Soest

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Geschrieben von bishop 03/04/2009 @ 18:12

Tags : soest, nordrhein-westfalen, deutschland

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Soest

Wappen der Stadt Soest

Soest ist eine westfälische Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Regierungsbezirk Arnsberg in Nordrhein-Westfalen. In der jeweils etwa 50 km östlich von Dortmund und westlich von Paderborn gelegenen Stadt in der fruchtbaren Soester Börde leben heute mehr als 48.000 Einwohner. Neben der Kernstadt mit mehr als 30.000 Einwohnern verteilt sich die übrige Bevölkerung auf die umliegenden Ortsteile.

Weil sie schon den vor 1995 geltenden Regeln widersprach, bleibt die Schreibung mit oe (sog. Dehnungs-E) nach der dringenden Empfehlung des Ständigen Ausschusses für Geographische Namen ) bestehen.

Soest grenzt (im Uhrzeigersinn von Norden) an Lippetal, Bad Sassendorf, Möhnesee, Ense, Werl und Welver.

Im Zuge der Gemeindegebietsreform von 1969 in Nordrhein-Westfalen wurde die alte Stadt Soest zum 1. Juli 1969 mit 18 ursprünglich selbstständigen Gemeinden – jetzt Ortsteile – zusammengeschlossen. Diese Ortsteile standen schon immer in enger Beziehung zur Stadt Soest; im herrschaftlichen Sinne gehörten sie wie 30 weitere Gemeinden seit dem Mittelalter bis zum Jahr 1809 zur Soester Börde. Das heißt auch, dass die ursprüngliche Mehrheitskonfession der Bewohner dieser Ortsteile wie bei der Soester Stadtbevölkerung die Evangelische war. Im landschaftlichen Sinn gehört ein Teil der Soester Ortsteile jedoch nicht zur Soester Börde, sondern zur Haar. Nicht alle Einzelortschaften in der heutigen Stadt Soest sind Ortsteile im administrativen Sinn (so z.B. nicht Ellingsen nördlich von Soest).

Die auffällige Häufung von Ortsnamen auf „-ingsen“ ist kennzeichnend für die gesamte nähere Umgebung von Soest. Es handelt sich um eine Verkürzung des ursprünglichen Namensbestandteils „-inghausen“.

Die alte Hansestadt Soest (Sosat, latinisiert: Susatum) mit weit über 1000-jähriger Geschichte zählte im Mittelalter zu den bedeutendsten Hansestädten Europas. Zum Territorium der Stadt Soest gehörte neben der 106 Hektar großen, ummauerten Stadt auch das Umland der Soester Börde mit zehn Kirchspielen.

Urkundlich erwähnt wird die Stadt zwar erstmals im Jahr 836. Gleichwohl ist eine Besiedlung des Gebietes südöstlich des Patrokli-Doms bereits für die so genannte bandkeramische Zeit – etwa 5500 bis 5000 v. Chr. – nachgewiesen worden. Bei archäologischen Grabungen im Stadtzentrum wurde ein Erdwerk der Michelsberger Kultur entdeckt. Ferner fanden Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe am östlichen Stadtrand (Soest-Gelmen) Besiedlungsspuren aus der Zeit um Christi Geburt. Archäologische Funde am Kohlbrink (heute C&A-Gelände) belegen darüber hinaus, dass hier etwa um 500 n. Chr. Menschen lebten und Salz gewannen. Bereits aus der Mitte des 20. Jahrhunderts ist ein Gräberfeld der Merowinger bekannt, dessen Siedlungszugehörigkeit aber unbekannt ist. Die Herkunft des Namens „Soest“, um die eine frühere Debatte wieder aufgeflammt ist, verweist möglicherweise auf eine uralte (vorgermanische) Siedlungstradition.

Soest gehört, wie etwa die Städte Dortmund, Unna, Werl, Erwitte, zu einer alten Siedlungskette, die einerseits durch zahlreiche Quellen nördlich von Ardeygebirge und Haarstrang, andererseits durch die alte Handelsverbindung des Hellwegs begünstigt ist. Die fruchtbare Landschaft der Soester Börde, das relativ trockene Klima sowie das reichlich vorhandene Wasser waren schon immer für eine Ansiedlung günstig. Die Solequellen in der Nachbarschaft ließen schon früh die Salzgewinnung zu einem bedeutenden mittelalterlichen Wirtschaftszweig der Stadt werden. Neben dem Salz spielte die Eisenverarbeitung, wie man seit einigen Jahrzehnten weiß, eine wichtige Rolle bei dem Aufstieg Soests zu einer der bedeutendsten Gewerbe- und vor allem Handelsstädte, deren Kontakte bis Nowgorod (Naugarden) im heutigen Russland reichten. Der Aufstieg zur Fernhandelsstadt wurde durch die günstige Lage am Kreuzungspunkt von Hellweg (Ost-West-Achse) und einer Nord-Süd-Straße unterstützt. Die Solequellen der Umgebung werden noch heute genutzt, allerdings nicht für die Salzgewinnung, sondern für den Kurbetrieb im benachbarten Bad Sassendorf und für eine Schausaline in Werl.

Dass der Name Soests (Susat) im Mittelalter weithin bekannt war, davon zeugen ausländische Überlieferungen. So berichtete 972 ein mittelalterlicher arabischer Gesandter von einem volkreichen, befestigten Ort namens Shushit, an dem Salz durch Verdampfen salzhaltigen Quellwassers hergestellt werde, und die skandinavische Thidrekssaga beschreibt, in Übereinstimmung mit einer Soester Ortssage, den Untergang der Niflungen (Nibelungen) in Soest.

Eine Besonderheit ist das alte Soester Stadtrecht, das erste im deutschen Raum nachweislich aufgezeichnete, überliefert in Form der alten und neuen Kuhhaut, sowie der alten Schrae. Vermutlich geht das Soester Stadtrecht auf über Köln vermittelte Vorbilder aus der Lombardei zurück. Es wurde von vielen Städten der Umgebung übernommen, beispielsweise von Korbach. Wichtiger aber war die Fernwirkung des Soester Stadtrechts: Die Übernahme durch das unter anderem von Soester Kaufleuten mitgegründete Lübeck brachte es mit sich, dass das Soester Stadtrecht in modifizierter Form, als lübisches Recht, weithin in den Ostseeraum ausstrahlte.

Wilhelm von Holland nahm als deutscher König Soest bereits 1252 in seinen und des Reiches besonderen Schutz und erteilte der Stadt weitreichende Handelsprivilegien.

Soest war eine der bedeutendsten Hansestädte im Mittelalter und war Prinzipalstadt im westfälischen Hanseviertel, neben Dortmund, Münster und Osnabrück. Der letzte örtliche Hansetag für die Soest zugeordneten Städte, darunter Lippstadt, Werl, Arnsberg, Attendorn, Brilon, Rüthen und Geseke, fand 1604 statt. Das letzte Mal auf einem allgemeinen Hansetag in Lübeck war Soest im Jahre 1608 vertreten. Am letzten Hansetag 1669 der bereits im Niedergang befindlichen Hanse nahm Soest nicht mehr teil.

