Tibet

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Geschrieben von bishop 11/03/2009 @ 00:15

Tags : tibet, asien, ausland

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Tibet

Das Hochland von Tibet und seine angrenzenden Regionen und Länder

Tibet (tibetisch བོད་ Bod, sprich: „Pö“; chin. 西藏, Xīzàng) ist ein ausgedehntes Hochland in Zentralasien.

Die Bezeichnung Tibet wird heute sowohl für das gesamte tibetische Hochland verwendet als auch für das Autonome Gebiet Tibet, ein in den fünfziger Jahren annektiertes Verwaltungsgebiet der Volksrepublik China. Das Autonome Gebiet Tibet umfasst etwa die Hälfte des tibetischen Kulturraums und liegt im Süden Tibets. Die nördlichen und östlichen Teile des tibetischen Kulturraums sind Teil der chinesischen Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan. Im offiziellen chinesischen Sprachgebrauch steht der englische Begriff Tibet (d.h. das chinesische Xizang 西藏) immer für das Autonome Gebiet Tibet; allerdings schließt auch der tibetische Begriff bod bzw. bod yul die osttibetischen Regionen Amdo und Kham, also überwiegend außerhalb des Autonomen Gebiets Tibet gelegenen Gebiete, üblicherweise nicht mit ein. Um mitgerechnet zu werden, muss im Tibetischen bod chen (Böchen) = „Groß-Tibet“ gebraucht werden.

Die Zugehörigkeit Tibets zur Volksrepublik China ist in der breiten Öffentlichkeit umstritten (siehe dazu: Tibets Status), obwohl es weltweit keinen Staat gibt, der dies auf diplomatischer und politischer Ebene offiziell in Frage stellt.

Das Hochland von Tibet, das in seinem äußersten Süden einen großen Teil des Himalaya-Gebirges umfasst und sich auf einer durchschnittlichen Höhe von 4500 Metern erstreckt, wird häufig als „Dach der Welt“ bezeichnet und gilt als die höchstgelegene Region der Welt.

Das Hochplateau Tibets ist wüstenhaft, der trockenste Teil ist der westliche Bereich, der als Changthang (tibetisch für „nördliche Ebene(n)“) bezeichneten alpinen Steppen. Der Grund für die Trockenheit liegt vor allem darin, dass der Himalaya das Hochland nach Süden hin von den indischen Monsunregen abschirmt und im Inneren kontinentales Klima vorherrscht.

Umschlossen wird Tibet von den Gebirgen des Himalaya im Süden, den osttibetisch-chinesischen Randketten im Osten (Min Shan, Minya Konka, Hengduan Shan), dem Karakorum im Westen und dem Kunlun Shan im Norden, aber auch im Inneren wird es von zahlreichen Gebirgsriegeln durchzogen. Tibet grenzt von Westen nach Osten an die indischen Bundesstaaten Jammu und Kashmir, Himachal Pradesh, Uttarakhand, Sikkim und Assam (nach chinesischer Auffassung) bzw. Arunachal Pradesh (nach indischer Auffassung und aktueller politischer Grenzen), sowie an die Länder Nepal, Bhutan und Myanmar (Birma), mit einer Gesamtlänge der Grenze zu diesen drei Ländern von knapp 4000 km.

In all diesen tibetischen Kulturregionen finden sich Tibeter bzw. tibetisch sprechende Gruppen, wobei in den Randgebieten häufig auch andere Völkerschaften zu finden sind, die nicht immer mit den Tibetern sprachlich verwandt oder kulturell eng verbunden sind (Muslime in Amdo und Ladakh). Aus diesem Grunde zeichnet sich der tibetische Kulturraum trotz aller Gemeinsamkeiten auch durch eine gewisse kulturelle Vielfalt aus.

Das Autonome Gebiet Tibet ist eine Verwaltungseinheit der Volksrepublik China. Es umfasst ein Gebiet von 1,2 Millionen km² – die ehemaligen zentraltibetischen Provinzen Ü (dBus) und Tsang, Ngari, weite Teile des Changthang sowie den westlichen Teil der Kulturregion Kham.

In Tibet herrscht Hochlandklima mit großen Tagestemperaturschwankungen und viel Sonnenschein. Auch sind die Temperaturunterschiede zwischen dem Süden Tibets und dem Norden beträchtlich.

Das angenehmste Klima ist in den tieferen Lagen des Südostens Tibets. Dort liegen auch die Städte Lhasa, Gyangzê und Xigazê. Lhasa hat eine Durchschnittstemperatur von 8 Grad Celsius, Xigazê von 6,5 Grad während nach Norden hin das tibetische Plateau auf über 4500 Meter Höhe ansteigt und in der nördlichen Hälfte Tibets ist die jährliche Durchschnittstemperatur unter 0 Grad (Permafrostgebiet).

Die meisten Bewohner Tibets leben im Gebiet zwischen Lhasa und Xigazê sowie am Ostrand des tibetischen Hochlands während der Norden, der Zentralbereich wie auch der Westen Tibets weitestgehend unbewohnbar sind.

Nach einer chinesischen Volkszählung im Jahr 2000 ergeben sich für die verschieden Provinzen des Hochlands von Tibet folgende Bevölkerungsanteile.

Diese Liste beinhaltet alle tibetischen autonomen Gebiete der Volksrepublik China und zusätzlich Xining sowie Haidong. Die beiden letzten wurden berücksichtigt, um die Liste für die Provinz Qinghai zu vervollständigen und auch, weil die tibetische Exilregierung diese beiden Gebiete als Teil von Großtibet beansprucht.

Diese Zahlen schließen jene Tibeter nicht mit ein, die als Selbständige, Angestellte oder auch als Schüler in chinesischen Städten in Chinas Osthälfte leben. Allein in Peking leben rund 2000 Tibeter, wie auch Lanzhou, die Hauptstadt der nordwestchinesischen Provinz Gansu, und Chengdu, die Hauptstadt der chinesischen Provinz Sichuan, einen beträchtlichen tibetischen Bevölkerungsanteil aufweisen. Nichtoffiziellen Schätzungen zufolge liegt die Zahl der Tibeter, die in Chengdu leben, zwischen 10.000 und 100.000. Aufgrund des inzwischen wieder großen Zuspruchs, dessen sich der tibetische Buddhismus auch unter Han-Chinesen erfreut, lassen sich auch manche hohe Lamas in ost- und südchinesischen Städten wie Shanghai, Hangzhou oder Shenzhen nieder.

Zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert war Tibet ein starkes Reich. Nach der Schwächung der Position der tibetischen Könige im 10. Jahrhundert bildete sich die prägende Form der tibetischen Gesellschaft aus. Das Land war in drei unterschiedliche Besitzformen unterteilt: freier Grundbesitz, Ländereien der adligen Familien und Ländereien unter der Verwaltung verschiedener buddhistischer Klöster. Diese Form bestand bis in die 1950er Jahre.

Im Jahre 1240 wurde Tibet durch den mongolischen Khan Güyük Khan erobert und in das Reich eingegliedert. Köden, der jüngere Bruder Güyük Khans wurde 1247 zum vorübergehenden Gouverneur der eroberten Tibet-Region ernannt. Mitte des 13. bis Mitte des 14. Jahrhunderts wurden Angehörige der Sakya-Schule des tibetischen Buddhismus von den mongolischen Khans als Vizekönige eingesetzt. Es folgten Zwischenregierungen, mit drei Herrschafts-Dynastien. Während der letzten Invasion der Mongolen am Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Regierungsgewalt auf höchste kultisch-religiöse Repräsentanten der jüngsten der vier religiösen Linien, der Gelugpa-Schule, übertragen. Zur obersten Autorität des tibetischen Staatswesens wurde im Jahr 1642 mit Ngawang Lobsang Gyatso der damalige 5. Dalai Lama erklärt. Des Weiteren wurde die Regierung Ganden Podrang (tib.: dga' ldan pho brang) geschaffen, die von 1642-1959 regierte.

Seit 1720, als ein kaiserliches Heer den jungen 7. Dalai Lama nach Lhasa geleitete, war eine Garnison kaiserlicher Soldaten in Lhasa stationiert. Auch erwirkte China das Recht, durch Ambane, die seit 1727 als kaiserliche Gesandte an den Hof des Dalai Lama, den Potala-Palast, entsandt waren, in langsam steigendem Maße an der tibetischen Politik mitzuwirken. Auch auf das Findungs-Ritual eines neuen Dalai Lama nahmen sie Einfluss.

Während des 19. Jahrhunderts lebten die Menschen in einem feudalen System unter den Lamas. Die großen Klöster besaßen den Hauptanteil des Landes, monopolisierten das Bildungssystem sowie die meisten wirtschaftlichen Aktivitäten und zogen Abgaben ein. Einen Handel mit dem Ausland gab es bis auf ein paar Ausnahmen mit Indien, Turkmenistan und China nicht.

