Sachsen

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Geschrieben von bishop 06/03/2009 @ 17:09

Tags : sachsen, deutschland

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Sachsen

Landeswappen Sachsen

Der Freistaat Sachsen (obersorbisch: Swobodny stat Sakska) ist ein Land im östlichen Teil Mitteldeutschlands. Das 1990 neu gegründete Land führt, wie schon von 1919 bis 1933 als Gliedstaat des Deutschen Reichs (Weimarer Republik), die Bezeichnung Freistaat als historisches Analogon zum Begriff Republik. Benachbarte Länder sind Brandenburg im Norden, Sachsen-Anhalt im Nordwesten, Thüringen im Westen und Bayern im Südwesten. Im Süden grenzt das Land an Tschechien und im Osten an Polen. Landeshauptstadt ist Dresden. Im Freistaat, früher auch als Obersachsen bezeichnet, werden ostmitteldeutsche Dialekte (das Meißnische und das Osterländische der Thüringisch-Obersächsischen Dialektgruppe) gesprochen.

Die geografische Gliederung als das östlichste deutsche Land kann mit einer Vielzahl von Ansätzen erfolgen. Nach topografischen Gesichtspunkten eignet sich vor allem eine Einteilung in Flachland, Hügelland und Mittelgebirge.

Zum Flachland gehören vor allem die Leipziger Tieflandsbucht südlich von Leipzig sowie die nördliche Oberlausitz. Beide sind durch jüngere Ablagerungen aus dem eiszeitlichen Pleistozän und den Flussniederungen gekennzeichnet, sowie insbesondere durch deren tertiäre Braunkohlevorkommen im Untergrund. Das Hügelland weiter südlich mit seinen weitflächigen Lößablagerungen (Lößhügelland) und der damit verbundenen hohen Bodenqualität geht auf die Endmoränenbildung zurück. Die sächsischen Mittelgebirge gliedern sich von West nach Ost durch eher unscharfe Grenzen. Im Südwesten Sachsens erstreckt sich das eigentlich bis nach Bayern reichende Vogtland mit dem Erzgebirgsbecken als Nordgrenze und dem Elstergebirge im Südosten. Nach Osten folgt die Pultscholle des Erzgebirges, welches meist in West- und Osterzgebirge (geteilt durch das Flöhatal), seltener auch zusätzlich in das Mittelerzgebirge untergliedert wird. Die Höhenlagen nehmen dabei von West nach Ost langsam ab, weshalb auch die mit 1215 Metern höchste Erhebung Sachsens, der Fichtelberg, zum West- bzw. Mittelerzgebirge gehört. Südlich der Landesgrenze fällt das Erzgebirge steil zum Egertalgraben ab. Den nördlichen Bereich des Erzgebirges entlang der Kammlagen nimmt der Naturpark Erzgebirge/Vogtland ein. Östlich des Erzgebirges durchbricht die Elbe die Mittelgebirgskette und formte durch tiefe Einschürfungen das Elbsandsteingebirge. Am nordöstlichen Rand des Elbtals bildet die Lausitzer Verwerfung die scharfe Grenze zum Lausitzer Bergland, welches schließlich im äußersten Südosten Sachsens in das weit nach Tschechien reichende Lausitzer Gebirge übergeht. Neben diesen Landschaftseinheiten gibt es zahlreiche weitere Unterscheidungen und Nuancen, welche in der Liste der Landschaften in Sachsen verzeichnet sind.

Eine weitere Gliederung Sachsens kann nach hydrologischen Gesichtspunkten erfolgen. Der wichtigste, größte und einzig schiffbare Fluss ist die Elbe. Sie durchzieht den Freistaat von Südosten nach Nordwesten. Wichtige Quellflüsse sind die Mulde, die Weißeritz, die Zschopau, die Weiße Elster und die Spree, deren allgemeine Fließrichtung Norden ist und die ebenfalls zum Fluss-System der Elbe gehören. Im Osten wird der Freistaat von der Lausitzer Neiße begrenzt, die in die Oder mündet.

Der erste „Freistaat Sachsen“ entstand 1918 nach Abdankung des Königs und Auflösung des Königreichs Sachsen. 1945 entstand das „Land Sachsen“ als Teil der sowjetisch besetzten Zone im Deutschen Reich aus dem Gebiet des vormaligen Freistaates (abzüglich eines Gebietes östlich der Neiße bei Zittau) und aus Teilen der preußischen Provinz Schlesien westlich der Neiße. Im Jahr 1952 wurde u.a. das Land Sachsen aufgelöst und in drei Bezirke der DDR aufgeteilt: Leipzig, Dresden und Chemnitz (später umbenannt in Karl-Marx-Stadt).

Das „Land Sachsen“ wurde per Verfassungsgesetz zur Bildung von Ländern in der Deutschen Demokratischen Republik (Ländereinführungsgesetz) vom 22. Juli 1990 neu gegründet. Ursprünglich sollte dieses Gesetz zum 14. Oktober 1990 in Kraft treten. Eine Neufassung des Gesetzes vom 13. September 1990 verlegte das Inkrafttreten auf den 3. Oktober 1990 (Tag der Wiedervereinigung) vor. Mit dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland wurde das Land Sachsen zum Freistaat Sachsen. Die heutige, teilweise über Volksabstimmungen festgelegte Landesgrenze ist ein Kompromiss zwischen der 1815 bis 1952 bestehenden und den Bezirksgrenzen. So kam Altenburg wieder zu Thüringen, während vom Leipziger Umland heute mehr zu Sachsen gehört als früher.

Der überwiegende Teil der sächsischen Bevölkerung ist konfessionslos. In den meisten Gemeinden ist die evangelische Religionsgemeinschaft in der Überzahl und betreibt die Ortskirche. Auch die katholische Religionsgemeinschaft ist in den meisten größeren Orten vertreten. Es gibt darüber hinaus zahlreiche Freikirchen und andere christliche Gemeinschaften, sowie eine jüdische und muslimische Minderheit.

Die CDU ist in Sachsen seit der Wiedervereinigung die mit Abstand stärkste Partei und stellt seitdem den Ministerpräsidenten. Seit dem 10. November 2004 regiert eine Koalition aus CDU und SPD. Diese ist jedoch keine Große Koalition im Sinne einer Koalition der beiden stärksten Fraktionen, entspricht aber der Großen Koalition aus CDU und SPD im Sinne der klassischen Parteienlandschaft Deutschlands.

Am 14. April 2008 kündigte Ministerpräsident Milbradt seinen Rücktritt von allen Ämtern an. Nachfolger ist seit dem 28. Mai 2008 der bisherige Finanzminister Stanislaw Tillich.

Der Sächsische Landtag besteht in der 4. Wahlperiode (2004–2009) aus 124 Abgeordneten (normal 120). Diese teilen sich wie folgt auf: CDU 55 Sitze, Die Linke 31 Sitze, SPD 13 Sitze, NPD 8 Sitze, FDP 7 Sitze, Bündnis 90/Die Grünen 6 Sitze, Fraktionslose 4 Sitze (alle waren früher Mitglied der Fraktion der NPD). Landtagspräsident ist Erich Iltgen, es gibt drei Vizepräsidenten: Regina Schulz, Andrea Dombois, Gunther Hatzsch. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion ist Steffen Flath, der Fraktion der Linken André Hahn, der SPD-Fraktion Martin Dulig, der NPD-Fraktion Holger Apfel, der FDP-Fraktion Holger Zastrow und die Fraktionsvorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Antje Hermenau.

Im Januar 2005 kam es im Landtag von Sachsen zum Skandal, als das Parlament aus Anlass des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz eine Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus abhalten wollte und die Abgeordneten der NPD daraufhin aus Protest demonstrativ den Sitzungssaal verließen.

Anschließend wurden in einer aktuellen Debatte, die von der NPD-Fraktion beantragt wurde, die Abgeordneten der demokratischen Parteien von den NPD-Rednern Holger Apfel und Jürgen Gansel massiv attackiert. Gansel prägte hier den Begriff Bomben-Holocaust, der sich auf die anglo-amerikanischen Bombenangriffe im Jahre 1945 auf die Stadt Dresden bezog.

Im Mai 2004 wurde durch Ermittler der Europäischen Union der sogenannte QMF-Skandal aufgedeckt.

Der Verfassungsgerichtshof des Freistaates Sachsen befindet sich in Leipzig. Dieses ist neben der Landesregierung und dem Landtag ein oberstes und im Sinne der Gewaltenteilung unabhängiges Staatsorgan.

Die sonstigen Gerichte in Sachsen sind dem Sächsischen Staatsministerium der Justiz nachgeordnete Behörden. Die Rechtsprechung ist dabei unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen.

Das Oberlandesgericht Dresden ist das höchste Gericht der sächsischen Ordentlichen Gerichtsbarkeit. Ihm sind sechs Landgerichte in Bautzen, Chemnitz, Dresden, Görlitz, Leipzig und Zwickau nachgeordnet.

