Judentum

3.418439716273 (2115)
Geschrieben von daneel 01/03/2009 @ 06:40

Tags : judentum, religion, gesellschaft

Neueste Nachrichten
Wortlaut: Benedikt über Judentum und Antisemitismus - FOCUS Online
Wiederholt äußerte sich der Papst auch über das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum: KZ Sachsenhausen: Der Holocaust ist nach Ansicht des Papstes eine «unauslöschliche Schande in der Geschichte der Menschheit». «Es ist meine Absicht,...
Der Papst in Jerusalem Wo Judentum, Islam und Christentum sich treffen - Frankfurter Allgemeine Zeitung
Mit der omaijadischen Eroberung Jerusalems 638 übernahmen die Muslime den Berg, auf dem die byzantinischen Christen nur eine Marienkirche errichtet hatten, und schickten sich an, das Judentum an dieser Stelle zu beerben....
Kommentar: Papst bleibt amtlich und kühl - tagesschau.de
Dieser Papst wahrt im Gespräch mit dem Judentum die Distanz. Er hat die Fortschritte der vergangenen 45 Jahre im jüdisch-katholischen Gespräch beendet und das Rad der Geschichte zurückgedreht - zum Beispiel mit der Wiedereinführung der...
LexiTV - Wissen für alle - MDR
Ein Drittel aller Juden wurde umgebracht, das europäische Judentum fast vernichtet. Doch nach dem Holocaust ist das jüdische Leben heute in Deutschland wieder aufgeblüht. "LexiTV" fragt nach, wie sehr sich jüdische Mitbürger religiösen Bräuchen...
„Das ist eine Farce“ - op-online.de
Benedikt XVI. hat in Israel zum Kampf gegen Antisemitismus aufgerufen und sich um eine Annäherung zwischen Kirche und Judentum bemüht. Sie kritisieren seine Worte dennoch als „halbherzig“ – weshalb? Charlotte Knobloch: Natürlich unterstützen wir den...
Wir haben verstanden Juden sollen wieder missioniert werden ... - sueddeutsche.de
Das waren ehrenwerte Versuche, die unter Juden zwar mit Respekt aufgenommen wurden, aber keineswegs den Eindruck verwischen konnten: Aus Sicht des Papstes ist das heutige Judentum defizitär. Es war auch wenig hilfreich,dass Kardinal Lehmann sich in...
Auch Rabbi Schneier verteidigt Yad-Vashem-Rede - Kathweb
Heilig-Land-Reise Benedikts XVI. wird "im Resultat" Intensivierung der Beziehungen zwischen katholischer Kirche und Judentum mit sich bringen Jerusalem-Washington, 14.05.2009 (KAP) Der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier - ein gebürtiger Wiener - hat...
''Ängstlicher Papst und enttäuschte Juden'': Pressestimmen zu ... - DiePresse.com
Die Roma/Sinti, Priester, Linken, Behinderten und andere kann man vor den Hintergrund ruhig mal weglassen... leider sind auch wir von vielen juden enttäuscht! tut mir leid - aber Christentum und Judentum sind keine eng verbundenen Religionen!...
Knobloch fordert von Papst "deutliches Zugehen" auf Judentum - derStandard.at
München - Die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat Papst Benedikt XVI. anlässlich seiner am heutigen Freitag beginnenden Israel-Reise zu einem Zugehen auf das Judentum aufgefordert. "Vom Papst erwarte ich mir...
Beschnittener Humor - Zeitjung
In einer Seinfeld-Folge tritt ein Zahnarzt wegen den Witzen zum Judentum über. Was in New York nicht ganz so abwegig klingt, wäre hier in Deutschland undenkbar: Zu sehr wird Jude mit dem Holocaust und der deutschen Vergangenheit in Zusammenhang...

Judentum

Der Davidstern (hebräisch magen david = Schild Davids) gilt als das neuzeitliche Symbol des Judentums und des jüdischen Volkes

Unter Judentum versteht man die Gesamtheit aus Kultur, Geschichte, Religion und Tradition des sich selbst als Volk Israel (hebr. am jisrael, bnei jisrael) bezeichnenden jüdischen Volkes. Mit dem Begriff können auch gezielt die jüdische Religion oder, als Gruppe, die sowohl ein Volk als auch eine Glaubensgemeinschaft darstellenden Juden (hebr. jehudim) angesprochen werden.

