Lissabon

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Geschrieben von robby 15/03/2009 @ 11:09

Tags : lissabon, portugal, europa, ausland, benfica lissabon, ausländische klubs, fussball, sport, sporting lissabon

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Lissabon

Wappen der Stadt Lissabon

Lissabon, port. Lisboa, ist die Hauptstadt und die größte Stadt Portugals sowie des gleichnamigen Regierungsbezirkes und liegt an einer Bucht der Flussmündung des Tejo im äußersten Südwesten Europas an der Atlantikküste der Iberischen Halbinsel.

Als größte Stadt Portugals mit dem wichtigsten Hafen, dem Regierungssitz, den obersten Staats- und Regierungsbehörden, sechs Universitäten und der Akademie der Wissenschaften ist Lissabon das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes.

Lissabon ist Sitz einiger Agenturen der Europäischen Union, darunter die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht und die Europäische Seesicherheitsagentur. Auch die Gemeinschaft der portugiesischsprachigen Länder (CPLP) hat ihren Hauptsitz in Lissabon.

Das Stadtgebiet von Lissabon entspricht auch dem Kreis und umfasst 83,84 km² Fläche mit 517.802 Einwohnern (Stand 1. Januar 2005). Im Einzugsgebiet der Stadt (so genannte Área Metropolitana de Lisboa) unter anderem mit den Orten Oeiras, Cascais, Almada, Amadora leben jedoch mit ca. 2.683.000 (Stand 2001) Einwohnern mehr als 25 % der portugiesischen Bevölkerung.

Die Baixa (dt. Unterstadt) liegt direkt am Flussufer des Tejo und wird vom Burgberg mit dem Castelo de São Jorge, der Alfama (der Lissabonner Altstadt) und dem Hügel des Bairro Alto (dt. Oberstadt) eingerahmt. Sie ist das Geschäfts- und Bankenviertel von Lissabon.

Lissabon befindet sich auf der Iberischen Halbinsel und liegt an einer Bucht der Flussmündung des Tejos im äußersten Südwesten Europas an der Atlantikküste.

Die Klimaklassifikation nach Lauer und Frankenberg (1987) ordnet das Klima Portugals dem maritimen und semihumiden Klima der subtropischen Klimazone zu. Aufgrund seiner Lage direkt am Atlantik wird es vom Temperaturverhalten des Meeres geprägt: Nicht zu heiße Sommer und verhältnismäßig milde Winter. Die Temperaturen fallen nur selten unter 0 °C. Noch seltener sind Schneefälle zu verzeichnen. Die Monate mit den höchsten Niederschlagswerten sind November bis März (> 100 mm). Entscheidend ist die Lage am kühlen Kanarenstrom, der in südlicher Richtung an der Küste Portugals entlangstreicht. Er bewirkt in der warmen Jahreszeit häufig Küstennebel. Im Winter liegt Lissabon im Einflussbereich atlantischer Tiefausläufer, die im Küstenbereich viel Regen bringen. Das jährliche Niederschlagsmittel beträgt 629 mm.

Bereits die Phönizier und die Karthager sollen den Platz Alis Ubo (dt. Liebl. Bucht) als einzigen großen Naturhafen an der iberischen Atlantikküste genutzt haben, archäologisch wurde dies bisher nicht bewiesen, hingegen wurden griechische Siedlungsspuren gefunden. Nach Plinius dem Älteren war Lissabon eine Gründung von Odysseus. Ab 205 v. Chr. hieß die Stadt unter römischer Herrschaft Olisipo, 48 v. Chr. erhält sie unter Julius Caesar die römischen Stadtrechte und war als Felicitas Julia Hauptort der Provinz Lusitania. 719 wurde die Stadt von Mauren erobert und Lissabon erlebte seine erste Blütezeit. 1147 gelingt die reconquista (dt. Rückeroberung) durch die Christen unter König Dom Alfonso Henriques.

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde in Lissabon der heilige Antonius von Padua geboren, der zuweilen auch Antonius von Lissabon genannt wird. Am 9. September 1499 wurde Vasco da Gama nach seiner ersten Indienreise ein triumphaler Empfang bereitet. Der in den folgenden beiden Jahrhunderten wachsende Handel mit den portugiesischen Kolonien in Asien und Südamerika, aber auch deren Ausbeutung, führten zu Wohlstand in Lissabon. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts hatte Lissabon schätzungsweise 60.000 Einwohner.

1569 forderte eine Pestepidemie in Lissabon und Umgebung 60.000 Menschenleben. Am 1. November 1755 wurde Lissabon durch ein starkes Erdbeben zu zwei Dritteln zerstört (Siehe auch Erdbeben von Lissabon). Nach heutigen Schätzungen hatte es die Stärke 8,7 bis 9,0. Zeitgenössische Quellen geben allein für Lissabon bis zu 60.000 Todesopfer an. Die Erschütterungen waren in ganz Europa und Nordafrika zu spüren. Planmäßig wiederaufgebaut wurde die Stadt von dem Markgrafen von Pombal. Besonders typisch für diesen Wiederaufbau ist die Baixa, die Unterstadt, mit ihren rechtwinklig angelegten Straßen im Bereich um die Rua Augusta. Neben den physischen Schäden, die das Erdbeben anrichtete, erschütterte es auch die aufklärerischen und theistischen Denkrichtungen vieler Philosophen, welche die Ursache dieser Naturkatastrophe nicht erkannten und ihren Optimismus aufgaben. Voltaire schrieb als Reaktion auf das Beben sein Poème sur le désastre de Lisbonne (1756).

Am 5. Oktober 1910 wurde auf dem Balkon des Rathauses die Erste Portugiesische Republik ausgerufen. König Emanuel II floh ins Exil nach England. 1926 wurde die Republik durch einen Militärputsch beendet und 1928 wurde António de Oliveira Salazar Finanzminister und später Ministerpräsident. Während der Diktatur des Estado Novo von 1926 bis 1974 wuchs die Stadt weiter, sie wurde zu Lasten des restlichen Landes ausgebaut.

Im Dezember 1959 wurde die erste Metro-Linie in Lissabon eröffnet und 1966 wurde eine Hängebrücke über den Tejo nach Almada fertiggestellt, die der Golden-Gate-Brücke in San Francisco gleicht. Vor der Nelkenrevolution noch nach António de Oliveira Salazar benannt, heißt sie nun Ponte 25 de Abril (dt. Brücke des 25. April). Oberhalb Almada steht mit Cristo Rei zudem eine große Christus-Statue mit ausgebreiteten Armen, die der in Rio de Janeiro ähnlich sieht.

1968 erkrankte Salazar (er starb 1970); Nachfolger wurde Marcello Caetano. Ende April 1974 war Lissabon das Zentrum der Nelkenrevolution. 1988 wurden Teile des Altstadtviertels Chiado durch einen Brand zerstört.

1998 wurde die insgesamt über 17 Kilometer lange Autobahn-Brücke Ponte Vasco da Gama über den Tejo anlässlich der Weltausstellung Expo 98 fertiggestellt.

Durch die Lage am Tejo war Lissabon lange Zeit vom Süden aus nur durch Fährverkehr direkt aus zu erreichen. Die erste Brücke wurde 1951 nördlich der Stadt an einem Flussengpunkt in Vila Franca de Xira im Norden gebaut. Die Ponte 25 de Abril (1013 m Spannweite und 2287 m Länge) wurde 1966 fertiggestellt und verband erstmals Lissabon mit Almada auf der Tejo-Südseite. Seit 1999 besteht unterhalb der Autofahrbahn auch eine Eisenbahnverbindung. Die A2 führt dann weiter ins östliche Landesinnere bzw. nach Madrid/Spanien. Mit der Ponte Vasco da Gama gibt es seit 1998 eine direkte Autobahnverbindung (A12/IP1) über die Bucht zwischen Moscavide/Sacavém auf der rechten und Montijo/Alcochete, bzw. Setúbal mit seinen Industrien auf der linken Seite des Tejo.

Nördlich geht mit der Autobahn A8 eine Verbindung nach Leiria und die A1 führt an der Küste entlang bis nach Porto, dem zweitwichtigsten Zentrum des Landes.

Der Internationale Flughafen Lissabon-Portela liegt 6 km nördlich vom Zentrum und in der Verlängerung der Autobahn A12. Seit geraumer Zeit wird über die Lage eines neuen Flughafens in Lissabon diskutiert. Am 10. Jan 2008 verkündete der Premier José Sócrates, dass dieser auf einem Militärgelände (Campo de Tiro Alcochete) nördlich von Alcochete entstehen soll. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus (Stand Jan 2008).

Der ÖPNV wird hauptsächlich von der Carris (Companhia dos Carris de Ferro de Lisboa) und der Metropolitano de Lisboa übernommen. Die Carris bedient über 100 Buslinien und nicht zuletzt mehrere Straßenbahnen. Darunter befindet sich auch die Linie 28E. Der Verkehr wird teilweise mit historischen Wagen (pt. Eléctricos) unternommen. Zudem betreibt sie in der Stadt vier Elevadores (dt. Aufzüge): drei Standseilbahnen und einen senkrecht fahrenden Aufzug, den Elevador de Santa Justa. Die Metro Lissabon bedient vier Linien, die teilweise über das Stadtgebiet hinaus führen. Die Fahrt mit den Metro-Linien besonders mit der neuesten Linie in den Ostteil der Stadt lohnt sich, gilt die „Metropolitano de Lisboa“ doch als die schönste Kunstausstellung der Stadt und ist darüber hinaus noch preiswert.

Es existieren mehrere Fährverbindungen über den Tejo nach Barreiro, Cacilhas, Montijo, Porto Brandão, Seixal und Trafaria. Ablegestellen auf der rechten Tejoseite sind: Belem, Cais do Sodré und Terreiro do Paço. Betreiber ist die TT – Transtejo, Markenzeichen sind die blau-weißen Katamaranfähren, die mit 30 Knoten die Überfahrt auf dem Tejo auf ein Drittel verkürzt haben.

Die Bevölkerung der eigentlichen Stadt beträgt 517.802, und die Einwohnerzahl für das Metropolitangebiet Lissabons beträgt 2.800.000 gemäß dem Instituto Nacional de Estatística (Nationales Institut für Statistiken). Lissabons Metropolitangebiet erstreckt sich über: Grande Lisboa, in der nördlichen Bank des Tejos, und Península de Setúbal im Süden. Die Bevölkerungsdichte der Stadt selbst beträgt 6.658 Einwohner pro km². Lissabon ist eines der am schnellsten wachsenden Metropolitangebiete in Europa. Eine Schätzung der Vereinten Nationen ergab, dass die Bevölkerung noch vor 2050 4,5 Millionen betragen könnte.

Lissabon ist neben Coimbra die wichtigste Universitätsstadt in Portugal und hat mehrere Universitäten: Die Universität Lissabon (gegründet 1290) gehört zu den ältesten Universitäten in Europa, wurde aber erst nach mehr als 400-jähriger Pause 1911 neu gegründet, indem medizinische und pharmazeutische Einrichtungen, eine polytechnische Hochschule und literaturwissenschaftliche Institute umorganisiert wurden. Als größte Klinik gehört das Universitätskrankenhaus „Hospital de Santa Maria" mit 1500 Betten zu ihr. Die Technische Universität Lissabon (gegründet 1931) ist eine der größten Universitäten Portugals mit über 20.000 Studenten und sieben Fakultäten. Die 1973 gegründete Neue Universität Lissabon als dritte staatliche Universität ist mittlerweile auf über 14.000 Studenten gewachsen und bietet ein klassisches Lehrspektrum an. Die 1968 gegründete Katholische Universität Portugal ist eine Privat-Universität der katholischen Kirche mit vier Standorten in Portugal, davon ist Lissabon der jüngste. Die Universität Lusíada Lissabon von 1986 und die Internationale Universität Lissabon von 1984 sind Privat-Universitäten.

Der Raum Lissabon ist das wohlhabendste Gebiet in Portugal, dessen BIP über dem europäischen Durchschnitt liegt (Lissabon erzeugt 45 % des portugiesischen BIP). Lissabons Wirtschaft beruht in erster Linie auf der Dienstleistungsindustrie.

In der Lissabonner Metropolregion ist besonders das Südufer des Tejo stark industrialisiert.

Die Lissabonner Börse ist mit den Börsen in Amsterdam, Brüssel und Paris Teil der „Mehrländerbörse“ Euronext.

