Richard Williamson

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Geschrieben von tron 05/03/2009 @ 02:11

Tags : richard williamson, katholische kirche, christentum, religion, gesellschaft

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Irritationen löste vor allem die Aufhebung der Exkommunizierung von Bischof Richard Williamson aus. Williamson verkehrt in rechtsextremen Kreisen und leugnet den Holocaust. So hat die Entscheidung, die der Einheit der Kirche dienen sollte,...

Richard Williamson

Richard Nelson Williamson (* 8. März 1940 in London) ist einer der vier Bischöfe der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. Die Aufhebung seiner Exkommunikation durch Papst Benedikt XVI. löste Kontroversen auch innerhalb der römisch-katholischen Kirche aus, da Williamson den Holocaust geleugnet hat.

Richard Williamson wurde in London als zweiter von drei Söhnen anglikanischer Eltern geboren. Nach seinem Studium an der Universität Cambridge, wo er mehrere Magisterabschlüsse – unter anderem in Englischer Literatur – erwarb, erteilte er sieben Jahre lang Unterricht in Literatur und übte diesen Beruf auch zeitweise in Ghana aus. Im Alter von 30 Jahren konvertierte Williamson zum Katholizismus.

Im Oktober 1972 trat Richard Williamson in das Internationale Priesterseminar St. Pius X. in Ecône in der Schweiz ein und wurde nach vier Jahren Studium von Erzbischof Marcel Lefebvre zum Priester geweiht. Von 1976 bis 1981 war er Professor am Seminar in Ecône und wurde 1979 zu dessen Subregens ernannt. 1983 wurde er Regens des Priesterseminars der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) in Ridgefield in den Vereinigten Staaten. Seit dem Jahr 2003 war Williamson Regens des Priesterseminars Nuestra Señora Corredentora der FSSPX in La Reja bei Moreno in Argentinien.

Laut Zeit Online vom 9. Februar 2009 wurde Williamson durch den lateinamerikanischen Distriktoberen der Piusbruderschaft, Christian Bouchacourt, als Leiter des Seminars abgesetzt. Die argentinische Regierung hat ihn am 19. Februar 2009 gebeten, das Land binnen zehn Tagen zu verlassen, andernfalls würde er ausgewiesen. Als Begründung für die Ausweisung gab der argentinische Innenminister Florencio Randazzo die Holocaust-Leugnung des britischen Bischofs an, die „die Argentinier, das jüdische Volk und die ganze Menschheit“ beleidigt habe. Weiterhin gebe es „Unregelmäßigkeiten“ in Williamsons Aufenthaltspapieren, da er die wirklichen Gründe für seinen Aufenthalt in Argentinien verschwiegen und angegeben habe, dass er für eine Nichtregierungsorganisation arbeite. Am 24. Februar 2009 verließ er Argentinien am Flughafen Buenos Aires-Ezeiza in Richtung London.

Am 30. Juni 1988 wurde er mit drei anderen Priestern durch den Gründer der Priesterbruderschaft St. Pius X., Erzbischof Marcel Lefebvre, sowie Co-Konsekrator Bischof Antônio de Castro Mayer zum Bischof geweiht. Da diese Weihen aber gegen den ausdrücklichen Willen des Papstes erfolgten, zogen sich unmittelbar durch dieses Vergehen Lefebvre, de Castro Mayer und die vier von ihnen Geweihten die Tatstrafe der Exkommunikation als Kirchenstrafe zu (excommunicatio latae sententiae), was wegen der Schwere des Vergehens im Motu proprio Ecclesia Dei von Papst Johannes Paul II. am 2. Juli 1988 nochmals bekräftigt wurde. Trotzdem ist diese Bischofsweihe sakramental aufgrund der Wahrung der apostolischen Sukzession gültig, solcherart geweihte Bischöfe betrachtet die katholische Kirche jedoch als Vagantenbischöfe. Die Priesterbruderschaft bestreitet das Eintreten der Exkommunikation mit Berufung auf einen „Kirchennotstand“, weswegen Bischof Richard Williamson innerhalb der FSSPX weiterhin Sakramente, vor allem Firmungen und Weihen, spende.

Auf Bitte des Generaloberen der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, vom 15. Dezember 2008, hob die Bischofskongregation durch Kardinalpräfekt Giovanni Battista Re die Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft, darunter Williamson, am 21. Januar 2009 auf. Dies geschah im Auftrag von Papst Benedikt XVI., der einst als Glaubenspräfekt für Papst Johannes Paul II. die Verhandlungen mit Erzbischof Marcel Lefebvre geführt hatte. Williamson ist damit jedoch nach Angaben des Kirchenrechtlers Stephan Haering nicht rehabilitiert, sondern bleibt weiterhin suspendiert. Sein kirchenrechtlicher Status als Priester und Bischof ist bis zu einer eventuellen zukünftigen Aussöhnung der Piusbruderschaft mit Rom ungeklärt.

Dieser Schritt löste in der Öffentlichkeit, aufgrund der zeitgleich bekannt gewordenen Holocaustleugnung Williamsons (in Deutschland ein Offizialdelikt), Unverständnis und Empörung aus und stieß international auf Proteste, unter anderem durch den obersten Rabbiner von Rom. Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, nannte die Entscheidung des Papstes eine Rehabilitierung, um einen Holocaustleugner „gesellschaftsfähig“ zu machen. Dies sei „unverzeihlich“ und zeige, „dass er die Versöhnung mit den Juden, die seine Vorgänger vorangebracht haben, in Frage stellt“. Der israelische Minister für Religionsangelegenheiten, Jizchak Cohen, drohte dem Vatikan mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

Die Neue Zürcher Zeitung berichtet unter Berufung auf katholische Theologen, dass die Leugnung des Holocausts nach dem katholischen Kirchenrecht kein Grund für eine Exkommunikation sei. Die Strafe der Exkommunikation tritt nur bei schweren Vergehen gegen Kanonisches Recht ein, nicht bei Vergehen gegen weltliches Recht. Der für die Belange der Piusbruderschaft zuständige Kurienkardinal Darío Castrillón Hoyos erklärte, dass der Vatikan bei Aufhebung der Exkommunikation „absolut nichts“ von der Holocaustleugnung Williamsons gewusst habe und vor Bekanntwerden des Interviews das entsprechende Dekret bereits der Piusbruderschaft ausgehändigt worden sei.

Ein Gottesdienstbesucher erstattete daraufhin Strafanzeige; zur Eröffnung eines Strafverfahrens kam es jedoch nicht, da sich Williamson nach dem Vorfall längere Zeit von der kanadischen Provinz Québec fern hielt. Nach einem Bericht in der Toronto Star schrieb der Präsident der kanadischen Bischofskonferenz, Erzbischof von Halifax James Hayes ein Telegramm an den Canadian Jewish Congress, in dem er die Äußerungen Williamsons verurteilte und erklärte, der Bischof sei als Mitglied der Priesterbruderschaft St. Pius X. bereits exkommuniziert.

In einem Interview, das am Abend des 21. Januar 2009 im schwedischen Fernsehen in der Sendung Uppdrag granskning („Auftrag Nachforschung“) ausgestrahlt worden ist und bereits am 1. November 2008 im Priesterseminar der FSSPX in Zaitzkofen bei Regensburg geführt wurde, leugnete Williamson unter Berufung auf den pseudowissenschaftlichen Leuchter-Report die Existenz von Gaskammern und behauptete, im Zweiten Weltkrieg sei kein einziger Jude vergast worden. Es seien 200.000 bis 300.000 Juden in Konzentrationslagern umgekommen.

Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet, da dieses Interview in ihrem Zuständigkeitsbereich aufgenommen wurde. Williamson war bereits zuvor mehrfach durch antisemitische Äußerungen aufgefallen. So behauptete er bereits 2000, die antisemitische Hetzschrift Protokolle der Weisen von Zion sei eine authentische Informationsquelle.

Der deutsche Distriktobere der Piusbruderschaft Pater Franz Schmidberger erklärte, dass „diese nicht die Haltung der Priesterbruderschaft St. Pius X. widerspiegeln.“ In einer Stellungnahme bat der Generalobere der FSSPX, Bernard Fellay den „Papst und alle Menschen guten Willens“ um Entschuldigung für den durch die Äußerungen hervorgerufenen Ärger. Außerdem erklärte Fellay, Williamson bis auf weiteres Stellungnahmen zu politischen oder historischen Themen verboten zu haben.

Für alle Einrichtungen des Bistums Regensburg erteilte Bischof Gerhard Ludwig Müller Williamson ein Hausverbot. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch verlangte eine Entschuldigung Williamsons und nannte es „unglücklich“, dass der Papst diese Äußerungen bei seiner Entscheidung zur Aufhebung der Exkommunikation nicht mit in Betracht gezogen habe. Die FAZ kommentierte, der Papst und seine Berater hätten wissen müssen, dass die Piusbruderschaft in Frankreich von Anfang an mit der extremen Rechten sympathisiert hat. Georg Kardinal Sterzinsky brachte seine Bestürzung über die Entscheidung des Papstes zum Ausdruck und forderte eine Überprüfung des Vorgangs.

Am 4. Februar 2009 hat der Vatikan Williamson zum Widerruf seiner Äußerungen aufgerufen. Um zu bischöflichen Funktionen in der Kirche zugelassen zu werden, „müsse er sich auf unzweideutige und öffentliche Weise von seinen Stellungnahmen zur Shoah distanzieren“.

Williamson war zunächst nicht bereit, seine Äußerungen zum Holocaust zurückzunehmen; er werde „zunächst die historischen Beweise prüfen“, was aber Zeit brauche, erklärte er. Am 26. Februar 2009 erklärte er Berichten zu Folge, er bedauere die getätigten Äußerungen, die er nicht getan hätte, wenn er um den „ganzen Schaden und den Schmerz“ gewusst hätte, die sie für die „Kirche, aber ebenso die Überlebenden und die Verwandten der Opfer der Ungerechtigkeit unter dem Dritten Reich“, und bitte „alle, die sich aufgrund meiner Worte aufrichtig entrüstet haben, vor Gott um Vergebung“.Es habe sich dabei um die Meinung eines „Nicht-Historikers“ gehandelt, die er sich „vor 20 Jahren auf Grundlage der damals verfügbaren Beweise“ gebildet habe. Welche Auffassung Williamson selbst nun zum Holocaust hat, bleibt offen, ausdrücklich widerrufen hat er die Holocaustleugnung nicht. Der Vatikan wies die Erklärung Williamsons als unzureichend zurück. Der Brief Williamsons erfülle „nicht die Bedingungen, die das vatikanische Staatssekretariat gestellt hat“, erklärte der Pressesprecher des Vatikans, Pater Federico Lombardi. Kurienkardinal Walter Kasper nannte die Entschuldigung "billig" und verlangte den Widerruf der Holocaust-Leugnung. Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hält nach einem Bericht der Welt die Erklärung Williamsons für ungenügend. Die Entschuldigung sei „in keiner Weise befriedigend“, sagte ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer dem Berliner „Tagesspiegel“. In dem Bericht sagte Meyer ferner, von Williamson abgesehen bleibe der Kern des Problems bestehen: die antijudaistischen Tendenzen in der Piusbuderschaft, die solchen Äußerungen Vorschub leisteten. Ähnlich äußerte sich der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer. Er forderte Williamson auf, die Holocaustleugnung unmissverständlich zu widerrufen und wies darauf hin, dass Williamson mit seinem Antijudaismus nicht allein sei, die gesamte Piusbruderschaft vertrete eine antijudaistische Haltung. Die Piusbruderschaft ist immer wieder durch eine Nähe zu rechtsextremen Kreisen aufgefallen.

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Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. (2007)

Benedikt XVI. (* 16. April 1927 in Marktl; lateinisch Benedictus PP. XVI; bürgerlich Joseph Alois Ratzinger) ist als Papst Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und des Staats Vatikanstadt.

Vor seinem Pontifikat war er zuletzt Dekan des Kardinalskollegiums und Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre. Er galt als einer der einflussreichsten Kardinäle und als theologische und kirchenpolitische rechte Hand des früheren Papstes Johannes Paul II. Im Konklave am 19. April 2005 wurde er von 115 teilnehmenden Kardinälen im vierten Wahlgang (nach einer unerwartet kurzen Konklavendauer von nur 26 Stunden) zum Nachfolger von Johannes Paul II. gewählt.

