Kieler Woche

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Geschrieben von tron 25/03/2009 @ 04:11

Tags : kieler woche, segelsportler, segelsport, wassersport, sport

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Kieler Woche

Yacht der IACC-Klasse bei der Kieler Woche 2005

Die Kieler Woche ist eine jährlich stattfindende Segelregatta, die seit Ende des 19. Jahrhunderts in Kiel ausgetragen wird. Sie ist heute das größte Segelsportereignis der Welt und zugleich das größte Sommerfest im Norden Europas.

Die Kieler Woche fand erstmals am 23. Juli 1882 statt; mittlerweile findet sie jedes Jahr in der letzten vollen Juniwoche statt und wird bereits am Samstag davor mit dem so genannten Glasen und dem Holstenbummel eröffnet. Noch einen Tag früher, am Freitagabend, beginnt mit dem Soundcheck auf den Bühnen in der Kieler Innenstadt das Volksfest. Die Kieler Woche endet am Sonntagabend um 23:00 Uhr mit einem 20-minütigen Feuerwerk über der Innenförde.

Große Besucherzahlen zieht die Kieler Woche auch durch die zahlreichen Bands an, welche die gesamten zehn Tage der Kieler Woche auf den verschiedenen Bühnen auftreten. Die Darbietungen reichen von lokalen Gruppen, die auf den kleineren Bühnen wie „Junge Bühne“ aber auch den größeren auftreten, bis zu überregional und international bekannten Bands und Comedians etc.

Die meisten Segelregatten beginnen in Schilksee (im Olympiazentrum Schilksee), dort liegt zum großen Teil das sportliche Zentrum der Kieler Woche. Aber auch an der Kiellinie entlang der Kieler Förde kann man vor allem vom Westufer aus weitere, kleinere Sportaktivitäten verfolgen wie Marinekutterregatten, Optimistensegeln, Kanupolo oder klassisches Kutterpullen. Die traditionelle Eröffnungsregatta der Kieler Woche, die „Aalregatta“ Kiel–Eckernförde–Kiel (seit 1893, seit 1906 als Teil der Kieler Woche) wurde 2006 durch das „Welcome Race“ nach Laboe ersetzt, wird nun aber mit Ziel Schilksee als eigenständige Veranstaltung weitergeführt.

Außer etwa 5000 Seglern, die auf 2000 Booten die Wettbewerbe bestreiten, kommen jedes Jahr über drei Millionen Besucher in die Stadt.

Um das Segelevent hat sich seit langem das größte Volksfest Nordeuropas etabliert. Entlang der Kiellinie und neuerdings auch auf dem Willy-Brandt-Ufer an der umgebauten Hörn sind Bühnen und Stände aufgebaut, auf dem Rathausplatz und in der Fußgängerzone werden auf dem sogenannten Internationalen Markt Spezialitäten verschiedener Länder angeboten. Es finden verschiedene Kulturveranstaltungen statt.

Für Kinder gibt es ein spezielles Programm auf der Spiellinie. Viele Sponsoren – vor allem aus der schleswig-holsteinischen Medienlandschaft – sorgen auf mehreren Bühnen für kostenlose Konzerte bekannter und weniger bekannter Bands, Komödianten und Folkloregruppen. Aber auch am Rand der Kiellinie und in der Stadt finden sich kleinere Amateurbands und -schausteller, die ihre Künste darbieten.

Einen Höhepunkt der Kieler Woche bildet eine große Windjammerparade, oft angeführt von der Gorch Fock, mit rund 100 Windjammern und Traditionsseglern sowie Hunderten von Segelyachten auf der Kieler Förde.

Ein weiteres Beispiel für die kulturelle Positionierung und gestalterische Tradition der Kieler Woche ist das Design des visuellen Auftritts. In diesem Kontext stellt eine Jury eine Auswahl namhafter Grafikerinnen und Grafiker zusammen und lädt diese dann zum Wettbewerb um das Corporate Design der Festwoche ein. Eine Einladung gilt bereits als Auszeichnung, da der Gestaltungswettstreit ein hohes Ansehen genießt und viele Motive mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet wurden.

Ernst Irmler (1953), Anton Stankowski (1962), Hans Hillmann (1964), Michael Engelmann (1965) Bruno K. Wiese (1971), Rolf Müller (1972), Otto Treumann (1975) Ruedi Baur (1986), Rosemarie Tissi (1990), Hans Günther Schmitz (1992), Christof Gassner (1993), Siegfried Odermatt (1994), Willem Hendrik Crouwel (1998), Fons M. Hickmann (2002), Klaus Hesse (2006), Markus Dreßen (2007), Peter Zizka (2008) und Henning Wagenbreth (2009).

Die Reihe der Kieler-Woche-Plakate ist zugleich ein Spiegelbild der jüngeren Grafikgeschichte. Die Motive werden auf vielerlei Objekten aufgebracht und nahezu alle dieser meist vom Wettbewerbsgewinner selbst entwickelten Anwendungen genießen nach kurzer Zeit Sammlerstatus.

Am 23. Juli 1882 starteten 20 Yachten (darunter eine dänische) zu einer Regatta vor Düsternbrook. Des großen Erfolgs wegen wurde die Regatta in den folgenden Jahren wiederholt. So fanden zwei Jahre später die Segelwettfahrten bereits auf eine ganze Woche verteilt statt. Der Name „Kieler Woche“ entstand durch einen Journalisten. 1889 besuchte zum ersten Mal Kaiser Wilhelm II. die Kieler Regatten. Er war Kommodore im Kaiserlichen Yacht Club Kiel und förderte den Segelsport ebenso wie sein Bruder Heinrich von Preußen. Erstmals lagen 1892 100 Meldungen vor.

In der Presse wurde 1894 das Ereignis zum ersten Mal „Kieler Woche“ genannt. Kaiser Wilhelm II. ist nun mit seiner Meteor regelmäßiger Gast. Im Rahmen der Kieler Woche 1895 wurde der Kaiser-Wilhelm-Kanal (heute Nord-Ostsee-Kanal) eröffnet. Die Kieler Woche wurde 1907 25 Jahre alt. Im ersten Vierteljahrhundert gingen fast 6000 Boote an den Start. Mit der Eröffnung der neuen Kanalschleusen des Kaiser-Wilhelm-Kanals wurde 1914 ein neuer Höhepunkt gesetzt. Während der Kieler Woche, am 28. Juni, wurde der österreichische Thronfolger in Sarajevo ermordet, woraufhin die Regatta abgebrochen wurde. Während des folgenden Ersten Weltkriegs wurde keine Kieler Woche veranstaltet (1914–1919). Die Kieler Woche wurde 1934 von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken missbraucht. Kiel wurde 1936 zum ersten mal Austragungsort der Olympischen Segelwettbewerbe. 1937–1939 wurde die Kieler Woche vom Yacht-Club von Deutschland veranstaltet. In den Kriegsjahren zwischen 1940 und 1944 fand die Kieler Woche nicht statt. 1945 wurde die erste Segelwoche nach dem Zweiten Weltkrieg von der britischen Besatzungsmacht unter dem Namen „Kiel-Week“ veranstaltet. Eine neue Festwoche im September wurde 1947 unter dem Namen Kiel im Aufbau gefeiert. Ende Juni 1948 fand die erste Kieler Woche nach dem Krieg statt. Im September 1948 wurde Kiel im Aufbau zum zweiten Mal veranstaltet. Kiel im Aufbau wurde 1949 in die Kieler Woche eingegliedert. Mit Theodor Heuss besuchte 1950 zum ersten Mal der Bundespräsident die Kieler Woche. Bedeutende Bühnen und Orchester aus allen skandinavischen Staaten setzten 1962 neue Akzente im kulturellen Teil. Zum zweiten Mal wurden die Olympischen Segelwettbewerbe 1972 in Kiel ausgetragen. Den Abschluss bildete eine große Windjammerparade. Nach dem Vorbild der Olympischen Spielstraße wurde auf der Kiellinie (eine Promenade am Fördeufer) 1974 die Spiellinie eingerichtet. 1982 feierte die Kieler Woche feiert ihr hundertjähriges Bestehen. 1994 wurde die 100. Kieler Woche veranstaltet. (In den Kriegsjahren fanden keine Kieler Wochen statt). Im Mittelpunkt der Kieler Woche stand 1995 das 100-jährige Bestehen des Nord-Ostsee-Kanals. Seit 1948 warb 1997 zum 50. Mal ein Kieler-Woche-Plakat für die Festwoche. 2007 feierte die Kieler Woche ihr 125-jähriges Bestehen.

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Kiel

Wappen der Stadt Kiel

Kiel ist die Landeshauptstadt und mit etwa 237.000 Einwohnern größte Stadt des norddeutschen Bundeslandes Schleswig-Holstein. Die Stadt Kiel liegt an der Kieler Förde und am Nord-Ostsee-Kanal. Die nächstgelegene Metropole ist das etwa 90 km südlich von Kiel gelegene Hamburg. International bekannt ist Kiel im Sport durch das Segelereignis Kieler Woche und den Handballverein THW Kiel. Wirtschaftlich bedeutsam ist der Kieler Ostseehafen, der lokale Schiffbau und der Dienstleistungssektor. Die Stadt Kiel ist zudem ein Stützpunkt der Deutschen Marine und Sitz der 1665 gegründeten Christian-Albrechts-Universität.

Kiel verfügt mit der Kieler Förde als Tiefseehafen über einen der wichtigsten Seehafenschlüsse an der Ostsee und erstreckt sich hufeisenförmig um seinen Naturhafen. Durch Kiel verläuft die Wasserscheide zwischen Nordsee und Ostsee. So berührt ebenso wie die Schwentine der Fluss Eider, der in die Nordsee mündet, Kieler Stadtgebiet, außerdem endet der Nord-Ostsee-Kanal im Stadtteil Kiel-Holtenau. Die Umgebung Kiels ist von Moränenhügeln geprägt und geht im Osten der Stadt direkt in die Holsteinische Schweiz über.

Das Stadtgebiet Kiels ist in 30 Stadtteile eingeteilt. Meistens bilden ein oder mehrere Stadtteile zusammen einen der insgesamt 18 Ortsbezirke mit je einem Ortsbeirat. Diese Gremien werden von der Ratsversammlung (Gemeinderat) der Gesamtstadt nach jeder Kommunalwahl neu bestimmt und sind zu wichtigen, den Ortsbezirk betreffenden Angelegenheiten zu hören. Sie können auch Anträge, die den Stadtteil betreffen, an die Ratsversammlung stellen, damit diese dort beraten bzw. beschlossen werden.

Kiel wurde zwischen 1233 und 1242 von Graf Adolf IV. von Holstein aus dem Hause Schauenburg gegründet. Nur bei Kiel stieß das sächsische Territorium an die Ostsee – nördlich der Levensau lag Schleswig und damit dänisches Gebiet, östlich der Schwentine hinter dem Limes Saxoniae lag Wagrien und damit slawisches Gebiet, das zu dieser Zeit noch nicht fest in der Hand der holsteinischen Grafen war. Daher war diese Stelle an der Förde die einzige Möglichkeit für einen sächsischen Ostseehafen. Als solcher wurde Kiel als eine der nördlichsten Städte im Heiligen Römischen Reich planmäßig angelegt. Gleichzeitig stiftete Graf Adolf das Franziskanerkloster, in dem er auch seinen Lebensabend verbrachte. 1242 wurde Kiel das Lübische Stadtrecht verliehen.

Der ursprüngliche Stadtname lautete Holstenstadt tom Kyle (die Holstenstadt an der Förde). Das y im alten Namen ist ein langes i. Im Sprachgebrauch wurde der lange Name zu tom Kyle verkürzt und schließlich zu Kiel. Kiel (Niederdeutsch ≈ Keil) bedeutet hier im Speziellen höchstwahrscheinlich die Förde, eine Meeresbucht, die sich weit ins Land hinein schneidet. Auch ein nordischer Ursprung ist denkbar. (altnordisch: Kíll ≈ schmale Bucht).

