Osten

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Geschrieben von goldorak 30/03/2009 @ 20:11

Tags : osten, niedersachsen, deutschland

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Osten

Der Osten (vom althochdt. ostan "östlich") ist die in Richtung der Erdrotation verlaufende Himmelsrichtung und wird kulturhistorisch mit dem Sonnenaufgang assoziiert. Der Begriff ist wurzelverwandt mit griechisch eos und lateinisch aurora. Beides bedeutet "Morgenröte". Interessant ist, dass die frühen Landkarten nicht genordet, sondern geostet = orientiert (!) waren (von oriens = Osten).

Der Ausdruck „Osten“ (bzw. sein Adjektiv „östlich“) wird im Deutschen seit dem 15. Jahrhundert gebraucht. Ursprünglich wurde die Himmelsrichtung (dichterisch bis heute) auch mit „gen Sonnenaufgang“ bezeichnet (lat. oriens) und die Länder im Osten unter dem Begriff Morgenland zusammengefasst - dem Land, in dem die „Sonne aufgeht“. Heute werden diese Gebiete Naher Osten, Mittlerer Osten und Ferner Osten genannt. Im christlichen Glauben ist der Osten u.a. die Richtung, die mit der einstigen Wiederkehr des auferstandenen Christus assoziiert wird. Auch aus diesem Grund (nicht nur wegen der morgendlich erleuchteten Altarfenster) sind fast alle Kirchen genau nach Osten orientiert.

Osten ist eine der vier Haupthimmelsrichtungen und hat neben allgemeinen Zwecken besondere Bedeutung für die Geographie und die Navigation. Auf der Osthälfte des Himmels steigen alle Gestirne empor (analog sinken sie auf der Westhälfte). Der Osten dient oft auch als Koordinatenrichtung (in der Mathematik meist als Abszisse x, in der Geodäsie als Ordinate y; letztere wird deshalb auch Ostwert genannt.

Geometrisch betrachtet bildet die Himmelsrichtung „Ost“ oder „Osten“ (Abkürzung O, engl. E) eine der zwei Winkelhalbierenden zwischen Nord (0 Grad) und Süd (180 Grad). Die Sonne befindet sich zum Zeitpunkt des Äquinoktium um 6:00 Uhr (wahre Ortszeit) exakt im Osten (wenn man die Astronomische Refraktion vernachlässigt).

Hinsichtlich des Ostwindes ist die folgende Bezeichnung gebräuchlich: „Es weht ein Ost.“ In Gegenden mit vorwiegendem Westwind ist der Ostwind oft ein Indiz für eine bevorstehende Wetteränderung.

In China steht der Erdzweig des Hasen (卯 mǎo) und das Trigramm Donner (震 zhèn) symbolisch für die Himmelsrichtung Osten.

Gläubige Muslime verneigen sich beim Gebet nach Mekka. In der westlichen Welt entspricht dies einer Verneigung in östlicher Richtung.

Viele politische Führer während der Zeit des Nationalsozialismus (so beispielsweise Adolf Hitler und Heinrich Himmler) hatten für die Völker und Staaten Osteuropas nur Verachtung übrig (siehe auch: Generalplan Ost, Programm Heinrich). Es gab auch den Begriff der ostischen Rasse analog zur nordischen Rasse.

Zur Zeit des Kalten Krieges wurden in Mitteleuropa die Staaten des Ostblocks häufig als "der Osten" bezeichnet. Noch heutzutage hat für manche Menschen der Begriff Osten bzw. östlich in sozio-kultureller Hinsicht einen negativen Beigeschmack: Das sieht ja so ostig aus! oder die Bezeichnung der Ossi für einen Ostdeutschen.

Im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung 1990 entwickelte sich der Begriff Ossi als saloppe Bezeichnung für die Ostdeutschen. Die Westdeutschen erhielten die Kurzform Wessi.

Auch heutzutage sind für manche Menschen Waren und Produkte die es schon in der DDR gab, wieder "en vogue". Es gibt eigens darauf spezialisierte Geschäfte, so zum Beispiel die Kaufhalle des Ostens. Man spricht hier auch von Ostalgie analog zur Nostalgie.

Während Osten umgangssprachlich mit kurzem O ausgesprochen wird, verwendet man im Funkverkehr oder in der Militärsprache ein langes O, um eine Verwechslung mit Westen zu vermeiden.

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Burg Osten

Burg Osten - Südwestliche Hauptburg

Die Burg Osten ist eine mittelalterliche Burgruine bei Schmarsow, auf der Gemarkung der Gemeinde Kruckow, im Landkreis Demmin in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Niederungsburg liegt an der Tollense nahe der Straße zwischen Schmarsow und Roidin. Die Burg diente als Zollstation an der damals schiffbaren Tollense und gehört zu einer ganzen Reihe von Burgen an diesem Fluss.

Die Burg bestand aus einer nordöstlich gelegenen Vorburg mit rechteckigem Grundriss und der südwestlichen Hauptburg. Von der Hauptburg sind noch Reste der Turmfundamente und Turmhügel erkennbar. Noch auf der Karte der Schwedischen Landesaufnahme um 1700 ist zusehen, dass beide Burgen früher vollständig von der Tollense umflossen wurden. Zwischen den Teilburgen befindet sich noch heute ein Wassergraben.

Das Gelände wurde in den 1990er Jahren mittels Holzbohlenwegen zugänglich gemacht, die inzwischen aber schadhaft geworden und kaum passierbar sind.

Die Burg Osten wurde wahrscheinlich Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut. Möglicherweise übertrug die adlige Familie von der Osten ihren Namen auf die Burg. Immerhin war diese Familie noch um 1300 in der Umgebung begütert.

Dann kam die Burg Osten zeitweilig in den Besitz der Familie von Winterfeld(t), der bereits ab circa 1330 die Maltzahn folgten. Als Sitz der von Maltzahn nahm sie im Mittelalter eine bedeutende politische und wirtschaftliche Stellung ein und gehörte zu den mächtigsten pommerschen Burgen. Mit ihrem Besitz war seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts das erbliche Amt eines Landmarschalls für das Herzogtum Pommern-Stettin verbunden, welches die Maltzahn auch nach Erlöschen der Stettiner Herzogslinie 1464 behielten und weiter ausübten.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor die Burg an Bedeutung. Schließlich wurde sie zur Gewinnung von Baumaterial unter anderem für das Herrenhaus in Schmarsow abgebrochen.

Der nördlich der Tollense gelegene Bereich der Ostener Güter wurde ein Forstgut. 1855 kaufte Woldemar von Heyden-Cartlow Osten mit Schmarsow und Borgwall. Durch den Ostener Wald führte ab 1897 die Strecke der Demminer Kleinbahn Ost. Das Forsthaus, ein Fachwerkbau, brannte 1945 ab. Die marode Brücke über die Tollense wurde 2005 durch einen Neubau ersetzt.

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Osten (Oste)

Wappen der Gemeinde Osten

Osten () ist eine Gemeinde im Landkreis Cuxhaven in Niedersachsen. Der Ort gilt als Zentrum der Ostemarsch.

Die Gemeinde gehört zur Samtgemeinde Hemmoor und besteht aus den Orten Altendorf, Isensee und Osten.

