Jülich

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Geschrieben von c3po 28/02/2009 @ 10:40

Tags : jülich, nordrhein-westfalen, deutschland

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Forschungszentrum Jülich

JÜLICH (Deutschland)

Das Forschungszentrum Jülich GmbH betreibt interdisziplinäre Forschung in den Bereichen Gesundheit, Energie und Umwelt sowie Information, gestützt auf die beiden Schlüsselkompetenzen Physik und Supercomputing. Mit rund 4400 Mitarbeitern (2008) gehört es zu den größten Forschungseinrichtungen in Europa.

Am 11. Dezember 1956 beschloss der Landtag von Nordrhein-Westfalen den Bau einer "Atomforschungsanlage". Als Standort wurde später der Staatsforst Stetternich gewählt. 1958 wurde der Grundstein für die Forschungsreaktoren MERLIN (FRJ-1) und DIDO (FRJ-2) gelegt, die 1962 in Betrieb genommen wurden. 1960 wurde die "Gesellschaft zur Förderung der kernphysikalischen Forschung (GFKF)" umbenannt in "Kernforschungsanlage Jülich des Landes Nordrhein-Westfalen e.V." (KFA). 1967 erfolgt die Umwandlung in eine GmbH, deren Gesellschafter die Bundesrepublik Deutschland (heute 90 %) und das Land Nordrhein-Westfalen (10 %) sind. Im selben Jahr hat der Hochtemperaturreaktor AVR den Betrieb aufgenommen, der auch Strom ins öffentliche Netz lieferte.

1985 und 2006 wurden die Forschungreaktoren MERLIN und DIDO abgeschaltet. Ab Mitte der 80er-Jahre beendete die damalige Kernforschungsanlage ihre Arbeiten zur Weiterentwicklung des gasgekühlten Hochtemperaturreaktors. Gleichzeitig wurden neue Themen aufgegriffen und andere wichtige Themen erweitert. Deshalb erfolgte 1990 die Umbenennung in „Forschungszentrum Jülich GmbH“. In den Jahren 2000 bis 2008 wurde MERLIN vollständig zurückgebaut.

Das Forschungszentrum ist Gründungsmitglied der damaligen Arbeitsgemeinschaft der Großforschungszentren (AGF, 1970), die sich 1995 in die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren umwandelte.

Das Forschungszentrum liegt inmitten des Stetternicher Forstes in Jülich (Kreis Düren, Rheinland) und umfasst eine Fläche von ca. 2,2 Quadratkilometern.

Das jährliche Budget des Forschungszentrums beträgt etwa 360 Millionen Euro. Die öffentlichen Mittel werden zu 90 % vom Bund und zu 10 % vom Land Nordrhein-Westfalen getragen.

Das Forschungszentrum beschäftigt etwa 4.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (2008) und arbeitet im Rahmen der Disziplinen Physik, Chemie, Biologie, Medizin und Ingenieurwissenschaften an Grundlagen und Anwendungen in den Bereichen Gesundheit, Information, Umwelt und Energie. Von den Mitarbeitern sind etwa 1.300 Wissenschaftler, einschließlich 400 Doktoranden und Diplomanden. Etwa 800 Menschen arbeiten im Bereich Administration und Service, 400 Personen für Projektträger und 1.500 als technisches Personal - in 20 Berufen gibt es etwa 350 Auszubildende.

Jährlich arbeiten rund 800 Gastwissenschaftler aus über 50 Ländern im Forschungszentrum Jülich.

Am 9. Oktober 2007 wurde von der Nobelstiftung bekannt gegeben, dass Professor Peter Grünberg vom Forschungszentrum Jülich zusammen mit dem Franzosen Albert Fert von der Université Paris-Sud für die – voneinander unabhängige – Entdeckung des GMR-Effekts mit dem Nobelpreis für Physik am 10. Dezember 2007 in Stockholm ausgezeichnet werden wird. Dies ist der erste Nobelpreis für einen Mitarbeiter des Forschungszentrums Jülich und der Helmholtz-Gemeinschaft.