Kiels Fernhandel blieb weit hinter dem Lübecks und Flensburgs zurück. Zwar trat die Stadt 1283 in die Hanse ein, beteiligte sich aber kaum an gemeinsamen Aktivitäten und konnte auch die Handelsprivilegien kaum ausnutzen: Der landesherrliche Einfluss auf den Handel war hier stärker als in den freien Städten. All diese Nachteile führten 1518 zum Ausschluss aus der Hanse. Sehr viel wichtiger war der Kieler Umschlag, der 1469 erstmalig erwähnt wird, aber vermutlich bereits länger bestand. Eine Woche lang (vom 6. bis 14. Januar) wurden Geldgeschäfte betrieben. Dafür reisten die Interessenten aus dem ganzen Land an. Anschließend feierte man ein Volksfest, das es noch heute gibt.

Im Jahr 1301 war Kiel bereits befestigt, ab 1329 war die Stadt von einer steinernen Stadtmauer umgeben. Bis ins späte 16. Jahrhundert blieb das besiedelte Gebiet weitgehend auf die kleine Altstadt beschränkt. Neben dem Franziskanerkloster gab es nur eine Kirche, die bereits um 1240 fertiggestellte Nikolaikirche.

Die Reformation begann in Kiel 1526, als der Kieler Bürgersohn Marquard Schuldorp, der bei Martin Luther in Wittenberg studiert hatte, seinen Dienst als Vikar begann. 1527 lud König Friedrich I. Melchior Hofmann als Laienprediger nach Kiel ein. Hofmanns Lehre vom Abendmahl, derzufolge Brot und Wein nur Christi Leib bedeuten, widersprach der lutherischen Position, nach der Christus im Sakrament anwesend ist. Hofmann und Schuldorp sollen sich daher sogar auf der Kanzel geprügelt haben. 1529 wurden Hofmann und seine Anhänger dann des Landes verwiesen. Kiel erhielt eine Kirchenordnung. Das Franziskanerkloster wurde aufgelöst und das Gebäude der Stadt übereignet, die es als Schule und später als Hospital nutzte.

Im Verlauf des 16. Jahrhunderts und frühen 17. Jahrhunderts gelang es den Herzögen, die älteren Privilegien einiger Städte schrittweise abzubauen; so wurde auch Kiel gezwungen, beim Herrschaftsantritt von Herzog Friedrich III. einen speziellen Huldigungseid zu leisten, der die vormals „privilegierte Stadt“ auf den Status einer erbuntertänigen Körperschaft reduzierte.

1665 gründete Herzog Christian Albrecht von Gottorf die Christian-Albrechts-Universität, die nördlichste Universität im römisch-deutschen Reich, im Gebäude des ehemaligen Kieler Klosters. Die Universität hatte ursprünglich theologische, juristische, medizinische und philosophische Fakultäten und zog bald in eigene Gebäude um. Die Kieler Bürger waren anfänglich wenig begeistert, denn die Stadt hatte nicht nur die Gebäude zur Verfügung zu stellen, sondern auch die oft flegelhaften Studenten – schon 1700 waren es über 300 bei einer Einwohnerschaft von nur knapp 4000 Menschen – zu ertragen, die wie die übrigen Universitätsangehörigen nicht der städtischen Gerichtsbarkeit unterstanden. Zudem zahlten die Universitätsdozenten keine Steuern. Trotzdem profitierte man wirtschaftlich von der Hochschule, an der schon bald auch bedeutende Gelehrte tätig waren.

Nachdem die Gottorfer Herzöge 1721 ihre Besitzungen in Schleswig verloren hatten, wurde Kiel für ein halbes Jahrhundert Hauptort und Residenz des verbliebenen Territoriums. 1728 wurde im Kieler Schloss der spätere russische Zar Peter III. als Sohn des Herzogs Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf geboren. Als Zar plante Peter einen Feldzug gegen Dänemark; nur sein früher Tod ersparte Kiel und den Elbherzogtümern einen erneuten Krieg.

Peters Witwe, die Zarin Katharina die Große, überließ 1773 die Reste des Herzogtums, und damit auch Kiel, dem dänischen König. Dieser regierte die Stadt fortan in seiner Eigenschaft als Herzog von Holstein. Die Universität erlebte nun einen erheblichen Aufschwung; 1803 erfolgte die Einrichtung eines Botanischen Gartens, der der erste seiner Art in Deutschland war.

Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 wurden Kiel und Holstein für einige Jahre staatsrechtlich Teile Dänemarks. Im Rahmen der Napoleonischen Kriege wurde Kiel im "Kosakenwinter" 1813 von den Schweden eingenommen; 1814 schloss man den Frieden von Kiel: Das Herzogtum Holstein wurde weiter vom dänischen König regiert, doch wurde es 1815 Mitglied des Deutschen Bundes. Damit gehörte auch Kiel formal wieder zu Deutschland. 1817 nahmen so auch Kieler Studenten am Wartburgfest teil. Die Kieler Universität wurde in den folgenden Jahren zu einem Zentrum der Burschenschaftsbewegung. Nicht ohne Grund wählte der Urburschenschafter und Absolvent der Kieler Universität Uwe Jens Lornsen deshalb 1830 Kiel als den Ort, wo er Über das Verfassungswerk in Schleswigholstein veröffentlichte, eine der einflussreichsten Streitschriften des Vormärz. Er wurde von Franz Hermann Hegewisch unterstützt, der später einer der wichtigsten Propagatoren der Eisenbahnverbindung mit Altona war.

1838 erfolgte die Gründung der Maschinenbauanstalt Schweffel und Howaldt; dies war Kiels erster großer Industriebetrieb, aus dem später die heutige Werft HDW hervorging. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie nach Altona (König-Christian VIII.-Ostseebahn) wurde der Ostseehafen Kiel dann bereits 1844 mit Elbe und Nordsee verbunden. Mit dem Brandtaucher wurde 1850 in Kiel das erste Unterseeboot der Welt gebaut.

In Kiel konstituierte sich 1848 eine provisorische schleswig-holsteinische Regierung, die die beiden Herzogtümer in einen Krieg gegen Dänemark führte, den Schleswig-Holsteinischen Krieg. Dieser Versuch, sich von der dänischen Krone zu lösen und souveränes Mitglied im Deutschen Bund zu werden, scheiterte aber.

Die Kieler Werftarbeiter begannen sich 1873 zu organisieren: Es kam zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Schiffszimmerer-Vereins. 1878 nahm mit der Kaiserlichen Werft Kiel die dritte Großwerft ihren eigentlichen Betrieb auf (vorher - seit 1865 - Marinedepot). Die erste Kieler Woche fand 1882 statt; seit 1885 wurde sie als Kombination von Schiffsparade, Segelregatten und Volksfest veranstaltet und sollte sich im Laufe der Zeit zu einem weltweit bekannten Segelsportereignis und dem drittgrößten Volksfest Deutschlands (nach dem Oktoberfest und dem Cannstatter Volksfest) entwickeln. Kaiser Wilhelm II. war ein regelmäßiger Gast der Veranstaltung.

1883 schied Kiel aus dem gleichnamigen Kreis aus und wurde eine kreisfreie Stadt; neuer Sitz des Kreises Kiel wurde die Stadt Bordesholm. Kiel wurde 1887 deutscher Reichskriegshafen; es setzte ein rasantes Bevölkerungswachstum durch die Ansiedlung der Werftindustrie ein. Deren Beschäftigte organisierten sich rasch: Das Kieler Gewerkschaftskartell wurde 1893 gegründet und hatte zu Anfang 2.900 Mitglieder.

1895 erfolgte die Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute Nord-Ostsee-Kanal), welcher bald die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt wurde. In der Folge wurde Kiel endgültig zum Haupthafen der deutschen Kriegsflotte. Mitten im Ersten Weltkrieg wurde Kiel 1917 Sitz des Oberpräsidiums der preußischen Provinz Schleswig-Holstein und somit Provinzhauptstadt. Vorher befand sich das Oberpräsidium in Schleswig.

Mit dem Kieler Matrosenaufstand begann 1918 die Revolution, und es endete der Erste Weltkrieg. Am 3. November erhoben sich hier die Matrosen, gründeten nach einem spontanen Gefecht mit regierungstreuen Truppen am 4. November den ersten Arbeiter- und Soldatenrat Deutschlands und begannen somit die Novemberrevolution, welche innerhalb weniger Tage ganz Deutschland erfasste und die Grundsteinlegung zur Weimarer Republik bildete.

Der Zivilflughafen Kiel-Holtenau wurde 1928 in Betrieb genommen. Auch auf Grund der schweren Wirtschaftskrise hatten die Nationalsozialisten in Kiel bereits früh zahlreiche Anhänger; die Universität wurde 1933 sehr rasch "gleichgeschaltet" und entwickelte mit der "Kieler Schule" eine strikt regimetreue Rechtslehre. Kiel wurde 1936 zum ersten Mal Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe. Im Landesarchiv Schleswig-Holstein existiert ein Film von Leni Riefenstahl über dieses Ereignis.

Am 9. November 1938 wurde die Kieler Synagoge am Schrevenpark zerstört. Im Juni 1944 wurde das Arbeitserziehungslager Nordmark errichtet in welchem bis Anfang 1945 600 Menschen umkamen. 1939 bis 1945 wurde Kiel dann wegen der großen militärischen Bedeutung im Zweiten Weltkrieg (Kriegshafen, Werften) durch zahlreiche Luftangriffe zu über 80% zerstört. Die Integration der vielen ostdeutschen Kriegsflüchtlinge aus dem Baltikum, Ost- und Westpreußen, Pommern und Mecklenburg stellte die Stadt seit 1945 vor zusätzliche Herausforderungen. In den Nachkriegsjahren wurde Kiel unter "modernen" Gesichtspunkten neu aufgebaut (wobei die Pläne bemerkenswerterweise noch auf die NS-Zeit zurückgingen). Die Stadt entwickelte sich bald wieder zum wirtschaftlichen, politischen und geistigen Zentrum Schleswig-Holsteins.

1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, gehörte Kiel zur Britischen Besatzungszone. Die britische Militärverwaltung richtete in Kiel ein DP-Lager ein zur Unterbringung so genannter Displaced Persons. Die Mehrzahl von ihnen waren ehemalige Zwangsarbeiter aus Polen und dem Baltikum. 1946 wurde Kiel Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein und trat als solche 1949 der Bundesrepublik Deutschland bei.

Kiel war 1972 zum zweiten Mal Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe, diesmal im Stadtteil Schilksee. 1975 wurde der Kieler Umschlag als modernes Volksfest wiederbelebt. 1982 feierte die Kieler Woche ihr hundertjähriges Bestehen. 1985 beschloss man die Einstellung der Straßenbahn; eine Entscheidung, die heute vielfach bedauert wird. 1992 beging die Stadt ihre 750-Jahr-Feier, und 1994 wurde die 100. Kieler Woche veranstaltet (in den Kriegsjahren von 1915 bis 1919 und 1940 bis 1946 fanden keine Kieler Wochen statt); 1995 schließlich feierte man den hundertsten Geburtstag des Nord-Ostsee-Kanals.

Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1997 der Oberbürgermeister (Norbert Gansel, SPD) direkt gewählt; 2003 folgte ihm Angelika Volquartz (CDU) als Kiels erste Oberbürgermeisterin. Torsten Albig (SPD) wird zum 17. Juni 2009 das Amt übernehmen.

Dabei wurden mit Holtenau, Pries-Friedrichsort und Schilksee auch Gemeinden des Landesteils Schleswig in die ansonsten holsteinische Stadt Kiel eingemeindet.