Eine der traditionellen Musikarten in Lissabon ist der Fado, meist mit wehmütiger Grundstimmung gesungen und von einer normalen und einer portugiesischen Gitarre (Guitarra) begleitet. Fado wird für Touristen abendlich in Kneipen der Stadtviertel Bairro Alto und Alfama dargeboten. Mit dem Fado verbindet sich zweifelsfrei der Name der populärsten Fado-Sängerin Portugals, Amália Rodrigues. Als würdige Nachfolgerin der 1999 verstorbenen Künstlerin gilt derzeit für viele Portugiesen die Sängerin Mariza. Seinen Ursprung hat der Fado in den Armenvierteln von Lissabon, wo er zunächst in den anrüchigen Kneipen im Stadtteil Mouraria auftauchte. Ob er sich ursprünglich aus den Gesängen der portugiesischen Seeleute entwickelte, oder aus brasilianischen Musikrichtungen wie Lundum oder Modinha entstand, ist aus heutiger Sicht nicht mehr festzustellen.

Das Haus Burgund war das erste portugiesische Königshaus und herrschte von 1093 bis 1383. Erster Herrscher aus dem Hause war Heinrich von Burgund, der 1093 durch Heirat als Mitgift die Gebiete Nordportugals erhielt, die Alfons VI. gerade von den Mauren im Rahmen der Reconquista zurückerobert hatte. Sein Sohn, Alfons I. nahm 1139 den Titel eines Königs von Portugal an. Den Höhepunkt der Macht der Burgunderkönige in Portugal erreichte König Dionysius 1279–1325, Alfons IV. (reg. 1325–1357). Er besiegte gemeinsam mit einem kastilischen Heer in der Schlacht am Salado die Mauren. Peter I. der Grausame oder der Gerechte regierte von 1357 bis 1367. Die Nachfolge trat sein Sohn Ferdinand I. an. Er starb 1383 ohne männlichen Erben. Damit war die direkte männliche Linie des Hauses der Burgunderherrscher in Portugal erloschen und Portugal wäre im Wege der Erbfolge an die kastilische Krone gefallen. Leonore Teles de Menezes wurde durch die Revolution von 1383 nach kurzer Herrschaft gestürzt.

Johann von Avis führte die Aufständischen gegen den kastilischen Johann 1385 zur entscheidenden Schlacht von Aljubarrota und die Cortes proklamierte Johann von Avis zum neuen König Johann I.. Er regierte selbst bis 1433. Johann I. gilt als einer der größten portugiesischen Könige. 1386 schloss Portugal mit England eine Allianz, die bis in das 19. Jahrhundert bestand. Johann wurde Stammvater der portugiesischen Königsdynastien des Hauses Avis, das Portugal bis 1580 regierte und auf seinen Sohn Johann führt sich das Haus Braganza zurück, das Portugal von 1640 bis 1853 regierte. Mit dessen Sohn Heinrich dem Seefahrer begann für Portugal das Zeitalter der Entdeckungen. Johanns Nachfolger war Eduard (1433–1438), der die Expeditionen seines jüngeren Bruders Heinrich des Seefahrers nachdrücklich fördert. Eduard war hochgebildet und ging als der Philosophen-König in die portugiesische Geschichte ein. Johann I. hatte sich Unterstützung des Adels im Kampf gegen Kastilien gesichert. Eduard versuchte zumindest einen Teil für die Krone zurückzugewinnen, gerät darum in Konflikt mit dem Landadel. Ein Krieg gegen die Mauren scheitert 1437. Der König starb bereits 1438 an der Pest, und sein Bruder verblieb in maurischer Gefangenschaft. Der Sohn und Thronerbe König Alfons V. (1438–1481) bestieg minderjährig den Thron. Die Regentschaft fiel zunächst an die Königswitwe Eleonore. Diese wurde aber nach einem Jahr von Peter, dem Herzog von Coimbra verdrängt, einem jüngeren Bruder Eduards. Seine Regentschaft entsprach nicht den testamentarischen Bestimmungen. Trotzdem gelingt es Peter, sie von den Cortes absegnen zu lassen. Auch nachdem Alfons 1446 für volljährig erklärt ist, vermählt der Herzog seine Tochter mit dem jungen König. Der König verbündet sich daraufhin mit dem Herzog von Braganza, der den Adels gegen den Prinzregenten Peter anführt. Auch seine Mutter unterstützt den jungen König und bringt ihm die Unterstützung Aragoniens ein. So geling es Alfons V., seinen Gegner in der Schlacht von Alfarrobeira 1449 zu besiegen, in der Herzog Peter fällt.

Alfonso V. ist danach unbestrittener Herrscher des Landes. Allerdings muss er diesen Sieg durch eine Stärkung des Adels bezahlen, repräsentiert besonders durch den Herzog von Braganza. Alfons weitere Regierung ist von dem Versuch geprägt, den verlorenen Einfluss zurückzugewinnen. 1451 gelingt es ihm, seine Schwester Leonore mit dem römisch-deutschen König Friedrich III., aus dem Hause Habsburg zu verheiraten. Nach dem Tode Alfons V. kommt 1481 dessen Sohn, König Johann II. (Dom João II.), der Strenge oder der Vollkommene, an die Macht. Diesem gelingt es, die Königsmacht gegen den Adel wiederherzustellen. Johann II. zieht große Ländereien zu Gunsten der Krone ein, die sich endgültig als vorherrschende Macht im Lande etabliert. Nach seinem Tode 1495 wurde der Herzog von Viseu und Beja als Manuel I. König Portugals. Ihm folgte 1521 Johann III. als erster König aus dem Hause Avis. Er regierte bis 1557. Sebastian I. war beim Tod seines Großvaters 3 Jahre alt, seine Großmutter Katharina und der Erzbischof von Lissabon, sein Großonkel Heinrich I. (Portugal), – vertraten ihn 12 Jahre und Sebastian I. übernahm 1568 das Amt bis zu seinem Tode 1578. Beim Tod seines Großvaters, des Königs, ist Sebastian drei Jahre alt; der Vater und Erbprinz Johann war kurz zuvor gestorben. Die Regentschaft fällt zunächst an seine Großmutter Katharina, der Witwe von Johann III. und Schwester von Karl V. Die Regentschaft übernimmt danach Kardinal Heinrich I., Erzbischof von Lissabon, ein Bruder von Johann III. und somit Großonkel des Königs Sebastian. 1568 übernimmt Sebastian als 15-jähriger persönlich die Regierung. Sein Ziel ist es, für Portugal ein großes nordafrikanisches Reich zu erobern. Ein Thronnachfolgestreit im Sultanat von Fès scheint eine günstige Gelegenheit zu bieten. Sebastian versammelt eine Armee von 18.000 Mann und marschiert in Marokko ein. Die Schlacht von Alcazarquivir in Marokko wird zur Katastrophe für die Portugiesen. Das Heer des Sultans Muley Abd-el Melik schlägt die Portugiesen vernichtend.

Sebastian fällt kinderlos. Deshalb übernimmt der vormalige Regent, Kardinal Heinrich, als letztes männliches Mitglied des Hauses Avís, selbst den Thron. Als Kardinal Heinrich nach zwei Jahren kinderlos stirbt, stirbt mit ihm die Dynastie der Avís aus.

Auch Heinrich I. beschäftigte sich intensiv mit der Frage der Thronnachfolge. Nach langem Zögern entschließt er sich, den spanischen König Philipp II. zum Thronerben einzusetzen.

1580 begann die Personalunion Portugals mit Spanien unter den spanischen Habsburgern, die bis 1640 andauerte. Der spanische König Philipp IV. herrschte als Philipp III. in Portugal von 1621 bis 1640. 1640 verlor Philipp IV. bei einem Aufstand in Portugal die Herrschaft über dieses Königreich an das Haus Braganza.

Die Cortes rufen Johann als Johann IV. zum neuen König aus. Er regierte 1640–1666, sein dritter Sohn Alfons VI. wurde 1666 König, konnte aber wegen einer Behinderung das Land nicht effektiv regieren. 1666 hatte er Maria Franziska von Savoyen, Prinzessin von Nemours, geheiratet. Die Königin verliebte sich allerdings in Alfons jüngeren Bruder Peter. 1667 vertrieb Peter zusammen mit der Königin den bisherigen Kronrat und zwang den König, eine Urkunde zu unterschreiben, mit der dieser auf die Ausübung der Regierung verzichtete. Die Cortes setzten 1668 den König ab und ernannten Peter zum Regenten. Die Ehe des Königs wurde, da dieser angeblich nicht in der Lage war, sie zu vollziehen, aufgelöst, die Königin heiratete daraufhin den Prinzregenten Peter. Alfons VI. lebte bis zu seinem Tod 1683 als Gefangener in Sintra und auf den Azoren. Nach seinem Tod bestieg Prinzregent Peter als Peter II. den portugiesischen Thron. Er wurde „der Friedfertige“ (o pacífico) genannt, regierte von 1667 bis 1683 als Regent und wurde nach dem Tod des Bruders bis zu seinem Tod 1706 König.

Johann V. (Portugal) war der Sohn von König Peter II. und bestieg nach dem Tod seines Vaters 1706 den portugiesischen Thron. Unter ihm wurde in Portugal der Absolutismus eingeführt, nachdem die Johann V. wurde als fähiger Staatsmann, hoch gebildet und vielseitig interessiert, geschildert, der sich Ludwig XIV. von Frankreich zum Vorbild nahm. Unter Johann V. erlebte das Land ein „zweites goldenes Zeitalter“, von dem viele der vom König errichteten Prunkbauten heute noch künden. Er wirkte von 1706 bis 1750. Der Thronfolger Joseph I. regiert bis 1777. Seine Nachfolgerin Maria I. regiert bis 1816. Prinzregent Johann wird in Rio de Janeiro zu ihrem Nachfolger gekrönt und regiert bis 1826 als König Johann VI. (Portugal).

Karl I 1908 zusammen mit seinem Thronfolger einem Attentat zum Opfer fällt.

Emanuel II. war der letzte König von Portugal und regierte 1908–1910.

Dieser Bruder regierte als Michael I. von 1828 bis 1834. Nach seinem Tod regierte Maria II. bis zu ihrem Tod 1853. Damit endete in Portugal die Herrschaft des Hauses Braganza. Marias Nachfolger wurde ihr ältester Sohn: Peter V. regierte Portugal von 1855 bis 1861. Er verstarb am epidemischen Fieber während einer Reise. Sein Bruder wurde sein Nachfolger: Ludwig I. regierte von 1861 bis 1889, dessen Sohn.

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Sporting Lissabon

Emblem von Sporting Lissabon

Sporting Lissabon, offizieller Name Sporting Clube de Portugal, ist ein 1906 begründeter Sportverein aus der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. In vielen Listen ist der Verein unter dem Namen Sporting CP aufgeführt und in Portugal wird die Abkürzung SCP oft verwendet. Nach dem Wappentier wird auf den Verein auch oft mit Löwen (port. Leões) Bezug genommen. Die Vereinsfarben sind Grün und Weiß.

Die Fußballmannschaft von Sporting trägt ihre Heimspiele im Estádio José Alvalade aus, welches Platz für 52.000 Zuschauer bietet und einer der Austragungsorte der Fußball-Europameisterschaft 2004 war. Der größte Erfolg der Mannschaft war der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1964, sowie der Einzug in das UEFA-Pokalfinale 2005. Zudem gewannen die Fußballer der Löwen rund 20 nationale Meisterschaften und ein gutes Dutzend Pokalsiege. Der traditionelle Rivale der Löwen ist Benfica Lissabon.

Der Verein ist bekannt für seine ausgezeichnete Jugendarbeit auf dem Fußballsektor und brachte hier viele Top-Spieler der jüngeren Jahre hervor. Zu den Jungtalenten des aktuellen Kaders gehört João Moutinho und Miguel Veloso. Zu den international bereits berühmten gehören Paulo Futre, Luís Figo, Cristiano Ronaldo, Nani und Ricardo Quaresma.

Sporting Lissabon hält auch den Rekord für den höchsten Sieg, der jemals bei einem Europacup-Spiel erreicht wurde. Im Jahre 1964 besiegte Sporting APOEL Nikosia aus Zypern mit 16:1. Aus dem gleichen Spiel stammt der Rekord des Spielers Mascarenhas, der mit 6 Toren den Rekord der meisten in einem Spiel eines europäischen Wettbewerbs hält.

Neben Fußball betreibt der Verein verschiedene andere Sportarten, u.a. Handball, Schwimmen, Rollhockey und Tauchen. Doch nach dem Fußball ist vor allem die Leichtathletik das Hauptaugenmerk des Vereins. In der Vergangenheit betrieb der Verein noch weitere Sportarten. So gab es Fechten, Basketball, Volleyball und Radsport. In den 1950er- und 1960er- Jahren gab es sogar einen eigenen Rallye- und Motorrad-Rennstall.