2007 wurden im Forschungszentrum etwa 350 Menschen in 20 Berufen ausgebildet. Die Ausbildungsquote beträgt rund 9 % und liegt mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt (bei Betrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern). In Kooperation mit der RWTH Aachen und der Fachhochschule Aachen existieren ebenfalls kombinierte Ausbildungs- und Studiengänge. Den Absolventen wird nach bestandener Prüfung ein halbes Jahr Beschäftigung im erlernten Beruf angeboten. Von 1959 bis 2007 schlossen rund 3.800 Auszubildende ihre Ausbildung in mehr als 25 Berufen erfolgreich ab.

Am Forschungszentrum selbst werden in der Regel keine Vorlesungen abgehalten, aber nach dem sogenannten „Jülicher Modell“ werden die Institutsdirektoren in einem gemeinsamen Berufungsverfahren mit dem Land Nordrhein-Westfalen auf eine Professur an eine der benachbarten Universitäten (in der Regel Aachen, Bonn, Köln, Düsseldorf, aber auch weiter entferntere wie Bochum, Duisburg-Essen oder Münster) berufen. Dort kommen sie ihrem Lehrauftrag nach. Auch viele weitere habilitierte Wissenschaftler am Forschungszentrum übernehmen Lehraufträge an den benachbarten Universitäten. In Zusammenarbeit mit den Universitäten wurden sog. „Research schools“ (z. B. „German Research School for Simulation Science“ mit der RWTH Aachen oder „International Helmholtz Research School of Biophysics and Soft Matter“ mit den Universitäten Köln und Düsseldorf) gegründet, um die wissenschaftliche Ausbildung von Studenten zu fördern.

Eine Ausnahme stellt die Ausbildung zum Mathematisch-technischen Softwareentwickler dar. Dabei werden in Kooperation mit der Fachhochschule Aachen (Standort Jülich) die Vorlesungen, die für den Bachelor „Scientific Programming“ benötigt werden, zum größten Teil im „Jülich Supercomputing Centre“ (JSC) – ehemals „Zentralinstitut für Angewandte Mathematik“ (ZAM) – von den Professoren der FH und Ausbildern des Supercomputing Centre gehalten. Auch für den konsekutiven Master-Studiengang „Technomathematik“ wird ein Teil der Vorlesungen von Mitarbeitern des Supercomputing Centre gehalten.

Im Forschungszentrum Jülich findet jährlich die zweiwöchige Ferienschule des Instituts für Festkörperforschung statt, die aktuelle Fragestellungen der Festkörperphysik behandelt.

Die Forschung in Jülich ist in die Forschungsbereiche Gesundheit, Energie und Umwelt sowie Information aufgeteilt. Die Schlüsselkompetenzen Physik und Scientific Computing bilden die Grundlage für Spitzenforschung in diesen Bereichen.

Der Forschungsreaktor Jülich 2 war ein Reaktor der DIDO-Klasse und wurde für Neutronenstreuexperimente genutzt. Betrieben wurde er von der Zentralabteilung für Forschungsreaktoren (ZFR). Der FRJ-2 war bis zur Inbetriebnahme des Forschungsreaktors München II in Garching die stärkste deutsche Neutronenquelle und diente hauptsächlich der Durchführung von Streu- und Spektroskopie-Experimenten an kondensierter Materie. Er war vom 14. November 1962 bis zum 2. Mai 2006 in Betrieb.

Mit der Gründung des Jülich Centre for Neutron Science (JCNS) im Jahr 2006 bleibt das Institut für Festkörperphysik ein nationales Kompetenzzentrum für Neutronenstreuung. Sechs der wichtigsten Instrumente wurden vom FRJ-2 an den FRM II verlegt; weitere Instrumente dort neu aufgebaut. Daneben betreibt das JCNS Außenstellen am Institut Laue-Langevin (ILL) in Grenoble und an der Spallation Neutron Source (SNS) in Oak Ridge.

COSY (Cooler Synchrotron) ist ein Teilchenbeschleuniger (Synchrotron) und Speicherring (Umfang: 184 m) zur Beschleunigung von Protonen und Deuteronen, der vom Institut für Kernphysik (IKP) im Forschungszentrum betrieben wird.

