Literatur

3.4020899591447 (2201)
Geschrieben von robby 05/03/2009 @ 09:07

Tags : literatur, kultur, podcast

Neueste Nachrichten
Diskussionsreihe "Literatur und Wirtschaft" von Roland Berger am ... - FinanzNachrichten.de
Diskussionsreihe "Literatur und Wirtschaft" führt die Perspektiven von Wirtschaft und Geisteswissenschaften zusammen - Nächster Termin: Dienstag, 16. Juni 2009, 18.30 Uhr, im 31. Stock des Highlight Towers, Roland Berger Strategy Consultants,...
Deutschland: China ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse - FOCUS Online
Anlässlich dazu möchte man den deutschen Lesen die zeitgenössische chinesische Literatur nahebringen. China will auf der Frankfurter Buchmesse den deutschen Lesern seine hierzulande fast unbekannte zeitgenössische Literatur nahebringen....
Literatur-Festival widmet sich Koeppens Erzählung «Jugend» - Ostsee News
Greifswald (ddp-nrd). Dem Erzähltext «Jugend» von Wolfgang Koeppen (1906-1996) sind in diesem Jahr die Greifswalder Koeppen-Tage gewidmet. Während des einwöchigen Literaturfestivals (19. Juni bis 27. Juni) werde in Koeppens Geburtsstadt die...
Darmstadt. Literatur-Aktion zum Oberfeld - Echo-online
Ab Sonntag (14.) heißt es in Darmstadt „Eine Stadt liest ein Buch“. Der Lesemarathon mit Rahmenprogramm soll ein Zeichen setzen „gegen die Sprachverarmung“, die mit dem Boom elektronischer Medien einhergehe, sagt Organisatorin Birgit Meurer....
Amerika – auf dem Weg zur postnationalen Literatur? - NZZ Online
Junot Díaz: Ich bin davon überzeugt, dass sich die interessantesten Romane einer Epoche jeder Definition entziehen und dass es sich auch bei den Romanen, die heute zum Kanon der amerikanischen Literatur gezählt werden, nicht notwendigerweise um die...
Ostjüdische Literatur - Rhein Main Presse
Juni, 19.30 Uhr, zu einem Streifzug durch die ostjüdische Literatur in die Martin-Luther-Kirche Bad Schwalbach ein. Den Streifzug durch die ostjüdische Literatur tragen vor von Petra Fahrnländer mit dem Jugendorchester unter der Leitung von Karin...
Sie sind hier: Home > Pressemitteilung: "Literatur und Erinnerung ... - Informationsdienst Wissenschaft (Pressemitteilung)
Diese Entwicklung hatte auch Auswirkungen auf die Literatur: Als ein wichtiges Medium von kollektiver Erinnerung thematisiert sie seitdem die lange verdrängte multikulturelle, multireligiöse und multiethnische Vergangenheit der Türkei....
«Das ist der Preis der Unabhängigkeit» - NZZ Online
Einer der Kandidaten, Mir Hossein Moussavi, wirbt für sich mit dem Wahlspruch: «Der Staat soll sich nicht in die Literatur einmischen, und Kultur ist keine staatliche Institution.» Entweder bekommt Iran einen neuen Präsidenten, der versuchen wird,...
Amazon beendet Kooperation mit NPD-Website - Tagesspiegel
Über das Programm konnte die NPD in Form von „Werbekostenerstattung“ mitverdienen, wenn Käufer den Link vom Nationalen Netztagebuch zu Amazon anklickten, um dann rechtsextreme Literatur oder auch unverdächtige Produkte zu erwerben....
Telefon-Hotline - Bei Anruf Literatur - Ad-Hoc-News (Pressemitteilung)
Frankfurt/Main (ddp-hes). Für ihre Gedichte hat Dagmar Delgado aus Frankfurt am Main bislang keinen Verlag gefunden. Drei kleine Büchlein mit ihren Texten veröffentlichte sie in Eigenregie. Ihre Themen sind die Zeit, das Meer, die Natur....

Literatur

Verfolgung von Literatur: Bücherverbrennung 1933

Literatur war bis ins 18. Jahrhundert das Fachwort für Gelehrsamkeit und neueste wissenschaftliche Publikationen, in seltenerer Nebenbedeutung auch für Schriften der griechischen und lateinischen Antike.

In der neuen Ausgestaltung übernahm die Literatur im 19. Jahrhundert in den Nationen die Rolle, die zuvor die Religion als Debatten- und Bildungsgegenstand innehatte. Ihr Kanon wird im wesentlichen im Gebrauch festgelegt, zu dem sie sich eignen muss: Die Würdigung ihrer „künstlerischen“ Qualität und die Interpretation ihrer Fiktionen stehen seit dem 19. Jahrhundert im Zentrum der Beschäftigung mit Literatur.

Das Wort Literatur ist eine spätere Ableitung des lateinischen littera, der „Buchstabe“. Der Plural litterae hatte dabei die eigenen Bedeutungen „Geschriebenes“, „Dokumente“, „Briefe“, „Gelehrsamkeit“, „Wissenschaft(en)“. Im Französischen und Englischen blieb in lettres und letters die besondere Wortbedeutung „Wissenschaften“ erhalten. Siehe auch Literalität und Literarizität.

In den Bereich der verwandten Worte gehört die Wortfügung belles lettres, französisch für „schöne Wissenschaften“ – im 18. Jahrhundert das Wort für die gesamte modische Buchproduktion gehobenen Geschmacks. Aus belles lettres und schöne Wissenschaften ging im 19. Jahrhundert im Deutschen „schöne Literatur“ hervor mit dem Bezug auf Romane, Gedichte, Dramen als das im Zentrum der Betrachtung stehende Feld. Man spricht heute noch immer von „schöner Literatur“, wenn man diese Bedeutungseinengung kenntlich machen will. Ansonsten steht heute das Wort „Literatur“ in der Regel von sich aus für das engere Feld der schönen Literatur. Aus dem Wort belles lettres ging im Buchhandel das Wort Belletristik hervor als Begriff für den internationalen Markt der Bücher, die ein breiteres Publikum mit unterhaltender (Neben-)absicht ansprechen. Unter den genannten Worten wurde das Wort Literatur zum Wort für das gesellschaftsweit diskutierte Feld der wichtigen sprachlichen Produktion mit dem Nebeneffekt, dass seine Bedeutung sich heute so schwer eingrenzen lässt wie die Literaturdiskussion, die ihre Gegenstände auf der Suche nach auszulösenden Debatten in verschiedensten Definitionen des Wortes selbst festlegt.

Der Prozess, in dem im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert Dramen, Romane und Gedichte zu „Literatur“ gemacht wurden (sie hingen vorher unter keinem Wort zusammen), muss unter unterschiedlichen Perspektiven gesehen werden. Ganz verschiedene Interessen waren daran beteiligt, die „Literatur“ zum breiten Debattenfeld zu machen. Auf eine einprägsame Formel gebracht engten die Teilnehmer der Literaturdebatte ihre Diskussion ein und weiteten ihre Debatte damit aus: Seit Jahrhunderten hatten sie erfolgreich wissenschaftliche Schriften als „Literatur“ diskutiert – Poesie und Fiktionen interessierten sie dabei vor 1750 nur am Rande. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts rückten sie ausgewählte Felder des populären Randgebiets in das Zentrum ihrer Rezensionen mit dem Effekt, dass ihre eigene Diskussion sich nun mit den freier besprechbaren Gegenständen ausweitete. Die Gründung der universitär verankerten Literaturwissenschaft festigte im 19. Jahrhundert den Prozess dieser Einengung des Debattenfeldes (auf Dramen Romane und Gedichte) sowie die Ausdehnung der Diskussion selbst (vor allem auf die staatlichen Schulen und die öffentlichen Medien).

Das Wort „Literatur“ gilt heute zwar nicht mehr demselben Gegenstand wie vor 1750, es blieb jedoch kontinuierlich das Wort des sekundären Austauschs über Literatur. Es findet sich auf Titelseiten von Literaturzeitschriften, in den Bezeichnungen von Lehrstühlen und universitären Seminaren der Literaturwissenschaft, in den Titeln von Literaturgeschichten, in Wortfügungen wie „Literaturpapst“, „Literaturkritiker“, „Literaturhaus“, „Literaturpreis“. Das Wort „Literatur“ ist dabei (anders als Worte wie „Hammer“, die keine Debattengegenstände bezeichnen) vor allem ein Wort des Streits und der Frage: „Was soll eigentlich als Literatur Anerkennung finden?“ Es gibt eine Literaturdiskussion, und sie legt auf der Suche nach neuen Themen, neuer Literatur und neuen Literaturdefinitionen fortwährend neu fest, was gerade für „Literatur“ erachtet wird. Sie tat dies in den letzten 300 Jahren mit solchem Wandel ihres Interesses, dass man für das Wort „Literatur“ eben durchaus keine stabile inhaltliche Definition geben kann.

Das große Thema des Austauschs über Literatur waren bis weit ins 18. Jahrhundert hinein die Wissenschaften. In der Praxis des Besprechungswesens reduzierte sich der Blick der Literaturrezensenten dabei auf neueste Publikationen, auf Schriften – ein Austausch, der zunehmend Leser außerhalb der Wissenschaften ansprach: Wissenschaftliche Journale erschienen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit spannenden Themen in den Niederlanden auf Französisch. Englische kamen hinzu, deutsche boomten zwischen 1700 und 1730 im Geschäft, das die Universitäten Leipzigs, Halles und Jenas bestimmten. Der Reiz der wissenschaftlichen Journale war ihre Diskussionsfreudigkeit, ihre Offenheit für politische Themen, die Präsenz, die hier einzelne Literaturkritiker mit eigenen sehr persönlich geführten Journalen (im deutschen etwa den Gundlingiana Nikolaus Hieronymus Gundlings) entwickelten.