Der Ort Osten wurde 1220 erstmals urkundlich erwähnt. 1391 wurden in einer schweren Sturmflut Fährweg, Schleuse und Kirche schwer beschädigt. Im Jahre 1526 wurde Osten evangelisch. 1717 gab es bei der Weihnachtsflut in Osten 17 Todesopfer. 1773 zerstörte eine Feuersbrunst insgesamt 42 Häuser. Im Jahre 1852 wurde der zunehmenden Bedeutung des Ortes mit der Einrichtung des Königlichen Amtes Osten und des Königlichen Amtsgerichts Osten Rechnung getragen. Der Ort erhielt 1881 mit dem Bahnhof Basbeck-Osten Anbindung an die Eisenbahnlinie Hamburg-Cuxhaven. Im Zuge der preußischen Verwaltungsreform entstanden 1885 aus den Ämtern Osten und Neuhaus der Kreis Neuhaus an der Oste, wodurch Osten politisch an Bedeutung verlor. 1909 wurde mit der Schwebefähre eine besondere Flussquerung eingeweiht, die zum Wahrzeichen des Ortes wurde. 1972 wurden im Zuge der niedersächsischen Gemeindereform die Orte Altendorf, Isensee und Osten zur heutigen Gemeinde Osten zusammengeschlossen. Nach 121 Jahren wurde das Amtsgericht Osten 1973 aufgelöst.

Das Ostener Heimat- und Buddelmuseum zeigt eine Sammlung von rund 4500 Behältnissen alkoholischer Getränke, die der Spirituosenhersteller Jan ten Doornkaat in 35 Jahren zusammengetragen hat.

Der idyllische Ort am Ostedeich ist wegen seiner großen stilreinen Barockkirche St. Petri, einer Seltenheit in Norddeutschland, einen Abstecher wert. Die Kirche wurde 1746/1747 vom Hamburger Baumeister Prey aus Backsteinen neu erbaut. Prey war der Mitbauer der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis, dem Hamburger Michel. An den Ausmaßen der Kirche kann man noch heute den Wohlstand der Ostener in dieser Zeit sehen. Die Inneneinrichtung aus der Erbauungszeit ist unverändert erhalten; sie ähnelt in unverkennbarer Weise der des Hamburger Michels. Der barocke Kanzelaltar mit seiner imponierenden, über 10 m hohen Rückwand, die zweigeschossige Westempore, die lange Reihe der Gutspriechen, das flache Holztonnengewölbe mit dem üppigen ornamentalen Schmuck über dem großen Kirchenschiff beeindrucken durch die Einheitlichkeit des spätbarocken Stils. Die Orgel wurde von Jakob Albrecht 1751 geschaffen, von den Gebrüdern Peternell 1890 in den alten Prospekt eine neue Orgel eingebaut. Die Orgel wurde 1992 aufwändig restauriert.

Osten besitzt die älteste Schwebefähre Deutschlands, die seit 1909 eine Verbindung über den Fluss Oste darstellt. Ihre Konstruktionsweise ermöglicht mit einer Durchfahrtshöhe von 30 m über NN selbst größeren Segelschiffen die Durchfahrt. Zur Zeit der Errichtung war die Oste noch ein wichtiger Handelsweg mit regem Schiffsverkehr, wohingegen heute die touristische Nutzung des Flusses stark überwiegt.

Die Fähre hatte eine Tragfähigkeit von 18 t und konnte bis zu 6 PKW oder 100 Personen gleichzeitig innerhalb von etwa 3 Minuten auf die andere Seite des Flusses übersetzen.

Die Schwebefähre gilt heute als technisches Baudenkmal. Sie ist allerdings nur noch für touristische Zwecke in Betrieb, da seit 1974 die Bundesstraße 495 eine bequemere Querung der Oste ermöglicht. Da nur acht Fähren dieser Art weltweit bekannt sind, eine davon in Rendsburg, weitere in Spanien und anderen Ländern, wurde die Bedeutung der Ostener Fähre als Kulturdenkmal anerkannt, und der spanische König Juan Carlos I. übernahm 2003 die Schirmherrschaft über den neu gegründeten Weltverband der Schwebefähren.

Die Deutsche Fährstraße, eine im Sommer 2004 eröffnete touristische Ferienstraße, die von Bremervörde nach Kiel führt, verbindet das Ostener Baudenkmal mit der zweiten deutschen Schwebefähre über dem Nord-Ostsee-Kanal zwischen Rendsburg und der Gemeinde Osterrönfeld, mit der Osten seit 2005 eine kommunale "Partnerschaft im Zeichen der Schwebefähre" unterhält. Seit 2006 ist die Schwebefähre komplett restauriert und transportiert auch wieder interessierte Menschen.

Die Dorfgemeinschaft ist in zahlreichen Vereinen organisiert. Der Schützenverein Schüttdamm-Isensee von 1901 e.V. zählt mit mehr als 800 Mitgliedern zu den größten Schützenvereinen in Niedersachsen.

Die Landjugend Isensee besteht seit dem 11. November 2005 und ist in ihren Tätigkeiten sehr aktiv. Daueraufgabe ist z. Zt. die Umgestaltung des Sportplatzes in Isensee.

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Ostdeutschland

Der Begriff Ostdeutschland kann sowohl geographisch als auch politisch verstanden werden, ist aber schwer abgrenzbar. Er wird im politischen Sinn definiert als Synonym für die neuen Bundesländer beziehungsweise früher für die DDR, also durch die ehemalige innerdeutsche Grenze, die Deutschland in einen west- und einen ostdeutschen Staat teilte. Aber geographisch und meteorologisch sind auch andere Räume mit dem Begriff zu bezeichnen. So befindet sich alles etwa östlich der Linie Lübeck–Wolfsburg–Erfurt–Nürnberg–München im geographischen Ostdeutschland.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Begriff „Ostdeutschland“ relativ selten verwendet, Oberbegriffe waren eher in nordsüdlicher Richtung gebräuchlich, insbesondere Norddeutschland und Süddeutschland. In aller Regel wurde darunter die Region östlich der Elbe (gelegentlich auch der Oder) verstanden (Germania Slavica), die im Norden vornehmlich unter Preußens Einfluss stand. Durch den preußischen Landadel war sie protestantisch und konservativ geprägt (Ostelbien), siehe auch Junker. Der Ostteil von Obersachsen zählte aber nicht zu Ostelbien, sondern war und ist im Wesentlichen die Oberlausitz.

Nach 1945 und speziell nach der Deutschen Teilung 1949 wandelte sich der Sprachgebrauch, und im Alltag wurde das Wort auf die Ostgebiete des Deutschen Reiches, nicht auf das Gebiet der DDR angewendet. Offiziell versuchte man in Westdeutschland den Begriff „Ostdeutschland“ auf die – anfangs noch nicht verloren geglaubten – deutschen Ostgebiete zu beschränken und die Anwendung auf die DDR zu vermeiden, was auch staats- und völkerrechtliche Gründe hatte. Auf bundesdeutscher Seite gab es deswegen die Begriffe Sowjetische Besatzungszone (SBZ) und später auch Mitteldeutschland, häufiger aber Zone, „Drüben“, Sowjetzone, Ostzone, „DDR“ beziehungsweise „sogenannte DDR“. Erst mit der neuen Ostpolitik und den Verträgen mit Polen bezüglich der Oder-Neiße-Grenze wandelte sich auch die Bezeichnung von Ostzone zu DDR und Deutsche Demokratische Republik, in offizieller Verwendung nicht aber zu Ostdeutschland.