1885 hatte Kiel mehr als 50.000 Einwohner. 1900 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Bis 1910 verdoppelte sich diese Zahl auf 211.000. Im Dezember 1942 erreichte die Bevölkerungszahl der Stadt wegen der Hochrüstung im Zweiten Weltkrieg (Kriegshafen, Werften) mit 306.000 ihren historischen Höchststand. Am 30. Juni 2007 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Kiel nach Fortschreibung des Statistischen Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein 235.366 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).

Heute ist die Bevölkerung Kiels zu ca. 48 % evangelisch und zu 7 % katholisch. Insgesamt gibt es 36 evangelische und 8 katholische Gemeinden.

Die Bevölkerung der Stadt Kiel gehörte anfangs zum Erzbistum Bremen bzw. dessen Suffragan-Bistum Schleswig. Ab 1526 wurde durch den Landesherrn die Reformation eingeführt. 1534 mussten die Katholiken auf die einzige Pfarrkirche der Stadt (daneben gab es noch eine weitere Kirche) verzichten. Bereits vier Jahre zuvor war das Franziskanerkloster in Kiel geschlossen worden. Danach war Kiel über eine lange Zeit eine praktisch vollständig protestantische Stadt, die zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schleswig-Holstein gehörte, welche sich 1977 mit anderen Landeskirchen zur Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche vereinigte. Heute gehören die lutherischen Kirchengemeinden der Stadt – sofern sie nicht Mitglied der Selbständigen Evangelisch-lutherischen Kirche oder der Dänischen Kirche (in Kiel-Holtenau) sind – zum Kirchenkreis Kiel innerhalb des Sprengels Holstein-Lübeck.

Infolge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert zogen erstmals wieder seit dem 16. Jahrhundert Katholiken aus anderen Teilen Deutschlands nach Kiel. Im Jahre 1891 wurde die erste katholische Pfarrkirche seit der Reformation erbaut. Die Gemeindeglieder Kiels gehörten zum damals bestehenden "Apostolischen Vikariat der Nordischen Missionen". Seit 1995 gehören die katholischen Gemeinden in der Stadt Kiel zum Dekanat Kiel des damals gegründeten Erzbistum Hamburg.

Sonstige in Kiel vertretene christliche Gemeinden bzw. Kirchen sind die Baptisten (seit 1872), die Evangelisch-methodistische Kirche, die Freie evangelische Gemeinde, die Pfingstkirche, die Apostolische Gemeinschaft, die Adventisten, die Neuapostolische Kirche, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) und Die Christengemeinschaft vertreten.

Die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Mittelalter und früher Neuzeit ist nicht belegt. Die Geschichte der Juden in Kiel beginnt daher vermutlich erst relativ spät, Ende des 17. Jahrhunderts. Es ist der Politik König Christians VII. zu verdanken, dass sich der Kieler Magistrat mit seiner zunächst judenfeindlichen Haltung nicht durchsetzte und Juden sich in Kiel ansiedeln konnten. 1782 wurde das ehemalige Kaffeehaus der Universität in der Kehdenstraße 12 in das erste jüdische Bethaus der Stadt umgewandelt (das Gebäude existiert nicht mehr), bis die Gemeinde 1869 in die größere, dreistöckige Synagoge in der Haßstraße umzog (ein Teil des Erdgeschosses ist als Ruine bis heute erhalten). Diese Synagoge wurde aber bald zu klein, so dass man 1910 in einen großen Neubau beim Schrevenpark, an der Ecke Humboldtstraße/Goethestraße, umzog. 1933 hatte die Gemeinde etwa 600 Mitglieder. Diese letzte Synagoge wurde in der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 zerstört. Durch den Nationalsozialismus verließ der größte Teil der Kieler Juden die Stadt und ging ins Exil oder wurde in Vernichtungslager deportiert und ermordet. Aufgrund der geringen Anzahl der Juden nach Ende der NS-Herrschaft wurde die Verwaltung der jüdischen Belange für Schleswig-Holstein Ende der 1960er Jahre an die Jüdische Gemeinde in Hamburg übertragen. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks und der darauffolgenden Einwanderung osteuropäischer Juden nach Deutschland änderte sich Situation der jüdischen Gemeinden deutschlandweit grundlegend. 1995 wurde in Kiel das „Jüdische Bildungs-, Kultur- und Sozialwerk“ gegründet und 1997 lud der von Hamburg neu berufene Kantor die nun etwa 250 Juden in Kiel zum ersten jüdischen Gottesdienst nach der Zerstörung der Synagoge im Jahre 1938 ein. Die gegenwärtig etwa 550 Juden in der Stadt sowie die nun regelmäßigig stattfindenden Gottesdienste führten zur 2004 zur Neugründung einer eigenständigen „Jüdischen Gemeinde Kiel“, welche dem "Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein K.d.ö.R." angehört. Im Oktober 2004 gründeten Mitglieder des bisherigen Hamburger Gemeindezentrums in Kiel eine zweite Gemeinde und – zusammen mit dem ehemaligen Hamburger Gemeindezentrum Flensburg und der Jüdischen Gemeinde Lübeck – einen zweiten, separaten Dachverband (Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein). Beide Kieler Gemeinden sind seit 2005 Mitglieder im Zentralrat der Juden in Deutschland. Das Gemeindezentrum und der Sitz der Jüdischen Gemeinschaft befinden sich in der Wikingerstraße, die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Kiel in der Jahnstraße am Schrevenpark. Ein jüdischer Friedhof liegt an der Michelsenstraße.

Die Zahl der muslimischen Gemeinden ist seit Gründung der ersten Gemeinde 1978 auf zurzeit zehn angestiegen. Im Sommer 2004 wurde mit der Habib-Moschee (Moschee des Freundes) in der Flintbeker Straße die erste Moschee, die auch nach außen als Sakralbau zu erkennen ist, fertiggestellt. Die meisten Moscheen existieren in Gaarden, wo der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund hoch ist. Weitere Moscheen gibt es in Friedrichsort, Dietrichsdorf und im Innenstadtbereich.

An der Spitze der Stadt Kiel stand ursprünglich ein Vogt, der vom Landesherrn eingesetzt wurde. Neben dem Vogt gab es schon sehr früh einen Rat, der nach 1315 immer mehr die tatsächliche Macht in der Stadt ausübte. Der Gemeinderat in Kiel wird heute als Ratsversammlung bezeichnet.

Vorsitzender des Rates war der Bürgermeister. Später gab es auch mehrere Bürgermeister. Nach dem Übergang an Preußen wurde in ganz Schleswig-Holstein 1867 die preußische Städteordnung eingeführt. An der Spitze der Stadt stand dann ein Oberbürgermeister.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Schleswig-Holstein Teil der britischen Besatzungszone. Die Militärregierung führte 1946 eine zweigleisige Verwaltungsspitze ein. Danach gab es zunächst einen Oberbürgermeister als Vorsitzenden des Rates und daneben einen Oberstadtdirektor als Leiter der Verwaltung. Die schleswig-holsteinische Gemeindeordnung von 1950 übertrug dem Leiter der Verwaltung jedoch wieder den traditionellen Titel Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister und führte für den Vorsitzenden des Rates bei größeren Städten – so auch in Kiel – die neue Bezeichnung Stadtpräsident ein.

Kiels derzeitige Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz (CDU) wurde 2003 für eine Amtszeit von sechs Jahren direkt gewählt und ist die erste Frau in diesem Amt in der Geschichte der Stadt. Bei der Oberbürgermeisterwahl 2009 verlor sie am 15. März 2009 allerdings mit 41,2% gegen den SPD-Kandidaten Torsten Albig, der 52,1% erhielt.

Die SPD stellt mit 19 Ratsmitgliedern die größte Fraktion im Stadtrat. Die CDU stellt 17 Ratsmitglieder, Bündnis 90/Die Grünen 10. Neu in den Rat gewählt sind die Partei die Die Linke mit 6, sowie die FDP mit 4 und der SSW mit einem Ratsmitglied. Die NPD ist mit einem Vertreter im Rat der Stadt Kiel.

Ein Kooperationsvertrag zwischen der SPD und der Partei Bündnis 90/Die Grünen unter Tolerierung des SSW garantiert stabile Mehrheitsverhältnisse in der Kieler Ratsversammlung.

Blasonierung: „In Rot das silberne holsteinische Nesselblatt, belegt mit einem gemauerten schwarzen Boot.“ Das silberne Nesselblatt auf rotem Grund ist das Wappen der Schauenburger. Das gemauerte Boot symbolisiert die Stadtrechte (durch die Stadtmauer) sowie die Lage als Hafenstadt.

Kiel ist ein Dienstleistungsstandort. In diesem Sektor sind 78,5 % aller Bediensteten in Kiel beschäftigt, 21,4 % sind im produzierenden Gewerbe (sekundärer Sektor) beschäftigt und 0,2 % in der Landwirtschaft (primärer Sektor). Kiel ist ein Standort von Werften. Ansonsten befinden sich in Kiel Maschinenfabriken und weitere Industrie, wie EDV-/Büromaschinenfertigung. Eine wirtschaftlich bedeutende Rolle spielt auch der Hafen, insbesondere die Fähr- und Kreuzschifffahrt.

Die Arbeitslosenquote in der Stadt Kiel lag im September 2008 bei 11,1 % und in der Region Kiel (inklusive Umland) bei 9,1 %. Im Jahr 2005 lag das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner mit 35,618 € über dem Schnitt Deutschlands und bei etwa 159% des EU-Durchschnitts.

Kiel ist mit der HSH Nordbank und der Provinzial auch Banken- und Versicherungsstandort.

Nicht mehr existierende Betriebe in Kiel sind MaK (Maschinenbau) und Hagenuk (Telekommunikation).

In Kiel befindet sich das Landesfunkhaus Schleswig-Holstein des Norddeutschen Rundfunks, in dem auch das Landesstudio des ZDF untergebracht ist. Neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk kommen auch drei private Radiosender aus Kiel: R.SH (Radio Schleswig-Holstein, der erste landesweit sendende Privatsender in Deutschland), NORA (Nord-Ostsee-Radio) und Delta Radio die alle aus dem Funkhaus Wittland senden. Öffentlich zugänglich ist der Fernsehsender Kiel.tv als Offener Kanal sowie der Radiosender 101.2 KielFM (ebenfalls als Offener Kanal), der im selben Gebäude wie Kiel.tv sitzt. In Kiel-Nord strahlt die britische Armee den Armeesender BFBS aus.

Als Tageszeitung erscheinen die Kieler Nachrichten, welche von der Kieler Zeitung Verlags- und Druckerei KG-GmbH & Co herausgegeben werden, die wiederum eng mit der Axel Springer AG verbunden ist. In Kiel gibt es ein recht großes Angebot an monatlich erscheinenden, kostenlosen Stadtmagazinen, die alle eine Mischung aus den Themen Musik, Kultur, Kino, Veranstaltungen, Terminen, lokalen Werbeanzeigen, Kleinanzeigen, Sport und Partyleben zum Inhalt haben: "diva", "KIELSIDE", Kiel Magazin, Kielerleben, Station, Tango und Ultimo.

Über Kiel berichten zwei regelmäßige Podcasts: Der Nordcast und der KielPod.

Die traditionsreiche, 1665 von Herzog Christian Albrecht gegründete Christian-Albrechts-Universität ist mit etwa 22.000 Studenten die einzige Volluniversität des Landes Schleswig-Holstein. Unabhängig, jedoch mit der Universität Kiel verbunden, sind weitere Forschungseinrichtungen wie das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und die Forschungsanstalt der Bundeswehr für Wasserschall und Geophysik. Daneben gibt es mit der Fachhochschule Kiel (gegründet 1969), der Muthesius Kunsthochschule Kiel (gegründet 1907) und die Murmann School of Global Management and Economics weitere tertiäre Bildungseinrichtungen in der Stadt.