Zwischen 1730 und 1770 wandten sich deutsche literarische Journale bahnbrechend der nationalen Dichtung zu – im territorial und konfessionell zersplitterten Sprachraum war die Poesie der Nation ein Thema, das sich überregional und mit größten Freiheiten behandeln ließ. Die Gelehrsamkeit (die „res publica literaria“) gewann mit Rezensionen der „belles lettres“, der „schönen Wissenschaften“, der „schönen Literatur“ (so die Dachbegriffe, die man wählte, um diese Werke ungeniert in wissenschaftlichen Zeitschriften anzusprechen zu können), ein wachsendes Publikum. Aus dem modischen Ausnahmefall des Rezensionswesens wurde im Verlauf des 18. Jahrhunderts der Regelfall.

Nach der neuen Definition war davon auszugehen, dass sich die Literatur in nationalen Traditionssträngen entwickelte: Wenn sie im Kern sprachliche Überlieferung war, dann mussten die Sprachen und die politisch definierten Sprachräume den einzelnen Überlieferungen Grenzen setzen – Grenzen, über die nur ein Kulturaustausch hinweghelfen kann. Ein Sprechen von „Literaturen“ im Plural entfaltete sich. Für die Nationalliteraturen wurden die nationalen Philologien zuständig. Eine eigene Wissenschaft der Komparatistik untersucht die Literaturen heute in Vergleichen.

Die Definition von Literatur als „Gesamt der sprachlichen und schriftlichen Überlieferung“ erlaubt es den verschiedenen Wissenschaften, weiterhin in „Literaturverzeichnissen“ ihre eigenen Arbeiten als „Literatur“ zu listen (Fachliteratur). Die Definition im „engen Sinn“ ist dagegen gezielt arbiträr und zirkulär angelegt. Es blieb und bleibt darüber zu streiten, welche Werke als „künstlerische“ Leistungen anzuerkennen sind.

Das, was Literatur werden sollte, hatte vor 1750 weder einen eigenen Oberbegriff noch größere Marktbedeutung. Poesie und Romane mussten erst unter eine einheitliche Diskussion gebracht werden, wobei gleichzeitig große Bereiche der Poesie- wie der Romanproduktion aus der Literaturdiskussion herausgehalten werden mussten, wenn diese ihr kritisches Gewicht bewahren wollte.

Der Prozess, in dem ausgewählte Dramen, Romane und Gedichte „Literatur“ wurden, fand dabei in einem größeren statt: Seit dem 17. Jahrhundert gab es auf dem Buchmarkt die „belles lettres“ (englisch vor 1750 oft mit „polite literature“ übersetzt, deutsch mit „galante Wissenschaften“ und ab 1750 „schöne Wissenschaften“). Dieses Feld besteht heute im Deutschen mit der Belletristik fort.

Die „belles lettres“ waren im 17. Jahrhundert unter den „lettres“, den Wissenschaften, für das Besprechungswesen ein unterhaltsamer Randbereich. Sie erwiesen sich im Lauf des 18. Jahrhunderts als popularisierbares Besprechungsfeld. Ihnen fehlten jedoch entscheidende Voraussetzungen, um staatlichen Schutz erlangen zu können: Die „belles lettres“ waren und sind international und modisch (man kann von „nationalen Literaturen“ sprechen, nicht aber von „nationalen Belletristiken“), sie umfassten Memoires, Reiseberichte, politischen Klatsch, elegante Skandalpublikationen genauso wie Klassiker der antiken Dichter in neuen Übersetzungen (ihnen fehlt mit anderen Worten jede Ausrichtung auf eine Qualitätsdiskussion; man liest die mit Geschmack, es gibt „Literaturkritiker“, aber keine „Belletristikkritiker“). Die Belletristik war und ist vor allem aktuell und das selbst in ihren Klassikern (es gibt keine „Belletristikgeschichte“, wohl aber „Literaturgeschichte“) – das sind die wesentlichen Unterschiede zwischen Belletristik und Literatur, die aufzeigen, wie die Belletristik umgeformt werden musste, um die Literatur im heutigen Sinn zu schaffen.

Staatliches Interesse – Achtung, mit der sie zum Unterrichtsgegenstand werden konnte – gewann die Belletristik durch die Einrichtung einer nationalen Debatte, in der es um hohe Kunst der nationalen Dichter ging. Romane, Dramen und Gedichte wurden in der Einrichtung dieser Diskussion zum zentralen Feld der „belles lettres“, zu „schöner Literatur“, dem Kernbereich der literarischen Produktion.

Der Bereich der „belles lettres“ war vor 1750 klein, aber virulent. Unter 1500–3000 Titeln der jährlichen Gesamtproduktion, die um 1700 in den einzelnen großen Sprachen Französisch, Englisch und Deutsch auf den Markt kam, machten die „belles lettres“ pro Jahr 200–500 Titel aus; 20-50 Romane waren etwa dabei. Der Großteil der Buchproduktion entfiel auf die Bereiche wissenschaftliche Literatur und religiöse Textproduktion von Gebetbüchern bis hoch zu theologischer Fachwissenschaft, sowie, wachsend: auf die politische Auseinandersetzung. Zu den Marktentwicklungen eingehender das Stichwort Buchangebot (Geschichte).

Die Literaturkritik, die Kritik der Wissenschaften, ließ sich zwischen 1730 und 1770 gezielt auf die skandalösesten Bereiche des kleinen belletristischen Marktes ein. Dort, wo es die skandalöse Oper und den ebenso skandalösen Roman gab, musste (so die Forderung der Kritiker) in nationalem Interesse Besseres entstehen. Mit größtem Einfluss agierte hier die deutsche Gelehrsamkeit. Die Tragödie in Versen wurde das erste Projekt des neuen, sich der Poesie zuwendenden wissenschaftlichen Rezensionswesens. Frankreich und England hätten eine solche Tragödie zum Ruhm der eigenen Nation, führte Johann Christoph Gottsched in seiner Vorrede zum Sterbenden Cato, 1731 aus, die den Ruf nach jener neuen deutschen Poesie begründete, aus der am Ende die neue hohe deutsche Nationalliteratur wurde. Die Attacke richtete sich (auch wenn Gottsched das nur in Nebensätzen klarstellte, und ansonsten das Theater der Wandertruppen angriff) gegen die Oper, die in der Poesie den Ton angab. Die Oper mochte Musik sein. Die neue, der Oper ferne Tragödie würde, so versprach es Gottsched, auf Aufmerksamkeit (und damit Werbung) des kritischen Rezensionswesens hoffen können, falls sie sich an die poetischen Regeln hielt, die Aristoteles formuliert hatte.

Die Rückkehr zur aristotelischen Poetik blieb ein Desiderat der „Gottschedianer“. Mit dem bürgerlichen Trauerspiel gewann Mitte des 18. Jahrhunderts ein ganz anderes Drama – eines in Prosa, das bürgerliche Helden tragödienfähig machte – die Aufmerksamkeit der Literaturkritik. Der Roman, der mit Samuel Richardsons Pamela or Virtue Rewarded (1740) dem neuen Drama die wichtigsten Vorgaben gemacht hatte, fand im selben Moment das Interesse der Literaturrezension. War der Roman bis dahin eher Teil der dubiosen Historien als Poesie, so wurde nun die Poesiedefinition für den Roman geöffnet, so wie sie gegenüber der Oper, dem Ballett, der Kantate und dem Oratorium verschlossen wurde.

Der neue Poesiebegriff gab dem Fiktionalen und seiner diskutierbaren Bedeutung größeren Raum als Regeln und Konventionen. Die Diskutierbarkeit von Poesie nahm damit zu. Sie steigerte sich weiter damit, dass das Besprechungswesen zum nationalen Wettstreit der Dichter aufrief.

Für die öffentliche Auseinandersetzung bedeutete die neue Differenzierung eine Wohltat. Im frühen 18. Jahrhundert hatte man Romane, die hochrangigen Politikern Sexskandale andichteten, in wissenschaftlichen Journalen besprochen, falls die politische Bedeutung das erforderte. Man hatte die Informationen schlicht als „curieus“ gehandelt (siehe etwa die Rezension der Atalantis Delarivier Manleys in den Deutschen Acta Eruditorum von 1713). Kein Gespür für die Niedrigkeit der Debatte bestand da – man ging vielmehr davon aus, dass sich solche Informationen nicht anders verbreiten ließen, als in skandalösen Romanen. Mitte des 18. Jahrhunderts – die neue Mode der Empfindsamkeit kam in diesem Geschehen auf – konnte man das „Niedere“ zwar nicht vom Buchmarkt verbannen, aber eben aus der Diskussion nehmen. Es mochte einen skandalösen Journalismus beschäftigen, der eines Tages eine eigene Boulevardpresse entwickelte, nicht aber die gehobenen Debatten der Literatur.

Die Literaturdebatte entwickelte auf dem Weg der von ihr angestrebten Marktreform eine besondere Suche nach Verantwortung für die Gesellschaft – und für die Kunst. Sie fragte nach den Autoren dort, wo der Markt bislang weitgehend unbeachtet und anonym florierte. Sie löste Pseudonyme auf und nannte die Autoren gezielt bei ihren bürgerlichen Namen (das war im 17. und 18. Jahrhundert durchaus unüblich, man sprach vor 1750 von „Menantes“ nicht von „Christian Friedrich Hunold“). Die neue Literaturwissenschaft diskutierte, welche Stellung die Autoren in der Nationalliteratur gewannen und legte damit das höhere Ziel der Verantwortung fest. Sie schuf schließlich besondere Fachdiskussionen wie die psychologische Interpretation, um selbst das noch zu erfassen, was die Autoren nur unbewusst in ihre Texte gebracht hatten, doch eben nicht weniger in der literaturwissenschaftlichen Perspektive verantworteten. Rechtliche Regelungen des Autorstatus und des Urheberschutzes gaben demselben Prozess eine zweite Seite.