Der Dalai Lama wurde als das Oberhaupt angesehen, aber sein Einfluss schwankte mit seinen persönlichen Fähigkeiten. Sein Machtbereich reichte insbesondere zur Zeit des 5. Dalai Lamas bis weit nach Osttibet hinein (insbesondere Kham), umfasste jedoch nie mehr den gesamten tibetisch besiedelten Raum wie zur Zeit der Yarlung-Dynastie. Vor allem Amdo unterstand keiner Lhasa-Regierung eines Dalai Lamas, auch wenn der Gelugpa-Orden dort manches mächtige Klosterzentrum errichten konnte. Durch das Tulku-System der Reinkarnation gab es lange Phasen, in denen der Dalai Lama zu jung war, um sein Amt auszuführen. In dieser Zeit wurde neben einem System von Regenten der Panchen Lama als effektive Führung des Landes angesehen.

Während der Phase des Great Game gewann Russland starken diplomatischen Einfluss auf Tibet. Versuche von Lord George Curzon, dem britischen Vizekönig von Indien, mit diplomatischen Mitteln diesen Einfluss einzudämmen, wurden von der tibetischen Regierung ignoriert. Als Antwort auf diese als Affront betrachtete Haltung begann im November 1903 der Britische Tibetfeldzug unter der Leitung von Francis Younghusband, um durch etappenweises Vorgehen gegen die schlecht ausgestattete tibetische Armee Verhandlungsdruck aufzubauen.

Erst nach der Besetzung von Lhasa und nach der Flucht des 13. Dalai Lama in die Mongolei erwirkten die Briten mit den verbleibenden tibetischen Vertretern und dem kaiserlichen Amban im September 1904 ein Abkommen zur Öffnung der Grenze für den Handel mit Britisch-Indien. Weiterhin wurde festgelegt, dass Tibet nicht ohne Einverständnis der Briten in Verhandlungen mit anderen Ländern treten durfte. Erst 1906 wurde dieser Vertrag von der chinesischen Regierung bestätigt.

Im Vertrag von Sankt Petersburg von 1907 einigten sich England und Russland über ihre Interessensphären in Zentralasien und stellten die Suzeränität Chinas über Tibet fest. 1910 schickten die Chinesen eine eigene militärische Expedition, um diesen Anspruch zu festigen. Der Dalai Lama, kaum aus dem Exil heimgekehrt, floh erneut, diesmal nach Indien. Aufgrund der chinesischen Revolution im Oktober 1911, des Sturzes der Qing-Dynastie und des damit einhergehenden Endes des Kaisertums in China verließen die chinesischen Truppen Tibet. Im Frühjahr 1912 gab es nur noch eine kleine chinesische Garnison in Lhasa. Der Dalai Lama kehrte zurück und zog im Juni 1912 in Lhasa ein. Nach Vertreibung der letzten chinesischen Truppen aus Lhasa Anfang Januar 1913 proklamierte der Dalai Lama am 14. Februar 1913 feierlich die staatliche Unabhängigkeit Tibets. Hierbei wurden auch die äußeren Symbole wie Flagge und Hymne festgelegt. Zur gleichen Zeit wurde ein (später angezweifelter) Freundschaftsvertrag mit der Mongolei unterzeichnet, welche ebenfalls gerade die Unabhängigkeit erklärt hatte.

Während der 1920er und 1930er Jahre war China durch Bürgerkriege gespalten und durch den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg abgelenkt, gab aber nie den Anspruch auf Tibet auf und unternahm gelegentliche Versuche, diesen durchzusetzen. In der Regierungszeit des 13. Dalai Lama hatte Peking zwar keine Repräsentanten in dessen Territorien, schickte aber nach dessen Tod eine Kondolenz-Mission nach Lhasa, angeführt von General Huang Musong.

Der nach der Kapitulation Japans 1945 in China ausgebrochene Bürgerkrieg sorgte in Tibet für Besorgnis. Als Reaktion wurden alle chinesischen Beamten des Landes verwiesen und die eigene Armee aufgerüstet. Ein Appell an die Regierungen Großbritanniens, Indiens und der USA im Jahr 1949 blieb ohne Erfolg, so dass Tibet politisch isoliert blieb.

Nach der Machtübernahme der Kommunistischen Partei und Gründung der Volksrepublik China unter Führung von Mao Zedong im Oktober 1949 erwachte der Anspruch auf Tibet und dessen Anschluss an das chinesische „Mutterland“ erneut. Die Absicht der Befreiung Tibets vom „britischen, imperialistischen Joch“ durch Chinas Volksbefreiungsarmee wurde im Januar 1950 durch Radio Peking verkündet. Am 7. Oktober 1950 erreichte die Volksbefreiungsarmee die tibetische Stadt Chamdo, wo sie nur auf minimalen Widerstand durch die schlecht ausgerüstete tibetische Armee traf. Einen Monat nach der Kapitulation der Armee in Osttibet durch den Gouverneur von Kham, Ngabo Ngawang Jigme, übernahm in Lhasa im Alter von 15 Jahren, drei Jahre früher als üblich, der 14. Dalai Lama die Regierung Tibets. Ein anschließender Appell an die Vereinten Nationen blieb durch die Ablehnung von Großbritannien und Indien wegen des „ungeklärten Rechtsstatus Tibets“ erfolglos.

Nach der Aufnahme von Verhandlungen mit China unterzeichneten Repräsentanten der tibetischen Regierung am 23. Mai 1951 unter politischem Druck in Peking das 17-Punkte-Abkommen, ohne jedoch die Vollmacht durch ihre Regierung hierfür zu besitzen. In dem Abkommen wurde die Integration Tibets in China festgelegt, wobei Tibet neben der regionalen Autonomie und Religionsfreiheit auch eine Garantie zugesichert wurde, dass das existierende politische System in Tibet unverändert bleibt. Weiter sollen Reformprozesse ohne Druck durch chinesische Zentralbehörden nur durch die tibetische Regierung eingeleitet werden.

Drei Tage später erfuhr die tibetische Regierung über das Radio von der Unterzeichnung und dem Inhalt des Abkommens. Da hierin das religiös-politische System Tibets und die Stellung des Dalai Lama unverändert bleiben sollten, stimmte die Regierung in Lhasa am 24. Oktober 1951 dem Abkommen zu. Wenige Tage darauf brach die Volksbefreiungsarmee in Richtung Zentraltibet auf und errichtete in wenigen Monaten eine starke Militärpräsenz in Lhasa, die zahlenmäßig fast der Bevölkerungszahl entsprach.

Zu diesem Zeitpunkt unternahm die chinesische Regierung keine Versuche, das soziale oder religiöse System in dem neu geschaffenen Autonomen Gebiet Tibet zu verändern, jedoch wurden das östliche Kham und Amdo wie jede andere chinesische Provinz behandelt. Der Versuch der Kommunistischen Partei, dort die Landreform durch Errichtung von Volkskommunen und Sesshaftmachung der Nomaden durchzusetzen, erzeugte erste Unzufriedenheit in der Bevölkerung. In den 1950ern kamen in diesen Gebieten größere Unruhen auf, die sich letztendlich bis ins westliche Kham und Ü-Tsang ausweiteten. 1955 kam es zu einem spontanen Aufstand, der blutig niedergeschlagen wurde. Anschließend kam es durch den Zusammenschluss verschiedener Stammesgruppen zu einer landesweiten Rebellion, die sich im Khampa-Widerstand „Chushi Gangdruk“ organisierte.

1959, zur Zeit des Großen Sprungs nach vorn in China, behandelte die chinesische Führung den mittlerweile erwachsenen Dalai Lama mit offener Pietätlosigkeit. Am 10. März 1959 brach daraufhin in Lhasa der Tibetaufstand aus. Nach dem Beschuss des Norbulingka durch chinesische Truppen am 17. März 1959 floh der dort verweilende Dalai Lama nach Indien. Zwei Tage später brachen Kämpfe in der Stadt aus, der Volksaufstand wurde am 21. März brutal niedergeschlagen. Bei den Kämpfen starben laut exiltibetischer Angaben zehntausende Tibeter. Die roten Garden zerstörten in der Zeit der chinesischen Kulturrevolution von 1966 bis 1976 mehrere tausend Klöster und andere Kulturdenkmäler. Praktisch alle Bildungs-, Kultur- und Religionsinstitutionen Tibets wurden vernichtet. Was den Chinesen zur Zeit der „Kulturrevolution“ mehrheitlich jedoch als ein politischer Konflikt erschien, erschien den Tibetern als nationaler Konflikt, der sich gegen sie als Volk richtete und von den Han ausging.

Zu Unruhen in Lhasa kam es auch zwischen 1987 und 1989, was zur Ausrufung des Ausnahmezustandes durch die Behörden führte, sowie im März 2008.

Bis Anfang des 18. Jahrhunderts war Tibet eine Region ohne festgelegte Grenzen, bei innerer Autonomie unter mongolischer Schirmherrschaft. Mit dem Niedergang der mongolischen Macht brachen auf tibetischem Gebiet „Nachfolgeunruhen“ aus.

Aufgrund dieser Unruhen erklärte China um 1720 das Gebiet Tibets zu seinem Protektorat bei voller innerer Autonomie Tibets. Diese Konstruktion hielt fast 200 Jahre lang und hatte Vorteile für beide Seiten.

