Miroslav Klose

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Geschrieben von tron 19/03/2009 @ 00:16

Tags : miroslav klose, fussballspieler, fussball, sport

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Miroslav Klose

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Miroslav Klose (* 9. Juni 1978 als Mirosław Marian Kloze in Opole, Polen, deutsch Oppeln) ist ein deutscher Fußballprofi und Nationalspieler.

Klose wurde als Sohn des deutschstämmigen Fußballspielers Josef Klose und der ehemaligen polnischen Handballnationalspielerin Barbara Jeż geboren. Seine Kindheit verbrachte Klose zunächst in Polen und kam, nach einem Aufenthalt der Familie in Frankreich, im Alter von acht Jahren mit seiner Familie als Aussiedler nach Deutschland in die Pfalz. Dort ging er zur Schule und begann anschließend eine Lehre als Zimmermann. Seit seinem 19. Lebensjahr widmet er sich vorrangig dem Fußball, zunächst als Amateur, später als Profisportler.

Miroslav Klose ist seit dem 31. Dezember 2004 verheiratet und lebt mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern (* 2005; Zwillinge) in Ismaning bei München (Stand Juli 2008).

Klose spielte in seiner Jugendzeit zunächst Fußball bei der SG Blaubach-Diedelkopf. Dort spielte er nach dem Verlassen der A-Jugend-Mannschaft noch in der Bezirksliga Westpfalz (siebte Liga). 1998 – als Zwanzigjähriger – wechselte er zum ehemaligen Bundesligisten FC 08 Homburg und spielte für die zweite Mannschaft in der Verbandsliga (fünfte Liga). 1999 ging er zum 1. FC Kaiserslautern und spielte zunächst als Amateur in der zweiten Mannschaft.

Im Laufe der Saison 2003/2004 geriet der 1. FC Kaiserslautern in finanzielle Schwierigkeiten. Diese führten dazu, dass Klose für eine Ablösesumme von 5 Millionen Euro zu Werder Bremen wechselte. Dort unterschrieb er einen bis zum 30. Juni 2008 laufenden Vertrag. In Bremen gelang es ihm nach kurzer Eingewöhnungsphase, den aus Bremen zum FC Schalke 04 gewechselten Torschützenkönig Aílton zu ersetzen und sich zudem zu einem „kompletten“ Stürmer zu entwickeln: Klose, der zuvor als Spezialist für Kopfballtore galt, wich fortan häufig auf die Flügel aus, setzt seine Mitspieler stärker ein und betätigte sich vermehrt auch in in der Defensive. In der Saison 2005/2006 wurde er mit 25 Toren in nur 26 Spielen Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga. Außerdem wurde er in der gleichen Saison durch seine 14 Vorlagen bester Spieler in der Scorerwertung. Nach einer starken Hinrunde in der Saison 2006/07 folgte in der Rückrunde eine Serie von 11 aufeinander folgenden Spielen ohne Torerfolg, die ihn auf nur insgesamt 13 Saisontreffer kommen ließ. Trotzdem erzielte er in dieser Saison die meisten Scorerpunkte.

Klose gab nach dem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Slowakei am 6. Juni 2007 bekannt, spätestens ab 2008 bei Bayern München zu spielen.

Am 26. Juni 2007 wurde bekanntgegeben, dass Klose mit sofortiger Wirkung zum FC Bayern München wechselt. Am 29. Juni 2007 trat Klose zum Auftakttraining des FC Bayern München zur Saison 2007/08 an. Über die Ablösesumme wurde Stillschweigen vereinbart. Es steht aber eine Summe von 12 Millionen Euro im Raum, die sich in den nächsten drei Jahren um jeweils 1 Million Euro erhöht, wenn die Münchener sich für die Champions League qualifizieren. Der mit vermutlich 5 Millionen Euro pro Jahr dotierte Vertrag beim FC Bayern München gilt für 4 Jahre bis zum 30. Juni 2011. Klose erhielt das Trikot mit der Nummer 18. Seine Entscheidung, zum FC Bayern zu wechseln und insbesondere die Umstände des Transfers stießen bei den Fans von Werder Bremen auf wenig Gegenliebe. Deshalb wurde er z. B. bei seiner offiziellen Verabschiedung in Bremen am 18. August 2007 ausgepfiffen.

In der Bundesliga ist Klose mit über 100 Treffern der bisher beste Torschütze des 21. Jahrhunderts (Stand Juli 2008).

Sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft gab Klose am 24. März 2001 in Leverkusen beim Sieg gegen Albanien. Dabei erzielte er kurz vor Schluss das entscheidende Tor zum 2:1. Bei der Fußballweltmeisterschaft 2002 wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft Vizeweltmeister und erhielt mit fünf Toren, die er allesamt mit dem Kopf erzielte (fünf Kopfballtore gelangen bislang noch keinem anderen Spieler bei einer WM), den Silbernen Schuh für den zweitbesten Torschützen des Turniers. Alle Tore erzielte er bereits in der Vorrunde und allein drei davon köpfte er beim 8:0-Erfolg gegen Saudi-Arabien im ersten Gruppenspiel. Klose ist neben Edmund Conen, Gerd Müller und Karl-Heinz Rummenigge der einzige Deutsche, der in einem Weltmeisterschaftsspiel drei Treffer erzielen konnte, wobei ihm im Gegensatz zu Conen und Müller kein klassischer Hattrick zuzuschreiben ist.

Miroslav Klose nahm mit der Nationalmannschaft auch an der Europameisterschaft 2004 in Portugal teil, kam wegen einer vorangegangenen Verletzung jedoch kaum zum Zuge. Auch das Jahr 2005 verlief für Klose in der Nationalmannschaft eher unglücklich: Verletzungsbedingt setzte er im Confed-Cup aus, bestritt nur fünf Länderspiele und konnte dabei kein Tor erzielen. Aufgrund seiner überragenden Leistungen in der Bundesligasaison 2005/06 und seiner mannschaftsdienlichen Spielweise galt er jedoch schon lange vor der WM 2006 als gesetzt für die Stammformation.

Beim Eröffnungsspiel der WM 2006 gegen Costa Rica erzielte Klose zwei Tore, ebenso wie bei der Partie gegen Ecuador. Beim Achtelfinalspiel der deutschen Mannschaft konnte er mit zwei Torvorlagen für seinen Sturmpartner Lukas Podolski glänzen und hatte maßgeblichen Anteil am 2:0-Sieg über Schweden. Im Viertelfinale gegen Argentinien, einem 5:3-Sieg nach Elfmeterschießen, erzielte er mit dem Ausgleich zum 1:1 sein erstes Kopfballtor für die Nationalmannschaft seit fast 3 Jahren. Durch diese fünf Treffer wurde Klose Torschützenkönig der WM 2006 (Gewinner des Goldenen Schuhs) und ist neben Teófilo Cubillas der bisher einzige Fußballspieler, dem bei zwei Weltmeisterschaften jeweils mindestens fünf Treffer gelangen.

Für die Fußball-Europameisterschaft 2008 wurde er von Nationaltrainer Joachim Löw ins Aufgebot der deutschen Mannschaft berufen. Nachdem er in der Gruppenphase noch keinen Turniertreffer erzielen konnte, gelang ihm beim 3:2-Sieg im Viertelfinale gegen Portugal ein Kopfballtreffer zum zwischenzeitlichen 2:0. Zudem schoss er im Halbfinale gegen die Türkei – ebenfalls ein 3:2-Sieg – den Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1.

Klose ist mit 44 Toren derzeit der erfolgreichste aktive Torschütze in der Nationalmannschaft. Nur Gerd Müller (14) und Jürgen Klinsmann (11) erzielten mehr WM-Tore für Deutschland als Klose (bisher 10 WM-Tore, wie Helmut Rahn). Mit 84 Länderspielen ist er nach Michael Ballack von den derzeit aktiven Nationalspielern der Spieler mit den meisten Einsätzen in der Nationalelf (Stand September 2008).

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Werder Bremen

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Der SV Werder Bremen ist ein traditionsreicher deutscher Sportverein mit über 34.000 Mitgliedern, dessen Lizenzspielerabteilung in den letzten Jahren national wie international zu den erfolgreichsten Mannschaften der Fußball-Bundesliga gehörte: Neben vier Deutschen Meisterschaften und fünf DFB-Pokal-Siegen steht ein Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1992 zu Buche. Der Club ist Gründungsmitglied der Bundesliga und gehörte dieser mit Ausnahme der Spielzeit 1980/81 durchgehend an.

Am 4. Februar 1899 als Fußballverein Werder von 1899 gegründet, bietet er heute neben Fußball Handball, Leichtathletik, Tischtennis, Turnspiele, Gymnastik und Schach an. Werder Bremen besteht nach der Ausgliederung profitorientierter und leistungssportlicher Abteilungen des Gesamtvereins am 27. Mai 2003 aus dem für den Amateursport zuständigen gemeinnützigen Sport-Verein Werder von 1899 e. V. und der unter anderem für den Profifußball verantwortlichen Werder Bremen GmbH & Co. KGaA.

Der Vereinsname ist vom an der Weser gelegenen Stadtwerder abgeleitet, auf dem sich das erste Trainings- und Spielgelände des Vereins befand. Das Wort Werder bezeichnet eine Flussinsel oder das Land, das von einem Fluss aufgeschwemmt wurde, wie der Peterswerder, auf dem sich das heutige Bremer Weserstadion befindet, in dem Werder Bremens Fußballprofis ihre Heimspiele austragen.

Am 4. Februar 1899 gründeten 16-jährige Schüler aus handelsbürgerlichen Kreisen mit dem Fußballverein Werder von 1899, einem reinen Fußballverein, den Vorläufer des heutigen SV Werder Bremen. Sie hatten bei einem Tauzieh-Wettbewerb einen Fußball gewonnen und mit diesem erstmalig am Stadtwerder gespielt, wodurch der Grundstein für den FV Werder Bremen und dessen Namen gesetzt wurde. Bereits im Dezember 1899 trat der FV Werder dem Verband Bremer Fußball-Vereine bei. In den ersten Jahren durften nur Männer Mitglied werden, die eine höhere Schulbildung nachweisen oder eine Zweidrittelmehrheit im Vorstand für sich gewinnen konnten. 1903 wurde der Verein mit drei Mannschaften erstmals in allen drei existierenden Spielklassen Bremer Meister und war 1905 der erste Bremer Klub, der Eintrittsgelder verlangte und sein Spielfeld einzäunte. Der FV Werder Bremen qualifizierte sich 1912 als einziger Bremer Verein für die neu gegründete Norddeutsche Verbandsliga, an der er ab 1913 teilnahm. Der Verein musste sich in dieser Zeit gegen nationalistische Tendenzen, vor allem aus der Turnerbewegung, zur Wehr setzen, die den Fußball für einen „Unsport“ und wegen seiner englischen Herkunft für „undeutsch“ hielten. Trotzdem wurde während des Ersten Weltkrieges der Spielbetrieb weitergeführt und 1916 erneut die Bremer Meisterschaft gewonnen.

Anders als einige andere Vereine überstand der FV Werder trotz vieler gefallener Mitglieder die Kriegsfolgen, was vor allem dem Engagement des damaligen Vorsitzenden Hans Jarburg zu verdanken war. Nach dem Krieg wurde mit der Neustrukturierung des Vereins begonnen. Ab 1919 durften auch Frauen Mitglieder werden; ein Jahr später erfolgte, dem Trend der damaligen Zeit entsprechend, die Erweiterung vom Fußball- zum Sportverein mit unter anderem einer Tennis-, Leichtathletik- Schach- und damals auch Baseball- und Cricketabteilung. Dem entspricht die im gleichen Jahr durchgeführte Umbenennung in Sportverein Werder Bremen von 1899, wobei Fußball weiterhin die wichtigste Sportart innerhalb des Vereins blieb. Waren die Mitgliederzahlen vor dem Ersten Weltkrieg nicht über die Grenze von 300 hinausgekommen, stieg die Anzahl jetzt zeitweilig auf über 1000.

Als erster Bremer Verein engagierte er 1922 mit dem Ungarn Franz Konya einen professionellen hauptberuflichen Trainer, der aus dem Sportlehrerfond finanziert wurde. Die damalige Hyperinflation und Werders daraus resultierenden Finanzprobleme resultierten in der baldigen Trennung. 1924 kehrte Konya zurück an die Weser. Ab 1921 spielte Werder in der Westkreisliga, der damals höchsten Spielklasse. In der ersten Saison wurde zunächst nur der siebte von acht Plätzen belegt. Als die Liga in der nächsten Spielzeit in die Staffeln Weser und Jade unterteilt wurde, erreichte Werder in letzterer den ersten Rang und wurde nach einem 5:0-Sieg im Entscheidungsspiel gegen den VfB Oldenburg Meister der Westkreisliga. In der Qualifikation zur Endrunde um die inoffizielle Norddeutsche Meisterschaft schied der Verein gegen Arminia Hannover aus. Ab der Saison 1924/25 wechselte Werder in die Staffel Weser, in der er 1926 Erster wurde, aber im Entscheidungsspiel gegen den Bremer SV mit 1:6 verlor. Im nächsten Jahr wurde nach einer Endspielniederlage gegen Komet Bremen erneut die Vizemeisterschaft der Westkreisliga erreicht. Auch 1928 unterlag Werder, nun wieder in der Staffel Jade antretend, diesem Verein im Endspiel. Nachdem die Saison 1928/29 ausgefallen war, konnte Werder im nächsten Jahr die Oberliga Weser/Jade auf Platz vier abschließen. Im Achtelfinale der Endrunde um die Norddeutsche Meisterschaft schied der Verein 1931 gegen Altona 93 nach Verlängerung mit 2:3 aus und belegte zwei Jahre später nur den letzten von vier Plätzen. Da sich eine Professionalisierung des Fußballs andeutete, der bis dato reiner Amateursport gewesen war, verstärkte Werder Anfang der 1930er-Jahre seine Mannschaft mit einigen späteren Nationalspielern: 1933 kam Hans Tibulski nach Bremen und bei der Weltmeisterschaft 1934 im Spiel um Platz drei trug der im Januar des gleichen Jahres verpflichtete Matthias Heidemann als erster Bremer Spieler das Nationaltrikot.

Ein geeigneter Ort für die Spiele und zum Training war auch 1925, also zwei Jahre nach der Westkreisligameisterschaft, noch nicht gefunden, so dass der Verein mit dem Allgemeinen Bremer Turn- und Sportverein (ABTS) um den Bau eines Stadions am Weserufer konkurrierte, wobei sich der ABTS durchsetzte. Wie zu dieser Zeit auch mehrere andere Bremer Vereine trug Werder seit 1930 die meisten, später alle seine Heimspiele in der nun Weserstadion genannten ehemaligen ABTS-Kampfbahn aus, da sich der ABTS beim Bau finanziell übernommen hatte und das Stadion an den Sportverein Werder Bremen von 1899 verpachten musste.

Werders erste überregionale Erfolge fielen in die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur, als die Bremer Kampfbahn (Weserstadion) oft für politische Propagandaveranstaltungen der Nationalsozialisten benutzt wurde. Unter Trainer Walter Hollstein wurde die neue Gaumeisterschaft Niedersachsen 1934, 1936, 1937 und 1942 gewonnen. Im Jahr 1935 wurde in der Gauliga Niedersachsen, wie auch 1943 in der Gauliga Weser-Ems die Vizemeisterschaft erreicht. Der machtzentrierte Aufbau des damaligen Staatsapparates spiegelte sich auch in der Vereinsführung wider: In dieser Zeit besaß ein Einzelner alle Machtbefugnisse. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges musste der Spielbetrieb eingestellt werden. Am 10. November 1945 wurde der Sportverein Werder Bremen von 1899 aufgelöst und nach einer Fusion mit den 1933 verbotenen Vereinen TV Vorwärts Bremen und Freie Schwimmer 1910 Bremen der Turn- und Sportverein TuS Werder 1945 Bremen wiedergegründet. 1946 wurde mit SV Grün-Weiß 1899 Bremen erneut ein anderer Vereinsname angenommen. Die Vorgaben der damaligen amerikanischen Besatzungsmacht verboten das Weiterbestehen oder die Neugründungen von Vereinen, die es bereits während des Dritten Reiches gegeben hatte. Der spätere Vereinspräsident Hansi Wolff und andere trafen sich deshalb heimlich, um den Spielbetrieb möglichst schnell wieder aufzunehmen. Der neue Name wurde dem Verein einen Monat später ebenfalls verboten, da durch die enthaltene Jahreszahl dessen Tradition deutlich wurde, so dass am 28. März 1946 eine weitere Umbenennung, diesmal in SV Werder Bremen erforderlich wurde. Im gleichen Jahr wurden der Spielbetrieb in Bremen wieder aufgenommen und Werder gewann die Bremer Stadtmeisterschaft (siehe: Bezirksmeisterschaftsliga (britische Zone)) sowie ein Jahr später die Niedersachsenmeisterschaft.

Zu den heute noch bekannten Spielern der 1930er- und 1940er-Jahre gehören Vereinsangaben nach neben Heidemann, Ziolkewitz, Tibulski, Scharmann und Hundt.

Nachdem mit den Oberligen Süd und Südwest bereits 1945 erste regional unterteilte Oberligen gegründet worden waren, setzte sich diese Entwicklung bis 1947 in ganz Westdeutschland durch. Werder Bremen gehörte von 1947 bis 1963 der Oberliga Nord an, in der eine inoffizielle norddeutsche Meisterschaft ausgespielt wurde und deren erfolgreichste Mannschaften sich für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifizierten. Dort trat man unter anderem gegen den FC St. Pauli und Hannover 96 an. Werder Bremen stand deutlich im Schatten des Hamburger SV, der die Oberliga in 15 von 16 Jahren gewann, und hatte zunächst Mühe, sich gegen Lokalrivalen wie den Bremer SV oder TuS Bremerhaven 93 zu behaupten. Werders Situation verbesserte sich mit der Verpflichtung des zwischen 1958 und 1963 tätigen Trainers Georg Knöpfle, eines ehemaligen A-Nationalspielers, der sich durch seine Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin einen guten Ruf verschafft hatte. Auch die Mannschaft wurde verstärkt: Es gelang Werder 1958 neben Helmut Schimeczek nach einem langen Streit mit dem HSV auch den späteren Nationalspieler und Spielmacher Willi Schröder für sich zu gewinnen. Der Versuch des HSV, diesen mit einem verbotenen Handgeld in Höhe von 15.000 Deutschen Mark zu überzeugen, war aufgeflogen. Auch die 1961 erfolgte Verpflichtung der Schalker Willi Soya und Helmut Jagielski erwies sich als positiv. So gelang es Werder in den letzten fünf Spielzeiten der Oberliga, sich hinter dem HSV als zweiterfolgreichste Mannschaft des Nordens zu etablieren: Von 1959 bis 1963 wurde die Mannschaft durchgehend Vizemeister der Oberliga Nord und konnte sich dadurch neben dem HSV und Eintracht Braunschweig als eine von drei norddeutschen Mannschaften für die neu gegründete Fußball-Bundesliga qualifizieren. Während der Bremer SV aus der Liga abgestiegen war, trennten Werder in der letzten Oberligasaison nur noch zwei Punkte vom Serienmeister HSV. Sportlicher Höhepunkt der Oberligazeit war der Gewinn des DFB-Pokals 1961 mit einem 2:0 im Endspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern durch Tore von Schröder und Jagielski.

Im Europapokal der Pokalsieger konnte im folgenden Jahr zwar der dänische Aarhus GF im Hin- und Rückspiel besiegt werden, aber im Viertelfinale schied Werder Bremen gegen den dritten Gegner Atletico Madrid aus.

Weil der Verein in dieser Zeit oftmals gegen starke Gegner gewann, aber bei schwachen unterlag, wurde er damals auch „die Sphinx des Nordens“ genannt. Das Einkommen von Fußballspielern war damals wegen einer vorgegebenen Höchstgrenze von 320 Deutschen Mark für die Bestreitung des Lebensunterhalts nicht ausreichend. Deshalb arbeiteten viele Bremer Spieler zusätzlich bei einem amerikanischen Unternehmen aus der Tabakbranche, das auch den Verein finanziell unterstützte. Die Mannschaft wurde in dieser Zeit deshalb oft als Texas-Elf bezeichnet.

Namhafte Spielerpersönlichkeiten der Oberligazeit des SV Werder waren nach Vereinsangaben Pico Schütz, Horst Gemhard, Richard Ackerschott, Horst Stange, Max Lorenz, Willi Schröder und Torwart Dragomir Ilic. Zu nennen sind auch Willi Soya und Helmut Jagielski.

Der SV Werder war 1963 einer der Gründungsvereine der Fußball-Bundesliga. In der ersten Saison musste der eigentlich schon nicht mehr aktive ehemalige Stammtorhüter Dragomir Ilic kurzzeitig reaktiviert werden, da sich noch vor Saisonbeginn nacheinander die ersten sechs Torhüter verletzten. Nachdem diese Spielzeit im ungefährdeten Mittelfeld auf Platz zehn abgeschlossen worden war, konnte in der Saison 1964/65, also dem Jahr, in dem sich die Gründung der Stadt Bremen zum 1000. Mal jährte, „völlig überraschend“ erstmals die Deutsche Meisterschaft erreicht werden. Die am 17. Spieltag erklommene Tabellenspitze wurde bis zum Saisonende nicht mehr abgegeben. Dies war der „Mannschaft ohne Stars“ durch gut integrierte Neuzugänge wie Horst-Dieter Höttges, dem Nationalspieler Heinz Steinmann und Klaus Matischak möglich.

Das folgende Jahr konnte auf Platz vier, die Saison 1966/67 nur noch auf Platz 16, vier Punkte vor den Abstiegsrängen, abgeschlossen werden. Obwohl 1967/68 nach einem Marsch von Platz 18 bis auf den zweiten Tabellenplatz die Vize-Meisterschaft errungen werden konnte, gelang es Werder Bremen nicht, sich dauerhaft unter den Spitzenvereinen der Bundesliga zu etablieren. Erfolgreichen Jahren folgten immer wieder enttäuschende Platzierungen im grauen Mittelfeld oder sogar nahe den Abstiegsrängen.

Im Spiel beim Tabellenführer Borussia Mönchengladbach am 3. April 1971 kam es zu einer in der Bundesligageschichte einmaligen Situation: kurz vor Schluss beim Spielstand von 1:1 fielen zwei Spieler bei einer Torszene in das Netz des Bremer Tores, wobei einer der damals noch hölzernen Pfosten durchbrach und das Tor einstürzte. Nachdem die Bremer sich im Gegensatz zu den Mönchengladbachern und deren Ordnern, die aufgrund des Spielstands auf ein Wiederholungsspiel hofften, vergeblich bemüht hatten, das Tor wieder aufzurichten, um den erreichten Spielstand zu retten, brach der Schiedsrichter das Spiel ab. Bremen erhielt nachträglich beide Punkte, da Gladbach kein Ersatztor bereitgehalten hatte.

Die ersten Bundesligajahre wurden neben den bereits genannten durch Spielerpersönlichkeiten wie Pico Schütz, Günter Bernard, Sepp Piontek oder Max Lorenz mitbestimmt.

Nachdem Werder in den drei Jahren zuvor ins Mittelmaß gesunken war, versuchte der Verein in der Saison 1971/72 in einem Kraftakt als so genannte „Millionenelf“ mit der finanziellen Unterstützung der Bremer Wirtschaft und der Stadt Bremen sowie Trikots in den Bremer Landesfarben Rot und Weiß an bessere Zeiten anzuknüpfen. Ohne klares Konzept und ohne Absprache zwischen Trainer und Vereinsführung wurden viele Stars aus der Bundesliga mittels hoher Gehaltsangebote an die Weser beordert. Ein Wechsel Günter Netzers kam nur deshalb nicht zustande, weil dieser zusätzlich die Übernahme der damaligen Stadionzeitschrift Werder-Echo forderte. Hintergrund dieser Käufe, unter denen Werder noch Jahre später finanziell litt und die sich in fast allen Fällen nie auszahlten, war die für die nächste Saison beschlossene Abschaffung der Transferhöchstgrenze von 100.000 Deutschen Mark, die in der Saison 1971/72 noch in den DFB-Statuten verankert war. Der Erfolg, den Werder hatte erzwingen wollen, trat nicht ein. In dieser Saison waren vier Trainer in Bremen tätig und am Ende einer Spielzeit, in der das nicht zueinander passende Starensemble nur in seltenen Ausnahmen glänzen konnte, stand ein enttäuschender elfter Platz.

Danach blieb Werder Bremen im Ligamittelmaß und zählte dauerhaft zu den so genannten „grauen Mäusen“, später auch immer wieder zu den Abstiegskandidaten der Liga. Der Fall in die Zweitklassigkeit konnte in der Saison 1974/75 mit einem Punkt Vorsprung auf Platz 16 noch knapp und in der darauf folgenden Spielzeit nur durch einen späten Trainerwechsel zu Gunsten Otto Rehhagels erreicht werden, nachdem die nun wieder Grün-Weißen am 29. Spieltag auf Platz 16 gerutscht waren. Doch nach der Spielzeit 1979/80 musste schließlich als Vorletzter der Gang in die 2. Bundesliga Nord angetreten werden. War die Heimbilanz mit zehn Siegen und zwei Unentschieden durchaus passabel, wurden neben einem Unentschieden und einem Sieg sämtliche Auswärtspartien verloren, davon zehn mit vier oder mehr Gegentoren. Schon in den kritischen Jahren zuvor hatte der Verein seinen Verbleib in der 1. Liga den im Weserstadion erzielten Punkten zu verdanken, die diesmal jedoch nicht ausreichten. In dieser Periode der ausbleibenden Erfolge kam es bei Werder von 1971 bis zum Abstieg 1980 zu neun Trainerwechseln. Einige Cheftrainer waren nur wenige Wochen oder Monate tätig.

Zu den wenigen bei Werder herausragenden Spielerpersönlichkeiten der Jahre vor dem Abstieg gehörten Per Røntved und Dieter Burdenski, der zum deutschen Aufgebot zur WM 1978 in Argentinien gehörte.

In der Saison 1980/81, der einzigen Zweitligaspielzeit von Werder Bremen, gelang unter Kuno Klötzer und Otto Rehhagel trotz eines Einbruchs bei den Zuschauerzahlen der direkte Wiederaufstieg. Dabei erzielte Werder mit 30 Siegen, acht Unentschieden und nur vier Niederlagen einen Rekord in der Zweitligageschichte. Klötzer musste im März 1981 aus gesundheitlichen Gründen sein Traineramt niederlegen und wurde durch Rehhagel ersetzt. Dieser baute zusammen mit Manager Willi Lemke in den folgenden Jahren kontinuierlich eine starke Mannschaft auf und führte den Club zu dessen Glanzzeit in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren. Werder wurde zum Hauptkonkurrenten des FC Bayern München und war zeitweise sogar erfolgreicher als dieser, womit die besondere gegenseitige Rivalität dieser Vereine ihren Anfang nahm. Im Spiel beider Mannschaften am 21. August 1982 gelang dem Werderaner Uwe Reinders das so genannte Einwurftor: Der Bayerntorhüter Jean-Marie Pfaff berührte als einziger Reinders kräftigen Einwurf, bevor der Ball die Torlinie passierte, so dass der Treffer zählte. Im gleichen Jahr verpflichtete Werder Rudi Völler, den Torschützenkönig der vorjährigen Zweitligasaison, als Ersatz für Erwin Kostedde. Der Verein hätte eigentlich die Verpflichtung Dieter Schatzschneiders vorgezogen und nahm Völler nur unter Vertrag, weil der Wunschspieler nicht zu bekommen war. Völler gelang es daraufhin als erstem Spieler in der Geschichte der Bundesliga, den Titel des Torschützenkönigs nach der Zweiten Liga anschließend in der Bundesliga ebenfalls zu erringen.

Zwischen 1982 und 1987 spielte Werder Bremen attraktiven Offensivfußball und erreichte sechsmal hintereinander einen Platz unter den ersten Fünf der Tabelle und damit die Teilnahme am UEFA-Pokal; allerdings blieb diese Zeit ohne bedeutenden Titelgewinn. Die Deutsche Meisterschaft wurde mehrfach knapp, 1982/83 und 1985/86 nur auf Grund des schlechteren Torverhältnisses verpasst, 1986 unter für den Verein „traumatischen“ Umständen: Am vorletzten Spieltag gegen Bayern München vergab Michael Kutzop in der 88. Minute nach „zweiminütigen“ Störmanövern per Pfostenschuss einen Handelfmeter, mit dem der Meistertitel hätte vorzeitig sichergestellt werden können. Die zweite Chance zur Meisterschaft verspielte Werder vier Tage später: Ein Unentschieden hätte dem einunddreißigmaligen Tabellenführer dieser Saison am letzten Spieltag in jedem Fall ausgereicht, doch Werder verlor gegen den in den Hinrunde mit 6:0 besiegten VfB Stuttgart und wurde aufgrund des gleichzeitigen Siegs der Bayern erneut nur Vizemeister. Kutzops Leistungen, der alle anderen seiner vierzig Elfmeter verwandelt hatte, wurden danach trotz der durch die Mannschaft vergebenen zweiten Chance oft auf diesen einen Fehlschuss reduziert.

Geprägt wurde diese Phase vor allem durch Rudi Völler, der bei Werder Bremen Nationalspieler, internationaler Star und 1983 Torschützenkönig wurde, aber auch durch Spieler wie Klaus Fichtel, Bruno Pezzey, Jonny Otten, Thomas Schaaf, Wolfgang Sidka, Benno Möhlmann, Norbert Meier, Frank Ordenewitz und Uwe Reinders.

Nachdem sich Werder in den Jahren zuvor in der Spitzengruppe der Bundesliga etablieren, allerdings keine Titel gewinnen konnte, wurden die nächsten, von Rehhagels „kontrollierter Offensive“ geprägten Jahre zu den titelreichsten der Vereinsgeschichte. Zwischen 1988 und 1995 war Werder Bremen die neben Bayern München erfolgreichste Mannschaft des deutschen Fußballs: In der Saison 1987/88 wurde mit den bis dato wenigsten Gegentoren der Bundesligageschichte* zum zweiten Mal die Deutsche Meisterschaft errungen. Garant hierfür war neben Torwart Oliver Reck die meist aus Rune Bratseth, Uli Borowka, Gunnar Sauer, Jonny Otten und Thomas Schaaf zusammengesetzte Abwehr sowie der Stürmer Karl-Heinz Riedle, der in der Rückrunde 14 Treffer in 17 Spielen erzielt hatte. 27 mal führte Werder die Tabelle an und stand bereits nach dem 31. Spieltag als Meister fest.

Im nächsten Jahr qualifizierte sich die Mannschaft als Tabellendritter für den UEFA-Pokal. In der dritten Runde traf Werder Bremen auf den SSC Neapel, der seinerzeit zu den besten Vereinen Europas gehörte und mit Nationalspielern wie Gianfranco Zola (Italien), Careca, Alemão und Diego Maradona hochkarätig besetzt war. Das Auswärtsspiel, das mit 3:2 gewonnen wurde und das anschließende Heimspiel, das Werder 5:1 gewann, gehören zu den besten Spielen Werders überhaupt. 1989, 1990 und 1991 wurde das Finale des DFB-Pokals erreicht, das aber nur 1991 im Elfmeterschießen gegen den 1. FC Köln gewonnen werden konnte.

Ein Jahr später wurde der neunte Platz in der erstmals durch ostdeutsche Teams aufgestockten Bundesliga durch den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger in Lissabon und damit dem bedeutendsten internationalen Erfolg positiv überlagert. Dabei konnten unter anderem mit Galatasaray Istanbul, dem FC Brügge und schließlich im Finale dem AS Monaco mehrere renommierte Mannschaften besiegt werden. Klaus Allofs, Werders heutiger Geschäftsführer des Bereichs Fußball, schoss dabei kurz vor der Pause das 1:0.

In der Saison 1992/93 übernahm Werder erst am 33. Spieltag die Tabellenführung und konnte mit einem Punkt Vorsprung die Meisterschaft gewinnen. Vor allem Wynton Rufer im Sturm sowie der neu erworbene Spielmacher und spätere österreichische Rekordnationalspieler Andreas Herzog stachen positiv hervor. Für die folgende Saison qualifizierte sich Werder als erster deutscher Verein für die Gruppenphase der UEFA Champions League und schied dort hinter dem FC Porto und dem späteren Sieger AC Mailand aus.

Ein erneuter Gewinn des DFB-Pokals gelang 1994 mit einem ungefährdeten Finalsieg über den Zweitligisten Rot-Weiss Essen, wobei in diesem Jahr drei der vier Viertelfinalspiele durch Elfmeterschießen beendet und viele Bundesligisten von niederklassigen Mannschaften aus dem Wettbewerb geworfen worden waren.

Im letzten Jahr unter der Regie Rehhagels wurde die Meisterschaft durch ein 2:4 beim FC Schalke 04 am 32. und ein 1:3 beim FC Bayern München am letzten Spieltag verpasst.

Geprägt war diese Zeit neben den bereits erwähnten Spielern durch Dieter Eilts, Thomas Wolter, Mirko Votava, Günter Hermann, Frank Neubarth, und Marco Bode.

Nachdem Werder Bremen 1995 noch einmal Vizemeister geworden war und Rehhagel nach 14-jähriger Amtszeit den Verein verlassen hatte, waren die Zeiten der Titelgewinne und Erfolge in der Bundesliga zunächst vorbei. Es folgten mittelmäßige Platzierungen und mehrere Trainerwechsel (Aad de Mos, Dixie Dörner, Wolfgang Sidka). Die Saison 1998/99 markierte den Tiefpunkt: Nach einem missratenen Saisonbeginn lag Werder Bremen ebenso am Tabellenende wie kurz vor Saisonende, nachdem unter dem neuen Trainer Felix Magath nur vorübergehend eine Besserung eingetreten war.

Konsequenz dieser Situation war jedoch ein Früchte tragender Neuanfang: Das Vereinspräsidium mit Präsident Franz Böhmert, Vizepräsident Klaus-Dieter Fischer und Schatzmeister Manfred Müller, das seit vielen Jahren, im Falle Böhmerts fast 30, amtiert hatte, trat unter dem Eindruck der krisenhaften Entwicklung 1999 geschlossen zurück. Es machte damit den Weg für die spätere Umgestaltung des Vereins frei. Auch Manager Willi Lemke beendete vorerst seine Tätigkeit bei Werder, wobei sich die gesamte Führungsmannschaft Werders anschließend in neuen Funktionen des Vereins oder der GmbH und Co KGaA im Aufsichtsrat, im Vorstand oder in der Geschäftsführung wiederfand. Neuer Präsident und späterer Vorsitzender der Geschäftsführung wurde Jürgen L. Born. Vor den Rücktritten war die Trennung von Felix Magath beschlossen worden, nachdem das Heimspiel gegen den direkten Abstiegskonkurrenten Eintracht Frankfurt verloren worden war. In akuter Abstiegsgefahr wurde in der Trainerfrage auf eine vereinsinterne Kraft gesetzt und der als Coach der Amateure erfolgreiche Thomas Schaaf zunächst bis zum Saisonende zum Cheftrainer der Profis befördert. Seit 1972 im Verein war Schaaf Spieler in Werders titelreichster Zeit unter Rehhagel und hatte vorher noch keine Profimannschaft trainiert. Er, in dem die Medien und wohl auch der Verein zunächst nur eine Übergangslösung sahen, vermied mit drei Siegen in den letzten vier Spielen den Fall in die Zweitklassigkeit, der Werder in arge finanzielle Nöte gebracht hätte. Kurz nach der Rettung gelang Werder im DFB-Pokal-Finale gegen den FC Bayern München der Sieg im Elfmeterschießen. Schon durch den Finaleinzug qualifizierten sich die Grün-Weißen für den UEFA-Cup, da der FC Bayern München als Meister in die Champions League einzog.

Die nach diesen Erfolgen langfristig angelegte Verpflichtung Schaafs sollte der Grundstein für die Rückkehr in obere Tabellenregionen und das Erreichen weiterer Titel sein.

Auch in dieser Zeit verfügte Werder über gute Spieler, die aufgrund der Umstände jedoch meist nicht ihr Potenzial ausschöpfen konnten. Neben langjährigen Stammspielern wie Herzog, Eilts, Votava oder Bode sowie jungen Talenten, die später eine gute Entwicklung nehmen sollten, wie Frank Rost, Raphaël Wicky oder Torsten Frings sind hier Nationalspieler wie Hany Ramzy (Ägypten), Jurij Maximow (Ukraine), Mario Basler (Deutschland), Wladimir Bestschastnych (Russland) oder Rade Bogdanović (Serbien und Montenegro) zu nennen.

Seit der Verpflichtung des Trainer/Manager-Duos Thomas Schaaf und Klaus Allofs 1999 etablierte sich der Verein wieder nach und nach unter den deutschen Spitzenteams. Die Jahre 1999 bis 2003 waren vom gezielten Aufbau einer spielstarken, auf Offensive ausgerichteten Mannschaft geprägt. Sie spielte einen anspruchsvollen und attraktiven, auf direkten Ballstafetten basierenden Fußball. Phasenweise deutete Werder das Potenzial für eine Spitzenmannschaft an, etwa durch das Erreichen des DFB-Pokalfinals 2000 und der meisten Punkte aller Bundesligisten im Kalenderjahr 2001.