Geschichten der deutschen Literatur offenbaren die Einschnitte des hier knapp skizzierten Geschehens, sobald man die besprochenen Werke auf der Zeitachse verteilt: Mit den 1730er beginnt eine kontinuierliche und wachsende Produktion „deutscher Dichtung“. Die Diskussionen, die seit 1730 geführt wurden, schlagen sich in Wellen von Werken nieder, die in diesen Diskussionen eine Rolle spielten. Vor 1730 liegt dagegen eine Lücke von 40 Jahren – die Lücke des (am Ende von einer Europamode vorangebrachten) belletristischen Marktes, dem die Gründungsväter der heutigen nationalen Literaturdiskussion als „niedrigem“ und unwürdigen ihre Betrachtungen verweigerten. Mit dem „Mittelalter“, der „Renaissance“ und dem „Barock“ schuf die Literaturgeschichtsschreibung des 18. und 19. Jahrhunderts für die Vergangenheit nationale Großepochen, die der Literatur, wie sie heute erscheint, eine (lückenhafte, nachträglich produzierte) Entwicklung geben.

Der Streit in der Frage „Was ist Literatur?“, der mit dem 19. Jahrhundert aufkam, und der nach wie vor die Literaturwissenschaft beschäftigt, ist kein Beweis dafür, dass die Literaturwissenschaft nicht einmal dies zuwege brachte: ihren Forschungsgegenstand klar zu definieren. Die Literaturwissenschaft wurde selbst die Anbieterin dieses Streits. Darüber, was Literatur sein soll und wie man sie adäquat betrachtet, muss tatsächlich gesellschaftsweit gestritten werden, wenn Literatur – Dramen, Romane und Gedichte – im Schulunterricht, in universitären Seminaren, im öffentlichen Kulturleben als Leistung der Nation gewürdigt wird. Jede Interessengruppe, die hier nicht eigene Perspektiven und besondere Diskussionen einklagt, verabschiedet sich aus einer der wichtigsten Debatten der modernen Gesellschaft.

Nach dem Vorbild der Literatur (als dem sprachlich fixierten nationalen Diskursgegenstand) wurden mit der Wende ins 19. Jahrhundert die internationaler verfassten Felder der bildenden Kunst und der ernsten Musik definiert – Felder, die zu parallelen Marktdifferenzierungen führten: Auch hier entstanden „hohe“ gegenüber „niedrigen“ Gefilden: Die hohen sollten überall dort liegen, wo gesellschaftsweite Beachtung mit Recht eingefordert wird. Der Kitsch und die Unterhaltungsmusik konnten im selben Moment als aller Beachtung unwürdige Produktionen abgetan werden. Die Literaturdebatte muss von allen Gruppen der Gesellschaft als Teil der größeren Debatte über die Kultur und die Kunst der Nation aufmerksam beobachtet werden: Sie nimmt mehr als andere Debatten Themen der Gesellschaft auf und sie gibt Themen an benachbarte Diskussionen weiter.

Dass sie zum Streit Anlass gibt, ist das Erfolgsgeheimnis der Literaturdefinition des 19. Jahrhunderts: Literatur sollen die Sprachwerke sein, die die Menschheit besonders beschäftigen – das ist zirkulär und arbiträr definiert. Es liegt im selben Moment in der Hand aller, die über Literatur sprechen, festzulegen, was Literatur ist.

Das Material, das im Lauf des 18. Jahrhunderts zu Literatur gemacht wurde, war zuvor nur im Ausnahmefall von Literaturzeitschriften (wissenschaftlichen Rezensionsorganen) besprochen worden. Der Austausch über Poesie und Fiktionen, über Dramen Opern und Romane geschah vor 1750 vor allem in den Theatern und in den Romanen selbst. In den Theatern stritten die Fans über die besten Dramen und Opern. Man veranstaltete in London Wettkämpfe, bei denen man Themen ausschrieb und die beste Oper prämierte. Im Roman attackierten Autoren einander unter Pseudonymen mit der beliebten Drohung, den Rivalen mit seinem wahren Namen auffliegen zu lassen. Hier griff der sekundäre Diskurs der Literaturkritik um 1750 mit neuen Debattenangeboten ein.

Die Literaturdiskussion selbst war zuerst eine rein wissenschaftsinterne Angelegenheit gewesen: Als im 17 Jahrhundert Literaturzeitschriften aufkamen, besprachen in ihnen Wissenschaftler die Arbeiten anderer Wissenschaftler. Das Publikum dieses Streits weitete sich aus, dadurch dass die Literaturzeitschriften Themen von öffentlichem Interesse intelligent ansprachen und da die Rezensenten sich auf das breitere Publikum mit neuen Besprechungen der „belles lettres“ einließen. Wenn die Wissenschaften Dichter besprachen, gewann ihre Debatte eine ganz neue Freiheit: Fachintern, doch vor den Augen der wachsenden Öffentlichkeit besprach man hier Autoren, die außerhalb der eigenen Debatte standen. Man konnte mit ihnen weit kritischer umgehen als mit den Kollegen, die man bislang im Zentrum rezensierte.

In dem Maße, in dem die Wissenschaften ihren ersten Besprechungsgegenstand (ihre eigene Arbeit) zugunsten des neuen (Poesie der Nation) aufgaben, öffneten sie die Literaturdebatte der Gesellschaft. Die Literaturdiskussion florierte fortan nicht mehr als vor allem internes Geschäft; sie agierte in ihrem Streit zugleich gegenüber zwei externen Teilnehmern: dem Publikum, das die Literaturdebatte verfolgt und vieldiskutierte Titel mit Bereitschaft kauft, die Diskussionen fortzusetzen und gegenüber den Autoren, die nun als die Verfasser von „Primärliteratur“ dem „sekundären Diskurs“ beliebig distanziert gegenüberstehen können.

Der Austausch gewann an Komplexität, als im 19. Jahrhundert die Nation ein eigenes Interesse an der neuformulierten Literatur entwickelte. Die Nationalliteratur ließ sich an Universitäten und Schulen zum Unterrichtsgegenstand machen. Der Nationalstaat bot der Literaturwissenschaft eigene Institutionalisierung an: Lehrstühle an Universitäten. Die nationalen Philologien wurden eingerichtet. Literaturwissenschaftler wurden berufen, um für Kultusministerien die Lehrpläne zu erstellen, nach denen an den Schulen Literatur zu besprechen ist; sie bilden die Lehrer aus, die Literatur bis in die unteren Schulklassen hinab diskutieren.

Die Verlagswelt stellte sich auf den neuen Austausch ein. Kommt ein neuer Roman auf den Markt, schickt sie komplett vorgefasste Rezensionen mit Hinweisen auf die Debatten, die dieser Roman entfachen wird, an die Feuilleton-Redaktionen der wichtigsten Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender.

Die Autoren veränderten ihre Arbeit. Mit den 1750ern kamen ganz neue Dramen und Romane auf: schwergewichtige, schwerverständliche, die gesellschaftsweite Diskussionen entfachen müssen. Romane und Dramen wurden in ganz neuem Maße „anspruchsvoll“ – Anspruch auf öffentliche Würdigung ist das neue Thema. Um mehr Gewicht auf Debatten zu gewinnen, wurde es unter den Autoren Mode, Dramen, Romane und Gedichte in epochalen Strömungen zu verfassen, Schulen zu gründen, die einen bestimmten Stil, eine bestimmte Schreibweise (die „realistische“, die „naturalistische“ etc.), eine bestimmte Kunsttheorie (die des „Surrealismus“, die des „Expressionismus“) verfochten. Autoren, die sich auf eine solche Weise verorten, werden, wenn die Aktion gelingt, als bahnbrechende besprochen, wenn sie zu spät auf den falschen Zug aufspringen, werden sie von der Kritik als „Epigonen“ gebrandmarkt. Dieses gesamte Spiel kennt kein Pendant vor 1750. Die meisten Stilrichtungen, die wir (wie das „Barock“ und „Rokoko“) vor 1750 ausmachen, sind erst später geschaffene Konstrukte, mit denen wir den Eindruck erwecken, dass Literatur schon immer Debatten fand, wie sie sie seit dem 19. Jahrhundert findet.

Die Autoren organisierten sich in Assoziationen wie den P.E.N.-Club international. Sie formierten Gruppen wie die „Gruppe 47“ und Strömungen. Mit Manifesten begannen sie, dem sekundären Diskurs Vorgaben zu machen. Im Einzelfall ließen sie sich auf Fehden mit Literaturpäpsten ein, um auf direktestem Weg die Literaturdiskussion auf sich zu ziehen. Autoren nehmen Literaturpreise an oder schlagen sie, wie Jean-Paul Sartre den ihm verliehenen Nobelpreis für Literatur, im öffentlichen Affront aus. Sie halten Dichterlesungen in Buchhandlungen – undenkbar wäre das im frühen 18. Jahrhundert gewesen. Sie begeben sich in den „Widerstand“ gegen politische Systeme, sie schreiben Exilliteratur aus der Emigration heraus.

Mit all diesen Interaktionsformen gewann der Austausch über Literatur eine Bedeutung, die der Austausch über die Religion kaum hatte (geschweige denn der Austausch über Literatur im alten Wortsinn oder derjenige über Poesie und Romane, wie er vor 1750 bestand).