Chinesischen Einfluss gab es nur in den östlichen Randlagen Tibets zu der chinesischen Tiefebene. Dies sind bis heute die Gebiete mit einem größeren Bevölkerungsanteil von Han-Chinesen. Darüber hinaus hatte kaum ein Chinese aus dem Flachland die Motivation, das unerschlossene Gebiet Tibets, viele hundert Kilometer zu durchqueren, da diese Gebiete häufig auch nur sehr dünn besiedelt waren. Jede Reise in Tibet war beschwerlich und ohne ortskundige Begleitung nicht zu machen. Es gab in Tibet zudem fast nichts, mit dem die Chinesen den Handel hätten treiben können und was eine derart aufwändige Reise hätte rechtfertigen können. So verweilten zur Zeit des Einmarsches Chinas in das damals de facto unabhängige Tibet (dies umfasste ungefähr das Gebiet des heutigen Autonomen Gebiets Tibets) im Jahr 1950 dort nur sechs Ausländer, darunter auch die Österreicher Heinrich Harrer und Peter Aufschnaiter.

Für die Chinesen hatte das Protektorat über Tibet den Vorteil der Klarstellung, dass China bis zum Gebirgskamm des Himalaya Gebietsansprüche hatte. Es war eindeutig, ab wann fremde Mächte chinesisches Hoheitsgebiet betraten, und einen Krieg mit China wollte keiner der kleineren umgebenden Staaten beginnen.

Für die Bevölkerung Tibets garantierte die Stellung als chinesisches Protektorat den Schutz gegen äußere Feinde und damit den äußeren Frieden.

Aufgrund dieser Konstellation wird in den alten Atlanten Tibet meist als Teil Chinas dargestellt.

Die Lage änderte sich mit dem Auftauchen der englischen Invasionsarmee, welche die Außengrenzen Chinas nicht respektierte.

Aus Sicht der festland-chinesischen Regierung ist Tibet seit mehreren hundert Jahren ein fester Bestandteil Chinas. Nach dieser Ansicht hätte der 13. Dalai Lama Thubten Gyatso im Jahr 1894 mit Hilfe der britischen Imperialisten versucht, Tibet von China abzuspalten. In diesem Jahr wurde der Statthalter des chinesischen Kaisers vom Dalai Lama aus Tibet vertrieben. Die Kolonialmacht Großbritannien war in China militärisch präsent und unterstützte die Abspaltung Tibets politisch, was die chinesische Regierung zum Stillhalten zwang. Die Unabhängigkeitserklärung von 1913 ist aus chinesischer Sicht völkerrechtlich nie wirksam geworden, da sie weder von China noch von irgendeinem anderen Staat je anerkannt wurde. Mit dem Zurückdrängen der ausländischen Beeinflussung Tibets (1950) und dem Abschluss des 17-Punkte-Abkommens (1951) sei der traditionelle Zustand wiederhergestellt worden.

Die tibetische Exilregierung vertritt die Auffassung, dass Tibet zum Zeitpunkt der Invasion durch die chinesische Volksbefreiungsarmee ein unabhängiger Staat gewesen sei und dass die militärische Invasion und die andauernde Besetzung ein Verstoß gegen internationales Recht und gegen das Recht auf Selbstbestimmung seien. Ferner sei Tibet nicht, wie es die Volksrepublik darstellt, seit 700 Jahren fester Bestandteil Chinas, sondern habe nur für kurze Zeiten unter dem Einfluss der Mongolen oder der Mandschus gestanden, jedoch nie unter dem Einfluss der Han-Chinesen.

Das 17-Punkte-Abkommen ist nach tibetischer Auffassung ungültig, da die Unterzeichnung durch tibetische Delegierte aufgrund militärischen Drucks Chinas erfolgte. Des Weiteren wird China vorgeworfen, die in dem Abkommen zugesicherte innenpolitische Autonomie und Religionsfreiheit missachtet zu haben.

Am 21. September 1987 machte der Dalai Lama einen Vorschlag zur Annäherung an China in Form eines Fünf-Punkte-Friedensplans.

Die chinesische Regierung wies den Plan am 17. Oktober 1987 zurück und beschuldigte den Dalai Lama die Kluft zwischen ihm und der chinesischen Regierung zu vergrößern. Sie wirft ihm darüber hinaus vor, ein politischer Exilant zu sein, der sich seit langem im Ausland um Chinas Spaltung bemüht. Ein Dialog mit dem Dalai Lama kommt für sie nur in Betracht, sobald dieser auf das Streben nach einer so genannten Unabhängigkeit Tibets verzichtet. Hierzu müsse er in einer öffentlichen und eindeutigen Erklärung Tibet und Taiwan als untrennbare Teile des chinesischen Territoriums und die Volksrepublik China als die einzige legitime Regierung anerkennen, sowie sich zur Einstellung aller Aktivitäten zur Spaltung des Vaterlandes verpflichten.

Die völkerrechtlichen Argumente, die vorgebracht werden, variieren auch bei anderen Ländern. Die Internationale Juristenkommission erklärte im ICJ Report 1960, Tibet sei jedenfalls 1951 de facto ein unabhängiger Staat gewesen und habe schon in den Jahren 1913 - 1950 die anerkannten Kriterien für einen Staat erfüllt. Verschiedene Staaten haben jedoch ihre jeweils eigene offizielle Sicht.

Der völkerrechtliche Status Tibets ist umstritten. So betrachtet auf politischer Ebene die deutsche Bundesregierung in Übereinstimmung mit der internationalen Staatengemeinschaft Tibet als Teil des chinesischen Staatsverbandes, selbst wenn Tibet in der wechselvollen Geschichte die Voraussetzung eines unabhängigen Staates erfüllt haben sollte. Sie unterstützt aber den tibetischen Anspruch auf Autonomie, insbesondere im kulturellen und religiösen Bereich, als adäquaten Ausdruck des Selbstbestimmungsrechts des tibetischen Volkes. Kontakte zum Dalai Lama bestehen nur in dessen Eigenschaft als religiöser Führer.

Seit Mai 1995 gibt es im Deutschen Bundestag mit dem Tibet-Gesprächskreis auch ein interfraktionelles Gremium, das sich laufend mit der Tibetproblematik beschäftigt.

Im Jahr 1998 bekräftigte der damalige Außenminister Joschka Fischer jedoch die Zugehörigkeit Tibets zur Volksrepublik China. Er erklärte, die rot-grüne Bundesregierung stehe mit ihrer Chinapolitik in der Kontinuität der alten Regierung. Tibet werde als ein integraler Bestandteil Chinas betrachtet, alle Unabhängigkeitsbestrebungen würden als Separatismus angesehen und nicht unterstützt. An der Einbringung der Bundestagsresolution zu Tibet im Jahr 1996 wirkte Fischer (damals noch in der Opposition) ebenfalls mit.

Das Europäische Parlament veröffentlichte seit 1987 verschiedene Tibet betreffende Resolutionen. Hierbei verurteilte es wiederholt die Verletzungen der Menschenrechte und Religionsfreiheit durch die chinesischen Behörden.

In der Resolution vom 15. Dezember 1992 stellte es fest, dass das tibetische Volk ein Volk im Sinne des Völkerrechts ist und ihm das Recht auf Selbstbestimmung zustehe. Weiterhin verurteilte es die militärische Besetzung Tibets durch chinesische Truppen und drückte angesichts der Bedrohung der „nationalen Identität“ des tibetischen Volkes seine Besorgnis aus.

Der US-Senat verabschiedete am 23. Mai 1991 eine Resolution, nach der Tibet, einschließlich derjenigen Regionen, die den chinesischen Provinzen einverleibt wurden, nach gängigen Richtlinien internationalen Rechtes ein besetztes Land bildet, dessen wahre Repräsentanten der Dalai Lama und die tibetische Exilregierung bilden. Die chinesische Regierung wurde daraufhin aufgefordert ihre Streitkräfte aus Tibet zurückzuziehen.

Am 13. April 2005 haben Indien und China eine Reihe von Zusammenarbeitsverträgen vereinbart, die unter anderem auch eine gemeinsame Deklaration über die gegenseitig anerkannte Grenze umfassen. Grundsätzlich wird die gegenwärtige aktuelle Waffenstillstandslinie aus dem Grenzkrieg von 1962 als gemeinsame Grenze anerkannt. Dabei verzichtet China ausdrücklich auf Ansprüche südlich der McMahon-Linie (Bundesstaat Arunachal Pradesh) und insbesondere im Gebiet Tawang, in Sikkim und in Ladakh. Indien auf der anderen Seite erkennt die Hoheit Chinas im Gebiet nördlich der McMahon-Linie, in der chinesischen autonomen Region Tibet und auf dem Aksai Chin-Plateau an.

Darüber hinaus sprach er seine Unterstützung für jegliche Lösungsvorschläge des Dalai Lama in der Tibetfrage aus.

Tibet ist der Mittelpunkt des tibetischen Buddhismus, der als Vajrayana bekannt ist. Der Buddhismus in Tibet hatte sich zunächst seit dem 8. Jahrhundert und später ab dem 11. Jahrhundert in vier großen buddhistischen Schulen (Nyingma, Kagyü, Sakya und Gelugpa) entwickelt. Der international bekannteste Lama des tibetischen Buddhismus ist der im indischen Exil lebende 14. Dalai Lama. Er ist zugleich bedeutender Repräsentant einer Mahayana-Schule (Gelugpa) und wird von der tibetischen Exilregierung als Staatsoberhaupt anerkannt. Die vorbuddhistische tibetische Religion ist der Bön, die von buddhistischen Einflüssen stark durchdrungen ist – ebenso wie der tibetische Buddhismus wiederum vom Bön beeinflusst wurde.

