St. Gallen
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St. Gallen
St. Gallen (fr. St-Gall, it. San Gallo, rät. Sogn Gagl) ist eine politische Gemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Kantons St. Gallen in der östlichen Schweiz. St. Gallen zählt 74'879 Einwohner (Januar 2008) und ist mit rund 700 Metern über dem Meeresspiegel eine der höher gelegenen Städte der Schweiz.
Die Stadt St. Gallen liegt an der Steinach, einem Fluss, der in den Bodensee mündet. Sie wurde im 7. Jahrhundert gegründet und gilt heute als das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Ostschweiz. Sie liegt an den Hauptverkehrsachsen St. Margrethen–Rorschach–St. Gallen–Winterthur–Zürich und Romanshorn–St. Gallen–Rapperswil–Luzern und gilt als Tor ins Appenzellerland. Touristisch interessant ist die Stadt aufgrund der Stiftskirche und der Stiftsbibliothek, von der Unesco in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
St. Gallen besteht neben der alten Stadtgemeinde (bis 1798 freie Reichsstadt und Republik St. Gallen) aus den ursprünglichen Dörfern und Weilern Bruggen, Hafnersberg, Heiligkreuz, Kräzern, Krontal, Lachen, Neudorf, Notkersegg, Riethüsli, Rotmonten, St. Fiden, St. Georgen, Sittertal, Tablat und Winkeln. Sie gehörten zu den Gemeinden Straubenzell und Tablat und wurden 1918 in die Stadt eingemeindet (→Stadtverschmelzung).
Die Stadt liegt zwischen zwei parallel verlaufenden Hügeln, dem Rosenberg im Norden und dem Freudenberg im Süden. Das Tal, das auf einer Ost-Westachse liegt, wird im Westen durch die tiefe Sitterschlucht begrenzt, im Osten fliesst die Steinach aus der Stadt heraus Richtung Bodensee. Historisch liegt die Stadt an der Steinach, da Gallus an diesem Fluss seine Klause gebaut hat. Ausser in der Mühlenenschlucht und ganz im Osten der Stadt ist vom Gewässer allerdings nichts mehr zu sehen, weil es in einem Kanal unterhalb der Stadt verläuft. Vom Freudenberg, der mit den Drei Weieren ein beliebtes Naherholungsgebiet ist, kann man bei günstiger Sicht den kompletten Bodensee, den Thurgau sowie den Süden Deutschlands sehen.
Wegen der speziellen Topografie der Stadt wird St. Gallen auch die Stadt der Tausend Treppen genannt, da viele Treppen den Freuden- als auch Rosenberg hinauf führen. Die Stadt wird auch mit Die Stadt im Grünen Ring bezeichnet, da auf den Hügeln vor der Stadt noch heute ausgedehnte Waldflächen als Naherholungsgebiete dienen.
Die Stadt liegt an der wichtigen Ost-West-Verkehrsachse von München, Lindau, Bregenz und Rorschach nach St. Gallen und weiter nach Winterthur und Zürich. Eine weitere wichtige Verbindung führt von Friedrichshafen über Romanshorn (Fähre) nach St. Gallen und weiter in die Linthebene und bis nach Luzern. Das Siedlungsgebiet der Stadt erstreckt sich hauptsächlich entlang dieser Hauptverkehrsachsen von Ost nach West. Die Stadt gilt auch als Tor zum Appenzellerland.
St. Gallen befindet sich im Gebiet der flachen mittelländischen Molasse. Grosse Teile der Stadt befinden sich auf unstabilem Torfboden mit grossem Grundwasseranteil. Viele Gebäude in der Innenstadt (darunter der Hauptbahnhof und die Hauptpost) wurden deshalb auf Pfählen aus Eichenholz gebaut.
Die Hügelketten südwestlich der Stadt gehören zu den Ausläufern des Alpsteins. Die sogenannte aufgerichtete Molasse ist durch deutliche Bergkämme charakterisiert. Die Hügel Richtung Nordosten gehören jedoch zum Bodenseebecken, sie bilden als Flachliegende Molasse Hochflächen aus. Wo hartes Gestein freiliegt (etwa im Sittertobel), besteht dieses vorwiegend aus Nagelfluh, Sandstein oder Mergel.
St. Gallen liegt in der gemässigten Klimazone mit vorherrschend wechselhaftem Westwindwetter. Da die Hügel der Stadt die ersten Erhebungen für Wolkenformationen aus West bis Nordost sind, kommt es oft zu tagelangem Stauregen oder Schneefall. Die Wolken stauen sich an den Voralpen, besonders dem Alpstein, und es kommt zu Niederschlag. Bei Nord- oder Nordostwind herrscht in der Gallusstadt Bisenlage, es wird also sehr kalt. Dies ist meist mit Hochnebel verbunden, da sich die kalten, feuchten Luftmassen am Boden festsetzen, während in höheren Regionen schönes Wetter herrscht (→Temperaturinversion). Die grosse Wassermasse des Bodensees unterstützt noch zusätzlich die Bildung von Nebel, besonders im Herbst und Winter (→Bodenseeklima).
