Tettnang

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Geschrieben von tron 17/03/2009 @ 20:09

Tags : tettnang, baden-württemberg, deutschland

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Tettnang

Wappen der Stadt Tettnang

Tettnang ist eine Stadt im Bodenseekreis in Baden-Württemberg, rund neun Kilometer nordöstlich von Friedrichshafen und 13 Kilometer südlich von Ravensburg.

Die Stadt liegt im Bodensee-Hinterland, etwa 70 Meter über der Seehöhe und bietet daher örtlich einen weiten Blick auf das „Schwäbische Meer“, ebenso wie auf die Alpenketten Österreichs und der Schweiz. Östlich von Tettnang beginnen die ersten Ausläufer des Allgäus.

Neben dem Stadtbezirk, dem auch der Vorort Bürgermoos zugerechnet wird, gibt es drei Ortschaften: Kau, Langnau und Tannau.

Tettnang wurde unter dem Namen Tettinanc im Jahre 882 in einer in Wasserburg ausgestellten Urkunde des Großbauern Cunzo und des Klosters St. Gallen zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Diese bestätigte die Übergabe von Land Cunzos an das Kloster, um es in dessen Schutz zu stellen. Der Großbauer durfte das Land allerdings unter der Zahlung von Zinsen weiter nutzen und besaß ein Rückkaufrecht. Weiterhin ist von einem Besitz von zwei Huben des Stiftes Lindau zu lesen. Zwischen 1112 und 1154 wurde eine Burg in Tettnang gebaut, die das Zentrum einer neuen Grafschaft bildete. Deren Graf Kuno, in zwei Urkunden König Friedrichs I. Barbarossas erwähnt, regte die Ansiedlung der ersten Ministerialen an. Über die Grafschaft Bregenz kam Tettnang an Hugo I., den ersten Grafen von Montfort. Dessen Enkel Hugo III. von Montfort erhielt bei der Teilung der Grafschaft die Gebiete um Tettnang, war also Begründer der so genannten „Tettnanger Linie“. Er initiierte Ende des 12. Jahrhunderts die Anlegung eines Marktes in Tettnang, da dessen Lage an der Fernstraße Ulm-Ravensburg-Lindau günstig war. Mit der Verleihung des Marktrechtes wurde ein Gericht notwendig, das in daraus resultierenden Streitfällen Recht sprach.

Die Schaffung des Marktes war die Grundlage zur Verleihung des Stadtrechtes, die in einer am 1. Dezember 1297 durch König Adolf von Nassau ausgestellten Urkunde ihren rechtlichen Abschluss fand. Einen wichtigen Beitrag dazu leistete Hugo VI., der während seines Studiums in Bologna das italienische Stadtrecht studierte, das zu dieser Zeit weiter entwickelt war. Das Original der Urkunde ist nicht mehr erhalten, jedoch einige Kopien aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Nachdem die Habsburger Adolf von Nassau in der Schlacht bei Göllheim 1298 besiegt und den Konigsthron in Besitz genommen hatten, bestätigte König Albrecht I. das Stadtprivileg Tettnangs. Außerdem ordnete er einen Wochenmarkt an. 1309 starb Hugo III.; sein Sohn Wilhelm II. erbte dessen Herrschaftsgebiet und damit auch Tettnang. Im Thronstreit zwischen Friedrich dem Schönen und Ludwig dem Bayern stellte er sich zunächst auf die Seite der Habsburger, lief 1319 jedoch zu Ludwig über. Daher wurde die Stadt 1322 vom Habsburger Herzog Leopold belagert und völlig zerstört. Nach dem Wiederaufbau sah die Stadt Tettnang einem weiteren Problem entgegen, da viele Tettnanger Bürger in die benachbarten Reichsstädte Lindau, Ravensburg, Buchhorn und Wangen flohen, um sich mehr Rechte und Privilegien zu sichern.

