Karneval in Rio
- Beim Karneval der Kulturen wird Berlin zu Rio - Berliner Morgenpost
- Außerdem, sagt Dietrich Kollöffel, sei die Formation noch benannt nach der Paradestraße des Karnevals in Rio de Janeiro. In diesem Jahr gibt die Gruppe mit rund 200 Trommlern, Tänzern, Stelzenläufern und Schauspielern aus sieben Nationen die...
- Tanz-Marathon beim Karneval - BZ
- Schlappe 90 Minuten dauert die Darbietung der rassigen Samba-Tänzerinnen beim traditionellen Karneval in Rio – der Karneval der Kulturen in Berlin begeistert mit einem ultimativen Tanz-Marathon von über fünf Stunden. Der Umzug (70 Nationen,...
- Air-France-Flug 447: Ein Ozean voller Tränen - BUNTE Online
- Da ihre Tochter Regine E. (40) mit Mann Christian W. im Februar beim Karneval in Rio waren und begeistert von der Stadt am Zuckerhut berichteten, wollte sie auch mit ihren Eltern und ihrer Schwester Carmen (43) dort noch einmal hinfahren....
- Der Karneval der Kulturen holt am Wochenende brasilianisches ... - BZ
- Mal feiert Berlin am Pfingstwochenende den Karneval der Kulturen. Vibrierender als in Rio, sexier als in Köln. Schon heute man kann sich beim Straßenfest rund um den Blücherplatz in Stimmung bringen (Sa/So 11-24 Uhr, Mo 11-19 Uhr)....
- Karneval im Mai in Beckum: 50.000 Zuschauer säumten den Narren-Zug - Ahlener Zeitung
- „Das hat was von Karneval in Rio“, kommentierte kennerisch Matthias, der mit einer Gruppe aus Sendenhorst angereist war. 50.000 Narren säumten den Weg des Lindwurms in Beckum. Auch Oscar aus Münster im Arztkostüm bekannte eindeutige Interessen: „Der...
- Westfalen: Karneval im Frühling - WELT ONLINE
- Mit Temperaturen fast wie in Rio können die Jecken im westfälischen Beckum am Pfingstsonntag für ihren Straßenkarneval rechnen. Dieses Jahr kommen die Narren der Kleinstadt an der Bahnstrecke von Dortmund nach Bielefeld erst 13 Wochen nach...
- Mitternachtsshopping Tausende Nachtschwärmer kamen zur karibischen ... - Märkische Allgemeine
- Neben dem Aufgebot der südamerikanischen Profitänzer musste allerdings alles verblassen: Mit einer ganzen Batterie von Kostümen und Instrumenten, die typisch sind für den brasilianischen Karneval in Rio de Janeiro, war die Gruppe aus Berlin angereist....
- Kölner Karneval: Aushängeschild und Kontaktbörse - Aachener Zeitung
- Der kölsche Karneval steht demnach für Tradition, ist «das Aushängeschild deutscher Karnevalstradition», rangiert aber nicht auf einem Bekanntheitsgrad wie Rio de Janeiro. Die jetzt veröffentlichte Untersuchung hatte das Festkomitee des Kölner...
- Augenschmaus und Ohrenweide - Derwesten.de
- ... heizt die Gruppe Balancao, die aus zehn bis zwölf Perkussionisten aus dem gesamten Ruhrgebiet besteht, ihren Fans auf Surdos, Timbas, Glocken und Rasseln mit den typischen Rhythmen des Karnevals in Rio bis hin zu jamaikanischen Reggae-Rhythmen ein....
- WM-Countdown: Kein Weg führt an Johannesburg vorbei - Derwesten.de
- Sollte es Nigeria, Kamerun, Ghana oder dem Senegal gelingen, zumindest in die Zwischenrunde zu gelangen, wird Jozi auch den Karneval von Rio in den Schatten stellen: Denn im Feiern sind die Südafrikaner Meister – was man von ihrer...
Karneval in Rio
Der Karneval in Rio de Janeiro (portugiesisch carnaval carioca, carnaval do Rio oder Rio carnaval) beginnt offiziell am Freitag vor Aschermittwoch und ist eine der Hauptattraktionen der Stadt. Die vielfarbige Parade der Sambaschulen gehört zu den größten Festen der Welt.
Organisiert wird der Karneval vom Tourismusbüro der Stadt in Zusammenarbeit mit der Liga der Sambaschulen Liga Independente das Escolas de Samba do Rio de Janeiro (LIESA). Aber auch die übertragenden Fernsehsender sprechen meist ein Wort mit.
Jede Escola de Samba wählt jährlich ein bestimmtes Thema, entsprechend werden dann die Festwagen dekoriert, und die Kostüme darauf abgestimmt. Danach werden Einzelheiten, wie Rhythmus, Choreographie, Präsentation, Zusammenspiel der Gruppe etc. abgestimmt. Die meisten der prächtig kostümierten Könige, Königinnen, Prinzessinnen und Baianas (in den weiten, weißen Trachten bahianischer Frauen) haben das ganze Jahr über hart gearbeitet, um sich die Kostüme leisten zu können, die sie hier für nur wenige Stunden tragen.
Jedes Jahr steigen zwei Schulen – alle sind, wie beim Fußball, in insgesamt vier Ligen aufgeteilt – mit den besten Punktzahlen aus der Ersten Liga in die Grupo Especial auf. Für die Gewinner der Grupo Especial gibt es einen Geldpreis, fast noch wichtiger ist jedoch die Ehre, Mitglied einer Gewinnerschule in dieser Gruppe zu sein.
Die Reihenfolge der einzelnen Paraden der Grupo Especial wird durch das Los bestimmt. Jede dieser Escolas tritt mit 3000 bis 5000 Teilnehmern an, aufgeteilt in bis zu 40 Gruppen mit 5 bis 8 Festzugswagen (die aus Sicherheitsgründen nur von Hand gezogen werden dürfen), die jeweils genau 75 Minuten Zeit für ihre Parade bekommen. Ein Überschreiten, aber auch ein Unterschreiten dieses Zeitlimits kostet sie wertvolle Punkte.
Auf den Tribünen des von Oscar Niemeyer erbauten Sambódromo im Stadtteil Estácio haben 88.500 Zuschauer Platz. Die Paraden beginnen in der 700 Meter langen Arena jeweils um 21 Uhr und dauern pro Festtag etwa 12 Stunden. Das bedeutet, dass die letzten zwei Paraden bereits im Licht des folgenden Morgens durchgeführt werden.
Am Aschermittwoch gegen Mittag findet dann die Punkteauszählung statt, die in den TV-Kanälen im ganzen Land live übertragen wird. Die Siegesfeier wird wie bei einer Fußball-Weltmeisterschaft mit Feuerwerk und Freudenfesten der siegreichen Escola de Samba gebührend gefeiert. Auch die, die den zweiten oder dritten Platz belegt, bekommt Geld in die Vereinskasse.
Die Karnevalsvorbereitungen für das nächstfolgende Jahr beginnen bereits direkt nach der jährlichen Parade und nehmen in jedem Verein Tausende von Mitgliedern als professionelle Mitarbeiter in Anspruch. Getragen werden die zweifellos hohen Produktionskosten auch durch private Sponsoren: Ihre persönlichen Kostüme, die von jedem Träger gekauft werden müssen, sparen sich die einzelnen Teilnehmer der Paraden allerdings buchstäblich vom Munde ab.
Ein kleines Karnevalsmuseum innerhalb des Sambódromo, der übers ganze Jahr besichtigt werden kann, bietet mit seinem englisch sprechenden Personal eine gute Möglichkeit, Tradition und Einzelheiten des Karnevals von Rio besser verstehen zu können.
Ähnlich berühmt, musikalisch vielfältiger und weniger organisiert ist der Karneval in Salvador da Bahia, der als größter Straßenkarneval der Welt gilt, und in Recife.
Zu den negativen Begleiterscheinungen der Karnevalsaison gehören die Verknappung der Hotelbetten und der damit verbundene Preisanstieg auf ein Mehrfaches der Normaltarife. Viele cariocas (die Einwohner Rios) „flüchten“ während des Karnevals aber auch aus der Stadt, weil sie lieber Entspannung suchen und des Treibens müde sind.
Die auch hier in den Medien oft zitierte gesteigerte Zahl an Todesfällen und Verbrechen während des Karnevals muss jedoch relativiert werden. Zweifelsohne ist die Kriminalität in Rio sehr hoch, doch gerade in diesen Tagen „stürzen“ sich die Medien mit besonderer Aufmerksamkeit auf natürliche und unnatürliche Todesfälle, über die das restliche Jahr über nicht berichtet wird.
Rio de Janeiro
Rio de Janeiro ist die zweitgrößte Stadt Brasiliens und Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates. Sie liegt an der Guanabara-Bucht im Südosten des Landes. Der Name (portugiesisch für „Fluss des Januars“) entstand, weil Gaspar de Lemos am 1. Januar 1502 die Bucht entdeckte und irrtümlich für die Mündung eines großen Flusses hielt. Im administrativen Stadtgebiet leben rund 6,1 Millionen Menschen (2007). Die Metropolregion hat 11,6 Millionen Einwohner (2007).
Von 1763 bis 1960 war Rio de Janeiro die Hauptstadt Brasiliens und trat danach diese Funktion an Brasília ab, bleibt aber nach São Paulo bedeutendstes Handels- und Finanzzentrum des Landes. Die Bewohner der Stadt nennt man Cariocas, nach einem Wort aus der zum Tupí-Guaraní gehörenden Sprache der Tupinambá, welches „Hütte des weißen Mannes“ bedeutet.
Wahrzeichen von Rio de Janeiro sind der Zuckerhut, die 38 Meter hohe Christusfigur auf dem Gipfel des Corcovado und der Strand des Stadtteils Copacabana, der als einer der berühmtesten der Welt gilt. Die Stadt ist auch bekannt wegen des jährlich stattfindenden Karnevals von Rio. Die vielfarbige Parade der Sambaschulen gehört zu den größten Paraden der Welt.
Rio de Janeiro liegt unmittelbar nördlich des südlichen Wendekreises, eingebettet zwischen dem Atlantik im Süden, der Guanabara-Bucht im Osten und den Ausläufern der Serra do Mar, einem Teil des zentralbrasilianischen Hochlandes, im Norden und Westen. Das administrative Stadtgebiet hat eine Fläche von 1182 Quadratkilometer und liegt durchschnittlich 31 Meter über dem Meeresspiegel. Es ist geprägt durch die Buchten und Strände entlang der Ufer, sowie durch Morros genannte Granithügel, die zu den Ausläufern der Serra do Mar gehören.
Zu diesen Granithügeln gehören auch die beiden Wahrzeichen Rios, der 394 Meter hohe Zuckerhut, unmittelbar auf einer Halbinsel in der Guanabara-Bucht gelegen, sowie der 704 Meter hohe Corcovado mit der Christusstatue auf dem Gipfel. Der höchste Punkt des Stadtgebietes ist der 1022 Meter hohe Pico da Tijuca, der inmitten eines ausgedehnten Naturschutzgebietes liegt.
Durch eine Hügelkette wird das Stadtgebiet in zwei Teile getrennt, dem entlang der Atlantikküste liegenden Stadtteil Süd-Rio mit den berühmten Strandbezirken Ipanema und Copacabana und dem nördlichen Teil mit dem historischen Stadtzentrum, dem heutigen Geschäftszentrum sowie den neueren Stadtteilen im Norden.
Die Verwaltungsregionen unterteilen sich in 159 Stadtviertel (Bairros). Dazu gehören unter anderem: Bento Ribeiro, Cascadura, Catete, Estácio, Flamengo, Gávea, Humaitá, Ipanema, Lapa, Leblon und Urca.
Auf Grund der Lage Rio de Janeiros in den niederen Breiten, am Atlantischen Ozean und an der Guanabara-Bucht ist das Klima der Stadt tropisch mit zwölf humiden Monaten. Es dominiert warmes Klima, das jedoch durch die steten Passatwinde gemildert wird.
Die höchste Temperatur in Rio de Janeiro wurde offiziell am 14. Januar 1984 an der Wetterstation im Stadtteil Bangu mit 43,2 °C gemessen, die tiefste am 19. Juli 1926 an der Wetterstation im Stadtteil Campo dos Afonsos mit 4,8 °C.
Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 22,6 °C bei nur geringen monatlichen Abweichungen (Höchsttemperatur im Januar/Februar: 25,5 °C, Tiefsttemperatur im Juli: 20,2 °C) und einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von 1173 Millimetern. Die höchsten Niederschläge fallen in den Monaten Dezember bis April, wenn auf der Südhalbkugel Sommer ist. Der wenigste Niederschlag fällt in den Wintermonaten Juli und August.
Entsprechend dem Vertrag von Tordesillas erhoben die Portugiesen Anspruch auf das 1500 entdeckte Gebiet des heutigen Brasiliens, der aber von den Franzosen nicht anerkannt wurde, die daraufhin 1555 auf der Ilha do Serigipe vor der Küste des heutigen Rio de Janeiro unter Vizeadmiral de Villegagnon das Fort Coligny gründeten; das von hier aus kontrollierte Gebiet nannten sie France Antarctique. An der gegenüberliegenden Küste gründete de Villegagnon dann die Siedlung „Henriville“. Zu jener Zeit lebten in dieser Region Tupi-Indianer der Stämme der Tamoios und Tupinambás, mit denen die Franzosen sich verbündeten. Erst zehn Jahre später, 1565, wurden die Franzosen durch die Portugiesen von dort vertrieben, die daraufhin am heutigen Morro do Castelo die Stadt São Sebastião do Rio de Janeiro gründeten.
1680 wurde Rio de Janeiro Hauptstadt der südlichen Regionen Brasiliens; zu dieser Zeit war die Siedlung mit rund 4000 Einwohnern eine der wichtigsten portugiesischen Stützpunkte auf brasilianischem Gebiet. Seit 1700 entwickelte sich Rio de Janeiro zur wichtigsten Hafenstadt in Brasilien, vor allem ausgelöst durch Goldfunde in der benachbarten Region Minas Gerais.
Obwohl die Stadt 1710/1711 von den Franzosen angegriffen und besetzt wurde und nur gegen ein hohes Lösegeld den Abzug der Franzosen erreichen konnte, erholte sie sich in den nachfolgenden Jahren rasch und wurde 1763 zur Hauptstadt des Vizekönigreiches Brasilien. Einen weiteren Bedeutungsgewinn erfuhr Rio de Janeiro 1808, als der portugiesische Hof nach dem Angriff Napoleons auf Portugal dorthin flüchtete.
Im Zuge dessen wurden viele koloniale Restriktionen aufgehoben, wodurch die wirtschaftliche Entwicklung stark gefördert und eine Bevölkerungsexplosion ausgelöst wurde, die bis in die 1980er-Jahre anhielt. Innerhalb von knapp hundert Jahren stieg die Bevölkerungszahl der Stadt auf über 500.000 Einwohner (1891) an und erreichte bis 1980 circa fünf Millionen.
Als sich 1822, nach der Rückkehr des portugiesischen Hofes nach Portugal, Brasilien unter dem Prinzen Dom Pedro de Alcântara zu einem unabhängigen Kaiserreich erklärte, behielt Rio de Janeiro den Status als Hauptstadt, in welcher der Prinz nun als Kaiser Pedro I. residierte. Aufgrund von Thronfolgestreitigkeiten in Portugal und innenpolitischen Problemen in Brasilien dankte er 1831 ab und ließ seinen minderjährigen Sohn zurück. Dieser bestieg als Dom Pedro II. im Jahre 1840 den Thron. Er initiierte unter anderem den Bau einer Eisenbahn, deren erster Abschnitt 1858 in Rio de Janeiro eröffnet wurde.
Auch als 1889 Brasilien nach einem Militärputsch zur Republik wurde, blieb Rio de Janeiro Hauptstadt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte Rio de Janeiro eine gesellschaftliche Blüte, da die Stadt für Filmstars und die internationale High Society zum Anlaufpunkt wurde. Ein letzter kultureller Ausfluss dieser Epoche war die Entstehung des brasilianischen Jazz Bossa Nova ab 1957, der durch Lieder wie zum Beispiel Garota de Ipanema/The Girl from Ipanema von Antônio Carlos Jobim und Vinicius de Moraes, weltberühmt wurde.
Durch das Aufkommen des Massentourismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich insbesondere das Bild der strandnahen Stadtteile stark verändert, das heute vor allem durch zahlreiche Hotels geprägt ist, während die vom Meer weiter entfernteren Stadtteile vor allem durch die zunehmende Verslumung geprägt wurden.
Erst 1960 verlor Rio de Janeiro den Status als Hauptstadt an die unter Juscelino Kubitschek neu gebaute Stadt Brasilia. Gleichzeitig wurde die Stadt Rio de Janeiro zum eigenständigen Stadtstaat Guanabara, der 1975 mit dem Bundesstaat Rio de Janeiro zusammengeführt wurde. Die Stadt wurde dabei zur Hauptstadt des neuen Bundesstaates. Internationale politische Beachtung errang die Stadt nochmals 1992, als dort der UN-Umweltgipfel abgehalten wurde.
Carioca (Plural Cariocas) ist die Bezeichnung für die Einwohner Rio de Janeiros. Das Wort entstammt der Sprache der dort ehemals ansässigen Indios (Tupi) und bedeutet so viel wie „Die, die in weißen Häusern wohnen“. Gemeint waren damit die weiß getünchten Häuser der Portugiesen.
Mit der Entwicklung von Industrie und Handel in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine umfangreiche Zuwanderung von Menschen aus dem Landesinneren, und Rio de Janeiro dehnte sich stark aus. Die Einwohnerzahl der Stadt hat sich seit Mitte der 1950er-Jahre auf heute sechs Millionen verdoppelt. Das Wachstum geht sowohl auf Zuwanderung als auch auf Geburtenüberschuss zurück. Inzwischen findet die Bevölkerungszunahme nahezu kaum mehr im eigentlichen Stadtgebiet statt, sondern fast nur noch im Vorortgürtel, in dem sich rasant wachsende Ansiedlungen gebildet haben.