Joseph Ratzinger wurde am Karsamstag des Jahres 1927 als Sohn des Gendarmeriemeisters Joseph (* 6. März 1877; † 25. August 1959) und der Köchin Maria, geb. Peintner (* 7. Januar 1884; † 16. Dezember 1963), nach den Angaben im Taufbuch um 4:15 Uhr geboren und am selben Tag durch die Taufe in die römisch-katholische Kirche aufgenommen. Die unmittelbare Verbindung von Geburt und Taufe mit dem Triduum Sacrum hat er stets als eine besondere Verbindung seines Lebensweges mit dem Ostergeheimnis verstanden und betont. Er hat zwei Geschwister, Maria Ratzinger (* 7. Dezember 1921; † 2. November 1991) und Georg Ratzinger (* 15. Januar 1924). Das Umfeld, in dem Ratzinger aufwuchs, war tief religiös geprägt, Joseph Ratzinger war in seiner Kindheit auch Messdiener. Sein Großonkel war der Priester und Reichstagsabgeordnete Georg Ratzinger (1844–1899).

Zwei Jahre nach seiner Geburt am 11. Juli 1929 zog die Familie nach Tittmoning an der Salzach, am 5. Dezember 1932 nach Aschau am Inn, wo Joseph seine Grundschulzeit verbrachte. In den 1930er Jahren, nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, kaufte der Vater ein kleines Bauernhaus in Hufschlag bei Traunstein. Hier, so Ratzinger in seinen Erinnerungen, sei die „eigentliche Heimat“ der Familie gewesen, da sich der Vater, der als Gendarm sein ganzes Leben beruflich flexibel sein musste, nach der Pensionierung dort niedergelassen habe. Trotz der finanziellen Belastung schickten ihn die Eltern auf das erzbischöfliche Studienseminar St. Michael in Traunstein, wo der Einser-Schüler durch seinen besonderen Ehrgeiz auffiel.

Joseph Ratzinger wurde 1941 mit 14 Jahren – wie alle Seminaristen seit 1939 – zwangsweise in die Hitlerjugend aufgenommen. Ein Zeitzeuge berichtete der FAZ, dass die Seminaristen für überzeugte Nazis ein rotes Tuch waren und verdächtigt wurden, Widerstand gegen das Regime zu leisten. Im Alter von 16 Jahren wurde Ratzinger als Flakhelfer für den Schutz der BMW-Fabrik Allach in Ludwigsfeld im Norden Münchens eingesetzt; später wurde seine Batterie nach Gilching verlegt, wo er nur noch Dienst in der Telefonvermittlung leisten musste. Während dieser Zeit besuchte er das Maximiliansgymnasium in München. Auf die Frage eines Vorgesetzten nach seinem Berufsziel gab er schon damals das Priesteramt an. 1944 wurde er zur Grundausbildung eingezogen und ins österreichische Burgenland zum Reichsarbeitsdienst versetzt, wo er unter anderem bei der Errichtung von Panzersperren eingesetzt wurde. Er kam 1945 kurzzeitig in amerikanische Kriegsgefangenschaft in das Lager Neu-Ulm. Als Seminarist des in Traunstein ansässigen damaligen Priesterseminars machte er das Abitur am dortigen Chiemgau-Gymnasium.

Von 1946 bis 1951 studierte Ratzinger katholische Theologie und Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Freising, anschließend war er Seminarist am Herzoglichen Georgianum der Ludwig-Maximilians-Universität München. In Freising trat er der katholischen Studentenverbindung K.St.V. Lichtenstein-Hohenheim zu Freising-Weihenstephan im KV bei.

Nach eigener Auskunft wurde der nach Abkehr von der Dominanz des Neukantianismus suchende Student insbesondere durch Werke von Gertrud von le Fort, Ernst Wiechert, Fjodor Dostojewski, Elisabeth Langgässer, Theodor Steinbüchel, Martin Heidegger und Karl Jaspers beeinflusst. Als Schlüssellektüre bezeichnete er Steinbüchels Umbruch des Denkens. Zum Abschluss seines Studiums sah er sich eher zum tatkräftigen Augustinus, einem der älteren Kirchenväter, als zu Thomas von Aquin hingezogen; bei den Scholastikern interessierte er sich für den Heiligen Bonaventura.

Im Jahre 1953 wurde Ratzinger mit der Arbeit Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche an der Universität München zum Doktor der Theologie promoviert. 1957 habilitierte er sich an der Universität München gegen den Widerstand des dort hoch angesehenen Dogmatikers Michael Schmaus bei Gottlieb Söhngen im Fach Fundamentaltheologie mit der Schrift Die Geschichtstheologie des Hl. Bonaventura.

1958 trat der damals 31-Jährige eine Professur für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Freising (heute Teil der Ludwig-Maximilians-Universität München) an. 1959 wurde er an die Universität Bonn berufen. Seine Antrittsvorlesung hielt er über das Thema „Der Gott des Glaubens und der Gott der Philosophie“. Den Bonner Lehrstuhl hatte er inne, bis er 1963 dem Ruf an das Seminar für Dogmatik und Dogmengeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster folgte. Seine Antrittsvorlesung Offenbarung und Überlieferung hielt er vor einem überfüllten Hörsaal.

1966 erhielt Ratzinger – auf Empfehlung von Hans Küng – einen Lehrstuhl für Katholische Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen, Aus Vorlesungen aus dieser Zeit für die Hörer aller Fakultäten entstand sein 1968 veröffentlichtes Buch Einführung in das Christentum. Unmittelbar betroffen von den Studentenprotesten der ausgehenden 1960er-Jahre nahm er 1969 den Ruf an die Universität Regensburg an. Dort lehrte er Dogmatik und Dogmengeschichte. In dieser gründete er zusammen mit Alma von Stockhausen die Gustav-Siewerth-Akademie. Im Jahr 1976 wurde er Vizepräsident der Universität, ehe er 1977 zum Erzbischof ernannt wurde. Auch nach seiner Wahl zum Papst ist er weiterhin Honorarprofessor in Regensburg.

Am 29. Juni 1951 empfing er zusammen mit seinem Bruder Georg Ratzinger im Freisinger Dom das Sakrament der Priesterweihe durch den damaligen Erzbischof von München und Freising, Michael Kardinal von Faulhaber. Seine Primiz feierte er in der Stadtpfarrkirche St. Oswald in Traunstein. Am 30. Juli 1951 feierten die beiden Brüder ihre Nachprimiz in Rimsting, dem Heimatort der Mutter.

Ab August 1951 wirkte er als Kaplan in der Pfarrei St. Martin im Münchner Stadtteil Moosach (bis September 1951 als Krankheitsvertretung für Stadtpfarrer Joseph Knogler), dann ein Jahr in der Pfarrei Heilig Blut im Stadtteil Bogenhausen. Während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) war Ratzinger auch Berater und Redenschreiber des Kölner Erzbischofs Joseph Kardinal Frings. Insbesondere zur Besetzung von Kommissionen oder des Kurientextes über die Offenbarung vertrat er eine reformfreudige Auffassung. Die von Ratzinger verfasste Rede Kardinal Frings’ verlangte Transparenz in der Kurie. Sie richtete sich gegen die neoscholastische Erstarrung Roms und gegen Missstände im Heiligen Offizium. Von den Zuhörern des Zweiten Vatikanischen Konzils mit starkem Beifall bedacht, wirkte sie als Paukenschlag und als Brandrede. Sie machte Ratzinger schlagartig in Kirchenkreisen bekannt. Seine reformfreudige und Veränderungen des Konzils befürwortende Einstellung schwächte sich aber in der Folgezeit ab, was er selbst auf seine Konflikte mit der 68er-Bewegung in Tübingen zurückführte: in Lehrveranstaltungen an der Universität gab es teilweise heftige Auseinandersetzungen mit den Studenten.

Ratzinger, der sich auch eingehend mit der Eschatologie und hier auch mit Schriften von Kirchenschriftstellern wie Origenes, den er wiederholt in seinen Werken zitiert, beschäftigte, wurde in der Öffentlichkeit zunehmend als ein Theologe wahrgenommen, der die christliche Botschaft vor dem Zugriff anmaßender Beliebigkeiten bewahren will, durch die er den Glauben gefährdet sieht. Dies und seine herausragende theologische Begabung werden als die Gründe für seine spätere Ernennung zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre genannt. 1976 wurde er Päpstlicher Ehrenprälat.

Im März 1977 ernannte Papst Paul VI. Joseph Ratzinger zum Erzbischof von München und Freising. Die Bischofsweihe empfing er am 28. Mai 1977 durch den Bischof von Würzburg, Josef Stangl im Münchner Dom zu Unserer Lieben Frau; Mitkonsekratoren waren der Bischof von Regensburg, Rudolf Graber, sowie der Weihbischof von München und Freising, Ernst Tewes. Ratzingers Wahlspruch lautet seitdem: Cooperatores veritatis („(Die) Mitarbeiter der Wahrheit“) und entstammt dem 3. Johannesbrief (3 Joh 8 EU). Bereits einen Monat später wurde er am 27. Juni 1977 als Kardinalpriester mit der Titelkirche Santa Maria Consolatrice al Tiburtino in das Kardinalskollegium aufgenommen. Als neuernannter Kardinal empfing er den polnischen Episkopat in München, darunter auch Karol Wojtyła, den späteren Papst Johannes Paul II.

Ratzinger nahm an beiden Konklaven des Jahres 1978 teil.

Kardinal Ratzinger war vor seiner Wahl zum Papst seit dem 25. November 1981 Präfekt der Glaubenskongregation mit einem Stab von 40 Mitarbeitern. Im Jahr 1992 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Kardinalbischof der suburbikarischen Diözese Velletri-Segni. Ab 1998 war Kardinal Ratzinger Subdekan des Kardinalskollegiums und wurde 2002 zum Kardinaldekan gewählt und damit auch zum Kardinalbischof von Ostia ernannt.

Der Kardinal trat als Präfekt der Glaubenskongregation für den priesterlichen Zölibat, sowie gegen einige Aspekte der Befreiungstheologie (ausgeprägter Konflikt mit Leonardo Boff und Gustavo Gutiérrez), gegen die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen, und für die Aktualität der in Humanae vitae definierten katholischen Sexuallehre ein, und – aus der Sicht seiner Kritiker – gegen pluralistische Ansätze in der Kirche und Forderungen nach Dezentralisation der Kirche ein.

Als Präfekt der Glaubenskongregation ordnete Kardinal Ratzinger im Januar 1998 die Öffnung der zuvor streng geheimen Archive von Römischer Inquisition und Indexkongregation an.

Ratzingers Haltung in Fragen der Ökumene wurde während seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation unterschiedlich bewertet. 1999 wurde Ratzinger als „Motor der Ökumene“ gepriesen, nachdem er entscheidend an dem gemeinsamen Papier zur Rechtfertigungslehre mitgewirkt hatte. Nach der Veröffentlichung des päpstlichen Lehrschreibens Dominus Iesus, bei dem Ratzinger federführend war, befürchteten viele Befürworter des engeren ökumenischen Dialogs einen Schaden für die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem Protestantismus. Ein solcher ist jedoch ausgeblieben. Die Beispiele zeigen, dass Ratzinger für einen ökumenischen Dialog eintritt, dieser für ihn aber nicht bedeuten kann, dass die katholische Kirche eigene Glaubensprofile, Überzeugungen und Selbstverständnisse ignoriert, verändert oder aufgibt. 2003 entzündete sich infolge des Ökumenischen Kirchentages in Berlin ein Konflikt zwischen den Kardinälen Meisner, Ratzinger und Lehmann.

Im interreligiösen Dialog ist seine Teilnahme am Weltgebetstreffen in Assisi 2002 zu erwähnen, welches er als „wichtiges Zeichen für den Frieden“ bezeichnete. Dies könne jedoch nur überzeugen, wenn die Religionen untereinander Frieden machten.

Die Weihe von Frauen zu Priesterinnen (Frauenordination) bleibt auch unter Benedikt XVI. verboten. Das zugrundeliegende Lehrschreiben Ordinatio Sacerdotalis seines Vorgängers Johannes Paul II. wurde von ihm bestätigt. Teile des deutschen Episkopats, darunter auch Karl Kardinal Lehmann, hatten zumindest das Frauendiakonat für denkbar gehalten, weswegen sich ein Konflikt entwickelte.

