann aber ein Anstieg der Reisetätigkeit aller Bevölkerungsschichten ein, auch weil infolge der technischen und sozialen Entwicklung die Freizeit deutlich zunahm. Für den Tourismus in der DDR siehe den Hauptartikel Tourismus in der DDR.

In den 1970er Jahren bremste die Ölkrise vorübergehend den Aufschwung. Dann aber führte der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung in Europa zum neuen Phänomen des Massentourismus.

Der Anstieg des Tourismus kann in den bereisten Ländern und Regionen gravierende Folgen für die einheimische Bevölkerung, für Natur und Kultur haben.. Für die Touristen wird dabei oft eine entsprechende Infrastruktur (Hotelanlagen, Straßen, Transportmöglichkeiten bis hin zu eigens gebauten Flughäfen) errichtet. Naturerhaltung, Kultur und traditionelle Strukturen können dabei zu kurz kommen. Gleichzeitig kommt die neugeschaffene Infrastruktur auch der einheimischen Bevölkerung zugute.

Tourismus entsteht oft in abgelegenen bislang landwirtschaftlich genutzten Regionen. Dadurch kann ein direkter Wandel von einer Agrargesellschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft stattfinden. Die Folge kann eine Verschiebung von traditionellen Strukturen sein (z. B. Macht- und Besitzverhältnisse, Geschlechterrollen). Der Kontakt zwischen Einheimischen und Touristen kann auf Seiten der einheimischen Bevölkerung zu geänderten Konsummustern und Werthaltungen führen.

Je stärker die Anpassung an die Erfordernisse der Tourismuswirtschaft erfolgt, desto eher werden lokale kulturelle Traditionen nur noch als Show und Inszenierung für die Touristen weiter geführt. Der Tourismus wird so zur Monokultur, dem sich ganze Landstriche aus Profitgründen unterordnen. Der Tourismus ist damit, wie auch die Unterhaltungsindustrie, Teil der ökonomischen Globalisierung, die in vielen Teilen der Welt zu einer „Verwestlichung“ führt. Touristen reisen in als solche beworbene und wahrgenommene „exotische (Urlaubs-)Paradiese“ und tragen gerade dadurch mit dazu bei, dass die kulturellen Eigenheiten dieser Länder zurückgedrängt werden. Das „Fremde“ wird den Wünschen der Gäste und den Vorgaben der Reiseveranstalter angepasst und damit letztlich zur Kulisse.

Dies kann man durchaus als Teufelskreis bezeichnen. Denn die Touristen wiederum spüren, dass die traditionelle Gastfreundschaft der Einheimischen vielerorts pragmatischem Geschäftssinn gewichen ist. Sie beklagen sich über „Touristenfallen“ und den Verlust der Ursprünglichkeit des Reiseziels.

Beträchtlich sind auch die Schäden an Umwelt und Natur: Zu nennen ist zunächst die durch die Reisetätigkeit hervorgerufene Luftverschmutzung. Die Schwefeldioxid- und Kohlenmonoxid-Belastung selbst in kleineren Fremdenverkehrsorten wie Davos oder Grindelwald erreicht oft das sonst nur in Großstädten übliche Niveau und überschreitet bisweilen die in den USA zulässigen Grenzwerte. Über die Auswirkungen emissionsintensiver Verkehrsmittel wie Auto und Flugzeug wird allerdings noch heftig gestritten.

Aber auch Wasser und Boden sind vielfachen Belastungen etwa durch das Öl von Sportbooten, aber auch die Sonnenschutzmittel Badereisender ausgesetzt. Ein zunehmendes Problem stellt der von Touristen zurückgelassene Müll dar. Er fällt im Urlaubsort in größeren Pro-Kopf-Mengen an als zuhause. In Gebirgsgegenden etwa oder an Stränden kann dieser häufig nur mit ungleich höherem Aufwand entsorgt werden als in den guten Infrastrukturen der Städte. Die allein in den österreichischen Alpen zurückgelassene Abfallmenge wird auf jährlich ca. 4.500 Tonnen geschätzt, die Abwassermenge auf 90.000 Kubikmeter.

Weiterhin führt Tourismus zum verstärkten Verbrauch natürlicher Ressourcen: So bringt etwa die Lebensweise westlicher Touristen in vielen Reiseländern mit den notwendigen Klimaanlagen, Swimmingpools und Golfanlagen einen problematischen Anstieg des Energie- und Wasserverbrauchs mit sich. Letzterer verursacht häufig ein Absinken des Grundwasserspiegels mit all seinen Konsequenzen für die örtliche Trinkwasserversorgung, die Bewässerung in der Landwirtschaft und die Verödung von Landstrichen.

Schließlich beeinträchtigt Tourismus vielfach auch bestehende Naturräume, Biotope und Ökosysteme, und damit die Lebensgrundlage für Tiere und Pflanzen. Teilweise ist dies auf die mit der Errichtung von Unterkünften und Ferienanlagen typischerweise verbundene Bodenversiegelung zurückzuführen. Zu nennen sind auch die durch Rodungen für Skipisten bedingte Erosion, die Schädigung von Wasserbiotopen durch Segler, Surfer und Taucher, sowie die Störung der einheimischen Tierwelt etwa durch Mountainbiker, Langläufer und Tiefschneefahrer.

Genannt sei in diesem Zusammenhang schließlich auch die ästhetische Verunstaltung gewachsener Natur- und Kulturlandschaften durch touristische Infrastrukturen (Beispiele: Teile der spanischen Küste, der Insel Mallorca, Teile der türkischen Mittelmeerküste).

Nicht vergessen werden darf allerdings auch, dass die ökonomischen Interessen der mächtigen und finanzstarken Tourismuswirtschaft vielfach aber gerade auch zum Schutz und Erhalt gefährdeter Naturräume beigetragen haben. Eine intakte und ästhetisch reizvolle Umwelt ist ein vielbeworbenes Angebot im Tourismus. So wurden etwa Feuchtgebiete auf Jamaika und kanadische Wälder ebenso aus touristischen Erwägungen erhalten und geschützt wie afrikanische Großwildbestände oder Bauernhäuser in der Toskana. In vielen Ländern hat die Natur erst durch den Tourismus einen materiellen Wert bekommen und konnte so geschützt werden. Der Fremdenverkehr hat vielerorts vom Niedergang bedrohte Wirtschaftszweige erhalten und - wie etwa in den Westalpen - der Entvölkerung ganzer Landstriche entgegengewirkt.

Seit Beginn der 1980er Jahre entstand eine Gegenbewegung zum Massentourismus, der Sanfte Tourismus. Dabei sollen Vorstellungen eines umwelt- und sozialverträglichen Reisens zu einer Lösung, zumindest aber einer Entschärfung der mit dem Tourismus verbundenen Probleme beitragen. Er fördert die nachhaltige Nutzung touristischer Gegebenheiten, Respekt vor den kulturellen Traditionen der bereisten Länder und einen schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen.

Während Hauptträger dieser Bewegung eher problembewusste Individualreisende sowie kleinere alternative Reiseveranstalter sind, werden einzelne Elemente aber auch - schon aus Imagegründen - von den etablierten Marktführern im Tourismus aufgegriffen. Inzwischen ist der Begriff „Sanfter Tourismus“ durch den Begriff nachhaltiger Tourismus abgelöst worden.

Mit seinen klaren Grundsätzen zur Förderung von benachteiligten Produzenten und Arbeitnehmern eröffnet der Faire Handel auch im Tourismus einen konkreten Weg für eine sozial gerechte und nachhaltige Entwicklung. Dazu hat der Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung zusammen mit Partnern aus Süd und Nord Konzeptarbeit geleistet und anhand von Praxisbeispielen Grundlagen entwickelt, die den Aufbau des zukunftsweisenden Fairen Handels im Tourismus ermöglichen. Analog zum Fairen Handel bei Produkten hat der Faire Handel im Tourismus zum Ziel, die Lebensbedingungen von Tourismusangestellten und Kleinunternehmern zu verbessern, ihre Lebensgrundlagen zu sichern und ihnen eine würdige Existenz zu ermöglichen.

Zentral für den Fairen Handel im Tourismus ist ein gerechter Austausch zwischen allen beteiligten Akteuren. Dazu sind alle Akteure gefordert, auf ihrer jeweiligen Ebene fair zu handeln, Transparenz über ihre Aktivitäten zu schaffen und im vollen Respekt von Demokratie und Partizipation gleichberechtigte, partnerschaftliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Produkte des Fairen Handels sind in der Regel durch ein Label gekennzeichnet, das Konsumenten gegenüber die Einhaltung der Fairtrade-Kriterien deklariert. Unter der Vielzahl an Labels im Tourismus zertifiziert erst ein einziges, nämlich das Gütesiegel von Fair Trade in Tourism South Africa (FTTSA), Angebote wie Hotels und Ausflüge nach den Grundsätzen des Fairen Handels. Derzeit laufen auf internationaler Ebene erste Abklärungen, ob und wie im Rahmen des für die Fairtrade-Zertifizierung weltweit maßgeblichen Dachverbandes Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) der Tourismus bewertet werden kann. Ziel der Entwicklung des Fairen Handels im Tourismus ist nicht, einfach eine neue Nische zu schaffen, sondern konkret den Weg zu weisen, wie die gesamte Tourismusbranche sozial gerechter wirtschaften kann. Die Herausforderung ist dabei, einen Tourismus zu realisieren, der umfassend – ökonomisch, ökologisch und sozial – nachhaltig ist bzw. zur nachhaltigen Entwicklung beiträgt und den Erwartungen der Reisenden nach einem attraktiven erholsamen Urlaub ebenso nachkommt wie denjenigen der Einheimischen am Reisezielort nach neuen Einkommen, dem Respekt ihrer Lebensgrundlagen und kulturellen Vielfalt sowie ihrer Würde.

Prognosen über die Entwicklung des Tourismus begegnen erheblich größeren Schwierigkeiten als in anderen Wirtschaftszweigen. Zum Teil hängt dies damit zusammen, dass zentrale ökonomische Begriffe im Tourismusbereich oft weniger eindeutig definiert sind. Schwieriger zu fassen ist bereits das touristische Produkt: Nachgefragt werden von den Reisenden nämlich nicht nur materielle Leistungen wie Unterkünfte oder Transfers, sondern auch immaterielle „Attraktionen“ wie Sehenswürdigkeiten, reizvolle Landschaften, bestimmte Wetterverhältnisse, Urlaubsglück und Erholung, Stimmungen und Träume aller Art, die schwer herzustellen und zu erneuern sind und sich ökonomischer Bewertung zu entziehen scheinen.

Auch der touristische Konsum lässt sich nur schwer quantifizieren, werden doch viele von Touristen nachgefragte Waren und Dienstleistungen wie etwa Leistungen der Gastronomie und des Verkehrsbereichs auch von Einheimischen genutzt, ohne dass eine Abgrenzung möglich wäre. Auch fehlt es an zuverlässigen Methoden den Kapitaleinsatz zu berechnen. Die Tourismuswissenschaft ist jedoch dabei, solche Methoden zu entwickeln.