Die gesellschaftliche Situation Rio de Janeiros ist zum einen geprägt durch die für Brasilien typische große Toleranz zwischen den verschiedenen Ethnien sowie durch den ausgesprochen jungen Altersdurchschnitt (mehr als 25 % der Bevölkerung sind jünger als 18 Jahre, über 87 % sind unter 60).
Auf der anderen Seite besteht das Hauptproblem der Stadt in den dramatischen Unterschieden der sozialen Situation der Einwohner. An den Hängen der Stadt befinden sich die aus ärmlichen Behausungen bestehenden Gebiete, die als Favelas bekannt sind, während die vornehmeren Wohngebiete im Süden, nahe den Stränden an der Atlantikküste liegen, wie Copacabana, Ipanema und Leblon. In der Rocinha, der größten Favela von Südamerika, am Südrand der Stadt, leben allein 200.000 Einwohner der Stadt unter teilweise katastrophalen Bedingungen, wie Armut oder extrem hoher Kriminalitätsrate. Ein kaum zu lösendes Problem der Favelas ist die quasi staatsfreie Zonenbildung durch bewaffnete Kräfte der Drogenmafia, sie überwachen zum Teil ganze Barrios und terrorisieren deren Einwohner, während die Polizei dort nicht auftritt. Es gibt erste Ansätze, die Elendsquartiere unter teilweiser Beschäftigung der Einwohner zu sanieren.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1929 handelt es sich meist um Schätzungen, von 1940 bis 2000 um Volkszählungsergebnisse und 2007 um eine Schätzung des Brasilianischen Bundesamtes für Statistik und Geographie (IBGE).
Die meisten Einwohner Rio de Janeiros sind portugiesischer Abstammung. Afrobrasilianer sowie Menschen mit hellen und dunklen Eltern (welche meist portugiesischer sowie afrikanischer Herkunft sind), stellen ebenfalls eine große Anzahl. Sie werden in Brasilien meist Pardos genannt. Weitere wichtige ethnische Gruppen sind deutsch-, italienisch-, spanisch-, arabisch-, jüdisch- sowie asiatischstämmig (die meisten davon sind koreanischer und japanischer Herkunft).
Die Dynamik durch den immensen Bevölkerungsdruck seit Mitte des 20. Jahrhunderts bewirkte insgesamt eine explosive unkontrollierte Expansion Rio de Janeiros. Die Planung konnte mit diesen Veränderungen nicht mithalten. Täglich entstanden an der Peripherie unzählige irreguläre Siedlungen („Loteamentos irregulares“) und illegale Siedlungen (Favelas). Ein Viertel der Menschen in der Stadt lebt in diesen Elendsquartieren.
Heute erstrecken sich rund um ein hochverdichtetes Stadtzentrum weitläufige zersiedelte Peripherien mit geringer städtischer Infrastruktur. Die informelle Bautätigkeit ist für einen überwiegenden Teil der Einwohner Rio de Janeiros die einzige Möglichkeit, an Wohnraum zu kommen. Die inadäquate Wohnsituation der Bevölkerung und die zahlreichen ökologischen Probleme haben die Regierenden in die Verantwortung gezogen, über eine neue Stadtplanungspolitik nachzudenken.
Ein großes Problem für die Stadt ist die hohe Kriminalität. Laut dem brasilianischen Justizministerium lag die Mordrate in Rio de Janeiro im Jahr 2002 bei über 60 Personen pro 100.000 Einwohner, während der Durchschnitt in Brasilien 30/100.000 Einwohner betrug (Deutschland 1/100.000 Einwohner), diese Zahl ist jedoch bis 2006 nach der letzten Erhebung von Anfang 2008 deutlich auf 37,7 zurückgegangen. Am meisten sind die Männer (94 %) und davon die Altersgruppe zwischen 15 und 24 Jahren (44 %) betroffen. 80 Prozent der Tötungsdelikte werden durch Schusswaffen verursacht. Rund 90 Prozent der Schusswaffen befinden sich in Privatbesitz (davon etwa die Hälfte illegal), die restlichen zehn Prozent gehören dem Staat.
Die Polizei hat neben Tötungsdelikten auch mit Entführungen, Raubüberfällen und organisierten Drogen- und Kriminellensyndikaten (wie etwa das Comando Vermelho) zu kämpfen. Schätzungen der brasilianischen Polizei zufolge wird das Comando Vermelho (CV) in Rio von etwa 5.000 teilweise mit Kriegswaffen ausgerüsteten Kriminellen gebildet. Es kontrolliert etwa 40 Prozent des lokalen Marktes für illegale Drogen. Die Aufklärungsrate der Morde in Rio de Janeiro liegt nach Expertenstudien bei einem Prozent.
Am 28. Dezember 2006 wurde in Rio de Janeiro eine Anschlagsserie gegen Polizeistationen und andere zivile Einrichtungen verübt, der über 18 Personen zum Opfer fielen. Der Anschlagsserie ging eine massive Polizeipräsenz kurz vor den Feiertagen des Jahreswechsels voraus, wobei zehn Favelas durch die Militärpolizei besetzt wurden. In der Favela Vila Cruzeiro und sogar in einem bekannten Einkaufszentrum kam es zu zahlreichen Schießereien. Gesteuert wurden diese Aktionen vermutlich vom Comando Vermelho, wobei inhaftierte Anführer verschärfte Haftregelungen im neuen Jahr befürchteten.
In den vom Drogenhandel kontrollierten Armenvierteln Rio de Janeiros kommt es zunehmend zu Angriffen von sogenannten „Milícias“, welche die Mitglieder der Drogenbanden angreifen und vertreiben. Mehrere Dutzend Favelas sollen bereits von diesen Milizen beherrscht werden. Es wird vermutet, dass die Milizen von Polizeibeamten in Zivil gesteuert oder sogar gebildet werden. Berichten zufolge verlangen sie von den Bewohnern der von ihnen kontrollierten Viertel eine Art Sicherheitsabgabe. Einige Fälle von Übergriffen gegen nicht zahlungsbereite Bewohner sind bekannt geworden.
Seit 1. Januar 2009 regiert Eduardo Paes (PMBD) die Stadt Rio de Janeiro. Er siegte in der Stichwahl am 26. Oktober 2008 gegen Fernando Gabeira (PV) mit 50,8 Prozent der abgegebenen Stimmen. Paes löste César Maia (PFL), der die Kommunalwahl dreimal (1992, 2000 und 2004) gewinnen konnte, in seinem Amt als Bürgermeister ab.
Die Kommunalpolitik hat neben der Bundes- und Landesebene einen zunehmenden Einfluss auf das Leben der Bürger Rio de Janeiros. Die Bürgermeister werden in allgemeinen, direkten Wahlen für vier Jahre im Amt gewählt. Der Wahlkampf auf kommunaler Ebene wird weitgehend von Personen und lokalen Themen beeinflusst.
Die Wahlbeteiligung ist wegen der allgemeinen Wahlpflicht im Land sehr hoch, aber Nichtwähler können ihre Abwesenheit ohne Probleme und unbürokratisch rechtfertigen. Insgesamt gehen meistens nur 15 Prozent der Wahlberechtigten nicht zur Wahl, weitere fünf Prozent geben entweder ungültige oder bewusst weiße Stimmzettel ab.
Rio de Janeiro unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften.
Das „Teatro Municipal“ (Stadttheater) ist das eindrucksvollste Gebäude am „Praça Floriano“, im Stadtteil „Cinelândia“ – dort sind die Oper und das Orchester der Stadt Rio de Janeiro beheimatet. Es wurde zwischen 1905 und 1909 von Francisco de Oliveira Passos errichtet, der sich teilweise von der Pariser Oper inspirieren ließ.
Verschiedene Marmor-Arkaden, aber auch Details in Bronze und aus Europa importierte Vitreaus schmücken das stilvolle Gebäude – der Bühnenvorhang wurde von Eliseu Visconti (1866–1944) bemalt und portraitiert insgesamt 75 berühmte Persönlichkeiten aus dem künstlerischen Bereich, wie beispielsweise Carlos Gomes, Rembrandt van Rijn und Richard Wagner. Im Untergeschoss befindet sich das mit Mosaiken ausgestattete Café do Teatro im Assírio-Saal.
Die Stadt beherbergt verschiedene Museen (zum Beispiel das „Museu Paço Imperial“ und das „Museu do Indio“). Das „Museu Chácara do Céu“ zeigt Werke Pablo Picassos und anderer moderner Meister wie Henri Matisse, Amedeo Modigliani und Claude Monet. Das „Museu Histórico Nacional“ ist eines der wenigen noch erhaltenen Bauwerke des 16. Jahrhunderts. Es widmet sich der brasilianischen Geschichte und zeigt Möbel und andere Gegenstände aus der Kolonialzeit Brasiliens.
Im Stadtviertel Catete südlich vom Stadtzentrum befindet sich nahe der U-Bahnstation „Catete“ das „Museu da República“. Nicht zu vergessen ist noch das „Museu Nacional do Brasil“ im nördlichen Teil der Stadt. Das 1938 eröffnete „Museu Nacional de Belas Artes“ (Nationalmuseum der Schönen Künste) im Zentrum der Stadt beherbergt eine bedeutende Sammlung brasilianischer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts sowie italienischer und französischer Meister des 17. bis 19. Jahrhunderts.
Sehenswert ist auch das „Museu de Arte Moderna“, kurz MAM, das der bekannte brasilianische Architekt Affonso Eduardo Reidy geplant hat. Das MAM besitzt Ausstellungsstücke moderner brasilianischer Kunst und zur Geschichte des Kinos. Nach der Brandkatastrophe im Jahre 1978 konnte die Sammlung durch verschiedene Schenkungen und Ankäufe wieder aufgebaut werden. Seit 1993 befindet sich im Museum auch die Sammlung des Kunstförderers Gilberto Chateaubriand.
Im Museum der Kunstschule „Dom João VI.“ befinden sich Werke und Dokumente der brasilianischen Kunstproduktion des 19. und 20. Jahrhunderts, vor allem aus Rio de Janeiro, aber auch europäische Kunst. Das „Museu Castro Maya“ beherbergt Sammlungen von Raymundo Ottoni de Castro Maya (1894–1968) in zwei Einrichtungen: im „Museu do Açude“ (dekorative Künste) und im „Chácara do Céu“, Museum für brasilianische Kunst und Ikonografie.
Ein berühmtes Wahrzeichen von Rio de Janeiro ist die Christusstatue, die sich auf dem Corcovado-Berg befindet - zu erreichen mit der Corcovado Bergbahn. Die Statue ist 30 Meter hoch, steht auf einem 8 Meter hohen Sockel und wiegt 1145 Tonnen.
Am Südende der „Avenida Rio Branco“ im Stadtzentrum liegt die „Praça Floriano“, einer der eindrucksvollsten Plätze Rio de Janeiros. „Cinelândia“ auf der einen Seite ist ein lebhaftes Viertel mit Cafés, Bars und Kinos. Im nördlichen Teil der Praça befindet sich das prachtvolle „Teatro Municipal“.
Ebenfalls an der Avenida Rio Branco stehen zwei große neuklassizistische Gebäude: die „Biblioteca Nacional“ (eröffnet 1910) und das „Museu Nacional de Belas Artes“. Sehenswert ist auch das im Jugendstil errichtete „Confeitaria Colombo“, an der „Rua Gonçalves Dias“.
An der „Avenida República do Chile“ findet man die moderne wie ein Vulkan aus Beton aussehende „Catedral Metropolitana“ mit einem Fassungsvermögen für 20.000 Gläubige. Nahe der neuen Kathedrale bei der „Station des Bonde“, fährt eine kleine Straßenbahn über den Aquädukt „Arcos da Lapa“ aus dem 18. Jahrhundert durch steile Kopfsteinpflasterstraßen zum Künstlerviertel „Santa Teresa“.
Zahlreiche alte Kirchen und Klöster wie die „Candelária-Kirche“ (Igreja da Candelária) sowie das Kloster „São Bento“ (Mosteiro de São Bento) und andere Bauten aus der Kolonialzeit wie der Residenzpalast „Quinta da Boa Vista“ stehen in starkem Kontrast zur modernen Architektur.
Im Stadtzentrum gegenüber dem würfelförmigen Petrobrás-Gebäude (Brasiliens staatlicher Erdölgesellschaft) liegt der kleine Park Largo da Carioca. Dahinter erhebt sich auf einem Hügel die einfache, weiße „Igreja e Convento de Santo Antônio“, die älteste und wohl schönste Kirche Rio de Janeiros. Neben dem Kloster „Santo Antônio“ steht die mit prachtvollem Barockdekor ausgeschmückte Kirche „São Francisco da Penitência“.
Die „Praça XV de Novembro“ in Ufernähe der Guanabara-Bucht war der Hauptplatz des kolonialen Rio de Janeiro; das elegante dreistöckige Bauwerk an der Südostseite ist der „Paço Imperial“, die erste Residenz von Johann VI. (1767–1826), König von Portugal, nachdem dieser seinen Hofstaat im Jahre 1807 nach Brasilien verlegt hatte.
Nicht so weit entfernt, an der „Praça Pio X“ befindet sich die Kirche „Nossa Senhora da Candelária“. Ihr prachtvolles Innere ist gänzlich mit verschiedenfarbigem Marmor dekoriert, und Marmorengel stützen die beiden riesigen Bronzekanzeln.
Die bekanntesten Parks in Rio de Janeiro sind der Botanische Garten (Jardim Botânico) und die „Quinta da Boa Vista“, der größte Park der Stadt. Im Stadtbezirk São Cristóvão gelegen, bietet der Park grüne Gärten, Seen sowie Sportanlagen und Spielplätze. Zu seinen Hauptattraktionen gehört insbesondere ein Zoo, der über 2.500 verschiedene Tierarten aufzuweisen hat, sowie das Nationalmuseum, das in der Kaiserzeit gegründet wurde.
Der Botanische Garten, Anfang des 19. Jahrhunderts auf Veranlassung des Prinzregenten Johann VI. angelegt, ist eine der bedeutendsten Grünflächen der Stadt. Darin gibt es mehrere Sehenswürdigkeiten, darunter das „Kuhlmann-Museum“, den Sitz der Gartenverwaltung, das Portal der früheren „Academia Imperial de Belas Artes“ (Kaiserliche Akademie der Schönen Künste), die nach Zerstörung des Gebäudes von Grandjean de Montigny (1772–1850) in den 1930er-Jahren hierher verlegt wurde, sowie die frühere Schießpulverfabrik. In der Nähe befinden sich der „Horto Florestal“, die Baumschule, sowie der „Solar da Imperatriz“, das ehemalige Palais der Kaiserin (an der Estrada Dona Castorina).
Der „Zuckerhut“, ein Wahrzeichen Rio de Janeiros, ist ein 394 Meter hoher Granitfelsen, der der Stadt auf einer Halbinsel im Atlantik, in der Guanabara-Bucht gelegen, vorgelagert ist. Er wird in Brasilien „Pão de Açúcar“ (wörtlich Zuckerbrot, der portugiesische Begriff für Zuckerhut) genannt, weil er die Form desselben hat. Zudem nannten die dort lebenden Indianer den Berg Pandasuka, wobei die Portugiesen Pão de Açucar verstanden.
Auf den Gipfel des Berges führt eine Drahtseilbahn („O Bondinho“), ihre Kabine ist rundherum aus Glas, so dass man schon während der Auffahrt den Felsen sehen kann. Der erste Streckenabschnitt der Seilbahn wurde am 27. Oktober 1912 fertiggestellt, doch erst der zweite Abschnitt, der 1913 fertig wurde, führte bis auf den Gipfel des Berges.
Die steilen Drahtseile der Bahn wurden auch schon für artistische Künste benutzt. 1967 fuhr beispielsweise ein Deutscher mit einem Motorrad die Seile hinauf und im Jahre 1977 balancierte der US-amerikanische Drahtseiltänzer Steven McPeak bis zum Gipfel. 1979 war der Berg Kulisse eines Kampfes zwischen James Bond (Roger Moore) und Beißer (englisch: Jaws), gespielt von Richard Kiel, im Film „Moonraker – Streng geheim“.
Auf der südlichen Seite des „Zuckerhuts“ befinden sich die Strände von Copacabana, Ipanema und Leblon bis hin zum Felsen von Gávea. Auf der nördlichen Seite liegt die Bucht von Guanabara mit den angrenzenden Stadtvierteln Botafogo, Flamengo, Ilha de Governador bis hin zum Hügel „Dedo-de-Deus“ bei Teresópolis. Im Westen steht die Christusstatue auf dem Corcovado.
Zu den nahe der Stadt gelegenen Erholungsgebieten gehören die Strände, insbesondere diejenigen von Ipanema und Copacabana, die Bergschluchten des Barra da Tijuca sowie die Inseln der Guanabara-Bucht, die allerdings im Januar 2000 durch nach einem Unfall ausfließendes Öl stark verschmutzt wurde.
Copacabana ist einer der bekanntesten Stadtteile Rio de Janeiros, der direkt am Atlantik liegt und über den berühmten vier Kilometer langen Sandstrand verfügt. Der halbmondförmige Strand mit der Promenade wird auch „Princesinha do Mar“ (Kleine Meerprinzessin) genannt und sah in den 1930er-, 1940er- und 1950er-Jahren sein goldenes Zeitalter. Als Stadtteil der Bohème, des Reichtums und des Glanzes ist Copacabana zum Thema vieler Musikstücke, Bücher und Bilder geworden.
Ipanema ist der Name eines Stadtteils und eines berühmten Strandes von Rio de Janeiro. Neben Copacabana besitzt Ipanema den wichtigsten Strand Rio de Janeiros. Das direkt an ihn anschließende Stadtviertel gehört zu den gehobeneren und angenehmeren von Rio. Die Kombination von Strand und angenehmem Großstadtviertel ist in dieser Form einzigartig. Bekannt wurde das Viertel auch durch das Lied „Garota de Ipanema“ (The Girl from Ipanema) von Antônio Carlos Jobim. Zwischen dem ruhigen Strand von Copacabana (klares Wasser) und dem Strand von Ipanema (wildes Wasser) liegen der Felsvorsprung Arpoador („Harpunator“) und ein militärisch genutztes Fort.