Im Sommer prägen häufige und langanhaltende Niederschläge das Wetter, insbesondere auch starke Abendgewitter. Bei Hochnebellage, die besonders im Herbst oft vorkommt, kann die Stadt mehr oder weniger betroffen sein. Aufgrund ihrer hohen Lage gibt es Tage, an denen sie gerade oberhalb der Nebelschicht zu liegen kommt, an anderen Tagen löst sich diese im Laufe des Tages auf, manchmal bleibt es auch tagelang grau. Bei Südföhn ist es hingegen sonnig und warm. Mit Föhnunterstützung kann die Temperatur 10 °C und mehr in wenigen Stunden steigen, obwohl die Stadt nicht im Haupteinflussgebiet des Südwindes liegt. Im Winter fällt der Niederschlag als Schnee, der in Schattenlagen bis in den April hinein liegen bleiben kann.
Die Durchschnittstemperatur liegt bei 7.4 °C, die mittlere Temperatur im Juli liegt bei 16°, jene im Januar bei -1,8°. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 1250 mm, wobei der grösste Teil im Sommer fällt.
Die Stadt teilt sich heute in drei Stadtkreise (West, Centrum sowie Ost) auf, welche wiederum in Quartiergruppen und Quartiere unterteilt sind.
Der Stadtkreis West erstreckt sich von Lachen, Schoren bzw. Haggen bis nach Winkeln und ins Gründenmoos.
Das Zentrum streckt sich vom Rosenberg in die Innenstadt bis nach St. Georgen beziehungsweise Riethüsli.
Der Stadtkreis Ost beginnt bei St. Fiden und erstreckt sich in Richtung Rotmonten wie auch Notkersegg sowie Neudorf.
Folgende Gemeinden grenzen an das Gebiet der Stadt St. Gallen: Gossau im Westen, Gaiserwald und Wittenbach im Norden, im Osten Mörschwil, Untereggen und Eggersriet. Im Süden grenzt die Stadt an den Kanton Appenzell Ausserrhoden mit den Gemeinden Herisau, Stein, Teufen und Speicher.
Offiziell leben in der Stadt rund 70'375 Personen (Stand Ende 2006). 27.0 % der in St. Gallen gemeldeten Einwohner, das sind 18'505 Personen, besitzen keinen Schweizer Pass. Unter den Ausländern haben Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien den grössten Anteil, gefolgt von Immigranten aus Deutschland und Italien.
In der Agglomeration St. Gallen leben gegenwärtig nochmal rund 75'000 Personen, diese umfasst im wesentlichen die Nachbargemeinden (darunter Gossau und Herisau).
Die Amts- und Verkehrssprache Deutsch, welche im alltäglichen Umgang überwiegend als St. Gallerdeutsch gesprochen wird, benützen gemäss der Volkszählung 2000 83.0 % der Einwohner als Hauptsprache. Unter den zahlreichen weiteren verwendeten Hauptsprachen sind die Sprachen des ehemaligen Jugoslawiens (4.0 %), Italienisch (3.7 %), Spanisch (1.1 %) und Französisch (0.8 %) am weitesten verbreitet. 6.9 % der Bevölkerung bezeichnen eine andere Sprache als Hauptsprache.
Seit der Reformation unter Vadian galt die Stadt St. Gallen als ein Zentrum und Hochburg des Protestantismus in der Schweiz, obwohl das gesamte Umland unter der Obhut der Fürstabtei katholisch blieb. Durch die Stadtverschmelzung im Jahr 1918 wurden die katholischen Vororte Tablatt und Straubenzell eingemeindet. Bis etwa 1950 blieben die Anteile der Römisch-Katholiken und der Evangelisch-Reformierten praktisch konstant bei je knapp 50 %. Danach fällt der Anteil der Reformierten bis auf 27 % im Jahr 2000, während der Anteil der Katholiken mit 44 % im Jahr 2000 annähernd konstant geblieben ist. Die Lücken füllen andere Christliche Gemeinschaften (6.7 %, darunter auch freikirchliche Gemeinden, wie die der Siebenten-Tags-Adventisten, GvC oder International Christian Fellowship), Islamische Gemeinschaften (6.7 %) sowie andere und Juden (1.4 %). 9.9 % gaben an, keiner Religionsgemeinschaft anzugehören, 4.3 % machten überhaupt keine Angaben.