Wie viele andere Städte im späten Mittelalter, versuchte auch Soest seine Selbstständigkeit gegenüber der Landesherrschaft, in diesem Fall dem Kölner Erzbischof über das Herzogtum Westfalen, durchzusetzen. Bereits 1225 hatten die Einwohner von Soest die erzbischöfliche neue Pfalz gewaltsam entfestigt. Um ihre Eigenständigkeit zu wahren bzw. zu erweitern, unterstellte sich die Stadt im 15. Jahrhundert dem Schutz von Johann I., Herzog von Kleve, der ein Verwandter des burgundischen Herrscherhauses war und Soest eine weitgehende Unabhängigkeit zusicherte. Der Sieg über die Belagerungstruppen des Erzbischofs in der Soester Fehde (1444–1449) war allerdings ein Pyrrhussieg. Soest war nun fast rings umher von fremdem Gebiet umgeben, und so verlor die Handelsstadt in der Folgezeit an Macht und Einfluss und wurde mehr und mehr zu einer Ackerbürgerstadt. Viele mächtige Kaufmannshäuser aus der Blütezeit der Stadt waren nun unbewohnt und verfielen. Aus ihren Steinen entstanden die vielen Grünsandsteinmauern in der Altstadt, die häufig überraschend große Gärten umschließen.

De jure war Soest nach der Soester Fehde unabhängiger als eine freie Reichsstadt; die lockere Bindung an Kleve brachte jedoch später die Eingliederung in das sich langsam nach Westen ausdehnende spätere Preußen mit sich. Nach dem Tod Johann Wilhelms, des letzten Herzogs von Kleve, im Jahre 1609 wurde Soest als Teil des klevischen Erbes den Brandenburgern zugesprochen. Die Soester Verweigerung hiergegen hatte keinen Erfolg: Mit der Kapitulation von 1616 wurde Soest erstmals „feindlich“ besetzt. Unter dem Dreißigjährigen Krieg musste die Stadt wie auch andere Städte beträchtlich leiden. Den Tiefpunkt des Niedergangs erlebte Soest hinsichtlich seiner Bevölkerung im Jahr 1756, als es nur noch ca. 3.600 Einwohner zählte. Der preußische Absolutismus und nicht zuletzt das Bestreben des preußischen Staates, den freien Zugriff auf wehrfähige Männer zu erhalten, führten zur schrittweisen Aufhebung der städtischen Privilegien: So verlor Soest 1742 das Münzrecht, und 1751 wurde die seit mehr als 490 Jahren bestehende Ratsverfassung aufgehoben (unter Hinweis auf Manipulationen bei den innerstädtischen Wahlen). In Soest stand ein preußisches Regiment zu Fuß, das seinen Ersatz aus der Grafschaft Mark erhielt.

1531 führte die Stadt, über Philipp Melanchthon vermittelt, die Reformation ein. So sind die zahlreichen, kunstgeschichtlich teilweise bedeutsamen mittelalterlichen Gotteshäuser der Altstadt wie auch der Börde alle, bis auf den St.-Patrokli-Dom als ehemalige Stiftskirche, evangelisch. Als Strafe für einen Soester Jagdfrevel auf kurkölnischem Gebiet wurde 1661 die Madonnenstatue durch den Erzbischof von Köln aus der Wiesenkirche (und damit die seit der Reformation ruhende Marienwallfahrt) nach Werl überführt. Dorthin pilgern in jedem Jahr mehrere Hunderttausend Wallfahrer und haben Werl zum drittgrößten Wallfahrtsort in Deutschland gemacht. Im Gefolge der Säkularisation zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Nonnenklöster Paradiese und Welver in der Soester Börde in den Jahren 1808 und 1809 aufgehoben, 1811 folgte das Stift St. Patrokli, 1812 das Stift St. Walburgis sowie das Dominikaner- (1812) und das Franziskanerkloster (1814).

Während der napoleonischen Zeit (1809) ging Soest auch seiner Börde, immerhin ca. 20.000 Hektar mit 48 Dörfern, verlustig.

Obwohl Soest zu Anfang des 19. Jahrhunderts mit etwa 5.000 – 8.000 Einwohnern nach Münster, Iserlohn und Minden noch zu den größten Städten Westfalens zählte (1843 hatte Soest mit 8.750 Einwohnern immer noch mehr als Dortmund mit 7.650), verpasste es im 19. Jahrhundert weitgehend den wirtschaftlichen Anschluss. Die mittelalterliche Bausubstanz verfiel zusehends; wichtige Baudenkmäler, darunter drei Kirchen, Teile des mittelalterlichen Rathauses und neun von zehn Stadttoren, wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts niedergelegt. Am wirtschaftlichen Rückstand änderte zunächst weder die Erhebung zur Kreisstadt 1817 etwas noch der Bahnanschluss 1849.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts verbesserte sich die wirtschaftliche Lage, als der Güterbahnhof mehr und mehr Arbeitsplätze schuf (in der Hochzeit ca. 2.000 Beschäftigte) und sich eine mittelständische Industrie im Bereich von Lebensmittel- (Zuckerfabrik, Soest als Mittelpunkt der fruchtbaren Börde) und Eisenverarbeitung entwickelte. Gleichwohl war Soest zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch eine beschauliche Provinzstadt, die kaum über die Stadtumwallung hinausgewachsen war und gerade wegen ihres romantischen Charakters zum Zentrum des Westfälischen Expressionismus wurde. Bedeutsam für die moderne Architektur sind drei Villen des Architekten Bruno Paul aus den 1920er Jahren. Die kleinste dieser Villen („Plange-Villa“) beherbergt heute das Kreisarchiv. In den 1930er Jahren gab es erfolglose Bestrebungen in NS-Kreisen, das mittelalterlich anmutende Soest zu einem Nationaldenkmal zu erklären.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Soest mehrfach Ziel alliierter Bombenangriffe, da es über einen der bedeutendsten Rangierbahnhöfe im damaligen Deutschen Reich verfügte (Güterverkehr vom Ruhrgebiet nach Sachsen und Schlesien). Außerdem befand sich in der Innenstadt eine kriegswichtige Akkumulatoren-Fabrik der Firma Akku Hagen. Außerhalb des keilförmigen Hauptbombenfeldes zwischen Bahnhof und Fabrik blieb der historische Stadtkern jedoch zu großen Teilen erhalten, obwohl insgesamt 60 % des Hausbestandes beschädigt und zum Teil zerstört wurden. Der Rangierbahnhof wurde zwar nach dem Zweiten Weltkrieg in kleinerer, jedoch modernerer Form wieder aufgebaut, ist aber später stillgelegt und abgerissen worden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen Fläche und Bevölkerung der Stadt in kurzer Zeit beträchtlich an, als im Südosten die seinerzeit bundesweit größte geschlossene Siedlung für vornehmlich schlesische Flüchtlinge (vor allem aus der Region von Glatz) errichtet wurde. Über mehrere Jahrzehnte war die Stadt ein wichtiger Garnisonsstandort für zunächst kanadische, dann belgische Einheiten (drittgrößter belgischer Standort in Deutschland), auch wohnten in der Stadt zahlreiche englische Soldatenfamilien aus Standorten in den umliegenden Gemeinden. Mit zwei Anschlüssen an die in den 1970er Jahren fertiggestellte BAB 44 und der Einrichtung der Hochschule (siehe unten) wurde die Grundlage dafür gelegt, dass sich Soest heute als wirtschaftlich prosperierende Stadt und beliebter Wohnort für Pendler ins östliche Ruhrgebiet darstellt.