Nachhaltige Erfolge blieben aber, mit Ausnahme der UEFA-Cup-Qualifikation 2002, vorerst aus. Denn die Phase bis 2003 war zugleich von einem eklatanten Mangel an Kontinuität gekennzeichnet, was dazu führte, dass Werder Bremen nach einigen herausragenden Spielen und Ergebnissen meist gegen Saisonende einbrach und seine Chancen verspielte. Daraus resultierend konnten junge und vielversprechende Spieler oft nicht lange gehalten werden, nachdem sie erfolgreichere und finanzstärkere Vereine auf sich aufmerksam gemacht hatten. Andererseits profitierte Werder von den Erlösen aus den Verkäufen Wickys 2000, Rosts 2001 sowie Frings` und Pizarros 2002. Nach den Wechseln von Herzog und Wiedener 2001 verabschiedeten die Bremer mit Bode 2002 altersbedingt den letzten Verbliebenen der goldenen Ära unter Otto Rehhagel. In der Saison 2002/03 verfehlte Werder zwar als Tabellensechster die Teilnahme am UEFA-Cup, hatte sich aber durch den französischen Nationalspieler und Spielmacher Micoud verstärkt, der zu einer Schlüsselfigur werden sollte. Im Ligaspiel gegen Hansa Rostock am 31. März 2002 gelang es dem Bremer Rost mit dem 3:3 kurz vor Spielende als einziger Bundesligatorhüter neben Jens Lehmann ein Tor aus dem Spiel heraus zu erzielen. Am 27. Mai 2003 erfolgte die Ausgliederung der Profifußballmannschaft und der anderen leistungssportlich orientierten Mannschaften aus dem nun gemeinnützigen eingetragenen Verein in die Werder Bremen GmbH & Co. KGaA.

Die Saison 2003/04 begann zwar mit dem blamablen Ausscheiden gegen den ASKÖ Pasching im UI-Cup-Halbfinale denkbar ungünstig, wurde aber zur erfolgreichsten in der Vereinsgeschichte: Die punktuelle Ergänzung der talentierten und attraktiv spielenden Mannschaft mit erfahrenen und erfolgsorientierten Spielern wie Reinke, Davala und Ismaël führte überraschend dazu, dass sich Werder von Beginn an in der Spitzengruppe der Bundesliga hielt. Die am 16. Spieltag übernommene Tabellenführung wurde bis zum Saisonende nicht mehr abgegeben, der Vorsprung in der Rückrunde auf bis zu elf Punkte ausgebaut; 23 Spiele in Folge wurden nicht verloren. Mit dem 3:1-Sieg beim schärfsten Verfolger FC Bayern München sicherte sich das Team schon am 32. Spieltag mit der besten Auswärtsbilanz, die je ein Bundesligist erzielt hat, die Meisterschaft. Zudem wurde Werders brasilianischer Stürmer Aílton mit 28 Treffern Torschützenkönig der Liga.

Darüber hinaus gewann Werder mit einem 3:2 gegen Alemannia Aachen den DFB-Pokal und damit zum ersten Mal das Double, was in der Bundesligazeit bislang nur dem 1. FC Köln und dem FC Bayern München geglückt war.

In der Saison 2004/05 verpflichtete Werder nach dem Weggang von Aílton Miroslav Klose als dessen Nachfolger. Mit dem Erreichen des DFB-Pokal-Halbfinales sowie des dritten Platzes in der Bundesliga etablierte sich der Verein in der nationalen Spitze. In der Champions League setzte sich Werder in der Vorrunde als Gruppenzweiter unter anderem gegen den damals amtierenden UEFA-Cup-Sieger FC Valencia durch, verlor jedoch im Achtelfinale zweimal hoch gegen den französischen Serienmeister Olympique Lyon.

Diese insgesamt positive Entwicklung setzte sich in der darauffolgenden Saison 2005/06 fort, zu deren Auftakt Frings zu Werder zurückkehrte sowie mit Naldo ein neuer Innenverteidiger verpflichtet wurde. Der Verein wurde Vizemeister und stellte mit Klose den Torschützenkönig (25 Tore) sowie Top-Scorer. Im DFB-Pokal schied Bremen beim FC St. Pauli in einem wegen winterlicher Platzverhältnisse umstrittenen Viertelfinale aus. Die Champions League endete für Werder im Achtelfinale gegen Juventus Turin. Das Heimspiel hatte Werder durch späte Tore noch mit 3:2 gewonnen, doch ließ Bremens Torhüter Wiese im Rückspiel in der 88. Minute einen schon abgefangenen Ball wieder fallen, als er zur Zeitgewinnung eine Rolle vollführte, was im Tor zum 1:2 resultierte.

Nach dem Weggang des Spielmachers Micoud wurde dieser 2006/07 durch Diego ersetzt und die Mannschaft außerdem durch Almeida, Fritz, Mertesacker, Womé und Rosenberg verstärkt, womit Werder Bremen mehr als je zuvor investierte. Zum Saisonauftakt gewann Werder den Ligapokal und wurde Herbstmeister. Nach einer Schwächeperiode zu Beginn der Rückrunde, Verunsicherungen durch Wechselgerüchte um und eine Formkrise von Klose sowie Verletzungsproblemen endete die Saison nur auf Rang drei. In der „Todesgruppe“ der Champions League mit dem FC Chelsea und dem FC Barcelona schied Werder mit zehn Punkten aus sechs Spielen als bester Dritter aller Zeiten aus. Im UEFA-Cup-Wettbewerb kam das Aus erst im Halbfinale gegen Espanyol Barcelona.

Vor der Saison 2007/08 verließ Klose den Verein Richtung München. Neben dem Stürmer Boubacar Sanogo wurde nach einem monatelangen Transferpoker Carlos Alberto, der mit 7,8 Millionen Euro teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte, verpflichtet, der die Erwartungen jedoch nicht erfüllen konnte. Trotz einer Verletzungsmisere war Bremen zum Ende der Hinrunde punktgleich mit Herbstmeister Bayern München. Am 8. Spieltag landete Werder dabei einen historischen 8:1-Heimsieg gegen Arminia Bielefeld. Eine sportliche Krise zu Beginn der Rückrunde kostete Werders Meisterchance, doch wurde Bremen durch eine Serie von acht Spielen ohne Niederlage zum Saisonende noch Vizemeister. Mit insgesamt zwanzig verschiedenen Spielern, die ein Tor erzielten, stellte das Team dabei einen neuen Bundesligarekord auf. In der Champions League erreichte Werder den dritten Vorrundenrang, schied aber im UEFA-Cup wie auch im DFB-Pokal schon im Achtelfinale aus.

Auch die Spiele gegen SK Brann (1998, Hinspiel 0:2, Rückspiel 4:0 n. V.) und Antalyaspor (2000, Hinspiel 0:2, Rückspiel 6:0) folgten diesem Muster.

Werders zweite Mannschaft spielt in der dritten Liga. Trainiert werden die Amateure seit 2002 vom langjährigen ehemaligen Werderprofi Thomas Wolter. Die größten Erfolge sind das Erreichen der Amateurmeisterschaften in den Jahren 1966, 1985 und 1991. Werder ist damit zusammen mit Hannover 96 und dem SC Jülich 1910 am häufigsten Amateurmeister geworden. Insgesamt 20 mal gewann Werders U-23 seit 1969 den Landespokal und qualifizierte sich damit für die erste DFB-Pokalhauptrunde. In dieser besiegte die Mannschaft 2007/08 überraschend den Aufstiegsanwärter 1. FC Köln nach einem Rückstand von 0:2 noch mit 4:2 nach Verlängerung. In der Saison 2006/07 spielte die U-23 lange gegen den Fall in die Viertklassigkeit und erreichte schließlich mit vier Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge den achten von neunzehn Tabellenplätzen. Während der Spielzeit 2007/08 wurde der 5. Platz erreicht, womit man sich als eine von drei 2. Mannschaften (neben Bayern München II und dem VfB Stuttgart II) für die neue dritte Liga qualifiziert hat. Die Spielstätte, Weserstadion Platz 11, soll dafür mit zusätzlichen Flutlichtmasten ausgerüstet werden. Ein Zweitligaaufstieg blieb trotz mehrmaligen Erreichens der dafür notwendigen Platzierungen in der Vergangenheit verwehrt, da nur eine Mannschaft pro Verein im bezahlten Fußball spielen darf.

Immer wieder schaffen Spieler aus der Jugend und der Amateurmannschaft den Sprung in die Profimannschaft. Der vereinsinterne Rekordtorschütze Marco Bode kam ebenso aus der Amateurmannschaft wie der spätere Europameister Dieter Eilts oder Thomas Schaaf. Von den heute aktiven Werderprofis kommt Hunt aus der eigenen Jugend. Darüber hinaus haben Martin Harnik, Kevin Artmann und der an Hansa Rostock ausgeliehene Kevin Schindler Profiverträge erhalten. Harnik und Artmann stehen aber gleichzeitig noch im Kader der Amateure und werden primär dort eingesetzt.

Werders dritte Mannschaft, die U-21, spielt in der Verbandsliga und erreichte in den Jahren von 2004 bis 2007 Platzierungen zwischen dem dritten und fünften Rang. Nachdem im Jahr 2007 den beiden an Rang eins und zwei liegenden Vereinen Bremer SV und FC Bremerhaven die Lizenz für die Oberliga Nord im Gegensatz zu Werders dritter Mannschaft verwehrt worden war, hätte diese statt dessen aufsteigen können, verzichtete aber darauf. Trotz dessen ist Werder Bremen III die am höchsten spielende aller dritten Mannschaften in Deutschland.

Daneben gibt es im Amateurbereich neben weiteren Jugendmannschaften mit den „4. Herren“, den „5. Herren“ und der „Ü 32 - Alte Herren“ drei weitere Männermannschaften.

Im Jugendbereich stellt Werder bei den männlichen Junioren für die Altersklassen A- bis G-Jugend Mannschaften.

Die A-Junioren spielten 2007/08 in der U19-Bundesliga und treten die Saison als Vorjahresstaffelsieger in der Gruppe Nord/Nordost an. 1999 wurde mit dem Gewinn der Deutschen Jugendmeisterschaft der bisher größte Erfolg erzielt. 1994 unterlag die Mannschaft den Junioren Borussia Dortmunds, die zwischen 1994 und 1998 die Meisterschaft gewannen, im Endspiel mit 3:2. Spielklasse der B-Junioren war 2007/08 die U17-Bundesliga.

Anfang des Jahres 2007 gründete der SV Werder erneut eine Frauenfußballabteilung. Bereits Anfang der 1970er Jahre bestand eine Frauenmannschaft, die 1974 in der Endrunde zur ersten deutschen Meisterschaft mitspielte. Sie wurde jedoch nach wenigen Jahren aufgelöst, und in der Folgezeit hat es der Verein immer wieder abgelehnt, eine neue Frauenmannschaft zu gründen. Begründet wurde dies mit Platzmangel auf dem Gelände der Pauliner Marsch. Im Herbst 2006 bat der Bremer Fußballverband den Verein, eine Frauenabteilung zu gründen, um die Abwanderung von talentierten Spielerinnen ins niedersächsische Umland einzudämmen.

In der Saison 2007/08 haben eine Frauen- und eine B-Juniorinnen-Mannschaft den Spielbetrieb aufgenommen. Beide Mannschaften wurden in Zusammenarbeit mit dem Bremer Fußballverband aus den leistungsstärksten Spielerinnen aus Bremen und Umgebung gebildet. Verantwortlich für die Frauenfußballabteilung ist Birte Brüggemann. Trainiert wird die Frauenmannschaft von Frank Schwalenberg, der bereits beim FSV Frankfurt eine Bundesligamannschaft trainiert hat. Die Mannschaften spielen auf dem Gelände der Universität Bremen. Die Mannschaft startete in der Verbandsliga Bremen an, der Verein hat sich das Ziel gesetzt, binnen vier Jahren in die 2. Bundesliga aufzusteigen.

Über 300 Spielerinnen hatten sich um einen Platz im Kader der Mannschaft beworben. Am 8. Mai 2007 wurden die zwei Teams der Presse vorgestellt. Zur Frauenmannschaft gehören Britta und Lara Möhlmann sowie Eva-Marlen Votava, die Töchter der ehemaligen Werder-Profis Benno Möhlmann und Mirko Votava. In der ersten Saison konnte die Mannschaft alle Saisonspiele gewinnen und wies ein Torverhältnis von 162:0 auf. In der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord traf man auf den Niendorfer TSV (Hamburg) (2:1) sowie den Ratzeburger SV (Schleswig-Holstein) (1:1) und qualifizierte sich, begünstigt durch einen Sieg des Ratzeburger SVs über den Niendorfer TSV, für die höhere Liga.

Ab der Saison 2008/09 wurde eine zweite zweite Frauenmannschaft gemeldet. Diese startete wie die erste Mannschaft in der Verbandliga Bremen und soll als Ausbildungsteam für die Regionalliga die Jugendarbeit weiter stärken.

Die Trainerin Birte Brüggemann(36) betreut zur Zeit rund 21 Spiellerinnen. Zuletzt kamen rund 10 neue Spielerinnen zu Werders weiblichen U17, darunter Franziska Nagel vom FC Oberneuland und Claudia Reller vom FC Huchting. Die weibliche U17 wird in einer C-Junioren-Staffel ausschließlich gegen Jungenmannschaften antreten, da es in der Altersklasse nur 7er-Staffeln gibt.

Der Gesamtverein untergliedert sich seit dem Beschluss der Mitgliederversammlung vom 27. Mai 2003 in den gemeinnützigen Sportverein „Werder“ von 1899 e. V., der den Amateursportbereich leitet, und das Wirtschaftsunternehmen Werder Bremen GmbH & Co. KGaA, zu dem die Profimannschaften aller Abteilungen und Sportarten, soweit vorhanden, gehören. Einziger und damit Komplementärgesellschafter der GmbH ist der e. V., der das gesamte Vermögen einbringt und 100 % Anteilseigner der Kommanditgesellschaft auf Aktien ist. Der Umsatz des Unternehmens belief sich 2006 auf die interne Rekordsumme von 85 Millionen Euro und stellt damit eine Steigerung von gut zehn Prozent gegenüber dem bis dahin umsatzstärksten Vorjahr mit 77 Millionen Euro dar. In der zweiten Hälfte der Saison 2006/07 kam es zu einer weiteren Steigerung, so dass während dieser Spielzeit erstmals die Grenze von 100 Millionen Euro übersprungen werden konnte. Die Kosten des Fußball-Lizenzspielerkaders haben nach 25 Millionen Euro drei Jahre zuvor für die Saison 2007/08 mit 35 Millionen Euro ihren bisherigen Höchststand erreicht.

Der Sportverein besteht aus den Organen Präsidium, Ältestenrat, Wahlausschuss und Vereinsjugendvertretung. Der e. V. setzt sich aus den amateursportlichen Abteilungen Schach, Handball, Turnspiele und Gymnastik, Fußball, Tischtennis und Leichtathletik zusammen.

Das geschäftsführende Präsidium, also der Vorstand des Vereins, besteht aus dem Präsidenten (Klaus-Dieter Fischer), dem Vizepräsidenten (Hubertus Hess-Grunewald) sowie dem Schatzmeister (Axel Plaat). Es wird auf Vorschlag des Wahlausschusses von der Mitgliederversammlung gewählt. Mitglieder des Präsidiums sind neben den sechs Leitern der einzelnen Abteilungen auch der Jugend- und der Sportreferent. In den Sitzungen des Gesamtpräsidiums sind außerdem die beiden vom Präsidium in den identischen Aufsichtsrat der GmbH und der KGaA Entsandten sowie ein Mitglied des Ältestenrates anwesend. Zu den durch das Präsidium ausgeführten Gesellschafterrechten des Vereins gehört die Benennung und Delegierung eines Mitgliedes des Vorstandes zum Geschäftsführer des Bereiches „Leistungszentrum Fußball/ andere Sportarten“ (Fischer), die Benennung und Entsendung von zwei der sechs Aufsichtsratmitglieder sowie die formelle Ernennung der anderen Aufsichtsratmitglieder, die auf der Hauptversammlung der GmbH & Co. KGaA gewählt werden.

Die Aufgabe des Ältestenrates ist neben der „Wahrung und Förderung der Tradition und des Ansehens des Vereins“ die Annahme von und die Entscheidung über Vereinsausschlüsse, wenn Widerspruch eingelegt worden ist. Der aus den sechs Abteilungsleitern und sieben Mitgliedern des Ältestenrates bestehende Wahlausschuss schlägt auf der Mitgliederversammlung die Kandidaten für den Vereinsvorstand oder dessen Wiederwahl sowie Bewerber für den Aufsichtsrat der GmbH & Co. KGaA vor. Die Vereinsjugendvertretung besteht neben dem Jugendreferenten aus jeweils einem Jugendwart und Jugendsprecher pro Abteilung. Ihre Aufgabe ist die „Wahrnehmung der Interessen der jugendlichen Vereinsmitglieder“.

Zum sportlichen Aufgabenbereich gehören die Profi-Fußballmannschaft, die 1. Herrenmannschaften im Tischtennis und Schach sowie die erste Damenmannschaft im Handball. Außerdem wird das Nachwuchsleistungszentrum Fußball betrieben.

Der Aufsichtsrat für die GmbH und die KGaA ist identisch besetzt und besteht aus sechs Personen, von denen zwei vom Präsidium bestimmt und vier auf der Hauptversammlung der KGaA gewählt werden. Vorsitzender ist der frühere Werder-Manager und Bremer Bildungs- und Innensenator und heutige UN-Sonderbeauftragte für Sport und Entwicklung Willi Lemke (SPD), Schatzmeister Hubertus Hess-Grunewald sein Stellvertreter. Die weiteren Mitglieder sind Werner Brinker, Gunnar Lübben-Rathjen, Hans Schulz und Günter Schulze. Da der e. V. in den Haupt- und Gesellschafterversammlungen die alleinige Mehrheit hat, befinden dessen Mitglieder über den Vorschlag ihres Wahlausschusses. Diese Entscheidung ist für das Präsidium bindend. An eventuelle zukünftige Teilhaber und Investoren dürfen bis zu zwei Sitze im Aufsichtsrat übertragen werden.

Die Geschäftsführung besteht aus vier Mitgliedern, von denen einer vom Präsidium, die restlichen vom Aufsichtsrat benannt werden. Einer der vom Aufsichtsrat Benannten wird leitender Geschäftsführer; dies ist seit 2004 Jürgen L. Born, der für die Finanzen und die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist. Geschäftsführer im Bereich des Profifußballs ist Klaus Allofs, Manfred Müller im Bereich Marketing und Management sowie Klaus-Dieter Fischer, als vom Präsidium bestelltes Mitglied, „Geschäftsführer Leistungszentrum Fußball und andere Sportarten“.

Seit 1930 tragen die Fußballer Werder Bremens und dessen Vereinsvorläufer ihre Heimspiele im 1909 erbauten Bremer Weserstadion aus. Es wurde 1926, nach dem ersten Umbau, vorübergehend nach seinem Erbauer, dem Allgemeinen Bremer Turn- und Sportverein, in ABTS-Kampfbahn umbenannt und trägt seit 1930 wieder den heutigen Namen, der sich vom Standpunkt des Stadions am Weserufer ableitet. Nach mehreren Erweiterungen und dem Absenken des Spielfeldes liegt das Fassungsvermögen bei insgesamt 43.087 Zuschauern. 25.800 der 32.187 Sitz- und 8.700 der 10.900 Stehplätze sind überdacht. Das nahe dem Stadtzentrum gelegene Stadion ist über die A 1 und die A 27, letztlich aber nur über eine einzige Straße, den Osterdeich, zu erreichen. Wegen zahlreicher Anwohnerproteste werden sowohl der Osterdeich als auch alle angrenzenden Straßen im benachbarten Wohngebiet an Spieltagen für den Autoverkehr gesperrt. Auch die zum Weserstadion gehörenden Parkplätze können nur von Inhabern spezieller Parkberechtigungen angefahren werden. Dafür wird ein ausgedehnter Shuttleservice mit zahlreichen Straßenbahnen und Bussen angeboten, der für Inhaber von Eintrittskarten kostenlos ist. Diese von vielen, unter anderem mit Franz Beckenbauer dem Präsidenten des FC Bayern München, als unzureichend kritisierte Stadionanbindung wird oftmals als Begründung dafür angegeben, warum das hochmoderne Stadion bei Länderspielen der Fußball-Nationalmannschaft übergangen wird und bei der WM 2006 nicht als Austragungsort ausgewählt wurde.

Auf dem Gelände des Weserstadions liegen außer den Trainingsbereichen der Profis die Plätze, die von der Amateurmannschaft genutzt werden, sowie das direkt im Schatten der Zuschauertribüne gelegene Stadionbad. Bei starkem Publikumsinteresse, zumeist bei Partien gegen ehemalige Bundesligisten, verlegt diese ihre Spiele vom sonst genutzten 5500 Zuschauer fassenden Weserstadion Platz 11 ebenfalls ins Weserstadion. Die Geschäftsstelle und Verwaltung Werder Bremens befinden sich ebenso im Weserstadion, wie das SportHep, eine Arztpraxis und ein Fanshop.

Im Dezember 2004 wurde innerhalb des Stadions das Werder-Bremen-Museum (kurz: Wuseum) eröffnet. Dort sind Replikate der Meisterschale und des DFB-Pokals sowie seltene Plakate, Fotos und andere Ausstellungsstücke zu besichtigen.

Ein weiterer Umbau des Stadions in ein reines Fußballstadion ohne Leichtathletikbahn, dessen Kosten anfangs bei 40 bis 50 Millionen Euro angesetzt wurden, sollte die Kapazität auf ungefähr 50.000 Plätze erhöhen. Dafür sollten die Nord- und Südgeraden näher an das Spielfeld herangeführt und die Ost- und Westkurve von Innen gesehen direkt am Spielfeld enden, wodurch das Stadion von innen wie ein Rechteck erscheint. Von Außen jedoch sollte die derzeitige Oval-Form beibehalten werden. Zusätzlich sollte ein dritter Rang auf das Stadion gesetzt werden und die Flutlichtmasten im Dach integriert werden. Nach dem Ausbau sollte die gesamte Tribüne überdacht sein. Auf diesem Dach sollten Solarzellen in der Größenordnung von 17.000–20.000 m² angebracht werden. Die Baudeputation Bremens stimmte am 12. April 2007, wie der Bremer Senat fünf Tage später, für den Umbau. Nachdem im Juli 2007 deutlich wurde, dass die Kosten dieser Maßnahmen unter anderem wegen gestiegener Stahlpreise bei über 75 Millionen statt wie angenommen 50 Millionen Euro liegen würden und die logistische Machbarkeit von Manfred Müller in Abrede gestellt wurde, beschlossen die Bremer Weserstadion Gesellschaft und Werder Bremen, den Ausbau in zwei Schritten zu vollziehen. Damit wird vorerst die ovale Innenform beibehalten und es werden zunächst keine VIP-Logen in der Westkurve gebaut, um 15 bis 20 Millionen Euro zu sparen. Zur Finanzierung hält Müller auch einen Verkauf des Stadionnamens für möglich.

Der Bauantrag für die erste Stufe der Umbaumaßnahmen soll im September 2007 gestellt werden; die Maßnahmen sollen im August 2008 und aufgrund der durch die Europameisterschaft verursachten langen Pause rechtzeitig zur Saison 2008/09 abgeschlossen sein.

Seit der Saison 1999/2000 ist ein stetiger Zuwachs der Zuschauerzahlen Werder Bremens bei Heimspielen zu verzeichnen, der lediglich vom Jahr 2005/06 unterbrochen wurde, als Umbaumaßnahmen durchgeführt wurden. Lag der Schnitt 1999/2000 noch bei 29.834 Besuchern, waren es in der Doublesaison 2003/04 bereits 37.666 und 2006/07 39.715. Auch die Zahl der verkauften Dauerkarten stieg deutlich an: Waren es 2003/04 noch 20.000, stoppte der Verein in den folgenden vier Jahren den Absatz vor Ligabeginn bei 25.000 Stück, um die Spiele „nicht zu geschlossenen Veranstaltungen werden“ zu lassen, wie von Geschäftsführer Manfred Müller ansonsten befürchtet. Die Mitgliederzahlen, welche vorher jahrzehntelang zwischen 2.000 und 3.000 lagen, stiegen mit der Rückkehr des Erfolgs unter Trainer Thomas Schaaf deutlich an und verzehnfachten sich von 2.980 Mitgliedern vor der Saison 1999/2000 über 15.000 im Jahr der Meisterschaft auf 30.266 im Jahr 2007. Dazu trug auch eine seit 2003 in den öffentlichen Verkehrsmitteln Bremens dauerhaft betriebene Werbekampagne mit den Slogans „Ich will Dich!“ und „Werde Mitglied!“ bei, auf deren Plakaten unter anderem Thomas Schaaf abgebildet ist. Es existieren viele meist kleine Fangruppen mit oftmals zweistelliger Mitgliederzahl, von denen sich einige als der Ultrà-Bewegung zugehörig bezeichnen und für viele Fan-Choreographien innerhalb des Stadions verantwortlich sind. Diese Fans nutzen meist die Stehplätze in der Ostkurve. Es gab und gibt aber auch in Bremen Probleme mit Hooligans, wie zum Beispiel denen der Standarte, deren Mitglieder dem ehemaligen Bremer Innensenators Röwekamp (CDU) nach teilweise einen rechtsextremistischen Hintergrund aufweisen. Bei den Tätern, die am 20. Januar 2007 eine Feier zum einjährigen Bestehen der sich selbst als „anti-rassistisch“ und ansonsten unpolitisch bezeichnenden Ultra-Gruppe Racaille Verte („Grüner Abschaum“) im Ostkurvensaal überfielen, soll es sich nach Augenzeugenberichten um Mitglieder dieser Gruppierung gehandelt haben.

Ihr organisatorisches Talent bewiesen motivierte Werderfans bei zwei Gelegenheiten: Sie wählten die anlässlich der Meisterschaftsfeier 2004 von den Original Deutschmachern veröffentlichte Vereinshymne „Lebenslang Grün-Weiß“ in der ZDF-Sendung „Unsere Besten – Jahrhundert-Hits“ auf Platz 29 der Rangliste. Damit ließ das Lied, das auf Platz 51 in die deutschen Single-Charts eingestiegen war, unter anderem die HSV-Hymne „Hamburg, meine Perle“, aber auch Lieder wie „Stille Nacht, heilige Nacht“ oder „Zehn kleine Jägermeister“ von den Toten Hosen hinter sich. Als am Ende der Saison 2005/06 auf der Homepage des HSV deren „Spieler der Saison“ gewählt wurde, gelang es Anhängern des Nordrivalen Werder Bremen mit Aufrufen und Ketten-E-Mails diese zu torpedieren und zum Abbruch zu bringen: Sie sorgten dafür, dass der ehemalige Werderaner Aílton an der Spitze stand. Er war erst zur Rückrunde ausgeliehen worden und hatte wenig überzeugt: Im letzten, über die direkte Qualifikation zur Champions League entscheidenden Saisonspiel der beiden Vereine gegeneinander, traf er kurz vor Schluss das leere Tor nicht, was für den HSV den Fall auf Rang drei zur Folge hatte.

Seit langer Zeit besteht eine über den Wettkampf zweier beliebiger Bundesligisten hinausgehende Konkurrenzsituation zwischen Werder Bremen und dem FC Bayern München. Dies ist nur zum Teil auf die geographische Lage der beiden Vereine in Nord- und Süddeutschland und die damit verbundenen Vorurteile zurückzuführen. Die Hälfte seiner sechs Vizemeisterschaften erreichte Werder hinter den Bayern, die bei drei der vier Bremer Meisterschaften Zweiter wurden. Während der 1980er und frühen 1990er Jahre, in denen beide Vereine regelmäßig miteinander um den deutschen Meistertitel rangen, wurde dieses Verhältnis zusätzlich durch die starken Antipathien zwischen den Verantwortlichen, Uli Hoeneß auf Münchener Seite, Willi Lemke auf Seiten der Bremer, verstärkt. So bezeichnete Lemke Hoeneß als „Totengräber des Deutschen Fußballs“ und sagte im Rückblick, es gäbe „keinen Menschen auf der Welt, der sich immer so negativ über“ ihn „geäußert hat“. Der Anfang der Rivalitäten ist für manche der 23. November 1985 als der Tabellenerste Bremen beim direkten Konkurrenten in München spielte: Der Werderaner Rudi Völler hatte den danach „nur“ mit gelb bestraften Klaus Augenthaler umspielt und sich den Ball weit vorgelegt und wurde von diesem daraufhin „ohne Erbarmen“, „bösartig“ oder durch ein „Allerweltsfoul“ (Hoeneß) zu Fall gebracht. Nachdem sich Bayerns damaliger Trainer Udo Lattek über Werders Verletzungsmisere lustig gemacht und der Kommentator des Bayerischen Rundfunks erklärt hatte, der fünf Monate ausfallende Völler sei „dumm gefallen“, folgten die ersten medial ausgetragenen Auseinandersetzungen zwischen Hoeneß und Lemke. Hinzu kommt, dass immer wieder Führungsfiguren Werder Bremens, die sich dort sehr gut entwickelt hatten, von der Weser an die Isar zu den finanziell deutlich potenteren Münchnern wechselten (z.B. Herzog, Basler, Pizarro, Ismael und zuletzt Klose). Auch der Wechsel des Bremer Erfolgstrainers Otto Rehhagel 1995 nach München verstärkte die Abneigung. Als Bayern während der Daum-Affäre im Jahr 2000 in Bremen spielte, wurde Hoeneß, der die Affäre durch Anspielungen ausgelöst hatte, von Teilen der Bremer Anhänger während des gesamten Spieles wüst beschimpft. Nach erneuten gegenseitigen Provokationen 2004 sind die Verantwortlichen wieder an einer professionellen Beziehung der Vereine interessiert.

Eine traditionelle Rivalität besteht zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV, da beide Vereine um die Rolle des erfolgreichsten Fußballvereins Norddeutschlands streiten. In der Oberliga Nord behielten die Spieler von der Elbe durchgehend die Oberhand, und Werder konnte sich erst in den letzten Jahren vor der Bundesligagründung als dauerhafte Nummer zwei dahinter positionieren. Die Auseinandersetzungen gipfelten am 17. Oktober 1982, als beide Vereine unmittelbar um die Meisterschaft konkurrierten, in dem Tod des Bremer Fans Adrian Maleika, der auf dem Weg zum Auswärtsspiel seines Vereins in der Nähe des Volksparkstadions war, von Mitgliedern der durch ihr militantes Auftreten berüchtigten Hamburger „Löwen“ durch einen Backsteinwurf auf den Hinterkopf getötet wurde. Vorher war die Gruppe, in der sich der Sechzehnjährige befand, bereits mit Gaspistolen und Leuchtmunition beschossen worden. Im Dezember 1982 wurde daraufhin von 200 Fangruppenmitgliedern beider Vereine in Scheeßel, geographisch von beiden Städten gleich weit entfernt, der Frieden von Scheeßel geschlossen, wobei auch die damaligen Vereinsverantwortlichen Günter Netzer und Willi Lemke anwesend waren..

In der Folge entspannte sich die katastrophale Atmosphäre, wenn auch im normaleren Rahmen eine besondere Beziehung zwischen den beiden benachbarten Hansestädten bestehen bleibt. Der Slogan „Die Nummer 1 im Norden“ ist beispielsweise fester Bestandteil in Werders Marketingkonzept.

Eine noch junge und weniger intensive Rivalität besteht zwischen Werder Bremen und dem FC Schalke 04. Sie ist darauf zurückzuführen, dass unter dem ehemaligen Werder-Spieler und -Manager Rudi Assauer während dessen Amtszeit als Manager bei Schalke 04 zahlreiche Spieler nach Gelsenkirchen wechselten. Den Bremer Stammtorhütern Oliver Reck (1998) und Frank Rost (2002) folgten nach der Bremer Double-Saison 2004 jeweils ablösefrei der Verteidiger und Nationalspieler Mladen Krstajić sowie der Torschützenkönig und Publikumsliebling Aílton. Bei diesen Wechseln spielten auch die Verdienstmöglichkeiten eine Rolle: So erklärte Aílton wörtlich, er könne dort „doppelt soviel verdienen“. Ein Jahr später ging der damalige A-Nationalspieler Fabian Ernst ebenfalls zu den „Knappen“.

In der Saison 1971/72 trat Werder erstmals mit einem Trikotsponsor auf. Dabei handelte es sich um das Land Bremen, das dem Verein für dessen landesfarbene Speckflaggentrikots, den Schriftzug Bremen auf dem Rücken sowie den Bremer Schlüssel auf der Brust die Vergnügungssteuer und Steuerschulden erließ und ihn an den Werbeeinnahmen des Stadions beteiligte. Nachdem dieses Verhältnis 1974 endete, war der Fischkonservenhersteller Norda zwei Jahre später der erste Sponsor aus der privaten Wirtschaft.

Einzig in der Saison 2001/02 liefen die Spieler danach ohne Haupt- und Trikotsponsor auf, da sich mit keinem Unternehmen geeinigt werden konnte und der Verein sich nicht auf der Basis unterdurchschnittlicher sportlicher Ergebnisse jahrelang binden wollte. Da die Sponsoringrechte zudem der Sportmarketingagentur ISPR übertragen waren, ergab sich hieraus kein finanzieller Verlust.

Mit Beginn der Saison 2006/07 gab es für Werder Bremen Probleme mit dem damals neu eingestiegenen Trikot- und Hauptsponsor bwin. Grund dafür war dessen privatwirtschaftliche Natur, da durch die Landesministerkonferenz beschlossen worden war, mit Hilfe der Ordnungsbehörden ein Werbeverbot privater Sportwettenanbieter durchzusetzen. Zudem stammt die Lizenz von bwin noch aus DDR-Zeiten, weshalb ihre Gültigkeit umstritten ist. Nachdem die Mannschaft beim Ligapokalfinale noch unbeanstandet mit dem bwin.de-Schriftzug aufgelaufen war, folgte eine Zeit der Unklarheit: Am 7. Juli 2006 untersagte das Stadtamt Bremen dem Verein mittels Untersagungsverfügung, mit dem Schriftzug bwin.de aufzulaufen. Das Verwaltungsgericht Bremen hob diese allerdings nach Widerspruch des Vereins im Juli 2006 wieder auf. Das daraufhin vom Stadtamt angerufene Oberverwaltungsgericht Bremen (OVG) bestätigte am 13. September 2006 das Verbot des Schriftzuges. Der Verein beschloss, gegen das Werbeverbot vor dem Europäischen Gerichtshof zu klagen und lief zunächst mit dem Schriftzug we win oder blanken Trikots auf, da das OVG eine aufschiebende Wirkung des Widerspruchs verneint hatte und der Schriftzug bwin.de in den meisten anderen Bundesländern ebenfalls verboten worden war. Das Verwaltungsgericht lehnte einen Eilantrag des Vereins, der das Antreten mit dem Originalschriftzug während der drei letzten Saisonspiele zum Ziel hatte, ab. In dem im März 2007 erfolgten Urteil des Europäischen Gerichtshofes zu privaten Wettanbietern, sah das Gericht, anders als die Vereinsführung, keinen Grund das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes zu korrigieren. Auf Grund dieser Umstände wurde das Sponsorenverhältnis im Mai 2007 vorzeitig gekündigt.

Seit 1. Juli 2007 ist das Finanzdienstleistungsunternehmen Citibank Werders Haupt- und Trikotsponsor. Der bis zum 30. Juni 2010 geltende Vertrag bringt erfolgsabhängig einen jährlichen Betrag zwischen acht und zehn Millionen Euro und liegt damit deutlich über dem Ligaschnitt von ungefähr 5,75 Millionen Euro. Ausrüsterverträge bestehen mit dem Textilien- und Sportartikelhersteller Kappa sowie dem Ballhersteller Derbystar. Im Sommer 2009 wird Nike Kappa als Ausrüster ablösen. Weitere Verträge mit weniger Finanzvolumen bestehen unter anderem mit der ortsansässigen, das „Fanbier“ Haake-Beck 12 herstellenden Brauerei Haake-Beck, Beluga Shipping, EWE TEL der Schuhhandelskette und ehemaligem Hauptsponsor Reno und dem lokalen Energieversorger swb AG.

1920 erfolgte die Erweiterung vom Fußball- zum Sportverein mit unter anderem auch einer Leichtathletikabteilung und dementsprechend die Umbenennung in Sportverein Werder Bremen von 1899. Lediglich in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg konnte diese Abteilung einen ähnlich hohen Status wie die Fußballabteilung verzeichnen. Die erfolgreichste Leichtathletin aller Zeiten des Vereins war Marga Petersen: Sie gewann 1946 die Zonenmeisterschaft im 100-Meter-Lauf und wurde 1947, 1948, 1949 sowie 1951 ebenfalls Deutsche Meisterin in dieser Disziplin. Mit ihr stellte der Verein 1947 die Sportlerin des Jahres. Die 4 x 100-Meter-Staffel der Damen, neben ihr aus Helga Kluge, Hannelore Mikos und Lena Stumpf bestehend, gewann bei den Deutschen Meisterschaften 1949 mit damals neuer deutscher Rekordzeit, 1951 konnte der Erfolg wiederholt werden. Lena Stumpf gewann die Deutsche Meisterschaft im Fünfkampf für den Verein 1949, als sie auch zur Sportlerin des Jahres gewählt wurde, und 1951 sowie im Jahr 1950 im Weitsprung. Bei den Olympischen Sommerspielen 1952 gewann Petersen als Teil der 4 x 100-Meter-Staffel die Silbermedaille. Die weniger erfolgreiche Mannschaft der Herren setzte sich in dieser Zeit unter anderem aus Karl Kluge, Fritz Wever und Kurt Bonah zusammen. Weitere große Erfolge blieben in der späteren Geschichte dieser Abteilung aus. Heute setzt die von Christian Schwartin geleitete Abteilung Leichtathletik ihren Fokus größtenteils auf Nachwuchsförderung, wobei im neuen Jahrtausend auch immer wieder Vereinsmitglieder an nationalen und internationalen Endläufen teilgenommen haben. So wurde 2007 der in der Altersklasse der B-Jugendlichen startende Michael Kass erstmals in die Deutsche Nationalmannschaft seiner Altersklasse berufen und Stefan Schink gewann 2007 bei den Sperrwerfern den Titel des Norddeutschen Seniorenmeisters. Darüber hinaus organisiert der Verein jedes Jahr gemeinnützige Veranstaltungen, etwa den Run for Help.