Sporting ist nach dem FC Barcelona bezogen auf gewonnene Titel und Pokale aller Sportarten, an denen der Club teilnimmt die erfolgreichste Sportmannschaft in Europa.

Der Klub besitzt mit der seit 1921 herausgegebenen, wöchentlichen Sporting die älteste Sportvereinszeitung Europas.

Der Verein ging aus einer Initiative einer Personengruppe hervor, die ursprünglich 1902 den Klub Sport Club de Belas und 1904 den Campo Grande Sporting Club gründeten. 1906 schlossen sich diese Vereine offiziell unter dem Namen Sporting Clube de Portugal zusammen.

Das erste Spiel von Sporting, gegen Cruz Negra, ging verloren, aber im ersten Duell mit dem künftigen Dauerrivalen Sport Lisboa, einem Vorgängerverein von Benfica, gelang ein 2:1-Sieg. In der Saison 1907-1908 wurde der Verein regionaler Vizemeister. 1910, in dem Jahr in dem José Alvalade Vereinspräsident wurde, wurde Sporting Meister im Tennis, Stabhochsprung, Kugelstoßen und Weitsprung.

Der Verein gewinnt 1912 und 1915 die Lissabon-Meisterschaft im Fußball und den portugiesischen Supercup „Cândido de Oliveira“, mit einem 3:1-Sieg über SL Benfica. In der Sportart Radfahren gewinnt der Verein 1912 das Prestigerennen Lisboa-Porto, erreicht den dritten Platz bei der Tour de France und den zweiten Platz bei der Spanienrundfahrt.

In der Ära ab 1920 gewinnt Sporting seine erste Portugiesische Meisterschaft, in einem Finale gegen den Verein Académica Coimbra.

Im Jahr 1922 wird die Rugby-Abteilung eröffnet. Im Jahr 1927 werden die grün-weiß gestreiften Trikots zum ersten Mal getragen. Ein Sieg gegen den Rivalen Benfica 1928 mit den neuen gestreiften Trikots machte sie endgültig zu den offiziellen Trikots des Vereins.

Mit den mythischen grün-weiß-gestreiften Trikots gewann der SCP in den 1940er- und 1950er- Jahren 18 Fußball-Meistertitel und 4 Pokalsiege.

José Travassos von Sporting ist 1955 der erste Spieler Portugals der in einer Europaauswahl befufen wird und gegen die Auswahl Großbritanniens in Belfast aufläuft.

Am 10. Juli 1956 wird das Stadion Estádio José Alvalade am Campo Grande, eingeweiht. In den Jahren 1957 und 1958 gewinnt der Leichtathlet Manuel Faria den Sylvester-Marathon in Sao Paulo.

In den 1960er-Jahren gelingt dem Verein im Fußball der größte bisherige Erfolg mit dem Gewinn des Europapokal der Pokalsieger 1964 gegen den ungarischen Fußballverein MTK Budapest. Nach Ergebnissen von 3:3 und 1:0 in den beiden finalspielen musste dabei schließlich im Elfmeterschießen. Auf dem Weg ins Finale erzielte SCP mit 16:1 gegen APOEL Nikosia aus Zypern den bis heute höchsten Sieg in einem Europacup-Spiel und gewann nach einer 1:4 Hinspiel-Niederlage gegen Manchester United noch mit 5:0.

1971 verpflichtet der Verein den argentinische Fußballspieler Héctor Yazalde vom bonarenser Vorstadtklub CA Independiente. Bereits in der Saison 1973/74 erzielt Yazalde 46 Treffer in 30 Spielen und hält damit noch heute den europäischen Rekord an meisten Toren in einer Saison.

In der Leichtathletik ist der Verein mit 215 nationalen und 89 internationalen Titeln national wie international sehr erfolgreich. Carlos Lopes gewinnt 1984 bei den Olympischen Spiele in Los Angeles die Olympische Goldmedaille im Marathonlauf und ist damit der erste portugiesische Leichtathlet dem dies gelang.

Der beste Profi-Radfahrer Portugals Joaquim Agostinho gehörte ebenfalls zum Verein. Er nahm 13-mal an der Tour de France teil und belegte in den Jahren 1978 und 1979 den dritten Platz.

Im Rollhockey war Sporting eine Zeit lang der beste Verein der Welt und gewann 1977 den Europapokal der Landesmeister, in den Jahren 1981, 1985 und 1991 drei Europapokale der Pokalsieger und 1984 den CERS-Pokal.

Auch der erfolgreichste portugiesische Billard-Spieler Jorge Theriaga gehört zum Verein.

Der Verein hat rund 100.000 Mitglieder (2006)und ist damit einer der größten Europas. Im 2004 neu errichteten Stadion Estádio José Alvalade fand ein Halbfinal-Spiel der vorletzten Europameisterschaft Euro 2004 statt und das 2005 verlorene Finale des UEFA-Pokals gegen ZSKA Moskau. Nur 19 Monate nach der UEFA-Pokal Niederlage gegen ZSKA verlor Sporting am 5. Dezember 2006 gegen Spartak Moskau mit 1:3 und verpaßte so den Einzug in die UEFA Pokal Endrunde. In der Saison 2008/2009 kam der Verein bis ins Champions-League-Achtelfinale, in welchem der FC Bayern München Gegner war, dort gab es aber zwei deutliche Niederlagen (0:5 im Heimspiel und 1:7 in München).

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Vertrag von Lissabon

Logo der Regierungskonferenz zum Vertrag von Lissabon

Der Vertrag von Lissabon (ursprünglich auch EU-Grundlagenvertrag bzw. -Reformvertrag genannt) ist ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, der am 13. Dezember 2007 unter portugiesischer Ratspräsidentschaft in Lissabon unterzeichnet wurde. Der Vertrag, der den abgelehnten Vertrag über eine Verfassung für Europa (VVE) ersetzen soll, wird die bestehenden völkerrechtlichen Vertragsgrundlagen des europäischen Integrationsverbandes (EG- und EU-Vertrag) ändern. Insbesondere soll die Union eine einheitliche Struktur und Rechtspersönlichkeit erhalten.

Der Vertrag tritt in Kraft, wenn ihn alle 27 Mitgliedstaaten nach ihren verfassungsrechtlichen Vorgaben ratifiziert haben. Diese Ratifikation sollte bis Ende des Jahres 2008 erfolgt sein, um ein Inkrafttreten am 1. Januar 2009 zu ermöglichen. Nach dem ablehnenden Referendum vom 12. Juni 2008 in Irland, das als einziger Mitgliedstaat eine Volksabstimmung über den Vertrag durchgeführt hat, konnte dieser Zeitplan nicht eingehalten werden. Der Vertrag wird nunmehr "am ersten Tag des auf die Hinterlegung der letzten Ratifikationsurkunde folgenden Monats" in Kraft treten (Art. 54 Abs. 2 EUV-Lissabon).

Mit dem Mandat für die Regierungskonferenz über den Reformvertrag wurde das Verfassungskonzept, wonach alle bestehenden EU-Verträge aufgehoben und durch einen einheitlichen Text mit der Bezeichnung „Verfassung“ ersetzt werden sollten, ausdrücklich aufgegeben. Stattdessen wurde die Substanz der Regierungskonferenz 2004 (d. h. des EU-Verfassungsvertrags) in die bereits existierenden EU-Verträge eingearbeitet.

Die EU wird somit künftig weiterhin auf mehreren Verträgen beruhen. Am bedeutendsten sind davon der Vertrag über die Europäische Union (Vertrag von Maastricht, EUV) und der Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (Vertrag von Rom, EGV), welcher nun in „Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union“ (AEUV) umbenannt wird. Diese Namensänderung ergab sich, da durch die veränderte Struktur der EU nach dem neuen Vertrag die „Europäische Gemeinschaft“ nicht mehr als Institution mit eigenem Namen existieren wird; all ihre Funktionen werden von der EU übernommen.

Neben den beiden Hauptverträgen sind noch weitere Dokumente, auf die der EU-Vertrag Bezug nimmt, Bestandteil des EU-Primärrechts. Dabei handelt es sich um 37 Protokolle und 2 Anhänge (vgl. Art. 51 EUV) sowie um die Charta der Grundrechte der Europäischen Union (vgl. Art. 6 Abs. 1 EUV). Außerdem soll die EU laut Art. 6 Abs. 2 EUV der Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention, EMRK) beitreten.

Keine eigene Rechtskraft oder bindende Wirkung besitzen die 65 Erklärungen und die Erläuterungen zur Charta der Grundrechte. Beide dienen allerdings als Interpretationshilfe und können etwa für Gerichtsentscheidungen unterstützend herangezogen werden. Die dem Vertrag von Lissabon angehängten Erklärungen verdeutlichen Standpunkte einzelner bzw. aller Mitgliedstaaten zu bestimmten Aspekten.

Die meisten Neuerungen, die der Vertrag von Lissabon im Vergleich zu den bestehenden politischen Grundlagen der EU (nach dem Vertrag von Nizza) bringen soll, entsprechen inhaltlich dem gescheiterten Verfassungsvertrag. Sie sind deshalb in dem Artikel Vertrag über eine Verfassung für Europa ausführlich dargestellt und sollen hier nur kurz genannt werden.

Lediglich in wenigen Punkten weicht der Vertrag von Lissabon auch inhaltlich vom Entwurf des Verfassungsvertrags ab.

Auffälligste Veränderung ist die Streichung des Begriffs „Verfassung“. Die traditionelle Struktur eines Grundvertrags (bei dem es sich um eine Modifizierung des bisherigen EG-Vertrags handelt, der nun Vertrag über die Arbeitsweise der EU, kurz AEUV, heißen wird) und eines gleichrangigen Vertrags, des EU-Vertrags, der den supranationalen AEU-Vertrag mit den intergouvernementalen Politiken verklammert, bleibt unangetastet.

Inhaltlich übernimmt der Vertrag von Lissabon jedoch die Kompetenzenverteilung, wie sie in der Verfassung vorgesehen war. So war die polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen bisher nur im EU- nicht im EG-Vertrag genannt; sie bildete im traditionellen Drei-Säulen-Modell der EU die 3. (intergouvernementale) Säule. Durch den Vertrag von Lissabon wird sie dagegen im Wesentlichen in den supranationalen Bereich übernommen, der im AEUV geregelt ist. Allein die heutige 2. Säule (Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik) wird weiterhin rein intergouvernemental sein und also als eigene „Säule“ fortbestehen.

Der neue Grundlagenvertrag verzichtet im Gegensatz zum Verfassungsvertrag auf staatstypische Symbole wie Flagge, Hymne und Europatag. Diese symbolische Veränderung sollte die (etwa im Vereinigten Königreich verbreiteten) Befürchtungen ausräumen, die EU solle durch die Verfassung zu einem neuen „Superstaat“ werden. In der Praxis wird sich am Gebrauch der Symbole jedoch nichts verändern, da diese auch bisher verwendet wurden, ohne dass es dafür eine ausdrückliche vertragliche Grundlage gab.

In der Erklärung Nr. 52 zur Regierungskonferenz, die als offizielles Dokument dem Verfassungsvertrag angehängt ist, ohne unmittelbare Rechtswirkung zu haben, erklärte außerdem eine Mehrzahl der EU-Staaten (darunter auch Deutschland und Österreich), dass die Symbole „für sie auch künftig die Zusammengehörigkeit der Menschen in der Europäischen Union und ihre Verbundenheit mit dieser zum Ausdruck bringen“.

Ähnlich wie die staatstypischen Symbole wurden auch die staatstypischen Bezeichnungen wieder zurückgenommen, die im Verfassungsvertrag vorgesehen waren. Stattdessen werden meist die bereits im bisherigen EU-Vertrag existierenden Bezeichnungen übernommen.

Wie bereits erwähnt, entfällt der Begriff „Verfassung“ vollständig. Der Vertrag über die Europäische Union (EUV) behält seinen bisherigen Namen. Der Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (EGV) dagegen soll in Zukunft Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) heißen. Außerdem wird, wie schon im Verfassungsvertrag vorgesehen, die Bezeichnung Gemeinschaft konsequent durch Union ersetzt.

Der von der Verfassung vorgesehene „Außenminister der Union“ wurde mit Art. 18 EUV in Hoher Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik umbenannt. Sein Titel erinnert damit an das bereits nach dem Vertrag von Nizza existierende Amt des Hohen Vertreters für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik; seine Befugnisse entsprechen aber denen des von der Verfassung vorgesehenen Außenministers.

Schließlich behalten auch die von der EU erlassenen Rechtsakte weiterhin die bisher gültigen Bezeichnungen. Statt „Europäischer Gesetze“ erlässt die EU also weiterhin Verordnungen, statt „Europäischer Rahmengesetze“ weiterhin Richtlinien.