Weiterhin gibt es in Sachsen Gerichte der Fachgerichtsbarkeit. Der Sitz des Sächsischen Oberverwaltungsgerichtes ist Bautzen. In Chemnitz befinden sich das sächsische Landessozial- und Landesarbeitsgericht. Das Sächsische Finanzgericht befindet sich in Leipzig.

Die Generalstaatsanwaltschaft hat ihren Sitz in Dresden. Dieser nachgeordnete Staatsanwaltschaften gibt es an den Standorten der Landgerichte. Der Freistaat Sachsen führt zehn Justizvollzugsanstalten. Das Landesjustizprüfungsamt beim Sächsischen Staatsministerium der Justiz ist das sächsische Prüfungsamt für die juristischen Staatsexamen.

In Sachsen befinden sich Einrichtungen der bundesstaatlichen Justiz, die dem Bundesministerium der Justiz nachgeordnet sind. In Leipzig befindet sich das Bundesverwaltungsgericht und der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofes mit einem Teil der Bundesstaatsanwaltschaft.

Sachsen ist in die drei Direktionsbezirke Chemnitz (1), Dresden (2) und Leipzig (3) untergliedert. Die Direktionsbezirke enthalten insgesamt 10 Landkreise und drei kreisfreie Städte. Die in Klammern stehende Bezifferung ist auf nebenstehender Karte ersichtlich.

Der Großteil der bis zum 31. Juli 2008 bestehenden Landkreise wurde 1994 in einer Kreisreform gebildet. Im Rahmen der Verwaltungsreform der Landesbehörden erfolgte zum 1. August 2008 erneut eine Kreisreform, welche die 22 Landkreise auf zehn und die sieben kreisfreien Städte auf drei reduzierte.

Sachsen besteht aus insgesamt 496 politisch selbständigen Städten und Gemeinden (Stand: 1. August 2008). Diese verteilen sich wie folgt: 178 Städte, darunter 3 kreisfreie Städte und 39 Große Kreisstädte, und 318 nichtstädtische Gemeinden. Die kreisangehörigen Gemeinden haben sich teilweise zur Erledigung ihrer Verwaltungsgeschäfte zu Verwaltungsgemeinschaften zusammengeschlossen: 239 Gemeinden sind in 96 Verwaltungsgemeinschaften und 34 Gemeinden in 10 Verwaltungsverbänden eingebunden.

Die größten Städte sind Leipzig und Dresden, gefolgt von Chemnitz. Wegen Bevölkerungsrückgangs verlor die viertgrößte Stadt Zwickau Ende 2003 den Großstadtstatus. Seit der Wiedervereinigung im Jahre 1990 ist die Einwohnerzahl im Freistaat Sachsen durch Abwanderung und Sterbeüberschuss aufgrund geringer Geburtenraten um 600.000 Einwohner zurückgegangen. Die Landeshauptstadt Dresden und die größte sächsische Stadt Leipzig sowie deren Vororte Radebeul bzw. Markkleeberg weisen nach großen Bevölkerungsverlusten in den ersten Jahren nach der Wende in den letzten Jahren durch leichte Geburtenüberschüsse und positiven Wanderungssaldo wieder ein Bevölkerungswachstum auf. Dabei gehört die sächsische Landeshauptstadt in den letzten Jahren sogar zu den Städten mit dem durchschnittlich höchsten Bevölkerungswachstum der Bundesrepublik.

Die durchschnittliche Kinderzahl in Sachsen lag 2007 bei 1,412 je Frau und liegt damit an erster Stelle Deutschlandweit unter den Bundesländern, die bereits Daten für 2007 veröffentlicht haben. Spitzenreiter ist der Landkreis Kamenz mit 1,592, während Hoyerswerda mit 1,232 das Schlusslicht in Sachsen bildet. Weiterhin erwähnenswert ist, das Dresden mit 1,431 den Spitzenwert der deutschen Großstädte über 500.000 Einwohner besitzt.

Die sächsische Wirtschaft hat nach der Wiedervereinigung der Territorien der ehemaligen DDR mit der Bundesrepublik Deutschland einen starken Strukturwandel erlebt. Viele der meist stark rückständigen Industriebetriebe wurden geschlossen. Braunkohletagebaue und -kraftwerke wurden stillgelegt oder durch neue ersetzt. Zahlreiche ehemalige Tagebaurestlöcher befinden sich zurzeit in der Rekultivierung.

Heute steht Sachsen vor Thüringen auf einem Spitzenplatz der ostdeutschen Wirtschaft, wenngleich das Problem der hohen Arbeitslosigkeit nicht gelöst ist. Etwa 255.000 Menschen in Sachsen sind arbeitslos (September 2008) . Die Arbeitslosenquote beträgt damit 11,9 % (September 2008).

Sachsen hat mit Wachstumsraten einzelner Industriebereiche zwischen acht und zehn Prozent die höchsten in Deutschland und kann in Teilen bei wichtigen Wohlstandsindikatoren zu den westlichen Bundesländern bereits aufschließen. So liegt das verfügbare Einkommen der Altersgruppe von 20–35 über dem Bundesdurchschnitt, jedoch wird das Gesamtergebnis von den niedrigen Einkommen der Gruppen ab 40 kompensiert. Insgesamt ist der Strukturwandel noch nicht abgeschlossen. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Sachsen einen Index von 85,9 (EU-27:100) (2004).

2007 betrug die Wirtschaftsleistung im Bundesland Sachsen gemessen am BIP rund 93 Milliarden Euro.

Vor allem die Ballungsräume Leipzig-Halle und Chemnitz-Zwickau sind Antrieb der sächsischen Wirtschaft. Das Ballungsgebiet Dresden ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt der wirtschaftlich stärkste Raum Sachsens. Dresden spielt dabei durch die Ansiedlung von AMD Saxony und Infineon sowie vieler Zulieferbetriebe eine wichtige Rolle in der Mikrotechnologie. Diese drei Räume bilden die Ecken der Metropolregion Sachsendreieck.

Außerdem gibt es in der südlichen Lausitz, dem Vogtland und dem Erzgebirge auch verdichtete ländliche Räume, die dünnbesiedelten Gebieten in Nordsachsen gegenüberstehen.

Die Autobahn 4 durchzieht Sachsen auf einer West-Ost-Achse. Die wichtigsten Streckenabschnitte entstanden schon in den 1930er Jahren. Sie wurden nach 1990 auf einen modernen Stand gebracht. Zugleich erfolgte mit dem Ausbau von Bautzen bis zur Grenzstadt Görlitz ein Lückenschluss im europäischen Autobahnnetz. Wichtige Straßenbauprojekte sind die Verbindungen der A 72 zwischen Chemnitz und Leipzig, die A 17 zwischen Dresden und Prag und die A 38 als Südumfahrung Leipzigs (ab Dreieck Halle-Süd bis Anschluss an die A 14 fertig gestellt).

Sachsen besaß in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das dichteste Eisenbahnnetz Europas. Zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert war kaum ein Ort in Sachsen mehr als 15 km von einem Bahnhof oder Haltepunkt entfernt. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Schmalspurbahnen im Tiefland um Mügeln und im Erzgebirge. Noch heute sind in Sachsen sieben Schmalspurbahnen hauptsächlich für touristische Zwecke unterwegs. Eine große Zahl von Strecken wurde allerdings stillgelegt.

Gegenwärtig werden die Strecken Leipzig–Dresden (über Riesa), Dresden–Chemnitz und Leipzig/Halle–Erfurt für den Schnellverkehr ausgebaut. Als weiteres Großprojekt gilt der Bau eines City-Tunnels in Leipzig. Dieser soll den bislang größten Kopfbahnhof Europas entlasten.

Sachsen ist, trotz des dichten Eisenbahnnetzes und der größten Bevölkerungszahl, das Land mit den wenigsten Fernbahnhöfen der Neuen Bundesländer (sechs Bahnhöfe im Vergleich zu sieben in Thüringen, acht in Brandenburg, neun in Sachsen-Anhalt und 13 in Mecklenburg-Vorpommern). Vier dieser Bahnhöfe liegen in oder bei Dresden und Leipzig. Der Ballungsraum Chemnitz-Zwickau gehört zu den Großstadtregionen mit den schlechtesten Bahnanbindungen in Deutschland.