Die Handballabteilung wird seit 1999 von der ehemaligen Olympiateilnehmerin, Nationalspielerin und mehrmaligen Deutschen Meisterin im Handball Dagmar Stelberg geleitet. Die erste Damenmannschaft ist Bestandteil der Werder Bremen GmbH & Co. KGaA und spielt in der Regionalliga. Außerdem gibt es 15 Jugend- und fünf Senioren-Mannschaften.

Die erste Mannschaft der Schachabteilung Werder Bremens ist Bestandteil der 2003 gegründeten Werder Bremen GmbH & Co. KGaA und spielt in der Bundesliga. Ihr größter Erfolg war neben dem Pokalsieg 1996 die Deutsche Meisterschaft 2005. Nachdem Werder Bremen die Saison 2004/05 punktgleich mit der SG Porz abgeschlossen hatte, musste ein Stichkampf zwischen den beiden erstplatzierten Schachmannschaften ausgetragen werden. Dieser fand am 8. Mai 2005, also genau ein Jahr nach dem Sieg der Profifußballmannschaft von Werder bei Bayern München, der den vorzeitigen Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2004 sichergestellt hatte, in den Logen des Weserstadions statt. Obwohl deutlich schwächer besetzt, gewann Werder Bremen mit Luke McShane am Spitzenbrett mit 4,5:3,5 gegen den Favoriten. Das beste Ergebnis der Meistersaison erzielte Tomi Nybäck mit 10 Punkten aus 13 Partien und Gennadij Fish mit 11,5 aus 13. Die zweite Schachmannschaft der von Dr. Till Schelz Brandenburg geleiteten Abteilung spielt in der zweiten Bundesliga.

Mit dem Umbau von einem reinen Fußball- in einen Sportverein wurde 1920 im Sportverein Werder Bremen von 1899, dem ehemaligen FV Werder Bremen, eine Abteilung für Tischtennis eröffnet, die heute von Werner Meyer geführt wird.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Werder viele Jahre zu den spielstärksten Klubs in Norddeutschland. Bis zum ersten Abstieg 1975 gehörten die Bremer der Oberliga Nord an. Im Jahr der Einführung Tischtennis-Bundesliga 1966 wurde die Mannschaft Vierter der Oberliga und konnte damit an der Bundesliga-Qualifikation teilnehmen, dort erreichte man jedoch nur den dritten und letzten Platz in der Gruppe hinter dem TSV Milbertshofen und dem PPC Neu-Isenburg. Noch zweimal kamen die Werderaner in die Nähe der Bundesliga: 1968 (hinter dem Kieler TTK Grün-Weiß und 1973 (hinter dem VfL Osnabrück) wurde jeweils die Vizemeisterschaft errungen. Nach drei unterklassigen Jahren gelang schließlich 1978 die Rückkehr in das zweitklassige norddeutsche Oberhaus, bevor man 1982 aus der nunmehr "Zweite Bundesliga Nord" genannten Klasse erneut absteigen musste. In den 1980er Jahren pendelten die Bremer dann zwischen Zweit- und Drittklassigkeit.

Mit der Integration der 1. Herrenmannschaft in die Werder Bremen GmbH & Co. KGaA 2003 wurde die organisatorische Voraussetzung für eine Professionalisierung des Spielbetriebes geschaffen. Die Tischtennis-Mannschaft der Herren schaffte 2005 nach vielen Jahren in der zweiten Liga den Aufstieg in die Bundesliga, stieg aber nach nur einem Jahr wieder in die Zweite Bundesliga ab. 2007 gelang der direkte Wiederaufstieg in die erste Liga. Die zweite Herren-Mannschaft spielt in der Oberliga, die Damen-Abteilung ist in der Landesliga aktiv.

Die Abteilung Turnspiele und Gymnastik beinhaltet heute die Sparten Korbball, Prellball, Gymnastik und Seniorengymnastik. Als erste der genannten Sportarten wurde 1949 die Abteilung Korbball gegründet, nachdem ein Antrag 1946 zunächst abgelehnt worden war. Ab 1951 spielten zwei Frauenmannschaften in der damaligen Hallenliga. Die Frauenmannschaft wurde 1960 Norddeutscher Meister und in den Jahren 1961, 1962, 1964 und 1967 in der Halle Vizemeister. Im Bereich Korbball sollte der SV Werder Bremen später vor allem im Jugendbereich erfolgreich sein, so wurden zwischen 1981 und 1990 in verschiedenen Klassen fünf Meisterschaften gewonnen. Im Laufe der Zeit kamen weitere ähnliche Sportarten hinzu: Bereits 1968 war der Versuch eine Abteilung für Prellball ins Leben zu rufen offiziell am Fehlen einer geeigneten Spielanlage gescheitert. Acht Jahre später war ein erneuter Antrag erfolgreich, da mit dem heutigen Vereinspräsidenten Klaus-Dieter Fischer ein Prellballspieler Mitglied des Vereinspräsidiums geworden war. Daraufhin wurde die Abteilung Turnspiele und Gymnastik gegründet, in der neben Prell- und Korbball auch Gymnastik und Seniorengymnastik ausgeübt werden. Seit ihrer Gründung wird diese Abteilung von Meta Finke geführt. Mit dem Bau der noch im gleichen Jahr fertiggestellten Spielstätte SV Werder Halle wurde 1978 begonnen. 1985/86 und 1987/88 gelang der ersten Prellballmannschaft der Herren der Aufstieg in die erste Bundesliga, dem jeweils ein sofortiger Abstieg folgte. Die Frauen 30 wurden in der Saison 1989/90 Bremer und Norddeutscher Meister. Darüber hinaus engagiert sich diese Abteilung hauptsächlich im Freizeitsport für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Von allen Vereinsabteilungen hat sie heute am meisten sportlich aktive Mitglieder.

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Deutsche Fußballnationalmannschaft

DFB-Logo

Die Deutsche Fußballnationalmannschaft ist eine vom Bundestrainer getroffene Auswahl deutscher Fußballspieler. Sie repräsentiert den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf internationaler Ebene, zum Beispiel in Freundschaftsspielen gegen die Auswahlmannschaften anderer nationaler Verbände, aber auch bei der Europameisterschaft des europäischen Kontinentalverbandes UEFA oder der Weltmeisterschaft der FIFA.

Die DFB-Auswahl zählt zu den erfolgreichsten Fußballnationalmannschaften der Welt. Bereits siebenmal stand sie im Endspiel einer Fußball-Weltmeisterschaft. Dreimal (1954, 1974 und 1990) konnte die deutsche Mannschaft den Weltmeistertitel gewinnen, viermal (1966, 1982, 1986, 2002) ging sie als Vize-Weltmeister vom Platz. Dazu kamen drei dritte Plätze 1934, 1970 und 2006 sowie ein vierter Platz 1958. Mit insgesamt elf Halbfinalteilnahmen übertrifft sie in dieser Kategorie sogar Brasilien. Mit Ausnahme der Turniere 1930 und 1950 hat die DFB-Auswahl an allen Weltmeisterschaften teilgenommen, wobei sie 1930 verzichtete und sich 1950 aufgrund des Zweiten Weltkriegs nicht qualifizieren durfte.

Deutschland stellte mit Gerd Müller und Miroslav Klose zweimal die besten Torschützen einer Weltmeisterschaft. Zudem ist der ehemalige deutsche Nationalspieler Lothar Matthäus der Spieler mit den meisten WM-Spielen, Uwe Seeler war der erste Fußballer überhaupt, der mehr als 20 WM-Spiele bestritt.

Auch bei Europameisterschaften war die DFB-Auswahl mit drei Titeln (1972, 1980, 1996) aus sechs Endspielteilnahmen äußerst erfolgreich. Die Mannschaft qualifizierte sich seit 1972 für jedes EM-Turnier. Neben Gerd Müller konnten auch Dieter Müller, Klaus Allofs und Karl-Heinz Riedle Torschützenkönig eines Turniers werden.

Die Nationalmannschaft wurde bisher achtmal zu Deutschlands Mannschaft des Jahres gewählt und ist damit in dieser Hinsicht führend.

Bereits 1899 und 1901 wurden fünf inoffizielle Länderspiele zwischen verschiedenen deutschen und englischen Auswahlmannschaften ausgetragen, die allesamt mit hohen Niederlagen für die deutschen Teams endeten. Sie werden vom DFB nicht als Länderspiele anerkannt und sind heute unter dem Namen Ur-Länderspiele bekannt. Diese Spiele waren alle von Walther Bensemann organisiert worden, den man als Gründer des Deutschen Fußballs bezeichnet.

Schon 1900 bei der Gründung des Deutschen Fußball-Bundes wurde die Bildung einer ständigen Bundesmannschaft zum Ziel erklärt. Vor allem aufgrund der Probleme bei der Finanzierung einer Nationalmannschaft, scheiterte immer wieder der Versuch, ein Länderspiel zu organisieren. Doch mit der Zeit wurde der Fußball auch bei der Führungselite beliebt und so setzte man sich, nachdem man 1908 keine Mannschaft zu den Olympischen Spielen schicken konnte, das Ziel, eine Mannschaft für das Olympische Fußballturnier 1912 aufzubauen.

Acht Jahre nach der Gründung des Deutschen Fußball-Bundes wurde am 5. April 1908 das erste offizielle Länderspiel in der Geschichte des deutschen Fußballs ausgetragen. Die Bezeichnung für das Länderspiel zwischen Deutschland und der Schweiz war „freundschaftlicher Länderkampf“. Damals gewannen im Landhof-Stadion zu Basel die Schweizer mit 5:3 gegen die Nationalauswahl des Deutschen Reiches. Für die Schweiz war es das dritte Länderspiel, die ersten beiden hatten sie gegen Frankreich verloren.

Das Telegramm des ersten offiziellen Spiels der deutschen Nationalmannschaft: Schweiz – Deutschland 5:3 (3:1).

Die Schweiz ist mittlerweile traditionell der „erste Gegner“ der deutschen Nationalmannschaft, der nach beiden Weltkriegen und nach der Auflösung des DFV der DDR infolge der Wiedervereinigung als erster gegen Deutschland spielte. Gegen die Schweiz gelang auch der erste Sieg der deutschen Elf: Am 4. April 1909 besiegte man die Eidgenossen in Karlsruhe vor 7000 Zuschauern mit 1:0. Auch das Jubiläumsspiel zum 100. Jahrestag des ersten Länderspiels des DFB am 26. März 2008, welches zugleich das 800. Länderspiel der deutschen Mannschaft war, wurde gegen die Schweiz bestritten und von Deutschland mit vier Toren ohne Gegentreffer gewonnen.

Bereits vor dem ersten Länderspiel gab es jedoch einen Streit zwischen dem DFB-Spielausschuss und dem DFB-Bundesvorstand um das Auswahlverfahren. Auf einem außerordentlichen DFB-Bundestag entschloss man sich schließlich nur Spieler aus jenen Teilen Deutschlands einzuladen, in denen bereits geordnet Fußball gespielt wird. Dabei durften die Landesverbände eine ihnen zugeschriebene Anzahl von Spielern nominieren, weshalb die Auswahl nicht zentral vorgenommen wurde. So wurde den Landesverbänden sogar mitgeteilt, auf welchen Positionen sie Spieler nominieren sollten, wodurch ein guter Torhüter zum Beispiel keine Chance hatte für die Nationalelf aufzulaufen, wenn sein Landesverband keinen Torhüter nominieren durfte. Diesem Auswahlverfahren kamen auch noch von vielen Spielern als chaotisch bezeichnete Umstände hinzu. So berichteten viele Spieler, dass sie von ihrer Nominierung nur aus der Zeitung erfuhren und dass sich die Anreise zu den Länderspielen oft als sehr abenteuerlich erwies. Da viele Spieler unter diesen Umständen lieber für ihre Vereine aufliefen, sagten immer mehr ihre Teilnahme an Länderspielen ab. So wurde den Spielern zuerst mit Strafen für Absagen gedroht, bis man sogar die Regelung einführte, dass Vereine, die ein Spiel verloren hatten, während ein Spieler abgestellt war, das Spiel wiederholen durften. Nachdem man mit dem festgelegten Auswahlverfahren wenig erfolgreich war, kam man auf die Idee, an einem Tag zwei Spiele durchzuführen, um 22 Spieler nominieren zu können und so den heftigen Diskussionen um die Nominierung aus dem Weg zu gehen. Zum ersten Mal wurden auf den 4. April 1909 zwei Länderspiele angesetzt. Genau an diesem Tag kam man mit einem 1:0 gegen die Schweiz in Karlsruhe zum ersten Länderspielsieg. Dieser Sieg ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass man eine Mannschaft mit ausschließlich süddeutschen Spielern aufstellte, während in Budapest Spieler aus Nord- und Mitteldeutschland spielten, die immerhin gegen Ungarn ein 3:3-Unentschieden erreichten. Dadurch, dass sich die Spieler aus den jeweiligen Gebieten kannten, waren diese Nationalmannschaften nun deutlich besser eingespielt.

Doch die Organisation der Länderspiele wurde trotz des ersten Sieges weiter in Frage gestellt. So achtete der DFB bei der Ansetzung der Spiele nicht auf wichtige Ereignisse im Vereinsfußball. 1910 fand sogar nur einen Tag nach dem Finale um die Deutsche Meisterschaft ein Länderspiel gegen Belgien in Duisburg statt. Da die Spieler aus dem Meisterschaftsendspiel absagten, hatte man eine Stunde vor Anpfiff nur sieben Spieler zusammen bekommen, weshalb man sogar Fußballer aus dem Duisburger Publikum zu Nationalspielern machte und aufstellte.

Die ersten großen Fußballturniere fanden bei den Olympischen Spielen statt, zunächst 1900 und 1904 als Demonstrationssportart, 1908 dann als offizielle olympische Sportart. Deutsche Mannschaften nahmen aber in diesen Jahren noch nicht teil. Bei den Olympischen Spielen von 1912 in Stockholm trat Deutschland gegen Österreich, Russland und Ungarn an. Während gegen Russland mit 16:0 der höchste Sieg der Länderspielgeschichte gelang, Gottfried Fuchs schoss allein zehn Tore, gab es gegen die beiden K.-u.-k.-Länder Niederlagen. Mit 1:5 wurde das Spiel gegen den Nachbarn Österreich und mit 1:3 das Spiel gegen Ungarn verloren.

1914 waren bereits zahlreiche Länderspiele angesetzt worden, die jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs hinfällig waren. Man setzte sich damals große Ziele für die geplanten Olympischen Spiele in Berlin, die eigentlich für 1916 geplant waren. Während des Krieges konnten keine Länderspiele ausgetragen werden.

Vor dem Ersten Weltkrieg herrschte noch eine freundschaftliche Stimmung bei Länderspielen. So klatschten auch Niederländische Zuschauer Beifall, als die deutsche Mannschaft 1912 und 1914 in den Niederlanden gegen die Niederländische Fußballnationalmannschaft antrat. Doch durch die erheblichen Umwälzungen der politischen Beziehungen in Europa, welche der Krieg verursacht hatte und die politische Isolierung Deutschlands drückte der Fußball nun keine Freundschaft, sondern Konflikte zwischen den Nationen Europas aus. Bevor die Schweiz sich 1920 als erste Nationalmannschaft nach dem Krieg zu einem Länderspiel gegen Deutschland bereit erklärte, drohten Großbritannien, Frankreich und Belgien den Schweizern mit einem Fußballboykott. Nachdem die Schweiz sich dadurch nicht einschüchtern ließ, beantragte England bei der FIFA den Ausschluss Deutschlands. Weil der Antrag abgelehnt wurde, trat England selbst aus der FIFA aus. Da die Schweiz versuchte Politik und Fußball zu trennen, trat sie 1922 erneut gegen Deutschland an, worauf Belgien ein Spiel gegen die Schweiz absagte. Politik und Ideologie wurden immer mehr zum Teil des europäischen Fußballs. So schrieb die österreichische Zeitschrift Das illustrierte Sportblatt 1922, dass man in den deutschen Spielern die Vertreter des mit Österreich stammesgleichen deutschen Volkes sah. 1923 trat Italien als erster der vorigen Kriegsgegner gegen die Deutschen an, deren Beispiel erst 1929 mit Schottland die zweite Mannschaft folgte. Bis dahin spielte man nur gegen neutrale Staaten wie die Niederlande, Schweden und Norwegen. 1924 erklärte man, dass aus ethischen Gründen die österreichische Nationalmannschaft mit einem Länderspielboykott belegt würde, nachdem die Österreicher den Profifußball eingeführt hatten. Dieser Boykott wurde erst 1929 aufgehoben. 1926 wurde Otto Nerz der erste Reichstrainer der Nationalmannschaft, der schnell das englische WM-System einführte.

1916 fanden kriegsbedingt keine Olympischen Spiele statt. Nach dem Ersten Weltkrieg war Deutschland erst wieder 1928 bei Olympia zugelassen. In Amsterdam konnte zunächst der Nachbar aus der Schweiz mit 4:0 besiegt werden, ehe gegen den späteren Olympiasieger aus Uruguay mit einem 1:4 für die deutsche Mannschaft die Spiele beendet waren. Damals hatte es unschöne Szenen gegeben (zwei deutsche Spieler und ein Spieler aus Uruguay waren vom Platz gestellt worden), wonach es in der deutschen Presse eine negative Stimmung gegen Uruguay gab.

1930 trug man das erste Länderspiel gegen Frankreich aus, was erst möglich wurde, nachdem die Armee der Franzosen aus dem Rheinland abzog. Die Beziehungen zwischen den beiden Nationen waren immer noch durch den Ersten Weltkrieg belastet. So wurden die deutschen Spieler in der französischen Presse sogar mit Sturmsoldaten verglichen.

Wie einige andere europäische Nationen sagte der DFB die Teilnahme an der ersten Fußball-Weltmeisterschaft 1930 in Uruguay wegen des hohen Aufwandes – allein die Anreise der vier teilnehmenden europäischen Mannschaften auf dem Seeweg dauerte über zwei Wochen – und die damit verbundenen Kosten ab. Allerdings gab der DFB keine Begründung für die Absage bekannt.

In der Zeit von 1920 bis 1933 kam die Mannschaft zu 23 Siegen, 13 Unentschieden und 19 Niederlagen. Die eher mäßigen Leistungen lassen sich durch die Zersplitterung im Deutschen Fußball begründen. Man nominierte die Nationalspieler auch in dieser Zeit nicht nur nach Spielstärke. Die einflussreichen Vertreter der verschiedenen Landesverbände im Spielausschuss wollten immer noch Spieler aus den eigenen Reihen in der Nationalmannschaft sehen.

Nachdem der damalige Reichskanzler Adolf Hitler auf den 5. März 1933 Neuwahlen ansetzte, sollte am selben Tag das erste Heimspiel der Nationalmannschaft gegen Frankreich stattfinden. Die Franzosen fürchteten um die Sicherheit der eigenen Spieler und der mitgereisten Fans in einem von den Nationalsozialisten beherrschten Land. Doch dank der Fürsprache von Jules Rimet, dem damaligen Vorsitzender der FIFA und des französischen Verbandes, fand das Spiel dennoch statt und wurde auf den 19. März verschoben. Durch einen feierlichen Empfang gelang es den Nationalsozialisten, von den wahren Vorgängen im Land abzulenken. So lobte Jules Rimet laut einem Zitat aus dem Völkischen Beobachter nach dem Spiel die „vorbildliche Ruhe und Ordnung“, die seiner Meinung nach „für den hohen Kulturstand des deutschen Volkes den allerbesten Beweis“ lieferte. Auch im Inland wurde das Spiel für Propagandazwecke genutzt. So wurde im Völkischen Beobachter die Preissenkung der Stehplatzkarten und die Ausgabe von Erwerbslosenkarten hervorgehoben.

Eine Besonderheit der Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs ist, dass es an manchen Tagen zwei Länderspiele gab. So traten deutsche Nationalmannschaften am 4. April 1909 in Budapest und in Karlsruhe an. Am 15. September 1935 spielte eine Mannschaft in Breslau und eine in Stettin, am 27. September 1936 spielten Mannschaften in Prag und in Krefeld, am 21. März 1937 in Stuttgart und in Luxemburg, am 20. März 1938 in Nürnberg und in Wuppertal, am 26. März 1939 in Florenz und in Luxemburg und am 5. Oktober 1941 in Stockholm und Helsinki. Die Aufstellungen und die Gegner lassen aber die Vermutung zu, dass am zweiten Ort – mit Ausnahme des Spiels am 4. April 1909 – jeweils eine B-Mannschaft angetreten ist. Zweimal, 1923 und 1933, fanden sogar Spiele am 1. Januar statt, in beiden Fällen war Italien in Mailand beziehungsweise Bologna der Gegner.

1934 qualifizierte sich das Deutsche Reich erstmals für eine Weltmeisterschaft. Bei ihrem ersten Auftritt bei einer Weltmeisterschaft 1934 in Italien, als die Endrunde komplett im K.-o.-System durchgeführt wurde, erreichte die deutsche Mannschaft das Halbfinale. Beim 5:2 gegen Belgien gelang Edmund Conen der erste „lupenreine“ Hattrick der WM-Geschichte. Im Viertelfinale gewannen die Deutschen 2:1 gegen Schweden. Begünstigt durch mehrere Fehler des deutschen Torwarts Willibald Kreß, setzte sich die Tschechoslowakei im Halbfinale mit 3:1 gegen die deutsche Mannschaft durch, die mit einem 3:2 gegen Österreich WM-Dritter wurde.

1935 trug man siebzehn Freundschaftsspiele aus. Man wollte gute internationale Beziehungen vortäuschen. Man versuchte möglichst gegen schwächere Gegner anzutreten um mit einer guten Bilanz das nationale Selbstbewusstsein zu stärken. Zudem nahmen diese kollektiven Erfolgserlebnisse dem Volk den Schrecken vor dem neuen Regime.

Nachdem Fußball 1932 nicht im Programm der Olympischen Spiele stand, startete der WM-Dritte 1936 in Berlin mit einem 9:0 gegen Luxemburg in das Turnier, musste dann aber nach einem 0:2 gegen Norwegen die Hoffnungen auf den Olympiasieg begraben. Für das Ansehen des Fußballs bei den NS-Führern war diese Niederlage katastrophal, da die durch die Ausrichtung der Spiele erwünschte Propagandawirkung deutlich nachließ. Zudem war es das erste Länderspiel in Anwesenheit von Hitler. Es war das letzte Olympiaturnier der Deutschen A-Nationalmannschaft.

Nach den Olympischen Spielen suchte man einen Verantwortlichen für die Enttäuschung. Schließlich wurde der Reichstrainer Otto Nerz für die Niederlage gegen Norwegen verantwortlich gemacht, obwohl Felix Linnemann forderte, die Stammspieler in diesem Spiel zu schonen. So löste schließlich Sepp Herberger Nerz als Reichstrainer ab. Die Oberaufsicht wollte Nerz jedoch beibehalten. Der entstandene Machtkampf zwischen Herberger und Nerz wurde erst 1938 entschieden, als Nerz zurücktrat.

Herberger gelang mit drei Siegen gegen Estland, Finnland und Schweden die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Frankreich.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an Deutschland im April 1938 wurde ein „Verbrüderungsspiel“ zwischen den beiden Nationalmannschaften ausgetragen. Da Österreich das Spiel gewann, war man der Ansicht, dass in der neuen „großdeutschen“ Nationalmannschaft mindestens zur Hälfte Österreicher spielen sollten. Das Verhältnis zwischen den österreichischen Profispielern und den deutschen Amateurspielern war jedoch von gegenseitiger Abneigung und Misstrauen geprägt.

Bei der WM 1938 schied die Nationalelf kurze Zeit nach der Vereinigung zur „großdeutschen“ Nationalelf bereits im Achtelfinale gegen die Nachbarn aus der Schweiz aus. Reichte es im ersten Spiel noch zu einem 1:1 nach Verlängerung, musste sich die deutsche Mannschaft fünf Tage später im Wiederholungsspiel – Elfmeterschießen waren damals noch nicht erdacht – mit 2:4 geschlagen geben, was bis heute das schlechteste Abschneiden bei einer WM bedeutete. Bei diesem Turnier bekam die Mannschaft auch von den Fans der bisher neutralen Schweizer viele negative Gefühle zu spüren, welche dem NS-Regime galten.

Obwohl die Anspannung der politischen Lage immer mehr zunahm, trat man 1939 bei fünfzehn Länderspielen an, um der Bevölkerung weiterhin gute Verhältnisse zu den Nachbarn vorzutäuschen. Doch nachdem man sich noch auf die Olympischen Spiele 1940 in Helsinki vorbereitete, brach der Zweite Weltkrieg aus. Der Großteil der Spieler musste in die Wehrmacht einrücken. Die Nationalsozialisten sahen im Sport den Zweck das Volk kriegstüchtig zu machen, so wollte man auch mit den Spitzensportlern aus dem Fußball die Wehrmacht verstärken und die Bildung einer starken Nationalmannschaft erschien somit unwahrscheinlich. Das NS-Regime wollte mit der Einberufung von Nationalspielern auch dem Volk verdeutlichen, dass sich unabhängig von der gesellschaftlichen Position jeder in den Dienst der Nation stellen muss.

Allerdings wollte man die Nationalelf weiterhin zur Propaganda in neutralen Staaten nutzen; darum fanden dennoch zahlreiche Länderspiele statt. So sollte die Mannschaft des besetzten Dänemarks nicht gegen Deutschland antreten, nachdem der dänische König ein Sportverbot verhängte, da man ein Spiel der dänischen Nationalmannschaft gegen Deutschland als eine Geste der Unterwerfung betrachtete. Doch im November 1940 fand schließlich trotzdem ein solches Länderspiel statt. Durch eine Nominierung für die Nationalmannschaft konnte man nun dem Krieg entrinnen. Auch im Fußballsport sollte die in der nationalsozialistischen Ideologie verankerte Überlegenheit der „arischen Rasse“ demonstriert werden. Doch nachdem man am Geburtstag von Adolf Hitler 1940 in Bern gegen die Schweiz unterlag, schrieb Propagandaminister Joseph Goebbels in einem Brief an den Reichssportführer, es dürfe vor allem kein Sportaustausch gemacht werden, wenn das Ergebnis im geringsten zweifelhaft sei.

Im Juni 1941 wurde vom „Reichssportführer“ verfügt, alle Spiele abzusagen, nachdem man für den Überfall auf die Sowjetunion die Kräfte bündeln wollte. Beendet wurde die Sportsperre erst im Oktober durch einen direkten Befehl von Hitler, da er von einem schnellen Sieg der Wehrmacht im Osten ausging. 1942 legte Sepp Herberger dem NS-Regime eine Liste mit 20 Spielern vor, die bereits einberufen waren. Da Herberger angab, die meisten Spieler hätten bereits Orden wie das Eiserne Kreuz, oder das Sturmabzeichen erhalten, wurden diese Spieler schließlich für unabkömmlich erklärt und mussten nicht mehr fürchten, einberufen zu werden. Nach einer Niederlage gegen Schweden in Berlin verbot Goebbels Länderspiele in Berlin. Goebbels hielt es für unsinnig Länderspiele auszutragen, die das Volk nur vom Krieg ablenkten. So wollte er 1942 schließlich jeglichen internationalen Sportverkehr beenden und begründete dies mit dem „totalen Krieg“. Am 22. November 1942 fand das letzte Länderspiel Deutschlands für auf den Tag genau acht Jahre statt. Man gewann gegen die Slowakei mit 5:2.

Nachdem Deutschland seit 1942 von der FIFA ausgeschlossen war, versuchte die Schweiz den deutschen Antrag auf Wiederaufnahme 1948 zu unterstützen. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt. So trug man drei Stadtspiele zwischen deutschen und Schweizer Vereinsmannschaften in Deutschland aus. Auf diese Spiele gab es jedoch im Ausland heftige Reaktionen, wobei die FIFA den Schweizern sogar mit einer Strafe drohte, der die Schweizer nur entgingen, weil der Schweizer Verband gegen die Organisatoren der Städtespiele Strafen verhängte. Erst im Mai 1949 wurden internationale Vereinsspiele erlaubt.

Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde dann schließlich auch der DFB im Januar 1950 wiedergegründet, zur selben Zeit entstand in der DDR der Deutsche Fußball-Verband (DFV). Bereits zwei Jahre hatte sich der Saarländische Fußballverband gebildet, der bereits im Frühjahr 1950 in die FIFA aufgenommen wurde. Der DFB folgte nach einer Tagung im September, der DFV wurde erst 1952 aufgenommen und nahm bis 1990 mit einer eigenen Auswahl an internationalen Wettkämpfen teil. Am 22. November 1950 fand dann schließlich nach genau acht Jahren gegen die Schweiz in Stuttgart das erste Länderspiel unter Bundestrainer Sepp Herberger statt. Man gewann mit 1:0. Vorerst trat man nun nur gegen neutrale Staaten oder ehemalige Verbündete an. Im Oktober 1952 fand zum ersten Mal ein Spiel gegen eine Nationalmannschaft der Alliierten aus dem Zweiten Weltkrieg statt. Gegen Frankreich verlor man mit 1:3 in Paris. Bundestrainer Herberger machte weiterhin seine Drohung wahr, Legionäre nicht zu nominieren. So kam zum Beispiel der berühmte Torhüter Bert Trautmann zu keinem einzigen Länderspiel.

1950 war die Nationalmannschaft der neuen Bundesrepublik Deutschland noch von der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien ausgeschlossen. Erstmals nahm man an der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1954 teil. Dort konnte man sich gegen das Saarland und Norwegen durchsetzen. Im Turnier war man in der Gruppe mit den gesetzten Teams aus der Türkei, die sich in der Qualifikation durch einen Losentscheid gegen Spanien durchsetzte, und Ungarn nicht gesetzt und trat somit nur gegen die beiden gesetzten Teams und nicht gegen das ebenfalls nicht gesetzte Südkorea an. Nach einem Auftaktsieg gegen die Türkei stellte der Bundestrainer für das Spiel gegen Ungarn die Mannschaft auf vielen Positionen um und verlor 3:8. Nach dieser Niederlage, welche bis heute die höchste Pflichtspielniederlage der Nationalelf ist, wurde Herberger heftig kritisiert, während ihm später die Schonung einiger Stammspieler in diesem Spiel als Genialität zugeschrieben werden sollte. Im folgenden Entscheidungsspiel gegen die Türkei, die Südkorea bezwang, gewann man mit 7:2 und qualifizierte sich somit für das Viertelfinale, in dem man gegen Jugoslawien gewann.

Im Halbfinale konnte auch Österreich bezwungen werden und dann geschah das sogenannte Wunder von Bern, der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz durch einen 3:2-Sieg im Finale gegen die favorisierten Ungarn. Da man in der Vorrunde mit 3:8 verloren hatte, wurde von vielen ein Sieg für unmöglich gehalten. Nach acht Minuten lag die Mannschaft auch bereits mit 0:2 zurück und die Kritiker fühlten sich bestätigt. Doch Deutschland drehte das Spiel, glich bis zur Pause aus und in der 84. Minute konnte Helmut Rahn den entscheidenden Treffer erzielen. Ungarn galt damals als unschlagbar, da die goldene Mannschaft, die 1952 Olympiasieger wurde, in 32 Spielen seit Mai 1950 bis zum Endspiel in Bern nicht ein einziges mal verlor und dabei nur vier mal nicht gewann. In Deutschland wurden die Helden von Bern zu Legenden: Spieler wie Toni Turek (Tor), Fritz Walter oder Helmut Rahn sind heute noch in guter Erinnerung. Bei der WM 1954 in der Schweiz wurde die bundesdeutsche Mannschaft mit den Spielern Toni Turek, Jupp Posipal, Werner Kohlmeyer, Horst Eckel, Werner Liebrich, Karl Mai, Helmut Rahn, Max Morlock, Ottmar Walter, Fritz Walter, Hans Schäfer Fußball-Weltmeister. Weil die deutschen Fans die erste Strophe des Deutschlandliedes sangen, waren viele im In- und Ausland empört. Allerdings kannten zu dieser Zeit viele noch nicht den Text der dritten Strophe, die erst zwei Jahre zuvor als die zu singende festgelegt worden war. Für mehr Empörung sorgte damals eine Rede des DFB-Präsidenten Peco Bauwens, die von der Süddeutschen Zeitung als Sieg-Heil-Rede bezeichnet wurde. Der Sender München brach die Übertragung der Rede sogar ab. Die Mannschaft wurde bei ihrer Ankunft mit dem Sonder-Triebwagen Roter Blitz triumphal gefeiert. Die Nationalmannschaft bekam durch den ersten Weltmeistertitel auch gesellschaftlich einen hohen Stellenwert in der Bundesrepublik, welche zuvor noch immer unter den Folgen des Zweiten Weltkriegs litt. Viele Politologen und Soziologen betrachten den Sieg von Bern heute sogar als das eigentliche Gründungsdatum der Bundesrepublik Deutschland und einen Antrieb des Wirtschaftswunders. So erklärte zum Beispiel Hans-Joachim Winkler das Wunder von Bern sei ein Beitrag zur Entwicklung des BRD-Nationalgefühls. Als einige Spieler und auch Sepp Herberger nach der WM an Gelbsucht erkrankten, kamen Doping-Vorwürfe gegen die Weltmeistermannschaft auf, die nie vollständig aufgeklärt werden konnten. Weil der ungarische Nationalspieler Ferenc Puskás in einem Interview solche Vorwürfe von sich gab, verbot der DFB Länderspiele gegen Mannschaften, in denen Puskás spielte. Erst nachdem sich der Ungar 1960 schriftlich beim DFB entschuldigte, wurde das Verbot aufgehoben.

In den folgenden Jahren konnte die Nationalmannschaft zunächst nicht an die alten Erfolge anknüpfen, So verlor sich die Weltmeisterelf von 1954 schnell aus den Augen, und es kamen neue Spieler wie der einarmige Robert Schlienz zum Einsatz. 1955 gab es zwei politisch brisante Spiele gegen die UdSSR, gegen die man erstmals nach dem Krieg antrat. Vor dem Hinspiel in Moskau wurde der Nationalmannschaft sogar mangelndes Nationalbewusstsein vorgeworfen, weil man gegen eine Mannschaft eines Landes antrat, in dem es zu dieser Zeit noch einige deutsche Kriegsgefangene gab. Kurze Zeit später kam es aber zur Heimkehr der Zehntausend.

Bei der Fußball-WM 1958 in Schweden setzte sich die deutsche Mannschaft als automatisch qualifizierter Titelverteidiger in der Vorrunde gegen Nordirland, Argentinien und die Tschechoslowakei durch. Dabei gelang im Spiel gegen Argentinien der erste Sieg gegen eine außereuropäische Mannschaft. Im Viertelfinale bezwang man Jugoslawien. Im Halbfinale im „Hexenkessel“ von Göteborg (→ Schlacht von Göteborg) mit zuletzt nur noch neun Spielern (Juskowiak erhielt einen Platzverweis, Fritz Walter wurde verletzt) wurde man von den Schweden mit 3:1 geschlagen und verlor anschließend auch das Spiel um den dritten Platz gegen Frankreich mit 3:6. Nach der Niederlage gegen Schweden kam in Deutschland eine Anti-Schweden Stimmung auf. Da die schwedischen Fans ihre Mannschaft enthusiastisch mit Heja Sverige!-Rufen unterstützten, wurde ihnen Gehässigkeit gegenüber Deutschen vorgeworfen. DFB-Präsident Peco Bauwens sprach sogar von einer Hetze gegen die deutsche Mannschaft. Der kicker versuchte hingegen die Situation neutraler zu bewerten und stellte fest, dass das schwedische Publikum seine Mannschaft immer so enthusiastisch anfeuerte. Dennoch wurde Schweden von nun an in Deutschland das Leben schwer gemacht. Zur Verärgerung der FIFA traten die deutschen Spieler und Funktionäre bereits vor dem Endspiel und dem darauf folgenden Abschlussbankett die Heimreise an. Viele sahen später darin den Grund, dass England und nicht Deutschland den Zuschlag für die Austragung der WM 1966 bekam. Auch dem Schiedsrichter aus Ungarn wurden Fehlentscheidungen vorgeworfen, die mit der Endspielniederlage Ungarns 1954 in Verbindung gebracht wurden.

Am 28. Dezember 1958 trat die Nationalmannschaft in Kairo erstmals außerhalb Europas zu einem Länderspiel an, verlor aber gegen Ägypten mit 1:2.

Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1962 in Chile gegen Nordirland und Griechenland gelang mit vier Siegen. Kurz vor der Weltmeisterschaft ersetzte Herberger Stammtorhüter Tilkowski durch den jungen Ulmer Wolfgang Fahrian. In Chile schied das Team bereits im Viertelfinale durch ein 0:1 gegen Jugoslawien aus. In der Vorrunde konnte noch der Gruppensieg errungen werden, unter anderem durch ein 2:0 gegen den bereits für das Viertelfinale qualifizierten Gastgeber und späteren Dritten Chile. Es war das letzte Turnier bei dem Sepp Herberger als Bundestrainer die Verantwortung trug. Nach der Weltmeisterschaft wurde Herberger für die defensive Taktik und das Festhalten am überholten WM-System kritisiert. Die meisten anderen Nationen spielten schon im 4-2-4- oder 4-3-3-System. Herberger hatte sogar versucht den 41-jährigen Fritz Walter zu reaktivieren. Das relativ schlechte Abschneiden forcierte aber die Bildung der von Herberger geforderten Fußball-Bundesliga, die von den Landesverbänden lange abgelehnt wurde. 1963 trat Herberger dann von seinem Amt als Bundestrainer zurück, sein Nachfolger wurde sein Assistent Helmut Schön. Herberger hätte aber lieber Fritz Walter als seinen Nachfolger gesehen.