Das brachte eigene Gefahren mit sich. Die Literaturwissenschaft und der von ihr ausgebildete freiere Bereich der Literaturkritik in den Medien sind erheblichen Einflussnahmen der Gesellschaft ausgesetzt. Die Gesellschaft klagt neue Debatten ein, fordert neue politische Orientierungen, erzwingt von der Literaturkritik Widerstand oder Anpassung. Es gibt in der pluralistischen Gesellschaft in der Folge eine feministische Literaturwissenschaft wie eine marxistische, oder (scheinbar unpolitischer) eine strukturalistische und so fort. Eine Gleichschaltung der Gesellschaft, wie sie das Dritte Reich durchführte, greift konsequenterweise gezielt zuerst in den Literaturbetrieb ein. Die institutionalisierte Literaturwissenschaft lässt sich sehr schnell gleichschalten, Lehrstühle werden neu besetzt, Lehrpläne bereinigt, Literaturpreise unter neuen Richtlinien vergeben. Die Gleichschaltung der Verlagswelt und der Autorenschaft ist die schwierigere Aufgabe der Literaturpolitik, der totalitäre Staaten zur Kontrolle der in ihnen geführten Debatten große Aufmerksamkeit schenken müssen.

Warum die Nation überhaupt ein solches Interesse am pluralistischen und jederzeit kritischen Gegenstand „Literatur“ und den Debatten nationaler „Kunst“ und „Kultur“ entwickelte?

Europas Nationen antworteten mit der Einführung nationalstaatlicher Bildungssysteme und der allgemeinen Schulpflicht – durchaus auch – auf die Französischen Revolution. Wer aufsteigen wollte, sollte, so das Versprechen, das jede weitere Revolution erübrigen musste, es in der Nation beliebig weit bringen können – vorausgesetzt, er nutzte die ihm angebotenen Bildungschancen. In der Praxis blieben Kinder unterer Schichten bei aller Chancengleichheit finanziell benachteiligt. Weit schwerer wog für sie jedoch, was sie an Erfahrungen frühzeitig in all den Schulfächern machten, in denen die neuen Themen angesagt waren: Wer in der Gesellschaft aufsteigen wollte, würde seinen Geschmack anpassen müssen. Er würde sich ausschließlich für hohe Literatur, bildende Kunst und ernste Musik begeistern müssen und am Ende mit seinen nächsten Angehörigen keine Themen mehr teilen, ihre Zeitungen verachten wie ihre Nachrichten. Die Frage war nicht, ob man aufsteigen konnte. Die Frage war, ob man bei diesen Aussichten aufsteigen wollte? Erst das ausgehende 20. Jahrhundert brachte hier eine größere Nivellierung der „Kulturen“ innerhalb der Gesellschaft – nicht wie in der linken politischen Theorie gedacht durch eine Erziehung, die Arbeiterkinder an die hohe Kultur heranführte, sondern durch neue Moden der Postmoderne, in denen „niedere“ Kultur, „Trash“, plötzlich „Kultstatus“ gewann.

Der Verlierer im Kampf um gesellschaftliche Diskussionen und Aufmerksamkeit scheint bei alledem die Religion gewesen zu sein. Die Literatur ist gerade an dieser Stelle eine interessant offene Konstruktion. Die Texte der Religion können dort, wo man Literatur diskutiert, jederzeit als die „zentralen Texte der gesamten sprachlichen Überlieferung“ eingestuft werden. Aus der Sicht der Literaturwissenschaft liegen die Texte der Religion nicht außerhalb, sondern mitten im kulturellen Leben der Nation. Die Texte der Religion stehen zur Literatur als dem großen Bereich aller textlichen (nach Nationen geordneten) Überlieferung nahezu so ähnlich wie die Religionen selbst zu den Staaten, in denen sie agieren. Es ist dies der tiefere Grund, warum sich das Konzept der Literatur, wie es heute die Literaturwissenschaft beschäftigt, weitgehend ohne auf Widerstand zu stoßen, weltweit ausdehnen ließ.

Die moderne Literaturdebatte folgt vor allem deutschen und französischen Konzepten des 18. und 19. Jahrhunderts. Deutsche Journale wie Lessings Briefe die Neueste Literatur betreffend wandten sich früh dem neuen Gegenstand zu. Sie taten dies gerade im Verweis auf ein nationales Defizit. Mit der französischen Revolution erreichte Frankreich das Interesse an einem säkularen textbasierten Bildungsgegenstand.

Wer sich durch die englische Publizistik des 19. Jahrhunderts liest, wird dagegen feststellen, dass das Wort „Literatur“ hier noch bis Ende des 19. Jahrhunderts synonym für die Gelehrsamkeit stehen konnte. An Themen des nationalen Austauschs fehlte es in Großbritannien nicht – die Politik und die Religion lieferten sie zur freier Teilnahme an allen Diskussionen. Die Nation, die die Kirche im 16. Jahrhundert dem Staatsgefüge einverleibt hatte, fand erst spät eine eigene der kontinentalen Säkularisation gleichkommende Debatte. Die wichtigste Geschichte der englischen Literatur, die im 19. Jahrhundert erschien, Hippolyte Taines History of English Literature brachte die neue Wortverwendung als Anstoß von außen ins Spiel und machte verhältnismäßig spät klar, welche Bedeutung England in der neu zu schreibenden Literaturgeschichte selbst gewinnen konnte.

Das Konzept nationaler Literaturen erregte kaum Einsprüche. Die Komparatistik setzt gerade getrennte, „vergleichbare“ Literaturen voraus. Sie erarbeitete kaum das Konzept eines breiten internationalen Marktgeschehens.

Weitaus mehr Einsprüche rief der enge Literaturbegriff hervor. Sowohl die Schulen der textimmanenten Interpretation (die wie der Strukturalismus die Bedeutung im einzelnen vorliegenden Textstück suchen), wie die Schulen der gesellschaftsbezogenen Literaturinterpretation (die vom Marxismus bis zu den Strömungen Literatursoziologie einen Blick auf die Gesellschaft einfordern), traten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts für einen „weiten“ Literaturbegriff ein. Der schien erstrebenswert, da er es Literaturkritikern erlauben würde, auch politische Texte, Werbung und Alltagstexte ideologiekritisch zu besprechen.

Die Vertreter des Poststrukturalismus erweiterten in den 1980er- und 1990er-Jahren ihren Text- wie ihren Sprachbegriff noch entschiedener. Roland Barthes hatte in den 1950ern bereits die Titelcover von Zeitschriften genauso wie das neue Design eines Autos in ihren Botschaften besprochen.

Eine Selbstverständlichkeit wurde der erweiterte Sprachbegriff in der Filmwissenschaft. Hier spricht man ganz ohne weiteres von der „Bildsprache“ eines Regisseurs, und über eine solche Sprache müssen Literaturwissenschaftler sich äußern können.

Die moderne Kulturwissenschaft, die „Cultural Studies“ setzen zwar eine umfassende Interpretationspraxis fort, ihr Gegenstand wird jedoch in der „Kultur“ definiert.

Wenn die Literaturwissenschaft sich auf sprachliche Kunstwerke spezialisiert, hat dies durchaus Vorteile. Sie hält im selben Moment andere Wissenschaftler davon ab, im eigenen Forschungsfeld als Experten aufzutreten. Die Literaturdiskussion kann letztlich sehr frei festlegen, was ihr Gegenstand ist – sie kann sich auf ein gut gehendes Kerngeschäft, Literatur im engen Sinn, ausrichten, oder auf andere Diskussionen und dazu mit einem weiten Literaturbegriff auftreten. Der wiederkehrende Warnruf, der Tod der Literatur stehe bevor, ist am ehesten ein Spiel mit der Aufmerksamkeit der Gesellschaft, die den Austausch über Literatur verfolgt und verteidigt.

Das Projekt Gutenberg-DE stellt zahlreiche Literatur ins Internet. Eine weitere wichtige Anlaufstelle ist das Literaturnetz.

Eine Plattform für digitales und gemeinsames Schreiben.

E-Texte der Philosophie, Religion, Literatur etc.

Zur Verwaltung von Literatur gibt es mittlerweile zahlreiche Programme. Mit ihnen lassen sich z.B. eigene Literatursammlungen nach spezifischen Merkmalen kategorisieren. Die Abfragen brauchen teilweise nicht von Hand eingegeben zu werden, es reicht, z.B. den Autor bzw. den Titel einzugeben und daraufhin eine Suche in bestimmten Datenbanken zu tätigen. Die Ergebnisse können dann einfach übernommen werden.

Eine Literaturdatenbank katalogisiert den Bestand aktueller und älterer Literatur. Hier finden vermehrt digitale Kataloge bzw. Online-Literaturdatenbanken ihren Gebrauch.

Die Autoren dieser Titel legen ein Corpus von in ihren Augen literarischen Werken fest und versuchen dann, in einer wissenschaftlichen und subjektiven Analyse dieser Werke auszumachen, was Literatur grundsätzlich auszeichnet.

Zum Seitenanfang



Persische Literatur

Einer der Khayyām zugeschriebenen Vierzeiler

Die Geschichte der Persischen Literatur lässt sich bis in das Altertum zurückverfolgen. Erste Beispiele einer iranischen Dichtung, die bereits das Schema einer zur Tradition gewordenen Rhetorik aufweisen, befinden sich in den Gathas (Gesängen), den ältesten Teilen des Avesta, der Schrift der zoroastrischen Religion (s.a. Zarathustra). Als Dari-Dichtung wird hingegen die Gesamtheit der klassischen Dichtungskultur Persiens bezeichnet, die in der persischen Schriftsprache Dari angefertigt wurde. Sie entstand hauptsächlich auf dem Gebiet der heutigen Staaten Iran, Afghanistan, Tadschikistan und Usbekistan. Zudem war die Persische Sprache über eine sehr lange Zeitspanne hinweg die Kultur- und Amtssprache im Irak, in Pakistan und in Nordindien. Auch hier lebten einige der bekanntesten Dichter der persischen Sprache.