Seit 1990 und der Deutschen Wiedervereinigung wird das ehemalige Staatsgebiet der DDR als neue Länder, fünf neue Bundesländer oder ehemalige DDR (Ex-DDR) bezeichnet. In den 1990ern wurde amtlich aufgrund des Einigungsvertrages vom Beitrittsgebiet gesprochen, das nicht nur das heutige Gebiet der fünf neuen Länder, sondern auch beispielsweise Ost-Berlin und die heutige Gemeinde (bis September 1993 Amt) Amt Neuhaus beinhaltet. Der Begriff Ostdeutschland für die „Neuen Bundesländer“ wird in der Tagesschau und in Statistiken unter anderem der Wirtschaft verwendet, trotz Tendenzen auf Basis der gemeinsamen Geschichte sowie Sprache und Kultur, Mecklenburg als „Nord-“ und Thüringen neben Teilen Sachsen-Anhalts sowie überwiegend auch Sachsen (und/oder Hessen) als „Mitteldeutschland“ davon zu trennen. Diese Tendenzen werden behindert z. B. vom unterschiedlichen Tarifsystem, das durch weniger Lohn in den neuen Ländern einen wirtschaftlichen Standortvorteil bieten will, dabei aber eine wichtige Gemeinsamkeit unter der Bezeichnung „Ostdeutschland“, „Ost“ oder „Neue Bundesländer“ schafft.

Insbesondere in Thüringen und zuweilen auch in Sachsen-Anhalt stößt es auf Unverständnis, wenn die Bewohner von den Medien als „Ostdeutsche“ bezeichnet werden – mit dem Verweis auf die geographische Lage in der Mitte Deutschlands. So liegt beispielsweise Erfurt westlicher als Regensburg und München, außerdem auch Eisenach westlich des geographischen Mittelpunkts Deutschlands und rund 220 Kilometer weiter westlich als Passau. Der Sprachgebrauch Ostdeutschland wird von ihnen auch als Zeichen eines natürlichen Prozesses des Zusammenwachsens von ehemals zwei Staaten gesehen. Bewohner der einzelnen Gebiete empfinden sich insofern mehr als Zugehörige zu einer bestimmten, geographisch umrissenen und historisch gewachsenen Region, statt als Angehörige von zwei ehemals durch den Eisernen Vorhang getrennten Teilen Deutschlands. Geographisch gesehen liegen diese Länder dennoch im Osten der Bundesrepublik Deutschland. Lediglich Thüringen und Sachsen-Anhalt weichen davon ab, gelten aber weiterhin als zu Ostdeutschland gehörig, da es sich um neue Länder handelt.

Anlehnend an den (inzwischen im RBB aufgegangenen) Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) wird gelegentlich nur das Gebiet der Länder Brandenburg, Berlin (und zum Teil Mecklenburg-Vorpommern und Teile Sachsen-Anhalts) als (Nord-)Ostdeutschland angesehen.

Auch der Begriff Mitteldeutschland ist in Gebrauch. Korrekt erscheint dieser Begriff in der Orientierung erstrangig auf die sprachlichen Unterschiede in Nord-Süd-Richtung (zum Beispiel oberdeutscher, mitteldeutscher und niederdeutscher Sprachraum) sowie historisch wirtschaftlich in alle Himmelsrichtungen (Mitteldeutsches Chemiedreieck, heute Metropolregion Sachsendreieck). Der Mitteldeutsche Rundfunk hat sich in diesem Sinne benannt.

Im englischen Sprachraum ist die Bezeichnung „Eastern Germany“ üblich, wohingegen „East Germany“ die DDR und „former eastern territories of Germany“ oder „the historical Eastern Germany“ die heute zu Polen beziehungsweise zu Russland gehörenden Gebiete (Schlesien, Hinterpommern, Ostbrandenburg, Westpreußen, Ostpreußen, Danzig sowie Posen) bezeichnet.

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Ostfront (Erster Weltkrieg)

Kriegsplanungen und Übersicht des Jahres 1914

Die Ostfront im Ersten Weltkrieg war Schauplatz der Kriegshandlungen der Mittelmächte mit Russland. Im Gegensatz zum Kriegsverlauf an der deutschen Westfront, für den ein nahezu statischer Stellungskrieg charakteristisch wurde, waren die Ereignisse im Osten wechselhafter. Ein zweiter Unterschied zur Westfront war ihre Zusammensetzung. Im Westen bildeten nur deutsche Truppen die Front, während die Ostfront durch deutsche Truppen im Norden und österreichisch-ungarische Verbände im Süden gebildet wurde. Ein weiterer Unterschied zum Kriegsgeschehen im Westen war die räumliche Ausdehnung der Front. Die Ostfront erstreckte sich vom Baltikum bis an die Schwarzmeerküste im Süden. Die Westfront war deutlich kürzer und reichte etwa 1.000 km von der Küste Belgiens im Norden bis zur nordwestlichen Schweizer Grenze.

Nachdem Russland 1894 ein Verteidigungsbündnis mit Frankreich eingegangen war, stellte der preußische Generalstabschef Alfred Graf von Schlieffen 1905 den nach ihm benannten Schlieffen-Plan vor. Schlieffen ging bei der Planung von einer langsamen Mobilmachung der russischen Armee aus. Daher sollte Deutschland eine schnelle Mobilmachung durchführen und mit Hilfe von strategisch gebauten Bahnlinien schnell Kräfte gegen Frankreich richten. Schlieffen ging davon aus, dass Frankreich wie bereits im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 schnell kapitulieren würde. Daraufhin sollten die Verbände gegen das Zarenreich geworfen werden. Der Plan ging davon aus, dass das Deutsche Reich durch einen entschlossenen Schlag in einem Bewegungskrieg Frankreich nach wenigen Wochen besiegt haben würde. Die russische Mobilmachungsphase wurde aufgrund der langen Transportwege und des geringer ausgebauten Eisenbahnsystems auf sechs bis acht Wochen beziffert, was der deutsche Generalstab als ausreichendes Zeitfenster für den Sieg im Westen ansah.

Die Kriegsziele des Deutschen Reiches sahen seit dem Beginn des Weltkrieges weitreichende Annexionen vor. So hatte Reichskanzler Bethmann Hollweg bereits in seinem Septemberprogramm 1914 unter anderem Annexionen in Frankreich und die Einrichtung Belgiens als einen Satellitenstaat proklamiert. Das Programm Bethmann Hollwegs ging allerdings davon aus, dass eine rasche Kriegsentscheidung im Westen erfolgen würde. Mit Russland sollte nach dem Sieg über Frankreich ein Sonderfrieden zu möglichst günstigen Bedingungen geschaffen werden. Da sich die Kriegslage allerdings ins genaue Gegenteil entwickelte, nämlich der Stillstand des Grabenkriegs im Westen und große Geländegewinne gegen Russland im Osten, zog man als Fernziel der Ostpolitik eine Eindämmung Russlands in Betracht. Infolgedessen wurde die Lostrennung Russisch-Polens, der baltischen Staaten, Finnlands und der Ukraine ins Auge gefasst. Dadurch sollte ein Ring aus Pufferstaaten um das Kaiserreich gegen das Zarenreich gebildet werden. Mit dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk wurden 1918 diese Vorstellungen weitgehend umgesetzt. Über die Zukunft des damals als Staat nicht existenten Polens herrschte im Lager der Mittelmächte noch Unsicherheit, doch kam es 1917 zur Einrichtung einer polnischen Marionettenregierung, die trotz Unterdrückung der nationalistischen Kräfte die Bevölkerung für die Mittelmächte mobilisieren sollte. Interessant hierbei ist, dass diese aggressive Territorialpolitik durch weite Teile des politischen Spektrums, insbesondere die Rechte unterstützt wurde. Erst 1917 setzten sich die SPD, das Zentrum und die Fortschrittliche Volkspartei durch eine gemeinsame Resolution für einen Frieden ohne Annexionen ein.

