Religion

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Geschrieben von c3po 27/02/2009 @ 10:40

Tags : religion, gesellschaft

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Germanische Religion

Die Germanische Religion ist ein Sammelbegriff für die polytheistischen paganen religiösen Kulte und Riten der germanischen Stämme und Völker im Zeitraum seit der der jüngeren Bronzezeit bis zur Christianisierung des ausgehenden Frühmittelalters. Die Religion ist von der germanischen Mythologie zu unterscheiden.

Die Germanische Religion wird wissenschaftlich auf Grund der zeitlichen wie lokalen Differenzierbarkeiten der Quellen in eine Nordgermanische Religion und Südgermanische Religion unterschieden, und durch die Sonderentwicklung der Angelsachsen durch die Übersiedlung auf die britische Hauptinsel in die Angelsächsische Religion.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Informationen zu diesem Thema sehr lückenhaft sind, so dass eine große Versuchung besteht, eine lokal überlieferte Tradition über das gesamte Gebiet der Germanen zu verallgemeinern. Für eine solche Annahme muss es schon mehrere unabhängige Überlieferungen geben. Die andere Gefahr besteht darin, die Bewohner des germanischen Gebietes als eine in religiösen Ansichten homogene Gesellschaft zu betrachten. Wie aus dem klassischen Griechenland bekannt, gibt es zu allen Zeiten und in allen Gesellschaften Menschen, die sehr stark das Übernatürliche in ihren Lebensvollzug einbeziehen, und andere, die von all dem nichts halten, und dazwischen allerlei Mischformen, die zwar den Volksglauben ablehnen, gleichwohl aber “sicherheitshalber” Amulette unter der Türschwelle vergraben und selbstverständlich aus Gründen der gesellschaftlichen Reputation und des Gruppenzwangs an den Kultfesten teilnehmen. Hier werden diejenigen Vorstellungen behandelt, die die an das Übernatürliche Glaubenden in ihrem Leben beachteten.

Bestimmte Praktiken der Bevölkerung lassen sich aus frühen Gesetzen herleiten, wo sie im einzelnen aufgeführt und mit Strafe bedroht werden. Auch findet man Hinweise in frühen Predigten und regionalen Synodenbeschlüssen oder Missionarsviten. Die sehr reichhaltigen Quellen Skandinaviens werden nur sporadisch berücksichtigt, weil sie ihren Platz im Artikel Nordgermanische Religion haben.

Hier werden auch weitere magische Praktiken erwähnt. Baumheiligtümer sind sehr alte Elemente, die sicher schon zu Zeiten Adams von Bremen viele Generationen hinter sich hatten. Er berichtet von einem heiligen Hain beim Opferfest un Upsala. Bonifatius fällte die Donareiche.

In Friedenszeiten fand das religiöse Leben seinen Ausdruck in diversen Kultfesten. Der Charakter und die Ausprägung dieser Kultfeste wurde von der Art und Größe der politischen Gemeinschaft bestimmt. Zu dieser Zeit bedeutete politische Gemeinschaft zugleich religiöser Bezirk, und es gab keine Trennung zwischen Politik und Kult.

Von besonderem Interesse dürfte der Bericht des Tacitus über das Opfer im Semnonenhain sein.

Die Hauptfeste fanden im Spätherbst bzw. zu Wintersbeginn, zur Mittwinterszeit, also Mitte Januar, im Spätfrühling und zum Beginn der Sommerzeit statt. Hinzu kam noch das Mittsommerfest. Dies waren Jahreskreisfeste und man opferte für gutes Wachstum, eine gute Ernte und Frieden; gelegentlich auch für den Sieg.

Der Festzyklus hatte eine bestimmte Struktur, der in verschiedenen Variationen auftritt: Der Genius der Fruchtbarkeit wird durch einen konktreten Vertreter, meist ein Mensch, seltener ein Tier, repräsentiert. Nach dem Ende der Fruchtbarkeitsperiode oder vor Beginn einer neuen wird dieser Repräsentant des Lebens getötet (in neuerer Zeit nur noch symbolisch). Meist tritt dann sein Gegner, der ihn in einem Tötungsritus ums Leben bringt, seine Nachfolge an. Ein Symbol des Getöteten wird feierlich verbrannt, begraben oder dem Wasser übergeben. Zum Frühlingsbeginn wird dann das Erscheinen des neuen Fruchtbarkeitsgeistes gefeiert. Er gilt als der wiedergeborene Getötete oder als sein Nachfolger. Wenn das Tötungsritual im Herbst stattfindet, ist dessen Nachfolger zunächst ein Winterdämon (Wintergraf), der dann im Frühjahr vom Wachstumsgeist (Maigraf) getötet wird. Meist vereinigt dieser sich mit einem Mädchen, das die Mutter Erde repräsentiert, also eine Spielart der Hierogamie.