Im Freistaat Sachsen werden hauptsächlich ostmitteldeutsche Dialekte gesprochen. Es handelt sich um das Meißnische und das Osterländische, die zur Thüringisch-Obersächsischen Dialektgruppe gehören, sowie das Lausitzische. Die ersten beiden sowie die Dialekte des angrenzenden Thüringens und im Süden Sachsen-Anhalts werden umgangssprachlich auch als „Sächsisch“ bezeichnet (siehe Obersachsen). Kennzeichen all dieser Dialekte ist die Lenisierung der stimmlosen Konsonanten, die außerhalb des mitteldeutschen Sprachgebiets als fremdartig und manchmal auch als komisch empfunden werden. So wird das Wort „Koffer“ anscheinend als „Goffer“ ausgesprochen. Allerdings bildete die Schriftsprache am kursächsischen Hof in Meißen für Martin Luther die Grundlage des Neuhochdeutschen.

In der Lausitz werden auch mehrere Dialekte des Obersorbischen sowie Übergangsdialekte zwischen dem Ober- und Niedersorbischen gesprochen. Beide sorbischen Sprachen zählen zur westslawischen Sprachgruppe, im Freistaat Sachsen sprechen schätzungsweise noch 15.000 bis 20.000 Sorben ihre Sprache.

Weiter leben in den Mittelgebirgen Südsachsens insgesamt etwa 700.000 Sprecher des Vogtländischen und des Erzgebirgischen. Beides sind eigenständige Dialekte mit Verwandtschaft zum Ostfränkischen und Nordbairischen.

Vermutlich bereits mit Herausbildung des Neuhochdeutschen bildete sich, ausgehend von den größeren Städten und begünstigt durch eine relativ hohe Bevölkerungsdichte und Dichte der Infrastruktur im mitteldeutschen Raum eine Regional- bzw. Umgangssprache heraus, die landläufig als „Sächsisch“ bezeichnet wird. Dieses Sächsisch wird in einem unscharf abgegrenzten Raum gesprochen, der auch Teile Sachsen-Anhalts, Thüringens und Brandenburgs umfasst.

Insbesondere das Erzgebirge, das Vogtland (sächsischer Teil), die Sächsische Schweiz und das Zittauer Gebirge sind als sächsische Landschaften vom Tourismus geprägt, als Städte sind v. a. Dresden und Leipzig zu nennen. Neben Erholungs- und Sportmöglichkeiten begründet sich die Tourismuswirtschaft in Sachsen in der Architektur und den kulturellen Möglichkeiten in Städten wie Dresden, Leipzig, Meißen (Porzellan) oder Görlitz, aber auch in der Bergbautradition (Silberstraße zwischen Zwickau und Dresden) und in regionalen Produkten wie der Erzgebirgischen Volkskunst oder dem Lausitzer Osterschmuck. Die Anzahl der Übernachtungen im Freistaat belief sich 2005 auf 14,9 Millionen, 2006 auf 15,9 Millionen (+6,7%).

Nicht zuletzt auf Grund vieler kultureller und historischer Sehenswürdigkeiten führt Sachsen Ende 2007 das Ranking der inländischen Kultururlaubsziele an und verweist Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen auf die Plätze.

Laut einer Ipsos-Studie vom Oktober 2007 entschieden sich seit 2004 neun Prozent der potentiellen Sachsen-Urlauber aufgrund der jüngsten Ereignisse bezüglich rechtsextremer Gewalt, fremdenfeindlicher Übergriffe und Wahlerfolge rechtsextremer Parteien gegen einen Besuch in Sachsen.

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Sachsen (Volk)

919–1125 Sachsen in Deutschland, von William R. Shepherd

Die Sachsen sind ein westgermanischer Stammesverband, der sich vermutlich im 3. Jhd. bildete. Die Stämme der Chauken, Angrivarier und Cherusker, die sich zu den Sachsen zusammenschlossen, lebten schon im 1. Jahrhundert im Nordwesten des heutigen Deutschland und im Osten der heutigen Niederlande (siehe Niedersächsisch).

In Abgrenzung zur meißnischen-osterländischen Bevölkerung im ehemaligen wettinischen Obersachsen wird auch der Begriff Niedersachsen verwandt.

Die germanischen Stämme der Sachsen waren im niederdeutschen Gebiet zwischen Zuiderzee (heute IJsselmeer), dem Raum von der Weser bis zur Elbe sowie nördlich der Elbe in Holstein (bis zur Eider) heimisch.

In den darauffolgenden Jahrhunderten eroberten sächsische Stämme weite Teile Niederdeutschlands (heute Nordwestdeutschland und östliche Niederlande) und gliederten die dort lebenden germanischen Stämme ihrem Stammesverband ein, zuletzt im 6. und 7. Jahrhundert das Hamaland (heutiges Westmünsterland), das Land der Brukterer (heutiges Münsterland und nördliches Ruhrgebiet) und die Tubanten (heutige Twente, Provinz Overijssel). Später unterschied man drei Teilstämme bzw. Stammesgruppen.

In Nord-Deutschland und in Ost-Niederlande (Groningen, Drenthe, Overijssel, Achterhoek) haben die dem Sächsischen verwandten niedersächsischen Dialekte auch weiterhin ihr bedeutendes Sprachgebiet.

Der heutige Freistaat Sachsen (historisch auch Kursachsen bzw. Obersachsen) hat mit dem historischen Volk der Sachsen im niederdeutschen Sprachraum nichts gemein, außer dem Namen aufgrund historischer Namensverschiebungen; die Vorfahren der Bewohner des heutigen Freistaates Sachsen gehör(t)en dem mittelhochdeutschen Dialektraum an. Allein die Mark Meißen, Kern des heutigen Freistaates, welche 1423 den Namen des Herzogtum Sachsens und später das Kurfürstentum verliehen bekam, wurde 965 vom sächsischen Kaiser Otto I. gegründet.

Die Herkunft der Stammesbezeichnung ist nicht endgültig geklärt. Es wird oft angenommen, dass die antiken Autoren, die den Begriff aufbrachten, den Namen von dem typischen Hiebmesser der Sachsen, dem Sax, abgeleitet haben . Dieser Zusammenhang spielt auch in der sächsischen Stammessage mehrfach eine Rolle. Eine direkte Beziehung zum Stammesnamen findet sich im Annolied aus dem späten 11. Jahrhundert: "von den mezzerin alsô wahsin, wurdin si geheizzin Sahsi". Aus einer Handschrift des endenden 8. Jahrhunderts, dem sogenannten sächsischen Taufgelöbnis sollte der Täufling einem Gott Saxnot neben den gemeingermanischen Göttern Wodan und Donar abschwören. Ob das Volk neben dem Namen Sachsen (altsächsisch sahso) auch noch andere Eigenbezeichnungen verwendet hat, ist nicht überliefert.

Das Siedlungsgebiet dieser Stämme umfasste grob die östlichen Niederlande, das heutige Westfalen, Niedersachsen mit Ausnahme des von Friesen bewohnten Landesteils, Holstein und den Norden von Sachsen-Anhalt.

Seit dem 3. Jahrhundert klagen römische Quellen über sächsische Seeräuber. Sachsen, Angeln und Jüten wanderten dann im 5. Jahrhundert in den südöstlichen Teil der britischen Hauptinsel ein (siehe auch Hengist und Horsa): das heutige England (Angelsachsen). Sie wurden dort nach einer gewaltsamen Landnahme zu den dominierenden Kulturen. So wurde im keltischen beziehungsweise irischen Sprachgebrauch der Stammesname (irisch: Sasana, schott.-gälisch: Sasainn, walisisch für die engl. Sprache: Saesneg) für England verwendet. Der heutige Name England lässt sich klar von den Angeln ableiten, während Landschaftsnamen wie Wessex („Westsachsen“), Essex („Ostsachsen“), Sussex („Südsachsen“) und Middlesex („Mittelsachsen“) auf die sächsischen Einwanderer hinweisen.

Nach Berichten aus dem 4. Jh. war das Siedlungsgebiet der Chauken deckungsgleich mit den Gebieten, wo etwa zur selben Zeit die Sachsen lokalisiert wurden. Da es keinerlei Hinweise auf kriegerische Auseinandersetzungen zwischen beiden Völkern gibt, wird vermutet, die Chauken seien damals ein Teilstamm der Sachsen gewesen bzw. dass sich beide Stämme friedlich zum größeren Stammesverbund der Sachsen vereinigt haben.

Von der Völkerwanderung kaum berührt, bewahrten die auf dem Festland verbliebenen Sachsen bis zur Unterwerfung durch Karl den Großen die alte germanische Stammesverfassung ohne König, mit der Versammlung der Freien in Marklo, dem Thing, zur Regelung aller politischen Angelegenheiten. Herzöge übernahmen nur in Kriegszeiten Führungsrollen.

In der historischen Literatur kommen immer wieder die vier Bezeichnungen sächsischer Teilstämme vor. Ob es sich dabei nicht auch um die fränkische Einteilung in Verwaltungsprovinzen handelt, ist noch nicht geklärt. Im späten Mittelalter bezeichnete der Name „Ostfalen“ nicht ein Verwaltungsgebiet, sondern ein von „Engern“ und „Westfalen“ unterschiedenes Rechtsgebiet.