Im Dezember 2008 waren laut dem statistischen Amt 1580 Personen in der Stadt St. Gallen als arbeitslos gemeldet. Im Jahresdurchschnitt waren 4.125 % der Erwerbspersonen ohne Arbeit. Das entsprach einer Arbeitslosenquote von 2.0 %. Der vergleichsweise niedrigen Arbeitslosigkeit steht eine grössere Zahl an Sozialhilfebezügern gegenüber. Ende 2006 waren 2'944 Dossiers für Sozialhilfefälle beim Sozialamt offen (Tendenz klar steigend). Im diesem Jahr hat die Stadt Netto rund 21.5 Millionen Franken für die Sozialhilfe aufgewendet.
Die Legislative der Stadt ist das Stadtparlament, dessen 63 Mitglieder alle vier Jahre vom Volk gewählt werden. Das Stadtparlament trifft sich monatlich zu öffentlichen Sitzungen im Waaghaus beim Marktplatz. Der aus fünf Mitgliedern bestehende Stadtrat bildet die Exekutive und wird ebenfalls für jeweils vier Jahre vom Volk gewählt. Im September 2008 wird das Parlament für die Amtsdauer 2009-2012 gewählt werden.
Die fünf Mitglieder des Stadtrates sind je für eine Direktion zuständig. Die Aufteilung für 2005 wurde am 2. November 2004 festgelegt und sieht wie folgt aus. Thomas Scheitlin und Nino Cozzio wurden am 24. September 2006 in einer Ersatzwahl gewählt. Der Stadtpräsident ist gleichzeitig Mitglied des Stadtrats. Der aktuelle Stadtpräsident ist Thomas Scheitlin. Trotz seiner Wahl zum Stadtpräsidenten behielt er sein Amt als Kantonsrat bei und vertritt daher in der Stadtverwaltung vorwiegend die Anliegen des Kantons.
Am 28. September 2008 fand eine Gesamterneuerungswahl des Stadtrates statt. Es stellten sich alle fünf bisherigen Kandidaten zur Wahl. Sie wurden sehr deutlich wiedergewählt. Thomas Scheitlin bleibt Stadtpräsident.
Die Stadtverwaltung ist auf mehrere Gebäude in der Stadt verteilt. Das markanteste ist das mit einer glänzenden Glasfassade eingekleidete Hochhaus im Ostflügel des Hauptbahnhofs. Es wurde in den Jahren 2006/2007 für 48 Mio. Fr. umfassend renoviert und umgebaut.
Das Wappen der Stadt St. Gallen erinnert an die Legende von Gallus und dem Bären. Es zeigt einen aufrecht stehenden, männlichen Bären mit einem goldenen Halsband. Kaiser Friedrich III. hatte im Jahre 1475 der Stadt das Privileg zugesprochen, ihrem Bären ein goldenes Halsband umzuhängen, als Dank für die Unterstützung in den Burgunderkriegen. Deutlich sind die Klauen, die Zähne und das Geschlechtskennzeichen zu sehen.
St. Gallen gilt als wirtschaftliches Zentrum der Ostschweiz. Einige grosse Versicherungen (Helvetia Versicherungen) und Banken (St. Galler Kantonalbank, Raiffeisen, Vadian Bank) haben hier ihren Sitz. Diese rekrutieren oft Abgänger der Universität St. Gallen, die als Wirtschaftshochschule einen sehr guten Ruf geniesst. 2005 waren auf dem Stadtgebiet 4738 Firmen gemeldet, die 49'388 Vollzeitstellenäquivalente beschäftigten. Fast die Hälfte der Stellen entfiel dabei auf Mittel und Grossbetriebe (Mehr als 50 Mitarbeiter). Mehr als 85 % der Betriebe in der Stadt sind im Dienstleistungssektor tätig, besonders im Handels- und Informatikbereich. Der historisch bedeutendste Industriezweig, die Textilindustrie, darunter besonders die St. Galler Stickerei, hat zwar seit dem ersten Weltkrieg an Bedeutung eingebüsst, produziert aber immer noch ein wichtiges Exportprodukt.
Auch der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Gallusstadt. 2006 verbuchten die St. Galler Hotels über 169'000 Logiernächte, davon entfielen 41 % auf Gäste aus dem Ausland, vorwiegend aus Deutschland und den USA. Als Wirtschaftszentrum beherbergen die Hotels neben Touristen, die die Stiftsbibliothek und das Kloster besuchen wollen, auch Geschäftsleute. Die Gäste blieben durchschnittlich zwei Nächte.