Geopfert wurden Opfertiere, vornehmlich das Pferd. Anschließend fand ein gemeinsames Kultmahl statt. Dies beinhaltete auch das Leeren des sog. „Minnebechers“. In diesem war ein Rauschtrank (meistens Met). Diese Becher waren entweder den Göttern oder Verstorbenen mit heiligen Formeln geweiht. Das Blut der Opfertiere wurde in einem Opferkessel aufgefangen und auf dem Altar und der Kultgemeinde versprengt. Aus kirchlichen Schriften geht hervor, dass es auch an Tanz und Gesang bei solchen Opferfesten nicht fehlte.

Nur bei den sog. Landes- und Bundesfesten fanden Menschenopfer statt. Aus den verschiedensten Quellen geht hervor, dass nur Sklaven oder Gefangene geopfert wurden. Einzige Ausnahme: wenn ein Stammes- bzw. Sippenmitglied wegen einer Untat „unheilig“ gesprochen wurde, also der Sippe verstoßen und rechtlos wurde.

Durch die häuslichen Feste und Kultriten wurde beispielsweise die Geburt eines Kindes, dessen Namensgebung und Aufnahme in die Sippe gefeiert. Für diese oder ähnliche Zwecke wurden kleine „Opferhäuser“ gebaut. Die Göttin Nerthus fand in vielen Sippen große Verehrung. Sie galt allgemein als eine Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin. Es gab einen alljährlicher Umzug ihr zu ehren. Dabei fuhr sie auf einem von Kühen gezogenen Wagen und verdeckt mit einem Tuch einher. Nach diesem Umzug fand eine rituelle Waschung der Göttin an einem See statt, bei der die Teilnehmer der Kulthandlung ebenfalls untergetaucht wurden.

Das germanische Rechtswesen beruht ursprünglich auf religiöser Grundlage. Es existierten sog. Thinge, Gerichtsversammlungen. Diese wurden an sog. Thingstätten stets bei Tag (daher der Name Tagung) abgehalten. Die Thinge waren geheiligte Orte. Somit wollte man sich der göttlichen Hilfe bei der Rechtsprechung gewiss sein.

Auf einem „heiligen Altarring“ wurden unter Anrufung der Götter die Rechtseide abgehalten. Die Anrufung der Götter schien den Germanen wichtig, denn somit ließ sich Eidbruch und Rechtsverletzung verhindern.

Eine Art sakrales Strafrecht gab es nicht. Auch der Meineid war straflos. Denn man ging davon aus, dass die beim Eid angerufenen Götter den Täter selbst strafen würden.

Sicher ist aber, dass der Ankläger auf einen Rechtsbrecher den Zorn der Götter herab rief. Doch war dies lediglich eine Art der Verfluchung, deren Wichtigkeit man nicht unterschätzen darf.

Vor einem Krieg oder einer kriegerischen Handlung wurden dort den Göttern Gelübde für den Sieg dargebracht, und nach der Schlacht die Kriegsgefangenen als Votivopfer aufgehängt. Die Siegesfeiern waren mit Ehrungen für den Anführer und Totenfeiern für die Gefallenen verbunden.

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Sumerische Religion

Die sumerische Religion gilt als erste schriftlich fassbare Religion der Region Mesopotamiens; sie inspirierte in den nachfolgenden Zeitepochen viele Kulturen, so z. B. die Akkader, Assyrer und Babylonier.

Vor der Erschaffung des Menschen lag die Erschaffung der Götter. Im ersten Schöpfungsakt wurde von der Göttin Nammu, die das Urmeer darstellte, die Erdgöttin Uraš und der Himmelsgott An erschaffen. Im weiteren Verlauf der Schöpfung folgten nun Vegetations- und Luftgott Enlil und seine Gemahlin Ninlil, die symbolisch für die Ernährung als Getreidegöttin verehrt wurde. Als weitere göttliche Nachkommen wurde der Kriegsgott Nergal und die Unterweltsgöttin Ereškigal sowie die Göttin des Schilfes Ningal und der Mondgott Nanna erschaffen. Ningal und Nanna gelten als Elternpaar des Sonnengottes Utu, der Fruchtbarkeitsgöttin Inanna und Nusku, dem Feuergott.

Die Sumerer glaubten, dass nach Erschaffung der Götter die Schöpfung des Menschen durch das Aussprechen der göttlichen Worte vollzogen wurde. Für die Weltordnung wurden die ME erstellt; eine Sammlung unumstößlicher Regeln und Gesetzen, die aus der göttlichen Weisheit heraus entstanden. Jeder Mensch musste diesen Regeln folgen, da sonst das Chaos drohte und der Mensch dem Untergang geweiht war.