Die Planung des österreichischen Generalstabs musste sich mit einer prekären strategischen Lage auseinandersetzen. Franz Conrad von Hötzendorf hatte als Generalstabschef der k.u.k. Armee erkannt, dass das auslösende Moment eines europäischen Krieges auf dem Balkan liegen würde. Ein Krieg gegen Serbien war damit wahrscheinlich. Die größte Bedrohung für die Doppelmonarchie war das russische Zarenreich, mit dem es um Einfluss auf dem Balkan konkurrierte. Diesen Umständen trug die Gliederung des österreichisch-ungarischen Heeres Rechnung. Es wurde in drei Formationen aufgeteilt. Der überwiegende Teil der Truppen sollte als A-Staffel in Galizien einer möglichen russischen Bedrohung entgegengesetzt werden. Die Grenze zu Serbien sollte von einem kleineren Teil der Armee, der Minimalgruppe Balkan abgedeckt werden. Neben diesen beiden festgelegten Truppenteilen wurde eine zwölf Divisionen starke Reserve geschaffen. Diese sogenannte B-Staffel sollte je nach politischer und militärischer Lage entweder offensiv gegen das serbische Königreich oder gegen Russland eingesetzt werden.

Der österreichische Oberst Alfred Redl verriet jedoch die Pläne und vertuschte Informationen über das Russische Reich und dessen Armee. Zwar konnte er bereits 1913 gefasst werden, dennoch waren sich die österreichisch-ungarischen Ermittler nicht über das Ausmaß der Spionagetätigkeit im Klaren und es wäre auch aus zeitlichen Gründen nicht möglich gewesen, die gesamte Strategie umzustellen.

Das russische Reich hatte nach dem verlorenen Russisch-Japanischen Krieg von 1904/05 seine imperialistischen Bestrebungen in Asien aufgeben müssen und konzentrierte sich deshalb besonders auf den Balkan. Der Panslawismus, das Ziel, alle slawischen Völker zu vereinigen, brachte das Zarenreich zwangsläufig in einen Konflikt mit Österreich-Ungarn und dessen deutschen Verbündeten. Ebenso strebte man die Erringung eines freien Zugangs zum Mittelmeer und eines permanent eisfreien Hafens an der Ostsee an. Das in das russische Herrschaftsgebiet hineinragende Ostpreußen und ein Teil Westpreußens sollten annektiert werden. Für den Zugang zum Mittelmeer musste die Hoheit über den Bosporus gewonnen werden, was die russische Regierung naturgemäß in Spannungen mit dem Osmanischen Reich brachte, dessen weitere Existenz dadurch bedroht war.

Die russische Militärdoktrin erlebte zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Wendepunkt. Die russische Heeresführung hatte trotz der Bindung an Frankreich seit 1893 einen defensiven Standpunkt eingenommen. Es sollte hinter der Weichsel ein Verteidigungskrieg geführt werden. Die von drei Seiten durch Deutschland und Österreich-Ungarn umschlossenen und daher schwer zu verteidigenden westpolnischen Gebiete sollten vorläufig preisgegeben werden. Das änderte sich, als der russische Kriegsminister Suchomlinow im Jahre 1910 den Plan No. 19 verabschiedete. Dieser sah einen Vorstoß der Russen auf deutsches Territorium vor, um Frankreich von einem wahrscheinlichen Angriff im Zuge des Schlieffen-Plans zu entlasten. Der führende militärische Berater des Ministers Juri Danilow hatte für diesen Vorstoß Ostpreußen ausersehen, da es sowohl von Süden als auch von Nordosten angegriffen werden konnte. Sehr zur Unzufriedenheit seiner Schöpfer verhinderten die politischen und sozialen Rivalitäten innerhalb der Armee des Zaren die volle Durchsetzung des Plans. Stattdessen trat eine Kompromisslösung in Kraft: die Aufspaltung der russischen Kräfte auf zwei Armeegruppen, jeweils eine gegen Deutschland und gegen Österreich-Ungarn. Der angepasste Plan stellte zwei Armeen für den Einmarsch auf den deutschen Gebietsvorsprung zur Verfügung. Die I. Armee (Njemen-Armee) unter General Paul von Rennenkampf sollte von der Memel vorstoßen, während die II. Armee (Narew-Armee) unter General Alexander Samsonow von Süden anmarschieren sollte. Zur gleichen Zeit sollte die Südwestfront unter Nikolai Iwanow gegen die Donaumonarchie in Galizien vorgehen.

Die gesellschaftliche Lage im Zarenreich war seit langem kritisch, der größte Teil der Menschen lebte in Armut. Die vom Zaren betriebene Autokratie sorgte für Unzufriedenheit bis in die Bürger- und Adelsschichten.

Nach dem Russisch-Japanischen Krieg und in der folgenden Rezession war es zur Russischen Revolution von 1905 gekommen. Die Intellektuellen stellten zudem Forderungen nach größerer Freiheit. Der Zar büßte im Inland an Autorität ein und konnte einen Umsturz nur durch Zugeständnisse an die Bevölkerung verhindern (Oktobermanifest). So entstand die Duma als erste russische Volksvertretung. Sie besaß durch die Verfassung kaum effektive Einflussmöglichkeiten. Doch kam ihr durch die expandierende Presse großer propagandistischer Einfluss auf das Volk zu. Dies schränkte die Handlungsfreiheit der Regierung des Reiches immer stärker ein, da die liberalen Abgeordneten die fundamentale Gegnerschaft zum Staat salonfähig machten. Sie bereiteten in dieser Hinsicht den extrem gewalttätigen linken Gruppen der Oktoberrevolution den Boden. Dieser Gegensatz wurde durch die reaktionäre Politik des Zaren und sein Unverständnis für eine Modernisierung der politischen Struktur noch weiter verschärft. Somit wandelte sich Russland immer mehr zu einer schwachen Autokratie mit instabiler Regierung, die ständig auf die Strömungen einer ihr feindlich gesinnten Öffentlichkeit Rücksicht nehmen musste. Zwar wurde auch in Russland 1914 eine Art Burgfrieden geschlossen, doch er währte aufgrund der militärischen Rückschläge nicht lange.

Bereits 1915 wuchs der Unmut im Parlament immer weiter, und es kam zu Spannungen in der Duma, so dass der Zar diese auflöste und Abgeordnete trotz Immunität polizeilich verfolgen ließ. Es kam während der folgenden Jahre zu Demonstrationen und Streiks im gesamten Land, bis hin zur Februarrevolution 1917.

Nach dem Schlieffen-Plan sollte Deutschland zunächst im Westen offensiv werden. Russland hatte aber früh mit der Mobilmachung begonnen, was dafür sorgte, dass die Deutschen unter Zugzwang gerieten und möglichst schnell den Krieg beginnen mussten. Am 1. August 1914 erklärte Deutschland Russland den Krieg. Doch Russland konnte relativ schnell Truppen an die Front führen, so dass die Truppen nach Ostpreußen und Galizien eindringen konnten und die deutschen Truppen in der Schlacht von Gumbinnen besiegten. Dies veranlasste die OHL, zwei Armeekorps von der Westfront abzuziehen und als Verstärkung an die Ostfront zu verlagern. Da diese beiden Armeekorps aber die einzige Reserve im Westen darstellten, die mögliche Lücken zwischen den Verbänden füllen sollten, geriet der Schlieffen-Plan ins Wanken. So entdeckten britische Aufklärungsflieger des Royal Flying Corps eine Lücke zwischen der ersten und zweiten deutschen Armee. Dies wurde in der Marneschlacht ausgenutzt, als britische Truppen in diese Lücke eindrangen. Als Folge wurde der deutsche Vormarsch gestoppt, und der fast bis zum Ende des Krieges andauernde Grabenkrieg im Westen begann. Damit hatten sich beide Grundannahmen des Schlieffen-Plans als falsch erwiesen. Der schnelle Sieg gegen das französische Heer und das britische Expeditionskorps im Westen war unerreichbar. Ebenso vergingen bis zum ersten Angriff russischer Truppen im Osten nicht acht, sondern nur knapp zwei Wochen.

Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff erhielten das Oberkommando an der Ostfront. Der russische Vormarsch auf Ostpreußen konnte in der Schlacht bei Tannenberg erfolgreich gestoppt werden. In der Schlacht an den Masurischen Seen konnten die russischen Truppen endgültig aus deutschem Reichsgebiet zurückgedrängt werden. Die Deutsche 9. Armee versuchte daraufhin im Herbst und Winter in der Schlacht an der Weichsel und der Schlacht um Lodsch vergeblich, Warschau zu erobern.

In Galizien sah die Lage für die Russen besser aus. Nachdem sie erfolgreich die Schlacht von Lemberg gegen die österreich-ungarischen Truppen geschlagen hatten, belagerten sie die Festung Przemyśl. Przemyśl war mittlerweile weit hinter der Front eingeschlossen, konnte aber von den österreich-ungarischen Truppen den ganzen Winter über gehalten werden. Erst im Frühjahr 1915 fiel die Festung unter hohen Verlusten auf beiden Seiten.

Das Jahr 1914 hatte für die Mittelmächte eine prekäre Lage hinterlassen. Zwar waren die Angriffe der Nordwestfront gegen Ostpreußen abgewehrt worden. Die zweite russische Heeresgliederung, die Südwestfront unter Iwanow hatte allerdings gegen Österreich-Ungarn einen Sieg errungen. Aufgrund von Querelen innerhalb der Führung und des veralteten taktischen Niveaus der k.u.k. Armee war es den Russen gelungen, fast ganz Galizien zu erobern und in die Karpaten vorzudringen. Damit stand die Donaumonarchie vor einer ernsthaften strategischen Bedrohung, da die Streitkräfte des Zaren mit einem Stoß durch die Karpaten in Ungarn eindringen konnten.

Am deutschen Frontabschnitt ergab sich allerdings nach den Siegen von 1914 eine weitere Entlastung. Die Nordwestfront der Russen unter General Ruzski plante einen neuen Vorstoß nach Ostpreußen. Zwar war man durch die Verluste des Vorjahrs geschwächt und hatte nur noch eine einsatzfähige Armee an der deutschen Grenze postiert. Dank der großen Reserven an Menschen und Material wollte Ruzski allerdings im Süden der deutschen Provinz eine neue Armee aufstellen. Mit diesen Kräften sollte analog zu dem Vorgehen, das zum deutschen Sieg in Tannenberg geführt hatte, ein Doppelschlag gegen Königsberg geführt werden. Die deutschen Truppen wurden aber durch eine neu aufgestellte Armee verstärkt und konnten nun mit zwei Armeen die noch verbliebene russische Armee unter von Sievers an ihren Flanken angreifen und sie über einhundert Kilometer zurückschlagen. Die neue russische Armee war bis zum Ende der Schlacht noch nicht einsatzfähig und griff nicht in die Gefechte ein. Durch diesen Erfolg hatte das deutsche Führungsduo Hindenburg und Ludendorff einen breiten Puffer gegen das Zarenreich geschaffen und die sieben Monate lange Gefährdung Ostpreußens durch russische Angriffe gebannt. Ein Zusammenbrechen der russischen Front konnte allerdings nicht erreicht werden, ebenso wenig ein Erfolg in Polen.

Der österreichische Heeresbefehlshaber Conrad von Hötzendorf begegnete der Gefahr für Ungarn im Dezember 1914 und befahl eine Offensive in den Bergen nördlich des magyarischen Kernlands. Diese Winteroffensive brach jedoch bis zum März 1915 zusammen. Aufgrund der winterlichen Witterung und der starken Verteidigung ihrer Gegner verlor die Armee des Habsburgerstaates über 300.000 Soldaten.

Diese Verluste wogen für Österreich-Ungarn doppelt schwer. In der Vorkriegszeit waren wegen finanzieller Erwägungen nur 20–25 % der wehrfähigen Bevölkerung überhaupt in die Armee eingezogen worden. Davon erhielt auch nur ein Zehntel die vollständige militärische Ausbildung. Somit konnte die Armee nur auf unzureichend ausgebildete Reserven zurückgreifen um ihre Verluste zu ersetzen.

Analog zu den Mannschaften erwiesen sich die hohen Verluste an Offizieren als weiteres fatales Minus für die Kampfkraft des Heeres. Die altgedienten Offiziere wurden durch rasch ausgebildete Neulinge ersetzt. Diese neue Generation militärischen Führungspersonals war oft unfähig die ethnisch heterogenen Truppen zu führen. Daraus folgte langfristig eine Entfremdung der slawischen Soldaten von ihren Befehlshabern. Nach dem von Conrad von Hötzendorf propagierten Befreiungsschlag stand Österreich vor dem Kollaps, die eigene Armee war demoralisiert und geschwächt, und die Russen standen weit im Reichsgebiet. Tatsächlich sollte die Winteroffensive in den Karpaten die letzte selbstständige Operation der k.u.k.-Streitkräfte werden. Von diesem Zeitpunkt an wurde die österreichische Armee immer mehr zum Juniorpartner ihres deutschen Verbündeten. Durch eine immer stärker werdende Verzahnung mit deutschem Führungspersonal sollte die militärische Kraft des Habsburgerstaats erhalten bleiben. Dies begann durch Hinzuziehung deutscher Truppen und deutschen Stabspersonals und setzte sich bis zum Kriegsende sogar, wenn auch in geringerem Ausmaß, bis zum Einsatz deutscher Unteroffiziere fort.

Bereits im Januar 1915 wandte sich General Ludendorff an den Befehlshaber der Obersten Heeresleitung, Erich von Falkenhayn, und forderte ein deutsches Eingreifen, um den Zusammenbruch des Verbündeten zu verhindern. Ludendorff schlug eine doppelte Umfassung über den Bereich der ganzen Ostfront vor, bei dem die Österreicher von Südwesten und die Deutschen von Nordwesten die russischen Truppen in Polen in einem mehrere hundert Kilometer tiefen Kessel einschließen sollten. Falkenhayn befand diesen Plan als zu unsicher und wollte dafür keine Truppen von der Westfront abziehen. Er favorisierte einen Plan den Conrad von Hötzendorf aufgestellt hatte. Das Ziel des Angriffs sollte eine Schwachstelle in der III. Armee der russischen Südwestfront in Südgalizien sein. An diesem schwach verteidigten Frontabschnitt wollte der österreichische Heereschef eine möglichst große zahlenmäßige Überlegenheit konzentrieren, um einen Durchbruch zu erzielen. Diese klassische Planung clausewitzschen Typs hieß Falkenhayn gut, er bezweifelte nur die Fähigkeit der Österreicher, sie auch durchzuführen. Zur Unterstützung der Donaumonarchie entsandte er die X. Armee unter August von Mackensen, wodurch das Deutsche Reich zahlenmäßig den Hauptteil der Kräfte für die Operation stellte. Das Unternehmen ging als Schlacht von Gorlice-Tarnów in die Geschichte ein und brachte die Wende an der Ostfront. Die russische Front brach infolge des deutschen Durchbruchs zusammen, und die russische Armee musste Polen vollkommen räumen, bevor sie wieder aus ihrer Desorganisation fand.