Um dieser Problematik entgegen zu wirken, setzte Heinrich IV. von Montfort 1379 eine städtische Verfassung fest, die mehr Privilegien für die Bürger beinhaltete. Im wesentlichen entsprach sie dem Freiheitsbrief der Feldkircher Linie des Hauses Montfort. Sie enthielt die Festsetzung der Steuern, ein neues Erbrecht sowie die Befreiung von fremden Gerichten. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden verschiedene zeitlich befristete Städtebunde, die den Landfrieden sichern sollten. So gehörte Tettnang unter anderem zum Schwäbischen Städtebund und zum Bund der Bodenseestädte. Das Stadtrecht wurde unter Wilhelm V. zu einem undatierten Zeitpunkt erweitert, um die Ruhe und Ordnung des Marktes aufrechtzuerhalten. Aus diesen Entwicklungen sowie der Schaffung von Jahrmärkten resultierte ein wirtschaftlicher Aufschwung, der mit der Belebung des Handels einherging. Nach vielerlei Streitigkeiten um Grenzen und Rechtsverteilungen mit der Stadt Lindau kam es 1429 zu einem großen Konflikt der beiden Städte, der in einer Belagerung Tettnangs und einem Mord an Wilhelms unehelichem Sohn seinen Höhepunkt fand.

Nach dem Tod Wilhelms V. teilten seine Söhne Montfort in drei Komplexe: Tettnang, Rothenfels mit Wasserburg und Langenargen sowie Werdenberg mit den rätischen Besitzungen. Ulrich V. (1440–1495) und dessen Sohn Ulrich VII. (1495–1520) widmeten sich daher Tettnang, das Hauptstadt der Grafschaft geworden war. Mit der Festigung der Rolle eines Bürgerrates, des Bürgermeisters und des Ammanns stabilisierten sie so die städtische Selbstverwaltung. An Kunst interessiert und daher beim Adel hoch geachtet schufen die beiden das Torschloss und die Pfarrkirche St. Gallus und traten als Auftraggeber Bernhard Strigels hervor. Auch Kaiser Maximilian I. würdigte den kulturellen Aufschwung durch Besuche 1499 und 1516. Nach dem Tod Ulrichs VII. trat eine Besonderheit ein. Für sechs Jahre hatte dessen Frau Magdalena von Öttingen, die als emanzipiert beschrieben wird, die Position der Stadtregentin inne. Nach ihrem Tod belehnte Kaiser Karl V. ihren Neffen Hugo XVI. mit Tettnang. In der Reformation war der Langenargener Urbanus Rhegius besonders in Tettnang tätig und versuchte dort seine Schriften zu publizieren.

1780 traten die verschuldeten Grafen ihre Besitztümer an Österreich ab. Österreich gliederte die Stadt Vorderösterreich an und begründete das Oberamt Tettnang (auch Reichsgrafschaft Tettnang), das ein geschlossenes Gebiet am mittleren Nordufer des Bodensees bis nach Wasserburg am Bodensee umfasste. 1805 fiel Tettnang dann mit dem Pressburger Frieden Bayern zu, das es fünf Jahre später an Württemberg weitergab. Bis zur Kreisreform zum 1. Januar 1973 war Tettnang Kreisstadt des damaligen Landkreises Tettnang, der dann im Bodenseekreis aufging.

Bei Tettnang befinden sich die Reste folgender Burgen: Ruine Altsummerau, Burg Drachenstein und Burgrest Neusummerau.

Zur Zeit der Stadterhebung erlebte Tettnang auch einen religiösen Aufschwung. Neben dem Leutpriester Gerboldus, der 1246 das erste Mal erwähnt wird, bestimmte Hugo III. seinen Sohn Hugo VI. für die geistliche Laufbahn. Diesem Beispiel folgten auch einige Ministeralien. Neben der evangelischen und der römisch-katholischen Kirche gibt es in Tettnang auch die neuapostolische Kirche, die Zeugen Jehovas und eine Freie Christengemeinde.

Der Name Tettnang setzt sich aus zwei Komponenten zusammen. Tetto war der Name eines Adeligen, der in St. Galler Urkunden mehrfach nachweisbar ist. Der zweite Teil ist die Bezeichnung wang für ein Feldstück. So bedeutet Tettnang quasi Feldstück des Tetto. Bei der Ersterwähnung 882 wurde der Ort Tetinanc genannt, 1297 taucht der Name Dethenan auf. Umgangssprachlich wandelte er sich über Tetlang auf die heutige Form.

Am 1. Januar 1975 vereinbarte die Stadt mit der Gemeinde Neukirch eine Verwaltungsgemeinschaft.