Die Unschärfe der Begriffe erschwert auch die Erhebung einer verlässlichen Datenbasis. Als weitere Unwägbarkeit kommt hinzu, dass das Nachfrageverhalten der Touristen in weitaus stärkerem Maße von irrationalen, subjektiven Determinanten bestimmt wird als das anderer Marktteilnehmer. In die Entscheidung fließen oft diffuse, von Zeitströmungen, Modetrends und kulturellen Prägungen abhängige Erwartungen, Bedürfnisse und Motive ein, die schwer analysierbar sind und auch durch gezielte Produktwerbung nur in sehr begrenztem Maße manipuliert werden können. Schließlich ist das touristische Produkt weder transport- noch lagerfähig: Es muss am Ort seiner Entstehung zu einem bestimmten festgelegten Zeitpunkt konsumiert werden, der Reisende muss sich also termingerecht zum Produkt hinbegeben. Unvorhersehbare Störungen wie etwa Naturkatastrophen, Terrorismus, Bürgerkriege und Streiks wirken sich daher auf den Tourismus erheblich fataler aus als auf andere Branchen.

Erstaunlicherweise „erholen“ sich Zielgebiete, die von Terroranschlägen und daraufhin von Gästerückgängen betroffen waren (wie Ägypten), mitunter relativ schnell. Das Urlaubergedächtnis für solche Ereignisse ist offenbar sehr vergesslich.

All diese Probleme führen dazu, dass ökonomische Theorien nur sehr allgemeine und pauschale Aussagen zur Entwicklung der Tourismusbranche treffen können, wie etwa dass die Kosten der Raumüberwindung weiter abnehmen werden, eine stärkere Diversifizierung bei Angebot und Nachfrage zu beobachten sein werden, und die Ferien „in vielen Fällen durch mehr als ein Motiv bestimmt“ sind. Vereinzelte Versuche, durch eindrucksvolle mathematische Formeln und Modelle ein objektiv nicht vorhandenes Maß an Objektivität und Rationalität vorzutäuschen, vermögen daran nichts zu ändern. Die Tourismuswissenschaft ist trotz aller Schwierigkeiten jedoch dabei, aussagekräftige Methoden der Marktforschung zu entwickeln.

Die Schwierigkeit bei der Aufstellung verlässlicher Prognosen hat immer wieder zu Fehlinvestitionen geführt. Bekanntestes Beispiel ist der 1992 eröffnete Freizeitpark Eurodisney bei Paris, der seinen Betreibern allein in den ersten beiden Jahren fast eine Milliarde Euro Verlust eingebracht hat. Aber auch großangelegte Ferienanlagen an der Costa del Sol und den Westalpen sowie der verstärkte Ausbau der Hotelkapazitäten in westdeutschen Großstädten in den 1970er Jahren haben sich als ökonomische Fehlschläge erwiesen.

Zu den wichtigsten determinierenden Zukunftsfaktoren des Fern-Tourismus dürfte künftig die Entwicklung des Erdölpreises gehören. Da der Fern-Tourismus in erster Linie mit dem Flugzeug abgewickelt wird, kann ein stetig ansteigender Kerosinpreis – zum Beispiel im Rahmen des Peak-Oil-Phänomens oder aufgrund von politischen Krisen- und damit einhergehenden Treibstoff-Verknappungslagen – direkt das Nachfrageverhalten der Kundschaft beeinflussen. Es wird bei Experten (etwa bei der „Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH“, einer Gründung des einstigen Flugpioniers Ludwig Bölkow, oder bei der „Deutschen Bank“) damit gerechnet, dass sich schon auf mittlere Sicht der Tourismus stärker auf den nationalen bzw. regionalen Nahbereich konzentrieren und der Fern-Tourismus in gleichem Maße an Bedeutung verlieren könnte, wie die Treibstoffpreise weltweit ansteigen werden.

Bislang ist von diesen prognostizierten Entwicklungen jedoch nichts zu spüren. Im Gegenteil erleben Billig-Fluglinien einen Boom. Auslandsreisen gehen nicht dauerhaft zurück.

Der amerikanische Futurologe Herman Kahn erstellt 1979 in The Futurist eine Prognose für den Tourismus bis 2029. Darin rechnete er weiterhin mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten und von stabilen gesellschaftspolitischen und nationalökonomischen Voraussetzungen. Was damals fehlte, waren nicht quantifizierbare und vor allem unberechenbare menschliche Faktoren.

Heute, 2007, kann man feststellen, dass im Grunde kein einziger Punkt realisiert wurde, wenn man von Ansätzen der Schaffung von Naturreservaten absieht. Das bedeutet, dass die Zukunftsprobleme für den Tourismus in diesen Ansätzen zu finden sind. Einer Reihe von Empfehlungen, die eine nachhaltige Entwicklung im Fremdenverkehr und die Beziehung zwischen Fremdenverkehr und Raumordnung verbessern sollten, wurden bei einem Seminar (CEMAT) des Europarats in Palma de Mallorca (Spanien) im Mai 1999 erarbeitet.

Der Tourismus zählt weltweit zu den größten Wirtschaftszweigen. 2004 erzielte er nach Angaben der Welttourismusorganisation einen Gesamtumsatz von etwa 623 Milliarden US-Dollar. Er absorbiert 11 Prozent der Konsumausgaben der westlichen Industriestaaten. Mit weltweit rund 100 Millionen Beschäftigten ist er der größte Arbeitgeber unter den Branchen. Grenzüberschreitende Reisen machen 25 bis 30 Prozent des Welthandels im Dienstleistungsbereich aus. Höhere Umsätze werden allenfalls noch in der Auto- und der Mineralölindustrie erzielt. Für viele Regionen ist der Tourismus zur wichtigsten Beschäftigungsgrundlage geworden.

Gleichwohl sind die Einnahmen höchst ungleich verteilt, werden doch 50 Prozent davon in nur sieben Ländern (USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland, Österreich) erzielt, während sich der Rest der Welt (ohne Ostasien/Pazifik) mit fünf Prozent der Einnahmen begnügen muss.

Die wirtschaftlichen Wirkungen des Tourismus können in direkte, indirekte und induzierte Wirkungen unterteilt werden. Die direkten Wirkungen entstehen dort, wo touristische Ausgaben getätigt werden (also z. B. in der Hotellerie oder Gastronomie). Die indirekten Wirkungen entstehen durch Vorleistungen (also z. B. Bau von touristischer Infrastruktur, Lebensmittel für die Gastronomie). Die induzierten Wirkungen entstehen durch das Ausgeben der Einnahmen, die durch die direkten und indirekten Effekte geschaffen wurden.

Für nationale Volkswirtschaften ist auch von Bedeutung, inwiefern die Einnahmen aus dem Tourismus in dem jeweiligen Land verbleiben. Durch den Import von Gütern für den touristischen Konsum (z. B. Lebensmittel) oder durch Tätigkeiten von ausländischen Unternehmen entstehen Gewinnabflüsse ins Ausland (sog. Sickerrate oder Leakages).

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) geht davon aus, dass eine Stelle im touristischen Kerngeschäft, 1,5 weitere Stellen schafft. Damit schafft die Tourismusindustrie (direkt und indirekt) über 230 Millionen Stellen. Dies stellt etwa 8 % der weltweiten Arbeitskraft dar. Zwischen 60 und 70 % der Arbeitskräfte sind Frauen und mehr als die Hälfte sind unter 25 Jahre alt.

Auch wenn es Rationalisierungsbestrebungen gibt, bleibt der Tourismus ein arbeitsintensiver Sektor, der vor allem in Entwicklungsländern wertvolle Beschäftigungsmöglichkeiten für Niedrigqualifizierte mit sich bringt.

Der Tagestourismus (Reisen ohne Übernachtung am Zielort) ist in diesen Ergebnissen nicht erfasst. Weitere beliebte und bekannte Reiseländer sind: Ägypten, Australien, Brasilien, Griechenland, Kenia, Kroatien, Portugal, Südafrika, die Türkei, Österreich/Schweiz uvm.

2004 unternahmen Deutsche 274 Millionen Reisen, von denen 73 % ins Inland führten. Dabei buchten sie 1,4 Milliarden Übernachtungen und gaben 120 Milliarden Euro aus, von denen 61,4 Milliarden Euro auf Auslandsreisen entfielen.

Bei 65 Millionen Reisen handelte es sich um Urlaubsreisen (Zweck: Erholung; Mindestdauer: 4 Übernachtungen). 48,1 Millionen Deutsche über 14 Jahre haben an mindestens einer Urlaubsreise teilgenommen, was einer Reiseintensität von 74,4 % entspricht. Das beliebteste Reiseziel hierbei war Deutschland selbst mit 30,8 %, wovon allein 6,7 Prozentpunkte auf Bayern entfielen. Es folgten Spanien mit 13,6 %, Italien mit 7,4 %, Österreich mit 6,5 % und die Türkei mit 6,4 %. 6,1 % entfielen auf Fernreisen. Bei 48 % der Reisen erfolgte die An- und Rückreise mit dem PKW, bei 36 % mit dem Flugzeug, bei 10 % mit dem Bus und bei 6 % mit der Eisenbahn. Hauptreiseländer mit dem PKW sind Dänemark, Italien, Kroatien, Österreich, die Schweiz und Ungarn. Die Reisedauer betrug durchschnittlich 12,9 Tage, die Kosten 812 Euro pro Person.

4.000 der 12.431 Gemeinden Deutschlands sind in Tourismusverbänden organisiert, 310 davon sind als Heilbäder oder Kurorte anerkannt. Den Gästen stehen unter anderem 6.135 Museen, 366 Theater, 34 Freizeit- und Erlebnisparks, 45.000 Tennisplätze, 648 Golfplätze, 122 National-/Naturparke beziehungsweise Biosphärenreservate, ein Wanderwegnetz von 190.000 km sowie 40.000 Kilometer Radfernwege zur Verfügung.

2007 entfielen die Übernachtungen vor allem auf die Bundesländer Tirol (41,8 Millionen), Salzburg (23,4 Millionen), Kärnten (12,8 Millionen), Steiermark (10,0 Millionen) und Wien (9,7 Millionen). Die Österreicher bevorzugten als Reiseziele im Inland die Bundesländer Steiermark (6,4 Millionen), Salzburg (5,5 Millionen) und Kärnten (4,7 Millionen). Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag für ausländische Gäste bei 4,3, für Inländer bei 3,2 Nächtigungen pro Ankunft.

Die amtlichen Tourismusstatistiken dienen dazu, die Entwicklung des Tourismus zu beobachten und darüber alle Interessierten aktuell und objektiv zu informieren. Diese Statistiken werden nach den Vorschriften bzw. Usancen des jeweiligen Staates erstellt und können daher von sehr unterschiedlicher Qualität sein.

So werden z. B. in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Grund gesetzlicher oder verordnungsmäßiger Verpflichtung der Beherbergungsbetriebe von diesen monatlich die Summen der Ankünfte und Nächtigungen von Gästen, nach Herkunftsländern der Gäste gegliedert, an die Ortsgemeinden gemeldet. Diese haben ihrerseits Gemeindemeldungen an das statistische Landes- und/oder Bundesamt zu liefern, das die Gesamtergebnisse zusammenstellt. Weiters wird regelmäßig der Bestand an Beherbergungsbetrieben sowie deren Zimmer- und Bettenanzahl amtlich erhoben.

In Großbritannien und Irland, wo (auch für Einheimische) keine der mitteleuropäischen Rechtslage entsprechende Verpflichtung, seinen Wohnsitz oder vorübergehenden Aufenthalt zu melden, besteht, entstehen die Tourismusresultate aus Zählungen ankommender Gäste auf Flughäfen bzw. in Häfen und aus Stichprobenerhebungen in der Hotellerie. In den Zahlen können daher hier auch Besuche bei Freunden und Verwandten (VFRs – Visits of Friends and Relatives) inkludiert sein, die in Deutschland nicht erhoben werden.