Das Judentum wird zu den Weltreligionen gezählt, wenngleich ihm nur ca. 13,5 Millionen Menschen angehören (Vergleich: Christentum ca. 2,1 Milliarden, Islam ca. 1,3 Milliarden). Dies hat historische Gründe. Nicht nur, dass Christentum und Islam sich vielfach auf die Überlieferungen des Judentums berufen, das Judentum war auch hinsichtlich seiner Verbreitung die erste Weltreligion. Zum Ende der Antike fanden sich jüdische Gemeinden weit über den römisch-hellenistischen Raum hinaus verstreut bis nach China, Indien und Afrika.

Die Bezeichnung „Juden“ bedeutete ursprünglich „Judäer“ und geht auf das Königreich Juda zurück, das seinen Namen wiederum von den darin lebenden Angehörigen des Stammes Juda hatte. Der Name „Judentum“ bezieht sich ursprünglich nur auf diesen einen von den Stämmen Gesamtisraels. Nach der Babylonischen Gefangenschaft wurden alle Bewohner der Region von den umliegenden Völkern als „Judäer“ bezeichnet und damit der Name „Juden“ auf alle Israeliten ausgedehnt. In der Diaspora wurde der Name „Juden“ dann zu ihrer Selbstbezeichnung.

Nach der Tora, (den fünf Büchern Mose), beginnt die Geschichte des jüdischen Volkes mit dem Bund, den Gott mit Abraham schließt (Gen 12). Die jüdische Tradition sieht Abraham als den Begründer des Monotheismus, des Glaubens an einen einzigen, unsichtbaren Gott. Diesen Bund setzt Gott mit Abrahams Sohn Isaak und dessen Sohn Jakob fort, der seit dem Ringkampf am östlichen Ufer des Flusses Jabbok (1. Mose 32) Jisrael genannt wurde.

Jakob hatte zwölf Söhne, die als Stammväter der Zwölf Stämme Israels (Israeliten) gelten. Diese ziehen von Kanaan, dem heutigen Palästina bzw. Israel nach Ägypten, wo ihre Nachfahren vom Pharao versklavt werden. Aus dieser Sklaverei werden die von Mosche (Moses) angeführten Hebräer durch Gott befreit, der ihnen am Berg Sinai die (schriftliche und mündliche) Tora offenbart. Obwohl das jüdische Volk an dieser Aufgabe häufig scheitert, was die späteren Propheten immer wieder beklagen, bleibt der Bund mit Gott ungebrochen.

Bereits in hellenistischer Zeit fanden Auswanderungsbewegungen aus Palästina statt: Das so genannte Hellenistische Judentum entstand. Spätestens seit der Zerstörung des jüdischen Staates im 1. Jahrhundert nach Christus und der Zerstörung Jerusalems unter Hadrian (der Jerusalem in Aelia Capitolina umbenannte) zerstreuten sich die Juden als regional greifbares und geschlossenes Volk endgültig, wobei jedoch die große Mehrheit innerhalb des Römischen Reiches siedelte. In der Spätantike und dem frühen Mittelalter verschob sich der Schwerpunkt nach Babylonien, damals Teil des Reiches der Sassaniden.

Die übrigen Anhänger des Judentums verteilten sich im Hochmittelalter auch in andere Teile Europas, im Spätmittelalter, im Zuge der Pestpogrome und der Ausweisung beispielsweise aus Frankreich, besonders nach Osteuropa, ferner in die islamische Welt und im Anschluss (Vertreibung aus Spanien 1492) wieder ins heutige Palästina sowie auch in die Neue Welt. Juden wurden oft verfolgt und ghettoisiert, konnten sich stellenweise aber auch unter Beibehaltung von Glaube und Tradition als integraler Bestandteil der lokalen Gesellschaften etablieren.

Die jüdische religiöse Tradition ist eine monotheistische Religion, deren Gott auch als der 'Gott Jisraels' bezeichnet wird. Dieser Gott wird im orthodoxen Verständnis als Schöpfer des Universums angesehen, der auch heute noch aktiv in der Welt handelt (Theismus) (siehe: lebendiger Gott, als Begriff des Christentums). Einige wenige jüdische Philosophen des Mittelalters (Gersonides, Abraham ibn Daud), beeinflusst durch die Kabbala und Neu-Aristotelismus, und der Neuzeit (Harold Kushner) (insbesondere nach dem Holocaust) tendieren allerdings zu einer eher distanzierten Positionierung dieses Gottes (Deismus), der sich von seiner Schöpfung entfernt habe. Die jüdische Religion basiert auf den religiösen Überlieferungen des jüdischen Volkes. Diese Überlieferungen teilen sich auf in eine schriftliche Lehre, die in der Tora niedergelegt ist (schriftliche Tora), und eine mündliche Lehre (auch: mündliche Tora), die im Talmud diskutiert wird, der historisch gesehen in Mischna und Gemara aufgeteilt ist. Auf beiden beruht die Halacha, das jüdische Gesetz. Die Halacha beruht aber auch auf rabbinischen Gesetzgebungen und Responsen, die im Laufe der Zeit gefällt wurden. Im Laufe der Jahrhunderte wurden zahlreiche Versuche unternommen, die Halacha zusammenzufassen; eines der bekanntesten Beispiele dafür ist der Schulchan Aruch.