Die historische Gliederung der Stadt bestand aus der eigentlichen Stadt mit ihren sechs sogenannten „Hofen“ und dem Umland, der „Börde“. Aus den einzelnen Gemeinden der Börde gingen mit der Gebietsreform von 1969/1974 die Gemeinden Welver und Bad Sassendorf hervor. Seit 1969 besteht die Stadt Soest aus der Kernstadt und 18 Ortsteilen, darunter auch die alten Kirchdörfer Ostönnen und Meiningsen. Ebenfalls eingemeindet wurde damals die winzige Gemeinde Paradiese, deren ehemaliges Kloster in den letzten Jahren teilweise restauriert wurde. Das Kloster Paradiese ist eng mit der Stadtgeschichte verbunden und wurde durch Grimmelshausens Simplicius Simplicissimus literarisch verewigt.

Zu den althergebrachten Spezialitäten der Soester Küche zählen Möppkenbrot und Pumpernickel. Ob der Pumpernickel aber tatsächlich in Soest erfunden wurde, ist strittig, denn um diese Ehre streiten sich mehrere Städte in Westfalen, wie beispielsweise auch Rheine. Fest steht jedoch, dass die Bäckerei Haverland im Stadtzentrum, ehemals königl. bayrischer Hoflieferant des schwarzen Brotes, auf eine mehrhundertjährige Betriebstradition (seit 1570) verweisen kann. Eine mittlerweile auch nicht mehr ganz junge Neuerung unter den Soester Spezialitäten ist das „Bullenauge“, ein Mokkalikör, der vor allem zur Allerheiligenkirmes ausgeschenkt wird. Eine weitere Soester Spezialität ist das Soester Bier, auch Zwiebelbier genannt, das seit 1993 im Brauhaus Zwiebel gebraut wird.

Die Flagge weist im ersten weißen Drittel – von der Stange an gegezählt – den senkrechten roten Schlüssel des Stadtwappens auf. Die übrigen beiden Drittel sind siebenmal weiß über rot geteilt.

Die alte Stadtmauer mit ihrem Wall ist noch zu drei Vierteln erhalten, ein Viertel wurde ab 1890 den Bahnschienen geopfert. Allerdings ist der noch erhaltene Teil nur der sogenannte innere Wall, da der äußere Teil bereits 1586 aus militärtaktischen Gründen abgerissen wurde. Als einziges von ehemals zehn Stadttoren (acht Haupttore und zwei Nebentore) ist noch das Osthofentor komplett erhalten, das heute eines der städtischen Museen beherbergt. Die mit Bäumen bepflanzten Wälle wie die vorgelagerte parkähnliche Gräfte sind vollständig begehbar und eignen sich gut für einen Spaziergang, zum Beispiel zum Kattenturm.

Die Soester Innenstadt steht zu großen Teilen unter Denkmalschutz, insgesamt über 600 Gebäude. Einige der alten Häuser an den vielen, oft von Grünsandsteinmauern eingefassten schmalen Gassen sind nur wenige Meter breit, bei vielen älteren Fachwerkhäusern liegt die Zimmerhöhe zudem deutlich unter 2 m, so dass man heute im Rahmen von Renovierungen teilweise dazu übergegangen ist, ganze Häuser jeweils anzuheben, um wenigstens im Erdgeschoss ausreichend hohe Decken zu erhalten. Eine Fachwerkstadt war Soest anscheinend nicht immer, wenn man alten Darstellungen Glauben schenken kann. Erst in der Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs, also ab dem 15. Jahrhundert, wurde der Steinbau durch den billigeren Fachwerkbau abgelöst. Das dafür benötigte Holz stand günstig zur Verfügung, da der Trierer Erzbischof und Administrator von Köln Kuno II. von Falkenstein der Stadt im späten 14. Jahrhundert weitgehende Holzgerechtsame im Arnsberger Wald verliehen hatte, die über 400 Jahre bestanden. Eine Besonderheit Soests sind die vielen Gärten in der Innenstadt. Vor allem im Mai ist ein Stadtbummel zwischen altem Fachwerk, urigem Grünsandstein und der Blütenpracht der vielen Gärten ein besonderes Erlebnis („Soester Baumblüte“).

Von den vielen unter Denkmalschutz stehenden Häusern sind unter anderem besonders bemerkenswert das „Haus zur Rose“ oder „Freiligrath-Haus“, benannt nach dem Dichter Ferdinand Freiligrath, das „Pilgrim-Haus“, ältester Gasthof Westfalens, eine ehemalige Pilgerherberge der Jakobspilger, der „Burghof“ mit dem stadtgeschichtlichen Burghofmuseum und dem Romanischen Haus sowie das doppelgieblige Fachwerkhaus „Zum wilden Mann“.

Sehenswert sind die Kirche St. Petri („Alde Kerke“) (evangelisch, erster Bau um 780 n. Chr. und damit die wohl älteste Kirchengründung Westfalens; im heutigen Stil ab 1150) und der St.-Patrokli-Dom (ein katholisches Münster, gegründet 954 n. Chr. als Kollegiatstift), die im Stadtzentrum weniger als zehn Meter auseinder stehen. Die Petrikirche war früher mit der ersten Pfalz (später so genanntes „Hohes Hospital“) verbunden, deren Mauerreste in Nachbarschaft des Turmes noch besichtigt werden können („Wittekindsmauer“). Der St.-Patrokli-Dom – „Inbegriff der Romanik in Westfalen“ – feierte vor kurzem sein 1050. Weihejubiläum und zählt somit zu den ältesten Kirchen in Deutschland. Besonders monumental wirken der Turm („Turm Westfalens“, von Experten oft als schönster romanischer Turm Deutschlands bezeichnet) und das Westwerk, in dessen oberer Etage sich das Dommuseum befindet.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind u.a. die in unmittelbarer Nähe des Doms gelegene Nikolaikapelle, die aus dem 14. Jahrhundert stammende Kirche St. Maria zur Wiese (Wiesenkirche) – eine der schönsten gotischen Hallenkirchen Deutschlands – und die so genannte „Hohnekirche“ (St. Maria zur Höhe) mit mittelalterlichen Innenausmalungen (teilweise wahrscheinlich von griechischen beziehungsweise byzantinischen Künstlern verfertigt) und einem Scheibenkreuz, wie man es sonst nur auf Gotland findet, ein Relikt der weitgespannten Handelsbeziehungen im Mittelalter. Die Dombauhütte der Wiesenkirche ist in Expertenkreisen ebenso bekannt wie die des Kölner Doms. Wie auch die anderen der insgesamt noch sieben Kirchen und zwei Kapellen (Nikolaikapelle und Brunsteinkapelle) im historischen Stadtkern, sind auch diese beiden Kirchen aus heimischem Grünsandstein, wie er in Anröchte gewonnen wird, erbaut.

Die Kirche Alt-St. Thomä fällt durch ihren „schiefen“ Turmhelm auf. Vermutlich im Zusammenhang mit der ehemals benachbarten (2.) bischöflichen Pfalz entstanden, gehört sie heute der reformierten Gemeinde. Der zumeist unzugängliche eigentliche Kirchenraum ist ein beeindruckendes Erlebnis, da die Wände unverputzt und der Boden ebenfalls kaum bedeckt ist. Im Chorbereich der Kirche findet sich, auch vom Wall aus sichtbar, eines der wahrscheinlich ältesten gotisch eingefassten Fenster in Deutschland.