Im Zuge der Sachsenkriege wurde die freie Ordnung der sächsischen Teilstämme zerstört. Nie hatten sie sich einem Fürsten oder gar König unterordnen müssen. Sie schufen über Jahrhunderte eine stabile Stammesverfassung mit jährlichen Versammlungen, den Things, bei denen alle politischen Angelegenheiten besprochen wurden. Hierfür wurden Gaufürsten oder Stammesfürsten bestimmt, die auf diesen Things zusammentrafen, um die Interessen Ihrer Stämme zu vertreten. Diese Gaufürsten hatten aber im Gegensatz zu Fürsten oder Herzögen anderer nicht sächsischer Gebiete keinen Anspruch auf das Gebiet oder Land, welches sie vertraten. Lediglich in Kriegszeiten stellten sich die Sachsen unter die Führung eines Herzogs, welcher ein angesehener Krieger war und vom Volk, genau wie die Gau- und Stammesfürsten, bestimmt bzw. gewählt wurde.

Die Bezeichnung Westfalen ist als einzige erhalten geblieben, die Bezeichnungen Engern und Ostfalen sind bei der Auflösung des Herzogtums Sachsen nach der Achtserklärung Heinrichs des Löwen 1180 verlorengegangen. Nur der Name Engern hatte im Titel des Herrschers des jüngeren Herzogtums Sachsen mit dem Titel Herzog von Sachsen, Engern und Westfalen weiterhin Bestand. Ostfalen bestand darüber hinaus nur als Name des Ostfalengaus.

Hier tauchen die alten sächsischen Stammes- oder Gaunamen wieder auf.

Die Westfalen lebten hauptsächlich zwischen dem Rheinvorland (Münsterland, mittlere Ruhr, Sauerland) und der Weser. Ihr Name hat die Bedeutung „Westmänner“ oder „Westsachsen“ und ist erstmals zur Zeit Karls des Großen bezeugt. In der letzten Zeit wurde die ethnische Zugehörigkeit der Westfalen zu den Sachsen überzeugend in Frage gestellt. Auffällig ist, dass die archäologischen Funde aus Westfalen belegen, dass die dort ansässige Bevölkerung schon im 6. Jahrhundert unter starkem fränkischen Einfluss stand, ohne jedoch dem Frankenreich zugerechnet werden zu können. Eine Zugehörigkeit zur sächsischen Ethnie kann ebenso nicht nachgewiesen werden. Wohl erst der Druck der fränkischen Eroberung hat die westfälische Bevölkerung zum Zusammengehen mit den Sachsen genötig. In der Betrachtung durch die erfolgreiche fränkische Seite wurden dann auch die eigenständigen Bevölkerungsteile Westfalens unter dem Begriff der Sachsen subsumiert.

Die Ostfalen („Ostmänner“) lebten zwischen Weser und Elbe. Dieses ursprünglich thüringische Gebiet wurde erst im 7. bis 10. Jahrhundert besiedelt.

Die Engern nahmen in Sachsen offenbar eine zentrale Stellung ein. Sie lebten an der Weser, zwischen Ost- und Westfalen. In ihrem Gebiet liegt die Stätte der jährlichen Versammlung von Marklo an der Weser. Der Name der Engern (lateinisch Angarii) scheint die verkürzte Form des Namens der Angrivarier zu sein, die demnach einen wichtigen Teilstamm der Sachsen bildeten.

Wie der Name (lateinisch albis Elbe) aussagt, lebten die Nordalbingier nördlich der Elbe. Der östliche Teil dieses Gebietes ging im 8. Jh. größtenteils an die von Osten einwandernden Slawen verloren (Ostholstein) und wurde erst im Hochmittelalter von den Holsteiner Grafen erneut unterworfen. Das sächsische Gebiet wurde nach Norden von Eider und Levensau (nördlich von Kiel), nach Osten durch die Schwentine begrenzt und stieß nur an der Kieler Förde an die Ostsee.

Mit Heinrich I. wurde 919 ein sächsischer Herzog deutscher König. Ihm folgten die ersten deutschen Kaiser Otto der Große, Otto II. und Otto III. Die Epoche der Kaiser aus dem Hause der Liudolfinger endete mit dem Tod Heinrichs II. 1024. Während dieses Jahrhunderts lag der politische und kulturelle Schwerpunkt des Reichs im Gebiet der Sachsen.

Nach der Achtserklärung Heinrichs des Löwen 1180, wegen dessen Weigerung dem Kaiser Friedrich Barbarossa Heerfolge nach Italien zu leisten, zerschlug der Kaiser das alte Herzogtum Sachsen. Westfalen wurde in kirchlichen Besitz übergeben, Heinrich dem Löwen blieben Braunschweig und Lüneburg, die Fürsten und Bischöfe wurden für reichsunmittelbar erklärt, der Name Herzogtum Sachsen haftete nur noch einem kleinen Landesteil an der Elbe an.

Am 6. Januar 1423 wurde dieser Teil dem Markgrafen von Meißen, Friedrich dem Streitbaren verliehen. Da der Herzogtitel die höhere Würde besaß, führte dieser von nun an den Titel „Herzog von Sachsen“, wodurch der heutige Freistaat Sachsen seine Bezeichnung bekam. Deren Bewohner gehören ursprünglich zum germanischen Volksstamm der Thüringer. Dieses neue Herzogtum Sachsen wurde danach lange als Obersachsen bezeichnet, das Land mit dem Volksstamm der Sachsen als Niedersachsen. Letztere Bezeichnung wurde bei der Auflösung Preußens nach dem Zweiten Weltkrieg als Name des heutigen Bundeslandes Niedersachsen wiederbelebt.

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Siebenbürger Sachsen

Wappen der Siebenbürger Sachsen

Die Siebenbürger Sachsen sind eine deutschsprachige Minderheit im heutigen Rumänien, aus dem Landesteil Siebenbürgen. Sie stellen die älteste noch existierende Siedlergruppe der deutschen Ostsiedlung dar. Ihr Gebiet hatte nie Anschluss an reichsdeutsches Territorium, sondern gehörte stets zum Königreich Ungarn bzw. zum Kaisertum Österreich. Während 1930 etwa 300.000 Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen lebten, waren es im Jahr 2007 noch knapp 15.000. Die Mehrheit der Bevölkerung wanderte seit den 1970er Jahren und in einem großen Schub ab 1990 in die Bundesrepublik Deutschland aus. Organisierte Gemeinschaften von Siebenbürger Sachsen leben in nennenswerter Anzahl auch in Österreich sowie in Übersee in Kanada und den USA.

Die Bezeichnung Sachsen geht wahrscheinlich auf ein sprachliches Missverständnis zurück. Die Siedler wurden in der lateinischen Kanzleisprache der ungarischen Könige gemeinhin als Saxones bezeichnet (auch Hospites Theotonici genannt - lateinisch: deutsche Gäste). Angeblich wurde der Begriff Sachsen von den ungarischen Chronisten am Hof des ungarischen Königs für diese Siedler zuerst angewendet. Vermutlich handelte es sich um eine Pauschalbezeichnung, bei der alle Deutschen als Sachsen bezeichnet wurden – ähnlich wie die Deutschen im Französischen als "Allemands", also Allemannen, bezeichnet werden. Mit der Zeit wurde der Name von den Kolonisten dann als Selbstbezeichnung übernommen.

Die Siebenbürger Sachsen siedelten in drei nicht zusammenhängenden Gebieten des mittelalterlichen Fürstentums Siebenbürgen: Altland, Nösnergau und Burzenland. Untergliedert wurden diese in noch kleinteiligere Verwaltungseinheiten, die bis weit ins 19. Jahrhundert hinein Bestand hatten.

Daneben gab es noch weitere inoffizielle sächsische Regionsbezeichnungen, die aber nicht zwingend mit den Verwaltungseinheiten übereinstimmten, z.B. Weinland, Repser Ländchen, Unterwald, Reener Ländchen, Krautwinkel, Harbachtal usw.

Die alten Gebietskörperschaften orientierten sich an der ethnischen und rechtlichen Zugehörigkeit der sächsischen Bewohner und bildeten zusammen den sogenannten Königsboden. Allerdings entspricht dieser nicht den heutigen Grenzen der Kreise Hunedoara, Alba, Hermannstadt, Kronstadt, Mureş und Bistritz, die alle Teile des Königbodens enthalten.

Die Bedeutung der Siebenbürger Sachsen in ihrer Region lässt sich nur aus der Geschichte heraus erschließen. Die meisten wichtigen Städte und viele Ortschaften Siebenbürgens sind Gründungen der deutschen Kolonisten. Bis heute prägen ihre Kulturgüter und historischen Bauten das Bild von Siebenbürgen. Ihre kulturelle und wirtschaftliche Dominanz reichte noch weit ins 20. Jh. hinein und endete erst mit der Machtübernahme der Kommunisten in Rumänien 1944/45.