Fußball ist in Brasilien Nationalsport. Jeder der 26 Bundesstaaten und der Distrito Federal do Brasil führt im ersten Halbjahr seine eigene Fußballmeisterschaft (Torneio estadual) durch. Einige Turniere wie das „Campeonato Carioca“ in Rio de Janeiro werden schon seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ausgetragen und locken hunderttausende Fans in die Stadien.
Das „Campeonato Carioca“ ist Schauplatz eines der wichtigsten und weltbekannten klassischen Duelle, das zwischen Flamengo Rio de Janeiro und Fluminense Rio de Janeiro. Fluminense und Flamengo sind die Vereine, die am häufigsten die Staatsmeisterschaft von Rio de Janeiro („Campeonato Carioca“) gewannen. Fluminense und Flamengo wurden 30 mal Meister, CR Vasco da Gama 23 mal und Botafogo FR 18 mal. América, ein ehemaliger großer Verein Rio de Janeiros wurde siebenmal Sieger und Bangu beendet die Siegerliste mit zwei Titeln.
Erfolgreichster Verein der Stadt in der brasilianischen Fußballliga ist Flamengo. Der Klub wurde fünf mal Brasilianischer Fußball-Meister, gefolgt von CR Vasco da Gama mit vier Titeln, sowie Fluminense und Botafogo mit je einem nationalen Titel.
In der ersten brasilianischen Liga spielen Vasco da Gama (mit einer Anhängerschaft mehr aus der portugiesischstämmigen Bevölkerung), Botafogo (aus dem gleichnamigen Stadtteil, mit sehr gemischter Anhängerschaft), Flamengo (der beliebteste Verein Brasiliens mit der größten Anhängerschaft überwiegend aus den armen Stadtvierteln und Favelas von Rio de Janeiro) und Fluminense (Anhängerschaft kommt aus der Mittelschicht und der reichen, weißen Bevölkerung Rio de Janeiros).
Spiele dieser vier Vereine gegeneinander werden in der Regel im Maracanã-Stadion (eigentlich Estádio Jornalista Mário Filho), das für die Fußball-Weltmeisterschaft 1950 erbaute wurde, ausgetragen. Es sollte während der Spiele von 1950 rund 200.000 Zuschauern Platz bieten. Im Zuge mehrerer Umbauten 1998 und 2006 wurde die Zuschauerkapazität deutlich gesenkt. Mit einem Fassungsvermögen von rund 92.000 Zuschauern ist es das größte Fußballstadion in Südamerika.
Weitere Stadien sind das Estádio Olímpico João Havelange (Eröffnung: 2007, Kapazität: 45.000 Zuschauer), die Heimspielstätte von Botafogo, das Estádio São Januário (Eröffnung: 1927, Kapazität: 32.000 Zuschauer), die Heimspielstätte von Vasco da Gama, das Estádio das Laranjeiras (Eröffnung: 1919, Kapazität: 8000 Zuschauer), die Heimspielstätte von Fluminense und das Estádio da Gávea (Eröffnung: 1938, Kapazität: 8000 Zuschauer), die Heimspielstätte von Flamengo.
Rio de Janeiro war vom 13. bis 29. Juli 2007 Austragungsort der XV. Panamerikanischen Spiele. Das Zentrum der Spiele war der Stadtteil Barra da Tijuca. An den zweiwöchigen Wettkämpfen nahmen 5662 Athleten aus 42 Ländern teil. Es wurden Medaillen in 332 Disziplinen und 35 Sportarten vergeben. Panamerikanische Spiele werden traditionell alle vier Jahre in Nord- oder Lateinamerika ein Jahr vor den Olympischen Sommerspielen in den olympischen Sportarten ausgetragen.
Zahlreiche Menschen nehmen an dem jährlich stattfindenden farbenprächtigen Karneval in Rio teil, der am Vorabend der Fastenzeit stattfindet. Der Karneval beginnt offiziell am Freitag vor Aschermittwoch und ist eine der Hauptattraktionen der Stadt. Die vielfarbige Parade der Sambaschulen gehört zu den größten Paraden der Welt.
Die meisten der prächtig kostümierten „Könige“, „Königinnen“, „Prinzessinnen“ und „Baianas“ haben das ganze Jahr über hart gearbeitet, um sich die Kostüme leisten zu können, die sie hier für nur wenige Stunden tragen. Organisiert wird der Karneval von so genannten Samba-Schulen – den „Escolas de Samba“.
Auf den Tribünen haben 60.000 Zuschauer Platz. Die Paraden beginnen jeden Abend in der 700 Meter langen Arena des Sambódromo und dauern pro Festtag etwa zwölf Stunden. Das bedeutet, dass die letzten zwei Paraden bereits am folgenden Morgen durchgeführt werden.
Jährlich am 20. Januar finden die Feiern zu Ehren Sankt Sebastians statt. Dabei wird die Statue des Schutzheiligen Rio de Janeiros in einer Prozession durch die Stadt getragen. Die Prozession beginnt in der Sankt-Sebastian-Kirche in Barra da Tijuca und führt zur Catedral Metropolitana, wo ein feierlicher Gottesdienst stattfindet.
Im Juni werden das Lagerfeuerfest (mit Spielen, Tänzen, Lagerfeuern und Feuerwerken), die Schwulen- und Lesbenparade „Rio de Janeiro Pride“ und der „Rio de Janeiro Marathon“ veranstaltet. Im Juli findet das „Anima Mundi Animationsfestival“, das größte lateinamerikanische Animationsfestival, an verschiedenen Orten Rio de Janeiros statt.
Im September wird im Centro de Convenções die „Internationale Bücher Biennale“ veranstaltet. Im Oktober finden das „Festival do Rio BR“ (eines der bedeutendsten audiovisuellen Medienfestivals in Lateinamerika) und das „Festival do Rio“ (eines der größten internationalen Filmfestivals) statt.
Am 31. Dezember wird das religiöses Fest der Meeresgöttin „Iemanjá“ an den Stränden von Copacabana, Ipanema und Leblon gefeiert. Dabei werden Blumen ins Wasser geworfen und dem Meer auf kleinen, handgemachten Booten Opfer in Form von Kämmen, Spiegeln, Seifen und Parfüm dargebracht. Ebenfalls an Silvester wird „Revellion“ (mit Openair-Konzert, Partys und Feuerwerk) am Strand von Copacabana veranstaltet.
Rio de Janeiros Küche spiegelt die Einflüsse der Völker wider, die diese Stadt geprägt haben. Am Anfang waren das die Afrikaner, Indianer und Portugiesen, später auch Franzosen, Italiener und zahlreiche andere. Aus den anderen Regionen Brasiliens kommen die exotischen Fische Amazoniens, die scharfen Speisen des Nordostens und die rustikalen aus Minas Gerais, das „Churrasco“ (Spießbraten vom Holzkohlengrill) aus dem Süden des Landes und zahlreiche andere. Ursprünglich aus Rio de Janeiro stammend ist nur die am Mittwoch und Sonnabend servierte „Feijoada“ (ein Bohnengericht mit Fleisch und Beilagen).
Das Nachtleben ist sehr vielfältig und hat mit zahlreichen Cafés, Scotch-Bars, Discotheken, Pubs und Bierhallen eine große Auswahl an Alternativen anzubieten. Das ganze Jahr über gibt es gute Kulturprogramme. Die Einwohner Rio de Janeiros sind sehr große Rindfleischliebhaber. Es gibt drei Grundarten der Bedienung: Tellergerichte, Selbstbedienungs-Buffet, das per Kilo abgerechnet wird oder das Rodízio, bei dem der Gast kontinuierlich die Speise (Pizza, Sushi, Rindfleischsorten, Hähnchen und Würstchen) serviert bekommt. Dazu gibt es auch die „Chopes“ (eiskaltes Bier vom Fass) und Aipim-Klößchen (Aipim ist eine Form des Maniok, die wie Kartoffeln zubereitet wird und auch ähnlich wie diese schmeckt).
Seit der Gründung der Stadt als Festung und portugiesischer Handelsposten breitete sich Rio de Janeiro aus und füllte allmählich das gesamte Gebiet zwischen der Küste und den Bergen des Hinterlandes aus. Bis ins 20. Jahrhundert gab es aus Angst des nach Brasilien und Rio de Janeiro umgezogenen portugiesischen Königshauses vor Arbeiterunruhen keine nennenswerte Industrieansiedlung in der Stadt. Das erklärt die ins Hintertreffen geratene Wirtschaftsentwicklung Rio de Janeiros hinter der wirtschaftsstärksten Stadt Brasiliens, São Paulo. Der heutige wirtschaftliche Kern der Stadt konzentriert sich um die die Avenida Presidente Vargas und die Avenida Rio Branco. Dazu gehören einige hohe Bürogebäude. Im Norden stehen ausgedehnte Industriebezirke und Wohngebiete.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Gemeinde Rio de Janeiro lag 2005 bei 118,980 Milliarden Real. Das BIP pro Kopf betrug 19.524 Real (Brasilien: 11.658 Real und Bundesstaat Rio de Janeiro: 16.052 Real). Der Anteil der Gemeinde am BIP Brasiliens (2,147 Billionen Real) lag bei 5,5 Prozent, der Anteil am BIP des Bundesstaates Rio de Janeiro (246,936 Milliarden Real) bei 48,2 Prozent.
Da Rio de Janeiro das beliebteste Reiseziel für Touristen im Land ist, sind auch die bedeutendsten Wirtschaftszweige der Stadt mit dem Fremdenverkehr, dem Dienstleistungs- und dem Finanzsektor verbunden. In Südamerika steht die Stadt in wirtschaftlicher Hinsicht hinter São Paulo an zweiter Stelle. Rio de Janeiro ist auch einer der Hauptstandorte der herstellenden Industrie in Brasilien, überwiegend Bekleidung, chemische und pharmazeutische Produkte, Möbel, Metallwaren, Nahrungsmittel, Schiffe und Textilien werden hier hergestellt.
Das Bankwesen ist dominierend, und die zweitgrößte Börse des Landes, die „Bolsa da Valores do Rio de Janeiro“, hat ihren Sitz in der Stadt, seit dem Umzug des Aktienhandels nach São Paulo 2000 werden allerdings nur noch öffentliche Titel gehandelt. In den letzten Jahrzehnten haben zudem alle überregionalen Banken ihre Zentralen nach São Paulo verlegt, so dass der finanzielle Einfluss Rio de Janeiros auf Brasilien stetig abnimmt.
Eine bedeutende Rolle in der Wirtschaft Rio de Janeiros spielt die Landwirtschaft in der Umgebung der Stadt. Hauptexportgüter sind vor allem Kaffee und Sojabohnen. Probleme bereiten die Inflation und die hohe Arbeitslosigkeit, auch die Unterschiede zwischen der armen und reichen Bevölkerung sind gravierend, was mit ein Grund dafür ist, dass sich die Kriminalität zu einem inoffiziellen Wirtschaftssektor entwickelt hat. Insbesondere Touristen sind häufig Opfer von Kleindiebstahl.
Seit die neue Landeswährung, der Real, im Jahre 1994 eingeführt wurde, hat sich die Wirtschaft Rio de Janeiros stabilisiert. Noch 1990 sank das Wirtschaftswachstum und die Inflation war extrem hoch. Die Stadt war hoch verschuldet und die Politik richtungslos. Seit 1996 dürfen Ausländer an den Börsen im Land investieren. Um zahlreichere Investitionen aus dem Ausland anzuziehen, hat die brasilianische Regierung außerdem die Handelsbeschränkungen abgeschafft, Industriebereiche privatisiert und die Tarife gesenkt. Diese Maßnahmen haben den Marktzugang für ausländische Unternehmen nach Rio de Janeiro erleichtert, die dadurch ihre Gewinnspanne erhöhen konnten.
Mehrere der größten Unternehmen des Landes, darunter Embratel und Petrobras, haben ihren Hauptsitz in der Stadt. Zu den bedeutendsten, teilweise internationalen, Konzernen mit Niederlassungen in Rio de Janeiro gehören unter anderem ExxonMobil, Petróleo Ipiranga, Shell und Texaco. Die im Vergleich zu anderen Städten hohe Konzentration an Konsulaten hat zahlreiche Firmen dazu veranlasst, ihren südamerikanischen Hauptsitz nach Rio de Janeiro zu verlegen. Die bedeutendsten Investoren sind US-amerikanische Konzerne, aber auch deutsche und japanische. Der größte Teil der Handelsorte und Unternehmen sind in der Innenstadt und in Barra da Tijuca ansässig.
Rio de Janeiro ist eine bedeutende Hafenstadt an den Schifffahrtsrouten, die die Küstenstädte im Nordosten des Landes mit den wirtschaftlich stärker entwickelten Gebieten im Südosten Brasiliens verbinden. Mit den anderen Teilen des Landes ist die Stadt durch ein ausgedehntes Netz an Eisenbahn- und Fluglinien verbunden.
Die Region Rio de Janeiro besitzt insgesamt fünf Flughäfen. Drei werden für den zivilen Luftverkehr genutzt und zwei für den militärischen Flugbetrieb.
Der Flughafen Rio de Janeiro-Antônio Carlos Jobim ist ein wichtiger internationaler Verkehrsflughafen Brasiliens und der Hauptflughafen von Rio de Janeiro. Der Name stammt vom brasilianischen Musiker Antônio Carlos Jobim. Im Februar 2000 wurde hier eine neue Abfertigungshalle mit einer Kapazität von bis zu acht Millionen Passagieren pro Jahr fertiggestellt. In den 1970er-Jahren war der Flughafen „Antônio Carlos Jobim“ ein Flugziel der Concorde.
Neben dem Internationalen Flughafen gibt es noch den lokalen Flughafen Rio de Janeiro-Santos Dumont für den Inlandsverkehr. Vom „Aeroclube do Brasil“ wird der „Aeroporto de Jacarepaguá“ im Stadtteil Tijuca betrieben. Die beiden Militärflugplätze sind die „Base Aérea de Santa Cruz“ und der „Campo dos Afonsos“.
Neugebaute Straßentunnel und die Rio-Niterói-Brücke, die sich 14 Kilometer über die Guanabara-Bucht nach Niterói erstreckt, haben den Pendlerverkehr, der regelmäßig zu Staus führte, etwas entlastet.
Die Metrô Rio de Janeiro wurde am 15. März 1979 eingeweiht und befährt heute zwei Linien mit einer Länge von 36,9 Kilometern und 32 Bahnhöfen. Beide Linien stehen beim Bahnhof Estacio miteinander in Verbindung. Weitere vier Linien sind in Planung. Darunter eine privat finanzierte Strecke vom Bahnhof Carioca an der Linie 1 durch einen Unterwassertunnel unter der Guanabarabucht nach Niteroi und São Gonçalo. Betreibergesellschaft der U-Bahn ist Opportrans–Concessão Metroviária S.A.
Am 30. Januar 1859 nahm die erste Pferdestraßenbahn der Stadt ihren Betrieb auf. Die sieben Kilometer lange Strecke zwischen Rio de Janeiro und dem Vorort Tijuca war nach New York (1832), Paris (1855), Santiago de Chile (1857) und Mexiko-Stadt (1858) die fünfte der Welt.
Am 8. Oktober 1892 eröffnete der Vizepräsident Brasiliens, Floriano Peixoto, zwischen Largo da Carioca und Largo do Machado in Rio de Janeiro die erste elektrische Straßenbahn des Landes. Durch den zunehmenden Autoverkehr wurde das früher umfangreiche Netz fast vollständig stillgelegt. Die Straßenbahn befährt heute nur noch einen acht Kilometer langen Streckenabschnitt nach Silvestre (Anschluss an die Corcovado Bergbahn) und Paula Mattos, beide Stationen im Stadtteil Santa Teresa gelegen. Die Lage der Straßenbahn außerhalb des Stadtzentrums und die spektakuläre Strecke von der stadtseitigen Endstation über ein früheres Aquädukt bewahrte sie vor der Stilllegung. Neben der Straßenbahn in Braunschweig ist diese Bahn die letzte auf der Welt, die mit der Spurweite 1100 Millimeter betrieben wird.
Auf den 704 Meter hohen Corcovado führt eine Bergbahn. Die meterspurige Zahnradbahn wurde 1884 eröffnet. Den Gipfel konnte man allerdings erst ab dem 1. Juli 1885 erreichen. Der Auftrag für die Bahn wurde bereits am 7. Januar 1882 durch Kaiser Dom Pedro II. erteilt. Die beiden Ingenieure Teixeira Soãres und Francesco Passos erhielten eine Konzession für den Bau der Bahn. Im Jahre 1910 wurde die eingleisige Strecke durch die Sulzer AG aus der Schweiz elektrifiziert. Sie war damit die erste elektrisch betriebene Bahn in Brasilien.
Trolleybusse fuhren zwischen dem 3. September 1962 und April 1971 in der Stadt.
Eine große Bedeutung in Rio de Janeiro haben die Printmedien. Deren Niveau ist verhältnismäßig hoch, da sich die Presse vorwiegend an die oberen und mittleren Einkommensschichten richtet. Zeitungen wie das „Jornal do Brasil“ und die politischen Magazine „Istoé“ und „Veja“ brauchen den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Brasilien hat auch ein großes Boulevardblatt, die Zeitung „O Povo na Rua“ (Das Volk auf der Straße), die vorwiegend von den Menschen der unteren Einkommensschichten Rio de Janeiros gelesen wird.
90 Prozent der Einwohner in der Stadt verfügen über einen Fernseher. Die Fernsehsender orientieren sich am nordamerikanischen Vorbild und bevorzugen überwiegend Unterhaltungssendungen und Spielfilme, die hohe Einschaltquoten und Werbeeinnahmen versprechen. Fernsehgebühren werden nicht erhoben. Zusätzlich existieren in vielen Favelas Lokalradios (teils illegal), die hauptsächlich Musik und Künstler aus den Favelas zu Wort kommen lassen.