Herausragende Bedeutung neben den Schöpfergottheiten hatten die drei Himmelsgottheiten Nanna, Utu und Inanna. Ein weiterer Gott von großer Bedeutung war Ninurta, der Gott des Südwindes. Große Beliebtheit wurde dem Schäfergott Dumuzi zuteil. Ursprünglich war er ein sterblicher Herrscher, dessen Heirat mit Inanna die Fruchtbarkeit des Landes sicherstellen sollte. Die Ehe endet jedoch mit einer Tragödie: Inanna fühlte sich von Dumuzi zu wenig beachtet. Hintergrund war die Unterweltfahrt von Inanna zu Ereschkigal im Reich der Toten. Inanna wollte die Erkenntnis des Todes erlangen und wurde aus diesem Grund von Ereschkigal umgebracht. Unter Hilfe zweier Götter, die von Geštinanna zu Ereschkigal geschickt wurden, konnte Inanna, nach drei Tagen im Totenreich, als Wiederauferstehung zurück in das Reich der Lebenden eintreten. Dumuzi war während der drei Tage wenig besorgt um Inanna, weshalb er dazu verurteilt wurde, alljährlich sechs Monate in der Unterwelt zu verbringen. Dieses Urteil führte als Folge zu den trockenen, unfruchtbaren Monaten des heißen Sommers. Geschtinanna war, wegen der großen Liebe zu Dumuzi, bereit, in Abwesenheit von Dumuzi auf die Erde zu kommen und ihn zu vertreten. Nach Rückkehr des Dumuzi musste Geschtinanna für sechs Monate den Weg in das Reich der Toten antreten. Dumuzis Wiedervereinigung mit seiner Gemahlin führte zum Wiederaufleben und zur erneuten Fruchtbarkeit im Tier- und Pflanzenreich. Das neue Jahr feierten die Sumerer mit der Heiligen Hochzeit von Dumuzi und Inanna. Den Höhepunkt dieser Feier bildete die rituelle Vereinigung, wobei der König den Dumuzi und eine Hohepriesterin die Inanna verkörperte.

Der Gott Enki (En-ki bedeutet „Herr der Erde“), mit Beinamen „Herr der List“ oder „Herr von Eridu“, der Gott der Weisheit und des Wissens, ist der Gott der Geheimnisse. Sein Thron befand sich unter der Erde in Verbindung mit dem Abzu/Apsu in Eridu, wobei aus am Thron angebrachten Gefäßen zwei Wasserströme entspringen. Er wurde auch als Grundwasser- und Quellengottheit verstanden. Das salzhaltige Wasser des Meeres wurde dagegen als separate Einheit gesehen. Enki manipulierte bzw. betrog und hinterging sowohl andere Götter wie auch die Menschen für seine Zwecke. So wurde Enki zugeschrieben, die Ursprache der Menschen mit einem so genannten nam-shub verwirrt und so das Ende eines goldenen Zeitalters bewirkt zu haben. Im Gegensatz dazu bringt der Gott Enlil den Menschen die Sprache bei. Als seine Heimat werden die Länder der Shubur-Hamazi, der polyglotten Sumerer, Ur, und das Land der Martu benannt. Die älteste Schicht der sumerischen Götterwelt stellen wohl die Anunna oder Anunaki dar. So glaubten die Sumerer der Ackerbau, sowie Viehzucht und Webkunst seien von dem heiligen Berg Du-Ku zu den Menschen gebracht worden. Dort lebten die Anunna-Götter. Sie waren einst Götter aus einer sehr alten Zeit ohne individuelle Namen.

Königen, hohen Würdenträgern und einflussreichen Bürgern wurden Opfer am Kianag (Ort, an dem man die Toten trinken lässt) dargebracht. Die Opferung von libierten Flüssigkeiten, zumeist Bier oder Wasser, fand an Vorabenden von wichtigen religiösen Festen statt. So wurden z. B. in die Gräber der Könige von Ur vertikal Röhren eingelassen, die zur Aufnahme der Trankopfer dienten.

Am Anfang der Zeit wächst auf der Erde ein Baum, während die Welt schon, wie in der archaischen Mythologie üblich, in die drei Ebenen Himmel, Erde und Unterwelt eingeteilt wurde. Die sakrale Ordnung steht vor der Erschaffung. Der, am Euphrat, wachsende Baum steht kurz vor der Entwurzelung. Inanna rettet den Baum und pflanzt ihn in ihren eigenen Garten. Dieser Akt symbolisiert die erste kulturschaffende Ordnung. Der Baum wird zur Wohnung; im Wipfel wohnt der göttliche Himmelsvogel, im Stamm die Göttin Lilith und in den Wurzeln die Schlange als Symbol für die Unterwelt. Die Göttin Lilith wird in dieser Erzählung als dämonische Gottheit dargestellt.

