Lungenkrebs

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Geschrieben von bishop 30/03/2009 @ 17:07

Tags : lungenkrebs, krebs, krankheit, gesundheit

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Krebs (Medizin)

Mammogramm mit diagnostiziertem Brustkrebs

Krebs bezeichnet in der Medizin einen malignen (bösartigen) Tumor – eine bösartige Neoplasie. Im engeren Sinn sind die malignen epithelialen Tumoren (Karzinome) und die malignen mesenchymalen Tumoren (Sarkome) gemeint. Umgangssprachlich werden auch die bösartigen Hämoblastosen als Krebs, wie beispielsweise Leukämie als „Blutkrebs“ bezeichnet.

Alle sonstigen Tumoren, zu denen auch benigne (gutartige) Neoplasien zählen, sind kein „gutartiger Krebs“ oder Krebs irgendeiner Form. Diese sind Gewebsvermehrungen oder Raumforderungen im Körper, die keine Metastasen bilden. Das betrifft sowohl die Schwellung bei einer Entzündung als auch gutartige Neoplasien (Neubildungen von Körpergewebe durch Fehlregulationen des Zellwachstums).

Gutartige Tumoren wie Muttermale und Fettgeschwülste (Lipome) werden in der Fachsprache nicht als Krebs bezeichnet, aber sie können trotzdem gefährlich werden, da sie entarten können oder lebenswichtige Organe in deren Funktion beeinträchtigen (etwa der Kleinhirn-Brückenwinkeltumor). Krebs ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein Sammelbegriff für eine Vielzahl verwandter Krankheiten, bei denen Körperzellen unkontrolliert wachsen, sich teilen und gesundes Gewebe verdrängen und zerstören können. Krebs hat unterschiedliche Auslöser, die letztlich alle zu einer Störung des genetisch geregelten Gleichgewichts zwischen Zellzyklus (Wachstum und Teilung) und Zelltod (Apoptose) führen.

Die sich dem Krebs widmende medizinische Fachdisziplin ist die Onkologie.

Prinzipiell kann jedes Organ des menschlichen Körpers von Krebs befallen werden, es gibt jedoch erhebliche Häufigkeitsunterschiede nach Alter, Geschlecht, kollektiver Zugehörigkeit, geographischer Region, Ernährungsgewohnheiten usw. In Deutschland treten Krebserkrankungen gehäuft in Organen wie Brustdrüse (Frauen), Prostata (Männer), Lunge und Dickdarm auf.

Krebs ist nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Dennoch ist nicht jeder Krebsverlauf tödlich, falls rechtzeitig eine Therapie begonnen wird oder der Krebs erst in hohem Lebensalter auftritt und dann langsam wächst. Die derzeitige Heilungsrate bei allen Krebserkrankungen beträgt durchschnittlich 30 bis 40 Prozent. Als geheilt wird in der Onkologie ein Patient bezeichnet, der mindestens fünf Jahre lang ohne Rückfall (Rezidiv) überlebt. Diese Definition von geheilt ist problematisch, weil viele der Rückfälle erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Es fließen mithin viele Patienten in die Krebs-Erfolgsstatistik ein, die später an Krebs sterben.

Die Krebserkrankung äußert sich in verschiedenen Ausprägungen und Krankheitsbildern, aus diesem Grunde können keine generellen Aussagen bezüglich Lebenserwartung und Heilungschancen gemacht werden. Es sind gegenwärtig etwa 100 verschiedene Krebserkrankungen bekannt, die sich in Überlebenschance, Behandlungsmöglichkeiten und der Bildung von Metastasen teilweise stark unterscheiden.

Die Häufigkeit der meisten Krebserkrankungen nimmt mit dem Alter deutlich zu, so dass man Krebs auch als eine Alterserkrankung des Zellwachstums ansehen kann. Daneben sind das Rauchen, andere karzinogene Noxen, familiäre Disposition (Veranlagung) und Virusinfektionen die Hauptursachen für Krebserkrankungen. Der Nobelpreisträger zur Hausen führt gut 20 Prozent aller Krebserkrankungen auf Infektionen zurück (HPV, Hepatitis B und C, Helicobacter pylori, EBV, HHV 8, HTLV-1, bestimmte Parasiten (Blasenkrebs im Nildelta), Merkelzell-Polyoma-Virus).

Durch Krebsvorbeugung und Früherkennung kann das Krebsrisiko unter bestimmten Umständen (abhängig vom Diagnosezeitpunkt, der Krebsart und einem dafür optimalen Alter des Patienten) deutlich verringert werden.

Der Name Krebs wurde Galenus zufolge durch die Ähnlichkeit der geschwollenen Venen eines äußeren Tumors mit Krebsbeinen inspiriert (→ Krankheit als Metapher). Zuvor verwendete Hippokrates den Begriff „Krebs“ vermutlich als erster, als er bei der Behandlung eines Brustgeschwüres die Ähnlichkeit mit den Beinen eines Krustentieres entdeckte – außerdem galt der Brustbereich dem Tierkreiszeichen Krebs zugehörig (vgl. Homo signorum). Aristoteles bezeichnete als Krebs oberflächlich feststellbare, in benachbarte Organe infiltrierende und einwachsende Geschwülste (etwa fortgeschrittener Hautkrebs oder Brustkrebs).

Bei Krebszellen ist die Abstimmung von Wachstum, Teilung und Zerstörung im Zellverband außer Kraft gesetzt. Regulierende Signale werden nicht erkannt oder nicht ausgeführt, da meistens der dafür benötigte genetische Code defekt ist.

Etwa 5.000 der insgesamt 25.000 Gene des Menschen sind für die sichere Erhaltung des genetischen Codes von einer Zellgeneration zur nächsten zuständig. Diese sogenannten Protoonkogene und Tumorsuppressorgene überwachen die korrekte Abfolge der Basenpaare in der DNA nach jeder Reduplikation, entscheiden über die Notwendigkeit von Reparaturvorgängen, halten den Zellzyklus an, bis die Reparaturen ausgeführt sind, und veranlassen gegebenenfalls einen programmierten Zelltod (Apoptose), falls die Reparatur nicht zum Erfolg führt.

Nach der heute plausibelsten Theorie der Krebsentstehung (Karzinogenese) ist das primäre Krankheitsereignis eine Veränderung in einem dieser „Wächtergene“, entweder durch einen Kopierfehler oder seltener durch eine angeborene Mutation. Dieses Gen kann dann den von ihm überwachten Teilschritt nicht mehr korrekt begleiten, so dass es in der nächsten Zellgeneration zu weiteren Defekten kommen kann. Ist ein zweites Wächtergen betroffen, so potenziert sich der Effekt fortlaufend. Wenn auch Apoptose-Gene (z. B. p53) betroffen sind, die in einer solchen Situation den programmierten Zelltod auslösen müssten, werden diese Zellen unsterblich.

Durch weitere Veränderungen der DNA kann die Zelle zusätzliche Eigenschaften ausbilden, die eine Behandlung der Krebserkrankung erschweren, darunter die Fähigkeit, unter Sauerstoffmangel zu überleben, eine eigene Blutversorgung aufzubauen (Angiogenese) oder aus dem Verband auszuwandern und sich in fremden Geweben wie Knochen, Lunge oder Gehirn anzusiedeln (Metastasierung). Erst durch diese Fähigkeit gewinnt der Krebs seine tödliche Potenz: 90% aller Krebspatienten, bei denen die Krankheit tödlich ausgeht, sterben nicht am Primärtumor, sondern an dessen Metastasen beziehungsweise an Folgekrankheiten der Metastasierung.

Das Immunsystem versucht grundsätzlich, die unkontrolliert wachsenden Zellen zu bekämpfen. Da diese aber in vielerlei Hinsicht normalen Körperzellen gleichen, sind die Abwehrmaßnahmen meist nicht ausreichend, um den Tumor zu kontrollieren.

Krebszellen sind häufig aneuploid, das heißt, sie haben dann eine veränderte Chromosomenzahl. Es ist Gegenstand der Forschung, ob die Aneuploidie von Krebszellen Ursache oder Folge der Erkrankung ist. Damit verbunden ist die Theorie, wonach die Entstehung von Krebs nicht oder nicht nur auf die Mutation einzelner Gene, sondern auf die Veränderung des kompletten Chromosomensatzes zurückgeht.

Die meisten Krebsforscher gehen von einem „Mehrschrittmodell“ der Krebsentstehung aus. Das Mehrschrittmodell versucht die Krebsentwicklung ursächlich zu verstehen. Die Proliferation der relevant genetisch veränderten Zelle zu einem Zellhaufen, ohne äußere Einflüsse im Laufe der Zeit, oder schneller durch promovierende Einflüsse, vergrößert dabei entscheidend die Wahrscheinlichkeit für eine weitere relevante genetische Veränderungen im Rahmen des Mehrschrittprozesses. Solche Veränderungen können wieder durch äußere Einflüsse (krebserregende Stoffe) induziert werden, oder durch genetische Instabilität der veränderten Zellpopulation zustande kommen. Irritierende Reize können durch Erhöhung der Proliferation diesen Prozess beschleunigen. Bis zu zehn verschiedene Mutationen müssen erfolgt sein. Einige dieser notwendigen Mutationen können vererbt werden, was erklärt, dass auch sehr kleine Kinder an Krebs erkranken können und dass Krebs in sogenannten „Krebsfamilien“ gehäuft auftreten kann. Ein typisches Beispiel dafür ist das vererbbare Xeroderma pigmentosum. Bei nahen Verwandten von Patientinnen mit Brustkrebs ist die Wahrscheinlichkeit, Brustkrebs zu bekommen, doppelt so hoch wie in der übrigen Bevölkerung. In den dazwischenliegenden Schritten der Tumorentstehung (Promotion und Progression) spielen nicht genotoxische Prozesse eine große Rolle, was Beobachter dazu verleiten könnte, diese Einflüsse als eigentliche „Krebserreger“ einzustufen. Die eigentliche Malignität (bei malignen Tumoren) der entarteten Zelle wird in der Phase der Progression erreicht. Die Begriffe Promotion und Progression werden zunehmend vom Begriff der Co-Carcinogenese ersetzt.