Das Kabelfernsehen setzt sich in Rio de Janeiro immer weiter durch und enthält alle großen nationalen Fernsehsender (TV Globo, Record, Bandeirantes, Rede TV, TV Cultura) aber auch die Programme von ESPN (Sportkanal), CNN (Nachrichtensender), RAI (Radiotelevisione Italiana) und MTV sowie alle wichtigen Rundfunkstationen. Dazu gehören unter anderem Rádio CBN (Central Brasileira de Noticias), Jovem Pan, Radiobrás, Rádio Eldorado, Nove de Julho und Rádio Católica.
Rio de Janeiro beherbergt zahlreiche Universitäten, Hoch- und Fachschulen, Forschungsinstitute und Bibliotheken. Zu den führenden Bildungsstätten gehören die Bundesuniversität (eröffnet 1920), die Universität des Bundesstaates Rio de Janeiro (1950) und die Bischöfliche Katholische Universität (1941). Des Weiteren befinden sich in der Stadt das Nationalarchiv und die Nationalbibliothek.
Das Schuljahr in Rio de Janeiro und ganz Brasilien beginnt Anfang Februar und endet Mitte Dezember. Im ganzen Monat Juli sind Winterferien. Die Grundschulausbildung ist kostenfrei und obligatorisch. Schulpflicht besteht zwischen dem siebenten und fünfzehnten Lebensjahr. Viele der Schüler beenden ihre Ausbildung nicht, da sie schon vorher arbeiten müssen, um sich mit dem erworbenen Geld ihren Lebensunterhalt zu verdienen. So können über zehn Prozent der Erwachsenen in Rio de Janeiro weder lesen noch schreiben. Durch Abendschulen für die arbeitenden Kinder und Fernkurse über Rundfunk und Fernsehen konnten einige Erfolge in der Alphabetisierung erzielt werden.
Die Bildung wird über öffentliche wie auch über private Institutionen vermittelt. Sie gliedern sich in die Bereiche der Vor- und Grundschule, Sekundarschule (Mittel- und höhere Schule) sowie die Universität (mit der Möglichkeit von Studiengängen für Postgraduierte). Auf Grund der hohen Zahl an Studienplatzbewerbern verlangen öffentliche wie auch private Hochschulen eine Aufnahmeprüfung (Vestibular). Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums wird dem Absolventen der akademische Grad eines Bachelor verliehen.
Rio de Janeiro ist Geburtsort zahlreicher prominenter Persönlichkeiten.
Karneval, Fastnacht und Fasching
Als Karneval, Fastnacht oder Fasching (auch fünfte Jahreszeit) bezeichnet man verschiedene Bräuche, um die Zeit vor dem Aschermittwoch in Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und überschäumender Lebensfreude zu feiern.
Diese Bräuche haben sich in den zahlreichen Karnevals-, Fastnachts- und Faschingshochburgen mit spezifischen Eigenarten entwickelt. Ihren Ursprung haben die Bräuche in einer christianisierten Form der heidnischen Winteraustreibung, wobei ein Bezug zur christlichen Fastenzeit entstand. Weitere wichtige Einflüsse sind die Narretei, Lokalpatriotismus und die Verhöhnung der französischen Besatzung am Anfang des 19. Jahrhunderts.
Das Wort Fastnacht und seine regionalen Abwandlungen werden vor allem in Hessen und Rheinhessen, in Franken, in der Pfalz, am Mittelrhein sowie in Baden, Württemberg, Bayerisch-Schwaben, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Luxemburg, der Schweiz, Liechtenstein und den westlichen Landesteilen Österreichs (Alpenraum) verwendet.
Regional heißt es in Mainz Fas(s)enacht, in Franken Fasenacht, in der Schweiz Fasnacht, in Baden, Württemberg und Bayerisch-Schwaben Fasnet, regional auch F(a)asent und in Luxemburg Fuesend. Weitere sprachliche Ausprägungen sind Fosnet, Foaset und Fassend, sowie Fasent (in manchen Orten Mittelbadens).
Im niederdeutschen Raum heißt der Karneval plattdeutsch Faslaomt oder Faslam - dabei entspricht der Faslam in protestantischen Gebieten nicht mehr dem, was gemeinhin unter Karneval verstanden wird. Auch im Großraum Köln wird in der kölschen Mundart auch Fastelov(v)end oder Fasteleer verwendet, während man dort im Hochdeutschen ausschließlich von Karneval spricht.
Volksetymologisch wird das Wort Fastnacht oft an das althochdeutsche fasta (Fastenzeit) und naht (Nacht, Vorabend) angeschlossen und angegeben, der Name bezeichne ursprünglich nur den Tag vor Beginn der Fastenzeit, ab dem 15. Jahrhundert auch die Woche davor. Eine andere Volksetymologie stellt eine Verbindung zum Wort „Fass“ her. Der Vergleich der Dialektwörter ergibt jedoch eine gemeinsame Wortform der Gestalt *fasanaht, die diese Interpretationen widerlegt. Die Bedeutung des Vorderglieds fasa- bleibt unklar. Am wahrscheinlichsten scheint zwar ein Anschluss an eine indogermanische Verbalwurzel *pwos- mit der Bedeutung „reinigen, läutern, fasten“.
Die Fasnacht wird im nationalsozialistischen Sinne von der „Fastnacht“, die in einem liturgischen Kontext verstanden wird, unterschieden. Nach einer Veröffentlichung Hans Strobels in verschiedenen Zeitschriften im Januar 1937 fand von systemtreuer Seite ein konsequenter Begriffsgebrauch von „Fasnacht“ statt und wurde in Österreich und Deutschland verwendet.
Das Wort Fasching taucht im Hochdeutschen bereits ab dem 13. Jahrhundert zunächst in den Formen vaschanc und vaschang auf. Etymologisch leitet sich Fasching, Vaschang vom „Fastenschank“ her, also dem letzten Ausschank (alkoholischer Getränke) vor der damals noch strengen Fastenzeit. Darauf verweist auch die mittelniederdeutsche Form vastgang, beziehungsweise die (spät)altnordische Form fostugangr für den Beginn der Fastenzeit. Die Angleichung an Wörter mit -ing ist deutlich jünger.
Vom Fasching spricht man vor allem in Altbayern und Österreich (östlich des Arlbergs) im bairischen Sprachraum. In Sachsen und Brandenburg finden sich zwar verbreitet Karnevalsvereine, das Brauchtum an sich bezeichnet man regional jedoch auch als Fasching. Auch im norddeutschen Raum ist Fasching vielerorts die vorherrschende Bezeichnung für die närrischen Tage.
Nördlich der Linie Bonn-Erfurt gibt es in Deutschland fast ausschließlich Karnevalsvereine, die Veranstaltung nennt man hingegen in Sachsen und Brandenburg auch Fasching. Verbreitet bezieht man den Karneval jedoch in erster Linie auf den rheinischen Karneval (siehe: Kölner Karneval, Düsseldorfer Karneval, Eschweiler Karneval, Aachener Karneval, Neusser Karneval, Mönchengladbacher Karneval). Die Herkunft des Begriffs ist nicht eindeutig geklärt, die geläufigste Vermutung ist die Ableitung vom Mittellateinischen carnelevale (carne+levare) als die mit der Fastenzeit gemeinte „Fleischwegphase“; vereinfachend ist die Übersetzung von "carne vale" als „Fleisch, lebe wohl!“ möglich.
Im 19. Jahrhundert soll der Begriff auch auf das römische, vorchristliche lat. carrus navalis zurückgeführt worden sein, einem Schiffskarren, ein Schiff auf Rädern, das bei jährlichen Umzügen zum Wiederbeginn der Schifffahrt durch die Straßen geführt worden sein sollte. Hieraus soll sich die Tradition des Narrenschiffs gebildet haben. Jedoch sollen andere Forschungen ergeben haben, dass das Wort carrus navalis im klassischen Latein nicht existierte.
Der Begriff Karneval findet sich auch im internationalen Sprachraum, wird aber sehr unterschiedlich gefeiert. Karnevaleske Strukturen des Maskierens, Verkleidens und ritualisierter Ausgelassenheit lassen sich in allen Kulturen finden. Bekannt sind unter anderem der Karneval in Rio, Karneval in Venedig der Karneval von Québec, der Mittfasten (Lätare) - Karneval in Stavelot und anderen belgischen Ostkantonen, sowie in Spanien der Karneval in Cádiz. Auch in den Südstaaten der USA gibt es eine ausgeprägte Karnevalstradition. Man verwendet hier die französische Bezeichnung Mardi Gras (Fetter Dienstag, Fastnachtsdienstag). Eine ganz eigenständige Vitalität entwickelte der Karneval in Lateinamerika.
Als Beginn der Fastnachtszeit galt bzw. gilt in den deutschsprachigen Ländern traditionell der Dreikönigstag.
Seit dem 19. Jahrhundert finden in vielen Gegenden zusätzlich am 11. November, ab 11:11 Uhr einzelne Veranstaltungen statt, zu denen insbesondere die Vorstellung des Prinzenpaars gehört. Hintergrund ist, dass auch das Geburtsfest Christi bereits kurz nach dessen Fixierung im Jahr 354 eine vorangehende 40-tägige Fastenperiode vorsah, vor deren Beginn man - wie vor Karneval - ebenfalls die später verbotenen Fleischvorräte aufzuzehren pflegte (Gansessen am 11. November, dem Martinstag).
Die Zeit vom 12. November bis 5. Januar bleibt aber selbst in den Hochburgen entlang des Rheins weiterhin weitgehend karnevalsfrei, was sich aus der erwähnten vorweihnachtlichen Fastenzeit, der Rolle des Novembers als Trauermonat und dem besinnlichen Charakter des Advent erklärt. Soweit von einer „Vorverlagerung“ des Karnevalsbeginns oder von einer „Saisoneröffnung“ am 11. November gesprochen wird, ist dies daher zumindest irreführend. Von seiner Entstehungsgeschichte her stellt der 11. November vielmehr einen zweiten, „kleinen“ Karneval dar; 1823 bestimmte nämlich ein "Festordnendes Comité" in Köln das närrische Datum zum Beginn der Vorbereitungen für einen von nun an geregelten Karnevalsumzug.
Den Höhepunkt erreicht die Fastnacht in der eigentlichen Fastnachtswoche vom schmotzigen/unsinnigen oder auch glombiga Donnerstag (von Schmotz = Schmalz, was auf in Schmalz gebackene Fastnachtsküchle hinweist) bzw. Weiberfastnacht über den Nelkensamstag, Tulpensonntag, Rosenmontag bis zum Fastnachtsdienstag, auch Veilchendienstag genannt. Dabei gibt es insbesondere am Rosenmontag entsprechende Umzüge - wobei sich Rosen ursprünglich nicht auf die Blume, sondern auf das Verb rasen bezog. Anderen Interpretationen zufolge verdankt der Rosenmontag seinen Namen dem vierten Fastensonntag, dem Rosensonntag.
Die größten Umzüge finden in den Karnevalshochburgen statt: Köln, Mainz, Düsseldorf, Eschweiler, Euskirchen, Bonn, Koblenz, Krefeld, Duisburg, Aachen und Dülken. Aber auch weiter südlich, etwa in Frankfurt am Main (Fastnachtssonntag), Aschaffenburg (Faschingssonntag), Mannheim (Fastnachtssonntag), Wombach (Fastnachtssonntag) Würzburg, Karlstadt/Main (jeweils Fastnachtssonntag) oder Karlsruhe (Fastnachtsdienstag) gibt es große Umzüge mit mehreren Hunderttausend Besuchern. Als der größte Umzug im norddeutschen Raum ist der traditionelle Schoduvel in Braunschweig am Fastnachtssonntag und der Karnevalsumzug in Berlin bekannt.
In den Stadtteilen, Städten und Dörfern um diese Hochburgen herum gibt es Umzüge am Samstag (Nelkensamstag), Sonntag (Orchideen- oder Tulpensonntag) und Dienstag (Veilchendienstag). In Duisburg-Hamborn findet seit Jahrzehnten am Karnevalssonntag der größte Kinderkarnevalszug Europas statt.
In der Nacht zu Mittwoch um Punkt Mitternacht endet der Karneval und es gibt an vielen Orten die Tradition, dass die Karnevalisten in dieser Nacht eine Strohpuppe, den so genannten Nubbel, als Verantwortlichen für alle Laster der karnevalistischen Tage, vor allem wegen des ausgegebenen Geldes, verbrennen. In Düsseldorf und den niederrheinischen Städten wie Krefeld, Duisburg, Mönchengladbach, Kleve oder Wesel wird der so genannte Hoppeditz zu Grabe getragen. Dieser war ursprünglich eine typisch niederrheinische Narrenfigur. Dieser Schelm oder Hanswurst hatte Ähnlichkeit mit Till Eulenspiegel und den mittelalterlichen Hofnarren. So wird berichtet, dass es im 18. und 19. Jahrhundert am Niederrhein der kleinen Leute Brauch war, in der Nacht auf Aschermittwoch ausgerüstet mit Stangen, an denen Würste hingen, durch die Straßen zu laufen und lustige Lieder zu singen.
325 wurde auf dem Konzil von Nicäa das Osterdatum auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt. Um 600 legte Papst Gregor der Große eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern fest, die an die Zeit erinnern soll, die Jesus Christus in der Wüste verbracht hat. Nach dieser Regelung begann die Fastenzeit am Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern (Invocavit oder Dominicia Quadragesima, im Deutschen auch Funkensonntag).
Mit dem Konzil von Benevent im Jahr 1091 wurden die sechs Sonntage vor Ostern vom Fasten ausgenommen. So rückte der Beginn der Fastenzeit um sechs Tage nach vorne auf den heutigen Aschermittwoch.
Noch bis ins 16. Jahrhundert existierten beide Fastnachtstermine, die alte „Burefasnacht“ (Bauernfastnacht) und die neue „Herren-“ bzw. „Pfaffenfastnacht“ konkurrierend nebeneinander. Insbesondere im badischen Raum als auch in der Schweiz haben sich viele Bräuche der alten Fasnacht erhalten. Am bekanntesten ist davon sicherlich die Basler Fasnacht. Diese beginnt am Montag nach Aschermittwoch um 4:00 Uhr mit dem Morgestraich und endet am folgenden Donnerstag Morgen, ebenfalls um 4:00 Uhr. Aus diesem Zusammenhang erklärt sich auch, dass sich der Termin der protestantischen Basler Fasnacht - wie oftmals geschrieben - keineswegs auf die Reformation bezieht, sondern auf obige Begebenheit.
Im orthodoxen Raum beginnt das volle Fasten bereits am Montag nach dem 7. Sonntag vor Ostern, und bereits eine Woche vorher beginnt der Fleischverzicht. Die russische „Butterwoche“, in der traditionell gefeiert wird und große Mengen Blini, eine Art Pfannkuchen gegessen werden, liegt dazwischen; andere osteuropäische Länder haben ähnliche Bräuche. Da das östliche Osterfest oft später ist als das westliche - beruhend auf der westlichen Reform des Kalenders, verschiebt sich auch die Fastnacht.
Einige belgische Ostkantone feiern den Karnevalshöhepunkt mit einem Mittfasten-Umzug (meist zu Lätare). Bekannt ist besonders der große Zug der weißen Mönche (Blanc-Moussis) in Stavelot, der seit 1449 stattfindet.
Der Karneval findet fast ausschließlich in katholischen, in abgewandelter Form auch in orthodoxen Gebieten statt. Dieses hängt sicherlich nicht nur mit der Fastenzeit zusammen, sondern auch mit dem früher stärker vorherrschenden Katholizismus als Lebensform. Berühmteste Ausnahme ist wohl die Basler Fasnacht. Hochburgen sind also in Deutschland das Rheinland, Rheinhessen, Südhessen, Münsterland, die Lausitz, Franken und Baden-Württemberg (Schwäbisch-alemannische Fastnacht), in Luxemburg Diekirch, Echternach und Remich, sowie in der Schweiz Basel und Luzern, in den Niederlanden (in den Provinzen Limburg und Nordbrabant), in Belgien insbesondere das deutschsprachige Ostbelgien. Vereinzelt existiert die Tradition auch auf dem Land in Flandern. Berühmt ist ferner der Karneval in Venedig sowie der Mardi Gras in New Orleans. Der Karneval ist auch in Rijeka (Kroatien) und Südamerika verbreitet; besonders der Karneval in Rio in Brasilien und der Karneval von Barranquilla in Kolumbien sind weltbekannt.
Mit der Reformation im 16. Jahrhundert verschwand in den überwiegend evangelischen Gebieten mit dem Aschermittwoch auch die Fastnacht. Eine Ausnahme war Basel, wo die Fasnacht nie dauerhaft abgeschafft wurde (siehe oben Karnevalstermin und Basler Fasnacht). Erst im ausgehenden 20. Jahrhundert wurde in vielen evangelischen Städten wieder eine Fastnacht eingeführt.
Vorläufer des Karnevals wurden bereits vor 5000 Jahren im Zweistromland gefeiert, im Land mit den ersten urbanen Kulturen. Eine altbabylonische Inschrift aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. gibt Kunde davon, dass unter dem Priesterkönig Gudea ein siebentägiges Fest gefeiert wurde und zwar nach Neujahr als symbolische Hochzeit eines Gottes. Die Inschrift besagt: „Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen. Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite. Die Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet.“ Hier wird zum ersten Mal das Gleichheitsprinzip bei ausgelassenen Festen praktiziert und dies ist bis heute ein charakteristisches Merkmal des Karnevals.
In allen Kulturen des Mittelmeerraumes lassen sich ähnliche Feste, die meist mit dem Erwachen der Natur im Frühling in Zusammenhang stehen, nachweisen: In Ägypten feierte man das ausgelassene Fest zu Ehren der Göttin Isis und die Griechen veranstalten es für ihren Gott Dionysos. Die Römer schließlich feierten vom 17. Dezember bis 19. Dezember die Saturnalien zu Ehren ihres Gottes Saturn. Das Fest war verbunden mit einem öffentlichen Gelage, zu dem jedermann aus jeder Gesellschaftsschicht eingeladen war. Hinrichtungen wurden während der Saturnalien hinten angestellt. Sklaven und Herren tauschten zeitweise die Rollen, feierten und saßen gemeinsam myrtenbekränzt bei Tische, tranken und aßen nach Herzenslust, konnten jedes freie Wort wagen und überschütteten sich mit kleinen Rosen. Aus den Rosen entstand möglicherweise das in unseren Tagen bekannte Konfetti. Die Römer veranstalteten auch farbenprächtige Umzüge, bei denen ein geschmückter Schiffswagen umhergezogen wurde.