Das Amt des Bürgermeisters ist 1469 zum ersten Mal erwähnt. Er wurde jedes Jahr neu auf Vorschlag des Ammanns von der Bürgergemeinde gewählt und arbeitete Hand in Hand mit dem Rat, der als Verwaltungs- und Gerichtsorgan diente. Der Bürgermeister trat als Stellvertreter des Ammans auf und nahm auch Aufgaben in der Judikative war. Der Name des ersten Bürgermeisters, Hans Gerber, ist erst aus dem Jahre 1537 überliefert, da seine Vorgänger Urkunden mit dem Siegel unterzeichneten. Auch im Nachweis späterer Bürgermeister entstanden so Lücken.

Die Städtefreundschaft mit der Stadt Oomagari in Japan entstand Ende der 1980er Jahre, weil diese einen Partner für ihre Hopfenkultur in Deutschland suchte. Durch die Vermittlung des früheren Bundesratsministers Eduard Adorno fanden 1978 und 1979 erste Besuche des Bürgermeisters von Oomagari, Genosuke Mogami, in Tettnang statt. Dessen Nachfolger unterzeichnete anlässlich der 1100-Jahr-Feier am 13. Juni 1983 eine Freundschaftsurkunde. Bis ins Jahr 1994 fanden weitere Besuche und Jugendreisen statt. Diese brachen jedoch aufgrund der weiten Entfernung und des schwierigen Zugangs zur japanischen Sprache ab. Dennoch besteht weiterhin eine Zusammenarbeit in der Hopfenverarbeitung und der Elektroindustrie.

Nach privaten und offiziellen Kontakten wurde am 15. September 1991 in Tettnang eine Partnerschaftsurkunde mit der französischen Stadt Saint-Aignan-sur-Cher unterzeichnet, deren Ziel die Verbesserung der deutsch-französischen Freundschaft ist. Im Zuge der Unterzeichnung fanden Ausstellungen über die jeweiligen Partnerstädte statt. Die Beziehung zu Saint-Aignan ist die einzige offizielle Städtepartnerschaft Tettnangs.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands übernahm Tettnang 1990 eine Patenschaft für die sächsische Stadt Oelsnitz.

Der Tettnanger Jugendgemeinderat besteht seit Sommer 1996 und führt diverse Projekte durch, unter anderen die Errichtung eines Grillplatzes und einer BMX-Strecke im Schäferhof, die Planung und Durchführung des Partybusses sowie die Organisation der jährlichen Talentshow im Bäumle mit der Unterstützung des Jugendhauses.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Gegend um Tettnang vorwiegend ländlich geprägt und ist bis heute ein bedeutendes Obst- und Hopfenanbaugebiet.

Auch das Handwerk blickt in Tettnang auf eine lange Tradition zurück und konnte in jüngerer Zeit an Bedeutung gewinnen. Zudem haben sich inzwischen einige Industriebetriebe aus verschiedenen Branchen angesiedelt. Insbesondere entwickelt sich Tettnang mit Hightech-Firmen wie den Sensorherstellern ifm und wenglor immer mehr zur Elektronikstadt.

Tettnang liegt an der Bundesstraße 467 zwischen Ulm und Kressbronn.

Die Stadt ist mit einigen Buslinien u. a. mit Friedrichshafen, Ravensburg und Wangen im Allgäu verbunden und gehört dem Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) an.

Die Bahnstrecke Meckenbeuren–Tettnang wurde 1995 geschlossen, sie war seit 1895 die erste elektrisch betriebene normalspurige Nebenbahn in Deutschland. Bahn- und Fluganbindung stehen im nahegelegenen Friedrichshafen zur Verfügung.

Durch das Stadtgebiet Tettnangs verlaufen die erste und zweite Etappe des Jubiläumswegs, ein 118 Kilometer langer Wanderweg, der 1998 zum 25-jährigen Bestehen des Bodenseekreises ausgeschildert wurde. Er führt über sechs Etappen durch das Hinterland des Bodenseekreises von Kressbronn über Neukirch, Meckenbeuren, Markdorf, Heiligenberg und Owingen nach Überlingen.

Das Amtsgericht Tettnang befindet sich im Neuen Schloss. Es gehört zum Landgerichtsbezirk Ravensburg und damit zum OLG-Bezirk Stuttgart. Sein örtlicher Zuständigkeitsbereich erstreckt sich über die Gemeinden Immenstaad, Friedrichshafen, Eriskirch, Langenargen, Kressbronn, Meckenbeuren, Neukirch und Tettnang selbst. Das Rathaus befindet sich im alten Schloss.