Nach der Katastrophe bei Gorlice-Tarnów zog sich das Heer des Zaren zunächst an den Fluss San zurück. Doch auch diese Stellungen konnten nicht gehalten werden. Die russische Armee musste sogar Polen räumen, da es der Stawka unmöglich war, die Verluste auszugleichen und die Frontlinie zu konsolidieren. Dieses Manöver in Richtung des Landesinneren ging als Großer Rückzug in die russische Geschichte ein und gab bis zum Folgejahr große Teile der Ukraine und Weißrusslands den Mittelmächten preis. Das russische Oberkommando machte für die Verluste des Kriegsjahrs den Mangel an Artilleriemunition verantwortlich. Diese Vorräte gingen verloren, als die vorrückenden deutschen Truppen die Befestigungspunkte eroberten. Auch in der Produktion zeigten sich große Schwächen. Die Munitionsbeschaffung im Zarenreich war problematisch, das Vertrauen in die eigene Industrie im Militär gering und die Bereitschaft zu Investitionen in die Betriebe war bis 1916 unterentwickelt. Dies war auch teilweise begründet, da die russische Privatwirtschaft im Vergleich zu Staatsbetrieben oder dem Ausland teuer produzierte. Der Ausweg, den das Kriegsministerium versuchte, ließ aber die Munitionsversorgung vollkommen zusammenbrechen. Der russische Geschossbedarf sollte zu knapp 50 % aus Großbritannien und den USA gedeckt werden. Da die beauftragten Firmen damit voll ausgelastet waren, die Bedürfnisse der Westmächte zu decken, wurde bis zum Sommer 1916 nur 12 % der verlangten Stückzahlen geliefert. Doch selbst die angelieferten Rüstungsgüter konnten aufgrund der unzureichenden Infrastruktur erst spät genutzt werden. Ein Umdenken im Kriegsministerium und im Großen Hauptquartier erfolgte im Winter 1915. Bereits im folgenden Jahr konnte die russische Armee ihre Munitionsproduktion um den Faktor 2,5 steigern und ihren Bedarf ohne die mangelhafte Hilfe der Verbündeten decken. Der Preis hierfür waren allerdings hohe Kaufpreise. Dies führte zu einer enormen Staatsverschuldung und damit einem weiteren Anheizen der kriegsbedingten Inflation.

Nachdem die deutschen Truppen große Gebiete im Osten erobert hatten, wurde das Militärverwaltungsgebiet Ober Ost unter Leitung des Oberbefehlshabers der gesamten deutschen Streitkräfte im Osten gegründet. Die deutsche Militäradministration umfasste Teile des heutigen Polen, Litauen und Lettland. Dieses Gebiet wurde unter dem Einfluss Ludendorffs zu einem Modell für die deutsche Besatzungspolitik ausgebaut. Die endgültige politische Zielsetzung in den betroffenen Gebieten blieb jedoch aufgrund widerstreitender Interessen innerhalb Deutschlands, aber auch gegenüber Österreich-Ungarn, unklar. Primäres Interesse der deutschen Stellen war die ökonomische Kontrolle der Region mit dem Ziel der Ausbeutung der landwirtschaftlichen Ressourcen, um die Auswirkungen der britischen Seeblockade in Deutschland abzumildern. Im Zuge der Kriegswirtschaft wurden sämtliche ökonomische Aktivitäten und auch das Transportwesen unter Aufsicht deutscher Militärbehörden gestellt und ein System der Zwangsrequirierung von Arbeitskräften, Ressourcen und Erzeugnissen wurde in die Wege geleitet. Das Gebiet sollte allerdings auch kulturell unter deutsche Oberhoheit fallen. Hierzu wurde eine Erschwerung der Hochschulbildung im Baltikum für nichtdeutsche Einheimische veranlasst, um eine gebildete Elite und somit eine mögliche Keimzelle einer Autonomie gar nicht erst aufkommen zu lassen. Ebenso sorgten eine weitgehende Buch- und Zeitungszensur dafür, dass jede antideutsche Stimme in der öffentlichen Meinung unterdrückt werden konnte. Das Schulsystem wurde einem deutschen Kulturprogramm unterworfen. Die unterschiedlichen politischen Zielsetzungen in diesem Gebiet reichten von einer Eingliederung von kleineren polnischen Grenzgebieten (entlang dem Fluss Warthe) und der Gründung von monarchischen Satellitenstaaten (mit deutschen Adeligen an der Staatsspitze), bis zur völligen Annexion weiter Gebiete und deren vollständiger Eingliederung in das Deutsche Reich. Aufgrund dieser Gegensätze war die deutsche Besatzungspolitik im Bereich von Ober Ost nicht einheitlich und wandelte sich auch stetig mit der Veränderung der politischen und militärischen Lage.

Das Kriegsjahr 1916 brachte für die russische Militärführung eine Erholung. Die Munitionskrise war durch Steigerung der Eigenproduktion überwunden worden, und somit sah das russische Große Hauptquartier die Armee wieder als aktionsfähig an. Die alte Elite der zaristischen Armee hatte allein den Mangel an schwerer Artillerie und an Geschossen für die schweren Niederlagen der ersten beiden Kriegsjahre verantwortlich gemacht. Eine eingehende Analyse der veralteten Taktiken fand nicht statt. Dies wurde dadurch begünstigt, dass die meist adligen hohen Offiziere überaltert waren und sich auch sozial von ihren meist kleinbürgerlichen Truppenführern abschlossen. Weite Teile der russischen Stäbe schafften es den ganzen Krieg nicht, sich über das Niveau der Militärtheorien der Vorkriegszeit zu erheben. Infolgedessen wurde im Frühjahr 1916 an der Nordwestfront im Gebiet von Weißrussland eine den alten Konventionen entsprechende Offensive geplant. Diese Schlacht am Naratsch-See wurde mit mehr als einhunderttausend Mann Verlusten zu einem Debakel. Daraus resultierte eine teilweise psychologische Lähmung der russischen Heeresführung. Sogar der Oberkommandierende Michail Alexejew zweifelte am Sinn irgendeiner neuen Offensivoperation. Nachdem man die ersten zwei Jahre in den hohen Stellen materielle Probleme vorgeschoben hatte, erzielte man mit einer Überlegenheit an Mensch und Material auch nur desaströse Ergebnisse. Damit stellte die Schlacht am Naratsch-See eine bedeutende Zäsur des Krieges dar. Sie war die letzte aktive Operation der alten Militärelite. Die betreffenden Offiziere wurden zwar nicht abgesetzt, aber sie glaubten nicht mehr an den Sinn einer Offensive und zeigten auch keine Neigung mehr, solche Unternehmen zu starten.

Während ein großer Teil des Generalstabs resigniert sämtliche Fehler auf den einfachen Soldaten abwälzte, gab es allerdings doch taktische Neuentwicklungen in der russischen Armee. Alexei Brussilow hatte bereits in den vorherigen Kriegsjahren ein neues Konzept entwickelt. Die alte Taktik sah vor, an eng begrenzten Abschnitten möglichst viele Kräfte zu konzentrieren und nach einem langen Artillerieangriff die Infanterie im Sturm auf die feindlichen Stellungen zu jagen. Dies führte zu großen Verlusten, ohne entscheidende Erfolge zu erzielen. Brussilow schaffte es, eine erfolgreichere Taktik auszuarbeiten. Einerseits schlug er den Angriff in einem mehrere hundert Kilometer langen Frontabschnitt aus mehreren Richtungen vor. Dadurch sollte der Gegner an einer schnellen und planvollen Verteilung seiner Reserven gehindert werden. Andererseits sollte man die Strecke, die die Infanterie zurücklegen musste, möglichst kurz halten. Hatten die russischen Schützen bis zur Naratsch-Schlacht fast einen Kilometer zurückzulegen, so ließ Brussilow die Gräben so nah wie möglich an die feindlichen Stellungen herantreiben. Durch diese Form der Schocktaktik gelang Brussilow die erste siegreiche Offensivoperation der zaristischen Armee seit 1914. Seine Offensive stürzte die Mittelmächte in eine zeitweilige Krise. Nach den ersten Erfolgen ging man allerdings wieder zu konservativen Taktiken über, was die Verluste auf russischer Seite in die Höhe trieb. Zwar standen im Winter 1916 russische Soldaten wieder an den Karpaten, dennoch war ein nachhaltiges Umschwenken auf die Schocktaktik nicht vollzogen worden. Dies wurde insbesondere dadurch begünstigt, dass weite Teile der Militärführung die Operation geringschätzten, da sie im Frontabschnitt der k.u.k. Armee durchgeführt wurde.