Beachtenswert ist auch der sogenannte „Große Teich“, der die Besonderheit aufweist, dass er aufgrund mehrerer salzhaltiger Quellen nicht zufriert.

Glocken Soest besitzt nach Bamberg das zweitgrößte historische Geläut in Deutschland. Herausragend ist hier vor allem der Patroklidom, in dessen Turm sich 11 der 34 Glocken befinden.

Orgeln Zahlreiche alte Kirchen in Soest besitzen bedeutende Orgeln. Ein kunst- und musikhistorische Besonderheit von internationalem Rang ist die Orgel in St. Andreas zu Ostönnen, eine der ältesten bespielbaren Orgeln der Welt.

In der Stadthalle gastieren regelmäßig bekannte deutsche Tourneetheater. Darüber hinaus finden hier Konzerte, Musicals, Opern, Operetten, Kindertheater und Ballettveranstaltungen statt.

In Soest ist das größte englischsprachige Tourneetheater Europas ansässig, das White Horse Theatre, das vornehmlich pädagogische Ansätze verfolgt.

Soest ist ein Zentrum des Kraftsports. So ist der AC Soest mehrfacher Deutscher Meister im Gewichtheben und hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von bedeutenden Gewichthebern und anderen Kraftsportlern hervorgebracht. Ende der 80er Jahre war Soest Austragungsort der Weltmeisterschaft im Kraftdreikampf. Auch fand die Wrestlingliga wXw in Soest statt.

In Soest ist das Ziel des größten Silvesterlaufes Deutschlands. Der Silvesterlauf von Werl nach Soest, dessen 15 Kilometer lange Strecke über die Bundesstraße 1 führt, lockt jährlich über 8000 Läufer.

Der Verein TuS Jahn Soest hatte in den 1980er Jahren eine starke Tischtennis-Damenmannschaft. Sie spielte seit der Saison 1979/80 in der 2. Bundesliga und schaffte 1984 den Aufstieg in die 1. BL. 1990 wurde die Mannschaft Deutscher Vizemeister. Bekannte Spielerinnen waren Jin-Sook Cords, Katja Nolten, Ilka Böhning, Brigitte und Nicole Dekein, Eva Ferenczi, Olawunmi Majekodunmi.

Des Weiteren hat am nahegelegenen Flugplatz Soest-Bad Sassendorf (im Lohner Klei) die Flugsportgemeinschaft Soest e.V. ihren Sitz und übt dort die Sportarten Motorflug und Segelflug aus.

Die Soester Medienlandschaft ist weitgehend monopolisiert. Außer Tango und der Westfalenpost gehören alle Medien zur Ippen-Gruppe.

In Soest befindet sich ein Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft (Fachhochschule Südwestfalen) mit den drei Fachbereichen Agrarwirtschaft, Elektrische Energietechnik und Maschinenbau-Automatisierungstechnik (früher: Universität/Gesamthochschule Paderborn – Abteilung Soest). Bei internationalen Studiengängen besteht eine Kooperation unter anderem mit der Soester Abteilung „Westphalia“ der „Swiss German University of Jakarta“. Entstanden ist der Campus aus der Konversion, also Um- und zum Teil auch Neugestaltung eines ehemaligen Kasernengeländes der früher in Soest stationierten belgischen Streitkräfte.

Zur Bildungslandschaft gehören drei Gymnasien, das Aldegrever-Gymnasium, das Archigymnasium und das Conrad-von-Soest-Gymnasium, zwei Realschulen, die Christian-Rohlfs-Realschule und die Hansa-Realschule, weiterhin die reformorientierte Hannah-Arendt-Gesamtschule, eine Waldorfschule sowie mit dem Börde-Berufskolleg des Kreises Soest und dem Hubertus-Schwartz-Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung des Kreises Soest zwei Berufskollegs. Das Archigymnasium ist das älteste humanistische Gymnasium in Westfalen.

Im Stadtgebiet gibt es acht Grundschulen mit jeweils mindestens einer Gruppe für den offenen Ganztagsbereich. Die öffentlichen Gemeinschaftsschulen sind die Astrid-Lindgren-Grundschule, die Georg-Grundschule, die Hellweg-Grundschule, die Johannes-Grundschule, die Petri-Grundschule und die Wiese-Grundschule. Dieses Angebot wird ergänzt durch die beiden katholischen Bekenntnis-Grundschulen Bruno-Grundschule und Patrokli-Grundschule.

Weiterhin befinden sich für blinde und sehbehinderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ein Berufskolleg, das Berufsbildungswerk und die Förderschule (Grund, Haupt- und Realschule) in Soest.

Soest besitzt eine Stadtbücherei und ein überregional bedeutsames Stadtarchiv, hinzu kommt das Kreisarchiv des Kreises Soest. Wichtig unter den Soester Archiven ist auch das Islam-Archiv Deutschland, maßgeblich mitgeformt von Mohammed Salim Abdullah.

Straße Die alten Handelsstraßen, denen Soest seine frühere Bedeutung verdankt, gibt es noch heute: aus dem alten Hellweg aus der Hansezeit, den zuvor Karl der Große als Verbindung von Aachen nach Paderborn begründete, wurde die heutige B 1. Diese verläuft, aus dem Ruhrgebiet kommend, zumeist schnurgerade direkt auf die Kirchtürme Soests zu und ebenso weiter in Richtung Paderborn. Die alte Nord-Süd-Verbindung bilden heute in etwa die B 475 ins Münsterland, die seit einigen Jahren aber an Soest vorbeigeleitet wird, und die im Soester Süden beginnende B 229 ins Sauerland.

Wichtigster Verkehrsweg von und nach Soest ist die südlich an der Stadt vorbeiführende, das Ruhrgebiet im Westen und Kassel im Osten verbindende Autobahn 44 mit den Ausfahrten „Soest“ an der B 229 und „Soest-Ost“ zur B 475.

Die AG Ruhr-Lippe-Eisenbahnen (RLE) verband von 1898 bis 1953 den Norden (Hovestadt und Lippborg) sowie von 1898 bis 1964 den Westen (Ostönnen und Werl) und Südwesten des Kreises mit Soest. Die Westfälische Landes-Eisenbahn (WLE) verband von 1899 bis 1970 das obere Möhnetal über Belecke und Wamel mit der Kreisstadt. Diese Eisenbahnen sind heute Geschichte. Der nierenförmig erbaute und erhalten gebliebene Kleinbahnhof wurde 2007 in das neue Einkaufszentrum integriert.

Soest liegt im Verkehrsgebiet der Verkehrsgemeinschaft Ruhr-Lippe.

Nach Stilllegung und Abbruch des Rangierbahnhofes wurde auch die örtliche Bedienung des Eisenbahngüterverkehrs eingestellt.