Diese herausragende Stellung verdankten die Siedler einer Reihe von Privilegien, die sie teilweise schon in der Ansiedlungszeit und besonders nach der Vergabe des Goldenen Freibriefes und der Errichtung des sog. Königsbodens erhalten hatten. Jene sollten ursprünglich dazu dienen, die wirtschaftlichen Leistungen der Siedler zu befördern und damit möglichst hohe Steuereinnahmen für die ungarische Krone zu generieren.

Die Privilegien und Rechte wurden über die Jahrhunderte konstitutiv für die Siedlergemeinschaft und von dieser auch bis ins ausgehende 19. Jh. erfolgreich gegen staatliche Eingriffe verteidigt. Aus diesen rechtlichen Besonderheiten erwuchs ein Standes- und Nationalbewußtsein, welches zusätzlich durch eine für die Siebenbürger Sachsen über Jahrhunderte geltende De-facto-Autonomie gestützt wurde. Die Nationsuniversität als Organ der Selbstverwaltung und das Eigenlandrecht als kodifiziertes Gewohnheitsrecht der Kolonisten, waren zwei bedeutende Garanten für diese Sonderposition, aus der heraus sich erst gewisse historische und kulturelle Leistungen der Siebenbürger Sachsen einerseits und ihr Bestehen in einer oft feindlichen Umgebung über eine so lange Zeit andererseits, erklären lassen.

Die Beurteilung der Rolle der Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen war und ist immer noch abhängig von nationalen Sichtweisen. Insbesondere Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstand zwischen Ungarn, Rumänen und Siebenbürgendeutschen Streit über die Anteile der einzelnen Nationen an der Entwicklung Siebenbürgens. Damit sollten – vor allem von Seiten Ungarns und Rumäniens – auch territoriale Ansprüche historisch legitimiert werden. Dieses Unterfangen ist in der Rückschau jedoch insbesondere für die Rumänen als recht zweifelhaft zu betrachten, da mit derartigen Bemühungen eine rigide, minderheitenfeindliche Politik begründet wurde.

Auch nach der endgültigen Aufhebung von Königsboden, Nationsuniversität und Eigenlandrecht 1876, besaßen die Siebenbürger Sachsen den überwiegend größten Teil der Produktionsmittel, Industrien und Ressourcen in ihrem angestammten Gebiet. Überdies bestanden seit der Ansiedlungszeit regelmäßige Kontakte und Austausch zum deutschen Sprach- und Kulturraum. Zum Studium suchten die Siebenbürger Sachsen traditionell die Universitäten in Wien oder im mitteldeutschen Raum auf und brachten von dort beständig neue, westliche Ideen (klassische Beispiele wären Reformation und Buchdruck), Standards und Technologien mit. Damit waren sie den anderen Ethnien Siebenbürgens auch ohne ihre Sonderrechte oftmals weit überlegen.

Erst als durch den Eisernen Vorhang dieser Austausch unterblieb und das Eigentum der Siebenbürger Sachsen in großangelegten Zwangskollektivierungs- und Enteignungsmaßnahmen der Kommunisten eingezogen und die Volksgruppe durch gezielte Diskriminierung des rumänischen Staates nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entrechtet worden war, änderte sich die Situation grundlegend.

Die sogenannten Nachbarschaften waren, insbesondere auf den Dörfern, eine archaische Form der sozialen Absicherung. Dies galt allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch bedingt und eingeschränkt. Jedoch waren der Begriff der Nachbarschaft und gewisse Teile der alten Bräuche bis zur Auswanderung lebendig, wobei sich die Institution Nachbarschaft durch die Folgen von Kommunismus, Industrialisierung und das allmähliche Zerbrechen der dörflichen Strukturen innerhalb weniger Jahrzehnte weitgehend auflöste.

Die Nachbarschaften könnte man als eine Art von Bauernzünften klassifizieren, was ihren Charakter allerdings nur auf dem Lande richtig beschreibt, denn in den Städten gab es die Organisation der Nachbarschaft vormals genauso. Zu einer Nachbarschaft wurden stets eine gewisse Zahl von Höfen/Häusern zusammengefasst (z.B. die Hausnummern 100–130 o.ä.). Der Eintritt in die Nachbarschaft erfolgte mit der Heirat – für Männer und Frauen jedoch ursprünglich in der Regel getrennt nach Geschlechtern. Zugelassen waren nur die deutsch-sächsischen Einwohner einer Ortschaft.

Die Nachbarschaften hatten nach alter Überlieferung ihre eigenen Statuten und Nachbarschaftsregeln, auf deren Einhaltung peinlichst wert gelegt wurde. Vergehen (wie beispielsweise das Nichterscheinen bei einem Begräbnis) wurden bestraft und mussten mit Geldstrafen oder in Naturalien abgegolten werden. Von einer Nachbarschaft verstoßen zu werden oder sich mutwillig gegen die Regeln aufzulehnen, konnte in letzter Konsequenz für unangepasste Individuen durchaus schwerwiegende Folgen haben, denn ohne die Hilfe der Nachbarschaft waren viele schwere Arbeiten nicht möglich, ein soziales Leben außerhalb der Gemeinschaft kaum gegeben.

Dafür übernahmen die Nachbarschaften in den Dörfern viele soziale Aufgaben, jedoch auch Dinge, die man heutzutage eher kommunalen oder staatlichen Stellen zuordnen würde. So gab es Nachbarschaftsarbeiten wie den gemeinsamen Hausbau, das Roden von Wald, Holzfällen, Arbeiten an der Kirche oder sonstige Infrastrukturarbeiten. Zu den sozialen Aufgaben zählten u.a. das gemeinsame Vorbereiten und Ausführen von Beerdigungen und Hochzeiten.

Die Nachbarschaften hielten in gewissen Abständen (meist einmal im Jahr) sogenannte Richttage ab, bei denen innere Angelegenheiten geklärt, Strafen verhängt oder neue Mitglieder aufgenommen wurden. Jeder Nachbarschaft stand ein auf bestimmte Zeit gewählter Nachbarvater (für die Männer) und eine Nachbarmutter (für die Frauen) vor. Die Nachbarschaft organisierte sich selbst. Zudem regelte und erleichterte sie das Leben des Einzelnen.

Zum Besitz der Nachbarschaften zählten die Nachbarschaftsbücher (hierin wurde über die Gelder und Anschaffungen der Nachbarschaft Buch geführt), die Nachbarschaftsartikel, eine Kasse und auch bewegliche materielle Güter wie beispielsweise Geschirr und Besteck in großen Mengen (für Hochzeiten) oder eine Totenbank für Begräbnisse. Aufbewahrt wurden die Statuten sowie die Nachbarschaftskasse, welche sich aus Beiträgen, Strafgeldern und Spenden speiste, in den sog. Nachbarschaftsladen - hölzernen Truhen, oft bemalt oder mit Einlegearbeit verziert.

Außer zur Pflichterfüllung wurden die Nachbarschaften auch zur regelmäßigen Unterhaltung genutzt.

Die Sitten und Normen der Siebenbürger Sachsen waren vergleichsweise konservativ, was sich jedoch aus ihrer bewussten Abgrenzung zu den anderen Volksgruppen in Siebenbürgen verständlich macht. Nur durch strenge Regeln und das Einhalten der Bräuche waren der Zusammenhalt der Gemeinschaft und das Überleben der Volksgruppe auch in widrigen Zeiten möglich. Zu den größten Tabus gehörten bis zur großen Auswanderung Ehen mit anderen Ethnien. Dies wurde als Untergraben des Zusammenhaltes der Volksgruppe gewertet und oftmals mit einer Ausgrenzung und Stigmatisierung der betroffenen Personen und deren Kindern beantwortet.

Bis zum Beginn der 1990er Jahre lebte die Mehrheit der siebenbürgisch-sächsischen Bevölkerung auf dem Dorf. Zwar waren die urbanen Zentren wichtig, da dort die Bildungseinrichtungen und ein Großteil der Arbeitsplätze verortet waren, jedoch war die siebenbürgisch-sächsische Bevölkerung im überwiegenden Maße bis zum Schluss eine ländliche. Besonders bis zum Zweiten Weltkrieg (und teilweise auch noch lange danach) waren auf den Dörfern alte Traditionen noch wach und wurden hochgehalten. Eben diese Traditionsverbundenheit und die kulturelle Geschlossenheit dieser Gemeinschaften waren bemerkenswert und trugen in hohen Maße dazu bei, dass die Siebenbürger Sachsen sich 850 Jahre als Ethnie halten konnten.