Mit Helmut Schön begann aber eine neue sehr erfolgreiche Ära. Mit dem ersten Sieg nach dem Zweiten Weltkrieg in Schweden gelang ihm die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in England. Bei der Fußball-WM 1966 in England startete die deutsche Mannschaft mit einem 5:0-Sieg gegen die Schweiz in das Turnier. Dabei brillierte vor allem das 20-jährige Mittelfeld-Talent Franz Beckenbauer, der sich ebenso wie Italien-Legionär Helmut Haller mit zwei Toren neben Held in die Torschützenliste eintragen konnte. Das zweite Gruppenspiel des DFB-Teams gegen Argentinien endete 0:0. Dieses Spiel war durch wenige Torchancen, dafür aber durch eine Vielzahl von Fouls gekennzeichnet. Beim 2:1-Sieg gegen Spanien im letzten Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft gelang Lothar Emmerich ein schier unmögliches Tor. Der Linksaußen vollbrachte das Kunststück, nahezu von der Torauslinie den Ball am spanischen Torhüter Iribar vorbei unters Lattenkreuz ins lange Eck zu schießen. Durch einen 4:0-Viertelfinalsieg gegen Uruguay und ein 2:1 im Halbfinale gegen die Sowjetunion gelang der bundesdeutschen Mannschaft zum zweiten Mal nach 1954 der Einzug in ein Endspiel der Fußballweltmeisterschaft. Jedoch verlor sie das Finale gegen England durch das legendäre Wembley-Tor mit 4:2 nach Verlängerung.

Erstmals nahm Deutschland 1968 an der Qualifikation für eine Fußball-Europameisterschaft teil. Nach einem 6:0 gegen Albanien, einem 0:1 in Jugoslawien und einem 3:1 gegen die Jugoslawen musste am 17. Dezember 1967 in Tirana ein Sieg gegen die eher drittklassigen albanischen Spieler her, da Jugoslawien dort gewonnen hatte. Obwohl Bundestrainer Schön mit Peter Meyer den damals besten Stürmer der Bundesliga aufbot, reichte es nur zu einem 0:0, wodurch zum ersten und bisher einzigen Mal eine Qualifikation für ein großes Turnier verpasst wurde.

In der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1970 hatte sich Deutschland insbesondere mit den Schotten auseinander zu setzen, gegen die Deutschland bis dahin noch nie gewinnen konnte. Das Hinspiel in Glasgow endete 1:1 und im letzten Heimspiel am 22. Oktober 1969 in Hamburg gelang mit einem 3:2 der erste Sieg gegen die Briten.

In Mexiko tat sich die deutsche Mannschaft zunächst schwer. Im ersten Gruppenspiel lag man gegen den Außenseiter Marokko nach 21 Minuten mit 0:1 zurück. Das lag auch daran, dass Schöns Taktik mit zwei Mittelstürmern (Uwe Seeler und Gerd Müller) zunächst nicht aufging und auch Helmut Haller nicht an seine Leistungen von England anknüpfen konnte. So war dies sein letztes Länderspiel für Deutschland, zur Pause wurde er ausgewechselt. Seeler und Müller fanden in der Folge aber immer besser zusammen und sorgten durch ihre Tore in der 56. und 80. Minute noch für den 2:1-Erfolg. Seeler hatte die eigentliche Mittelstürmerposition Müller überlassen und sich ins Mittelfeld zurückfallen lassen. Auf den Außenpositionen sorgten abwechselnd Grabowski, Libuda und Löhr für Druck, und so wurden auch die beiden folgenden Spiele gegen Bulgarien und Peru gewonnen, womit Deutschland der bis dahin beste Start bei der WM gelang.

Das Viertelfinalspiel gegen England wurde zu einem ganz außergewöhnlichen Spiel. In der Neuauflage des Endspiels von 1966 führten die Engländer bis zur 69. Minute 2:0, ehe die Deutschen noch in der regulären Spielzeit den 2:2-Ausgleich erzielten. Seeler gelang dabei ein kurioses Tor mit dem Hinterkopf. In der Verlängerung erzielte dann Müller das entscheidende Tor zum 3:2.

Im Halbfinale gab es eine 3:4-Niederlage in einem an Dramatik kaum zu überbietenden Spiel gegen Italien, dem sogenannten Jahrhundertspiel. Die Italiener gingen bereits in der 8. Minute mit 1:0 in Führung, erst in der Schlussminute erzielte der beim AC Mailand spielende Karl-Heinz Schnellinger mit seinem einzigen Länderspieltor für Deutschland das 1:1. In der Verlängerung fielen dann noch fünf Tore. Nach dieser Niederlage erreichte die Mannschaft von Bundestrainer Helmut Schön durch einen 1:0-Sieg gegen Uruguay den dritten Platz. Torschützenkönig des Turniers wurde mit zehn Treffern Gerd Müller.

1972 wurde die nach der Meinung vieler bis heute beste deutsche Elf erstmals Europameister. Nachdem man sich in der Qualifikation gegen Polen, die Türkei und (wieder) Albanien durchgesetzt hatte, stand im Viertelfinale die Revanche von León gegen England an. Am 29. April 1972 kam es zu einem denkwürdigen Spiel im Londoner Wembley-Stadion. Durch Tore von Uli Hoeneß, Günter Netzer und Gerd Müller konnte man mit 3:1 erstmals in England gewinnen. Selbst die englische Boulevardpresse, die seinerzeit eher deutschlandkritisch eingestellt war, war von dem Spiel der deutschen Mannschaft begeistert. Im Rückspiel in Berlin reichte dann ein 0:0 zum Einzug in die Endrunde. Zur Endrunde reisten sie dann als Favorit, da sie am 26. Mai 1972 zur Einweihung des Olympiastadions in München die Sowjetunion schon mit 4:1 besiegt hatten. Bei der Endrunde in Belgien gelangen dann Siege gegen Belgien (2:1) und die Sowjetunion (3:0), wobei insbesondere im Finale Traumfußball zelebriert wurde. Unrühmlich hervorzuheben ist leider das Verhalten deutscher Hooligans – auch wenn diese Bezeichnung damals noch nicht üblich war – die randalierend durch Brüssel zogen.

Die Nationalmannschaft gewann 1974 in Deutschland zum zweiten Mal die Weltmeisterschaft. In der Vorrunde des Turniers gelang der DDR-Auswahl durch ein Tor von Jürgen Sparwasser, das in die deutsche Fußballgeschichte eingegangen ist, der 1:0-Sieg gegen den späteren Weltmeister Bundesrepublik Deutschland. Dieses Spiel am 22. Juni 1974 war das einzige Aufeinandertreffen der beiden deutschen Mannschaften. Nach dem 2:1-Sieg im Endspiel gegen die brillanten Niederländer, bedankten sich die Westdeutschen bei der DDR-Auswahl für die Niederlage, da diese der Auslöser für eine mannschaftsinterne Revolte gegen den unentschlossenen und zögerlichen Bundestrainer Helmut Schön war, bei der die Mannschaft unter Führung von Kapitän Franz Beckenbauer ihre taktischen Vorstellungen durchsetzen konnte. Bis heute wird von den Akteuren behauptet, dass der Titelgewinn ohne diese Niederlage wohl unmöglich gewesen wäre. Ein wichtiger Faktor war auch, dass die DFB-Mannschaft als Gruppenzweiter in die mit Polen, Schweden und Jugoslawien vermeintlich einfachere Zwischenrundengruppe einziehen konnte – die DDR als Gruppenerster hatte es hingegen mit den Niederlanden, Brasilien und Argentinien zu tun. Durch diesen Titelgewinn gelang es den Deutschen als bisher einziger Mannschaft, nach einem Europameisterschaftstitel auch die darauffolgende Weltmeisterschaft zu gewinnen (umgekehrt gelang es Frankreich bei 1998 und 2000).

Bundestrainer Helmut Schön setzte während des Turniers 18 Spieler ein: Sepp Maier im Tor, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Horst-Dieter Höttges, Georg Schwarzenbeck und Berti Vogts in der Abwehr; Rainer Bonhof, Bernhard Cullmann, Heinz Flohe, Ulrich Hoeneß, Günter Netzer, Wolfgang Overath sowie Herbert Wimmer im Mittelfeld und Jürgen Grabowski, Dieter Herzog, Jupp Heynckes, Bernd Hölzenbein und Gerd Müller im Sturm.

1976 wurde die Endrunde der Europameisterschaft letztmals mit vier Mannschaften ausgetragen, und wieder hatte sich die deutsche Mannschaft qualifiziert. Nach dem WM-Sieg 1974 war unter anderen der WM-Rekordtorschütze Gerd Müller zurückgetreten, und trotzdem „müllerte“ es auch in Jugoslawien. In Belgrad kam es zunächst zum Halbfinale gegen Jugoslawien, in dem man nach 32 Minuten mit 0:2 zurück lag. Durch die Einwechslungen von Heinz Flohe (46. Minute), der in der 65. Minute den Anschlusstreffer erzielte, und Dieter Müller (79. Minute), der in der 80. Minute mit seinem ersten Ballkontakt in seinem ersten Länderspiel zum 2:2 traf, wurde die Verlängerung erreicht. In dieser gelangen Dieter Müller zwei weitere Tore zum 4:2-Sieg, durch den die deutsche Mannschaft wie vier Jahre zuvor im Finale stand. Aber es erging ihr wie der UdSSR, die 1964 ebenfalls nach dem Gewinn des Titels 1960 wieder im Finale stand: Der Titel konnte nicht verteidigt werden, was in der Folge auch keinem anderen Europameister gelang. Gegen die Tschechoslowakei lag man wie im Halbfinale schnell mit 0:2 zurück, allerdings gelang Dieter Müller mit seinem vierten EM-Tor schnell der Anschluss, es dauerte aber bis zur 90. Minute, ehe Bernd Hölzenbein der 2:2-Ausgleich gelang, womit es erneut zur Verlängerung kam. Nachdem diese torlos verlief, musste erstmals in der Geschichte großer Turniere ein Elfmeterschießen die Entscheidung bringen (acht Jahre zuvor hatte es noch ein Wiederholungsspiel gegeben). Nachdem die ersten vier tschechoslowakischen und die ersten drei deutschen Spieler ihre Elfmeter verwandelt hatten, trat Uli Hoeneß an, der schon zwei Jahre zuvor im Spiel gegen Polen einen Elfmeter verschossen hatte, geriet aber in Rückenlage und jagte den Ball in den Belgrader Nachthimmel. Anschließend machte Antonín Panenka mit einem schlitzohrig verwandelten Elfmeter alles klar, so dass der fünfte deutsche Schütze nicht mehr antreten musste. Wie vier Jahre zuvor Gerd Müller wurde auch Dieter Müller mit vier Toren Torschützenkönig.

Ebenfalls zur Geschichte der Nationalmannschaft gehört die sogenannte Schmach von Córdoba. Sie bezeichnet ein Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien gegen Österreich. Der amtierende Fußballweltmeister Deutschland unterlag in Córdoba völlig überraschend der österreichischen Nationalmannschaft mit 2:3 und schied in der Zwischenrunde aus.

Die bundesdeutsche Mannschaft stand nach zwei Unentschieden gegen Italien und die Niederlande vor dem Österreich-Spiel mit 2:2 Punkten auf Platz drei in der Vierergruppe. Der Gruppensieger würde in das WM-Finale einziehen, der Gruppenzweite um den dritten Platz der WM spielen. Italien und die Niederlande (je 3:1 Punkte) mussten unentschieden spielen, damit Bundesdeutschland mit einem (deutlichen) Sieg gegen Österreich überhaupt noch eine Chance auf den Gruppensieg gehabt hätte. Da die Niederländer aber Italien mit 2:1 schlugen, hatte die DFB-Elf keine Chance mehr auf das WM-Finale. Es wurde im Österreich-Spiel somit nicht der Weltmeistertitel, sondern die Chance auf Platz drei verspielt. Helmut Schön trat nach der WM wie lange zuvor angekündigt von seinem Posten als Bundestrainer zurück.

Nach der WM 1978 trat Jupp Derwall die Nachfolge Helmut Schöns an. Unter seiner Leitung hatte die deutsche Mannschaft bis zur EM 1980 kein Spiel verloren, auch wenn nicht alle Resultate, zum Beispiel ein 0:0 in Malta, schmeichelhaft waren. Sie ging daher als einer der Favoriten in das Turnier. Bei der erstmals mit acht Mannschaften und einer Gruppenphase ausgetragenen EM 1980 in Italien kam es im ersten Spiel zur Revanche von Belgrad. In einem wenig spektakulären Spiel konnte sich die deutsche Mannschaft gegen die CSSR mit 1:0 revanchieren, im zweiten Spiel gegen die Niederländer führte die deutsche Mannschaft nach 66 Minuten durch drei Tore von Klaus Allofs mit 3:0, ehe es Rep (80./Elfmeter) und Willy van de Kerkhof (86.) wieder einmal spannend machten. Die deutsche Mannschaft konnte das 3:2 aber über die Zeit bringen. Im abschließenden Gruppenspiel reichte ein 0:0 gegen Griechenland zum Gruppensieg, der direkt ins Finale führte. Gegen Belgien, das sich überraschend gegen England, Spanien und den Gastgeber Italien durchgesetzt hatte, gelang Horst Hrubesch bereits nach zehn Minuten das 1:0. Aber nachdem Vandereycken in der 72. Minute durch einen Elfmeter der Ausgleich gelungen war, wurde es wieder einmal spannend. Erst in der 89. Minute war es erneut Hrubesch, der mit einem Kopfball den Siegtreffer erzielte und so Deutschland den zweiten EM-Titel bescherte. Und wieder kam der Torschützenkönig aus Deutschland – diesmal reichten Klaus Allofs die drei Tore aus dem Spiel gegen die Niederlande.

Deutschland galt zu Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft 1982 als einer der Favoriten, auch wenn der amtierende Europameister bei der zuvor ausgetragenen Mundialito nicht überzeugen konnte. Aber die Mannschaft hatte sich mit acht Siegen in acht Spielen problemlos qualifiziert. Dennoch verlor Deutschland bereits sein Auftaktspiel gegen Algerien sensationell mit 1:2 und konnte das Weiterkommen erst durch Siege gegen Chile und Österreich sichern. Dabei ging die Partie gegen Österreich als Nichtangriffspakt von Gijón in die Fußballgeschichte ein. Sie wurde zum Skandal, weil beiden Mannschaften nach dem Ende des Spiels zwischen Algerien und Chile ein knapper Sieg Deutschlands zur Qualifikation für die Zwischenrunde genügte. Dementsprechend lief das Spiel in Gijón dann auch ab. Nach dem 1:0 für Deutschland durch Horst Hrubesch in der 11. Minute begnügten sich beide Mannschaften damit, den Ball im Mittelfeld hin und her zu spielen, ohne dem Gegner dabei bedrohlich nahe zu kommen. Folge dieses Spiels ist es, dass seither bei allen Turnieren die Partien des letzten Gruppenspieltags zeitgleich ausgetragen werden.

In der Zwischenrunde reichten Deutschland ein torloses Remis gegen England und ein Sieg gegen Gastgeber Spanien, da sich die bereits ausgeschiedenen Spanier und England ebenfalls torlos trennten, für den Einzug ins Halbfinale, in dem mit Frankreich und seinem Glanzmittelfeld Giresse, Tigana und Platini ein schwerer Kontrahent wartete. Die deutsche Führung in der 18. Spielminute glichen die Franzosen bereits in der 26. Minute aus, so dass das Spiel mit 1:1 in die Verlängerung ging. Zuvor hatte der deutsche Nationaltorhüter Toni Schumacher den auf sein Tor zulaufenden Patrick Battiston aus vollem Lauf mit der Hüfte erwischt. Der Franzose wurde bewusstlos, verlor außerdem drei Zähne und brach sich den Halswirbel. Schumacher, der Jahre später zu Battistons Hochzeit eingeladen wurde, nährte damit das anwachsende Bild des „hässlichen“ Deutschen. In der Verlängerung führten die Franzosen schnell mit 3:1, Deutschland glich jedoch durch Rummennige und Fischer aus. Im Elfmeterschießen verschoss erst Stielike für Deutschland, ehe nach dem Scheitern von Six und Bossis ein Elfmeter von Hrubesch für die Entscheidung sorgte.

Im Finale in Madrid musste Deutschland sich gegen Italien bewähren, das zuvor den Favoriten Brasilien mit 3:2 und Polen im Halbfinale mit 2:0 bezwungen hatte (alle fünf Tore wurden vom späteren Torschützenkönig Paolo Rossi erzielt). Rossi war es auch, dem in der zweiten Halbzeit der erste Treffer der Partie gelang; zuvor hatte Italien bereits einen Elfmeter vergeben. Nach weiteren Treffern von Tardelli und Altobelli war Breitners Anschlusstreffer zum 3:1-Endstand nur noch Ergebniskosmetik, Deutschland hatte zum zweiten Mal nach 1966 ein Weltmeisterschaftsendspiel verloren.

Die Europameisterschaft in Frankreich bescherte der Deutschen Mannschaft erstmals das Aus in der Gruppenphase bei einem großen Turnier. Schon die Qualifikation verlief holprig. Nach einer 0:1-Heimniederlage im vorletzten Spiel gegen Nordirland brauchte Deutschland im letzten Spiel gegen „Fußballzwerg“ Albanien einen Sieg um sich durch das bessere Torverhältnis zu qualifizieren. Das 1:0 der Albaner in der 23. Minute konnte Rummenigge zwar postwendend in der 24. Minute ausgleichen, es dauerte aber bis zur 80. Minute ehe Gerhard Strack mit seinem einzigen Länderspieltor das erlösende 2:1 gelang. In den Gruppenspielen hätte nach einem torlosen Remis gegen Portugal und einem 2:1-Sieg gegen Rumänien der deutschen Mannschaft ein erneutes Remis gegen Spanien zum Einzug ins Halbfinale gereicht, und bis zur 90. Minute sah es auch danach aus, dann machte aber Maceda diesen Traum zunichte und sorgte so für den vorzeitigen Abschied von Bundestrainer Jupp Derwall.

Sein Nachfolger wurde Franz Beckenbauer und da dieser keine Trainerlizenz besaß wurde erstmals die Funktion des Teamchefs eingeführt. Die Qualifikation für die WM in Mexiko, stand bereits nach 6 Spielen, von denen die ersten fünf gewonnen wurden fest, so dass sich Deutschland im vorletzten Spiel gegen Portugal erstmals eine Niederlage in einem WM-Qualifikationsspiel erlauben konnte.

Bei der WM 1986 in Mexiko wurde die Mannschaft der Bundesrepublik unter der Führung von Teamchef Franz Beckenbauer erneut Vizeweltmeister und das argentinische Team durch einen 3:2-Sieg gegen die deutsche Elf zum zweiten Mal Weltmeister. Besonders unrühmlich bei dieser Weltmeisterschaft war, dass mit Uli Stein erstmals ein Spieler während des laufenden Turniers nach Hause geschickt wurde. Überzeugen konnte die Mannschaft bei der WM erst im Halbfinale, das wie vier Jahre zuvor gegen Frankreich gewonnen wurde. In der Gruppenphase belegte Deutschland nach einem Remis gegen Uruguay, einem Sieg gegen Schottland und einer Niederlage gegen Dänemark nur den zweiten Platz. Das Achtelfinale gegen die Marokkaner, die sich in ihrer Gruppe gegen die stärker eingeschätzten Portugiesen durchgesetzt hatten, wurde erst in der 88. Minute durch ein Freistoßtor von Matthäus entschieden und das Viertelfinale gegen Mexiko wurde erst im Elfmeterschießen gewonnen, bei dem Schumacher zwei Elfmeter halten konnte.

Die Europameisterschaft 1988 im eigenen Land sollte Teamchef Beckenbauer nach der Vize-Weltmeisterschaft zwei Jahre zuvor den ersten Titel bescheren, aber nach einem glücklichen 1:1 gegen Italien in der Vorrunde und zwei 2:0-Siegen gegen Dänemark und Spanien, war im Halbfinale gegen die Niederländer Endstation. Deutschland war zwar durch einen von Matthäus in der 55. Minute verwandelten Elfmeter in Führung gegangen, den Niederländern gelang aber ebenfalls durch einen Elfmeter in der 74. Minute der Ausgleich. Als sich beide Teams schon auf eine Verlängerung eingestellt hatten, nutzte Marco van Basten die einzige Unaufmerksamkeit von Jürgen Kohler zum 2:1-Siegtreffer. Im Finale in München zelebrierten die Niederländer dann Traumfußball und wurden verdient Europameister.

Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1990 führte Deutschland und die Niederlande erneut zusammen. Beide Spiele endeten remis und da Deutschland in Wales nur ein 0:0 gelang war im letzten Spiel ein Sieg gegen die Waliser notwendig um sich noch als einer der beiden besten Gruppenzweiten qualifizieren zu können. Die Waliser gingen aber in der 11. Minute in Führung. Rudi Völler in der 25. und Thomas Häßler in der 48. Minute sorgten aber letztendlich für die glückliche Qualifikation.

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien starte Deutschland furios. Mit einem 4:1 gegen Geheimtipp Jugoslawien gelang ein überzeugender Start. Auch das zweite Spiel gegen die Vereinigten Arabischen Emirate wurde mit 5:1 gewonnen. Im dritten Spiel gegen Kolumbien konnte erst in der 88. Minute das 1:0 erzielt werden, durch eine Unachtsamkeit in der Schlussminute wurde der Sieg aber noch verspielt. Im Achtelfinale kam es erneut zum Aufeinandertreffen mit den Niederländern. Die Partie begann hektisch, in der 22. Minute wurden Frank Rijkaard und Rudi Völler wegen einer Unsportlichkeit vom Platz gestellt. Letztlich schwächte diese Hinausstellung die Niederländer stärker, da damit die Achse „Rijkaard-Gullit-van Basten“ gesprengt war, während auf Deutscher Seite Jürgen Klinsmann die Hinausstellung von Völler durch eine seiner besten Leistungen in der Nationalmannschaft kompensierte und in der 51. Minute das 1:0 erzielte. Nach einem Tor von Brehme in der 85. Minute gelang trotz des 1:2-Anschlusstreffers in der 89. Minute der Viertelfinaleinzug gegen die Tschechoslowakei. Dieses wurde durch ein Elfmetertor von Matthäus entschieden, die Mannschaft zeigte hierbei aber die schwächste Turnierleistung. Das Halbfinale war erneut dramatisch, nach 120 Minuten stand es gegen England 1:1 und das Elfmeterschießen musste entscheiden. Für England war es das erste Elfmeterschießen und der Beginn eines lang anhaltenden Elfmetertraumas. Nach dem mit 4:3 gewonnenen Elfmeterschießen stand die deutsche Elf als erste Mannschaft zum dritten Mal hintereinander im WM-Finale. Erneut hieß der Endspielgegner Argentinien. Mit einem knappen, aber hochverdienten 1:0-Sieg (Andreas Brehme durch Foulelfmeter) war der dritte und vorerst letzte WM-Titel perfekt. Franz Beckenbauer ragt in der Geschichte des DFB und der Nationalmannschaft seitdem besonders heraus, weil es dem „Kaiser“ gelang, in Doppelfunktion Weltmeister zu werden: als Kapitän 1974 und als Trainer 1990.

Durch den dritten Titel stieg die deutsche Mannschaft zum erfolgreichsten Nationalteam bei Weltmeisterschaften auf, da sie zu diesem Zeitpunkt die meisten Spiele der WM-Geschichte hatte (67) und durch die drei Vizeweltmeisterschaften öfter im Finale stand als Brasilien und Italien (beide ebenfalls drei Titel, aber jeweils nur drei beziehungsweise vier Endspielteilnahmen). Aber schon bei der WM 1994 wurde die deutsche Elf wieder von Brasilien abgelöst.

Nach der Weltmeisterschaft trat Franz Beckenbauer als Teamchef zurück, sein Nachfolger wurde Berti Vogts, der zuvor Nachwuchs- bzw. Jugendtrainer beim DFB war und von 1986 bis 1990 zum Trainerstab von Beckenbauer gehörte. Seine erste Aufgabe war die Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft 1992 in Schweden, bei der er sich gegen Wales durchsetzen konnte.

Bei der Qualifikation trat erstmals eine gesamtdeutsche Mannschaft an. Kurioserweise war die DDR zuvor in die deutsche Qualifikationsgruppe gelost worden, das Qualifikationsspiel der DDR gegen Belgien war das letzte Spiel der DDR-Nationalmannschaft. Es wurde aber nach der Wiedervereinigung und dem Rückzug der DDR-Nationalmannschaft aus der Wertung genommen. Das ursprünglich als „Fest des deutschen Fußballs“ geplante „Vereinigungsspiel“ gegen die DFV-Auswahlmannschaft am Tag der Wiedervereinigung wurde nach Gewaltandrohungen von Hooligans und auf Grund des schlechten baulichen Zustandes des Leipziger Zentralstadions abgesagt. Am 19. Dezember 1990 trat dann bei einem Spiel gegen die Schweiz in Stuttgart erstmals eine gesamtdeutsche Mannschaft an.

Nach eher dürftigen Leistungen in der EM-Vorrunde, unter anderem einem 1:3 gegen die Niederlande, erreichte die deutsche Mannschaft nach ihrem besten Spiel gegen Gastgeber Schweden zum vierten Mal das Finale einer EM. Sie gingen somit als Favorit ins Finale, denn die Dänen, die nur durch den Ausschluss Jugoslawiens nachgerückt waren, schienen schon im Halbfinale, das sie durch Elfmeterschießen gegen die Niederlande gewannen, am Ende ihrer Kräfte zu sein. Die deutsche Mannschaft fand aber in keiner Phase zu ihrem Spiel und verlor verdient mit 0:2. Immerhin konnte sich Karlheinz Riedle mit drei anderen Spielern die Torjägerkrone teilen, alle vier hatten je drei Tore geschossen.

Bei der WM 1994 in den USA, für die Deutschland als Titelverteidiger qualifiziert war, gewann die deutsche Mannschaft erstmals als amtierender Weltmeister das Eröffnungsspiel, wobei zum Sieg gegen Bolivien ein 1:0 reichte. Nach einem 1:1-Unentschieden gegen Spanien wurde Südkorea knapp mit 3:2 bezwungen und die Mannschaft Gruppenerster. Unrühmlich war das Verhalten von Stefan Effenberg, der in diesem Spiel von deutschen Fans provoziert worden war und dies mit dem ausgestreckten Mittelfinger quittierte. Für diese Geste wurde er von Bundestrainer Vogts aus der Mannschaft ausgeschlossen. Im Achtelfinale kam es gegen Belgien zu einem weiteren 3:2. Anschließend musste Deutschland im Viertelfinale gegen Bulgarien, das zuvor noch bei keiner Weltmeisterschaft über das Achtelfinale hinausgekommen war, nach anfänglicher Führung eine 1:2-Niederlage einstecken. Die deutsche Mannschaft kam somit erstmals seit der WM 1978 nicht unter die besten Vier des Turniers.

Bei der Qualifikation zur Euro 1996 trafen Deutschland und Bulgarien erneut aufeinander. Das Hinspiel in Sofia konnten wieder die Bulgaren gewinnen, diesmal mit 3:2. Im für die Qualifikation bedeutungslosen Rückspiel (beide wären auch bei einer Niederlage als einer der besten Gruppenzweiter qualifiziert gewesen) gelang Deutschland mit 3:1 die Revanche und damit die Qualifikation als Gruppensieger.

In England gewann die Mannschaft unter Nationaltrainer Berti Vogts dank des ersten Golden Goals der EM-Geschichte durch Oliver Bierhoff zum dritten und bislang letzten Mal eine Europameisterschaft und erreichte als erste Mannschaft zum fünften Mal das Finale. Das Turnier in England wurde erstmals mit 16 Mannschaften ausgetragen. Die Vorrunde beendete Deutschland mit einem 2:0 gegen Tschechien, einem überzeugenden 3:0 gegen Russland und einem glücklichen 0:0 gegen Italien, bei dem Andreas Köpke einen Elfmeter hielt ohne Gegentor. In einem spannenden Viertelfinale konnte Kroatien mit 2:1 besiegt werden, ehe es im Halbfinale zum erneuten Elfmeter-Krimi gegen England kam. Wie sechs Jahre zuvor bei der WM 1990 in Italien hatten auch diesmal die deutschen Spieler die besseren Nerven, so dass es im Finale zum erneuten Aufeinandertreffen mit den Tschechen kam. Diese gingen in der 59. Minute durch einen Elfmeter in Führung, und es dauerte bis zur 73. Minute, ehe Bierhoff der Ausgleich gelang. Sein zweites Tor in der Verlängerung beendete dann das Spiel vorzeitig und bescherte Deutschland den dritten Titel.

Die direkte Qualifikation zur WM 1998 gelang erst am letzten Spieltag durch ein dramatisches 4:3 gegen Albanien, die durch ein Eigentor von Kohler in der 55. Minute in Führung gegangen waren und die zwischenzeitlichen Führungen durch Helmer, Bierhoff und Marschall immer wieder ausgleichen konnten. Erst in der 90. Minute gelang Oliver Bierhoff der 4:3-Siegtreffer.

Als amtierender Europameister trat Deutschland bei der WM 1998 in Frankreich an. In einer politisch brisanten Gruppe (Deutschland hatte früh die von Jugoslawien abgespaltenen Teilrepubliken anerkannt, die USA und der Iran befinden sich seit der Islamischen Revolution in permanenter Konfrontation) mit Jugoslawien, der USA und Iran wurde Deutschland Gruppenerster: Nach dem 2:0 gegen die USA folgten ein 2:2 nach 0:2-Rückstand gegen Jugoslawien und ein 2:0 gegen den Iran. Das zweite Spiel wurde von Ausschreitungen deutscher Hooligans in Lens überschattet, bei denen der französische Polizist Daniel Nivel lebensgefährlich verletzt wurde. Ein Ausschluss Deutschlands vom Turnier stand zur Debatte. Nach einem hart erkämpften 2:1 gegen Mexiko traf Deutschland im Viertelfinale wie bereits bei der vorhergegangenen Europameisterschaft auf Kroatien. Nach einem Platzverweis gegen Christian Wörns verloren die Deutschen 0:3 – die höchste Endrunden-Niederlage seit dem 3:6 gegen Frankreich bei der WM 1958. Kurz nach der Weltmeisterschaft trat Bundestrainer Berti Vogts von seinem Posten zurück, nachdem die Nationalmannschaft in zwei Testspielen wieder nicht überzeugen konnte. Sein Nachfolger Erich Ribbeck war der einzige Bundestrainer, der keine Mannschaft bei einer WM betreute.

Der Konföderationen-Pokal – der aus dem König-Fahd-Pokal hervortrat – war für den Deutschen Fußballbund zunächst wenig interessant, passte den meisten Bundesligavereinen doch die Terminierung bei einer zunehmenden Belastung durch internationale Wettbewerbe nicht ins Konzept. Daher verzichtete der DFB auf die Teilnahme am Konföderationen-Pokal des Jahres 1997, obwohl die Nationalmannschaft als amtierender Europameister qualifiziert war. Stattdessen nahm der Vizeeuropameister Tschechien teil.

Bei der Austragung für den Konföderationen-Pokal des Jahres 1999 sah man sich im Zuge der Bewerbung für die WM 2006 „gezwungen“, als Europameister des Jahres 1996 doch an dem in Mexiko stattfindenden Turnier teilzunehmen. Die von Erich Ribbeck betreute Mannschaft nahm aber ohne große Vorbereitung die Strapazen auf sich und musste gleich im ersten Spiel gegen Brasilien eine herbe 0:4-Niederlage einstecken. Das zweite Spiel gegen den Ozeanienmeister Neuseeland wurde zwar 2:0 gewonnen, das dritte Spiel gegen die USA jedoch mit 0:2 verloren, so dass Deutschland erstmals seit 1984 bei einem Turnier in der Vorrunde ausschied.

Die Qualifikation für die Euro 2000 begann mit einer 0:1-Niederlage in der Türkei, da aber die folgenden sechs Qualifikationsspiele gewonnen wurden, reichte zur direkten Qualifikation im letzten Spiel ein 0:0 gegen die Türkei, bei dem Deutschland erstmals auf heimischem Boden ein „Auswärtsspiel“ bestritt, denn im Münchner Olympiastadion waren mehr türkische als deutsche Zuschauer.

Nachdem eine Revolte der Spieler gegen Trainer Erich Ribbeck abgewehrt werden konnte, startete man schlecht in die Fußball-Europameisterschaft 2000. Gegen den Außenseiter der Gruppe, Rumänien, erreichte man mit Müh und Not ein 1:1-Unentschieden. Im Klassiker gegen England steigerte man sich zwar kämpferisch, verlor aber aufgrund eines Treffers von Alan Shearer mit 0:1. Damit sollte das Vorrundenaus besiegelt sein, schließlich rechneten wenige Beobachter mit einem Sieg gegen Portugal bei einem gleichzeitigen Unentschieden der Rumänen gegen England. Da Rumänien aber sogar gewann, war es umso bitterer, dass die DFB-Elf gegen die B-Mannschaft der bereits qualifizierten Portugiesen eine 0:3-Niederlage einstecken musste. Diese herbe Niederlage besiegelte schließlich das Ende der Ära Ribbeck, den einige als den Totengräber des deutschen Fußballs bezeichneten. Rudi Völler übernahm daraufhin das Amt des Bundestrainers. Dass das Niveau nach Aussage Ribbecks bei Europameisterschaften aufgrund der kleineren Anzahl von Fußball-Zwergen mittlerweile höher sei als bei Weltmeisterschaften, zeigte sich auch im folgenden EM-Turnier 2004.

Mit der Niederlage gegen Portugal endete auch die Ära Matthäus, der als einziger Nationalspieler mehr als 20 Jahre in der Nationalmannschaft gespielt hatte.

Rudi Völler gelang in seinem ersten Spiel mit 4:1 gegen eine noch in der Saisonvorbereitung steckende spanische Mannschaft und einem 1:0 gegen England im letzten Spiel im alten Wembley-Stadion auch ein verheißungsvoller Auftakt. Für die Qualifikation zur Weltmeisterschaft musste die Mannschaft aber in die Relegation gegen die Ukraine, da in der Gruppe nach einer 1:5-Heimniederlage gegen England und einem 0:0 im letzten Spiel gegen Finnland, auf Grund des schlechteren Torverhältnisses, nur der zweite Platz belegt wurde.

Bei der WM 2002 gelang aber der Einzug ins Endspiel, in dem erstmals die beiden Nationalmannschaften aufeinander trafen, die bis dahin die meisten WM-Spiele und die meisten Finalteilnahmen aufzuweisen hatten: Brasilien und Deutschland. Dabei konnten die Deutschen die Erwartungen, die das 8:0 im Auftaktspiel gegen Saudi-Arabien auslöste, lediglich durch die Ergebnisse erfüllen. Diesem höchsten Sieg einer deutschen Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft folgten ein hart umkämpftes 1:1 gegen Irland und ein 2:0 gegen Kamerun. Deutschland zog mit drei 1:0-Siegen gegen Paraguay, die USA und Südkorea in der K.o.-Runde ins Finale ein. Dank des überragenden Oliver Kahn, der mit der Lev-Yashin-Trophäe für den besten Torhüter und dem Adidas Golden Ball für den besten Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde, gelangen drei 1:0-Siege und damit der siebte Einzug in ein WM-Finale. Ohne den gelbgesperrten Michael Ballack, der im Viertel- und Halbfinale den Siegtreffer geschossen hatte, machte die deutsche Mannschaft im Finale ihr bestes Spiel in der K.o.-Runde. Erst in der 67. Minute nutzte Ronaldo einen Fehler von Oliver Kahn zum 1:0. Ein weiteres Ronaldo-Tor in der 79. Minute entschied das Spiel.

Für den Konföderationen-Pokal 2003 war man als Vizeweltmeister ebenfalls qualifiziert, verzichtete aber erneut auf die Teilnahme. Weil die WM-Ausrichtung schon in trockenen Tüchern war, konnte man sich einen Verzicht wiederum leisten.

Pikanterweise traf man in der Qualifikation für die EM 2004 auf die vom ehemaligen Bundestrainer Berti Vogts betreuten Schotten. Das erste Spiel in Glasgow endete 1:1, durch ein 2:1 am vorletzten Spieltag in Dortmund gegen Schottland gelang die Qualifikation, während die Schotten in der Relegation gegen die Niederländer ausschieden. Bei der Europameisterschaft in Portugal musste die Mannschaft wieder die frühe Heimreise antreten. Hatten die deutschen Anhänger nach dem Unentschieden gegen die Niederlande Hoffnung, besiegelten schwache Leistungen beim 0:0 gegen Lettland und der Niederlage gegen die B-Elf von Tschechien das vorzeitige Ausscheiden. Rudi Völler trat anschließend von seinem Amt zurück. Dieser überraschende Rückzug zwei Jahre vor der WM im eigenen Land stellte den DFB vor die schwierige Aufgabe, einen Nachfolger zu finden. Die zu diesem Zweck gebildete „Trainerfindungskommission“ handelte sich aber viele Absagen ein (unter anderen von Ottmar Hitzfeld, Morten Olsen und Arsène Wenger). Nach wochenlanger Suche übernahm den Posten schließlich Jürgen Klinsmann, der der DFB-Führung von Berti Vogts empfohlen worden war.