Trotz der Bedeutung als Arbeitsort für viele Personen aus der Stadt und dem Umland ist das Wohnen in der Stadt verhältnismässig günstig geblieben. So kostet eine der raren 5-Zimmer-Wohnungen durchschnittlich 1269 Franken im Monat (Jahr 2000), während dafür in Zürich 700 Franken mehr ausgegeben werden müssen. Auch im Vergleich mit anderen Städten der Schweiz sind die Mietpreise günstig. Anzumerken bleibt jedoch, dass auch die Löhne eher tiefer und die Steuer- und Abgabenlast eher höher sind als etwa in Zürich, wodurch unter dem Strich ein deutlicher Standortnachteil übrig bleibt. Ausserdem gibt es für hochqualifizierte Arbeitskräfte (etwa Ingenieure) nur ein sehr begrenztes Arbeitsplatzangebot, so dass vielen nur der Weg nach Winterthur oder Zürich bleibt, um ihre Tätigkeit ausüben zu können.
Unterhalb der Stadt verlaufen der Rosenberg- und der Stephanshorn-Autobahntunnel, die seit der Eröffnung 1987 die Stadt vom Durchgangsverkehr erheblich entlastet haben. Entlang der Autobahn befinden sich nicht weniger als vier Abfahrten auf Stadtgebiet.
Die grosse Zentrumsfunktion mit ihren teilweise negativen sozialen und finanziellen Auswirkungen sowie die hohe Steuer- und Verkehrsbelastung haben dazu geführt, dass viele gute Steuerzahler aus der Stadt in die grünen und steuergünstigen Agglomerationsgemeinden gezogen sind. Die bevorzugten Destinationen der Wegzügler liegen nahe genug an der Stadt, um vom Zentrumsangebot (Kinos, Theater, Musik; aber auch Arbeit) trotzdem profitieren zu können. Der Teufelskreis konnte teilweise dadurch gebrochen werden, dass mit den umliegenden Gemeinden und dem Kanton Ausgleichszahlungen für die Zentrumsleistungen vereinbart wurden (→Finanzausgleich).
Die Stadt St. Gallen wurde 1856 mit der Eröffnung der Strecke St. Gallen Winkeln–St. Gallen der St.-Gallisch-Appenzellischen Eisenbahn erstmals an das Bahnnetz angeschlossen.
Der von Alexander von Senger errichtete Hauptbahnhof St. Gallen ist für die Ostschweiz zentral. Von St. Gallen aus sind das Rheintal, der Bodenseeraum, Appenzell und die Zentralschweiz gut mit der Bahn erreichbar. St. Gallen ist auch das Zentrum der S-Bahn St. Gallen. Der Flughafen Zürich ist eine Stunde entfernt. Der nächste Flughafen ist der Flughafen St. Gallen-Altenrhein, von welchem vor allem Flugverbindungen nach Wien bestehen.
Neben dem Hauptbahnhof verfügt St. Gallen über drei Bahnhöfe der Schweizerischen Bundesbahnen, St. Gallen St. Fiden, St. Gallen Bruggen und St. Gallen Winkeln sowie den Bahnhof St. Gallen Haggen der Südostbahn. Daneben verbinden die Appenzeller Bahnen St. Gallen mit Speicher und Trogen sowie Gais und Appenzell.
Die Stadt verfügt über ein dichtes Busnetz der Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen (VBSG). In der Stadt fährt auch die Bergbahn Mühleggbahn ins Naherholungsgebiet Drei Weieren. Bis 1957 verfügte St. Gallen zudem über eine Trambahn, die Trambahn der Stadt St. Gallen.
Die Strom-, Wasser- und Erdgas- sowie in einem kleineren Rahmen die Fernwärmeversorgung wird von den Sankt Galler Stadtwerken besorgt.
Die meisten Touristen kommen nach St. Gallen, um die barocke Stiftskirche aus dem 18. Jahrhundert zu sehen. Dazu gehört fast immer auch ein Besuch in der Stiftsbibliothek mit ihren alten Handschriften. Als besonderer Publikumsmagnet gilt – obwohl eigentlich gar nicht zum Umfeld passend – Schepenese, eine ägyptische Mumie. Beim weiteren Gang durch die Altstadt fallen die kunstvoll verzierten Erker auf, die von den Reisen der St. Galler Geschäftsleute des 18. und 19. Jahrhunderts in alle Welt berichten. Südlich des Klosters fährt die Mühleggbahn den Besucher bequem durch die Mühlenenschlucht ins Naherholungsgebiet Drei Weiern. Von dort hat man bei schönem Wetter einen ausgezeichneten Blick über die ganze Stadt, bis zum Bodensee und hinüber ans deutsche Ufer.