Im persischen Kultur- und Sprachgebiet wird die Dichtkunst hoch geschätzt, so dass der persische Kulturkreis eine ganze Anzahl berühmter und erfolgreicher Dichter hervorgebracht hat. Persische Dichter haben so auch über Jahrhunderte hinweg andere Kulturen und Sprachen beeinflusst, unter anderem den deutschen Dichter Goethe, dessen West-östlicher Diwan auf der klassischen persischen Poesie basiert.

Dari-Dichtung ist ebenfalls die traditionelle Sprache des mystischen Islams, auch Sufismus genannt.

Illustrationen von Dschāmis Rosengarten der Frommen, 1553.

Bereits gegen Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich in der persischen Literatur der Beginn einer neuen Ära gefolgt von drastischen Veränderungen in Form und Stil angekündigt. Exemplarisch hierfür kann ein Vorfall am Qadscharenhofe Nāser od-Din Schāhs gesehen werden, bei dem der reformorientierte Premierminister der Zeit, Amir Kabir, den Dichter Habibhollāh Qā'āni der "glatten Lüge" bezichtigte, als dieser ihn in einer Lobeshymne (Panegyrikus) qasidischen Stils pries. Diese Form der Dichtung wurde von nun an als fortschrittshemmend und der Modernisierung entgegenstehend betrachtet. Stattdessen wurden immer mehr Stimmen laut, die die Literatur als Sprachrohr sozialer Bedürfnisse und des sozialen Wandels betrachteten. Diese neue Tendenz kann nur im Zusammenhang der intellektuellen Bewegung im Kreise der iranischen Philosophen der Zeit in Verbindung mit den sozialen Veränderungen gesehen werden, die ihren Höhepunkt in der Jungpersischen Revolution (1905-1911) fanden. Dichter wie Ali Akbar Dehkhoda und Abu l-Qāsem Aref versuchten dies in der Art dichterisch umzusetzen, als sie neue Inhalte in die persische Dichtung einführten und im Bereich der Struktur, der rhetorischen Figuren (s.a. Liste rhetorischer Figuren) und der Lexikosemantik experimentierten. Auch wenn im Zusammenhang dieser Veränderungen häufig argumentiert wurde, dass der Begriff der Modernisierung mit dem der Westernisierung gleichzusetzen wäre, kann jedoch argumentiert werden, dass all die Vertreter der neuen Bewegung sicherlich durch Tendenzen vor allem in der europäischen Literatur inspiriert wurden, diese jedoch nicht blind kopierten, sondern den Bedürfnissen der sozialen und kulturellen Realität im Iran anpassten. Sādeq Hedāyats Modernismus beispielsweise äußert sich in einer säkulären Kritik der iranischen Gesellschaft - ohne jegliche ideologische Festlegung - sondern in einer die Realität erfassenden und dennoch persönlichen, subjektiven, sehr einfühlsamen Wahrnehmung der unterpriviligierten und einfachen Bevölkerungsschichten der iranischen Gesellschaft, wie man es derart vor allem in seinen Novellen finden kann.

Das Sepid-Gedicht (Das Weiße Gedicht) stellt eine Weiterentwicklung des Neuen Gedichts dar, das sich weiter von den bisherigen Regeln und Einschränkungen der Dichtkunst entfernte und eine freiere Struktur entfaltete. Gemäß der Dichterin Simin Behbahāni (*1927) muss Bijan Dschalāl (*1927) als Entwickler dieser Gedichtsform gesehen werden, da sie erst durch seine Werke allgemeine Beachtung und Anerkennung fanden. Ein weiterer ebenso bedeutender Repräsentant dieser Dichtungsrichtung ist Ahmad Schāmlou (1925 - 2000), der sich auf die Musikalität und sprachimmanente Poetik der Wörter besann und sie in einem prosagleichen Prozess verarbeitete, ohne dabei den Gedichtscharakter zu verlieren. Simin Behbahāni selbst verschrieb sich eher dem Chār Pare-Stil Nimās, um sich dann wieder dem Ghazal zuzuweden, das sie entscheidend weiterentwickelte, indem sie Themen des Theaters und des Alltags in Verbindung mit Alltagskonversationen in diese Gedichtsform einführte und den Umfang an traditionellen persischen Versformen erweiterte. Ihre Werke zählen zu den bedeutendsten der persischen Literatur des 20. Jahrhunderts.

1951 brachte der Dichter Mahdi Achawān Sāles (1928 - 1990) eine Literaturzeitschrift, Orgān, heraus, in der er Gedichte der Brückenbildung zwischen dem traditionellen Chorāsān-Stil und Nimās neuem Gedichtsstil veröffentlichte. Er selbst ist einer der bedeutenden Dichter des 20. Jahrhunderts, der die freien Rhythmen in eine moderne Form des Epos einführte. Auch Fereydun Moschiri (1926-2000), der die geographische und soziale Bandbreite der persischen Literatur des 20. Jahrhunderts erweiterte, lässt sich in diese Richtung einordnen. Eine Mittelstellung zu Nimā, Schāmlou und Sāles nimmt Rezā Schafi'i-Kadkāni (*1939) (ein Dichter der Vorrevolution (1979)) ein, dessen Werke Einflüsse von Hāfez und Rumi (auch Moulawi od. Moulanā) zeigen, gleichzeitig inspiriert durch die politische Atmosphäre der Zeit sind.

Im Rahmen eines Schriftstellerkongresses im Jahre 1946 verkündete der Literaturprofessor und Literat P. N. Chānlari die Zukunft der Literatur als das "Zeitalter der Prosa", was zu jener Zeit angesichts der weitreichenden Tradition im Genre der Dichtung als recht kühne Behauptung bewertet wurde. Auch wenn die Lyrik heute noch ihre bedeutende Stellung in der literarischen Produktion keineswegs eingebüßt hat und ein wichtiges Mittel des Ausdrucks bleibt, zeigt die literarische Entwicklung jedoch eine entscheidende Hinwendung in Richtung Prosa (vgl. Ghanoonparvar, S.1). Seit die Prosa in den frühen 20er Jahren mit der Veröffentlichung Dschamālzādes (1895-1997) anekdotischen Geschichten Yeki bud Yeki nabud diesen Weg eingeschlug, durchlief sie mehrere Phasen, die wesentlich durch die sozialen und politischen Bedingungen und Verhältnisse ihrer Zeit geprägt waren. Ghanoonpar hierzu: "Perhaps in no other country has the development of literature been so closely associated with social and political fluctuation as in Persia during the 20th century." (Gh, S.1) In seinem Vorwort zu Yeki bud Yeki nabud formulierte Dschamālzāde, der noch stark durch den post-revolutionären (1905-1911) Elan seiner Zeit inspiriert war, das Quasi-Manifest der modernen persischen Literatur, in dem er für eine "Demokratisierung der Literatur" plädierte. Die Funktion der Literatur sah er hier zum einen in der Erziehung der Massen, zum anderen im Festhalten volkstümlicher und sozial-regional variierender Redeweisen.

Die einflussreichste Persönlichkeit der persischen Prosa des 20. Jahrhunderts bleibt jedoch Sādeq Hedāyat (1903 - 1951), der Dschamālzāde in den 30er Jahren in seinem Interesse für verschiedene Aspekte der persischen Kultur und Sprache in seinem für ihn (Hedāyat) charakteristischen sehr persönlichen, philosophischen, bisweilen surrealen und sehr pessimistischen Stil folgte (s. hierzu vor allem Die blinde Eule (1937) ). Die persische Literatur der 40er Jahre zeichnete sich sodann durch ein vordergründiges sozio-politisches Interesse aus, das dem künstlerischen Aspekt einen ihm untergeordneten Stellenwert beimaß. Zu den angesehendsten Vertretern dieser Zeit zählen Bozorg Alavi (1904-1997), der während der Regierungszeit Rezā Schāh Pahlavis auf Grund seiner marxistischen Ansichten für vier Jahre inhaftiert worden war, und Al-e Ahmad (1923 - 1969).