Anders als in der Verfassung wird der Text der Grundrechtecharta nicht im Vertrag enthalten sein. Durch einen Verweis in Art. 6 Abs. 1 EUV wird sie aber für rechtsverbindlich erklärt.

Allerdings haben sich Großbritannien und Polen eine Ausnahme ausgehandelt, sodass die Grundrechtecharta vor britischen und polnischen Gerichten keinen Rechtsschutz gewähren wird. Irland, das sich die Prüfung einer solchen Ausnahme zunächst ebenfalls vorbehalten hatte, hat sich bis jetzt noch nicht dazu entschieden. Das Europäische Parlament hält diese Ausnahmeregelungen für Großbritannien und Polen „für einen dramatischen Rückschlag und eine schwere Beschädigung des innersten Selbstverständnisses der Europäischen Union, wenn nun ein oder mehrere Mitgliedstaaten ein 'opt out' von der Charta der Grundrechte für sich in Anspruch nehmen“.

Nichtsdestoweniger erklärte im Oktober 2007 auch die tschechische Regierungspartei ODS ihre Absicht, die Vereinbarkeit der Grundrechtecharta mit tschechischem Verfassungsrecht überprüfen zu lassen.

Während die Liste der Themen, über die vom Rat der EU mit qualifizierter Mehrheit entschieden werden kann, wie im Verfassungsvertrag vorgesehen, erweitert wird, wird die Einführung des dort enthaltenen Abstimmungsverfahrens der doppelten Mehrheit auf 2014 verschoben. Bis dahin gilt für die Mehrheitsentscheidungen das im Vertrag von Nizza festgelegte Stimmenverhältnis, bei dem die vier großen Staaten mit über 50 Millionen Einwohnern (Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien) über gleich viele Stimmen (je 29) verfügen, und die nächstgrößeren (Spanien mit 45 Mio. Einwohner und Polen mit 38 Mio.) mit 27 Stimmen beinahe gleiches Stimmengewicht besitzen .

Vom 1. November 2014 bis Ende März 2017 gelten dann die Abstimmungsregeln der doppelten Mehrheit, wie sie bereits im Verfassungsvertrag vorgesehen waren (55 % aller Mitgliedstaaten, jedoch mindestens 15 Mitgliedstaaten, die gleichzeitig mindestens 65 % der Bevölkerung repräsentieren ). Während dieses Zeitraums kann jedoch jedes Ratsmitglied „beantragen“, dass weiterhin die Abstimmungsregeln des Vertrags von Nizza Anwendung finden.

Ab 2017 soll das neue Abstimmungsverfahren uneingeschränkt gelten.

Anwendung des Ioannina-Kompromisses Als erweiterter Minderheitenschutz wurde die Weitergeltung des sogenannten Kompromiss von Ioannina vereinbart. Demnach werden die Verhandlungen im Rat für eine „angemessene Frist“ fortgesetzt, wenn dies mindestens 21 % der Mitgliedstaaten oder mindestens 26,25 % der repräsentierten Bevölkerung (d. h. 75 % der Mitgliedstaaten oder Bevölkerung für eine Sperrminorität) verlangen. Ab 1. April 2017 kommt der Kompromiss von Ioannina vereinfachend auch schon zur Anwendung, wenn mindestens 24,75 % der Mitgliedstaaten oder mindestens 19,25 % der repräsentierten Bevölkerung (d. h. 55 % der Mitgliedstaaten oder Bevölkerung für die Bildung einer Sperrminorität) die Fortsetzung der Verhandlungen im Rat verlangen.

Weitgehend unbeachtet von Medien und Öffentlichkeit wurden gegenüber dem Verfassungsvertrag auch Ergänzungen vorgenommen. So wird die Bekämpfung des Klimawandels erstmals als ausdrückliches Ziel im Primärrecht erwähnt. Zudem werden an mehreren Stellen Vertragsklauseln zur Energiesolidarität eingefügt.

Ursprünglich sah der Vertrag von Lissabon, ebenso wie der Verfassungsvertrag, eine Verkleinerung der Europäischen Kommission vor, in der künftig nicht mehr jedes Land einen eigenen Kommissar stellen sollte. Diese Maßnahme stieß allerdings vor allem bei einigen kleineren Ländern auf Kritik und galt als einer der Gründe, weshalb das erste Referendum, das in Irland über den Vertrag abgehalten wurde, scheiterte (siehe unten). Daher beschloss der Europäische Rat im Dezember 2008, die Verkleinerung der Kommission nicht in Kraft treten zu lassen. Diese Modifizierung des Vertrags von Lissabon erfordert jedoch eine erneute Vertragsänderung, die ihrerseits von allen Mitgliedstaaten ratifiziert werden müsste. Dies könnte im Zuge der Vertragsanpassungen geschehen, die für den EU-Beitritt Kroatiens notwendig sind, welcher für 2010 oder 2011 erwartet wird.

Die Grundzüge des Vertrags von Lissabon wurden vom Europäischen Rat während der deutschen Ratspräsidentschaft auf einer Tagung am 21. und 22. Juni 2007 in Brüssel beschlossen. Der Europäische Rat legte sie im Mandat an die Regierungskonferenz nieder, die daraufhin den definitiven Vertragstext ausarbeitete.

Im Rahmen der Regierungskonferenz, die am 23. Juli 2007 ihre Arbeit aufnahm, wurde ein Entwurf ausgearbeitet, der 145 Seiten Vertragstext sowie 132 Seiten mit 12 Protokollen und 51 Erklärungen umfasste.

Beim EU-Gipfel in Lissabon am 18. und 19. Oktober 2007 einigten sich die Staats- und Regierungschefs schließlich auf den endgültigen Vertragstext, wobei noch einmal Änderungswünsche der Vertreter von Italien und Polen berücksichtigt wurden. Der Vertrag ist am 13. Dezember 2007 in Lissabon unterzeichnet worden.

Der Vertrag von Lissabon tritt nach Artikel 6 des Vertrages am 1. Januar 2009 in Kraft, sofern bis zu diesem Zeitpunkt alle Ratifikationsurkunden bei der Regierung der Italienischen Republik hinterlegt worden sind, oder andernfalls am ersten Tag des auf die Hinterlegung der letzten Ratifikationsurkunde folgenden Monats.

Die Struktur des Vertrags von Lissabon, die bestehenden Verträge zu belassen und in diese die weitgehend unveränderte Substanz des EU-Verfassungsvertrags einzubauen, sollte der Forderung nach nationalen Referenden die Grundlage entziehen. Schon kurz nach dem EU-Gipfel wurde jedoch in etlichen Mitgliedstaaten die Abhaltung eines Referendums – teilweise sogar von Regierungsparteien – gefordert. Es war deshalb schon zu diesem Zeitpunkt fraglich, ob der Vertrag von Lissabon entsprechend dem vorgesehenen Zeitplan vor den Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni 2009 würde ratifiziert werden und in Kraft treten können. Schließlich wurde jedoch nur in Irland ein Referendum angesetzt, das am 12. Juni 2008 stattfand und zu einer Ablehnung des Reformvertrags führte. In den meisten anderen EU-Staaten stimmten die Parlamente bis Herbst 2008 ab. In Polen fehlt bislang noch die Unterschrift des Staatspräsidenten unter das Ratifikationsgesetz, in der Tschechischen Republik hat der parlamentarische Prozess erst begonnen. In Deutschland schließlich steht noch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die Verfassungsmäßigkeit des Vertrages aus. Da in Deutschland das Parlament bereits zugestimmt hat, ist der Vertrag bei einer positiven Entscheidung des Gerichts mit der anschließenden Unterschrift des Bundespräsidenten ratifiziert.

Als erstes Land ratifizierte Ungarn am 17. Dezember 2007 den Vertrag von Lissabon mit 325 Ja-Stimmen bei 5 Gegenstimmen und 14 Enthaltungen. Am 29. Januar 2008 folgten die Parlamente von Malta einstimmig und von Slowenien mit 74 Ja-Stimmen bei 6 Gegenstimmen und 10 Enthaltungen. Rumänien ratifizierte als vierter Mitgliedstaat am 4. Februar 2008 mit 387 Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung. Zugleich war dies seit dem Beitritt Anfang 2007 der erste europäische Vertrag, den Rumänien als Mitgliedstaat unterzeichnete.

Frankreich ratifizierte den Vertrag am 14. Februar 2008. Am 30. Januar 2008 hatten zunächst 210 Senatsmitglieder bei 48 Gegenstimmen und 62 Enthaltungen für die Änderung der französischen Verfassung gestimmt, welche die Ratifizierung des Vertrags von Lissabon im Parlament ohne die Durchführung eines Referendums ermöglichte. Am 6. Februar 2008 lehnte die Nationalversammlung dann mit 227 gegen 175 Stimmen einen Antrag der Sozialistischen Partei ab, erneut in einer Volksabstimmung über den Vertrag abstimmen zu lassen. Am 7. Februar nahm die Nationalversammlung den Vertrag mit 336 Ja-Stimmen bei 52 Gegenstimmen und 22 Enthaltungen an; in der Nacht zum 8. Februar 2008 ratifizierte auch der Senat den Vertrag mit 265 Ja-Stimmen bei 42 Gegenstimmen und 13 Enthaltungen. Am 14. Februar 2008 wurde die Ratifizierung durch die Unterschrift von Staatspräsident Nicolas Sarkozy und die anschließende Veröffentlichung im Staatsanzeiger rechtsgültig.

Als sechster EU-Mitgliedstaat ratifizierte Bulgarien am 21. März 2008 den Vertrag von Lissabon mit 195 Ja-Stimmen bei 15 Gegenstimmen, insbesondere aus der oppositionellen nationalistischen Partei Ataka, und 30 Enthaltungen.

In Polen stimmte der Sejm nach einem Kompromiss zwischen der Regierung von Donald Tusk und Präsident Lech Kaczyński am 1. April 2008 mit 384 Ja-Stimmen bei 56 Gegenstimmen und 12 Enthaltungen für den Vertrag. Am 2. April 2008 verabschiedete der Senat den Vertrag mit 74 Ja-Stimmen bei 17 Gegenstimmen und sechs Enthaltungen. Dem Kompromiss zufolge soll die Regierung in der Zukunft keinen Änderungen am Lissaboner Vertrag zustimmen dürfen, welche die Formel von Ioannina oder die Opt-Out-Klausel für die Grundrechtecharta betreffen, ohne von Parlament und Präsident dazu ermächtigt worden zu sein. Präsident Lech Kaczyński unterzeichnete am 10. April zunächst zwar das Begleitgesetz zu dem Vertrag, jedoch noch nicht die Ratifizierung selbst. Nach der gescheiterten Volksabstimmung in Irland erklärte er daraufhin den Vertrag von Lissabon für gegenstandslos und kündigte an, die Ratifizierungsurkunde nicht unterzeichnen zu wollen. Später lenkte er allerdings ein und deutete an, zu einer Ratifizierung des Vertrages bereit zu sein, sofern auch alle übrigen EU-Staaten diesen ratifizierten.

Die Slowakei ratifizierte den Vertrag von Lissabon als achter Staat ebenfalls am 10. April 2008 nach anhaltenden Debatten um ein nationales Mediengesetz, welches aufgrund des Widerstands der Opposition einer Ratifizierung lange entgegen stand. 103 der 109 Anwesenden von 150 Parlamentariern stimmten für den Vertrag, fünf stimmten gegen den Vertrag. Portugal ratifizierte den Vertrag am 23. April 2008 parlamentarisch mit 208 Ja-Stimmen bei 21 Gegenstimmen, die aus drei linksgerichteten Parteien Partido Ecologista Os Verdes, Bloco de Esquerda und Partido Comunista Português stammten. Am 24. April 2008 stimmte Dänemark dem Vertrag mit 90 Ja-Stimmen bei 25 Gegenstimmen und keinen Enthaltungen zu.

In Österreich stimmte der Nationalrat am 9. April 2008 mit 151 Ja-Stimmen bei 27 Gegenstimmen für den Vertrag. Wie in kaum einem anderen EU-Staat wurde in Österreich die Ratifikation von heftigen Protesten und Forderungen nach einem Referendum begleitet. Insbesondere die Kronen Zeitung, das größte österreichische Boulevardblatt, positionierte sich scharf gegen den Vertrag und warb für eine Volksabstimmung. Hintergrund der Ablehnung war unter anderem die Neutralität Österreichs, die einige Kritiker durch den Vertrag von Lissabon gefährdet sahen. Ein anderer Kritikpunkt – vor allem der Linken – war, dass laut Vertrag die Euratom weiterhin integraler Bestandteil der EU bleibt, die EU also keinen europaweiten Ausstieg aus der Kernenergie vorsehe. Im Juni 2008 kündigten die Parteichefs der SPÖ, Alfred Gusenbauer und Werner Faymann, an, über künftige EU-Vertragsreformen grundsätzlich Referenden abhalten zu wollen. Dies führte zum Bruch der Koalition mit der ÖVP und zum Ende der Regierung Gusenbauer. Die neue SPÖ-ÖVP-Regierung Faymann einigte sich im Koalitionsvertrag Ende 2008 auf ein Einsetzen für künftige europaweite Volksabstimmungen bei Vertragsreformen, nationale Referenden sollen nur bei Zustimmung beider Regierungsparteien stattfinden.