COSY zeichnet sich vor allem durch die so genannte Strahlkühlung aus, bei der die Abweichung der Teilchen von ihrer vorgegebenen Bahn (kann auch als Wärmebewegung der Teilchen aufgefasst werden) durch Elektronen- bzw. stochastische Kühlung reduziert wird. An COSY gibt es mehrere Experimentiereinrichtungen für Untersuchungen im Bereich der Hadronenphysik. Den Schwerpunkt bilden hierbei das Magnetspektrometer ANKE, das Flugzeitspektrometer TOF und der Universaldetektor WASA, dessen Umzug vom Speicherring CELSIUS des The Svedberg Labors (TSL) in Uppsala zu COSY 2005 durchgeführt wurde.

COSY ist einer der wenigen Beschleuniger im mittleren Energiebereich, die sowohl über Elektronenkühlung, als auch stochastische Kühlung verfügen.

Der Synchrotron wird von Wissenschaftlern aus deutschen und ausländischen Forschungseinrichtungen an internen und externen Experimentierplätzen genutzt und gehört zu den Forschungsgeräten der Verbundforschung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Die folgenden Supercomputer werden alle vom Jülich Supercomputing Centre (JSC) im Rahmen des John von Neumann-Instituts für Computing (NIC) in Jülich betrieben.

Am 22. Februar 2008 wurde der auf IBMs BlueGene/P-Architektur basierende massiv-parallele Supercomputer JUGENE eingeweiht. Mit 65.536 Prozessoren (16384 Knoten mit je 4 Prozessoren) und einem Hauptspeicher von 32 TeraByte (2 GigaByte pro Knoten) erbringt der Rechner eine Spitzenleistung (Rpeak) von 223 TFLOPS. Die schon im November 2007 erbrachte Linpack-Leistung (Rmax) beträgt 167 TFLOPS. Damit war er zu diesem Zeitpunkt der schnellste Rechner Europas und der schnellste zivile Rechner der Welt. Momentan steht er auf Platz 11 der 32. TOP500-Liste vom November 2008, wobei er mit nun 180 TFLOPS noch immer der schnellste Supercomputer Europas ist.

Ein weiterer Supercomputer des gleichen Typs mit einer Rechenleistung von 1 Petaflop/s ist in Planung.

Der 2006 eingeweihte JUBL, gilt als Vorgänger des JUGENE und wurde nach dessen erfolgreicher Installation Mitte 2008 außer Betrieb genommen.

Der massiv-parallele Supercomputer IBM p690-Cluster Jump ist seit Anfang 2004 in Betrieb. Mit 1312 Prozessoren (41 Knoten mit je 32 Prozessoren) und einem Hauptspeicher von 5 Terabyte (128 Gigabyte pro Knoten) erbringt der Rechner eine Maximalleistung von 5,6 TFLOPS und war damit zum Zeitpunkt seiner Einrichtung auf Platz 30 der leistungsstärksten Rechner der Welt. Die Knoten sind durch einen High-Performance-Switch (HPS) miteinander verbunden. Anwendungen haben über ein globales paralleles Dateisystem Zugriff auf über 60 Terabyte Speicherplatz und einen integrierten Kassettenspeicher mit einer Kapazität von einem Petabyte. Betrieben wird der IBM-p690-Cluster Jump unter dem Betriebssystem AIX 5.1.

Für die Supercomputer wurde in 2003 eine neue 1.000 m² große Maschinenhalle neben dem Jülich Supercomputer Centre errichtet.

TEXTOR ist ein Tokamak-Experiment für technologieorientierte Forschung (Tokamak EXperiment for Technology Oriented Research) auf dem Gebiet der Plasma-Wand-Wechselwirkungen, das vom Institut für Energieforschung, Bereich Plasmaphysik (IEF-4) im Forschungszentrum betrieben wird.

TEXTOR dient der Erforschung der Kernfusion. Hierzu wird in Experimenten Wasserstoff auf bis zu 50 Millionen Grad aufgeheizt, so dass er in Form von Plasma vorliegt. Die Wechselwirkung dieses Plasmas mit den umgebenden Wänden ist eine der Aufgaben des Tokamak-Experiments. Die Erkenntnisgewinne dienen vor allem dem zukünftigen Kernfusionskraftwerk ITER, an dessen Bau im südfranzösischen Cadarache das Forschungszentrum Jülich mitarbeitet.