Neben der mündlichen Tradition des Gesar-Epos entwickelte sich in Tibet spätestens mit der Einführung der tibetischen Schrift im 7. Jh. eine zutiefst religiös geprägte Literatur. Ab dem 13. Jh. wurde der Spiegel der Poesie (tib. snyan ngags me long), die Poetik des indischen Gelehrten Dandin, zur Norm für literarische Komposition. Erst mit der Annexion Tibets durch die Volksrepublik wurde die seit über 800 Jahren statisch festgeschrieben Tradition aufgebrochen und moderne wissenschaftliche, politische und literarische Genres konnten sich etablieren. Während unter dem Stichwort „Tibetische Literatur“ meist der große Schatz religiöser Texte verstanden wird, treten Drama, Lyrik, erzählende Literatur sowie die reiche mündliche Überlieferung oft in den Hintergrund. Berühmte Beispiele der tibetischen Literatur sind das Tibetische Totenbuch und das Gesar Epos.

Die typische Ernährung ist geprägt von den Produkten des Landes, welches mit seinen rauhen klimatischen Bedingungen die Möglichkeiten der Landwirtschaft einschränkt (z.B. mit der Gerste als dominierendem Getreide) und an seine Bewohner konkrete ernährungsphysiologische Ansprüche stellt. Der allgegenwärtige salzige Buttertee deckt etwa den Flüssigkeitsbedarf auf physiologisch vernünftige Weise. Üblicherweise wird dazu Yakbutter genommen, die ebenso in den Butterlampen Verwendung findet – auch für rituelle Zwecke.

Eine bekannte tibetische Mahlzeit ist Tsampa, ein Vollkornmehl aus gerösteter Gerste, das nur mehr mit heißem Buttertee angerührt werden muss. Sie wird auch meist zum Frühstück, als Zwischenmahlzeit oder während Pilgerfahrten und auf längeren Reisen gegessen. Die Hauptsächlichen Produkte bzw Lebensmittel stammen aus der Landwirtschaft und aus eigenem Anbau.

Außerhalb Asiens beherbergen vor allem das Jacques Marchais Museum of Tibetan Art in Staten Island, das Rubin Museum of Art in Manhattan, das Field Museum in Chicago, das Asian Art Museum in San Francisco und das Musée Guimet in Paris eine große Kollektion tibetischer Kunst. Im deutschen Sprachraum sind vor allem das Museum für Asiatische Kunst in Berlin und das Heinrich-Harrer-Museum in Hüttenberg (Kärnten) von Bedeutung.

Der überwiegende Teil der tibetischen Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft. Bauern und Hirten machen über 85 % der tibetischen Bevölkerung aus. Durch die Politik der 70er und 80er Jahre und das Bevölkerungswachstum bei den Tibetischen Viehhirten und den dadurch ausgeweiteten Bestand an Tieren werden die Steppen, die flächenmäßig nicht ausgedehnt werden können, schwer belastet und die Qualität der Steppen sinkt bedenklich. Um die Steppen zu entlasten, wird nach alternativen Arbeitsplätzen für einen Teil der Viehzüchter gesucht. Im Rahmen dieses Programms wurde im September 2007 beschlossen, dass bis zum Jahr 2010 von den Nomaden, die die Berghänge am Oberlauf der großen Flüsse in der nördlichen Provinz Qinghai bewohnen, 100.000 Menschen ihre Heimat verlassen müssen, um in den Städten neu angesiedelt zu werden.

Der Wirtschaftszweig des Tourismus wird derzeit stark entwickelt. Im Jahr 2004 besuchten über 1,2 Millionen Touristen Tibet, davon knapp 100.000 Ausländer.

Wesentliche Impulse für den Tourismus steuert inzwischen die im Jahr 2006 eröffnete Lhasa-Bahn bei. Die Lhasa-Bahn hat Wagen mit Panoramafenstern und hält an Stellen mit besonderer Aussicht. Durch die Lhasa-Bahn gibt es nun eine tägliche, meist ausverkaufte, Zugverbindung zwischen Peking und Lhasa mit einer Reisezeit von 48 Stunden. Im Jahr 2007 stieg die Anzahl der Touristen im Autonomen Gebiet Tibets um 60,4 % auf 4,02 Millionen. Die Einnahmen stiegen um 75,1 % auf 4,8 Mrd. Yuan (658 Mio. US-Dollar). Im Jahr 2008 wird eine weitere Steigerung um 25 % erwartet. Die wichtigste Touristenattraktion Lhasas, der Potala, kann bereits heute nur noch von einem kleinen Teil der Touristen Lhasas besucht werden. Um die Lehm- und Holzkonstruktion des Potalas zu schützen, ist die Anzahl der Besucher auf 2300 täglich beschränkt. Es gibt aber auch die Befürchtung, dass selbst diese Zahl schon zu hoch für die Bausubstanz des Potala sein könnte. Zum Ausbau des Tourismus wird deshalb versucht, andere Ziele in Tibet für den Tourismus zu fördern.

Im Autonomen Gebiet Tibets leben laut offiziellen Stellen heute bereits über 30.000 Tibeter vom Tourismus.

Kritische Stellen bezweifeln jedoch, dass der wirtschaftliche Fortschritt des Tourismus auch bei der tibetischen Bevölkerung ankommt. So wurden z.B. im Jahr 2003 einhundert tibetische Reiseführer entlassen und durch chinesische ersetzt. Durch fehlende Bildung bleiben die meisten Arbeitsplätze im touristischen Sektor für Tibeter unerreichbar. Tibetern, die im Exil ihre Ausbildung erhalten haben, bleiben Jobs als Reiseführer versagt. Laut einer Schätzung waren im Jahr 1995 75% der Geschäfte in Lhasa in chinesischem Besitz, sowie über 90% der Händler auf dem Gemüsemarkt chinesisch.

Der Bergbau soll zum dritten Standbein in der Tibetischen Wirtschaft werden. Bisher steckt er zwar noch in den Kinderschuhen, er wird aber inzwischen zielstrebig entwickelt. Tibet hat Lagerstätten von Bodenschätzen wie: Chrom, Kupfer, Magnesit, Bor, Blei, Gold, Erdöl, Eisen, Lithium, Kaliumchlorid, Aluminium, Zink und anderes. Noch wird wenig gefördert, aber die Entwicklung des Abbaus ist ein Schwerpunkt des gegenwärtigen Fünfjahrplans der Regierung in Peking. Im Januar 2007 meldete die Chinesische Regierung die Entdeckung von großen mineralischen Lagerstätten unter dem Tibetischen Hochland. Die Lagerstätten sind nicht sehr weit von der Lhasa-Bahn entfernt und könnten die Vorkommen in China von Zink, Kupfer und Blei verdoppeln. Kritiker befürchten jedoch, dass der Abbau dieser Vorkommen das Ökosystem in Tibet schädigen könnte.

Die Grundstoff- und Baustoffindustrie gehören auch zu den derzeit besonders geförderten Industrien. Ein kleinerer Wirtschaftszweig sind traditionelle handwerkliche Produkte wie Teppiche, Pulu (Manuell gewebter Wollstoff) und Kunsthandwerk.

Seit 1999 wird die wirtschaftliche Entwicklung Tibets im Rahmen des "Great Western Development Plan" unterstützt. Dieses Programm wurde geschaffen, um, nach den wirtschaftlichen Erfolgen der Küstenprovinzen, die wirtschaftlich zurückgebliebenen Gebiete im Westen Chinas in ihrer wirtschaftlich Entwicklung zu unterstützen. Ein wesentliches Element dieses Planes ist der Aufbau einer verbesserten Infrastruktur.

Im Autonomen Gebiet Tibets gibt es inzwischen über 20000 km an Landstraßen. Trotzdem sind noch über ein Drittel aller Dörfer nicht an eine Straße angeschlossen. Im Fernverkehr Tibets gibt es in Nord-Süd-Richtung zwei Fernstraßen, darunter die Qinghai-Tibet-Straße. In Ost-West-Richtung gibt es drei Fernstraßen, darunter die Sichuan-Tibet-Straße.

Ab 2001 wurde von Golmud an der Nordgrenze Tibets nach Lhasa eine Eisenbahn, die Lhasa-Bahn gebaut, die am 1. Juli 2006 ihre Jungfernfahrt hatte. Sie ist die bisher (Stand 2007) höchste Eisenbahn der Welt mit Fahrt über einen Pass von 5.072 m über NN, wurde teilweise auf Permafrostboden gebaut und führt durch Erdbebengebiete. Die Bahn erschließt erstmalig Tibet durch Schienenverkehr.

Internationale Flughäfen sind der Flughafen Bangda, der Flughafen Linzhi und der Flughafen Lhasa.

