Thüringen

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Geschrieben von c3po 28/02/2009 @ 04:01

Tags : thüringen, deutschland

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Thüringen im Nationalsozialismus

Wilhelm Frick, hier als Angeklagter bei den Nürnberger Prozessen 1946,Innenminister des Landes Thüringen 1930–1931

Die Zeit des Nationalsozialismus in Thüringen war der Zeitabschnitt von der ersten Regierungsbeteiligung der NSDAP im Land Thüringen 1930 bis zum Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschen Reiches und der Besetzung Thüringens durch US-amerikanische Truppen im April und Mai 1945. Dieser Zeitraum war, wie überall in Deutschland, geprägt durch die schrittweise Gleichschaltung des Verwaltungswesens, Inhaftierung politisch Andersdenkender, Enteignung der jüdischen Bevölkerung und anschließende Deportierung und Vernichtung sowie die Umstellung des täglichen Lebens auf die Belange der Kriegswirtschaft. Hierbei nahm das spätere Gau Thüringen, bedingt durch die frühe Regierungsbeteiligung der Nationalsozialisten, in einigen Bereichen eine Vorreiterrolle innerhalb des „Dritten Reiches“ ein.

Mit der Bildung der „Baum-Frick-Regierung“ Anfang 1930 stellte die NSDAP erstmals in der Weimarer Republik in einer Landesregierung zwei Regierungsposten. Der spätere Reichsinnenminister Wilhelm Frick erhielt das Amt des Innen- und Volksbildungsministers in Thüringen. Hinzu kam Willy Marschler als Staatsrat ohne Ressort. Diese Regierungsbeteiligung wurde von Adolf Hitler ausdrücklich als Experimentierfeld bezeichnet.

Schon in der Anfangsphase wurde unter Berufung auf einen Verfassungsnotstand und den folgenden Erlass von Verordnungen anstelle von Gesetzen die Umwandlung des Landes im nationalsozialistischen Sinne betrieben. So wurde die Verwaltung zentralisiert und durch den damit vollzogenen Stellenabbau wurden vor allem sozialdemokratische Mitarbeiter entfernt. Eine weitere Beamtenverordnung führte zur Entlassung kommunistischer Lehrer und Bürgermeister. Bei der Schaffung einer zentralen Landespolizei wurden durch den Einfluss des Innenministers nationalsozialistisch gesinnte Polizisten bevorzugt. Weitere Schritte führten zur Berufung des „Kulturrassisten“ Paul Schultze-Naumburg als Leiter der Weimarer Kunsthochschule als Gegenpol zum Bauhaus und des Rassekundlers Hans F. K. Günther an die Universität Jena.

Ein Misstrauensvotum gegen beide Minister am 1. April 1931 war erfolgreich und führte zum vorläufigen Ausschluss der NSDAP aus der Landesregierung. Das Wirtschaftsministerium übernahm Baum, Wilhelm Kästner erhielt zusätzlich die Ministerien Inneres und Volksbildung. Unter Duldung durch die SPD konnte die Regierung Baum noch bis 1932 weitergeführt werden. Die personellen Veränderungen in der Verwaltung unter Frick blieben jedoch bestehen, so dass die folgende von der NSDAP geführte Landesregierung über einen Grundstock systemtreuer Polizeibeamter verfügen konnte.

Bei den Wahlen zum VI. Thüringer Landtag siegte die NSDAP mit 42,5 % der Stimmen. Hierauf wurde eine neue Regierung mit Fritz Sauckel als Innenminister und vorsitzenden Staatsminister gebildet. Die NSDAP führte dabei mit fünf Ministern – nach Anhalt, Oldenburg und Mecklenburg-Schwerin – die vierte Landesregierung. Einen weiteren Ministerposten besetzte der Thüringer Landbund mit Erich Mackeldey. Somit war die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Thüringen vorweggenommen. Sauckel nutzte die gewonnene parlamentarische Macht zur Untergrabung des parlamentarischen Systems. Durch gezielte Störungen wurden Landtagssitzungen behindert und Regierung und Parlament zur Verbreitung nationalsozialistischer Propaganda rücksichtslos ausgenutzt. So verkündete Sauckel im Landtag: Wir werden selbstverständlich die Macht, die uns das thüringische Volk bei der letzten Wahl gegeben hat, in jeder Beziehung ausnutzen!

Die achte Wahl zum Deutschen Reichstag am 5. März 1933 fand gut fünf Wochen nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler statt. Sie war aufgrund der Auflösung des Reichstags durch den Reichspräsidenten am 1. Februar notwendig geworden. Stärkste Kraft wurde die NSDAP mit 43,9 % der Stimmen und 44,5 % der Reichstagssitze. Durch das Vorläufige Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich vom 31. März 1933 (RGBl. I, S. 153) wurde in der Folge der Thüringer Landtag aufgelöst und anhand der Stimmenverteilung der Reichstagswahl neu gebildet. Die Mandate der KPD waren im Vorfeld für ungültig erklärt worden, so dass hierdurch die absolute Mehrheit der Nationalsozialisten im Landtag gesichert war. Der bisherige Vorsitzende des Staatsministeriums, Sauckel, war in der Regierung nicht mehr vertreten, da er Reichsstatthalter für das Land Thüringen wurde. Ministerpräsident des Landes wurde am 8. Mai 1933 Willy Marschler, der das Amt bis April 1945 inne hatte.

Die Besetzung des Innen- und Kulturministeriums durch Frick ab 1930 entsprach den Wünschen Hitlers, der in diesem Posten eine Schlüsselposition zur Verwirklichung seiner Pläne sah.

Bereits kurz nach Amtsantritt verfügte Frick am 16. April 1930 einen Erlass zur Wiedereinführung des Schulgebetes. Die Schüler sollten wieder das Beten „auf deutsche Art“ lernen. Allerdings wurden drei der fünf Gebetstexte am 11. Juli 1930 vom Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich für verfassungswidrig erklärt, da ihr Inhalt nicht mit Art. 148 Abs. 2 der Reichsverfassung in Einklang stünde. Gleichzeitig wurde vom Ministerium die Verwendung des Buches Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque im Schulunterricht untersagt. Parallel hierzu versuchte Frick die nationalsozialistische Rassen- und Kulturideologie umzusetzen. Nachdem das Bauhaus bereits 1925 auf Betreiben der nationalistischen, von der DVP geführten Landesregierung Weimar verlassen musste, ernannte Frick Herrn Schulze-Naumburg zum Leiter der Vereinigten Kunstlehranstalten. Diese Institution sollte „richtungsgebend und zu einem Mittelpunkt deutscher Kultur“ werden. Im Oktober 1930 ließ Schulze-Naumburg im Van de Velde-Bau der Kunstlehranstalten die Fresken des Bauhausmeisters Oskar Schlemmer übertünchen.

Wenig später wurden auf Erlass Fricks 70 Gemälde und Grafiken als „entartete Kunst“ aus dem Weimarer Schlossmuseum entfernt. Betroffen waren unter anderem Werke von Otto Dix, Ernst Barlach und Paul Klee. Zum 1. Oktober 1930 wurde schließlich gegen den Widerstand der Jenaer Professoren der „Lehrstuhl für Rassefragen und Rassenkunde” unter Leitung Günthers geschaffen. Die Rassenlehre Günthers wurden auch im Schulwesen übernommen. So enthielt eine Empfehlungsliste für Schul- und Lehrerbibliotheken des Thüringer Bildungsministeriums vom Dezember 1930 bereits vier seiner Werke.

Die Thüringer Landeskirche hatte, als einzige in der Weimarer Republik, die Möglichkeit nach Artikel 137 Abs. 5 der Weimarer Reichsverfassung genutzt, sich unter Lösung der bisherigen landesherrschaftlichen Territoriengrenzen zu einer einheitlichen Landeskirche zusammenzuschließen. In der Folge entstand die laut Lautenschläger liberalste Verfassung einer Landeskirche in dieser Zeit.

In den Jahren 1927/28 entstand um die Pfarrer Siegfried Leffler (Niederwiesa) und Julius Leutheuser (Flemmingen) ein Pfarrer- und Lehrerkreis mit engen Bindungen zur NSDAP. Im Februar 1930 wurde aus diesem Kreis heraus nach einem Besuch Adolf Hitlers die Ortsgruppe Wieratal der Partei gegründet. Ein Jahr später trat die kirchliche Gruppierung bei der Kirchenwahl in Altenburg an und erreichte 5 von 16 Mandaten. 1932 begann der Kreis die Briefe an Deutsche Christen herauszugeben, in denen offen nationalsozialistische Propaganda betrieben wurde.

Bei der Kirchenratswahl am 22. Januar 1933, also noch vor der Machtergreifung Hitlers, erzielten die Deutschen Christen (DC) ein Drittel aller abgegebenen Stimmen. Vom 21. April bis 5. Mai 1933 fand ein Landeskirchentag statt. Die DC versuchten, die liberale Kirchenverfassung in Thüringen auszuhebeln. So wurde auf Antrag der Gruppierung beschlossen: „Wer die marxistische oder eine andere materialistische Weltanschauung vertritt, kann nicht Pfarrer der Thüringer evangelischen Kirche sein.“ Mit einem Zusatzantrag erweiterten die DC dieses Berufsverbot auch auf Angehörige der Religiösen Sozialisten, gegen die Stimmen von deren 7 Delegierten. Nach weiteren Beschlüssen des Kirchentages stellten die Deutschen Christen 4 der 11 Mitglieder des Gesetzgebungsausschusses der Landeskirche. Am 15. Mai gelang es dem Gesetzgebungsausschuss, das Ermächtigungsgesetz auch kirchenpolitisch umzusetzen. Nunmehr wurde der erweiterte Landeskirchenrat durch den Landeskirchentag ermächtigt, „an seiner (des Landeskirchentages) Stelle auch über die gesetzliche Zuständigkeit hinaus Maßnahmen zu treffen, die zur Gleichschaltung mit dem nationalen Staat und der christlichen nationalen Erneuerungsbewegung erforderlich sind.“ Pfarrer Leuthäuser wurde neben dem späteren Landesbischof Martin Sasse und den als Gestapo-Spitzel tätigen Paul Lehmann in den evangelischen Landeskirchenrat berufen.

Am 23. Juli 1933 fanden allgemeine Kirchenwahlen statt. Die Reichsregierung unter Hitler rief offen zur Wahl der Deutschen Christen auf, wodurch die DC die absolute Mehrheit erreichen konnte. Ab dem 13. Mai 1934 amtierte Sasse als Landesbischof und betrieb die Gleichschaltung der Kirche mit dem Reich. Die Schaffung einer einheitlichen Reichskirche scheiterte vorerst am Widerstand Leutheusers und Lefflers, welche die Einrichtung einer eigenständigen Nationalkirche für Thüringen anstrebten . 1933 wurde, nach Intervention und auf Anweisung Sauckels, die Thüringer Landeskirche in die Reichskirche eingegliedert. In der Folge traten jedoch die innerprotestantischen konfessionellen Gegensätze immer stärker hervor. Vor allem die lutherischen Kirchen strebten eine Abgrenzung zu Kirche der Altpreußischen Union an. Nach einem Jahr wurde die Eingliederung der Thüringer Landeskirche aus diesen Gründen wieder zurückgenommen. Spätestens im Oktober 1934 können die Pläne zur Schaffung der Reichskirche endgültig als gescheitert angesehen werden. Die Bedeutung der Berliner Gruppe der Deutschen Christen ging stark zurück, während die Organisation der Thüringer DC sich weit über die Landesgrenzen hinaus etablieren konnte.

Als wesentliches, unter der nationalsozialistischen Herrschaft errichtetes, Gebäude in Thüringen gilt das Gauforum Weimar. Schon 1933 unterbreitete Sauckel, als Statthalter und Gauleiter Thüringens, Hitler Pläne zum Bau „großer Gebäude“ als Sitz der NSDAP, der Deutschen Arbeitsfront und für seinen eigenen Amtssitz. Mitte 1936 wurde der ausgeschriebene Architektenwettbewerb durch Hitler zugunsten von Hermann Giesler entschieden. Nachdem Hitler noch eigene Änderungen am Entwurf eingebracht hatte, erfolgte im Juli des selben Jahres der erste Spatenstich. Durch den frühen Baubeginn konnte das Gauforum als einziges im Deutschen Reich weitgehend fertiggestellt werden und steht heute noch als das „in dieser Art einzige realisierte städtebauliche Dokument des Nationalsozialismus“.

Im Februar 1924 wurde der antisemitische Schriftsteller Arthur Dinter in den Landtag gewählt. Als Fraktionsvorsitzender des Völkisch-Sozialen Blocks forderte er als Bedingung der Tolerierung einer bürgerlichen Minderheitsregierung des Ordnungsbundes unter anderem „daß die Regierung aus allen Regierungs- und Beamtenstellen Juden bedingungslos entfernt Im gesetzlichen Sinne verstehen wir unter ‚Juden’ jeden Rassejuden, den Sohn oder Enkel eines Rassejuden oder einer Rassejüdin, einerlei ob getauft oder nicht.“ Auch weitergehende Forderungen Dinters nach Ausweisung der Ostjuden unter Beschlagnahme ihres Vermögens, Verbot des Vieh- und Getreidehandels, Entlassung beziehungsweise Berufsverbot für jüdische Ärzte, Lehrer, Rechtsanwälte und Notare und dem Verbot des Besuches öffentlicher Schulen für Judenkinder konnten sich im Jahr 1925 noch nicht durchsetzen. Sie zeichneten aber den späteren Weg zur Zerstörung des jüdischen Lebens bereits vor.

Unter dem Innenminister Frick (siehe oben) wurde 1930 an der Universität Jena ein „Lehrstuhl für Rassefragen und Rassenkunde” geschaffen. Hierdurch sollte die Rassenideologie der Nationalsozialisten auf eine wissenschaftliche Basis gestellt werden (Rassenhygiene). Die Antrittsvorlesung des Lehrstuhlinhabers Hans F. K. Günthers „Die Ursachen des Rassenwandels der Bevölkerung Deutschlands seit der Völkerwanderungszeit“ besuchten unter anderem Adolf Hitler und Hermann Göring.

Eine weitere Vorreiterrolle nahm das Land Thüringen durch die Gründung eines „Landesamtes für Rassekunde” ein. Die Gründung erfolgte am 15. Juli 1933 in Weimar. Zum Leiter der ersten derartigen Institution auf Länderebene wurde Karl Astel bestellt. Unter seiner Leitung entstand ein „erbbiologisches Archiv”, in dem bis 1935 bereits 466.000 Personenakten archiviert wurden. Letztlich wurde jeder dritte Einwohner des Landes hier erfasst. Astel erhielt 1934 seine Berufung an den Lehrstuhl für „Menschliche Züchtungslehre und Vererbungsforschung“ der Universität Jena.

Die im Gau Thüringen ansässige Firma Simson & Co wurde als eine der ersten in Deutschland schon 1934 der Kontrolle durch ihre jüdischen Inhaber entzogen und direkt der Verwaltung des Reichsstatthalters Sauckel unterstellt. Dieses Ereignis fand im Ausland starke Betrachtung, bedeutete es doch einen weitreichenden Eingriff in das private Eigentum der bisherigen Besitzer. Gleichzeitig lieferte dieser Vorfall, der keinesfalls „hinter verschlossenen Türen“ diskutiert wurde, die Initialzündung für den Übergriff des „Dritten Reiches“ auf die Tätigkeit der Juden in der Wirtschaft. Den Grundstein für die Enteignung legten schon seit 1929 Klagen der lokalen Konkurrenz gegen die „Übervorteilung der Juden Simson gegenüber dem Deutschen Reich“ unter tatkräftiger Mithilfe der NSDAP. Hierbei stand nicht die Klage über die ungleichmäßige Verteilung der Wirtschaftsförderung im Vordergrund. Die Firma Simson war seit dem 25. August 1925 reichsweiter Monopolist für die Herstellung leichter Maschinengewehre. Die nationalsozialistischen Anfeindungen versuchten die Geschäftsinhaber als „jüdische Wirtschaftskriminelle“ zu verunglimpfen. Hier leistete die starke Stellung der NSDAP im Thüringer Landtag, obwohl Suhl im preußischen Regierungsbezirk Erfurt lag, einen wesentlichen Beitrag. Mit mehreren Anträgen wurde versucht, die „Machenschaften der betrügerischen Preiskalkulation“ der Firma zu beweisen. Politisch war der Versuch der NSDAP zwar erfolglos, jedoch setzten die Anträge, verbunden mit weiteren „Mitteln des Straßenkampfes“ die Firma zunehmend unter Druck. Der Weg zur endgültigen Enteignung wurde so bereits vorgezeichnet.

Schließlich eröffnete 1934 die Meininger Staatsanwaltschaft die Anklage wegen „Übervorteilung des Reiches” gegen die Firma. Der Prozess, noch unter rechtsstaatlichem Rahmen als Schauprozess geplant, entwickelte sich jedoch für die Anklageführung zum Desaster. So mussten die Angeklagten aus Mangel an Beweisen in allen Punkten freigesprochen werden. Sauckel versuchte die Blamage des ersten Prozesses wettzumachen und ließ den verlorenen Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor dem Oberlandesgericht Jena neu aufrollen. Diese erzwungene „Revision“ endete 1935 mit einem Schuldspruch und einer Geldbuße von 9,75 Millionen Reichsmark gegen die Inhaber. Der Betrag wurde durch eine staatliche Untersuchungskommission errechnet. Das nötige Geld konnte nur durch einen Verzicht der Eigentümer auf das Werk beglichen werden, so dass am 28. November 1935 das Unternehmen auf die schon 1934 gegründete Kommanditgesellschaft Berlin-Suhler Waffen- und Fahrzeugwerke Simson & Co. übertragen wurde. Eigentümer der neuen Gesellschaft war Fritz Sauckel. Das Werk lieferte in der Folge den Grundstock für die Wilhelm-Gustloff-Stiftung.