In Kiel gibt es zahlreiche Gymnasien, wovon die bereits 1320 gegründete Kieler Gelehrtenschule als humanistisches Gymnasium die älteste Schule der Stadt ist. Weitere Gymnasien sind unter anderem das Gymnasium Elmschenhagen und das Max-Planck-Gymnasium. Zudem gibt es zahlreiche, über das Stadtgebiet verteilte Gesamtschulen sowie auch Schulen in privater Trägerschaft.

Mit 1,6 Millionen Passagieren im Jahr 2007 ist der Kieler nach dem Puttgardener und Rostocker Hafen der drittgrößte Passagierhafen in Deutschland. Der Warenumschlag, der hauptsächlich im Ostuferhafen stattfindet, spielt deutschlandweit eine eher untergeordnete Rolle.

In Kiel befindet sich das östliche Ende des Nord-Ostsee-Kanals. Durch die Kieler Förde sind Ost- und Westteil der Stadt zum größten Teil (keilförmig) getrennt, die Fördedampfer der SFK als Teil des ÖPNVs ermöglichen das Überqueren der Förde.

Von Kiel führen die beiden Bundesautobahnen A 210 und A 215 auf die A 7 Hamburg-Flensburg zum Autobahnkreuz Rendsburg bzw. zum Autobahndreieck Bordesholm. Ferner führen die Bundesstraßen B 76 und B 202 durch das Stadtgebiet. Die Bundesstraßen B 404 (wird zur A 21 ausgebaut), B 502 und B 503 starten/enden auf dem Kieler Stadtgebiet. Kiel war einer der beiden Endpunkte der B4 (der andere ist Nürnberg), bis der Abschnitt Kiel - Quickborn wegen der parallel verlaufenden A 7 zur Landesstraße degradiert wurde.

Kiel ist Ausgangs- bzw. Endpunkt einer im Mai 2004 eröffneten neuen touristischen Ferienstraße: Die Deutsche Fährstraße von Kiel bis Bremervörde verbindet rund 50 verschiedene Fähren, Brücken, Schleusen, Sperrwerke und maritime Museen; Wahrzeichen sind die Schwebefähren in Rendsburg und an der Oste.

Den städtischen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen Busse der KVG und die Fähren der SFK, welche Westufer und Ostufer der Kieler Förde mit der Innenstadt verbinden. Der regionale Überlandverkehr wird von Bussen der Autokraft und VKP sichergestellt.

Seit längerem ist der Bau einer Stadtregionalbahn (SRB) geplant. Dass die Straßenbahn 1985 eingestellt wurde, wird gemeinhin als Fehler angesehen. Doch obwohl auch eine Studie ausdrücklich den Bau empfohlen hat, kam das Projekt wegen der immer noch ungeklärten Finanzierung lange Zeit nur langsam voran. Die in Kiel regierende schwarz-grüne Koalition hat sich aber jüngst in den Haushaltsberatungen im Gegensatz zur oppositionellen SPD ausdrücklich dazu bekannt, dass sie das Projekt für wünschenswert erachtet. Der im Januar 2008 veröffentlichte Entwurf des neuen Verkehrsentwicklungsplanes (VEP) der Stadt Kiel enthält daher die SRB als Maßnahmenvorschlag, im Herbst des Jahres wurde beschlossen, die Stadtbahn Kiel, deren künftiges Liniennetz nach derzeitigem Stand fünf Strecken umfassen und auch bis Eckernförde und Neumünster führen soll, offiziell in Planung zu geben. Eine Inbetriebnahme wird für das Jahr 2016 anvisiert.

Der Kieler Hauptbahnhof ist ein Kopfbahnhof. Er wurde zwischen 1999 und 2006 restauriert und renoviert; das neue Dach wurde Anfang 2006 fertig gestellt. Die beiden kleinen Bahnhöfe bzw. Haltepunkte Kiel-Suchsdorf und Kiel-Hassee spielen nur für den Regionalverkehr eine Rolle. Bis in die 1980er Jahre bestand auf der Bahnstrecke Kiel–Lübeck der Haltepunkt Kiel-Elmschenhagen, der aus Rentabilitätsgründen aufgehoben wurde. Elektrifiziert ist nur die von Kiel nach Richtung Neumünster–Hamburg führende Strecke.

Seit 1995, dem Zeitpunkt der Elektrifizierung der Strecke Hamburg-Kiel, ist die Stadt ein Endpunkt des ICE-Netzes der Deutschen Bahn. Es bestehen insgesamt sechs tägliche Verbindungen Richtung Köln, Frankfurt und Berlin, die darüber hinaus in der Regel nach München oder in die Schweiz durchgebunden werden.

Im Regionalverkehr besteht ein stündlicher Taktverkehr nach Hamburg, Lübeck, Flensburg und Husum. In der Region um Kiel wird auf diesen Strecken durch zusätzliche Fahrten nach Neumünster, Eckernförde und Preetz das Angebot zu einem Halbstundentakt verdichtet. Die Strecken nach Neumünster und Husum werden dabei von der NOB betrieben, alle anderen von der DB. Eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke nach Schönberg im Zusammenhang mit der Einführung einer Stadtbahn Kiel wird zur Zeit diskutiert.

Nördlich des Kanals befindet sich der Flughafen Kiel-Holtenau, dessen Erweiterung diskutiert, aber mittlerweile verworfen wurde. Seit November 2006 findet jedoch aufgrund mangelnder Auslastung kein Linienflugverkehr ab Kiel mehr statt. Weitere Flughäfen, die in etwas über einer Stunde erreicht werden können, sind der internationalen Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel und der von Billigfliegern genutzte Flughafen Lübeck-Blankensee.

Über den Nord-Ostsee-Kanal fährt seit seinem Bau eine Fähre zwischen der Wik und Holtenau. Daneben bestand von 1974 bis Ende der 1980er Jahre die Weipert-Seilbahn, die über den Bootshafen hinweg die beiden Teile des ehemaligen Weipert-Kaufhauses miteinander verband.

Die Postkutsche als wichtiges Reise- und Transportmittel wurde erst im Jahr 1957 endgültig von der Post außer Dienst gestellt. Bis dahin war Kiel neben Wuppertal die letzte deutsche Stadt, in der noch Pferdegespanne für die Postzustellung eingesetzt wurden.

Kiel ist geprägt durch die Nähe zum Meer. Die erste städtische Siedlung entstand auf der Halbinsel zwischen Förde und Kleinem Kiel. Der nördliche Landzugang wurde durch die Burg gesichert. Die Stadt wurde sehr regelmäßig angelegt, mit einem Marktplatz im Zentrum, von dessen Ecken acht Straßen im rechten Winkel zueinander abgingen. Von diesen gingen einige kleine Nebenstraßen zum alten Mauerring und weiter zum Wasser ab. Hauptstraße der Stadt war die Nord-Süd-Achse Dänische Straße–Holstenstraße, die diagonal über den Marktplatz führte.

Über Jahrhunderte stand Kiel im Schatten anderer Ostseestädte (vor allem Flensburg und Lübeck), zählte aber zu den größeren Städten Holsteins und war lange Zeit unbedeutendes Mitglied der Hanse. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann die Stadt, sich über ihre Halbinsel hinaus nach Süden auszudehnen. Es entstand die Vorstadt in Verlängerung der Holstenstraße, welche sich schließlich bis zur St.-Jürgen-Kapelle (sie lag neben dem heutigen Hauptbahnhof) ausdehnte, deren Friedhof im 19. Jahrhundert der Hauptfriedhof der Stadt wurde. Auch in der Vorstadt entstanden einige bemerkenswerte Bürgerbauten, doch der größte Teil war ein Handwerker- und Kleinbürger-Quartier. Insgesamt galt die kleine Stadt aber als ein hübscher Ort und wurde von Dichtern wie Theodor Storm, der in Kiel studierte, wegen ihrer Schönheit gepriesen.

Als Kiel 1864 vom dänischen Gesamtstaat getrennt und wenig später preußischer Kriegshafen wurde, wandelte das Stadtbild sich grundlegend. Wenige Städte des Deutschen Reichs wuchsen so rasant wie Kiel. Die Stadt dehnte sich nach allen Himmelsrichtungen aus. Villenviertel entstanden vor allem im Norden (Düsternbrook) und teilweise im Westen, während in der Nähe der Innenstadt zahlreiche Mietskasernen-Viertel gebaut wurden. Am Ostufer der Förde in Gaarden, Ellerbek und Wellingdorf entstanden die größten Werften Europas und weitere Arbeiterviertel. Auch die Altstadt und Vorstadt wurden zusehend mit überdimensionierten zeittypischen Bauten überformt, unter anderem entstanden neue Universitätsgebäude in der Nähe des Schlosses. Auch die Verbindung zwischen Kleinem Kiel und Förde wurde immer mehr überbaut. Westlich der Vorstadt entstand mit dem zum Kleinen Kiel hin offenen Neuen Markt mit Rathaus und Stadttheater das bedeutendste städtebauliche Ensemble dieser Zeit in Kiel.

Die verwinkelte Enge der Innenstadt rief bereits in den 1920er Jahren die Städteplaner auf den Plan. In der NS-Zeit wurden Pläne zu einer großzügigen Umgestaltung der Innenstadt konkretisiert. Auch der 1940 eingesetzte Stadtbaurat Herbert Jensen setzte sich für einen Umbau ein.

Nach den schweren Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs lagen die östlichen Stadtteile und die gründerzeitlichen Vorstädte sehr weitgehend, Alt- und Vorstadt fast vollständig in Trümmern. Beim Wiederaufbau, den der im Amt verbliebene Jensen leitete, sollte die Stadt nun im Stil der Zeit moderner, offener und großzügiger gestaltet werden. Der schön gelegene Stadtkern sollte ebenso wie die Verbindung der Stadt mit dem Wasser wieder stärker in den Blickpunkt gesetzt werden. Auf die Rekonstruktion der im Krieg zerstörten historischen Bauten wollte man hingegen vollständig verzichten.

Während der Wiederaufbau Kiels in den ersten Nachkriegsjahrzehnten noch als vorbildlich gelobt wurde, sieht man das Ergebnis inzwischen deutlich kritischer. Zwar ist die Altstadt-Halbinsel als solche aus der Luft noch zu erkennen. Doch schwere Eingriffe in das historische Straßennetz derselben (Aufhebung der meisten kleineren Nebenstraßen, Überbauung der Hassstraße am Markt, Verkehrsschneise Eggerstedtstraße längs durch die östliche Altstadt, Überbauung des Marktplatzes mit Geschäftsbauten) und die Errichtung zahlreicher überdimensionierter Kauf-, Park- und Bürohausbauten sowie generell die wenig einfallsreiche Architektur der 1950er, 1960er und 1970er Jahre, die nach heutigem Geschmack von den meisten als hässlich empfunden wird, lassen nur mehr wenig urbanes Flair aufkommen. Gewissermaßen hat Kiel heute zwar eine Innen- aber keine Altstadt mehr. Ironischerweise gilt heute ausgerechnet die Dänische Straße mit den recht vielen erhaltenen Gründerzeitbauten als "Gute Stube" der Altstadt. Die Vorstadt wurde sehr großzügig wiederaufgebaut. Die enge Bebauung der gründerzeitlichen Stadtteile wurde beim Wiederaufbau aufgelockert und durchgrünt. Vielfach wird das Kieler Stadtbild als geradezu typisch für eine im Zweiten Weltkrieg zerstörte Großstadt gesehen und gilt daher als wenig ansprechend.

Seit etwa zehn Jahren wird der Stadtkern allerdings optisch permanent aufgewertet (Umbau des Hörngeländes am Hauptbahnhof; vollständige Sanierung des Hauptbahnhofes unter Berücksichtigung baulich historischer Aspekte, die bei der Wiederherstellung nach den Kriegsschäden nicht beachtet wurden; Neugestaltung des Bootshafens etc.). Gleichzeitig soll durch einen Rückbau der Eggerstedtstraße und die Umgestaltung des sog. "Alten Marktes" ein Teil des alten Stadtkerns rekonstruiert werden. Flankiert wird dies durch Ausgrabungen auf dem ehemaligen Parkplatz zwischen Schloßgarten und Universitätsklinik, auf dem sich einst das Gebäude der Universität befand; man vermutet, dass hier nach dem 2. Weltkrieg viel historische Bausubstanz vergraben wurde.