In den 1950er-Jahren begann ein großer Kahlschlag in Tibets Wäldern vor allem im Osten des Landes. Unzählige Transporte mit tibetischem Holz verließen die Regionen meist in Richtung Zentralchina. Die Folgen sind in Tibet, wie auch in anderen vergleichbaren Regionen weltweit, eine hohe Erosion im Hochgebirge einhergehend mit Erdrutschen und erhöhtem Steinschlag, sowie einem Ansteigen der Wasserstände der Flüsse, was zu Überschwemmungen führt. Um weitere Umweltschäden zu vermeiden wurde im Autonomen Gebiet Tibet von 1990 bis 2002 die Einschlagsmenge von Holz von 210.000m³ auf 50.000m³ reduziert. Gleichzeitig wurde und wird weiterhin ein großangelegtes Aufforstprogramm durchgeführt.

Ein weiteres Problem ergibt sich aus der Bevölkerungsentwicklung Tibets. Die Bevölkerung hat sich im letzten halben Jahrhundert mehr als verdoppelt und im Rahmen eines aufkommenden Wohlstands hat sich, nach offiziellen chinesischen Quellen, die Fleischproduktion Tibets von 1978 bis 2003 vervierfacht. Damit hat sich aber auch die Anzahl der Tiere der Nomaden auf den Steppen vervierfacht. Grundlage einer ökologisch verträglichen Viehwirtschaft der tibetischen Nomaden ist aber ausreichend Weidefläche, die in Tibet räumlich jedoch nicht weiter ausgedehnt werden kann. Es entsteht Weidekonkurrenz und Überweidung. Ohne die falsche Politik der 1970er- und 1980er-Jahre der Überweidung und teilweisen Verwüstung wären die Probleme etwas kleiner, dies löst die aktuellen Probleme aber auch nicht.

Verschärft wird die Weidekonkurrenz noch dadurch, dass, nach klassischer nomadischer Handlungsweise, die Haushalte Wert darauf legen, möglichst große Herden zu besitzen. Sie glauben nicht, dass es so etwas wie „zu viele Tiere“ gibt. Viele Tiere bezeugen Wohlstand und gelten als Absicherung für schlechte Jahre – die sich inzwischen häufen.

All dies verschärft den Druck auf die Steppenlandschaft, deren Qualität in den letzten Jahrzehnten bereits teilweise schwer gelitten hat. Für Nomaden müssen unbedingt neue Lebenschancen in den größeren Gemeinden und Städten geschaffen werden, um Menschen aus den Steppen abzuziehen und dadurch die Steppen zu entlasten.

Durch den Druck auf die Steppenlandschaft hat sich auch die Vegetation an den Oberläufen vieler Flüsse in großem Maß reduziert. Bodenerosion und Umweltzerstörung werden immer kritischer. Aus diesem Grund beschloss die Zentralregierung Chinas, von 2000 an 103,5 Milliarden Yuan zu investieren, um die natürlichen Wälder im Gebiet am Oberlauf des Yangtse und am Ober- und Mittellauf des Gelben Flusses, das 13 Provinzen und 770 Kreise umfasst, zu schützen.

Im folgenden wird die Anzahl der Arbeitsplätze im Autonomen Gebiet Tibet, aufgeschlüsselt in die verschiedenen Wirtschaftsbereiche, aufgelistet. Man erkennt die ungebrochene Dominanz der Landwirtschaft und Viehzucht und das weitgehende Fehlen von Arbeitsplätzen in Industrie und Handwerk.

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David Tibet

David Tibet bei einem Auftritt von Current 93 am 19. Mai 2007

David Tibet (* 5. März 1960 in Batu Gajah, Malaysia) (Geburtsname: David Michael Bunting) ist ein britischer Sänger, Maler, Autor und Labelbetreiber. Bekannt ist er vor allem als Begründer der Apocalyptic-Folk-/Neofolk-Band Current 93. Zwischendrin hatte er den Namen Tibet abgelegt und sich nur noch David Michael genannt.

David Tibet verließ Malaysia mit dreizehn Jahren und ging zunächst auf ein nordenglisches Internat. Nach der Reifeprüfung begann er ein Studium der Politikwissenschaft, welches er aber nach kurzer Zeit abbrach um nach London zu gehen. Schon zu dieser Zeit interessierte er sich zum einen für metaphysische Themen, zum anderen für Musik jenseits des Mainstream wie Krautrock oder den gerade seine Blütezeit erlebenden Industrial. Er knüpfte Kontakte zu Bands wie Whitehouse und Throbbing Gristle. Genesis P-Orridge, Mitglied der letztgenannten Gruppe gab seinem Freund den Spitznamen "Tibet" wegen seines damaligen Interesses an tibetischer Sprache und Kultur.

Tibets eigene Musikerkarriere begann als Mitglied von Orridges neuer Gruppe Psychick TV sowie der Industrial-Band 23 Skidoo, bevor er 1983 Current 93 ins Leben rief. Auch diese Band lässt sich mit ihren frühen Alben im Bereich atonaler Geräuschmusik rubrizieren, nach einigen Jahren wurden die elektronischen Klangerzeuger jedoch durch akustische Instrumente ersetzt, die den meisten Aufnahmen einen folkigen Klang verliehen. Auch bekamen Gesang und Texte einen größeren Stellenwert.

Obwohl Tibet das einzige feste Mitglied von Current 93 ist, spielen Zusammenarbeiten mit anderen Künstlern eine große Rolle. Die wichtigste Konstante in einer langen Reihe von Kollaborationen ist Steven Stapleton, der an fast allen Aufnahmen der Band mitwirkt, und dessen eigene Gruppe Nurse With Wound wiederum von Tibet unterstützt wird. Die zweite Konstante bildet seit den frühen 1990ern der Gitarrist und Pianist Michael Cashmore, der einen Großteil der Musik für Current 93 komponiert. Arbeitete Tibet in den ersten Jahren seiner Karriere des weiteren mit Künstlern wie Steve Ignorant und Little Annie (beide u.a. Crass), Douglas Pearce (Crisis, Death in June), John Balance (Coil), Boyd Rice, Tony Wakeford (Sol Invictus), Björk, Nick Cave, Joolie Wood und Rose McDowall zusammen, so kamen in den letzten Jahren u.a. Christoph Heemann (Hirsche Nicht Aufs Sofa), Andria Degens, der Autor Thomas Ligotti, Antony Hegarty (Antony and the Johnsons), Baby Dee, Simon Finn, Marc Almond, Andrew WK, Om und Maniac (Skitliv) hinzu.

Zusammen mit Hilmar Örn Hilmarsson, Niki Mono und Peter77 spielte er ein Album unter dem Namen The Aryan Aquarians ein. Das Projekt wurde wie folgt beschrieben: The album was meant to be a bogus 60s band that never was (deutsch: Das Album sollte eine fiktive 60er-Jahre-Band sein, die es nie gab).

Tibet gilt und galt v.a. zu Beginn seines Schaffens als Anhänger Thelemas, der Lehre von Aleister Crowley. Obwohl er sich in späteren Jahren oftmals auch kritisch oder parodistisch (z. B. im Song "Crowleymass") gegenüber dieser neureligiösen Bewegung geäußert und eine eher ambivalente Einstellung zum Ausdruck gebracht hat, ist er seit einiger Zeit Mitglied sowie Beisitzer des beratenden internationalen Kabinetts des Ordo Templi Orientis (Stand April 2006) dessen Vorsitzender William Breeze auch auf einigen seiner Platten spielt. Sein persönlicher Glaube verknüpfte ursprünglich christliche und buddhistische Vorstellungen mit einem eschatologischen Schwerpunkt, was sich auch in seinen Texten widerspiegelte. Die buddhistischen Elemente reduzierten sich in den letzten Jahren zugunsten einer noch größeren Hinwendung zur christlichen Lehre. Gerade die Lehren des frühen Christentums bilden eines seiner zentralen Interessengebiete. Tibet studiert mittlerweile auch Koptologie.

Nach einzelnen selbst gestalteten Plattencovers betätigt sich Tibet seit Ende der 1990er auch als Maler. Seine meist an Naive Kunst erinnernden Wachsgemälde in kontrastreichen Primärfarben wurden bereits in mehreren Galerien ausgestellt und gelten als exemplarisch für zeitgenössische Outsider Art. Tibet ist Gründer des Durtro-Labels, welches sich mittlerweile Durtro Jnana nennt. Dort erscheinen nahezu alle Aufnahmen von Current 93, zudem zahlreiche Platten von zum Teil befreundeten Künstlern. Teil dieser Firma sind auch die kleinen Buchverlage Durtro Press und Ghost Story Press, bei denen neben einigen Werken Tibets v.a. Editionen ausgewählter Autoren wie Graf Eric Stenbock und Thomas Ligotti verlegt werden.

Tibet lebt zur Zeit zusammen mit seiner Frau Andria Degens im südenglischen Hastings. Sowohl Tibet als auch Pantaleimon, die Band seiner Frau, haben auch zum Soundtrack des Films „Wild Tigers I Have Known“ beigetragen, Tibet sowohl in Form eines gesprochenen Intros als auch eines Current-93-Titels.