Bei internationalen Vergleichen für Regionen und Städte ist außerdem das Gebiet zu berücksichtigen, für das die Zahlen publiziert werden. Bei internationalen Vergleichen der Beherbergungskapazität ist zu berücksichtigen, was im jeweiligen Staat unter einem Beherbergungsbetrieb bzw. unter gewerblicher Beherbergung (im Unterschied zu Privatzimmern) verstanden wird.

In Deutschland werden folgende Statistiken erstellt: Die zentrale Tourismusstatistik ist die Monatserhebung im Tourismus. Daneben gibt es noch die Statistik über die touristische Nachfrage (Reiseverhalten). Beide ergänzen sich und bilden die zwei Pfeiler im Gebäude der amtlichen Tourismusstatistik.

Die Monatserhebung im Tourismus berichtet über das Beherbergungsgewerbe in Deutschland, also über die Anbieterseite. Die Beherbergungsbetriebe liefern Angaben über die Zahl der Ankünfte und Übernachtungen von Gästen, wobei bei Gästen mit ständigem Wohnsitz im Ausland noch nach Herkunftsländern unterschieden wird. Ergänzt werden diese Daten um Angaben zu den Kapazitäten in Form der angebotenen Betten bzw. bei Campingplätzen der angebotenen Stellplätze. Bei Betrieben der Hotellerie (Hotels, Hotels garnis, Gasthöfe, Pensionen) wird schließlich noch die Zahl der angebotenen Gästezimmer zum 31. Juli jedes Jahres ermittelt. Zur Entlastung des Beherbergungsgewerbes werden ausschließlich Betriebe befragt, die mehr als acht Gäste gleichzeitig beherbergen können.

Im Gegensatz dazu werden bei der Statistik über die touristische Nachfrage Deutsche nach ihrem Reiseverhalten befragt. Damit liefert diese Erhebung Angaben über die Nachfrager touristischer Leistungen. In telefonischen Interviews wird vierteljährlich sowohl nach Urlaubs- und Erholungsreisen von fünf und mehr Tagen Dauer als auch nach Kurzreisen (zwei bis vier Tage Dauer) und Geschäftsreisen gefragt. Bei bis zu 10.000 Reisenden pro Jahr werden dabei u. a. das Reiseziel, die Zahl der Übernachtungen sowie die Reiseausgaben erhoben.

Daneben gibt es andere nationale Tourismusorganisationen wie die Organisationen der Reiseveranstalter (z. B. United States Tour Operators Association – USTOA), Reisebüros (z. B. Deutscher Reisebüroverband – DRV), Reisevermittler, Hoteliers (z. B. Österreichische Hoteliervereinigung – ÖHV), Autobusunternehmer (z. B. Ring deutscher Autobusunternehmer – RDA), Guides, Hotelportiere (Les Clefs d’Or), Seilbahnunternehmer, Restaurants (z. B. Deutscher Gaststättenverband''), Unterhaltungsbetriebe usw. usf.

National koordiniert sind auch die gesetzlichen Regelungen (spezielle Tourismusgesetze und anderes Wirtschafts- Handels-, sowie einschlägiges Gewerberecht, Verkehrsrecht und Arbeitsrecht), die Tourismuspolitik, die Belange der öffentlichen Verwaltung (etwa in Ministerien mit Kompetenzen für Tourismus, in manchen Staaten auch explizite Tourismusministerien) sowie die Tourismusförderung.

Vereine bzw. Verbände beruhen oft auf gesetzlicher Basis - etwa den Tourismusgesetzen österreichischer Bundesländer, die auch die Rechtsform (öffentlich-rechtlich, privatrechtlich nach dem Vereinsgesetz, privatrechtlich nach dem GesmbH-Gesetz) festlegen können. Die jeweilige Institution vertritt eine Tourismusgemeinde oder eine Tourismusregion. Diese beruht auf freiwilliger oder von Staat bzw. Landesregierung durch die Steuerung von Finanzierungsquellen erwirkter Zusammenarbeit mehrerer benachbarter Gemeinden. Auf Bundesebene ist das Konzept Genuss Region als Interessensgemeinschaft der Bezirke und Gemeinden zu nennen.

Daneben gibt es auch andere touristisch orientierte private Gesellschaften und Vereine (z. B. Verein der geprüften Wiener Fremdenführer, Verschönerungsvereine), regionale Hoteliervereine, Direktvermarktungskooperativen, usw.

Jost Krippendorf definiert: Marketing im Fremdenverkehr ist die systematische und koordinierte Ausrichtung der Unternehmenspolitik von Fremdenverkehrsbetrieben sowie der privaten und staatlichen Fremdenverkehrspolitik der lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Ebene zur bestmöglichen Befriedigung der Bedürfnisse bestimmter Konsumentengruppen unter Erzielung eines angemessenen Gewinns. Paul Bernecker erkannte, dass der Tourismus durch seine starke wirtschaftliche Verflechtung mit großteils kapitalintensiver Struktur angesichts der immer kürzer werdenden Amortisationsfristen zur Steuerung seiner wirtschaftlichen Umwelt gezwungen wird. Das geschieht am ehesten mit Marketingmethoden und -instrumenten.

Offizielle Tourismuswerbeorganisationen (z. B. Tirol Werbung, Berlin Tourismus Marketing GmbH, Dachstein-Tauern-Region, Tourismusamt der Stadt München, Tourismusverband Innsbruck und seine Feriendörfer) werden neuerdings in der Branche als Destinationsmarketingorganisationen oder Destinationsmanagementorganisationen (DMO) bezeichnet.

Ausgeübt wird die Direktvermarktung und der Kontakt zum Kunden über die zentrale Informationsstelle für Konsumenten der Interessensvertretung, in Reisebüros und bei anderen Anbietern touristischer Leistung.

Auf lokaler Ebene sind die Tourismusverbände (TV, früher Fremdenverkehrsverbände, FFV) der jeweiligen Gemeinde die Kontaktadresse für Tourismus, sie betreiben im allgemeinen auch die Tourismusinformationen, Büros oder Informationsstellen für Gäste an zentralen Punkten vor Ort.

Zunehmend sind aber auch hier die einschlägigen Webportale der Gemeinden, der Tourismusbetriebe und der Dachverbände Kontaktmöglichkeit, wo neben Information über Ort und aktuelle Umstände (etwa Wetter, Schneelage, Badeseetemperatur, Veranstaltungskalender und ähnliches) auch die Möglichkeit, Angebote online zu buchen, geboten wird. Belange des Reisens selbst betreuen die Verkehrsbüros.

Informationen über Marketingstrukturen und -aktionen findet man oft auf den B2B-Webseiten der Tourismusmarketingorganisationen.

Tourismus kann in Deutschland meist als Schwerpunkt innerhalb der BWL, im Rahmen der Geographie oder als eigener Studiengang Tourismus/Touristik oder Tourismus-BWL studiert werden. Die Themenbereiche werden in einigen Hochschulen und Ausbildungseinrichtungen mit Lehrmodulen aus dem Freizeit- und Veranstaltungsmanagements angeboten. An der Fachhochschule Eberswalde existiert ein Studiengang nachhaltiger Tourismus. Die Hochschule Bremen bietet einen Internationalen Studiengang Tourismusmanagement (B.A.) sowie einen Master in International Tourism Management MBA an.

In Österreich gibt es die Fachschule für wirtschaftliche Berufe und die Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe, sowie die Tourismusfachschulen Bad Gleichenberg , die berufsbildend unter anderem auf Tourismusberufe zielt, insbesondere die Höhere Bundeslehranstalt für Tourismus in Krems und die Tourismusschulen Salzkammergut in Bad Ischl, die Tourismusschulen Semmering (HTL) in Semmering, sowie eigene Hotelfachschulen, im speziellen die Tourismusschulen Salzburg mit den Standorten in Salzburg-Klessheim, Bischofshofen und Bad Hofgastein, sowie die Hertha Firnberg Schulen in Wien-Floridsdorf. Im tertiären Bildungsbereich existieren Studiengänge in Wien (Fachhochschule Wien, Modul University Vienna), Salzburg (Fachhochschule Salzburg/Urstein, Studiengang Innovation und Management im Tourismus) und Innsbruck (Management Center Innsbruck).

Relativ jung ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Tourismus. Gleichwohl hat sie in kurzer Zeit eine ganze Reihe spezialisierte Fachdisziplinen hervorgebracht, zu deren wichtigste etwa Tourismusgeographie, -soziologie, -psychologie, -ökonomie und -geschichte gehören. Die Tourismuswissenschaft selbst ist ihrerseits bereits Gegenstand historischer Betrachtung und nahe verwandt mit Freizeitsoziologie.

1941 wurden gleichzeitig an der Universität Bern, (Schweiz, das Forschungsinstitut für Fremdenverkehr (FIF) und an der Hochschule St. Gallen, (Schweiz) das Seminar für Fremdenverkehr gegründet. Die erste gemeinsame Studie von Walter Hunziker und Kurt Krapf 1942 – Allgemeine Fremdenverkehrslehre – war bereits interdisziplinär aufgebaut und gilt noch heute als Standardwerk.

Jost Krippendorf, der ehemalige FIF-Direktor und erste Leiter der IKAÖ, löste mit seinem Buch Die Landschaftsfresser (1975) eine ökologische Diskussion im Tourismus aus.

2007 wurde im Auftrag des österreichischen Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit das Internetportal tourism-knowhow.at zum Export von österreichischem Tourismus-Know-How entwickelt und im April des Jahres gestartet.

Gegen Personen, die sich „auf der Durchreise“ befinden, kann im schweizerischen Schuldbetreibungs- und Konkursrecht ein Arrest bewilligt werden „für Forderungen, die ihrer Natur nach sofort zu erfüllen sind“ (Art. 271 Abs. 1 Z. 3 SchKG).

Zum Seitenanfang



Betriebswirtschaftslehre des Tourismus

In der Wirtschaftswissenschaft wird zwischen Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre unterschieden. Die Betriebswirtschaftslehre kann untergliedert werden in eine allgemeine Betriebswirtschaftslehre und eine spezielle Betriebswirtschaftslehre. Die allgemeine Betriebswirtschaftslehre befasst sich mit Fragestellungen die in allen Betrieben in gleicher Form auftreten. Solche Fragestellungen wären z. B. Controlling, Marketing, Organisation, Produktion, Finanzen, Investition usw. Spezielle Betriebswirtschaftslehren sind z. B. die Verkehrsbetriebswirtschaftslehre, Versicherungs- und Bankbetriebswirtschaftslehre oder eben die Tourismusbetriebswirtschaftslehre. Bei den speziellen Betriebswirtschaftslehren stehen die Probleme und Fragestellungen von besonderen Wirtschaftszweigen im Vordergrund, die nicht allen Betrieben gemeinsam sind.

Die Betriebswirtschaftslehre des Tourismus befasst sich mit den wirtschaftlichen Vorgängen der Leistungserstellung und der Leistungsverwertung in den touristischen Betrieben unter Berücksichtigung der sie umgebenden Wirtschaftsbereiche.

Die Beschäftigung mit der Betriebswirtschaftslehre des Tourismus umfasst ein weites Feld. Betriebswirtschaftliche Managementfelder wie Marketing, Organisation, Finanzmanagement, Personalmanagement, Planung / Controlling und Führung werden auf die touristischen Betriebe wie z. B. Reiseveranstalter und -mittler, touristische Fluggesellschaften, Hotelgesellschaften, Zielgebietsagenturen oder Betriebe der touristischen Gastronomie übertragen. Auf der anderen Seite, steht die Tourismusbetriebswirtschaftslehre noch auf wackligen Beinen. Zur Diskussion steht, inwieweit es sich bei den allgemeinen wirtschaftswissenschaftlichen Ansätzen des Tourismus, um einen eigenständigen Wissenschaftsbereich - eine Tourismusökonomie, oder ob es sich lediglich um einen allgemeinen Wissenschaftsansatz der allgemeinen Wirtschaftswissenschaft handelt.