Der Begriff Jüdischer Glaube bezieht sich auf die religiösen Traditionen des Judentums in der jüngsten Geschichte, in der biblischen und vorbiblischen Zeit und in der Vielfalt seiner Strömungen. Das diese religiösen Traditionen tragende, bewahrende und lehrende Judentum der Gegenwart wird rabbinisch genannt. Häufig wird im Sinne dieses Begriffs von den jüdischen Glaubensprinzipien gesprochen, die im angelsächsischen Raum Jewish principles of faith genannt werden. Diese sind jedoch im Unterschied zum Christentum nicht allgemeingültig definiert und somit nicht dogmatisch. Auch der Glaube an die Existenz Gottes ist im Judentum, im Gegensatz zum Beispiel zum islamischen Glaubensbekenntnis, nicht dogmatisch. Das Judentum kennt keinen Katechismus.

In der Geschichte des Judentums entstanden eine Reihe grundlegender Glaubensprinzipien, deren Einhaltung von Juden mehr oder weniger erwartet wird, um in Einklang mit der jüdischen religiösen Gemeinschaft und ihrem Glauben zu sein, deren genaue Anzahl jedoch nicht feststeht und immer noch diskutiert wird. Die Strenge und der Umfang dieser Forderungen variieren unter den verschiedenen jüdischen Gemeinden. Siehe Strömungen des Judentums, insbesondere Orthodoxes Judentum, Liberales Judentum und Rekonstruktionismus. Rabbiner Joseph Albo zählt im Sefer Ha-Ikkarim drei Glaubensprinzipien; der bedeutende jüdische Gelehrte Maimonides formulierte dreizehn.

Unabhängig von dieser Unterscheidung wird der Gott des Judentums als ontologisch wirklich angesehen und nicht als eine menschliche Vorstellung ('anthropogener Gott'). Maimonides hat diese Gedankengänge in seinen philosophischen Werken entwickelt. Insbesondere wird darauf verwiesen, dass ein ganzes, gerade gewordenes Volk, Zeuge Gottes bei der Schneidung des Bundes am Berg Sinai war (im Christentum: etwa ein Dutzend, im Islam nur Mohammed, auch bei den Mormonen nur ein Mensch, deren Begründer).

Im Gegensatz zum Christentum und zum Islam hat das Judentum bis auf eine kurze Ausnahme in der antiken Geschichte auf Missionierung Andersgläubiger verzichtet. Das Judentum betrachtet es nicht als eine Sünde oder zum Beispiel als Ausschlusskriterium für die Empfängnis des Heils durch Gott (siehe: Auferstehung), wenn Nicht-Juden und andere Völker ihre abweichenden Religionen bzw. Glaubensvorstellungen pflegen. Das Judentum ist der Ansicht, dass auch Angehörige anderer Religionen Anteil am Leben nach dem Tode haben können, wenn sie ein ethisches Leben geführt haben. Siehe hierzu Noachidische Gesetze.

Nach halachischem Recht ist jüdisch, wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde oder rite zum Judentum konvertiert ist und nicht zugleich einer anderen Religion angehört (vergleiche Gijur). Diese enge Verbindung von Kultur, Tradition, Religion und Volkszugehörigkeit zeichnet das Judentum im Besonderen aus. Die gelegentlich Ben Gurion zugesprochene Aussage, „Jude ist jemand, der sich selbst als solcher versteht“, entspricht nicht der allgemeinen jüdischen Ansicht und ist höchstens im Kontext der Bildung des Staates Israel zu verstehen.