Im Vereinigten Königreich wurde am 5. März 2008 nach anhaltenden Debatten ein von der konservativen Opposition beantragtes Referendum über den EU-Reformvertrag von den Abgeordneten des House of Commons mit 311 zu 248 Stimmen abgelehnt. Am 11. März 2008 verabschiedete das House of Commons daraufhin den Vertrag mit 346 zu 206 Stimmen. Eine Klage auf Durchführung eines Referendums wurde vom Obersten Gerichtshof abgelehnt.

In Belgien verabschiedete der Senat am 6. März 2008 den Vertrag mit 48 Ja-Stimmen bei 8 Gegenstimmen und einer Enthaltung. Am 10. April 2008 stimmte die Abgeordnetenföderationskammer mit 116 zu 18 Stimmen bei sieben Enthaltungen für den Vertrag.

In Deutschland beschloss am 15. Februar 2008 der Bundesrat gemäß Art. 76 GG eine Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zum Vertrag von Lissabon vom 13. Dezember 2007, welche sein Ausschuss für Fragen der Europäischen Union empfohlen hatte. Am 24. April 2008 stimmte der Bundestag mit 515 Ja-Stimmen bei 58 Gegenstimmen und einer Enthaltung für den Vertrag. Am 23. Mai 2008 ratifizierte auch der Bundesrat den EU-Vertrag mit 66 Ja-Stimmen und drei Enthaltungen; 15 Länder stimmten zu, Berlin enthielt sich auf Bestreben der dort mitregierenden Partei Die Linke. Noch am gleichen Tag reichte der Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler (CSU), der bereits 2005 gegen den Europäischen Verfassungsvertrag geklagt hatte, beim Bundesverfassungsgericht eine Individual- und eine Organklage gegen die deutsche Ratifizierung des Vertrages ein. Auch die Bundestagsfraktion der Linken, die Ökologisch-Demokratische Partei (ödp) unter ihrem Vorsitzenden Klaus Buchner sowie weitere Einzelabgeordnete reichten Verfassungsbeschwerden ein. Das Bundespräsidialamt teilte am 30. Juni mit, dass Horst Köhler auf die formale Bitte des Bundesverfassungsgerichts hin die Ratifizierungsurkunde vor einer Urteilsverkündung nicht unterschreiben werde. Am 8. Oktober 2008 hat der Bundespräsident zwar das Umsetzungsgesetz zum Vertrag von Lissabon unterschrieben und ausgefertigt; eine völkerrechtlich bindende Ratifikation liegt damit aber noch nicht vor, da noch die Unterschrift des Bundespräsidenten auf der Ratifikationsurkunde fehlt, die bei der italienischen Regierung hinterlegt werden muss. Die mündliche Verhandlung im BVerfG-Verfahren fand am 10. und 11. Februar 2009 statt, das Urteil wird für Mai 2009 erwartet.

In Schweden wurde der Vertrag am 20. November 2008 vom Reichstag mit 243 Ja- zu 39 Nein-Stimmen bei 13 Enthaltungen ratifiziert.

In Tschechien wurde der Ratifizierungsprozess unterbrochen, nachdem der Senat den Vertrag an das Verfassungsgericht zur Überprüfung überwies. Die mündliche Verhandlung fand am 25. und 26. November 2008 statt, das Gericht beurteilte den Vertrag als verfassungskonform. Die parlamentarische Ratifikation konnte somit fortgesetzt werden. Während in der Bevölkerung und auch in beiden Parlamentskammern mit einer Mehrheit für die Ratifizierung gerechnet wurde, sprach sich der tschechische Präsident Václav Klaus wiederholt dagegen aus; am 6. Dezember 2008 legte er aufgrund der Konflikte um den Vertrag den Ehrenvorsitz der ODS nieder. Nach mehreren Aufschüben ratifizierte das Abgeordnetenhaus schließlich am 18. Februar 2009 den Vertrag mit 125 Ja- zu 61 Nein-Stimmen. Zur Annahme des Vertrags waren 120 der 200 Stimmen notwendig. Der Senat soll nun im Mai 2009 über den Vertrag abstimmen. Einige Senatoren der ODS hatten aber bereits im Vorfeld angekündigt, erneut eine Überprüfung des Vertragstextes vor dem Verfassungsgericht zu beantragen. Außerdem plant die ODS die Abstimmung über den Vertrag von Lissabon im Senat an die Zustimmung zu der geplanten Stationierung des US-amerikanischen Raketenabwehrsystems in Tschechien zu verknüpfen, der die Opposition kritisch gegenübersteht. Da diese Frage noch nicht gelöst ist, könnte sich die Ratifikation weiter verschieben. Václav Klaus schließlich hat, ähnlich wie der polnische Staatspräsident Lech Kaczyński, angekündigt, die Ratifikationsurkunde erst nach einem erfolgreichen zweiten Referendum in Irland unterzeichnen zu wollen.

In Irland wurde als einzigem Mitgliedstaat am 12. Juni 2008 eine Volksabstimmung über die Ratifizierung des Vertrags von Lissabon abgehalten. Dabei sprachen sich alle großen Parteien für eine Zustimmung zum Vertrag aus, führten jedoch – anders als die Vertragsgegner, vor allem die von Declan Ganley gegründete Plattform Libertas – keine allzu intensive Kampagne. 53,4 Prozent der Wähler lehnten schließlich den Reformvertrag ab. Die Wahlbeteiligung betrug nach Angaben der BBC 53,1 %. Der irische Justizminister Dermot Ahern nannte das Ergebnis eine Niederlage der irischen Regierung und der Politik insgesamt, da alle großen Parteien Irlands für die Annahme des Vertrags plädiert hatten. Kritiker werfen der Regierung vor, sie habe sich im Gegensatz zu den Reformgegnern zu spät und zu unentschlossen für ein Ja engagiert. Die Überzeugungsarbeit der Reformgegner wird indes zum Teil als unsachlich kritisiert, da in diesem Zusammenhang Inhalte, die wenig oder nichts mit dem Vertrag zu tun hätten, thematisiert worden seien.

Nach dem „Nein“ der Iren herrschte in der europäischen Politik eine rege Diskussion über die weitere Vorgehensweise bei der Umsetzung des Vertrags von Lissabon. Unabhängig von den Ereignissen in Irland verständigten sich die EU-Staaten dabei zunächst darauf, den Ratifizierungsprozess fortzusetzen. So erfolgten auch nach dem Referendum weitere Ratifikationen, unter anderem in Großbritannien, Zypern, den Niederlanden und Schweden. Inzwischen haben bis auf Tschechien und Irland alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union den parlamentarischen Ratifikationsprozess abgeschlossen.

Auf der Tagung des Europäischen Rats am 11./12. Dezember 2008 wurde schließlich vereinbart, dass Irland ein zweites Referendum abhält. Dafür soll es zu leichten Abänderungen im Vertrag kommen: Insbesondere gaben die europäischen Staats- und Regierungschefs der irischen Forderung nach, dass jedes Land einen eigenen Kommissar behält. Außerdem sollen in einem Zusatzprotokoll bestimmte Bedenken der irischen Bevölkerung ausgeräumt werden, etwa bezüglich der nationalen Souveränität in Steuerfragen, die durch den Vertrag nicht eingeschränkt wird. Insgesamt ähnelt dieses Vorgehen demjenigen, das bereits 2001 beim Vertrag von Nizza angewandt wurde. Auch dieser war zunächst in einem irischen Referendum abgelehnt, bei einer zweiten Abstimmung im Jahre 2002 jedoch angenommen worden. Allerdings hatte sich das Referendum 2001 (anders als 2008) durch eine sehr niedrige Wahlbeteiligung ausgezeichnet, sodass eine Wiederholung auch aus diesem Grund legitim erschien.

Im September 2008 stieß das Europäische Parlament eine Untersuchung der Finanzierung der Nein-Kampagne an, nachdem Hinweise auf Unregelmäßigkeiten daran erschienen waren. So soll die Tätigkeit von Libertas durch einen Kredit von Declan Ganley, der in seiner Höhe dem irischen Recht widerspräche, finanziert worden sein. Außerdem wurden die Aktivitäten Ganleys mit dem amerikanischen Verteidigungsministerium – mit dem Ganleys Unternehmen Rivada Networks, das Militärtechnik produziert, in Geschäftsverbindungen steht – sowie der CIA in Verbindung gebracht. Diese Vorwürfe wurden jedoch von Ganley sowie John D. Negroponte, dem stellvertretenden US-Außenminister, zurückgewiesen und werden nun von den irischen Behörden überprüft.

Als Datum für das neue Referendum in Irland war zunächst der Herbst 2009, möglicherweise Oktober oder November, vorgesehen. Mitte Februar 2009 kündigte die irische Regierung jedoch an, die Abstimmung bereits für Juni zu planen; sie würde dann möglicherweise zeitgleich mit den Europawahlen stattfinden. Hintergrund dieser Überlegungen sind einerseits die hohen Zustimmungswerte, auf die der Vertrag von Lissabon in Irland Anfang 2009 stieß, andererseits die erwartete Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage im Lauf des Jahres, durch die bei einer späteren Wahl die Anzahl der Protestwähler steigen könnte.

Entscheidend für die Ratifizierung des Vertrages ist in den meisten europäischen Ländern die Zustimmung des Parlaments. Abgeschlossen ist der Ratifizierungsprozess jedoch erst mit der Unterschrift des Staatsoberhauptes unter die Ratifizierungsurkunde und deren anschließender Hinterlegung bei der italienischen Regierung. Die untenstehenden Angaben für offen (gelb), ratifiziert (grün) und abgelehnt (rot) erfassen das vollständige Verfahren bis zur Unterzeichnung und weichen daher teilweise von denen anderer Publikationen ab.

Die Einflussmöglichkeiten der Staatsoberhäupter auf den Ratifizierungsprozess sind allerdings von Land zu Land verschieden. So besitzt der polnische Präsident ein „echtes“ Vetorecht, er kann also die Ratifizierung des Vertrages durch Verweigerung der Unterschrift verhindern. Der deutsche Bundespräsident wiederum besitzt (ähnlich wie die meisten EU-Staatsoberhäupter) keinerlei Vetorecht im Ratifizierungsprozess. Sofern die Ratifizierung grundgesetzkonform ist – was vom deutschen Bundesverfassungsgericht derzeit geprüft wird –, muss er die Ratifizierungsurkunde unterzeichnen und könnte dazu gegebenenfalls durch eine Organklage gezwungen werden.

Wie bereits bei dem geplanten Verfassungsvertrag war die gesamteuropäische Debatte über den Vertrag von Lissabon nur schwach ausgeprägt. Dazu mag eine gewisse Ermüdung wie auch die mangelnde Öffentlichkeit aufgrund der Ratifizierung in den nationalen Parlamenten mit meist großen, parteienübergreifenden Mehrheiten beigetragen haben. Dennoch machten in mehreren Ländern Kritiker des Vertrages durch öffentliche Aktionen auf sich aufmerksam. So fanden in Österreich Demonstrationen für eine Volksabstimmung zum EU-Reformvertrag statt, die von der Bürgerinitiative „Rettet Österreich“, den Plattformen „Nein zum EU-Vertrag“ und „Volxabstimmung.at“ sowie der Oppositionspartei FPÖ im März und April 2008 organisiert wurden. Die verschiedenen Organisationen sammelten rund hunderttausend Unterschriften und übergaben sie an die österreichische Parlamentspräsidentin Barbara Prammer.

Eine intensive Debatte über den Vertrag fand anlässlich des Referendums am 12. Juni 2008 in Irland statt. Hier starteten die Kritiker des Vertrages eine Online-Petition, um in ihrem Sinne auf die irische Bevölkerung einzuwirken. Umgekehrt führten auch die Befürworter des Vertrages, etwa die „Jungen Europäischen Föderalisten“, öffentliche Aktionen durch, um Zustimmung für ein Ja im Referendum zu gewinnen.