Schon 3 Monate vor dem reichsweiten Aufruf der nationalsozialistischen Regierung rief am 3. Dezember 1932 Sauckel in einer Rundfunkansprache zum Boykott jüdischer Geschäfte und Handwerksbetriebe auf. Auch dem landesweiten Boykottaufruf zum 1. April 1933 durch die NSDAP schlossen sich viele Thüringer Zeitungen an. Den Lesern wurden detaillierte Listen von Geschäften mitgegeben, deren Inhaber jüdisch waren. Gleichzeitig wurden erste jüdische Vereine verboten oder zwangsaufgelöst.

Bereits kurz nach der Regierungsübernahme wurde 1932 ein landesweites Verbot des Schächtens erlassen. Aufgrund eines offiziell im Landtag vorgetragenen Einwands des Landbundes, eines Koalitionspartners der NSDAP, trat dieses Schächtverbot jedoch erst zum 1. April 1933 und damit einen Monat früher in Kraft, als ein später folgendes entsprechendes reichseinheitliches Gesetz. Bereits am 22. März 1933 wurde aufgrund der „VO zur Änderung der Schulgeldverordnung“, ThürGS S. 243 jüdischen Kindern die Geschwisterermäßigung auf das Schulgeld entzogen.

Derartige Reichsgesetze sanktionierten teilweise nur noch, was örtlich bereits von Parteianhängern erzwungen worden war. So klagte der ehemalige Chefarzt des städtischen Krankenhauses Gera, Hans Simmel bereits im März 1933 gegen seine Entlassung aufgrund seiner jüdischen Abstammung. Die jüdischen Beamten, die 1933 wegen des Frontkämpferprivilegs noch im Amt belassen worden waren, wurden 1935 aufgrund einer Verordnung zum Reichsbürgergesetz entlassen.

Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurden in Thüringen die jüdischen Synagogen in Gotha, Eisenach, Meiningen, Vacha, Erfurt und Nordhausen zerstört. Man wagte nicht, die Fachwerksynagogen in Berkach, Bibra und Mühlhausen anzuzünden, da ein Übergreifen der Flammen auf die Nachbargebäude befürchtet wurde. Am nächsten Tag wurden alle jüdischen Männer in Schutzhaft genommen. 1178 von ihnen wurden in der Folge in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Ihre Freilassung erfolgte unter der Maßgabe, ihren Besitz arisieren zu lassen und Deutschland zu verlassen.

Die Massentransporte der Juden aus Thüringen begannen im Mai 1942. Am 9. Mai wurden die ersten Juden aus verschiedenen kleineren Orten nach Erfurt überstellt. Einen Tag später erfolgte der Transport von insgesamt 600 Menschen aus 40 Thüringer Orten über Leipzig in das Ghetto Bełżyce bei Lublin. Ein Teil der Betroffenen wurde von dort aus weiter in das Konzentrationslager Majdanek überstellt und ermordet. Die restlichen Juden wurden im Mai 1943 von der SS in Bełżyce erschossen. Überlebende des Transports sind nicht bekannt.

Ein weiterer Transport mit 364 älteren Juden aus 38 Gemeinden erreichte am 20. September 1942 das Konzentrationslager Theresienstadt. Aus diesem Transport gab es nur wenige Überlebende. In der Folge wurden keine Massentransporte aus Thüringen mehr durchgeführt. Einzelne Personen wurden von der Gestapo auf den Erfurter Petersberg überstellt und von dort nach Theresienstadt, Auschwitz oder Ravensbrück deportiert, oft handelte es sich dabei um ergriffene „untergetauchte“ Juden oder Ehepartner aus Mischehen, die nach Scheidung oder Tod des „arischen“ Ehepartners keinen Schutz mehr genossen.

Kurz vor Kriegsende wurde auch in bestehende Mischehen eingegriffen; unter anderen wurden 173 Erfurter Juden aus Mischehen nach Theresienstadt verschleppt.

Das Wirken der Geheimen Staatspolizei im „Dritten Reich“ lässt sich grob in sechs Phasen einteilen. In der Frühphase zwischen der Machtergreifung 1933 und der offiziellen Gründung der Gestapo in Thüringen zum 1. Januar 1934 wurden die späteren Aufgaben der Staatspolizei noch durch reguläre Polizeikräfte wahrgenommen, verstärkt durch Hilfspolizisten der SA und, seltener, der SS. In Thüringen konnte in dieser Zeit fast die gesamte KPD-Führung durch Verrat des KPD-Kuriers Thieme verhaftet werden.

Mit der Verkündung des 1. Gestapo-Gesetzes am 26. April 1933 wurde die Schaffung eines Geheimen Staatspolizeiamtes für Preußen in Berlin beschlossen. Zum selben Zeitpunkt wurde in Erfurt eine Staatspolizeistelle eingerichtet. Die Zuständigkeit dieser Stelle erstreckte sich vorerst nur auf den preußischen Teil des Gaues Thüringen. Erst mit dem Gesetz über die Errichtung eines Geheimen Staatspolizeiamts für das Land Thüringen vom 14. Dezember 1933 wurde zum 1. Januar 1934 das Thüringische Geheime Staatspolizeiamt Weimar geschaffen. Leiter des Geheimen Staatspolizeiamtes in Weimar wurde Heinrich Himmler.

Sauckel versuchte in der Folge eine Zusammenlegung beider Dienststellen nach Weimar zu erreichen. Die Umwandlung der Staatspolizeistelle Erfurt in eine Außenstelle der Staatspolizeistelle Weimar erfolgte jedoch erst zum 1. Juli 1941.

Für die Verwahrung der Häftlinge wurde das Konzentrationslager Bad Sulza im Oktober 1933 eingerichtet. Bis zum 1. Juni 1936 wurde das Lager durch das Land Thüringen betrieben, danach erfolgte der Übergang an die Inspektion der Konzentrationslager.

Die dritte Phase, den Zeitraum von 1936 bis 1939 umfassend, wird als Phase der politisch-rassischen Konzeptualisierung bezeichnet. In diese Zeit fiel die systematische Ausgrenzung der Juden aus der Gesellschaft und die Verfolgung als arbeitsscheu oder kriminell betrachteter Personengruppen.

Die vierte Phase wird im Zeitraum vom Kriegsbeginn 1939 bis zum Überfall auf die Sowjetunion Mitte 1941 gesehen. In dieser Zeit wurde die Gestapostelle Erfurt aufgelöst und der Gestapostelle Weimar unterstellt.

Als fünfte Phase der Gestapotätigkeit wird der Zeitraum Mitte 1941 bis 1944 gesehen. In dieser Zeit wurde der Einsatz der Zwangsarbeiter in Thüringen intensiviert. Die Gestapo war hierbei für die Bestrafung der Zwangsarbeiter bei Vergehen gegen die Verhaltensvorschriften, Arbeitsverweigerung oder „Rassenschande“ zuständig. Oft bedeuteten vor allem die beiden letztgenannten „Vergehen“ die Zuführung der Häftlinge zur sogenannten „Sonderbehandlung“ und damit das Todesurteil.

In die letzte Phase der Gestapotätigkeit in Thüringen von Ende 1944 bis zum Kriegsende 1945 fiel das Bemühen der Gestapostelle, die Spuren der Verbrechen zu beseitigen. Zunächst wurden in Thüringen die Dienststellen der „Kommandeure der Sicherheitspolizei“ errichtet. Diese Einrichtungen existierten vorher nur in den vom Deutschen Reich besetzten Gebieten.

Als im April 1945 Teile der 3. US-Armee unter George S. Patton entlang der Reichsautobahn (heute BAB 4) nach Thüringen vordrangen, begann sich die Gestapo in Richtung Osten abzusetzen. Am 4. April 1945 erfolgte die Ermordung von Insassen des Gestapogefängnisses im Marstall Weimar und der Häftlinge des Landgerichtsgefängnisses. Insgesamt wurden in diesem Kriegsendphasenverbrechen über 140 Menschen in einem Wäldchen am nordöstlichen Stadtrand Weimars hinterrücks erschossen. 142 männliche und 7 weibliche Leichen konnten zwischen dem 27. Juni und dem 5. Juli 1945 aus drei Bombentrichtern exhumiert werden. Des weiteren wurden im Innenhof des Marstalls mehrere Tage lang Akten verbrannt. Nach der Vernichtung der Spuren setzte sich das Personal der Gestapostelle Weimar geschlossen in Richtung Böhmen beziehungsweise Österreich ab. Hierbei wurden weitere Erschießungen an Militär- und Zivilangehörigen – unter anderem in Bürgel und Greiz – vorgenommen.

In den Jahren 1933 – 1945 errichtete die nationalsozialistische Landesregierung insgesamt drei Konzentrationslager im Land Thüringen. Bereits kurz nach der Machtübernahme wurden unter Berufung auf die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz des deutschen Volkes“ vom 4. Februar 1933 und die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28. Februar 1933 1.679 Häftlinge in so genannte Schutzhaft genommen. Zur Verwahrung der Gefangenen wurde in Nohra bei Weimar ein erstes Konzentrationslager geschaffen. Ein großer Teil der Häftlinge wurde bereits in den Monaten April und Mai 1933 wieder freigelassen und das Konzentrationslager Nohra am 12. April wieder aufgelöst. Die erste Verhaftungswelle diente laut Wohlfeld lediglich der Sicherung der Machtergreifung in der Frühphase.

Im Oktober 1933 wurde die Stadt Bad Sulza zum Standort eines neuen Konzentrationslagers ausgewählt. Das Konzentrationslager Bad Sulza diente vor allem während der 1934 und 1935 stattfindenden politischen Massenprozesse sowohl als zentrale Unterbringungsmöglichkeit für die Angeklagten bis zur Ausstellung eines richterlichen Haftbefehls, als auch als Untersuchungsgefängnis. Somit hatte das Konzentrationslager eine Doppelfunktion als außergerichtlicher und gerichtlicher Haftort inne. Bis zum Sommer 1934 überwogen die politischen Häftlinge im Lager. Ab Ende 1934 wurden vor allem „Meckerer und Hetzer“ sowie „Wirtschaftsschädlinge“ in Haft genommen. Ab dem Frühjahr 1936 stieg die Zahl der Häftlinge, denen „Vorbereitung zum Hochverrat“ vorgeworfen wurde. Seit 1935 wurden zudem verstärkt Juden in „Schutzhaft“ genommen.

Mit dem Übergang der Lagerverwaltung von der SA an die SS begann am 1. April 1936 die zweite Phase in der Geschichte des Lagers. Bis zu diesem Termin wurde das Lager allein durch das Land Thüringen unterhalten, ab da teilten sich die SS (Bewachung) und das Land (Rest) die Kosten. Ab dem 1. April 1937 wurde die Verwaltung und Finanzierung des Lagers vollständig von der Inspektion der Konzentrationslager unter Theodor Eicke und somit der SS übernommen. Die Belegung des Lagers erfolgte mit 120 bis 160 Häftlingen.

Im Zuge der Kriegsvorbereitungen wollte sich die Reichsführung auch an der Heimatfront absichern. Hierzu wurden reichsweit drei Konzentrationslager geschaffen. Neben den Lagern Sachsenhausen für den Norden und Dachau für den Süden sollte auch ein Lager in der Mitte Deutschlands entstehen. Der Plan Sauckels, das bestehende Konzentrationslager Bad Sulza auszubauen, scheiterte am Einspruch Eickes, welcher dieses Lager nicht für ausbaufähig hielt. So fiel im ersten Halbjahr 1937 die Wahl auf den Standort Ettersberg-Hottelstedt. Die Häftlinge aus Bad Sulza wurden vorläufig in das KZ Lichtenburg verlegt, bis der neue Komplex als Konzentrationslager Buchenwald am 15. Juli 1937 eröffnet werden konnte. Die Räumung des Lagers Bad Sulza führte ausschließlich die SS durch.

Die Thüringer Wirtschaft war durch die Weltwirtschaftskrise hart getroffen worden. So hatte die Industrie zwischen 1929 und 1932 Umsatzeinbußen in Höhe von 70% zu verkraften. Gleichzeitig ging die Zahl der Industriearbeiter um 44% zurück. Waren am 31. Januar 1928 54.661 Thüringer arbeitssuchend gemeldet, so stieg die Zahl zum 30. Juni 1932 auf 147.223 Personen. In diesem Umfeld konnten sich extreme Parteien als „Retter in der Not“ profilieren. Durch ein Paket von Wirtschaftsförderungsmaßnahmen versuchte die Regierung Sauckel die sich bereits abzeichnende wirtschaftliche Erholung zu beschleunigen. So wurde im September 1932 der Landesarbeitsdienst gegründet und ein erstes Arbeitslager in der Hohen Rhön geschaffen. Im Dezember wurde ein Gesetz zur Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 5 Millionen Reichsmark verabschiedet. Dieses Geld wurde vorrangig für Investitionen im Straßenbau, der Wohnungswirtschaft sowie für Flussregulierungen und Meliorationsmaßnahmen verwendet. Nach der Machtübernahme konnte das Gau Thüringen auf starke Unterstützung durch das Reich zurückgreifen. So flossen im Rahmen des Rheinhardtplanes weitere 3,2 Millionen Reichsmark nach Thüringen. Bis 1935 wurde die wirtschaftliche Erholung vor allem durch die Bauwirtschaft, insbesondere den zivilen Wohnungsbau, getragen. So wurden allein 1934 5,6 neue Wohnungen pro 1000 Einwohner geschaffen.

Die Wirtschaftsentwicklung der folgenden Jahre gestaltete sich nach den Prämissen den nationalsozialistischen Vierjahresplanes. Im Streben nach wirtschaftlicher Autarkie in der Nahrungsmittelwirtschaft und Rohstoffversorgung. In Thüringen wurden vor allem zwei Projekte umgesetzt. Zum einen war dies im Jahr 1936 die Gründung der Thüringische Spinnfaser AG in Schwarza, heute Ortsteil von Rudolstadt. Durch dieses Werk sollte die Abhängigkeit von Baumwolle durch den Ersatzstoff Zellwolle ermöglicht werden.

Die zweite Maßnahme führte zur Gründung der Thüringer Rohstoff AG. diese befasste sich mit der systematischen Erforschung und Ausbeutung der Bodenschätze des Thüringer Waldes. Hierbei wurde bewusst die Unwirtschaftlichkeit des Abbaus in Kauf genommen. Eine weitere Episode des nationalsozialistischen Konkurrenzkampfes in der Vorkriegszeit stellte die Umsetzung des Rhönplans des Thüringer Ministerpräsidenten Willy Marschler dar. Bereits 1933 hatte der unterfränkische Gauleiter Dr. Otto Hellmuth einen Rhönaufbauplan vorgelegt. Hellmuth plante die umfassende Umgestaltung der Besitzverhältnisse der Rhönbauern. So waren Maßnahmen zur Enteignung und Umsiedlung von Bauern geplant. diese sollten in der Folge durch „erbgesunde“ und „politisch unbedenkliche“ Bauern zum Beispiel aus dem Allgäu ersetzt werden. 1934 erfuhr Marschler, dass auch die Thüringische Rhön in diese gauübergreifende Planung mit einbezogen werden sollte. Er war jedoch nicht bereit, sich dem Führungsanspruch Hellmuths zu unterwerfen. So verfasste das Thüringer Wirtschaftsministerium seinerseits 1934 eine Denkschrift über die thüringische Rhön, in der den Plänen Hellmuths eine klare Absage erteilt wurde. So wurden Kultivierungsmaßnahmen, die teilweise schon vor 1932 begonnen wurden, als Erfolge der nationalsozialistischen Politik dargestellt und sollten als Beweis für den Vorsprung Thüringens gegenüber Hessen und Unterfranken dienen. Im Dezember 1935 legte schließlich Marschler seinen eigenen Plan zur Hebung der Wirtschaft in der thüringischen Rhön vor.

Der Kriegsbeginn am 1. September 1939 verschärfte den Arbeitskräftemangel durch die Einberufung zum Wehrdienst. Vor allem kleine Industrie- und Handwerksbetriebe mussten stillgelegt werden, wenn der Inhaber eingezogen wurde. Ende 1939 gründete das Thüringer Wirtschaftsministerium unter Beteiligung der Industrie den „Ausschuss für Leistungssteigerung“. So wurde Anfang 1940 die Wochenarbeitszeit der Beschäftigten der Kahla AG für Männer auf 60 und Frauen auf 52 Stunden erhöht.

Bedingt durch die Siege der Wehrmacht und das erfolgreiche Blitzkriegskonzept sowie aus Angst vor sozialen Konflikten erfolgte die Umstellung der Produktion auf Rüstungsgüter jedoch nur schleppend. So stellten nach einem Bericht der Rüstungsinspektion des Kreises Eisenach vom April 1940 in der Haar- und Lockenwicklerfabrik Franz Freund Leinefelde 45 Arbeiter Perücken und Lockenwickler her. Gleichzeitig herrschte in der nicht weit entfernten Heeresmunitionsanstalt Bernterode ständiger Mangel an Arbeitskräften. Durch den Krieg entfiel für die Industriebetriebe der gesamte westeuropäische und US-amerikanische Markt. Allerdings wurden allein durch die Firma Carl Zeiss Jena im Geschäftsjahr 1940/41 optische Militärtechnik im Wert von 4 Millionen Reichsmark in die Sowjetunion exportiert.

Mit der Ernennung Albert Speers zum „Reichsminister für Bewaffnung und Munition“ am 15. Februar 1942 begann die vollständige Umstellung der Wirtschaft auf Kriegsproduktion. Am 21. März des selben Jahres wurde Fritz Sauckel zum „Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz“ ernannt. Unter seiner Leitung wurden in der Folge Millionen Menschen verschleppt und zur Zwangsarbeit in der deutschen Rüstungsindustrie oder Landwirtschaft gezwungen. Die zentrale Lage Thüringens führte zur Verlagerung wichtiger Industriestandorte in das Land. So entstanden in der Nähe von Nordhausen unterirdische Produktionsanlagen für die V2, in der Nähe von Arnstadt wurden Messerschmitt Me 262 Düsenflugzeuge produziert. Die Haft- und Lebensbedingungen der eingesetzten Häftlinge waren katastrophal. So starben allein in den Stollen des Kohnsteinmassivs mehr Menschen bei der Fertigung der A4, als beim militärischen Einsatz.