Da der Confed-Cup in den Jahren vor der Weltmeisterschaft zum Testturnier für die Weltmeisterschaft umgemünzt wurde, war Deutschland 2005 verpflichtet, dieses Turnier auszurichten. Um die Stimmung im Hinblick auf die WM zu verbessern, bot Bundestrainer Jürgen Klinsmann – im Gegensatz zu den späteren Finalisten Argentinien und Brasilien – die seinerzeit nach seiner Meinung besten deutschen Spieler auf. Allerdings hatte Klinsmann die knapp ein Jahr zuvor von Rudi Völler übernommene Mannschaft verjüngt und ihr ein neues, sehr offensives Konzept gegeben. Dies führte dann gegen Australien zu einem wahren Torefestival, an dessen Ende ein 4:3-Sieg für die deutsche Mannschaft stand. Gegen Tunesien gelang es dann sogar beim 3:0, „hinten dicht zu halten“. Gegen die spielstarken, aber nicht in Bestbesetzung angetretenen Argentinier reichte es – im Übrigen ohne Kapitän Michael Ballack – „nur“ zu einem 2:2, was trotzdem den Gruppensieg einbrachte.

Da Brasilien in der anderen Gruppe überraschend gegen Mexiko verloren hatte, kam es im Halbfinale zur Revanche für das WM-Finale von 2002. Die individuelle Klasse der Brasilianer, insbesondere des bei Inter Mailand tätigen Adriano, der zwei Treffer zum 3:2-Sieg der Brasilianer beisteuerte, verhinderte erneut einen Sieg gegen den Rekordweltmeister. So reichte es nur für das „kleine Finale“, in dem die Mexikaner, die ihr Halbfinale erst im Elfmeterschießen gegen Argentinien verloren hatten, der Gegner waren. Erneut kam es zu einem „Tag der offenen Tür“, bei dem die deutsche Mannschaft nach 120 Minuten mit 4:3 die Nase vorn hatte.

Vor Beginn der Heim-WM 2006 wurden die Erfolgsaussichten des DFB-Teams in der Öffentlichkeit eher pessimistisch beurteilt, nicht zuletzt aufgrund schwacher Testspiele (wie dem 1:4 gegen Italien oder einem hart erkämpften 2:2 gegen Japan). Bundestrainer Jürgen Klinsmann, mit neuen Trainingsmethoden und einem vierköpfigen Team (Joachim Löw, Oliver Bierhoff, Andreas Köpke), dagegen erklärte das Erringen des Weltmeistertitels im eigenen Land zum Ziel.

Beim offiziellen Eröffnungsspiel gegen Costa Rica zeigte die deutsche Mannschaft über weite Strecken den vom Bundestrainer anvisierten Angriffsfußball, offenbarte aber beim 4:2-Sieg auch die bekannten Schwächen in der Abwehr. Gegen die auf ein Unentschieden spekulierende polnische Mannschaft wollte lange Zeit über kein Tor fallen, bis kurz vor Schluss der zuvor eingewechselte Oliver Neuville nach einer Flanke des ebenfalls eingewechselten David Odonkor den erlösenden Siegtreffer erzielte. Dieser erste Erfolg über eine europäische Mannschaft in einem Turnier seit 1996 und die Umstände seines Entstehens lösten in Deutschland eine Begeisterungswelle aus. Nach dem klaren 3:0-Erfolg gegen Ecuador hatte das DFB-Team die erfolgreichste Vorrunde seit der WM 1970 absolviert.

Im Achtelfinale traf man auf Schweden, das durch zwei frühe Tore mit 2:0 besiegt wurde. Im Viertelfinale lautete der Gegner Argentinien, das mit ihrem Spielmacher Juan Riquelme und starken Leistungen imponiert hatte. Das DFB-Team setzte sich nach einem 1:1 nach Verlängerung letztendlich dank zweier Paraden von Jens Lehmann mit 4:2 nach Elfmeterschießen durch. Deutschland verpasste nach einem 0:2 nach Verlängerung gegen Italien den Einzug ins Finale der WM 2006. Durch einen 3:1-Sieg gegen Portugal wurde Deutschland Dritter. Mit Miroslav Klose wurde zum zweiten Male nach 1970 (Gerd Müller) ein deutscher Spieler Torschützenkönig einer Weltmeisterschafts-Endrunde. Eine weitere Auszeichnung erhielt Kloses Sturmpartner Lukas Podolski, welcher zum besten Nachwuchsspieler der WM gewählt wurde.

Insgesamt zeigte die Mannschaft eine überzeugende Leistung und wurde von der internationalen Presse dafür gewürdigt. Im eigenen Land wurde sie als „Weltmeister der Herzen“ bezeichnet, weil sie wegen ihrer Spielfreude in einem ansonsten von der Defensive geprägten Turnier die Zuschauer begeistern konnte.

Nach der erfolgreichen Weltmeisterschaft 2006 und dem Rücktritt von Jürgen Klinsmann als Teamchef konnte sich die deutsche Mannschaft unter dem neuen Bundestrainer Joachim Löw als erstes Team für die Fußball-Europameisterschaft 2008 qualifizieren. Bereits nach neun absolvierten Partien war Deutschland die Teilnahme an der Endrunde nicht mehr zu nehmen. Nach der erfolgreichen Qualifikation verlor die Mannschaft aber das darauf folgende Heimspiel gegen Tschechien und wurde am Ende der Qualifikation mit zwei Punkten Rückstand Zweiter der Qualifikationsgruppe D. In der Qualifikation erzielte die Mannschaft die meisten Tore aller Teilnehmer. Prestigeträchtig war ferner ein 2:1-Auswärtserfolg im Freundschaftsspiel gegen England.

Bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 besiegte die deutsche Nationalmannschaft unter Joachim Löw in der Vorrunde zunächst Polen, unterlag dann Kroatien mit 1:2, und zog schließlich durch ein 1:0 gegen Österreich als Gruppenzweiter ins Viertelfinale ein, wo sie auf Portugal traf und mit einem 3:2 zum sechsten Mal das Halbfinale einer EM erreichte. Während des Spieles konnte Löw die Mannschaft nicht betreuen, da er wegen eines Tribünenverweises im Spiel gegen Österreich für das Viertelfinale gesperrt war. Seinen vorläufigen Kader für die EM hatte Löw am 16. Mai auf dem höchsten Berg Deutschlands, der Zugspitze, benannt um sein Motto „Bergtour“ zu unterstreichen.

Am 25. Juni siegten sie im Halbfinalspiel gegen die Türkei mit 3:2 und standen damit zum sechsten Mal im Finale einer Europameisterschaft, wo sie auf Spanien trafen.

Im Endspiel gegen Spanien am 29. Juni unterlag die deutsche Mannschaft mit 0:1 und wurde somit 2008 Vize-Europameister.

Die ersten großen Fußballturniere fanden bei den Olympischen Spielen statt, zunächst 1900 und 1904 als Demonstrationssportart mit Vereinsmannschaften, 1908 als offizielle olympische Sportart. Deutsche Mannschaften nahmen aber in diesen Jahren noch nicht teil. Insgesamt war man nur bei drei von sieben Turnieren für A-Nationalmannschaften dabei.

Die Deutsche Nationalmannschaft ist nach Brasilien (fünf Titel) und Italien (vier WM-Titel) die erfolgreichste Fußballnationalmannschaft der Welt. Bereits siebenmal stand sie im Endspiel einer Fußball-Weltmeisterschaft. Dreimal (1954, 1974 und 1990) konnte die deutsche Mannschaft den Weltmeistertitel gewinnen, viermal (1966, 1982, 1986, 2002) ging sie als Vize-Weltmeister vom Platz. Hinzu kommen drei dritte Plätze bei den WM-Endrunden 1934, 1970 und 2006. Mit Ausnahme der Turniere 1930 und 1950 hat das DFB-Team an allen Weltmeisterschaften teilgenommen, wobei sie 1930 verzichtete (Weltwirtschaftskrise, Aufwendungen für eine Teilnahme in Uruguay konnten nicht aufgebracht werden) und sich 1950 nicht qualifizieren durfte (der DFB gründete sich erst 1949 neu, aufgrund des Krieges wurde er 1945 aufgelöst). Zusammen mit Brasilien hat sie mit 92 Spielen die meisten WM-Spiele bestritten. Bei der WM 1974 nahm zudem die Auswahl des DDR-Verbandes DFV teil.

Die bundesdeutsche Fußballnationalmannschaft konnte sich seit 1972 für alle Europameisterschaftsendrunden qualifizieren und ist damit die Mannschaft mit den meisten Teilnahmen. Bei den ersten Turnieren 1960 und 1964 war man an einer Teilnahme allerdings noch nicht interessiert, da Bundestrainer Sepp Herberger sich durch die EM beim Aufbau für die WM gestört fühlte. Erst unter seinem Nachfolger Helmut Schön wollte sich die Mannschaft erstmals qualifizieren, scheiterte aber dabei. Bei der ersten gelungenen Qualifikation 1972 wurde dann aber sofort der erste Titel gewonnen und mit zwei weiteren Titeln ist Deutschland derzeit Rekordeuropameister. Seitdem nahm Deutschland an allen Endrunden teil und ist das einzige Land, das an allen 1980 bis 1992 mit acht Mannschaften ausgetragenen Turnieren teilnahm. Dreimal schied man aber auch in der Vorrunde aus, was jeweils zu Trainerwechseln führte. Im ersten Spiel der Endrunde der EM 2008 konnte Deutschland erstmals nach zwölf Jahren wieder ein Spiel bei einer Endrunde gewinnen, bei den Turnieren 2000 und 2004 war die Mannschaft sieglos geblieben.

Die Nationalmannschaft nahm bisher zweimal, 1999 als Europameister und 2005 als Gastgeber, am Konföderationen-Pokal teil, zweimal (1997 und 2003) verzichtete man als qualifizierter Europa- bzw. Vizeweltmeister auf die Teilnahme. Für den Konföderationen-Pokal 2009 ist Deutschland nicht qualifiziert.

Die deutsche Nationalmannschaft bestreitet ihre Heimspiele in weißen Trikots und schwarzen Hosen, den Farben Preußens. Weiß, oft auch mit rot, war oder ist zudem auch in anderen Sportarten bei deutschen Sportlern in Gebrauch, bei den Leichtathleten, im Skisport und sogar im Motorsport (abgesehen von den Silberpfeilen). Diese Tradition stammt noch aus den Anfangsjahren der Nationalmannschaft und überstand die verschiedenen politischen Neuordnungen Deutschlands. In diesen Farben gewann Deutschland die jeweils drei WM- und EM-Titel, verlor aber auch 1966 gegen die ausnahmsweise in rot spielenden Engländer, 1970 und 1982 gegen Italien sowie 2002 gegen Brasilien. Die Paarung einer Mannschaft in Gelb-Blau-Weiß gegen eine in Weiß-Schwarz-Weiß wäre noch in den 1970er Jahren mit Rücksicht auf Schwarz-Weiß-Fernseher undenkbar gewesen.

Die Farbe des Auswärtstrikots wechselte häufiger, die meisten Auswärtsspiele – in denen es nicht möglich war mit weißen Trikots zu spielen – bestritt sie mit grünen Trikots und weißen Hosen, den Farben des DFB beziehungsweise denen eines Spielfeldes. Wichtige Spiele in diesen Farben waren zum Beispiel 1954 der 6:1-Sieg im Halbfinale gegen Österreich, 1972 der 3:1-Sieg im Wembley-Stadion oder die 2:3-Niederlage gegen Argentinien 1986 in Mexiko. Kurioserweise führten die Argentinier ihre Niederlage im WM-Finale 1990 auch darauf zurück, dass sie nun diesmal in ihren blauen Reserve-Trikots spielen mussten und nicht in ihren hellblau-weiß-gestreiften Trikots und schwarzen Hosen antreten konnten wie vier Jahre zuvor. Abgesehen von grün kamen zwischenzeitlich auch ein graues und ein schwarzes Trikot zum Einsatz. Seit dem Amtsantritt von Jürgen Klinsmann wird rot als alternative Farbe bevorzugt und anfangs und zuletzt am 27. Mai 2008 gegen Weißrussland auch in einigen Heimspielen eingesetzt. Die rote Farbe wurde gewählt, da Mannschaften in Rot temperamentvoller wirken. Für Zuschauer sind die Spieler in roten Hemden besser sichtbar als in grünen. Aber bereits am 14. April 1911 spielte Deutschland in roten Jerseys und schwarzen Hosen gegen England.

Bei den Olympischen Spielen 1928 spielte die Nationalmannschaft in weißen Hemden mit rotem Brustring und weißen Hosen.

Im Spiel um Platz drei bei der WM 1970 und bei der „Wasserschlacht von Frankfurt“ gegen Polen spielte Deutschland ganz in Weiß, also auch mit weißen Hosen.

Bis zur WM 1986 waren die „Heimtrikots“ der deutschen Nationalelf ausschließlich in Weiß und Schwarz gehalten. Erst in Mexiko gab es einen allerersten Farbklecks auf dem geschneiderten Stoff zu entdecken: Teile des Kragens waren in den Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold gehalten. Zudem wurde auch zeitweise das Markenzeichen des Ausrüsters, die „drei Streifen“, in Schwarz-Rot-Gold auf Weiß ausgeführt. Zwei Jahre später dann eine kleine Revolution: Ein schwarz-rot-goldgelber Streifen zog sich bei der Europameisterschaft 1988 im eigenen Land in Form einer Fieberkurve quer über das deutsche Trikot. Jenes Design brachte zwei Jahre später – bei der WM 1990 in Italien – noch mehr Glück. Deutschland wurde in diesem Dress Weltmeister, nach 1954 und 1974 zum dritten Mal.

1992 bei der EM in Schweden gab es weitere Neuerungen: erstmals prangte, in den US-Profiligen längst üblich, auf dem Rücken der Nachname des jeweiligen Spielers. Zudem wurde die Rückennummer zusätzlich in Kleinformat auf die Vorderseite der Trikots geflockt, bislang war nur die Hose mit der Nummer markiert. Die Schwarz-Rot-Gold-Streifen fanden sich diesmal in Höhe der Schultern wieder. Das WM-Trikot von 1994 mit dem sogenannten „Schwingen-Design“ sollte die Schwingen des deutschen Adlers symbolisieren – jene Trikots wurden allerdings kontrovers diskutiert. Zur EM 1996 besann man sich wieder alter Traditionen und trug ein rein weißes Trikot mit einem schwarzen Wappen auf der linken Brust auf dem in Weiß der Bundesadler aufgestickt war. Eine Neuerung waren die drei Sterne für die drei WM-Titel in Schwarz-Rot-Gold über dem Wappen.

1998 zur WM in Frankreich brachte der Ausrüster wieder etwas mehr Farbe auf das weiße Dress und zwar passend zum Ausrüster-Logo drei Streifen in den deutschen Nationalfarben, die quer über die Brust gingen. Unter beiden Ärmeln war ein breiter schwarzer Streifen angebracht. Für viele sehr einfallslos wirkte das Trikot zur EM 2000. Weiß und Grau waren die dominierenden Farben (weißes Hemd und graue Ärmel). Auch 2002 sparte man an Farben und lief in Asien bei der WM in strahlendem Weiß auf, einzig der Kragen und der Ärmel-Bund waren schwarz abgesetzt. Dieses Jersey sollte an die Trikots der beiden Fußball-Weltmeistertitel von 1954 und 1974 erinnern und ein gutes Omen sein. In Portugal zur EM 2004 wurden die Ärmel des Trikots zu Deutschlandfahnen, und zur WM 2006 im eigenen Land wurden geschwungene Linien in Schwarz-Rot-Gold auf dem Trikot angebracht.

Bei der WM 2006 bestritt Deutschland alle Spiele mit weißen Trikots und schwarzen Hosen. Dies wurde von der FIFA so festgelegt, obwohl bei einer WM auch der Gastgeber nicht automatisch in jedem Spiel „Heimrecht“ genießt.

Die Ausrüstung der Nationalmannschaft wird traditionell von der Firma Adidas gestellt. Ein Mitarbeiter der Firma – in früheren Jahren der Firmengründer Adolf Dassler – gehört bei großen Turnieren zum Betreuerstab der Mannschaft, bei der WM 2006 war das der frühere Bundesligaprofi Manfred Drexler. In der Vergangenheit kam es auch öfter zu Problemen mit einzelnen Spielern, wie beispielsweise Günter Netzer, wenn diese in ihren Vereinen oder durch Privatverträge Schuhe anderer Hersteller trugen. Der DFB konnte sich in diesen Fällen aber immer durchsetzen, so dass die Nationalmannschaft „einheitlich“ antrat. Seit dem EM-Qualifikationsspiel gegen Irland am 2. September 2006 ist es den Spielern freigestellt, Fußballschuhe und Torwarthandschuhe anderer Ausrüster zu tragen.

Mit dem Trikot zur Europameisterschaft 2008 lief die deutsche Mannschaft erstmals am 17. November 2007 gegen Zypern auf. Dabei erstreckt sich ein schwarz-rot-goldener Ring über die Brust. Der schwarze Streifen ist um vieles breiter, um den weiß gehaltenen Trikotnummern einen erkennbaren Hintergrund zu geben. Auch der Adler ist wie zur EM 1996 weiß auf schwarzem Grund. Das neue rote Auswärtstrikot mit einem breiten schwarzen Mittelstreifen soll an das erste Länderspieltrikot im Jahr 1908 erinnern. Die drei Sterne auf dem Trikot stehen für die drei gewonnenen Weltmeisterschaften 1954, 1974 und 1990. Im EM-Kader 2008 trugen elf Spieler der Nationalelf Schuhe von Adidas, sieben Spieler (u.a. Miroslav Klose) von Nike und vier Spieler (u.a. Mario Gómez) Schuhe von Puma. Die Schuhe von Adidas für die Spieler der Nationalelf werden in Scheinfeld in Deutschland hergestellt und sind entsprechend angefertigte individuelle Sondermodelle für die Spieler. So trägt der Schuh des Spielers Michael Ballack vom Typ Predator auch die Namen seiner drei Söhne. Rund sechs Schuhpaare für jeden Spieler wurden von Adidas für elf der Nationalspieler für die EM 2008 gefertigt. Die Handschuhe von Nationaltorhüter Robert Enke stammen vom Hersteller uhlsport.

Nach einer Regeländerung der FIFA dürfen zu den Qualifikationsspielen der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 die Trikots nur noch mit Nummern von eins bis 18 versehen werden. Der DFB legte unmittelbar nach Aufkommen der Regel Protest bei der FIFA ein, da so laut Bierhoff erhebliche Vermarktungsprobleme auftreten werden (So kann z.B. Lukas Podolski seine gewohnte Nummer 20 nicht mehr tragen). Diesen Einspruch wies die FIFA allerdings zurück. Nun hofft der DFB, dass sich mehrere Verbände an einer Klage beteiligen.

Die deutsche Nationalmannschaft hat kein Nationalstadion wie z. B. die Englische Fußballnationalmannschaft mit dem Wembley-Stadion. So finden die Heimspiele seit jeher in wechselnden Stadien statt, wobei die Auswahl von der Bedeutung des Spieles und des Gegners abhängt. In einigen Fällen (WM 1974 und 2006, EM 1988) ergaben sich auch die Spielorte durch den Turnierverlauf, wenn auch im Vorhinein durch das Setzen bei der Auslosung bestimmte Orte bevorzugt wurden.

Bisher spielte die deutsche Mannschaft in 39 zum Zeitpunkt des Spieles deutschen Städten. Das erste Heimspiel und die meisten Spiele (42) fanden in Berlin statt, gefolgt von Hamburg (inkl. Altona) mit 32, Stuttgart mit 29 und Hannover mit 24 Spielen. Auch wenn der FC Schalke 04 während der 1930er Jahre einen Großteil der Nationalmannschaft stellte, fanden zu der Zeit keine Spiele in Gelsenkirchen statt, da die damalige Glückauf-Kampfbahn für Länderspiele zu klein war. Erst 1973 fand nach dem Bau des Parkstadions für die WM 1974 das erste Spiel in Gelsenkirchen statt. Ähnlich erging es Kaiserslautern, dessen 1. FC Kaiserslautern in den 1950ern einen Großteil der Nationalspieler stellte und Mönchengladbach, wo in den 1970ern viele Nationalspieler spielten. Dort fanden erstmals 1987 bzw. 2005 Länderspiele statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die Spiele zunächst nur in den Städten der Bundesrepublik sowie in West-Berlin statt, nach der Wiedervereinigung wurden auch wieder Spiele in den neuen Bundesländern durchgeführt, erstmals am 14. Oktober 1992 in Dresden.

Zurzeit hat das Berliner Olympiastadion mit 74.228 Sitzplätzen die größte Zuschauerkapazität in Deutschland. Nach Um- und Ausbauten kann der Signal-Iduna-Park in Dortmund für internationale Spiele 65.718 Zuschauer aufnehmen. Bis zur Niederlage im Halbfinale der Weltmeisterschaft 2006 gegen Italien war Deutschland dort ungeschlagen, so dass die deutsche Nationalmannschaft regelmäßig wichtige Qualifikationsspiele dort abhielt. Unter anderem fanden das wichtige Play-off-Rückspiel gegen die Ukraine zur Weltmeisterschaft 2002, das Heimspiel gegen Schottland in der Qualifikation zur EM 2004 und das Spiel gegen Russland der WM-Qualifikation 2010 in Dortmund statt.

Die deutschen Stadien gehören weltweit zu den modernsten, wurden sie doch für die Olympischen Spiele 1972, die Weltmeisterschaften 1974 und 2006 sowie die Europameisterschaft 1988 immer wieder modernisiert bzw. neu gebaut. Fünf Stadien werden von der UEFA als Fünfsternestadion eingestuft. Bis in die 1990er Jahre waren die meisten Stadien Mehrzweckbauten, in denen auch Leichtathletikwettbewerbe stattfinden konnten. Danach wurden viele Stadien in reine Fußballstadien umgebaut bzw. direkt als solche errichtet. Stadien mit 400-Meter-Bahnen sind nun die Ausnahme.

Die meisten Spiele außerhalb des heutigen Deutschlands fanden in Wien (19) statt, wobei Heimspiele der reichsdeutschen Auswahl zwischen 1938 und 1942 miteinbezogen sind. Es folgen Stockholm (17, davon drei gegen nichtschwedische Nationalmannschaften während internationaler Turniere), Budapest und Basel (je 15). Außerhalb Europas spielte Deutschland am häufigsten (8) in Mexiko-Stadt, davon nur vier gegen Mexiko. Das erste Spiel außerhalb Europas fand am 28. Dezember 1958 in Kairo gegen Ägypten statt und wurde mit 1:2 verloren. Außer in Australien/Ozeanien und der Antarktis spielte die Nationalmannschaft bisher auf jedem Kontinent.

Die größten Triumphe erlebte die Deutsche Mannschaft in Bern (Weltmeister 1954), Brüssel (Europameister 1972), München (Weltmeister 1974), Rom (Europameister 1980, Weltmeister 1990) und London (Europameister 1996).

Die meisten Zuschauer bei einem Heimspiel gab es am 22. November 1950 beim ersten Spiel nach dem Krieg: 115.000 Zuschauer wollten in Stuttgart das Spiel gegen die Schweiz sehen, das offizielle Fassungsvermögen betrug 80.000. 170.000 waren es beim Auswärtsspiel Brasilien gegen Deutschland (1:0) am 21. März 1982 in Rio de Janeiro. Die wenigsten Zuschauer (je 2.000) gab es bei den drei Spielen der Olympischen Spiele 1912 in Stockholm, von denen eins mit 16:0 gegen Russland den höchsten Sieg einer deutschen Nationalmannschaft brachte.

Der nördlichste Spielort war bisher Reykjavík auf Island, der südlichste die argentinische Hauptstadt Buenos Aires. Spielort mit der größten Zeitdifferenz (- 9 Stunden) war San Francisco (18. Dezember 1993).

In den ersten Jahren hatte die Nationalelf noch keinen Trainer. Die Aufstellung der Mannschaften war das Ergebnis des Proporzdenkens der Landesverbände. Zu den Länderspielen wurde weniger nach Leistung, sondern gemäß einem Quotensystem eingeladen. Dabei standen den einzelnen Landesverbänden bestimmte Positionen zu. Die Aufstellung legte der Spielausschuss fest und der Mannschaftskapitän bestimmte am Spielort die Taktik. Allerdings gab es zu dieser Zeit auch kaum ausgebildete Trainer. Von ihren ersten 58 Länderspielen konnte die Nationalelf lediglich 16 gewinnen, 12 endeten remis und 30 gingen verloren, darunter mit 0:9 die höchste Niederlage. Allerdings gelang in dieser Zeit auch der höchste Sieg. Nachdem Felix Linnemann 1925 DFB-Präsident geworden war, sorgte er dafür, dass mit Otto Nerz der erste Trainer angestellt wurde.

In den ersten Jahren ohne Trainer hatte der Spielführer die Aufgabe die Taktik vorzugeben in der das vom Spielausschuss aufgestellte Team spielen sollte. Erster Spielführer war Arthur Hiller, der es auf vier Länderspiele brachte, davon zwei als Kapitän. Der erste Spieler, der es 1924 auf zehn Einsätze als Kapitän brachte, war Adolf Jäger, damit endete aber seine Karriere in der Nationalmannschaft. Nachdem mit Otto Nerz ein Reichstrainer angestellt wurde, wurde der Kapitän zum verlängerten Arm des Trainers. Unter ihm überbot Ludwig Leinberger 1933 mit seinem letzten Spiel Jägers Rekord. Zwei Jahre später wurde dieser Rekord von Fritz Szepan überboten, der ihn bis 1939 auf 30 Spiele ausbaute. Beim letzten Spiel der reichsdeutschen Auswahl konnte Paul Janes dann den Rekord auf 31 Spiele ausbauen. Dieser hielt 28 Jahre, ehe er am 9. Mai 1970 von Uwe Seeler überboten wurde. Im selben Jahr steigerte Seeler bis zu seinem Abschiedsspiel den Rekord auf 40 Spiele. Am 19. November 1975 gelang es Franz Beckenbauer den Rekord zu überbieten und bis zu seinem letzten Spiel auf 50 Spiele, davon 47 ohne Unterbrechung auszubauen. Karl-Heinz Rummenigge gelang es 1986 im WM-Finale gegen Argentinien in seinem letzten Spiel Beckenbauers Rekord zu überbieten. Dieser hielt sieben Jahre bis ihn Lothar Matthäus überbieten und bis zum 14. November 1999 auf die derzeitige Rekordmarke ausbauen konnte. Matthäus war aber seit 1995 nicht mehr Stammkapitän und fungierte nur als Kapitän wenn Oliver Bierhoff, der damalige Stammkapitän nicht mitspielte oder ausgewechselt wurde. Nachfolger Bierhoffs wurde Oliver Kahn, der die Mannschaft zur WM 2002 und EM 2004 führte. Jürgen Klinsmann ernannte bei seiner Amtsübernahme 2004 Michael Ballack zum Kapitän. Während der Qualifikation für die EM 2008 kam er auf Grund einer langwierigen Verletzung längere Zeit nicht zum Einsatz und wurde dann überwiegend von Bernd Schneider vertreten.

Um besonders verdienstvolle Spielführer zu ehren, die lange Jahre das Amt des Spielführers ausgeübt hatten, wurde 1954 die Ehrenspielführerschaft eingeführt.

Bisher spielten 865 Spieler mindestens einmal in der Nationalelf. Mehr als ein Viertel davon kam nur einmal zum Einsatz. Geprägt wurde die Nationalelf aber durch einige herausragende Spieler. Vier Spieler spielten sogar mehr als 15 Jahre für die Deutsche Nationalmannschaft. Der erste, dem dies gelang, war Adolf Jäger. Er stand bereits im dritten Länderspiel am 3. Juni 1908 in der Mannschaft und absolvierte sein letztes Länderspiel am 14. Dezember 1924. Damit war er 16 Jahre und 190 Tage lang Nationalspieler, kam aber durch die Länderspielpause während und nach dem Ersten Weltkrieg nur auf 18 Spiele. Auch Fritz Walter, der vom 14. Juli 1940 bis zum 24. Juni 1958 für Deutschland spielte, wäre auf mehr Länderspiele gekommen, hätte der Zweite Weltkrieg nicht zu einer achtjährigen Spielpause geführt. Selbst im Alter von 41 Jahren wollte ihn Sepp Herberger noch für die Weltmeisterschaft in Chile (1962) nominieren, obwohl er seit dem 20. Juni 1959 nicht mehr aktiv war. Sein Rekord von 17 Jahren und 345 Tagen hielt bis zum 27. Mai 1998, dann wurde er von Lothar Matthäus überboten, der ihn anschließend auf 20 Jahre und 6 Tage ausdehnte und dabei mit 150 Länderspielen auch die meisten Spiele erreichte. Dabei sah es nach einem Achillessehnenriss im Januar 1995 schon so aus, als sei seine Karriere beendet. 1998 gelang ihm aber ein Comeback in der Nationalmannschaft. Ebenfalls auf mehr als 15 Jahre als Nationalspieler kam Uwe Seeler, der zwischen 16. Oktober 1954 und 9. September 1970 15 Jahre und 328 Tage aktiv war. Bei seinem Debüt war er der drittjüngste Spieler, danach gab es keinen Spieler mehr, der früher in der Nationalmannschaft begann. Auch er stand nach einem Achillessehnenriss 1965 vor einem möglichen Karriereende, war dann aber schon zum entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden wieder einsatzbereit. Selbst als mit Gerd Müller ein Nachfolger auf der Mittelstürmerposition vorhanden war, baute Bundestrainer Helmut Schön noch auf Seelers Erfahrung, und so führte er die Nationalmannschaft als leicht zurückhängende Spitze zur WM 1970. In seinem letzten Spiel gelang es ihm noch, den Rekord von Paul Janes von 71 Länderspielen zu übertreffen. Zählt man die Zeit in der DDR-Nationalmannschaft hinzu, übertrifft zudem Ulf Kirsten die Zeitspanne von 15 Jahren als Nationalspieler, wenn auch nur um 43 Tage. In dieser Zeit bestritt er 49 Spiele für den DFV und 51 für den DFB.

Bisher gelang es fünf Spielern mehr als 100 Spiele für die Nationalelf zu absolvieren, der erste war Franz Beckenbauer, dem dies weltweit erst als fünftem Spieler in einer Zeit gelang, als die Anzahl der jährlich ausgetragenen Spiele deutlich geringer war als heute.

In den Anfangsjahren wechselten sich mehrere Spieler in der Höchstzahl der Länderspiele ab oder hatten gleich viele Spiele. Nimmt man die ersten drei Spiele raus, bei denen es mehrere Spieler mit gleich vielen Spielen gab, so hatte die deutsche Nationalmannschaft in ihrer Geschichte elf Rekordnationalspieler.

Die längste Länderspielserie eines Torwarts ohne Gegentor stammt von Jens Lehmann. In Diensten des FC Arsenal überbot er zunächst beim 3:0 gegen Österreich im Februar 2008 seinen eigenen Rekord aus den Jahren 2002 bis 2005 und dehnte diesen auf 681 Minuten aus, ehe er beim 2:2 gegen Weißrussland im Mai 2008 erstmals wieder hinter sich greifen musste. Sein letzter Gegentreffer zuvor datierte vom Spiel in England im August 2007, seitdem endeten die beiden Spiele gegen Wales sowie die Partien in Irland, gegen Zypern, in Österreich und gegen die Schweiz zu Null.

Der vorherige Rekord war 68 Jahre alt, er stammte noch aus dem Jahr 1937. Hans Jakob von Jahn Regensburg spielte gegen Frankreich, Belgien, die Schweiz, Dänemark und Finnland zu Null. Insgesamt erhielt er während 482 Spielminuten kein Gegentor.

Auf 433 Minuten kommt Hans Tilkowski, der 1966 gegen Rumänien, Jugoslawien, die Schweiz und Argentinien zu Null spielte. Oliver Kahn blieb während der Weltmeisterschaft 2002 insgesamt 427 Minuten ohne Gegentor.

Sepp Maier übertraf zwei Mal die 400-Minuten-Marke. 1966/67 blieb der Bayern-Torwart bei den ersten vier Länderspielen seiner Karriere (gegen Irland, die Türkei, Norwegen und Belgien) ohne Gegentor, insgesamt 423 Minuten lang. Zwölf Jahre später verpasste er seine Bestleistung um 16 Minuten.

Der angegebene Kader umfasst die Nationalspieler, die im Aufgebot für das Freundschaftsspiel gegen Norwegen am 11. Februar 2009 stehen.

Bei großen Turnieren sind mittlerweile eine Vielzahl von Personen zur Betreuung der Nationalmannschaft beschäftigt. Dazu gehörten anfangs insbesondere Physiotherapeuten und Ärzte. Einer der ersten war Erich Deuser, der 1951 von Sepp Herberger für die Nationalmannschaft gewonnen wurde und bis 1982 tätig war. Von 1963 bis 2008 gehörte sein Kollege Adolf Katzenmeier zum Team. Seit 1996 betreut Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt als Orthopäde die Nationalspieler. Mit Beginn der Amtszeit von Jürgen Klinsmann wurde das Amt des Nationalmannschafts-Managers eingeführt und Oliver Bierhoff übernahm als erster diesen Posten. Ebenfalls auf die Initiative von Jürgen Klinsmann geht die Verpflichtung von Fitnesstrainern zurück. Die Aufgabe von Urs Siegenthaler besteht darin, gegnerische Mannschaften zu beobachten und zu analysieren um den Trainern die taktische Einstellung der Mannschaft zu erleichtern.

Seit 1988 wird der Bundestrainer in seiner Arbeit von einem Torwarttrainer unterstützt. Diese Aufgabe übernahm zuerst Sepp Maier, der in der Saison 1986/87 schon beim FC Bayern München als Torwarttrainer gearbeitet hatte und dieses Amt dann ab 1994 auch parallel zur Nationalmannschaft wieder bei Bayern München ausübte. Im Oktober 2004 wurde er nach Differenzen mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann entlassen, da sich Maier für Oliver Kahn und gegen Jens Lehmann als Nummer 1 ausgesprochen hatte. Seitdem ist Andreas Köpke Torwarttrainer bei der Nationalmannschaft.

Bereits 1954 gehörte Adolf Dassler als Zeugwart zum Team und seitdem sind der DFB und adidas Partner. Daher gehört bei Turnieren auch immer ein Mitarbeiter der Firma adidas zum Betreuerstab. Lange Zeit war dies weiterhin Adolf Dassler, derzeit ist dies Manfred Drexler, ein ehemaliger Bundesligaprofi.

Mit dem Amtsantritt von Jürgen Klinsmann im Sommer 2004 wurde auch das Amt des Nationalmannschaftsmanagers geschaffen und mit dem früheren Nationalspieler Oliver Bierhoff besetzt. Als Manager ist er Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainerstab und Verband und ist vorwiegend für die Außenwirkung des Teams sowie die Kontakte zu Sponsoren verantwortlich.

Um Spieler an die A-Nationalmannschaft heranzuführen, gab es verschiedene andere Mannschaften, in denen junge Spieler ihre ersten internationalen Erfahrungen machen konnten. Von 1951 bis 1986 war dies die B-Nationalmannschaft, in der unter anderem Franz Beckenbauer (2 Spiele 1965) und Lothar Matthäus (4 Spiele 1979 bis 1981) begannen. Von 1999 bis 2001 nannte sie sich A2-B-Nationalmannschaft, in ihr spielten z.B. Torsten Frings (5 Spiele 1999 bis 2000) und Bernd Schneider (4 Spiele 1999 bis 2001). 2002 wurde die Mannschaft im Hinblick auf die WM 2006 in Team 2006 umbenannt. Seit 2006 gibt es keine B-Nationalmannschaft des DFB mehr.

Auch die U-21-Mannschaft (ab 1979) und die Olympia-Mannschaft (1982 bis 1998) diente vielen jungen Talenten als Sprungbrett in die A-Nationalmannschaft, z.B. dem späteren Welt- und Europameister Jürgen Klinsmann.

Während die B-Mannschaften nur zu Freundschaftsspielen antraten, nahmen die U-21- und Olympia-Mannschaften auch an internationalen Wettkämpfen teil, so dass den jungen Spielern auch Wettkampfpraxis vermittelt wurde.

Bei Einführung der FIFA-Weltrangliste im August 1993 belegte Deutschland den 1. Platz, fiel aber im Folgemonat auf Rang 5, um im darauf folgenden Monat wieder Platz 1 zu belegen. Nach Platz 3 im November 1993 belegte Deutschland von Dezember bis Juni 1994 ununterbrochen Platz 1, musste sich diese Platzierung aber teilweise mit anderen Ländern teilen, da in der Anfangszeit der Rangliste diese wenig differenziert war. Nach dem Aus im Viertelfinale der WM 1994 fiel Deutschland auf Rang 3 zurück und pendelte in der Folgezeit zwischen Platz 5 und 2. Im Februar 1997 konnte noch einmal und bis heute zum letzten Mal Platz 1 (gemeinsam mit Brasilien) belegt werden. Nach dem Aus in der Vorrunde bei der EM 2000 belegte Deutschland mit Platz 11 erstmals keinen Platz unter den ersten Zehn. Den schlechtesten Platz belegte Deutschland im März 2006: Nach der 1:4-Niederlage in Italien rutschte Deutschland auf Platz 22 ab. Dafür verantwortlich war aber auch, dass Deutschland vor der WM im eigenen Land keine Qualifikationsspiele bestreiten musste und Freundschaftsspiele schwächer gewichtet wurden. Nach der WM wurde die Ranglistenberechnung modifiziert und Deutschland erreichte Platz 9. Seitdem ging es langsam aufwärts, und im August 2008 wurde wieder Platz 2 erreicht.