Das Theater Kiel mit Schauspielhaus, Opernhaus und Theater am Werftpark ist die größte Kultureinrichtung der Stadt. Daneben gibt es zahlreiche weitere Initiativen wie die Niederdeutsche Bühne Kiel, das Polnische Theater und studentisches Theater. Klassische Konzerte des Philharmonischen Orchesters Kiel, die zahlreichen Konzerte des alljährlichen Schleswig-Holstein Musik Festivals und die besonders während der Kieler Woche stattfindenden Konzerte internationaler Popstars in der Sparkassen-Arena (frühere Bezeichnung: Ostseehalle), in Halle 400 oder im Kieler Schloss sorgen für ein abwechslungsreiches Angebot. Es gibt auch einen Kieler Knabenchor.

In Kiel gibt es mehrere Kinos, unter anderem: CinemaxX-Multiplexkino, Kommunales Kino in der Pumpe, „Traum-Kino“, „Neues Studio“, „Die Brücke“, Metro-Kino und Mediendom der Fachhochschule Kiel.

Kiel ist eine Hochburg des Profi-Handballs und der deutsche Rekordmeister THW Kiel kann eine Reihe von nationalen und internationalen Meistertiteln vorweisen, beispielsweise 14 deutsche Meistertitel und fünf Pokalsiege.

Trotz der allgemeinen Beliebtheit des Fußballs in Deutschland ist es keinem Kieler Verein gelungen, dauerhauft einen Stammplatz in den höchsten Spielklassen zu erreichen. Der bedeutendste der Kieler Fußballvereine ist der Kieler SV Holstein, weitere bekannte Kieler Fußballvereine sind der FC Kilia Kiel, SC Comet Kiel (beide Schleswig-Holstein-Liga) sowie in der Vergangenheit der VfB Kiel.

Kiel ist auch ein wichtiger Schauplatz für den Segelsport. Die Kieler Woche ist die größte Segelsport-Veranstaltung der Welt, noch vor der Travemünder Woche, der Hanse Sail und den Segelwettbewerben der Olympischen Spiele. An ihr nehmen jährlich viele tausend Segler mit Tausenden von Booten (fast) aller Klassen aus allen Kontinenten teil. Während der restlichen Saison findet darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Regatten statt. Träger dieser Aktivitäten sind vor allem mehrere Segelklubs, die ihren Sitz rund um die Kieler Förde haben mit dem Kieler Yacht-Club (KYC, ehemals: "Kaiserlicher Yacht Club") als dem größten und sportlich aktivsten Verein.

Neben dem Segeln dominiert in Kiel der Rudersport. Der Erste Kieler Ruder-Club von 1862 e.V. stellt den ältesten Ruderverein im Kieler Raum und den drittältesten Ruderverein der Bundesrepublik dar. Seine rund 280 Mitglieder behaupteten viele Weltmeisterschaften und Deutsche Meisterschaften für sich, insgesamt erlangte der Club im Laufe der fast 145 Jahre ca. 2.000 Regattasiege. Neben dem Ersten Kieler Ruder-Club gibt es in Kiel die Rudergesellschaft Germania Kiel, die Ruderriege der ATV Ditmarsia, den Akademischen Ruderverein, die Rudervereinigung der CAU und außerdem viele Schülerruderriegen.

Der Kieler Floorball Klub spielt in der zweiten Bundesliga West. Die Kiel Baltic Hurricanes sind der erfolgreichste American-Football-Verein in Schleswig-Holstein und spielt in der German Football League. Der Verein Kieler TTK Grün-Weiß gehörte lange Zeit zur deutschen Spitze im Tischtennis. Die Volleyball-Herrenmannschaft der FT Adler Kiel spielt in der Saison 2008/09 in der zweiten Bundesliga. Kiel ist darüber hinaus Bundesstützpunkt im Beachvolleyball.

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Norddeutscher Regatta Verein

Stander des Norddeutschen Regatta Vereins.

Der Norddeutsche Regatta Verein ist ein Segelclub mit Sitz in Hamburg.

Er wurde 1868 gegründet und hat 1.918 Mitglieder (2007).

Er ist der Heimverein zahlreicher Teilnehmer an Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen. So gewannen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, Hans Howaldt, Felix Scheder-Bieschin, Eduard Mohr, Fritz Bischoff und Otto Wachs als Besatzung der Germania III bei den Olympischen Spielen 1936 Bronze in der 8mR-Klasse. Besser schnitt Werner Krogmann ab, der in der O-Jolle zur Silbermedaille segelte. Mit der Goldmedaille im Starboot krönten Peter Bischoff und Hans-Joachim Weise die Erfolgsbilanz des NRV.

Bei den Olympischen Sommerspielen 1960 holten Rolf Mulka und Ingo von Bredow im Flying Dutchman ebenfalls Bronze. Sogar zur Silbermedaille reichte es in der selben Bootsklasse 1968 für Ullrich Libor vom NRV. Vier Jahre später gewann er die Bronzemedaille. Ebenfalls 1972 segelte Willi Kuhweide im Starboot bei den Olympischen Spielen zur Bronzemedaille und holte im selben Jahr auch den Weltmeistertitel.

Erneut im Starboot gab es 1984 olympisches Edelmetall für den NRV mit der Silbermedaille Achim Grieses vor Long Beach. Im waren bei den Sommerspielen 2000 Roland Gäbler und Rene Schwall erfolgreich, die in dieser Bootsklasse Bronze gewannen.

Bei Olympischen Spielen 2008 in Quingdao im Tornado segelten Johannes Polgar und Florian Spalteholz auf einen unglücklichen achten Platz. Sie lagen im Medal-Race zwischenzeitlich auf dem dritten Platz der Gesamtwertung, erlitten dann jedoch einen Ruderbruch, nachdem sie einen Holzpflock überfahren hatten. Damit mussten sie das Medal-Race aufgeben. Es waren die letzten Spiele für die Tornado.

Der NRV hat unter anderem Segelveranstaltungen wie die Kieler Woche und die Travemünder Woche mitgegründet und war zuletzt 2007 Ausrichter des von ihm initiierten HSH Nordbank blue race.

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Roosevelt-Pokal

Der Roosevelt-Pokal ist eine Trophäe des Segelsportes. Er wurde 1896 vom damaligen U.S.-Marineminister und späteren amerikanischen Präsidenten, Theodore Roosevelt, gestiftet. Um den Pokal wird bis heute auf der Kieler Woche gesegelt.

Der segelbegeisterte deutsche Kaiser Wilhelm II. hatte den Auftrag zum Bau einer neuen kaiserlichen Yacht, der Meteor III, einer amerikanischen Werft gegeben. Die Schiffstaufe 1896 wurde zum Symbol der deutsch-amerikanischen Seglerfreundschaft: Der Bruder des Kaisers, Prinz Heinrich, war ebenso wie der damalige Marineminister Theodore Roosevelt angereist, um das Schiff feierlich zu taufen und in Betrieb zu nehmen. Bei dieser Gelegenheit stiftete der spätere Präsident Roosevelt den nach ihm benannten Segel-Pokal: Um diesen sollte zur Stärkung der amerikanischen Beziehung zum deutschen Kaiserreich zwischen den besten amerikanischen und deutschen Sonderklasse-Booten in Marblehead regelmäßig gesegelt werden. Kaiser Wilhelm revanchierte sich, indem er den Kaiser Wilhelm-Pokal stiftete. Die erste Regatta gewannen Boote aus den USA. Über die Regatten wurde in den deutschen Medien jedes Mal ausführlich berichtet.

Um den Roosevelt-Pokal wird noch heute gesegelt, allerdings nicht mehr in Amerika, sondern in Kiel: Das Boot mit den meisten Punkten in der gesamten Wertung aller Klassen des Olympischen Teils der Kieler Woche ist der Sieger. Aufbewahrungsort der Trophäe, auf der sich die gekreuzten Fahnen Deutschlands (damals schwarz-weiß-rot) und Amerikas vom silbernen Untergrund deutlich abheben, ist das Hotel Kieler Yacht Club.

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Peter Zizka

Peter Zizka (* 16. Dezember 1961) ist ein deutscher Konzeptkünstler und Designer.

Zizka absolvierte eine Ausbildung als Restaurator und studierte anschließend 1983 Grafik, Design und Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main Gleichzeitig besuchte er die Städelschule in Frankfurt und studierte u.a. bei Bruce Mc Lean.

Mit Olaf Rahlwes entstand die Konzeptkunstgruppe MEMORY, mit internationalen Ausstellungen, die bis in die frühen 1990er Jahre an der Schnittstelle zwischen Kunst und Design arbeitete. Nach der Trennung von MEMORY arbeitete Zizka an Projekten im Bereich des gesellschaftsrelevanten Designs. Zizka bezieht in seinen Arbeiten eine weniger agitative Position als die der Kommunikationsguerilla oder eines Adbusters wie Banksy. Die bekannteste Arbeit aus dieser Reihe ist das Virtuelle Minenfeld mit dem Zizka als erste zwischen Kunst und Design positionierte Bodeninstallation Gold beim europäschien Art Directors Club erhielt und u.a. in der Kunsthalle Rotterdam und im Auswärtigem Amt in Berlin gezeigt wurde.

Nach unter anderem Wim Crouwel (1998), Fons Hickmann (2002), Klaus Hesse (2006), konnte er 2008 den Wettbewerb um das Erscheinungsbild der Kieler Woche für sich entscheiden.

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Willi Kuhweide

Modernes Starboot

Willy Kuhweide (* 6. Januar 1943 in Berlin) ist ein ehemaliger deutscher Regattasegler, Olympiasieger, vierfacher Weltmeister und dreifacher Europameister. In einer Bestenliste, die Punkte für Medaillen in den wichtigsten Wettbewerben vergibt, wurde Kuhweide bis 1987 als bester Finnjollensegler gewertet, anschließend teilte er sich den Titel mit Lasse Hjortnæs (Stand 2004); erst kürzlich wurde Ben Ainslie mit insgesamt fünf Weltmeisterschaftstiteln (2002-2005 und 2008; Stand 2008) erfolgreichster Finnsegler. Kuhweide ersegelte später weitere Erfolge im Starboot und Soling.

Kuhweide war zunächst Mitglied des Berliner Vereins Seglerhaus am Wannsee, später des Hamburger Norddeutschen Regatta Verein (NRV).

Das Darling getaufte hölzerne Finn, mit dem Kuhweide seine wichtigsten Erfolge feierte, wird heute im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven gezeigt.

Mit 15 Jahren ersegelte Kuhweide seinen ersten Sieg bei der Kieler Woche, im Jugendboot Pirat. Nachdem seinem Heimatverein Seglerhaus am Wannsee ein Finn gespendet worden war, wurde Kuhweide trotz seines jungen Alters ausgewählt, auf der olympischen Jolle zu segeln. Bereits als Sechzehnjähriger siegte er darauf 1959 in der Kieler Woche und wurde Vierter bei der Europameisterschaft. Ein Jahr später holte er sich im Finn den europäischen Vizetitel, 1961 in Warnemünde (DDR) schließlich den Europameistertitel. 1963 gewann Kuhweide die Weltmeisterschaft.

Nachdem er die Europameisterschaft 1964 gewann, wurde Kuhweide für die Olympischen Spielen 1964 in Enoshima (bei Tokio) buchstäblich erst in letzter Stunde für die gesamtdeutsche Mannschaft nominiert: Sein Ostberliner Konkurrent Bernd Dehmel gewann zunächst das Ausscheidungsrennen in der Finn-Jolle, das Rennen wurde jedoch später vom IOC annulliert. Stattdessen wurden für die Qualifikation nun die Europameisterschaft und ein Stechen in Tokio, zu dem Dehmel nicht antrat, gewertet. Erst eine halbe Stunde vor dem Start erfuhr Kuhweide, daß er am olympischen Rennen in Enoshima teilnahm. Dort gewann der Westberliner daraufhin trotz Mittelohrentzündung die Goldmedaille. Zwei Jahre später holte er sich 1966 im Finn erneut den Weltmeistertitel, den er 1967 verteidigen konnte. Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko ersegelte er hingegen nur den 15. Platz.