Bedingt durch den Arbeitskräftemangel in der Industrie wurden dort höhere Löhne gezahlt. Dies führte zur Abwanderung von Arbeitskräften aus der Landwirtschaft und in der Folge zu Problemen bei der Versorgung der Bevölkerung. So wurden bereits im Jahr 1938 435.000 Fremdarbeiter in Deutschland beschäftigt, 43% davon in der Landwirtschaft. Im Bezirk der Landesbauernschaft Thüringen wurden im gleichen Jahr 3.960 Arbeiter beschäftigt, davon 60% Polen und 30% Italiener. Trotz dem fehlten in der Mitte des Jahres 1939 über eine Million Arbeitskräfte in der deutschen Wirtschaft. Durch den Kriegsbeginn wurde der Mangel noch verstärkt, da viele deutsche Arbeitskräfte zur Wehrmacht eingezogen wurden.

Unter solchen Bedingungen war die geforderte Zahl an Arbeitern auf freiwilliger Basis nicht zu erreichen. So griffen die deutschen Besetzer zunehmend zu Zwangsmaßnahmen, um Arbeitskräfte beizubringen. Die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte stieg zum Ende des Jahres 1941 auf 100.000. Nach einer offiziellen Erhebung für den Gauarbeitsamtsbezirk Thüringen waren im Mai 1944 dort 185.479 ausländische Arbeitskräfte beschäftigt, davon 112.519 Männer und 72.960 Frauen. Hiervon hatten 86.806 Personen den Status Ostarbeiter. Erste Schätzungen von Historikern gehen jedoch von einer Gesamtzahl von 500.000 Zwangsarbeitern für das Land Thüringen und den preußischen Regierungsbezirk Erfurt aus. Diese Abweichungen resultieren unter anderem aus einer großen Zahl Zwangsarbeiter, die in kleinen und mittleren Landwirtschaftsbetrieben beschäftigt war.

Trotz der hohen Zahl an Arbeitskräften konnte die Nachfrage nicht voll befriedigt werden. So wurden Zwangsarbeiter aus der Landwirtschaft in den Wintermonaten in der Forstwirtschaft beschäftigt. Ebenso verdingten sich Zwangsarbeiter aus der Industrie an ihrem freien Sonntag in der Landwirtschaft, um eine Verbesserung ihrer Verpflegungssituation zu erreichen.

Von den direkten Kriegsfolgen war das Gau Thüringen bis 1945 nur geringfügig getroffen. Die Städte Nordhausen, Gera, und Jena wurden jedoch durch alliierte Bombenangriffe stark zerstört. Ansonsten sind die Beschädigungen im Vergleich zu anderen Gegenden des Reichs geringer geblieben. In den letzten Kriegstagen wurde beim Kampf um die Werralinie die Kleinstadt Creuzburg stark zerstört.

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Thüringen

Die Georgenkirche in Eisenach ist Bischofskirche der Evangelischen Kirche in Thüringen

Der Freistaat Thüringen ist ein Land in der Bundesrepublik Deutschland. Er grenzt als Binnenstaat weder ans Meer noch ans Ausland; mehrere Orte im Nordwesten des Landes nehmen für sich in Anspruch, der exakte Mittelpunkt Deutschlands zu sein. Aufgrund der ausgedehnten Waldgebiete wird Thüringen auch als das „grüne Herz Deutschlands“ bezeichnet. An Thüringen grenzen die Bundesländer Sachsen im Osten und Südosten, Sachsen-Anhalt im Norden und Nordosten, Niedersachsen im Nordwesten, Hessen im Westen sowie Bayern im Süden. Landeshauptstadt und zugleich größte Stadt des Landes ist Erfurt.

Der Freistaat Thüringen wurde 1990 aus den drei DDR-Bezirken Erfurt, Gera und Suhl sowie einigen angrenzenden Gebieten wiedergegründet und ist heute in 17 Landkreise sowie sechs kreisfreie Städte gegliedert. Wie Bayern und Sachsen trägt das Land offiziell den Namenszusatz Freistaat. Thüringen zählt neben Sachsen zu den wirtschaftlich stärkeren Ländern im Osten Deutschlands. Berühmte Kulturstätten im Land sind vor allem Weimar und die Wartburg, aber auch das historische Erfurt mit dem Erfurter Dom und der Krämerbrücke. Jena gilt als Bildungs- und Forschungszentrum Thüringens.

Thüringen liegt in der Mitte Deutschlands und grenzt an die Länder Hessen (Länge der Grenze 270 km), Bayern (381 km), Sachsen (265 km), Sachsen-Anhalt (296 km) und Niedersachsen (112 km). Der Freistaat Thüringen gehört wie auch Sachsen und Teile Sachsen-Anhalts zur Region Mitteldeutschland. Als Ergebnis einer satellitengestützten Landesvermessung 2007/2008 wurde der Mittelpunkt Thüringens auf dem Gebiet der Gemeinde Rockhausen im Ilm-Kreis bei den Koordinaten 50° 54′ 12″ N, 11° 1′ 35″ O50.90333333333311.0263888888897 etwa acht Kilometer südlich des Erfurter Doms ermittelt.

Die Landschaft in Thüringen ist sehr unterschiedlich. Im äußersten Norden befindet sich der Harz. In südöstlicher Richtung schließt sich ein als Goldene Aue bezeichnetes Gebiet an, mit dem fruchtbaren Tal des Flusses Helme. Im Nordwesten befindet sich das Eichsfeld, eine teilweise bewaldete Hügellandschaft.

In der Mitte des Landes liegt das flache, sehr fruchtbare Thüringer Becken. Diese Region zählt zu den ältesten Kulturlandschaften Deutschlands. Erste Ortsgründungen sind hier bereits seit dem Jahr 704 belegt. Das Thüringer Becken wird von verschiedenen kleinen Höhenzügen umringt, so der Dün im Nordwesten, die Hainleite und die unmittelbar nördlich davon gelegene Windleite sowie der Kyffhäuser im Norden, Schmücke, Hohe Schrecke und Finne im Nordosten, dem Ettersberg im Südosten, der Fahner Höhe im Süden und dem Hainich im Westen. Der Nationalpark Hainich ist der einzige Nationalpark des Landes.

Südlich des Thüringer Beckens befindet sich das hügelige Vorland des Thüringer Waldes, schließlich der Thüringer Wald selbst, als größtes Gebirge im Land. Östlich geht der Wald nahtlos ins Thüringer Schiefergebirge über, welches wiederum südöstlich in den Frankenwald übergeht, der jedoch nur zu kleinsten Teilen in Thüringen liegt. Diese Mittelgebirgskette wird vom Rennsteig, dem Kammweg, durchzogen. Er stellt die Wasserscheide zwischen Elbe im Norden und Weser beziehungsweise Rhein im Süden dar. Östlich von Wald und Becken verläuft das Saaletal. Jenseits der Saale liegt im Norden das Thüringer Holzland, im Süden das Vogtland und im Osten das Osterland. Im Gegensatz zu den erstgenannten ist das Osterland um Altenburg wenig bewaldet und sehr fruchtbar.

Südwestlich des Thüringer Waldes liegt das Werratal, gefolgt von der Rhön im Westen und dem Grabfeld im Süden.

Die wichtigsten Flüsse des Landes sind die Werra im Westen und die Saale im Osten. Größere Zuflüsse der Saale sind die Unstrut (mit Gera), die Ilm und die Weiße Elster. Im Nordwesten des Landes entspringt die Leine.

Die höchste Erhebung im Land ist der Große Beerberg im Thüringer Wald mit 983 Metern Höhe. Weitere hohe Berge sind der Schneekopf (978 m), der Große Finsterberg (944 m) und der Inselsberg (916 m).

Thüringen liegt in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas bei vorherrschender Westwindströmung. Da zwischen den westlichen Meeren und dem Freistaat bereits einige schützende Mittelgebirge liegen, ist das Klima in Thüringen kontinentaler geprägt als im Westen und Norden Deutschlands. Dies zeigt sich vor allem durch kältere Winter und trockenere Sommer als in anderen Teilen der Bundesrepublik.

Innerhalb Thüringens gibt es sehr große klimatische Unterschiede. Begünstigt ist vor allem das Thüringer Becken in der Landesmitte. Es ist von Gebirgen umgeben, sodass dort die geringsten Niederschlagsmengen Deutschlands fallen. Den Rekord hält Straußfurt mit 242 Millimeter Jahresniederschlag im Jahr 1911. Normal sind im Thüringer Becken 400 bis 500 Millimeter Jahresniederschlag bei einer Jahresmitteltemperatur von 8,5 Grad Celsius (1961–1990 an der Wetterstation Artern). Die Hügelzonen im Land liegen klimatisch etwa im deutschen Durchschnitt. So fallen in Gera 624 Millimeter Niederschlag bei einer Temperatur von 7,8 Grad Celsius. Ein ungünstiges Klima weisen in Thüringen die Gebirgszonen auf. So werden auf der Schmücke im Schnitt 1289 Millimeter Jahresniederschlag bei einer Temperatur von 4,4 Grad Celsius gemessen. Hier liegt die Januar-Temperatur bei -4 Grad Celsius und die Juli-Temperatur bei 12,8 Grad Celsius. In Artern am Nordrand des Thüringer Beckens liegen die Werte dieser Monate bei -0,7 Grad Celsius und 17,6 Grad Celsius.

Die geologische Situation in Thüringen ist gekennzeichnet durch eine große Vielfalt geologischer Formationen. An der Oberfläche beziehungsweise den bodennahen Bereichen lassen sich in den verschiedenen Regionen des Landes fast alle Schichten des Phanerozoikums, das heißt der letzten 500 Millionen Jahre, nachweisen.

Innerhalb der Zechstein- und Triaslandschaften prägen neben flachen Gebieten zahlreiche Störungen das Landschaftsbild, von denen die Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone, die das Thüringer-Wald-Vorland vom Thüringer Becken abgrenzt, die längste und auffälligste ist. Im Zechsteingebiet im Bereich von Werra und Wipper finden sich größere Salzvorkommen, die besonders im 20. Jahrhundert abgebaut wurden. Im Buntsandsteingebiet des Saaletales bei Jena sind zahlreiche geologische Phänomene zu beobachten.

Ausgehend von der im späten Mittelalter vor allem in Bereich des Thüringer Gebirges beginnenden Gewinnung von Bodenschätzen wie Eisenerz, Kupferschiefer oder Gold entwickelte sich in der Region bereits im 16. Jahrhundert eine theoretische Verarbeitung praktisch-geowissenschaftlicher Erkenntnisse. Im Jahr 1796 entstand mit der Societät für die gesamte Mineralogie zu Jena die erste geowissenschaftliche Vereinigung überhaupt. Sie entstand auf Anregung Goethes, der von 1803 bis 1830 ihr Präsident war.

Auf Grund anhaltender tektonischer Vorgänge kommt es im Südosten Thüringens gelegentlich zu kleineren Erdbeben. Diese werden seit Anfang des 20. Jahrhunderts von der Universität Jena beobachtet. Heute befindet sich im Osten des Thüringer Schiefergebirges das Geodynamische Observatorium Moxa der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie das Zentrum für die Ingenieuranalyse von Erdbebenschäden der Bauhaus-Universität Weimar zur Untersuchung und Bewertung möglicher Folgen von Erdbeben nicht nur in diesem Gebiet.

Durch den vielgestaltigen geologischen Untergrund und dem Einfluss der Mittelgebirge auf das Lokalklima kann in Thüringen eine Vielzahl von Pflanzenarten mit unterschiedlichen ökologischen Ansprüchen wachsen. Eine Naturräumliche Gliederung Thüringens unterscheidet die sieben Naturraumtypen Mittelgebirge, Buntsandstein-Hügelländer, Muschelkalk-Hügelländer, Basaltkuppenland, Ackerhügelländer, Auen und Niederungen sowie Zechsteingürtel an Gebirgsrändern. Innerhalb dieser Naturraumtypen werden 38 einzelne Naturräume unterschieden, der Naturraum Thüringer Gebirge wird zudem in acht Untereinheiten gegliedert.

Die Potenzielle natürliche Vegetation Thüringens besteht aus Wäldern, die je nach Standortverhältnissen in verschiedene Typen unterschieden werden könnten. Am weitesten verbreitet wären von der Rotbuche (Fagus sylvatica) dominierte Buchenwälder, dabei vor allem Hainsimsen-, Waldmeister-, Waldgersten- und Orchideen-Buchenwälder. Nur wo die Standortbedinungen weniger ideal sind, könnten auch andere Baumarten dominieren. So wären in den trockenwarmen, kontinental geprägten Gebieten des zentralen Thüringer Beckens die Traubeneiche (Quercus petraea), Stieleiche (Quercus robur), Hainbuche (Carpinus betulus) und die Winter-Linde (Tilia cordata) häufiger zu finden. In den Mittelgebirgen hingegen wären neben der Rotbuche der Bergahorn (Acer pseudoplatanus), die Gemeine Fichte (Picea abies) und die heute seltene Weißtanne (Abies alba) zu finden. Nur in den höchsten Lagen des Thüringer Waldes und des Thüringer Schiefergebirges wären Fichten-Buchenwälder zu finden.

Die aktuelle Flora und Fauna sind der deutschen Kulturlandschaft angepasst. Durch die Nutzung des Menschen besteht die Vegetation vor allem aus Wäldern, Grünland, Äckern, Siedlungen und Gewässern. Etwa ein Drittel der Landesfläche ist von Wald bedeckt, wovon jedoch nur 30 % naturnaher Laubwald ist. Prägend sind vor allem Nadelholzforste, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt wurden. Die Landesforstverwaltung ist jedoch bestrebt, den Laubholzanteil wieder zu erhöhen. Nachdem der Orkan Kyrill im Januar 2007 vor allem im Thüringer Wald massive Schäden anrichtete, wurde bei der Aufforstung teilweise wieder auf den heimischen Buchen-Eichen-Mischwald anstelle von Fichten-Monokulturen zurückgegriffen.

Das Grünland ist vor allem durch Trocken- und Halbtrockenrasen geprägt, artenreiche Frischwiesen in den Hügelländern sind stark zurückgegangen. Ein großer Anteil frischer und feuchter Wiesen wird als Rinderweide genutzt.

Die Wildkatze (Felis silvestris) hat im Nationalpark Hainich ein Refugium gefunden und durch den Harz im Norden des Landes streift wieder der Luchs (Lynx lynx). In den Naturschutzgebieten des Landes bestehen Vorkommen selten gewordener Vogelarten, unter anderem des Birkhuhns (Tetrao tetrix), des Schwarzstorchs (Ciconia nigra) und des Wachtelkönigs (Crex crex). Haustierarten, die an das Leben im Land angepasst sind, sind beispielsweise die seit Jahrhunderten gezüchtete Thüringer Waldziege oder das Rhönschaf.

Bedingt durch den Industrieschmutz, der zwischen 1850 und 1990 ausgestoßen wurde, waren Teile Thüringens am Ende dieser Periode stark geschädigt. Seitdem konnten diese Schäden teilweise abgemildert werden. So wurde im Rahmen der Bundesgartenschau 2007 in Gera und Ronneburg der ehemalige Uran-Tagebau in Ronneburg saniert und versiegelt; es entstand die Neue Landschaft Ronneburg. Eine weitere Altlast ist der Teersee in Rositz bei Altenburg, von dem eine enorm hohe Gefährdung der Umwelt ausgeht. Insgesamt hat die Belastung der Luft und der Gewässer jedoch erheblich abgenommen, einzig die Werra ist - bedingt durch den hessischen Kali-Abbau - unterhalb von Dorndorf noch derart versalzen (der Salzgehalt entspricht vielerorts dem der Ostsee), dass viele Pflanzen und Tiere nicht überleben können. Zu Pfingsten 2007 erhielt der Konzern Kali und Salz AG eine Genehmigung, Salz aus einer Halde in Neuhof bei Fulda bis zur Ausreizung des Grenzwertes in die Werra zu leiten. Die Salzkonzentration der Werra und der anschließenden Weser war zu DDR-Zeiten noch deutlich höher als heute.

Als bedeutende Naturschutzgebiete bestehen in Thüringen der Nationalpark Hainich, die Biosphärenreservate Rhön und Vessertal-Thüringer Wald sowie die Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal, Kyffhäuser, Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale und Thüringer Wald.

Der überwiegende Teil der 2,3 Millionen Einwohner Thüringens sind ethnische Deutsche. Angestammte Minderheiten wie etwa die Sorben in Sachsen gibt es im Land nicht. Die Bevölkerung lässt sich unter Berücksichtigung der Sprache in drei Gruppen unterteilen. Als Thüringer bezeichnet werden Sprecher der Thüringisch-Obersächsischen Dialektgruppe, die nördlich des Rennsteiges leben. Zu dieser Gruppe gehört auch der Süden Sachsen-Anhalts (Landkreis Mansfeld-Südharz, Saalekreis, Burgenlandkreis und die Stadt Halle). Werra und Leine im Nordwesten, der Harz im Norden und die Weiße Elster im Osten grenzen diesen Siedlungsraum ab. Sprecher der ostfränkischen Dialekte leben südlich des Rennsteigs und sind kulturell eher an der Region Franken orientiert. Die dritte Gruppe sind die Sprecher niederdeutscher Dialekte, die vor allem im nördlichen Teil des Landkreis Eichsfeld im Norden Thüringens leben. Gegenden mit starker Regionalidentität sind das Eichsfeld im Nordwesten und das Vogtland im Südosten.