Jüdische Gemeinden werden geistlich und rechtlich von einem Rabbiner geleitet. Sephardische Juden sowie die Karäer bezeichnen ihren geistlichen Leiter auch als Chacham (Weiser). Bei jeminitischen Juden ist der Begriff Mori (mein Lehrer) gebräuchlich. Die Gottesdienste werden im Allgemeinen von einem Kantor (Chasan) oder allgemeiner gesagt von einem Vorbeter geleitet; zu ihrer Durchführung wird ein Quorum bzw. (hebräisch) Minjan, d. h. die Versammlung von zehn religiös volljährigen jüdischen Personen (in der Orthodoxie nur Männer), benötigt. Die allgemeine, weltliche Leitung einer jüdischen Gemeinde hingegen liegt bei einem von den Gemeindemitgliedern zu wählenden Gemeindevorstand.

In der Gegenwart gibt es verschiedene Strömungen innerhalb des religiösen Judentums. Die Gruppierungen unterscheiden sich nicht in erster Linie, aber auch in Hinblick auf Gottesvorstellungen und Glauben. Es werden orthodoxe und nicht-orthodoxe jüdische Strömungen unterschieden. In einem weiteren Sinn können die nicht-orthodox Strömungen auch als progressiv, reformiert oder liberal (wobei hier liberal nicht vom politischen Liberalismus abgeleitet ist) bezeichnet werden. Eine Mittelstellung zwischen Orthodoxie und dem liberalen Judentum nimmt das im 19. Jahrhundert sich formierende konservative Judentum ein.

Einer der grundlegenden Unterschiede zwischen orthodoxem Judentum und den nicht-orthodoxen Strömungen ist das Verständnis der Offenbarung am Berg Sinai, wobei die Orthodoxie vom buchstäblichen Sinn der von Moses empfangenen Tora als unbedingt gültiger Weisung ausgeht. Das nicht-orthodoxe Judentum versteht diese Offenbarung nicht als absolut, sondern als einen fortdauernden Prozess des Dialoges Gottes mit seinem Volk, in der Zeit und in den Kulturen. Im Kontext dieser historisch-kritischen Auslegung der Offenbarung entstanden alle nicht-orthodoxen Strömungen des Judentums. Da sie alle die Entwicklung betonen, gehören sie zum progressiven Judentum im weitesten Sinne. Im engeren Sinne gehören zum progressiven Judentum alle Gruppen des Reform-Judentums, die sich im Verband Weltunion für progressives Judentum zusammengeschlossen haben.

Alle religiösen jüdischen Strömungen der Gegenwart haben ihren Ausgang in den Impulsen der Geistesgeschichte vor allem Deutschlands und Europas ab Ende des 18. Jahrhunderts. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich der Schwerpunkt der wissenschaftlichen und theologischen Entwicklung des Judentums in die USA verlagert. Aus Deutschland sind die Beiträge zur Entwicklung jüdischen Denkens und Geistesleben nach der Shoa unbedeutend. Langsam entwickelt sich dieses aber zunehmend unter der Zuwanderung jüdischer Menschen aus der ehemaligen UdSSR, aus der Diaspora Osteuropas und Asiens.

Unter Einfluss einiger Freikirchen entstand in den USA die Gruppe der so genannten messianischen Juden (Eigenbezeichnung) oder modernen Judenchristen, die sich zum Christentum bekennt. Meist sind dies konvertierte Juden evangelikaler Prägung, die an ihrer jüdischen Identität festhalten sowie ein paar jüdische Traditionen pflegen und hauptsächlich in den USA zu finden sind. „Messianisches“ Judentum ist nach dem Verständnis aller anderen Strömungen des Judentums (orthodox, konservativ, liberal, reformiert) im religiösen Sinn kein Judentum, da seine Interpretation der Tradition christlich ist. Hier unterscheiden sich Selbstwahrnehmung und Außenwahrnehmung.

Das Judentum ist seit Jahrtausenden häufig religiösen, ideologischen und politischen Anfeindungen und dabei Pogromen und Verfolgungen ausgesetzt. Einmalig in der Geschichte ist dagegen die Shoa, der Versuch der planmäßigen und quasi-industriellen Ausrottung des jüdischen Volkes durch das nationalsozialistische Deutschland.

Im Jahre 1934 wurden 17 Millionen jüdische Menschen auf der Welt gezählt. Sechs Millionen davon, mehr als ein Drittel, fielen der Shoa zum Opfer. Dies beschleunigte nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs die Umsetzung der zionistischen Bestrebungen und führte 1948 zur Gründung und internationalen Anerkennung des Staates Israel als jüdische Heimstätte.