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sah sich Afghanistan mit starken sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen konfrontiert, die ebenfalls neue Herangehensweisen in der Literatur forderten. Im Jahre 1911 kehrte der in Regierungszirkeln einflussreiche Mahmud Tarzi, nach einigen Jahren des Exils in der Türkei, nach Afghanistan zurück, wo er eine Zeitschrift namens Sarj’ul Akhbar herausgab, die im Abstand von jeweils zwei Wochen erschien. Auch wenn diese Zeitschrift nicht die erste ihrer Art im Lande war, so bildete sie in den Bereichen Journalismus und Literatur doch eine wichtige Plattform der Veränderung und Modernisierung. Im Bereich der Dichtung und Lyrik öffnete sie den Weg für neue Ausdrucksformen, die zum einen der Dichterpersönlichkeit im Ausdruck ihrer persönlichen Gedanken mehr Raum gab, gleichzeitig stark sozial orientiert war. Nach Monaten der kulturellen Stagnation im Jahre 1930 (1309), gründete eine Gruppe von Schriftstellern den Literarischen Zirkel Herats in der Hauptstadt des Landes, der ein Jahr später vom Literarischen Zirkel Kabuls gefolgt wurde. Beide Zirkel veröffentlichten ihre eigene Zeitschrift zu den Themen Kultur und Literatur, wobei es ihnen jedoch kaum gelang, weitere literarische Erneuerungen herbeizuführen. Vor allem das literarische Magazin Kabuls verschrieb sich stattdessen wieder verstärkt der traditionellen Dichtung. Hervorstehende Persönlichkeiten der Zeit waren Ghary Abdullah, Abdul Hagh Beytat und Khalilullah Khalili , wobei die ersteren beiden den Titel Malek ul Shoarā (König der Dichter) zuerkannt bekamen. Khalili, der jüngste unter ihnen, vertrat hierbei eher den traditionellen Chorāsān Stil im Gegensatz zu dem sonst vertretenen indischen Stil. Sein Interesse galt ebenfalls der modernen Dichtung, zu der er auch durch neue Gedanken und Bedeutungsaspekte beitrug. Als im Jahre 1934 (1313) die Gedichte Gharāb und Ghāghnus von Nimā Youshij veröffentlicht wurden, schrieb Khalil ebenfalls eines in dessen Reimschema, Sorud-e Chusestān ((Lied), Hymne Chusestans) und schickte es zur Veröffentlichung nach Kabul, wo es jedoch von den Traditionalisten abgelehnt wurde. Trotz all der Anfangsschwierigkeiten, fanden die neuen Stilrichtungen allmählich doch ihren Weg in die Literatur und Öffentlichkeit. 1957 (1337) wurde der erste Band mit neuen Gedichten veröffentlicht und 1962 (1341) eine weitere Sammlung in Kabul. Zu der ersten Gruppe von Dichtern, die den neuen Stil vertraten, zählten Mahmud Farāni, Baregh Shafi’i, Suleiman Laeq,Qahare Ahssi, Schabgier Poladian, Nadja Fazzel, Soheil Āyeneh und einige andere. Später traten weitere wie Wāsef Bakhtāri , Asadullah Habib und Latif Nāzemi hinzu, wobei jeder seinen eigenen Beitrag zur Modernisierung der Dichtung in Afghanistan beitrug. Weitere bedeutende Persönlichkeiten sind Usatd Behtāb, Leilā Sarāhat Roshani, Sayed Elān Bahār, Raziq Faani und Parwin Pāzwāk. Dichter wie Majakowski, Yase Nien und Lāhuti (ein iranischer Dichter, der im russischen Exil lebte), übten Einfluss auf die persischen Dichter Afghanistans aus. Auch der Einfluss Iranischer Dichter wie beispielsweise Farokhzād, Yazdi und Schāmlou machte sich besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bemerkbar. Zur afghanischen Prosa, zumeist auf Paschtu verfasst, siehe bitte den Weblink mit einem informativen Aufsatz von Monika Pappenfuß .

Die neuere Dichtung Tadschikstans befasst sich mit den Lebensumständen seiner Einwohner und den Auswirkungen der Revolution. Bis zum Aufkommen der modernen Dichtung Frankreichs, Asiens und Lateinamerikas machte sich ein starker Drang nach Erneuerung bemerkbar, wobei die Dichtung Muhammad Iqbāl Lāhoris und die moderner iranischer Dichter eine deutliche Vorbildfunktion einnahmen. Die 60er Jahre erwiesen sich als eine besonders schöpferische und aktive Schaffensperiode in der Dichtung Tadschikistans, vor allem in Bezug auf die Themenentwicklung und literarische Form. Von dem jedoch starken äußeren Einfluss in der Literatur, vor allem auch der europäischen Literatur, der häufig lediglich imitiert wurde und zu keiner eigenen From führte, lösten sich nur wenige Schriftsteller. Zu den bekanntesten Vertretern der tadschikischen Literatur zählen Golrokhsar Sāfieva, Mitglied des PEN-Clubs Tadschikistans, Mo'men Ghena'at, Farzāne Chodschandi, Lāyeq Scher Ali, Abied Radschāb, der u. a. mit dem Rudaki- Preis ausgezeichnet wurde, und Abolqasem Lāhuti.

Zum Seitenanfang



Englische Literatur

Erste Seite aus Beowulf

Zur Englischen Literatur im engeren Sinn gehören jene literarischen Texte, die innerhalb Englands in englischer Sprache und ihren Vorläufern - Alt- und Mittelenglisch - verfasst wurden. Im weiteren Sinne gehört dazu auch die englischsprachige Literatur anderer Länder, wie z. B. die Anglo-Irische Literatur, Anglo-Waliser Literatur, Amerikanische Literatur, Schottische Literatur, Kanadische Literatur, Australische Literatur (siehe auch Englischsprachige Literatur).

Formal besteht die grundsätzliche Trennung der Literatur in Vers (engl. verse) und Prosa (engl. prose). Die wichtigsten Gattungen sind Lyrik, Drama und Erzählliteratur.

Nachfolgende Periodisierung ist in der Anglistik recht verbreitet. Grundsätzlich bedienen sich englische Literaturhistoriker der Regierungszeiten der englischen Könige zur Epocheneinteilung. Bei einigen Epochen, deren Charakter in ganz Europa ähnlich war (z. B. Renaissance), empfiehlt es sich, von diesem Schema abzuweichen.

Bis etwa 1150 reicht die Phase der altenglischen Literatur (wobei sich ein Traditionsstrang sogar bis 1250 fortsetzt). The Dream of the Rood, ein kurzes religiöses Gedicht, ist etwa um das Jahr 700 entstanden und schildert die Kreuzigung aus der Sicht des Kreuzes Christi, das einem nächtlichen Besucher als überwältigendes Symbol erscheint.

Beowulf, das älteste Epos der englischen Literatur, ist in Stabreimen vor dem 10. Jahrhundert geschrieben. Das Werk beschreibt die Abenteuer eines großen skandinavischen Kriegers aus dem 6. Jahrhundert.

Die normannische Eroberung von 1066 brachte eine französisch sprechende Oberschicht ins Land, und aus der Verschmelzung von angelsächsischer Volkssprache und französischer Hof- und Adelssprache ging das Mittelenglische hervor. Einer der wichtigsten Unterschiede: Die Flexionsendungen fallen weg, und das ändert in den meisten Fällen die Silbenzahl der Wörter: Aus dem zweisilbigen knightes wird das einsilbige knights, eine für den Vers sehr folgenreiche Entwicklung.

Die Klassiker der Mittelenglischen Phase sind auch heute noch Kernstück eines Anglistik-Studiums, insbesondere die Canterbury Tales, die Chaucer zwischen 1387 und 1400 verfasst hat. In der Rahmenhandlung reisen etwa 30 Pilger von einem Londoner Vorort nach Canterbury, um ans Grab von Erzbischof Thomas Becket zu pilgern.

Brut ist eine Chronik und schildert die britische Geschichte von ihrer mythischen Gründung durch Brutus bis ins 15. Jahrhundert. Sie ist in fast 200 mittelenglischen Manuskripten überliefert, wozu noch Dutzende von anglo-normannischen und lateinischen Versionen hinzukommen.

In dieser Phase gab es noch keine Dramen im späteren Shakespeareschen Sinne, sondern lediglich die einheimischen Formen von Mystery Play (Dramatisierung biblischer Episoden), Morality Play (allegorische Darstellung des Kampfes von Tugenden und Sünden um die Seele des Menschen) und Interlude (höfische Weiterentwicklung des Morality Play mit humanistischem und politischem Inhalt). Hinzu kamen folkloristische Festtraditionen (Maskenzüge, Karneval etc.).

Die wichtigste politische Veränderung dieser Zeit spiegelt sich in der englischen Renaissance-Literatur wider: Gegen den hohen Adel und die Kirche gelang es den Tudor-Königen Heinrich VII. (1485-1509) und Heinrich VIII. (1509-1547), eine weitgehende Zentralisierung der Macht am Hofe durchzusetzen. Heinrich VIII. machte sich zum Oberhaupt der neuen anglikanischen Kirche.

Von 1559 bis 1603 regierte Elisabeth I. England; unter ihrer Herrschaft prosperierte England, was sich unter anderem auch in der reichen Literatur des sog. Elisabethanischen Zeitalters ausdrückte, deren wichtigster Vertreter William Shakespeare war.

Sie führte den Kampf Heinrichs VII., ihres Großvaters, gegen den Katholizismus fort; zugleich förderte sie Musik, bildende Kunst und Literatur. Während ihrer Regierungszeit erlebte England eine gewaltige kulturelle Blüte. Auf Elisabeth I. folgte Jakob I. (England) (Regierungszeit: 1603-1625), der Sohn von Maria Stuart. Zusammenfassend spricht man von der elisabethanisch-jakobäischen Literatur. Auf Jakob I. folgte sein Sohn Charles I. (Regierungszeit: 1625-1649). Seine Regierungszeit wird als Caroline Period bezeichnet (vgl. Caroline Poetry). Einige englische Dichter, die ihre Hauptschaffenszeit in der Regierungszeit von Charles dem I. hatten bezeichnet man auch als Cavalier poets.

Mit Ende des Mittelalters (ca. 1500) traten die europäischen Volkssprachen aus ihrer untergeordneten Stellung gegenüber dem Latein heraus. Auch die neuere englische Literatur ist daher naturgemäß viel reicher und vielfältiger als die der früheren Phasen des Alt- und Mittelenglischen.

In den frühen Phasen der europäischen Literatur hatte noch der Vers in allen drei literarischen Gattungen dominiert - in der Lyrik, im Drama und in der Erzählliteratur. Solange Geschichten nicht in Büchern gelesen, sondern mündlich überliefert wurden, diente der Vers als Gedächtnisstütze.

Mit dieser Tradition wurde erstmals mit der Erfindung des Buchdrucks gebrochen. William Caxton erlernte nach einem Aufenthalt in Brügge in Köln von 1471 bis 1472 die Buchdruckkunst und druckte 1474 das von ihm aus dem Französischen übersetzte Recuyell of the historyes of Troye des Raoul Le Fevre sowie The game and playe of the chesse, eine Übersetzung des Werkes von Jacobus de Cessolis, als erste englischsprachige Bücher. 1480 druckte er die Brut-Chronik (siehe oben).