Neben diesen drei Gruppen leben im Land etwa 50.000 Ausländer. Da das Landesamt für Statistik keine Zahlen zu den Herkunftsstaaten der Ausländer veröffentlicht, werden im Folgenden exemplarisch Werte für die Stadt Erfurt herangezogen, da sich die Zuwandererprofile der Städte und Gemeinden Thüringens ähneln. 2007 lebten in Erfurt 6043 Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Die größten Gruppen stellen hierbei Menschen aus den GUS-Staaten (1905 bzw. 31,5%), aus Ostmitteleuropa (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn) und dem Baltikum (612 bzw. 10,1%), aus Südosteuropa (ehemaliges Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Albanien: 419 bzw. 6,9%), aus arabischen Staaten, dem Iran und Israel (395 bzw. 6,5%), aus Vietnam (921 bzw. 15,2%), aus der Türkei (415 bzw. 6,9%) und aus den Staaten Süd-, West- und Nordeuropas (581 bzw. 9,6%) dar. Aus anderen asiatischen Ländern kamen 348 (5,8%), aus afrikanischen Staaten südlich der Sahara 117 (1,9%), aus Lateinamerika 118 (2,0%), aus den USA und Kanada 70 (1,2%) und aus Australien 8 (0,1%) Menschen. Verglichen mit Gesamtdeutschland ergeben sich hier erhebliche Abweichungen. So sind Menschen aus „traditionellen“ (westdeutschen) Einwandererländern wie Italien, Griechenland, der Türkei oder Jugoslawien unterdurchschnittlich oft vertreten. Überdurchschnittlich vertreten sind hingegen Osteuropäer und vor allem die teils schon zu DDR-Zeiten eingewanderten Vietnamesen.

An der Thüringer Städtekette, die sich quer durch die Mitte des Landes entlang der sechs größten Städte zieht, ist die Bevölkerungsdichte am größten. Insgesamt betrachtet ist die Bevölkerungsdichte relativ homogen, große Ballungsgebiete fehlen, ebenso Regionen mit einer Bevölkerungsdichte von unter 50 Einwohnern pro Quadratkilometer. Dünner besiedelt sind vor allem der südliche Saale-Orla-Kreis, die Gebiete zwischen Werra und bayerischer Landesgrenze (bedingt durch die nachteilige Lage an der ehemaligen innerdeutschen Grenze) sowie Teile des nördlichen Thüringer Beckens zwischen Sondershausen und Mühlhausen.

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl Thüringens - trotz der Kriegsverluste - durch Zuzug von Heimatvertriebenen an, damals erreichte sie ihren historischen Höchststand von etwa drei Millionen. Durch die anhaltende Fluchtbewegung nach Westdeutschland nahm sie wieder ab. Während die Einwohnerzahl nach dem Bau der Berliner Mauer und der damit verbundenen Grenzschließung 1961 relativ konstant blieb, schrumpfte sie nach dem Wegfall dieser Grenze von 2,7 Millionen 1989 auf die derzeitige Einwohnerzahl von 2,3 Millionen. Die Geburtenzahl sank von 35.000 im Jahr 1988 auf 16.000 im Jahr 2006. Im selben Zeitraum entwickelte sich die Zahl der Sterbefälle von 34.000 auf 26.000. Jedes Jahr fehlen 10.000 Geburten, um eine ausgeglichene Geburtenbilanz zu erhalten. 2007 stieg die Zahl der Geburten seit 2005 erstmals wieder. Insgesamt wurden 17.176 Kinder geboren. 1988 zogen 25.000 Menschen nach Thüringen und 25.000 verließen Thüringen, womit damals eine ausgeglichene Wanderungsbilanz vorherrschte. Heute ziehen jährlich etwa 30.000 Menschen nach Thüringen, während 45.000 das Land verlassen. So entsteht hier eine Lücke von 15.000 Bürgern, die – addiert mit der Geburtenbilanz – einen jährlichen Bevölkerungsrückgang von etwa 25.000 Menschen bedeutet. Innerhalb des Landes ist die Bevölkerungsentwicklung unterschiedlich, so herrscht in den Städten Erfurt, Jena und Weimar seit einigen Jahren eine ausgeglichene Geburtenbilanz (die Zahl der Geborenen deckt die Zahl der Gestorbenen vollständig ab), der eine weitere Alterung der Bevölkerung verlangsamt. Dem entgegen steht die Entwicklung in den ländlichen Gebieten, deren Bevölkerung heute jedoch mehr und mehr auf Grund von zu wenig Geburten und nicht mehr vordergründig durch Abwanderung schrumpft. Dadurch steigt das Durchschnittsalter in jenen Gebieten rasch an. Die Wanderungen zeigen einen Trend vom Land in die Stadt, unabhängig davon, ob diese in Thüringen, in einem anderen ostdeutschen Bundesland oder in den alten Bundesländern liegt.

Die Sprachwissenschaftliche Kommission der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig unterscheidet in Thüringen neun regionale Mundarten, von denen sieben zur Thüringisch-Obersächsischen Dialektgruppe und zwei zur Mainfränkischen Dialektgruppe gehören. Die Übergänge zwischen diesen einzelnen Dialekten sind fließend, manchmal werden zusätzlich noch regional sehr beschränkte, kleinere Mundarten wie etwa das Rhöner Platt klassifiziert.

Zentralthüringisch wird in der Landesmitte um Erfurt, Arnstadt, Ilmenau, Gotha, Bad Langensalza und Sömmerda gesprochen. Nördlich folgen Nordthüringisch um Mühlhausen, Nordhausen, Sondershausen und das Eichsfeld sowie Nordostthüringisch um Artern. Östlich an das Verbreitungsgebiet des Zentralthüringischen grenzt das Ilmthüringische um Weimar, Jena, Rudolstadt und das Schwarzatal, welches wiederum östlich ins Südostthüringische übergeht. Diese Mundart wird vor allem um Saalfeld, Pößneck, Schleiz, Greiz und Gera gesprochen. Im Osten des Landes wird die Ostthüringische Mundart gesprochen, dies gilt vor allem im Holzland und im Osterland um Altenburg. Im Raum Eisenach-Bad Salzungen herrscht Westthüringisch vor, ein Dialekt, in dem sich schon Einflüsse des Osthessischen ausmachen lassen. Südlich von Rennsteig und Salzbogen liegen die mainfränkischen Sprachgebiete mit Hennebergisch im Einzugsgebiet der Werra um Suhl, Hildburghausen, Meiningen und Schmalkalden und Itzgründisch im Einzugsgebiet der Itz um Sonneberg.

Die Thüringischen Dialekte vereinen ähnliche Merkmale, wobei diese von West nach Ost immer deutlicher hervortreten. Die beiden fränkischen Dialekte sind übergangslos, deutlich hörbar von diesen differenziert und vor allem im itzgründischen Sprachraum stark ausgeprägt. Der Rennsteig als alter Grenzweg der mittelalterlichen Gaue ist hierbei die harte Grenze, lediglich der ebenfalls südlich des Rennsteigs gelegene Salzbogen (in etwa die Werra entlang zwischen Breitungen, Bad Salzungen und Vacha) bildet eine ca. 20 km breite Übergangszone mit fränkischen, hessischen und thüringischen Sprachelementen.

Im nördlichen Eichsfeld wird traditionell ein niederdeutscher Dialekt des Ostfälischen gesprochen.

Knapp zwei Drittel der Einwohner bekennen sich heute zu keiner Religionsgemeinschaft.

Die Schulen des Landes bieten evangelischen, katholischen und jüdischen Religionsunterricht an. Dabei können die Schüler zwischen Religionsunterricht oder dem Fach Ethik wählen. Religionsunterricht kann sowohl von staatlichen als auch von kirchlichen Lehrern erteilt werden.

Christianisiert wurde Thüringen bereits ab dem 8. Jahrhundert durch Bonifatius, weshalb er gelegentlich als „Missionar der Thüringer“ bezeichnet wird. Bis zur Einführung der Reformation gehörte die Bevölkerung daher dem katholischen Glauben an.

Die thüringischen Staaten waren im 16. Jahrhundert eines der ersten protestantischen Gebiete der Welt, da der Reformator Martin Luther im Kurfürst Friedrich von Sachsen einen Förderer hatte. Zudem spielten sich die Hintergründe der Reformation teilweise in Thüringen ab: Luther absolvierte sein Theologiestudium an der Universität Erfurt, seine Familie selbst stammte aus Möhra, die Bibelübersetzung entstand in Teilen auf der Wartburg und der Bauernkrieg sowie der Schmalkaldische Krieg als Reformationsfolgen trugen sich zu größeren Teilen in Thüringen zu.

Die evangelische Kirche hatte danach jedoch nie den gesellschaftlichen Einfluss, wie ihn die katholische Kirche in ihren Gebieten hatte. So galten die meisten thüringischen Staaten bereits im 18. Jahrhundert als liberal und aufgeklärt, was vor allem durch die Weimarer Herzogsfamilie gefördert wurde.

Die atheistische Weltanschauung der DDR, die entsprechende Erziehung in den Schulen und Nachteile für Christen trugen später dazu bei, dass der Großteil der Bevölkerung die Kirche verließ und heute der Anteil der evangelisch-lutherischen Christen an der Gesamtbevölkerung bei rund einem Viertel liegt. In der evangelischen Kirche ist Thüringen Teil der 2009 gebildeten Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, die im Wesentlichen die Bundesländer Thüringen und Sachsen-Anhalt umfasst. Der ehemalige Kreis Schmalkalden gehört als einziger Landesteil nicht zum Bereich der EKMD, sondern zur Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Katholische Gegenden in Thüringen sind das Eichsfeld und in geringem Umfang die Landeshauptstadt Erfurt, die bis 1802 unter dem Einfluss von Kurmainz standen. Zudem ist der Anteil katholischer Einwohner im Dekanat Geisa in der Rhön hoch, da dieses historisch enge Verflechtungen zum Bistum Fulda hat. Organisiert sind die Katholiken, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung bei knapp zehn Prozent liegt, größtenteils im Bistum Erfurt. Kleinere Teile des Landes gehören aber auch anderen Bistümern an (Ostthüringen zum Bistum Dresden-Meißen, Geisa zum Bistum Fulda).

Jüdische Gemeinden existierten in Thüringen seit dem 12. Jahrhundert in geringem Umfang, so lebten nie mehr als 5000 bis 6000 Juden im Land. Die meisten von ihnen lebten in den relativ freien Städten Erfurt, Mühlhausen und Nordhausen. In der frühen Neuzeit siedelten sich auch einige „Schutzjuden“ in der Rhön und im Werratal im Südwesten an. Sie wanderten ab etwa 1870 in die Städte ab, vor allem nach Eisenach, Gotha, Meiningen und Suhl. Die Zeit des Nationalsozialismus setzte dem jüdischen Leben in Thüringen ein jähes Ende. So existiert seit dem Zweiten Weltkrieg nur noch die Jüdische Gemeinde in Erfurt mit etwa 750 Mitgliedern (2007) in ganz Thüringen.

Andere Religionsgemeinschaften spielen in Thüringen nur eine geringe Rolle. Diverse christliche Freikirchen unterhalten in mittleren Städten eigene kleine Gemeinden. Auch die muslimischen Gemeinden haben nur wenige Mitglieder (laut taz 3000 , laut MDR 4000 im Jahr 2006, laut Spiegel waren es 2006 etwa 7000 - offizielle Zahlen des Statistischen Landesamts werden nicht erhoben).

Im dritten Jahrhundert bildete sich aus Teilen der Hermunduren, Turonen, Warnen und Angeln der Stamm der Thüringer, die später ein Königreich mit Siedlungsschwerpunkt im fruchtbaren Thüringer Becken entlang der Unstrut gründeten. Erstmals urkundlich erwähnt wurden die Thüringer als Thoringi im Jahr 480 durch Sidonius Apollinaris. Ihr Königreich existierte bis 531, als die Franken es mithilfe der Sachsen zerschlugen und das Gebiet westlich der Saale ins Fränkische Reich eingliederten. Um 620 kam es durch die Merowinger zur Gründung des Herzogtums Thüringen, welches bis ins späte siebente Jahrhundert bestand. In diese Zeit fallen auch die ersten Ortsgründungen im Land, unter anderem Arnstadt im Jahr 704 und Erfurt im Jahr 742. Zeitgleich missionierte Bonifatius im Land, der das Bistum Erfurt gründete.

Die Ottonen machten das Gebiet an der unteren Unstrut zwischen Naumburg und Sangerhausen an der thüringischen Grenze zu einem Zentrum des Heiligen Römischen Reiches im 10. Jahrhundert. Thüringen profitierte davon allerdings nur wenig, da sich in der Gegend kein eigenes, starkes Stammesherzogtum bilden konnte. Größte Macht im Thüringer Raum war in jener Zeit die Grafschaft Weimar. Erst die Ludowinger konnten wieder beträchtliche Teile Thüringens unter ihre Kontrolle bringen. So ließ Ludwig der Springer im Jahr 1067 die Wartburg errichten. Seine Nachkommen wurden 1131 von Kaiser Lothar III. zu Landgrafen von Thüringen erhoben. Unter ihnen erblühte die Region zu einem Zentrum der deutschen Kultur des Hochmittelalters, besonders der Sängerkrieg auf der Wartburg und das Wirken der Heiligen Elisabeth von Thüringen sind in diesem Zusammenhang erwähnenswert. 1247 starb das Landgrafengeschlecht aus, woraufhin der thüringisch-hessische Erbfolgekrieg begann. Er endete 1264 damit, dass die Wettiner große Teile des Landes erhielten und in ihren Staat integrierten. Es begann eine fast 700 Jahre währende Herrschaft der Wettiner über Thüringen, die erst mit der Abschaffung der Monarchien in Deutschland 1918 endete. Im Thüringer Grafenkrieg zwischen 1342 und 1346 versuchten die Grafen von Schwarzburg, Weimar-Orlamünde und Hohnstein sowie die Vögte von Weida die Vormachtstellung der Wettiner wieder zurückzudrängen, was ihnen jedoch nicht gelang.

Im 12. Jahrhundert verstärkte sich der Prozess des Landesausbaus in Thüringen. Es entstanden erste befestigte Städte wie etwa Mühlhausen (1135) oder auch Saalfeld (1180). Gleichzeitig begann die Blütezeit Erfurts. Die Einwohnerzahl erreichte im 14. Jahrhundert etwa 20.000, womit nur Köln, Nürnberg und Magdeburg zu dieser Zeit größer waren als Erfurt. Die Stadt war mit etwa 30 Pfarrkirchen und Klöstern fast aller in Mitteleuropa präsenten Orden, zwei mächtigen Mauerringen, einem Dom sowie dem Peterskloster ausgestattet. 1331 erhielt die Stadt über 150 Jahre vor Leipzig (1497) das kaiserliche Messeprivileg, 1392 folgte die Gründung der dritten Universität Deutschlands in der Stadt. Erfurts Blütezeit endete am Beginn des 16. Jahrhunderts, als sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechterten. Der Reichtum der Stadt fußte zum Teil auf dem Handel mit Färberwaid, der nach der Entdeckung Amerikas durch das billigere Indigo ersetzt wurde, womit eine entscheidende Einnahmequelle wegbrach. Schwerer wogen allerdings die politischen Ursachen. Durch die Reformation wurden Stadtbevölkerung und Stadtrat evangelisch, während der Landesherr, das Erzbistum Mainz, katholisch blieb. Der Erzbischof von Mainz unterdrückte die Stadt Erfurt und den Stadtrat, andererseits lag sie als Exklave mitten im sächsischen Herrschaftsgebiet, was die Wirtschaft Erfurts hemmte, sodass die Stadt von den aufstrebenden Handelsstädten Frankfurt am Main und Leipzig überholt wurde.

Die bedeutendsten Adelsgeschlechter des mittelalterlichen Thüringens waren neben den dominanten Wettinern und den Ludowingern (Landgrafen von Thüringen; 1040–1247) die Grafen von Beichlingen (in Nordthüringen; 1080–ca. 1600), die Grafen von Gleichen (in Zentralthüringen; 1099–1631), die Grafen von Henneberg (südlich des Rennsteigs; 1096–1583), die Grafen von Hohnstein (im Harzvorland; 1184–1593), die Grafen von Käfernburg (im Vorland des Thüringer Walds; 8. Jh.–1385), die Lobdeburger (in Ostthüringen; ca. 1100–ca. 1300), die Grafen von Schwarzburg (im Thüringer Schiefergebirge und dessen Vorland; 1071–1918), die Grafen von Stolberg (im Harz; 1210–1806), die Grafen von Vitzthum (im Raum Weimar-Jena; ab 1123), die Vögte von Weida (im Elstertal, Vorfahren der Grafen von Reuß; 1209–1918) und die Grafen von Weimar-Orlamünde (in Zentralthüringen; 949–1486). Über das Ende des Heiligen Römischen Reichs 1806 konnten nur die Ernestiner als Nachfahren der Wettiner sowie die nunmehr gefürsteten Reußen und Schwarzburger ihre Macht in Thüringen sichern. Sie regierten bis zum Ende der Monarchie 1918.

1485 wurden mit der Leipziger Teilung die wettinischen Lande auf die jüngeren Albertiner im Osten und die älteren Ernestiner im Westen verteilt. Diese übernahmen gleichzeitig die Kurwürde von den Wettinern. Die Ernestiner herrschten zunächst über große Teile Thüringens, lediglich ein Streifen im Norden entlang der Unstrut gehörte den Albertinern.

Mit der Reformation am Beginn des 16. Jahrhunderts rückte Thüringen ins Zentrum der deutschen Politik. Martin Luther studierte zunächst an der Universität Erfurt und wohnte im Augustinerkloster, bevor er nach Wittenberg ging und die Reformation begann. Schließlich wurde er vom sächsischen Kurfürst Friedrich dem Weisen auf der Wartburg versteckt, wo er an der Bibelübersetzung ins Deutsche arbeitete. 1525 begann als Folge der Reformation der Bauernkrieg, der in den thüringischen Städten Mühlhausen und Frankenhausen zwei seiner Zentren und mit Thomas Müntzer einen starken Anführer fand. Später begann in Thüringen der Schmalkaldische Krieg zwischen katholischer Reichsgewalt und protestantischen Fürsten, der 1547 mit der Wittenberger Kapitulation und einer Niederlage der Protestanten endete. Deshalb ging die sächsische Kurwürde von den zunehmend an Bedeutung verlierenden Ernestinern an die Albertiner über. Als die Henneberger 1583 ausstarben, trat ein Erbvertrag in Kraft, der den Ernestinern umfangreiche Besitztümer in Südthüringen einbrachte. Mit der Erfurter Teilung 1572 begann die fortwährende Zersplitterung des ernestinischen Besitzes in zahlreiche Herzogtümer, die teilweise bis 1918 Bestand hatten. Es bildeten sich 1640 zwei ernestinische Hauptlinien heraus: das Haus Sachsen-Weimar und das Haus Sachsen-Gotha. Während ersteres nur wenige Nebenlinien hatte und als höchsten Vertreter die erste deutsch-preußische Kaiserin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach stellte, hatte das Haus Sachsen-Gotha sehr viele Nebenlinien, die meist über ein eigenes Land herrschten. Außerdem stellt dieses Haus eine Reihe europäischer Könige, so die englischen Könige (seit 1901), die belgischen Könige (seit 1831), die portugiesischen Könige (1837–1910) und die bulgarischen Könige (1887–1946).