Der heutige Staat Israel ist von der Verfassung her eine säkulare Demokratie nach westlichem Vorbild, seine Innenpolitik ist jedoch in einigen Bereichen auch stark religiös geprägt. So ist eine bürgerliche Heirat in Israel nach wie vor nicht möglich, da das Familienrecht den jeweiligen Religionsgruppen unterstellt ist. Dies kann zum Beispiel bei Scheidung zu Problemen für Frauen führen, wenn sich der Ehemann weigert, der Frau den Scheidungsbrief (Get) zu überreichen. Solche Scheidungsverweigerer können zwar vom Rabbinatsgericht in Erzwingungshaft gesteckt werden, doch ohne einen Get bleibt nach traditionellem jüdischen Recht die von ihrem Mann getrennte Frau „gebunden“ und kann nicht wieder heiraten.

Aufgrund der besonderen Geschichte und Tradition des Judentums ist das Verständnis einer jüdischen Identität ausgeprägt, die sich auf ein gemeinsames Schicksal bezieht und nicht notwendigerweise religiös begründet wird. Viele Juden betrachten sich gleichzeitig z. B. als Briten oder US-Amerikaner, bis 1933 auch als patriotische Deutsche, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben für ihre europäische Heimat riskierten oder opferten.

Die jüdischen Gruppen in China (Kaifeng, Bagdad-Juden, russische Aschkenasim und Holocaust-Flüchtlinge) kamen zu verschiedenen Zeiten und auf unterschiedlichen Wegen nach China.

Die Samaritaner sind eine frühzeitige Abspaltung von den Juden im engeren Sinne, die dennoch gewollt oder ungewollt lange deren Schicksal teilten: Aufstände der Juden zogen oft auch die Samaritaner in das Geschehen ein, da die Römer Probleme hatten, diese zu unterscheiden. Wie es in Rom jüdische Synagogen gab, so gab es auch samaritanische. Heute gibt es nur noch sehr wenige Samaritaner.

Fast alle Juden der Neuzeit folgen dem in Mischna und Talmud enthaltenen mündlich überlieferten Gesetz; sie werden als Rabbinisches Judentum bezeichnet. Innerhalb des rabbinischen Judentums gibt es verschiedene Richtungen, wie etwa das Orthodoxe oder das Reformjudentum.

Die jüdische Kultur steht in starker Wechselwirkung zu den Kulturen, in denen die jeweilige jüdische Gemeinschaft ihr kulturelles Leben entfaltet, so dass sie kaum isoliert betrachtet werden kann. Dabei spielt die Religion eine unterschiedlich große Rolle.

Durch die Aufsplittung des Europäischen Judentums in die Aschkenasim und Sephardim haben sich hier zwei auch durch die Sprache unterschiedene Kulturräume entwickelt.

Hebräisch ist die Sprache der ältesten jüdischen Schriften und war Umgangssprache der Juden in der antiken Periode ihrer Unabhängigkeit. Es wurde als Umgangssprache nach Jahrhunderten vom Aramäischen verdrängt, blieb aber bis in unsere Tage hinein Gottesdienstsprache, zum Teil auch Gelehrtensprache. Das Aramäische ist eine zum Hebräischen sehr ähnliche Sprache, die auch das schriftliche Hebräisch späterer jüdischer Schriftwerke beeinflusst hat. Einige Passagen in den Schriften des Tanach wurden schon auf aramäisch verfasst, so wechselt beispielsweise das Buch Daniel vom Hebräischen ins Aramäische. Jesus und seine jüdischen Landsleute sprachen aramäisch. In der Diaspora nahmen die Juden die Sprachen der Länder an, in denen sie lebten (siehe Jüdische Sprachen). Einige Sonderfälle sind Sprachen, die jüdische Gemeinschaften aus verschiedenen Gegenden der Welt übernommen haben und aufgrund der historischen Umstände zu selbständigen Sprachen (wenn man will, zu Dialekten) weiterentwickelt haben. Siehe dazu: Jiddisch (die Sprache der Aschkenasim), Ladino (oder Sephardisch, die Sprache der Sephardim), Judäo-Berberisch (die Sprache jüdischer Berber in Marokko), Tat (auch: Judäo-Tat, die Sprache der Bergjuden des Kaukasus (Dagestan, Aserbaidschan)). Im Alltag sprechen Juden die Sprache des Landes, in dem sie leben.

Das Iwrith, welches heute in Israel gesprochen wird, stellt eine gelungene Wiederbelebung des antiken Hebräisch dar, das um einen modernen Wortschatz erweitert wurde und auch in der Grammatik einige Anpassungen erfuhr. Es entwickelt sich heute im lebendigen Gebrauch weiter wie andere Sprachen auch.