Dieser betraf auch die Teilnahme an der Eucharistie von nach einer Scheidung wieder verheirateten Katholiken. Kardinal Lehmann musste trotz starken Rückhalts bei den deutschen Katholiken in dieser Frage gegenüber Rom einlenken.

Großen Anteil hatte Ratzinger am Katechismus der Katholischen Kirche (KKK, Weltkatechismus), in dessen drittem Teil u. a. die Sexualmoral in Glaubenssätzen und Lehrregeln der katholischen Kirche vorgegeben wird. Kritiker bemängeln diese Festlegungen, da Begründungen für diese Abschnitte fehlten oder tautologisch seien, insbesondere dort, wo sie – zum Teil sehr weit – über jene der Zehn Gebote hinausgehen. Von der katholischen Kirche wird dieser Einwand mit dem Hinweis zurückgewiesen, dass nach römisch-katholischem Verständnis die Kirche die Berechtigung habe, die Bibel verbindlich auszulegen. Als Papst übergab er am 28. Juni 2005 ein Kompendium der katholischen Lehre, eine Kurzfassung des Katechismus der Katholischen Kirche, der Öffentlichkeit. Auch an dessen Fertigstellung wirkte er bereits als Präfekt der Glaubenskongregation wesentlich mit.

Kritik erfährt Ratzinger unter anderem von Homosexuellenverbänden für seine ablehnende Haltung gegenüber der rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen (Einführung von Lebenspartnerschaften oder Öffnung der Ehe). Diese staatlichen Anerkennungen wurden in vielen westlichen Staaten, u. a. in katholisch geprägten Ländern wie Frankreich, Spanien, Belgien, Luxemburg oder Kanada (Quebec), z.T. während seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation eingeführt.

Ratzinger hat in Fragen der Abtreibung und Sterbehilfe die Linie seines Vorgängers Johannes Paul II. entscheidend mitgeprägt.

In Deutschland trieb Ratzinger den Ausstieg aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung voran, da er in der Teilnahme eine Form der Mitwirkung an Abtreibungen sah und dies der Haltung Papst Johannes Paul II., jegliches Leben von der Zeugung bis zum Tode zu schützen, widersprach. Der Ausstieg geschah gegen die Mehrheitsmeinung der deutschen Bischöfe, die der Überzeugung waren, dass die Schwangerenberatung einen wichtigen Beitrag zum Schutz von ungeborenem Leben leistet. Kritiker empfanden ein Schreiben als Einmischung in den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2004 zu Lasten John Kerrys. In diesem hat er den US-Bischöfen die Empfehlung gegeben, dass Politikern, die in ihrem Wahlkampf- und Stimmverhalten durchgängig für sehr freizügige Abtreibungs- und Sterbehilfegesetze eintreten, die Kommunion zu verweigern sei. Die Empfehlung wurde nicht angenommen.

Sein Doktorvater Gottlieb Söhngen soll sich über die bayerische Rauflust von Ratzingers Dissertation amüsiert haben. Dennoch wirkt dieser im persönlichen Umgang mit Menschen eher zurückhaltend. Wegen der überaus großen Wirkmacht seiner geschliffenen Rhetorik soll Benedikt XVI. den Spitznamen Goldmund verliehen bekommen haben – nicht etwa eine Anspielung auf den Roman Narziß und Goldmund des frühexistentialistischen Dichters Hermann Hesse, den Ratzinger zu seinen Lieblingsschriftstellern zählt, sondern vielmehr auf den wortgewaltigen, dogmenfesten Kirchenlehrer St. Johannes Chrysostomos (griechisch „Goldmund“), bei dem der Vergleich zu Ratzinger recht nahe lag.

Die umfangreichen Aufgaben der römischen Weltkirche veranlassten Ratzinger selbst, den Papst wiederholt um seine Entlassung zu bitten, um sich in seiner bayerischen Heimat Pentling bei Regensburg der Schriftstellerei widmen zu können. Zu seinem 75. Geburtstag stellte er das Rücktrittsgesuch, das traditionellerweise beim Erreichen dieses Alters eingereicht wird. Der Papst lehnte das Gesuch jedoch ab, und so setzte er den Dienst bis zum Ende des Pontifikates fort.

Seit Januar 2005 wurde Ratzinger in der Presse als möglicher Nachfolger von Papst Johannes Paul II. gehandelt. Die Wahl galt als offen: in den Wahlen zuvor wurden die papabili, die Favoriten, selten zum Papst gewählt. Wie das Time Magazine vor der Wahl berichtete, galt Ratzinger nicht jedem im Vatikan als erste Wahl. Am 8. April 2005 leitete Ratzinger in Rom die Begräbnisfeierlichkeiten für Papst Johannes Paul II.

Am Nachmittag des 19. April 2005 wurde er zum 265. Papst in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche gewählt. Er gab sich den Papstnamen Benedikt XVI. Nach eigener Aussage gab er sich den Namen im Gedenken an den Ordensgründer Benedikt von Nursia, Patron Europas, aber auch an seinen Namensvorgänger Benedikt XV. (Pontifikat 1914–1922), der als „Friedenspapst“ bezeichnet wurde, obwohl seiner Friedensinitiative bei den Krieg führenden Parteien des Ersten Weltkrieges kein Erfolg beschieden war.

Benedikt XVI. ist der erste Deutsche als Papst seit Hadrian VI. vor 482 Jahren. Drei Tage vor seiner Wahl zum Papst wurde Joseph Ratzinger 78 Jahre alt und ist damit der älteste gewählte Kandidat seit Clemens XII. (1730). Benedikt XVI. beherrscht mehrere Sprachen (Deutsch, Italienisch, Französisch, Latein, Englisch und Spanisch) und liest außerdem Altgriechisch und Hebräisch.

Er diente mit fast 28 Jahren als Kardinal länger als jeder andere Papst vor ihm seit Benedikt XIII. (Wahl 1724), ebenso ist er der dritte Papst in Folge, welcher von Paul VI. zum Kardinal erhoben wurde.

Am Sonntag, dem 24. April 2005, erhielt Benedikt XVI. im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes am Petersplatz den Fischerring und das Pallium als Zeichen des Petrusdienstes. Vor mehreren hunderttausend Gläubigen und Regierungsvertretern aus aller Welt betonte er, dass er keine Regierungserklärung abgeben wolle. Er sprach von einem unerhörten Auftrag, der doch alles menschliche Vermögen überschreitet. Zugleich betonte er: Die Kirche lebt, die Kirche ist jung!

Im August 2005 besuchte Benedikt XVI. den XX. Weltjugendtag in Köln. Am 24. September 2005 empfing er den vom Vatikan 1979 gemaßregelten Tübinger Theologen Hans Küng zu einem Gespräch. Vom 25. Mai bis 28. Mai 2006 besuchte er die Heimat seines Vorgängers Johannes Paul II. in Polen.

Kurz nach seiner Amtseinführung bestätigte der neue Papst Kardinal Angelo Sodano in seinem Amt als Kardinalstaatssekretär sowie alle Leiter der Kongregationen. Seine eigene ehemalige Funktion als Vorsitzender der Glaubenskongregation übertrug er knapp einen Monat später dem damaligen Erzbischof von San Francisco, William Joseph Levada. Am 11. März 2006 begann Benedikt XVI. eine lange erwartete Kurienreform und legte die Ämter mehrerer päpstlicher Räte zusammen. Personelle Neubesetzungen folgten mit der Ernennung von Kardinal Ivan Dias zum Präfekten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker am 20. Mai, Tarcisio Bertones zum Kardinalstaatssekretär und Giovanni Lajolos zum Präsidenten der Päpstlichen Kommission für den Staat der Vatikanstadt und des Governatorats der Vatikanstadt am 22. Juni sowie Cláudio Hummes’ zum Präfekten der Kongregation für den Klerus am 31. Oktober 2006.

In mehreren kleinen Entscheidungen, etwa hinsichtlich der (vorübergehenden) Benutzung eines Palliums im alten Stil oder der Wortwahl bei seiner Besitzergreifung der Lateranbasilika, ist eine Orientierung an der Tradition der ungeteilten Kirche vor 1054 zu erkennen sowie eine bescheidenere und weniger zentralistische Art der Amtsführung, z. B. Rückübertragung der Seligsprechungsfeiern an die Ortskirchen.

Im innerchristlichen Dialog ist vor allem die Bemühungen um eine Annäherung an die Orthodoxe Kirche anzumerken. Zu Beginn des Jahres 2006 entschied Benedikt XVI., den Ehrentitel Patriarch des Abendlandes, den die Päpste seit dem 5. Jahrhundert geführt hatten, abzulegen. Er wurde daraufhin im Annuario Pontificio 2006 aus der offiziellen Titulatur entfernt. Bereits zuvor kam es zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Moskau zu einem Briefwechsel, in welchem er Geburtstagsgrüße und die Bitte um Zusammenarbeit gegen die säkularisierte Welt sandte, sowie dem Briefwechsel mit dem Patriarchen von Konstantinopel zum Anlass des Andreasfestes. Diesem letztgenannten Briefwechsel folgte die Einladung von Bartholomäus I. an den Papst, ihn im November 2006 zu besuchen. Auch wurde am 18. Mai 2006 die erste russisch-orthodoxe Kirche in Rom durch den Metropoliten Kyrill von Smolensk und Kaliningrad, dem Leiter des Russisch-Orthodoxen Außenamts, eingeweiht. Im Zuge dieses Rombesuches kam es auch zu einem Treffen mit dem Papst.

Spannungen zwischen China und dem Vatikan traten im Mai 2006 auf, nachdem die von der Staatsführung in China autorisierte Katholisch-Patriotische Vereinigung binnen zwei Wochen zwei Bischöfe weihte und einen in sein Amt einführte, ohne auf die Zustimmung des Vatikans zu warten.

Zum Weltfriedenstag 2007 betonte Benedikt XVI. die Pflicht, das „Bewußtsein des Doppelaspekts der Gabe und der Aufgabe zu pflegen“.

In Italien kam es im Frühjahr 2007 zwischen der Kirche und der Regierung unter Romano Prodi zu Spannungen, da die Regierung in Italien plante, homosexuelle Paare staatlicherseits anzuerkennen. Verschiedene Politiker in Italien, Journalisten und Künstler warfen dem Vatikan und Papst daher eine ihrer Meinung nach unberechtigte Einflussnahme in die Innenpolitik Italiens vor.

Bei der Eröffnung der lateinamerikanischen Bischofskonferenz im brasilianischen Aparecida am 13. Mai 2007 äußerte sich Benedikt zur Christianisierung Lateinamerikas, die keine Oktroyierung einer fremden Kultur, sondern von den Ureinwohnern unbewusst herbeigesehnt worden sei. Diese Darstellung stieß auf Widerspruch von Repräsentanten der Indios, die die Rede als „arrogant und respektlos“ bezeichneten. „Zu sagen, dass die kulturelle Dezimierung unserer Volkes eine Reinigung darstellt, ist beleidigend und – offen gesagt – beängstigend.“ (Sandro Tuxa). Der deutsche Lateinamerika-Historiker Hans-Jürgen Prien erblickte in diesen Äußerungen „eine unglaubliche Geschichtsklitterung“ und einen Rückschritt gegenüber der Position von Johannes Paul II., der 1992 in einer Rede Fehler bei der Evangelisierung der einheimischen Stämme und Völker eingeräumt hatte. Demgegenüber erklärte der Papst, Jesus und sein Evangelium zu verkünden, setze zu keiner Zeit eine Entfremdung der präkolumbischen Kulturen voraus, und es sei auch kein Aufzwingen einer fremden Kultur gewesen. Venezuelas Präsident Hugo Chávez verlangte eine Entschuldigung des Papstes: „Mit allem gebührenden Respekt, Sie sollten sich entschuldigen, denn es gab hier wirklich einen Völkermord und wenn wir das leugnen würden, würden wir unser tiefstes Selbst verleugnen“.

Am 26. Juni 2007 hat Papst Benedikt XVI. das Motu Proprio De aliquibus mutationibus in normis de electione Romani Pontificis, durch welches die Apostolische Konstitution Universi Dominici Gregis teilweise rückgängig gemacht wird, erlassen.

Aufgrund einer Rede als ehemaliger Präfekt der Glaubenskongregation aus dem Jahr 1990 in Parma, in der Joseph Ratzinger den österreichischen Philosophen Paul Feyerabend zitierte, der das Urteil gegen Galileo Galilei im Jahr 1633 als „rational und gerecht“ bezeichnet hatte, stieß der Papst auf Ablehnung einer Gruppe von 67 Professoren der 4500 Dozenten der Universität La Sapienza und sagte daher einen geplanten Besuch an der Universität ab. Die Proteste, die zur Absage führten, lösten in Italien wenig Verständnis aus.

In seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2008 hat Benedikt XVI. die Bedeutung der christlichen Familie für den Frieden in der Welt deutlich gestellt.

Bei einer sechstägigen Reise in die Vereinigten Staaten wurde er am 16. April 2008 von Präsident George W. Bush empfangen. Benedikt äußerte beim Empfang u.a.: „Demokratie könne nur aufblühen, wenn sich die politischen Führer von der Wahrheit leiten lassen“. Während seiner Reise, die am 21. April 2008 endete, äußerte sich Benedikt tief beschämt über pädophile Priester und rief die katholische Kirche in den USA nach den Missbrauchsskandalen mehrfach zur Reinigung und Erneuerung auf. Er traf sich in einer symbolischen Geste auch mit Männern und Frauen, die als Kinder oder Jugendliche von Priestern missbraucht worden waren. Lobend würdigte Benedikt dagegen die tiefe Spiritualität in den USA.

Bei einer Rede vor der UN-Generalversammlung in New York forderte er die Vereinten Nationen zu einer Politik der vorbeugenden Konfliktlösung auf. Dabei müssten alle diplomatischen Mittel und „selbst die geringfügigsten Zeichen“ von Dialogbereitschaft genutzt werden. Zugleich schloss er aber „kollektive Aktionen der internationalen Gemeinschaft“ nicht aus. Zum Abschluss seiner USA-Reise besuchte der Papst Ground Zero, den Ort der Anschläge gegen das World Trade Center am 11. September 2001 und hielt eine Messe im Yankee Stadium vor zehntausenden Besuchern.

Ein weiterer Schritt der Annäherung an die Orthodoxie war am 28. Juni 2008 die gemeinsame Eröffnung des Paulusjahres zum Gedenken an das ungefähre 2000. Geburtsjahr des Apostels Paulus mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern und der gemeinsam mit Patriarch Bartholomäus I. zelebrierte Wortteil der Messe in St. Peter am folgenden Tag, dem Patronatsfest Peter und Paul. Dabei predigte neben dem Papst auch der Patriarch, beide sprachen das Nicänische Glaubensbekenntnis gemeinsam auf griechisch und erteilten zusammen den Segen.

Hauptartikel: Auslandsreisen des Papstes Benedikt XVI..

Bereits in den ersten Monaten nach seiner Wahl ist Benedikt XVI. auch mit Vertretern des Judentums (Rom, Köln, Wien) sowie muslimischer Gemeinden (Köln) zusammengetroffen. Dabei betonte er stets, den Dialog der Religionen und Kulturen in der Tradition des 2. Vatikanischen Konzils (vgl. dessen Erklärung Nostra aetate) und seines Vorgängers, Johannes Pauls II., fortsetzen zu wollen.

Bei seinem zweiten Besuch als Papst in Deutschland hielt Benedikt XVI. vor Wissenschaftlern an der Universität Regensburg eine Vorlesung. Darin zitierte er eine Aussage des spätmittelalterlichen byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaiologos zur Rolle der Gewalt im Islam. Das als „Papstzitat von Regensburg“ bekannt gewordene Diktum wurde von einer Reihe von Vertretern des Islam als „Hasspredigt“ bezeichnet und heftig kritisiert. Konziliant zeigten sich dagegen 38 hochrangige islamische Gelehrte, die in einem offenen Brief vom 12. Oktober 2006 der Darstellung ihres Glaubens in der Rede des Papstes zwar widersprachen, zugleich aber für eine Fortführung des Dialogs zwischen Christentum und Islam eintraten. Abschließend sagte Karl Kardinal Lehmann, der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, in bezug auf die Vorlesung von Regensburg, dass es nichts zurückzunehmen oder zu entschuldigen gebe. Wenn die Diskussion um die Rede dazu gedient haben sollte, dass der Dialog zwischen Christentum und Islam ernsthafter werde, habe sie ihren guten Sinn gehabt. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone bezeichnete gegenüber Radio Vatikan den „Fall Regensburg“ als „archäologisches Relikt“. Der Papst habe bewiesen, dass er für einen wahren Dialog mit dem Islam offen sei, so Kardinal Bertone.

Am 2. Mai 2008 empfing Papst Benedikt XVI. eine Delegation schiitischer Muslime aus dem Iran unter Führung von Mahdi Mostafavi. Der Heilige Stuhl und die iranischen Theologen hatten sich vorher in Rom auf eine gemeinsame Erklärung zum Thema „Glaube und Vernunft im Christentum und im Islam“ geeinigt. In der Erklärung wird u.a. betont, dass Glaube und Vernunft „von sich aus gewaltlos“ seien und niemals für Gewalttätigkeit benutzt werden sollten.

Bei verschiedenen Anlässen seines Pontifikats nutzte Benedikt XVI. die Gelegenheit zu Begegnung und Dialog mit Vertretern des Judentums. Während seiner Reise zum Weltjugendtag 2005 besuchte er am 19. August als erster Papst überhaupt mit der Kölner Synagoge ein in Deutschland gelegenes jüdisches Gotteshaus und verurteilte dort bei einer Ansprache jede Form von Rassismus und Antisemitismus. Darüber hinaus gab er bekannt, er wolle den von Johannes Paul II. eingeleiteten „vertrauensvollen Dialog“ zwischen Juden und Christen „mit voller Kraft“ fortsetzen, erinnerte aber auch an „die komplexen und oft schmerzlichen Beziehungen“ zwischen Christen und Juden. Des Weiteren sprach er sich bei diesem Besuch für einen aufrichtigen und vertrauensvollen Dialog zwischen den beiden Religionen aus und betonte deren gemeinsame Wurzeln. Dem Besuch des Versammlungsraums der Synagoge war die Teilnahme am Kaddisch, einem jüdischen Totengebet, für die 11.000 Kölner Juden, die dem Holocaust zum Opfer gefallen waren, vorausgegangen. Von Synagogenvorsteher Abraham Lehrer, der sagte, Benedikt stehe für Akzeptanz und Toleranz gegenüber dem Judentum, war der Papst als „größter Brückenbauer“ zwischen den Religionen begrüßt worden. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, würdigte die Rede des Papstes danach als hoffnungsvolles Zeichen der Verständigung zwischen Juden und Christen.

Während seiner Apostolischen Reise nach Polen besuchte Benedikt XVI. am 28. Mai 2006 das KZ Auschwitz-Birkenau. Während Überlebende des Holocausts wie Marek Edelman den Besuch und die dort gehaltene Rede lobten, wurde vom Polnischen Oberrabbiner Michael Schudrich kritisiert, dass sich der Papst in Auschwitz nicht zum Thema Antisemitismus in Polen, wie ihn beispielsweise der nationalkonservative katholische Radiosender Radio Maryja verbreitet, äußerte. Ebenfalls Kritik äußerte Daniel Goldhagen, der dem Papst Vernebelung historischen Verstehens vorwarf und ihm anlastete, moralischer Verantwortung auszuweichen und sich vor politischer Pflicht zu drücken.

Nachdem er am 29. August 2005 mit dem Generaloberen der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X., Bernard Fellay, sprach, unternahm Benedikt XVI. weitere Annäherungsschritte, indem er im Januar 2009 die 1988 ausgesprochene Exkommunikation von vier durch Marcel Lefebvre – ohne Einwilligung des damaligen Papstes – geweihten Bischöfen aufhob, die der Priesterbruderschaft St. Pius X. angehören. Zu diesen Bischöfen gehörte, neben Fellay selbst, auch der kurz zuvor durch Holocaustleugnung aufgefallene Richard Williamson. Dieser Schritt des Papstes habe, nach einer Stellungnahme der Anti-Defamation League in den Vereinigten Staaten, die Beziehungen zwischen der römischen Kirche und Juden verschlechtert. Auch in Deutschland wurde der Schritt von Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, bedauert; die Priesterbruderschaft St. Pius X. selbst kritisierte Williamsons Aussagen und bat den Papst um Vergebung. Der Papst bezeichnete am 28. Januar 2009, ohne Williamson namentlich zu erwähnen, die Vernichtung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus als „Mahnmal gegen jedes Vergessen und Leugnen“ und versicherte dem jüdischen Volk seine „volle und unbestreitbare Solidarität“. Am 4. Februar 2009 verlautbarte das Vatikanische Staatssekretariat zudem, dass die vier Bischöfe der Piusbruderschaft weiterhin von Priester- und Bischofsamt suspendiert sind und dass Richard Williamson „auf absolut unzweideutige und öffentliche Weise auf Distanz zu seinen Stellungnahmen zur Shoah gehen“ muss, um zu einer Funktion als Bischof in der katholischen Kirche zugelassen zu werden; zudem wurde erklärt, dass Benedikt XVI. zum Zeitpunkt der Aufhebung der Exkommunikation keine Kenntnis von Williamsons Leugnung des Holocausts hatte.

Neben den Akzenten in der Ökumene und dem interreligiösen Dialog zeigt sich die Frage nach Wesen und Gestalt der Liturgie als ein Schwerpunkt des Pontifikats. Auf Wunsch des Papstes wurde die Edition seiner von Bischof Gerhard Ludwig Müller herausgegebenen „Gesammelten Schriften“ 2008 mit seinen Beiträgen zur Liturgie (Band 11) eröffnet, weil diese „für mein Denken bezeichnend ist“. Schon als Kardinal kritisierte Ratzinger verschiedene Erscheinungen in der Umsetzung der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanum und zeigte sich persönlich davon „überzeugt, daß die Kirchenkrise, die wir heute erleben, weitgehend auf dem Zerfall der Liturgie beruht“. Er beschrieb in seinem im Jahr 2000 erschienenen Buch „Der Geist der Liturgie“, dass die Kirche beim liturgischen Vollzug stets auf die gemeinsame Ausrichtung von Priester (Vorsteher) und Gläubigen nach Osten (ersatzweise nach einem „Osten des Glaubens“) zu achten habe. Die Gleichrichtung der Versammelten habe eine Prozession des teilnehmenden Gottesvolks beschrieben, während die Wendung des Priesters zum Volk einen in sich geschlossenen Kreis forme, also keinen Aufbruch mehr symbolisiere. Allerdings räumte er ein, dass diese Auffassung von Liturgie schon in der Neuzeit verdunkelt gewesen sei und „jede Zeit das Wesentliche neu finden und ausdrücken“ müsse. So befürwortete er die Heranrückung des Altars an das Volk und den eigenständigen Ort des Wortgottesdienstes, den die Liturgiereform gebracht hatte. Er plädierte dafür, dem Altarkreuz einen zentralen Platz in der Liturgie einzuräumen, es also in die Mitte des Altars zu stellen, so dass Priester und Gläubige sich so sichtbar „zum Herrn hin“ wenden könnten.

Nachdem 2007 der langjährige Päpstliche Zeremonienmeister Piero Marini von Guido Marini abgelöst wurde, fanden sich die liturgischen Vorstellungen Benedikt XVI. auch in der päpstlichen Liturgie wieder. So rückte das Altarkreuz bei Papstmessen wieder in die Mitte des Altartisches, nachdem es zuvor (wie nach dem Missale Romanum zulässig) an der Seite des Altares aufgestellt war. Zudem zelebrierte der Papst anlässlich einer Messe am 13. Januar 2008 in der Sixtinischen Kapelle am Hochaltar an der Westwand der Kapelle und nicht wie früher versus populum an einem extra aufgestellten sogenannten Volksaltar.

Bedeutend ist auch die von Benedikt XVI. erteilte Erlaubnis zur begrenzten neuerlichen Benutzung der letzten vor dem Konzil erschienenen liturgischen Bücher, darunter des Messbuchs (siehe: Liturgie von 1962). Im Juli 2007 erklärte er im Apostolischen Schreiben Summorum Pontificum, dass neben der Normalform (forma ordinaria) des Römischen Ritus nach dem Messbuch Pauls VI. die Heilige Messe nach dem unter Johannes XXIII. 1962 gedruckten Messbuch (sog. „Tridentinische Messe“) unter bestimmten Bedingungen als außerordentliche Form (forma extraordinaria) des Römischen Ritus gefeiert werden dürfe. In einem Begleitbrief an die Bischöfe der Weltkirche betonte er den pastoralen Aspekt dieser Anordnung. Nach Ansicht mancher Beobachter stellte er mit diesem Schritt jedoch die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils in Frage. Nachdem Benedikts Messfeier 2008 in der Sixtina - am historischen Hochaltar statt am zwischenzeitlich gebrauchten Volksaltar - diese Diskussion erneut aufkommen ließ, erklärte der Vatikan, der Papst wolle keine Abkehr von der Liturgiereform, und verwies auf die vom Ritus unabhängigen theologischen Grundgedanken der Feier in gemeinsamer Ausrichtung.