In der Folgezeit begann die Phase des Humanismus in Thüringen, in der auch die Universität Erfurt eine Blütezeit erlebte. Um Ulrich von Hutten und die Reformatoren bildete sich ein Zentrum des deutschen Humanismus. Als humanistischer „Musterstaat“ galt zu dieser Zeit Sachsen-Gotha unter der Herrschaft Ernst des Frommen. Er führte beispielsweise im Jahr 1642 als erstes Staatsoberhaupt der Welt die allgemeine Schulpflicht für alle Jungen und Mädchen bis zum zwölften Lebensjahr ein.

Erst ab etwa 1780 machten die regierende Herzogin Anna Amalia und ihr Sohn Karl August wieder auf die Region aufmerksam. Sie riefen Dichter wie Johann Wolfgang von Goethe oder Friedrich Schiller an ihren Hof, sodass sich dort die Weimarer Klassik als deutsche Version der klassischen Literaturbewegung etablierte. An der Universität Jena bildete sich in dieser Zeit ein Zentrum der deutschen Philosophie, das sich durch das Wirken von Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und Georg Wilhelm Friedrich Hegel begründete. Auch die Jenaer Romantik um Dichter wie Novalis, Clemens Brentano oder Friedrich Schlegel war zu dieser Zeit deutschlandweit stilprägend.

Der Reichsdeputationshauptschluss 1803 sorgte dafür, dass das Erzbistum Mainz seine Gebiete um Erfurt und das Eichsfeld verlor und die Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen ihre Selbstständigkeit aufgeben mussten. Sie wurden auf dem Wiener Kongress 1815 endgültig Preußen zugeschlagen. Er erhob auch Sachsen-Weimar-Eisenach zum einzigen Großherzogtum Thüringens. Zur Napoleonischen Zeit bahnte sich 1806 auch die entscheidende Schlacht zwischen Franzosen und Preußen in Thüringen an. Am 9. Oktober kam es zum Gefecht bei Schleiz, gefolgt vom Gefecht bei Saalfeld am 10. Oktober und der entscheidenden Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober, die mit einer preußischen Niederlage endete. Es folgte 1808 der Erfurter Fürstenkongress zwischen Frankreich und Russland, bei dem auch Goethe auf Napoléon traf und schließlich die Bildung erster Widerstandsgruppen gegen die französische Herrschaft. Impulsgeber war auch hier die Universität Jena. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft und den ernüchternden Ergebnissen des Wiener Kongresses formierte sich 1815 in Jena die Urburschenschaft, die 1817 das Wartburgfest veranstaltete und nationale wie liberale Bewegungen in sich vereinte. Auch erste liberale Verfassungen entstanden in dieser Zeit, so 1816 in Sachsen-Weimar-Eisenach, 1818 in Sachsen-Hildburghausen und 1821 in Sachsen-Coburg-Saalfeld. Mit der Durchsetzung der Karlsbader Beschlüsse von 1819 in Thüringen nahm diese frühe Phase der Liberalität ein Ende.

Die kulturelle Blüte des Landes setzte sich auch in den folgenden Jahrzehnten fort, so entstand unter dem Pädagogen Friedrich Fröbel 1817 die Allgemeine Deutsche Bildungsanstalt als moderne Schule in Rudolstadt. 1840 folgte die Gründung des ersten deutschen Kindergartens durch Fröbel in Bad Blankenburg. Weiterhin begründete Ernst-Wilhelm Arnoldi 1820 mit der Gothaer Versicherung das deutsche Versicherungswesen. Joseph Meyer gründete 1826 in Gotha das Bibliographische Institut, den Herausgeber von Meyers Konversations-Lexikon. Auch das Bibliographische Institut & F. A. Brockhaus, Herausgeber der Brockhaus Enzyklopädie, hatte seinen Sitz zwischen 1811 und 1818 in Altenburg im Osten Thüringens. Der erste Duden erschien 1872 in Schleiz. Am 1. März 1882 gründete Oscar Tietz in Gera das Warenhaus Tietz, den späteren Kaufhauskonzern Hertie. 1908 eröffnete er in Erfurt das Kaufhaus Römischer Kaiser (heute Anger 1), das nach wie vor größte Kaufhaus des Landes. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte Weimar eine Renaissance in seinem „Silbernen Zeitalter“. Musiker wie Franz Liszt kamen an den Hof und die Weimarer Malerschule etablierte sich seit 1860 in der deutschen Malerei.

1833 erfolgte die Gründung des Zoll- und Handelsverein der Thüringischen Staaten, der die Industrielle Revolution im Land beflügelte. 1842 erreichte die erste Bahnlinie thüringisches Gebiet und 1846 wurde mit der Thüringer Bahn die Hauptbahnlinie des Landes eröffnet. Zunächst nahm die ostthüringische Textilindustrie um Gera einen Aufschwung, gefolgt von der überall im Land verstreuten Metallindustrie und der optischen Industrie in Jena, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Weltspitze aufstieg.

Die Revolution von 1848 verlief in Thüringen eher unspektakulär. Zentren fanden sich im verarmten Eichsfeld sowie im rückständigen Reuß. An ihrem Ende stand die Abdankung des starrsinnigen Herzogs Joseph von Sachsen-Altenburg sowie die Abdankung des Fürsten Heinrich LXXII. von Reuß-Ebersdorf, dessen Land im Fürstentum Reuß jüngerer Linie (regiert von der Schleizer Linie) aufging. Die Wünsche nach einem vereinten deutschen Staat blieben allerdings auch nach der gescheiterten Revolution präsent und so kam es im Jahr 1850 zur Einberufung des Erfurter Unionsparlaments, das die Nationalstaatsidee aufgriff und diskutierte, ohne jedoch zu einem Durchbruch zu gelangen. Auch der Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha befürwortete die deutsche Einheit, allerdings war er ebenso ein Kritiker preußischer Hegemonialpolitik, was dem Volksfeste liebenden Herzog den spöttischen Namen „Schützenkönig“ einbrachte.

Im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 standen die meisten Thüringer Staaten auf Seiten Preußens, lediglich Sachsen-Meiningen und Reuß älterer Linie waren mit Österreich verbündet. Dieser Umstand führte dazu, dass Bismarck die beiden Staaten nach Kriegsende in das Königreich Preußen eingliedern wollte, was jedoch auf Intervention des Weimarer Großherzogs Karl August, dem Schwager des preußischen Königs, unterblieb. Stattdessen wurden lediglich die Herrscher der beiden Staaten, Bernhard II. von Sachsen-Meiningen und Caroline von Reuß-Greiz, abgesetzt.

Als Folge der Industrialisierung wurde Thüringen zur Wiege der Sozialdemokratie. 1869 gründeten August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, die 1875 mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein in Gotha zur SPD fusionierte. Das Gothaer Programm und das Erfurter Programm legten in der Folge die Ziele der sozialdemokratischen Politik in Deutschland fest.

Die Novemberrevolution nach dem Ersten Weltkrieg fand ihr thüringisches Zentrum im Freistaat Sachsen-Gotha unter Revolutionsführer Wilhelm Bock. In Gotha wurde bereits am 8. April 1917 die USPD gegründet. Zunächst dankten die acht Thüringer Monarchen zwischen 9. und 25. November ab. Im Freistaat Sachsen-Gotha bildete sich ein kommunistischer Rat. Sachsen-Gotha geriet bis 1920 in politische Querelen und bürgerkriegsähnliche Zustände. Ein besonderer Vorfall waren hierbei die Morde von Mechterstädt im Jahr 1920. Wegen der politischen Unruhen in Berlin wurde die neue Reichsverfassung als die Weimarer Verfassung 1919 in Weimar erarbeitet, in Schwarzburg unterschrieben und dadurch als erste demokratische Verfassung für Gesamtdeutschland in Kraft gesetzt.

Nachdem die Monarchen abgedankt hatten, war der Weg frei zur Gründung eines einheitlichen Staats in Thüringen. Am 1. Mai 1920 wurde daher das Land Thüringen gegründet. Es umfasste die Thüringischen Staaten, namentlich Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Gotha, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen und den Volksstaat Reuß. Sachsen-Coburg schloss sich Bayern an.

Die Entwicklung des jungen Landes war von politischer und kultureller Zerrissenheit in den 1920er-Jahren geprägt. Dadurch erfolgte eine Stärkung der politischen Extremisten von rechts und links. Auch die Gesellschaft war gespalten: junge Modernisierer, die sich ab 1919 unter anderem am Bauhaus in Weimar sammelten, standen alten Traditionalisten gegenüber, die sich nach der Monarchie zurücksehnten. Zu dieser Zeit hatte Hitler in vielen deutschen Staaten Redeverbot, nicht so jedoch in Thüringen, weshalb er in den 1920er-Jahren immer wieder in Weimar Kundgebungen abhalten konnte.

1923 kam es zur Bildung einer Landesregierung aus SPD und KPD, die zum Roten Oktober in Sachsen und Thüringen führte. Die beiden Länder wurden am 29. Oktober (Sachsen) und am 6. November (Thüringen) mit der Reichsexekution belegt und die Reichswehr marschierte ein, um die Regierung abzusetzen, was ihr auch gelang. Die SPD reagierte darauf mit einem Misstrauensvotum gegen Kanzler Gustav Stresemann im Reichstag, das zu dessen Absetzung führte. Die 1920er-Jahre blieben von politischem Stillstand und ständig wechselnden Landesregierungen geprägt. Bereits 1930 etablierte sich mit der Baum-Frick-Regierung eine erste Landesregierung unter Beteiligung der NSDAP in Deutschland. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde das Land Thüringen gleichgeschaltet und somit faktisch aufgehoben. Gauleiter Thüringens war Fritz Sauckel. Während der Zeit des Nationalsozialismus lagen zwei Konzentrationslager im Land: das KZ Buchenwald bei Weimar und das KZ Dora Mittelbau bei Nordhausen.

Der Zweite Weltkrieg richtete in Thüringen vergleichsweise mäßige Schäden an. Nordhausen wurde durch britische Luftangriffe im April 1945 fast völlig zerstört, wobei etwa 8.800 Menschen starben. Schäden durch Bombardements entstanden auch in Erfurt, Gera, Jena, Weimar, Eisenach und einigen kleineren Städten. Thüringen wurde zwischen dem 1. und dem 16. April 1945 von den Amerikanern besetzt und zum 1. Juli 1945 an die sowjetische Miltärverwaltung übergeben. Das Land Thüringen wurde wiederhergestellt und um den vormals preußischen Regierungsbezirk Erfurt erweitert. Aufgelöst wurde es von der DDR-Regierung 1952. An seine Stelle traten der Bezirk Erfurt, der Bezirk Gera und der Bezirk Suhl.

Am Volksaufstand vom 17. Juni 1953 beteiligten sich in Thüringen etwa 24.000 Arbeiter, vor allem in den Industriezentren Erfurt, Jena und Gera. Am 13. August 1961 begann laut Beschluss des Warschauer Pakts in Moskau die völlige Abriegelung der Grenzen zwischen der DDR und der BRD, die Thüringen besonders hart traf. Einige Dörfer im Grenzgebiet wurden zwangsumgesiedelt und abgerissen (beispielsweise Billmuthausen, Erlebach, Leitenhausen und Liebau an der Grenze zu Bayern), andere durch Mauern geteilt (Mödlareuth und Heinersdorf) oder Familien im Rahmen der Aktion Ungeziefer durch die Stasi umgesiedelt. 1970 trafen sich erstmals die Spitzenpolitiker der beiden deutschen Staaten. Willy Brandt und Willi Stoph tagten beim Erfurter Gipfeltreffen im Erfurter Hof am 19. März, begleitet von einer großen Menschenmenge vor dem Haus am Hauptbahnhof, die dem westdeutschen Bundeskanzler zujubelte. Im Herbst 1989 begannen auch in Thüringen Massendemonstrationen gegen das SED-Regime, die sich nach und nach auf alle Städte des Landes ausweiteten. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 wurden schließlich die Grenzübergänge zwischen Thüringen und Bayern, Hessen sowie Niedersachsen geöffnet.

Mit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde der Freistaat Thüringen wiedergegründet. Er entstand aus den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl, sowie aus Teilen der Bezirke Leipzig (Kreise Altenburg und Schmölln) und Halle (Kreis Artern). Am 10. Januar 1991 entschied der Landtag, welche Stadt Landeshauptstadt Thüringens wird. Beworben hatten sich neben Erfurt auch Gera, Jena, Weimar und Nordhausen. Von 88 Abgeordneten stimmte eine Mehrheit von 49 für Erfurt, gefolgt von Weimar mit 25, Gera mit 10 und Jena mit 4 Stimmen. Die Verfassung des Landes wurde am 25. Oktober 1993 auf der Wartburg durch den Landtag mit mehr als zwei Drittel seiner Mitglieder verabschiedet. Sie trat am 30. Oktober 1993 vorläufig und nach einem Volksentscheid am 16. Oktober 1994 mit 70 % Zustimmung endgültig in Kraft.

Der Staatsaufbau Thüringens basiert auf der Verfassung des Freistaats Thüringen von 1993. Laut der Verfassung ist Thüringen ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Es ist ein demokratischer, sozialer und dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen verpflichteter Rechtsstaat (Art. 44). Artikel 45 besagt, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht und dass das Volk seinen Willen durch Wahlen, Volksbegehren und Volksentscheid verwirklicht.

Die Legislative ist der Thüringer Landtag, der alle fünf Jahre nach dem personalisierten Verhältniswahlrecht neu gewählt wird. Der vierte Thüringer Landtag besteht aus 88 Abgeordneten und wurde auf Grundlage des Wahlergebnisses vom 13. Juni 2004 gebildet. Die CDU hat mit 45 Mandaten die absolute Mehrheit und stellt die Landesregierung. Die Linke verfügt über 28 Sitze und bildet gemeinsam mit den 15 SPD-Abgeordneten die Opposition im Landtag. Die Präsidentin des Landtags ist Dagmar Schipanski (CDU).

Im Weiteren besteht die Möglichkeit der aktiven Teilnahme an der Legislative des Volks durch Volksentscheid.

Die Exekutive besteht aus dem Ministerpräsidenten und den Ministern. Der Ministerpräsident wird vom Landtag mit der Mehrheit seiner Mitglieder ohne Aussprache in geheimer Abstimmung für die gesamte Legislaturperiode gewählt. Der Ministerpräsident ernennt und entlässt die Minister. Er bestimmt außerdem einen Minister zu seinem Stellvertreter. Der Landtag kann den Ministerpräsidenten nur durch ein konstruktives Misstrauensvotum absetzen.

Ministerpräsident ist seit 2003 Dieter Althaus (CDU). Seine Vorgänger waren Josef Duchač (CDU, 1990–1992) und Bernhard Vogel (CDU, 1992–2003). Sitz des Ministerpräsidenten ist die Thüringer Staatskanzlei in der Erfurter Altstadt.

Von den 17 Landräten werden 12 von der CDU und 3 von der SPD gestellt; zwei Landkreise verfügen über einen parteilosen Landrat. Nur drei Landräte sind weiblich. Die Oberbürgermeister der sechs kreisfreien Städte werden mit Ausnahme des parteilosen Oberbürgermeisters von Suhl alle von der SPD gestellt. Insgesamt werden von den 22 Bürgermeistern der Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern 10 von der SPD, 5 von der CDU, 3 von Freien Wählergemeinschaften und 1 (Sömmerda) von der Linken gestellt; 3 Bürgermeister sind parteilos. Nur Nordhausen und Sonneberg verfügen über eine Bürgermeisterin.

Die Judikative wird vom Thüringer Verfassungsgerichtshof und von den weiteren Gerichten des Landes ausgeübt. Der Verfassungsgerichtshof besteht aus einem Präsidenten und acht weiteren Mitgliedern. Die ordentliche Gerichtsbarkeit gliedert sich in das Thüringer Oberlandesgericht Jena, die Landgerichte in Erfurt, Gera, Mühlhausen und Meiningen sowie die nachgeordneten Amtsgerichte. Gefängnisse bestehen in Gera, Goldlauter, Gräfentonna, Hohenleuben, Ichtershausen, Untermaßfeld und Weimar.

Das Thüringer Oberverwaltungsgericht hat seinen Sitz in Weimar.

Mit dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt sitzt auch ein Bundesgericht in Thüringen.

Das Thüringer Landeswappen zeigt im lasurblauen Schild den viermal gleichbreit rot-silbern gestreiften, golden bewehrten und gekrönten »Bunten Löwen« der Ludowinger, umgeben von acht silbernen Sternen.

Als älteste farbige Darstellung des »Thüringer Urwappens« blieb der Wappenschild des Landgrafen Konrad von Thüringen aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Der Erbfolgekrieg 1264/65 entließ Hessen politisch selbstständig, das seitdem den »Bunten Löwen« (umgekehrt gestreift: silber-rot) im Wappen führt. Als sich am 1. Mai 1920 das Land Thüringen aus den sieben republikanischen thüringischen Kleinstaaten zusammenschloss, wurden in Anlehnung an das föderale Sternenbanner der USA sieben silberne Sterne auf revolutionär-republikanisch rotem Grund zum Staatswappen gewählt. Die Nationalsozialisten verpassten Thüringen ein archaischeres, beadlertes Wappen. Mit der Neugründung des Landes Thüringen wurde 1991 das jetzige Thüringer Wappen aus den historischen Grundlagen abgeleitet. Der achte Stern steht für die zusätzlich zum Freistaat Thüringen gehörigen, ehemals Preußen angegliederten Gebietsteile Erfurt, Mühlhausen, Nordhausen, Schmalkalden und Suhl.