Wenige Gehminuten östlich des Stadtzentrums findet sich in und um den Stadtpark das heutige kulturelle Zentrum der Stadt. Im Theater St. Gallen werden grosse Stücke der Gegenwart und der Vergangenheit aufgeführt. Gleich daneben findet sich die Tonhalle, in der die Konzerte des Sinfonieorchesters St. Gallen und zahlreiche Gastkonzerte stattfinden. In unmittelbarer Nähe zu Theater und Tonhalle sind drei Museen angesiedelt: das Historische Museum mit Ausstellungen zu Kunst und Kultur von Stadt und Region, das Kunstmuseum sowie das Naturmuseum, in dem die Naturwissenschaften anschaulich erklärt werden – vom echten Dinosaurierfossil bis zum Laser.
Universität St. Gallen
Die Universität St. Gallen, kurz HSG, mit vollem Namen Universität St. Gallen – Hochschule für Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften (HSG), liegt auf dem Rosenberg in der schweizerischen Stadt St. Gallen und ist eine der führenden Universitäten Kontinentaleuropas im Bereich Wirtschaftswissenschaften. Im Herbstsemester 2008 studierten an der HSG 6034 Studierende, davon etwa ein Drittel aus dem Ausland. Innerhalb der Schweiz zählt die HSG zu den kleineren Universitäten, beherbergt aber gleichzeitig die grösste wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Schweiz. Träger der HSG ist der Kanton St. Gallen. Die Universität ist unter anderem bei AACSB sowie EQUIS akkreditiert und gehört den Verbunden CEMS, APSIA und Internationale Bodensee-Hochschule an.
Am 28. Mai 1898 beschloss der Grosse Rat des Kantons St. Gallen, in St. Gallen eine Verkehrsschule und eine höhere Schule (Akademie) für Handel, Verkehr und Verwaltung zu errichten. Als eigentlicher Gründer gilt der damalige Landammann und Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartementes Theodor Curti. 1899 nimmt die „Handelsakademie“ ihren Vorlesungsbetrieb auf. Sie ist damit eine der ältesten Hochschulen dieser Art weltweit. Ab 1911 trägt sie die Bezeichnung „Handels-Hochschule“.
1963 bezieht die Universität einen eigens errichteten Neubau und ändert auch ihre Bezeichnung in „Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“. Der Neubau war für 900 Studierende ausgelegt, bereits im Wintersemester 1963/64 gibt es aber 1150 Immatrikulierte.
Mit Eintritt des Hochschulgesetzes von 1989 heisst die HSG „Hochschule St. Gallen für Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften“. Damit wurde der Name den tatsächlichen Lehrgebieten angepasst: Seit 1978 verfügt die HSG nämlich über einen eigenständigen juristischen Lehrgang. Ebenfalls 1989 wird das Bibliotheksgebäude bezogen, die Zahl der Studierenden beträgt jetzt über 3900.
Im Februar 1994 verabschiedet das St. Galler Parlament eine Vorlage zur Revision des Hochschulgesetzes, die unter anderem zur Umbenennung der Hochschule in „Universität St. Gallen“ (mit Beibehaltung der Abkürzung „HSG“) führt.
Im Wintersemester 2001/02 startet die HSG mit der „Neukonzeption der Lehre“. Die Ausbildung wurde nicht nur tiefgreifend reformiert, sondern auch konsequent auf das zweistufige System mit Bachelor- und Master-Abschluss umgestellt, womit die HSG in der Schweiz die Pionierrolle übernimmt.
Mitte 2005 stimmen die St. Galler Bürger mit 66,4 Prozent dem Bauprojekt „Sanierung, Umgestaltung, Erweiterung der HSG“ zu. Mit dem rund 80 Mio Fr. umfassenden Projekt sollen die Gebäude aus den 60er Jahren umfassend saniert und die Infrastruktur bis ins Jahr 2011 an die geänderte Ausbildung angepasst werden. Am 1. Oktober gleichen Jahres nimmt die neu gegründete, sich selbst tragende Executive School für Management, Technologie und Recht (ES-HSG) ihre Tätigkeit auf. Sie fasst die Aktivitäten in der Weiterbildung zusammen. Diese ist mittlerweile zu einem wichtigen Standbein der HSG geworden und umfasst neben zahlreichen Nachdiplomausbildungen auch eine breite Palette von Kursen und Seminaren.
Die Schwerpunkte der HSG liegen bei der Aus- und Weiterbildung von Fach- und Führungskräften in Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung und Rechtspflege. Die Universität ist in Abteilungen und Institute aufgeteilt. Die Abteilungen sind für die Lehre verantwortlich und bieten eine grosse Anzahl von Bachelor- und Masterstudiengängen an. Die Institute betonen den praktischen Charakter der Universität und sind stark im Bereich der praxisorientierten Forschung tätig.