Das ältere sogenannte „Dreistufenmodell“ gliedert die Krebsentstehung dagegen in Phasen: Initiation, Promotion und Progression. So soll die Jahre bzw. Jahrzehnte dauernde Latenzphase zwischen dem initialen DNA-Schaden, also der Transformation einer einzelnen Zelle, und dem nachweisbaren Tumor erklärt werden. Problematisch am Dreistufenmodell ist, dass die Begrifflichkeiten Initiation, Promotion und Progression lediglich beschreiben und nicht die Ursache erklären.

1902 schrieb John Beard, dass Krebszellen trophoblastischen Embryonalzellen glichen. Zu Beginn einer Schwangerschaft sorgten diese Zellen dafür, dass sich der Embryo in der Gebärmutter einnisten könne. Das Wachstum sei aggressiv und chaotisch. Die Zellen teilten sich schnell und gewännen ihre Energie aus der Zuckergärung. Sie unterdrückten das Immunsystem der Mutter und produzierten humanes Choriongonadotropin (hCG), das mittlerweile als Tumormarker anerkannt ist. Die Wucherung stoppt erst, wenn der Embryo ab der siebten Woche Pankreasenzyme erzeugt. Ohne diese Enzyme entstünde der bösartigste Tumor, das Chorionkarzinom. Die Annahme, dass Krebstumoren Energie aus der Zuckergärung gewännen (d. h. der Tumor würde anaerob leben), war die Basis für viele überholte Behandlungsmethoden.

Im Jahr 1908 entdeckten Ellermann und Bang ein Virus, das Leukämie in Hühnern verursachte.

Peyton Rous war es dann, der 1911 aus einem Muskeltumor mit der hohen Filterfeinheit von 120 Nanometern einen Extrakt filterte, mit dem er wieder Krebs erzeugen konnte. Er vermutete in diesem Extrakt ein Virus. 1966 erhielt Rous für diese Entdeckung des Rous-Sarkom-Virus (RSV) den Nobelpreis.

Die Folgen bösartigen Tumorwachstums für den Organismus sind sehr vielfältig und bei jedem Patienten individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Tumorwachstum kann einerseits unmittelbar zu lokalen Wirkungen im Nachbargewebe führen. Andererseits können Tumoren auch systemische (den gesamten Organismus betreffende) Wirkungen verursachen. Entscheidend für den Krankheitsverlauf ist häufig die Ausbildung von Tochtergeschwülsten, die ihrerseits in den betroffenen Organen zu einer Reihe von Funktionsstörungen führen können.

Wenn Tumoren wachsen, können sie das gesunde Nachbargewebe verdrängen, ohne es zu zerstören, oder aber zerstörend in das Nachbargewebe einwachsen (invasiv-destruierendes Wachstum). Beide Formen des Wachstums können zu lokalen Komplikationen führen. So kann beispielsweise durch expansives Wachstum ein blutführendes Gefäß komprimiert werden. Die in der Folge auftretende Durchblutungsstörung des abhängigen Gewebes kann dazu führen, dass dieses Gewebe abstirbt (Nekrose). Infiltrierend-destruierendes Wachstum kann beispielsweise in Hohlorganen wie dem Darm durch Zerstörung des Gewebes zu Durchbrüchen (Perforationen) und Fistelungen führen. Tumorfisteln führen häufig durch Infektionen zu weiteren Komplikationen.

Tumoren können auf unterschiedliche Weise den gesamten Organismus beeinflussen. Vom Primärtumor ausgehende Tochtergeschwulste können sich in anderen Organen ansiedeln und hier durch lokales Wachstum Gewebe zerstören und zu Funktionsstörungen führen. Bei vielen Patienten kommt es im Laufe der Krebserkrankung zu einem allgemeinen Kräfteverfall und Gewichtsverlust (Tumorkachexie, Auszehrung). Zu den systemischen Wirkungen von Tumoren werden auch sogenannte paraneoplastische Syndrome gerechnet. Hierbei kommt es zu charakteristischen Symptomen in verschiedenen Organsystemen, die letztlich durch den Tumor verursacht werden. Beispielsweise kann ein Lungenkrebs zu einer Störung der hormonellen Regulation des Wasserhaushalts führen (Schwartz-Bartter-Syndrom).

Die meisten Patienten sterben nicht am Primärtumor, sondern an dessen Metastasen. Die unkontrollierte Vermehrung vor allem der Metastasen schädigt lebenswichtige Organe, bis diese ihre Funktion nicht mehr erfüllen können. Häufige unmittelbare Todesursachen sind Gefäßverschlüsse (Thrombembolien) oder vom Organismus nicht mehr beherrschbare Infektionen (Sepsis, Blutvergiftung).

Die Stadieneinteilung erfolgt bei Karzinomen nach der internationalen TNM-Klassifikation. Dabei steht T0 bis T4 für die Ausdehnung des Primär-Tumors, N0 bis N3 für den Lymphknotenbefall (lat. Nodulus lymphaticus) und M0 bzw. M1 für das Fehlen oder Vorhandensein von Fern-Metastasen.

Daneben werden noch semimaligne Tumoren und Präkanzerosen unterschieden. Semimaligne Tumoren erfüllen nur zwei der genannten Kriterien, Präkanzerosen sind entartetes Gewebe, welches sich mit hoher Wahrscheinlichkeit zu malignen Tumoren entdifferenziert, aber noch nicht infiltrierend und metastasierend gewachsen ist.

Der häufigste semimaligne Tumor ist das Basaliom, ein Tumor der Basalzellschicht vor allem der sonnenexponierten Haut, der infiltrierend und destruierend wächst, allerdings nicht metastasiert. Unbehandelt kann der Tumor das gesamte Gesicht einschließlich der Gesichtsknochen zerstören.

Die weitaus häufigste Präkanzerose ist die zervikale intraepitheliale Neoplasie, eine Wucherung des Gebärmutterhalses, deren Zellen zellbiologisch Zeichen der Malignität aufweisen, allerdings vom Gewebe her noch nicht infiltriert, destruiert oder metastasiert haben. Zur Vorsorge wird Frauen der jährliche Gebärmutterabstrich nach Papanicolaou, auch PAP-Abstrich genannt, empfohlen, da Präkanzerosen sich deutlich besser behandeln lassen.

Krebstumoren werden nach dem Typ des entarteten Gewebes klassifiziert. Den weitaus größten Teil aller Krebserkrankungen machen Karzinome aus, also Tumoren, die von Epithel ausgehen. Diese werden nochmals differenziert in Plattenepithel- oder squamöse Karzinome, die sich von verhornter und unverhornter (Schleim-)Haut ableiten, und Adenokarzinome, welche sich vom Drüsenepithel ableiten und je nach Ursprung und Aufbau weiter differenziert werden. Vom Übergangsgewebe ausgehende Karzinome werden als Urothelkarzinome bezeichnet und sind unter anderem für den Blasenkrebs typisch. Eine weitere große Gruppe sind die hämatologischen Krebsformen des Blutes und der blutbildenden Organe, die sich in Leukämien und Lymphome, auch „Lymphdrüsenkrebs“ genannt, unterteilen lassen. Daneben gibt es seltenere bösartige Tumoren, wie die vom Stütz- und Bindegewebe ausgehenden Sarkome, neuroendokrine Tumoren wie das Karzinoid oder von embryonalem Gewebe ausgehende Teratome (vor allem der Keimdrüsen).

Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) klassifiziert maligne Tumoren nach ihrer Lokalisation.