Da der Vertrag von Lissabon die Substanz des EU-Verfassungsvertrags nahezu unverändert übernahm, wird von den Kritikern die bereits zum Verfassungsvertrag geäußerte Kritik auch gegenüber dem Vertrag von Lissabon aufrecht erhalten. Auch Giscard d’Estaing, der Präsident des Verfassungskonvents, kritisierte, dass der Vertrag von Lissabon bloß „kosmetische“ Änderungen vornehme und die Inhalte des EU-Verfassungsvertrag lediglich anders darstelle, um diese „leichter verdaulich“ zu machen und Referenden zu vermeiden. Hinzu kommt, dass der Vertrag in seiner neuen Form komplizierter aufgebaut und schwerer verständlich ist als der Verfassungsentwurf, was von Kritikern als gezielte Täuschung der Bürger verstanden wurde.

Von föderalistischer Seite wurde die Kritik erneuert, dass der Vertrag von Lissabon (wie schon der Verfassungsvertrag) keineswegs eine „echte“ Verfassung im von ihnen angestrebten bundesstaatlichen Sinn ersetze.

Von globalisierungskritischer Seite wurde u. a. betont, dass der Vertrag von Lissabon keine Antwort auf die sozialen und demokratischen Bedenken gebe, die in den Referenden in Frankreich und den Niederlanden zu einer Ablehnung geführt hätten. Zwar wurde unter den Zielen der EU der Passus „Binnenmarkt mit freiem und unverfälschten Wettbewerb“ gestrichen; zugleich wurde jedoch ein Protokoll über die Sicherstellung eines freien und unverfälschten Wettbewerbs vereinbart, sodass diese Änderung lediglich symbolischen Wert hatte.

Zu den Kritikpunkten am Vertrag zählte außerdem die Tatsache, dass der Rat der EU den Bürgern erst am 16. April 2008, also mehrere Monate nach der Unterzeichnung des Vertrags, eine Gesamtdarstellung des Vertrages in allen Mitgliedsprachen zur Verfügung stellte. Die Übersetzung des Vertragstextes sowie Nachverhandlungen zu Details einzelner Formulierungen hatten dazu geführt, dass zunächst keine konsolidierte Fassung des Vertrages veröffentlicht wurde, obwohl bereits in mehreren Ländern die Ratifizierungsverfahren begonnen hatten. Die offizielle Publikation der neuen konsolidierten Fassung im Amtsblatt der EU erfolgte am 9. Mai 2008.

Durch den Vertrag von Lissabon werden die Angelegenheiten mit Mitentscheidungsverfahren des Europäischen Parlaments ausgeweitet, sodass nun in nahezu allen Politikbereichen das Parlament gleichrangige Gesetzgebungsbefugnisse besitzt wie der Rat der EU. Damit wird einer wesentlichen Forderung zur Überwindung der fehlenden Gewaltenteilung im Rat und damit zur Verbesserung der demokratischen Legitimation der EU-Gesetzgebung entgegengekommen. Außerdem sollen dem Vertrag zufolge die Sitzungen des Rates immer nur dann öffentlich stattfinden, wenn dieser legislativ tätig wird, womit dem Vorwurf der Intransparenz entgegengetreten wird.

Kritiker befürchten zudem, dass mit dem Vertrag von Lissabon der Prozess, die demokratische Legitimität der EU zu erhöhen, als abgeschlossen betrachtet werde, obwohl der Auftrag des EU-Gipfels von Laeken, die Strukturen der EU zu demokratisieren, weiterhin unerfüllt bleibe. Grundlage dieser Kritik ist die Präambel des Reformvertrages, derzufolge es Ziel des Vertrags ist, den „Prozess, mit dem die Effizienz und die demokratische Legitimität der Union erhöht werden sollen, abzuschließen“.

Kritisiert wurde auch eine angebliche Beschönigung der demokratischen Verhältnisse durch den Vertragstext. So heißt es in EUV Art 14 Abs 1, dass das Parlament den Präsidenten der Kommission „wählt“; aus EUV Art 17 Abs 7 geht jedoch hervor, dass diese Wahl auf Vorschlag des Europäischen Rats stattfindet: Das Parlament kann den vom Europäischen Rat genannten Kandidaten zwar ablehnen, jedoch keinen eigenen Vorschlag einbringen.

Eine heftige Diskussion lösten schließlich die verteidigungspolitischen Bestimmungen aus, die aus dem Verfassungsvertrag übernommen wurden. So erwähne der Vertrag bei der Formulierung der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik zwar „zivile und militärische Mittel“, betone aber allzu sehr die Letzteren. Besonders umstritten ist ein Passus in Art. 42 Abs. 3 des Vertrags, demzufolge sich die Mitgliedstaaten verpflichten, „ihre militärischen Fähigkeiten schrittweise zu verbessern“, worin Kritiker eine Verpflichtung zur Aufrüstung sehen. Außerdem werden die Kompetenzen der Europäischen Verteidigungsagentur, etwa bei der Ermittlung des Rüstungsbedarfs, kritisiert.

Befürworter halten dem entgegen, dass der Artikel 42 EUV lediglich die gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik präzisiere, die bereits im Vertrag von Maastricht als Unionsziel verankert und nach der heute gültigen Fassung von Nizza unter Artikel 17 geregelt ist. Zudem betonen sie, dass die EU-Institutionen grundsätzlich nur im Sinne der zu Beginn des Vertragswerks angeführten allgemeinen Ziele der Union tätig werden dürfen, zu denen nach Art. 3 EUV unter anderem die Förderung des Friedens, die gegenseitige Achtung unter den Völkern, der Schutz der Menschenrechte und die Wahrung der Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen zählen.

Ein weiterer Kritikpunkt in der öffentlichen Diskussion bildete die Tatsache, dass die Charta der Grundrechte nicht eindeutig die Todesstrafe verbietet. So heißt es darin zwar, niemand dürfe zur Todesstrafe verurteilt oder hingerichtet werden, die – rechtlich nicht verbindlichen – Erläuterungen zur Charta der Grundrechte legen dieses Verbot jedoch dahin gehend aus, dass u. a. die Todesstrafe im Kriegszustand und eine Tötung zur Niederschlagung eines Aufruhrs rechtmäßig sein sollen. Ebenfalls ausgenommen sind auch die Tötung in Notwehr und eine Tötung, die „unbedingt erforderlich“ ist, um jemanden, dem die Freiheit rechtmäßig entzogen wurde, an der Flucht zu hindern. Allerdings wird durch Art. 53 der Charta garantiert, dass der Grundrechteschutz durch die Charta in keinem Fall niedriger ist als derjenige, der durch andere gültige Rechtstexte, insbesondere die Verfassungen der Mitgliedstaaten oder internationale Übereinkommen wie die Europäische Menschenrechtskonvention, garantiert wird. Tatsächlich haben bis auf Italien, Spanien, Polen und Lettland sämtliche EU-Mitgliedstaaten das 13. Zusatzprotokoll der EMRK ratifiziert, das die Todesstrafe unter allen Umständen, also auch im Kriegszustand und bei Revolten, verbietet.

In die Kritik kam der Vertrag von Lissabon auch durch Wissenschaftler der national-konservativ ausgerichteten US-amerikanischen Heritage Foundation, deren Mitarbeiterin Sally McNamara – eine britische Staatsbürgerin – in mehreren Publikationen den europäischen Einigungsprozess kritisierte, da dieser aus globalstrategischer Perspektive die Interessen der USA und der NATO untergrabe. Dem Europaparlamentarier Daniel Cohn-Bendit zufolge soll die Heritage Foundation auch der geistige Urheber für die angebliche Finanzierung der irischen Nein-Kampagne durch die amerikanische CIA gewesen sein. Dieser Vorwurf wurde von McNamara allerdings zurückgewiesen.

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Erdbeben von Lissabon

König Josef I. von Portugal

Das Erdbeben von Lissabon, gefolgt von einer Feuersbrunst und einer gewaltigen Flutwelle, zerstörte am 1. November 1755 die portugiesische Hauptstadt Lissabon fast vollständig. Nach heutigen Schätzungen hatte das Erdbeben, dessen Epizentrum im Atlantik etwa 200 km südwestlich des Cabo de São Vicente gelegen haben könnte, eine Stärke von etwa 8,5 bis 9. Mit seinen 30.000 - 100.000 Todesopfern gehört es zu den zerstörerischsten Naturkatastrophen der europäischen Geschichte.

Das Erdbeben hatte zudem erhebliche wissenschaftliche, politische und kulturelle Auswirkungen: Zum einen gab es den Impuls zur Entwicklung der modernen Seismologie. Des weiteren verschärfte es die innenpolitischen Spannungen in Portugal und hatte einen Bruch in den kolonialen Bestrebungen des Landes zur Folge. Nicht zuletzt löste es aufgrund des Ausmaßes der Zerstörung vielfältige Diskurse unter den Philosophen der Aufklärung aus. Vor allem warf es die Frage der Theodizee neu auf, wie ein gütiger Gott das Übel in der Welt zulassen könne.

Um 9.40 Uhr des Allerheiligentages 1755 erschütterte das Erdbeben Lissabon nach Augenzeugenberichten zwischen drei und sechs Minuten lang, riss dabei meterbreite Spalten im Boden auf und verwüstete das Stadtzentrum. An zahlreichen Stellen brachen Brände aus. Die Überlebenden der Erdstöße flüchteten sich in den Hafen und sahen dort, dass das Meer zurückgewichen war und einen mit Schiffswracks und verlorenen Waren bedeckten Seeboden freigab. Wenige Minuten danach überrollte eine Flutwelle den Hafen und schoss den Tejo flussaufwärts. Zwei kleinere Wellen folgten nach. Die Flutwellen löschten zwar die Feuer, rissen aber durch ihre Wucht die noch stehenden Gebäude mit sich. In den Gegenden, die nicht vom Tsunami betroffen waren, wüteten die Brände noch tagelang. Dem Erdbeben folgten zwei Nachbeben mit einer ungefähren Dauer von je zwei Minuten.

Lissabon war nicht allein von der Katastrophe betroffen. Besonders an der Algarve im Süden des Landes wurden alle Städte weitgehend zerstört. Das Beben war in ganz Europa spürbar, sogar in Finnland oder in Luxemburg, wo eine Kaserne einstürzte und mehrere Soldaten das Leben kostete, aber auch in Afrika, auf den Azoren und auf den Kapverden. In Schottland und der Schweiz kam es zu Seiches in Binnenseen, es stiegen die Wasserstände plötzlich an und kehrten wieder zum Normalstand zurück. Flutwellen von 20 Metern Höhe überrollten auch die Küste Nordafrikas und überquerten den Atlantik, wo sie Martinique und Barbados verwüsteten. Die englische Südküste wurde von einer 3 Meter hohen Flutwelle getroffen. In den Niederlanden und in Schweden wurden Schiffe aus ihren Verankerungen gerissen.

Der Katastrophe fielen bis zu 90.000 der 275.000 Einwohner Lissabons und der umliegenden Dörfer und Kleinstädte zum Opfer. Weitere 10.000 Menschen starben an der Mittelmeerküste, etwa im heutigen Marokko. Etwa 85 % aller Gebäude Lissabons wurden zerstört, darunter die berühmten königlichen Paläste und Bibliotheken, die brillante Beispiele der manuelinischen Architektur des 16. Jahrhunderts waren. Was nicht durch das Beben zerstört wurde, fiel den Flammen zum Opfer, etwa ein erst kurz zuvor eröffnetes großes Opernhaus. Der königliche Palast am Tejoufer, auf der heutigen Praça do Comércio, wurde ebenfalls zerstört, und mit ihm die riesige Staatsbibliothek mit über 70.000 Büchern und unwiederbringlichen Malereien von Tizian, Rubens oder Correggio. Auch die Aufzeichnungen von den Expeditionen Vasco da Gamas und anderer Seefahrer gingen verloren.

Das Erdbeben zerstörte auch fast alle religiösen Bauten von Lissabon, besonders die Kathedrale Santa Maria, die Basiliken von São Paulo, Santa Catarina und São Vicente de Fora, aber auch die Kirche Igreja da Misericórdia. Das Hospital Real de Todos os Santos (königliches Allerheiligenhospital) wurde durch die anschließenden Brände zerstört, wobei auch Hunderte der Patienten umkamen. Die Statue des Nationalhelden Nuno Alvares Pereira ging ebenfalls verloren. Bis heute stehen im Zentrum Lissabons die Ruinen des Convento do Carmo, die als Erinnerung an das Beben beim Wiederaufbau der Stadt in ihrem Zustand belassen wurden. Das Rotlichtviertel Lissabons, die Alfama, blieb allerdings verschont, wie auch große Teile der Oberstadt Lissabons.