Inanna gibt die Anweisung, den Weltenbaum zu fällen. Ihr göttlicher Thron und das Bett sollen als Machtsymbole aus dem Material des Weltenbaums für ihren Sitz in Uruk hergestellt werden. Diese symbolische Handlung begründet die Erschaffung der sakralen Ordnung, in der Inanna nun selbst zur Achse und Mittelpunkt der Welt aufsteigt. Die Handlung stellt zugleich den Aufstieg Uruks zur heiligen Stadt dar. Aus der sumerischen Königsliste wird deutlich, dass es am Anfang weibliche Gottheiten waren, die für den Bau der ersten Städte verantwortlich sind. Typischerweise hilft Utu beim Fällen des Weltenbaums. Ebenso versinnbildlicht der altorientalische Name Innin, das Gegenstück zum sumerischen Ausdruck Inanna, die Göttin des Urwassers als auch die Mondgöttin. Inanna ist Göttin des ganzen Himmels und der zugehörigen Sterne, die auch dann anwesend sind, wenn die Sonne schon längst untergegangen ist. Ihre Symbole waren die Mondsichel und der Planet Venus als Achtzackstern. Die Hilfe von Utu zeigt die damalige Ordnung, in welcher nur die männlichen Gottheiten die symbolische Doppelaxt führen konnten, während die weiblichen Gottheiten auf die Stärke der männlichen Gottheiten zwar angewiesen waren, aber letztendlich die Entscheidungen trafen. In späterer Zeit stiegen die männlichen Gottheiten im Pantheon auf und übernahmen die Funktionen vieler alter weiblicher Gottheiten.

Enki hatte Inanna vorausgesagt, worin die Erkenntnis der Wahrheit besteht: Kunst der Liebe und die Feier der Heiligen Hochzeit. Es bedeutet in der Konsequenz, die Gesetze des Lebens und des Todes selbst zu erfahren. Vor der Heiligen Hochzeit steht das Werben um die Braut. Inannas Bruder und die Mutter spielen die wichtigste Rolle, da die Familie den Bräutigam erwählt; eine junge „unerfahrene“ Frau besitzt dafür nicht die nötige Weisheit. Zunächst erfolgte bei der Wahl des Dumuzi offene Empörung: Was soll ich mit einem Schafhirten? Gebt mir lieber den Ackerbauern! In diesem Vorgang wird die anfängliche Grundhaltung der Sumerer sichtbar, die mehr Wert auf den Ackerbau legten und in den rastlosen, umherziehenden Nomaden eine Bedrohung für die Gesellschaft sahen. Besonders deutlich wird dies im Ausspruch der Inanna: Warum sollte ich den Schafhirten wählen, der einer anderen Kultur angehört, den viehzüchtenden Nomaden der Steppe? Doch die Erzählung löst das vorliegende Problem mit einem Versuch der Einigung beider Kulturen. Die Vorteile für das sumerische Königreich aus der Einbeziehung der Nomaden werden in einem Zuwachs der Landeswirtschaft gesehen. Der Widerstand Inannas endet mit der Entscheidung der Mutter: Das gütige Wort meiner Mutter ist Gesetz für mich. Es folgen die rituellen Wechselgesänge der Werbung für die Heilige Hochzeit. Danach erfolgt der offizielle Staatsakt in Form der Inthronisierung des Dumuzi als neuen König von Sumer. In der Kultur der Sumerer wurde diese Handlung nicht durch Eroberung und Herrschaft vollzogen, sondern durch göttliche Zuweisung, weshalb die Krönung auch nicht im Palast erfolgte. Vollziehender Krönungsort war das Hochzeitsbett der Inanna, das mitten in ihrem Heiligen Tempel stand. Dort, sonst an keinem anderen Ort, übergab die Göttin Inanna den Königen die göttliche Macht und die Regierungssymbole.

Inanna tritt die Unterweltsfahrt entschlossen an, da sie neben den Gesetzen des Himmels und der Erde auch die Gesetze des Todes erfahren möchte. Nach Ankunft im Totenreich verliert sie nach und nach ihre göttlichen Attribute, da Ereschkigal im Totenreich die herrschende Göttin ist. Ereschkigal tötet Inanna mit einem einzigen Blick. Einen Grund für die Tötung von Inanna liegt nicht vor, da Ereschkigal als Verkörperung des Todes jeden, ohne nach Gründen zu fragen, in das Reich des Todes überführt. Inannas jugendlicher Aspekt taucht immer wieder in Gestalt der Ninschubur auf, kämpfende Amazonen als Wächter, die Inanna bedingungslos dienen. Ninschubur kämpfen mit den Waffen der Luft und des Himmels. Von ihnen wurde Enki beauftragt, Inanna Lebenswasser und Lebensspeise zu überbringen. Letztendlich ist es aber Ereschkigal selbst, Inannas ältere Schwester, die das Schicksal wendet. In Geburtswehen liegend gebiert Ereschkigal aus dem Totenreich Inanna wieder. Die zwei göttlichen Helfer, die im Auftrag Enkis zu Ereschkigal gelangen, helfen ihr bei der Geburt. Als Dank erlaubt ihnen Ereschkigal, die neu geborene Inanna, die nun aber die Gesetze des Todes kennt, wieder mit in das Reich der Lebenden zu nehmen.