Statistisch gesehen entwickelt jeder dritte Europäer im Laufe seines Lebens Krebs. In Deutschland erkranken etwa 395.000 Menschen jährlich an Krebs, davon rund 195.000 Frauen und 200.000 Männer. Die meisten Fälle treten im Alter von über 60 Jahren auf. Die unter 60-jährigen machen mit etwa 107.000 Fällen nur rund ein Viertel der Krebs-Neuerkrankungen aus. Einer US-Studie zufolge sterben weltweit jeden Tag etwa 20.000 Menschen an den Folgen einer Krebserkrankung. Insgesamt wird es danach 2007 etwa 7,6 Millionen Tote durch Krebs geben – davon 4,7 Millionen in Entwicklungsländern. Die Gesamtzahl aller jährlich weltweit neudiagnostizierten Krebserkrankungen wird dieser Quelle nach mit 12,3 Millionen angegeben. Dies ist die erste Schätzung dieser Art. Beim Tod durch die Folgen des Rauchens rechnen Forscher weiter mit steigenden Zahlen. Im 20. Jahrhundert sei der Tabakkonsum Ursache für etwa 100 Millionen Todesfälle gewesen, im 21. Jahrhundert sei mit etwa einer Milliarde Toten zu rechnen.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 1.750 Kinder unter 15 Jahren an Krebs. Am häufigsten werden in dieser Altersgruppe Leukämien, Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks sowie Lymphknotenkrebs diagnostiziert. Die neuesten für Deutschland zur Verfügung stehenden statistischen Zahlen (Krebsregister des Saarlandes) ergeben für den Zeitraum von 1998 bis 2002 für alle Krebsarten eine relative 5-Jahres-Überlebensrate von 55 Prozent. Nach dieser fünfjährigen Überlebenszeit ergibt sich für die Überlebenden sodann meistens eine durchschnittliche Lebenserwartung, die der von Gleichaltrigen der allgemeinen Bevölkerung entspricht. Nur bei sehr wenigen Krebsarten ist dies nicht der Fall, hier muss eine 10-Jahres-Frist abgewartet werden. Von allen Krebsheilungen werden ca. 90 % ausschließlich durch die lokal auf die Tumorregion gerichtete, sogenannte lokoregionäre Behandlung, also durch Operation und Strahlentherapie (»Stahl und Strahl«) erreicht.

Sehr selten gibt es auch Spontanremissionen. Sie treten nur bei etwa 1:50.000-100.000 Fällen auf. Als Spontanremission bezeichnet man ein komplettes oder teilweises Verschwinden eines bösartigen Tumors in Abwesenheit aller Behandlungen oder mit Behandlungen, für die bisher kein Wirksamkeitsnachweis geführt werden konnte. Allerdings liegt die Wahrscheinlichkeit solcher Spontanremissionen unter der Wahrscheinlichkeit einer Fehldiagnose. Trotz intensiver Forschung gelingt es zur Zeit nicht, gezielt Spontanremissionen therapeutisch zu induzieren.

Viele Malignompatienten tauchen in Krebsstatistiken offenbar nicht auf. Oft werden bösartige Tumoren nur durch eine Sektion aufgedeckt. In Hamburg hat man die zwischen 1994 und 2002 am Institut für Rechtsmedizin durchgeführten Autopsien in Sachen Krebsdiagnose genauer untersucht. 8844 Sektionen gingen in die Auswertung ein. Bei 519 Toten (5,9 %) fand sich ein bösartiger Tumor. Nur 58 dieser Fälle waren dem Krebsregister gemeldet worden. Zwei Drittel der Malignome waren zu Lebzeiten bekannt, 27,2 % wurden erst bei der Sektion entdeckt. Bei gut der Hälfte war der Krebs die Todesursache. Selbst von den letalen Tumoren waren 17 % erst bei der Autopsie erkannt worden. Damit scheinen die Krebsregister, die ja auf zu Lebzeiten bekannten Tumorerkrankungen basieren, nicht exakt zu sein.

Die unbefriedigende Heilungsrate bei bestimmten Tumorerkrankungen und die Nebenwirkungen der etablierten Behandlungsmethoden lösen oft Ängste und Verzweiflung bei den Betroffenen und deren Angehörigen aus. Dies führt unter Umständen zur Hinwendung zu unkonventionellen Behandlungsarten, denen in vielen Fällen der Nachweis der Wirksamkeit fehlt, und deren Grundlagen meist einer naturwissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten. Einige von ihnen werden als „Wunderheilung“ abgelehnt, andere hingegen als ergänzende Therapieverfahren auch von der Schulmedizin akzeptiert.

Auch wenn – leider häufig – eine vollständige Heilung nicht erreicht werden kann, ist in Betracht zu ziehen, dass bei einem 75-jährigen Krebspatienten eine Lebenszeitverlängerung von 1 oder 2 Jahren schon als ein sehr gutes Resultat zu betrachten ist (ältere Krebspatienten sterben oft an etwas anderem als am Krebs), während bei einer 45-jährigen Brustkrebspatientin erst eine 10-jährige Rückfallfreiheit als „sehr gut“ bewertet wird – denn sie hat eigentlich noch eine deutlich höhere Lebenserwartung.

In den Industriestaaten überleben 75 von 100 Kindern eine Krebserkrankung, während die krebsbedingte Mortalität bei Kindern in Entwicklungsländern bei zwei Dritteln liegt (The Lancet).

Es sind nicht alle Faktoren bekannt, die die Krebsentstehung fördern oder hemmen.

Um das Risiko einer Krebserkrankung zu vermindern, sollte ein Aussetzen des Körpers gegenüber kanzerogenen Stoffen vermieden werden.

Es ist zwar nicht bewiesen, dass man z. B. durch eine „allgemeine gesunde Lebensweise“ das Risiko an Krebs zu erkranken, verringern kann, aber diese kann auch bei anderen Erkrankungen (etwa Herzinfarkt) vorbeugend wirken.

Eine Früherkennung kann bei vielen Krebsarten die Heilungschancen verbessern – dies gilt vor allem für ältere Menschen, da bei ihnen viele Krebserkrankungen häufiger auftreten als bei jungen.

Körperlich sehr aktive Menschen haben ein geringeres Darmkrebsrisiko. Bei Brustkrebs ist die Rolle der Bewegung weiterhin eher unklar.

Bei den meisten Krebserkrankungen ist eine Früherkennung wichtig. Nur selten, wie beispielsweise beim Lungenkrebs, ist die Früherkennung bislang ineffektiv. Die Früherkennung ist primär Aufgabe jedes Menschen und nicht bloß des Arztes. Unbehandelt wächst der maligne Tumor solange, bis das Organ bzw. der Körper zerstört ist. Da die Gefahr einer Krebserkrankung für eine Bevölkerung schwankt und u. a. von neu aufkommenden Umweltgiften abhängt oder von der Eliminierung solcher Gifte durch Umweltschutzgesetze, sowie durch das Ernährungsverhalten und der Bereitschaft, sich vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen, aber auch durch das Sexualverhalten (Durchseuchung einer Bevölkerung mit möglicherweise krebserregenden Viren), muss für jede Generation und jedes Land immer aufs Neue das individuelle Krebsrisiko bestimmt werden.

Je eher ein Krebs erkannt wird, desto besser die Heilungsaussichten. Es ließen sich mehr Krebskrankheiten heilen, wenn sie früher erkannt würden. Aber nicht jede Früherkennung bietet nur Vorteile (siehe auch Screening). Man tauscht ein Risiko gegen ein Bündel anderer Risiken, wie falsch-positive Befunde.

Für Männer sind regelmäßige Untersuchungen des Arztes auf Blut im Stuhl und das Abtasten der Prostata wichtig, für Frauen ein Abstrich vom Gebärmutterhals (systematische Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs) und Mammographie-Vorsorgeuntersuchungen (über 50 Jahren), wobei der in absoluten Zahlen geringe Nutzen der Mammographie mit dem Arzt besprochen sein sollte.

Auch mittels gentechnischer Untersuchungen ist es möglich, bestimmte Krebsarten bereits im Frühstadium zu erkennen. Dieses Verfahren wird in der Praxis jedoch selten angewandt.

Jede dieser Selbstuntersuchungen ist mit einem recht großen Fehlerrisiko behaftet. Knötchen in der Brust können gut harmlos sein, und andererseits können Laien bösartige Brusttumoren erst ertasten, wenn sie schon 1 ml Volumen haben – und mit großer Wahrscheinlichkeit schon metastasiert haben.

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Schneeberger Krankheit

Die Schneeberger Krankheit oder auch Schneeberger Lungenkrankheit ist ein nach der Stadt Schneeberg im sächsischen Erzgebirge benannter strahlenbedingter Bronchial- und Lungenkrebs, verursacht durch Einatmen des radioaktiven Edelgases Radon und seiner ebenfalls radioaktiven Zerfallsprodukte. Für die Verursachung der Schneeberger Krankheit sind hauptsächlich radioaktive Stoffe aus den Uran-Zerfallsreihen verantwortlich. Der strahlenverursachte Lungenkrebs der Bergleute ist der häufigste berufsbedingte Strahlenschaden. Er übertrifft bei weitem die Gesamtheit aller sonstigen beruflichen Strahlenschäden, einschließlich der Opfer der frühen Röntgen-Ära. Seit über fünf Jahrhunderten ist die Schneeberger Krankheit bekannt, jedoch bis ins 19. und 20. Jahrhundert hinein ohne Kenntnis ihrer wirklichen Ursachen.

Im Jahre 1168 stießen Fuhrleute im Raum der später gegründeten Bergstadt Freiberg zufällig auf oberflächlich liegende Silbervorkommen. In mehreren Jahrhunderten entwickelte sich daraufhin der Erzbergbau in der Region zu großer Blüte. In Schneeberg konnten nach dem Niedergang des Silberaufkommens andere wertvolle Erze gewonnen werden, zum Beispiel Bismut, Wolfram, Nickel, Arsen und Cobalt, der Ausgangsstoff für die wertvolle Farbe des Meißner Porzellans.

Neben Unfällen und Schäden an Knochen und Gelenken waren chronische Erkrankung der Atmungsorgane stets das größte Gesundheitsrisiko der Bergleute. Ab Anfang des 16. Jahrhunderts kam für diese Lungenkrankheiten der Knappen die Bezeichnung Bergsucht auf. Die Betroffenen wurden bergsüchtig oder bergfertig genannt. Bergsucht ist jedoch nur ein Sammelbegriff für überwiegend chronische Lungenkrankheiten, d. h. Dauerschäden nach arbeitsbedingten Entzündungen der Atemwege, wie chronische Bronchitis, Bronchiektasen, Lungenemphysem, Lungentuberkulose und, in Abhängigkeit von den jeweiligen Abbauverhältnissen, auch Staublungenerkrankungen.