Der verbliebene Bahnhof Soest wird derzeit umfassend renoviert bzw. saniert, um seiner Rolle sowohl als „Kreisbahnhof“ als auch als (touristisches) Tor zur Stadt gerecht zu werden. Neben der eigentlichen Bahnhofssanierung des Gebäudes werden im Umfeld auch rund 5 ha Gewerbeflächen geschaffen. Momentan kann man einen Teil des Tunnels nutzen, um zwischen den Bahnsteigen zu wechseln. Nach kompletter Fertigstellung der neuen Unterführung wird man auf direktem (unterirdischen) Weg die Nordseite der Stadt erreichen. Außerdem wird das Niveau des Bahnsteigs 1 angehoben. Mit den Baumaßnahmen am Gebäude wird im Mai 2009 begonnen werden - die Fertigstellung ist für Mai 2010 geplant. Neben bahnhofsnahem Einzelhandel im Erdgeschoss stehen im 1. und 2. OG Büroflächen zur Verfügung. Das Bahnhofsgebäude befindet sich im Eigentum der städtischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Soest mbH. Aktuelle Fragen zum Umbau über diese Gesellschaft oder über das Internet unter Website der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Soest mbH.

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Kreis Soest

Wappen des Kreises Soest

Der Kreis Soest ist ein Kreis in der östlichen Mitte von Nordrhein-Westfalen im Regierungsbezirk Arnsberg. Er entstand am 1. Januar 1975 aus dem damaligen Kreis Soest und dem ehemaligen Kreis Lippstadt sowie der Stadt Warstein aus dem ehemaligen Kreis Arnsberg und einzelnen Gemeinden aus anderen Kreisen.

Der Kreis Soest liegt im Übergangsgebiet der in den Eiszeiten entstandenen norddeutschen Tiefebene zum hügeligen Mittelgebirgsteil Deutschlands und enthält den südlichen Abschluss des Münsterlandes mit dem Haarstrang.

Der Kreis Soest erstreckt sich von 51° 24' bis 51° 43' nördlicher Breite (37,7 km) und von 7° 50' bis 8° 35' östlicher Länge (52,6 km).

Aufgrund der vorherrschenden Windrichtung Nordost lagerte sich hinter dem Haarstrang über Hunderttausende von Jahren feiner Flugstaub ab und bildete den fruchtbaren Lößboden der Hellwegbörden (Werl-Unnaer Börde, Soester Börde und Geseker Börde). Die Hellwegbörden gehören neben der Magdeburger Börde zum fruchtbarsten Ackerland Deutschlands.

Die Lippe durchfließt das nördliche Kreisgebiet und bildet die ungefähre Grenze zum Kreis Warendorf. Im Süden bildet das Möhnetal grob die Abgrenzung zum Hochsauerlandkreis.

Die höchste Erhebung liegt im Warsteiner Stadtwald mit 581,3 m ü. NN, der tiefste Punkt ist die Lippeniederung mit 62,0 m ü. NN.

Der Kreis Soest gliedert sich in 14 Gemeinden, von denen 7 Städte sind.

Der Kreis Soest grenzt im Norden an den Kreis Warendorf und den Kreis Gütersloh, im Osten an den Kreis Paderborn, im Süden an den Hochsauerlandkreis und im Westen an den Märkischen Kreis und den Kreis Unna sowie die kreisfreie Stadt Hamm.

Landrätin ist seit der Stichwahl am 9. September 2007 (1. Wahlgang ohne 50%-Mehrheit am 26. August 2007) Eva Irrgang von der CDU. Sie vereint in diesem Amt den Vorsitz des Kreistages und die oberste Repräsentantin des Kreises Soest sowie die Leitung der Kreisverwaltung. Ihr steht als stellvertretender Verwaltungsleiter Kreisdirektor Dirk Lönnecke zur Seite. Zur Erledigung aller Repräsentationsaufgaben stehen noch drei stellvertretende Landräte bereit.

Herkunft und Bedeutung: Das Wappen zeigt zwei alte Symbole der Bischöfe von Köln, die als Landesherren des Herzogtums Westfalen die Städte Werl, Geseke, Rüthen, Soest (bis 1444 zum Herzogtum Westfalen) und große Teile des Kreisgebietes beherrschten: In der linken Hälfte, heraldisch rechts, ist der Schlüssel des Heiligen Petrus, dem Patron von Köln, in der rechten, heraldisch linken, das schwarze Kreuz von Köln. Zugleich ist das Kreiswappen eine Fusion von Elementen der Kreiswappen der bisherigen Kreise Soest und Lippstadt, aus denen der heutige Kreis Soest 1975 hervorgegangen ist. Der Petrusschlüssel ist seit dem Jahre 1375 als Stadtwappen von Soest nachgewiesen und war zusammen mit dem kurkölnischen Kreuz auch das spätere Kreiswappen des bisherigen Kreises Soest. Für den Kreis Lippstadt, hervorgegangen aus Gebieten des Herzogtums Westfalen und der ursprünglich teilweise lippischen Stadt Lippstadt, wurde die Rose als Symbol für Lippe dem Kreuz aufgelegt.

In der Mitte eines weißen, von zwei roten Seitenstreifen im Breitenverhältnis 1 : 3 : 1 berandeten Feldes das Wappen des Kreises.

Nördlich des Haarstrangs befinden sich schwerpunktmäßig die meisten Industrieanlagen des Kreises Soest, oft prägnant und verkehrsgünstig neben der Ost-West-Verbindung der Bundesautobahn 44 (Dortmund-Kassel) gelegen.

Im einzelnen findet sich im Kreis Soest eine Mischung aus Industrie und Dienstleistung.

Der Autozubehörhändler A.T.U betreibt in Werl sein zweites Logistikzentrum neben Weiden in der Oberpfalz und beliefert von hier den gesamten nördlichen Teil Deutschlands und die Benelux-Staaten mit Autozubehör. A.T.U betreibt die größte Kette für Autozubehör mit angeschlossenen Werkstätten. Als weiterer Logistikbetrieb hat sich die Firma Europart (Nutzfahrzeug- und LKW-Teile sowie Werkstatt- und Industriebedarf) ebenfalls im Werler KonWerl-Gebiet niedergelassen. Die Standard-Metallwerke in Werl sind in der Fertigung von Rohren aus Kupfer, Messing und Aluminium tätig. Die Firma Kettler (Freizeit-Artikel, Gartenmöbel, Fahrräder, etc.) hat seinen unternehmerischen Schwerpunkt im Kreis Soest (Hauptsitz in Ense-Parsit, Entwicklung und überwiegender Teil Fertigung in Werl, Schulungsmöglichkeiten im unternehmenseigenen Hotel am Möhnesee-Nordufer bei Delecke). In Geseke und Erwitte findet man große Zementwerke. Die Kfz-Zulieferer Alcoa und Honsel unterhalten Fertigungswerke in Soest. Die Firma Actebis in Soest ist einer der großen Hersteller und Lieferanten von PCs und Zubehör in Europa. In Lippstadt ist die Firma Hella KGaA Hueck & Co., als führender Hersteller von Autobeleuchtung in Europa, Arbeitgeber für tausende Menschen in der Region. Weiterer großer Arbeitgeber in Lippstadt ist die Firma Rothe Erde (Metallverarbeitung) sowie BHTC, ein Lieferant für Klimaanlagen-Bedienteile.

Als ein wichtiger Arbeitgeber und Imageträger im Kreis Soest ist die Warsteiner Brauerei in Warstein zu nennen, die zu den größten Bierbrauereien in Deutschland zählt.