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Fußball-Weltmeisterschaft 2006

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Die Endrunde der 18. Fußball-Weltmeisterschaft der Männer (offiziell: 2006 FIFA World Cup Germany, auf Deutsch FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006) wurde vom 9. Juni bis zum 9. Juli 2006 in Deutschland ausgetragen. Es traten 32 Nationalmannschaften zunächst in Gruppen- und danach in Ausscheidungsspielen gegeneinander an.

Italien gewann das Turnier durch einen Sieg im Elfmeterschießen gegen Frankreich und wurde damit zum vierten Mal nach 1934, 1938 und 1982 Fußball-Weltmeister. Den dritten Platz belegte die Mannschaft Deutschlands, die mit Miroslav Klose, der während des Turniers fünf Tore erzielte, auch den Torschützenkönig stellte.

Fußballerisch war das Turnier vor allem von Taktik und Athletik geprägt, insbesondere Weltmeister Italien legte Wert auf eine eher defensive Grundordnung. Speziell ab dem Achtelfinale blieben echte „Fußballfeste“ aus, viele Spiele endeten mit wenigen Toren. Auf den Rängen hingegen sorgten das vierwöchige Sommerwetter und die Begeisterung der Zuschauer für ausgelassene Stimmung im Umfeld der Weltmeisterschaft, die in Deutschland retrospektiv als „Sommermärchen“ bezeichnet wird.

Die Idee zu einer Bewerbung Deutschlands als Ausrichter der 18. Fußball-Weltmeisterschaft entstand auf einer Präsidiumssitzung des DFB im November 1992. Seit diesem Zeitpunkt warben insbesondere der damalige DFB-Präsident Egidius Braun und der damalige DFB-Pressesprecher Wolfgang Niersbach intensiv um Unterstützung im eigenen Land und bei befreundeten Verbänden. Ende 1996 konnte Franz Beckenbauer als WM-Botschafter gewonnen werden. Beckenbauer war von 1998 an Chef des deutschen Bewerbungskomitees und überreichte als solcher auch dem FIFA-Präsidenten Sepp Blatter die offizielle Absichtserklärung des Verbandes zur Ausrichtung der WM.

Bei der endgültigen Abstimmung um den Austragungsort setzte sich Deutschland am 6. Juli 2000 gegen Brasilien, Marokko, England und letztlich im Finale in Zürich mit zwölf zu elf Stimmen gegen Südafrika durch. Möglicherweise ausschlaggebend für das Stimmenverhältnis war dabei ein fingiertes Bestechungsfax des deutschen Satiremagazins Titanic, das nach dessen eigener Aussage zur entscheidenden Stimmenthaltung des neuseeländischen FIFA-Vertreters Charles Dempsey führte. Dieser war von seinem Verband eigentlich dazu aufgefordert gewesen, für Südafrika zu stimmen. In diesem Fall hätte die Stimme von Präsident Blatter den Ausschlag für Südafrika gegeben.

Das Motto der Bewerbung 1997 lautete „Wir sehen uns im Herzen Europas“. Das Motto für die Endrunde wurde am 19. November 2002 bekannt gegeben: Die Welt zu Gast bei Freunden. Es sollte die Verbundenheit der Deutschen mit dem Sport und ihre Gastfreundschaft ausdrücken. Als Logo wurden die Celebrating Faces of Football gewählt.

Insgesamt zwölf Städte waren Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft. Bei dem Vergabeverfahren sollten die modernsten und sichersten Stadien Deutschlands ausgewählt werden, zudem hatte eine flächendeckende Verteilung über Deutschland sichergestellt werden sollen. Die Stadien der zwölf Austragungsorte wurden im Vorfeld der WM entweder erweitert und modernisiert oder komplett neu gebaut.

Alle Stadien, die einen Sponsor im Namen trugen, wurden während der WM in FIFA WM Stadion umbenannt, um die FIFA-Sponsoren hervorzuheben. Die Namen der übrigen Stadien blieben unverändert.

Insgesamt betrug die Zuschauerkapazität der zwölf WM-Stadien 623.000 Sitzplätze, was einem Schnitt von etwa 52.000 Zuschauern pro Stadion entspricht. Aufgrund der im Vergleich zu Spielen in der Bundesliga strengeren Sicherheitsbestimmungen der FIFA fassten alle Stadien deutlich weniger Plätze als vor und nach der WM.

An allen Spielorten der Weltmeisterschaft wurden vier Vorrundenspiele und jeweils ein Achtel- oder Viertelfinale ausgetragen.

Berlin: Im Heimstadion von Hertha BSC und dem größten deutschen Stadion während der WM, dem 72.000* Sitzplätze fassenden Olympiastadion, wurde unter anderem am 9. Juli 2006 das Finale ausgetragen.

Dortmund: Das FIFA WM-Stadion Dortmund hatte eine Kapazität von immerhin 65.000* Plätzen, ist aber im regulären Betrieb als Signal Iduna Park (früher: Westfalenstadion) das größte Stadion der Bundesrepublik. Die Heimat von Borussia Dortmund war unter anderem Schauplatz des ersten Halbfinalspiels zwischen Deutschland und Italien.

Frankfurt am Main: Im FIFA WM-Stadion Frankfurt, der Heimat von Eintracht Frankfurt, konnten während der FIFA-Veranstaltungen nur 48.000* Zuschauer die Spiele verfolgen. Das alte Waldstadion wurde bei laufendem Betrieb vollständig umgebaut und 2005 in Commerzbank-Arena umbenannt.

Gelsenkirchen: Das FIFA WM-Stadion Gelsenkirchen ist das Heimatstadion des Fußballvereins FC Schalke 04. Die im August 2001 als Arena auf Schalke eröffnete Veltins-Arena umfasste während des Turniers 52.000* Sitzplätze.

Hamburg: Im FIFA WM-Stadion Hamburg, der Heimstätte des Hamburger SV, konnten 50.000* Zuschauer die WM-Spiele verfolgen. Der Neubau, der bei laufendem Betrieb aus dem 1953 errichteten Volksparkstadion entstand, hieß zum damaligen Zeitpunkt AOL Arena.

Hannover: Im FIFA WM-Stadion Hannover, der Heimat des Fußballclubs Hannover 96, fanden 43.000* Zuschauer während der WM Platz. Das ehemalige Niedersachsenstadion wurde umgebaut und am 23. Januar 2005 als AWD-Arena eingeweiht.

Kaiserslautern: Im Fritz-Walter-Stadion empfängt während des regulären Ligabetriebs der 1. FC Kaiserslautern seine Gäste. Bei der WM-Endrunde reduzierte sich die Kapazität des Stadions auf 46.000* Plätze.

Köln: Im FIFA WM-Stadion Köln, der Heimat des 1. FC Köln, fanden fünf WM-Spiele statt. Das umgebaute Müngersdorfer Stadion ist normalerweise nach dem regionalen Stromversorger RheinEnergieStadion benannt und bot während der Weltmeisterschaft 45.000* Zuschauern Platz.

Leipzig: Das Zentralstadion ist die Spielstätte des Oberligisten FC Sachsen Leipzig. In den alten Stadionwall wurde ab 2000 ein modernes, reines Fußballstadion eingebaut und am 17. Juli 2004 offiziell eröffnet. Während der WM 2006 hatte es eine Kapazität von 43.000* Sitzplätzen.

München: Im FIFA WM-Stadion München fanden unter anderem das Eröffnungsspiel des Turniers und das Halbfinale zwischen Portugal und Frankreich statt. Das Stadion mit 66.000* Sitzplätzen wurde am 30. Mai 2005 eröffnet und wird gemeinsam vom FC Bayern München und dem TSV 1860 München genutzt. Vor und nach der WM heißt das Stadion Allianz-Arena.

Nürnberg: Im Frankenstadion, der Heimstätte des 1. FC Nürnberg, konnten 41.000* Zuschauer die WM-Spiele verfolgen. Die Sportstätte wurde am 15. März 2006 in easyCredit-Stadion umbenannt, wobei jedoch für die Zeit der WM der alte Name verwendet wurde.

Stuttgart: Im früheren Gottlieb-Daimler-Stadion trägt der Fußballverein VfB Stuttgart seine Heimspiele aus. Bei der WM betrug die Zuschauerkapazität 52.000*. Zwar bezog sich der Name des Stadions auf den Automobilhersteller DaimlerChrysler, benannt war es jedoch nach Gottlieb Daimler und nicht nach dem Konzern, weswegen die Namensgebung von der FIFA anerkannt wurde. Stuttgart war Austragungsort des Spiels um Platz drei.

Hauptartikel: Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im Jahre 2006 dauerte vom 6. September 2003 bis zum 16. November 2005. 197 von 204 Verbänden waren in die WM-Qualifikation gestartet, nur 31 Mannschaften blieben schließlich übrig. Erstmals war der amtierende Weltmeister (in diesem Fall Brasilien) nicht automatisch für die Endrunde qualifiziert. Deutschland hingegen war als Gastgeber gesetzt und komplettierte das Feld der Endrundenteilnehmer. In sechs Zonen wurden die 31 Teilnehmer (zuzüglich des direkt qualifizierten Gastgebers) folgendermaßen ermittelt.

Europa hatte bei der Weltmeisterschaft dreizehn Startplätze, hinzu kam der Gastgeber Deutschland. Die Sieger der acht Qualifikationsgruppen und die beiden besten Gruppenzweiten konnten sich direkt für die WM in Deutschland qualifizieren. Die sechs übrigen Gruppenzweiten trugen am 12./16. November 2005 in Hin- und Rückspielen („Play-off-Spielen“) die Entscheidung um die drei restlichen europäischen Vertreter aus.

Südamerika hatte vier direkte Startplätze. Zehn Mannschaften spielten jeweils gegeneinander mit Hin- und Rückrunde, die besten vier waren direkt für die WM qualifiziert. Der Fünfte hatte die Chance, in zwei Ausscheidungsspielen gegen den Sieger aus Ozeanien ebenfalls noch den Sprung in die Endrunde zu schaffen. Uruguay konnte sich aber dieses Mal in der Relegation nicht gegen Australien durchsetzen.

Der Fußballverband Nord- und Mittelamerikas und der Karibik, der CONCACAF, hatte drei direkte Startplätze. Die Qualifikation war dort in drei Phasen unterteilt. Aus der ersten Runde hatten sich zwölf Teilnehmer für die zweite Runde qualifiziert. Danach wurde in drei Vierergruppen weitergespielt. Die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe rückten in die dritte Runde auf. Diese sechs Mannschaften spielten vom 9. Februar bis 12. Oktober 2005 in einer Gruppe jeweils gegeneinander mit Hin- und Rückspiel. Die drei Besten waren direkt qualifiziert. Der Vierte der CONCACAF trat noch in einem Hin- und Rückspielduell gegen den Fünften aus Asien an.

In der Afrika-Zone hatten sich bis auf Dschibuti alle 52 Verbände für die Vorrunde angemeldet. Die fünf afrikanischen Teilnehmer am FIFA-Weltpokal 2002 sowie die vier in der FIFA-Weltrangliste vom 25. Juni 2003 am besten platzierten afrikanischen Mannschaften stießen direkt in die zweite Runde vor. Die übrigen 42 Mannschaften wurden einander zugelost, die 21 Sieger aus Hin- und Rückspiel stießen ebenfalls in die zweite Runde vor. Die 30 Mannschaften der zweiten Runde waren in fünf Sechsergruppen aufgeteilt, deren Gruppensieger sich für die WM qualifizierten.

Asien spielte mit insgesamt 32 Mannschaften, die in acht Gruppen aufgeteilt waren. Sieben der 32 Mannschaften mussten sich zuvor noch gegen sieben andere Teams in Hin- und Rückspiel für die 2. Runde qualifizieren. Die acht Gruppensieger erreichten die dritte Runde (9. Februar bis 17. August 2005), die in zwei Vierergruppen ausgetragen wurde. Der Erste und der Zweite dieser beiden Gruppen qualifizierten sich direkt. Die beiden Dritten spielten gegeneinander, der Sieger trug anschließend zwei Finalspiele gegen den Vierten aus CONCACAF um die Teilnahme an der Endrunde aus. In diesen Spielen war Bahrain gegen die Mannschaft aus Trinidad und Tobago unterlegen.

Ozeanien hatte keinen direkten Startplatz. Sechs Mannschaften blieben nach der ersten Runde übrig; diese spielten eine einfache Jeder-gegen-Jeden-Runde. Der Erst- und Zweitplatzierte trafen am 3. September und 6. September 2005 im „Play-off“ gegeneinander an. Der Sieger traf auf den Fünften aus Südamerika (ebenfalls in Hin- und Rückspiel).

Von diesen nahmen Tschechien, die Ukraine, Angola, die Elfenbeinküste, Ghana, Togo sowie Trinidad und Tobago erstmals an einer Weltmeisterschaftsendrunde teil.

Im Vorfeld des Turniers wurden folgende Änderungen der Spiel- und Turnierregeln durch den Weltverband FIFA beschlossen.

Aus einer Vorauswahl von 44 Schiedsrichtern wurden zunächst 23 Referees von der FIFA für die Weltmeisterschaft nominiert, von denen drei nach ausgiebigen Fitnesstests im Vorfeld des Turniers noch ausgetauscht wurden. Kurz vor der WM wurde ferner der Italiener Massimo De Santis aufgrund seiner Beteiligung am Skandal um manipulierte Spiele in seinem Heimatland gestrichen, zudem zog sich der jamaikanische Unparteiische Peter Prendergast eine Knieverletzung zu und reiste zurück in seine Heimat.

Hinsichtlich der Auswahl der Schiedsrichter wurde kritisiert, die FIFA habe nicht die besten Schiedsrichter zur WM eingeladen, sondern vor allem auf den Kontinentalproporz geachtet.

Das Eröffnungsspiel wurde von Horacio Elizondo geleitet, der auch das Finale pfiff. Elizondo ist der erste Schiedsrichter, dem die Ehre dieses „Doppeleinsatzes“ zuteil wurde.

Im Gegensatz zu früheren WM-Turnieren wurden überwiegend Schiedsrichtergespanne eingesetzt, die auch im Ligabetrieb zusammen agieren. Erstmals standen zudem auch alle Schiedsrichter über Funk (Headset) mit ihren Assistenten in Verbindung. Neben dem international üblichen vierten Offiziellen stand dem Gespann auf dem Platz bei dieser Weltmeisterschaft auch ein fünfter Schiedsrichter zur Seite.

Kontrovers wurde das Vorgehen der FIFA diskutiert, den Schiedsrichtern bei der Weltmeisterschaft neue Regelauslegungen vorzuschreiben. So sollten zum Schutz der Spieler Grätschen in die Beine des Gegenspielers konsequent mit der Roten Karte bestraft werden, ebenso der übermäßige Einsatz des Ellenbogens in Kopfball- und Laufduellen. Daneben sollten Spielverzögerungen wie das Festhalten des Balles bei Freistoßentscheidungen gegen die eigene Mannschaft mit einer Gelben Karte geahndet werden.

Während die Entscheidungen der Unparteiischen während der ersten Spiele als zufriedenstellend beurteilt wurden, häuften sich im Laufe des Turniers die strittigen Entscheidungen massiv. Insbesondere die unterschiedlichen Bewertungen bei überhartem Körpereinsatz brachten den Schiedsrichtern Kritik ein. So gab es während dieser Weltmeisterschaft zwei Spiele mit drei Platzverweisen, im Achtelfinale zwischen Portugal und den Niederlanden wurden sogar vier Spieler des Feldes verwiesen. Insgesamt haben die Schiedsrichter 26 Platzverweise ausgesprochen.

Experten kritisierten, dass gerade die Weltmeisterschaft als sportlich bedeutendste Veranstaltung im Fußball nicht als Spielwiese für Regeländerungen benutzt werden dürfe. Die Regeln und ihre Auslegung müssten bereits im Vorfeld für Spieler und Schiedsrichter aus der Praxis der Saison bekannt sein. Die FIFA ist jedoch der Meinung, dass die Weltmeisterschaft aufgrund ihrer Bedeutung am Besten sei, da sich die Schiedsrichter in aller Welt die Umsetzung der neuen Regelungen anschauen bzw. abschauen konnten und so eher ein weltweiter Standard in der Regelumsetzung erreicht werden könnte.

Für das Turnier wurde in allen zwölf Stadien die gleiche Rasenmischung verwendet, was durch das Rasenkompetenzteam sichergestellt wurde. Sie wurde von zwei Unternehmen aus Hessen und den Niederlanden produziert und bestand zu 25 % aus Weidelgras und zu 75 % aus Wiesenrispe. Der Rasen wurde jeweils fünf Stunden vor Spielbeginn auf eine Höhe von 28 Millimeter gestutzt. Von Seiten der Spieler und Trainer wurde der Rasen mehrfach als zu trocken und stumpf kritisiert. Vergleichsweise häufig rutschten Spieler während der Partien auf dem Rasen aus. Dies wurde zwar am Rande als ärgerlich wahrgenommen, stellte jedoch kein wirkliches Problem dar.

Spielball des Turniers war der +Teamgeist, der ebenso wie die Ausrüstung der Schiedsrichter von WM-Sponsor adidas produziert wurde. Er wurde im Rahmen der Endrundenauslosung am 9. Dezember 2005 in Leipzig offiziell vorgestellt. Im Finale der Weltmeisterschaft wurde eine goldene Version des Geräts eingesetzt; Weltmeister Italien darf den +Teamgeist Berlin nun für die nächsten vier Jahre bei Länderspielen einsetzen.

Vor allem in seiner geometrischen Form unterschied sich der Ball von den klassischen Fußbällen, die aus zwölf Fünf- und 20 Sechsecken zusammengesetzt sind. Der +Teamgeist bestand dagegen aus 14 zungenartigen Plastikteilen und bot dadurch nur eine geringe Abweichung von einer idealen Kugel. Eine Konsequenz dieser neuartigen Konstruktionsweise war nach Meinung einiger Experten die Vielzahl an Weitschusstoren im Verlaufe des Turniers, die auf die veränderten Flugeigenschaften des Balls zurückgeführt wurden.

Die Endrundenauslosung, bei der die endgültigen Paarungen ermittelt wurden, fand am 9. Dezember 2005 in Leipzig statt.

Für die Auslosung wurden die qualifizierten Mannschaften in vier Töpfe aufgeteilt. Die Zuordnung erfolgte nach einem Beschluss der FIFA vom 6. Dezember. Als Grundlage diente eine Setzliste, bei der die Ergebnisse der letzten beiden WM-Turniere und die Positionen in der Weltrangliste der letzten drei Jahre berücksichtigt wurden.

Deutschland überraschte bereits im Eröffnungsspiel mit einer sehr offensiven Spielweise und hohem Tempo. Die gegen Costa Rica noch vorhandenen Probleme in der Defensive konnten in den beiden weiteren Gruppenspielen weitgehend kompensiert werden, schon im Spiel gegen Polen fand die Elf zu alter Abwehrstärke zurück und dominierte weitgehend die Partie. Das Tor zum 1:0-Erfolg fiel allerdings erst in der Nachspielzeit. In ihrem letzten Gruppenspiel zeigte die DFB-Elf dann ihre bislang beste Leistung, dominierte den Gegner aus Ecuador nach Belieben und zog verdient als Gruppensieger in das Achtelfinale ein.

Die Qualität des Teams aus Ecuador war vor Beginn des Turniers nicht einfach einzuschätzen, viele Spiele in der Qualifikation gewannen sie in der sauerstoffarmen Höhenluft ihres Nationalstadions in Quito. Für viele war es daher überraschend, dass sie in den ersten beiden Gruppenspielen durch eine sehr kompakte Spielweise überzeugten. Sowohl gegen Polen als auch gegen Costa Rica erzielten sie die beiden Führungstreffer in der ersten halben Stunde und konnten so den Gegner weitgehend kontrollieren. Im abschließenden Gruppenspiel wurden bereits viele Stammspieler für das Achtelfinale geschont, entsprechend chancenlos war das Team gegen Deutschland.

Die polnische Elf konnte wie schon vier Jahre zuvor die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Der überraschenden Auftaktniederlage gegen Ecuador folgte eine unglückliche, aber verdiente Niederlage gegen Deutschland, so dass bereits nach dem zweiten Gruppenspieltag das Vorrundenaus feststand. Immerhin konnte die WM mit einem Erfolg gegen Costa Rica und dem daraus resultierenden dritten Platz in der Gruppe beendet werden.

Costa Rica war nur im Eröffnungsspiel streckenweise in der Lage, mit dem Gegner mitzuhalten. Dort fiel insbesondere Paulo Wanchope auf, der die deutsche Abwehr zweimal überlisten konnte. Vor allem gegen Ecuador war das Team dann aber klar unterlegen, und auch gegen Polen stand am Ende eine verdiente Niederlage. Ohne Punkte verabschiedete man sich letztlich als Gruppenletzter von der Weltmeisterschaft.

Favorit der Gruppe B war England. Glanzlos gewann man das erste Spiel durch ein frühes Eigentor des Gegners aus Paraguay. Auch im zweiten Spiel taten sich die Engländer gegen Trinidad und Tobago schwer und erzielten die beiden Tore zum 2:0 erst in der Schlussphase. Nur im letzten Spiel gegen Schweden konnte das englische Team – allerdings nur in der ersten Halbzeit – überzeugen. In einer hochklassigen Partie kassierte die englische Elf den Ausgleich erst in den letzten Minuten des Spiels, nachdem Schweden in der zweiten Halbzeit stark aufspielte.

Die schwedische Mannschaft startete mit einem enttäuschenden 0:0 gegen die krassen Außenseiter aus Trinidad und Tobago in das Turnier. Deutlich verbessert zeigte man sich jedoch einige Tage später, als man hochverdient gegen Paraguay gewinnen konnte. Das Tor zum 1:0 fiel zwar erst in der Schlussphase, zuvor waren jedoch beste Chancen ausgelassen worden. In der letzten Partie gegen England machte das Team dann durch ein 2:2 die Qualifikation für das Achtelfinale perfekt, wobei es in der zweiten Halbzeit seine beste Turnierleistung zeigte.

Paraguay startete als Geheimtipp in das Turnier, wurde seinem Ruf jedoch in keiner Phase gerecht. Gegen England geriet man durch ein Eigentor früh in Rückstand und konnte in der Offensive kaum gefährliche Aktionen entwickeln. Gegen Schweden war man vor allem darauf bedacht, nicht zu verlieren, um durch einen Sieg gegen die Außenseiter aus Trinidad und Tobago noch Gruppenzweiter werden zu können. Das späte Tor der Schweden ließ jedoch alle Träume vom Achtelfinale platzen, auch wenn im letzten Spiel gegen Trinidad und Tobago doch noch drei Punkte eingefahren werden konnten.

Obwohl man das Turnier als einziges Team ohne eigenen Treffer beenden musste, war die Mannschaft von Trinidad und Tobago eine der Überraschungen der WM. Gegen Schweden konnte man einen Punkt holen, vor allem dank der starken Leistung des Ersatzkeepers Hislop. Gegen England war man nur wenige Minuten vom erneuten 0:0 entfernt und verlor erst durch zwei späte Tore. Im letzten Gruppenspiel gegen Paraguay hätte es eines Sieges bedurft, um noch theoretische Chancen auf das Achtelfinale zu besitzen. Trotz der 0:2-Niederlage konnte das Team jedoch erhobenen Hauptes in die Heimat zurückreisen.

Für viele Experten galt Argentinien nach der Vorrunde als Topfavorit auf den Titel. Die Südamerikaner gewannen zunächst in einer der besten Partien des Turniers gegen die starke Mannschaft der Elfenbeinküste, um im zweiten Gruppenspiel das als defensivstark bekannte Team aus Serbien und Montenegro mit 6:0 zu besiegen. In der letzten Partie genügte der Albiceleste ein Unentschieden gegen die ebenfalls für das Achtelfinale qualifizierten Niederlande zum Gruppensieg.

Die Niederlande wurden in der stärksten Gruppe des Turniers dank drei konzentrierter Leistungen Gruppenzweiter. Gegen Serbien und Montenegro konnte man das entscheidende 1:0 bereits nach einer Viertelstunde erzielen und auch in der zweiten Partie gegen die Elfenbeinküste machte man den Sieg bereits in der ersten Hälfte perfekt. Im abschließenden Spiel gegen Argentinien wurde der Gruppensieg durch das 0:0 jedoch verpasst.

Trotz dreier überzeugender Leistungen schied die Elfenbeinküste als Dritter aus dem Turnier aus. Entscheidend für die Niederlagen war, dass die Afrikaner in allen drei Gruppenspielen bereits in der ersten Hälfte mit 0:2 in Rückstand gerieten. Gegen die Favoriten aus Argentinien und Niederlande konnte man nur noch auf 1:2 verkürzen, gegen Serbien und Montenegro reichte es im unbedeutenden Spiel um den dritten Platz in der Gruppe immerhin noch zu einem 3:2-Erfolg.

Serbien und Montenegro zeigte eine enttäuschende Leistung während des Turniers. Aufgrund der souveränen Qualifikation mit nur einem Gegentor war dem Team auch gegen die drei offensivstarken Gruppengegner einiges zugetraut worden. Während man gegen die Niederlande nur mit 0:1 verlor, brach die Mannschaft beim Debakel gegen Argentinien jedoch völlig auseinander. So wurde auch das letzte Spiel gegen die Elfenbeinküste trotz einer 2:0-Führung noch verloren.

Portugal trat in der Vorrunde überraschend defensiv auf. Bereits im ersten Gruppenspiel gegen den krassen Außenseiter aus Angola tat die Elf von Trainer Scolari nur das Nötigste und verwaltete das frühe 1:0 bis zum Schlusspfiff. Auch gegen den Iran hatten die Portugiesen das Spiel zu jedem Zeitpunkt im Griff und konnten so bereits nach zwei Spielen den Einzug ins Achtelfinale feiern. Erst im letzten Spiel gegen Mexiko hatte man es mit einem ähnlich starken Gegner zu tun, dennoch konnte man durch das 2:1 den Gruppensieg feiern.

Bei den Auftritten Mexikos wechselten sich Licht und Schatten ab. Dem mühevollen, aber verdienten 3:1 gegen den Iran folgte ein enttäuschendes torloses Unentschieden gegen die WM-Neulinge aus Angola. Nur bei der 1:2-Niederlage gegen den Gruppensieger Portugal zeigten die Mexikaner eine starke Leistung. Allerdings ließen sie neben einem verschossenen Strafstoß weitere hochkarätige Chancen aus, so dass sie letztlich nur Gruppenzweiter wurden.

Angola war eine der positiven Überraschungen des Turniers. Obwohl das Team praktisch nur aus Spielern unterklassiger europäischer Vereine bestand, konnte die Mannschaft in allen Vorrundenpartien dem Gegner Paroli bieten. Dem 0:1 gegen Portugal folgte ein Remis gegen Mexiko, so dass für die Afrikaner im letzten Spiel gegen den Iran sogar noch die Qualifikation für das Achtelfinale möglich war. Obwohl Angola Mitte der zweiten Halbzeit in Führung ging, konnte die Partie jedoch nicht gewonnen werden und endete 1:1.

Der Iran blieb praktisch im gesamten Turnierverlauf unter seinen Möglichkeiten. Insbesondere konditionell wirkten die Spieler nicht auf der Höhe. Sowohl gegen Mexiko als auch gegen Portugal gerieten die Perser durch Abwehrschwächen in der zweiten Halbzeit in Rückstand, beide Partien wurden folgerichtig auch verloren. Erst im letzten Spiel gegen Angola konnten die Männer um Ali Daei und Ali Karimi immerhin ein Unentschieden erreichen – gemessen an den Erwartungen jedoch viel zu wenig.

Italien startete wie erwartet in das Turnier. Das Team bezwang den WM-Neuling aus Ghana dank einer kontrollierten Spielweise mit 2:0 und profitierte dabei von den Abwehrschwächen der Afrikaner. Gegen die Vereinigten Staaten reichte es dagegen nur zu einem 1:1, trotz numerischer Überzahl in der zweiten Halbzeit. Die Partie war vor allem durch die drei Platzverweise geprägt, spielerische Highlights waren selten. Im letzten Gruppenspiel folgte ein Erfolg gegen den ersatzgeschwächten Geheimtipp aus Tschechien, so dass die Italiener letztlich einen verdienten Gruppensieg feiern konnten.

Trotz der Auftaktniederlage gegen Italien konnte sich Ghana als Gruppenzweiter für das Achtelfinale qualifizieren. Besonders gegen die starken Tschechen zeigten die Afrikaner eine berauschende Leistung und gewannen letztlich hochverdient mit 2:0. So hätte gegen die USA im letzten Spiel auch ein Unentschieden gereicht, durch den 2:1-Erfolg wurde Platz zwei jedoch souverän eingefahren.

Tschechien startete mit einem furiosen 3:0 gegen die USA in das Turnier, dabei bildeten die beiden Dortmunder Tomáš Rosický und Jan Koller die Säulen einer starken Mannschaft. Jedoch währte die Freude über diesen Erfolg nur kurz, denn viele Spieler trugen Blessuren davon. Folgerichtig: Bereits gegen den Außenseiter aus Ghana wurde in einer tollen Partie mit 0:2 verloren. Und auch im letzten Gruppenspiel gegen Italien konnte das Team keine Punkte holen, so dass die Tschechen erstaunlich früh die Heimreise antreten mussten.

Die USA musste sich in einer starken Gruppe erwartungsgemäß mit Platz vier begnügen. Zwar folgte auf die desolate Leistung in der Auftaktpleite gegen Tschechien ein verdientes 1:1 gegen Italien, in dem die Amerikaner nicht nur kämpferisch zu überzeugen wussten, für ein Weiterkommen reichte es dennoch nicht. Ein fragwürdiger Elfmeter brachte die Vereinigten Staaten gegen Ghana auf die Verliererstraße, am Ende blieb es bei nur einem Punkt aus drei Spielen.

Trotz dreier Siege enttäuschte Brasilien seine Anhänger in den ersten Turniertagen. Nur in der zweiten Halbzeit gegen Japan war die herausragende Spielkultur des Teams erkennbar, davor dominierten Sicherheitsdenken und Ergebnisverwaltung. Bereits Kroatien und Australien hätten zuvor bei einer konsequenteren Chancenauswertung einen Punkt gegen die favorisierten Brasilianer holen können. Japan war in der ersten Halbzeit überlegen und hatte Pech, dass Ronaldo mit dem Halbzeitpfiff den Ausgleich köpfte. Das Team erschien insgesamt überaltert, und die herausragenden Spieler des europäischen Vereinsfußballs, insbesondere der Weltfußballer Ronaldinho, wirkten überspielt.

Australien qualifizierte sich überraschend als Gruppenzweiter für das Achtelfinale. Zu Beginn des Turniers gab es gegen Japan einen 3:1-Erfolg, der durch drei späte Tore in der Schlussphase eingefahren werden konnte. Auch gegen Brasilien wusste das Team zu überzeugen, die 0:2-Niederlage fiel um mindestens ein Tor zu hoch aus. Dennoch reichte im letzten Gruppenspiel ein Punkt gegen Kroatien für das Weiterkommen, der in einem packenden Spiel auch geholt werden konnte. So überstand zum ersten Mal ein Team aus Ozeanien die Gruppenphase.

Kroatien enttäuschte seine Fans in der Vorrunde. Das Team war zwar in keinem der drei Spiele seinem Gegner wirklich unterlegen, dennoch blieb der Erfolg in Form eines Sieges aus. Dem unglücklichen 0:1 gegen Brasilien folgten ein verschossener Strafstoß beim torlosen Unentschieden gegen Japan und ein knappes 2:2 gegen Australien. Das reichte nur für Platz drei in der Gruppe, der WM-Dritte von 1998 war damit bereits in der Gruppenphase ausgeschieden.

Japan, der Gastgeber der vergangenen Titelkämpfe, konnte nicht an die Leistungen aus dem Konföderationenpokal anknüpfen, als man in der Gruppe knapp an Brasilien scheiterte. Dem unnötigen 1:3 gegen Australien und dem torlosen Remis gegen Kroatien folgte die Niederlage gegen Brasilien. Trotz früher Führung war man nicht in der Lage, die nötigen drei Punkte für ein Weiterkommen zu erzielen. Japan wurde folgerichtig Gruppenletzter.

Etwas überraschend konnte sich die Schweiz als Gruppensieger für das Achtelfinale qualifizieren. Dem dritten Unentschieden gegen Frankreich in Folge (nach den beiden Partien in der gemeinsamen Qualifikationsgruppe für die WM) folgten zwei verdiente 2:0-Erfolge gegen Togo und Südkorea. Vor allem in der Abwehr zeigte das Team aus der Schweiz drei starke Partien, so dass man als einziges Team ohne Gegentor das Achtelfinale erreichte.

Frankreich startete dagegen enttäuschend in das Turnier. War das Remis gegen die Schweiz im Vorfeld des Turniers noch erwartet worden, so schien das 1:1 gegen Südkorea als endgültiger Beleg für eine überalterte französische Mannschaft zu dienen. Im letzten Spiel gegen Togo musste dann mit zwei Toren Unterschied gewonnen werden, um auch bei einem möglichen Unentschieden im gleichzeitig stattfindenden Spiel zwischen der Schweiz und Südkorea die nächste Runde zu erreichen, was dem Team mit der ersten überzeugenden Leistung im Turnier auch gelang.

Südkorea konnte zu keiner Zeit an die Erfolge bei der letzten Weltmeisterschaft anknüpfen, als man das Halbfinale erreichte. Bereits gegen Togo brauchte das Team viel Anlauf, um letztlich etwas glücklich gegen die Afrikaner zu gewinnen. Auch gegen Frankreich startete man verhalten in die Partie, konnte aber kurz vor Schluss ausgleichen und hatte somit vor dem letzten Spiel gegen die Schweiz alle Trümpfe in der Hand: Mit einem Sieg wäre ihnen der Gruppensieg nicht mehr zu nehmen gewesen. Am Ende stand jedoch eine 0:2-Niederlage und der dritte Platz in der Gruppe.

Das Team aus Togo war bereits vor Beginn des Turniers durch einen Prämienstreit und den kurzzeitigen Rücktritt von Trainer Otto Pfister in die Schlagzeilen geraten. Eine konzentrierte Vorbereitung auf das erste Spiel gegen Südkorea war daher nicht möglich. Dennoch startete man furios, nach einem Platzverweis kassierte man jedoch zwei Tore und eine 1:2-Niederlage. Gegen die favorisierten Teams aus Europa standen am Ende ebenfalls zwei Niederlagen zu Buche, so dass die Afrikaner ohne Punkt nach Hause reisen mussten.

Spanien sorgte bereits im ersten Gruppenspiel gegen die stark eingeschätzte Ukraine für einen Paukenschlag. Eine überzeugende Leistung in allen Mannschaftsteilen brachte einen verdienten 4:0-Sieg. Gegen Tunesien konnte an diese Leistung nur in der zweiten Hälfte angeknüpft werden, als man einen Halbzeitrückstand noch in einen Sieg verwandeln konnte. Dennoch galt das Team im Folgenden als heißer Anwärter auf den Titel. Daran änderte auch ein mühevolles 1:0 gegen Saudi-Arabien nichts, Spanien war nämlich mit einer besseren Reservemannschaft angetreten.

Trotz des 0:4-Debakels gegen Spanien zu Beginn des Turniers konnte sich die Ukraine als Gruppenzweiter wie erwartet für das Achtelfinale qualifizieren. Grund dafür waren der überzeugende Sieg gegen Saudi-Arabien und eine konzentrierte Leistung im entscheidenden Gruppenspiel gegen Tunesien. Ein verwandelter Elfmeter sorgte für den 1:0-Endstand.

Tunesien konnte sich wie bei den vorangegangenen Turnieren nicht für die zweite Runde qualifizieren. Bereits im ersten Spiel gegen Saudi-Arabien reichte es am Ende nur zu einem enttäuschenden 2:2, und auch gegen Spanien wurde die Halbzeitführung noch aus der Hand gegeben. Gegen die Ukraine musste daher ein Sieg im entscheidenden Spiel her. Trotz einer ordentlichen Leistung reichte es jedoch nicht einmal für einen Punkt, besonders in der Offensive war man zu harmlos.

Die Mannschaft Saudi-Arabiens konnte nur im ersten Gruppenspiel überraschen, als man bis zur Nachspielzeit gegen Tunesien in Führung lag. Am Ende reichte es allerdings nur zu einem Unentschieden, so dass das Team nach der Pleite gegen die Ukraine bereits nur noch theoretische Chancen auf das Erreichen der zweiten Runde hatte. Da allerdings auch gegen Spaniens B-Mannschaft verloren wurde, blieb für Saudi-Arabien am Ende nur der erwartete letzte Platz in der Gruppe.

Im Achtelfinale spielten die Ersten und Zweiten der verschiedenen Vorrundengruppen über Kreuz gegeneinander. Dabei ergaben sich auf dem Papier mit Portugal gegen die Niederlande, der Schweiz gegen die Ukraine und Spanien gegen Frankreich drei offene und zum Teil auch brisante Partien. In den anderen Spielen galten die jeweiligen Gruppensieger als klare Favoriten, sie setzten sich letztlich auch alle durch. Deswegen blieb eine große Überraschung im Achtelfinale aus.