Das Land Thüringen ist auf zwei Ebenen gegliedert. Auf der ersten Ebene stehen seit der Kommunalreform vom 1. Juli 1994 die 17 Landkreise und sechs kreisfreien Städte und auf der zweiten Ebene die 955 Gemeinden des Landes (Stand: 1. Januar 2009). Dazwischen gibt es teilweise Verwaltungsgemeinschaften und erfüllende Gemeinden als Zusammenschluss mehrerer kleiner Gemeinden, die ihre Verwaltungsaufgaben gemeinsam erledigen. Die Ebene der Regierungsbezirke gab es in Thüringen nie, da die Größe des Landes dies nicht rechtfertigt.

Die Anzahl und der Zuschnitt der Landkreise und kreisfreien Städte waren seit der Einführung dieser Verwaltungsebene in Preußen 1815 stetigen Veränderungen unterworfen. Diese werden im Artikel Geschichte der Verwaltungsgliederung Thüringens dargestellt.

Mit dem Landesentwicklungsplan 2004 wurden die Grundzüge der Raumordnung im Land für die nächsten fünf Jahre festgelegt. Neben den seit 1991 existierenden vier Planungsregionen (Mittelthüringen, Südthüringen, Ostthüringen und Nordthüringen) gibt es im Land drei Oberzentren (Erfurt, Jena und Gera) sowie 32 Mittelzentren, von denen einige zusätzlich die Teilfunktionen eines Oberzentrums haben.

Auf Grund seiner zentralen Lage im wiedervereinigten Deutschland wurden seit 1990 große Anstrengungen zum Ausbau der Infrastruktur in Thüringen unternommen. Die größten Verkehrsprojekte sind teilweise fertiggestellt und teilweise noch in Bau. Im Jahr 2015 sollen alle Großprojekte abgeschlossen sein.

Wichtigste Straßenverkehrsachsen in Thüringen sind die Bundesautobahn 4 in Ost-West-Richtung und die Bundesautobahn 9 in Nord-Süd-Richtung. Beide werden zurzeit ausgebaut, um am Ende durchgehend sechsstreifig befahrbar zu sein. Ergänzt wird das Autobahnnetz durch die Bundesautobahn 38 im Norden, die Leipzig mit Kassel verbindet und im Dezember 2009 durchgängig fertiggestellt sein soll. Die Bundesautobahn 71 führt in Nordost-Südwest-Richtung quer durch das Land und ist bis auf den Abschnitt Sömmerda–Sangerhausen, der 2010 eröffnet werden soll, ebenfalls fertiggestellt. Sie verbindet die Landeshauptstadt Erfurt mit dem Raum Würzburg im Süden und dem Raum Halle im Norden. Die Bundesautobahn 73 setzt in Suhl südlich der Querung des Thüringer Waldes der A 71 an und führt nach Süden in den Großraum Nürnberg. Nicht über thüringisches Gebiet verlaufen die Bundesautobahn 44 und die Bundesautobahn 72, die aber dennoch Einfluss auf den Verkehr in Thüringen haben. Erstere soll zukünftig die A 4 bei Eisenach mit Kassel und dem Ruhrgebiet verbinden und letztere bietet dem Raum Greiz eine Autobahnanbindung. Dennoch gibt es einige Bereiche, die von diesen Autobahnen umgangen werden. Dies sind insbesondere der Raum Saalfeld/Rudolstadt und der Raum Mühlhausen, wo durch Ausbau der Bundesstraßen eine gute Anbindung sichergestellt werden soll.

Die Eisenbahn erreichte Thüringen im Jahr 1842 mit der Bahnstrecke Leipzig–Hof über Altenburg (damals Sächsisch-Bayerische Eisenbahn genannt). Die Landeshauptstadt Erfurt erhielt 1846 einen Eisenbahnanschluss an der Strecke von Berlin nach Frankfurt am Main. Heute gibt es in Thüringen zwei Eisenbahnstrecken, die zum ICE-Liniennetz gehören, die Saalbahn (Berlin)–Naumburg–Jena–Saalfeld–Kronach–Lichtenfels–(Nürnberg–München) und die Thüringer Bahn (Dresden–Leipzig)–Naumburg–Weimar–Erfurt–Gotha–Eisenach–(Fulda–Frankfurt am Main). Vor 1945 gab es noch eine dritte bedeutende Personenverkehrsachse durch Thüringen, die Bahnstrecke Erfurt–Schweinfurt, die von Expresszügen von Berlin nach Stuttgart genutzt wurde. Heute hat sie ihre Bedeutung aber weitestgehend verloren. Die Halle-Kasseler Eisenbahn über Nordhausen diente und dient hauptsächlich dem Ost-West-Güterverkehr. ICE-Halte in Thüringen sind Erfurt Hbf, Weimar, Gotha und Eisenach an der Strecke Dresden–Frankfurt sowie Jena Paradies und Saalfeld an der Strecke Berlin–München.

Im Regionalverkehr erbringen neben der DB Regio Südost auch die Vogtlandbahn, die Erfurter Bahn, die Süd-Thüringen-Bahn und die Cantus Verkehrsleistungen. Regionalexpress-Verbindungen bestehen in angrenzende Großstädte wie Göttingen, Magdeburg, Chemnitz oder Würzburg. In Bau sind gegenwärtig die Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt und die Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle als derzeit größtes Bauprojekt im deutschen Schienennetz. Mit der Fertigstellung in Richtung Halle wird um das Jahr 2015, nach Nürnberg ab 2017 gerechnet. Dann werden sich die Reisezeiten zwischen Erfurt und Nürnberg/München sowie Leipzig/Berlin mit dem ICE deutlich verkürzen.

Seine maximale Ausdehnung erreichte das Thüringer Eisenbahnnetz um 1940 mit fast 2500 Kilometern. Heute sind noch knapp 1500 Kilometer Bahnstrecken in Betrieb.

Flughäfen mit Linienbetrieb sind der Flughafen Erfurt und der Leipzig-Altenburg Airport bei Nobitz im Altenburger Land.

Weitere Flugplätze gibt es bei den Städten Arnstadt, Bad Berka, Bad Frankenhausen, Bad Langensalza, Eisenach, Gera, Gotha, Greiz, Ilmenau, Jena, Mühlhausen, Nordhausen, Rudolstadt, Schlotheim, Sömmerda, Suhl und Weimar.

Die Stromerzeugung spielt in Thüringen nur eine untergeordnete Rolle, da das Land seit jeher von den großen Braunkohlekraftwerken bei Leipzig und in der Lausitz mitversorgt wird. In den letzten Jahren wurde im Freistaat der Aufbau erneuerbarer Energien gefördert. So entstanden neben zahlreichen Windparks auch das Pumpspeicherwerk Goldisthal, das größte Pumpspeicherwerk Deutschlands. Die Wasserenergie wurde jedoch schon seit den 1930er-Jahren im großen Stil genutzt. Damals entstand das Talsperrensystem Saalekaskade, wo mit der Bleilochtalsperre die größte Talsperre Deutschlands liegt. Der Freistaat gehört zum Energieversorgungsgebiet von Vattenfall.

Thüringen ist eines der wasserreichsten Bundesländer. Die großen Talsperren im Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge versorgen teils auch angrenzende Regionen in anderen Ländern mit Trinkwasser. Bedeutende Trinkwassertalsperren sind die Talsperre Leibis-Lichte, die Talsperre Schönbrunn, die Talsperre Schmalwasser und die Ohra-Talsperre.

Historisch betrachtet hat sich die Verteilung zwischen wohlhabenden und ärmeren Gebieten in Thüringen seit 1945 grundlegend verändert. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren die ärmsten Gegenden im Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und auch in den ländlichen Räumen Südthüringens zu finden. Zu den entwickeltsten Gebieten zählten das industrialisierte Ostthüringen um Gera sowie die an Sachsen grenzenden Gebiete, welche von den Städten Zwickau, Leipzig und Chemnitz profitierten. Auch Kommunen, in denen sich öffentlicher Dienst konzentrierte wie etwa Meiningen oder Weimar waren relativ wohlhabend. Heute sind die entwickeltsten und wohlhabendsten Regionen hingegen entlang der Thüringer Städtekette zu finden, besonders der Raum Erfurt-Weimar-Jena weist ein hohes Wirtschaftswachstum auf. Das vom industriellen Strukturwandel geprägte Ostthüringen zählt heute hingegen gemeinsam mit dem Norden des Landes zu den strukturschwachen Regionen Thüringens.

Die soziale Marktwirtschaft hat mit der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion und dem Beitritt zur Bundesrepublik 1990 die sozialistische Zentralverwaltungswirtschaft in Thüringen abgelöst. Dieser tief greifende Umstrukturierungsprozess löste in verschiedenen Branchen Krisen aus und führte zu hohen Arbeitslosenraten. Zwei Drittel der alten Arbeitsplätze Thüringens fielen zwischen 1989 und 1995 der wirtschaftlichen Wende zum Opfer. Inzwischen haben einige Branchen wie der wissenschaftliche Gerätebau, die Mikroelektronik und die Medizintechnik beachtliche Zuwächse erzielt, so dass hier ein Arbeitskräftemangel zu beobachten ist. Seit etwa 2003 gelang es Thüringen zusammen mit dem Freistaat Sachsen, sich von der geringeren Dynamik der übrigen neuen Länder abzukoppeln und die Arbeitslosigkeit um bis zu 5 Prozentpunkte zu reduzieren. Insgesamt lag die Arbeitslosenquote im Oktober 2008 bei 9,9 Prozent, dem niedrigsten Stand seit 1991. Die niedrigsten Arbeitslosenquoten weisen die Landkreise Sonneberg (6,5 Prozent) und Hildburghausen (6,4 Prozent) auf. Dominierend ist auf dem aktiven Arbeitsmarkt ein Mangel an qualifizierten Fachkräften. Im Norden und Osten des Landes befinden sich aber auch noch Gegenden mit vergleichsweise hoher Arbeitslosigkeit (z. B. Kyffhäuserkreis (14,4 Prozent), Altenburger Land (14,5 Prozent)). Auf der anderen Seite war der durchschnittliche Stundenlohn mit 14,91 Euro im Jahr 2007 am geringsten im bundesweiten Vergleich bei gleichzeitig längsten Arbeitszeiten. Arbeitslosigkeit und niedrige Löhne veranlassen gut ausgebildete junge Menschen zur Abwanderung Richtung Westen. Im ersten Quartal 2008 wurden 10.307 Fortzüge gemeldet im Vergleich zu weniger als 7000 Zuzügen nach Thüringen.

Im Vergleich mit dem BIP der EU, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreicht Thüringen einen Index von 80,4 (EU-27:100) (2005).

2007 betrug die Wirtschaftsleistung im Bundesland Thüringen gemessen am BIP rund 48 Milliarden Euro. Der Schuldenstand belief sich im Dezember 2007 auf rund 15,8 Milliarden Euro.

In Thüringen werden vor allem Glas, Keramik, Spielwaren, Holz und Textilien und viele Produkte aus der Metallverarbeitung hergestellt. Die meisten Arbeiter sind in Eisenach und Waltershausen im Maschinen- und Fahrzeugbau beschäftigt, aber auch in der Kleineisen- und Werkzeugproduktion. Von Bedeutung sind Elektrotechnik und Gerätebau in Erfurt, Eisenach, Ruhla, Suhl und Meiningen. Die Stadt Jena erlangte durch die Herstellung von Präzisionsgeräten weltweites Ansehen. Aus dem Unternehmen „Carl Zeiss Jena“ entstand nach 1990 Jenoptik, der größter Arbeitgeber der Stadt. In den letzten Jahren hat sich die Lebensmittelindustrie zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig im Freistaat entwickelt. Das Ernährungsgewerbe erreichte mit einem Anteil von 11,2 % am Industrieumsatz Rang 2 im Thüringer Verarbeitenden Gewerbe nach der Automobilindustrie. Eines der größten Lebensmittelbetriebe in Thüringen ist das in Schönbrunn ansässige Gewürzwerk, welches mit mehr als 800 Beschäftigten einen Spitzenplatz unter den gewürzverarbeitenden Betrieben in Europa einnimmt.

In Thüringen gibt es eine Reihe börsennotierter Unternehmen (in Klammern der Börsenwert am 11. August 2008): Analytik Jena aus Jena (33,14 Mio.), Biolitec aus Jena (51,53 Mio.), Carl Zeiss Meditec aus Jena (848,06 Mio.), Condomi aus Erfurt (2,90 Mio.), Cybio aus Jena (6,21 Mio.), ersol aus Erfurt (1083,08 Mio.), Funkwerk aus Kölleda (77,69 Mio.), Geratherm aus Geschwenda (17,33 Mio.), Hyrican aus Kindelbrück (26,60 Mio.), Intershop aus Jena (53,82 Mio.), Jenoptik aus Jena (298,68 Mio.) und Q-Soft aus Erfurt (0,97 Mio.). Davon sind zwei, nämlich Carl Zeiss Meditec und ersol im TecDAX gelistet. Insgesamt sind nur vier Unternehmen aus den neuen Bundesländern unter den 160 in den DAX-Indizes gelisteten Unternehmen vertreten (neben Carl Zeiss Meditec und ersol die Photovoltaik-Hersteller Q-Cells aus Bitterfeld und Roth & Rau aus Hohenstein-Ernstthal).

In Thüringen wurde schon seit dem Mittelalter Bergbau betrieben, besonders in den Gebirgen wie dem Thüringer Wald, dem Harz und dem Thüringer Schiefergebirge. Mit Schmalkalden, Suhl oder auch Ilmenau gab es bedeutende Bergbaustädte im Thüringer Wald. Abgebaut wurden verschiedene Erze wie Eisen oder Mangan, aber auch Silber. Im Thüringer Schiefergebirge wurden bedeutende Goldvorkommen abgebaut, worauf noch heute Ortsnamen wie Goldisthal oder Reichmannsdorf hinweisen. Bedeutendste dieser Bergbaustätten war die Region Schmalkalden mit ihrer Eisenindustrie, die erst im 19. Jahrhundert unter der Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet und dem Saarland zugrunde ging. Zur selben Zeit entstand die Maxhütte Unterwellenborn bei Saalfeld, die ebenfalls mit regionalen Eisenvorkommen versorgt wurde. Sie besteht bis heute als Stahlwerk Thüringen fort.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich der Kali-Bergbau zum bedeutendsten Bergbauzweig. Dabei verfügt Thüringen über zwei Reviere: zum einen das noch heute genutzte Werra-Revier zwischen Bad Salzungen und Bad Hersfeld, zum anderen das nach 1990 stillgelegte nordthüringische Revier mit den Förderstätten Sondershausen, Bleicherode und Bischofferode. Zur Zeit des Kalten Kriegs wurde zudem bei Ronneburg ein Großteil des von der Sowjetunion benötigten Urans abgebaut. Damit einher gingen massive Umweltzerstörungen sowie zahlreiche Erkrankungen der Bergleute, die mit dem krebserregenden Material in Berührung kamen.

Im 19. Jahrhundert begann im Meuselwitzer Revier im Osten Thüringens der Braunkohletagebau, der neben der Energiegewinnung auch den Leunawerken als Grundstoff der chemischen Industrie diente. Die Braunkohle-Lagerstätten wurden gegen Ende des 20. Jahrhunderts erschöpft. Im Thüringer Wald bestanden auch vereinzelte Steinkohlevorkommen, deren Abbau jedoch mit der Industrialisierung nicht mehr lohnte. Länger wurde Steinkohle noch im Stockheimer Revier bei Sonneberg an der Grenze zu Bayern abgebaut. Bedeutsam ist auch der noch heute betriebene Schieferabbau im Thüringer Schiefergebirge. Dessen Zentrum ist die Stadt Lehesten mit den größten Schiefersteinbrüchen des Landes. In Gehren im Thüringer Wald befindet sich ein Bergwerk zum Abbau von Schwerspat.

Im Thüringer Becken, in der Orlasenke und im Gebiet südlich von Altenburg wird viel Ackerbau betrieben. Angebaut werden vor allem Weizen, Gerste und Zuckerrüben, im Untereichsfeld und im Werragebiet vielfach auch Tabak. In den Flusstälern wachsen Obst und Gemüse und in Erfurt waren Blumenzucht und Gemüseanbau die Grundlage für die Erfurter Saatzucht. Insgesamt arbeiteten 2005 27.175 Menschen in der Landwirtschaft, die 7994 km² (49,6% der Landesfläche) nutzt. 2006 wurden 1.745.000 Legehennen, 779.034 Schweine, 346.652 Rinder und 216.242 Schafe gezählt. Geerntet wurden 2007 39.131 Tonnen Äpfel, 4.050 Tonnen Sauerkirschen, 999 Tonnen Süßkirschen, 1108 Tonnen Pflaumen und Zwetschen sowie 530 Tonnen Birnen. Beim Gemüse dominiert der Anbau von Kartoffeln (111.198 Tonnen), Weißkohl (19.843 Tonnen), Blumenkohl (6969 Tonnen), Zwiebeln (6299 Tonnen), Tomaten (5706 Tonnen), Gurken (4650 Tonnen), Bohnen (4096 Tonnen) und Spargel (2182 Tonnen). Zusätzlich wurden 2007 2.350.851 Tonnen Getreide (hauptsächlich Winterweizen und Gerste), 411.395 Tonnen Raps, 637.501 Tonnen Zuckerrüben und 2.026.149 Tonnen Mais geerntet.