Ebenfalls in Soest ansässig ist der Produktionsbetrieb bzw. die Verwaltung des Coca-Cola-Konzessionärs „Nordwest Getränke GmbH & Co. KG“. Der Betrieb füllt in Soest mit ca. 80 Mitarbeitern Erfrischungsgetränke in 0,5- bzw. 1-Liter-PET-Mehrwegverpackungen ab. Zusammen mit den zum Unternehmen gehörenden Produktionsstandorten in Herten, Münster und Osnabrück, wird ein großer Teil des Ruhrgebiets bzw. Niedersachsens mit Produkten aus dem Produktportfolio des Coca-Cola-Konzerns versorgt.

In Wickede (Ruhr) findet man neben der Stahlverarbeitung Betriebe, die sich auf die Ausstattung von Kliniken und Krankenhäusern spezialisiert haben.

Die Firma MeisterWerke im Rüthener Ortsteil Meiste ist einer der führenden Hartbodenbelaghersteller Europas.

Auch die Freizeit der 6 Millionen Menschen im nahegelegenen Ruhrgebiet spielt für die Wirtschaft des Kreises Soest eine nicht unerhebliche Rolle. So bietet der Möhnesee mit dem umgebenden Arnsberger Wald die Funktionen eines Naherholungsgebietes.

Drei Kurbäder sind darüber hinaus überregional bekannt: Bad Sassendorf, Bad Westernkotten (zu Erwitte), Bad Waldliesborn (zu Lippstadt). Die Städte Soest, Lippstadt, Geseke und Werl werden wegen ihres historischen Stadtbildes von vielen Touristen besucht. Die Stadt Werl ist darüber hinaus der drittgrößte deutsche Wallfahrtsort.

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Marienaltar (Conrad von Soest)

Marienaltar von Conrad von Soest, heutige Mensa, Chor

Der Marienaltar von Conrad von Soest ist ein Altarretabel in der Marienkirche in Dortmund aus der Zeit um 1420. Er gilt als Meisterwerk der Spätgotik und des Höfischen Stils. Er ist der Hauptaltar der Dortmunder Kirche. Die als Triptychon ausgeführte Retabel ist das späteste bekannte Werk des Malers, das er kurz vor seinem Tode vollendete.

Im Laufe der Jahrhunderte war der Altar mehrfach bedroht und ist heute nur noch als Fragment erhalten. Er war ursprünglich als verschließbares Altarretabel gestaltet, die Tafeln der Außenseite sind heute von der Rückseite zu besichtigen. Sie sind im Gegensatz zur Innenseite stark verwittert.

Die Gemälde waren ursprünglich Teil eines gotischen Altars. Um die Tafeln in einen barocken, ca. 16 Meter hohen Altaraufbau einzufügen, welcher der Gemeinde vom Dortmunder Bürgermeister Wessel Nies gestiftet wurde, wurden sie 1720 beschnitten und teilweise mit dem Hammer bearbeitet, ein angesichts der Qualität des Kunstwerks aus heutiger Sicht unvorstellbarer Vorgang. In dem geschnitzten Barockaltar waren die Gemälde anders angeordnet. Im unteren Teil befanden sich die beiden Außentafeln, deutlich darüber in einem gewölbten Bogen die Mitteltafel. Die beiden unteren Tafeln wurden von einer Lünette überwölbt. Am unteren Rand wurden die Tafeln mit ca. 20 cm hohen Spruchbändern übermalt, die Jesus in den Mittelpunkt des Geschehens stellten und wohl die Marienverehrung relativieren sollten.

Carl Baumann hat den barocken Altar 1890 fotografisch dokumentiert, Wolfgang Rinke aufgrund der vorhandenen Dokumente die Stiftung des Bürgermeisters Nies analysiert. Nach Recherchen von Rinke wurde der barocke Hochaltar zwischen dem 29. November 1944 und dem 12. März 1945 bei einem Bombenangriff zerstört. Dabei gingen auch die Ergänzungen des 18. und 19. Jahrhunderts verloren, die man nicht ausgelagert hatte und demnach in der Zeit des Zweiten Weltkriegs nicht als eigene künstlerische Leistungen akzeptierte.

1848 wurde die Rückseite mit Zeitungspapier zugeklebt, um sie vor der endgültigen Zerstörung zu schützen. 1926 sollten anlässlich einer Restaurierung die Außentafeln abgesägt werden. Für die große „Jahrtausend-Ausstellung der Rheinlande“ in Köln hatte die Mariengemeinde den Berswordt- und den Marienaltar zur Verfügung gestellt. Der Kustos des Wallraf-Richartz-Museums, Dr. Otto H. Förster, schlug der Gemeinde daraufhin ein Geschäft vor: Das Museum wollte die komplette Restaurierung übernehmen und dafür die Außentafeln abtrennen und behalten. Erst nachdem die Tafeln schon beim Restaurator Robert Hieronymi lagen, wurde von der Gemeinde der Beschluss gefasst, die Tafeln zu behalten.

Erneute Gefahr drohte durch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges. Auf Initiative der Dortmunder Museumsdirektoren Dr. Rolf Fritz (Museum für Kunst- und Kulturgeschichte) und Dr. Leonie Reygers (Museum am Ostwall) wurden die Tafeln im Depot der deutschen Museen auf Schloss Langenau in Hessen sichergestellt.

1948 gelangte der Altar zunächst zum Schloss Cappenberg in die Räume des Museums für Kunst- und Kulturgeschichte. 1957 setzte man die Gemälde in moderne Metallrahmen und in die ursprüngliche Ordnung. Die Tafeln stehen heute in der Marienkirche über einer gotischen Mensa.

Die beiden Außentafeln sind 1,40 Meter hoch, die mittlere Tafel aufgrund der Aussägungen geringfügig niedriger. Alle Tafeln wiesen neben der Verkleinerung kleinere Schäden von früheren Übermalungen und Restaurierungen auf. Bei den Tafeln der Rückseite, der früheren Außenseite des geschlossenen Altars, ist die Malsubstanz stark geschädigt und fehlt an manchen Stellen, vor allem bei der Verkündigung, ganz. Die Tafeln zeigen ausschließlich Motive aus dem Leben Marias, eine in der Malerei der Zeit in Norddeutschland unbekannte Ausschließlichkeit des Themas.

Auf der linken Tafel vorn dominieren die Farben Gold, Blau und Rot. Dargestellt ist die Geburt Jesu. Ein geflochtener Zaun hinter Marias Bett deutet den Stall an, in dem die Geburt Jesu stattfand. Es bleibt jedoch bei dieser symbolischen Andeutung, wie etwa die Bodenfliesen des Raumes zeigen. Nach der Rekonstruktion von Rolf Fritz anhand einer Kopie des Marienaltars für St. Walpurgis in Soest befand sich allerdings auf der rechten, verlorenen Seite der Tafel die Abbildung eines Stalls mit Futterkrippe, Ochs und Esel.

Bei genauem Hinsehen entpuppt sich der flammend rote Ring hinter dem Bett als Engelwolke. Der Gesang der blauen Engel hoch über dem Bett wird durch ein Schriftband angedeutet. Bei den Engeln fällt die Ähnlichkeit der Gesichter auf. Die Schriftzüge im Heiligenschein der Mutter und des Kindes sind schwer zu entziffern (Maria: „Sancta Maria, mater Cristi vir(go)“; Jesus: „Jesus Christus“). Vor dem Goldhintergrund des Heiligenscheins tritt der innige Blickkontakt von Mutter und Kind deutlich hervor, betont durch die Gleichfarbigkeit der braunen Augen. Die Münder scheinen sich zum Kusse zu nähern. Maria hält das Jesuskind mit ihren schmalen Händen sanft im Arm, während das Kind sich sanft am Hals der Mutter abstützt. Josef ist mit weißem Haar und Bart als alter Mann dargestellt. Der Rosenkranz am Gürtel verweist auf das Mittelalter. Die feinen Punzierungen des Goldhintergrundes sind nur teilweise erhalten.