Es war allerdings beachtlich, dass Australien unerwartet lange mit Italien mithalten und bis über die 90. Minute hinaus ein 0:0 halten konnte, wobei die Südeuropäer fast die gesamte zweite Hälfte in Unterzahl spielten. Erst in der fünften Minute der Nachspielzeit verwandelte Francesco Totti einen umstrittenen Foulelfmeter zum 1:0-Sieg der Italiener.

In der Partie Brasiliens gegen Ghana gibt das Ergebnis den tatsächlichen Spielverlauf nur ungenügend wieder. Obwohl die Brasilianer ein frühes Tor erzielen konnten, waren die Ghanaer dem brasilianischem Nationalteam lange Zeit ebenbürtig. Allerdings scheiterte Ghana am eigenen Unvermögen, hochprozentige Torchancen zu verwerten, und kassierte so kurz vor der Pause das 0:2 und später noch das etwas zu deutliche 0:3.

Auch Mexiko konnte lange Zeit mit Argentinien mithalten und ging früh mit 1:0 in Führung. Allerdings kassierten sie schnell den Ausgleich. Dennoch konnten sie die Argentinier in die erste Verlängerung dieser Weltmeisterschaft zwingen, in der Maxi Rodríguez Argentinien mit einem Traumtor zum 2:1-Sieg schoss.

Deutschland lag nach einem fulminanten Auftakt gegen Schweden schon in der zwölften Minute durch zwei Tore des in der Vorrunde kritisierten und in diesem Spiel wie entfesselt spielenden Lukas Podolski mit 2:0 in Führung und hielt das Ergebnis bis zum Ende. Dagegen mussten die Schweden nach einem vergebenen Elfmeter, den Larsson über das deutsche Tor setzte, die Heimreise antreten.

In einem schwachen Spiel setze sich England sich mit einem 1:0-Erfolg erwartungsgemäß gegen Ecuador durch. Das entscheidende Tor schoss David Beckham mit einem Freistoß.

In einer beidseitig sehr defensiven Partie zwischen der Schweiz und der Ukraine entschied das Elfmeterschießen nach einem torlosen Unentschieden über das Weiterkommen. Dort verschossen die Schützen der Schweiz alle drei Strafstöße, so dass die Ukraine ins Viertelfinale einzog.

Die erwartete Brisanz in der Partie Portugal gegen Niederlande blieb nicht aus, allerdings weniger wegen Spielszenen, sondern vielmehr wegen der zwölf Gelben und vier Gelb-Roten Karten, die es in diesem Spiel neben dem 1:0-Treffer für Portugal gab.

Als eine der spielerisch besten Partien des Turniers gilt Spanien gegen Frankreich. Dabei blieben die favorisierten Spanier ihrer Tradition treu, als Mitfavorit früh aus dem Turnier auszuscheiden. Nach einem offenen und spannenden Spielverlauf hatten sie am Ende gegen eine französische Mannschaft, die nach der mageren Vorrunde wie verwandelt spielte, das Nachsehen.

Sieben der acht Mannschaften im Viertelfinale galten vor Beginn des Turniers als Titelfavoriten. Lediglich der Ukraine wurden höchstens Außenseiterchancen eingeräumt.

In der Partie Italiens gegen die Ukraine wurden die Italiener von Beginn an ihrer Favoritenrolle gerecht. Bereits in der sechsten Minute ging das italienische Nationalteam in Führung, konnte sich aber glücklich schätzen, dass die Ukrainer zwischenzeitlich mehrfach beste Chancen vergaben. In der zweiten Halbzeit konnte die Squadra Azzurra ihre Führung dann aber auf ein deutliches 3:0 ausbauen.

Das Spiel Deutschlands gegen Argentinien war dagegen deutlich ausgeglichener. Nach einem verhaltenen Start ging Argentinien zu Beginn der zweiten Halbzeit mit 1:0 in Führung. Deutschland erhöhte daraufhin den Druck mit den eingewechselten Borowski und Odonkor auf sich immer mehr zurückziehende Argentinier. Schließlich nahm José Pekerman mit Riquelme das Herz der argentinischen Mannschaft zugunsten eines weiteren Verteidigers aus dem Spiel. Der Druck der Deutschen wurde in der 80. Minute belohnt, als Tim Borowski eine Flanke zu Miroslav Klose weiterleitete und dieser das 1:1 köpfte. In der Verlängerung kamen beide Teams noch zu einigen Chancen, am Ende musste jedoch das Elfmeterschießen entscheiden. Jens Lehmann konnte zwei Strafstöße parieren und sicherte der Mannschaft damit den Einzug ins Halbfinale.

Eine ähnlich spannende Partie lieferten sich England und Portugal. Trotz etlicher Bemühungen gelang keiner der beiden Mannschaften ein Tor. Jedoch wurde Wayne Rooney nach einer Tätlichkeit vom Platz gestellt. Heiß diskutiert wurde später, dass Cristiano Ronaldo, sein portugiesischer Teamkollege bei Manchester United, für ihn die Rote Karte forderte. In der Verlängerung stieg die Spannung, aber Tore blieben auch hier aus. Das Elfmeterschießen gewann Portugal schließlich mit 3:1, nachdem der portugiesische Torwart Ricardo Pereira drei Elfmeter halten konnte. So verlor England wie bereits 1998 in einem entscheidenden Spiel seinen wichtigsten Mann und unterlag erneut im Elfmeterschießen.

Etwas einseitiger war dagegen das Spiel Brasiliens gegen Frankreich. Die Franzosen hatten die Partie gegen eher schwache und unmotiviert wirkende Brasilianer über weite Strecken in der Hand. Schlüsselfigur im französischen Spiel war wieder einmal Zinédine Zidane, der auch das einzige Tor der Partie vorbereitete: Thierry Henry erzielte in der 59. Minute den verdienten Siegtreffer für Frankreich. Die Superstars des brasilianischen Weltmeisters schieden damit erstmals seit der WM 1990 vor dem Finale aus.

Seit 1982 standen zum ersten Mal wieder nur europäische Mannschaften im Halbfinale. Unter den vier Nationen gab es auf dem Papier allerdings keinen klaren Favoriten.

Im ersten Halbfinalspiel stand mit Deutschland gegen Italien ein Klassiker an. Obwohl es nach 90 Minuten immer noch 0:0 stand, erlebte das Publikum ein spannendes Spiel mit einigen großen Chancen auf beiden Seiten. In der Verlängerung verstärkten die Italiener ihre Offensivbemühungen, und so standen zu Spielende drei Stürmer auf dem Platz. Dieser für italienische Verhältnisse untypische Angriffsfußball zeigte schließlich auch Wirkung. In einer dramatischen Verlängerung war die italienische Mannschaft trotz einiger deutscher Chancen die überlegene. Schließlich schoss Fabio Grosso Italien in der 119. Minute mit 1:0 in Führung, Alessandro Del Piero konnte eine Minute später gegen eine anstürmende deutsche Mannschaft auf 2:0 erhöhen. Damit war der italienische Finaleinzug besiegelt.

In der zweiten Partie standen sich Portugal und Frankreich gegenüber. Beide Mannschaften lieferten sich ein eher verhaltenes Spiel, das hauptsächlich von der Spannung lebte. Noch in der ersten Halbzeit brachte Zinédine Zidane Frankreich mit 1:0 in Führung, indem er einen Foulelfmeter verwandelte. Portugal versuchte daraufhin in der zweiten Halbzeit den Druck zu erhöhen. Kurz vor Schluss erlaubte sich Fabien Barthez nach einem Freistoß von Cristiano Ronaldo einen Patzer, doch Luís Figo vergab die daraus resultierende hochprozentige Chance. Dadurch reichte Frankreich am Ende das 1:0 für den Finaleinzug.

Deutschland gegen Portugal war die Partie im „kleinen Finale“, das traditionell als eher unbedeutendes Spiel offensiv geführt wird und zumeist torreich endet.

Zunächst schien diese Tradition einen Bruch zu erleiden, da trotz einiger Chancen die Tore ausblieben, unter anderem durch Paraden von Oliver Kahn, der in diesem Spiel den Vorrang vor Jens Lehmann erhielt und damit sein 86. und letztes Länderspiel bestritt. Erst in der 56. Minute brach Bastian Schweinsteiger den Bann und erzielte durch einen Distanzschuss das 1:0 für Deutschland. Nur vier Minuten später war der Münchener wieder an einem Tor beteiligt, als Petit seinen Freistoß zum 2:0 abfälschte. Nach munterem Spielverlauf schoss Schweinsteiger, kurz vor seiner Auswechslung in der 78. Minute, noch das 3:0 für das deutsche Nationalteam. Damit war die Partie entschieden. Daran konnte auch Luís Figo in seinem letzten Länderspiel nichts ändern, obwohl er den 1:3-Ehrentreffer durch Nuno Gomes vorbereitete. Der späte Gegentreffer konnte nicht mehr verhindern, dass die deutsche Nationalmannschaft den dritten Platz errang.

Im Endspiel der Weltmeisterschaft standen sich mit Frankreich und Italien die beiden Finalisten der EM 2000 gegenüber, Frankreich hatte damals in der Verlängerung mit 2:1 durch ein Golden Goal gewonnen.

Die Zuschauer erlebten ein abwechslungsreiches Endspiel mit einer turbulenten Anfangsphase. So bekam Frankreich schon in der siebten Minute einen Foulelfmeter zugesprochen, den Zinédine Zidane zum 1:0 verwandelte. Dabei lupfte er den Ball gegen die Unterlatte, von wo aus er nur knapp hinter der Linie im Tor aufkam. Im Nachhinein wurde dieser Schuss als Symbol für den „schmalen Grat“ gesehen, auf dem sich Zidane in diesem Spiel bewegen sollte. Bereits in der 19. Minute erzielte Marco Materazzi nach einem Eckball den Ausgleich und machte damit seinen Fehler, mit dem er den Elfmeter verschuldet hatte, wieder gut. Anschließend folgte eine Offensivphase der Italiener, in der es unter anderem zu einem Lattentreffer durch Luca Toni kam. In der zweiten Halbzeit ließ sich Italien aus vermutlich konditionellen Gründen weit zurückfallen und lauerte fast ausschließlich auf Konterchancen. Frankreich versuchte dagegen, offensiv zu agieren und das Spiel zu machen, blieb aber mit Thierry Henry als einzigem Stürmer zu wenig durchschlagskräftig. Kein Team verbuchte einen zählbaren Erfolg. In der Verlängerung waren die Franzosen – nun mit David Trezeguet ab der 100. Minute als zusätzlichem Angreifer – die weit überlegene Mannschaft, vermochten das Abwehrbollwerk der Italiener aber nicht zu sprengen, zumal Henry kurz nach Beginn der zweiten Hälfte der Verlängerung seiner kräfteraubenden Leistung alleine gegen die italienische Abwehr Tribut zollen musste und ausgewechselt wurde. Zidane hatte noch den Siegtreffer auf dem Kopf, aber Gianluigi Buffon konnte dessen platzierten Kopfball reaktionsschnell abwehren.

Größter Aufreger des Spiels war in der 110. Minute eine Tätlichkeit Zidanes gegen Materazzi. Jener hatte seinen Kopf in den Brustkorb des Italieners gerammt, nachdem dieser mehrfach Beleidigungen gegen Familienmitglieder Zidanes ausgesprochen hatte. Zidane wurde des Platzes verwiesen, die FIFA belegte später beide Spieler mit Spielsperren und Geldstrafen.

Ab dem Platzverweis flachte das Spiel ab und ging ins Elfmeterschießen, in dem sich Italien mit 5:3 durchsetzte. Einzig David Trezeguet verschoss einen Strafstoß, als der Ball von der Latte ins Spielfeld zurückprallte.

Hauptartikel: Organisationskomitee der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

Das Organisationskomitee Fußball-Weltmeisterschaft 2006 (kurz: OK) organisierte die Fußball-WM in Deutschland. Präsident des OK war Franz Beckenbauer, Verantwortlicher für Großprojekte und Repräsentant der Veranstaltung.

Horst R. Schmidt war erster Vizepräsident und stellvertretender Chef des OK. Seine Verantwortungsbereiche im OK umfassten organisatorische Dinge – von den Finanz- und Sicherheitsangelegenheiten bis zu Transport- und Verwaltungsfragen. Wolfgang Niersbach war geschäftsführender Vizepräsident und Pressechef des OK. Er zeichnete für die Medienarbeit, die Mannschaftsunterkünfte, die Vermarktung und die Informationstechnik verantwortlich. Dr. Theo Zwanziger war Vizepräsident. Sein Verantwortungsbereich lag in der Verwaltung, den juristischen Angelegenheiten, dem Personal der WM und bei allgemeinen organisatorischen Aufgaben. Fedor Radmann war Kunst- und Kulturbeauftragter sowie Präsidiumsberater.

Dem OK standen ein Aufsichtsrat mit 10 und ein Kuratorium mit 14 Mitgliedern zur Seite. Das OK wurde vom Sportausschuss des Deutschen Bundestages beraten. Internationale Botschafter der WM waren Jürgen Klinsmann, Oliver Bierhoff, Karl-Heinz Rummenigge und Rudi Völler. OK-Chef Beckenbauer benannte weitere 14 WM-Botschafter, ausnahmslos ehemalige Fußball-Profis, die ihre Heimatstädte und gleichzeitig die WM-Austragungsorte auf dem Weg zur WM offiziell begleiten sollten.

Aufgrund der problematischen Sicherheitslage in der Welt wurde vor allem im Vorfeld des Turniers intensiv über die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von Publikum und Aktiven diskutiert. Im Mittelpunkt standen dabei Maßnahmen sowohl zur Abwehr terroristischer Aktivitäten als auch zur Eindämmung von Hooliganismus.

Auf internationaler Ebene wurde vor allem auf die innereuropäische Kooperation der verschiedenen Sicherheitsbehörden Wert gelegt. So hatte die deutsche Polizei die Einreise von Hooligans und bekannten Gewalttätern nach Deutschland dadurch verhindern wollen, dass die Daten von bereits auffällig gewordenen Personen, insbesondere aus England, Polen und den Niederlanden, an die deutschen Behördern übermittelt wurden. Zu diesem Zweck wurde für die Dauer des Turniers das Schengener Abkommen de facto außer Kraft gesetzt, so dass je nach Sicherheitslage an den deutschen Außengrenzen wieder Einreisekontrollen durchgeführt wurden. Gleichzeitig waren viele ausländische Polizisten in Deutschland im Einsatz, um ihren Landsleuten an den Spielorten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Zugleich sollte in kritischen Situationen auf ihr Insiderwissen zurückgegriffen werden.

In Deutschland selbst hatte den polizeibekannten Hooligans der Zugang zu den Stadien vor allem dadurch verwehrt werden sollen, dass die Eintrittskarten auf dem freien Markt ausschließlich personenbezogen verkauft wurden. Zu diesem Zweck wurde insbesondere auf die Einträge in der von der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze geführte Datei „Gewalttäter Sport“ zurückgegriffen, in der mehr als 6.000 Personen aufgeführt wurden. Von vielen Seiten wurde diese Praxis kritisiert, unter anderem hielt der Bundesdatenschutzbeauftragte die Speicherung der Personalausweisnummer auf den Tickets für unverhältnismäßig und „zur Abwehr terroristischer Gefährdungen ungeeignet“. Obwohl die angekündigten Kontrollen der Ticketinhaber nur in wenigen Fällen tatsächlich durchgeführt wurden, sorgten diese Maßnahmen zusammen mit der Präsenz vieler Sicherheitskräfte in den Arenen dafür, dass es innerhalb der Stadien zu keinen nennenswerten Ausschreitungen kam.

Der von CDU und CSU im Vorfeld des Turniers in die Diskussion gebrachte Einsatz der Bundeswehr im Innern wurde dagegen nicht verwirklicht. Die Sicherheit an den Spielorten und auf den öffentlichen Plätzen wurde durch eine verstärkte Polizeipräsenz und durch private Sicherheitsfirmen gewährleistet, die sowohl in den Stadien als auch im Rahmen des Public Viewing Kontrollen durchführten und die Mitnahme gefährlicher Gegenstände untersagten.

Die Auswahl der WM-Quartiere für die qualifizierten Teilnehmer der Fußballweltmeisterschaft wurde in mehreren Phasen durchgeführt. Nach Eingang aller Bewerbungen prüfte die FIFA zunächst in zwei Etappen die Tauglichkeit der verschiedenen Häuser und schlug im Oktober 2004 den teilnehmenden Teams 110 Hotels zur Auswahl vor. Für die Aufnahme in die Liste waren folgende Standards erforderlich: Die Mannschaften mussten innerhalb einer halben Stunde per Bus einen Flughafen erreichen können, von wo aus sie jeweils am Tag vor dem WM-Spiel zum Spielort reisen konnten. In unmittelbarer Nähe der Unterkunft mussten großzügige Trainingsmöglichkeiten bestehen, idealerweise in Form eines Trainingsstadions mit erstklassiger Rasenfläche und überdachter Tribüne. Dem Organisationskomitee lagen rund 300 Bewerbungen aus ganz Deutschland in den unterschiedlichsten Qualitäten vor – vom Fünf-Sterne-Hotel bis zur Sportschule. Die Mannschaftsleitungen selbst entschieden sich zumeist erst nach der Gruppenauslosung, um geographische Aspekte in die Entscheidungsfindung mit einbeziehen zu können.

Eine Konsequenz dieser Vorgehensweise war, dass ausschließlich die Ukraine ihr Quartier in den neuen Bundesländern bezog. In Schleswig-Holstein und dem Saarland ließ sich keine Nationalmannschaft nieder.

Menschenrechtsorganisationen haben darauf hingewiesen, dass die genannten Sportartikelhersteller vor allem von sehr niedrigen Löhnen und unsicheren Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern profitieren. Die dortigen Bedingungen verstießen gegen Geist und Buchstaben der Erklärung zum FIFA-Fairplayprogramm (siehe Weblinks). Darin erkennt die FIFA die Bedeutung der Themen Gleichberechtigung, Frieden, Kinderrechte, Gesundheit, Bildung und Umweltfragen an und bekennt sich zum sozialen Engagement für diese Ziele. Ein Bündnis von Nichtregierungsorganisationen fordert von den Herstellern und der FIFA, mehr Verantwortung zu übernehmen und sich für Gewerkschaftsfreiheit, existenzsichernden Lohn sowie Zulassung unabhängiger Kontrollen einzusetzen.

Da im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 die Anzahl der rassistischen Vorfälle im Fußball zugenommen hatte, hatte das Exekutivkomitee der FIFA deswegen Artikel 55 des FIFA-Disziplinarreglements revidiert.

Dieser sieht jetzt unter anderem vor, dass ein Spieler, der rassistische Diskriminierungen ausspricht, für mindestens fünf Spiele gesperrt werden kann und seiner Mannschaft Punkte abgezogen werden können. Auch Zuschauer, die während des Spiels beispielsweise ein Transparent mit rassistischen Äußerungen aushängen, können mit einem Stadionverbot von mindestens zwei Jahren bestraft werden.

Im Rahmen dieses Anti-Rassismus-Programms der FIFA wurden bei allen 64 Spielen vor der Öffnung des Stadions ein Banner mit der Aufschrift „Nein zu Rassismus“ (no to racism) im Mittelkreis ausgelegt und Videospots gegen Rassismus im Stadion ausgestrahlt. Außerdem haben die Mannschaftskapitäne der Nationalteams, die sich für das Viertelfinale qualifiziert haben, ab diesem nach dem Singen der Nationalhymne einen persönlichen Aufruf gegen Rassismus verlesen. Aufgrund des Idolstatus' dieser Spieler erhoffte sich die FIFA eine besondere Wirkung auf Zuschauer in aller Welt.

Zusätzlich startete die FIFA im Vorfeld dieser Weltmeisterschaft eine Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Fußball gegen Rassismus in Europa (FARE), um auch in Zukunft ein klares Zeichen gegen den Rassismus setzten zu können. In dieser Hinsicht sah FIFA-Präsident Joseph S. Blatter die Weltmeisterschaft daher nur als „erste Anwendung“ des neuen Anti-Rassismus-Programms.

Mit dem Projekt Green Goal wollte die FIFA ein sportliches Großereignis in Einklang mit den Zielen des Umweltschutzes durchführen. So gehörten neben der konsequenten Benutzung von Pfandbechern und Mülltrennungssystemen auch eine Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs bei der Anreise zu den Stadien zur Kampagne.

Die Fußballweltmeisterschaft wurde zum größten Teil durch Sponsoren finanziert. Alleine die internationalen Hauptsponsoren des Weltverbandes FIFA zahlten mit mehr als 600 Millionen Euro (im Schnitt etwas mehr als 40 Millionen Euro) ungefähr dreimal so viel Geld an den Verband, wie durch den Kartenverkauf eingenommen wurde. Zu den offiziellen Partnern der FIFA für die Fußball-WM zählen neben Anheuser-Busch weitere vierzehn bekannte internationale Unternehmen: adidas, Avaya, Coca-Cola, Continental, Deutsche Telekom, Emirates sowie Fujifilm, Gillette, Hyundai, Mastercard, McDonalds, Philips, Toshiba und Yahoo!.

Hinzu kamen die nationalen Sponsoren, die jeweils 13 Millionen Euro zur WM beitrugen. In Berlin präsentierte am 7. Dezember 2004 das OK der WM den letzten Förderer der WM 2006: die Deutsche Bahn AG. Weitere nationale Sponsoren waren die Postbank, Obi, Hamburg-Mannheimer, EnBW und Oddset. Im Gegensatz zu den 15 internationalen Sponsoren des Weltfußballverbandes FIFA durften die nationalen Förderer nur in Deutschland mit ihrem Engagement werben.

Die Firmen, die sich bei der WM engagierten, hofften auf eine Erhöhung ihres Bekanntheitsgrades bzw. Ansehens und damit auf eine Umsatzsteigerung. Dass sich dieses Engagement lohnen konnte, zeigte beispielsweise die Fußball-Europameisterschaft 2004 und der Geldgeber Carlsberg. Der dänische Brauereiriese verkaufte während des Turniers 13 Prozent mehr Bier. Für die WM hatte der zweitgrößte Bierbrauer der Welt, das amerikanische Unternehmen Anheuser-Busch, sich die Exklusivrechte für den Bierausschank in den Stadien für 40 Millionen Euro von der FIFA gesichert. Aufgrund eines Rechtsstreits in den 1990ern zwischen Anheuser-Busch und der Bitburger Brauerei, deren Gegenstand die Namensähnlichkeit zwischen Bit und Bud war, hätte Anheuser-Busch in Deutschland während der WM nicht für seine Marke Bud werben dürfen. Beide Brauereien einigten sich jedoch im Vorfeld der WM dahingehend, dass 30 Prozent des Bierausschanks in den Stadien von dem deutschen Unternehmen übernommen wurden.

Neben den Hauptsponsoren des Turniers erhofften sich auch die einzelnen Mannschaftsausrüster steigende Umsatzzahlen von ihrem Engagement bei den verschiedenen Nationalteams. Neben Weltkonzernen wie adidas, Puma und Nike statteten auch eher unbekannte Sportartikelhersteller wie Umbro, Lotto, Marathon und Joma die Teilnehmer der Weltmeisterschaft aus.

Von der Weltmeisterschaft profitieren neben den Geldgebern die Mannschaftsausrüster durch die Vermarktung von Spielertrikots in hohem Maße. Außer an den Veranstalter wurden Teile der Erträge an die Teilnehmer- und Mitgliedsverbände ausgeschüttet. Allein an die Verbände der Teilnehmer flossen als Antritts- und Spielprämien rund 262,9 Millionen Euro.

Jeder der 32 Teilnehmer an der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland erhielt 10,37 Millionen Schweizer Franken (8,21 Millionen Euro) Antrittsgeld von der FIFA. So war die WM-Qualifikation für die Endrunde nicht nur mit viel Prestige für jede Nation verbunden, sondern sie lohnte sich auch finanziell. Der gesamte Bonus-Pool wurde im Vergleich zur WM 2002 um 38 Prozent angehoben: 332 Millionen Schweizer Franken (262,9 Millionen Euro) im Vergleich zu 190 Millionen Euro während der WM in Japan und Südkorea.

Hauptartikel: Fußball-Weltmeisterschaft 2006/Eintrittskarten.

Vom 1. Februar bis zum 31. März 2005 fand weltweit die erste Phase des Eintrittskartenverkaufs der Fußball-WM statt. Es gab bei der WM ausschließlich Sitzplatzkarten in vier Kategorien, wobei die Preise für die günstigste Kategorie bei 47 Spielen der Vorrunde 35 Euro betrugen. Die Preise gingen hinauf bis zu 600 Euro für das Finale. Außerdem gab es ab der 3. Vorverkaufsphase auch Tickets für sichtbehinderte Plätze, welche immer 60% vom Normalpreis kosteten. Insgesamt rechnete das Organisationskomitee der Weltmeisterschaft mit Gesamteinnahmen von 200 Millionen Euro.

Kritisiert wurde im gesamten Vorfeld des Turniers, dass nur ein geringer Anteil der Karten in den freien Verkauf ging. Nach Angaben des Organisationskomitees (OK) standen im Online-Verkauf bloß 1,12 Millionen der insgesamt 3,2 Millionen Eintrittskarten – also ein knappes Drittel – zur Verfügung. Der größere Teil der Eintrittskarten war für Sponsoren, den DFB, die verschiedenen teilnehmenden Verbände, den Weltverband FIFA, dort für die nicht teilnehmenden Länder, sowie für besonders zahlungskräftige Kunden reserviert.

Zwischen der FIFA und den Organisatoren gab es anfänglich Auseinandersetzungen um die Preisgestaltung. Das OK bestand auf einer Sozialkomponente und setzte mit 35 Euro für den billigsten Sitzplatz in den Vorrundenspielen einen Preis durch, der um 16 Euro unter dem der WM 2002 lag. Erstmals bei einer WM galt die Eintrittskarte zu den Spielen zudem auch als Fahrschein für die kostenlose Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

Knapp über eine Million Menschen aus 195 Ländern hatten sich in dieser ersten zweimonatigen Verkaufsphase um die 812.000 Eintrittskarten beworben. 8,7 Millionen gültige Kartenbestellungen gingen ein, von denen 6,25 Millionen aus Deutschland stammten. 2,3 Millionen Bestellungen stammten aus einem aus den USA gestarteten Manipulationsversuch und 1,3 Millionen Doppelbestellungen wurden nicht akzeptiert. Damit kamen auf jede Eintrittskarte der ersten Verkaufsphase über zehn Bewerber. Bereits nach den ersten 48 Stunden der Verkaufsphase hatte die Nachfrage das Angebot überstiegen. Jeder konnte über ein Losverfahren für sieben Spiele jeweils maximal vier Eintrittskarten erhalten. Es erfolgte keine Bearbeitung in einer chronologischen Reihenfolge. Nach einem TÜV-geprüften Verfahren und unter notarieller Aufsicht wurde am 15. April 2005 die erste Bestellphase verlost. Der Verkauf der Eintrittskarten erfolgte, damit weltweit alle Interessenten gleiche Chancen haben, nur über die offizielle Internetseite.

Eine Premiere stellt die Personalisierung der Eintrittskarten dar. Mit Verweis auf Sicherheitsaspekte waren diese nicht übertragbar, die Käufer mussten sich mit Namen und Ausweisnummer registrieren. Davon ausgenommen waren mehrere hunderttausend VIP-Tickets.

Laut den AGB war niemand berechtigt, eine ihm zugeteilte Eintrittskarte weiterzuverkaufen oder weiterzugeben. Ein Versuch, Eintrittskarten zu verkaufen, hätte als Schwarzmarkthandel gewertet werden sollen und zur Sperrung der betreffenden Eintrittskarte geführt. Auf dem Sicherheitschip der personalisierten Karten sollten Zutrittsinformationen, nicht aber persönliche Daten gespeichert werden.

Die Kontrolle der Personendaten am Stadioneingang erwies sich rein organisatorisch bei durchschnittlich mehr als 50.000 Besuchern pro Spiel als nicht durchführbar. So sollen laut einem Zeitungsinterview von FIFA-Präsident Sepp Blatter nur bei rund einem Prozent der Stadionbesucher die Personalien kontrolliert worden sein. Entsprechend florierte der Schwarzmarkt in gleichem Umfang wie bei ähnlichen sportlichen Großereignissen, den Blatter im gleichen Kontext als normalen Vorgang und „offenen Markt“ bezeichnete . Außerdem wurde laut Aussagen der FIFA selbst bei den Leuten, die mit einem Ticket auf einen anderen Namen ins Stadion wollten, niemandem der Zutritt verweigert, es wurde maximal das Ticket kurzfristig umgeschrieben (außer wenn das Ticket wegen Verlust oder Diebstahl gesperrt war).

Deutschland befand sich seit 2001 in einer wirtschaftlichen Stagnation und erhoffte sich durch die Ausrichtung des (gemessen an der Zahl der Fernsehzuschauer) zweitgrößten Sportereignisses der Welt wichtige gesamtwirtschaftliche Impulse.

Der damalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement prognostizierte für Deutschland einen langfristigen, volkswirtschaftlichen Gewinn von über acht Milliarden Euro beim Bruttoinlandsprodukt, was 0,36 % des BIP des Jahres 2005 entspricht. Dieser Erlös sollte vor allem durch die ungefähr fünf Millionen zusätzlichen Übernachtungen zustande kommen. Das Organisationskomitee rechnete mit circa 3,2 Millionen Besucherinnen und Besuchern, von denen etwa eine Million aus dem Ausland kommen sollten.

Vor Beginn des Turniers wurde vor allem an Verbesserungen der Infrastruktur gearbeitet. Alle zwölf Austragungsorte konnten moderne Stadien vorweisen, wobei sich die Kosten für Um- oder Neubau auf Beträge zwischen 48 und 280 Millionen Euro summierten. Insgesamt wurden von staatlicher Seite und durch die Betreiber der Arenen rund 1,38 Milliarden Euro investiert. Daneben hatte das Wirtschaftsministerium angekündigt, 3,7 Milliarden Euro in den Straßenbau und 500 Millionen in den Kartenverkauf zu investieren.

Prinzipiell lassen sich die langfristigen Folgen eines solchen Großereignisses auf die wirtschaftliche Entwicklung aufgrund unsicherer Prognosen und vielfältiger Multiplikatorwirkungen nur sehr schwer einschätzen. Messbaren Effekten auf der Einnahmenseite von Staat und Wirtschaft stehen Auswirkungen des Turniers gegenüber, die wie beim Anstieg des Ansehens Deutschlands eher ideeller Natur sind. Zudem ist unklar, ob sich die Investitionen in die Infrastruktur gelohnt haben oder ob Umweltschäden durch den steigenden Tourismus mit verbundenen Folgekosten eingetreten sind.

Trotz aller Unwägbarkeiten zieht die Bundesregierung in ihrem Abschlussbericht ein durchweg positives Fazit des Turniers. Demnach habe die Weltmeisterschaft das Wachstum in Deutschland angeschoben, sowohl im Gastgewerbe mit einer Steigerung um 300 Millionen Euro als auch im Einzelhandel mit 2 Milliarden Euro war ein deutliches Umsatzplus zu verzeichnen. Zudem konnten über 100 Millionen Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen verbucht werden. Auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt konnte in den Monaten der Weltmeisterschaft eine leichte Entspannung registriert werden, laut Bundesagentur für Arbeit wurden etwa 50.000 zusätzliche Stellen geschaffen. Vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe, aber auch im Bereich der Sicherheitsdienste wurden neue Arbeitsplätze eingerichtet. Welcher Teil dieser Stellen längerfristigen Bestand haben wird, ist noch unklar, ebenso der Anteil sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse. Daneben ist eine exakte Zuordnung messbarer Größenordnungen zu verschiedenen Ursachen schwierig: auch der besonders warme, trockene Juni 2006 dürfte seinen Anteil an gestiegenen Übernachtungszahlen und anderen touristischen Indikatoren gehabt haben.

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung kommt zu dem Schluss, dass die Weltmeisterschaft „keinerlei nennenswerte positive gesamtwirtschaftliche Effekte“ bewirken konnte. Die Ausgaben der ausländischen Besucher beliefen sich nach Berechnungen des DIW auf nur etwa 500 Millionen Euro und sind damit in der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung eine zu vernachlässigende Größe.

Laut einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage des Kölner Marktforschungsinstituts Sport + Markt im Auftrag des Handelsblatts sind adidas, Coca-Cola, McDonald’s und die Deutsche Telekom die bekanntesten Sponsoren der Weltmeisterschaft. Größter Gewinner in dieser Hinsicht ist jedoch Hyundai, da der Autohersteller durch die WM ein Bekanntheitswachstum von 33 % auf 50 % erreicht habe. Auch die als Mannschaftsausrüster auftretenden Sportartikelhersteller profitierten von dem Boom der Weltmeisterschaft. So konnte adidas bereits im ersten Quartal des Jahres 2006 deutliche Umsatzsteigerungen verzeichnen, auch Puma rechnete mit Steigerungen um 40 % im Vergleich zum Vorjahr.

Inwieweit die mit der Weltmeisterschaft einhergegangenen Stimmungssteigerungen innerhalb der deutschen Wirtschaft auf das Turnier zurückzuführen sind ist umstritten. Zwar verzeichnete der ifo-Index, Deutschlands meistbeachtetes Konjunkturbarometer, im Juni 2006 den höchsten Stand seit rund 15 Jahren, dennoch scheint der materielle Einfluss des Turniers nur gering zu sein. Auffällig ist jedoch, dass mit dem Ende des Turniers auch ein deutlicher Dämpfer der Stimmung zu verzeichnen war.

Der Etat des Organisationskomitees betrug 430 Millionen Euro. Dabei erwirtschaftete das OK einen Überschuss von 135 Millionen Euro.

Die Betreiber der zwölf WM-Stadien erzielten Einnahmen aus Stadionmiete im Umfang von 33 Millionen Euro sowie weitere Zahlungen durch das OK im Umfang von 18 Millionen Euro. Der Gewinn des OK teilte sich wie folgt auf: Nach Abzug einer 40 Millionen Euro betragenden Rückerstattung an die FIFA, die dem OK im Vorfeld des Turniers einen Zuschuss gewährt hatte, und den zu leistenden Körperschafts- und Gewerbesteuerzahlungen (43,7 Millionen Euro) wurden die verbleibenden 56,6 Millionen Euro gemäß Grundlagenvertrag jeweils hälftig auf den DFB und die DFL aufgeteilt.

Die Einnahmen des DFB aus der WM flossen satzungsgemäß ausschließlich in gemeinnützige Projekte, 20 Millionen Euro davon gingen mit diesem Ziel an die Landesverbände. Weitere Beträge gingen an den Deutschen Olympischen Sportbund und die Deutsche Sporthilfe.

Insgesamt berichteten mindestens 14.000 Medienvertreter von der WM-Endrunde.

Für die Weltmeisterschaft hat der Lizenzgeber der Fernsehrechte, die Schweizer Sportrechteagentur Infront AG, Fernsehanstalten aus 205 Ländern unter Vertrag genommen. Die Höhe der von Infront aufgebrachten Kosten wurde nicht bekannt. Die Fernsehproduktion, das beinhaltet insbesondere die Bildregie, also die Entscheidung, welche Bilder und Spielausschnitte gesendet werden, wurde von der Infront-Tochter Host Broadcast Services (HBS) übernommen. Dies galt auch für die Übertragungen im deutschen Fernsehen.

Im Land des Gastgebers wurden montags bis samstags die Gruppenphase und die Spiele um die ersten drei Plätze im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bei ARD und ZDF sowie die acht Sonntagsbegegnungen im Privatfernsehen bei RTL Television übertragen. Alle Begegnungen der deutschen Mannschaft wurden im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt. Hätte die deutsche Mannschaft im Achtelfinale an einem Sonntag gespielt, hätten ARD bzw. ZDF ein 49. Spiel erhalten. Ansonsten hatte das öffentlich-rechtliche Fernsehen an Sonntagen bis zum Viertelfinale „spielfrei“.

In Österreich übertrug der ORF, in der Schweiz das SF alle 64 Spiele live.

Der Pay-TV-Sender Premiere übertrug sämtliche 64 Partien, acht davon exklusiv. Bei den Exklusivspielen handelte es sich um Spiele des letzten Vorrundenspieltags, die je Gruppe immer zeitgleich stattfanden, so dass zur selben Zeit die Live-Übertragung eines anderen Spiels im Free-TV erfolgte. Erstmals wurden alle 64 WM-Spiele bei Premiere auch im neuen, hochauflösenden Fernsehformat HDTV übertragen. Parallel stattfindende Begegnungen wurden in Konferenzschaltungen gezeigt. Außerdem bot Premiere einen eigenen WM-Kanal an, der rund um die Uhr Analysen, Höhepunkte und Wiederholungen zeigte.

Das Eröffnungsspiel im ZDF (Deutschland – Costa Rica) erreichte die höchste Quote eines WM-Eröffnungsspiels seit Beginn der Quotenmessung. In Spitzenzeiten wurde das Spiel in Deutschland von 22,4 Millionen Zuschauern verfolgt. Damit erreichte das Programm mehr als 27 Prozent der Bevölkerung zuzüglich Radioübertragungen.

Das Halbfinalspiel Deutschlands gegen Italien erreichte die höchste je in Deutschland gemessene Zuschauerreichweite (nicht berücksichtigt sind Sendungen unter 15 Minuten). 29,66 Millionen Zuschauer sahen das Spiel, in der Spitze sogar 31,31 Millionen und das, obwohl schätzungsweise über 10 Millionen Deutsche das Spiel nicht vor dem heimischen Fernseher, sondern auf Veranstaltungen sahen. Der Marktanteil der Fernsehübertragung stieg auf bis zu 91,2 %.