Auf die nach Benedikts Motu Proprio „Summorum Pontificum“ lautgewordene Kritik an der Verwendung der früheren Karfreitagsfürbitte für die Juden reagierte der Papst mit der Abfassung und Verordnung einer Neuformulierung dieser Bitte allein für die forma extraordinaria.

Auch in der Wahl der liturgischen Gewänder betont Benedikt seit Amtsantritt Guido Marinis die Kontinuität mit den früheren Päpsten. So trug er beispielsweise schon einen Rauchmantel von Johannes XXIII., eine Mitra von Johannes Paul I. und zum dritten Todestag Johannes Pauls II. eine weiße Mitra, welche schon Pius XII. benutzte. Die bekannte silberne Ferula, die seit Paul VI. beständig als päpstlicher Bischofsstab genutzt wurde, ersetzte Guido Marini 2008 durch die goldene Ferula Pius’ IX., die früher nur bei besonderen liturgischen Handlungen Verwendung fand. Auch die weiße Mozetta der Osterzeit trägt Benedikt seit Johannes XXIII. wieder. Zur päpstlichen Ostermesse 2008 auf dem Petersplatz war der Altartisch mit einem bestickten Tuch geschmückt, das deutlich sichtbar das Wappen von Leo XIII. trug. Seit dem Hochfest der Apostelfürsten Peter und Paul 2008 trägt der Papst wieder ein rundgewebtes Pallium, jetzt mit roten Kreuzen.

Das von Benedikt XVI. gewählte Wappen enthält Symbole, die sich bereits in seinem erzbischöflichen Wappen fanden: Den Bären des Diözesanpatrons Korbinian aus dem Stadtwappen Freisings sowie den gekrönten Mohren aus dem Wappen der Erzbischöfe von München-Freising, ergänzt durch eine Muschel als Anspielung auf eine Legende über des Papstes Lieblingstheologen Augustinus und das Pilgersymbol der Jakobsmuschel. Überraschenderweise ließ er die jahrhundertelang sich mit den gekreuzten Schlüsseln über dem Wappenschild erhebende Tiara durch eine einfache Mitra ersetzen, die aber ähnlich wie bei den Kronreifen der Tiara mit drei goldenen Bändern geschmückt ist, die für die drei Gewalten des Papstes stehen: Weiheamt, Jurisdiktion und Lehramt. Sie sind vertikal im Zentrum miteinander verbunden, um so ihre Einheit in derselben Person aufzuzeigen. Unter dem Wappen ist erstmals das Pallium in einem Papstwappen dargestellt.

Benedikt XVI. ist Mitglied bzw. korrespondierendes Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Akademien in Europa, Ehrendoktor von acht Hochschulen und Ehrenbürger der Gemeinden Pentling (1987), Marktl (1997), Traunstein (2006), Regensburg (2006), Aschau am Inn (2006), Altötting (2006), Tittmoning (2007), Brixen (2008) und Mariazell (2009). Er erhielt bereits vor seinem Pontifikat in Deutschland, Italien und in anderen Ländern zahlreiche Orden und Auszeichnungen, vom Großkreuz des nationalen Verdienstordens der Republik Ecuador (1977) und dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband (1985) bis hin zum Karl-Valentin-Orden des Münchner Faschings (1989). Für seine schriftstellerische Tätigkeit wurde er in Italien mit drei Literaturpreisen bedacht. Zu seinem 80. Geburtstag im Jahr 2007 wurde vom Vatikan eine 2-Euro-Gedenkmünze mit seinem Porträt herausgegeben.

Johannes Paul II.

Benedikt XV.

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Apostolische Personaladministration St. Johannes Maria Vianney

Die Apostolische Personaladministration St. Johannes Maria Vianney (Apostolica Administratio personalis Sancti Ioannis Mariae Vianney, Administração Apostólica Pessoal S. João Maria Vianney) ist eine römisch-katholische Einrichtung zugunsten von Altritualisten auf dem Gebiet und in den Grenzen der Diözese Campos dos Goytacazes, Rio de Janeiro (Brasilien).

Sie geht zurück auf das Wirken des vormaligen Bischofs Antônio de Castro Mayer (1904-1991, am 1. Juli 1988 durch Kardinal Bernardin Gantin für exkommuniziert erklärt). De Castro Mayer führte in seiner Amtszeit als Bischof von Campos die nach dem 2. Vatikanum erneuerten liturgischen Bücher der römisch-katholischen Kirche in seiner Diözese nicht ein und organisierte nach seinem Rücktritt 1981 unter dem Namen „Priestervereinigung vom hl. Johannes Maria Vianney“ (União Sacerdotal São João Maria Vianney, „SSJV“) eine altritualistische Alternativorganisation zu der von seinem ordentlich bestellten Nachfolger, Bischof Navarro, geleiteten Diözese. Die von ihm begründete Vereinigung überlebte den Tod ihres Gründers (25. April 1991) im Zusammenwirken mit der Lefebvre-Priesterbruderschaft St. Pius X.. Ihre Bischöfe Bernard Tissier de Mallerais, Alfonso de Galarreta und Richard Williamson erteilten am 28. Juli 1991 in Sao Fidelis, Rio de Janeiro (Brasilien), dem Vorsitzenden der Priestervereinigung, dem vormaligen Diözesanpriester Licínio Rangel (1936-2002), die Bischofsweihe.

Ein Jahrzehnt später (ab Ende 2000) handelte Licinio Rangel mit dem Vatikan die Modalitäten einer Rückkehr der „Vereinigung vom hl. Johannes Maria Vianney“ (SSJV) und ihrer 25 Priester in die volle Gemeinschaft der römisch-katholischen Kirche aus. Dazu gehörte, dass die Vereinigung kirchenrechtlich am 18. Januar 2002 als Apostolische Personaladministration auf der Territorium der Diözese Campos errichtet wurde. Ende 2001 wurde Rangels Exkommunikation aufgehoben, er selbst zum Titularbischof von Zarna ernannt und zum ersten Apostolischen Administrator bestimmt. Wegen schwerer Erkrankung erhielt er am 28. Juni 2002 einen Bischofskoadjutor in der Person des zum Titularbischof von Cedamusa ernannten Fernando Areas Rifan (* 25. Oktober 1950). Dieser wurde am 18. August 2002 von Kardinal Castrillón Hoyos, dem Präfekten der Kleruskongregation, und Licinio Rangel nach dem älteren Pontificale Romanum (in seiner 1962 gebrauchten Fassung) zum Bischof geweiht. Bischof Rifan übernahm mit dem Tod seines Vorgängers am 16. Dezember 2002 dessen Nachfolge.

Die Personaladministration zählt gegenwärtig (Stand 2007) 30 Priester und 31.000 Gläubige (gegenüber 70 Priestern und 875.000 Gläubigen der Diözese Campos). Sie benutzt die liturgischen Bücher des Römischen Ritus, wie sie unter Papst Johannes XXIII. in Kraft gewesen sind („Liturgie von 1962“). Die Konzelebration von Eucharistiefeiern in der erneuerten Form wird jedoch nicht abgelehnt.

Die Union mit der SSJV gilt manchen als Modell für eine mögliche Wiedervereinigung der Priesterbruderschaft St. Pius X. mit dem römischen Papst.

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Licínio Rangel

Licínio Rangel (* 5. Januar 1936 in Campos; † 16. Dezember 2002 in Rio de Janeiro) war ein katholischer Bischof.

Rangel wurde am 24. September 1967 zum Priester ordiniert. Durch Bernard Tissier de Mallerais wurde er ohne päpstliches Mandat am 28. Juli 1991 in São Fidelis in Rio de Janeiro zum Bischof der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) geweiht; Alfonso de Galarreta und Richard Williamson waren Mitkonsekratoren. Er wurde Nachfolger von Antônio de Castro Mayer als Vorsitzender und Superior der Priestervereinigung St. Johannes Maria Vianney.

Ende 2000 handelte Licínio Rangel mit dem Vatikan die Modalitäten einer Rückkehr der „Vereinigung vom hl. Johannes Maria Vianney“ (SSJV) und ihrer 25 Priester in die volle Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl aus. Dazu gehörte, dass die Vereinigung kirchenrechtlich am 18. Januar 2002 als Apostolische Personaladministration auf der Territorium der Diözese Campos errichtet wurde. Ende 2001 wurde Rangels Exkommunikation aufgehoben, er selbst zum Titularbischof von Zarna ernannt und zum ersten Apostolischen Administrator bestimmt.

Wegen schwerer Erkrankung erhielt er am 28. Juni 2002 einen Bischofskoadjutor in der Person des zum Titularbischof von Cedamusa ernannten Fernando Areas Rifan. Dieser wurde am 18. August 2002 von Kardinal Castrillón Hoyos und Licínio Rangel nach dem älteren Pontificale Romanum (in seiner 1962 gebrauchten Fassung) zum Bischof geweiht und folgte Rangel nach seinem Tod als Apostolischer Administrator.

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Ecclesia Dei

Ecclesia Dei bezeichnet ein Motu Proprio aus dem Jahre 1988 und eine daraufhin eingerichtete päpstliche Kommission.

Ecclesia Dei Adflicta (deutsch: „Die Kirche Gottes hat mit großer Betrübnis“) ist ein Motu Proprio vom 2. Juli 1988, das Papst Johannes Paul II. in Reaktion auf die von Erzbischof Marcel Lefebvre unerlaubt durchgeführten Bischofsweihen veröffentlichte.

Im Motu Proprio Summorum Pontificum vom 7. Juli 2007, in dem Papst Benedikt XVI. die Feier der sogenannten Tridentinischen Liturgie wieder allgemein freigibt, kündigt er an, dass die Kommission Ecclesia Dei mit umfassenden Vollmachten für die Organisation der „außerordentlichen Form des römischen Ritus“ ausgestattet wird.

Am 21. Januar 2009 hat Papst Benedikt XVI. per Dekret durch den Präfekten der Kongregation für die Bischöfe, Giovanni Battista Kardinal Re, die Exkommunikation der vier Bischöfe von 1988 aufgehoben. Getragen wurde dies von der Hoffnung, dass mit diesem Schritt eine volle Übereinstimmung in den strittigen Fragen erreicht werden könne. Die Suspension der Bischöfe ist damit nicht aufgehoben.. Die Aufhebung der Exkommunikation von Richard Williamson löste in der Öffentlichkeit, aufgrund der zeitgleich bekannt gewordenen Holocaustleugnung Williamsons (in Deutschland ein Offizialdelikt), Unverständnis und Empörung aus und stieß international auf Proteste, unter anderem durch den obersten Rabbiner von Rom.

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Priesterbruderschaft St. Pius X.

Altar in der Piusbruderschaftskirche St. Joseph in Memmingen

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (lat. Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X., abgekürzt FSSPX, umgangssprachlich oft Piusbruderschaft) ist eine traditionalistische Priestervereinigung. Sie wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet, um an traditionellen Riten und Lehren der römisch-katholischen Kirche festzuhalten, die das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) aus ihrer Sicht aufgegeben hatte. Sie lehnt Konzilsbeschlüsse wie die Öffnung zur Ökumene, Religionsfreiheit, Kollegialität der Bischöfe, Liturgiereform und Anerkennung des Judentums als eigenständigen Heilsweg (Nostra Aetate) als „modernistisch“ ab und strebt eine „Erneuerung des Priestertums“ und „Verbreitung und Wiederherstellung der authentischen katholischen Lehre“ an.

Sie betreibt ohne Erlaubnis von Vatikan und Diözesanbischöfen Priesterseminare, Priorate und Kapellen. Seit 1994 leitet der von Lefebvre zum Bischof geweihte Bernard Fellay die Piusbruderschaft. Der Vatikan erkannte sie ab 1975 nicht mehr als Teil der römisch-katholischen Kirche an und exkommunizierte ihre Bischöfe 1988 wegen vom Papst nicht erlaubten Bischofsweihen. Am 21. Januar 2009 hob Papst Benedikt XVI. diese Exkommunikation, nicht aber die Suspension der vier Bischöfe auf.