Während die Militärs des Zarenreichs neue Wege beschritten, bemühte sich die politische Führung Russlands ebenfalls, die Situation zu verbessern. Im ganzen Verlauf des Weltkrieges versuchten die jeweiligen Großmächte, kleinere Staaten auf ihre Seite zu ziehen, der Kriegseintritt Bulgariens auf Seiten der Mittelmächte stellte einen solchen gelungenen Versuch dar. Die russischen Politiker sahen in Rumänien das mögliche Zünglein an der Waage, um den Krieg zu Gunsten Russlands zu wenden. Nach der Planung der russischen Regierung sollten die rumänischen Truppen eine Offensive gegen Österreich-Ungarn starten und somit den engsten Verbündeten Deutschlands ausschalten. Diese sehr optimistischen Erwartungen konnten in der Realität nicht eingelöst werden. Die zahlenmäßig zwar starke Armee des agrarischen Balkanlandes war vergleichsweise schwach gerüstet und wurde mangelhaft geführt. Der in Russland bejubelte Kriegseintritt Rumäniens geriet zum Debakel. Bis zum Jahresende gelang es den Mittelmächten, fast das gesamte Staatsgebiet unter ihre Kontrolle zu bringen. Es war somit genau das eingetreten, was der russische Stabschef Alexejew befürchtet hatte. Durch die Schwäche Rumäniens war nun Südrussland von den Mittelmächten bedroht. Die rumänische Intervention stärkte Russland also nicht, sondern zog Kräfte der zaristischen Armee von ihren Haupteinsatzräumen ab und schwächte ihre Position im Schwerpunkt der Ostfront.

Zu Beginn des dritten Kriegsjahres herrschte in den Militärkreisen des Zarenreichs keineswegs Katastrophenstimmung. Man war im Gegenteil davon überzeugt, mit neuen Anstrengungen die Gesamtlage im Weltkrieg zu beeinflussen. Doch bis zum Start neuer Unternehmen war Russland schon im revolutionären Strudel versunken. Der Zusammenbruch der Versorgung der Bevölkerung schob weitere Aktionen der zaristischen Militärführung einen Riegel vor.

Das Jahr 1917 brachte für Russland das Ausscheiden aus dem Krieg. Man hatte zwar durch die Kampfhandlungen weite Verluste an Menschen und Territorium hinnehmen müssen, doch war die militärische Lage nicht ausschlaggebend für den Zusammenbruch des Zarenreichs. Der Vielvölkerstaat litt mehr unter den wirtschaftlichen Verwerfungen, die der Krieg über das Land gebracht hatte. Dies beeinträchtigte die Moral der Bevölkerung derart, dass das politische Gefüge der dynastischen Monarchie durch die Februarrevolution hinweggefegt wurde. Da aber auch die liberale Regierung unter Kerenski den Krieg nicht abbrechen wollte und die Lage der Bevölkerung nicht bessern konnte, folgte der kommunistische Umsturz der Bolschewiken. Der Zusammenbruch offenbarte sich in einer Krise der Nahrungsversorgung, sowohl in der Armee als auch in den Städten. Dies demoralisierte die Streitkräfte, die in den Wirren des Umbruchs weitgehend passiv blieben und trieb die Arbeiterschaft der urbanen Zentren auf die Barrikaden.

Ein wesentlicher Faktor für den Zusammenbruch des russischen Kapitalismus war der Zusammenbruch des Finanzsystems durch Inflation. Aufgrund der Kriegsanstrengungen musste die Regierung enorme Summen aufbringen, um die Streitkräfte auszubauen und zu unterhalten. Der kritische Punkt war, dieses ausgegebene Geld dem Staatshaushalt wieder in irgendeiner Weise zuzuführen. Dafür reichte das normale russische Steuersystem, das sich vor allem auf indirekte Steuern und Einkünfte aus staatlichen Monopolen deckte, nicht aus. Da sich der Staatsapparat dem politischen Druck nach weiterer indirekter Besteuerung und den administrativen Problemen direkter Steuern nicht gewachsen fühlte, fiel ein Ausbau des bestehenden Systems aus. Die Lösung hierbei sah man in einer breit angelegten Kampagne für Kriegsanleihen. Diese sollten den Bürgern durch die Gewährung einer fixen Rendite einen Anreiz geben, in den bevorstehenden Sieg des Zarenreichs zu investieren. Im Laufe des Krieges wurden insgesamt sechs Anleihen ausgegeben, sie scheiterten allerdings an der geringen Nachfrage. Die Inflation durch ein System von Anleihen zu festen Zinssätzen zu bekämpfen, war sinnlos, da für einen Anleger in Zeiten rasanter Geldentwertung diese Anleihen keinen Profit bieten konnten. Somit blieb der russischen Regierung nur ein Ausweg, um den Staatsbankrott zu vermeiden, nämlich die Notenpresse anzuwerfen und den Staat durch neu generiertes Papiergeld zu finanzieren. Dies führte zu einem Anstieg der Gesamtgeldmenge um mehr als 800 %, was schließlich die Inflation mit ihren destabilisierenden Auswirkungen auf die Wirtschaft noch weiter förderte.

Nach diesen Produktionszahlen hatte die russische Kriegswirtschaft, trotz ihrer Verluste an Mensch und Anbaufläche einen Überschuss erwirtschaftet. Demnach herrschte weniger ein Produktions- als vielmehr ein Verteilungsproblem. Die Struktur der landwirtschaftlichen Produktion hatte sich durch die drei Kriegsjahre mehr und mehr verändert. Die größten Landsitze, die in der Vorkriegszeit 25 % der Ernte bestritten hatten, waren aus der Produktion fast gänzlich ausgeschieden. Aufgrund der rasanten Inflation und der Verteuerung der Arbeit durch den Ausbau der Kriegsindustrie wurde für die Betreiber von Latifundien der Getreideanbau unrentabel. Dieses Land wurde daher an Kleinbauern verpachtet. Das System von kleinen Familienhöfen arbeitete zwar in der Produktion hervorragend, doch fehlten ihm die Anreize zum Verkauf seiner Produkte in die Städte. Während der Grundbesitzer direkt zu den Märkten der Städte Zugriff hatte, musste sich der gewöhnliche Bauer diesen erst über eine Linie von Zwischenhändlern verschaffen, was seinen Gewinn schmälerte. Falls der Landwirt seine Waren dennoch absetzte, bekam er dafür nur wenig attraktive Gegenleistungen. Der Bedarf der Armee resultierte zudem in einem astronomischen Preisanstieg für sämtliche industriell gefertigten Produkte. Textilien verteuerten sich im Vergleich zu 1913 um 300 %, Eisenwaren um bis zu 1.000 %. Somit wurden von der Ernte des Jahres 1917 nur noch 15 % des Getreides, statt der in der Vorkriegszeit üblichen 25 %, auf den freien Markt geworfen. Da sich der Bedarf der Städte durch die Flüchtlinge aus den von den Deutschen besetzten Gebieten erhöht hatte, führte dies zu den katastrophalen Unterversorgungen des letzten russischen Kriegsjahrs.