Paracelsus hat in den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts ein umfangreiches Werk zu diesem Thema unter dem Titel: Von der Bergsucht oder Bergkranckheiten drey Bücher verfasst, das erst 1567 gedruckt wurde. Nach ihm haben sich im 17. und 18. Jahrhundert vorwiegend sächsische Ärzte Gedanken über die Bergsucht gemacht, zum Beispiel Johann Friedrich Henckel, Bergphysikus in Freiberg, der in einem Werk, verfasst um 1728, erstmals die gerade aufgekommenen pathologisch-anatomischen Untersuchungen einbezieht. Im 18. und vor allem im 19. Jahrhundert fielen die Krankheitsfälle an Bergsucht im Schneeberger Revier durch besonders eigentümliche Krankheitsverläufe auf. Die betroffenen Bergleute erkrankten schon häufig im relativ jugendlichen Alter. Nach einigen Monaten bis wenigen Jahren trat der Tod ein, begleitet von Husten, Auswurf und auffälliger Atemnot. Diese Form der Bergsucht erhielt nun den Namen Schneeberger Krankheit.

Durch Sezieren von mehr als 20 Bergleuten und ihrer Lungen, gelang es Härting und Hesse, die Volksmeinung zu bestätigen. Damit wurden sie zu den Entdeckern des ersten berufsbedingten Lungenkrebses in der Geschichte der Arbeitsmedizin. Zunächst hatte man Arsen oder Gesteinsstäube als Verursacher in Verdacht. Die Entdeckung von Radioaktivität und Radium schuf neue Erklärungsmöglichkeiten, als erste krebserzeugende Wirkungen der ionisierenden Strahlung bekannt wurden. In den Jahren 1908 bis 1912 wurde auf Veranlassung der königlich-sächsischen Regierung eine Forschungsaktion durchgeführt, bei der Professor Carl Schiffner von der Bergakademie Freiberg mit seinen Mitarbeitern die Quellen des Landes auf radioaktive Bestandteile untersuchte mit dem Ziel, diese eventuell zu therapeutischen Zwecken anwenden zu können. Durch diese Aktion wurde 1909 in Wässern und Luft der Schneeberger Gruben ein extrem hoher Gehalt an Radium nachgewiesen.

Der „Arbeitsausschuss für die Erforschung des Schneeberger Lungenkrebses in Sachsen“ hat zwischen 1922 und 1926 insgesamt fünf Reihenuntersuchungen in Schneeberg durchführen lassen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Untersuchungen 1926 waren von 154 erfassten Bergleuten in drei Jahren 21 verstorben. Davon waren 71 Prozent Opfer der Schneeberger Krankheit. Gleichzeitig mit den Reihenuntersuchungen wurden eingehende Messungen der Radonkonzentrationen in den Schneeberger Gruben veranlasst. Forschungen Boris Rajewskys beseitigten schließlich letzte Zweifel, dass der Schneeberger Krebs durch Radoninhalation verursacht wird.

So kam es dann zu einer Grenzwertfestlegung für die Radonkonzentration in der Grubenluft, die bei Kriegsende bereits in sächsische bergbaupolizeiliche Vorschriften umgesetzt waren und durch geeignete Bewetterung eingehalten werden sollte. Nach dem Krieg hat sich die Geschichte der Schneeberger Krankheit vom Erzgebirge aus auf alle Weltregionen ausgedehnt, in denen abbauwürdige Uranerze gefunden wurden. In den USA beispielsweise orientierte man sich im Uranbergbau an den Grenzwerten der sächsischen Bergbaupolizei. Der amerikanische Forscher W. F. Bale konnte 1951 einschlägige Forschungsergebnisse aufweisen, dass nicht nur das Radon, sondern auch dessen radioaktive Folgeprodukte Lungenkrebs verursachen. Fast zeitgleich wurde am Max-Planck-Institut für Biophysik dasselbe Ergebnis festgestellt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Erzgebirge Uran für das sowjetische Atomprogramm durch die SAG/SDAG Wismut gefördert. Auch bei den dort arbeitenden Bergleuten stellte sich Lungenkrebs ein. Obwohl im Uranbergbau die Schutzmaßnahmen für die Bergleute im Laufe der Zeit erhöht wurden, kam die Schneeberger Krankheit zwar erst nach Jahrzehnten zum Ausbruch, konnte aber nie verhindert werden. Auch lange nach dem Ende des Abbaus nach der deutschen Wiedervereinigung sorgt die Belastung von Wohn- und Arbeitsräumen in der Region mit Radon immer wieder für Probleme.

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Passivrauchen

Tabakrauch in einem Pub

Passivrauchen (engl.: passive smoking, secondhand smoking oder exposure to environmental tobacco smoke, kurz: ETS exposure) ist die Inhalation von Tabakrauch aus der Raumluft. Sowohl Tierexperimente als auch epidemiologische Studien geben Hinweise darauf, dass Passivrauchen, wenn auch in geringerem Maße als Aktivrauchen, ein Gesundheitsrisiko darstellt. Das gilt insbesondere für solche Passivraucher, die dauerhaft dem Schadstoff ausgesetzt sind. Da an bestimmten Orten kein Schutz gegen das Einatmen von Tabakrauch möglich ist, steht es stark in der öffentlichen Diskussion. Des Weiteren wird die ungewollte Aufnahme von dem von Nichtrauchern meist als störend empfundenen Rauch häufig als Belästigung angesehen (siehe auch Nichtraucherschutz).

Tabakrauch wurde von der International Agency for Research on Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Karzinogen der Gruppe 1 eingestuft. In diese Gruppe werden Stoffe eingestuft, die schon in kleinsten Mengen krebserregend sind. Es werden dabei keine Grenzwerte festgelegt, es gibt also keine „unbedenkliche Menge“, der man sich oder Dritte aussetzen kann. Auch nach den Kriterien der deutschen Gefahrstoffverordnung erfolgt in der einschlägigen Technischen Regel für Gefahrstoffe 905 (TRGS 905) eine Einstufung von Passivrauchen als entwicklungsschädigend Kategorie 1 .

Passivrauch gilt als das schädlichste Wohngift. Er besteht aus dem exhalierten Hauptstromrauch und dem schwelenden Nebenstromrauch. 20 Prozent des Tabakrauchs atmet ein Raucher in Form des Hauptstromrauchs ein und aus. Zu 80 Prozent besteht der Tabakrauch aus dem sogenannten Nebenstromrauch, der sich zwischen den Zügen entwickelt. Dieser wird vom glimmenden Ende einer Zigarette (Glutkegel) abgegeben.

Hauptstromrauch entsteht bei 950 °C und Nebenstromrauch bei 500 °C. Deshalb setzt Nebenstromrauch mehr giftige und krebserregende Stoffe frei. Die Art der Verbrennung des Tabaks bestimmt somit direkt die Gefährdung durch Passivrauch. Je weniger stark und häufig ein Raucher an einer Zigarette zieht, desto mehr Schadstoffe werden freigesetzt, weil der Tabak nur unvollständig verbrennt. Die Schadstoffentwicklung ähnelt dem eines Feuers, welches periodisch aufflammt und dann wieder schwelt und starken Rauch entwickelt. Bei Verbrennung an der Zigarettenspitze gleichen sich Hauptstromrauch und Nebenstromrauch in Menge und Schadstoffkonzentration. Während des Glimmens verändert sich die Zusammensetzung enorm: So sind die Nitrosamine im Nebenstromrauch vierhundertfach höher konzentriert als im Hauptstromrauch. Dies unterscheidet Tabakrauch von vielen anderen Emissionen.

Der von glimmenden Zigaretten in die Raumluft freigesetzte Nebenstromrauch wird passiv von den anwesenden Menschen über die Atmung aufgenommen. Dies geschieht ebenso beim Einatmen von Pfeifen- und Zigarrenrauch.

Tabakrauch setzt sich zusammen aus einem Gemisch aus gasförmigen Substanzen und Partikeln. Laut Auskunft der Weltgesundheitsorganisation WHO fanden sich im Tabakrauch bislang ungefähr 4.000 Chemikalien, von denen 40 als krebserregend eingestuft werden.

Passivrauch enthält giftige und krebserregende Substanzen. Die toxischen Stoffe sind die Reizgase Blausäure und Ammoniak, das Nervengift Nikotin, sowie das Atemgift Kohlenmonoxid. Karzinogen wirken Schadstoffe wie Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, N-Nitrosamine, aromatische Amine, das schon bei Hautkontakt wirkende Benzol, Vinylchlorid, Arsen, Cadmium, Chrom, Trockenkondensat (Teer) und das radioaktive Isotop Polonium 210. Des weiteren finden sich auch die das Erbgut schädigenden Dioxine, das schleimhautreizende Formaldehyd, das Allergen Nickel und freie Radikale, welche den Alterungsprozess beschleunigen.