Dieser Eindruck entsteht vor allem durch die Glasfronten, die halboffenen Stockwerke und viele Ein- und Durchblicke. Offiziell wurde die Bücherei am 15. Oktober 1989 eröffnet und bietet seitdem neben dem Verleih von Büchern auch kulturelles Programm durch Kinder- und Jugendarbeit sowie durch Ausstellungen regionaler Künstler.

Mit der Elektronikschule Tettnang hat sich hier ein Ausbildungszentrum für technische Berufe, bestehend aus Berufsfachschule, Berufsschule, Berufskolleg und Fachschule etabliert. Schwerpunkte sind elektrotechnische und informationstechnische Ausbildungen.

Ebenso vorhanden sind auf dem Gemeindegebiet zwei Hauptschulen, eine Realschule, das Montfort-Gymnasium (MGTT), eine Sonderschule sowie fünf Grundschulen.

Tettnang liegt an der Hauptroute der Oberschwäbischen Barockstraße.

Das Montfort-Museum stellt die Stadtgeschichte Tettnangs dar. Es wurde 1955 vom Stadtarchivar Alex Frick als kleines Heimatmuseum gegründet, das seinen Schwerpunkt auf die Grafen von Montfort legte. Nachdem viele Dokumente und Funde gesammelt worden waren, eröffnete das Museum 1961 im Torschloss erstmals als Dauerausstellung. Trotz der Vergrößerung der Ausstellungsfläche wurde es nur spärlich eingerichtet. Daher sank die Besucherzahl auf circa 300 Besucher im Jahr. Zum 700. Jahrestag der Stadtrechtsverleihung 1997 wurde das Gebäude komplett saniert und neu eingerichtet. Außerdem wurde eine neue Konzeption für das Montfort-Museum erstellt, die es attraktiver gestalten sollte. Während der Renovierungsmaßnahmen entdeckten Handwerker Fresken aus der Renaissance, die daraufhin restauriert wurden und heute eine der Hauptattraktionen des Museums bilden. Weiterhin existiert ein Kuriositätenkabinett, ein Raum, der der Schützentradition gewidmet ist und einer, der Aspekte der kirchlichen Geschichte aufzeigt.

Im Umfeld der Elektronikschule gründete sich 2002 ein Förderverein, der ein Elektronikmuseum Tettnang aufbaut. Mittlerweile kann man bereits einmal in der Woche eine Ausstellung „47 Jahre Elektronik in Tettnang“ besichtigen.

Das Tettnanger Hopfenmuseum zeigt die über 150-jährige Geschichte des Tettnanger Hopfenanbaus: Alte Geräte und Maschinen, lebensecht dargestellte Szenen vom Arbeiten und Leben im Hopfengarten.

Mit derzeit 2746 Mitgliedern ist der TSV 1848 Tettnang e. V. der größte Sportverein in Tettnang.

Das Neue Schloss ist eines der drei Schlösser Tettnangs. An seiner Stelle stand ab dem 12. Jahrhundert eine Burg, die 1633 zerstört wurde. Graf Anton III. von Montfort, der Initiator des Baus, beauftragte im Jahr 1712 den Architekten Christoph Gessinger, Benediktiner-Frater aus Isny, einen Entwurf eines neuen Schlosses zu erstellen. Dieser sah vor, zunächst die Trümmer der mittelalterlichen Burg abzubrechen, um einen völlig neuen Bau zu ermöglichen. Aufgrund einer großen Schuldenlast wurden die Arbeiten, die nahezu vollendet waren, nach Graf Antons Tod 1733 eingestellt. Bei einem Brand 1753 wurde ein großer Teil der Fassaden und der Innendekoration beschädigt. Die Restaurierungsarbeiten, die bis 1770 dauerten, wurden vor allem durch die finanzielle Hilfe Österreichs möglich. Den künstlerischen Rang verdankt das neue Schloss den Stukkateuren und Malern Joseph Anton Feuchtmayer, Käte Schaller-Härlin und Andreas Moosbrugger. Baumeister der dem Rokoko zuzuordnenden Arbeiten war Jakob Emele. Nach dem Übergang des Landes an Österreich wurde die Innenausstattung des neuen Schlosses veräußert. Das in bürgerlichen Besitz gelangte Schloss wurde erst in den Jahren 1960 bis 1982 restauriert und ist seit 1997 weitgehend der Öffentlichkeit zugänglich.