Vier Jahre später in Kiel 1972 erreichte Kuhweide, nun im Starboot zusammen mit Karsten Meyer, den dritten Platz. Im gleichen Jahr holte er, mit Meyer im Starboot in Puerto Azul, seinen vierten Weltmeistertitel. Er nahm noch zwei weitere Male an Olympischen Sommerspielen teil, wobei er 1976 in Montreal den 6. Platz und 1984 in Los Angeles den 8. Platz erstritt. Bei seiner fünften Olympiateilnahme 1984 war er zudem Fahnenträger der deutschen Mannschaft.

Kuhweide wurde insgesamt viermal Weltmeister im Segeln (1963, 1966, 1967 und 1972; 1980 Soling-Vizemeister). Dreimal holte er sich den Europäischen Titel (1961 und 1962 im Finn, 1974 im Soling mit Axel May; 1960 und 1967 Finn-Zweiter und 1980 Soling-Zweiter; 1965 und 1971 Finn-Dritter, 1959 und 1970 Finn-Vierter), zehnmal gewann er auf der Kieler Woche (letzte Teilnahme 1983). 1967 und 1971 wurde er Deutscher Meister in der Finnjolle (1967 Vizemeister). 1973, 1974, 1976, 1977 und 1981 wurde Kuhweide mit Axel May Deutscher Soling-Meister, 1985 wurde er deutscher Starboot-Meister. 1974 holten sich Kuhweide und May den Titel des britischen Soling-Vizemeisters, 1975 und 1979 wurde Kuhweide mit einem anderen Vorschoter im Soling deutscher Vizemeister.

2004/2005 war er Kommodore des Deutscher Challenger Yacht Club, das die erste deutsche Bewerbung um den America’s Cup organisierte. Das United Internet Team Germany beendete die Auswahlregatta für den Cup, den Louis Vuitton Cup, allerdings als Vorletzter.

Kuhweide arbeitete hauptberuflich als Pilot und später als Ausbilder für Piloten für die Lufthansa. Als Pilotenprüfer zog er nach Phoenix im US-Bundesstaat Arizona: 1989 übernahm er dort die Leitung der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa, später wurde dort nach seinen Plänen ein Flughafen gebaut. Inzwischen lebt Kuhweide im nahen Ort Carefree im Ruhestand; einen weiteren Wohnsitz hat er im Schweizer Küssnacht am Vierwaldstätter See.

Kuhweide ist in dritter Ehe verheiratet und hat aus erster Ehe zwei Töchter. Zu seinen Hobbys zählt Kuhweide Musik (Klavier, Akkordeon) und vor allem Golfspielen (Handikap nach eigenen Angaben 14).

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Ostsee

Ostsee mit Anrainerstaaten und Inseln

Die Ostsee (auch Baltisches Meer genannt, von lat. Mare Balticum und suevisches Meer nach dem Stamm der Sueben im heutigen Mecklenburg) ist ein 413.000 km² großes und bis zu 459 m tiefes Binnenmeer in Europa und gilt als das größte Brackwassermeer der Erde. Der Rauminhalt des Meeres beträgt ca. 20.000 km³.

Die Ostsee trennt die Skandinavische Halbinsel von den zusammenhängenden Festländern Nord-, Nordost- und Mitteleuropas.

Das Kattegat als der Teil des Weltmeeres, mit dem das Binnenmeer Ostsee durch die dänischen Meerengen in Verbindung steht, wird in organisatorischen Zusammenhängen, zum Beispiel bei der Internationalen Helsinkikommission zum Schutz der Meeresumwelt der Ostsee (HELCOM) gerne der Ostsee zugeschlagen, obwohl er sowohl historisch (Beispiel Sundzoll) als auch biologisch (sauerstoff- und artenreich im Gegensatz zur sauerstoff- und artenarmen Ostsee) kein Teil der Ostsee ist.

Etwa 10.000 bis 8.200 v. C. tauten infolge des damaligen Klimaumschwunges die Gletscher in Richtung Skandinavien zurück. Als sich der Eisrand nach Abschmelzen der Inlandeismassen auf der Höhe der heutigen Åland-Inseln, nordöstlich von Stockholm, befand, bildete sich in seinem Vorland der Baltische Eisstausee.

Etwa 8.200 bis 6900 v. C. stieg der Meeresspiegel so stark, dass sich zumindest im Bereich der heutigen mittelschwedischen Seenplatte, nach anderen Quellen auch zum Weißen Meer, eine Verbindung zum Weltmeer bildete. Durch den dadurch bedingten Süßwasserausstrom und Salzwassereinstrom bildete sich das sog. (salzige) Yoldiameer.

Etwa 6900 bis 5000 v.C. tauten die skandinavischen Gletscher weiter zurück, der Druck auf die skandinavische Landmasse nahm ab, so dass sie sich zu heben begann und dadurch die Meeresverbindungen blockierte. Es entstand der/die (süße) Ancylussee.

Etwa 5000 v. C. bis etwa zum Jahre 0 stieg der Meeresspiegel durch die sogenannte Littorina-Transgression so, dass die Festlandbrücke zwischen Südschweden und Dänemark überflutet wurde und der Osten Dänemarks sich in die heutigen Inseln aufteilte. Weiter öffnete sich der Zugang in der Nähe der Darßer Schwelle vor der deutschen Küste, und auch im südlichen Bereich der Ostsee bildeten sich die Grobformen der heutigen Küsten aus.

Die Gletscher waren nun fast vollständig verschwunden. Das Festland von Skandinavien hob sich weiter, so dass sich die Küstenlinie weiter veränderte. Der südliche Bereich der Ostsee senkte sich, das vorrückende Meer überflutete die jungglaziale Landschaft und formte sie dabei um. Als Ergebnis findet man drei Küstenformen im südlichen Bereich wieder: Fördenküste (Beispiel: Kieler Förde), Buchtenküste (Beispiel: Lübecker Bucht) und die Bodden- bzw. Boddenausgleichsküste (Beispiel: Halbinsel Fischland-Darß-Zingst) z. T. mit der Bildung von Haffen (Beispiel: Stettiner Haff).

Anrainerstaaten: Begrenzt wird die Ostsee durch Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen und Polen.

Die westlichste Stelle der Ostsee liegt am Westende der Flensburger Förde bei der Stadt Flensburg, der nördlichste Punkt befindet sich an der schwedisch-finnischen Landesgrenze am Bottnischen Meerbusen, ihre östlichste Stelle beim russischen Sankt Petersburg. Ihren südlichsten Punkt stellt das Südende des Stettiner Haffs bei Stettin dar.

Das 22.000 km² große Kattegat wird in manchen Zusammenhängen der Ostsee zugerechnet obwohl es biologisch, verkehrstechnisch und historisch im Gegensatz zur eigentlichen Ostsee kein Binnenmeer ist.

Die etwa 8.000 km² große Beltsee, auch Westliche Ostsee genannt, umfasst die Meeresgewässer westlich von Seeland, Falster und der sich zwischen dieser Insel und der deutschen Küste bei Rostock erstreckenden Darßer Schwelle. Hier ist das Meer durch Inseln in ein Netz von Meerengen und Buchten geteilt, die mit der eigentlichen Ostsee kaum enger verbunden sind als mit dem Kattegat. Die mittlere Salzkonzentration im Wasser der Beltsee ist gut doppelt so hoch wie in der östlich angrenzenden eigentlichen Ostsee. In mancher Hinsicht kann die Beltsee bis auf Großen und Kleinen Belt allerdings schon der eigentlichen Ostsee zugerechnet werden.

Die Eigentliche Ostsee reicht im weiteren Sinne von der Deutschen Ostseeküste, im engeren Sinne von der Linie Falster–Darß im Westen ("Darßer Schwelle") bis etwa zur Linie Stockholm-Åland-nordwestliches Estland im Nordosten. Gelegentlich werden in der eigentlichen Ostsee noch das Arkonabecken (vor Rügen), die Bornholmsee (östlich von Bornholm) und die westliche und östliche Gotlandsee unterschieden, die untereinander durch mehr oder minder stark ausgebildete Schwellen abgrenzt sind und lokale Tiefpunkte (im Fall der westlichen Gotlandsee das Landsorttief, im Fall der östlichen Gotlandsee das Gotlandtief) haben.

Die Nordöstliche Ostsee umfasst den Finnischen Meerbusen zwischen Estland, Finnland und Russland.

Die Nördliche Ostsee von Åland nordwärts zwischen Finnland und Schweden wird vollständig vom Bottnischen Meerbusen eingenommen.

Der Salzgehalt (die Salinität) der Ostsee weist witterungsbedingte Schwankungen und starke regionale Unterschiede auf. Er liegt zwischen 17 PSU (1,7%) in der Beltsee im Westen und 5–3 PSU (0,5%–0,3%) im nordöstlichen Teil (Bottenwiek und Finnischer Meerbusen). Dabei ist der Abfall im Salzgehalt nicht kontinuierlich, sondern eher abrupt. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass das Bodenprofil der Ostsee eiszeitbedingt aus Becken und Schwellen besteht. Das größte Konzentrationsgefälle des Salzgehaltes ist im Bereich der Darßer Schwelle nördlich von Rostock zu finden, die zwischen Beltsee und Arkona-Becken liegt. Westlich beträgt die Salinität etwa 1,7%, östlich 0,8%. Wegen des hohen Süßwassereintrags und der geringen Verdunstung der Ostsee ist ihr Salzgehalt größtenteils auf den Wasseraustausch mit dem Weltmeer zurückzuführen. Salzwasser ist schwerer als Süßwasser. Das führt zu einer Schichtung des Seewassers. Besonders viel Salz findet sich im tiefen Wasser unterhalb von 60–70 Metern. In den Belten und Sunden gibt es eine Oberflächenströmung mit geringem Salzgehalt von der Ostsee zum Kattegat und eine Tiefenströmung salzreichen Wassers aus dem Kattegat in die Ostsee. Über drei Viertel des Wasseraustausches findet durch den Großen Belt statt und etwa 9% durch den kleinen Belt. Durch die Schwellen- und Beckenstruktur des Ostseebodens bleibt ein beachtlicher Teil des Salzwassers im Becken der Beltsee zurück.

Zeitliche Schwankungen der Salinität kommen durch stürmische Perioden zustande, die den Wasseraustausch durch die Meerengen beschleunigen, und durch große Niederschlagsmengen, die den Süßwassereintrag (im Mittel 500 km³/Jahr) vermehren. Mit dem Salz gelangt auch der Sauerstoff aus der Nordsee in das Tiefenwasser der Ostsee. Gibt es für längere Zeit keinen neuen Zustrom, so wird der Sauerstoff von den Organismen aufgebraucht. Es bildet sich giftiger Schwefelwasserstoff, der zum Beispiel Fischeier oder deren Larven abtötet.

Der Sauerstoffvorrat eines zusätzlichen Salzwassereinbruchs während stürmischer Perioden hält etwa 1–2 Jahre vor. Der letzte solche Einbruch war 2003, der davor 1993. Noch in den 1970er-Jahren fanden solche Ereignisse viel häufiger statt als heute.

Der mittlere Wasserstand (Mittelwasser) der Ostsee bei Kiel liegt 1 cm unter NN.

Die Ostsee heißt auch Baltisches Meer bzw. Baltische See, lat. Mare Balticum. Ostsee bezieht sich auf die geographische Lage aus Sicht der Germanen. Eine andere Form ist Aestenmeer – analog wurde das Volk der Aesten, vermutlich baltischen Prußen, von Tacitus in der Germania als die am weitesten östlich am Mare Suebicum lebenden Menschen beschrieben.