Internationale Beziehungen wird an der HSG auch gelehrt, dafür existiert jedoch keine eigene Abteilung.
Daneben ist die HSG assoziiertes Mitglied im European Research Center for Information Systems (ERCIS).
Das Studium an der HSG beginnt mit einem Assessmentjahr, das Studenten aller Fachrichtungen zusammenfasst und den besonderen Schwerpunkt auf eine breite Grundausbildung legt. Im Anschluss daran erfolgt eine Spezialisierung in die Bachelorprogramme Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Jura, Recht mit Wirtschaftswissenschaften sowie International Affairs. Eine Reihe spezialisierter Masterstudiengänge baut auf den jeweiligen Programmen auf.
Diese Angebot wird durch drei weiterbildende MBA-Programme ergänzt. Darüber hinaus hat die HSG Promotionsrecht und bietet verschiedene Doktorats- und Ph.D.-Programme an.
Seit 1996 bietet das Institut für Europäisches und Internationales Wirtschaftsrecht ein berufsbegleitendes, 18-monatiges Masterstudium mit dem Schwerpunkt Europäisches und Internationales Wirtschaftsrecht. Die neun Studienmodule des «Executive Master of European and International Business Law» finden in Europa, den USA und China statt.
Ausländische Studienbewerber werden in einem Selektionsverfahren von der Universität ausgewählt. Die Zahl der ausländischen Studierenden ist auf 25 Prozent beschränkt. Die zur Verfügung stehenden Plätze werden jedes Jahr vollständig aufgebraucht, wobei weit mehr Studierende aus dem Ausland in St. Gallen studieren wollen, als Plätze vorhanden sind. Die Aufnahmequote bewegt sich in der Regel zwischen 10 und 15 Prozent.
Die Universität St. Gallen ist besonders für ihre Beiträge zur systemorientierten Managementlehre bekannt. Zentrales Ergebnis dieser Forschungsarbeit ist das St. Galler Management-Modell, das von Hans Ulrich ersonnen und 2002 von Johannes Rüegg-Stürm an die neuesten Erkenntnisse angepasst wurde.
Es gibt über 80 Vereine an der Universität St. Gallen. Bekannt ist vor allem das St. Gallen Symposium, welches seit 1970 internationale Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit Studierenden aus aller Welt in St. Gallen zusammenführt und von Studenten der HSG organisiert wird.
Die Studentenschaft der HSG (SHSG) ist die Interessenvertretung sowohl für die Studenten als auch für die Vereine. Sie bietet diesen zahlreiche Dienstleistungen an und stellt auf ihrer Website zahlreiche Informationen für diese bereit. Ausserdem tritt die SHSG durch Aktionen wie Unterstützung von Austauschstudenten in Erscheinung.
Kanton St. Gallen
Der Kanton St. Gallen ist ein Kanton im Nordosten der Schweiz, südlich des Bodensees.
Der Ostschweizer Kanton St. Gallen grenzt an die benachbarten schweizerischen Kantone Graubünden, Glarus, Schwyz, Zürich, Thurgau, sowie an die deutschen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern, an das österreichische Vorarlberg und das Fürstentum Liechtenstein. Ausserdem umschliesst er die Halbkantone Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden.
Der Kanton gliedert sich verwaltungsmässig in 88 Gemeinden, Amtssprache ist Deutsch.
Der höchste Berg des Kantons ist der Ringelspitz mit 3247 m über Meereshöhe, bekannter dürfte jedoch der Säntis (2'502 m ü. M.) sein. Der tiefste Punkt ist mit 395 Meter über Meer der Bodensee. Die grössten St. Galler Seen sind der Bodensee, der Zürichsee und der Walensee, die alle allerdings nicht ausschliesslich auf St. Galler Gebiet liegen. Der grösste See ausschliesslich auf St. Galler Gebiet ist daher der Stausee Gigerwaldsee.
Bekannte Flüsse sind der Rhein, die Thur, die Linth sowie die Sitter als auch die Seez.
St. Gallen hatte Ende 2006 laut kantonaler Statistik 461'810 Einwohner.
In den letzten zehn Jahren hat die Kantonsbevölkerung um 4,9 % zugenommen. Die Bevölkerung hat in dieser Zeitperiode vor allem in den Wahlkreisen See-Gaster (8,6 %), Werdenberg (8,1 %) und Rheintal (7,5 %) zugenommen, während sie in den Wahlkreisen Toggenburg (0,0 %) und St. Gallen (1,6 %) fast gleich blieb.
Von der Gesamtbevölkerung sind 27 % unter 20-jährig, 59 % 21- bis 65-jährig, 13 % 66- bis 90-jährig und 0.4 % über 90-jährig.