Zu den Besonderheiten der siebenbürgisch-sächsischen Dörfer gehört ihre geplante Anlage. Die Dörfer wuchsen nicht organisch in alle Richtungen, sondern nach festgesteckten Regeln. In der Ansiedlungszeit und während der Binnenkolonisation wurden Dörfer, Städte und Marktflecken geplant. Der Hattert (siebenbürgisch-sächsisch für Gemarkung) der Gemeinde wurde abgesteckt. Der Hattert konnte bis zu 35 km² oder noch mehr betragen.

Die sächsischen Dörfer sind grundsätzlich Straßendörfer. Die Frontseite der Häuser zeigt zur Straße; es gibt nur sehr wenige Ausnahmen - vor allem im Nösnerland, bei denen die Langseite der Häuser zur Straße zeigt. Die Grundstücke grenzen direkt aneinander. Es war also nicht möglich, das Grundstück einer Hofstelle auszudehnen, denn dies wäre auf Kosten der Nachbarn gegangen. Daher hat sich in den allermeisten Dörfern die Grundstückseinteilung samt Größe und Form seit der Ansiedlungszeit unverändert erhalten. Zwischen Haus und Nachbarhaus befinden sich hohe gemauerte Tore. Es folgt also Toreinfahrt auf Haus usw. Die Straßenseiten werden von durchgehenden Häuserfronten begrenzt. Durch diese Bauform entsteht der sehr geschlossene Eindruck der sächsischen Dörfer. Die Höfe sind in der Regel in ihrer typischen langgestreckten Form drei- oder viermal so lang wie breit. Dabei ist die Anordnung der Gebäude (von der Straße ab): Wohnhaus, Schopfen (Geräteschuppen), Ställe und, quer zum Haus, parallel zum Tor die Scheune. Dahinter liegen (genauso langgestreckt) die Gärten. Die Grundstücke können 50 bis 100 Meter lang sein, dabei aber nur ein Bruchteil dieser Breite beanspruchen.

Die Grundstücke innerhalb der Ansiedlung wurden ursprünglich durch das Los verteilt. Der Hof (generell die Bebauung) eines Grundstücks gehörte nach altem sächsischen Recht der erbauenden Person bzw. deren Erben, nach alter Sitte stets das jüngste Kind, dem die Versorgung der greisen Eltern oblag. Der Grund, auf dem die Gebäude standen, gehörte jedoch weiterhin der Gemeinde. Starben die Bewohner ohne Erben oder kamen sonstwie ums Leben (in der Zeit der Türkenkriege durch Kampf oder Verschleppung) bzw. verließen sie den Ort und verfiel das Haus, so wurde die Hofstelle von der Gemeinde eingezogen und neu vergeben. Gleiches galt für Obst- und Weingärten: Wurden sie vom Besitzer nicht mehr bearbeitet und blieben wüst, so konnte sich ein anderer - nach einer gewissen Frist - dieser Liegenschaften annehmen und sie für sich reklamieren. Der ursprüngliche Besitzer, selbst wenn er wieder auftauchte, hatte nach dieser Art von Verjährung jegliches Recht an seinem alten Besitz verwirkt. Erst in späterer Zeit änderte sich die Praxis und die Hofstellen wurden zu Privatbesitz, Weingärten zu Privatgrund.

Ähnliches galt für die Flurstücke, auf denen Ackerbau betrieben wurde. Die Flurparzellen gehörten der Gemeinde (und nicht den Bauern, die sie bearbeiteten) und wurden in regelmäßigen Abständen neu unter den vorhandenen Bewohnern verlost. Das hieß, dass bei einer zunehmenden Bevölkerung der sogenannte Flurzwang galt. War nicht genug Grund für die Bewohner vorhanden, so wurden neue Gewanne (Flurstücke) aus der Gemeindeerde (dem Landbesitz der Gemeinde) ausgeschieden und zur landwirtschaftlichen Nutzung freigegeben und mit verlost. Mussten diese Gewanne erst gerodet werden, so geschah dies in Gemeinschaftsarbeit - zum Nutzen aller.

Dieses sich selbst regulierende System war sehr egalitär und flexibel - es wurde erst durch habsburgische Gesetzgebung abgeschafft.

1143 kamen im Zuge der deutschen Ostsiedlungen die ersten deutschen Siedler in die Region. Geisa II., König von Ungarn, hatte Mitte des 12. Jahrhunderts seinen Einflussbereich über ganz Siebenbürgen bis an die Karpatenkämme ausgeweitet und ließ das zunächst noch sehr dünn besiedelte Gebiet von den deutschen Siedlern urbar machen und erschließen.

Damit sich die Siedlungen schnell entwickeln und entsprechenden Steuergewinn für den Staat erwirtschaften konnten, verlieh er den Kolonisten, wie schon früher dem Hilfsvolk der Szekler, Sonderrechte. Darin wurde ihnen zunächst eine völlige Territorialautonomie zugesichert und erhebliche Steuer- und Wirtschaftsvorteile – eine frühe Art der Wirtschaftsförderung – gewährt. All dies wurde bereits 1224 im sog. Goldenen Freibrief (Andreanum) unter Andreas II. kodifiziert. Neben der freien Nutzung von Gewässern und Wäldern sowie der Zollfreiheit für die deutschen Händler waren die Siedler außerdem weder dem Adel noch der Kirche untertänig und somit freie Bürger.

Die Herkunftsgebiete der Kolonisten, lagen größtenteils im heutigen Luxemburg, Lothringen, dem Elsass und den Gebieten der damaligen Bistümer Köln, Trier und Lüttich (heute also zwischen Flandern, Wallonien, Luxemburg, Westerwald und Hunsrück bis hinein ins Westfälische). Dabei wurden sie professionell durch Lokatoren angeworben und nach bereits gesetzten Prioritäten zunächst gezielt auf geplante, zukünftige Dörfer und Städte verteilt.

Die jungen Siedlungen entwickelten sich rasch, wurden durch den Mongolensturm von 1241 in ihrer Entwicklung aber erheblich zurückgeworfen. In manchen Primärsiedlungen hatten nur 2–3 Generationen gelebt, bevor sie durch die Attacken der mongolischen Reiter schon zu Wüstungen wurden. Jedoch begann schon kurz danach der Wiederaufbau und erneut kamen Siedler aus dem Westen.

Nachdem der Landesausbau des 12. und 13. Jahrhunderts, folgte eine lange Phase der Prosperität. Die erste Zeit großer kultureller und wirtschaftlicher Blüte der Siebenbürger Sachsen ist denn auch im 14. und 15. Jahrhundert anzusiedeln. Die Bevölkerung der Sieben Stühle und der anderen Distrikte des Königsbodens wuchs schnell und stetig. In den Bergwerken der Waldkarpaten und im Rodnaer Gebirge wurden Gold, Silber und Salz gefördert; der Handel florierte und die Wirtschaft konnte sich entfalten. Die Routen der sächsischen Händler reichten von Danzig an der Ostsee über Krakau, Wien, Belgrad bis Konstantinopel und zur Krim. Bis 1395 (erster Türkeneinfall) gab es keine größeren äußeren Bedrohungen und der Aufschwung der deutschen Siedlungen führte nun auch zur Bildung echter urbaner Zentren. Hermannstadt, Kronstadt, Klausenburg, Bistritz, Schäßburg und Mühlbach wurden zu Städten, andere Orte wie Agnetheln, Broos, Birthälm, Marktschelken, Mediasch und Sächsisch-Regen zu Marktflecken. Das Handwerk war bereits breit gefächert. So sind in der ältesten noch überlieferte Zunftordnung der Sieben Stühle von 1376 schon 19 Zünfte und 25 Gewerbe vermerkt. Ab der Mitte des 15. Jahrhunderts waren die Städte des Königsbodens (allen voran Kronstadt) so finanzkräftig geworden, dass sie dem ungarischen König Geld gegen die Verpfändung von ganzen Orten liehen.

Ungeachtet der Blüte im Inneren, erwuchs seit dem Ende des 14. Jahrhunderts nun erstmals wieder eine Gefahr von außen. Nachdem die Türken 1350 Anatolien erobert und 1396 bei Nikopolis das Heer der Kreuzfahrer besiegt hatten, richtete sich ihr Auge auf das Königreich Ungarn und seine wohlhabende Ostprovinz. Der Reichtum des mittelalterlichen Siebenbürgens und seine Nähe zum Osmanischen Reich machten es ab dem 15. Jahrhundert zum Ziel dutzender Türkeneinfälle mit Brandschatzungen, Menschenraub, Mord und Verwüstung ganzer Landstriche. Um auf die wachsende Türkengefahr zu reagieren, schlossen sich 1437 Szekler, der ungarische Adel und die Sachsen zu einer Dreinationen-Union (Unio trium nationum) zusammen, um gemeinsam gegen die Türken vorzugehen. 1479 errang die Union einen großen Sieg auf dem Brodfeld bei Mühlbach im Unterwald (Siehe auch Schlacht auf dem Brodfeld).