Besondere Bedeutung kommt dem aus den Reizpartikeln gebildeten, scharfen Feinstaub zu, welcher tief in die Lungen eindringt und dabei radioaktive Gase sowie Schwermetalle mittransporiert. Der Durchmesser der Partikel im Hauptstromrauch liegt etwa bei 0,4 µm, der Nebenstromrauch besteht aus feineren Partikeln von etwa 0,2 µm (Scherer und Adlkofer 1999). Die Partikel erreichen also nicht nur den Bronchialbaum, sondern auch die Lungenbläschen. Es kommt zu einer Entzündung des Lungenepithels. Laut David Groneberg von der Berliner Charité führt Feinstaub bei heranwachsenden Kindern zu einer zu kleinen Lunge.

Bei Luftzug breitet sich der Passivrauch in Räumlichkeiten entsprechend den Strömungsverhältnissen richtungsbezogen aus. Ohne Luftzug kommt es zur gleichmäßigen Ausbreitung gemäß den Diffusionsgesetzen bzw. der Brownschen Molekularbewegung. Die einzelnen Partikel verhalten sich wie ein gasähnliches Aerosol. Das Diffusionsgefälle der Tabakrauchquelle im Raum selbst ist dabei entscheidend.

Als Expositionsmarker für Passivrauch kommt Cotinin zum Einsatz. Cotinin ist ein Abbauprodukt des Nikotins und findet sich auch beim Passivraucher in Blut und Harn. Es hat eine Halbwertszeit von 16 bis 22 Stunden.

Problematisch aus epidemiologischer Sicht ist die Klärung direkter Zusammenhänge zwischen Wirkung und Ursache. So zeitigt ein Bronchialkarzinom, je nach Exposition des Erkrankten, Latenzzeiten von bis zu zehn Jahren. Demnach ist der Nachweis eines einzelnen Verursachers, wie der Belastung durch Passivrauch, am Einzelfall sehr schwer zu führen. Vielmehr bedarf es statistischer Untersuchungen mit großen Zahlen von Probanden. Hier zeigt sich in der Tat in etlichen Studien ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krankheiten (etwa Lungenkrebs, koronare Herzerkrankung, COPD), es gibt jedoch auch Metastudien, die diesen Zusammenhang auf der Basis des bestehenden Datenmaterials relativieren . Eine Schwierigkeit bei epidemiologischen und statistischen Untersuchungen besteht darin, das Gesundheitsrisiko von Passivrauchen deutlich abzugrenzen von sogenannten „Lebensstilfaktoren“. Hierzu müssen solche Faktoren entweder mit speziellen statistischen Verfahren (Partialkorrelation, Verfahren der multiplen Regressionsanalyse, loglineare Modelle o.ä.) statistisch kontrolliert werden. Oder es müssen sogenannte "statistische Zwillinge" (vgl. auch Matched Pair Technik) gefunden werden, die in möglichst vielen anderen Merkmalen übereinstimmen. Mit solchen Verfahren können natürlich nur solche Einflussfaktoren ausgeblendet werden, die in der Studie auch erfasst wurden. Eine Konsequenz daraus ist, dass eine Studie an Aussagekraft verliert, wenn relevante Merkmale nicht als Variablen erfasst wurden.

Einige Studien haben bisher einzelne Parameter des Tabakrauchs bestimmt, sie beschäftigten sich vornehmlich mit den üblichen flüchtigen organischen Verbindungen (volatile organic compound, VOC), dem Nikotin und anderen tabaktypischen Substanzen wie den Aldehyden.

Messungen der Passivrauchbelastung durch die Feststellung des Cotininspiegels im Blut sind allerdings mit gewissen Fehlerquellen behaftet – auch der Konsum bestimmter Gemüsesorten lässt den Cotininspiegel ansteigen, so dass diese Methode nicht unbedingt geeignet ist, das Risiko von Passivrauchern für bestimmte Krankheiten genau abzuschätzen.

Der Schadstoff Passivrauch reizt akut die Atemwege (Asthmaanfälle, Bronchitis, Entzündungen der tiefen Luftwege). Passivrauch kann schon bei kurzer Belastung zu Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung, erhöhter Infektanfälligkeit, Kopfschmerzen und Schwindel führen. Passivrauch kann beitragen zu Herzkrankheiten, Angina Pectoris, Herzinfarkt , Schlaganfall, Lungenerkrankungen und chronischen Atemwegserkrankungen. Verschiedene Substanzen im Tabakrauch lassen das Blut zusammenklumpen und verstopfen die Herzkranzgefäße und Hirngefäße.

Experimente mit Ratten wiesen die mutagene (genverändernde) Wirkung des Passivrauchens nach. Die Ratten wurden über einen Zeitraum von mehreren Tagen dem Nebenstromrauch (Rauchmaschine 2–4 Filterzigaretten) ausgesetzt. Es fanden sich in der Forschung keine Grenzwerte für krebserregende Substanzen in Tabakrauch, unterhalb derer keine Gesundheitsgefährdung zu erwarten sei. Deshalb bergen schon kleinste Belastungen das Risiko der Entstehung von Tumoren wie das Bronchialkarzinom. In vielen epidemiologischen Studien wird ein erhöhtes relatives Lungenkrebsrisiko nach Passivrauchen zu Hause oder am Arbeitsplatz festgestellt. Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass die relativen Risiken in den Gruppen mit höchster Exposition am größten sind und eine Expositions-Wirkungs-Beziehung besteht.

Besonders gefährdet sind ungeborene Kinder, Säuglinge und Kleinkinder, sowie gesundheitlich angeschlagene oder anfällige Menschen und chronisch Kranke (z.B. Asthmatiker u.a.).

Das Risiko für koronare Herzkrankheiten im beruflichen Bereich wächst für Nichtraucher drastisch mit den beteiligten Faktoren Anzahl gerauchter Zigaretten, Anzahl der Raucher, und die Dauer der Exponation. (A.J. Wells, 1998).

Eine Studie in Puerto Rico ergab, dass Passivrauchen mit einem niedrigen Vitamin-C-Spiegel im Blut einhergeht. Ein Mangel an Vitamin C kann sich bei Kindern besonders schädlich auswirken, da ihr Körper noch im Wachstum begriffen ist. Di Franza et Lew wiesen 1996 im Pediatrics darauf hin, dass das Risiko für respiratorische Erkrankungen (Mittelohrentzündung, Pneumonie, Asthma bronchiale) bei Kindern von Rauchern bei 1,5 Prozent liegt.

Kinder, die unter Asthma leiden, haben mehr Asthmaanfälle, wenn in ihrer Gegenwart geraucht wird. Viele Eltern rauchen in Gegenwart ihrer Kinder, trotz des Wissens um Asthmaanfälle über das ganze Jahr.

Laut Mikrozensus 2003 rauchen in Deutschland rund 31 Mio. Bürger ab 15 Jahren. Die meisten Raucher finden sich in den Altersklassen zwischen 20 und 50 Lebensjahren. Die Raucherquote unter Jugendlichen stieg von 1993 bis 2000 bei Mädchen um 75 % und bei Jungen um 63 %.

Laut Studie gliedern sich die betroffenen Nichtraucher in folgende Gruppen auf: 35 Millionen Erwachsene seien am Arbeitsplatz (8,5 Millionen) oder in ihrer Freizeit den Schadstoffen von Tabakrauch ausgesetzt. Etwa acht Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren lebten in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher. 170.000 Säuglinge würden bereits als Föten im Mutterleib mit Passivrauch kontaminiert.

Als Folge würden jährlich etwa 3.300 Nichtraucher und ehemalige Raucher an den gesundheitlichen Folgen des passiven Rauchens versterben. Dies wären 0,3 % aller jährlichen Todesfälle in Deutschland und überträfe die Summe der Todesfälle durch Asbest und illegale Drogen. Von diesen etwa 3.300 Todesfällen entfallen 2.108 auf Menschen im Alter von über 75 Jahren .

Letzteres erlitten darüber hinaus Neugeborene, die in ihrem häuslichen Umfeld dauerhaft Tabakrauch ausgesetzt sind oder deren Mutter während der Schwangerschaft rauchte.

Zentrale Aussage der Studie ist, dass Tabakrauch in Innenräumen nicht nur eine erhebliche Belästigung sei, sondern eine Gesundheitsgefährdung mit Todesfolge. Passivrauch erhöhe nachweislich das Krebsrisiko und schädige insbesondere Kinder und Jugendliche. Deshalb fordert das DKFZ ein Bundesgesetz für einen umfassenden Nichtraucherschutz in öffentlichen Räumen und ein Rauchverbot in der Gastronomie.

Die American Lung Association spricht für das Jahr 2004 für die USA von 3.000 Lungenkrebstoten und rund 35.000 tödlichen verlaufenen Herzerkrankungen, die auf Passivrauchen zurückführbar seien.

Die Studien des DKFZ und der WHO werden von einigen Politikern, Rauchervereinigungen und der Tabakindustrie nahe stehenden Wissenschaftern wegen angeblich verfehlter Methodik und Zahleninterpretation kritisiert. Demnach sollen die meisten Ergebnisse nicht statistisch signifikant sein. Zudem verfolgten die Verfasser der Studie nicht den Passivraucherschutz, sondern die Verringerung des Tabakkonsums.

Der Schutz vor dem Passivrauchen gilt als die effizienteste (kostengünstigste) und effektivste (wirksamste) Einzelmaßnahme in der Tabakprävention: Sie schützt den Bevölkerungsteil, der keine Tabakwaren konsumiert, senkt die Einstiegsquote bei Kindern und Jugendlichen, motiviert Tabakkonsumenten zum Ausstieg und lässt sich zu geringsten Kosten umsetzen.