Amtssprache ist Deutsch. Umgangssprache ist Schweizerdeutsch.
Auf Grund der heterogenen Zusammenstellung des Kantons durch die Mediationsakte 1803 existieren im Kanton St. Gallen verschiedene Dialekte, so unter anderem der Rheintaler, der St. Galler, der Toggenburger oder der Sarganserländer Dialekt. Der Rheintaler Dialekt ist verwandt mit dem Liechtensteiner und dem Vorarlberger Dialekt. Im Gebiet am Zürichsee wird ein Zürcher Oberländer Dialekt, im Gaster eher ein Glarner Dialekt gesprochen. Der (Ober-)Toggenburger Dialekt gleicht dem Appenzellischen.
Bis nach dem Mittelalter wurde in den südlichen Gegenden des Kantons St. Gallen rätoromanisch gesprochen. Aus diesem Grunde sind viele geografische Bezeichnungen (Ortschaften, Weiler, Berge) in dieser Gegend romanischer Herkunft. Die dortigen schweizerdeutschen Dialekte haben heute noch einen romanischen Akzent (Sarganserland und Werdenberg).
Bei der Volkszählung 2000 gaben 88 % der St. Galler an, dass deren Hauptsprache Deutsch ist. Des Weiteren sprechen 2,5 % der St. Galler serbokroatisch, 2,3 % italienisch und 2,2 % albanisch. Andere Sprachen sind weit untervertreten.
Da der Kanton St. Gallen erst 1803 aus verschiedenen Territorien geschaffen worden ist, ist er konfessionell sehr heterogen. Rein katholisch sind das nördliche Fürstenland (einst Besitz des St. Galler Fürstabts), doch mit Ausnahme der traditionell reformierten Stadt St. Gallen (einst freie Reichsstadt) sowie die südlichen Teile des Kantons (einst Untertanengebiete der Innerschweiz), unter anderem das Sarganserland. Das im Westen gelegene Toggenburg ist gemischt, doch überwiegend reformiert, das im Osten gelegene Rheintal ist ebenfalls gemischt, doch vorwiegend katholisch (ausgenommen insbesondere das reformierte ehemalige zürcherische und glarnerische Untertanengebiet von Sax und Werdenberg).
52 % sind römisch-katholisch, 26 % sind evangelisch-reformiert, 6 % ohne Konfession, 6 % islamisch. Weitere 10 % gehören anderen Konfessionen an.
Öffentlich-rechtlich anerkannt sind die römisch-katholische Kirche, die reformierte Kirche, die Christkatholische Kirche sowie die jüdische Gemeinde St. Gallen.
Die gegenwärtige Kantonsverfassung datiert vom Jahre 2001.
Gesetzgebendes Organ ist der Kantonsrat, der 120 Mitglieder zählt und vom Volk auf eine feste Amtszeit von vier Jahren gewählt wird. Über Volksabstimmungen (obligatorisches Referendum bei Verfassungsänderungen, fakultatives Referendum bei Gesetzesänderungen, dazu Volksinitiative) hat auch das Volk direkten Anteil an der Gesetzgebung. Die Abstimmung über ein Gesetz können 4'000 Stimmberechtigte verlangen, um ein Gesetz vorzuschlagen bedarf es der Unterstützung durch 6'000 Stimmberechtigte, und um eine Verfassungsänderung zu beantragen, sind 8'000 Stimmberechtigte vonnöten. Eine allgemeine rechtsetzende Tätigkeit schliesslich können 4'000 Stimmberechtigte verlangen (Einheitsinitiative).
Die Regierung hat sieben gleichberechtigte Mitglieder (Regierungsräte), die vom Volk auf eine feste Amtszeit von vier Jahren gewählt werden.
Die Regierungspräsidentin für 2008/2009 ist Heidi Hanselmann. Leiter der Staatskanzlei ist Staatssekretär Georg Wanner (Stellvertretung von Martin Gehrer, bis ein Ersatz gewählt wird).
Gerichte auf kantonaler Ebene sind das Kantonsgericht, das Kassationsgericht, das Handelsgericht, das Verwaltungsgericht und das Versicherungsgericht; auf regionaler Ebene bestehen Kreis- und Arbeitsgerichte; auf kommunaler Ebene die Vermittler.
Spezialgemeinden sind die Orts- und die Schulgemeinden, die es nicht im ganzen Kanton gibt, ferner die evangelisch-reformierten und römisch-katholischen Kirchgemeinden. Die Aufgaben der früheren Bezirke (siehe unten) wurden in den letzten Jahren zunehmend auf andere Körperschaften übertragen; als Institutionen wurden die Bezirke schliesslich mit der neuen Kantonsverfassung abgeschafft.