Dagegen besteht bei der Deutung von Balt- keine Einigkeit. Verschiedene Möglichkeiten werden erwogen.

Im Osten ist die Ostsee über die Newa und verschiedene Wasserstraßen mit der Wolga, dem Weißen, Schwarzen und dem Kaspischen Meer verbunden.

Auf Binnenschiffahrt ausgerichtet sind der Wasserweg Weichsel – Bug – Dnepr-Bug-Kanal – Dnepr und der wesentlich ältere Ossolinskikanal von der Memel an den Dnepr.

Der Nord-Ostsee-Kanal verkürzt zwar nur den Umweg um die Kimbrische Halbinsel, hat aber wegen oft schwieriger Witterungsverhältnisse im Skagerrak historische Vorläufer, den Eiderkanal und die mittelalterliche Passage über Schlei, Rheider Au und Treene, bei der seetüchtige Boote zumindest zeitweise auf Rollen über Land gezogen wurden.

Der Götakanal von der Ostsee zum Kattegat in Schweden wurde im 18. Jahrhundert angelegt, um mit damaligen – kleineren – Seeschiffen den dänischen Sundzoll zu umfahren..

Ungefähr 20 Prozent der Böden der Kern-Ostsee – zwischen Dänemark und den Åland-Inseln – gehören inzwischen zu den sogenannten „Todeszonen“, in denen aufgrund Sauerstoffmangels kein Leben existiert – von anaeroben Organismen abgesehen. Dies geht aus Messungen des schwedischen Meteorologischen Instituts im Jahr 2008 hervor. Diese Todeszonen haben sich in den letzten Jahren aufgrund steigenden Eintrags von Phosphor- und Stickstoff-Verbindungen aus der Landwirtschaft ausgebreitet. Diese Verbindungen führen zu vermehrtem Algenwachstum, deren Zersetzung den Sauerstoffgehalt weiter sinken lässt. Wasser mit höherem Salzgehalt und dadurch bedingt höherer Dichte bleibt auf dem Meeresgrund, isoliert vom Oberflächenwasser und der Atmosphäre. Das führt zu abnehmendem Sauerstoffgehalt in dieser Zone. Die einzigen Organismen, die hier überdauern können, sind anaerobe Bakterien, die organische Substanz zersetzen und dabei Schwefelwasserstoff freisetzen. Aufgrund dieser großen anaeroben Zone unterscheidet sich die Ökologie des Ostsee-Bodens stark von der des Atlantik. Eine Anreicherung mit Sauerstoff findet überwiegend durch Herbst- und Winter-Stürme aus westlichen Richtungen statt, die salziges und sauerstoffreicheres Wasser aus der Nordsee in die Ostsee transportieren.

Der Südteil der Ostsee befindet sich in der gemäßigten Klimazone, die bei Dänemark noch ausgesprochen maritime Züge trägt, nach Osten hin jedoch im Bereich des Kontinentalklimas liegt. Der nördliche Teil, insbesondere der Bottnische Meerbusen, ist geprägt durch das kalte Klima der borealen Nadelwälder. Die reichen in Finnland bis etwa 200 km nördlich des Polarkreises. Weil die Ostsee vom klimabeeinflussenden Golfstrom abgekoppelt und ihre Fläche recht klein ist, aufgrund geringer Verdunstung und reicher Süßwasserzuführung der Salzgehalt außerdem sehr niedrig liegt, kann sie nur sehr geringfügig zum klimatischen Ausgleich beitragen; sie entwickelt kein eigenes maritimes Klima. Daher vereist sie jeden Winter teilweise, hin und wieder sogar vollständig. Dadurch wirkt sie nach harten Wintern als Kältespeicher. Hafenstädte wie Oulu in Finnland zählen bis zu sechs vereiste Monate pro Jahr. Eisschichten können in kalten Wintern auch an der deutschen Küste solche Mächtigkeiten erreichen, dass Personen darauf gehen können. Nur einige Inseln wie Bornholm profitieren von einem ungewöhnlich milden Mikroklima.

Die Ostseeregion erwärmt sich überdurchschnittlich: Im letzten Jahrhundert wurde es an der Ostsee um 0,85 Grad wärmer, weltweit dagegen nur um 0,75 Grad. Seit 1990 ist die Luft durchschnittlich knapp ein Grad wärmer als in den Jahrzehnten zuvor. Bis Ende des Jahrhunderts könnte sich die Luft in der Ostsee-Region um weitere drei bis sechs Grad erwärmen.

Die Ostsee ist reich an Inseln, Inselgruppen und -ketten sowie bewohnten und unbewohnten Eilanden. Eine exakte Zahl wird nicht genannt, weil die Definitionen auseinander gehen, wonach eine Insel und ein Eiland unterschieden werden.

Größere Inseln in der Ostsee sind Gotland und Öland (schwedisch), Åland (finnisch), Dagö und Ösel (estnisch), Wollin (polnisch), Usedom (deutsch/polnisch), Rügen, Hiddensee und Fehmarn (deutsch) sowie unzählige dänische Inseln, beispielsweise Seeland, Bornholm, Fünen, Lolland, Falster und Langeland.

Die großen dänischen Inseln Seeland und Fünen trennen die Ostsee vom Kattegat. Seeland trägt die dänische Hauptstadt Kopenhagen (København). Seeland ist die größte Insel des Königreichs und inzwischen durch eine Brücke und einen Tunnel mit Schweden und durch eine andere Brücke und einen Eisenbahntunnel mit der drittgrößten dänischen Insel Fünen verbunden.

Die dänischen Inseln sind wesentlich dichter besiedelt als die Halbinsel Jütland, welche die Beltsee und Kattegat nach Westen begrenzt. Die meisten Inseln liegen im Segelrevier der dänischen Südsee. Dort befinden sich größere Inseln wie Lolland, Falster, Møn, Langeland, Ærø und Alsen. Weiter östlich besitzt das Land mit Bornholm seinen östlichsten Außenposten.

Zu den kleinsten bewohnten dänischen Ostseeinseln gehören die Ochseninseln in der Flensburger Förde. Sie liegen unmittelbar an der deutsch-dänischen Grenze.

Zu Deutschland gehören die großen Ostseeinseln Fehmarn, Rügen und Usedom, welche auch zu einem kleinen Teil zu Polen gehört.

Fehmarn liegt vor der Halbinsel Wagrien an der Lübecker Bucht und ist mit dem Festland über die Fehmarnsundbrücke als Teil der Vogelfluglinie verbunden, und es wird überlegt, diese Insel mit einer weiteren festen Fehmarnbeltquerung als Alternative zur Jütlandlinie zu versehen, so dass das Brücken- und Tunnelnetz auf dem Weg von Mitteleuropa nach Skandinavien komplettiert wäre.

Rügen, die größte deutsche Insel, ist über den Rügendamm und die Rügenbrücke (zweite Strelasundquerung) bei Stralsund mit dem Festland verbunden. Rügen hat einige vorgelagerte Inseln, von denen Hiddensee die bekannteste ist.

Usedom, dessen Ostteil zu Polen gehört, besitzt wie Rügen eine reiche Gliederung in Halbinseln, außerdem existieren dort viele Seen.

Estlands größte Insel, und gleichzeitig die größte Ostseeinsel des Baltikums ist Saaremaa (Ösel). Zweitgrößte estnische Insel ist Hiiumaa (Dagö). Daneben gibt es noch die Insel Kihnu.

Die Zahl der finnischen Ostseeinseln und Eilande wird mit etwa 80.000 angegeben. In dieser Zahl sind die ca. 6500 Inseln von Åland ebenso enthalten wie dessen Schären. Der Rest sind zumeist Schären, die nicht zu Åland gehören. Finnland besitzt also eine bedeutende Inselwelt in der Ostsee.

Die Festung Suomenlinna liegt auf den Inseln vor Helsinki. Mit dem Kvarken und dieser Festung hat Finnland zwei insulare Weltkulturerbe in der Ostsee.

Zwischen Schweden und Finnland liegt die zu Finnland gehörende, aber mit Autonomierechten ausgestattete schwedischsprachige Inselgruppe Åland, die aus über 6500 Inseln besteht. 65 dieser Inseln sind bewohnt und beherbergen 26.530 Einwohner (Ende 2004).

Litauen hat keine Inseln in der offenen Ostsee, dafür aber im Kurischen Haff: Kiaulės Nugara (dt.: „Schweinerücken“) bei Klaipėda sowie Rusnė und einige andere im Memeldelta. Der litauische Teil der Kurischen Nehrung hat keine Landverbindung mit Litauen selber. Von Klaipėda muss man mit der Fähre übersetzen. Pläne für eine Brücke stehen im Konflikt zum Status der Landzunge als Nationalpark und Weltkulturerbe und wurden daher bisher verworfen. Auf dem Landweg ist die Nehrung nur von der russischen Oblast Kaliningrad aus zu erreichen.

Polen teilt sich Usedom mit Deutschland. Ganz zu Polen gehört die Nachbarinsel Wollin. Daneben gibt es eine Reihe kleinerer Inseln im Stettiner Haff.

Russland besitzt mit Kotlin vor Sankt Petersburg eine historisch wichtige Insel. Sie ist besser bekannt unter dem Namen Kronstadt der gleichnamigen Stadt und Festung.

Die zweitgrößte Ostseeinsel ist das schwedische Gotland. Hier wird noch heute eine eigene Sprache, das Gutnische, gesprochen. Wichtig ist auch die zweitgrößte schwedische Insel Öland. An Schwedens Küste liegen tausende kleiner Schären, die teilweise bewohnt sind.

Die Hauptstadt von Gotland, Visby, ist ebenso Weltkulturerbe wie die südliche Landschaft Ölands.

Die schwedisch-finnische Küste in der Zentralen, Nördlichen und Östlichen Ostsee ist fast ausschließlich eine Schärenküste; ab und zu findet man noch vereinzelte Fjorde (Fjord-Schären-Küste). Schären sind der Küste vorgelagerte, kleine und kleinste felsige Inseln, die durch den Abschleifeffekt der Gletscher eine charakteristische Kuppenform aufweisen. Weil die Ostsee nur geringe Gezeiten aufweist, sind sie über die letzten Jahrtausende praktisch unverändert geblieben. Das flach abfallende Gelände wurde beim Abschmelzen des Eispanzers überflutet und die Kuppen ragten fortan als Inseln heraus; durch die Geländehebung sind mit der Zeit weitere, vorgelagerte Schären entstanden.

An einigen Stellen, zum Beispiel auf Gotland, Bornholm, Møn und Rügen, haben sich Kliffküsten gebildet. Diese ragen steil und schroff hervor und markieren Geländebrüche im geologischen Untergrund. Kliffkanten finden sich auch unterhalb des Meeresspiegels. Auch die Nordküste Estlands zum Finnischen Meerbusen hin ist durch solch eine Bruchlinie geprägt. Von West nach Ost rückt dieses Kliff immer näher an die aktuelle Küstenlinie heran und erreicht bei Sillamäe immerhin knapp 60 m Höhe. Eine bekannte Steilküste befindet sich auf der Insel Rügen. Der weiße Kreidefelsen des Königsstuhls im dortigen Nationalpark Jasmund kann als totes Kliff bezeichnet werden, da er nicht ständig von der Brandung erreicht wird. Dagegen sind die benachbarten Wissower Klinken im Jahre 2005 ein Opfer der Meeresbrandung geworden.