Viele Tiere hatten die Gefahr gespürt und sich vor Ankunft des Tsunami in höher gelegene Gebiete geflüchtet. Beim Erdbeben von Lissabon wurde dieses Verhalten von Tieren zum ersten Mal in Europa von Menschen registriert.

Nur durch Zufall überlebten König José I. und seine Familie die Katastrophe. Der König befand sich nach der Morgenmesse des Allerheiligentages in Santa Maria de Belém, als sich das Beben ereignete. Josés Töchter hatten in Abwesenheit ihres Vaters die Stadt ebenfalls verlassen. Nach dem Beben entwickelte der König eine unkontrollierbare Angst davor, innerhalb von vier festen Wänden zu leben. Er zog es vor, eine riesige Zeltstadt in den Hügeln von Ajuda vor den Toren Lissabons errichten zu lassen und von da an dort zu residieren. Diese Klaustrophobie legte sich bis zu seinem Tod nicht. Erst nach dem Ableben des Königs ließ seine Tochter Maria I. den Palácio Nacional da Ajuda auf dem Platz der väterlichen Zeltstadt errichten.

Der Premierminister Sebastião de Mello, der spätere Marquês de Pombal, überlebte das Beben ebenfalls. Der Pragmatismus seiner Regierungsmethoden wird durch den ihm zugeschriebenen Ausspruch „Und nun? Beerdigt die Toten und ernährt die Lebenden.“ charakterisiert. Er begann sofort, die Rettungs- und Wiederaufbaumaßnahmen zu organisieren. Er stellte Truppen auf, die die Brände zu bekämpfen hatten, andere Truppen mussten Tausende von Leichen aus der Stadt entfernen. Um das Entstehen von Epidemien zu vermeiden, ließ er die Leichen auf Schiffe laden und im Meer bestatten, obwohl dies den damaligen Gebräuchen nicht entsprach und die katholische Kirche es ablehnte. Um Plünderer abzuschrecken, wurden an mehreren prominenten Stellen der Stadt Galgen aufgestellt, und es wurden auch 34 Personen unter dem Vorwurf des Plünderns hingerichtet. Die Armee wurde mobilisiert, um die Stadt abzuriegeln und die Flucht der Unversehrten aus der Stadt zu unterbinden, damit sie gezwungen waren, an den Aufräumarbeiten teilzunehmen.

Die Solidarität mit der Stadt am westlichen Rand Europas war groß, denn an nahezu jedem der großen europäischen Handelsplätze gab es Kaufleute, die eigene Filialen oder Geschäftspartner in Lissabon hatten. In England, das mit Portugal in engen Handelsbeziehungen stand, bewilligte das Parlament eine Soforthilfe von 100.000 Pfund.

Kurz nach der Krise engagierte der Premierminister unter der Leitung von Eugénio dos Santos und Carlos Mardel Architekten und Ingenieure, um den Wiederaufbau zu planen. Bereits ein Jahr nach dem Beben war Lissabon frei von Schutt und der Wiederaufbau hatte begonnen. Beim Wiederaufbau nutzte man die Gelegenheit, die Stadt großzügig und durchdacht zu planen, mit schachbrettartigem Grundriss, breiten Straßen und großen Plätzen. Nach dem Sinn solch breiter Straßen gefragt, soll Pombal geantwortet haben, dass sie eines Tages klein sein würden.

Es wurde auch versucht, die Gebäude erdbebensicher zu errichten. Dazu wurden Holzmodelle der Häuser gebaut, und man ließ Soldaten um sie herum marschieren, um Erschütterungen zu erzeugen. Das neu errichtete Stadtzentrum Lissabons, die Baixa Pombalina, ist heute eine der großen Touristenattraktionen der Stadt. Nach Pombals Prinzip wurden auch andere portugiesische Städte wiedererrichtet, etwa das an der Algarve gelegene Vila Real de Santo António.

Das Erdbeben schlug auch in der Innenpolitik Portugals große Wellen. Der Premierminister war zu dieser Zeit bereits ein Protegé des Königs, während die alteingesessene Aristokratie ihn aufgrund seiner Herkunft als Landjunker verunglimpfte. Der hohe Adelstitel eines Marquês de Pombal wurde ihm erst 1770, also 15 Jahre nach dem Erdbeben, verliehen. Der Premierminister verachtete seinerseits den Adel, den er als korrupt und unfähig zu konstruktivem Handeln bezeichnete. Während vor dem Beben ein zäher Machtkampf zwischen Premier und Aristokratie herrschte, änderte sich die Lage nun aufgrund der Kompetenz des Premiers rasch zu seinen Gunsten. Der König distanzierte sich langsam vom Adel. Der Machtkampf fand seinen Höhepunkt in einem Attentat auf den Monarchen, in dessen Folge der mächtige Herzog von Aveiro und der Távora-Clan eliminiert wurden.

Die Antworten auf diese Fragen sind bis heute erhalten und liegen im Torre do Tombo, dem Zentrum des Nationalarchivs von Portugal. Das Studium der Aussagen der Priester erlaubt es modernen Wissenschaftlern, das Beben zu rekonstruieren, was ohne die Umfrage des Marquês de Pombal nicht möglich gewesen wäre. Er wird deshalb als Vorläufer der modernen Seismologie betrachtet.

Die geologischen Ursachen, die zu dem Beben geführt haben, sind bis heute umstritten. Da Lissabon inmitten einer tektonischen Platte und nicht in einer Bruchzone liegt, ist ein Erdbeben solchen Ausmaßes ungewöhnlich, auch wenn Analysen darauf hinweisen, dass es regelmäßig alle 300 Jahre ein größeres Erdbeben gegeben haben muss. Es gibt eine Hypothese, die besagt, dass das Erdbeben auf den Beginn der Bildung einer Subduktionszone im Atlantischen Ozean hinweisen könnte.

Das Erdbeben warf auch für Philosophen und Theologen ein altes Problem neu auf: Wie kann ein allmächtiger und gütiger Gott ein so gewaltiges Unglück wie das Erdbeben von Lissabon zulassen? Warum hatte das Beben die Hauptstadt eines streng katholischen Landes getroffen, das sich auch für die Verbreitung des Christentums in der ganzen Welt eingesetzt hatte? Und warum überdies am Festtag Allerheiligen? Und warum waren zahlreiche Kirchen dem Beben zum Opfer gefallen, aber ausgerechnet das Rotlichtviertel Lissabons, die Alfama verschont geblieben? An diesem Diskurs beteiligten sich Gelehrte wie Voltaire, Kant und Lessing.

Viele Denker der Aufklärung wurden durch das Erdbeben stark beeinflusst. Zahlreiche zeitgenössische Philosophen erwähnen das Erdbeben in ihren Schriften oder spielen zumindest darauf an. Voltaire etwa schrieb ein Poème sur le désastre de Lisbonne (Gedicht über die Katastrophe von Lissabon). Vor allem aber inspirierte ihn das Beben in seinem Roman Candide zu einer bissigen Satire auf die Philosophie Leibniz' und Wolffs, wonach die existierende Welt die beste aller möglichen Welten sei. Theodor Adorno schrieb 1966 in Negative Dialektik (S. 361), das Erdbeben von Lissabon habe genügt, um Voltaire von der Theodizee Leibniz' zu heilen. Zwischen Voltaire und Rousseau entwickelte sich eine Kontroverse über den Optimismus und die Frage des Schlechten in der Welt. Adorno sah eine Analogie zwischen dem Erdbeben von 1755 und dem Holocaust; beide Katastrophen seien so groß gewesen, dass sie die europäische Kultur und Philosophie zu transformieren vermochten.

Der junge Immanuel Kant war von dem Beben fasziniert und sammelte alle Informationen darüber, die ihm zugänglich waren. Kant veröffentlichte drei Texte über das Erdbeben und versuchte eine Theorie über die Entstehung von Erdbeben zu formulieren. Kants Theorie, die annahm, dass es unter dem Meeresboden riesige, mit heißen Gasen gefüllte Höhlen gebe, stellte sich zwar später als falsch heraus, war jedoch einer der ersten systematischen Versuche, Erdbeben auf natürliche Ursachen zurückzuführen. Walter Benjamin schreibt, dass das erste Buch Kants über das Erdbeben wahrscheinlich der Anfang der wissenschaftlichen Geographie in Deutschland, und sicherlich auch der Seismologie, gewesen sei. Auch Kants Theorie des Erhabenen ist vom Erlebnis der Katastrophe von Lissabon beeinflusst.

Werner Hamacher behauptet, dass die Grundlage der Philosophie von René Descartes im Gefolge des Bebens zu wanken begann und das Erdbeben sogar Auswirkungen auf das Vokabular der Philosophie gehabt habe. Die häufig gebrauchte Metapher einer festen Grundlage für die Argumente eines Philosophen sei angesichts des Bebens zu einer Worthülse verkommen.

In der Literatur wurde die Theodizeeproblematik bis heute immer wieder mit den Geschehnissen vom 1. November 1755 verknüpft. Von Voltaires philosophischem Roman Candide oder der Optimismus (1759) und Kleists Erzählung Das Erdbeben von Chili (1807) über Reinhold Schneiders Erzählung Das Erdbeben (1932) bis zur Verwendung in Peter Sloterdijks Roman Der Zauberbaum (1985) und einem Radioessay für Kinder aus der Feder Walter Benjamins wurde das Erdbeben von Lissabon zum Sinnbild für die Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts des Übels in der Welt.

Goethe, der zur Zeit des Erdbebens sechs Jahre alt war, versucht in seinem 1811 entstandenen Werk aus einem Abstand von mehr als fünf Jahrzehnten die damalige Perspektive des Kindes zu rekonstruieren und den Eindruck zu schildern, den das Erdbeben auf ihn gemacht hatte. Für die sachlichen Angaben orientierte er sich an zeitgenössischen Beschreibungen, vor allem an der 1756 in Danzig erschienenen Schrift Beschreibung des Erdbebens, welches die Hauptstadt Lissabon und viele andere Städte in Portugall und Spanien theils ganz umgeworfen, theils sehr beschädigt hat, die er im Mai 1811 aus der Weimarer Bibliothek entliehen hatte.

Portugal liegt eigentlich nicht in einer seismisch besonders aktiven Region. Im Atlantik vor der iberischen Halbinsel stoßen keine Kontinentalplatten zusammen, wie es in ausgezeichneten Erdbebenregionen der Fall ist, man spricht von einem passiven Kontinentalrand. Auf Höhe von Cádiz verläuft jedoch im Atlantik in ost-westlicher Richtung eine tektonische Verwerfung, die so genannte Gloria-Blattverschiebung. Von einigen Geologen wird auf ihr der Ort des Epizentrums gesucht, jedoch ist diese Stelle recht unwahrscheinlich.

Abgetragenes und weggeschwemmtes Material aus Spanien und Marokko bildet zudem den Gibraltar-Sedimentkeil, der sich westlich von Gibraltar in den Atlantik erstreckt. Einige Geologen halten ihn für eine beginnende Subduktionszone, von der das Erdbeben von Lissabon ausgegangen sein könnte. Zwei weitere tektonische Besonderheiten, die Gorringe-Bank und die Marquês-de-Pombal-Verwerfung, liegen auf Höhe der portugiesischen Südküste. Jedoch hat nur die Gorringe-Bank eine ausreichende Größe, um als Epizentrum eines so schweren Erdbebens in Betracht gezogen zu werden. Gegen diese These spricht, dass sich der Meeresboden um mehr als 20 Meter verschoben haben müsste, außerdem wäre ein von der Gorringe-Bank ausgehendes Erdbeben in Marokko nicht so stark spürbar gewesen.

Am wahrscheinlichsten für das Epizentrum des Erdbebens von Lissabon ist der Punkt, an dem die Gloria-Blattverschiebung und der Gibraltar-Sedimentkeil zusammenstoßen (etwa 160 km südwestlich von Lissabon). Dort entdeckten im Frühjahr 2005 französische Forscher Anzeichen auf eine nicht mehr aktive Subduktionszone, die Strukturen einer vergangenen Verschiebung aufweist. Berechnungen deuten darauf hin, dass sich dort entstehende Spannungen durchaus in einem schweren Erdbeben entladen können. Weitere Bestärkung erhält diese These durch Computermodelle, in denen der Verlauf des Erdbebens aufgrund von Augenzeugenberichten rekonstruiert wurde. Laut diesen Berechnungen ist der Tsunami entstanden, weil sich der Meeresboden an einer Stelle um 11 Meter gehoben und an einer anderen um 6 Meter gesenkt hat, wobei etwa ein Kubikkilometer Gestein bewegt wurde. Untersuchungen des Meeresgrundes im Golf von Cádiz ließen Sedimentschichten erkennen, die wahrscheinlich durch untermeerische Erdrutsche, wie sie bei Seebeben auftreten, entstanden sind. Es ergab sich, dass solche charakteristischen Sedimentschichten etwa alle 1000 bis 2000 Jahre auftreten, zuletzt vor etwa 250 Jahren, was die stärkste Stütze der Theorie darstellt.