Der Thüringer Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die Erholungsgebiete befinden sich hauptsächlich im Thüringer Wald und im Thüringer Schiefergebirge. Zahlreiche Wanderwege erschließen diese Gebirge. Der etwa 160 Kilometer lange Fernwanderweg „Rennsteig“, der auf dem Kamm des gesamten Thüringer Waldes und des Thüringer Schiefergebirges entlangführt, bietet sehr gute Fernsichten. Eines der Wintersportzentren ist Oberhof, welches etwa zehn Kilometer nördlich von Suhl liegt. Im Jahr 2006 waren die meist besuchten Orte Thüringens: Erfurt (633.085 Übernachtungen), Weimar (526.693), Oberhof (441.785), Jena (324.222), Eisenach (297.597), Bad Liebenstein (293.709), Friedrichroda (262.443) und Masserberg mit 257.558 Übernachtungen. Insgesamt wurden 2006 in Thüringen von 2.943.527 Gästen 8.302.521 Übernachtungen gebucht.

Die Arbeitgeber mit den meisten Beschäftigten in Thüringen sind die Deutsche Bahn, Deutsche Post und Deutsche Telekom. Die folgende Tabelle enthält weitere große Unternehmen im Freistaat.

Die Städte mit den meisten Industriearbeitsplätzen waren 2006 Jena (7.227), Erfurt (6.503), Eisenach (6.038), Gotha (3.529), Nordhausen (2.934), Gera (2.743), Arnstadt (2.335), Suhl (2.227), Schmalkalden (2.169) und Sömmerda (2.153). Insgesamt waren 147.323 Menschen im verarbeitenden Gewerbe tätig.

Zu DDR-Zeiten waren das Kombinat Mikroelektronik Erfurt mit 56.000 Mitarbeitern (1990) und das Kombinat Carl Zeiss Jena mit 54.000 Mitarbeitern (1990) die größten Arbeitgeber Thüringens. 1990 gab es weitere 22 Kombinate mit je 2000 bis 30.000 Beschäftigten, die ihren Sitz im heutigen Land Thüringen hatten.

In Thüringen erscheinen fünf regionale Tageszeitungstitel: die Thüringer Allgemeine (TA) im Gebiet des ehemaligen Bezirkes Erfurt (Mitte, Norden), die Thüringische Landeszeitung (TLZ) und die Ostthüringer Zeitung (OTZ), alle drei gehören zur Zeitungsgruppe Thüringen der WAZ-Mediengruppe. Daneben erscheinen das Freie Wort (FW) und kooperationsbedingt teils inhaltsgleich die Südthüringer Zeitung (stz). Sie gehören zur Regionalzeitungsgruppe Hof/Coburg/Suhl des Süddeutschen Verlags.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk wird in Thüringen vom MDR produziert. Der MDR betreibt das Landesfunkhaus Thüringen in der Gothaer Straße in Erfurt. Dort sind auch der KI.KA, der Kinderkanal von ARD und ZDF, die MDR-Werbung, die MDR-Produktionstochter MCS Thüringen untergebracht. Im Erfurter Funkhaus wird das Thüringenjournal, die tägliche Fernseh-Nachrichtensendung für Thüringen, produziert. Daneben strahlt der MDR mit MDR 1 Radio Thüringen ein eigens für das Land produziertes Hörfunkprogramm aus. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das KinderMedienZentrum, in dem unter anderen die KiKa-Serie Schloss Einstein produziert wird.

Privatrundfunk senden in Thüringen die landesweiten Radios Landeswelle Thüringen, Antenne Thüringen und deren Tochtergesellschaft Radio Top 40. In manchen Orten gibt es lokale Fernsehstationen. Die Thüringer Landesmedienanstalt hat außerdem elf Bürgerfunkprojekte eingerichtet. Die größten sind der Offene Fernsehkanal in Gera und Radio Funkwerk in Erfurt und Weimar. In einigen Städten wurden von der TLM auch nichtkommerzielle Lokal- und Hochschulradios lizenziert. Dazu gehören Radio F.R.E.I. in Erfurt, Radio Lotte in Weimar, radio hsf in Ilmenau sowie das Studentenradio der Bauhaus-Universität Weimar. Im Geraer Bürgerfernsehen, bei Radio Funkwerk und im OK Jena sind zudem die medienpädagogischen Projekte PiXEL-Fernsehen und RABATZ angesiedelt. Hier können Kinder und Jugendliche selbst Radio und Fernsehen machen.

Die bundesweit zuständige Kommission für Jugendmedienschutz hat ihren Sitz seit ihrer Gründung im Jahr 2003 in Erfurt.

Einzige Volluniversität ist die 1558 gegründete Friedrich-Schiller-Universität Jena mit zehn Fakultäten, die gleichzeitig die älteste durchgehend bestehende Hochschule in Thüringen ist. Mit der Bauhaus-Universität in Weimar mit den Schwerpunkten Architektur, Bauingenieurwesen, Gestaltung und Medien, der Technischen Universität Ilmenau und der nach der Wende wiedergegründeten Universität Erfurt mit geisteswissenschaftlichem Profil existieren drei weitere Universitäten. Die vier Fachhochschulen des Landes befinden sich in Nordhausen, Erfurt, Jena und Schmalkalden. In Weimar gibt es zudem noch die Hochschule für Musik Franz Liszt. Zwei Berufsakademien bestehen in Gera und Eisenach. Weitere Bildungseinrichtungen sind die Thüringer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Gotha und Meiningen, die private SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera, die private, 2008 gegründete Adam-Ries-Fachhochschule in Erfurt sowie das Priesterseminar Erfurt. Studiengebühren werden in Thüringen an den staatlichen Hochschulen nicht erhoben. Insgesamt studieren knapp 50.000 Menschen in Thüringen, etwa die Hälfte davon in Jena, weitere 9000 in Erfurt, 6000 in Ilmenau sowie 4000 in Weimar. Die übrigen Studenten verteilen sich auf die kleineren Hochschulstandorte Schmalkalden, Nordhausen, Gera, Eisenach, Gotha und Meiningen.

Das Schulsystem Thüringens ist dreigliedrig aufgebaut. Nach der vierjährigen Grundschule folgen das seit 1990 achtjährige Gymnasium (G8) oder die Regelschule, die Haupt- und Realschule in sich vereint. Zum Abitur in Thüringen gehört die Seminarfacharbeit, eine bundesweit einzigartige Hausarbeit, die wie eine Abiturprüfung in die Abiturnote eingebracht werden kann. Nach dem Amoklauf von Erfurt wurde an den Thüringer Gymnasien am Ende der Klasse 10 die Besondere Leistungsfeststellung eingeführt, eine Prüfung in Deutsch, Mathematik, Englisch und einer Naturwissenschaft, die allen bestehenden Schülern einen Realschulabschluss (mittlere Reife) einbringt. Zu DDR-Zeiten entstanden in Thüringen mehrere Spezialschulen zur Förderung hochbegabter Schüler in bestimmten Themenbereichen, die bis heute fortbestehen. Dazu gehören die Musikgymnasien Schloss Belvedere in Weimar und Goethe-Gymnasium/Rutheneum in Gera, die Sportgymnasien Pierre de Coubertin in Erfurt, in Jena und in Oberhof, die naturwissenschaftlichen Spezialschulen in Erfurt (Albert-Schweitzer-Gymnasium), Ilmenau (Goetheschule) und Jena (Carl-Zeiss-Gymnasium) und das Sprachgymnasium Salzmannschule Schnepfenthal bei Waltershausen. Auch die Internatsschulen Hermann-Lietz-Schule Haubinda (gegründet 1901) und Klosterschule Roßleben (gegründet 1544) gehören zu den besonderen Schulen im Land. Auf dem zweiten Bildungsweg zum Abitur führen das Thüringenkolleg in Weimar und das Ilmenau-Kolleg in Ilmenau. Bedeutende Pädagogen mit Tätigkeitsschwerpunkt im Land waren unter anderem Friedrich Fröbel, der „Erfinder“ des Kindergartens, Johann Christoph Friedrich GutsMuths, der den Sportunterricht an Schulen begründete, Christian Gotthilf Salzmann, Gründer der Salzmannschule in Schnepfenthal, Hermann Lietz, Gründer der Hermann-Lietz-Schulen, und Peter Petersen, der das Konzept der Jena-Plan-Schulen erdachte.

Bedeutende Bibliotheken im Land sind die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, seit 1549 in Jena ansässig (vorher in Wittenberg und Weimar) und die 1691 gegründete Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Die Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha wurde 1647 von Ernst dem Frommen in Gotha gegründet und gehört ebenfalls zu den bedeutendsten Bibliotheken des Landes. Die Akademie gemeinnütziger Wissenschaften wurde 1754 in Erfurt gegründet und ist der drittälteste Gelehrtenzirkel seiner Art in Deutschland. Die wichtigsten Archive Thüringens sind das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, das Hauptstaatsarchiv Weimar sowie die nachgeordneten Staatsarchive in Altenburg, Gotha, Greiz, Meiningen und Rudolstadt.

Bedeutende Forschungsinstitute in Thüringen sind das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie in Ilmenau, das Fraunhofer-Institut für Informations- und Datenverarbeitung in Ilmenau, das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik in Jena, das Leibniz-Institut für Altersforschung in Jena, das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie in Jena, das Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, das Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena, das Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena, das Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau in Erfurt, das Institut für Photonische Technologien in Jena, das Institut für bakterielle Infektionen und Zoonosen in Jena und das Institut für molekulare Pathogenese in Jena. Auch das älteste noch bestehende Planetarium der Welt, das Planetarium Jena, gehört zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Einrichtungen des Landes.

Die Kultur Thüringens ist bedingt durch die lange politische Zersplitterung (bis 1920) besonders vielfältig. Diese Vielfalt hat sich bis heute erhalten und findet in den verschiedenen ehemaligen Residenzen im Land Ausdruck. Parallel zur Vielfalt der Landesteile verbinden aber vor allem die ähnliche Küche sowie die ähnlichen Feste und Bräuche.

Am 30. Juni 2007 lebten 988.122 von 2.300.538 Menschen in Thüringen in Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern. Obwohl der Verstädterungsgrad mit 42,95 % relativ gering ist und ein Großteil der Städte seit 1940 kein wesentliches Wachstum mehr erfuhr, bilden sie die kulturellen und wirtschaftlichen Zentren des Landes. Das umfangreichste kulturelle Leben spielt sich in den Städten Erfurt (Landeshauptstadt), Weimar (Europäische Kulturhauptstadt 1999) und Jena (universitäres und wirtschaftliches Zentrum) ab. Das Bild der Städte ist relativ heterogen, so zeigen einige Städte im Kern ein mittelalterliches Stadtbild. Dies gilt vor allem für Erfurt und Mühlhausen, aber auch für kleinere Städte wie Saalfeld und Schmalkalden. Ein barock-klassizistisches Stadtbild prägt die ehemaligen Residenzen wie Weimar, Gotha, Eisenach, Rudolstadt oder Meiningen. In der Zeit der Industrialisierung herangewachsene Städte wie Gera, Altenburg, Greiz oder Apolda sind durch ein gründerzeitliches Erscheinungsbild gekennzeichnet. Die Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg sorgten dafür, dass Jena und Nordhausen äußerst heterogene Stadtkerne besitzen, in denen Hochhäuser und Großwohnblocks mit Fachwerkbauten abwechseln. Die Stadt Suhl erfuhr in den 1960er- und 70er-Jahren einen in Thüringen beispiellosen Umbau, in dem der Großteil des Altstadtkerns entfernt und durch ein dem Zeitgeschmack der Sozialistischen Stadt entsprechendes Zentrum ersetzt wurde. Leinefelde entstand im Wesentlichen zur DDR-Zeit und stellt die einzige Planstadt dieses Typs in Thüringen dar.

Die Verwaltungen gehen mit historischer Bausubstanz unterschiedlich um: während einige Städte mit großem Aufwand versuchen, möglichst viel altstädtische Bausubstanz zu erhalten und damit auch Erfolge erzielten (Bad Langensalza gewann 2004 beim Wettbewerb Entente Florale Gold), messen andere Städte dem Denkmalschutz geringere Bedeutung zu. So beschloss die Stadt Gotha am 6. Juni 2007 den Abriss des geschichtsträchtigen Volkshauses zum Mohren, der im Oktober 2007 durchgeführt wurde, sowie am 13. September 2006 den Abriss des Winterpalais, der nur durch massive Proteste von verschiedenen Seiten verhindert werden konnte.

Die hügelige Landschaft mit vielen Taleinschnitten sowie die zentrale Lage im deutschen Kulturraum begünstigten schon seit dem frühen Mittelalter die Anlage von Burgen im Freistaat. Die bekannteste Burg des Landes ist die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Wartburg oberhalb von Eisenach. Sie war einst Sitz der Landgrafen von Thüringen und später der Ort, an dem Martin Luther vor der kaiserlichen Reichsgewalt versteckt wurde und Teile der Bibel ins Deutsche übersetzte. Später erlangte die Wartburg noch einmal Bedeutung für die liberalen und nationalen Studentenbewegungen des 19. Jahrhunderts, da hier 1817 das Wartburgfest stattfand.

Ein bekanntes Burgenensemble sind die Drei Gleichen zwischen Erfurt, Arnstadt und Gotha. Zu ihnen gehört mit der Mühlburg das älteste erhaltene Gebäude Thüringens aus dem Jahr 704. Weitere mächtige Anlagen sind die Burg Creuzburg über dem Werratal bei Creuzburg, die Leuchtenburg über dem Saaletal bei Kahla sowie die Osterburg über dem Elstertal bei Weida. Darüber hinaus besteht heute noch eine Vielzahl weiterer Burgen und Burgruinen, die in der Liste der Burgen und Schlösser in Thüringen aufgelistet werden.

Eine Weiterentwicklung der mittelalterlichen Burgen waren neuzeitliche Festungen. Mit der Zitadelle Petersberg erhebt sich in der Erfurter Altstadt eine der größten erhaltenen frühneuzeitlichen Festungsanlagen Mitteleuropas.

1918 gab es in Thüringen noch acht Monarchien mit eigener Residenz. Diese Residenzen sind heute die größten und bedeutendsten Schlösser Thüringens. Hauptsitz der Ernestiner war Weimar, wo das heute zum Weltkulturerbe zählende klassizistische Weimarer Stadtschloss ein umfangreiches Museum beherbergt. Das Schloss Friedenstein in Gotha war Sitz des Herzogs von Sachsen-Gotha und ist heute ebenfalls großenteils als Museum genutzt. Weitere ernestinische Residenzen waren das Schloss Altenburg in Altenburg und das Schloss Elisabethenburg in Meiningen. Zusätzlich unterhielt dieses Herzogsgeschlecht viele kleine Landschlösser, die in ganz Thüringen verstreut liegen. Bekannte unter ihnen sind vor allem die Dornburger Schlösser über dem Saaletal, die Schlösser Tiefurt, Ettersburg und Belvedere bei Weimar und Schloss Molsdorf bei Erfurt.

Neben den Ernestinern herrschten in Thüringen die Fürstengeschlechter Schwarzburg und Reuß. Die schwarzburgischen Residenzen Schloss Heidecksburg in Rudolstadt und Schloss Sondershausen sind heute ebenso umfassende Museen wie das Untere Schloss in Greiz. Die andere reußische Residenz in Gera, Schloss Osterstein, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Sehenswert sind auch das Schloss Burgk, ebenfalls den Fürsten von Reuß gehörig, über den Saaletalsperren sowie das Schloss Schwarzburg im Schwarzatal.

Bedeutende frühneuzeitliche Schlossanlagen älterer Herrschergeschlechter sind die hennebergische Residenz Schloss Bertholdsburg in Schleusingen, Schloss Ehrenstein in Ohrdruf sowie Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden als Sitz einer Nebenlinie der Landgrafen von Hessen.

Die bedeutendsten der etwa 2500 Sakralbauten Thüringens stammen aus der Gotik und stehen in den Zentren der historischen Städte. In Erfurt liegt mit dem Erfurter Dom die größte Kirche Thüringens, die mit der benachbarten Severikirche ein sehenswertes Ensemble bildet. Darüber hinaus stehen in der Erfurter Altstadt etwa 25 weitere, meist gotische, Pfarrkirchen, die das Stadtbild maßgeblich prägen.

Für die Gotik bedeutend sind die beiden Hauptkirchen der Reichsstadt Mühlhausen. Die Marienkirche war ein Zentrum des Bauernkriegs von 1525 und besitzt den höchsten Kirchturm im Freistaat (86 Meter). Die Divi-Blasii-Kirche war eine Wirkungsstätte des Komponisten Johann Sebastian Bach und ist die gotische Hauptkirche Mühlhausens. In Nordhausen, der zweiten Reichsstadt Thüringens, liegt mit dem Nordhäuser Dom eine der beiden Domkirchen des Landes.

Erwähnenswert in der Kirchenlandschaft sind vor allem die Oberkirche in Bad Frankenhausen mit dem um vier Meter aus der senkrechten geneigten Turm sowie die Russisch-Orthodoxe Kapelle in Weimar, die einst für Herzogin Maria Pawlowna errichtet wurde und zu den ältesten orthodoxen Kirchen Deutschlands gehört.

Die Klöster des Landes verloren im Wesentlichen mit der Reformation am Beginn des 16. Jahrhunderts ihre Macht, woraufhin viele aufgelöst wurden. Daher sind heute vor allem romanische und gotische Klosterruinen erhalten. Historisch bedeutend war hierbei vor allem das Kloster Reinhardsbrunn bei Gotha und architektonisch interessant sind die Klosterruinen in Kloster Veßra und Paulinzella. Ein bekanntes Thüringer Kloster ist das Erfurter Augustinerkloster, in dem Martin Luther einige Jahre seines Lebens verbrachte.

Die bekanntesten Denkmäler im Land sind zum einen das in der Gemarkung Steinthaleben gelegene Kyffhäuserdenkmal, ein 81 Meter hohes, weithin sichtbares Denkmal auf dem gleichnamigen Gebirge bei Bad Frankenhausen. Es wurde zwischen 1890 und 1896 als Kaiser-Wilhelm-Denkmal errichtet und ist das drittgrößte Denkmal Deutschlands.