Jedoch werden in der aktuellen Forschung Termine wie Saturnalien oder Lupercalien als Ursprung des Fastnachtsbrauchtums stark angezweifelt. In vielen Masken, Figuren und Bräuchen scheinen sich auch vorchristliche, z.B. keltische Riten erhalten zu haben, die den Wechsel vom kalten Winterhalbjahr in das warme und fruchtbare Sommerhalbjahr beinhalten. Den Winter hätte man versucht zu vertreiben, indem man sich als Geister, Kobolde und unheimliche Gestalten aus der Natur verkleidete und mit Holzstöcken wild um sich schlug bzw. mit einer Rassel oder Ratsche (Schnarre) Krach machte. Die neuere Forschung bezweifelt mittlerweile auch die germanische Theorie: Sie führt an, dass sich Bräuche und Feste nicht mit einer Unterbrechung von mehreren Jahrhunderten überliefert haben könnten und gehen daher von der heutigen Fastnacht als einem christlichen Fest aus.
Germanische Theorien (sog. Kontinuitätsprämissen) hatten insbesondere während des Nationalsozialismus Konjunktur, werden heute aber teilweise unbewusst noch immer zitiert. Die Skepsis gegenüber allen Theorien, die eine Überlieferung germanischen oder keltischen Brauchtums annehmen, hält seit dem Zweiten Weltkrieg ungebrochen an.
Es ist aus diesem Grund davon auszugehen, dass über mehrere Jahrhunderte keine Feste ähnlich der Fastnacht stattfanden, sondern diese eher im hohen und späten Mittelalter mit der Fastenzeit entstanden.
Im mittelalterlichen Europa feierte man - zwar in Kirchen, jedoch nicht kirchlich - „Narrenfeste“ vom 12. Jahrhundert bis zum Ende des 16. Jahrhunderts um den Epiphaniastag (6. Januar). Dabei übernahmen die unteren Kleriker vorübergehend Rang und Privilegien der höheren Geistlichkeit. Kirchliche Rituale wurden parodiert; selbst ein „Pseudopapst“ wurde gekürt, am 28. Dezember, am Tag der unschuldigen Kinder, wurde oftmals ein Kinderbischof gekürt, welcher dem Rollentausch ähnlich dem „Pseudopapst“ gleichkam. In Gestalt von Prozessionen wurden auch die Bewohner der Städte am Fest beteiligt. Auch während der eigentlichen Karnevalstage waren Narren- oder Eselsmessen weit verbreitet.
Die mittelalterliche Fastnacht wird auf die augustinischen Lehren vom Zwei-Staaten-Modell zurückgeführt. Die Fastnacht steht daher für die civitas diaboli, den Staat des Teufels. Daher wurde die oftmals ausartende Fastnacht von der Kirche als didaktisches Beispiel geduldet, um zu zeigen, dass die civitas diaboli wie auch der Mensch vergänglich ist und am Ende Gott siegreich bleibt. Mit dem Aschermittwoch musste daher die Fastnacht enden, um die unausweichliche Umkehr zu Gott zu verdeutlichen. Während die Kirche bei gotteslästernden Szenen während der Fastnacht untätig blieb, wurde ein Weiterfeiern der Fastnacht in den Aschermittwoch hinein streng verfolgt. Insbesondere im ausgehenden 14. und 15. Jahrhundert wurde im deutschen Raum Fastnacht gefeiert, so z. B. die Nürnberger Schembartläufe. Um diese Zeit fand auch der Narr Einzug in die Fastnacht, der im didaktischen Sinne der Fastnacht auf die Vergänglichkeit hinweisen sollte.
In manchen Fastnachten - insbesondere in Tirol - wird vor diesem Hintergrund bereits am Fastnachtsdienstagabend zum „Betzeitläuten“ die Maske um sechs Uhr abgelegt. Hintergrund zu dieser Uhrzeit ist die urchristliche Tradition, wonach der neue Tag bereits mit dem Einbruch der Nacht beginnt.
Da die Reformation die vorösterliche Fastenzeit abschaffte und somit auch die Fastnacht ihren Sinn verlor, gerieten viele Bräuche zum Teil wieder in Vergessenheit. Bis heute ist der Karneval Sinnbild katholischer Mentalität. Während ältere Fastnachten in Südwestdeutschland sich nach wie vor in katholischen Gebieten finden lassen, führte ein regelrechter Fastnachtsboom in den 1990er Jahren auch in evangelischen Gegenden die Fastnacht ein. In der Schweiz hat Basel einen Sonderstatus: Die Stadt feiert trotz des seit Jahrhunderten vorherrschenden Protestantismus eine alte, traditionelle Fastnacht.
Im Barock und Rokoko wurden vor allem auf Schlössern und an den Fürstenhöfen rauschende Karnevalsfeste gefeiert, deren Masken sich stark an die italienische Commedia dell'Arte anlehnten.
Während in den Städten vermehrt Handwerkszünfte - und dort insbesondere die jungen Gesellen - die Fastnacht ausrichteten, übernahm im frühen 19. Jahrhundert insbesondere im rheinischen Raum das Bürgertum die Festveranstaltung, da Zünfte in den Spätfolgen der Französischen Revolution und dem Einmarsch von französischen Truppen unter Napoleon an Bedeutung verloren bzw. aufgelöst wurden. Das Bürgertum feierte zwar nach wie vor närrische Maskenbälle, die Straßenfastnacht war aber nahezu ausgestorben. So wurde zur Wiederbelebung 1823 in Köln eine neue Art der Straßenfastnacht begründet: der heutige Karneval.
Vor allem in Österreich, der Schweiz, dem Elsass, Bayern und Baden-Württemberg erhielten sich ältere Formen. Besonders in Baden-Württemberg wird heute somit zwischen Karneval und schwäbisch-alemannischer Fastnacht unterschieden. Nachdem sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch hier der Karneval durchgesetzt hatte, wurde nach dem Ersten Weltkrieg eine Rückbesinnung auf die alten Formen gefordert, die sich in der Gründung der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte 1924 manifestierte.
In anderen Ländern konnten sich der Fasching und der Karneval kaum etablieren, so gerieten in England viele Bräuche aufgrund der Reformation Heinrichs VIII. in Vergessenheit, die sich daher auch nicht in den USA festigen konnten. Als einzige Ausnahme gilt hier historisch bedingt New Orleans, wie bereits erwähnt.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde Fasching oftmals für propagandistische Zwecke eingesetzt, siehe hierzu Fasching während des Nationalsozialismus.
Brasilianische Musik
Die brasilianische Musik ist von großer Vielfalt geprägt und gilt von jeher als besonders offen für äußere Einflüsse. Charakteristisch ist die Verbindung traditioneller und moderner Elemente.
Die Entwicklung der brasilianischen Musik ist eng mit der Besiedlungsgeschichte des Landes seit dessen Entdeckung im Jahre 1500 verknüpft. Sie hat ihre Wurzeln in der europäischen Musik der ehemaligen Kolonialmacht Portugal, in den afrikanischen Musiktraditionen der nach Brasilien verschleppten Sklaven und, in geringerem Maße, in denen der indigenen Urbevölkerung. Daneben hat auch die Größe des Landes für eine Ausdifferenzierung in unterschiedliche Regionalstile gesorgt. Musiktraditionen, die häufig auf die afrobrasilianischen Religionen zurückgehen, haben starken Einfluss auf die moderne brasilianische Musik. Besondere Merkmale des afrikanischen Erbes sind die starke Betonung der Perkussion und synkopierte Rhythmen.
Im brasilianischen Verständnis werden música erudita („gelehrte Musik“), die alle Formen der Kunstmusik umfasst, und die música popular unterschieden. Diese entspricht eher der Definition der Pop-Musik, als der volkstümlichen Folkloremusik. Beides ist jedoch nicht strikt getrennt. In einem engeren Sinn wird die moderne städtische Musik als Música popular Brasileira oder kurz MPB bezeichnet. Eine Besonderheit der MPB gegenüber nordamerikanischer und europäischer Popmusik ist, dass sie keine reine Jugendkultur ist, sondern von allen Altersschichten gehört wird.
Der bekannteste Musikstil Brasiliens ist der Samba, der vor allem in Rio de Janeiro und São Paulo gespielt wird. Durch die Bossa Nova, die Samba- und Jazzelemente verband, erlangte die brasilianische Musik in den 1950er und 1960er Jahren erstmals internationale Bedeutung. Seit den 1980er Jahren trat mehr und mehr der Samba Reggae aus Bahia in den Vordergrund. Heute gewinnen zunehmend Stile des Nordostens, insbesondere Pernambucos, an Popularität, die die regionalen Musiktraditionen mit Funk, HipHop und elektronischer Musik mischen.
Eine wichtige Rolle im internationalen Jazz spielten viele brasilianische Instrumentalmusiker. Weniger einflussreich ist die Kunstmusik des Landes.
Ein Großteil der brasilianischen Bevölkerung sind Nachfahren der afrikanischen Sklaven, die vom 16. bis ins 19. Jahrhundert als Arbeitskräfte für die Plantagen nach Amerika verschleppt wurden. Diese stammten aus den portugiesischen Kolonien Angola und Mosambik, über den atlantischen Dreieckshandel aber auch von der sogenannten Sklavenküste in Westafrika. Heute leben in Brasilien die meisten Einwohner afrikanischer Herkunft außerhalb Afrikas.
Die westafrikanischen Sklaven gehörten mehrheitlich den Völkern der Yoruba, Fon, Ewe und Aschanti an, diejenigen aus Angola und Mosambik Bantustämmen. Da die Sklaven aus sehr unterschiedlichen afrikanischen Regionen und Kulturen kamen, haben sich afrikanische Musiktraditionen nicht in Reinform erhalten. Sie vermischten sich miteinander, so dass spezifisch brasilianische Ausprägungen des afrikanischen Musikerbes entstanden, wie dies analog auch auf Kuba, Haiti und anderswo geschah. Dazu kam die Unterdrückung eigener Ausdrucksformen der Sklaven durch die Europäer, die allerdings in Brasilien nicht so radikal wie in Nordamerika war.
Auf die afrikanische Musik geht vor allem die starke Betonung der Perkussion zurück. Charakteristisch sind polyrhythmische Strukturen, synkopierte Betonungen, ein Wechselspiel zwischen Frage und Antwort und kurze Improvisationen.
Wie überall, wo lateinamerikanische Musik auf afrikanischer Tradition beruht, wird die Musik durch Claves bzw. Guidelines strukturiert. Im Unterschied zu Kuba wird diese jedoch nicht auf Clave-Hölzern, sondern entweder auf der Doppelglocke Agogô oder auf einer Cowbell gespielt.
Ein wesentliches rhythmisches Element des Samba ist der Partido Alto. Die gesamte rhythmische Begleitung eines Stücks kann sich daran orientieren, im Gegensatz zu einer Clave im engeren Sinne muss der Partido Alto aber nicht unbedingt ausgespielt werden. Die zweitaktige rhythmische Figur kann aufgrund ihrer Offbeat-/Downbeat-Verteilung sehr unterschiedliche Charaktere haben.
Die unmittelbarste Übernahme afrikanischer Musiktraditionen fand in den afroamerikanischen Religionen Lateinamerikas statt. Für alle gilt, dass Trommelmusik, Gesang, Händeklatschen und Tanz elementare und untrennbare Bestandteile der Zeremonien sind.
In Brasilien ist die Musik des Candomblé besonders einflussreich. Candomblé verbindet verschiedene Religionen Afrikas, die teilweise durch Synkretismus mit katholischem Heiligenglauben, teilweise auch mit indianischen Glaubensvorstellungen vermischt sind. Die Anhänger des Candomblé ordnen sich selbst und ihren Tempel einer der drei „Nationen“ (nacãos) Ketu (Yoruba), Angola (Bantu) oder Jeje (Ewe-Fon) zu. Dies beruht allerdings nur in relativ geringem Maße auf historischen Realitäten. Wo indianische Einflüsse eine Rolle spielen, spricht man von Candomblé-Caboclo. Im Wesentlichen wurzelt Candomblé auf der Religion der Yoruba.
Neben dem Candomblé gibt es in Brasilien weitere verwandte Religionen afrikanischen Ursprungs. Dazu zählen der Batuque im Süden und der Xangô-Kult im Nordosten. Die Umbanda-Religion hat die afrikanische Überlieferung mit spiritistischen Einflüssen kombiniert. Häufig werden die afro-brasilianischen Religionen unter dem Begriff Macumba zusammengefasst. Obwohl 90% der brasilianischen Bevölkerung der katholischen Kirche angehören, praktiziert die Hälfte gleichzeitig auch eine afrobrasilianische Religion.
Unter ähnlichen Bedingungen wie in Brasilien entwickelten sich unter anderem die Santería auf Kuba oder Voodoo auf Haiti. Auch wenn die verschiedenen Religionen jahrhundertelang voneinander isoliert waren und sich nicht gegenseitig beeinflusst haben, finden sich aufgrund ihrer ähnlichen Geschichte viele musikalische Parallelen. Die gemeinsamen Ursprünge werden besonders im Repertoire der Lieder sehr deutlich, die sowohl im Candomblé, als auch in der Santería auf Yoruba gesungen werden und häufig identisch sind, während die begleitenden Rhythmen und die benutzten Instrumente variieren.
Die besondere Rolle, die die Candomblé-Rhythmen für die brasilianische Musik spielen, beruht darauf, dass sie nicht ausschließlich religiösen Zwecken vorbehalten sind. Unmittelbar geht die Afoxé-Musik Bahias aus der Musik des Candomblé hervor und auch der Maracatú im Nordosten hat seine Wurzeln wohl im Ritual des Candomblé bzw. dem Xangô-Kult. Viele Rhythmen haben darüber hinaus Eingang in die música popular brasileira gefunden.
Der Kampftanz Capoeira nimmt eine besondere Rolle in der afrobrasilianischen Kultur ein. Vorläufer gelangten wahrscheinlich schon im 16. Jahrhundert aus Angola nach Brasilien, wo die Capoeira seit dem 18. Jahrhundert belegt ist.
Da den Sklaven verboten wurde, Kampfsport zu betreiben, nutzten sie die musikalische Begleitung, um Capoeira als harmlosen Tanz tarnen zu können. Der Musikbogen Berimbau übernahm dabei neben der Funktion als Soloinstrument auch die Aufgabe, mit Hilfe bestimmter Patterns (toques) die Teilnehmer zu warnen, wenn Polizei in der Nähe war. Eine besondere Rolle für die Entwicklung der Capoeira wird den Quilombos zugesprochen, in denen sich entlaufene Sklaven zusammenfanden und den portugiesischen Kolonialherren teilweise über längere Zeit erfolgreich Widerstand leisteten. Nach der Gründung der ersten Capoeira-Akademie durch Mestre Bimba 1932 wurde der Sport allmählich offiziell anerkannt und hat heute die Stellung eines Nationalsports.
Die Begleitmusik ist bei der Capoeira so eng mit dem Kampftanz verbunden, dass ohne sie das Spiel nicht fortgeführt werden kann. Sie wird auf dem Haupt- und Soloinstrument Berimbau, der Atabaque, dem Pandeiro, Agogôs und Xekerês oder dem Reco-Reco gespielt. Unverzichtbarer Bestandteil sind der Gesang und das Händeklatschen der Zuschauer in der roda (Kreis), während zwei Akteure in ihrer Mitte gegeneinander antreten.
Ein ähnlicher Kampftanz ist der Maculelê. Er wird mit zwei Stöckern ausgetragen, die auch rhythmische Funktionen übernehmen.
Das Musikerbe der Portugiesen kann bis ins europäische Mittelalter zurückverfolgt werden. Die iberische Musik basiert wiederum zu einem großen Teil auf arabischer, in geringerem Umfang auch auf jüdischer Überlieferung.
Zum portugiesischen Erbe gehört die Prozessionsmusik, die an den Feiertagen des katholischen Festkalenders auf der Straße gesungen und meist von Tamburinen, Gitarren und einem Solo-Blasinstrument begleitet wird.
Das dramatische Tanzspiel Chegança geht auf die galizisch-portugiesischen Villancicos des 18. Jahrhunderts zurück, weist aber auch Ähnlichkeiten mit dem Menuett des 17. und 18. Jahrhunderts auf. Die szenischen Volksspiele erzählen vom Kampf der Christen mit den Mauren und nehmen dabei Motive aus Erzählungen der Matrosen und von Ritterepen auf. Bis ins Mittelalter reichen zwei andere dramatische Aufführungen zurück: Das Reisado zum Fest der Epiphanie und das Bumba-meu-boi, das den Tod und die Auferstehung eines mythischen Stiers darstellt und auch mit indianischen Elementen angereichert ist.
Die Modinha hat ihren Ursprung in einer beliebten Liedform des kaiserlichen Brasilien. Sie weist deutlich höfische Einflüsse des 18. Jahrhunderts auf und entwickelte sich oft zu Kinder- und Wiegenliedern.
Auf dem europäischen Troubadourwesen des Mittelalters und nahöstlichen Musiktraditionen beruhen der Repente im brasilianischen Nordosten und der Cururu im Südosten und Mittelwesten. Bei diesen Musikduellen messen sich zwei Repentistas, Trovadores oder Cantadores de viola mit abwechselnd gesungenen Improvisationen zu einem vorgegebenen Thema und spielen dabei auf einer Viola sertaneja genannten Gitarre. Ähnlich funktioniert die Embolada, bei der die beiden Musiker sich mit Pandeiros im Baião-Rhythmus bei ständig steigendem Tempo begleiten und dabei den anderen zu übertrumpfen suchen.
Entsprechend der relativ geringen Bedeutung der indigenen Bevölkerung in der brasilianischen Gesellschaft hat auch die Musik der eingeborenen Völker weniger auf die brasilianische música popular gewirkt. Wo sich afrobrasilianische Kultur mit indigenen Einflüssen mischt, benutzt man den Begriff caboclo, der auch Mischlinge mit indianischen Vorfahren bezeichnet.