Die Hauptaufgabe der Betriebswirtschaftslehre des Tourismus ist es, die mit der Leistungserstellung beschäftigten Tourismusbetriebe zu analysieren und zu beschreiben. Die BWL des Tourismus interessiert sich vor allem für die Abläufe und Prozesse in touristischen Unternehmen. Es geht im Grunde genommen um die verschiedenen Organisationsprinzipien. Wie ist der Tourismusbetrieb organisiert? Wie funktioniert die Aufbau- und Ablauforganisation im Betrieb? Ebenso geht es um die Entscheidungen von Betrieben und von betrieblichen Teilbereichen bzw. –funktionen, die mit der Erstellung der touristischen Leistungen beschäftigt sind.

Zu den tourismusspezifischen Betrieben zählen beispielsweise touristische Carrier, Beherbergungsbetriebe, Reiseveranstalter, Reisevermittler, Tourismusbüros, Fremdenverkehrsämter usw. Die meisten von den Tourismusbetrieben erstellten Leistungen sind Dienstleistungen. Insofern hat die Tourismusbetriebswirtschaftslehre sehr viele Gemeinsamkeiten mit der BWL von Dienstleistungsunternehmen. Das Besondere der Tourismusleistung ist jedoch, dass diese Leistung von ihrem Wesen her eine Dienstleistung ist, die von verschiedenen touristischen Leistungsträgern erbracht wird (Beispiel Pauschalreise: Reisebüro (Verkauf), Flug (Transfer), Bus zum Hotel (Transfer), Hotel (Beherbergung), Ausflug (Reiseleitung).

Die besondere Betriebswirtschaftslehre des Tourismus kann wiederum in spezielle Betriebswirtschaftslehren unterteilt werden. Für den Tourismus relevante Betriebswirtschaftslehren sind die BWL der Reiseveranstalter und BWL der Reisemittler/Reisebüros diese beiden speziellen Betriebswirtschaftslehren könnten als Überbegriff als Touristik-BWL bezeichnet werden. Ebenfalls relevant sind die BWL der touristischen Luftfahrt, BWL der Zielgebietsagenturen, BWL der Hotelunternehmen sowie ggf. die BWL der (touristischen) Gastronomie. Die Gemeinsamkeit all dieser speziellen Betriebswirtschaftslehren des Tourismus liegt darin, das sie sich mit betriebswirtschaftlich relevanten Aktivitäten und Aspekten der Reiseleistungen/Reisedienstleistungen beschäftigen.

Freyer schreibt, dass die betriebswirtschaftliche Sichtweise des Tourismus alle betriebswirtschaftlichen Vorgängen, welche während der einzelnen Phasen des Reisens auftauchen behandelt. Als relevanten Reisephasen nennt er, die Reisevorbereitung (am Heimatort), die Reisedurchführung und den Aufenthalt am "fremden" Ort(im Zielgebiet). Ebenfalls interessant für die Tourismus-BWL, sind die jeweils mit der Leistungserstellung der verschiedenen Tourismusbetriebe zusammenhängenden Managementprozesse (Einkauf, Produktion,Absatz..) sowie die Besonderheiten der einzelnen touristischen Betriebsarten (wie Reiseveranstalter-, Reisemitteler-, Hotel-, Kur- und Bäderbetriebe...) (vergl. Freyer, Beitrag der Wirtschaftswissenschaft zur Tourismuswissenschaft, in Loocumer Protokolle "Auf dem Weg zu einer Theorie des Tourismus").

Die Betriebswirtschaftslehre des Tourismus kann grundsätzlich in eine funktionale und institutionelle Tourismusbetriebswirtschaftslehre aufgeteilt werden.

Die institutionelle BWL des Tourismus konzentriert sich auf die institutionellen Besonderheiten der Tourismusbetriebe. Sie untersucht die Besonderheiten der unterschiedlichen Arten von Tourismusbetrieben. Beispiele: Hotel-BWL, BWL für Reiseveranstalter, BWL für Destinationen. Der Unterschied zur funktionellen BWL des Tourismus ist, dass die institutionelle BWL des Tourismus anstelle der Analyse der betriebs-internen Aufgaben (Funktionen) von Tourismusbetrieben im Rahmen der touristischen Managementlehre die institutionellen Besonderheiten (und Gemeinsamkeiten) einzelner Arten von Tourismusbetrieben genauer darlegt. So werden z. B. Reiseveranstalter oder Hotelbetriebe behandelt, es entsteht also eine „Reiseveranstaler-BWL“ und eine „Hotel-BWL“. In der Praxis wird jedoch meist die institutionelle Betrachtung mit einer funktionalen Analyse verbunden, so dass dies zu einer weiteren Ausdifferenzierung der Tourismusbetriebswirtschaftslehre führt: „Management für Beherbergungsunternehmen“ oder „Marketing für Reiseveranstalter“ Am ehesten weist die BWL des Tourismus Parallelen zur BWL der Dienstleistungsbetriebe auf, denn bei den meisten Leistungen im Tourismus handelt es sich um persönliche Dienstleistungen. So muss die BWL des Tourismus Antworten auf die spezifischen Probleme, die sich bei der Dienstleitungsproduktion/-erstellung ergeben, finden (z. B. Problem der Anwesenheit des externen Faktors, Immaterialität, Produktion der DL und Konsum fallen zeitlich zusammen...).

Rudolph fügt noch hinzu, dass der oben genannte Umstand besonders auf den Untersuchungsgegenstand der Tourismusbetriebswirtschaftslehre zutrifft.

Die ersten Publikationen zu touristischen Betrieben richteten ihren Fokus hauptsächlich auf das Gastgewerbe. So entstand bereits 1825 das Buch von J. Abel: Die Gasthöfe und Gastwirthe, wie sie sein sollen; nebst einer Darstellung der Rechte und Pflichten der Gastwirthe und ihrer Gäste, zur Buchführung im Gastgewerbe entstand 1902 von H. Gierke das Buch: Hotelbuchführung und 1906 von AlF. Heiß die Publikation: Die Buchhaltung des Gastgewerbes.

Nach Freyer (in Fischer/Laesser: Theorie und Praxis der Tourismus- und Verkehrswirtschaft im Wertewandel S. 59) ist die Entstehung einer BWL des Tourismus, besonders durch die Beiträge von Hunziker und Bernecker geprägt. Hunziker schrieb damals zusammen mit K. Krapf eines der ersten betriebswirtschaftlichen Bücher zum Fremdenverkehr (Grundriß der allgemeinen Fremdenverkehrslehre 1942), und 1959 wurde sein Buch Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs veröffentlicht. Auch der Österreichische Tourismusforscher Prof. Bernecker trug mit seinem Buch Die Stellung des Fremdenverkehrs im Leistungssystem der Wirtschaft im Jahre 1956 und mit dem Buch Grundlagenlehre des Fremdenverkehrs (1962) zu einer Etablierung einer Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs/Tourismus bei. Es fällt auf, dass Bücher über eine allgemeine BWL des Tourismus bzw. Tourismusbetriebswirtschaftslehre sehr rar sind, eher werden spezielle betriebswirtschaftliche Themen wie Tourismusmanagement oder -marketing, Personalwesen, Organisation usw. behandelt.

In seiner Publikation "System und Hauptprobleme einer wissenschaftlichen Fremdenverkehrslehre" versuchte Hunziker als erster, die Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs, in das Lehrgebäude der allgemeinen Fremdenverkehrslehre zu integrieren. Der Fremdenverkehrsbetrieb (als Gattungsbegriff) ist der Erkenntnisgegenstand in Hunikers Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs. Der Fremdenverkehrsbetrieb vereinigt also seinerseits in sich die Elemente der Fremdenverkehrswirtschaft, d.h. der Bereitstellung von Gütern zur Befriedigung von Bedürfnissen des Fremdenverkehrs, mit den Betriebselementen der Veranstaltungen, die erforderlich sind, um das, was die Fremdenverkehrswirtschaft bezweckt, in die Tat umzusetzen (Hunziker 1943). Die Fremdenverkehrsbetriebe, lassen sich nach Hunziker, nicht in die damaligen in der betriebswirtschaftlichen Literatur verwendeten Leistungskategorien einordnen. Zur Kennzeichnung der Arten der Fremdenverkehrsbetriebe, waren die damaligen in der betriebswirtschaftlichen Literatur verwendeten Leistungskategorien (nach Hunziker 1943) ungeeignet. In Anlehnung an die Abwicklung des Fremdenverkehrs in seinen Sektoren Reise und Aufenthalt, bildet Hunziker zwei Hauptgruppen von Betrieben - Betriebe der Aufenthaltsgestaltung und Betriebe der Reisegestaltung. Eine weitere Untergliederung nimmt Hunziker nach dem Erwerbsprinzip der Betriebe vor, Ertragswirtschaftsbetriebe, Gemeinwirtschaftsbetriebe und Genossenschaften werden nach diesem Prinzip unterschieden. Nach diesen Gesichtspunkten nennt Hunziker verschiedene Arten von Fremdenverkehrsbetrieben wie z. B. Beherbergungsstätten, Erziehungsinstitute, besondere Handelsbetriebe, Betriebe der Reisevermittlung, besondere Dienstleistungsbetriebe usw. Bei diesen verschiedenen Arten der Fremdenverkehrsbetriebe, handelt es sich sowohl um sog. eigentliche Fremdenverkehrsbetriebe und sog. mittelbare Fremdenverkehrsbetriebe. Bei den eigentlichen Fremdenverkehrsbetrieben, handelt es sich um solche, die dem Fremdenverkehr dienen und ohne ihn nicht denkbar wären. Die mittelbaren Fremdenverkehrsbetriebe, sind solche Betriebe, die entweder nur indirekt mit dem Fremdenverkehr verbunden sind oder nur deshalb von ihm betroffen sind, weil sie sich in dem Fremdenverkehrsgebiet befinden (vergl. Hunziker 1943). Als Aufgabe der Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs, nennt Hunziker: Die Absichten und Ziele der Fremdenverkehrsbetriebe zu erkennen, ihr Sein und ihren Ablauf zu ergründen, ihre Erfolge und Misserfolge feststellen und ihren Zusammenhang mit der Fremdenverkehrswirtschaft zu erklären (vergl. Hunziker 1943). Auf der anderen Seite, will die Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs die Erscheinungen, Vorgänge und Verfahrensweisen nicht nur wissenschaftliche erklären, beschreiben und verwesentlichen, sondern auch beurteilen und in bestimmte Bahnen lenken (vergl. Hunziker 1943). Die Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs stellt ebenfalls Regeln auf, wie etwas sein soll und gemacht werden soll, so hebt sie sich bewusst, vom Boden der eigentlichen Wissenschaft ab, insofern ist sie gleichzeitig auch eine Kunstlehre.