Erste Zeugnisse einer dem heiligen Gallus geweihten Kirche finden sich bereits in den ersten Urkunden der Stadt Tettnang. Aus dem Neubau zwischen 1410 und 1450 ist heute noch der gotische Turm zu sehen. Das heutige Kirchenschiff der Pfarrkirche St. Gallus entstand im Jahr 1860, als der barocke Vorgängerbau abgerissen wurde. Nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche in den 60er Jahren und 1990/91 grundlegend renoviert und mit neuen Kunstwerken ausgestattet.

Die Loretokapelle Tettnangs, die älteste dieser Art in Baden-Württemberg, befindet sich in der nach ihr benannten Straße im Süden der Altstadt. Auftraggeberin für die Votivgabe war Gräfin Euphrosina von Montfort. Der Bau begann 1624 und wurde mit der Weihe 1627 vollendet. 1902 wurde das Gebäude durch eine Empore erweitert. Zur Innenausstattung gehört ein neuromantischer Altar, auf dem sich eine 1,4 m große Madonnenfigur aus dem 17. Jahrhundert befindet. Diese kann anlässlich von Festen mit unterschiedlichen Gewändern bekleidet werden. In zwei Nischen stehen Statuen des heiligen Dominikus und der heiligen Theresa von Avila. Die Kapelle wurde nach ihrem Bau zunächst für Messen genutzt, später in eine Rosenkranzkapelle umfunktioniert. Ende des 19. Jahrhunderts beherbergte das Mesnerhaus eine Kleinkinderschule; heute wird das Gotteshaus nur für besondere Anlässe wie Goldene oder Silberne Hochzeiten verwendet.

Die St.-Anna-Kapelle ist das älteste sakrale Gebäude der Stadt. Sie wurde im Jahr 1513 von Graf Ulrich VII. von Montfort gestiftet. 1812 wurde sie von der Kirchenpflege an einen Privatmann verkauft, um Reparationen an der Pfarrkirche St. Gallus durchzuführen. In der Folgezeit verschlechterte sich der Zustand der Kapelle immer mehr, bis sie 1971 neu eingerichtet und restauriert wurde. Seither wird die Kapelle wieder für regelmäßige Gottesdienste genutzt. Auffällig am Bau ist, dass der Kapelle ein Glockenturm fehlt. Die Decke besteht aus einem spätgotischen Netzrippengewölbe, im Innenraum befinden sich eine Wappengalerie des Hauses Montfort, Gemälde des Stifterehepaares sowie eine Empore, auf der eine Orgel platziert ist.

Das Montfortfest, das am ersten Wochenende im Juli stattfindet, ist das Heimatfest der Stadt Tettnang. Es wurde unter dem Namen Kinder- und Hopfenfest in Folge der Tettnanger Heimatwochen 1949 eingeführt. Wichtigste Veranstaltung ist der Festzug, an dem neben verkleideten Schülergruppen und Vereinen vor allem zahlreiche Reitergespanne teilnehmen. Weiterhin spielt das Feuerwerk im Schlossgarten eine wichtige Rolle.

Die Fasnet wird in Tettnang nach schwäbisch-alemannischer Tradition gefeiert. Diese entstand in Tettnang im 19. Jahrhundert. Um das Jahr 1836 sind erste Maskenbälle nachgewiesen. Gegen Ende des Jahrhunderts entstand die Narrenzunft „Narrhalla“, die den ersten Umzug organisierte. Ihr Ruf lautete schon damals „Montfort - Jehu“. Nachdem die Fasnet während des ersten Weltkrieges ruhte, entstand in den Zwischenkriegsjahren die heute noch existierende Figur des Hopfennarren, die ein mit Hopfen und Blättern bemaltes Häs trägt, an dem kleine Glöckchen befestigt sind. Sein Attribut ist ein Holzstab mit Schellenkranz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wiederbelebt wurde die Einzelfigur der Hopfensau, die eine Saubloder trägt, dem Hopfennarren beigeordnet. Gleichzeitig mit der Umbenennung der Narhalla in „Narrenzunft Tettnang“ entstand die Rote Spinne, die an ihrem roten Schirm zu erkennen ist. Die NZ Tettnang trat 1965 der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte bei. Weitere Figuren der Tettnanger Fasnet sind der Gätterlet mit einem karierten Häs und der Gickeler, der ein einfaches Hahnenkostüm trägt. Heute steht die Weiberfasnet und der Narrenumzug am Fasnetsdienstag. Für die musikalische Umrahmung sorgt der Fanfarenzug Montfort Tettnang.