Solche Varianten gibt es in verschiedenen Musikstilen wie Candomblé de caboclo, Maracatú de caboclo oder Samba de caboclo. Im Candomblé de caboclo sind es eher die religiösen Vorstellungen, die in die afrobrasilianische Religion eingegangen sind, als dass die Musik beeinflusst worden wäre. Diese entspricht weitgehend der Stilart des Candomblé de Angola. Auch im Maracatú und im Samba ist der tatsächliche Anteil indigener Musik eher gering.
Im Nordosten gehen die Caboclinhos auf indianische Musik zurück, die von den Dramen, Riten und Tänzen beeinflusst wurden, welche die Jesuiten benutzten, um die Eingeborenen zum Christentum zu missionieren. Ein Trio mit einer Caixa de guerra (eine snareähnliche kleine Trommel), einem Schüttelrohr und einer Pfeife wird von Indianern begleitet, die mit Pfeilen und Bögen den Takt schlagen. Dazu wird ein komplizierter Tanz aufgeführt.
Im Sertão werden zu Ernte- und Fruchtbarkeitsfesten das festa do umbu oder das ritual do ouricuri aufgeführt, die kaum von außen beeinflusste indianische Musik darstellen.
Ursprüngliche Musik der Indianer findet man vor allem im Amazonasgebiet und im Mato Grosso, den Hauptsiedlungsgebieten der Indios. Die beiden wichtigsten Musikgattungen der Xingu-Indianer sind Schamanen- und Kriegslieder, die im Wechselgesang vorgetragen und von Rasseln und vom Fußstampfen der Tänzer begleitet werden.
Besonders im Bereich der Perkussion wurden zahlreiche afrikanische Instrumente in die brasilianische Musik übernommen. Teilweise haben sich diese unverändert erhalten, teilweise wurden sie weiterentwickelt.
Das bedeutendste ist die Atabaque, die eng mit der kubanischen Conga verwandt ist. Die Atabaque wird im Candomblé, bei der Begleitung der Capoeira und beim Samba de roda bzw. Samba de caboclo benutzt. Im Candomblé wird die tiefe Solotrommel (Rum) mit der freien linken Hand und einem Stock in der rechten gespielt. Diese Spielweisen wurde im Samba später auf die Repinique, die ebenfalls soliert und die Musik leitet, übertragen. Die Spielweise der beiden Begleittrommeln (Rumpi und Lê) unterscheidet sich je nachdem, welcher Nation der jeweilige Candomblé-Tempel angehört. Im Candomblé-Ketu werden sie mit Stöcken, im Candomblé-Angola mit den Händen gespielt. Im Xangô-Kult und im Batuque werden statt der Atabaques Ilús verwendet.
Ein besonderes Instrument ist der Musikbogen Berimbau, der das Hauptinstrument der Capoeira ist. Vorläufer lassen sich in Angola und Zentralafrika ausmachen.
Zur Familie der Idiophone gehören die Schüttelinstrumente Xequerê, Caxixis sowie die Doppelglocke Agogô. Diese wurden unverändert aus Afrika übernommen. Die Reibetrommel Cuíca wird im Samba gespielt.
Zu den Musikinstrumenten portugiesischer Herkunft zählen alle Instrumente der portugiesischen Folkloremusik, der europäischen Tanzorchester und der Marschkapellen.
Besonders Zupfinstrumente sind in der brasilianischen Musik populär. Vor allem im Choro werden neben Gitarren und Bässen mit Mandolinen, der siebensaitigen Gitarre violão de sete cordas und dem Cavaquinho auch Instrumente gespielt, die in Europa nur wenig gebräuchlich sind. Das Cavaquinho ist eines der charakteristischsten Instrumente der brasilianischen Musik überhaupt und ist besonders im Samba als einziges Melodieinstrument von besonderer Bedeutung.
Das Akkordeon (auch als Sanfona) spielt eine große Rolle im Forró und der Lambada.
Auch die afrobrasilianische Musik hat portugiesische Instrumente integriert und teilweise modifiziert. So sind die wichtigsten Perkussionsinstrumente im Samba, Samba Reggae und Afoxé (Surdo, Caixa, Repinique) und im Maracatú (Alfaias und Caixa) Varianten der Großen und Kleinen Trommel der europäischen Marschmusik.
Als populärstes und „brasilianischstes“ Instrument gilt das Pandeiro, das vor allem im Samba, der música nordestina und der Capoeira gespielt wird. Das Pandeiro wurde ebenfalls von Portugiesen nach Brasilien gebracht, der Ursprung dieses Schellentamborins liegt jedoch in Arabien, von wo es von den Mauren auf die iberische Halbinsel eingeführt worden war.
Entsprechend der geringen Rolle indigener Musik haben nur wenige Instrumente Eingang in die brasilianische Musik gefunden.
In erster Linie sind dies Schüttelinstrumente und andere Idiophone wie Maracás und Caxixis. In der música nordestina werden auch indianische Flöten und Pfeifen benutzt.
In der ursprünglichen Musik der Indios werden Blasinstrumente (Panflöten aus Bambus bis zu 2,20 Meter Länge), Schlaginstrumente (einfache Bambusrohre, die auf den Boden geschlagen werden und Schlitztrommeln), Schwirrhölzer und Rasseln benutzt.
Rio de Janeiro und São Paulo sind die beiden Zentren der brasilianischen Unterhaltungsindustrie und der wirtschaftliche Mittelpunkt des Landes. Aus diesem Grund strahlt die Musik aus dieser Region automatisch auf ganz Brasilien aus. Andererseits ziehen beide Städte Musiker aus dem ganzen Land an, so dass sich hier wie nirgendwo sonst regionale zu nationalen Musikstilen entwickeln können.
Das gilt auch für den Samba, der um 1920 in Rio de Janeiro entstand und dessen Zentrum heute Rio und São Paulo sind. Samba kann deshalb ebenso als Regionalmusik, wie als überregionaler Musikstil angesehen werden. Unter den vielen Varianten sticht der Samba-Enredo heraus, der von den großen Samba-Schulen in der Karnevalszeit gespielt wird.
In den 1950er Jahren verdrängte der Straßenkarneval der Sambaschulen den bürgerlichen Karneval im Zentrum von Rio. Heute gilt der Karneval in Rio (Carnaval carioca) als größtes Volksfest der Welt. Der Desfile genannte Umzug der Sambaschulen mit jeweils mehreren hundert Musikern und Tänzern wird landesweit übertragen und steht musikalisch ganz im Zeichen des Samba enredo. Blasinstrumente zu spielen ist per Satzung untersagt, das einzige Melodieinstrument ist das Cavaquinho, das den Gesang begleitet.
Höhepunkt ist der Einzug der Gruppen im 60.000 Zuschauer fassenden Sambódromo, das 1984 von Oscar Niemeyer errichtet wurde. Hier hat auch die Jury ihren Sitz und bewertet die verschiedenen Gruppen nach streng vorgegebenen Kriterien. Die erstplatzierte Schule und der Komponist des siegreichen Sambas genießen in ganz Brasilien hohes Prestige, diejenigen Schulen mit der geringsten Punktzahl müssen dagegen „absteigen“ und werden im folgenden Jahr durch andere ersetzt.
Die 44 Sambaschulen Rios sind gut organisierte Vereine mit teilweise mehreren tausend Mitgliedern, die die Vorbereitung, die Proben aber auch soziale Aufgaben in ihrem jeweiligen Stadtteil oder Favela übernehmen. Aufgrund der hohen Kosten der Umzüge mit den aufwändigen Kostümen und allegorisch geschmückten Wagen und wegen des großen touristischen Interesses ist der Karneval in Rio stark kommerzialisiert und es gibt teilweise Verbindungen zur Mafia, die die Sambaschulen zur Geldwäsche benutzen.
Obwohl Bahia geographisch zum Nordosten gehört, wird dieser Bundesstaat doch nicht zur música nordestina gerechnet, sondern als eigener Kulturraum betrachtet. Bahia gilt als diejenige Region Brasiliens, in der das afrikanische Erbe am ausgeprägtesten ist – rund 75% der Bevölkerung definieren sich selbst als Schwarze oder als Mulatten. Eine Volkszählung des IBGE (Instituto Brasileiro da Geografia e Estatística) ergab 2000 für den Bundesstaat 62% Mulatten (parda), 23% Weiße (branca), 13% Schwarze (preta) und 5% Indianer (indígena). Das kulturelle Zentrum ist Salvador da Bahia, das bis 1763 auch Hauptstadt Brasiliens war.
Nirgendwo sonst ist die Musik des Candomblé so präsent, wie in Salvador. Aus dem Candomblé-Rhythmus Ijexá geht unmittelbar die Afoxé-Musik hervor, die zum Karneval und bei Festen des Candomblé von großen Perkussionsgruppen (blocos) auf der Straße gespielt wird.
Durch die Mischung von Afoxé und der bahianischen Variante des Samba mit dem karibischen Reggae entwickelte sich in den 1980er Jahren der Samba-Reggae, der seitdem auch im Ausland eine der populärsten Stilrichtungen der brasilianischen Musik ist. Nachhaltig wurde die bahianische Musik von der Entwicklung der leichten, tragbaren Timba in den späten 1980er Jahren geprägt, bis dahin kamen Handtrommeln in der brasilianischen Musik nur in kleineren Ensembles zum Einsatz, die an einem festen Ort spielten.
Salvador ist ein besonders kreatives Zentrum der música popular brasileira, aus dem viele der bedeutendsten Musiker Brasiliens stammen, wie Dorival Caymmi, João Gilberto oder Gilberto Gil. Schon der Tropicália-Bewegung hatten überwiegend Musiker aus Bahia angehört. Seit den frühen 1990er Jahren wird diejenige bahianische Musik, die landesweit erfolgreich ist, als Axé-Musik bezeichnet. Heute ist die Gruppe Timbalada um Carlinhos Brown die einflussreichste Samba-Reggae-Formation, die moderne Elemente wie Funk und Hip-Hop in die Musik einfließen lässt.
Der Karneval in Bahia gilt als der ausgelassenste Straßenkarneval Brasiliens. Es gibt die blocos de trio der weißen Mittel- und Oberschicht und die blocos afros der schwarzen Bevölkerung, die meist der Unterschicht angehört. Beide Arten von Karnevalsvereinen haben bis zu mehreren tausend Mitgliedern.
Bis 1974 war der der Afoxé-Bloco Filhos de Gandhy der einzige, der die afrobrasilianische Kultur in den Karneval von Bahia trug. Erst mit der Gründung von Ilê Aiyê kamen die blocos afros auf, die das afrikanische Erbe und schwarzes Selbstbewusstsein mit politischen Forderungen nach Gleichberechtigung verbanden. Weißen war in diesem neugegründeten Verein die Mitgliedschaft untersagt. Nach dem großen Erfolg von Ilê Aiyê wurden in rascher Folge zahlreiche bloco afros gegründet und um 1980 war der Karneval von Bahia vollkommen afrikanisiert. Besonders die 1979 gegründete Gruppe Olodum hat sich um die Wiederaufnahme afrikanischer und bahianischer Musik sowie um soziale Belange der afrobrasilianischen Bevölkerung verdient gemacht und die Entwicklung des Samba Reggae maßgeblich geprägt. Zu allen Blocos, die im Karneval bis zu mehreren tausend Mitgliedern haben, gehören kleinere Formationen, die das ganze Jahr über Bühnenauftritte bestreiten. Timbalada und Ara Ketu sind weitere populäre Blocos mit angeschlossenen Bands.
Ein anderes Phänomen des Karnevals von Bahia sind die trios elétricos, Musiktrios, die auf Sattelschleppern mit Anlagen von 100.000 Watt durch die Stadt fahren. Diese Trios begannen ab 1950 den nordbrasilianischen Frevo mit der elektrischen Gitarre und einem verstärkten Cavaquinho zu spielen. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Stile in das Repertoire der Trios aufgenommen.
Die música nordestina umfasst die Regionalstile des brasilianischen Nordostens mit Ausnahme Bahias. Ihr Zentrum liegt in Pernambuco, speziell in dessen Hauptstadt Recife.
Ein grundlegender Musikstil des Nordostens ist der Maracatú, der mit der Basstrommel Alfaia, Snaredrums (Caixa oder Tarol), dem Schüttelinstrument Chocalho oder Ganzá und einer Glocke (Gonguê) gespielt wird. Oft kommen noch Flöten hinzu. Wie der Samba in Rio de Janeiro wird der Maracatú vor allem zur Karnevalszeit von großen Musikzügen auf der Straße gespielt. Er zeichnet sich einerseits durch ausgeprägte Synkopierungen, andererseits durch sehr tiefe, erdige Bass-Stimmen aus. Auch die Solophrasen werden von der Alfaia gespielt, die in drei Tonhöhen vorkommt. Ein Maracatú-Umzug stellt eine afrikanische Krönungszeremonie dar und auch die Lieder beschwören das afrikanische Erbe. Die Musik ist eng mit dem Candomblé bzw. dem Xangô-Kult verbunden und die Maracatú-Formationen ordnen sich in ähnlicher Weise afrikanischen „Nationen“ (naçãos) zu. Der Maracatú wurde stark von den noch existierenden Congadas beeinflusst und wird schon seit dem 17. Jahrhundert gespielt. Heute unterscheidet man den städtischen Maracatú de baque virado und den ländlichen Maracatú rural. Kommen indianische Einflüsse dazu, spricht man vom Maracatú-Caboclo.
Ein sehr einflussreicher Rhythmus ist der Baião. Dieser Grundrhythmus liegt mit variierenden Instrumentierungen den meisten Stilen des Nordostens zugrunde: Forró, Côco, Ciranda und Embolada.
Die populärste, vom Baião abgeleitete Stilart ist der Forró, der gewöhnlich mit Zabumba, Akkordeon (Sanfona), Pandeiro und Triangel gespielt wird. In der zweiten Hälfte der 1940er Jahre schaffte Luiz Gonzaga, der „König des Forró“, den Durchbruch in Rio de Janeiro und machte den Stil damit erstmals überregional bekannt. Erst dieser Erfolg löste im Nordosten ein Bewusstsein für den Wert der eigenen regionalen Musikkultur aus. Unter den vielen Nachfolgern Gonzagas war Jackson do Pandeiro wohl der bedeutendste.
Eine auf Bläser konzentrierte Musik ist der Frevo. Er entwickelte sich nach 1900 aus Varianten des Marsches (Marcha). Zur Karnevalszeit wird er auf der Straße aufgeführt und von akrobatischen Tänzen begleitet.
Seit den späten 1980er Jahren ist der Nordosten eine der produktivsten Regionen Brasiliens geworden. Chico Science begann mit seiner Band Nação Zumbi die Baião- und Maracatú-Rhythmen mit Rap, Funk und anderen modernen Stilarten zu verbinden und so die neue Stilrichtung Mangue Beat zu entwickeln. Nach dem frühen Tod von Chico Science im Karneval von Recife 1997 ist Lenine der bekannteste Vertreter der Musik aus dem brasilianischen Nordosten. Zu den erfolgreichsten MPB-Musiker, die regionale Musikstile der música nordestina benutzen, gehört Chico César.
Die Zentren des Karnevals in Pernambuco sind die Hauptstadt Recife und Olinda. Musikalisch gehört der Karneval dieser Region zu den vielseitigsten Brasiliens und ist von Maracatú de nação und rural, Frevo, Caboclinho, Bumba-meu-boi und Samba geprägt. Kleinere Gruppen führen mit einem Bärenkostüm Ursos auf, die sich an mittelalterliche Darstellergruppen anlehnen, die mit Tanzbären durch Europa zogen. Das Musikensemble besteht aus Akkordeon und Saiteninstrumenten.
In Recife tragen die Gruppen (agremiações) in verschiedenen Sektionen einen Wettbewerb aus, der von einer Jury entschieden wird. Neben den traditionellen Blocos gibt es, wie in Salvador da Bahia, die Trios elétricos, die aber nicht am eigentlichen Karnevalsumzug teilnehmen.
Im tropischen Norden Brasiliens ist der Einfluss der Guayanastaaten und der Karibik auch in der Musik spürbar, die lokalen Radiostationen spielen viel Merengue, Salsa und Rumba.
Typisch für das Amazonasgebiet ist der Rundtanz Carimbó. Der Name stammt von einer gleichnamigen Handtrommel afrikanischen Ursprungs. Sie ist der Atabaque ähnlich, wird aber aus einem ausgehöhlten Baumstamm gebaut. Weitere traditionelle Instrumente sind Ganzá, Reco-reco, Pandeiro sowie Gitarre und Flöte. Man unterscheidet den Carimbó praieiro in der atlantischen Zone von Pará, den Carimbó pastoral in Marajó und den Carimbó rural in den Plantagengebieten am unteren Amazonas. Heute wird der Carimbó oft mit verstärkten Instrumenten und komplettem Bläsersatz gespielt. Einer der bekanntesten Vertreter des Carimbó ist Pinduca, der auch als „König des Carimbó“ bezeichnet wird.
Auf den Carimbó geht die Lambada zurück. Weltweit wurde er 1989 durch die Aufnahmen der Gruppe Kaoma bekannt. Der Stil entstand in den 1970er Jahren in Belém und vermengte den Carimbó mit Elementen des Forró, Calango, Samba, der Merengue und des Reggae.
Die Música sertaneja trägt ihre regionale Herkunft aus dem Sertão, dem ländlichen, trockenen Landesinneren Brasiliens im Namen. Da die Landflucht aus dieser besonders armen Region in die städtischen Ballungsräume, vor allem nach São Paulo, besonders groß ist, wanderte mit den Bewohnern des Sertãos, den Sertanejas, auch ihre Musik und kann heute mit gleichem Recht als landesweiter Musikstil gelten oder auch als Regionalstil São Paulos. Charakteristisch ist ein Sängerpaar, das sich selbst mit einer zehnseitigen Gitarre (Viola) begleitet.
Für kurze Zeit war die Música sertaneja bereits in den 1930er Jahren eine Modemusik. In den 1990er Jahren bauten die brasilianischen Massenmedien die früher als duplas caipiras („Hinterwäldler-Paare“) geschmähten Duos wie Leandro e Leonardo oder Chitãozinho e Xororó nach dem Vorbild nordamerikanischer Country-Musiker zu landesweiten Stars auf.