Hunziker schrieb (Jb. f. Fremdenverkehr) 1952, das sich die bisherige Tätigkeit der touristischen Forschungsinstitute, bisher nur auf die Abklärung von Sonderproblemen und auf die Untersuchung von Teilgebieten der Betriebswirtschaftslehre beschränkte. Gesamtdarstellungen der Betriebswirtschaftslehre für alle Fremdenverkehrsbetriebe lagen noch nicht oder zumindest nur in Ansätzen vor, wie z. B. der Artikel von Hunziker "Der Fremdenverkehrsbetrieb" welcher bereits 1946 erschienen ist. Als Problematik der Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs an sich, sah Hunziker das Erkenntnisobjekt der Betriebswirtschaftslehre, nämlich den Fremdenverkehrsbetrieb an sich zu erfassen und die Fragen zu erörtern, welche die Betriebswirtschaftlehre an einen solchen Fremdenverkehrbetrieb zu stellen hat. Für Hunziker war es wichtig eine sog. Standortbestimmung der Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs zu erfassen, da zur damaligen Zeit schon allein der Begriff des Fremdenverkehrs zu einer umstrittenen Größe gehörte. Selbst der Begriff "Betrieb" war zur damaligen Zeit nicht einheitlich definiert und selbst die allgemeine Betriebswirtschaftslehre, musste um ihren Status als eigenständige Wissenschaft kämpfen. Hunziker ordnete die Fremdenverkehrsbetriebe in die Gruppe der Dienstleistungsbetriebe ein, damit war ein erster wichtiger Geschichtspunkt für die Kennzeichnung des Wesens der Fremdenverkehrsbetriebe gefunden wurden. Als zweites differenzierte Hunziker die Fremdenverkehrsbetriebe in Betriebe der Reisegestaltung (z. B. Reisebüro) und in Betriebe der Aufenthaltsgestaltung (z. B. Beherbergungsbetriebe). Ebenfalls klammerte Hunziker Betriebe aus, die sich zwar auch in der Gestaltung der Reise und des Aufenthalts betätigten jedoch auch andere Funktionen erfüllen. Zu nennen wäre hier z. B. die Gaststätte, zwar werden hier Menschen bewirtet, aber diese können sowohl Einheimische sowie auch Touristen sein. Die Gasstätte ist also kein Fremdenverkehrsbetrieb nach Hunziker, sie würde diesen Status erst erfüllen, wenn dort ausschließlich Touristen bewirtet werden. Auf der von ihm entwickelten Systematik, bestimmte Hunziker verschiedene Arten von Fremdenverkehrsbetrieben. Die Fremdenverkehrsbetriebe wurden in drei Klassen eingeordnet, Beherbergungsbetriebe(sowie Kur- und Heilanstalten und Erziehungsinstitute), Reisegestaltungsbetriebe und touristische Werbebetriebe. Für die Lehre galt es nun, diejenigen Fremdenverkehrsbetriebe zu untersuchen, die für eine Betriebwirtschaftslehre des Fremdenverkehrs in Frage kommen. Es sollten diejenigen Fremdenverkehrsbetriebe ausgeklammert werden, mit denen sich schon andere Zweige der Betriebwirtschaftslehre befassten. So wurden z. B. die Verkehrbetriebe in Hunzikers Systematik ausgeklammert, dass sich schon die Betriebswirtschaftslehre des Verkehrs mit ihnen beschäftigte. Zu einer weiteren Aufgaben der Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs zählte Hunziker die Klarlegung der wirtschaftlichen Tatbestände und Zusammenhänge in den sog. Wirtschaftseinheiten der Fremdenverkehrsbetriebe = Betriebsleistung, Betriebsfunktion und Betriebsorganisation, Kapital- und Vermögensgestaltung. Die Wirtschaftlichkeit und Rentabilität der Fremdenverkehrbetriebe zählte zu den wichtigsten Aufgaben der Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs. Fragen von psychologischen und arbeitspsychologischen Charakter wurden ausgeklammert und als Aufgabe der sog. Betriebswissenschaften definiert. Die Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs ist für Hunziker eine Wissenschaft und darf nicht mit der Betriebskunde des Fremdenverkehrs verwechselt werden, denn diese beschränkt sich lediglich auf die Vermittlung von handwerklich-gewerblichen Fachkenntnissen. Die Unterscheidung der Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs in eine "Allgemeine-" und eine "Besondere-" Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs, im Sinne einer qualitativen Differenzierung des Stoffes, hält Hunziker für nicht durchführbar, wobei es trotzdem denkbar wäre, einen solchen Termini zu verwenden. Gerade im Hochschulunterricht, wäre eine solche Trennung von Vorteil. So könnten in der allgemeinen Betriebwirtschaftslehre des Fremdenverkehrs, auch generelle Tatbestände, die sich nicht explizit nur auf den Fremdenverkehrsbetrieb beziehen behandelt werden. So könnten z. B. allgemeine Erkenntnisse aus der Betriebsorganisation oder dem Rechnungswesen für die Fremdenverkehrsbetriebe nutzbar sein bzw. nutzbar gemacht werden.

Die Beantwortung von Fragen betriebswirtschaftlicher Natur, sah Hunziker als eine der Gegenwartsaufgaben der allgemeinen Fremdenverkehrswissenschaft, speziell der Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs. Denn nach Hunziker, interessieren diese Fragestellungen die Praxis am meisten. Daraus wird es verständlich, wenn einerseits die Erforschung von Problemen des Fremdenverkehrs mehr genereller Natur, hinter betriebswirtschaftlichen Untersuchungen zurücktreten musste, während diese wiederum bei der Größe des zu beschreitenden Feldes doch nur Stückwerk bleiben (Hunziker 1954). Besonders das Rechnungswesen für Fremdenverkehrbetriebe wurde wissenschaftlich behandelt und es wurden durchaus brauchbare Ergebnisse für die Praxis geliefert. Die betriebswirtschaftliche Forschung zu dieser Zeit, war besonders an Fragestellungen der Praxis orientiert, Themen wie Kostengestaltung und Kostenabhängigkeit, die Betriebsorganisation usw. standen im Vordergrund.

Vergleich man nun die Zeit von 1943 bis 1954, so stellt man fest, dass Hunziker einige Ergänzungen an seinem ursprünglichen Konzept der Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs vorgenommen hat. So hält er z. B. die ursprüngliche Einteilung in allgemeine und besondere Fremdenverkehrslehre, für nicht mehr zweckmäßig. Ebenfalls spricht er nun davon, das die Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs eine reine Wissenschaft darstellt, davon das sie sowohl Elemente der Wissenschaft mit solchen der Kunstlehre (wie z. B. der Technik) vereint, ist nun keine Rede mehr. Die neue Aufgabe der Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs, war es konkrete Fragestellungen des Praxis zu beantworten bzw. Konzepte zur Problemlösung zu liefern.

In 1. Teil seiner Arbeit, versuchte Walterspiel den Fremdenverkehrsbegriff mit dem Fremdenverkehrsbetrieb organisatorisch zu verbinden, denn dies erschien ihm notwendig um überhaupt eine Voraussetzung für die Betriebwirtschaftslehre des Fremdenverkehrs zu schaffen. Die wissenschaftliche Erforschung des Fremdenverkehrs und besonders die des Betrieblebens im Fremdenverkehr steht nach Walterspiel (1956) erst am Anfang ihrer Entwicklung. Die Ideen von Walterspiel stützten sich auf die oben von Hunziker erwähnten Gedanken. Als Grundlage wurde die Definition von Hunziker: Als Fremdenverkehrsbetriebe sind jene Wirtschaftseinheiten, Sonder- und Einzelwirtschaften zu verstehen, die durch eine dauernde Verbindung geeigneter Produktionsmittel die Bereitstellung von Fremdenverkehrsgütern und -dienstleistungen auf wirtschaftliche Art bezwecken verwendet. Nach Walterspiel, sagt Hunzikers Definition noch nicht viel über den besonderen Charakter der Fremdenverkehrsbetriebe aus, daher versucht Walterspiel eine nähere Bestimmung der Fremdenverkehrsbetriebe nach den Komponenten der Fremdenverkehrsabwicklung: Aufenthalt und Reise durchzuführen. Die Einteilung von Hunziker der Fremdenverkehrsbetriebe in nur fünf Betriebsgruppen (siehe oben) erscheint Walterspiel als zu eng. Die Fremdenverkehrsbetriebe besitzen unterschiedliche Merkmale hinsichtlich ihrer Produktionsart und ihrer Merkmale, die einzige Gemeinsamkeit ist nach Walterspiel, das die Leistungen an "Fremde" (Abnehmer) abgesetzt werden. Vom Standpunkt des Betriebes betrachtet, äußert sich Fremdenverkehr im dem Absatz von Gütern und Leistungen an ortsanwesende Fremde. Nun differenziert Walterspiel, die Entgegennahme von wirtschaftlichen Gütern durch ortsansässige (Einheimische) zählt nicht zum Fremdenverkehr, das gleiche trifft für nichtortsanwesende Personen (Versand) zu, die Entgegennahme von wirtschaftlichen Gütern durch nicht ortsansässige (Fremde) zählt zum Fremdenverkehr. Daraus folgt, dass Fremdenverkehrsbetriebe nur solche Betriebe sind, die an ortsanwesende Fremde ihre Produkte und Leistungen absetzten. Ein weiteres Kriterium von Walterspiel ist, das die Produkte und Leistungen des Fremdenverkehrbetriebs für den persönlichen Ge- und Verbrauch des Fremden geeignet sind. Der Fremde stellt somit eine Personengruppe da, die allgemein als "Letztverbraucher" bezeichnet wird. Nicht zu den Fremdenverkehrsbetrieben, zählen nach Walterspiel solche Betriebe die ihre Güter nicht unmittelbar an den Letztverbraucher also an den Fremden absetzen könne. Ein Fremdenverkehrsbetrieb kann nach Walterspiel als nur ein Betrieb sein, der konsumreife Güter und Leistungen und zweitens an den Letztverbraucher absetzt.

Die Einteilung von Hunziker der Kur- und Heilanstalten als Fremdenverkehrsbetriebe, hält Walterspiel für zu weit gegriffen, denn so zählen nach Hunziker auch Krüppel und Geisteskranke zum Fremdenverkehr. Ob nun diese Einrichtungen zu den Fremdenverkehrsbetrieben zählen, mach Walterspiel abhängig ob der Betrieb vornehmlich die Struktur eines Hotels aufweist. Die Erziehungsinstitute schließt Walterspiel aus dem Kreis der Fremdenverkehrsbetriebe aus, denn bei den Insassen solcher Anstalten handelt es sich primär nicht um "Fremde". Nach Walterpiel resultiert die Einordnung Hunzikers der Betriebe der Reisevermittlung und der touristischen Werbebetriebe daraus, das diese Betriebe in der Fremdenverkehrspraxis außerordentliche Bedeutung haben, obwohl nach Augenschein die eigentliche Einteilung als Fremdenverkehrsbetriebe nicht ohne weiteres feststeht. Betriebswirtschaftliche gesehen handelt es sich beim Reisebüro (der Prototyp der Vermittlungsbetriebe) um eine Art Vertretungsfunktion, da das Reisebüro nicht vom Fremden, sondern im Rahmen von Provisionen vom Betrieb (z. B. Hotel) bezahlt wird. Hätte das Reisebüro nur diese Funktion, so zählte es nach Walterspiel nicht zu den Fremdenverkehrsbetrieben. Da das Reisebüro aber selber als Veranstalter und Unternehmer auftritt, ist die Einteilung als Fremdenverkehrsbetrieb nach Walterpiel durchaus gerechtfertigt. Ebenfalls das touristische Werbe-Büro wäre eigentlich kein Fremdenverkehrsbetrieb, wenn es nicht, wie zur damaligen Zeit üblich, Aufgaben eines Reisebüros übernehmen würde.