Dennoch war die militärische Bedrohung allgegenwärtig. Die Plünderungszüge der osmanischen Reiterheere, die sich als sog. Renner und Brenner betätigten, waren wie ständige Nadelstiche. Die übliche Vorgehensweise war: kleinere berittene Scharen ohne jeden Tross drangen über Gebirgspfade schnell ins Landesinnere ein, setzten die Dörfer in Brand, raubten Vieh und Menschen und verschwanden wieder auf kürzestem Wege. An den Grenzen wurden die Gefangenen gegen hohes Lösegeld angeboten. Wer nicht freigekauft wurde kam in die Sklaverei. Gegen dieses Vorgehen bauten die Siebenbürger Sachsen die Kirchen in den Dörfern und Marktflecken zu Wehrbauten aus. Die Sakralbauten wurden mit Ringmauern und Wehrtürmen versehen und sollten so der Bevölkerung in Notsituationen Schutz und Zuflucht bieten. Teilweise wurden auch Wehranlagen von Adeligen gekauft und ausgebaut (so in Kelling). In einigen Orten entstanden auf günstig gelegenen Bergrücken auch große Bauernburgen (beispielsweise in Reps, Keisd, Michelsberg und Rosenau) oder strategisch geplante Passfestungen wie in Stolzenburg oder die Törzburg, welche die Kontrolle über wichtige Handels- bzw. Heeresstraßen sichern sollten. Die Städte wurden ebenfalls schwer befestigt und teilweise mit mehreren Verteidigungsringen versehen. Auf diese Weise entstand ein in Europa einmaliges Netz von befestigten Kirchenburgen und Städten.

Bei den großangelegten osmanischen Raubzügen allerdings waren auch diese Maßnahmen nur bedingt von Nutzen. Nur die großen Kirchenburgen und die Städte konnten einem richtigen Heer Widerstand leisten. So wurden regelmäßig zehntausende Gefangene (allein aus den Sieben Stühlen) in die Türkei verschleppt, was von der relativ kleinen Volksgruppe einen gewaltigen Blutzoll verlangte. Auf diese Weise wurden dutzende von Ortschaften zu Wüstungen (bekannte Beispiele wären Rodna bei Bistritz oder Underten und Fettendorf in Südsiebenbürgen).

Ein weiteres Vordringen der Türken konnte jedenfalls nicht verhindert werden. Im Jahr 1529 erreichten die Osmanen Wien (siehe Erste Türkenbelagerung) und verwüsteten auf ihrem Zug ganz Ungarn. Danach zerfiel das Ungarische Reich in drei Teile. Der Westteil ging an Habsburg. Das restliche Ungarn wurde 150 Jahre von den Türken beherrscht. Siebenbürgen blieb zwar ein selbstständiges Fürstentum unter osmanischer Oberhoheit, war jedoch tributpflichtig. Dessen ungeachtet, verheerten die türkischen Überfälle und Plünderungen bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts regelmäßig das Land.

Ende des 17. Jahrhunderts gelangte Siebenbürgen unter habsburgische Herrschaft und wurde Kronland.

Etwa ein Jahrhundert später, Ende des 18. Jh. erklärte Kaiser Joseph II. im Zuge seiner „Revolution von oben“ alle im Goldenen Freibrief fixierten Rechte für null und nichtig. Die ständische Verfassung der Nationsuniversität und die jahrhundertealte Autonomie des Königsbodens wurden aufgehoben. Kurz vor seinem Tod machte er die Reformen allerdings wieder rückgängig.

1848 griff die Wiener Märzrevolution auf Siebenbürgen über. Die ungarischen Aufständischen besetzten Siebenbürgen und versuchten erneut, die Autonomie der Sachsen abzuschaffen. Mit russischer Hilfe gelang es Österreich 1849, die ungarischen Revolutionäre zu schlagen und Siebenbürgen zurück zu erobern. Die alten Rechte wurden kurzzeitig wieder hergestellt.

Durch den Österreichisch-Ungarischen Ausgleich fiel Siebenbürgen 1867 Ungarn zu, worauf die Nationsuniversität, als Selbstverwaltungsorgan, endgültig aufgehoben wurde. Der ungarische Staat traf im Folgenden zahlreiche Maßnahmen zur Magyarisierung der verschiedenen Minderheiten im Staatsgebiet. Von all den deutschsprachigen Minderheiten schafften es die Siebenbürger Sachsen durch einen starken sozialen und kulturellen Zusammenhalt, sowie die unabhängige Basis ihrer Bildungseinrichtungen, das Stiftungserbe der Nationsuniversität, diesen Bestrebungen am ehesten zu widerstehen. Als Institution mit dem stärksten integrativen Vermögen stellte sich die evangelische Landeskirche der Siebenbürger Sachsen heraus, welche eng mit dem deutschen Schulwesen verbunden war. Seit 1722 galt eine Allgemeine Schulpflicht für Jungen und Mädchen. Außerdem leisteten auch diverse soziale Verbände wie Schwester-, Bruder- und Nachbarschaften sowie die solide wirtschaftliche Grundlage der Minderheit einen entscheidenden Beitrag, die Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen nach außen abzugrenzen und nach innen zu festigen.

Während sich die Siebenbürger Sachsen im Laufe der Geschichte bis zur Wende im Jahre 1989 als starke Gemeinschaft mit hohem Integrationsvermögen für die einzelnen Mitglieder verstanden, welche sich erfolgreich gegen Assimilation zur Wehr setzten konnten, wird heute äußerst kontrovers über das Selbstverständnis der noch in Siebenbürgen Verbliebenen diskutiert.

95% der sächsischen Bevölkerung haben das Land verlassen, der Rest ist überaltert (das Durchschnittsalter liegt mittlerweile bei ca. 60 Jahren) und die wenigen Jüngeren finden unter ihresgleichen keine Partner mehr. Dies ebnet der lange verhinderten Assimilation den Weg und stellt die Gemeinschaft an sich immer mehr in Frage, zumal es sich bei vielen Zugängen in die evangelischen Kirchengemeinden (die es durchaus gibt) um Rumänen oder Kinder aus Mischehen handelt.

Obwohl die Auswanderung mittlerweile vollständig verebbt ist, sterben jedes Jahr sehr viel mehr Alte als Kinder geboren werden. Ob die Ausgewanderten in nennenswerter Zahl zurückkehren werden, um der Gemeinschaft demographisch einen neuen Aufschwung zu ermöglichen, ist mehr als fraglich.

Dennoch ist nicht zu übersehen, dass die Gemeinschaft sich vom Auswanderungsschock erholt hat, wieder an Bedeutung gewinnt und ein Aufwärtstrend zu verzeichnen ist. Dies gilt allerdings fast ausschließlich für die Stadtgemeinden, die teilweise sogar durch Geburten, Zuwanderungen bzw. Eintritte in die dortigen Kirchengemeinden wachsen . In den meisten Dörfern hingegen gibt es keine Sachsen unter 60 Jahren mehr und somit auch keine Aussicht auf Reaktivierung oder Neuschaffung von Strukturen. Dort sind die Bezirkskonsistorien der evangelischen Landeskirche damit befasst, „Abwicklung“ zu betreiben. Gebäude werden verkauft oder vermietet, Kirchen umgewidmet oder baulich gesichert, nachdem man die Wertgegenstände und Altäre der aufzulösenden Gemeinden in die Archive und Lager in Hermannstadt, Mediasch, Schäßburg oder Kronstadt überführt hat.

2007 gehörten den Kirchenbezirken Mühlbach, Hermannstadt, Mediasch, Schäßburg und Kronstadt der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien noch 13.927 Gemeindeglieder in 246 Gemeinden an, wobei dies nicht die genaue Anzahl der noch in Siebenbürgen befindlichen Siebenbürger Sachsen wiedergibt. Aus der Kirche Ausgetretene sind in den Erhebungen der evangelischen Landeskirche nicht erfasst, wohl aber die Evangelischen aus der Hauptstadt Bukarest. Es wird stets nur die „Seelenzahl“ der betreffenden Gemeinde angeben, also die Anzahl der Kirchenmitglieder. Größere Gemeinden mit mehr als 200 Mitgliedern gibt es ausnahmslos in Städten (Hermannstadt 1427, Kronstadt 1089, Bukarest 972, Mediasch 855, Schäßburg 515, Zeiden 463, Heltau 366, Fogarasch 313, Bistritz 287, Sächsisch-Regen 270, Bartholomae (Ortsteil von Kronstadt) 215).