Eine ähnliche Entwicklung wie die Música sertaneja machte die Música gaúcha durch. Sie war ursprünglich ländliche Musik der Viehhirten im Süden Brasiliens, den gaúchos, die wie die Gauchos in den angrenzenden Ländern Argentinien, Uruguay und Paraguay eine eigene Kultur entwickelten. Neben Einflüssen aus den Nachbarländern gibt es solche der Indianer, deren Vorfahren in den Reduktionen der Jesuiten lebten. Die Música gaúcha ist inzwischen von der städtischen Mittelschicht angenommen worden, blieb jedoch auf den Bundesstaat Rio Grande do Sul beschränkt und fand keine überregionale Verbreitung.
Die bekanntesten Musiker der Música gaúcha sind Renato Borghetti und Bebeto Alves, die versuchen, Anschluss an moderne Entwicklungen der Música popular brasileira zu gewinnen. Andere Musiker sind bestrebt, die Música gaúcha mit der Musica sertaneja zu verbinden. Das Hauptinstrument ist das einfache Akkordeon gaita.
Im kolonialen Brasilien war das Gold- und Diamantenreiche Minas Gerais lange Zeit das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. In den prachtvollen Barockstädten wie Ouro Preto entstand die früheste Kunstmusik Brasiliens. Die Musik der Region ist stark von der Gregorianik und der Kirchenmusik geprägt. Aus Minas stammt der Volkstanz Calango.
Der bekannteste Musiker aus Minas Gerais ist heute Milton Nascimento, der auch international zu den profiliertesten Künstlern Brasiliens zählt.
Im brasilianischen Verständnis umschreibt Música Popular Brasileira, kurz MPB, jede Form von brasilianischer Musik, die nicht der música erudita, also der Kunstmusik angehört und deren Verbreitung nicht regional begrenzt bleibt. Die Spannweite reicht von traditioneller Folklore bis zu moderner Pop-Musik und schließt alle Mischformen davon ein.
Seit der Begriff MPB in den späten 1960er Jahren aufkam, nahm diese Musik nicht nur die regionalen Musikstile des Landes auf, sondern auch nordamerikanische, karibische und europäische Einflüsse wie Blues, Jazz, Reggae, Rock und Pop. Ein Merkmal der MPB ist es, dass sich regionale Stile über die städtischen Zentren zu einer Musik nationalen Charakters entwickeln. Vor allem Rio de Janeiro und São Paulo übernahmen hier seit den 1960er und 1970er Jahren die Funktion von Katalysatoren. Mit der Zunahme an Tonstudios, Plattenfirmen, Rundfunk- und Fernsehanstalten seit den 1980er Jahren haben beide Städte jedoch an Einfluss verloren. Besonders viele und kreative Musiker hat Salvador hervorgebracht.
Im Gegensatz zur amerikanischen und europäischen Pop-Musik ist die MPB keine reine Jugendkultur, sondern wird von allen Altersschichten gehört. Daraus resultiert ein stärkeres historisches Bewusstsein, Neuinterpretationen alter Klassiker sind in der MPB häufige Praxis. Besondere Wertschätzung genießen nicht nur die Interpreten, sondern auch die Komponisten und Textschreiber der Lieder. Sänger wie Chico Buarque oder Caetano Veloso gelten in Brasilien auch als bedeutende Dichter. Die Texte sind den Melodien nicht unter- sondern übergeordnet.
Mit dem Choro entwickelte sich um 1870 in Rio de Janeiro der erste nationale brasilianische Musikstil, der durch die Erfindung der Schallplatte landesweite Verbreitung fand. Er entstand aus einer Fusion populärer europäischer Tanzmusik, wie Polka, Walzer, Mazurka, Xote und Quadrillen, mit afrobrasilianischer Musik, z.B. dem Lundu. Zur gleichen Zeit entstand der brasilianische Tango (Maxixe) – noch vor dem argentinischen, mit dem er nur wenig gemeinsam hat – und wurde ebenfalls von den Choro-Ensembles gespielt. Nach der brasilianischen Unabhängigkeit 1889 nahmen Militär- und Blasmusikkapellen Choros in ihr Repertoire auf. Gespielt und getanzt wurde er vor allem in der unteren Mittelschicht. Seine Blütezeit erlebte er zwischen 1870 und 1920, wird aber bis heute gepflegt.
Die meisten Chorokompositionen sind durch ein relativ hohes Tempo, eine sambatypische Melodie- und Rhythmusstruktur und Improvisationen über das Thema der Komposition geprägt. Choro-Ensembles bestanden traditionell aus zwei Gitarren, einem Cavaquinho und einer Flöte als Soloinstrument. Ergänzt wurden sie später häufig vom Pandeiro und weiteren Perkussionsinstrumenten, Klarinette und Mandoline (Bandolim). Seit Ende der 1950er Jahre wird die Bassfunktion häufig von einer siebensaitigen Gitarre (violão de sete cordas) übernommen. In der Kunstmusik wurde der Choro häufig vom Klavier aufgenommen, so bei Heitor Villa-Lobos oder Chiquinha Gonzaga. Zu den bekanntesten Komponisten und Interpreten zählen Pixinguinha, Jacob do Bandolim, Ernesto Nazareth und Waldir Azevedo.
In den 1920er Jahren verloren die Choro-Orchester an Bedeutung, Jazzbands und Salonorchester kamen auf, die Foxtrott, Maxixes, Marchas und Sambas spielten. 1917 war von der Banda Odeon der erste Samba auf Schallplatte aufgenommen worden: Pelo telefone („Durch das Telefon“). Das Lied wurde ein Schlager im Karneval. Mit Pixinguinha war ein Musiker von besonderer Bedeutung für den Durchbruch des Samba, der schon in der Choro-Szene eine herausgehobene Position hatte.
Samba entstand aus der Mischung von Choro mit den Batuques, die in den Vorstädten von Rio gespielt wurden. Unter batuque verstand man einen Tanz, der sich aus afrobrasilianischen Vorläufern wie dem Jongo, der aus Angola stammenden Semba und dem Lundú entwickelt hatte. Diese Tänze wurden von Trommeln begleitet. Auf semba geht vermutlich der Begriff Samba zurück.
1928 wurde in Rio die erste Sambaschule namens Deixa Falar („Lass sie reden“) gegründet, kurz darauf folgte die Estação Primeira de Mangueira, die heute noch bestehende traditionsreichste Sambaschule Brasiliens. Damit wurde die Musik ein wichtiges Sprachrohr der unteren Schichten Rios, denen überwiegend die schwarze Bevölkerung angehörte. Diese Stilrichtung wurde Samba de morro genannt, der Samba von den Hügeln, womit die Favelas von Rio gemeint waren.
Samba hielt jedoch auch in den weißen, bürgerlichen Kreisen Einzug. Der Samba-Canção betonte mehr die Melodie, hatte ein viel langsameres Tempo und geschliffenere Texte. Mit dem Aufkommen des Radios verbreitete sich der Samba sehr schnell und wurde in den 1930er Jahren zum musikalischen Pulsgeber des Landes.
1939 komponierte Ary Barroso den berühmten Titel Aquarela do Brasil, das auch in der Kurzform Brazil bekannt wurde und zahllose Interpretationen erlebte. Im gleichen Jahr ging die Samba-Sängerin Carmen Miranda in die USA, wo sie zur bestbezahlten Schauspielerin und Sängerin Hollywoods aufstieg.
Seit den 1930er Jahren differenzierte sich der Samba in verschiedene Richtungen. In kleinen Ensembles wird Pagode gespielt. Dabei werden die Stimmen der Basstrommeln (Surdos) auf Handtrommeln (Surdo de mão) übertragen und von den kleineren Perkussionsinstrumenten Pandeiro und Tamborim begleitet. Eine wichtige Rolle spielt dabei als Melodieinstrument das Cavaquinho und der Gesang. Die ursprünglichsten Varianten sind der Samba de roda und der Samba de caboclo, die beide mit Atabaques gespielt werden.
Heute sind sowohl Rio de Janeiro als auch São Paulo und inzwischen auch Recife Zentren des städtischen Sambas, wenngleich auch von den cariocas, den Einwohnern Rios, meist verhöhnt, da sie sich als „Erfinder“ dessen betrachten. Allein in Rio gibt es zwischen 40 und 50 große Samba-Schulen, die vor allem in der Karnevalszeit aktiv sind und mit Perkussionsgruppen von mehreren hundert Trommlern Samba-Enredo spielen. Seit mehreren Jahrzehnten gibt es dabei eine Entwicklung, die Instrumente immer höher zu stimmen und den Samba immer schneller zu spielen. In kleinerer Besetzung heißt diese Form des Samba Batucada.
In den späten 1950er Jahren drangen zunehmend Elemente des Bolero, Foxtrotts und des Cha-Cha-Cha in den Samba ein, der seine typischen Merkmale in dieser Zeit mehr und mehr verlor. Dieser Niedergang war ein Auslöser für eine musikalische Revolution: die Bossa Nova. Anders als der Straßensamba entstand die Bossa Nova in der städtischen Mittelschicht im Umfeld bürgerlicher Intellektualität. Stilbildend war vor allem João Gilberto, sowohl mit seinem leisen Gesang als auch mit seiner Art Gitarre zu spielen. Der zurückhaltende Gesang kehrte den operettenhaftem Belcanto-Stil, der sich im Samba der 1950er Jahre durchgesetzt hatte, in sein Gegenteil um.
Die Initialzündung für den internationalen Durchbruch der Bossa Nova war der Film Orfeu Negro, der 1959 einen Oscar und die Goldene Palme in Cannes erhielt. Der Film basierte auf einem Theaterstück von Vinícius de Moraes, der für vier Musikergenerationen Texte zu Sambastücken schrieb. Er verlegte den antiken Mythos von Orpheus in die Gegenwart des Karnevals von Rio de Janeiro. Die Filmmusik komponierten Tom Jobim und Luiz Bonfá, deren Titellieder A Felicidade und Manhã de Carnaval zu Klassikern der Bossa Nova werden sollten. Daneben zieht der Straßensamba des Karnevals immer wieder durch den Film.
Vinícius de Moraes und Tom Jobim schrieben auch gemeinsam das Lied Garota de Ipanema, das als Girl from Ipanema zum berühmtesten Bossa Nova-Lied geworden ist und von zahlreichen brasilianischen und amerikanischen Musikern interpretiert wurde. Ein ähnlich großer Erfolg gelang Sérgio Mendes mit dem Lied Mas Que Nada. Nachdem der kubanische Einfluss auf die Musik der USA nach der Revolution 1953 nachgelassen hatte, wurde nun Brasilien mit dem Bossa Nova der wichtigste Impulsgeber für den nordamerikanischen Latin Jazz.
Seit den 1990er Jahren erlebte die Bossa Nova eine Renaissance durch Neuinterpretationen wie etwa von Bebel Gilberto und durch Adaptionen in der elektronischen Musik.
Während einer kurzen Phase um 1968 dominierte eine musikalische Strömung die brasilianische Musik, die an die Bossa Nova anschloss, aber einerseits neue Ausdrucksformen suchte, andererseits politisch gegen das Militärregime Stellung nehmen wollte: Die Tropicália, auch als Tropicalismo bezeichnet. Die Musiker folgten ausdrücklich dem „Anthropophagischen Manifest“, das der Dichter Oswald de Andrade 1928 konzipiert hatte, und in dem dieser einen „künstlerischen Kannibalismus“ forderte, der konsequent alle Einflüsse aus dem In- und Ausland aufsaugen und miteinander vereinigen sollte. Dieses Konzept hat bis heute Gültigkeit für die brasilianische Musik behalten.
Die Hymne des Tropicalismo wurde das Lied Alegria, alegria von Caetano Veloso, das 1967 beim Publikum noch durchgefallen war, weil es als zu „unbrasilianisch“ galt und zu sehr Rockmusik war. Unter den etwa 20 Platten der Bewegung war das programmatische Album Tropicália ou Panis et Circensis von 1968 die wichtigste LP.
Die großen Festivals, die live (und zunächst unzensiert) übertragen und vom ganzen Land gebannt verfolgt wurden, lösten heftige politische Debatten aus. Die kurze Hochphase des Tropicalismo endete, als das Militärregime begann, unliebsame Musiker zu verfolgen. Caetano Veloso wurde verhaftet und saß zwei Monate im Gefängnis, wo er die Schreie der Gefolterten hörte. Auch Gilberto Gil wurde verhaftet, beide mussten bis 1972 nach England ins Exil gehen.
Axé-Musik ist als Musikbezeichnung erst seit den frühen 1990er Jahren verbreitet. Ursprünglich stammt der Begriff aus dem Yoruba und bezeichnet im Candomblé „positive Energie“. Axé fasst Musik aus Salvador da Bahia zusammen und überschneidet sich weitgehend mit dem Samba-Reggae, nimmt aber auch Samba, Afoxé-Musik, Frevo, Reggae, Carimbó, Merengue, Salsa, und Soca auf. Wichtige Vertreter sind Ivete Sangalo, Daniela Mercury, Olodum oder Carlinhos Brown und seine Gruppen Timbalada und Tribalistas. Ein deutliche Entwicklung gegenüber traditioneller Musik ist insbesondere der häufige Einsatz von Synthesizern, der auf die lokalen Trio elétricos aus Bahia zurückzuführen ist.
São Paulo ist das Zentrum der DJ-Kultur und Drum’n’Bass-Metropole. Zu den bekanntesten Vertretern gehören DJ Marky und DJ Patife. Cidade Negra, die erfolgreichste Dub-Band kommt dagegen aus Rio. Beliebt ist die brasilianische Musik in verschiedenen Stilen der elektronischen Musik wie dem Nu Jazz.
Mit Pitch Yarn Of Matter, Individual Industry, Morgue Mechanism oder Aghast View erlangten auch Künstler aus dem Wave-, Synthpop und Elektro-Umfeld länderübergreifend an Popularität.
Die innovativsten Musikströmungen der 1990er Jahre sind stark von Funk und Rap beeinflusst worden, wie der Mangue Beat und Funkeado in Recife. Die bekannteste Band ist Funk'N Lata aus Rio, deren Musiker in der Samba-Schule Mangueira gelernt haben und den Funk und Rap mit Samba verbinden.
Vor allem in den Favelas von Rio haben sich mit dem Rio Funk (auch Baile Funk oder Favela Funk) und dem brasilianischen Hip-Hop spezielle Stile entwickelt, die inzwischen auch internationale Beachtung gefunden haben. Als Geburtsstunde dieser speziellen Variante des brasilianischen Funk gilt die CD Funk Brasil von DJ Marlboro, die 1989 ein Riesenerfolg wurde.
Im Allgemeinen steht der Rio-Funk außerhalb der MPB, da die Texte deutlich gewaltverherrlichender und sexistischer sind als der nordamerikanische Gangsta Rap und so ein Phänomen der schwarzen Jugendlichen der Favelas blieben. Dazu kommt eine enge Verflechtung der Musikszene mit dem organisierten Verbrechen, sodass der Rio Funk trotz seines Erfolges von den großen Radiosendern weitgehend ignoriert wird.
Rockmusik gehört in Brasilien zu den populärsten Musikstilen und wird zur Música popular brasileira gerechnet. Zentren der Rockmusik sind São Paulo, Brasília und Belo Horizonte.
Mitte der 1960er Jahren kam die jovem guarda auf, deren Star Roberto Carlos in den 1970er und 1980er Jahren derjenige brasilianische Musiker war, der die meisten Platten verkaufte. Auch in Europa war er sehr erfolgreich, seine Musik galt hier aber weniger als Latin Rock, sondern eher als Latin Pop oder sogar als seichte Schlagermusik. Innerhalb der Tropicália-Bewegung um 1968 war die Gruppe Os Mutantes der künstlerisch bedeutendste Vertreter des Psychedelic Rock und nahm dabei Elemente der Música nordestina auf. Später hatten die Engenheiros do Hawaii großen Erfolg und die Band RPM waren die ersten Roqueiros, die in den 1980er Jahren über zwei Millionen Alben verkauften.
Zu den erfolgreichsten Musikern, die stark von amerikanischer Popmusik geprägt wurden, gehört Elba Ramalho. Als brasilianische Ikone gilt die Fernsehmoderatorin, Schauspielerin und Sängerin Xuxa, die auch auf Spanisch und Englisch singt und international erfolgreich ist. Insgesamt verkaufte sie über 33 Millionen Alben, ihr bekanntester Hit ist Ilariê, der in fast allen lateinamerikanischen Ländern auf Platz eins der Hitparade stand.
Während einer politischen und kulturellen Aufbruchstimmung zu Beginn der 1980er Jahre gab es in Brasilien eine nennenswerte Punk-Bewegung. Diese stand der MPB zwar ablehnend gegenüber, hatte aber Einfluss auf sie. Die Post Punk-Band Legião Urbana wurde eine der erfolgreichsten brasilianischen Gruppen und auch Lenine, heute einer der bekanntesten Musiker Brasiliens, begann seine Karriere mit einer brasilianischen Variante des Folk-Punk.
Besonders unter dem Einfluss des Festivals Rock in Rio, einem der größten der Welt, entstanden seit den frühen 1980er Jahren auch Hardrockbands. Die erfolgreichsten sind die Thrash Metal-Band Sepultura und die 1997 davon abgespaltene Gruppe Soulfly. Zu den einflussreichsten Death Metal-Bands zählt die über die Grenzen Brasiliens hinaus bekannte Gruppe Krisiun.
In den 1970er bis 1980er Jahren fand die Musik der MPB unter Einfluss der christlichen Popmusik Nordamerikas verstärkt Eingang in die Kirchenmusik und den protestantischen gottesdienstlichen Gebrauch Brasiliens. Heute ist wenig von der sogenannten Música Evangélica geblieben, einige Musiker wie Guilherme Kerr oder Elomar Figueira de Mello versuchen jedoch unter Verwendung der Música gospel oder regionaler Musikstile an diese Bewegung anzuknüpfen.