Das Tettnanger Bähnlesfest fand zum ersten Mal im Mai 1976 anlässlich der Einstellung des Bahnbetriebs von Tettnang nach Meckenbeuren statt. Seitdem wird es jährlich am zweiten Sonntag im September von den verschiedenen Vereinen, Musikkapellen und der Stadtverwaltung veranstaltet. Der Festplatz, auf dem auch ein Flohmarkt veranstaltet wird, befindet sich zwischen der Lindauer Straße und dem Neuen Schloss.

Aufgrund der Tettnanger Anbautradition von Hopfen existiert eine Brauerei mit dem Namen „Krone“, die 1781 gegründet wurde. Neben dem klassischen Kronen-Bier und Pils bietet sie zwei Biere an, die mit dem Bio-Siegel ausgezeichnet sind: Das Keller-Pils und das See-Weizen. Neben einer Bockbiersorte werden auch jahreszeitenspezifische Spezialitäten produziert.

In der Umgebung von Tettnang wurde 1956 der Spielfilm Heiße Ernte gedreht. In den Hauptrollen waren Edith Mill und Erik Schumann zu sehen, Regie führte Hans H. König.

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Landkreis Tettnang

Wappen des Landkreises Tettnang

Der Landkreis Tettnang war ein Landkreis in Baden-Württemberg, der im Zuge der Kreisreform am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.

Der Landkreis Tettnang lag im Südosten Baden-Württembergs. Seine Nachbarkreise waren im Uhrzeigersinn beginnend im Westen Überlingen, Ravensburg, Wangen sowie der bayerische Landkreis Lindau (Bodensee). Zusätzlich grenzte zwischen den Landkreisen Wangen und Lindau die Exklave Achberg, die bis zum 1. Januar 1969 zum Landkreis Sigmaringen gehörte, an. Im Süden bildete der Bodensee die natürliche Grenze.

Geographisch hatte er Anteil am Vorland des Bodensees.

Das Gebiet des Landkreises Tettnang gehörte vor 1800 überwiegend zu Vorderösterreich und war dem Oberamt Tettnang zugeordnet. 1805 kam das Gebiet zum Königreich Bayern und 1810 zum Königreich Württemberg, welches das Oberamt Tettnang fortführte. Ab 1810 gehörte das Oberamt Tettnang zur Landvogtei am Bodensee und ab 1818 zum Donaukreis, der 1924 aufgelöst wurde. 1934 wurde das Oberamt in Landkreis Tettnang umbenannt.

Nach dem zweiten Weltkrieg kam der Landkreis Tettnang zum neuen Bundesland Württemberg-Hohenzollern und nach der Länderneugliederung 1952 im Südwesten zu Baden-Württemberg. Danach gehörte er zum Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Tettnang aufgelöst. Sein Gebiet wurde mit dem größten Teil des benachbarten, ehemals badischen Landkreises Überlingen zum neuen Bodenseekreis vereinigt, der damit Rechtsnachfolger des Landkreises Tettnang wurde. Kreissitz des neuen Landkreises wurde das im nunmehrigen Altkreis Tettnang gelegene Friedrichshafen.

Alle Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse.

Das Wappen des Landkreises Tettnang zeigte in Silber eine dreilatzige rote Fahne über einem gewellten blauen Schildfuß. Das Wappen wurde am 18. November 1957 durch das Innenministerium Baden-Württemberg verliehen.

Die Fahne steht für die Grafen von Montfort aus dem Hause der Pfalzgrafen von Tübingen, deren Gebiet auch das Kreisgebiet Tettnang umfasste. Der Wellenbalken soll den Bodensee versinnbildlichen.

Durch das Kreisgebiet führte keine Bundesautobahn. Daher wurde er nur durch die Bundesstraßen B 30, B 31, B 33 und B 467 sowie durch mehrere Landes- und Kreisstraßen erschlossen.

Zum Landkreis Tettnang gehörten ab 1938 zunächst zwei Städte und elf Gemeinden.