Dennoch verlangt das Gesetz des Todes ein Opfer für die Wiedergeburt. In der Frage nach dem betreffenden Totenopfer wägt Inanna die Vor- und Nachteile der in Frage kommenden Kandidaten ab. Die Wahl fällt auf Dumuzi. Die Gründe liegen in der Fremdartigkeit des Dumuzi und des Nicht-Trauerns um Inanna. Dumuzi, der die Macht nur durch Inanna erfahren hatte, begreift, dass er ohne die Göttin keinerlei Macht besitzt. Im Unterschied zu Inanna, die freiwillig den Gang in das Totenreich antrat, wird Dumuzi als Verurteilter in die Unterwelt geschickt und verliert im Abstieg sämtliche Heldenattribute. Durch diesen göttlich veranlassten Akt wird die menschliche Sterblichkeit deutlich gemacht und bekleidete im Kult der Sumerer eine zentrale Rolle. Inanna, durch die Erkenntnisse der Unterwelt neu geboren, handelt wie Ereschkigal: Mit einem einzigen Blick sendet sie Dumuzi in die Unterwelt.

In der Geschichte der Flut wird Ziusudra als das Gegenteil von Gilgamesch dargestellt. Die spätere Namensform Utnapischtim bedeutet sinngemäß: Der sehr Kluge, er ist demütig und hört selbst dann auf göttliche Weisungen, auch wenn er persönlich andere Ansichten vertritt. Er wird stilisiert zum Helden der Menschheit gegenüber einem voreiligen Entschluss der Götter. Grundlage für den Plan der Götter bildete das gottlose Lärmen und die Nicht-Einhaltung göttlicher Gebote. Die Errettung der Menschheit durch Ziusudra wird nicht als selbstverherrlichende Tat verstanden, sondern spiegelt den Dienst für die Götter und das Leben wider. In der sumerischen Mythe ist Inanna die hauptsächlich handelnde Gottheit, die nach anfänglichem Desinteresse begreift, was die Entscheidung für alle, die Menschen und die Götter, bedeutet. Sie wird widersprüchlicher und ändert ihre Einstellung. Beim Anblick der sterbenden Menschen handelt sie wie eine Mutter, die ihre eigenen Kinder strafen wollte, aber nicht das Ausmaß der Strafe kannte. Ihre Klageschreie kommen zu spät, das Schicksal schien beschlossen. Enki hatte jedoch in weiser Voraussicht den Plan der Götter unterlaufen, da er als Einziger die Folgen bedachte. Der Luftgott Enlil, der voreilig mit seinem Gehorsam die Sturmflut auslöste, steht am Ende sichtlich beschämt da. Inanna erkennt die Weisheit des Enki an und schenkt Ziusudra und seiner Frau auf der Götterinsel ewiges Leben. Gilgamesch dagegen kann mit der Erzählung Ziusudras nichts anfangen. Ein weiterer Beweis der Unzulänglichkeiten des Gilgamesch für das ewige Leben. Er begehrt es aus selbstsüchtigen Gründen und erkennt nicht den Kern der Heldentat des Ziusudra, weshalb er auch darüber einschläft. Der Schlaf steht hier symbolisch für seine Blind- und Taubheit.

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Religion in Japan

Torii des Itsukushima-Schreins auf Miyajima

In Japan haben immer mehrere religiöse Glaubensformen nebeneinander bestanden und sich zu einem Synkretismus vermischt. Die wichtigsten sind der Shintō und der Buddhismus, der Japan im 5. oder 6. Jahrhundert erreichte. Daneben gab es chinesische Einflüsse durch Taoismus und Konfuzianismus, die von Shintō und Buddhismus aufgenommen und integriert wurden. Heute gehören die meisten Japaner, zumindest statistisch, beiden Hauptreligionen an. Das Christentum spielt in der Geschichte Japans nur eine untergeordnete Rolle. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs herrscht eine besonders hohe religiöse Toleranz in Japan, was zu einem starken Anstieg neureligiöser Sekten geführt hat.

Der Begriff Religion wird im modernen Japanisch mit shūkyō übersetzt, wtl. „Schul-Lehre“. Der Begriff entstand als Übersetzungswort des westlichen Religionsbegriffes und ist daher eine moderne Vokabel, die die Vorstellung einer auf bestimmte Dogmen gegründeten „Buchreligion“ hervorruft. Um das traditionelle und großteils auch heute noch gängige religiöse Weltbild Japans umfassend zu verstehen, muss man den Begriff „japanische Religion“ jedoch weiter fassen.