Nach dieser Betrachtung, der fünf Betriebsgruppen der Fremdenverkehrsbetriebe, ist Walterspiel in der Lage, die Konsequenzen für eine spezielle Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs zu verfolgen. So nimmt die spezielle Betriebswirtschaftslehre im Gegensatz zu anderen speziellen Betriebswirtschaftslehren, eine Sonderstellung ein. Denn die bisherigen speziellen Betriebswirtschaftslehren hatten ihre Untersuchungsobjekte nach Gesichtspunkten ausgewählt und zusammengefasst, die einheitlich für die Betriebswirtschaften Geltung hatten. Nach Walterspiel sind normalerweise alle speziellen Betriebswirtschaften nach dem Ausschließlichkeitsprinzip nebengeordnet, daher kann ein Handwerksbetrieb nicht von der BWL der Banken behandelt werden und ein Bankbetrieb ebenso wenig von der BWL des Handwerks. Die Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs muss aber ihre Untersuchungsobjekte nach prinzipiell anderen Gesichtspunkten erfassen, wobei hier nicht das gleiche Ausschließlichkeitsprinzip wie bei den anderen Betriebswirtschaftslehren zu Grunde gelegt werden kann. Denn nach Walterspiel greift die Betriebswirtschafslehre des Fremdenverkehrs, diejenigen Betriebe, die auf Grund von bestimmten Merkmalen als Fremdenverkehrsbetriebe gekennzeichnet sind heraus. Jedoch sind meist all diese Betriebe, Angehörige einer anderen Betriebsgruppe und werden daher auch von anderen Betriebswirtschaftslehren erfasst. Diese spezielle Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs, ist also den bereits bestehenden Betriebswirtschaftslehren nicht nachgeordnet, sie hat einen vertikalen Charakter und "kreuzt" gewissermaßen die anderen speziellen Betriebswirtschaftslehren. So wird z. B. graphisch gesprochen, die Schnittfläche der Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs mit der BWL des Hotels größer sein als z. B. mit der BWL des Handwerks. Dieser Umstand berechtigt aber noch nicht die BWL des Hotels als Unterfall der Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs zu sehen. Das Ergebnis ist also, das die spezielle Betriebswirtschaftslehre der Fremdenverkehrsbetriebe in der Lage ist, innerhalb einer Betriebsgruppe, die Fremdenverkehrsbetriebe zu erfassen und wissenschaftlich zu untersuchen, also im besonderen solche Betriebe die an ortsanwesende Fremde absetzen. Durch ihren vertikalen Charakter, ist die Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs nicht nur auf eine Betriebsgruppe beschränkt, sondern vermag alle Fremdenverkehrsbetriebe, aller in Frage kommenden Betriebskategorien zu erfassen. Die von Walterspiel entwickelte spezielle Betriebswirtschaftslehre der Fremdenverkehrsbetriebe, hat die Möglichkeit des "Betriebsvergleich" zwischen Betrieben verschiedener Branchen. Die Feststellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden der einzelnen Fremdenverkehrsbetriebe, müsste nach Walterspiel zu interessanten Ergebnissen führen.

Nach W.Freyer (Beitrag der Wirtschaftswissenschaften zur Tourismuswissenschaft) spricht man heute eher von einer "Betriebswirtschaftslehre des Tourismus" als von einer "Tourismusbetriebswirtschaftslehre". Würden wir von einer Tourismusbetriebswirtschaftslehre sprechen, so müssten in dieser eigenständige Methoden und Modelle entwickelt werden, die im Bereich der Tourismusanalyse über die üblichen wirtschaftswissenschaftlichen Betrachtungsweisen hinausgingen. Dies ist jedoch nach Freyer momentan noch nicht der Fall, vielmehr wird versucht, die traditionellen betriebswirtschaftlichen Ansätze auf den Tourismus zu übertragen, wobei natürlich den Besonderheiten des Tourismus Rechnung getragen wird.Wäre also die Tourismusbetriebswirtschaftslehre eine eigenständige Disziplin, so könnte man von einer Tourismus-Betriebswirtschaftslehre sprechen. Da jedoch in der Tourismusbetriebswirtschaftslehre, die Eigenständigkeit der Mutterdisziplin (Betriebswirtschaftslehre) überwiegt, muss eigentlich von einer Betriebswirtschaftslehre des Tourismus gesprochen werden. Leider hat sich die Wissenschaft auch nicht weiter mit dieser Fragestellung beschäftigt, die letzte intensive wissenschaftstheoretische Auseinandersetzung zu diesem Thema stammt aus den 50er Jahren (vergl. oberen Abschnitt). So ist auch heute noch strittig, ob es sich bei der BWL des Tourismus um einen eigenständigen Wissenschaftsbereich (um eine Tourismusbetriebswirtschaftslehre) oder ob es lediglich um einen Unterbereich der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre handelt. Jedoch besteht auch heute noch keine Einigkeit darüber ob die wirtschaftlichen Tourismusfragen eine eigene wissenschaftliche Disziplin darstellen, oder ob und wie, sie in das bestehende System der betriebs- und volkswirtschaftlichen Fragestellungen einzuordnen sind. (vergl. H. Klopp)Eine Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs/Tourismus präsentiert sich gleichsam als kleines Universm einer allgemeinen Betriebswirtschaftslehre in den Betriebstypen des Hotels und /oder Restaurants, Reiseveranstalters und/oder Reisemittlers, von Sportanlagen und touristischen Spezialverkehrsbetrieben(Ender/Fuhri/Mazanec/Steiner).

Die Betriebswirtschaftslehre des Tourismus, ist eine der gefragtesten Disziplinen innerhalb der sich etablierenden Tourismuswissenschaft. Die institutionelle Tourismuswissenschaft ist Toúrismuswirtschafts-, genauer: Tourismusmanagement- bzw. Tourismusmarketingwissenschaft geblieben (Wöhler 2000). Da Forschung traditionell an den Universitäten verankert ist, sollen hier kurz die Universitäten genannt, die sich im deutschsprachigen Raum, mit betriebswirtschaftlichen Fragestellungen des Tourismus in Forschung und Lehre beschäftigen. Tourismus kann an den Universitäten nicht als eigener grundständiger Studiengang studiert werden. Tourismus wird meist als Studienschwerpunkt, Wahlfach oder Wahlpflichtfach im Rahmen der betriebswirtschaftlichen Studiengänge angeboten. An der Universität Trier, kann unter anderem im Rahmen des Studiengangs Betriebswirtschaftslehre, das Fach "Strategisches Management" bzw. "strategisches Tourismusmanagement" studiert werden. In Dresden, kann an der TU Dresden im Rahmen des betriebswirtschaftlichen Studiums das Fach "Tourismuswirtschaft" als spezielle Betriebswirtschaftslehre studiert werden. Besonders zu erwähnen, sind die Bemühungen der Universität Lüneburg. Bisher konnte Tourismusmanagement nur als Wahlpflichtfach im Hauptstudium studiert werden, aber seit dem WS 05/06 ist auch ein Masterstudium "Tourismusmanagement" möglich. Dieses Masterstudium ist neben dem Masterstudium (Tourismusmanagement und regionale Fremdenverkehrsplanung) an der Universität Berlin, das einzige universitäre betriebswirtschaftliches Tourismus-Aufbaustudium in Deutschland, welches zu einem international anerkannten Master-Abschluss führt. An der LMU-München können Betriebswirte Tourismuswirtschaft als Pflichtfach belegen und an der Universität Rostock, kann Tourismuswirtschaft als SBWL studiert werden. Auch in Österreich kann Tourismus als spezielle Betriebswirtschaftslehre an den Universitäten studiert werden. Ein solches Studium ist an der WU-Wien und der Universität Innsbruck möglich. Das Studium an den österreichischen Universitäten, ist stärker ökonomisch ausgeprägt als in Deutschland.

Hauptsächlich wird die Betriebswirtschaftlehre des Tourismus stark praxis- und anwendungsbezogen an den Fachhochschulen vermittelt. So kritisiert Prof. K. Socher zurecht: Als Kuriosum sei bemerkt, dass die "Betriebswirtschaftslehre des Fremdenverkehrs / Tourismus" schon seit längerem an den Handelsakademien gelehrt wurde, ohne dass es für die dort Lehrenden eine entsprechende Ausbildung an der Universität gegeben hätte, wie dies bei anderen Fächern der Fall ist (Socher in ITV 1991). Dieser Umstand trifft auch in Deutschland auf die Fachhochschulen zu. Viele der Lehrenden haben eine allgemeine betriebswirtschaftliche Ausbildung genossen. Viele dieser Lehrenden haben durch ihre Praxistätigkeit im Tourismus, die Fähigkeit erlangt die "Betriebswirtschaftslehre des Tourismus" zu lehren. Vergleicht man aber den Lebenslauf mancher Professoren, so stellt man erschreckt fest, dass viele von ihnen nie ein touristisches Unternehmen von innen gesehen haben.

Zum Seitenanfang



Tourismus in Österreich

Blick vom Hintertuxer Gletscher

Der Tourismus ist im Industrieland Österreich ein bedeutender Wirtschaftszweig.

Österreich verfügt in hohem Ausmaß über die Voraussetzungen für Tourismus: naturnahe Gebirgslandschaften (Alpen, Granit- und Gneishochland) und Seenlandschaften, zahlreiche Kulturdenkmale und attraktive Städte sowie gut ausgebaute Infrastruktur. Vorteilhaft sind die zentrale Lage in Europa und die gute Erreichbarkeit. Der Tourismus verteilt sich in Österreich gleichmäßig auf die Sommer- und die Wintersaison.

2004 erzielte die Tourismusbranche, in der 1993 ca. 10 % aller Erwerbstätigen gearbeitet haben, Einnahmen von 1516 Euro pro Einwohner. Damit liegt Österreich weit vor anderen Urlaubsländern wie der Schweiz (1117 Euro), Spanien (906 Euro) oder Frankreich (531 Euro). 2004 wurde aus dem Tourismus eine direkte und indirekte Wertschöpfung von 21,16 Mrd. Euro erzielt, das entspricht 9 % des Bruttoinlandsprodukts. Der Tourismus verhalf der österreichischen Wirtschaft dazu, dass in den letzten Jahrzehnten stets ein Zahlungsbilanzüberschuss erzielt werden konnte; die Handesbilanz der Industrie ist erst seit 2002 positiv. 2005 betrug der Überschuss in der Reiseverkehrsbilanz 5,1 Mrd. Euro und half die Leistungsbilanz fast auszugleichen.

2005 gab es in Österreich 69.981 Tourismusbetriebe. Der Anteil der klein strukturierten und einfach ausgestatteten Unterkünfte sinkt. Die Zahl der Betten in der 4- und 5-Sterne-Kategorie ist in von 1996 bis 2006 um 27 % gestiegen, die Zahl der Betten in Privatquartieren um 17 % zurückgegangen. Die Auslastung der Betten ist in den westlichen Bundesländern (Salzburg, Tirol und Vorarlberg) in den Wintermonaten höher als in den Sommermonaten. Österreichweit war die Auslastung 2006 in der Wintersaison (33,7 %) höher als in der Sommersaison (28,9 %) und in Wien am höchsten (62,8 % in der Sommersaison).

Der Export von österreichischem Tourismus-Know-how ist von erheblicher Bedeutung für die österreichische Dienstleistungsbilanz.

Österreich hat Hotelleriebetriebe mit 1.064.403 Betten (bei etwa 8 Mio. Einwohnern), die Betriebe sind mit durchschnittlich 40 Betten klein strukturiert (Dänemark, Portugal, Zypern und Schweden haben jeweils über 100 Gästebetten je Hotelbetrieb).

2007 wurden in Österreich 31,1 Millionen Gäste und 121,4 Millionen Nächtigungen (im Vergleich zu 2006: gesamt: + 1,6 %, davon: Ausländer + 1,3 %, Inländer + 2,7 %) registriert. Die Übernachtungen entfielen vor allem auf die Bundesländer Tirol (41,8 Millionen), Salzburg (23,4 Millionen), Kärnten (12,8 Millionen), Steiermark (10,0 Millionen) und Wien (9,7 Millionen).