Zum Seitenanfang



Konservatives Judentum

Das Konservative Judentum ist eine Strömung innerhalb des Judentums, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstand und sich zwischen der Orthodoxie und den Liberalen ansiedelt. Als sein Gründer gilt Rabbiner Zacharias Frankel (1801–1875), der erste Direktor des 1854 eröffneten Jüdisch-theologischen Rabbinerseminars in Breslau.

Die Richtung des konservativen Judentums wird vor allem mit den Vereinigten Staaten (conservative judaism) in Verbindung gebracht, während man das, was man in den USA unter conservative verstand und versteht, in Deutschland eher unter Reform- oder liberalem Judentum subsumierte (was aber in keiner Weise dem conservative judaism entsprach), allerdings entsteht seit einigen Jahren auch in Deutschland eine (zahlenmäßig noch kleine) sich bewusst konservativ nennende Denomination des Judentums, die sich von den als zu libertär empfundenen Reformgemeinden, deren jüdisches Erbe zerfließe, bewusst abgrenzen will.

Im heutigen Deutschland ist das konservative Judentum vor allem in Berlin vertreten, aber auch in der jüdischen Gemeinde Weiden. Der Masorti Verein in Berlin unterhält unter anderem einen jüdischen Kindergarten und kümmert sich um die sprachliche und religiöse Integration von Einwanderern aus den GUS-Staaten.

Ziel der konservativen Bewegung ist das Bewahren der Tradition, soweit sie mit modernen Erkenntnissen und Lebensumständen vereinbar ist, also die Annahme einer historisch bedingten Veränderlichkeit des Judentums bei voller Wahrung einer übergeschichtlichen Substanz. Dabei besteht eine feste Bindung an die Halacha, d. h. das jüdische Religionsgesetz, das als „Grundnorm“ des konservativen Judentums gilt. Es können hierbei aber auch rechtliche Grundlagen gelten, die von der heute praktizierten Halacha abweichen, wenn sie eine Basis in der jüdischen Rechtsliteratur haben.

Heute gibt es auch im konservativen Judentum verschiedene Ausprägungen, so z. B. das neologe Judentum in Ungarn, das sich liturgisch an das Altliberale Judentum in Deutschland anlehnt, die Masorti-Bewegung mit dem Hauptsitz in Jerusalem oder das Conservative Movement in den USA.

Mitglieder der konservativen Bewegung werden angehalten, die Speisegebote (Kaschrut) und die Ruhevorschriften für den Schabbat strikt einzuhalten, wobei einige Regelungen etwas milder als in der Orthodoxie ausgelegt werden. Konservative Gemeinden halten sich außerdem weitgehend an die traditionelle Form der Liturgie.

Allerdings gibt es Unterschiede zur Orthodoxie im Geschlechterrollenverständnis: Außer den neologen Strömungen setzt sich das konservative Judentum für eine konsequente Gleichberechtigung von Männern und Frauen ein, das konservative Rabbinerseminar in New York lässt seit 1984 Frauen zum Rabbinerstudiengang zu.

Auch wenn bei der Observanz (Einhaltung der religiösen Vorschriften) und der Liturgie eine gewisse Nähe zur Orthodoxie besteht, werden Entscheidungen konservativer Rabbiner von den Orthodoxen nicht anerkannt. Hingegen sind die Grenzen zwischen dem konservativen und dem liberalen Judentum eher fließend.

Über deutsche Auswanderer kam die konservative Bewegung in die USA, wo sie heute eine der stärksten Strömungen innerhalb der jüdischen Religion ist. Hier wurden auch Gremien geschaffen, die sich mit halachischen – religionsgesetzlichen – Regelungen für Fragen des jüdischen Alltags und des Ritus befassten und allgemeine Richtlinien für die konservative Bewegung schufen. Unter den Vordenkern des Konservativen Judentums in den USA sind vor allem Isaac Leeser (1806–1868) und Sabato Morais (1823–1897) zu nennen. Diese Männer waren Reformen keineswegs abgeneigt; Leeser z. B. war es, der erstmals englischsprachige Elemente in die traditionell hebräische Liturgie des jüdischen Gottesdienstes einführte. Ziel der Konservativen war es vielmehr, Juden eine Anpassung an die amerikanische Kultur zu ermöglichen, ohne dabei ihre religiösen Grundsätze zu beugen. Morais gründete 1885 das „Jewish Theological Seminary“ (in Anlehnung an das Breslauer Jüdisch-theologische Seminar), das zum akademischen und geistigen Zentrum der Bewegung wurde. Als sich nach einer Einwanderungswelle osteuropäischer und russischer Juden (1880–1920) das Problem des massenhaften Glaubensverfalls stellte, versuchte das Seminar unter Cyrus Adler und Solomon Schechter, ein Gegengewicht zu bilden. Eine weitere prominente Institution des Konservativen Judentums in den USA war die 1913 gegründete „United Synagogue of America“, in der die Synagogen der konservativen Tradition organisiert waren.