Ebenfalls seit 2004 wird vom Institut für Neurowissenschaften und Medizin ein Magnet-Resonanz-Tomograph (MRT) betrieben, der eine magnetische Feldstärke von vier Tesla liefert. Damit ist er eines der stärksten Geräte in Deutschland und Europa. Weiterhin existieren ein 1,5-Tesla- und 3-Tesla-Tomograph, welche insbesondere für die funktionelle Bildgebung (fMRT) mit neurologischen, neuropsychologischen und psychischen Fragestellungen verwendet werden. Seit 2007 befindet sich ein weiterer 3,0-Tesla-Tomograph mit PET-Einsatz im Aufbau. Nach Bewilligung der finanziellen Mittel ist ein 9,4-Tesla-Scanner mit kombinierter PET in Bau, welcher somit der stärkste MR-Tomograph in Europa sein wird (ein weiterer Tomograph dieser Magnetfeldstärke existiert bereits in den USA).

In der 20 Meter langen SAPHIR-Kammer (Simulation Atmosphärischer PHotochemie In einer großen Reaktionskammer) untersucht der Bereich Troposphäre (ICG-II) des Institut für Chemie und Dynamik der Geosphäre (ICG) photochemische Reaktionen in der Atmosphäre.

Seit 2003 steht ein Gewächshaus mit modernster Technik zur Verfügung. Maximale Transparenz der Scheiben von über 95 % im Bereich des pflanzenrelevanten Lichtspektrums wird durch eine spezielle Glasart und Antireflex-Beschichtung erreicht. Zusätzlich dringt auch UV-B durch die Scheiben. Die CO2-Konzentration in zwei Abteilen kann erhöht und erniedrigt werden, die Luftfeuchtigkeit kann variiert werden, die Temperatur kann auch im Sommer bei voller Einstrahlung auf 25 °C gehalten werden. Der Bereich Phytosphäre (ICG-III) des Instituts für Chemie und Dynamik der Geosphäre (ICG) simuliert hier verschiedene Klimaszenarien und untersucht deren Einfluss auf pflanzliche Schlüsselprozesse wie Wachstum, Transport, Austauschprozesse mit Atmosphäre und Boden sowie auf biotische Interaktionen.

Das Verständnis der chemischen Prozesse in der Atmosphäre bildet die Grundlage für zahlreiche Klimamodelle. Umweltforscher des Forschungszentrum Jülich untersuchen die Chemie der Atmosphäre mit Flugzeugen, Ballons und Satelliten und erstellen daraus chemische Modelle wie CLaMS, die in Simulationen auf Supercomputern zum Einsatz kommen.

Mit seinen Forschungspartnern entwickelt das Forschungszentrum Jülich keramische Membranen. Sie könnten in Kraftwerken als Filter eingesetzt werden, um Prozessgase zu trennen und auch Kohlendioxid effektiv zurückzuhalten.

Rechen- und Speicherressourcen sind heutzutage oftmals auf mehreren Computersystemen, Rechenzentren oder sogar Ländern verteilt. Industrie und Wissenschaft benötigen also Werkzeuge für den einfachen und sicheren Zugriff auf diese Ressourcen. UNICORE aus Jülich ist ein solches Grid-basiertes Werkzeugpaket. Die aktuelle Version UNICORE 6 ist Web-Services basiert (WS-RF) und implementiert zahlreiche Grid-Standards des OGF.

Auf dem Gelände des Forschungszentrums betreibt die Landesanstalt für Arbeitsschutz (LAfA) des Landes Nordrhein-Westfalen eine Landessammelstelle für radioaktive Abfälle für die Länder NRW und Niedersachsen. Diese Sammelstelle nimmt neben radioaktivem Abfall aus dem Forschungszentrum auch weitere (schwach)-radioaktive Abfälle aus den genannten Ländern an.