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag für ausländische Gäste bei 4,3, für Inländer bei 3,2 Nächtigungen pro Ankunft. Die Aufenthaltsdauer ist in den letzten 30 Jahren kontinuierlich gesunken. Die nächtigungsstärksten Monate sind Februar, Juli und August (2006 jeweils knapp 16 Mio. Nächtigungen). Während noch in den 1970er und 1980er Jahren die Sommersaison eine weitaus höhere Bedeutung hatte, nahmen die Nächtigungen im Winterhalbjahr kontinuierlicher zu und überholten 2006 zum ersten Mal den Sommertourismus.

Neben den Beherbergungsbetrieben machen viele gastronomische Betriebe und solche der Kultur-, Freizeit-, Sport- und Verkehrswirtschaft sowie des Handels wesentlichen Tourismusumsatz.

Der Inlandstourismus (Binnentourismus) macht etwa ein Viertel aller Gästenächtigungen aus; drei Viertel der Nächtigungen stammen von ausländischen Gästen. Unter diesen sind die Deutschen nach wie vor Nummer 1, aber anteilsmäßig nicht mehr so extrem stark wie noch in den 70er Jahren. Weitere wichtige „Quellmärkte“ oder Herkunftsländer der Gäste sind die Niederlande, Großbritannien und in den letzten Jahren zunehmend auch Italien). Seit den 80er Jahren sind die USA und Japan die beiden wichtigsten „Fernmärkte“. Steigende Besucherzahlen kommen neuerdings aus Russland und China. Acht der zwölf nächtigungsstärksten Quellmärkte wiesen 2007 ein Plus auf.

Die Österreicher bevorzugten als Reiseziele im Inland die Bundesländer Steiermark (6,4 Millionen), Salzburg (5,5 Millionen) und Kärnten (4,7 Millionen).

Die Berge spielen für Aktivurlauber sowohl im Winter als auch im Sommer für Bergwanderungen und Bergsteigen, eine bedeutende Rolle. Die höchsten Berge in Österreich sind Dreitausender und befinden sich in den Ostalpen. Mit 3.798 m ist der Großglockner (Kärnten) der höchste Berg. Österreich verfügt über zahlreiche Schutzhütten und 1083 km Wanderwege, die von den Alpenvereinen und Fremdenverkehrsverbänden betreiben werden.

Der Badetourismus ist vor allem am Neusiedler See, im Salzkammergut und Salzburger Seengebiet und im Kärntner Seengebiet (Wörthersee, Ossiacher See, Millstätter See usw.) von Bedeutung.

Der Wintertourismus umfasst primär den Wintersport. Als vorwiegend von den Alpen beherrschtes Land gibt es in Österreich zahlreiche Möglichkeiten, den alpinen Skisport auszuüben. Insbesondere die Bundesländer Vorarlberg, Kärnten, Tirol und Salzburg bieten in beinahe jedem Alpental ein oder mehrere Skigebiete, die mit zahlreichen Aufstiegshilfen (Seilbahnen, Sessellifte, Schlepplifte) ausgestattet sind. Die großen Skiarenen in den österreichischen Alpen verfügen über 50 oder mehr verschiedene Liftanlagen und manchmal über 100 km präparierte Skiabfahrten. Aber auch in den östlichen Bundesländern gibt es viele Skigebiete, die häufig auch mit anderen Wintersportmöglichkeiten kombiniert, zum Beispiel mit Langlaufloipen, Rodelbahnen oder Thermalbädern. Zusätzlich gibt es in Österreich einige Gletscherskigebiete, die im wesentlichen unabhängig von der Schneelage ganzjährige Wintersportmöglichkeiten bieten.

Im Umfeld Wintersport werden jährlich 7,11 Mrd. € an Wertschöpfung erwirtschaftet. Einschliesslich „indirekter und induzierter Effekte“ beträgt der jährliche Wertschöpfungsbeitrag sogar etwas mehr als 11 Mrd. €. Der Anteil am gesamten österreichischen Bruttoinlandsprodukt des Wintersports liegt (2008) bei rund 4,1 %. Dabei entstammen jährlich rund 5,95 Mrd. € an direkter Wertschöpfung dem Wintersporttourismus (einschiesslich Beherbergungs- und Gaststättenwesen, Transportdienstleistungen, Sport- und Unterhaltungsdienstleistungen sowie dem fachlichen Einzelhandel). Das jährliche Aufkommen an Steuern und Sozialabgaben wird mit einer Untergrenze von 1,8 Mrd. € angenommen. Schätzungen nehmen an, dass jeder 14. Arbeitsplatz in Österreich direkt oder indirekt vom Wintersport abhängt.

Auf Wintersporttourismus – aktiv oder passiv – bezogen sind 3,76 Mio. Ankünfte (12,1 % der Gesamtzahl) und 28,22 Mio. Übernachtungen (23,2 %), und rund 10,1 Mrd. € (etwa ein Drittel der Gesamtsumme in allen Sparten) werden von Wintersporttouristen in Österreich ausgegeben.

Die größten Wintersportgebiete liegen in Tirol und Vorarlberg (z. B. Arlberg, Lech/Zürs/Warth, Ötztal, Zillertal, Stubaital, Kitzbühel) und in Salzburg (z. B. Skiverbund Amadé, Saalbach Hinterglemm, Radstadt/Altenmarkt/Zauchensee, Obertauern). Wintertourismus besteht auch in Kärnten (z. B. Nassfeld, Gerlitzen, Weißensee) und der Steiermark (z. B. Dachstein-Tauern-Region).

Der Städtetourismus in Österreich umfasst vor allem die Bundeshauptstadt Wien und die acht Landeshauptstädte.

Gäste halten sich in Städten meist wesentlich kürzer auf als in ländlichen Tourismusorten, geben aber pro Tag im Durchschnitt deutlich mehr aus als andere Österreich-Besucher. Die Besuchszwecke reichen vom Verwandten- bzw. Bekanntenbesuch und vom Erlebnis- und Kulturtourismus in der Freizeit bis zur vom Dienstgeber bezahlten Teilnahme an Kongressen, Messen und Firmentagungen. In den meistfrequentierten Städten fällt der Anteil der per Flugzeug anreisenden Gäste wesentlich größer aus als in Gesamtösterreich; auch der Nationenmix gestaltet sich vielfältiger.

Mehr als die Hälfte dieses Tourismuszweiges entfällt auf Wien, weitere stark von ausländischen Gästen frequentierte Städte sind Salzburg und Innsbruck. Es folgen Linz, Klagenfurt am Wörthersee und Graz gefolgt von den kleineren Städten Bregenz, St. Pölten und Eisenstadt. Die Nächtigungen im Städtetourismus stiegen 2007 auf rund 16 Mio. Übernachtungen, davon 9,7 Mio. in Wien und 2,3 Mio. in Salzburg.

Der Geschäftstourismus fällt vor allem in den Wirtschaftszentren des Landes an. So nimmt man in Wien an, dass etwa 30 bis 35 % aller Gästenächtigungen in der Stadt beruflich veranlasst sind. Hier zählt der Monteur, der zur Montage eines Messestandes anreist, genau so wie der ausländische Geschäftspartner, der zum Vertragsabschluss kommt, der zur Belohnung für erfolgreiche Arbeit von seinem Unternehmen Eingeladene („Incentivereisen“) ebenso wie der Kongressteilnehmer (Kongresstourismus), der von seiner Firma entsandt wird oder als Selbstständiger die Kongressreise steuerlich als Betriebsausgabe geltend macht.

Der Kurtourismus umfasst in Österreich den Tourismus von 84 Heilbädern und Kurorten, darunter etliche Thermalbäder (Thermenlinie, Thermenland). Im Jahr 2006 wurden in diesen Gemeinden 18 Millionen Übernachtungen gezählt, eine Unterscheidung zwischen Kurgästen und anderen Gästen ist derzeit nicht möglich. Neben medizinisch verordneten Kuren werden dort auch Wellness-Aufenthalte angeboten.

Der Urlaub am Bauernhof hat im Kontext der Ökologie und des Umweltbewusstseins in den letzten Jahren steigend Anteil am österreichischen Fremdenverkehr.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschränkte sich der Tourismus auf einzelne Orte. Karlsbad (heute in Tschechien) wurde bereits von Goethe besucht, Wien war ständiges Reiseziel der Aristokratie. Die Adelsberger Grotte (heute in Slowenien) war ebenfalls bereits im Biedermeier Reiseziel in Altösterreich. Wohlhabende Städter begaben sich oft mit ihrem gesamten Haushalt inklusive Dienstboten auf Sommerfrische in vorerst stadtnahe (z. B. von Wien aus: Hinterbrühl), nach dem Ausbau des Eisenbahnnetzes auch in entferntere ländliche Orte (z. B. von Wien aus: Semmering).

Bad Ischl wurde als Kurort und Sommerresidenz von Kaiser Franz Joseph I. und Bad Gastein als Kurort, der vor allem vom Großbürgertum besucht wurde, bekannt. Die Erschließung der österreichischen Alpen fand ab Mitte des 19. Jahrhunderts statt. Die Entwicklung des Eisenbahnnetzes ermöglichte eine schnelle Ausweitung des Tourismus. 1896 richtete Österreich das k.k. Eisenbahnministerium ein, zu dessen Aufgaben „grundsätzliche Maßnahmen zur Hebung des Fremdenverkehrs“ gehörten. Bei der touristischen Entwicklung der Alpen spielte der 1862 in Wien gegründete Österreichische Alpenverein durch die Erschließung der Berge mit Wanderwegen und Schutzhütten eine bedeutende Rolle, ebenso der 1907 eingerichtete Busverkehr der k.k. österreichischen Post (die erste Postbuslinie verkehrte im heutigen Südtirol).

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden im Anschluss an Bahnstationen viele große Hotels, insbesondere an den Ufern der Alpenrandseen und in hochgelegenen Talschlüssen. Aufgrund langer Aufenthaltszeiten der Gäste konnte eine hohe Wertschöpfung erzielt werden (vgl. Sommerfrische). Der Tourismus wurde zunehmend zu einem bedeutenden Faktor. So konnten im Jahr 1909 die alpinen Regionen Altösterreichs 2,5 Millionen Gäste verbuchen, davon über 880.000 Tirol, damals größer als heute.

Der Schitourismus begann kurz vor dem ersten Weltkrieg. Mathias Zdarsky gilt als einer der Pioniere des Schilaufs. Die ersten Schikurse wurden 1905 in Stuben am Arlberg abgehalten. 1908 wurde der erste Skilift in Österreich am Bödele ob Dornbirn in Betrieb genommen.

Da der erste Weltkrieg den Tourismus vollständig zum Erliegen brachte, verloren viele Tourismusgemeinden ihre feudale Klientel. In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich eine neue, „bürgerliche“ Form des Sommertourismus. Während in den westlichen Bundesländern (Salzburg, Tirol, Vorarlberg) vor allem Touristen aus Deutschland ihren Urlaub verbrachten, wurden die Kärntner Seen und das Salzkammergut eher aus Wien und den ehemaligen Ländern der k.u.k. Monarchie besucht. Wien selbst zählte damals etwa gleich viele Gäste aus West und Ost.

1933 wurde von der deutschen Regierung die Tausend-Mark-Sperre gegen Österreich verhängt. Die nationalsozialistische deutsche Führung wollte mit diesem wirtschaftlichen Druckmittel politische Zugeständnisse von Bundeskanzler Dollfuß erreichen. Bis zur Aufhebung der Sperre im Jahr 1937 hatte der Tourismus aus Deutschland starke Einbußen zu verzeichnen. Am Beginn des zweiten Weltkrieges kollabierte der Fremdenverkehr völlig.