In der Region um Cádiz fanden sich auch auf dem Festland Sedimentablagerungen, die aufgrund ihres Alters als vom Tsunami angeschwemmtes Material identifiziert wurden. Darunter fanden sich weitere Schichten, die auf frühere Tsunamis hindeuten.

Heute gilt die Region um Lissabon als wenig erdbebengefährdet, jedoch kam es 1969 zu einem Beben der Stärke 7,9 auf der Richterskala in einem Gebiet ca. 300 km von Lissabon entfernt. Im Mai 2003 sowie im Januar und Februar 2004 wurden leichtere Erdbeben in Nordafrika gemessen. Um künftigen Katastrophen vorzubeugen, werden Beobachtungspunkte am Meeresboden angelegt. Sie sollen Temperatur- und Druckschwankungen messen, die auf Spannungen in der Erdkruste hindeuten, die sich in einem Erdbeben entladen können.

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Benfica Lissabon

Emblem von SL Benfica

SL Benfica, offiziell Sport Lisboa e Benfica, häufigster Sprachgebrauch – SLB – ist ein portugiesischer Sportverein. Der Verein, der neben Fußball u.a. auch die Abteilungen Basketball, Rollhockey, Radsport, Volleyball und Handball betreibt, wurde 1904 gegründet. Die Vereinsfarben sind Rot und Weiß. Der Austragungsort der Heimspiele ist das Estádio da Luz, das Platz für 65.400 Besucher bietet und in dem das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft 2004 stattfand. Benficas größte Rivalen sind der auch aus Lissabon stammende Klub Sporting CP und der aus Porto stammende Verein FC Porto. Mit 165.000 Mitgliedern (November 2008) ist Benfica der größte Verein der Welt nach den Mitgliederzahlen. Mit diesem Rekord steht Benfica auch im Guinness Buch der Rekorde.

Benfica gehörte in den 1960er Jahren zu den besten Mannschaften Europas und ist nationaler Rekordmeister. Es ist der Verein des legendären portugiesischen Spielers der 1960er Jahre Eusébio.

Durch den Tod des ungarischen Nationalspielers Miklós Fehér, der während eines Spiels zusammenbrach, sorgte Benfica in der Saison 2003/04 für trauriges Aufsehen. Seit dessen Tod wird das Trikot mit der Nummer 29 zu seinen Ehren nicht mehr vergeben.

Benfica gewann zwei mal den Europapokal der Landesmeister (1961 und 1962) und scheiterte fünf mal im Finale. (1963, 1965, 1968, 1988 und 1990). Benfica wurde 31 mal portugiesischer Meister und 27-mal portugiesischer Pokalsieger und gewann vier mal den Portugiesischen Super-Cup.

Radsport war die zweite Abteilung, die im Club eingeführt wurde. Sie ist auch, mit Fußball zusammen, die einzige, die im Vereinslogo integriert ist. Die Abteilung war zum ersten Mal zwischen 1906 und 1941 aktiv. Danach nochmals von 1947 bis 1978 und 1999 und 2000. Man feierte große nationale Erfolge, so wurde die Portugal-Rundfahrt insgesamt neunmal gewonnen. Zuletzt siegte der Spanier David Plaza 1999. In diesem Jahr nahm das Team auch an der Vuelta a España teil. 2006 wurde beschlossen, dass die Abteilung ab 2007 wieder aktiv wird. Es wird voraussichtlich als Professional Continental Team in die neue Saison gehen. Ende der Saison 2008 löste sich die Mannschaft nach erfolgloser Sponsorensuche auf.

Der Kopf der Abteilung ist der ehemalige Fahrer Orlando Rodrigues.

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Bahnhof Lissabon Santa Apolónia

Eingangsgebäude des Lissabonner Bahnhofes Santa Apolónia

Der Bahnhof Lissabon Santa Apolónia, auf Portugiesisch Estação de Caminhos de Ferro de Santa Apolónia, , ist ein 1865 eröffneter Kopfbahnhof in der Innenstadt der portugiesischen Hauptstadt Lissabon, er befindet sich am Ufer des Tejos im Stadtteil São Vicente de Fora. Am Bahnhof enden und beginnen die wichtigsten internationale Fernverkehrszüge ins Ausland (Sud-Express, Hotelzüge nach Madrid), der nationale Hochgeschwindigkeitsverkehr in den Norden Portugals (Alfa Pendular, Intercidades), die Regionalzüge nach Entroncamento und Tomar sowie der Vorortverkehr der Linha de Azambuja über Vila Franca de Xira nach Azambuja. Er übernimmt daher die Funktion eines Hauptbahnhofs der portugiesischen Hauptstadt.

Die ersten Züge in Portugal überhaupt fuhren 1856 vom sogenannten Cais dos Soldados, zu deutsch „Soldatenbahnsteig“ oder „Soldatenkai“, bis ins 36 Kilometer entfernte Carregado in der Nähe der Stadt Vila Franca de Xira. Dieser noch sehr provisorische Bahnsteig befand sich in der Nähe des heutigen Bahnhofes. Dies bildete die Grundlage für den weiteren Ausbau der portugiesischen Eisenbahn; ab 1861 fuhren die ersten Züge bis weiter nach Santarém, ab 1863 bis nach Spanien über Elvas. Um den wachsenenden Eisenbahnverkehr die entsprechende Prestigezwänge in der portugiesischen Hauptstadt zu erfüllen, ließ die königliche Eisenbahngesellschaft Companhia Real dos Caminhos de Ferro Portugueses zum 1. Mai 1865 ein einstöckiges Bahnhofsgebäude für den Kopfbahnhof errichten. Der Name Santa Apolónia, zu deutsch Heilige Apolonia, stammt von einem gleichnamigen Frauenkloster, das sich zuvor auf dem heutigen Bahnhofsgelände befand.

Bereits seit der Eröffnung des Bahnhofes Santa Apolónia und des zwei Kilometer westlich gelegenen Bahnhofes Cais do Sodré 1895 gab es die Planungen die Linha do Norte von Santarém her und die Linha de Cascais aus den westlich gelegenen Vororten Cascais und Estoril zu verbinden und unter dem innerstädtischen Praça do Comércio einen möglicherweise unterirdischen Zentralbahnhof anzulegen. Aufgrund der Unfinanzierbarkeit dieser Idee wird diese Planung heute nicht mehr weiterverfolgt.

Dadurch dass diese Planung nicht verwirklicht wurde, entwickelte sich der Bahnhof Santa Apolónia mehr und mehr zum Hauptbahnhof Lissabons, trotz der für innerstädtische Verhältnisse relativ großen Entfernung bis zum Zentrums Lissabons um den Praça do Comércio und den Praça da Figueira. Diese Funktion besaß vor der Eröffnung des Bahnhofes und der Verlegung aller internationalen Züge nach Santa Apolónia der Bahnhof am Rossio.

Ab 1877 waren mit der Vollendung der Douro-Brücke Ponte Maria Pia in Porto erstmals auch direkte Züge zwischen den beiden größten Städten Portugals möglich. Aufgrund der wachsenden Bedeutung der Eisenbahn allgemein und des Bahnhofes Santa Apolónia beschlossen die staatlichen Eisenbahnen das Empfangs- und Bahnhofsgebäude umzubauen. Seit 1908 präsentiert sich dem Fahrgast das bis heute weitestgehend gleiche Bahnhofsgebäude. So fahren zwei Züge bis direkt unter die Halle und halten somit mehr oder weniger direkt am Eingang. Als Ergänzung gibt es zwei weitere Außenbahnsteige mit vier Gleisen, die Züge dafür halten kurz vor der Halle.

Am 10. Juni 1981, am portugiesischen Nationalfeiertag, stellte die Stadtverwaltung auf Initiative des portugiesischen Nachrichtenblattes Tempo eine Denkmal für die zahlreichen portugiesischen Auswanderer mit dem Titel „Ao emigrante português“ („Für den portugiesischen Emigranten“) auf. Der Bahnhof Santa Apolónia spielte dabei immer eine besondere Rolle, stellte und stellt er doch bis heute durch seine internationalen Zugverbindungen quasi das „Tor zur Welt“ dar. So begann für viele Auswanderer ihre Reise ins „neue Leben“ bereits am diesem Bahnhof. Beispielsweise leben allein in Frankreich heute etwa zwei Millionen Portugiesen, in Deutschland etwa 150.000.

Im Zusammenhang mit der Verlängerung der Metro 2007 ließ die Betreiberin des portugiesischen Schienennetzes und der Bahnhofseinrichtungen, die REFER, den Bahnhof komplett sanieren. Allgemein wurde mehr Platz geschaffen und die Beleuchtung verbessert, eine Erneuerung des himmelblauen Anstriches, der Türen, Fenster und des Bodens stand ebenso an. Dadurch, dass der Bahnhof auch besonders ein Ziel der Interrail-Touristen ist, legt die REFER auf Mehrsprachigkeit mit einem speziellen Auslandsschalter besonderes Augenmerk.

Im Rahmen des Neubaus von Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen Porto und Lissabon sowie Lissabon und Madrid, die über eine neue, dritte Tejobrücke führen soll, wird der Bahnhnof an Bedeutung verlieren. Da dann die Funktion des Hauptbahnhofes auf den ausgebauten Bahnhof Lissabon Oriente übergehen wird, plant die Lissabonner Stadtverwaltung den Bahnhof zu schließen und das Bahngelände zu Gunsten des verschuldeten staatlichen Schienennetzbetreibers REFER zu veräußern; das Bahnhofsgebäude soll zu einem Kreuzfahrtschiffterminal umgenutzt werden. Die lokale Wirtschaft als auch die Eisenbahngesellschaft CP widersprechen den Plänen.

Die Lissabonner Metro, 1956 eröffnet, hatte bis 2007 nie einen direkten Anschluss an den Bahnhof Santa Apolónia. Eine Straßenbahnanbindung gab es nur bis etwa 1990, seitdem war das letzte Stück zwischen der Rua de Alfândega und dem Bahnhof eingestellt, die Gleise sind bis heute im Asphalt noch sichtbar. Daher bot sich über Jahre hinweg nur ein Anschluss mit Bussen oder mit Regionalzügen selbst, die für Lissabonner jedoch nur in geringem Maße geeignet waren.

Seitdem jedoch die U-förmige U-Bahnstrecke zwischen den U-Bahnhöfen Jardim Zoológico und Alvalade in zwei eigenen Linien aufgespalten wurden (Linha Azul und Linha Verde), war es geplant jeweils eine Linie bis zu jeweils einem der beiden großen Bahnhöfe am Tejoufer zu verlängern. Seit 1998 fährt die Linha Verde bis zum Bahnhof Cais do Sodré, seitdem sollte auch die Linha Azul bis zum Bahnhof Santa Apolónia fahren. Die Bauarbeiten dafür begannen 1997, zogen sich jedoch wegen des sehr komplizierten Untergrundes und eines schweren Wassereinbruches hin. Letztendlich konnte die Betreibergesellschaft der Metro Lissabon, die Metropolitano de Lisboa, EP am 19. Dezember 2007 die Strecke zwischen den Bahnhöfen Baixa-Chiado bis zum Bahnhof Santa Apolónia in Betrieb nehmen.

Der Architekt Leopoldo Rosa entwarf für den U-Bahnhof zwei nüchterne Seitenbahnsteige, durch hellblaue Leuchtelemente und blaue Wandfarben soll ein Bezug zum nahen Tejo geschaffen werden. Der Künstler José Santa-Bárbara gestaltete das Zwischengeschoss mit den bei portugiesischen Eisenbahnhöfen üblichen Azulejos und versuchte auf diesem Wege eine weitere, abstrakte Bezugnahme zum Nachbarbahnhof zu schaffen. Der Bahnhof liegt direkt parallel zu Bahnhofsgebäude der Eisenbahn, so besteht ein direkter Zugang zwischen den beiden Verkehrsmitteln. Zusätzlich besitzt der U-Bahnhof auch noch einen Ausgang zum Kreuzfahrtschiffterminal am Tejo.

Neun Monate nach der Eröffnung des Bahnhofes stellte die Betreibergesellschaft fest, dass statt der geplanten 8000 Fahrgäste 15.000 Fahrgäste pro Tag den Bahnhof benutzen.

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Source : Wikipedia