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International Tibet Independence Movement

Die Flagge Tibets gilt als ein Symbol für ein freies Tibet

Die International Tibet Independence Movement (deutsch: Internationale Tibet-Unabhängigkeitsbewegung; auch: Free Tibet Movement) ist eine internationale politische Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, das historische Tibet mit den Provinzen Amdo, Kham und Ü-Tsang als unabhängigen Staat zu etablieren. Die Unterstützung dieser Bewegung wird in der Volksrepublik China als illegal angesehen. Sie gründet sich hauptsächlich auf die Initiative von Exil-Tibetern und wird von einigen Organisationen außerhalb der Volksrepublik China gefördert.

Der tibetische Begriff für Unabhängigkeit lautet rangzen (Wylie: rang btsan). Die Rangzen-Organisation International Tibet Independence Movement (ITIM) wurde am 18. März 1995 von Thubten Jigme Norbu (Taktser Rinpoche) und Larry Gerstein von der Ball State University als nicht profitorientierte Organisation mit Hauptsitz in Indiana gegründet. Das Gründungsdatum der International Tibet Independence Movement ist aber nicht gleichzeitig der Beginn der internationalen Tibet-Unabhängigkeitsbewegung, da schon zu einem früheren Zeitpunkt gegründete Organisationen das Ziel einer Unabhängigkeit Tibets verfolgten. Beispiele sind der 1970 in Dharmshala gegründete Tibetan Youth Congress (TYC) und die 1994 in New York City gegründete Organisation Students for a Free Tibet. Zwischen den Begriffen Freiheit und Unabhängigkeit ist allerdings zu unterscheiden. Der politische Standpunkt derjenigen Tibet-Organisationen die mehr Freiheit für Tibet fordern und der politische Standpunkt derjenigen Tibet-Organisationen die rangzen fordern ist unterschiedlich, was in jedem Einzelfall einer regionalen, nationalen oder internationalen Tibet-Organisation überprüft werden sollte.

Der völkerrechtliche Status Tibets vor 1950, besonders zwischen den Jahren 1912 und 1950 wird unter den Befürwortern und Gegnern einer Unabhängigkeit Tibets heftig diskutiert (s. a. Shimla-Konvention).

Die Befürworter einer Unabhängigkeit Tibets sehen in Tibet nach dem Ende der Qing-Dynastie (1912) durch die Xinhai-Revolution und vor der Etablierung der Volksrepublik China (zur Zeit des chinesischen Bürgerkriegs) einen unabhängigen Staat. Auch während der Zeit der Yuan-Dynastie bis zur Qing-Dynastie sei Tibet weitgehend autonom gewesen. Die tibetische Exilregierung vertritt den Standpunkt, die Volksrepublik China kolonisiere Tibet unrechtmäßig aus Interesse an den Bodenschätzen und aus strategischen Gründen und verletze somit den historischen Status Tibets, sowie das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes. Sie verweist außerdem auf die autokratische Staatsform der Volksrepublik China, das Divide et impera und die Sinisierung Tibets.

Die Gegner der Unabhängigkeit Tibets sehen in Tibet seit der Yuan-Dynastie ein Gebiet, dass de jure und de facto zu China gehört. Sie verweisen darauf, dass kein Land nach 1950 diplomatische Beziehungen zu Tibet als unabhängigem Staat aufgenommen hat. Auch habe Tibet seine Zugehörigkeit zu China dadurch bewiesen, dass es 1925 Delegierte zur Versammlung über die Festlegung einer neuen Verfassung für die Republik China geschickt hat, des Weiteren 1931 zum Langen Parlament Chinas, zum 4. nationalen Kongress der Kuomintang 1931, zur Nationalversammlung für eine neue Verfassung 1946 und einer weiteren 1948. Die Volksrepublik China sieht alle Versuche eine Unabhängigkeit Tibets zu erreichen als das Resultat eines westlichen Imperialismus, der mit den britischen Versuchen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert begonnen habe (s. a. Francis Younghusband) um die Integrität und Souveränität der chinesischen Regierung zu untergraben und somit den Status Chinas in der Welt zu schwächen. Auch auf die autokratische und theokratische Struktur der ehemaligen Regierung in Lhasa vor 1959 wird verwiesen, des Weiteren auf die Abkehr Arunachal Pradeshs von China, das die Volksrepublik China als einen Teil Tibets und somit Chinas betrachtet, und das aus Sicht der chinesischen Regierung von Indien besetzt wird. Die tibetische Exilregierung habe ferner kein Recht zu behaupten die rechtmäßige Regierung Tibets zu sein.

Für eine chronologische Auflistung der Ereignisse vor und nach 1950 siehe auch Hauptartikel: Zeittafel Tibet.

1950 marschierte die chinesische Volksbefreiungsarmee in Tibet ein. Der Gouverneur von Kham Ngabo Ngawang Jigme kapitulierte. 1951 wurde das 17-Punkte-Abkommen unterzeichnet.

1955 wurde ein spontaner Aufstand blutig niedergeschlagen. Anschließend schlossen sich verschiedene Stammesgruppen zu einer landesweiten Rebellion zusammen, die sich im Khampa-Widerstand „Chushi Gangdruk“ nach 1957 organisierte.

1959 kam es zu einem weiteren Aufstand, dem Tibetaufstand.

Im Sommer 1969 ereignete sich der sogenannte Nyemo-Zwischenfall, der u.a. von Melvyn Goldstein untersucht wurde.

In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es eine Verbesserung der Lage in Tibet durch die Initiative Hu Yaobangs, der 1980 den 1. Sekretär des autonomen Gebiets Tibet, Ren Rong, durch Yin Fatang ersetzte. 1987 - 1989 kam es nach dem Scheitern der Politik Hu Yaobangs u. a. zu größeren Demonstrationen in Tibet worauf das Kriegsrecht verhängt wurde.

1996 wurden Dalai-Lama-Bilder in Tibet verboten.

2008 ereigneten sich die tibetischen Unruhen 2008.

Im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 2008 herrschte in Tibet faktisch Kriegszustand und ein Ende des Völkermords in Tibet ist nicht abzusehen.

Nach 1959, nach exiltibetischen Angaben betrug die Zahl der getöteten Personen während des großen Sprungs nach vorn und danach (bis 1969) in Tibet ungefähr 1.2 Millionen. 6500 Tempel und Klöster wurden zerstört. Die Kommunistische Partei Chinas nennt andere Zahlen. Die Verfasser des Schwarzbuch des Kommunismus gehen von einer Zahl von ca. 800.000 Toten aus. Etwa 10 % der Tibeter seien inhaftiert worden und nur wenige hätten dies überlebt. Chinesische demographische Studien gehen davon aus, dass ungefähr 90.000 der 300.000 vermissten Tibeter geflohen seien.

Die tibetische Exilregierung befürchtet, dass sich, obwohl in neuerer Zeit die tibetische Kultur wieder höher geschätzt wird um Touristen anzuziehen, der traditionelle tibetische Lebensstil doch unwiederbringlich geändert habe. Mönche und Nonnen werden demnach immer noch verhaftet, und viele Tibeter (häufig Mönche und Nonnen) versuchen jedes Jahr aus Tibet zu fliehen (s. a. Nangpa La 2006).

Es wird bezweifelt, dass Projekte wie die Lhasa-Bahn oder das Entwicklungsprogramm für den Westen Chinas zum Nutzen der Tibeter sind. Vielmehr wird befürchtet, dass diese Projekte dazu dienen noch mehr Han-Chinesen in Tibet anzusiedeln und die militärische Präsenz der Volksrepublik China in Tibet zu stärken.

Nach einem Zitat von Hu Qili und Tian Jiyuan soll die Bevölkerung Tibets im Jahre 1737 ungefähr 8 Millionen betragen haben. In den folgenden zweihundert Jahren nahm die Bevölkerung Tibets bedingt durch den Buddhismus und das Mönchsleben ständig ab, und im Jahre 1959 sollen noch ungefähr 1,19 Millionen Menschen in Tibet gelebt haben. Im Jahr 2000 waren es 7,3 Millionen, davon 5 Millionen Tibeter, bedingt durch die Aufhebung der Theokratie und den allgemein höheren Lebensstandard.

Dies wird von der Regierung der Volksrepublik China als positiv bewertet. Das Bruttoinlandsprodukt des autonomen Gebiets Tibet habe sich seit der Regierungszeit der Dalai Lamas verdreißigfacht; 22.500 km Straßen wurden gebaut seit 1950; eine säkulare Erziehung wurde etabliert; es gibt nun 25 wissenschaftliche Forschungszentren; die Säuglingssterblichkeit ging von 43 % (1950) auf 0.661 % (2000) zurück; die durchschnittliche Lebenserwartung stieg von 35,5 Jahren (1950) auf 67 Jahre (2000); das Gesser Chan, das nur mündlich überliefert war, wurde aufgeschrieben und veröffentlicht; seit den 1980er Jahren wurden 300 Millionen Renminbi investiert um tibetische Klöster zu erhalten und wieder aufzubauen; im Schulunterricht und vor Gerichten werde die tibetische Sprache gesprochen und den Tibetern ginge es nun viel besser als zur Zeit der Dalai Lamas. Die Kulturrevolution wird als landesweite nationale Katastrophe angesehen und die Hauptverantwortlichen (nach Darstellung der Volksrepublik China die Viererbande) wurden verurteilt und seien im modernen China auch nicht mehr denkbar. Das Entwicklungsprogramm für den Westen Chinas sei ein großes, nutzbringendes und patriotisches Unterfangen des Ostens der Volksrepublik China um dem Westen einschließlich Tibet zu helfen einen besseren Lebensstandard zu erreichen.