Am 7. März 1968 stellte der Landtag von Baden-Württemberg die Weichen für eine Gemeindereform. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden war es möglich, dass sich kleinere Gemeinden freiwillig zu größeren Gemeinden vereinigen konnten. Den Anfang im Landkreis Tettnang machte am 1. Dezember 1971 die Gemeinde Ailingen, die sich mit der Stadt Friedrichshafen vereinigte. In der Folgezeit reduzierte sich die Zahl der Gemeinden stetig bis der Landkreis Tettnang 1973 aufgelöst wurde.

Größte Gemeinde des Landkreises war die Stadt Friedrichshafen, die seit 1. April 1956 Große Kreisstadt war, kleinste Gemeinde war Ettenkirch.

Die Städte und Gemeinden des Landkreises Tettnang vor der Gemeindereform. Alle Gemeinden gehören heute zum Bodenseekreis.

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Oberamt Tettnang

Karte der württembergischen Oberämter, Stand 1926

Das Oberamt Tettnang war ein württembergischer Verwaltungsbezirk (auf beigefügter Karte #52), der 1934 in Kreis Tettnang, 1938 in Landkreis Tettnang umbenannt wurde und im Rahmen der Kreisreform Baden-Württemberg 1973 im Bodenseekreis aufging. Allgemeine Informationen zu württembergischen Oberämtern siehe Oberamt (Württemberg).

Um 1800 gehörte das südliche Oberschwaben mehrheitlich zu Vorderösterreich. Württemberg erhielt im Frieden von Pressburg den westlichen Teil des österreichischen Gebiets und bildete aus den Neuerwerbungen das Oberamt Altdorf. Der östliche Teil mit dem Hauptort Tettnang fiel 1805 an Bayern und kam mit dem Pariser Grenzvertrag 1810 zu Württemberg, das noch im selben Jahr das Oberamt Tettnang errichtete und 1813 mit dem Kauf der seit 1803 hohenzollerischen Herrschaft Hirschlatt sein Territorium abrundete. Das von 1818 bis 1924 dem Donaukreis zugeordnete Oberamt Tettnang grenzte an die Oberämter Wangen und Ravensburg, das Großherzogtum Baden, das Königreich Bayern und die hohenzollerische, ab 1850 preußische Exklave Achberg. Als einziger württembergischer Bezirk hatte es – mit einer Uferlänge von etwa 25 km – Anteil am Bodensee.

1815 bestanden neben der Oberamtsstadt Tettnang und der 1811 aus Buchhorn und Hofen gebildeten Stadt Friedrichshafen 17 weitere Schultheißereien: Eggenweiler, Eriskirch, Flunau, Hagendorn, Hemigkofen, Hirschlatt, Kaltenberg, Laimnau, Langenargen, Langnau, Liebenau, Missenhardt, Neukirch, Oberdorf, Schomburg, Taldorf, Untermeckenbeuren. Nachdem die Verfassung von 1819 die Grundlage für die kommunale Selbstverwaltung bereitet hatte, konstituierten sich die Gemeinden im modernen Sinne.

1822 wurde Nonnenbach von Hemigkofen getrennt und zur selbständigen Gemeinde erhoben.

1823 entstanden aus der Schultheißerei Eggenweiler die selbständigen Gemeinden Ettenkirch und Oberteuringen. Die Wohnplätze Behweiler, Erbenweiler und Vittenhag wurden von Taldorf nach Oberteuringen umgemeindet, umgekehrt kamen einige bisher zu Eggenweiler gehörige Orte, wie Oberzell, Albersfeld und Klöcken, zur Gemeinde Taldorf.

1824 änderte die Gemeinde Missenhardt ihren Namen in Tannau.

1825 entstanden aus der ehemaligen Schultheißerei Hagendorn die selbständigen Gemeinden Berg und Ailingen.

Bis 1828 wurden umgemeindet: Rattenweiler von Tannau nach Langnau, Schleinsee von Tannau nach Hemigkofen, Alberweiler von Neukirch nach Tannau.

1842 wurde die Gemeinde Taldorf vom Oberamt Tettnang zum Oberamt Ravensburg versetzt, gleichzeitig Erbenweiler von Oberteuringen nach Taldorf umgemeindet.