Bei der Betrachtung der rechtlichen Situation ist zu beachten, dass der Schutz vor dem Passivrauchen nicht zwingend verbunden ist mit anderen Maßnahmen der Tabakprävention (Preis, Zugang u.a.).

In Deutschland besteht wie in der Schweiz ein gesetzlicher Rechtsanspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. In Deutschland regelt seit Oktober 2002 der § 5 der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) den Schutz der Arbeitnehmer vor dem Passivrauchen. Sie gilt jedoch nicht für Betriebe mit Publikumsverkehr. Grundlage ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Die Regelung verpflichtet die Arbeitgeber dazu, alle erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Angestellten vor dem Passivrauchen zu treffen, sofern die Art und die Natur des Betriebes dies zulässt. Die Wahl der Mittel bleibt dem Arbeitgeber überlassen, sofern ein wirksamer Schutz der Angestellten gewährleistet ist, selbst wenn die Mehrzahl der Arbeitnehmer gegen diese Mittel wie z.B. Rauchverbot oder Rauchen nur in bestimmten Räumen ist.

Passivrauch ist im gastronomischen Bereich die größte Innenraumluftbelastung. Die Bundesregierung hat mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband einen Stufenplan vereinbart, der vorsah, bis März 2008 mindestens die Hälfte der Plätze in 90% der deutschen Speisebetriebe Nichtrauchern zur Verfügung zu stellen. Betroffen sind Betriebe mit mehr als 40 Plätzen oder mehr als 75 Quadratmetern Gastfläche. Die vereinbarten Ziele waren freiwillig, unter dem Vorbehalt der Einführung eines generellen Rauchverbotes. Zuständig war die Bundesdrogenbeauftragte. Jedoch wurden schon die ersten Stufen des Planes nicht umgesetzt, weshalb im Laufe des Jahres 2007 die dafür zuständigen Länder verschieden weitreichende Nichtraucherschutzgesetze verabschiedeten. Die meisten davon traten am 1. Januar 2008 in Kraft.

Bereits 1988 wurde Passivrauchen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft der Kategorie 1 des Abschnitts III der MAK- (Maximale Arbeitsplatz-Konzentration) und BAT- (Biologischer Arbeitsstoff-Toleranzwert) Werte-Liste zugeordnet.

Uneinigkeit herrscht über den Passus, was unter „Art und Natur“ des Betriebes zu verstehen ist und auf welche Arbeitsplätze, Gewerbearten und Tätigkeiten dies zutrifft. Die Gaststättenverbände nehmen beispielsweise für sich in Anspruch, dass die Art und Natur eines Gastbetriebs nicht geeignet sei, die Angestellten wirksam vor Passivrauchen zu schützen. Eine andere Betrachtungsweise geht davon aus, dass lediglich die Arbeitnehmer, Arbeitsplätze, Tätigkeiten und Betriebe unter diese Ausnahmeregelung fallen, die keinen festen räumlichen Bezug bzw. keine Weisungsbefugnis in ihrem Umfeld besitzen. Dazu gehören, wenn man diesem Standpunkt folgt, beispielsweise Außendienstmitarbeiter, Imbissbuden, Kurierdienste, Briefträger, etc., da dort das Umfeld nicht dem Einflussbereich des Arbeitgebers unterworfen werden kann.

Immer mehr Stimmen werden laut, die den Schutz der Arbeitnehmer in den Gastbetrieben dem anderer Arbeitnehmer angleichen wollen. Die Argumentation ist dabei einfach: Der Gastronom hat Hausrecht und kann durch einfache Maßnahmen, wie etwa das Entfernen von Aschenbechern oder das Anbringen von Rauchverbotszeichen, dafür sorgen, dass in seinen Räumlichkeiten nicht geraucht wird. Die Natur des Betriebes, nämlich der Verzehr von Speisen und Getränken, wird davon nicht berührt. Zudem raucht der überwiegende Teil der Bundesbürger (> 70  %) nicht, was eine negative wirtschaftliche Auswirkung zwar nicht ausschließen kann aber unwahrscheinlich macht. Dies wurde auch durch zahlreiche Studien aus Ländern, in denen bereits Regeln für den Schutz vor dem Passivrauchen bestehen, wie Irland und die USA bestätigt. Weiter wird argumentiert, dass die Europäische Sozialcharta jedem Arbeitnehmer innerhalb der EU das Recht auf gesunde Arbeitsbedingungen zuspricht und dieses Recht derzeit verletzt wird.

Zahlreiche Studien aus Ländern, in denen bereits Regeln für den Schutz vor dem Passivrauchen bestehen, zeigen keine wirtschaftlichen Einbußen. Andere Studien berichten aber von Verlusten von Arbeitsplätzen und Schließungen von Gastbetrieben.

Die oben erwähnte Vereinbarung mit der DEHOGA wird von Ärzten, Forschern und Nichtraucherinitiativen scharf kritisiert und abgelehnt: Zum einen ist der DEHOGA nicht berechtigt, für die Gesamtheit Deutscher Hotels und Gaststätten zu sprechen, da die Mitgliedschaft freiwillig ist und nur ca. ein Drittel aller Betriebe überhaupt Mitglied des DEHOGA ist. Weiterhin wird bereits im Vorfeld ein Großteil Deutscher Gaststätten überhaupt nicht in der Vereinbarung erfasst; die Rede ist lediglich von Speisebetrieben, nicht aber von Bars, Kneipen, Discotheken und unzähligen Gaststätten, die keine Speisen servieren. Zudem werden selbst von den Speisebetrieben nur größere Betriebe über 75  m² von der Regelung erfasst.

Hauptkritikpunkt an der gegenwärtigen Vereinbarung ist, dass sie zu keinerlei Maßnahmen verpflichtet; der Vertrag sieht lediglich vor „auf die Branche einzuwirken“ (Vereinbarung zwischen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und DEHOGA vom 1. März 2005, Seite 2). Zu den konkret genannten Maßnahmen zählen „Information und Aufklärung durch Rundschreiben“, „Zurverfügungstellen von Aufklebern“ und „Hinweise auf technische Lösungsmöglichkeiten z.B. in Form von Be- und Entlüftungssystemen“ (ebd., Seite 3). Daran wird kritisiert, dass die besagten Aufkleber, Rundschreiben und ähnliche Hinweise lediglich über etwas informierten, was schon lange bekannt sei – nämlich, dass Passivrauchen tödlich sein könne –, daher könnten diese kaum als effektive Maßnahmen bezeichnet werden. Zudem bezögen sich die Maßnahmen im vorliegenden Vertrag ausschließlich auf freiwillig durchzuführende Maßnahmen und seien in ihrem Umfang zu wenig weitreichend. Zitat: „Alle aufgezeigten Maßnahmen werden bereits in 2005 entwickelt und umgesetzt, so dass die Betriebe möglichst schnell – soweit noch nicht geschehen – die Einrichtung und Kennzeichnung des Nichtraucherplatzangebotes vornehmen können“. Bemängelt wird, dass vertraglich nur eine auf Freiwilligkeit beruhende Option festgehalten wird: Die Betriebe „können“ das Einrichten von Nichtraucherplatzangeboten vornehmen, müssen aber nicht. Damit, so die Kritiker, ist der Vertrag ohne faktische Wirkung – denn nach wie vor könne jeder Betrieb tun und lassen was er wolle.

Im Gegenzug verpflichten sich die Bundesgesundheitsministerin und die Drogenbeauftragte, im Bezug auf eine gesetzlich verankerte rauchfreie Gastronomie zu verzichten: „Bis zum Ablauf der Vereinbarung verzichtet das BMGS auf eine Initiative zur Einführung eines gesetzlichen Rauchverbotes im Gastgewerbe.“ (ebd., Präambel, Seite 2). Hieran wird kritisiert, dass dies faktisch einer vertraglichen Verpflichtung des Bundesministeriums gleichkommt, in diesem Bereich nichts (Weitergehendes) für den Nichtraucherschutz zu tun. Der DEHOGA wiederum verpflichtet sich, „zu den genannten Stichtagen bei den Mitgliedsbetrieben eine Abfrage über den Stand der Umsetzung durchzuführen und dem BMGS die Ergebnisse mitzuteilen.“ (ebd., Abschnitt „Erfolgskontrolle“, Seite 4). Dies stellt nur eine Verpflichtung zur Auskunft dar, nicht jedoch, faktische Änderungen vorzunehmen, was ebenfalls kritisiert wird. Sollte kein einziger Betrieb einen Nichtraucherschutz einführen, wäre dies immer noch vertragsgemäß.

Nach geltendem Recht ist in Deutschland das Freisetzen giftiger und Krebs erzeugender Luftschadstoffgemische unzulässig. Tangierte Rechtsgüter sind das Recht auf körperliche Unversehrtheit (Artikel 2, Abs. 2, Grundgesetz) sowie das Umweltrecht und die Gefahrstoffverordnung.