Erzählungen wurden fortan in ganz Europa in Prosa verfasst. In der Lyrik dominierte weiterhin der Vers, ebenso im Drama (vgl. z. B. die Werke William Shakespeares). Erst im 20. Jahrhundert wurde dann auch das Drama gänzlich prosaisch.

In der Erzählliteratur begründete John Lyly mit einem äußerst manierierten Stil den Euphuismus, der z. B. von Robert Greene (1560?-1592) imitiert wurde.

Zur gleichen Zeit verfasste der Hofmann Sir Philip Sidney seine Werke. In Italien wurde er von Sonetten im Stil Petrarcas beeindruckt und veröffentlichte 1591 eine eigene Sonettfolge, die eine wahre Sonett-Manie auslöste.

Sidneys Freund Edmund Spenser verfasste das größte epische Gedicht des Zeitalters: Faerie Queen, mit dem Elisabeth I. gemeint ist.

Zur Interpretation elisabethanischer Literatur ist das Elisabethanische Weltbild von grundlegender Bedeutung.

Diese kurze Phase der englischen Literatur ist geprägt durch die Zeit Oliver Cromwells. In der Zeit Cromwells waren öffentliche Theateraufführungen verboten. Daher entstanden in dieser Zeit keine nennenswerten dramatischen Werke.

John Milton befürwortete die Politik Cromwells und setzte sich öffentlich für die Enthauptung Karls I. ein. Am bekanntesten ist sein episches Gedicht Paradise Lost geworden.

1660 kam es mit James II. (Regierungszeit: 1685-1688) zu einer Restauration der Stuarts, bei der die Puritaner wieder für lange Zeit aus dem politischen Leben der Nation ausgeschlossen wurden. Theateraufführungen, unter Cromwell verboten (s.o.), wurden nach der Glorious Revolution wieder erlaubt. Es entstand der sehr freizügige Typus der Restoration Comedy, deren Beliebtheit erst um 1700 massiv abnahm. Zugleich wurde während dieser Zeit erstmals eine Frau professionelle Bühnenautorin: Aphra Behn.

Auch bezeichnet als Augustan Age, da - anders als im deutschen Klassizismus, der besonders die griechische Antike verehrt, viele Autoren die römischen Autoren Vergil und Horaz aus der Zeit des Kaisers Augustus imitierten.

Das Zeitalter der Aufklärung war geprägt von Turbulenzen, in denen sich die Regierungsmaschine und die Wirtschaftsmentalität der neuzeitlich-bürgerlichen Demokratie herausbilden (Vorabend der französischen Revolution). Die englischen Institutionen wurden zu dieser Zeit zum Vorbild für die Propagandisten der französischen Aufklärung.

In diese Zeit fiel die Regentschaft der letzten Stuart-Königin Anne (1702 - 1714) sowie der Könige aus dem Haus Hannover George I. (1714-1727), Georg II. (1727-1760) und Georg III. (1760-1820).

Die ersten Georges waren stärker an ihrem Kurfürstentum Hannover interessiert als an englischer Politik; George I. sprach nicht einmal Englisch und musste sich mit seinem ersten Minister auf Latein verständigen. So bildete sich zur Wahrung der Regierungsfähigkeit das Amt des Premierministers heraus.

Der erste große Premierminister war Robert Walpole, der seine Regierung durch ein System von Korruption und Bestechung sicherte. Das System der Robinocracy (abgeleitet von Walpoles Vornamen) hat für die Literatur eine äußerst wichtige Rolle gespielt: Fast alle wichtigen Schriftsteller der Zeit polemisierten dagegen und waren in Parteienkämpfe verwickelt. Streitpunkte waren die Presse- und Redefreiheit und die Veröffentlichung der Parlamentsreden.

Für die Literatur ist entscheidend, dass zum Beginn des 18. Jahrhunderts eine bürgerliche Öffentlichkeit entstand. Hatten die Schriftsteller bisher für einen höfischen Geschmack und für den Ruhm adliger Mäzene geschrieben, schrieben sie nun zunehmend für einen bürgerlichen Geschmack und auch für einen Markt. Dementsprechend entsteht in dieser Zeit auch die bürgerliche Kunstgattung des Romans.

In dieser Zeit wurde 1719 in England mit Robinson Crusoe der erste realistische Roman der Weltliteratur veröffentlicht. In diesem Entwicklungsroman prägte Daniel Defoe den realistischen Stil der detaillierten Schilderung. Die vertrauten Routinehandlungen des täglichen Lebens wirken plötzlich nicht mehr selbstverständlich; es beginnt die Zeit des Realismus und des Romans.

Ebenfalls ein Reiseroman, jedoch in Wirklichkeit eine verkappte politische Satire, ist Gulliver's Travels von Jonathan Swift (1726). Es führt den Wechsel von der pessimistischen Anthropologie des 17. Jahrhunderts zum Optimismus des 18. Jahrhunderts vor.

Samuel Richardson begründete mit den seinerzeit enorm einflussreichen Werken Pamela (1740) und Clarissa (1748) das Genre des Briefromans. Die neuartige Erzählform ermöglichte eine unmittelbarere Darstellung von Gefühlen und Erlebnissen. In beiden Büchern hat sich ein aus dem Bürgertum stammendes, tugendhaftes Mädchen den unzüchtigen Nachstellungen eines sittenlosen Adligen zu erwehren. Clarissa wird als das Grundmodell des Verführungsromans angesehen. Hinter der Geschichte steckt eine Kritik des erstarkenden englischen Bürgertums am Adel und seinen lockeren "französischen" Sitten. Richardson führt den neuen Mythos der Liebesehe als Gegensatz zur arrangierten Ehe ein; mit seinen Romanen beginnt das Zeitalter der Empfindsamkeit. Richardsons Figurenkonfiguration (geifernder Adeliger vs. asexuelles, tugendhaftes junges Mädchen) beherrscht die kommenden 150 Jahre die Literatur: In abgewandelter Form findet sich diese Motiv auch in der Romantik bei Jane Austens Pride and Prejudice und in der Viktorianischen Phase bei Charlotte Brontes Jane Eyre.

Durch ihre emotionale Ladung verführte diese neue Form von Literatur zum Miterleben; die Geistlichkeit war dennoch sehr einverstanden mit ihr, da die Literatur nunmehr die Tugend verherrlichte.

Auch das Romanschreiben selbst wurde zum literarischen Gegenstand; prominentestes Beispiel ist Laurence Sternes humoristischer Roman Tristram Shandy.

Die Literatur der Romantik ist vor dem Hintergrund der epochalen Umwälzungen in Europa zu sehen 1789: Französische Revolution. Es ist die Zeit der Revolutionen, der Königsmorde und des Protests gegen den Schöpfer.

Das letztgenannte Motiv spiegelt sich in einem Klassiker wider, der noch heute häufig verfilmt wird: Frankenstein (1818). Die Frau von Percy Shelley, Mary Shelley, verfasste ihn im Alter von 19 Jahren. In Frankenstein erschafft der Ingolstädter Professor Frankenstein ein Monster; fälschlich glauben heute viele, das Monster heiße "Frankenstein" und nicht der Professor.

Als Alternative zur durchgängig subjektiven Perspektive des Briefromans (s.o.) hat Jane Austen in den Romanen Emma und Pride and Prejudice die auktoriale Erzählperspektive entwickelt: Mal erleben wir die Geschichte aus der Perspektive einer wichtigen Figur, mal aus einer Außensicht auf diese Figur. So konnte der Roman von da an psychologische Innenschau und gesellschaftliches Panorama verklammern. Er zeigte auf einmal, wie sich Individuum und Gesellschaft gegenseitig bedingen. So wurde der Roman dominierende Literaturform des 19. und 20. Jahrhunderts, literarische Form der bürgerlichen Gesellschaft.

Das Drama lag im 19. Jahrhundert regelrecht auf dem Totenbett: Es wurde kein bedeutendes Drama geschaffen. Der Grund dafür lag darin, dass sich die Literatur mit dem Roman zunehmend auf die Betrachtung der Innenwelt spezialisiert hatte.

Die lange Regierungszeit der englischen Königin Viktoria (1837–1901) war eine Zeit großer Fortschritte auf technologischem und industriellem Gebiet. Großbritannien errichtete in der ganzen Welt ein umfangreiches Imperium, in dem aber viele Menschen arm blieben. Die Autoren dieser Epoche reflektierten ihre Bedenken, dass der Geist des Menschen durch das Maschinenzeitalter zerstört werden könnte.

Ende des 19. Jahrhunderts kam es dann in den großen Industriestaaten endgültig zu einem tiefgreifenden Wandel des kollektiven Lebensgefühl. Er ließ Fortschrittsglauben in Kriegserwartung und Schreckensvisionen umschlagen.

Prägendster Autor der viktorianischen Phase war Charles Dickens; einer seiner populärsten Romane war Oliver Twist (1837-1839). Selbst Historiker haben Dickens' Romane als dokumentarische Quelle herangezogen.

Die Brontë-Schwestern nahmen das früher zur Zeit der Aufklärung von Richardson (s.o.) eingeführte Motiv der weiblichen Tugendhaftigkeit auf (Jane Eyre, Sturmhöhe) und thematisierten ebenfalls Verarmung und soziale Abhängigkeit.