Zur Piusbruderschaft gehören nach eigenen Angaben von 2009 weltweit 493 Priester. Die Zahl der Gläubigen, die sich zu ihr bekennen, soll nach Angaben von Kardinal Darío Castrillón Hoyos von 2007 um 600.000 Personen umfassen, davon 100.000 in Frankreich. Andere Quellen nennen 150.000 Anhänger. Unabhängige und regelmäßig überprüfte Erhebungen zu den Anhängerzahlen sind nicht bekannt.

1970 erlaubte Bischof François Charrière Lefebvre die Gründung eines Priesterseminars in Ecône (Schweiz). Seither gründete die Piusbruderschaft ohne kirchliche Erlaubnis weitere fünf Priesterseminare: in Flavigny-sur-Ozerain (Frankreich), Goulburn (Australien), Winona (Minnesota) (USA), La Reja (Argentinien) und Zaitzkofen (Deutschland). Insgesamt unterhält sie insgesamt 450 Gottesdienstorte, 127 Priorate, 86 Schulen und zwei Universitätsinstitute in 63 Staaten auf allen Kontinenten. Ihr Generalhaus liegt in Menzingen im Schweizer Kanton Zug.

In Deutschland betreibt sie mit etwa 50 Priestern etwa 42 Priorate und Kapellen, die meisten davon im süddeutschen Raum; für Ostdeutschland gibt es nur ein Priorat in Berlin und eine Kapelle in Dresden. Zudem betreibt sie ein Kloster, ein Schwesternnoviziat, ein Altenheim und vier Privatschulen: darunter das St.-Theresien-Gymnasium bei Bonn mit Mädcheninternat und das Don-Bosco-Gymnasium in Wadersloh/Diestedde. Im Jahr 1997 erhielt sie für diese Schulen 1,1 Millionen Euro staatliche Gelder. Für eine Grundschule mit insgesamt 18 Schülern und eine Realschule mit etwa 50 Schülern in Saarbrücken erhält die Bruderschaft jährlich Gelder in Höhe von 425.000 Euro vom Saarland. Distriktoberer der deutschen Einrichtungen ist Franz Schmidberger.

In den Diözesen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz darf die Piusbruderschaft meist keine römisch-katholischen Kirchengebäude nutzen, auch nicht für Beerdigungen, Taufen, Eheschließungen oder Wallfahrten. In Lisieux und Lourdes wurden ihr 2005 je ein Hochamt in römisch-katholischen Kirchen gestattet.

2002 wurde in der Ukraine die Priesterbruderschaft St. Josaphat gegründet mit dem Ziel der „Bekehrung des schismatischen Ostens zur Anerkennung des Papstes und der traditionellen katholischen Lehre“ errichtet.

Im schweizerischen Oensingen wird der zur Piusbruderschaft gehörige Verein „Robert-Mäder-Werk“ die „Sarto Verlagsbuchhandlung“ eröffnen. Sie liefert keine Artikel aus, die nach der traditionalistischen Auslegung der Zehn Gebote als unmoralisch eingestuft werden.

Auch der deutsche Distriktobere Franz Schmidberger lehnt die religiöse Neutralität des Staates ab und plädiert für eine „christliche Gesellschaftsordnung“, in der etwa die Todesstrafe gälte, „keine zivile Ehescheidung“ vorgesehen sei, eine „Unauflöslichkeit der Ehe“ als „einer ihrer Grundpfeiler“ bestehe, „den vorehelichen und außerehelichen Beziehungen“ der „Kampf“ angesagt werde und der „Vertrieb von empfängnisverhütenden Mitteln“ verboten werde, ebenso wie Zinsspekulation, Großbanken, Abtreibung, „Gotteslästerung, Homosexualität und Pornographie“. Er fordert, dass die „Gewalt in Staat und Gesellschaft“ „nicht vom Volke“, nicht „von der Basis aus, sondern von Gott... folglich bezeichnet das Volk in Wahlen allein diejenigen, die es regieren sollen, verleiht ihnen aber nicht die Autorität; ebenso wenig kann es Regierungen beliebig absetzen.“ Statt eines Parteiensystems empfiehlt er, dass an deren „Stelle jene christlichen Männer treten, die sich durch sittliche Reife und Lebenserfahrung, durch Gerechtigkeitssinn und Sorge um das Gemeinwohl auszeichnen“.

Vor 1985 fiel Lefebvre durch Aussagen in Predigten auf, wonach die Militärjunta von Argentinien und die Diktatur in Chile unter Augusto Pinochet vorbildliche Regierungen seien. Lobende Worte fand er auch für die Diktatoren Francisco Franco, António de Oliveira Salazar und den Kollaborateur der Nationalsozialisten Philippe Pétain. Er wurde durch reaktionäre Aristokraten, die sich die Monarchie zurück wünschen, und aus autoritär-republikfeindlichen Kreisen des Großbürgertums finanziell unterstützt. Am 31. August 1985 schrieb Lefebvre an Papst Johannes Paul II., die Feinde der Kirche seien Juden, Kommunisten und Freimaurer.

Philippe Laguérie, Priester der Piusbruderschaft von 1979 bis 2004, taufte ein Patenkind des rechtsextremem Politikers Jean-Marie Le Pen. 1991 erklärte er: Die Front National sei die Partei, die am wenigsten weit „von dem Naturrecht“ entfernt sei. 1996 hielt er ein Requiem für den verurteilten Kriegsverbrecher Paul Touvier, den die Piusbruderschaft zuvor in einem Kloster in Nizza versteckt hatte, und erklärte sich zum Anwalt Touviers vor Gott: Vor dem letzten Gericht gäbe es keine Medien, keine Inszenierungen, keine Nebenkläger und keine Organisationen gegen Rassismus und Antisemitismus. Jährlich soll er den Geburtstag Pétains mit einer Messe feiern.

Die Piusbruderschaft nahm mehrfach an Pilgerfahrten zum Grab Pétains teil. Dabei verglich der französische Distriktobere der Bruderschaft, Abbe Regis de Cacqueray, den „Kampf von Pétain für Frankreich“ 2007 mit dem „Kampf des Lefebvres für die katholische Kirche“.

Markus Heggenberger war als deutscher Distriktoberer auch Referent des Cannstatter Kreises der Stuttgarter FDP, den der Verfassungsschutz als rechtsextrem einstuft. Heggenberger, Niklaus Pfluger und weitere deutsche Piusbrüder gaben der „Jungen Freiheit“ Interviews. Am 2. Juni 2008 hielt der österreichische Rechtsextremist Richard Melisch im Priorat St. Athanasius in Stuttgart - seit 1984 Deutschland-Zentrale der Piusbruderschaft - ein Referat zu den „Gefahren der Globalisierung“.

Führende Vertreter der Priesterbruderschaft sind immer wieder mit antisemitischen und antijudaistischen Aussagen hervorgetreten.

Die belgische Webseite Joods Actueel zitierte eine Passage der amerikanischen Webseite der Piusbruderschaft, wonach das „internationale Judentum“ die christlich-katholische Ordnung zerstören wolle: „Das Geld, die Medien und die internationale Politik sind zu großen Teilen in den Händen der Juden“.

Richard Williamson vertrat in Reden und Predigten die antisemitische Theorie eines Weltjudentums und Verschwörungstheorien zum 11. September 2001. Im Mai 2000 bezeichnete er die antisemitische Hetzschrift Protokolle der Weisen von Zion als Gabe Gottes für Menschen, die die Wahrheit wissen wollten. Im März 2008 bezeichnete er sie als authentische Informationsquelle. Aussagen dieser Art wurden von seinen Anhängern gefilmt und u.a. als YouTube-Videos veröffentlicht.

Er blieb aber dabei, dass Jesus Christus auch für die heutigen Juden der einzige Weg zum Heil, das Judentum als Heilsweg also überholt sei. Schon weil Jesus und alle Apostel Juden waren, könne „kein aufrechter Christ Antisemit sein“.

Die Erklärung Nostra Aetate des Zweiten Vatikanischen Konzils hatte demgegenüber die Gottesmordtheorie und Substitutionstheologie ausdrücklich verworfen und das aktive Bekämpfen des Antisemitismus zur christlichen Pflicht erklärt.

Der Distriktobere der Piusbruderschaft in Österreich, Helmut Trutt, bezeichnete den Verzicht auf Judenmission am 7. Februar 2009 als Irrlehre: Juden sei die Erlösung allein durch Jesus Christus ebenso wie Heiden zu vermitteln.

Am 10. Februar 2009 berichtete der „Spiegel“ über weitere antisemitische Aussagen in der Piusbruderschaft, u.a. in deren Mitteilungsblatt für den deutschen Sprachraum.

Am 22. März 2009 will der mit der Bruderschaft verbundene Verein Actio Spes Unica in Hattersheim ein Hochamt halten, bei dem Heinz-Lothar Barth über das Thema „Ist die traditionelle lateinische Messe antisemitisch?“ referieren soll. Hintergrund ist die Kritik an der 2007 durch Papst Benedikt XVI. verfügten Wiederzulassung des römischen Ritus mit einer vorkonziliaren Variante der Karfreitagsfürbitte für die Juden. Benedikt hatte mit Barth brieflich schon 2003 über diese Wiederzulassung kommuniziert.

Am 5. Februar 2009 erklärte Schmidberger in einem Interview, der islamische Prophet Mohammed habe nachweislich mit einem acht- oder neunjährigen Mädchen „geschlechtlichen Umgang gepflegt“. Man könne ihn daher heute als „Kinderschänder“ bezeichnen. Wenige Tage später bedauerte er diese Aussage, warf den Medien aber zugleich vor, Aussagen aus der Piusbruderschaft bewusst zu verzeichnen, und stellte Medienkontakte deshalb ein.

Im April 1989 bestritt Richard Williamson in einer Messe im kanadischen Sherbrooke die Vergasung von Juden im Vernichtungslager Auschwitz und behauptete, Juden hätten den Holocaust erfunden, um die Anerkennung des Staates Israel zu erpressen. Einem deswegen drohenden Strafverfahren entzog er sich durch Ausreise aus Kanada.

Im November 2008 leugnete Williamson den Holocaust in einem Interview im Priesterseminar Herz Jesu in Zaitzkofen erneut. Mit Berufung auf den Leuchter-Report erklärte er, es seien allenfalls 200000 bis 300000 Juden in deutschen Konzentrationslagern gestorben, aber kein einziger von ihnen in Gaskammern ermordet worden. Er glaube nicht, dass sechs Millionen Juden vergast worden seien. Es habe keine Gaskammern in den Lagern gegeben. Dabei war ihm die Gesetzeswidrigkeit dieser öffentlichen Aussagen in Deutschland bewusst.

Der Spiegel veröffentlichte Auszüge des Interviews am 19. Januar 2009. Das schwedische Fernsehen SVT strahlte es am Abend des 21. Januar 2009 vollständig aus. Die Staatsanwaltschaft in Regensburg leitete daraufhin Ermittlungen wegen Verdachts auf Volksverhetzung gegen Williamson ein.

Weiter behauptete Abrahamowicz, „wenn Williamson den Völkermord an den Armeniern geleugnet hätte, wäre nichts passiert“. Bereits 2007 wurde er durch eine lateinische Messfeier für den Lega-Nord-Vorsitzenden Umberto Bossi bekannt. Im Februar 2009 schloss die Piusbruderschaft ihn aus.

Die Schulen der Bruderschaft sollen nach ihrem deutschsprachigen Mitteilungsblatt vom Juli 2005 „nicht nur Wissen vermitteln, sondern ebenso auf die Erziehung und Charakterbildung der Schüler Wert legen“. Der „katholische Lehrer“ müsse die „Hauptirrlehren unserer Zeit“ erklären, ohne diese „zu loben“ oder gar „anzunehmen“. Schüler müssten sich mit Martin Luther, René Descartes, David Hume, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Jean-Paul Sartre in der Weise beschäftigen, wie sich Medizinstudenten mit Krankheiten beschäftigen: mit dem Ziel, diese Krankheiten dann bekämpfen zu können.