Der zurzeit in Rumänien prominenteste Siebenbürger Sachse ist Klaus Johannis, der Bürgermeister von Hermannstadt. Das DFDR hält in Siebenbürgen noch weitere Bürgermeisterposten (Heltau, Freck). Bei der Kommunalwahl 2008 wurden Klaus Johannis und auch der Kreisratsvorsitzende Martin Bottesch im Amt bestätigt. Gemeinderäte bzw. Stadträte des DFDR in Siebenbürgen gibt es außer in den erwähnten Orten auch in Kerz, Reps, Zeiden und Bodendorf. In Mediasch wurde ebenfalls ein siebenbürgisch-sächsischer Bürgermeister – und ehemaliger Kandidat des DFDR - wiedergewählt (Daniel Thellmann), der allerdings kurz vor der Wahl, samt Mannschaft zur rumänischen Demokratisch-Liberalen Partei (PDL) übergelaufen war. Im Kreis Hermannstadt werden mithin die wichtigsten politischen Posten (Kreisratsvorsitz, Bürgermeister der größten Städte) von Mitgliedern der deutschen Minderheit gestellt.

In Deutschland, Österreich, Kanada und den USA werden die Siebenbürger Sachsen durch landsmannschaftliche Verbände vertreten, die zusammen mit dem DFDR in der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen zusammengeschlossen sind. Heimatmuseen der in Deutschland wohnenden Siebenbürger Sachsen befinden sich in u.a. in Gundelsheim und Gummersbach. Vorsitzender der Föderation der Siebenbürger Sachsen ist der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V., Bernd Fabritius. Sitz der Bundes- und Föderationsgeschäftsstelle ist München.

Die Siebenbürger Sachsen sind seit der Reformation durch Honterus evangelisch. Bis heute besitzen sie einen eigenen Bischof, der die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien anführt. Dr. Christoph Michael Klein ist der bisher letzte sog. Sachsenbischof und eine der letzten großen Integrationsfiguren der geschrumpften Gemeinschaft.

Die siebenbürgische Mundart ist eine Moselfränkische Reliktmundart, die eng mit dem in Luxemburg gesprochenen "Luxemburgisch" (Letzebuergesch) und der trierischen Mundart verwandt ist. Sie war Teil eines Dialektes, der im Mittelalter in einem relativ großen Gebiet (das nicht nur Luxemburg, sondern auch das Erzbistum Köln umfasste) gesprochen, danach aber immer mehr überformt und verdrängt wurde.

Siebenbürger Sächsisch und Luxemburgisch haben sich als letzte Artekfate dieses mittelalterlichen Dialektes erhalten. Allerdings ist die siebenbürgische Mundart im Lauf der von 800 Jahren "Isolation" einem anderen Entwicklungsweg gefolgt als die anderen moselfränkischen Mundarten, so dass eine problemlose Verständigung untereinander heutzutage nur sehr schwer möglich ist. Als Grund hierfür wird u.a. angeführt, das im Laufe der Jahrhunderte, Begriffe aus der ungarischen und rumänischen Sprache ins Siebenbürgisch Sächsische übernommen wurden. Beispiele hierfür wären ardei (Paprika), dşep (Hosen-/Jackentasche), cocoş (Hahn) usw.

Kurioserweise wurden Änderungen der deutschen Hochsprache sehr wohl übernommen, der Dialekt blieb davon jedoch größtenteils unberührt, so das sich dort Begriffe und Redewendungen erhalten konnten, die im gängigen (hoch-)deutschen Sprachgebrauch schon längst nicht mehr vorkommen. So wird beispielsweise im Dialekt bei einer Beerdigung oft von einer Lech (Leiche) gesprochen, eine Wendung, die sich in altem Deutsch und Austriazismen sehr wohl noch findet (z.B. im Schimmelreiter von Theodor Storm).

Die mittelfränkische Herkunft ist jedoch immer noch herauszuhören und die Grammatik ist unverkennbar eine deutsche. In Deutschland ist die sprachliche Ähnlichkeit um Aachen und besonders an der Mosel noch relativ groß – in Luxemburg geradezu frappant. Ein Grund hierfür mag sein, dass sowohl das Luxemburgische, als auch das Siebenbürgisch-Sächsische einerseits vom hochdeutschen Einfluss stärker isoliert waren, und andererseits bis heute noch aktiv im Gebrauch sind.

Diese Sprachverwandtschaft kann auch durch die sog. althochdeutsche Lautverschiebung hergeleitet werden. Bei den Lauten die von t auf s wechselten, heißt es beispielsweise im Niederdeutschen (Niederländischen, Flämischen, (Nieder-)Sächsischen, usw.) noch 'dat' und 'water', im Oberdeutschen (Bairischen, Alemannischen) und Hochdeutschen das bzw. Wasser, während es im Moselfränkischen und Ripuarischen (Kölsch, Öcher Platt), welche die zweite Lautverschiebung nur teilweise mitgemacht haben, 'dat' und 'Wasser' heißt – wie auch im Siebenbürgisch-Sächsischen (dat wosser).

Die siebenbürgische Mundart ist allgemein sehr vokallastig und variiert zudem teilweise extrem stark. Nicht von Region zu Region, sondern sogar von Dorf zu Dorf. Dabei ist die Buntscheckigkeit der Vokalverwendung bemerkenswert. Von kleineren Missverständnissen abgesehen, ist die Verständigung der Siebenbürger Sachsen untereinander jedoch problemlos möglich.

Schrift- und Schulsprache war in Siebenbürgen seit altersher nicht die Mundart, sondern (Hoch-)Deutsch, wobei in den Schulen teilweise bis ins 19. Jhd. sächsisch gesprochen und deutsch geschrieben wurde. Die Kirchensprache war seit der Reformation Deutsch – jedoch wurde wohl auch auf Sächsisch gepredigt. Die Mundart war vor allem auf die privaten Sprachdomänen und die Kommunikation auf der Straße beschränkt. Mittelalterliche Schriftstücke aus Siebenbürgen unterscheiden sich daher weder im Sprachgebrauch noch im Vokabular von vergleichbaren Schriften in anderen Teilen des deutschen Sprachraums (siehe Siebenbürgischer Würg-Engel).

Das siebenbürgische Deutsch ist nicht dialektal durchsetzt (höchstens akzentuell gefärbt), sondern entspricht der Schriftsprache, wobei das Vokabular eher dem österreichischen Deutsch ähnelt. Die inzwischen in Deutschland lebenden Siebenbürger Sachsen, die in ihrer Kindheit und Jugend "sächsisch" gesprochen haben und es in ihren Familien ggf. immer noch tun, sind auch nach langen Jahren meist leicht an ihrer Aussprache zu erkennen (bzw. erkennen sich untereinander). Typischerweise, wird das R gerollt, ähnlich wie in Bayern und die Intonation unterscheidet sich von der, die sonst in Deutschland üblich wäre. Zudem werden einige Begriffe leicht anders verwendet (z.B. ein Schrank wird so wie in den meisten Teilen Österreichs als Kasten bezeichnet). Die Mundartnutzung geht jedoch stetig zurück, da in Deutschland oder Österreich geborene Kinder von Siebenbürger Sachsen die Mundart meist nicht mehr lernen, weil dem Hochdeutschen eine höhere Bedeutung und Reputation zugemessen wird.

Schriftdokumente in Mundartform gibt es wenige (v.a. Lyrik und Liedtexte aber auch das Siebenbürgisch-sächsische Wörterbuch und das Nordsiebenbürgisch-sächsische Wörterbuch in denen der Dialekt erfasst und beschrieben wird). Der Grad der Standardisierung war ohnehin relativ gering, die Mundart als eigene Schriftsprache wenig ausgebaut und konnte sich allgemein nicht durchsetzten. Auch durch diese Tatsachen, nimmt der Gebrauch der Mundart stetig ab und es ist zu vermuten, dass es mittelfristig zu einem Sprachtod kommen wird.

Das siebenbürgische Liedgut beinhaltet sowohl Texten in deutscher, als auch in sächsischer Sprache. So wurde zum Beispiel die Hymne Siebenbürgen Land des Segens auf Deutsch, andere, wie zum Beispiel Motterharz tea Adelstin (Mutterherz, du Edelstein), auf Sächsisch verfasst. Der Großteil des sächsischen Liedgutes spielt im 3/4-Takt. In den Texten geht es meistens um Arbeit, Dorfleben, Heimat, Naturerlebnisse oder Liebe und Treue. Sehr bekannte Beispiele wären Det Medche vun Urbichen (Das Mädchen von Urwegen), Of der Goaß, do stiht an Bunk (Auf der Gaß, da steht eine Bank), Af deser Ierd (Auf dieser Erde) oder Äm Hontertstrooch (Im Holderstrauch).

Kritische oder politische Aussagen sind auffallend gering. Bis zum Ende der zweiten Auswanderungswelle wurden diese Lieder bei den regelmäßig abgehaltenen Festen (z.B. zum Kronenfest an Peter und Paul aber auch zu Hochzeiten und Nachbarschaften) gemeinsam, meist ohne Begleitung gesungen. Beerdigungen wurden häufig von den Musikanten der örtlichen Blaskapellen, den sog. Adjuvanten, zum Friedhof begleitet.

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Source : Wikipedia