Umweltschutzorganisationen verweisen demgegenüber auf die Problematik größerer wirtschaftlicher Projekte und des Bergbaus im empfindlichen Ökosystem des Hochlands von Tibet. Tierschutzorganisationen verweisen auf die Bedrohung von u. a. in Tibet lebenden Tierarten, wofür der akut vom Aussterben bedrohte Schneeleopard ein Beispiel ist, der sich an keine staatlichen Grenzen hält.

Der 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso hat bei vielen internationalen Gelegenheiten über die Frage einer Unabhängigkeit Tibets gesprochen. Auch im Kongress der Vereinigten Staaten und vor dem europäischen Parlament. 1987 startete er eine Kampagne die zum Ziel hat diese Frage friedlich zu lösen. Er geht so weit, keine Unabhängigkeit Tibets zu fordern, sondern einen autonomen Status Tibets im Sinne einer Sonderverwaltungszone zu akzeptieren. Dies wurde als Politik des Mittleren Weges bekannt (vgl. Tibet - Fünf-Punkte-Friedensplan). Obwohl der 14. Dalai Lama seit seiner Flucht aus Tibet im Jahre 1959 von vielen Seiten auf nationaler und internationaler Ebene unterstützt wird, ist die von ihm gegründete tibetische Exilregierung - die im Wesentlichen auch nur von Tibetern im Exil gewählt werden kann - nicht als offizielle Regierung des tibetischen Volkes anerkannt.

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Buddhismus in Tibet

Padmasambhava (Guru Rinpoche), Begründer des Buddhismus in Tibet

Buddhismus in Tibet beschreibt den Prozess der Entwicklung des Buddhismus in Tibet, von den ersten Kontakten im 6. Jahrhundert, über die Zeit der offiziellen Einführung des Buddhismus in Tibet im 8./9. Jahrhundert, unter Berücksichtigung der Entstehung und Entwicklung der verschiedenen buddhistischen Schulen Tibets.

Bevor der Buddhismus in Tibet bekannt wurde, war dort die Bön-Religion vorherrschend. Die Bön-Lehren breiteten sich von dem ursprünglich unabhängigen westtibetischen Königreich Zhang Zhung nach Zentraltibet und dann weiter in die anderen Regionen Tibets aus. Diese Religion enthält, so wie der tibetische Buddhismus, einerseits naturreligiöse Vorstellungen und animistische Praktiken und andererseits Lehren und Praktiken, die den verschiedenen buddhistischen Fahrzeugen bis hin zum Tantra und Dzogchen entsprechen.

Aufgrund der späteren jahrhundertelangen Koexistenz mit dem Buddhismus sind die Traditionen des Yungdrung Bön und des Neuen Bön dem tibetischen Buddhismus, vor allem in der Tradition der Nyingma-Schule, sehr ähnlich. Die Bönpo beziehen sich in den Ursprüngen ihrer Tradition aber nicht auf Buddha Shakyamuni, sondern auf den Buddha Shenrab Miwoche als Gründer der Tradition, der vor 18.000 Jahren gelebt haben soll.

Der erste Kontakt der Tibeter mit buddhistischen Lehren erfolgte angeblich zur Zeit des 28. Königs von Tibet (nach der Zählung der mythischen Überlieferung), Lha Thothori Nyantsen (5. Jahrhundert). Der Legende zufolge soll zu dieser Zeit auf wundersame Weise eine kostbare Schatulle auf dem Dach des Königspalastes Yumbulagang erschienen sein. Diese enthielt zwei buddhistische Sutra-Texte, darunter das Karandavyuha-Sutra über die Bedeutung des Bodhisattva Avalokiteshvara, eine goldene Miniatur-Stupa, das sechssilbige Mantra Avalokiteshvaras Om mani padme hum (tibetische Aussprache: Om mani peme hung) und andere heilige Objekte. Der König konnte die Bedeutung der Objekte nicht verstehen, erkannte aber intuitiv, dass sie von besonderer Bedeutung waren.

Nach einer weniger phantastischen, möglicherweise historisch zutreffenden Schilderung wurden ihm diese Gegenstände von einem indischen Mönch gebracht, der erstmals buddhistische Lehren nach Tibet einführen wollte. Dieser aber reiste, da er die Sprache des Königs nicht beherrschte und auch keine Übersetzer zur Hand waren, unverrichteter Dinge wieder nach Indien zurück und ließ lediglich die Schatulle samt Inhalt als Gabe an den König zurück. Nach der Legende soll der betagte König dank seiner Verehrung für diese kostbaren Objekte auf wundersame Weise das Aussehen und die Vitalität eines jungen Mannes zurückerhalten haben und ein Alter von 120 Jahren erreicht haben.

Unter dem zentraltibetischen König Songtsen Gampo (Regierungszeit 617-649) begann der Buddhismus in Tibet erstmals wirklich Fuß zu fassen, auch wenn es zu dieser Zeit nur wenige Buddhisten gab und ihre Tempel schlichten Kapellen ähnelten. Songtsen Gampo nahm sowohl eine nepalesische Prinzessin Bhrikuti, als auch die chinesische Prinzessin Wen Cheng zur Frau. Beide waren überzeugte Buddhisten und brachten dem König die Lehre Buddhas nahe. Der König selbst gründete auf Drängen seiner Frauen zwei Heiligtümer in Lhasa, darunter den Jokhang-Tempel. Er wird aus diesem Grund auch, neben König Trisong Detsen und König Ralpachen, zu den drei Dharma-Königen Tibets gerechnet. Vorherrschende Religion war damals noch die schamanistisch-animistische Bön-Religion.

Die eigentliche landesweite Verbreitung des Buddhismus in Tibet fand zur Zeit der ersten Übersetzungsphase buddhistischer Schriften, aus dem Sanskrit ins Tibetische, im 8. Jahrhundert statt.

Der tibetische König Trisong Detsen lud Anfang des 9. Jahrhunderts die indischen Meister Padmasambhava (Guru Rinpoche) und Shantarakshita (tib.: zhi ba 'tsho; „Wächter des Friedens“) nach Tibet ein, um dort den Buddhismus zu verbreiten. Guru Rinpoche lehrte vor allem die tantrischen Aspekte des Buddhismus und bezwang, nach der Überlieferung, die Geister und Dämonen Tibets, weshalb sich der Vajrayana-Buddhismus in Tibet durchsetzte. Padmasambhava und Shantarakshita gründeten im Jahr 814 das erste buddhistische Kloster Samye-Ling, welches sich zum wichtigsten Lehrzentrum der damaligen Zeit entwickelte. Die Übersetzung des Tripitaka und der äußeren Tantras aus dieser Zeit ist Grundlage der Lehrsammlungen aller tibetischen Schulen geworden. Die aus dieser ersten Übersetzungsphase entstandene Schultradition nennt man Nyingma, wörtlich „Die Alten“. Sie wird aufgrund ihrer frühen Entstehung auch als die Schule der „Alten Übersetzungen“ bezeichnet und unterscheidet sich insbesondere in den sog. inneren Tantras von den später entstandenen Schulen. Vom 8. bis zum 11. Jahrhundert war die Nyingma-Tradition die einzige buddhistische Schule in Tibet. Neben dem Kloster Samye wurden die einige Jahrhunderte später gegründeten Klöster Kathog, Dorjedrak, Mindroling, Palyul, Dzogchen und Shechen, bekannt als die „Sechs großen Sitze“ der Nyingma, Ausgangspunkt für die Verbreitung der Lehren der Nyingma.

Die von dem buddhistischen König Ralpachen eingeführten Reformen, die die Macht des tibetischen Landadels stark beschnitt und den buddhistischen Klöstern auf Dauer bestimmenden Einfluss in den Regionen Tibets gebracht hätten, führten zu seiner Ermordung. Sein Bruder Langdarma, ein Anhänger des vorbuddhistischen Bön bestieg den Thron und begann mit der Verfolgung des Buddhismus. Während seiner Regierungszeit (836-842) wurde der Buddhismus in seiner klösterlichen Form stark zurückgedrängt. Aufgrund einer Begegnung mit einem buddhistischen Yogi, der Langdarma durch seine Wunderkräfte (Siddhi) stark beeindruckt haben soll, unterließ es Langdarma, die buddhistischen Yogis zu verfolgen. Die mündlichen Überlieferungslinien der Schule der Alten Übersetzungen (Nyingma-Kama), die zu dieser Zeit hauptsächlich von Yogis weitergeführt wurden, überstanden die Zeit der Verfolgung daher unversehrt. Des Weiteren verbarg Guru Rinpoche, der die Unterdrückung des Buddhismus zur Zeit Langdarmas voraussah, und seine engsten Schüler viele tantrische Lehren, die in den folgenden Jahrhunderten als sogenannte Verborgene Schätze wiederentdeckt wurden. Diese wiederentdeckten Schätze wurden Grundlage für eine Vielzahl eigenständiger Überlieferungslinien.