Grundlage der Bekenntnisschulen ist die Erziehungsenzyklika Divini illius magistri von Papst Pius XI. Es sei wichtig, die Werte der „traditionellen katholischen Kirche“ an Kinder weiterzugeben. Ziel sei es, „frohe, selbstständige junge Menschen heranreifen zu lassen, die gelernt haben, ihr Leben auf der Grundlage christlicher Überzeugung und Selbstbeherrschung zu gestalten.“ Besonderer Wert werde auf „Ehrfurcht vor Gott und den Nächsten, Disziplin, Höflichkeit, Ordnung und die Vermittlung der abendländischen Kultur gelegt“.

Nachdem die Mutter eines von der Schule verwiesenen Schülers Strafanzeige erstattet hatte, ermittelte die Staatsanwaltschaft von April 2005 bis Juni 2006 gegen die Lehrer und die Leitung der Herz-Jesu-Schule in Saarbrücken wegen Misshandlungen an Schülern. Das Oberverwaltungsgericht des Saarlandes erlaubte den Weiterbetrieb der Schule, da deren Leitung auf die Verfehlungen eines Lehrers angemessen reagiert habe.

Lefebvre hatte schon Januar 1962 auf Verlangen Roms das Erzbischofsamt niedergelegt, wurde aber im Juli 1962 zum Generaloberen der Spiritaner gewählt und in die Vorbereitungskommission des Zweiten Vatikanischen Konzils berufen. Dort kritisierte er die Kollegialiätsidee, die ökumenische Öffnung und die Religionsfreiheit, nicht aber die Liturgiereform von 1963. Erst nach dem Konzil lehnte er diese ab, verschärfte seine übrige Kritik und gab im September 1968 deshalb das Amt des Generaloberen auf.

Kurz darauf baten Seminaristen des Französischen Priesterseminars in Rom Lefebvre um ein konservatives Seminar zum Beenden ihrer Studien, um unbedrängt an traditionellen Glaubensvorstellungen und Doktrinen festhalten zu können. Er verwies sie zunächst an die Universität Freiburg in der Schweiz. Nachdem er gebeten worden war, diese Seminaristen persönlich zu unterrichten, wandte er sich an den Diözesanbischof vom Bistum Lausanne-Genf-Freiburg, François Charrière. Dieser genehmigte im Sommer 1969 die Gründung der Confraternitas Pius X. in seiner Diözese unter dem Titel einer „pia unio” und genehmigte die Statuten für einen Zeitraum von sechs Jahren „ad experimentum” Kardinal John Joseph Wright, Präfekt der Kongregation für den Klerus, gratulierte Lefebvre brieflich zur Gründung der Bruderschaft.

1971 lehnte Lefebrve die neue Messordnung, die Paul VI. am 3. April 1969 verkündet hatte, ab und betrachtete die Liturgiereform von 1963 nun als Einführung von Martin Luthers Abendmahlsverständnis in der katholischen Kirche. Die kirchlichen Veränderungen seit dem Konzil seien alle Ergebnis eines Komplotts liberaler und antichristlicher Mächte. Daraufhin berief Kardinalstaatssekretär Jean-Marie Villot im Auftrag des Papstes eine Kommission ein, die die Angelegenheit untersuchen sollte. Dazu gehörten Kardinal Gabriel-Marie Garrone, Kardinal Wright und Kardinal Arturo Tabera.

Am 13. Februar und 3. März 1975 musste sich Lefebrvre vor der Kardinalskommission in Rom für seine Haltung verantworten. Danach erteilte Kardinal Tabera Bischof Pierre Mamie, Charrières Nachfolger, brieflich die Vollmacht, die Piusbruderschaft aufzulösen. Daraufhin entzog Mamie ihr am 6. Mai 1975 die Anerkennung als katholische Organisation und ordnete ihre Auflösung an. Lefebvre werde bis zum Widerruf seiner Erklärung vom 21. November 1974 keinerlei kirchliche Unterstützung erhalten.

Dieser lehnte gegenüber der Apostolischen Signatur diese Entscheidungen ab, da die Kardinalskommission nicht befugt gewesen sei, seine Erklärung zu beurteilen. Diese sei persönlicher Art gewesen, so dass allenfalls er selbst dafür bestraft werden dürfe. Es gehe nicht an, deshalb die Piusbruderschaft und deren Priesterseminare aufzulösen. Die Apostolische Signatur lehnte diesen Rekurs Lefebvres am 10. Juni 1975 ab, da Papst Paul VI. die Entscheidung der Kardinalskommission in forma specifica befürwortet habe. Dies bestätigte dieser in einem persönlichen Brief an Lefebvre. Für den Vatikan war die Piusbruderschaft fortan keine römisch-katholische Organisation mehr.

Diese erklärte ihren Ausschluss für ungültig: Die Kardinalskommission habe ihre Kompetenz überschritten, da der Papst ihre spezifische Entscheidung erst nach Erlass des Rechtsaktes bestätigt habe. Sie setzte ihre Arbeit fort und ignorierte die Weisungen des Diözesanbischofs und Roms. Im Konsistorium am 24. Mai 1976 kritisierte Papst Paul VI. Lefebvre deswegen öffentlich und appellierte an ihn und seine Anhänger, sich zu besinnen.

Lefebvre wurde am gleichen Tag von seinem Amt suspendiert (a collatione ordinum), so dass er von nun an keine rechtmäßigen Priesterweihen durchführen konnte. Kardinal Sebastiano Baggio, Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, forderte ihn eine Woche später auf, sich beim Papst für die verbotenen Priesterweihen zu entschuldigen. In seinem Antwortschreiben verweigerte Lefebvre dies. Paul VI. solle seinerseits „die richtige Auffassung der verfälschten Ideen wiederherstellen, die zu Idolen des modernen Menschen geworden sind: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Demokratie.“ Der Papst solle das „unglückselige Unternehmen eines Kompromisses mit den Ideen des modernen Menschen aufgeben“, das vor dem Konzil mit einem geheimen Abkommen zwischen hohen kirchlichen Würdenträgern und den Freimaurerlogen begonnen habe. Vermutlich meinte er die Lichtenauer Erklärung.

Daraufhin suspendierte der Papst Lefebvre am 22. Juli 1976 a divinis und entzog ihm damit alle Vollmachten seines Priester- und Bischofsamts. Dennoch empfing er ihn am 11. September 1976 nochmals zu einer Audienz, die ergebnislos verlief.

Lefebvre blieb Leiter der Piusbruderschaft, seit 1982 zusammen mit Franz Schmidberger als Generalvikar mit dem Recht auf Nachfolge. Er wurde zur Symbolfigur für konservative und radikale Gegner aller Kirchenreformen seit 1960 in der Tradition der Action française. Die Piusbruderschaft wurde vor allem in Frankreich zu deren Sammelbecken. Lefebvres Anhänger machten am 27. Februar 1977 bei der Besetzung der Kirche Saint Nicolas du Chardonnet in Paris auf sich aufmerksam.

Die Piusbruderschaft eröffnete in verschiedenen Staaten weitere kirchlich ungenehmigte Priesterseminare und Kapellen und führte unerlaubte Priesterweihen durch. Sie begründet dies im Gegensatz zum Sedisvakantismus mit einer häretischen Mentalität des Vatikans, leitet daraus einen Notstand und damit ihr Recht zum Ungehorsam gegenüber Rom und den lokalen Diözesanbischöfen ab.

Dieses Dokument unterschrieben Lefebvre und Kardinal Joseph Ratzinger - der heutige Papst - und sandten es an Papst Johannes Paul II. mit der Bitte um Zustimmung.

Lefebvre erklärte jedoch schon am 6. Mai, sein Gewissen verpflichte ihn, mit oder ohne päpstliche Erlaubnis am 30. Juni einen Nachfolger zum Bischof zu weihen. Am 24. Mai wurde ihm in Aussicht gestellt, dass der Papst am 15. August einen Priester der Bruderschaft zum Bischof ernennen werde, falls man einen geeigneten Kandidaten finde. Im Gegenzug müsse Lefebvre auf der Basis des am 5. Mai von ihm unterzeichneten Protokolls um Aussöhnung mit dem Papst ersuchen und einen Brief mit Entschuldigungsbitten unterzeichnen.

Lefebvre verlangte daraufhin, die Weihe müsse am 30. Juni stattfinden, nicht einer, sondern drei Bischöfe seien zu weihen und die vorgesehene Kommission müsse mehrheitlich aus Mitgliedern der Bruderschaft bestehen. Diese Bedingungen lehnte Papst Johannes Paul II. in einem von Joseph Ratzinger überbrachten Brief am 30. Mai ab. Am 3. Juni 1988 antwortete Lefebvre aus Ecône, er werde am 30. Juni die von ihm geplanten Bischofsweihen auch ohne päpstliche Erlaubnis durchführen.

Papst Johannes Paul II. erinnerte Lefebvre am 9. Juni 1988 nochmals brieflich an die von ihm am 5. Mai unterzeichnete Vereinbarung und appellierte an ihn, nicht mit seinem Plan fortzufahren. Dieser werde als schismatischer Akt bewertet, dessen theologische und kanonische Konsequenzen Lefebvre bekannt seien. Als dieser darauf nicht antwortete, machte der Vatikan den Briefwechsel am 16. Juni 1988 öffentlich bekannt.

Ein späterer Vermittlungsversuch des französischen Philosophen Jean Guitton scheiterte.

Als Reaktion auf die unerlaubten Bischofsweihen erließ die Kongregation für die Bischöfe am 1. Juli 1988 ein Dekret, das Lefebvre, de Castro Mayer und die vier frisch geweihten Piusbischöfe für exkommuniziert erklärte. Am folgenden Tag bestätigte Papst Johannes Paul II. dieses Dekret mit einem Apostolischen Brief. Der Vollzug illegitimer Bischofsweihen durch Lefebvre im Ungehorsam gegenüber dem Papst sei ein schismatischer Akt. Er forderte alle Katholiken mit irgendwelchen Kontakten zur der Piusbruderschaft auf, diese nicht mehr zu unterstützen. Zugleich setzte er die Kommission Ecclesia Dei mit dem Auftrag ein, um den Fall zu prüfen.

Einige Priester verließen die Piusbruderschaft sofort nach deren unerlaubten Bischofsweihen und gründeten noch 1988 die Priesterbruderschaft St. Petrus. Diese erkennt alle Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils und die auf dessen Anordnung durchgeführte Liturgiereform an, so dass sie vom Papst anerkannt wurde.

Der Vatikan erkennt die Piusbruderschaft nicht als Teil der römisch-katholischen Kirche an, sieht sie aber auch nicht als schismatisch an. Er sieht aber die Gefahr, dass ihre Mitglieder zum Schisma tendieren.

Die Piusbruderschaft bestreitet das Vorliegen und Anstreben eines Schismas, erkennt den Papst ausdrücklich an und betont ihre Loyalität ihm gegenüber sowie ihr tägliches Gebet im Messkanon für ihn und die Ortsbischöfe. Sie bestreitet auch den Eintritt der Exkommunikation aufgrund einer kirchlichen Notlage. Die Priesterweihen der Piusbruderschaft sind nach katholischem Kirchenrecht gültig, die Priester gelten jedoch wegen des Mangels einer gültigen Inkardination als suspendiert. Lefebvre beanspruchte das Recht, in die eigene Gemeinschaft inkardinieren zu können, nachdem Kardinal Antoniutti, Präfekt der Kongregation für die Ordensleute, zwei Ordenspriestern einen Indult erteilte, von ihrem Orden direkt in die Bruderschaft überzutreten, was kirchenrechtlich einer Inkardinationsberechtigung gleichkommt.

Der Vatikan sieht die Messen der Piusbruderschaft als gültig an, rät aber vom ihrem Besuch ab. Auf eine schriftliche Anfrage antwortete Camille Perl 1995 als damaliger Sekretär der päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“, Besuche von Messen der Piusbruderschaft seien moralisch unerlaubt (morally illicit). 2002 und 2003 nannte er die Messen nur noch rechtlich unerlaubt (illicit i. e., contrary to the law). Es sei keine Sünde, daran teilzunehmen, um einfach eine Messe nach der Messordnung von 1962 zu feiern. Ein Katholik könne damit strenggenommen (in the strict sense) die Sonntagspflicht erfüllen. Auch eine moderate Spende bei dortigen Kollekten sei keine Sünde und erscheine vertretbar. Diese Messbesuche könnten allerdings weiterhin nicht empfohlen werden. Gläubige, die dennoch eine von Priestern der Bruderschaft gehaltene Messe besuchen, riskieren nur dann Sanktionen, wenn sie in der Piusbruderschaft „die einzig wahre Kirche sehen und dies im äußeren Bereich sichtbar machen“.