Ein gespanntes Verhältnis haben die protestantischen Religionen, die zunehmend an Einfluss gewinnen, zu der Musik der afrobrasilianischen Religionen, während die katholische Kirche dieser weitgehend tolerant gegenübersteht.
Instrumentalmusik, experimentelle Popmusik und Jazz werden in Brasilien als Vanguarda bezeichnet. Zum Teil überschneidet sie sich mit der MPB, teilweise auch mit der zeitgenössischen Kunstmusik. Bereits Pixinguinhas Choros standen zwischen Klassischer Musik und dem, was man heute mit Música Popular Brasileira bezeichnet. Später galten viele Bossa Nova-Musiker auch als bedeutende Jazzkünstler, wie der Gitarrist und Sänger Baden Powell.
Besonders Perkussionisten und Gitarristen aus Brasilien haben international einen sehr guten Namen. Airto Moreira, der 1968 mit seiner Frau Flora Purim in die Vereinigten Staaten übersiedelte, wurde von dem Jazzmagazin Down Beat neunmal zum Perkussionisten des Jahres gewählt. Diese Ehre wurde auch Naná Vasconcelos, der zeitweise in Paris lebte, neunmal in Folge zuteil. Beide spielten unter anderem mit dem Multiinstrumentalisten Hermeto Pascoal und mit dem Pianisten, Gitarristen und Komponisten Egberto Gismonti zusammen, die ebenfalls zu den herausragenden brasilianischen Jazzmusikern gehören.
Trotz des großen Erfolges brasilianischer Instrumentalisten im Ausland führt die Vanguarda in Brasilien eher ein Schattendasein. Die meisten Musiker nehmen deutlich auf die traditionelle brasilianische Musik Bezug und sind der Fusion-Musik zuzurechnen.
Die Kunstmusik wird in Brasilien als música erudita, gelehrte Musik, bezeichnet. Lange Zeit beschränkte sie sich auf die Kirchenmusik und konzentrierte sich während dieser als barocco mineiro bezeichneten Epoche auf Minas Gerais und in geringerem Maße Rio de Janeiro. Zwischen 1760 und 1800 gab es in Minas Gerais fast 1.000 Musiker, viele davon freie Mulatten. Zu diesen gehörte José Maurício Nunes Garcia (1767-1830), dessen Werk vor allem Kirchenmusik, aber auch einige weltliche Werke umfasst und der von der Wiener Klassik beeinflusst war.
Einen bedeutenden Entwicklungsschub erfuhr die brasilianische Musik, als 1808 der portugiesische Hof aufgrund des napoleonischen Krieges nach Rio de Janeiro flüchtete. Das Königshaus beschäftigte nun zahlreiche einheimische Musiker und die neue Residenz zog auch europäische Musiker an. Auf diese Weise kamen neue, weltliche musikalische Impulse ins Land. Die Rückkehr des portugiesischen Hofes nach Lissabon hatte 1822 eine schwere Krise für die música erudita zur Folge.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entfaltete sich das musikalische Leben wieder durch die verstärkte Einwanderung europäischer Immigranten nach Brasilien. Nachdem in den 1830er Jahren verschiedene Musikgesellschaften und ein Konservatorium in Rio gegründet worden waren, entstanden in den größeren Städten mehrere Theater, von denen vier ein eigenes Orchester besaßen. Vor allem in der Hauptstadt Rio wurden europäische, vor allem italienische Opern bereits kurz nach ihrer Erstaufführung gespielt. Mit der Oper A Noite de São João von Elias Álvares Lôbo wurde 1860 die erste brasilianische Oper uraufgeführt. 1870 feierte die Oper O Guarani von Antônio Carlos Gomes sogar an der Mailänder Scala Premiere und wurde anschließend in ganz Europa gespielt. Weitere Uraufführungen seiner Opern in Mailand folgten in den nächsten Jahren.
Vor der Jahrhundertwende orientierten sich die brasilianischen Musiker zunehmend an der deutschen und französischen Kunstmusik, wenn auch die italienische Oper beim Publikum weiterhin großen Erfolg hatte. In den Vordergrund rückte jetzt kammermusikalische und symphonische Musik. Ihre Ausbildung hatten fast alle Komponisten in Europa erhalten.
Alberto Nepomuceno (1864-1920) war der erste brasilianische Komponist, der sich intensiv mit der Populärmusik des Landes auseinandersetzte und diese auch in seinen Kompositionen verarbeitete. Das versuchte auch Alexandre Levy (1864-1892), der in seiner Suite Brésilienne zum ersten Mal ein Stück innerhalb der Kunstmusik als Samba bezeichnete.
Der bekannteste brasilianische Komponist war Heitor Villa-Lobos (1887-1959), der als Musikpädagoge auch die Musikerziehung in seinem Land nachhaltig prägte. Villa-Lobos hatte nicht in Europa gelernt, das Konservatorium bereits nach wenigen Monaten verlassen, dafür aber schon als Jugendlicher ganz Brasilien bereist und die Volksmusik studiert. Charakteristisch für seine Werke ist der Einfluss der brasilianischen Folklore, die direkt in seine populärsten Werke, wie die 14 Choros (1920-1929) und neun Bachianas Brasileiras (1930-1945), eingegangen ist.
Die música nova, die Neue Musik, stand in Brasilien stets im Schatten der „nationalen“ Kunstmusik. Erst der 1937 aus Deutschland nach Rio de Janeiro emigrierte Hans-Joachim Koellreutter (1915-2005) begann, die Zwölftonmusik zu vermitteln und stellte der national-folkloristischen eine universelle Formensprache gegenüber. Die von ihm gegründete Bewegung música viva blieb nicht ohne Einfluss und Koellreutter lehrte Komposition als Professor verschiedener Institute, darunter an der von ihm gegründeten Escola da Música da Bahia, die rasch ein Zentrum für moderne Musik wurde.
Der bekannteste zeitgenössische Komponist aus Brasilien ist Marlos Nobre de Almeida (* 1939) aus Recife, der die modernen Kompositionsformen wieder mit der brasilianischen Populärkultur zu verbinden versucht. Jorge Antunes (* 1942) aus Rio war der erste Brasilianer, der sich konsequent mit den Möglichkeiten der elektronischen Musik auseinandergesetzt hat.
Heute vermischen sich die música erudita und die música popular immer mehr. Das hat einerseits programmatische Gründe, andererseits aber auch pragmatisch-finanzielle. Das Interesse an „ernster Musik“ ist in Brasilien relativ gering, der Markt und die Budgets dafür klein.
Der hohe Stellenwert, den die Musik in allen Bereichen der brasilianischen Gesellschaft hat, zeigt sich unter anderem darin, dass im Kabinett des Präsidenten Lula mit Gilberto Gil einer der führenden Musiker des Landes Kulturminister geworden ist. Gil gehörte zu den treibenden Kräften der ersten landesweiten Musikbewegung, die ausdrücklich auch politische Anliegen hatte, dem Tropicalismo zur Zeit der Militärdiktatur um 1968. Die kurze aber einflussreiche Bewegung endete, als Gilberto Gil und Caetano Veloso inhaftiert wurden und anschließend bis 1972 ins Exil gehen mussten. Gilberto Gil gilt seit langem auch als ein Sprachrohr der Afrobrasilianer Bahias. Auch weitere Künstler wie etwa Geraldo Vandré oder Chico Buarque flohen vor der seit 1964 regierenden Diktatur.
Unter dem Einfluss der nordamerikanischen Bürgerrechtsbewegung wurde seit den 1970er Jahren die Musik in den blocos afro zunehmend als Form des politischen Widerstandes und zur Bildung einer schwarzen Identität benutzt. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Gruppe Ilê Aiyê in Salvador da Bahia. Inzwischen hat sich diese Funktion jedoch wieder abgeschwächt, da sich die afrobrasilianische Kultur inzwischen als kulturelle Identität für ganz Brasilien weitgehend etabliert hat.
Salvador da Bahia
Salvador ist die drittgrößte Stadt Brasiliens, nach São Paulo und Rio de Janeiro. Der historische Name der Küstenstadt lautet São Salvador da Baía de Todos os Santos (Heiliger Erlöser von der Bucht der Allerheiligen), da sie an der Allerheiligenbucht liegt. Salvador hat rund 2,9 Millionen Einwohner, ist die Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaates Bahia und war bis 1763 Hauptstadt Brasiliens. Der Name „Bahia“ war bis Mitte des 20. Jahrhunderts auch als Alias für die Stadt gebräuchlich. Salvador ist Erzbischofssitz, hat zwei Universitäten, ein Kakao-Institut, einen zoologischen und einen botanischen Garten. Es ist ein international anerkanntes Handels- und Wirtschaftszentrum mit Erdölraffinerie, Baumwoll-, Tabak-, Kakaoverarbeitung sowie eine Zuckerraffinerie. Salvador ist auf verschiedenen Ebenen einer Bergkette gebaut, welche die Stadt in eine Oberstadt (cidade alta) und in eine 70 Meter tiefer gelegene Unterstadt (cidade baixa) teilen. Um vom einen Teil in den anderen zu gelangen, kann man den Aufzug Lacerda, die Standseilbahn Plano Inclinado Gonçalves oder einfach eine der vielen Buslinien nutzen.
Schon lange bevor Salvador die Stadtrechte erhielt, war die Region durch die überlebende Besatzung eines französischen Schiffes im Jahre 1510 bevölkert worden. Zu dessen Besatzung zählte auch Diogo Álvares, der berühmte Caramuru (übersetzt: „Sohn des Donners“ – er verschaffte sich mit seinem Gewehr bei den Indios entsprechenden Respekt). 1534 wurde die Kapelle „Unserer Lieben Frau zu den Gnaden“ errichtet, denn dort lebte Diogo Álvares und seine Gattin, Catarina Paraguaçu.
1536 erreichte der Portugiese Francisco Pereira Coutinho das Gebiet, welches ihm vom portugiesischen König El-Rei Dom Johann III. als Besitz zugesprochen wurde. Dieses Gebiet befindet sich in etwa im heutigen Stadtteil Barra. Die dort lebenden Indios revoltierten mehrfach gegen Francisco Pereira Coutinho, weil er sie grausam und ungerecht behandelte. Flucht und Rückkehr folgten, und am Ende wurde er von den Indios getötet und während eines großen Festes verspeist.
Im Jahre 1551 wurde Dom Pedro Fernandes Sardinha erster Bischof Brasiliens. Bald schon geriet er aus kirchenpolitischen Gründen in Streit mit den Jesuiten. Dies spaltete die Stadt in zwei Lager, von denen eines zu Dom Pedro hielt, das andere zu Dom Álvaro, dem Kolonialverwalter der Region. Auch mit den Indios pflegte er keinen guten Umgang. So wurde er zum portugiesischen Hof gerufen, um den Konflikt vorzutragen. Er schiffte sich ein, doch geriet das Schiff auf der Höhe der Stromschnellen des Cururipé in Seenot und ging unter. Knapp dem Ertrinkungstode entkommen wurde er von den Indios Caeté gefangen genommen und samt seinen überlebenden Gefährten getötet und gefressen.
Die Stadt wurde am 29. März 1549 durch Tomé de Sousa gegründet. Sie errichteten auf Befehl des portugiesischen Königs eine Festung mit Namen São Salvador. Mit Tomé de Sousa erreichten Salvador mehr als tausend Portugiesen. Unter ihnen die ersten Jesuiten, Manuel de Nóbrega, João Aspilcueta Navarro, Leonardo Nunes und andere.
1598, 1624 bis 1625 und 1638 wurde Salvador von Holländern besetzt. Hauptexportmittel war im 17. Jahrhundert der Zucker. Die Sklaven mussten auf den Plantagen und Zuckerrohrfeldern des Umlandes, des sogenannten Recôncavo, arbeiten. Sie sorgten dafür, dass Salvador da Bahia bis zum Jahre 1650 die größte Metropole auf der Südhalbkugel war. Eine der größeren Revolten gegen die Unterdrücker geschah 1835 durch muslimische Sklaven. Salvadors erste Blüte endete, als die Stadt 1763 ihre Rolle als Hauptstadt Brasiliens an Rio de Janeiro verlor. Bis dahin war sie koloniales Verwaltungszentrum Brasiliens.
In Salvador kam der größte Teil der rund fünf Millionen Afrikaner an, die von den Portugiesen aus Westafrika in die Sklaverei verschleppt wurden. Sie wurden auf dem zentralen Sklavenmarkt Salvadors, dem Pelourinho (deutsch: Pranger) verkauft. Der Pelourinho war Teil des historischen Sklavenmarktes in Salvador. Dort wurden Sklaven während der Kolonialzeit ausgepeitscht. Am Pelourinho kann man die Kirche Igreja do Rosário dos Pretos (Kirche vom Rosenkranz der Schwarzen) besichtigen. Seinerzeit durften die Sklaven nur hier dem Gottesdienst beiwohnen.
Mit Ende der Sklaverei, 1888, zog dieser Platz in Salvador Künstler aller Sparten an: Filmemacher, Musiker, Maler und Schriftsteller. So wurde der Pelourinho ein bis heute sehr angesehenes kulturelles Zentrum.
Lange Zeit aber verfiel der Pelourinho und verkam zu einer innerstädtischen Favela. Menschen hausten dort unter den unwürdigsten Bedingungen. Ab 1991 wurden sie in Neubausiedlungen außerhalb Salvadors umgesiedelt und der Pelourinho mit seinen umgebenden Straßen von Grund auf saniert. Es hielten wieder Pensionen, Restaurants und Tanz- und Capoeiraschulen Einzug. Seitdem zieht es viele in- und ausländische Touristen nach Salvador. Seine Rekonstruktion konnte nicht detailgetreu durchgeführt werden, weil viele Häuser zu Ruinen verfallen waren und von denen lediglich die Fassade gerettet werden konnte.
Eines der interessantesten Gebäude des Pelourinho, welches stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist die Medizinische Fakultät von Bahia (Faculdade de medicina da Bahia). Das Gründungsdatum dieses Gebäudes geht bis in die Kolonialzeit Brasiliens zurück. Hier lebten die Jesuiten, bis sie im 18. Jahrhundert Brasilien verlassen mussten. Nachdem dort ein Militärkrankenhaus funktioniert hatte, wurde 1808 die Chirurgische Schule eingerichtet. Die Fakultät wurde gleich zweimal durch ein Großfeuer größtenteils zerstört. Das erste Mal 1905, als die Bibliothek mit ihren 22.000 Bänden vollständig ausbrannte und das zweite Mal, als 1951 der besonders schöne Pavillon niederbrannte. Lange Jahre war letzterer dem Verfall preisgegeben, bis auch er im Zuge der Gesamtrekonstruktion des Pelourinho wieder aufgebaut wurde.
Der Pelourinho beherbergt seit einigen Jahren das wichtige Straßenkinderprojekt Projeto Axé. Dort werden bis zu 1500 Kinder vom Kindergarten bis zur Berufsausbildung betreut. Viele Kinder erhalten dort neben Ausbildung und Schule eine warme Mahlzeit. Besondere Freude bereitet den für Musik engagierten Kindern und Jugendlichen das Spielen in einer zum Projekt zählenden Percussionbands oder Capoeiragruppen. Aber auch viele Gruppen des Sambareggae wie Olodum oder Ilê Aiyê sind hier mit ihren Projekten vertreten.
Der afrikanische Einfluss auf Salvador ist nach wie vor sichtbar. Dies zeigt sich vor allem in der Sprache, die viele Wörter aus dem Afrikanischen, vor allem dem Yoruba, übernommen hat, in der in der Candomblé-Religion, wo sich die Religion der Yoruba und Katholizismus vermischt haben, sowie in der Küche.
So haben etwa die katholischen Heiligen ihre Entsprechung in den so genannten Orixás, einer Art afrikanischer Götter gefunden. Jedem Heiligen oder Orixá wird eine Farbe zugesprochen. Die Farbe Rot wird beispielsweise der Sankt Barbara beziehungsweise der Orixá Oyá zugeordnet. Die gleiche Bedeutung haben die Farben der bunten Bänder (Fitinha), welche den Touristen pausenlos angeboten und um den Arm gebunden werden. In früheren Zeiten wählte der Gläubige das Band mit der Farbe des Orixás, dem er untergeordnet war beziehungsweise des Orixás, dessen man an dem Tag gedachte. Mit drei Knoten wurde das Band am rechten Handgelenk angebracht. Für jeden Knoten konnte sich der Empfänger etwas wünschen. Das Band durfte nicht mehr entfernt werden, und wenn es von alleine abfiel, waren die drei Wünsche erfüllt.
Auch die Capoeira ist ein Erbe der Sklavenzeit und Salvador gilt als das Zentrum dieses Kampf(tanz)sports.
Der Karneval in Salvador da Bahia ist vor dem Karneval in Rio der größte Straßenkarneval der Welt und dauert sechs Tage und sechs Nächte. Am Donnerstagabend vor Aschermittwoch beginnt das Fest in der Karnevalshochburg Brasiliens, für das mit „Bahia: maior explosão de alegria“ (Bahia, der größte Ausbruch der Freude) geworben wird. Der Bürgermeister übergibt den Stadtschlüssel an den dicken Rei Momo, den Karnevalskönig. Dann strömen anderthalb Millionen Menschen durch die Straßen – bis zum Aschermittwoch. 19 Kilometer Straße werden für den Hauptzug entlang der Uferpromenade und durch die Innenstadt abgesperrt. Große Laster mit Lautsprecherboxen (so genannte „Trios elétricos“) in der Größe eines Containers fahren durch die Stadt, oben drauf ist die Bühne einer Musikgruppe, deren Fans im Strom durch die Straßen tanzen. Viele bekannte Musiker aus Salvador beteiligen sich, darunter auch Olodum, Daniela Mercury, Timbalada und Ivete Sangalo.
Ein zweiter Zug wälzt sich durch die engen Gassen des Altstadtviertels Pelourinho. Da die wenigsten Menschen kostümiert sind, fallen die „Blocos de trio“ (Vereine der hellhäutigen weißen Oberschicht) mit jeweils einigen tausend Mitgliedern besonders auf.
Die herausragenden Feste und Gedenktage Salvadors sind durch die katholische Prägung Brasiliens meist religiöser Natur.