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Geschichte der Stadt Jülich

Jülich nach dem verheerenden Luftangriff vom 16. November 1944. Die Stadt ist völlig verwüstet

Die Geschichte der Stadt Jülich umfasst über 2000 Jahre. Einst nur ein römisches Straßendorf, entwickelte sich die Siedlung zum Mittelpunkt erst einer Grafschaft und dann eines Herzogtums, das in der frühen Neuzeit zu großer Macht und erheblichem Einfluss gelangte. Mit dem Aussterben des Herrscherhauses und dem Verlust der kaum fertiggestellten Residenz wurde die Stadt zur bloßen Festungs- und Garnisonsstadt, was ihren Start in die Moderne verzögerte. Im Zweiten Weltkrieg völlig verwüstet, erstand sie als moderne Forschungsstadt wieder auf.

Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung reichen bis ins 9. Jahrtausend vor Christus zurück, als durchziehende Jäger und Sammler Rastplätze in der Gegend von Barmen anlegten. Bandkeramiker und Angehörige der Michelsberger Kultur legten auf dem heutigen Stadtgebiet Gräberfelder an.

Erstmals historisch greifbar wird die heutige Stadt mit dem Vordringen der Römer nach Germanien, als sie um 50-30 v. Chr. vom Rheinland Besitz ergriffen und die einheimischen Eburonen unterwarfen oder vernichteten. In augusteischer Zeit entstand dann die Römerstraße von Heerlen nach Köln, an der dann um Christi Geburt der vicus Iuliacum entstand, der als Rastplatz und Straßenstation diente. Spekulationen besagen, dass der Name vielleicht von der massenhaften Verleihung des römischen Bürgerrechtes an die Einwohner durch die julischen Kaiser herrühren mag. Das Dorf lag strategisch günstig auf einer überflutungssicheren Hochterasse nahe der Rur und einem der wenigen damals gangbaren Übergänge über den Fluss, den auch die römische Fernstraße nutzte. Wahrscheinlich gab es bereits damals eine Brücke nahe der Stelle, wo auch heute die Rurbrücke steht. Die Siedlung wuchs und zog durch ihre attraktive Lage auch bald Handwerksbetriebe und Händler an, wie der Fund einer Töpfersiedlung aus dem 2. Jahrhundert in der Gegend der heutigen Wilhelmstraße belegt. Es gab offenbar auch einige Kultzentren am Ort, wie der Fund einer Jupitersäule belegt. Als die Zeiten mit dem Ansetzen der Völkerwanderung unruhiger wurden, begannen die Römer, die Rheingrenze und auch die tiefer in das Reich hineinführenden Straßen zu befestigen. Iuliacum erhielt im Zuge dieser Maßnahmen um 310 ein sechzehntürmiges Kastell, das im Bereich um den heutigen Marktplatz lag. Die Kastellmauer ist im Pflasterbelag der Altstadt angedeutet und folgt zudem der südostlichen Mauer der Propsteikirche. Die Fernstraße lief um das Kastell herum und folgte etwa dem Verlauf der heutigen Grün-, Rader- und Kapuzinerstraße, in dieser Gegend lag auch eine bedeutende Siedlung vor den Toren der Befestigung. Aus dem Jahr 356 stammt die Überlieferung, Truppen des Kaisers Julian Apostata hätten nahe von Iuliacum ein Gefecht mit etwa sechshundert fränkischen Kriegern gehabt. Mit dem Rückzug der Römer um 460 gelangte Jülich in die Hand der Franken und wurde Sitz eines Gaugrafen, damals nur ein königlicher Beamter. Um das Kastell mit der darin befindlichen gräflichen Burg bildete sich ein lokales Machtzentrum, der in einer Urkunde aus dem Jahr 849 erstmals erwähnte Jülich-Gau, aus dem spätestens im 9. Jahrhundert die Grafschaft Jülich hervorging.