Zum anderen ist das Goethe- und Schiller-Denkmal auf dem Weimarer Theaterplatz sehr bekannt. Es gehört zum Weltkulturerbe und zeigt die Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Aufgestellt wurde es 1856. Das 33 Meter hohe Burschenschaftsdenkmal bei Eisenach von 1902 erinnert an die deutschen Burschenschaften des frühen 19. Jahrhunderts, die unter anderem beim Wartburgfest von 1817 eine Rolle spielten.

Zum UNESCO-Welterbe in Thüringen gehören seit 1996 die Bauhaus-Stätten in Weimar mit dem zwischen 1904 und 1911 nach Plänen von Henry van de Velde errichteten Hauptgebäude der Bauhaus-Universität, der Kunstgewerbeschule Weimar und dem Musterhaus Am Horn, seit 1998 die elf Stätten des Klassischen Weimars (Goethes Wohnhaus, Schillers Wohnhaus, Herderkirche und Herder-Stätten, Weimarer Stadtschloss, Wittumspalais, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Park an der Ilm mit Goethes Gartenhaus und Römischem Haus, Schloss Belvedere, Schloss Ettersburg, Schloss Tiefurt, Historischer Friedhof Weimar) und seit 1999 die Wartburg bei Eisenach.

Die Museumslandschaft Thüringens hat ihren Schwerpunkt in Weimar mit seinen klassischen Dichtern, Musikern und Künstlern. Aber auch in einigen anderen Städten im Land liegen bedeutsame Museen. Zusätzlich befinden sich in den alten Residenzschlössern die jeweiligen Landesmuseen, die einen regionalgeschichtlichen Schwerpunkt setzen.

Zum Weimarer Weltkulturerbe gehören das Goethe-Nationalmuseum, welches die Wirkungsstätten des Dichters in der Stadt vereint, sowie Schillers Wohnhaus und eine Vielzahl anderer kulturell genutzter Einrichtungen. Bedeutsam ist außerdem das Bauhaus-Museum in der Weimarer Innenstadt.

Das Lindenau-Museum in Altenburg beherbergt die größte Sammlung frühitalienischer Tafelbildmalerei nördlich der Alpen. Es gehört neben der Wartburg und der Klassik Stiftung Weimar zu den 20 „kulturellen Leuchttürmen“ im Blaubuch der Bundesregierung in den neuen Bundesländern.

Ein imposantes Bauwerk ist das Bauernkriegspanorama bei Bad Frankenhausen, welches eines der drei größten Gemälde der Welt beinhaltet und 1989 eröffnet wurde. Das Deutsche Spielzeugmuseum in Sonneberg wurde 1901 eröffnet und ist das älteste sowie eines der größten Spielzeugmuseen in der Bundesrepublik. Ähnlich bedeutsam ist das Deutsche Gartenbaumuseum in Erfurt auf dem Gebiet der Landschaftsarchitektur. Es zeigt auf 1500 Quadratmetern geschichtliches und biologisches aus dem Gartenbau in Mitteleuropa. Das Optische Museum in Jena schildert die Geschichte und den Fortschritt der Technologie im Bereich der Optik und ist auf diesem Gebiet ebenfalls von bundesweiter Bedeutung.

Die Theaterlandschaft in Thüringen ist – bedingt durch die Kleinstaaterei – ebenfalls noch heute vielfältig. Das bedeutendste Theater des Landes ist das Deutsche Nationaltheater in Weimar, seit 2008 Thüringer Staatstheater. Traditionsreiche Schauspielhäuser werden heute auch noch in Meiningen, Eisenach, Gera und Altenburg betrieben. Ein Neubau aus der jüngsten Zeit ist das Theater Erfurt. Weitere Theater führen in Arnstadt, Greiz, Nordhausen und Rudolstadt auf. Vielen Theatern gehört zudem noch ein eigenes Orchester an. Die größte Freiluftbühne ist das Naturtheater Steinbach-Langenbach im Thüringer Wald. Da alle Theater vom Freistaat bezuschusst werden, stellt die Finanzierung dieses Kulturangebots eine schwierige Aufgabe dar. In den letzten Jahren mussten die Theater bereits größere Etatkürzungen durch die Landesregierung hinnehmen.

Um 1200 erlebte Thüringen eine Blütezeit des Minnesangs und der Sangspruchdichtung. Davon legt besonders die Gedichtsammlung über den fiktiven Sängerkrieg auf der Wartburg ein bedeutendes Zeugnis ab. Der Legende nach sollen dort damals die wichtigsten Minnesänger dieser Zeit miteinander gewetteifert haben.

Die Familie Bach mit ihrem berühmtesten Sohn, Johann Sebastian Bach, stammt aus Wechmar bei Gotha. Viele Mitglieder dieser Familie wurden Musiker und prägten die Hof- und Kirchenmusik in Thüringen zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert. Nach der Familie Bach kamen im „Silbernen Zeitalter“ Weimars, dem 19. Jahrhundert, Musiker wie Franz Liszt nach Thüringen. Sie schätzten die liberale und geschichtsträchtige Atmosphäre der Goethestadt. Durch Liszt und seinen Schülerkreis wurde Weimar um 1850 eines der Zentren der damaligen modernen Musik. 1872 gründete Carl Müllerhartung hier die erste deutsche Orchesterschule, den Vorläufer der heutigen Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Zu den dort tätigen Musikpädagogen gehörten auch die wohl bedeutendsten dauerhaft in Thüringen lebenden Komponisten des 20. Jahrhunderts, Richard Wetz und Johann Cilenšek. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlangte die Meininger Hofkapelle den Ruf eines hervorragenden Orchesters, das besonders seit Hans von Bülow 1880 die Leitung übernommen hatte, weitere fähige Musiker anzog, die zur Entwicklung einer musikalischen Blütezeit Wesentliches beitrugen. Bis 1914 wurde diese Tradition unter den Dirigenten Richard Strauss, Fritz Steinbach, Wilhelm Berger und Max Reger fortgeführt.

Wichtige Orchester des Landes sind die Thüringen Philharmonie Gotha, die Jenaer Philharmonie und das Loh-Orchester Sondershausen. Auch der Bachchor Eisenach kann auf eine traditionsreiche Geschichte zurückblicken. Der volkstümlichen Musik in Thüringen war vor allem Herbert Roth, der Komponist des Rennsteiglieds, verschrieben. Es gilt als inoffizielle Landeshymne. Zu den bekanntesten Musikern aus Thüringen gehörten zu DDR-Zeiten Veronika Fischer, Tamara Danz, die Sängerin der Band Silly, die Schlagersängerin Ute Freudenberg („Jugendliebe“), die Rockmusiker Jürgen Kerth und Klaus Renft, Gründer der Klaus Renft Combo, sowie der Liedermacher Gerhard Gundermann. In jüngster Zeit sind vor allem Künstler wie Yvonne Catterfeld und Clueso bekannt.

Die Literaturgeschichte Thüringens ist untrennbar durch die Weimarer Klassik bestimmt. Sie führte die deutschsprachige Literatur im 18. Jahrhundert mit dem Dichterkreis um Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller an. Ebenfalls in diese Epoche können Johann Gottfried Herder, Karl Ludwig von Knebel und Christoph Martin Wieland eingeordnet werden. Sie konzentrierten sich am Weimarer Hofe um Herzog Karl August und dessen Mutter Anna Amalia. In späteren Epochen waren für das Land vor allem Dichter wie Rudolf Baumbach, Ludwig Bechstein, Otto Ludwig und Theodor Storm von Bedeutung. Auch die Sachliteratur hat einige bedeutende Werke hervorgebracht, so erschien 1872 in Schleiz der erste Duden von Konrad Duden, Justus Perthes schrieb 1763 das erste Genealogische Handbuch des Adels, welches später als „der Gotha“ bezeichnet wurde. Ab 1863 erschienen in Hildburghausen Brehms Thierleben von Alfred Brehm aus Renthendorf bei Neustadt an der Orla. Ernst Haeckel publizierte an der Universität Jena die Darwinsche Evolutionstheorie und entwickelte sie weiter. Der Philosoph Friedrich Nietzsche verbrachte seine letzten Lebensjahre in Weimar, wo das Nietzsche-Archiv heute seinen Nachlass verwaltet. Ein bedeutender Kartograf wurde ab 1900 der Gothaer Hermann Haack.

Auf dem Gebiet der Bildenden Künste war in Thüringen vor allem das Bauhaus in Weimar von Bedeutung. Es war in den 1920er-Jahren weltweit stilprägend und zog Maler wie Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Johannes Itten und Oskar Schlemmer sowie Architekten wie Walter Gropius, Henry van de Velde und Ludwig Mies van der Rohe in den Freistaat. Aber auch Maler wie Lucas Cranach der Ältere oder Otto Dix und der Bildhauer Tilman Riemenschneider wirkten in Thüringen.

In Thüringen sind Bauwerke aus den Stilepochen seit der Romanik erhalten. Romanische Bauwerke von Bedeutung sind die Wartburg, die Burg Lohra und die Kemenate Orlamünde auf dem Gebiet des Burgenbaus und die Klöster in Thalbürgel, Paulinzella und Göllingen (byzantinischer Stil) sowie der Nordhäuser Dom und die Erfurter Peterskirche (ehemaliges Peterskloster). Auch die Werrabrücke Creuzburg, errichtet 1223 und damit die älteste Brücke der neuen Bundesländer, wurde im romanischen Stil errichtet.

Die Gotik war durch den Bau großer, repräsentativer Stadtkirchen geprägt. Bedeutendste Werke dieser Zeit sind der Erfurter Dom und die benachbarte Severikirche sowie die Predigerkirche und die Barfüßerkirche in der Erfurter Altstadt. Auch in anderen Städten entstanden zu dieser Zeit große Kirchbauten, wie etwa die Marienkirche und die Divi-Blasii-Kirche in Mühlhausen oder die Marktkirche in Bad Langensalza und die Jenaer Stadtkirche. Zu den größten gotischen Profanbauten gehört der Kornhofspeicher in Erfurt.

Die Zeit der Renaissance führte zum Aufschwung des Bürgertums in den Städten, wovon die Bürger- und Rathäuser der damaligen Zeit zeugen. Das Altenburger Rathaus gehört ebenso wie das Geraer Rathaus und die Erfurter Bürgerhäuser Haus zum Roten Ochsen, Haus zum Breiten Herd oder Haus zum Stockfisch in diese Epoche der abendländischen Architektur. In dieser Zeit vollzog sich der Übergang vom Burgenbau zum Schlossbau, was heute in Schlossburgen wie dem Oberen Schloss in Greiz, der Burg Ranis, dem Schloss Bertholdsburg in Schleusingen oder dem Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden deutlich wird. Der Kirchenbau kam in Thüringen in der Renaissance angesichts der Reformation zum Erliegen.

Im Barock erlebte der Schlossbau seine Blütezeit. Es entstanden Residenzen wie die Heidecksburg oder Schloss Friedenstein, aber auch Verwaltungsgebäude wie die Kurmainzische Statthalterei, heute Thüringer Staatskanzlei, in Erfurt. Landschlösser entstanden zu dieser Zeit unweit der Residenzstädte, allein im Umfeld Weimars sind dies das Schloss Belvedere, das Schloss Tiefurt und das Schloss Ettersburg, die allesamt in der barocken Zeit des Absolutismus entstanden. Vereinzelt wurden auch Kirchen wie die Stadtkirche Waltershausen (rund), Nebengebäude von Residenzen wie die Orangerie Gotha und Wohnhäuser des Bürgertums wie das Weimarer Wittumspalais errichtet.

Der Klassizismus war in Thüringen weniger prägend als etwa in Preußen. Größere Schlossanlagen aus dieser Epoche sind das Weimarer Stadtschloss und das Untere Schloss in Greiz. Vereinzelt sind auch klassizistische Kirchenbauten vorhanden, beispielsweise die Dreieinigkeitskirche in Zeulenroda. In derselben Stadt befindet sich mit dem Rathaus auch das prägendste Bauwerk des Klassizismus in Thüringen. Auf diesen Stil folgte der Historismus mit dem ein enormes Bevölkerungs- und Städtewachstum einherging, was zahlreiche Neubauten erforderte. So prägt der Historismus heute noch ganze Stadtbilder. Es entstanden unzählige Wohnhäuser und Verwaltungsbauten, aber auch Kirchen in den wachsenden Vierteln der größeren Städte. Im frühen Historismus entstand das neugotische Schloss Landsberg bei Meiningen, später folgten das Neue Museum in Weimar und das Museum der Natur Gotha. In der Endphase des Historismus vor dem Ersten Weltkrieg errichtete man neue Theater (in Weimar und Meiningen) oder auch das Volkshaus Jena.

Die Moderne begann in Thüringen während des Ersten Weltkriegs, als mit dem 42 Meter hohen Bau 15 in Jena das erste Hochhaus Deutschlands entstand. Ab 1919 wurde das Bauhaus mit Sitz in Weimar stilprägend. Unter der Leitung von Walter Gropius entstand in Weimar das Musterhaus Am Horn nach den Idealen des Bauhauses. Auch das Haus des Volkes in Probstzella ist nach den Grundsätzen des Bauhauses errichtet worden. Die Lutherkirche in Erfurt ist eines der wenigen Bauwerke im Stil des Art Déco, errichtet 1927. Um 1930 wurden im Osten Erfurts erste Quartiere mit Sozialwohnungen errichtet, die sich stilistisch an Bauhaus und Neue Sachlichkeit anlehnten. Es folgte die Architektur des Nationalsozialismus, die Vorgabe zum Bau des Gauforums in Weimar war. Nach dem Krieg wurde in der DDR der industrielle Wohnungsbau aus Betonfertigteilen dominant. Auch in der Architektur öffentlicher Bauten schlug sich dieser Trend nieder. 1972 wurde das Universitätshochhaus in Jena errichtet, das damals mit 127 Metern das höchste Gebäude Deutschlands war und bis heute das höchste Bürogebäude der neuen Bundesländer ist. Seit 2004 misst es bis zur Turmspitze 159 Meter. Einer der letzten Bauten der DDR war das monumentale Gebäude des Bauernkriegspanoramas („Elefantenklo“) bei Bad Frankenhausen aus dem Jahr 1987. Nach der deutschen Wiedervereinigung konzentrierte sich die Bautätigkeit auf öffentliche Gebäude wie etwa das Bundesarbeitsgericht oder das Theater Erfurt, die dem Zeitgeschmack entsprechend in Glas und Stahl ausgeführt wurden.

Zu den berühmtesten Architekten, die in Thüringen wirkten, zählen Nikolaus Gromann (Renaissance), Gottfried Heinrich Krohne (Barock), Clemens Wenzeslaus Coudray (Klassizismus), Henry van de Velde (Jugendstil) und Walter Gropius (Bauhaus Weimar).

Thüringen besitzt kein signifikantes einheitliches Brauchtum, vielmehr unterscheidet sich dieses von Dorf zu Dorf und von Region zu Region. Im ganzen Land begangen wird in fast jedem Dorf alljährlich die Kirmes als zentrales Dorffest. Die Mühlhäuser Kirmes ist hierbei nach eigenen Angaben die größte in Deutschland. Der Eisenacher Sommergewinn ist das größte Frühlingsfest Deutschlands, das alljährlich 3 Wochen vor Ostern mit einem großem Festzug gefeiert wird. Auch Schützenfeste sind in einigen Landesteilen ein fester Bestandteil der dörflichen Lebenskultur.

Traditionsreiche Feste sind darüber hinaus das Rudolstädter Vogelschießen, der Weimarer Zwiebelmarkt, der Erfurter Weihnachtsmarkt sowie die Domstufen-Festspiele in Erfurt.

Die Thüringer Küche ist traditionell fleischlastig und eher deftig. Bekannte Spezialitäten sind die Thüringer Klöße, die Thüringer Rostbratwurst und das Rostbrätel.

Bier ist das bedeutendste Getränk in Thüringen, besonders das Köstritzer Schwarzbier ist bundesweit bekannt. Pils und andere Biersorten werden in den vielen kleinen und mittelständischen Brauereien des Landes produziert. Zentrum des Weinbaus ist die Stadt Bad Sulza im Ilmtal. Sie gehört zum Weinbaugebiet Saale-Unstrut.

Erfolgreichste Sportler aus Thüringen sind die Oberhofer Wintersportler aus den Disziplinen Rodeln/Bob und Langlauf/Nordische Kombination/Biathlon. Sie sind bei Olympischen Winterspielen stets erfolgreich und vielfach Olympia-Sieger. Daneben sind die Eisschnellläufer und Eiskunstläufer des Eissportclubs Erfurt seit vielen Jahren international erfolgreich.

Im Sommersport ist der Fußball in Thüringen am populärsten. Die erfolgreichsten Mannschaften sind derzeit die Männer des FC Rot-Weiß Erfurt, FC Carl Zeiss Jena (beide in der Dritten Liga) und die Frauen des FF USV Jena (in der Ersten Bundesliga). Auch andere Mannschaftssportarten und die Leichtathletik werden im Land vielerorts betrieben. Der traditionsreiche Herzogliche Golf-Club Oberhof verfügt über die einzige Golfanlage Deutschlands, die unter Denkmalschutz steht.

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SMS Thüringen (1911)

Die SMS Thüringen war ein Großlinienschiff (Schlachtschiff) der Helgoland-Klasse der deutschen Kaiserlichen Marine.

Die Schiffe dieser Klasse trugen ihre Geschütze in sechs Doppeltürmen, davon je zwei an Backbord und Steuerbord. D. h. nur die Endtürme standen auf der Mittschiffslinie. Dies war durch die Bauhöhe der verwendeten Kolbendampfmaschinen bedingt, die den Raum zwischen den vier Flügeltürmen größtenteils einnahmen.

Zwischen 1914 und 1918 nahm das Schiff an Einsätzen in der Nord- und Ostsee teil, wobei es auch an der Skagerrak-Schlacht (31. Mai – 1. Juni 1916) teilnahm.

Die SMS Thüringen musste am 5. November 1919 als Reparationsschiff „L“ an Frankreich ausgeliefert werden. Am 29. April 1920 wurde das Schiff nach Cherbourg überführt. Die Franzosen verwendeten es noch einige Zeit als Zielschiff. Ab 1923 wurde es dann in Lorient abgewrackt.

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Source : Wikipedia