Die Tourismusentwicklung nach dem zweiten Weltkrieg war von starken Steigerungsraten und der Entwicklung des Massentourismus gekennzeichnet. Der Wirtschaftsaufschwung, erweiterte Urlaubsansprüche und die zunehmende Mobilität durch die Motorisierung führten zu einer starken Ausweitung. Die wichtigsten Aktivitäten waren bis zu Beginn der 1990er Jahre Wandern, Baden und Schifahren sowie Städtetourismus. Erst nach dem Einbruch der Nächtigungszahlen Anfang der 1990er Jahre fand eine Diversifizierung des Angebots statt (z. B. Gesundheitstourismus).

War Österreich noch in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts das „selbstverständliche“ Urlaubsland Nummer 1 der Deutschen, so änderte sich dies in den folgenden Jahrzehnten stark. Deutsche Gäste sind zwar nach wie vor die Nummer 1 in Österreich, aber Österreich ist nicht mehr Urlaubsland Nummer 1 der Deutschen. Ihr Anteil an den Gesamtnächtigungen in Österreich ist daher tendenziell rückläufig, die seit langem geforderte „Internationalisierung des österreichischen Tourismusmarketings“ wird immer wichtiger: Österreich muss heute Gäste aus einer größeren Anzahl von „Quellmärkten“ ansprechen, um das Risiko der starken Abhängigkeit von Deutschland zu reduzieren.

Es bestehen Trends zur Übernachtung in Betrieben gehobener Kategorien (Vier-Sterne- und Fünf-Sterne-Hotels) sowie zur Verkürzung der Aufenthaltsdauer (Urlaubssplitting).

Im Buchungsverhalten der Gäste spielt das Internet eine große Rolle. Viele Gäste informieren sich auf Websites über Kommentare von ihresgleichen über den Urlaubsort und in Frage kommende Hotels, bevor sie buchen. Die Buchungen erfolgen oft sehr viel kurzfristiger als früher.

Österreich gewinnt im ehemaligen „Ostblock“ ständig an Beliebtheit als Urlaubsziel. Wohlhabende Reisende, z. B. aus Russland, der Ukraine, Polen und Rumänien, schätzen den verlässlichen, gehobenen Standard vieler Beherbergungsbetriebe sowie Sicherheit und Gastfreundlichkeit des Landes.

Im Tourismus der Schifahrer könnte sich auswirken, dass Schifahren zu lernen heute selbst in den Alpenländern für junge Menschen nicht mehr so selbstverständlich ist wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Generell lassen sehr günstige Flugpreise im Winter Sonnendestinationen im Süden als attraktive Alternativen zum Winterurlaub in Österreich erscheinen. Weiters lassen die Klimaveränderungen befürchten, dass in tiefer gelegenen heutigen Wintersportorten Österreichs in einigen Jahren kaum mehr ausreichend Schnee fallen wird. Von den Wintersportgebieten werden aber etwa 87% (über 90 % in Tirol, Steiermark und Salzburg, aber nur 46 % in Oberösterreich) als schneesicher bezeichnet.

Für die Dachmarke Urlaub in Österreich wirbt die nationale Tourismusorganisation Österreich Werbung (ÖW), die vom Wirtschaftsministerium und der Wirtschaftskammer Österreich getragen wird. Jedes Bundesland besitzt außerdem seine eigene Tourismusmarketingorganisation (z. B. Vorarlberg Tourismus GmbH, Tirol Werbung GmbH, Salzburger Land Tourismus GmbH, Kärnten-Werbung, WienTourismus); zusätzlich führen Tourismusregionen – wie sie in den Tourismusgesetzen einiger Bundesländer definiert sind – und größere Tourismusorte ihre eigenen Einrichtungen (z. B. Salzkammergut Tourismus GmbH, Dachstein-Tauern-Region, Wiener Alpen, Wörthersee-Tourismus, Innsbruck und seine Feriendörfer, Tourismus Salzburg GmbH, Graz Tourismus GmbH, Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern). Anbieter gleicher Zielsetzung sind mit Hilfe der Österreich Werbung in Urlaubsspezialisten genannten Angebotsgruppen zusammengefasst, z. B. Kinderhotel, Fischwasser Österreich, Reiten in Österreich, Wanderdorf, Urlaub am Bauernhof, Weinreisen Austria, kleine historische Städte, Erlebnis Bahn und Schiff.

Zum Seitenanfang



Spiritueller Tourismus

Spiritueller Tourismus ist eine Sammelbezeichnung für Reisen mit geistlichen, religiösen oder kirchlichen Inhalten, die vor dem Hintergrund einer Zunahme von Pilger- und Klosterreisen sowohl in die Reisebranche als auch in die Pastoraltheologie Eingang gefunden hat.

Spiritueller Tourismus ist ein verhältnismäßig junger Begriff, der wohl erstmals von dem neuseeländischen Baptisten-Pastor Steve Taylor verwendet wurde. Das Land Sachsen-Anhalt nahm den Begriff auf, um touristische Angebote mit religiösen oder gar kirchlichen Inhalten zusammenzufassen. Eine interdisziplinäre Studienkonferenz der Thomas-Morus-Akademie Bensberg, die vom 20.-22. Februar 2006 in Lutherstadt Wittenberg stattfand, führte die Bezeichnung Spiritueller Tourismus sowohl in der Theologie wie auch in der Tourismusbranche ein. Im englischsprachigen Raum hatte eine Konferenz, die vom 5.-7. April 2006 an der University of Lincoln abgehalten wurde, eine ähnliche Wirkung.

Nach der Definition der Marburger Kunsthistorikerin Karin Berkemann ist Spiritueller Tourismus "ein geistliches und körperliches Reisen, das von Menschen auf der Suche nach Erfahrungen von Transzendenz, nach Lebenssinn und Wertungen unternommen" wird. Eine ähnliche Definition lieferte der katholische Theologe Herbert Poensgen. Ihm zufolge ist Spiritueller Tourismus "jene Form des Reisens, der Erholung und des Ausspannens, die sich aus der Sehnsucht nach postmateriellen Werten, nach Heilserwartungen, Ganzheitsvorstellungen und einem Drang nach Übersinnlichem speist." Demgegenüber bezeichnet der Kölner Marktpsychologe Christoph B. Melchers Spirituellen Tourismus weitaus allgemeiner als ein "Familiärwerden mit dem Besonderen", dessen Spannbreite vom Familienfoto vor der Statue einer bekannten Persönlichkeit bis zur Empfangung eines Lebensinnes reicht.

Eine wissenschaftliche Analyse und Einordnung des Themas stößt auf vielerlei Hindernisse, wobei die Bewertung der Reisemotivation eine zenrale Rolle spielt. Es ist nahezu unmöglich einen Reisenden nach dem Grad seiner religiösen Motivation zu befragen, um festzustellen, ob ein religiöser oder nicht-religiöser Tourist ist. Die Mehrzahl der Pilger, die mit Ankunft im spanischen Santiago de Compostela den Jakobsweg gegangen sind,gibt an, aus religiösen Gründen diese Wanderung unternommen zu haben. Es werden sich aber auch Menschen finden, die aus anderen, nicht einfach zu klassifizierenden Motiven gepilgert sind. Es lassen sich allerdings bei den verschiedenen Reisearten Unterschiede feststellen.

1. Klosterurlaub mehrtägige Aufenthalte in geistlichen Zentren wie Klöstern und Kommunitäten, in denen bewusst ein Bruch mit der Außenwelt gewünscht wird und spirituelle Angebote wie Medition und Gesprächskreise nachgefragt werden.

2. Pilgerreisen Wanderungen, die bewusst einzeln oder in kleinen Gruppen mit spirituellen Motiven unternommen werden. Dabei werden bewusst einfache Pilgerquartiere vorgezogen, die sich von kommerziellen Angeboten unterscheiden.

3. Wallfahrten Traditionelle ein- oder mehrtägige Wanderungen, die in der Gruppe, z. B. mit der Kirchengemeinde zu kirchenrechtlich anerkannten Wallfahrtsorten unternommen werden. Sie sind jährlich wiederkehrend, oft mit der gleichen Route.

4. Kirchenbesuche Als wichtigste Reiseart im spirituellen Tourismus sind bei einem Kirchenbesuch die Motivationen der Reisenden besonders heterogen. Religiosität, geschichtliches, kulturelles, architektonisches Interesse fließen zusammen.

5. Religiöse Feste Traditionelle Feste mit religiösem Charakter.

6. Stätten mit geschichtlich-religiösen Charakter Orte, oft Geburtshäuser, die eng verknüpft sind mit dem Leben und Wirken einer Person, die im religiös-spirituellen Sinne bekannt war.

7. Reisen zu kirchlichen Großereignissen Reisen, die zu kirchlichen Großereignissen wie Katholikentagen, Kirchentagen, Weltjugendtagen oder Europäischen Jugendtreffen der Gemeinschaft von Taizé unternommen werden.

8. Friedhofstourismus Reisen zu Friedhöfen, auf denen bekannte Persönlichkeiten begraben sind. Das bekannteste Beispiel ist die Begräbnisstätte des Musikers Jim Morrison auf dem Friedhof Cimetière du Père Lachaise in Paris.

Das religiöse Reisen kann heute als der Vorläufer der touristischen Reise gesehen werden, da diese Reiseart, anders als Handels- oder Kriegsreisen, vielfach freiwilliger Natur war. Zwar war es im Mittelalter durchaus üblich Pilgerreisen als Buße zu verordnen, trotzdem gab es in der Regel die Möglichkeit des Daheimbleibens. Vor allem ab dem 13. Jahrhundert nahmen Wallfahrten zu. In dieser Zeit gab es in Europa über 10.000 Wallfahrtsorte. Mit der Reformation fanden religiöse Reisen in den protestantisch gewordenen Gebieten ein Ende, doch mit der Gegenreformation blüten vor allem im katholischen Bayern zahlreiche wichtige Wallfahrtsorte wieder auf, wie Altötting oder Vierzehnheiligen.

Spiritueller Tourismus muss als eigenständige Reiseart betrachtet werden. Zwar finden sich Elemente des Kulturtourismus oder des Wandertourismus, doch können diese nicht 1:1 übernommen werden. Die Struktur der spirituellen Reisen weist eine starke Heterogenität hinsichtlich Nachfrage und Angebot auf. Deshalb ist es schwierig eine religiöse von einer nicht-religiösen Reisen zu unterscheiden. Wichtige Elemente sind u.a. die Trägerschaft der Angebote, die Bewusstmachung der Reise und die Besonderheit des Gast-Gastgeberverhältnisses, welches in der Regel nicht vom Kommerz geprägt ist und sich dadurch von herkömmlichen touristischen Angeboten unterscheidet.

Auf der Wittenberger Studienkonferenz äußerte sich der Theologe Herbert Poensgen kritisch gegenüber der Tendenz, Angebote des spirituellen Reisens als Mehrwert über den geographischen oder kulturellen Raum zu setzen. Diese "Entlokalisierung" müsse einen Verlust an Originalität zur Folge haben. Auf einer Tagung des Thüringer Arbeitskreises Kirche und Tourismus wurde kritisiert, dass Maßnahmen im Spirituellen Tourismus oftmals von sachfremden Interessen geleitet seien und die Begriffe Jakobsweg und Pilgern dekontextualisiert als publikumswirksame Marken verwendet würden.

Zum Seitenanfang



Source : Wikipedia