Am deutlichsten, aber dennoch in das Gewand einer Dystopie gekleidet, übte H. G. Wells Kritik an den gegenwärtigen sozialen Verhältnissen: Der überzeugte Sozialist beschrieb in seinem Buch The Time Machine (1895) ein Land, das in dekadent-müßige Eloi (Eliten) und finster-irdische Morlocks (Proletarier) gespalten ist, die nachts aus den Löchern kommen und die Eloi auffressen. Zu beachten ist, dass Wells seinen ersten Roman im Jahre 1894 veröffentlichte und seinen letzten im Jahre 1941; sein Schaffen deckt also gleich drei Phasen der englischen Literatur ab: die Viktorianische Phase, die Edwardianische Phase und die Moderne.

Ein anderer prägender Autor der Viktorianischen Phase war William Makepeace Thackeray, dessen Buch Vanity Fair (1847–48) die Umgangsformen und Moral seiner Tage genauestens beschrieb.

Andere Romanautoren wandten sich dem Abenteuer und der Romanze zu: Robert Louis Stevenson schrieb die Piratengeschichte Treasure Island (1881) sowie den mythenschaffenden Roman Dr. Jekyll und Mr. Hyde, in dem ein Arzt durch einen Selbstversuch in eine gute und eine böse Person gespalten wird.

Zugleich entdeckt die Literatur ihr Interesse an der Geschichte. So beschäftigt sich Thackerays Roman Henry Esmond mit dem Schicksal der letzten Stuarts. Auch Walter Scott und Robert Lewis Stevenson verfassten historische Romane.

In diese Zeit fallen auch zwei Kinderbuchklassiker: Rudyard Kipling schrieb die Kindergeschichten des Dschungelbuchs (1894/95), und der Oxforder Professor Lewis Carroll verfasste den Nonsensklassiker Alice's Adventures in Wonderland (1865) und dessen Nachfolger Through the Looking-Glass (1872).

In der Dichtung war Alfred Tennyson führend. In einigen seiner Gedichte geht es um widerstreitende wissenschaftliche und soziale Ideen. Andere beschäftigen sich mit Fragen des Patriotismus.

Robert Browning schrieb dramatische Monolog-Gedichte in Form von Reden imaginärer Charaktere, wie z. B. My Last Duchess (1842).

Ab den 1880er Jahren wurde das schon totgeglaubte Drama wiederbelebt: Die Autoren machten seine Krise zum Thema. Die Schwierigkeit, Gefühle aus der Außenperspektive zu zeigen, wurde nun dargestellt. Die Unmöglichkeit, Gesellschaft mit den Formen der privaten Kommunikation zu beschreiben, wurde über die Zerrüttung intimer Milieus demonstriert.

In der Edwardianischen Phase regierte in England und Irland der hedonistische „Spaßkönig“ Edward VII. (1901-1910).

Wichtigster „Edwardianer“ (Fachbegriff) in der Literatur war E.M. Forster (1879-1970). Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts produzierte der in Cambridge ausgebildete Forster in schneller Folge mehrere Romane: Where Angels Fear to Tread (1905), The Longest Journey (1907), A Room With a View (1908). Eine Sonderstellung nimmt Howards End ein: Hier kontrastiert Forster die Welt von Kultur und Kommerzialismus. Es zeigt, dass die harmonische Verbindung dichotomischer Positionen (prose – passion, culture – materialism, city – country) scheitert.

Weitestgehend wirkt in der Edwardianischen Phase die viktorianische Erzähltradition fort. Dies gilt insbesondere für das Werk von Arnold Bennett, H.G. Wells und John Galsworthy. Die Werke aller drei Autoren ragen über die Edwardianische Phase hinaus bis in die Moderne hinein.

Arnold Bennett veröffentlichte fast fünfzig Romane; mit dokumentarischer Präzision beschrieb er die Welt der potteries in Staffordshire. Im Zentrum seines Hauptwerks, der Clayhanger-Trilogie (1910, 1911, 1916), steht mit Edwin Clayhanger eine Figur, die durch massive soziale Konditionierung an ihrer Entfaltung gehindert wird.

Der spätere Literaturnobelpreisträger (1932) John Galsworthy schildert in seinem Romanzyklus The Forsyte Saga Aufstieg und Zusammenbruch der Forsytes, einer Familie aus der upper middle class. Galsworthys konventionelle Erzählweise übernimmt dabei fast alle stilistischen Mittel der Viktorianer.

Die Moderne beginnt in England mit dem I. Weltkrieg, in dem sich das seit Beginn des 18. Jahrhunderts regierende Haus Hannover zur Verdunklung seiner deutschen Herkunft in Haus Windsor umbenannte.

Auch ein anderer wichtiger Einschnitt fand in dieser Zeit im Roman statt: der Wechsel zum experimentellen Roman. Seine Merkmale waren unter anderem Multiperspektivität, Fragmentarisierung, Hybridität und die Preisgabe von Linearität und Kausalität sowie die Nutzung des Stream of consciousness.

Ein epochales Werk der Modernen war der experimentelle Roman Ulysses des irischen Schriftstellers James Joyce. Joyce gilt als radikalster Erneuerer: Nie zuvor hatte ein Autor den Leser so restlos in ein anderes Bewusstsein entführt, wo er halbbewusste Erinnerungen, abgeschattete Gedanken und unklare Empfindungen vermengt mit Bildern, Gerüchen und Geräuschen wahrnimmt.

Eine weitere Vertreterin des experimentellen Romans war Virginia Woolf, die den Wandel vom traditionellen zum experimentellen Erzählen in mehreren hellsichtigen Essays kommentierte. So bezeichnete sie H. G. Wells als einen „Materialisten“ und demonstrierte die Unzulänglichkeit einer Prosa, die nur noch akribisch registriert, die Darstellung seelischer Innenräume jedoch ausblendet. Es gelte, eine symmetrisch-lineare Erzählweise durch eine solche zu ersetzen, die der neuen Lebenssicht („luminous“, „semi-transparent“) gerecht wird. In Abgrenzung von den materialists bezeichnete Woolf Joyce als spiritualist.

Ebenfalls dem experimentellen Roman zugeordnet wird May Sinclair, die wiederum den Terminus „Stream of consciousness“ erstmals 1915 in einer Rezension von Dorothy Richardsons Erstlingswerk Pointed Roofs (aus ihrem späteren Romanzyklus Pilgrimage) einführte. Richardson veröffentlichte noch vor Joyce und Woolf in dieser Erzähltechnik.

Der traditionelle Roman lebte daneben fort. Er erneuerte sich thematisch und wurde repräsentiert durch D. H. Lawrence, Aldous Huxley Schöne neue Welt, Ivy Compton-Burnett und den frühen Graham Greene.

Ebenfalls in dieser Zeit wurde das Genre der modernen Kurzgeschichte (engl. short story) erfunden. Ihre Autoren waren zumeist Romanciers. In diesem Genre wurde mit traditionellen Formen der Kurzprosa experimentiert, um eine Ästhetik zu entwerfen, die der Lebenswelt der Modernen gerecht wird. Wichtige Autoren auf diesem Gebiet sind Katherine Mansfield, D. H. Lawrence, Virginia Woolf und Somerset Maugham, dessen Kurzgeschichten heute mehr Ansehen als seine Romane genießen.

Obgleich sein bedeutendster Roman erst 1949 entstand, ist George Orwell ebenfalls in die Moderne einzuordnen. Mit 1984 schuf er einen dystopischen Roman der Weltliteratur.

Zumindest die Prosa der letzten 50 Jahre ist nach Meinung von Experten kaum sinnvoll zu strukturieren: Zu vielfältig sind Themen und Gestaltungsformen. Es lassen sich jedoch einige zeitgebundene Trends ausmachen.

In den 50er Jahren setzten sich zahlreiche Romane kritisch mit der neokonservativen englischen Klassengesellschaft auseinander. Die jungen, meist männlichen Protagonisten dieser Romane wurden als angry young men bezeichnet, in Rückgriff auf John Osbornes Bühnenstück Look Back in Anger (1956). Vertreter dieser Richtung waren u. a. Alan Sillitoe und Iris Murdoch sowie John Braine, dessen Roman Room at the Top ein realistisches Porträt des provinziellen Nachkriegsenglands entwirft.

Ebenfalls in den 1950er- wie auch in den 1960er Jahren wurde die experimentelle Form der modernist novel renoviert. Z. B. entwickelte der spätere Literaturnobelpreisträger William Golding in seinen Romanen ein Menschenbild, das die schuldhafte Verstrickung des Individuums in einer fortschrittsgläubigen Welt zum Thema hat, und verwendete dabei eine allegorische Erzähltechnik.

Ab den 1970er Jahren feierte der feministische Roman, auch Frauenroman genannt, seinen Siegeszug. Themen waren Feminismus, weibliche Sexualität, Eheprobleme und Mütter-Töchter-Beziehungen. Ebenfalls zu dieser Zeit begann das Genre des postkolonialen Nachkriegsromans, der postcolonial novel, zu boomen. Hier setzten sich Autoren mit dem Niedergang des Empire auseinander und reflektierten über die Zeit der Kolonialherrschaft.

Ab den 80er Jahren kam es mit Howard Jacobsons Coming From Behind (1983) zu einem Comeback des Universitätsromans (engl. campus novel).

Seitdem produzieren Romanautoren immer neue Subgattungen. Inhaltlich reagieren sie auf immer neue Zeitströmungen und untergraben etablierte Erzählkonventionen. Bemerkenswert ist die nunmehr ungehemmte Fiktionalisierung von Geschichte, wie sie auch im Spielfilm stattfindet. Dies hat neue Formen wie z. B. das metafiktionale Erzählen hervorgebracht, die aber meist nicht allein stehen, sondern mit realistischen Erzählformen zusammengebracht werden. Ein Beispiel hierfür ist Ian McEwans Roman Atonement (2001).

Zum Seitenanfang



Source : Wikipedia