St. Gallen entsendet - wie jeder Vollkanton - zwei Abgeordnete in den Ständerat und aufgrund seiner Einwohnerzahl 12 Vertreter in den Nationalrat.
Am Schweizerischen Volkseinkommen hat St. Gallen einen Anteil von 5,3%, seine Finanzkraft liegt damit bei etwa 80% des schweizerischen Durchschnitts. Die Steuerkraft liegt bei 1635 CHF pro Einwohner (2002). Innerhalb des Kantons ist die Steuerkraft unterschiedlich. So weist Mörschwil eine Steuerkraft von 2798 CHF auf, während diese in Stein SG bei 784 CHF liegt.
Der Kanton St. Gallen bietet 237'000 Arbeitsplätze (inkl. Teilzeit) an, das heisst pro 100 Einwohner im Schnitt 52 Arbeitsplätze.
Der neu gebildete Kanton St. Gallen trat 1803 gemeinsam mit den anderen neuen Kantonen Thurgau, Waadt, Aargau, Graubünden und Tessin als gleichberechtigtes Bundesglied der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei. Die kurzzeitig auf dem st. gallischen Territorium gebildeten helvetischen Kantone Linth und Säntis wurden aufgelöst.
Der junge Kanton gab sich 1803 und 1814 die ersten Kantonsverfassungen und konnte sich in der nachnapoleonischen Zeit gegenüber territorialen Ansprüchen des ehem. Fürstabts von St. Gallen, Pankraz Forster, einerseits und gegenüber separatistischen Kantonsteilen andererseits behaupten.
In der Verfassung von 1814 wurden aufgrund der konfessionellen Heterogenität des Kantons Angelegenheiten wie Kirchen-, Ehe- und Schulsachen nicht dem Staat, sondern den katholischen und reformierten Bevölkerungsgruppen, den sog. «Kantonsteilen» überantwortet, so dass neben dem allgemeinen gesetzgebenden Grossen Rat (heute Kantonsrat) auch ein katholischer und ein reformierter Grosser Rat eingeführt wurde (→konfessioneller Dualismus).
1831 wurde eine repräsentativ-demokratische Verfassung eingeführt, die mit dem «Volksveto» bereits erste direkt-demokratische Züge aufwies und das bisherige oligarchische Regime ablöste. 1861 übernahm der Staat nach heftigen Streitigkeiten das bisher kirchliche Schulwesen. Die starke Konfessionalisierung des Kantons prägte St. Gallen aber noch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein. 1875 wurde das «Volksveto» durch das fakultative Referendum (Einspracherecht des Volkes gegen Gesetze) ersetzt.
In der Verfassung von 1890 wurden mit der Einführung der Volksinitiative (Recht des Volkes, Gesetze vorzuschlagen), der Erleichterung das Referendums und der Volkswahl des Regierungsrates die Volksrechte modernisiert. Dieses Grundgesetz galt, mit vielen Änderungen, bis zum Erlass der bis heutige gültigen Verfassung von 2001, die in erster Linie die zahlreichen verfassungsrechtlichen Neuerungen der vergangenen hundert Jahre zusammenfasste und die Reorganisation des Kantons abschloss.
Das Wappen St. Gallens zeigt ein Rutenbündel mit Beil (auch Liktorenbündel bzw. lat. Fasces genannt). Den Ursprung dieses Bündels findet man im römischen Reich. Liktoren trugen einen Rutenbündel mit einem Beil hohen Beamten voraus. Der Bündel galt als Symbol der Gerichtsgewalt. Grün galt als die Farbe der Freiheit. Dies ist auch in den Wappen der ebenfalls 1803 gegründeten Kantonen Thurgau, Waadt und dem 1815 gegründeten Kanton Neuenburg sichtbar. Weiss diente als Farbe der Unschuld.
Die Revolutionäre in Frankreich übernahmen deren Symbole. Die Helvetische Republik übernahm neben der Trikolore auch das Rutenbündel. Im Vergleich zur Französischen Marianne wählte die Schweiz ihre Helvetia. Nachdem Napoléon Bonaparte den Kanton St. Gallen gründete, wurde der Rutenbündel übernommen und zeigt heute, unter welchen Umständen der Kanton gegründet wurde. Ursprünglich hatte das St. Galler Rutenbündel acht Stäbe für die acht ehemaligen Bezirke des Kantons, heute sind es symbolisch nur noch fünf Stäbe.
Nachdem die Bezirke aufgehoben wurden, ist der Kanton St. Gallen seit dem 1. Januar 2003 politisch in Wahlkreise aufgegliedert.