Japanische Religion in einem umfassenden Sinn ist ein Konglomerat von verschiedenen buddhistischen Lehren und Institutionen, einheimischen Gottheiten (kami) und den mit diesen Gottheiten verbunden Tabu- und Reinheitsvorstellungen, sowie diversen mit dem Buddhismus nach Japan gekommenen indischen, chinesischen und koreanischen Göttern, die heute zumeist in Shintō-Schreinen verehrt werden (vgl. Shinbutsu-Shūgō). Auch Totenseelen, Ahnen und Geister sind Teil dieses Pantheons. Lange Zeit bestand nur eine unscharfe Trennung zwischen diesen Bereichen. Erst die Meiji-zeitliche, per Gesetz verordnete „Trennung von Kami und Buddhas“ schuf die Notwendigkeit, die vielen gemischt-religiösen Institutionen entweder dem Shintō oder dem Buddhismus zuzuordnen (vgl. Shinbutsu Bunri und Staats-Shintō). Seit der Abschaffung dieser Gesetzlage nach dem Zweiten Weltkrieg, kommt es zu einer allmählichen Rückentwicklung dieser Trennung, die in der Praxis ohnehin nur teilweise vollzogen worden war.

Zur typischen Religionsauffassung in allen traditionellen Religionsgemeinschaften zählt der Glaube, dass alle Gottheiten Wohltaten (riyaku) in diesem oder dem nächsten Leben gewähren können. Die Alltagsreligiosität ist auch heute noch stark auf die Erlangung solcher Wohltaten ausgerichtet. Einfachere Praktiken sind jedem Japaner geläufig, besonders schwierige überlässt man religiösen Experten (Mönchen, Priestern usw.), die als Mittlergestalten zu den Gottheiten fungieren. Es gibt keine Konversion, kein festes Dogma und affektiver Glaube wird nicht verlangt. Abgrenzen lässt sich die japanische Religion von Religionen mit ausschließlicher bzw. ausschließender Lehre (wie einigen neuen Religionen in Japan oder Christen), die solche Praktiken ablehnen.

Offizielle religiöse Statistiken Japans muten auf den ersten Blick oft seltsam an, da fast alle Japaner als Shintōisten und gleichzeitig als Buddhisten angeführt werden. Wer in Japan die Dienste eines buddhistischen Mönchs in Anspruch nimmt, gilt statistisch als Buddhist, wer Geld an den lokalen Schrein spendet, gilt als Shintōist. Daher sind offiziell rund 85% der Bevölkerung Buddhisten und über 90% Shintōisten. Fragt man jedoch auf der Straße nach der Religion (shūkyō!), ist die Antwort der Mehrzahl: „Shūkyō wa nai.“ – Keine Religion!

Shintō (jap. 神道 shintō, dt. Weg der Kami) – oft auch als Shintoismus bezeichnet – ist der Glaube an die einheimischen Götter Japans, die Naturkräfte, aber auch vergöttlichte Ahnen verkörpern können. Shintō ist eine polytheistische Religion ohne Gründer und ohne festgelegte Lehren und beruht daher auf einem anderen Religionskonzept als die so genannten monotheistischen Schriftreligionen. Auch Jenseits- und Moralvorstellungen sind nicht deutlich herausgearbeitet und stark vom Buddhismus oder von chinesischen Konzepten beeinflusst. Im Grunde ist der Shintō ein Nebeneinander lokaler Traditionen, die kaum auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden können. Viele Richtungen des Shintō berufen sich allerdings auf die Mythen des Altertums. In deren Mittelpunkt steht die Sonnengöttin Amaterasu, von der sich die Familiendynastie der japanischen Tennō herleitet. Zeitweise, insbesondere von der Meiji-Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg, galt der Tennō sogar als sichtbare Gottheit, diese Ideologie wurde nach der Niederlage Japans jedoch bald offiziell widerrufen.

Shintō wird nicht nur mit dem Tenno, sondern auch mit volksreligiösem Brauchtum assoziiert. Insbesondere die Feste der Schreingottheiten (jap. matsuri) nehmen zumeist den Charakter von fröhlich-überschäumenden Volksfesten an. Shintō wird daher oft als diesseitiges Gegenstück zum jenseitsorientierten Buddhismus aufgefasst. Tatsächlich haben sich Buddhismus und Shintō ab dem 6. Jahrhundert untrennbar vermischt, und vieles, was heute als shintoistisch gilt, wurde einst mit dem Buddhismus aus China oder Indien nach Japan gebracht.

Innerhalb der großen buddhistischen Richtungen ist in Japan vor allem der Mahayana-Buddhismus von Bedeutung. Zu dessen Untergruppen gehören u. a. der Zen-Buddhismus, die Nichiren-Schule und der Buddhismus vom Reinen Land (jap. Jōdo-shū bzw. Jōdo-Shinshū). Diese Schulen unterscheiden sich nicht nur durch ihre Schriften und religiösen Praktiken, sondern auch durch die Konzentration auf verschiedene Buddhas. Im Buddhismus des Reinen Landes steht beispielsweise Amida (sk. Amitabha) im Mittelpunkt des religiösen Glaubens. Diese Richtung ist heute die am weitesten verbreitete in Japan, hat aber auch Anhänger in anderen asiatischen Ländern. Kaum eine buddhistische Richtung schließt die anderen Richtungen kategorisch aus – auch der Shintō wird im Allgemeinen nicht abgelehnt, sondern als Ergänzung der eigenen Religion betrachtet.