Nach einer Initiative des Organisationskomitees (OK) bei der FIFA und bei Sportrechtevermarkter Infront war die Übertragung der Fußball-WM 2006 auf Großleinwänden in deutschen Städten gesichert. Hauptgrund für das Drängen des OK war die zu geringe Anzahl an Eintrittskarten.

So gaben sowohl die Agentur Infront als auch die FIFA am 20. Januar 2005 nach und genehmigten die kostenlose öffentliche Übertragung. Somit konnte nun jede Stadt und jede Gemeinde, beispielsweise auf öffentlichen Plätzen oder in Mehrzweckhallen, Großbildleinwände aufstellen und die Spiele kostenlos übertragen.

Ausdrücklich galt diese kostenfreie Freigabe auch für alle nicht-kommerziellen Veranstaltungen in Schulen, Kirchen, Krankenhäusern, Firmen oder Biergärten. Sofern eine Übertragung jedoch durch Sponsoren finanziert wurde, galt sie als kommerzielle Veranstaltung, für die Lizenzgebühren erhoben wurden. Dies galt auch für alle Veranstaltungen, bei denen Eintritt erhoben wurde. Als Sponsoren durften nur lokale und regionale Unternehmen fungieren, die nicht Wettbewerber der offiziellen FIFA-Sponsoren waren.

Nach Gesprächen mit dem OK erlaubte die FIFA den lokalen Veranstaltern den Verkauf von Würstchen, Pommes und deutschem Bier. Das Getränk des FIFA-Sponsors Budweiser musste nicht ausgeschenkt werden.

Der internationale Fußballverband finanzierte in den zwölf Austragungsorten je eine Großleinwand mitsamt der Technik und den Fernsehbildern. Mit der Hilfe der offiziellen Sponsoren wollte der Fußballverband jedoch höchstens 700.000 Euro pro WM-Stadt ausgeben, alle weiteren Kosten mussten die einzelnen Städte aufbringen.

In vielen deutschen Städten fanden Übertragungen statt, zumeist auf großen Plätzen in der Innenstadt. Überregionale Beachtung fanden vor allem die Übertragungen aus Frankfurt und Berlin. In Frankfurt wurden die Spiele dabei live auf einer übergroßen Videowand übertragen, die als künstliche Insel auf dem Main angebracht war, damit sie von beiden Uferseiten verfolgt werden konnten (MainArena). In Berlin fanden unter anderem Live-Übertragungen auf der Straße des 17. Juni, im Sony Center, in der Waldbühne und in der neu errichteten Adidas-Arena statt.

Die FIFA vergab keine direkten Übertragungsrechte im Radiobereich, da man Radiosendern nicht verbieten kann, Spiele zu kommentieren, die im Fernsehen live gezeigt werden. Jedoch verlieh die FIFA an Radiosender den Titel „Lizenzierter Radio-Sender“, welchen diese dann auf ihren Websites und auf Plakaten sowie im laufenden Programm anpreisen durften. Viele Radiosender, private wie öffentlich-rechtliche, übertrugen die WM auch live aus den Stadien und kommentierten die Begegnungen.

Der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), OK-Chef Franz Beckenbauer und der verantwortliche Multimedia-Künstler André Heller waren die Initiatoren für das 30 Millionen Euro teure Kulturprogramm zur Einstimmung auf die Fußball-WM 2006 in Deutschland.

Das offizielle Maskottchen für die WM, der Löwe Goleo VI, wurde am 13. November 2004 vorgestellt. Weitere Symbole, die das Organisationskomitee um Franz Beckenbauer vorstellten, waren das offizielle Logo, bestehend aus bunten Gesichtern, und das offizielle WM-Plakat mit winzigen Sternen, die sich zu einem Fußball verbinden.

Die offizielle WM-Hymne wurde von Herbert Grönemeyer zusammen mit dem Duo Amadou & Mariam komponiert und trug in der deutschen Version den Titel Zeit, dass sich was dreht. Offizieller WM-Song war Love Generation von Bob Sinclar. Daneben waren auch die Sportfreunde Stiller mit '54, '74, '90, 2006 an der Spitze der deutschen Charts vertreten.

Zu den wichtigsten Projekten gehörten der Fußball-Globus, der bis zu Beginn der WM nacheinander in den Austragungsorten aufgebaut wurde. Außerdem veranstaltete die Kulturstiftung des Bundes die erste Straßenfußball-Weltmeisterschaft, ein Projekt zur Förderung des Nachwuchses unter dem Motto „Straßenfußballkulturen“.

Der Fernsehsender ARTE widmete sich ebenfalls dem Thema Fußball und Kultur, und das Goethe-Institut organisierte in über 127 Ländern eigene Ausstellungen zur WM. Auch Phoenix hatte einige Fußballfieber-Sendungen im Programm. Vor Beginn der WM wurden hier historische Spiele noch einmal in voller Länge mit Originalkommentar gezeigt.

Die geplante WM-Eröffnungsfeier am 7. Juni 2006 in Berlin, bei der David Bowie, Van Morrison, Brian Eno und Paul Simon auftreten sollten, wurde vom Weltfußballverband FIFA wegen angeblicher Rasenprobleme im Berliner Olympiastadion abgesagt. Die Eröffnungsfeier der WM fand stattdessen, wie ursprünglich geplant, am 9. Juni 2006 vor dem Eröffnungsspiel in München statt. Die Feier wurde von Christian Stückl, auch Regisseur bei den Passionsspielen in Oberammergau, gestaltet.

Als Walk of Ideas kamen in Berlin sechs Skulpturen zur Aufstellung, die den deutschen Erfindungsreichtum zur WM nach außen repräsentieren sollen. Als erste Plastik wurde am 10. März 2006 im Spreebogenpark gegenüber dem neuen Berliner Hauptbahnhof „Der moderne Fußballschuh“ enthüllt. Das pro Schuh 12 Meter lange und 5 Meter hohe Monument stellt ein Paar des von Adi Dassler entwickelten revolutionären Schraubstollenschuhs dar. Außerdem wurde als Anlehnung an die bekannte und innovative deutsche Automobilbranche ein übergroßes Plastikmodell eines Audi TT enthüllt.

Begleitend zur Fußball-WM boten in Frankfurt am Main sämtliche städtische Museen fußballthematische Ausstellungen. Eine Woche vor dem Eröffnungsspiel wurde in der so genannten „Skyarena“ die Skyline mit Höhepunkten der Fußballgeschichte angestrahlt.

Nicht nur organisatorisch war die Weltmeisterschaft laut FIFA-Präsident Sepp Blatter die beste der Geschichte, vor allem durch das ebenso begeisterungsfähige wie gastfreundliche Publikum konnte sich Deutschland als ein würdiger Gastgeber des Turniers darstellen. Durch die vielen Fanfeste und Public-Viewing-Bereiche entstand in Deutschland das Gefühl eines vierwöchigen Volksfestes, an dem ein Großteil der Bevölkerung aktiv teilnahm.

Für Diskussionsstoff im Land sorgte während der ersten Wochen des Turniers zudem das verbreitete Zeigen der deutschen Nationalflagge und der deutschen Nationalfarben an Häusern, Fahrzeugen und Bekleidung. Zahlreiche nationale und internationale Beobachter aus Medien, Gesellschaft und Politik meinten, hierin nicht nur eine große Unterstützung für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, sondern gar einen „neuen Patriotismus“ der Deutschen ausgemacht zu haben. Nach Ansicht einer Studie der Universität Marburg zeigten Untersuchungen aber auch einen einhergehenden Anstieg des Nationalismus in Deutschland.

Weil die deutsche Fußball-Nationalmannschaft dazu beigetragen hat, dass in Deutschland über Wochen diese bis dahin unbekannte Begeisterung und Euphorie ausgelöst wurde, hat Bundespräsident Horst Köhler am 14. August 2006 den Nationalspielern und dem Trainerstab das silberne Lorbeerblatt überreicht. Jürgen Klinsmann erhielt darüber hinaus im Februar 2007 noch das Bundesverdienstkreuz, nicht zuletzt auch für seinen Reformkurs für moderne Trainings- und Spielmethoden im deutschen Fußball, dem er trotz harter Kritik treu geblieben ist. Dennoch erklärte Klinsmann nach dem Turnier, dass er seinen Vertrag als Trainer der Nationalmannschaft nicht verlängern werde, da er sich nach eigenen Aussagen ausgebrannt fühlte und wieder mehr Zeit mit seiner Familie in Kalifornien verbringen möchte. Der DFB benannte noch am selben Tag den vorherigen Assistenztrainer Joachim Löw als Klinsmanns Nachfolger, da er aus Sicht der Verantwortlichen Klinsmanns Trainingsmethoden und Arbeit am besten fortsetzen könnte.

Nach einer repräsentativen Umfrage des Europäischen Tourismus Instituts (ETI) in Trier vertreten 96 % der Deutschen die Meinung, dass Deutschland ein guter Gastgeber während der Fußball-Weltmeisterschaft war. Außerdem empfanden 93 % der Befragten die ausländischen Fußballfans als angenehm.

In aller Welt zeigte man sich positiv überrascht, mit welcher Hingabe Deutschland die Weltmeisterschaft feierte. Vor allem die Tatsache, dass auch exotische Teams würdig empfangen und bejubelt wurden, sorgte für einen grundlegenden Wandel des Deutschlandbildes im Ausland.

Insbesondere am Beispiel England lassen sich konkrete Veränderungen in der Gesellschaft aufzeigen: Vor der WM wurden mit Deutschland oft das Dritte Reich und Hitler verbunden. Studien der Edge Hill University zufolge wurde dieses negative Bild besonders durch die englischen Schulen geprägt, da dort Deutschland praktisch nur im Kontext des Zweiten Weltkriegs thematisiert wurde. Mittlerweile wurde auch die deutsche Geschichte nach 1945 in die Lehrpläne aufgenommen, zudem ließ sich direkt nach der Weltmeisterschaft ein ruckartiger Anstieg der Anmeldungen für Sprachkurse bei den britischen Goethe-Instituten verzeichnen.

Vom Sportlichen her war die WM 2006 vor allem ein weiterer Beleg für die zunehmende taktische Prägung des Spiels.

Gerade in der Finalrunde, als sich in jedem Spiel zwei erstklassig eingestellte Mannschaften gegenüber standen, spielten Sicherheitsdenken und Disziplin die größte Rolle. Da zudem, anders als bei der WM 2002, kaum konditionelle Mängel bei den einzelnen Teams zu bemerken waren, fielen vergleichsweise wenig Tore. Entsprechend wurden viele Spiele erst in der Verlängerung oder im Elfmeterschießen entschieden. Bezeichnend ist, dass in der Finalrunde nur im eher unbedeutenden Spiel um Platz drei und im Achtelfinale zwischen Spanien und Frankreich mehr als drei Tore fielen.

Ähnliches wurde auch in der Vorrunde deutlich, als die spielerischen Mängel einzelner Teams durch eine hervorragende Athletik und gutes Defensivspiel weitgehend kompensiert werden konnten. Außenseiter wie Trinidad und Tobago oder Angola konnten gegen deutlich stärker eingeschätzte Gegner mithalten und diese sogar an den Rand der Niederlage bringen. Dies geschah zumeist auf Kosten eines attraktiven Offensivfußballs, so dass viele Vorrundenspiele nicht die noch von der vergangenen Europameisterschaft bekannte Qualität besaßen.

Auffällig in taktischer Hinsicht war vor allem, dass mit Ausnahme Deutschlands alle Halbfinalisten den Wechsel von einem 4-4-2-System mit einer Viererkette in der Abwehr, einer Raute im Mittelfeld und zwei Stürmern zu einem 4-4-1-1- oder 4-2-3-1-System vollzogen hatten, in dem insbesondere zwei klassische „Sechser“ vor der Abwehr spielten und so eine defensivere Grundordnung entstand. Dies wurde durch den Verzicht auf einen zweiten Stürmer kompensiert, so dass die verbleibenden Sturmspitzen wie beispielsweise der Portugiese Pauleta, Frankreichs Thierry Henry oder der Italiener Luca Toni auf sich allein gestellt waren und sich selten gegen die Abwehr des Gegners durchsetzen konnten.

Trotz der Wahl von Zinédine Zidane zum besten Spieler des Turniers wird diese Weltmeisterschaft daher vor allem aufgrund der hervorragenden Abwehrleistungen in Erinnerung bleiben. Insbesondere die italienische Mannschaft stellte mit ihren Defensivspielern Fabio Cannavaro, Andrea Pirlo und Gianluca Zambrotta drei der besten Aktiven des Turniers. Ins Bild passt zudem, dass mit Miroslav Klose erstmals seit 1962 ein Spieler mit weniger als sechs Treffern Torschützenkönig einer WM wurde.

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Liste der erfolgreichsten Torschützen der Fußball-Bundesliga

Logo der Fußball-Bundesliga

Die Liste der erfolgreichsten Torschützen der Fußball-Bundesliga verzeichnet alle Fußballspieler, die seit der Einführung der obersten bundesdeutschen Spielklasse im Jahr 1963 100 oder mehr Tore erzielt haben. Dabei wird für alle Spieler aufgeschlüsselt, wie viele Tore sie für welchen Verein erzielt haben und diese nach ihrer Anzahl angeordnet. Erfolgreichster Torschütze ist mit weitem Abstand der ausschließlich beim FC Bayern München eingesetzte Gerd Müller, der auch Rekordtorschütze der deutschen Fußballnationalmannschaft ist. Derzeit verzeichnet die Liste 46 Spieler, davon vier, die keine deutschen Staatsbürger sind oder waren. Aktive Bundesligaspieler sind grau unterlegt. Derzeit sind mit Miroslav Klose von Bayern München und Claudio Pizarro von Werder Bremen zwei aktive Spieler in dieser Liste.

Anmerkung: Spieler befinden sich in einem Bundesliga-Kader der aktuellen Saison (Stichtag 1. Juli).

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Fußballer des Monats

Fußballer des Monats ist eine monatlich vergebene Auszeichnung an Spieler der 1. Bundesliga.

Der Fußballer des Monats wird seit der Saison 2003/2004 monatlich gewählt. Die 18 Kapitäne der Bundesligamannschaften schlagen je einen Spieler vor; aus den drei meistgenannten Spielern wird dann in einer Publikumswahl der Fußballer des Monats ermittelt. Die Wahl wird vom Kicker Sportmagazin, dem DSF und der DFL organisiert.

Diego erhielt die Auszeichnung insgesamt fünf Mal und damit am häufigsten von allen Bundesligaspielern. Den höchsten Anteil an den Gesamtnennungen erhielt ebenfalls Diego im Dezember 2007 mit 81 Prozent. Miroslav Klose wurde bisher am häufigsten von den Kapitänen nominiert (8 Mal). Im März 2007 standen zum bislang einzigen Mal drei Torhüter, im Oktober 2008 mit Demba Ba, Vedad Ibišević und Chinedu Obasi von der TSG 1899 Hoffenheim erstmals drei Spieler aus einem Verein zur Wahl. Vedad Ibišević war es auch, der als einziger Spieler bisher in 4 aufeinander folgenden Monaten zur Wahl stand (August bis November 2008).

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Jürgen Klinsmann

Jürgen Klinsmann

1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Jürgen Klinsmann (* 30. Juli 1964 in Göppingen; Pseudonym: Jay Goppingen; Spitznamen: Klinsi, Flipper, La Pantegana Bionda und Diver) ist ein deutscher Fußballtrainer und ehemaliger Fußballspieler.

Klinsmann spielte von 1987 bis 1998 in der Deutschen Fußballnationalmannschaft, mit der er 1990 Weltmeister und 1996 Europameister wurde. Er wurde zweimal zu Deutschlands Fußballer des Jahres und 1995 zu Englands Fußballer des Jahres gewählt. Auf Vereinsebene spielte er in Deutschland, Italien, Frankreich und England sowie in den Vereinigten Staaten. Er gewann zweimal den UEFA-Pokal und eine Deutsche Meisterschaft.

2004 übernahm Klinsmann das Amt des deutschen Fußballbundestrainers und führte die Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2006 auf den dritten Platz. Nach der WM ließ er seinen Vertrag als Bundestrainer nicht verlängern. Er widmete sich dann wieder seiner Sportconsulting-Agentur SoccerSolutions in den USA.

Klinsmann übernahm am 1. Juli 2008 die Tätigkeit als Cheftrainer der Profimannschaft des FC Bayern München.

Jürgen Klinsmann ist einer von vier Söhnen des Bäckermeisters Siegfried Klinsmann († 2005) und dessen Frau Martha. Mit neun Jahren fing er beim TB Gingen in Gingen an der Fils an, Vereins-Fußball zu spielen. Ein halbes Jahr später erzielte er in einem Spiel seines Vereins 16 Tore. Mit zehn Jahren wechselte Jürgen Klinsmann zum SC Geislingen. Als Jürgen 14 Jahre alt war, kaufte der Vater in Stuttgart eine Bäckerei. Der Sohn, der in der württembergischen Jugendauswahl positiv aufgefallen war, spielte jedoch auch nach dem Umzug in die Landeshauptstadt weiter beim SC Geislingen. Mit 16 Jahren unterschrieb er bei den Stuttgarter Kickers einen Vertrag, der ihn zwei Jahre später zum Vollprofi machen sollte. Auf Beschluss der Eltern absolvierte er zuvor eine Lehre in der väterlichen Bäckerei.

Die erste Station von Jürgen Klinsmanns Profilaufbahn war ab 1981 der damalige Zweitligist Stuttgarter Kickers, bei dem er seit 1978 in der Jugend gespielt hatte. Ab der Spielzeit 1982/83 zählte er fest zum Zweitligaaufgebot. In der Saison 1983/84 konnte er bei diesem Verein 19 Treffer erzielen. Einer der damaligen Trainer der Stuttgarter Kickers (Horst Buhtz) erzählt, dass Klinsmann in dieser Zeit während einer Sommerpause Lauftraining in der Leichtathletikabteilung des Vereins genommen habe. Er habe dadurch zum Trainingsauftakt der neuen Saison seine 100-Meter-Zeit von 11,7 auf 11,0 Sekunden verbessern können.

1984 wechselte er zum erstklassigen Lokalrivalen VfB Stuttgart.

In seiner ersten Saison beim VfB erzielte Klinsmann 15 Tore und war damit nach Karl Allgöwer, der 16 Mal traf, bester Torschütze der Mannschaft; dass der Verein, der im Vorjahr noch Meister geworden war, nur Tabellenzehnter wurde, konnte er damit auch nicht verhindern. In den Saisons 1985/86 und 1986/87 traf er jeweils 16 Mal. Außerdem erreichte er 1986 mit dem VfB das Finale um den DFB-Pokal, welches 2:5 gegen den FC Bayern München verloren ging und in dem Klinsmann das letzte Tor des Spiels erzielte.

In der Saison 1987/88 wurde er mit 19 Treffern – darunter ein „legendärer“ Fallrückzieher im Spiel gegen Bayern München – Torschützenkönig der Bundesliga. Im Jahr 1987 bestritt er zudem in Brasilien sein erstes Länderspiel (1:1). 1988 wurde der 24-jährige Klinsmann Deutschlands Fußballer des Jahres.

Nachdem er 1989 mit Stuttgart das UEFA-Cup-Finale erreicht hatte (1:2, 3:3 gegen den SSC Neapel), wechselte Klinsmann zum italienischen Verein Inter Mailand, wo zu diesem Zeitpunkt mit Matthäus und Brehme zwei weitere deutsche Nationalspieler unter Vertrag standen.

Klinsmann unterschrieb bei Inter Mailand einen Drei-Jahres-Vertrag. Trotz der von Giovanni Trapattoni auf Defensive ausgerichteten Taktik erzielte Klinsmann in seiner ersten Spielzeit in der damals stärksten Liga der Welt 13 Treffer. Beim Publikum war Klinsmann einer der beliebtesten Ausländer, nicht zuletzt weil er Italienisch lernte und sich so den Respekt der Fans erwarb.

Nach weiteren Siegen über die Tschechoslowakei (1:0) und England (5:4 n.E.) gewann er mit der deutschen Elf im Finale gegen Argentinien durch einen 1:0 Sieg den WM-Titel. Klinsmanns Beitrag im Finale war dabei von schmerzhafter Natur. Nach einem brutalen Foul von Pedro Monzón an ihm wurde der Argentinier des Feldes verwiesen.

In der nächsten Saison sah sich Klinsmann vermehrt der Kritik der italienischen Medien ausgesetzt, und dies obwohl er mit Inter den UEFA-Pokal gewann (2:1 in der Addition gegen den AS Rom) und er in der Liga mit 14 Treffern die Leistung des Vorjahres praktisch wiederholen konnte. Klinsmann ließ seinen Vertrag dennoch bis 1994 verlängern und so seine Planungen, sollte nach der WM 1994 zugleich sein Karriereende sein.

Doch eine katastrophale Saison 1991/92 warf alle Planungen über den Haufen. Inter Mailand kam unter Trainer Corrado Orrico nie richtig in Tritt, am Saisonende stand Inter Mailand auf dem achten Rang, Klinsmann schoss nur sieben Tore und die Mannschaft war zerstritten und in Grüppchen aufgesplittert. Für Klinsmann stand nach dieser Saison fest, dass er auf jeden Fall den Verein wechseln wollte.

Nicht zuletzt aufgrund der schwachen Leistungen bei Mailand verlor Klinsmann seinen Stammplatz in der Nationalmannschaft an Karl-Heinz Riedle. Nur durch einen Armbruch Rudi Völlers im Auftaktspiel der Euro 1992 gegen die GUS rückte Klinsmann in die Stammformation. Für viele war schon die Nominierung Klinsmanns nach dieser schwachen Saison überraschend. Auch während der EM fand der Angreifer seine Form nicht wieder und konnte so auch die 0:2-Finalniederlage gegen Dänemark nicht verhindern und im gesamten Turnier keine Akzente setzen.

Anschließend spielte er erfolgreich bei AS Monaco (Monaco), Tottenham Hotspur (England), FC Bayern München und Sampdoria Genua (Italien).

Seine Karriere als Spieler endete 1998 bei der Fußball-WM in Frankreich, als die DFB-Elf gegen Kroatien aus dem Turnier ausschied. Klinsmann war zehn Jahre lang A-Nationalspieler und war zuvor auch in U21- und U16-Begegnungen eingesetzt worden. Bei den Olympischen Sommerspielen 1988 in Seoul erkämpfte der Stürmer mit dem deutschen Team die Bronzemedaille.

Jürgen Klinsmann bestritt insgesamt 221 Bundesliga-Spiele, bei denen er 110 Tore erzielte.

In der Nationalmannschaft absolvierte er 108 Spiele; 29 davon, als er bei Inter Mailand unter Vertrag stand, 24 als Vereinsspieler des AS Monaco, 23 als Spieler des FC Bayern München, 17 während seiner Zeit bei Tottenham Hotspur, 12 während der beim VfB Stuttgart und drei als Spieler von Sampdoria Genua. Er erzielte 47 Tore für die Deutsche Nationalmannschaft und belegt damit zusammen mit Rudi Völler den zweiten Platz in der (nationalen) Ewigen Torschützenliste und ist unter den Spielern, die mindestens 100 Länderspiele bestritten haben, der mit der besten Torquote (durchschnittlich 0,44 Treffer pro Spiel). Außerdem erzielte er bei den WM-Endrunden 1990, 1994 und 1998 insgesamt 11 Tore und ist damit nach Gerd Müller (14) der deutsche Spieler mit den meisten WM-Toren.

1995 war Klinsmann in England Fußballer des Jahres. In Deutschland erhielt er diesen Titel in den Jahren 1988 und 1994. 1995 wurde er von der IFFHS zum Welttorjäger ernannt.

Nach dem Rücktritt Rudi Völlers als Teamchef der Deutschen Fußballnationalmannschaft war eine Reihe von erfahrenen Trainern als Nachfolger gehandelt worden. Unter den möglichen Erben Völlers befanden sich dabei prominente Namen, darunter vor allem Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel. Außerdem orientierte sich der DFB mit einer extra für diese Entscheidung ins Leben gerufenen Trainerfindungskommission im Bereich der ausländischen Trainer. Als jedoch die Anfragen beim französischen Arsenal-Trainer Arsène Wenger, dem dänischen Nationaltrainer Morten Olsen und dem Niederländer Guus Hiddink ebenso ohne Erfolg blieben wie bei Hitzfeld, der sich nach seinem Engagement beim FC Bayern München eine Auszeit genommen hatte, und bei Rehhagel, der als frisch gebackener Europameistertrainer lieber seine Amtszeit in Griechenland fortsetzen wollte, fiel die Aufmerksamkeit schließlich auf den Trainernovizen Jürgen Klinsmann. Nachdem dieser aber in den Interviews zur Nationalmannschaft die Reformbedürftigkeit des gesamten DFB behauptet hatte, weckte dies zunächst den Eindruck eines missglückten Bewerbungsversuchs, zumal sich mittlerweile auch Lothar Matthäus mit der Unterstützung seines ehemaligen Förderers Franz Beckenbauer und der Bild-Zeitung ins Gespräch gebracht hatte. Dennoch wurde nach einer mittlerweile vier Wochen andauernden Vakanzphase Klinsmann am 26. Juli 2004 als neuer Fußballbundestrainer der DFB-Auswahl vorgestellt. Dazu waren zuvor Gerhard Mayer-Vorfelder und Werner Hackmann zu Verhandlungen mit Klinsmann in die Vereinigten Staaten geflogen.

An der Seite von Klinsmann sollten fortan Oliver Bierhoff als Teammanager und Joachim Löw als Co-Trainer fungieren. Klinsmann, der weitgehende Befugnisse ausgehandelt hatte, begann trotz seiner relativen Unerfahrenheit mit umfangreichen Reformarbeiten. Zur Verbesserung der Trainingsmethoden lud er zahlreiche Neuerer ein. Zudem kündigte er an, verstärkt auf junge Spieler zu setzen, andererseits aber nur solche Spieler in die Nationalmannschaft zu berufen, die in ihrem Verein eingesetzt würden. Die Fitness-Werte sollten eine große Rolle für Berufungen spielen. Taktisch setzte Klinsmann auf einen offensiv orientierten Spielstil.

Auch die Personalpolitik des neuen Bundestrainers sorgte für weitreichende Veränderungen im Stab der Nationalmannschaft - erstes prominentes „Opfer“ wurde der ehemalige DFB-Direktor Bernd Pfaff. Ihm folgte der langjährige Torwarttrainer Sepp Maier, nachdem dieser in der Frage nach der „Nummer 1“ im Tor entgegen Klinsmanns Auffassung für Oliver Kahn Partei ergriffen hatte. Bei der Einbindung von Berti Vogts, der vom DFB abgelehnt wurde, scheiterte Klinsmann jedoch genauso wie bei seiner Nominierung des Hockey-Nationaltrainers Bernhard Peters als Koordinator der Jugendnationalmannschaften. Für eine systematische körperliche Arbeit stellte Klinsmann den US-amerikanischen Fitnesstrainer Mark Verstegen ein, der gemeinsam mit Oliver Schmidtlein – ehemaliger Physiotherapeut des FC Bayern München und seit seinem zweijährigen Aufenthalt in Los Angeles mit Klinsmann befreundet – individuelle Trainingspläne zur Verbesserung des Bewegungsablaufes erstellte. Dazu erhielten die Nationalspieler individuelle „Hausaufgaben“, die sich an diesen Plänen ausrichteten.

Klinsmanns Engagement begann mit Erfolgen. In der ersten Partie gegen das jedoch nicht zu Europas Spitze zu zählende Österreich agierte die neue Klinsmann-Elf beim 3:1-Sieg phasenweise mit einem Pressing, das den Gegner bereits in dessen Hälfte stark unter Druck setzte. Die unter Völler zuletzt defensiver orientierte Mannschaft kam danach auf zahlreichen Positionen verjüngt zu einem 1:1 gegen den damals amtierenden Weltmeister aus Brasilien. Im restlichen Verlauf der Saison 2004/05 führte Klinsmann eine große Anzahl junger Spieler an die Nationalmannschaft heran – alleine in der Partie gegen Kamerun standen sechs Spieler, die nicht älter als 22 Jahre alt waren –  und blieb bis vor Beginn des Konföderationen-Pokals 2005, mit Ausnahme eines 1:3 in Südkorea während einer Südostasien-Tournee in der Vorweihnachtszeit des Jahres 2004, ohne Niederlage.

Bei dem zur Generalprobe für die Fußball-Weltmeisterschaft deklarierten Confederations Cup führte Klinsmann den Offensivstil seiner Mannschaft weiter fort, und in einem torreichen Eröffnungsspiel besiegte die Elf den Gegner aus Australien mit 4:3. Nach einem weiteren 3:0 gegen Tunesien trotzte die deutsche Mannschaft dem jedoch nicht in Bestbesetzung angetretenen Gegner aus Argentinien ein 2:2-Remis ab und gewann damit die Vorrundengruppe. Im anschließenden Halbfinale unterlag die Elf dem späteren Sieger aus Brasilien mit 2:3, konnte jedoch danach in einem weiteren torreichen Spiel um Platz 3 Mexiko mit 4:3 nach Verlängerung niederringen.

Nach diesen ermutigenden Ergebnissen geriet Klinsmann jedoch in der anschließenden Saison 2005/06 kontinuierlich in den Fokus von Kritik. Einem glücklichen 2:2 gegen die Niederlande im ersten Spiel nach dem Konföderationen-Pokal folgten - unterbrochen von einem 4:2 gegen Südafrika zwei ernüchternde Auswärtsniederlagen in der Slowakei (0:2) und in der Türkei (1:2). Obwohl die Klinsmann-Elf mit einem 0:0 in Frankreich kurzzeitig wieder Hoffnung aufbauen konnte, erreichte die Kritik mit einer 1:4-Niederlage gegen Italien im Frühjahr 2006 ihren Höhepunkt. Das Team hatte dabei bereits nach sieben Minuten mit 0:2 Toren zurückgelegen und speziell beim zweiten Treffer große Defensivprobleme offenbart. Neben der Kritik an der sportlichen Ausrichtung der Klinsmann-Elf erstreckten sich die Vorwürfe nun vor allem an die Adresse des Trainers selbst. Insbesondere Klinsmanns Wohnsitz in den USA und seine Abwesenheit während einer internationalen Trainertagung in Deutschland wurden Bestandteil teils heftiger Vorwürfe. Zudem forderten Teile des Sportausschusses des Deutschen Bundestags, Klinsmann zu einer Stellungnahme vor dem Gremium zu laden, in dem dieser Rechenschaft über seine weitere Vorgehensweise ablegen sollte. Mit einem 4:1-Sieg gegen den WM-Teilnehmer USA drei Wochen später konnte sich Klinsmann wieder etwas Ruhe in der öffentlichen Diskussion verschaffen, überstand diese Kontroverse und ging rund zwei Monate später mit seinem Team in die unmittelbare WM-Vorbereitung.

Die Klinsmann-Elf besiegte im Eröffnungsspiel der WM Costa Rica mit 4:2. Obwohl hier noch die bereits im Italien-Spiel kritisierten Defensivprobleme zu Tage getreten waren, wandelte sich die öffentliche Wahrnehmung nach dem vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale durch den späten 1:0-Siegtreffer gegen Polen deutlich zum Positiven. Der 3:0-Sieg gegen Ecuador führte zum Gruppensieg. Nach einem verdienten 2:0-Sieg gegen Schweden im Achtelfinale stand das deutsche Team im Viertelfinale dann Argentinien gegenüber. Die deutschen Offensivqualitäten kamen nicht zum Durchschlag, und die Südamerikaner ging kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit mit 1:0 in Führung. Durch die Einwechslungen von Tim Borowski und David Odonkor sorgte Klinsmann jedoch in der Folgezeit für zusätzliche Belebung im deutschen Spiel, während sein Gegenüber José Pekerman mit der Herausnahme offensiver Kreativspieler den knappen Sieg zu verteidigen versuchte. Es folgte der deutsche Ausgleich von Miroslav Klose in der regulären Spielzeit und nach dem Ablauf weiterer 30 Verlängerungsminuten siegte der Gastgeber im Elfmeterschießen und zog ins Halbfinale ein, wo die Klinsmann-Elf nun Italien gegenüberstand. Nach torlosen 90 Minuten ging auch diese Partie in die Verlängerung, in der die Südeuropäer das deutsche Team durch zwei späte Treffer mit 2:0 besiegten. Trotz dieser Niederlage war um die deutsche Nationalmannschaft herum eine große Euphorie entstanden, die sich darin äußerte, dass sich das Spiel um Platz 3 gegen Portugal – es endete 3:1 für Deutschland – noch einmal zu einem Schaulaufen entwickelte.

Nach einer weiteren Parade für die deutsche Nationalmannschaft in Berlin, bei der sich Klinsmann hinsichtlich seiner Zukunft als Bundestrainer noch nicht äußerte, verkündete er schließlich zwei Tage nach Ende des Turniers am 11. Juli 2006, dass er seinen Vertrag als Bundestrainer nicht verlängern werde. Als Grund gab Klinsmann an, durch die vergangenen zwei Jahre „ausgebrannt“ zu sein. Zu seinem Nachfolger wurde Klinsmanns damaliger Co-Trainer Joachim Löw bestimmt. Später erhielt Klinsmann für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz am Bande – dieser erschien aber nicht zum ursprünglichen Verleihungstermin, sondern erhielt es anlässlich einer Feierstunde am 28. Februar 2007 im Berliner Kanzleramt. Überreicht wurde es ihm durch die Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Jürgen Klinsmann wird eine Abneigung gegen die Bild-Zeitung nachgesagt. So folgte Klinsmann Berti Vogts darin, dass er der Bild-Zeitung die Spielaufstellung nicht exklusiv bereits einen Tag vor Spielbeginn übermittelte. Viele Journalisten sagen, dass diese Haltung auf Gegenseitigkeit beruhe, da Bild mit Antipathie über Klinsmann berichtete. In einem Interview mit dem Stern erklärte Klinsmann, die Bild-Zeitung habe schon Ende der 1980er Jahre behauptet, er sei homosexuell. Seitdem sei das Verhältnis „sehr angespannt“. 1996 wiederholte die Bild-Zeitung diese Behauptung. Klinsmann ging dagegen gerichtlich vor, und ihm wurde Recht zugesprochen.

Während die Bild-Zeitung im März 2006 noch titelte „Klinsmanns Unverschämtheit“, wandelte sich zum Ende der WM 2006 mit dem Erfolg der deutschen Nationalmannschaft und der Begeisterung in der Bevölkerung die Berichterstattung durch die Bild-Zeitung deutlich. Klinsmann wurde nun sehr positiv dargestellt, und am 6. Juli 2006 hieß es auf der Titelseite: „Klinsi – Deutschland wünscht sich, dass er bleibt“.

Nach der Weltmeisterschaft war Klinsmann als künftiger Fußball-Nationaltrainer der Vereinigten Staaten gehandelt worden. Er führte bereits wenige Wochen nach dem Turnier Gespräche mit dem US-amerikanischen Fußballverband. Am 7. Dezember 2006 zog sich Klinsmann endgültig aus den Verhandlungen zurück, nachdem keine Übereinkunft erzielt worden war. Anfang 2007 gab es Gerüchte, dass er José Mourinho beim englischen Verein FC Chelsea ablösen würde. Kurz nachdem Chelsea-Geschäftsführer Peter Kenyon jedoch bekannt gab, dass man Mourinho nicht entlassen werde, unterschrieb Klinsmann einen 2-Jahres-Vertrag als TV-Kommentator beim Bezahlsender Arena. Jedoch kam dieser aufgrund der Auflösung Arenas nicht zustande.

Seit dem 1. Juli 2008 ist Klinsmann als Trainer beim FC Bayern München tätig.

Jürgen Klinsmann absolvierte neben seiner beginnenden Fußballkarriere eine Lehre in der elterlichen Bäckerei in Stuttgart-Botnang. Bei seinen Stationen im Ausland lernte er jeweils sehr gut die Landessprache sowie zusätzlich Spanisch nach der aktiven Zeit als Spieler, so dass er Italienisch, Englisch, Französisch und Spanisch spricht. 1995 heiratete er das damalige Model Debbie Chin aus San José, lebt seit 1998 mit ihr in einer Villa am Strand von Huntington Beach bei Los Angeles, Kalifornien in den USA und hat zwei Kinder. Bis zum Antritt seines neuen Postens arbeitete er als Manager eines Sportmanagementunternehmens. Zuvor war er als Co-Trainer des Vereins Los Angeles Galaxy tätig. Auch setzte er sich viel für gemeinnützige Projekte ein. Jürgen Klinsmann gehört dem Präsidium der Stiftung Jugendfußball an. Die Stiftung Jugendfußball wurde im Jahr 2000 von Klinsmann, weiteren erfolgreichen Nationalspielern sowie den Dozenten des Fußball-Lehrer-Sonderlehrgangs gegründet. Gemeinsam mit den Absolventen des Lehrgangs startete die Stiftung 2001 das Projekt fussballD21 zur Förderung des Fußballnachwuchses. 2002 entstand das zweite Projekt der Stiftung Jugendfußball streetfootballworld – the other dimension of the game. Außerdem engagiert sich Klinsmann für das von ihm gegründete Hilfswerk Agapedia zur Unterstützung hilfsbedürftiger Kinder.

Seit Mai 2001 ist Jürgen Klinsmann Partner bei der Sport-Consulting-Agentur SoccerSolutions in den USA. Klinsmann ist Vice President dieser Agentur, sein Partner Mick Hoban President und Warren Mersereau wie Klinsmann Vice President. Nach seiner Tätigkeit für den DFB als Fußballnationaltrainer widmete er sich wieder seiner Firma in seinem Hauptbereich Business Development.

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Source : Wikipedia