1846 trat ein 1843 zwischen Baden und Württemberg geschlossener Staatsvertrag in Kraft, der das Oberamt Tettnang an zwei Stellen betraf: Schloß Hersberg, bislang zur Gemeinde Berg gehörige württembergische Exklave, wurde an Baden abgetreten. Als Ausgleich kam der bisher badische Anteil von Waggershausen zu Württemberg.

1850 wurde Schnetzenhausen von Berg getrennt und zur selbständigen Gemeinde erhoben.

1853 wurden Obereisenbach, Untereisenbach und Scheiben von Liebenau nach Kaltenberg umgemeindet, worauf die Gemeinde Kaltenberg ihren Namen in Obereisenbach änderte. Umgekehrt kamen Blumenrain, Feurenmoos, Madenreute, Mühlebach und Untertennenmoos von Kaltenberg zu Liebenau.

1854 wurden Hohenreute und Ottmarsreute von Untermeckenbeuren nach Liebenau umgemeindet.

1910 wurden Löwental, St. Georgen und ein Teil von Trautenmühle von Schnetzenhausen nach Friedrichshafen umgemeindet. 1914 folgten der Rest von Trautenmühle sowie Teile von Jettenhausen, Meistershofen und Waggershausen.

1934 wurden Hemigkofen und Nonnenbach zur Gemeinde Hemigkofen-Nonnenbach zusammengeschlossen, deren Name noch im selben Jahr in Kreßbronn am Bodensee geändert wurde.

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Altes Schloss (Tettnang)

Rathaus (Altes Schloss)

Das Alte Schloss in Tettnang wurde als Residenz der Grafen von Montfort erbaut und dient heute als Rathaus.

Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs, bei dem auch die alte Burg zerstört wurde, nutzten die Grafen von Montfort ab 1629 das Torschloss als Residenz. Graf Johann V. von Montfort (1627-1686) ließ ab 1667 auf dem Gelände vor der Burgruine einen Schlossbau ausführen. Baumeister war der Vorarlberger Michael Kuen. In seiner bescheidenen Dimension entsprach er den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Grafen, nicht aber ihrem dynastischen Anspruch, da sie sich als Nachfahren der Pfalzgrafen von Tübingen als Vertreter eines der vornehmsten Geschlechter Oberschwabens betrachteten.

Deshalb wurde unter Graf Anton III. von Montfort zwischen 1712 und 1728 das Neue Schloss erbaut. Das Alte Schloss diente danach als Wohnung für Hofbedienstete, wie den Oberförster, und als Speichergebäude. 1904 wurde es schließlich von der Stadt erworben und durch die Architekten Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle zum Rathaus umgebaut.

Das rechteckige Haus ist ein Renaissance-Bau mit einem hohen Satteldach. Die Fassade ist schmucklos bis auf die markanten Staffelgiebel und ein aufwändig gestaltetes Allianzwappen über dem Portal in der Mitte des neunachsigen und dreigeschossigen Gebäudes. Es zeigt die Wappen des Erbauers sowie seiner beiden Gemahlinnen, Gräfin Maria Anna Eusebia von Königsegg-Aulendorf und Anna Katharina von Sulz. Die Mitte des Baus wird zudem durch einen Giebel betont, an dem die Rathausuhr und das Erbauungsjahr angebracht sind.

Im Erdgeschoss sind noch die tonnengewölbten Räume der Bauzeit mit kräftigen Stuckaturen erhalten geblieben. Im Treppenhaus hängt ein Bild von 1698 aus dem ehemaligen Kapuzinerkloster in Langenargen, das den Hl. Antonius als Fürbitter Graf Antons III. mit seiner Ehefrau Maria Anna von Thun zeigt. Im unteren Teil des Bildes ist der Bodensee mit Langenargen zu erkennen. Im Ratssaal hängt eine Ansicht von Tettnang von 1818.

Vor dem Rathaus steht die 1682 errichtete Kapelle St. Georg, die wohl auf dem Platz der ehemaligen Burgkapelle steht und zur Hofhaltung des alten Schlosses gehörte. Der einschiffige, schmale, schmucklose Raum mit eingezogenem Chor wurde durch den Vorarlberger Baumeister Heinrich Bader errichtet. Der barocke Hochaltar von 1758 zeigt Maria Magdalena unter dem Kruzifix. Er wurde 1828 hier aufgestellt und stammt aus der Schlosskirche des Neuen Schlosses.

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Source : Wikipedia