Diese Vorschrift gilt nach ihrem Wortlaut nur für den Sakramentenempfang bei „nichtkatholischen Spendern, in deren Kirche die Sakramente gültig gespendet werden“, ist also nicht direkt auf die Priester der Piusbruderschaft anwendbar, die als katholisch gelten. Die Kommission Ecclesia Dei wandte c. 844 § 2 jedoch im September 1995 auf Messen der Piusbruderschaft an. Sie legte den Paragrafen dabei über den Wortlaut hinausgehend aus, wie es in der Kanonistik üblich ist.

Die von Johannes Paul II. eingesetzte Dialogkommission Ecclesia Dei unter Kardinal Hoyos führte unregelmäßige Gespräche mit der Priesterbruderschaft ohne greifbare Ergebnisse.

Im Sommer 2005 empfing Papst Benedikt XVI. Bernard Fellay und Franz Schmidberger persönlich zu einem freundschaftlichen Meinungsaustausch. Im Umfeld des ersten Konsistoriums dieses Papstes am 24. März 2006 verstärkte der Vatikan seine Bestrebungen, den Anhängern der Piusbruderschaft eine vollkommenere Gemeinschaft mit der Römischen Kirche zu ermöglichen.

Der Papst erleichterte mit dem Motu Proprio Summorum Pontificum vom 7. Juli 2007 die Feier der Messe nach dem Messbuch von 1962. Zugleich ermächtigte er die Kommission Ecclesia Dei dazu, diese „außerordentliche Form des römischen Ritus“ zu organisieren. Dies wurde als Versuch gewertet, auch die Abspaltung der Piusbruderschaft zu überwinden.

Maßgebliche Beobachter schätzten die Erfolgsaussichten gering ein, da die heutigen Vertreter der Piusbruderschaft nicht nur bei der Liturgie Entgegenkommen fordern. In den Medien verlautete, Bernard Fellay habe kurz nach seiner Audienz beim gegenwärtigem Papst diesem eine mit Korrekturanmerkungen versehene Fassung des Kompendiums des Katechismus' der Katholischen Kirche zukommen lassen. Die Anmerkungen konzentrierten sich dabei auf Fragen der katholischen Staatsdoktrin, der Religionsfreiheit und den Ökumenismus.

Am 15. Dezember 2008 schrieb Bernard Fellay im Namen aller vier Bischöfe der Piusbruderschaft an Ecclesia Dei, man sei bereit, der katholischen Kirche zu dienen, ihre Lehren, den Primat Petri und seine Vorrechte zu akzeptieren. Dies erfüllte eine Bedingung des Vatikans zur Aufhebung der Exkommunikation.

Am 21. Januar 2009 hob Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation der vier Bischöfe durch ein Dekret der Bischofskongregation auf. Er begründete diesen Schritt damit, dass er dem „spirituellen Unbehagen“ der exkommunizierten Bischöfe mit „väterlicher Einfühlsamkeit“ begegne und ihre kirchenrechtliche Lage überdenken wolle. Er glaube ihrer schriftlich zugesicherten Bereitschaft, mit dem Vatikan ernsthaft über bestehende Differenzen zu reden, um „bald zu einer vollen und zufrieden stellenden Lösung des zugrunde liegenden Problems“ zu gelangen. Dieses „Geschenk des Friedens“ zum Ende der Weihnachtszeit solle die „Einheit in der Barmherzigkeit der Universalkirche“ fördern und „den Skandal der Spaltung“ überwinden.

Das Dekret wurde am 24. Januar bekanntgegeben. Es beinhaltet das Recht zum gültigen Empfang der Sakramente, aber kein Recht, diese zu spenden und keine Anerkennung der Bischofsämter. Diese werden erst für den Fall einer vollen Anerkennung des 2. Vatikanischen Konzils durch die Bruderschaft in Aussicht gestellt.

Wegen ihres zeitlichen Zusammentreffens mit dem Bekanntwerden der Holocaustleugnung von Richard Williamson erschien die Aufhebung der Exkommunikation als Rehabilitation von Ansichten, die führende Mitglieder der Piusbruderschaft vertreten. Dies rief anhaltende inner- und außerkirchliche Proteste hervor.

Aus Protest gegen die päpstliche Wiederaufnahme eines Holocaustleugners in die römisch-katholische Kirche setzte das israelische Oberrabbinat die Beziehungen zum Vatikan am 21. Januar unbefristet aus.

Am 23. Januar 2009 warnte die Anti Defamation League den Vatikan schriftlich vor der bevorstehenden Wiederaufnahme Williamsons und der Piusbruderschaft in die römisch-katholische Kirche, die negative Folgen für deren Verhältnis zum Judentum haben werde. Ebenso warnte der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni den Papst vor negativen Folgen für das jüdisch-katholische Verhältnis und sprach von einer „tiefen Wunde“, die eine „Beendigung des Schismas“ und die „Wiederaufnahme der Lefebvristen in die Kirche“ reißen würde.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland brach den Dialog mit der katholischen Kirche vorerst ab. Der israelische Minister für Religionsangelegenheiten, Jizchak Cohen, empfahl seiner Regierung am 31. Januar den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Vatikan.

Er forderte die Piusbruderschaft auf, die weiteren notwendigen Schritte zur vollen Kirchengemeinschaft zu tun, das päpstliche Lehramt und das Zweite Vatikanische Konzil anzuerkennen.

Nachdem die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel den Papst am 3. Februar zu einer Klarstellung bezüglich der Holocaustleugnung Williamsons aufgefordert hatte, verlangte das Staatssekretariat des Vatikans am Folgetag, Williamson müsse seine Aussagen zum Holocaust vollständig, eindeutig und öffentlich widerrufen. Andernfalls könne er keine Ämter in der katholischen Kirche übernehmen. Eine Frist dazu setzte es ihm nicht. Die „volle Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils und des Lehramts der Päpste Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul I., Johannes Paul II. sowie Benedikt XVI.“ sei die „unerlässliche Bedingung“ für die „künftige Anerkennung der Bruderschaft St. Pius X.“. Die Aufhebung der Exkommunikation habe deren kirchenrechtliche Lage noch nicht verändert.

Nach Presseberichten vom 4. Februar 2009 stuften Vatikanvertreter die Sendung des Williamson-Interviews vom 21. Januar 2009 intern als „gezieltes Komplott“ und „bewusst gestellte Falle“ ein, mit der bestimmte Medien dem Papst zu schaden versucht hätten. Dem widersprachen die schwedischen Journalisten, die das Interview geführt hatten.

Nach einem internen Dossier soll der Papst dagegen von eigenen Mitarbeitern in eine vorbereitete Falle gelockt worden sein. Andere Vatikanvertreter sprachen von „ignoranter Schlamperei und mangelhafter Kommunikation in der Kurie“. Das Vatikanische Staatssekretariat habe die Veröffentlichung des Aufhebungsdekrets am 24. Januar noch vergeblich zu verhindern versucht. Dem widersprach Kardinal Hoyos: Er habe bis zum Dekret des Papstes nichts von antisemitischen Ansichten Williamsons bemerkt. Sein Mitarbeiter Camillo Perl erklärte, man habe politische Ansichten der Piusbischöfe nicht geprüft, da die meisten Kardinäle die Aufhebung ihrer Exkommunikation schon Ende 2007 befürwortet hätten, um das bereits eingetretene Schisma zu überwinden.

Vatikansprecher Federico Lombardi erklärte am 6. Februar 2009, die Williamsonaffäre habe „Kommunikationsdefizite in der Kurie“ aufgedeckt. Jede Abteilung kommuniziere eigenständig, ohne immer mit der Presseabteilung des Vatikans zusammenzuarbeiten. Das Aufhebungsdekret sei mangelhaft vorbereitet worden; wäre die Klarstellung des Vatikanischen Sekretariats vom 4. Februar gleichzeitig erfolgt, hätte die Affäre vermieden werden können. Benedikt XVI. habe vor der Aufhebung der Exkommunikation nichts von den Aussagen Williamsons gewusst.

Der belgische Theologe und Ethiker Jean-Pierre Wils trat am 1. Februar wegen der päpstlichen Entscheidung aus der römisch-katholischen Kirche aus. Er nannte die Priesterbruderschaft in einem Interview eine „extrem reaktionäre und zutiefst antisemitische Gruppe, die mit Diktatoren und rechtsgerichteten Regimen sympathisiere“.

Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz übte Kritik am mangelnden Informationsfluss im Vatikan. Bei der Entscheidung, die Exkommunikation Williamsons zurückzunehmen habe man „den Papst leichtfertig ins Messer laufen lassen“. Der der zuständigen päpstlichen Kommission als Präsident vorstehende Kardinal Darío Castrillón Hoyos hätte sich vergewissern müssen, „was für Personen“ die Betroffenen seien. Die Theologin Uta Ranke-Heinemann nannte die Zurücknahme der Exkommunizierung einen „schweren Fehltritt“.

Der emeritierte Regensburger Dogmatiker Wolfgang Beinert nannte die Piusbruderschaft „demokratiefeindlich“.

Für den Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth ist die Piusbruderschaft ein „Fall für den Verfassungsschutz“, da sie einen „katholischen Gottesstaat“ anstrebe. Dies forderten auch Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen), Klaus Uwe Benneter und Sebastian Edathy (SPD). Sie begründeten dies auch damit, dass die Piusbruderschaft die Todesstrafe befürwortet.

Journalisten kommentierten dazu oft die Haltung des heutigen Papstes: Benedikt wusste, was er tat und mit wem er es zu tun hatte. Niemand im Vatikan kennt die Piusbruderschaft länger und wohl auch besser als er, schrieb Daniel Deckers (FAZ).

Friedrich Wilhelm Graf (NZZ) schrieb: Wer glaube, der Papst habe nicht gewusst, was er mit der Aufhebung der Exkommunikation der schismatischen Bischöfe tat, könne sich durch die Lektüre der Schriften Joseph Ratzingers eines Besseren belehren lassen. Isolde Charim (Taz) meinte: Die Piusbruderschaft habe für den Papst Vorbildcharakter, er setze mit ihrer Wiederaufnahme auf eine kämpferische Kernkirche von Überzeugten.

Dem Philosophiehistoriker Kurt Flasch (SZ) zufolge stimmen die Vorstellungen von der Kircheneinheit bei der Piusbruderschaft und Papst weitgehend überein. Die Aufhebung der Exkommunikation trotz im Vatikan bekannter antikonziliarer, antisemitischer und antimoderner Äußerungen sei daher gewollt, die möglichen Folgen seien bewusst missachtet worden.

Der österreichische Politiker Ewald Stadler (früher FPÖ, jetzt Abgeordneter für das BZÖ), ein jahrelanger Unterstützer der Piusbruderschaft, erklärte: Diese wolle die Einheit mit Rom gar nicht; Williamson habe seine Holocaustaussagen bewusst getätigt, um den Einigungsprozess zu zerstören. Stadler verlangte ein Ultimatum des Vatikan an die Piusbruderschaft, um in die kirchliche Einheit zurückzukehren. Zugleich sollten die einzelnen Diözesen deren Laienmitgliedern die Wiedereingliederung erleichtern.

Bernard Fellay verbot Williamson am 27. Januar 2009 bis auf weiteres, Stellungnahmen zu politischen und historischen Sachverhalten abzugeben. Er habe Williamsons Antisemitismus nicht bemerkt. Dieser sei nicht die Position der Bruderschaft.

Williamson hatte in einem öffentlichen Brief an Hoyos am 30. Januar bedauert, sein Interview sei „unbedacht“ gewesen, und sich beim Papst für die Folgen entschuldigt, allerdings ohne seine Holocaustleugnung zurückzunehmen. Am 9. Februar erklärte er, er müsse die historischen Beweise für den Holocaust erst prüfen und werde dazu das Buch von Jean-Claude Pressac (Auschwitz. Technique and operation of the gas chambers) studieren. Das brauche Zeit. Nachdem Argentinien ihn am 19. Februar wegen formalen «Unregelmäßigkeiten» in seinen Aufenthaltspapieren zur Ausreise innerhalb von zehn Tagen aufforderte, reiste er am 24. Februar 2009 aus Argentinien aus und flog nach London.

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Source : Wikipedia