Nach Rechtsauffassung des letzten Jahrhunderts gilt der Konsum von Tabakprodukten, die bei bestimmungsgemäßen Gebrauch den Luftschadstoff Tabakrauch freisetzen, als sozial adäquat. Als sozial adäquat werden in der Regel Handlungen bezeichnet, die normalerweise einer Straftat entsprechen, jedoch auf Grund ihres überwiegenden Nutzgehaltes für die Allgemeinheit straffrei bleiben. Ein Beispiel für eine sozial adäquate Handlung ist das Fahren eines Kraftfahrzeuges, welches selbst bei bestimmungsgemäßen Gebrauch eine Schädigung der Umwelt und der Gesundheit von Menschen und Tieren durch Freisetzen von Abgasen, Erzeugen von Lärm sowie durch Unfälle verursacht. Der Nutzwert von Mobilität wird jedoch höher bewertet als die Schadwirkung und damit als sozial adäquat angesehen.

Das Überwiegen oder gar das Existieren eines Nutzgehaltes des Tabakrauchens für die Allgemeinheit wird jedoch in letzter Zeit immer häufiger bestritten. Fest steht, dass giftiger Tabakrauch nicht nur eine erhebliche Belästigung für Nichtraucher ist, sondern für diese eine Gesundheitsgefährdung mit Todesfolgen . An freiwilligen Rauchern selber sterben alleine in Deutschland etwa 140 000 pro Jahr, weltweit sind es 5 Millionen. Hinzu kommen jährliche Schäden in Milliardenhöhe durch Raucher, welche von der Allgemeinheit getragen werden, die sich zum größten Teil aus Nichtrauchern zusammensetzt.

Der Vorteil, den Tabakrauch bietet, ist „Genuss“ für eine Minderheit, den die Mehrheit jedoch als abstoßenden Geruch empfindet, der zudem im konkreten Verdacht steht, schwere langfristige Schädigungen zu verursachen, aber auch akute Symptome (Brechreiz, Kopfschmerzen, Bindehautentzündung, Benommenheit, Schwindel, Bronchialbeschwerden, Asthma) hervorruft. Doch auch dieser „Nutzen“ ist umstritten; nach Ansicht von Experten erzeugt Rauchen auch bei den Rauchern selbst Stress, anstatt ihn abzubauen: Das subjektiv wahrgenommene „Wohlgefühl“ beruhe lediglich auf der Linderung von Entzugserscheinungen.

Die WHO betrachtet Tabak inzwischen nicht mehr nur als „Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerungen ohne Parallele“ (Zitat Brundtland), sondern als „Epidemie“ (Rede von Dr. Gro Harlem Brundtland, The General Director, WHO, Warschauer Konferenz 2002). Brundtland nennt Zahlen, nach welchen durch die sog. „Tabakepidemie“ zur Zeit 5 Millionen Menschen jährlich, bis zum Jahr 2020 sogar über 10 Millionen Menschen jährlich sterben werden .

Alleine durch diese Feststellung der WHO, man müsse inzwischen von einer „Tabakepidemie“ sprechen, kann das Attribut „sozial adäquat“ nicht mehr aufrechterhalten werden. Eine Tod, Krankheit und Qual verursachende Epidemie kann niemals „sozial adäquat“ sein.

Momentan wird auf Bundesebene immer lauter über umfassende Rauchverbote an öffentlichen Plätzen, in Gebäuden und auch im Bereich der Gastronomie nachgedacht. Bisher scheiterten solche Überlegungen an der Opposition von Politikern und der Gaststättenverbände, die federführend vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) vertreten werden. Es dürfte allerdings auch eine Rolle spielen, dass die Tabaksteuer eine erhebliche Einnahmequelle für den Staat ist.

Ein Gericht in Rom/Italien hat einer an Lungenkrebs erkrankten Frau wegen Passivrauchens eine Schadenersatzsumme in Höhe von 400.000 Euro zugesprochen. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, die Frau sei an ihrem Arbeitsplatz nicht genügend geschützt worden. Die Klage richtete sich gegen den italienischen Staat. Die Klägerin war Beschäftigte des italienischen Erziehungsministeriums und sei in einem engen Büro sieben Jahre lang dem Rauch ihrer Kollegen ausgesetzt gewesen. Nachdem bei der Frau Lungenkrebs diagnostiziert wurde, musste ein Teil ihres rechten Lungenflügels im Jahre 1992 entfernt werden. Im Jahre 2000 starb die Frau bei einem Verkehrsunfall. Jedoch befand sie sich zu diesem Zeitpunkt in einer Chemotherapie. Der Schadenersatz muss nun an die Hinterbliebenen der Verstorbenen ausbezahlt werden.

Ein Sprecher der Verbraucherschutz-Gruppe Codacons, welche die Klage unterstützte, bezeichnete das Urteil als einen sehr wichtigen Präzedenzfall, weil er den Weg für hunderte, tausende anderer Fälle ebne. Das Opfer habe sich zwar über den Rauch im Büro beschwert, aber man entgegnete der Frau lediglich, dass zu der Zeit kein Rauchverbotsgesetz existiert habe.

Einen ähnlichen Präzedenzfall bildet das Urteil im Fall der kanadischen Kellnerin Heather Crowe, die im Jahr 2002 an Lungenkrebs erkrankte nachdem sie 40 Jahre lang als Kellnerin dem Passivrauch ausgesetzt war, ohne jemals selbst geraucht zu haben. Heather Crowe klagte erfolgreich auf Schadenersatz gegen das Workplace Safety & Insurance Board, die Ihr zunächst keine berufsbedingte Erkrankung zugestanden hatten. In der Folge engagierte sich Heather Crowe für umfassende Rauchverbote in der kanadischen Provinz Ontario. Am 28. Mai 2006, vier Tage nach ihrem Tod im Alter von 61 Jahren, wurde ihrem Antrag stattgegeben und ein umfassendes Gesetz zum Nichtraucherschutz erlassen.

Der Aufenthalt von drei bis vier Stunden Dauer in einem von Zigarettenrauch gefüllten geschlossenen Raum (wie z.B. in Discotheken oder Kneipen) entspricht dem aktiven Rauchen von vier bis neun Zigaretten, was mit der Giftigkeit des Nebenstromrauchs im Gegensatz zum vom Raucher ein- und ausgeatmeten Hauptstromrauch zusammenhängt. Daher haben in den letzten Jahren immer mehr Staaten Rauchverbote für Restaurants und öffentliche Gebäude erlassen.

Kinder, die in einem Haushalt aufwachsen, in dem ein oder beide Elternteile rauchen, sind als Kind statistisch gesehen häufiger krank und haben ein höheres Krebsrisiko. Auch intensives Lüften oder die Einrichtung eines Raucherzimmers können an diesem Problem nichts ändern, da Schadstoffe auch dann noch lange in der Raumluft verbleiben können. Untersuchungen zeigen zudem, dass Kinder rauchender Eltern später häufiger selbst rauchen als Kinder, deren Eltern Nichtraucher sind.

In den USA und international gibt es seit vielen Jahren mehr als mittlerweile 80 Studienergebnisse zum Passivrauchen (ETS). Die deutliche Mehrzahl hat nach den Grundsätzen der evidenzbasierten Medizin ein statistisch signifikantes Risiko belegen können, das zu den fortschrittlichen und modernen Regelungen in Kalifornien und New York und anderen Staaten (100 % rauchfreie Gastronomie, rauchfreie Parks und Grünanlagen etc.) geführt hatte. Da die US-Regierung die größten Tabakkonzerne in den 90er Jahren auf Grundlage eines Mafia-Gesetzes vor Gericht brachte, sind Millionen geheimer Dokumente der Tabakkonzerne im Zuge der Verhandlungen veröffentlich worden, aus denen unter anderem hervorging, dass der Tabakindustrie die Schädigung mit Todesfolge für Raucher und Passivraucher gleichermaßen seit Jahrzehnten bekannt war, jedoch von den Tabakkonzernen bis in die 90er Jahre öffentlich geleugnet wurde. Die Dokumente konnten aufgrund ihres zahlenmäßigen Umfangs bisher noch nicht vollständig ausgewertet werden.

Durch die vorherrschend publizierte Meinung entstand ein starker Interessenkonflikt zwischen Nichtrauchern und Rauchern. Die Auseinandersetzung führte unter anderem längst zu einem generellen Rauchverbot in Flugzeugen.

Mittlerweile gibt es in einigen Ländern weit greifende gesetzliche Rauchverbote in Restaurants bis hin zu öffentlichen Plätzen im Freien und sogar an Stränden. Derartige gesetzliche Regelungen werden von Anti-Rauchen-Organisationen auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz gefordert. In der Schweiz sind mittlerweile in den Kantonen Tessin und Solothurn solche Rauchverbotsgesetze erlassen worden.

In Deutschland wurde bereits in den 1970ern das wachsende Problembewusstsein gegenüber den Gefahren des Passivrauchens durch umfangreiche Lobby- und Marketingaktivitäten des Verband der Cigarettenindustrie erfolgreich bekämpft. Der Verband sorgte durch die Beeinflussung von Wissenschaftlern und deren Veröffentlichungen dafür, dass Studienergebnisse über die Schädlichkeit des Passivrauchens unterdrückt wurden; sofern das nicht möglich war, wurden die Studienergebnisse durch groß angelegte Werbekampagnen ins Lächerliche gezogen.