Der Buddhismus war von Beginn an ein wichtiges Bindeglied zwischen Japan und den ursprünglich überlegenen Kulturen Chinas und Koreas. Besonders im japanischen Altertum fungierten buddhistische Mönche als Lehrmeister der chinesischen Kultur. Im japanischen Mittelalter (13.-16. Jh.), als der Einfluss des Festlandes geringer wurde, war es vor allem der Zen-Buddhismus (chin. Chan), durch den chinesisches Wissen lebendig gehalten wurde. Interessanterweise trug der Zen-Buddhismus aber auch maßgeblich zur Ausbildung einer Ästhetikform bei, die noch heute für Japan charakteristisch ist. Insbesondere Teezeremonie und Gartenarchitektur sind von Zen geprägt. Die angebliche Verwandtschaft zwischen Zen und Kriegskünsten (z. B. Bogenschießen) beruht hingegen oft auf nachträglichen Geschichtskonstruktionen. Kriegerische Traditionen gibt es in allen großen Strömungen des japanischen Buddhismus, viele Klöster unterhielten eigene Armeen.

In der modernen japanischen Gesellschaft spielt der Buddhismus vor allem im Toten- und Ahnenkult eine bedeutende Rolle. Die meisten Japaner werden nach buddhistischem Ritus bestattet (also verbrannt und in einer Urne beigesetzt), viele Haushalte besitzen darüber hinaus einen buddhistischen Hausaltar, der dem Gedächtnis der Ahnen dient. Andererseits werden an den Tempeln ebenso Riten durchgeführt, die dem „diesseitigen Nutzen“ (genze riyaku) dienen sollen.

Die Idee im Zuge der Meiji-Restauration (1868), eine einheimische, ursprüngliche, nationale Religion in Japan einzuführen, großenteils basierend auf der Geistesschule des Kokugaku, führte zur Entstehung des Shintō als eigenständiger Religion: Vorher hatte es zwar von buddhistischen Institutionen unabhängige Schreine gegeben, aber kein übergreifendes System. Auch das Wort Shintō beinhaltete bis zum Mittelalter zwar politische und religiöse Komponenten, aber nicht die Bedeutung einer Religion, die es heute hat - nur ein Grund übrigens für die Schwierigkeiten der Amerikaner, nach 1945 den Shintō in die neuen Gebilde Staats- und Schrein-Shintō zu spalten. Durch die gewaltsame Trennung von Kami und Buddhas (shinbutsu bunri) wurde eine geschichtlich beispiellose künstliche, offizielle Spaltung zwischen Buddhismus und Shintō geschaffen, der primäre Grund, warum heute noch von zwei unterschiedlichen Religionen gesprochen wird. Nach der Trennung gab es nur noch (buddhistische) Tempel und Shintō-Schreine. Die Schreine sind lokal sehr unterschiedlich. Generell kann man sagen, dass seit dieser Zeit in Schreinen nur noch Kami (Gottheiten) verehrt werden.

Doch auch der Buddhismus wandelte sich in dieser Zeit sehr stark. Außer der Trennung von kami und Buddhas gab es einen kurzen und erfolglosen Versuch, die „ausländischen“ Einflüsse komplett aus Japan zu tilgen (unter dem Slogan: kishaku haibutsu). Die Reaktion von buddhistischer Seite war der Shin-Bukkyō, der neue Buddhismus. Einige japanische Mönche und Anhänger versuchten, den Buddhismus zu einer modernen Religion (nach westlichem Vorbild) zu machen. Es gab Öffnungsversuche zu den Laien (z.B. Zazen für Laien, obwohl Zazen eine ausschließliche Praxis der Mönche gewesen war), soziale Missionen nach christlichem Vorbild, Suchen nach einer übergreifenden, reinen Lehre - auch in den indischen Ursprüngen usw. Insbesondere das moderne Bild des Zen wurde ab jener Zeit geprägt. Die Unterschiede in den Lehren der großen Schulen (Shingon, Tendai, Sōtō usw.) waren in den meisten Tempeln nicht zu spüren, sondern begrenzten sich auf große, administrativ und politisch tätige Tempel. Dagegen gibt es in jedem Tempel verschiedene buddhistische Gottheiten, die verehrt werden können. Daher ist allen Tempeln das Angebot von go-riyaku eigen, Wohltaten für dieses Leben und nach dem Tod. Ansonsten ist der Buddhismus in Japan lokal sehr unterschiedlich. Wenn Japaner sich zu einer der buddhistischen Schulen bekennen, so hängt es vermutlich meist mit dem Danka-System zusammen als mit einer Bekenntnis zum Lehrsystem dieser Schule. In der Edo-Zeit musste jede Familie einem Danka-Dera (Gemeinde-Tempel) zugehörig sein. Die Bestattungen, fast komplett in der Hand von buddhistischen Tempeln, lässt man in den Familien meist weiterhin von der Schule des Danka-Dera ausführen.