Die zweite Übertragung des Buddhismus von Indien nach Tibet fand ab dem 11. Jahrhundert statt. Der indische Mönch Atisha (982-1054) ein weit bekannter Gelehrter der buddhistischen Universität von Vikramashila, reiste im Jahr 1042 nach Tibet und brachte Lehren des Mahayana und verschiedene Vajrayana-Praktiken mit. Er betonte die Bedeutung der Vinaya-Regeln und gründete seine Belehrungen in Tibet hauptsächlich auf den Sutra-Lehren, die auf der zweiten Lehrperiode Buddha Shakyamunis beruhen.

Auf ihn geht die Schule der Alten Kadampa-Meister zurück. Die Kadampa-Schule ist eine Vorläufertradition der drei neueren Hauptschulen des tibetischen Buddhismus, die aus der zweiten Übersetzungsphase tantrischer Lehren, von Indien nach Tibet, hervorgegangen sind. Diese drei Haupttraditionen der „Neuen Übersetzungen“, ab dem 11.Jahrhundert, sind die Kagyü-, Sakya- und die Gelug-Schule. Die Kadampa-Tradition wurde durch Atisha's Schüler und nachfolgende Lehrer, an alle buddhistischen Traditionen in Tibet übermittelt. Die Schule der Alten Kadampa-Meister ist als eigenständige Schule nicht erhalten geblieben. Sie ist im 14. Jahrhundert in die Gelug-Schule (auch Neuere Kadampa genannt) aufgegangen.

Die Kagyü-Schulen des tibetischen Buddhismus gehen auf Marpa den Übersetzer (1012–1097) zurück, der die Mahamudra- Übertragungslinie von Tilopa und Naropa weiterführte. Außerdem studierte Marpa bei den großen indischen Meistern Maitripa (auch Jhanagarbha genannt) und Kukuripa. Er traf während seiner dritten Reise nach Indien Atisha und studierte bei ihm die Lehren der Kadampa. Von seinen Reisen nach Indien brachte er viele tantrische Schriften mit und übersetzte diese ins Tibetische. Marpas Hauptschüler war der in Tibet wegen seiner entbehrungsreichen Lehrzeit und seinen spirituellen Gesängen weithin bekannte Yogi Milarepa (1042–1123). Milarepa wurde erst nach einer langen Phase äußerst harter Prüfungen in die tantrische Praxis eingeführt. Milarepas wichtigste Schüler waren Rechungpa, und der Mönch Gampopa aus Dagpo. Gampopa wurde wegen seiner Gelehrsamkeit berühmt. Er begründete die für die Kagyü-Schulen typische Form der Belehrung, indem er die klösterliche Tradition der früheren Kadampa und die Yogi-Tradition der indischen Meister miteinander verschmelzen ließ. Heute noch existierende Unterschulen der Kagyü Tradition sind die Barom-, Karma-, Drikung-, Drukpa-, Rechung-, Shangpa-, Taklung- und Zurmang-Kagyü.

Die Chöd-Lehren des „Abschneidens“ sind eng mit der Meisterin Machig Labdrön (1055–1149) verbunden. Die Lehre stammt aus der ZHi.byed-Tradition und wurde von dem indischen Meister Padampa Sangye (Wylie: Pha dam pa sangs rgyas) im Jahre 1092 nach Tibet gebracht.1097 gründete Padampa Sangye das Kloster Dingri von dem die Tradition in Tibet ausging. Machig-Labdrön die mit der Chöd-Praxis höchste Verwirklichung erlangte, ist wegen ihrer besonderen Lebensgeschichte und der Verbreitung der Chöd-Lehren in Tibet berühmt geworden. Chöd zielt auf das Abschneiden der Ego-Anhaftung, die als Wurzel weltlichen Leidens gilt , mittels eines ausgesprochen schaurigen Rituals und basieren auf den Lehren zu Prajnaparamita (höchster transzendenter Weisheit). Die von Padampa Sangye ausgehende Überlieferung dieser Lehre ist in allen Schulen des tibetischen Buddhismus bis heute erhalten geblieben, als eigenständige Schultradition besteht sie nicht mehr.

Padampa Sang-gyé kann als eine Inkarnation von Padmasambhava gesehen werden, wie Machig Labdrön als eine Inkarnation von Yeshé Tsogyel gesehen werden kann.

Sakya war ursprünglich der Name eines von Khön Könchog Gyalpo (1034-1102) begründeten Klosters mit Hauptsitz im Kreis Sakya nahe Shigatse in Südtibet. Die tantrischen Lehren der Sakyapa wurden von Bari Lotsawa im elften Jahrhundert aus dem Sanskrit übersetzt. Er reiste nach Indien und brachte verschiedene tantrische Lehren nach Tibet. Die Sakya-Tradition wurde daraufhin von den „fünf ehrwürdigen höchsten Meistern“ zur vollen Blüte gebracht. Zu diesen zählen Sachen Kunga Nyingpo, Sonam Tsemo und Drakpa Gyaltsen, der erste Sakya Pandit Kunga Gyaltsen und Dromtön Chögyal Phagspa Lodro Gyaltsen. Diese fünf höchsten Meister gründeten ihre Lehren auf denen des großen indischen Gelehrten und Siddha Virupa. Sie übernahmen seine Mahamudra-Übertragungslinie und auch die Lehren vieler anderer großer Siddhas. Die Lehren des Lamdre, die in enger Verbindung zum Hevajra-Tantra steht ist eine der Hauptübertragungen der Sakya. Die Sakya-Linie hat darüber hinaus auch Lehren der Alten Kadampa übernommen. Gegen 1264 erhielt der Sakya-Meister Phagspa vom mongolischen Kaiser Kublai Khan, der zu dieser Zeit die Mongolei, China und Tibet beherrschte, die Lehnsherrschaft über Tibet. Diese übten die Sakya bis ins Jahr 1354 aus. Das Oberhaupt der Sakya-Tradition ist der Sakya Trizin. Aus der Sakya-Tration entwickelten sich verschiedene Untertraditionen, darunter die Ngor-, Tsar-, Bulug-, Bodong-, Dzong- und die Jonang-Tradition.

Tsongkhapa (1357-1419), ein Mönch des Klosters Drikung, vertrat stark die Ideale der früheren Kadampa-Schule und betonte daher die Bedeutung der Vinaya (Mönchsregeln).

Tsongkhapa gründete die Gelug-Schule, diese wird auch als die „Schule der Tugendhaften“ bezeichnet, da sie auf Mönchsdisziplin und Zölibat großen Wert legt. Die Lehren der Gelug-Schule wurden, im Gegensatz zu den anderen tibetischen Schulen, nicht aufgrund einer eigenen Übersetzungsphase in das Lehrgebäude der Gelug übernommen. Zum Zeitpunkt der Gründung der Gelug war die buddhistische Kultur Indiens bereits durch die islamische Invasion ausgelöscht worden. Alle "neuen tantrischen Schriften" waren bereits Jahrhunderte zuvor von Bari Lotsawa, Marpa Lotsawa und anderen nach Tibet übertragen worden. Der Kern der Übertragungen der Gelug liegt in den Lehren der Kadampa, insbesondere in den Mahayana-Lehren Atishas. Tsongkhapa fasste diese Lehren in seinem Werk Lamrim Chenmo (Große Darlegung des Stufenwegs) zusammen. Der „Lamrim-Stufenweg zur Erleuchtung“ ist bis auf den heutigen Tag die Grundlage des von den Gelug gelehrten Erleuchtungsweges. Schon zur Zeit Tsongkhapas wurden aber auch verschiedene Tantras der Neuen Übersetzungen an die Gelug-Schule übertragen, später kamen weitere hinzu, darunter auch Tantras der Nyingma. Die Dalai Lamas, wichtige Lamas der Gelug, hatten eine bedeutende geistliche Rolle und, seit der Zeit des V. Dalai Lama bis zur chinesischen Besetzung Tibets, die 1950 begann, zeitweise auch die weltliche Herrschaft über Tibet inne. Das geistige Oberhaupt des Gelug-Ordens ist der Ganden Tripa. Die drei wichtigsten Klöster des Ordens sind Gandain, Sêra und Drepung.

Im 19. Jahrhundert entstand durch die Meister Jamyang Khyentse Wangpo, Jamgon Kongtrul und Orgyen Terdak Lingpa die „Rime-Bewegung“, die gruppenübergreifende Lehren aus allen Gegenden Tibets und von Meistern aller Traditionen sammelte. Konkurrenz und Sektierertum unter den verschiedenen buddhistischen Schulen Tibets sollte so überwunden werden.

In den 1950er Jahren wurden religiöse Würdenträger des Buddhismus in Tibet verfolgt und inhaftiert. Die Identifikation mit sogenannten lebenden Buddhas (Tulkus) galt zu dieser Zeit als „konterrevolutionär“ und „abergläubisch“. Nach 1959 wurden die traditionellen Strukturen Tibets beseitigt. Praktisch alle Bildungs-, Kultur- und Religionsinstitutionen Tibets wurden im Zuge der „Kulturrevolution“ vernichtet.

Trotz verschiedener Verbesserungen ist die Ausübung der Religion in der Volksrepublik China an bestimmte Bedingungen gebunden und nicht uneingeschränkt möglich.

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Source : Wikipedia