Die immer schlechter werdenden wirtschaftlichen Bedingungen trafen die Bevölkerung hart. Der Krieg hatte hohe Verluste an Menschen gefordert und der größte Teil der Bevölkerung lehnte diesen mittlerweile ab. Die Inflation ließ die nominell steigenden Löhne effektiv sinken. Es kam häufiger zu Streiks und sogar Aufständen. Der Zar Nikolaus II., der sich voll auf das Kriegsgeschehen konzentrierte und die Politik seiner Frau Alexandra Feodorowna überließ, verweigerte jegliche politische Liberalisierung. Zahlreiche Minister, die bereit waren, der Duma und dem Volk Zugeständnisse zu machen, wurden entlassen. Dies sorgte auch in bürgerlichen Kreisen für Verärgerung und schwächte die Autorität des Zaren weiter.

Der harte Winter von 1916/17 verschlimmerte die Versorgungslage der Bevölkerung. Daher versuchte der Staat, diesen Mangel durch Zwangseintreibungen und neue Wirtschaftsplanungen zu kompensieren. Dies stieß jedoch auf den Widerstand der Industriearbeiter. Schnell breiteten sich Streiks und Unruhen aus. Am 18. Februarjul./ 3. März 1917greg. kam es zu einem Massenaufruhr. Der Zar erließ einen Schießbefehl, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Aber die Soldaten schlossen sich den Demonstranten an und versorgten diese mit Waffen. Den Demonstranten in Petrograd gelang es, die Macht zu übernehmen. Dies sorgte für ähnliche Vorfälle in anderen großen russischen Städten, wie Moskau. Am 22. Februarjul./ 7. März 1917greg. schloss sich die Duma der Revolution an und ernannte gegen den Auflösungsbefehl des Zaren ein provisorisches Komitee. Nikolaus II. wollte nun Fronttruppen in Richtung Petrograd vorrücken lassen. Die Armeeführung drängte den Zar jedoch zum Rücktritt, damit eine Weiterführung des Krieges möglich blieb und die Revolution nicht auf die Feldtruppen übergriff.

Das nun entstandene Machtvakuum wurde sowohl von zahlreichen Arbeiter- und Soldatenräten, als auch von der Duma beansprucht. Die Duma war hauptsächlich von bürgerlichen und liberalen Kräften geprägt, während die Sowjets (Räte) unterschiedlich stark von Menschewiki und Bolschewiki geprägt wurden. Von der Duma wurde am 10. Märzjul./ 23. März 1917greg. eine Regierung unter Georgi Jewgenjewitsch Lwow ernannt, die parallel zu den Räten agierte.

Lenin, der Anführer der Bolschewiki, wurde von der deutschen Heeresleitung aus seinem Exil in der Schweiz mit einem Zug nach Petrograd transportiert. Gerüchteweise erhielt er sogar 40 Millionen Goldmark Unterstützung. Das Deutsche Reich erhoffte sich von Lenin und den Bolschewiki, die den Krieg bereits 1914 ablehnten, einen Separatfrieden. In Petrograd verfasste Lenin am 4. Apriljul./ 17. April 1917greg. die Aprilthesen, die neben der Forderung einer Revolution durch die Bolschewiki auch die Forderung der sofortigen und bedingungslosen Beendigung des Krieges enthielten.

Die neue Regierung wollte den Krieg möglichst beenden, aber verlangte einen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen. Um sich gegenüber den Mittelmächten eine bessere Verhandlungsposition zu verschaffen, veranlasste der Kriegs- und Marineminister Alexander Fjodorowitsch Kerenski die Kerenski-Offensive, die jedoch relativ schnell zusammenbrach. Ein Putschversuch im Juli gegen die Regierung unter Lwow wurde zwar abgewehrt und Kerenski wurde Regierungschef. Dennoch beruhigte sich die Lage nicht mehr.

Die Bolschewiki gewannen immer weiter an Macht, da die Menschewiki und die provisorische Regierung es nicht schafften, die Situation der Menschen wesentlich zu verbessern. So gelang es den Bolschewiki, die Macht in den Moskauer und Petrograder Sowjets an sich zu ziehen. Leo Trotzki wurde Vorsitzender des Petrograder Sowjets. Die Anführer der Bolschewiki bereiteten die Revolution vor und Anhänger der Bolschewiki bewaffneten sich. Am 22. Oktober übernahm der Petrograder Sowjet unter Trotzki die Garnison. In der Nacht zum 25. Oktober kam es zur sogenannten Oktoberrevolution, in der die Bolschewiki strategische Punkte in Petrograd besetzten und den Winterpalais, der als Sitz der provisorischen Regierung gedient hatte, stürmten. Daraufhin übernahmen die Bolschewiki die gesamte Regierungsgewalt.

Am 9. Novemberjul./ 22. November 1917greg. wandte sich Lenin mit dem Funkspruch an alle an die russischen Truppen mit der Forderung, provisorische Waffenstillstände mit den Mittelmächten auszuhandeln, da der Oberkommandierende der russischen Truppen, General Nikolai Nikolajewitsch Duchonin, sich weigerte, in Waffenstillstandsverhandlungen mit den Mittelmächten einzutreten.

In Folge der Machtergreifung durch die Bolschewiki kam es zum russischen Bürgerkrieg, in dem auch die Entente Truppen auf russischem Gebiet anlandeten, um die Weiße Armee im Kampf gegen die Kommunisten zu unterstützen. 70.000 Japaner, 2.500 Briten, 1.500 Franzosen, 1.500 Italiener und 8.000 US-Soldaten nahmen an den Kämpfen teil. Frankreich stationierte in Odessa einen Flottenverband, der aber zurückgezogen wurde, nachdem es unter den Matrosen zu einem Aufstand gekommen war.

Nachdem bereits 1917 ein Waffenstillstand zwischen dem Russischen Reich und den Mittelmächten geschlossen worden war, wurde im Jahr 1918 ein Friedensvertrag ausgehandelt. Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk, der am 3. März 1918 unterzeichnet wurde, enthielt massive territoriale Verluste, so verzichtete Sowjetrussland auf Ansprüche in Polen, Litauen und Kurland. Estland und Livland sollten weiterhin von deutschen Polizeitruppen besetzt bleiben. Die Ukraine und Finnland erhielten ihre Unabhängigkeit. Zunächst verzichtete Deutschland auf Reparationszahlungen. Am 27. August 1918 wurde jedoch ein Zusatzvertrag unterzeichnet, der sechs Millionen Goldmark Reparationen von Seiten Russlands festschrieb und in dem sich Russland zum Verzicht auch auf Lettland und Georgien verpflichtete. Im Ausgleich zog das Deutsche Reich seine Truppen aus Weißrussland zurück und versprach, nicht auf Seiten der Gegner der Bolschewiki im Russischen Bürgerkrieg einzugreifen.

Deutschland versuchte mit den nun freigewordenen Truppenverbänden in der Frühjahrsoffensive im Westen eine Entscheidung herbeizuführen, scheiterte jedoch an der seit 1917 durch US-amerikanische Truppen mitbesetzten Westfront. In der Folge empfahl die OHL, Waffenstillstandsverhandlungen mit der Entente einzuleiten und den Krieg zu beenden. Der Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 beendete den Ersten Weltkrieg und annullierte in weiterer Folge den Friedensvertrag von Brest-Litowsk.

Die Verluste auf russischer Seite sind aufgrund mangelnder Statistik schwer zu ermitteln. Man rechnet mit ungefähr 1,3 Millionen Toten. Dies entspräche den Verlusten, die auch Frankreich und Österreich-Ungarn erlitten. Russland hatte aber mit 3,9 Millionen Kriegsgefangenen die größte Anzahl an Gefangenen zu verkraften. Österreich-Ungarn hatte 2,2 Millionen Kriegsgefangene. An der Westfront wurden insgesamt 1,3 Millionen Soldaten beider Seiten gefangengenommen, dies liegt jedoch in den Besonderheiten des Grabenkriegs begründet.

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Source : Wikipedia