Andrea Zupancic weist in ihrem Vergleich mit der Maltechnik des Berswordt-Meisters auf den differenzierten Umgang Conrad von Soests mit Farben hin.

Der Kontrast zwischen der farblich nuancierten Gestaltung der Kleidung des Josef zu den fast reinen Farben anderer Bildpartien fällt ins Auge. Das leuchtende, fast reine Rot der Engelwolke über Marias Bett wiederholt sich in der Bettdecke. Die roten Flächen bilden einen Rahmen um Maria und das Kind und heben sie deutlich von anderen Bildelementen ab. Durch die geringe farbliche Differenzierung verschwindet die Darstellung der Engel fast wie in einem abstrakten Farbelement. Die Dreidimensionalität der Decke wird nur schwach angedeutet.

Die Tafel weist in verschiedenen Aspekten über die Spätgotik hinaus. Die Konzentration des Geschehens auf wenige Figuren vor dem flächigen Goldgrund und die nur angedeutete Landschaft zeigen Merkmale, wie man sie von den italienischen Meistern der Frührenaissance kennt.

Die mittlere Tafel hat durch die Beschneidung den größten Substanzverlust erlitten und ist auch durch frühere Übermalungen im unteren Bereich geschädigt. Nach der Rekonstruktion von Rolf Fritz ist durch den Beschnitt deutlich über die Hälfte der Tafel verloren. Wahrscheinlich zeigte sie ursprünglich alle Apostel am Sterbebett Marias.

Rolf Fritz hatte bereits darauf hingewiesen, dass das Motiv der Tafel dem Bildtyp der Dormitio folgt. Der Sage nach war Maria in der gleichnamigen Kirche südlich der Altstadt von Jerusalem auf dem Zionsberg im Kreise der Apostel verstorben. Bildliche Darstellungen dieses Ereignisses folgen einer bestimmten Typologie, die sich auch bei Conrad von Soest wiederfindet.

Im Zentrum des Bildes steht der Tod Marias. Auffällig sind ihre jugendlichen, seit der Geburtsszene unveränderten Züge. Die Figur Marias leuchtet kräftig aus einem blauen Umfeld von Engeln. Zwei Engel schließen ihr Augen und Mund und stützen ihr Kinn, ein dritter bewundert ihr Haar, das Symbol der Jungfräulichkeit. In der Hand hält die liegende Maria als Symbol des Todes eine Sterbekerze.

Hans-Walter Storck erläutert, dass der Anfang des Textes aus der „Ordo commendationis animae“, dem kirchlichen Sterbegebet stammt, das Angehörige nachweislich seit dem achten Jahrhundert beim Sterbenden sprachen.

Oben rechts im goldenen Hintergrund eröffnet sich ein Blick in den Himmel, das Motiv der geöffneten Hand zeigt, dass Maria der Weg ins Paradies offen steht. Das nur schemenhaft zu erkennende Motiv von Jesus als Weltenherrscher wird auf der früheren Außenseite des Retabels in der Darstellung der Krönung Marias detailliert ausgeführt (s. u.). Im Goldgrund schwach zu erkennen, schweben zwei Engel vom Himmel herab. Sie fallen stilistisch aus dem Kontext des Gemäldes heraus, die verschlungenen Gewänder wirken eher barock, die Köpfe der Engel könnten anderen Engelsfiguren des Gemäldes nachempfunden sein. Einige Quellen betrachten diese Engel daher als barocke Hinzufügung, andere als Reste der Punzierung des Goldhintergrundes, der früher die goldenen Bildbereiche strukturiert habe. Conrad von Soest galt auch als Meister der Goldbearbeitung.

Interessant ist in diesem Kontext eine Untersuchung Wolfgang Rinkes zum barocken Hochaltar. In diesem Altar wurden, wie oben beschrieben, die Tafeln zur Geburt Jesu und zur Anbetung der Könige im unteren Feld nebeneinandergestellt. Die beiden Tafeln wurden, wie Fotos aus dem 19. Jahrhundert dokumentieren, von einer Lünette überdacht, die wahrscheinlich eine Hinzufügung von 1721 war. Diese Lünette zeigt zwei Engelpaare, die in Stil und Ausführung den beiden Engeln der Tafel zum Tode Marias weitgehend entsprechen.

Rinke nimmt an, dass die beiden Engelpaare in der Lünette Hinzufügungen des Restaurators Friedrich Welsch und des Vergolders J. H. Stockmann aus den Jahren 1848 bis 1850 waren.

Rinke räumt allerdings in einer Fußnote ein, dass es auf dem Wildunger Retabel oben rechts eine Engelfigur gibt, „dessen Flügel mit Braunlot flüchtig hingemalt sind“. Mit Rinke muss man also die hier aufgeworfenen Fragen nach Hinzufügungen als ungeklärt ansehen.

Mit der weißen Lilie und der Schale mit Gänseblümchen vor dem Bett zitiert Conrad von Soest weitere mittelalterliche Symbole für Maria. Dazu zählen auch die in die blaue Brokatdecke eingewebten, blassblauen Einhörner.

Aus Resten der Figuren am Rand kann man auf die früher vorhandenen, weiteren Apostelfiguren schließen. So steht auf dem Rest eines Heiligenscheins unterhalb des Weihrauchfasses das Wort „minor“. Zusammen mit den Händen auf der Unterlage des Buches ist anzunehmen, dass hier die kniende Figur des jüngeren Jakobus (jakobus minor) dargestellt war.

Die rechte Tafel zeigt die Anbetung der heiligen drei Könige. Dieses Bild ist links abgeschnitten, sodass zur Symmetrie der Figuren eine Person links fehlt. Marias Thron weist eine Kirchenarchitektur auf, die verschiedene Meister der Zeit beeindruckt und zu Nachahmungen angeregt hat, etwa den Meister des Blankenberch-Altars . Das Motiv der architektonischen Gestaltung des Throns findet sich bereits beim Bielefelder Retabel des Berswordt-Meisters, eine Gestaltungsidee, die Conrad aller Wahrscheinlichkeit nach gekannt hat.

Besonders in dieser Tafel werden Einflüsse des Höfischen Stils deutlich. Die kostbaren Stoffe, der hinter dem Thron ausgespannte rote Wandteppich und die Brokatgewänder, beim ältesten König mit Hermelinfell gefüttert, weisen verschiedene Symbole Marias auf, etwa den Buchstaben „M“ im Schulterband des schwarzgewandeten Königs, die Greifen, das springende Einhörner und Granatäpfel. Die Gestaltung der Gewänder und der höfischen Szene gehen nach einigen Quellen auf Erfahrungen des jungen Conrad von Soest am Hofe von Burgund in Dijon zurück, Reisen, die allerdings nicht belegt werden können. Höfische Mode der Zeit spiegelt sich auch in den Schnabelschuhen des alten Königs, im Hifthorn des jungen Königs, das er an einem Band („Bandelier“) trägt, in Marias entfernten Augenbrauen und in den schweren Gürteln wider.