In Deutschland gründete sich in Berlin im Jahr 2002 das Masorti-Lehrhaus. Seit Mitte 2006 amtiert mit Rabbinerin Gesa Ederberg eine konservative Rabbinerin in der jüdischen Gemeinde zu Berlin, seit Mitte 2007 auch offiziell als Gemeinderabbinerin.

In Hamburg gibt es seit 2008 den Masorti Minyan Beit Shira.

Zum Seitenanfang



Hellenistisches Judentum

Als Hellenistisches Judentum wird eine Bewegung in der griechischsprachigen jüdischen Diaspora bezeichnet, die versuchte, die hebräisch-jüdische Volksreligion in die Sprache und Kultur des Hellenismus zu übersetzen und damit als Religion jenseits einer einzigen Ethnie zu etablieren.

Die wichtigsten Quellen findet man bei den Schriften des Philo von Alexandria und bei Flavius Josephus im 1. Jahrhundert n. Chr. als Einzelautoren. Außerdem sind die sogenannten Apokryphen sehr aufschlussreich für die Geschichte und Theologie des hellenistischen Judentums. Ebenfalls zu nennen sind die sogenannten Pseudepigraphen.

Durch die wechselvolle Geschichte des fruchtbaren Halbmondes wurden die Israeliten auf der syro-palästinischen Landbrücke mehrfach militärisch besiegt und anschließend deportiert. Dabei zeigte sich im Babylonischen Exil von 587-538 v. Chr., dass das Judentum auch unabhängig von dem Land Israel und dem Heiligtum in Jerusalem weiterexistieren konnte.

Nach dem Kyros-Edikt von 538 v. Chr. kehrten nicht alle Israeliten zurück, das Judentum in der Diaspora („Zerstreuung“) war geboren. In der Zeit der Diadochen kam es immer wieder zu Konflikten zwischen den Juden mit ihrem Autonomiestreben und den hellenistischen Herrschern, was immer wieder auch zu Judenverfolgungen führte. Die Bücher der Makkabäer berichten davon. Dies sorgte dafür, dass sich jüdische Gemeinden nicht nur in Babylon hielten, sondern überall im Mittelmeerraum gründeten.

Seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. wuchs die Diaspora Ägyptens stark an. Eines der wichtigsten Zentren wurde Alexandria im Nildelta. Die Juden fühlten sich wie die Griechen als Kolonisten und strebten daher auch nach den Bürgerrechten der Griechen, um an den städtischen Privilegien zu partizipieren. Es gelang ihnen nicht vollständig, sie genossen jedoch einen privilegierten Rechtsstatus einer religio licita mit begrenzter Gemeinde-Selbstverwaltung. Sie zogen sich damit jedoch den Hass der weitgehend entrechteten ägyptischen Landbevölkerung zu. Für die jüdische Gemeinde galt weiterhin Jerusalem und sein Tempel als religiöses Zentrum. Zum Ärger der lokalen Behörden entrichteten sie die Tempelsteuer dorthin.

In Alexandrien versuchte das Judentum, seine Weltanschauung in griechischer Sprache und im Rahmen griechischer Philosophie auszuformulieren. Der wohl wichtigste Meilenstein dabei ist die Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische, die Septuaginta.

Gleichzeitig hatte sich das Judentum gegen die Vorwürfe zu verteidigen, ein östlicher Aberglaube und eine primitive Nomadenreligion zu sein. Ein wichtiger Vermittler zwischen dem jüdischen Gesetz und dem griechischen Denken war, nach Vorläufern wie Aristobul und Pseudo-Aristeas, Anfang des 1. Jahrhunderts n. Chr. Philo von Alexandria. Er stellte das Judentum als eine altehrwürdige Religion dar, die durch ihren Monotheismus besser mit der aristotelischen oder platonischen Philosophie übereinstimme als der polytheistische Olymp.