Das beginnende Mittelalter fand die Ortschaft als Mittelpunkt einer kleinen Herrschaft, die im Einflussbereich des Erzbistums Köln lag. Im Jahr 881 kam es zu einem Normanneneinfall, bei dem die Siedlung zerstört wurde. Ein Dokument von 1081 nennt Gerhard I. als ersten erblichen Grafen von Jülich. Die Grafschaft nahm einen langsamen, aber sicheren Aufschwung, was durch die Errichtung einer gräflichen Burg im Stadtteil Altenburg im 12. Jahrhundert deutlich wird. Sie war als eine zeittypische Motte auf einem künstlichen Erdhügel angelegt, der noch heute gut sichtbar ist. Beim Zug Kaiser Heinrichs V. nach Köln um 1114 wurde die Ortschaft erneut zerstört. 1147 predigte Bernhard von Clairvaux vor der Kirche für die Teilnahme am Kreuzzug. Der Erwerb erheblicher Gebiete in der Nordeifel mit reichem Bergbau und die unsichere Lage Jülichs in der Ebene bewogen Graf Wilhelm II. im Jahr 1190 dazu, seine Residenz in die Burg Nideggen zu verlegen, die als fast uneinnehmbare Höhenburg weniger bedroht war. 1214 eroberte Kaiser Friedrich II. den Ort. Im Jahr 1234 erhob Graf Wilhelm IV. Jülich zur Stadt, als solche wurde sie 1238 erstmals urkundlich erwähnt. Ein Jahr später fand sich die neue Stadt einer Belagerung durch die Kölner ausgesetzt, da die Jülicher Grafen danach trachteten, sich aus dem Einflussbereich des Erzbischofs zu lösen. Dabei wurde die Siedlung vor den Mauern zerstört, während das befestigte Kastell widerstand. Ungefähr in diese Zeit fällt auch die Zerstörung der Motte Altenburg. Bereits im Jahr 1278 wurde die Stadt erneut durch den Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg belagert und zerstört, nachdem Graf Wilhelm IV. bei einem unglücklich verlaufenen Angriff auf die Reichsstadt Aachen erschlagen worden war. Zum damaligen Zeitpunkt bildete das spätrömische Kastell die Grafenburg, während die eigentliche Stadt vor den nördlichen Mauern im Bereich der heutigen Rader- und Kapuzinerstraße lag. Die ganze Siedlung war mit Palisaden umwehrt. Im Zuge der Zerstörung der Stadt 1278 wurde offenbar das Kastell so stark beschädigt, dass ein Wiederaufbau nicht lohnend erschien und statt dessen eine Neubefestigung ins Auge gefasst wurde. 1288 gelang es dem Jülicher Grafen und seinen Verbündeten in der Schlacht bei Worringen, die Macht des Erzbischofs endgültig zu brechen und die Selbstständigkeit zu erlangen. Im Zuge dieser neuen Freiheit wurde auch an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert endlich eine neue steinerne Stadtbefestigung in Jülich fertiggestellt, die bereits einen großen Teil der heutigen Altstadt umschloß. Von ihr sind heute noch Relikte vorhanden: der Hexenturm als offensichtlichster Überrest und dazu ein Stück der Stadtmauer, dass sich innerhalb der Bebauung des Häuserblocks befindet, der zwischen Stiftsherrenstraße und Großer Rurstraße liegt (Hinterhofgrundstücke Stiftsherrenstraße Nr. 7 und 9, beschränkt zugänglich).

Die Macht der Jülicher Grafen wuchs nun stetig an, und bereits 1336 wurde Graf Wilhelm V. von Kaiser Ludwig IV. zum Markgrafen ernannt und in den Reichsfürstenstand erhoben. Schon zwanzig Jahre später folgte der nächste Schritt, als aus der Markgrafschaft ein Herzogtum und aus Markgraf Wilhelm der Herzog Wilhelm I. wurde. 1360 ist für Jülich zum ersten Mal ein Bürgermeister und ein Rat belegt, um 1349 das Vorhandensein einer jüdischen Gemeinde, deren Synagoge in der Judenstraße (heute Grünstraße/An der Synagoge) in diesem Jahr im Zuge der damals stattfindenden Judenverfolgung im Rheinland konfisziert wurde. Um 1423 starb die Linie der Jülicher Herzöge aus, und das Haus Berg erbte seine Ländereien. 1461 wurden die Juden aus Jülich ausgewiesen, die Gemeinde bildete sich später an der alten Stelle neu. Im Jahr 1473 gab es eine verheerende Epidemie in der Stadt, und bereits ein Jahr später folgte ein großer Stadtbrand, dem unter anderem das gesamte Stadtarchiv zum Opfer fiel. Im selben Jahr unterzeichnete Herzog Gerhard mit Karl dem Kühnen, dem Urgroßvater Kaiser Karls V. einen Vertrag, in dem er für immer auf alle Erbansprüche im Herzogtum Geldern verzichtete. Ab 1521 gesellte sich zu den Herzogtümern Jülich und Berg auch das Herzogtum Kleve, die Vereinigten Herzogtümer, erweitert um die Grafschaften Mark und Ravensberg, wurden zu einer der größten Mächte in der Region. 1512 verwüstete ein weiterer Großbrand die Stadt.