Besonders auf dieser Tafel spiegelt Maria in Aussehen, Haltung und Kleidung das höfische Frauenideal der Zeit wider. Die vornehme Blässe, die hohe Stirn, das rotblonde, volle Haar und die schmalen Hände entsprechen dem aristokratischem Schönheitsideal.

Als älteste Darstellung aufwändiger höfischer Gewänder in Westfalen gelten die Bilder des Berswordt-Meisters, etwa auf dem Berswordt-Altar. Die neuere Forschung zu den Stoffmustern machen die Fortsetzung dieser Maltradition bei Conrad von Soest deutlich.

Durch den Verlust der Lasuren kann der plastische Effekt verlorengehen. Gegenüber dem Berswordt-Meister hat Conrad von Soest die Lasuren stärker, teilweise komplementär abgesetzt. Dennoch wird besonders bei solchen Details die genaue Kenntnis der Werke und Techniken des Berswordt-Meisters bei Conrad von Soest deutlich. Gleichzeitig demonstrieren die Punzierungen auch eine Meisterschaft, die sich über die Malerei hinaus in den Bereich der Goldschmiedearbeiten erstreckt.

Die Figuren der drei Könige symbolisieren die Versöhnung der Welt durch die Geburt Jesu. Mit ihnen kommen Jugend, Reife und Alter in gemeinsamer Verehrung zusammen. Gleichzeitig repräsentieren die Könige die verschiedenen Volksstämme der über die Welt verstreuten Menschheit. Eine Verbindungslinie zwischen den Königen entsteht durch die Hände der Könige, die das Kind oder Maria berühren. Das Jesuskind wendet sich dem König im reifen Mannesalter zu, der seine linke Hand küsst. Der alte König hält den rechten Fuß des Kindes und berührt ihn mit dem Mund. Der Thron Marias ist in Form einer Burg- oder Kirchenfassade gestaltet. Das Geschlecht des unbekleideten Jesuskindes lässt Conrad von Soest aus.

Die Tafeln auf der Rückseite des Altars zeigen die Krönung Marias durch Jesus als Weltenherrscher und die Verkündigungsszene, das frühere Gesicht des Altars im geschlossenen Zustand. Die gedeckteren Farben der Alltagsansicht bilden mit Verkündigung und Krönung zugleich einen zeitlichen Rahmen für die Geschehnisse auf den Tafeln der Innenseite. Die Verbindung von Anfang und Ende wird auch durch das auffällig lange und schlanke, identische Zepter hergestellt, das in der Verkündigungsszene der Engel trägt, in der Krönungsszene der himmlische Jesus.

Die Krönungsszene zeigt Maria im Himmel, umgeben von einem Kranz von Engeln. Jesus überreicht ihr als Krönungssymbol ein Zepter und eine Perlenkrone. Maria trägt einen Mantel in der blauen Farbe des Himmels mit goldener Schließe. Jesus ist durch Krone und roten Mantel als König gekennzeichnet. Im Heiligenschein Jesu sind noch die Worte „ego sum“ zu entziffern, vielleicht zu ergänzen „resurrectio et vita“ (Ich bin die Auferstehung und das Leben).

In den Ecken des Gemäldes finden sich die Symbole der vier Evangelisten, zusätzlich gekennzeichnet durch eine Schriftrolle. Sichtbar sind noch der Löwe für Markus und der Engel für Matthäus. Die Symbole Stier und Adler wurden beim Beschnitt des Gemäldes abgesägt.

Die Verkündigungsszene zeigt Maria in einem kirchenähnlichen Raum. Der Engel trägt ein Schriftband mit der Aufschrift „Ave gratia plena dominus (tecum?)“ (Ave (Maria), voll der Gnade, der Herr (ist mit dir)). Der geneigte Kopf Marias deutet ihren Entschluss an zu gehorchen. Halblinks über Marias Kopf ist im Malgrund die segnende Figur Gottes sichtbar, von dem goldene Strahlen in Richtung Maria ausgehen. Am oberen Rande des Heiligenscheins der Maria sind Reste weißer Federn zu erkennen, vielleicht ein Rest der Taube, der auf Darstellungen dieser Szene als Symbol des heiligen Geistes auf Maria herabschwebt. Im Heiligenschein Marias ist noch das Wort „Sancta“ zu erkennen. Die Vase mit den weißen Lilien am rechten Bildrand ist ein Symbol der Reinheit Marias.

Die Faszination des Gemäldes beruht auf verschiedenen Momenten. Die leuchtenden Farben, die für die Zeit ungewöhnliche Größe der Figuren und die Harmonie der Komposition spielen dabei eine Rolle. Das Gemälde zeigt mittelalterliche Stilelemente, etwa die flächigen goldenen Hintergründe, die Größengestaltung der Figuren nach ihrer religiösen Bedeutung oder das Erzählen biblischer Geschichte. Gleichzeitig fasziniert die Entwicklung der Renaissancemalerei, die Gestaltung von Perspektive, von Gesichtern der Zeit und die Anatomie der Körper. In der starken Verwendung der besonders teuren Farben Gold, Blau und Rot kommt auch der Wunsch der Stifter nach Repräsentation zum Ausdruck.

Im 15. Jahrhundert waren die Mariendarstellungen nicht nur Kunstwerk oder sakraler Gegenstand, sondern Ausdruck und Identifikationsobjekt einer sozialen Gruppe oder Bruderschaft. In Conrad von Soests Marienaltar wird zunächst einmal das Selbstbewusstsein der Freien Reichsstadt Dortmund deutlich. Dies geschieht nicht nur über den materiellen Wert des Gemäldes, sondern auch über die aristokratisch-selbstbewusste Haltung, die es zum Ausdruck bringt. Weiterhin dienten die Gemälde als sichtbare Zeichen einer Marienbruderschaft dem Zusammenhalt und der Selbstdarstellung einer sozialen Gruppe innerhalb der Stadt. Conrad von Soest gehörte mehreren solcher Bruderschaften an.

Gleichzeitig kommt aber auch das städtische Selbstbewusstsein gegenüber dieser Aristokratie zum Ausdruck. Barbara Welzel sieht in der Anbetungsszene der Hl. Drei Könige in der Berührung Jesu einen bewussten Verstoß gegen höfische Rituale, einen Ausdruck einer besonderen Mentalität der städtischen Bürger.

Seit 1920 vermutete die Kunstwissenschaft, dass der Marienaltar ein Werk Conrad von Soests sei. Die genaue Zuschreibung zu Conrad von Soest konnte erst im Jahr 1950 erfolgen, als der Leiter des Museums für Kunst- und Kulturgeschichte in Dortmund, Dr. Rolf Fritz, eine in einem Bilddetail versteckte Signatur des Dortmunder Meisters entdeckte.

Auf dem mittleren Bild steht hinter Marias Sterbebett ein Tisch mit einem Buch, dessen Buchschließen die Seiten des Buches ein wenig öffnen. Dadurch werden vier auf dem Kopf stehende Buchstaben lesbar (con..d), die als Kürzel des Conrad von Soest zu deuten sind. Durch diese Signatur und eine verlorene, aber dokumentierte Signatur auf dem Wildunger Retabel gehört Conrad von Soest zu den ersten norddeutschen Meistern, deren Bilder sicher ihrem Schöpfer zugeordnet werden können.

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Source : Wikipedia