Mehreren Experten, welche die Gefahren durch Passivrauchen als nicht nachweisbar beurteilen, wird vorgehalten, dass sie Forschungsgelder von der Tabakindustrie angenommen haben . Beispielsweise haben Wissenschaftler in einem Kölner Institut – welches zu 100% im Eigentum des Zigarettenherstellers Phillip Morris stand – Ergebnisse geliefert, die die Gefährlichkeit verharmlosen sollten. Dass die Gefährdung mit Todesfolge der Firma Phillip Morris sehr wohl bekannt war, dies aber auf keinen Fall an die Öffentlichkeit gelangen durfte, ist durch interne Dokumente der sieben größten Tabakkonzerne belegt, die diese Firmen im Zuge mehrerer Haftungsprozesse in den USA (Ankläger: 40 US-Bundesstaaten) zu veröffentlichen gezwungen waren. Die Dokumente, deren Zahl in die Millionen geht, sind noch nicht zur Gänze ausgewertet. Ein Großteil davon wurde vom US-Justizministerium im Internet veröffentlicht .

Die WHO und nationale Institutionen – etwa das Deutsche Krebsforschungszentrum – führen Kampagnen für die Tabakprävention. Die WHO gibt dafür jährlich mehr als 15 Millionen US-Dollar aus.

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Asbestose

Röntgenbild, frühes Stadium der Asbestose

Die Asbestose ist eine Krankheit der Lunge und gehört zu den so genannten Pneumokoniosen (Staublungenkrankheiten). Sie entsteht durch eingeatmeten Staub von Asbest, dessen Verwendung aus diesem Grunde in Österreich und der Schweiz seit 1990, in Deutschland seit 1993 und EU-weit seit 2005 verboten ist.

Je nach Dauer der Exposition und Konzentration der Asbestfeinstäube sowie persönlicher Disposition führen eingeatmete Asbestpartikel nach einer Verzögerung von 15 bis 20 Jahren zu einer Fibrosierung des Lungenparenchyms in sehr unterschiedlichem Ausmaß.

Die eingeatmeten Fasern werden von Alveolarmakrophagen (Fresszellen der Lungenbläschen) aufgenommen. Die Asbestfasern können jedoch nicht vollständig verdaut werden, so dass die Alveolarmakrophagen Botenstoffe (Interleukin 1 und Wachstumsfaktoren) abgeben. Folge ist die Einwanderung von T-Helferzellen und Granulozyten. Des Weiteren werden Fibrozyten (Lungengewebszellen) zur Bildung von Typ III-Kollagen stimuliert. Dies führt letztendlich zur Fibrosierung des Lungengewebes.

Nach einer weiteren Latenz von insgesamt meist 25 bis 40 Jahren kann die Asbestose zur Entstehung von Lungenkrebs führen.

Neben der Asbestose kann das Einatmen der Asbeststäube auch zu pleuralen Plaques und Verkalkungen führen. Auch diese können zu Krebs entarten und führen dann zum sogenannten Pleuramesotheliom (Lungenfellkrebs).

Von den verwendeten Asbestarten sind die krebserzeugenden Eigenschaften des Krokydolith wegen seiner Fasergeometrie und hohen Biobeständigkeit höher einzustufen als die des Chrysotil.

Die auch nach Beendigung der Exposition gelegentlich fortschreitende Lungenfibrose führt zu Atemnot, Reizhusten, zähem Auswurf und im fortgeschrittenen Stadium zur Invalidität.

Die Diagnose der Asbestose stützt sich im Wesentlichen auf die klinische Untersuchung (hier besonders die Auskultation der Lunge mit dem Stethoskop), die Lungenfunktionsprüfung und das Röntgenbild der Lunge. Die Computertomografie (CT) kann besonders in hochauflösender Technik die Lungenveränderungen noch früher und detaillierter darstellen als die konventionelle Röntgentechnik.

In der Lungenfunktionsprüfung zeigt sich oft eine sogenannte restriktive Ventilationsstörung. Auch eine Diffusionsstörung (Gasaustausch) ist möglich.

Typisch für eine Asbestose sind verkalkende Ablagerungen (Plaques) am Lungenfell (Pleura), die in der Computertomografie dargestellt werden können. Pleuraplaques verursachen in der Regel keine Beschwerden, sind aber für die Diagnose einer Asbestose wichtig. Noch besser als im CT lassen sich Pleuraplaques im Rahmen einer Brustkorbspiegelung (Thorakoskopie) nachweisen.

Im Rahmen einer Bronchoalveoläre Lavage (BAL, Lungenspülung) können Proben gewonnen und Untersucht werden. Mikroskopisch können bei Asbestose sogenannte Asbestkörperchen gefunden werden. Dabei handelt es sich um Asbestfasern mit eisenhaltiger Eiweißhülle. Sie entstehen wenn Alveolarmakrophagen versuchen, die zu langen Asbestfasern aufzufressen und dabei zu Grunde gehen. Die herausstehenden Asbestfasern sehen unter dem Mikroskop „Schaschlikspieß“-artig aus.

Asbestverursachte Berufskrankheiten, dazu zählen neben der Asbestose auch das Mesotheliom und der Lungenkrebs durch Asbesteinwirkung, sind in Deutschland von recht großer Bedeutung. Im Jahr 2003 verzeichneten die Berufsgenossenschaften mehr als 3500 neue Berufskrankheiten durch Asbest und mussten in 24.000 Fällen Leistungen von insgesamt weit über 300 Mio. Euro jährlich erbringen. Asbest führt die Liste der krebserzeugenden Arbeitsstoffe mit großem Abstand an. 2001 waren es 1480 Fälle oder 77,1 Prozent aller als Berufskrankheit anerkannten Krebserkrankungen, die auf Asbest zurückgeführt wurden. Im Jahr 2003 wurden 1068 Todesfälle durch asbestverursachte Berufskrankheiten registriert. Wegen der großen Latenz zwischen Asbestexposition und Krebsentstehung wird erst in den Jahren 2015 bis 2020 mit den meisten jährlichen Neuerkrankungen an asbestbedingtem Lungenkrebs gerechnet.

Rauchen alleine führt nicht zur Asbestose. Bei asbeststaubassoziiertem Lungenkrebs stellt es zwar einen wesentlichen zusätzlichen Risikofaktor dar, schließt aber eine Anerkennung als Berufskrankheit keineswegs aus, wenn eine berufliche Asbestexposition nachgewiesen ist und entweder eine Asbestose vorgelegen hat oder eine plausible „kumulative Asbestfaserstaubdosis“ belegt wird.

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Austin Bradford Hill

Sir Austin Bradford Hill, genannt: Tony Hill, (* 8. Juli 1897, London; † 18. April 1991) war ein englischer Epidemiologe, Statistiker, Pionier der randomisierten klinischen Studie und zusammen mit Richard Doll der erste, der einen Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs bewies. Dies erreichte er mit der sogenannten British Doctors Study, einer Langzeitstudie über die Gesundheit und die Rauchgewohnheiten britischer Ärzte.

Hill war Pilot im ersten Weltkrieg, wurde aber entlassen, da er an Tuberkulose litt. Er machte einen Abschluss in Wirtschaft. 1922 begann er für das Industry Fatigue Research Board zu arbeiten. Dort arbeitete er mit dem medizinischen Statistiker Major Greenwood zusammen und belegte Kurse bei Karl Pearson um sein Wissen in Statistik zu verbessern. Als Greenwood einen Lehrstuhl an der neu gegründeten London School of Hygiene and Tropical Medicine annahm, ging Hill mit ihm und hielt ab 1933 Vorlesungen in Epidemiologie und Lebensstatistik und wurde 1947 Professor für medizinische Statistik.

Hill machte eine bemerkenswerte Karriere als Forscher und Dozent und war Autor eines erfolgreichen Lehrbuchs, Principles of Medical Statistics, aber er ist vor allem berühmt auf Grund zweier Feldstudien. Er war der Statistiker im Medical Research Council Streptomycin in Tuberculosis Trials Committee. Ihre Studie, die die Benutzung von Streptomycin bei der Tuberkulosebehandlung untersuchte, wird allgemein für die erste randomisierte klinischen Studie gehalten. Pioner der Benutzung der Zufälligkeit in landwirtschaftlichen Experimenten war Ronald Fisher. Die zweite Studie war eine Reihe von Studien, die Hill zusammen mit Richard Doll über Rauchen und Lungenkrebs anfertigte. Der erste Bericht wurde 1950 veröffentlicht und verglich Lungenkrebspatienten mit Vergleichsgruppen. Doll und Hill begannen weiterhin mit einer Langzeitstudie über Rauchen und Gesundheit. Diese war eine Untersuchung des Rauchverhaltens und der Gesundheit von über 30,000 britischen Ärzten über mehrere Jahre. Fishers Meinung stand im klaren Widerspruch zu den Ergebnissen und Vorgehensweisen der Raucher/Krebs Arbeit und ab 1957 kritisierte er diese Arbeit in der Presse und in wissenschaftlichen Aufsätzen.

Hill wurde 1954, unter anderem auf Antrag von Fisher, zum Mitglied der Royal Society gewählt.

Austin Bradford Hill's Nachname lautete Hill, unter welchem er Publizierte. AB. Trotzdem, wird er oft auf ihn referenziert unter dem Namen Bradford Hill. Im Gegensatz dazu wurde er von seinen Freunden Tony gerufen.

Er formulierte die Bradford-Hill-Kriterien für Kausalität in der Medizin (auch als Hill-Kriterien bezeichnet), die aus neun Merksätzen bestehen, mit denen eine vermutete Ursache-Wirkung-Beziehung in der Medizin bzw. Epidemiologie geprüft werden sollte.

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Source : Wikipedia