Die teilweise schwierig vermittelbaren Gesetze versuchte Philo als moralisch und tugendhaft darzustellen, Begriffe, die bei den Griechen bekannt und positiv besetzt waren. So sprach Philo etwa von einer „Beschneidung des Herzens“, die die Laster und Triebe beschneidet, zum Wohl der Selbstbeherrschung und Förderung der Tugend.

Ein weiterer wichtiger Autor war am Ende dieses Jahrhunderts der jüdische Feldherr und Historiker Joseph ben Mathitjahu, später bekannt als Flavius Josephus. Auch er hatte das Ziel, das Judentum gegen antike Vorurteile zu verteidigen und es als tugendhafte Religion darzustellen. Seine Geschichte des Judentums von seinen Anfängen bis zu seiner Gegenwart verfasste er im Sinne einer hellenistisch-aufgeklärten Denkweise.

Darüber hinaus sind diverse Schriften überliefert, die ethisch-moralischen Charakter haben (z. B. das Spruchgedicht des Pseudo-Phokylides) oder auch spekulativ-apokalyptisch erscheinen. Teilweise wird beides miteinander vermischt. Erkennbar ist, dass die Hellenisierung des Judentums nicht unumstritten war. Viele Autoren hielten diese Kompromisse mit dem Zeitgeist für einen Abfall vom rechten Glauben und rechneten mit einem Gericht Gottes über sein Volk.

Unter den nichtjüdischen Zeitgenossen erntete das hellenistische Judentum nicht nur Kritik, sondern gewann eine große Zahl an Sympathisanten (sogenannten Eusebes) und Übertritten (sogenannten Proselyten), auch in wohlhabenden und gebildeten Kreisen. Dabei war die Schwelle zum Übertritt für Frauen niedriger als für Männer, die (aus unter damaligen hygienischen Bedingungen auch durchaus naheliegenden Gründen) vor einer Beschneidung zurückschreckten, und im Sympathisantenstatus blieben.

Es ist nicht endgültig geklärt, wie das hellenistische Judentum an Bedeutung verlor und letztlich unterging. Das aufkommende Christentum, das ebenfalls eine Synthese aus Judentum und Hellenismus darstellt, spielte dabei vermutlich eine wichtige Rolle. Nicht zufällig wurde aus dem noch jüdisch theologisierten "Jeschua, der Messias" der gräzisierte "Jesus Christus". Jedenfalls ist in der Apostelgeschichte überliefert, dass christliche Missionare wie Paulus häufig in Sympathisanten- und Proselytenkreisen wirkten. Der Verzicht auf Beschneidung, der innerchristlich gegen einige Widerstände durchgesetzt wurde, erwies sich sicherlich als ein Erfolgsfaktor.

Das offizielle Judentum seinerseits distanzierte sich zunehmend von seinen hellenistischen Zweigen, verbot den Gebrauch der Septuaginta und zog sich ganz auf seine hebräischen und aramäischen Traditionen zurück. So sind uns praktisch alle hellenistisch-jüdischen Schriften nur in christlichen Handschriften und Codizes überliefert.

Möglicherweise ist ein Teil des Hellenistischen Judentums auch im Gnostizismus aufgegangen, der einiges an hellenistisch-jüdischen Ideen aufgenommen und weiterverarbeitet hat.

Wichtig ist im Hellenistischen Judentum das Bekenntnis zum „Einen Gott“ (εἷς θεὸς heis theos). Damit versuchte man einerseits das Zentralgebot des jüdischen Monotheismus (1. Gebot und Schma Jisrael) zu Gehör zu bringen und andererseits an platonische und aristotelische Metaphysik anzuschließen, die ebenfalls nicht von vielen Göttern, sondern von einer göttlichen Idee oder einem unbewegten Beweger handeln.

Eine ebenfalls zentrale Rolle im jüdisch-hellenistischen Denken spielten die Vernunft (logos) und die Weisheit (sophia), die nicht als menschliche Eigenschaften, sondern als Emanationen (Auswirkungen) Gottes aufgefasst werden.

Daneben war die Ethik geprägt von relativ abstrakter Tugend und Moral. Damit begegnete man zunächst Anfeindungen, die das Judentum als grundsätzlich unmoralisch oder menschenfeindlich diffamierten, zum anderen machte man aber auch die an rituellen und volksspezifischen Vorschriften reiche jüdische Torah für hellenistische Normalbürger verständlich und praktikabel.

Zum Seitenanfang



Source : Wikipedia