Zu bestimmten Jahreszeiten und Feiertagen (bes. hatsu-mōde und O-bon), zu Festen (Matsuri) und Bestattungen, touristisch oder nebenbei besuchen Japaner religiöse Orte wie Tempel und Schreine. Es existiert eine Vielzahl von Motiven oder Glaubenseinstellungen, unter den Besuchern sind Atheisten ebenso wie Verehrer von Kannon. Alle jedoch kennen die grundsätzlichen Verhaltensregeln und Rituale, die im Tempel ebenso ausgeführt werden wie im Schrein (oder sogar zuhause und anderswo). Hierzu gehören das Händewaschen als rituelles Reinigen ebenso wie die rituelle Verehrung der Gottheiten: Kleingeld in den Kasten werfen, Verbeugen, Klatschen im Fall von Kami. Meist „wohnen“ verschiedene Gottheiten in den religiösen Institutionen, die Verehrung ist freiwillig und frei wählbar.

Weitere übliche Praktiken sind zum Beispiel das Beschriften von ema (Holzplättchen, auf die man Wünsche schreibt und am Tempel / Schrein aufhängt), Mantras sprechen, Erwerb von mikuji (Wahrsagelosen), omamori (Amuletten), yaku-yōke (Glücksbringern) und anderes. Ein zentraler Aufbewahrungsort für Sutras, Amulette, ihai (Totenstäbe) usw. ist der Hausaltar, genannt butsudan für buddhistische und kamidana für shintoistische.

Das Christentum spielt in Japan nur eine untergeordnete Rolle, da die Vorstellung eines einzigen allmächtigen Gottes mit den traditionellen religiösen Vorstellungen schwer in Einklang zu bringen ist. Gegenwärtig sind weniger als 1% aller Japaner Christen (Stand: 2006), ein ähnlicher Bevölkerungsanteil wie während der ersten christlichen Missionierung im 16. Jahrhundert. Zwischen 1612 und 1873 war das Christentum in Japan verboten, alle Sympathisanten waren härtesten Verfolgungen und Repressionen ausgesetzt. Dennoch hielten sich einzelne christliche Gemeinden im Untergrund, die unter dem Begriff Kakure Kirishitan bzw. hanare kirishitan zusammengefasst werden.

Die römisch-katholische Kirche zählt in Japan etwa 450.000 Mitglieder (Stand: 2002), und die von Nikolai von Japan im 19. Jahrhundert gegründete japanische orthodoxe Kirche hat etwa 30.000 Mitglieder. Die meisten evangelischen Gemeinden in Japan wurden von amerikanischen Missionaren im 19. oder 20. Jahrhundert gegründet. Japanische Christen betreiben einen im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil überproportional hohen Anteil der japanischen Schulen, Hochschulen und sonstigen Bildungseinrichtungen; von den Schülern wird jedoch keine Konversion erwartet.

Bekannten sich in den 1930er Jahren nur wenige hundert Japaner zu den Zeugen Jehovas und war die Religionsgemeinschaft während des Zweiten Weltkriegs sogar verboten, so verzeichneten sie seit den 1950er Jahren einen rapiden Anstieg auf über 217.000 japanische Mitglieder (Stand: 2004).

Seit der späten Edo-Zeit (1600–1868) gibt es in Japan laufend neue religiöse Bewegungen, die zumeist eine Mischung traditionellerer Elemente beinhalten und nur schwer in eine der herkömmlichen Kategorien einzuordnen sind. Man nennt sie daher zusammenfassend Neue Religionen (jap. shin shūkyō) bzw., bezogen auf religiöse Strömungen nach dem Zweiten Weltkrieg, Neu-Neue Religionen (shinshin shūkyō). Zu letzteren zählt unter anderem die Ōmu Shinrikyō, die 1995 durch ihren Giftgasanschlag in der Tokyoter U-Bahn traurige Berühmtheit erlangte. Zu den eher traditionellen Neuen Religionen zählen u. a. Tenrikyō und Sōka Gakkai.

Die Neuen Religionen profitieren seit dem 2. Weltkrieg von einer in dieser Hinsicht besonders liberalen Gesetzgebung, die es sehr einfach macht, eine neue religiöse Gruppierung zu gründen. Dies hat auf neu-religiösem Gebiet zu enormen Wachstumsraten geführt. 2004 wurden 182.641 verschiedene religiöse Körperschaften (宗教法人, shūkyō hōjin) gezählt. Gemeint sind damit Religionsgemeinschaften (宗教団体, shūkyō dantai), die nach dem Gesetz über die Religionsgesellschaften von 1951 den Status einer juristischen Person erhielten. Dies schließt u.a. einzelne Tempel, Schreine und Kirchen mit ein, die mit 182.237 den Löwenanteil der religiösen Körperschaften ausmachen.

Der Islam im Japan der Gegenwart wird jedoch nur von den in den letzten Jahren verstärkt ins Land kommenden iranischen und pakistanischen Gastarbeitern praktiziert.

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Source : Wikipedia