Die Ostküste Schleswig-Holsteins und Jütlands ist durch Förden gekennzeichnet, die allerdings in Dänemark Fjord genannt werden. Diese schmalen langen Buchten sind bei der Entstehung der Ostsee durch den Anstieg des Meeresspiegels vollgelaufene ehemalige Gletschertäler. Der Unterschied zu Fjorden besteht darin, dass die Gletscher sich nicht vom Land zur See bewegten, sondern umgekehrt der Eispanzer über der heutigen Ostsee Gletscher vorantrieb, die nach dem Abschmelzen eine Rinne übrig ließen, die sich mit Seewasser füllte. Die Schleswig-Holsteinischen Förden werden von den Landschaften Angeln, Schwansen und Dänischer Wohld getrennt. Zwischen der Kieler Förde und der ihr vorgelagerten Kieler Bucht einerseits und der Lübecker Bucht als Teil der Mecklenburger Bucht andererseits liegt die Probstei und die Halbinsel Wagrien mit der Insel Fehmarn. Der Hemmelsdorfer See bei Timmendorfer Strand ist ebenfalls eine alte Förde. Er ist wesentlich tiefer als die durch eine eiszeitliche Landbarriere abgeschnittene, davorliegende Lübecker Bucht. Die Landschaft der Fördenküste wird durch den Baltischen Landrücken geprägt, der sich entlang oder parallel der westlichen, südlichen und südöstlichen Ostseeküste von Jütland bis ins Baltikum erstreckt.

Die vorpommersche Küste ist durch Boddenlandschaften geprägt. Bodden sind dadurch entstanden, dass vormalige Inseln durch stetige Zuführung von Material, hauptsächlich Sand, durch schmale Brücken miteinander verbunden worden sind. Die rückwärtigen Gewässer, die Bodden, sind dadurch größtenteils von der Ostsee abgetrennt worden und mit ihr nur noch durch Rinnen verbunden.

Die Ausgleichsküste bestimmt vor allem die Küstenlinie Polens von Stettin bis kurz vor Danzig und die lettische Küste. Hier sind die typischen reich gegliederten glazialen Küstenformen durch die Anströmung und den Sedimenttransport von Westen her ausgeglichen worden, so dass der Verlauf fast gerade ist. Dies ist möglich geworden, weil die zumeist von Westwind geprägte Brandung auf eine Küstenlinie trifft, die von Südwest nach Nordost verläuft und dadurch Transportmaterial anlagert. Auch an der Küste Vorpommerns sind durch solche Ausgleichsprozesse Landzungen und Nehrungen entstanden, wie z. B. die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und die Schaabe, die Schmale Heide und der Bug auf Rügen.

Die Haff- oder Nehrungsküste ist im Küstenabschnitt zwischen Danzig und Klaipėda entstanden. Außerdem wird das Stettiner Haff ebenfalls hinzu gezählt. Haffe entstehen vor Flussmündungen als Brackwasserreservoire, die durch schmale Landzungen, die Nehrungen, von der übrigen Ostsee größtenteils abgetrennt wurden. Durch die ständige Zufuhr von Flusswasser schließen sich die Nehrungen nicht, sondern bleiben als langgestreckte Halbinseln bestehen, die eine Rinne zum Meer offen lassen.

Die bekanntesten Haffs sind das Kurische und das Frische Haff. Eine (unvollständige) Nehrung bildet auch die Halbinsel Hel bei Zoppot.

Die größten Flüsse, die in die Ostsee münden, sind Oder (Polen, Deutschland), Weichsel (Polen), Memel (Litauen, Russland), Düna (Lettland), Newa (Russland) und Torneälven (Schweden).

Wichtige Häfen sind Kopenhagen, Malmö, Stockholm, Helsinki, Sankt Petersburg, Tallinn, Riga, Liepāja, Klaipėda (ehem. Memel), Kaliningrad (ehem. Königsberg), Danzig, Gdynia, Stettin, Swinemünde (Świnoujście), Trelleborg, Sassnitz, Rostock, Wismar, Lübeck, Kiel und Flensburg.

In der Mitte der südlichen Ostsee verläuft eine der wichtigsten Seeschifffahrtsrouten weltweit, die so genannte Kadetrinne. Sie ist dicht befahren und war in der Vergangenheit gelegentlich im Zusammenhang mit Havarien in den Schlagzeilen.

Eine besondere Rolle für den Verkehr auf der Ostsee spielen die vielen Fährverbindungen sowie die großen Brücken, die in Skandinavien zum Teil größere Meerengen überspannen.

Die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Erde ist der Nord-Ostsee-Kanal, welcher die Ostsee mit der Nordsee verbindet, und so den Seeweg über Kattegat (Ostsee) und Skagerrak (Nordsee) abkürzt. Er führt in Schleswig-Holstein von Kiel nach Brunsbüttel zur Elbe.

Mit dem wachsenden Schiffsverkehr von Frachtschiffen und Kreuzfahrtschiffen auf der Ostsee wächst auch die Emission von Kohlendioxid, Stickoxiden und Schwefeldioxid. Dabei werden während der Hafenliegezeiten die Häfen und ihre Anwohner, während der Fahrt das offene Meer belastet. Verschärft wird dieses Problem dadurch, dass Schiffe als Treibstoff Schweröl verwenden können mit einem sonst nicht zulässigen hohen Schwefelgehalt von 1,5 % (= 15.000 ppm) auf der Ostsee. Straßendiesel enthält nur 10 ppm Schwefel. Ab 2010 sollen die Schwefel-Grenzwerte EU-weit auf 0,1 Prozent sinken, das wären dann 1000 ppm.

Um die Emissionen während der Hafenliegezeiten zu senken, gibt es erste Versuche, Kreuzfahrtschiffe im Hafen verpflichtend an die Stromversorgung des Hafens anzuschließen (Beispiel Hamburg ).

Die Ostsee wird vor fast 2000 Jahren in der Germania des Tacitus als Mare Suebicum erwähnt, das er als Teil des die Erde umgebenden Ozeans ansah. (siehe hierzu Namensgebung und -deutung).

Schon aus damaliger Zeit sind weit verzweigte Handelswege belegt, über die der begehrte Bernstein, der an der Ostseeküste häufig gefunden wurde, in alle Teile des Römischen Reichs gelangte. Exportwaren waren weiterhin Felle und Pelze. Umgekehrt gelangten römische Erzeugnisse wie Keramikwaren, Wein und Öl nach Norden.

Im Hochmittelalter spielte die Ostsee eine immense Rolle als Verkehrs- und Handelsweg in Europa. Die in Nachbarschaft der Ostsee liegenden Städte schlossen sich zum Bund der Hanse zusammen und brachten es dabei zu großem Reichtum. Wichtigste Hansestädte an der Ostsee und in deren Einzugsgebiet waren Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswald, Stettin, Danzig, Königsberg, Memel, Riga, Reval und Nowgorod.

Im Dreißigjährigen Krieg versuchte Schweden über die Ostsee hinweg Großmachtpläne zu verwirklichen. Infolgedessen gehörten auch später noch viele südlich der Ostsee gelegene Landstriche lange zu Schweden (siehe auch Schwedisch-Pommern). In den Nordischen Kriegen gelang es Russland, von Osten her Anschluss an die Ostsee zu bekommen. Zar Peter der Große ließ im Mündungsdelta der Newa die neue Reichshauptstadt Sankt Petersburg erbauen, die für das Land ein „Tor zur Welt“ sein sollte.

Im Jahre 1872 kam es zur größten Sturmkatastrophe in der gesamten Ostsee. Am 11. November 1872 sollen in der Ostsee angeblich insgesamt 654 Schiffe gesunken sein.

Im 20. Jahrhundert war die Ostsee während der Weltkriege Schauplatz zahlreicher bewegender Vorfälle. Die Ostseehäfen waren gegen Ende des Ersten Weltkrieges Orte, in denen Geschichte geschrieben wurde: Die Sankt Petersburg vorgelagerte Festungsinsel Kronstadt war der Schauplatz eines Matrosenaufstandes gegen die russische Revolutionsregierung. Die Revolte wurde unter Einsatz von Kriegsschiffen blutig beendet. In den allerletzten Kriegstagen meuterten die deutschen Marineeinheiten in den Häfen von Kiel und Flensburg gegen einen sinnlosen Befehl der Obersten Heeresleitung, die Flotte zu einer militärisch nicht mehr entscheidenden Schlacht ausrücken zu lassen. Der Matrosenaufstand von 1918 weitete sich zu einer Revolution in ganz Deutschland aus und führte zum Sturz der Monarchie.

Im Zweiten Weltkrieg wurden in der Ostsee einige Kämpfe zwischen deutschen und sowjetischen Flotten- und U-Boot-Verbänden ausgefochten. Zu Kriegsende war fast die gesamte schiffbare Fläche vermint, so dass die Personenschifffahrt eingestellt wurde. 1945 wurde gleichwohl versucht, die in Kurland, Ostpreußen und Hinterpommern eingeschlossenen deutschen Truppen, aber auch die flüchtende Zivilbevölkerung, über die Ostsee zu evakuieren. Besonders tragisch war die Versenkung des ehemaligen KdF-Schiffes Wilhelm Gustloff, das fast ausschließlich Zivilisten an Bord hatte. Das Schiff sank nach mehreren Treffern sowjetischer Geschosse und riss schätzungsweise 9000 Menschen in den Tod, die entweder ertranken oder im eiskalten Wasser bald erfroren. Es war – gemessen an Menschenleben – die größte Schiffskatastrophe aller Zeiten.

Auch der Kalte Krieg forderte Opfer in der Ostsee: Rund 5000 DDR-Bürger versuchten, über die Ostsee in den Westen zu flüchten. Nur etwa 600 Flüchtende erreichten ihr Ziel, einige sogar auf Surfbrettern. Die meisten Fluchtversuche scheiterten und endeten oft genug tödlich. Der Leuchtturm in Dahmeshöved (Ostseeheilbad Dahme) diente vielen Flüchtlingen an der mecklenburgischen Küste als realistisches Ziel einer erfolgreichen Flucht.

Zu einem der schwersten Schiffsunglücke der europäischen Nachkriegsgeschichte kam es am 28. September 1994, als die Ostseefähre M/S Estonia auf ihrem Weg von Tallinn nach Stockholm sank und 852 Passagiere den Tod fanden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der Ostsee große Mengen Munition, darunter auch Giftgasmunition, entsorgt. Vor allem von phosphorhaltiger Munition geht nach wie vor eine große Gefahr aus. Bernsteinfarbene Phosphorklumpen entzünden sich nach dem Trocknen schon bei 34 °C, brennen dann mit einer Temperatur von 1300 °C und sind nur noch mit Sand zu löschen. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs sind laut offiziellen Aufzeichnungen 168 Menschen durch Munitionsreste in der Ostsee zu Tode gekommen, 250 trugen Verletzungen davon. Dänemark veröffentlichte eine Studie mit weitaus höheren Verletzungszahlen. So sollen jährlich 20 Menschen Unfälle mit Munitionsresten erleiden, die meisten von ihnen sind Fischer.

Die Küsten und Inseln des Ostseeraumes sind stark vom Tourismus geprägt, der neben der Werftindustrie und dem Handel der wichtigste Wirtschaftssektor ist. Ein wichtiger Bereich des Fremdenverkehrs ist der Badeurlaub in Seebädern. Er ist von einer für den Ostseebereich typisch-starken Saisonalität gekennzeichnet, welche die Monate Juli und August als Schwerpunkt haben. Andere Angebotsformen wie Wellness, Fahrrad- oder Kulturtourismus entwickeln sich und schwächen die Saisonalität etwas ab.

Weitere Faktoren im Ostsee-Tourismus sind Kreuzfahrtschiffe, die beispielsweise in Rostock-Warnemünde, Kopenhagen, Tallinn, Riga, Danzig, Helsinki, St. Petersburg, Mariehamn und Stockholm anlegen, sowie maritime Großveranstaltungen wie die Kieler Woche oder die Hanse Sail, die jeweils Millionen von Besuchern anziehen.

Ab 2012 soll die auch „Ostseepipeline“ genannte Nordeuropäische Gasleitung russisches Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland transportieren.

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Source : Wikipedia