1539 trat Herzog Wilhelm V. die Herrschaft über die Vereinigten Herzogtümer an, welcher der Nachwelt unter dem Beinamen „der Reiche“ bekannt ist und der die Jülicher Herrschaft auf einen letzten, glanzvollen Höhepunkt führen sollte. Bereits ein Jahr zuvor war mit dem Tode Karl von Egmonds das Herrscherhaus im Herzogtum Geldern ausgestorben, und Wilhelm trachtete danach, seine Erbansprüche geltend zu machen, zumal die tatsächliche Herrschaft in Geldern auf Wunsch der Landstände bereits seit längerem von jülich-klevischen Kräften ausgeübt wurde. Kaiser Karl V. beharrte jedoch darauf, dass mit dem Aussterben des Herrscherhauses das Herzogtum zurück an das Reich falle, und verwies auf den Vertrag von 1473. Das wollte Wilhelm nicht hinnehmen, und es kam ab 1542 zum Krieg. Der Herzog hatte sich durch Heirat mit einer Nichte des französischen Königs der französischen Unterstützung versichert, doch leider musste er bald feststellen, dass die Franzosen keinen Finger rührten, um ihm zu helfen. Daher unterlagen die jülich-klevischen Kräfte schon bald der kaiserlichen Übermacht, die alle herzoglichen Festungen dank ihrer überlegenen Artillerie eroberte und zerstörte. Daran vermochte auch ein jülich-klevischer Sieg bei Sittard nichts zu ändern, und der Herzog musste sich Karl V. schmählich zu Füßen werfen. Jülich selbst wurde den Gegnern kampflos übergeben. Der Kaiser beließ ihm die Herrschaft über die ererbten Länder, behielt aber selbst, gemäß dem Vertrag von Venlo, Geldern und veranlasste obendrein, dass Wilhelm Maria von Habsburg heiratete und sich so mit dem Haus Habsburg verband.

Der Herzog ging nun daran, seine verbliebenen Gebiete zu stärken und begann den Ausbau von drei ausgewählten Städten zu Landesfestungen und auch Residenzstädten. Orsoy wurde zur klevischen Hauptfestung bestimmt, Düsseldorf zur Landesfestung und Residenz in Berg, während Jülich nach der Zerstörung Nideggens durch die kaiserlichen Truppen zur neuen Residenz und Landesfestung für das Herzogtum Jülich aufrückte. Bereits 1538 hatte der jülichsche Landtag den Ausbau der Stadt zur Hauptlandsfestung beschlossen, die begonnenen Arbeiten waren allerdings wegen des Krieges nicht weit gediehen und die Kaiserlichen hatten die bereits fertigen Teile zerstört. Wilhelm verfolgte in Jülich einen ehrgeizigen Plan: die Stadt sollte zur idealen Residenzfestung im Stile der Renaissance werden. Zu diesem Zweck sah er sich nach einem Architekten um, der diese titanische Aufgabe angehen konnte und fand dabei Alessandro Pasqualini aus Bologna, der sich mit seinem Wirken in den Niederlanden bereits einen Namen gemacht hatte. Ihm übertrug der Herzog das Amt des Landesbaumeisters und die Aufsicht über die Projekte in den drei Landesfestungen, er betraute ihn auch mit dem Wiederaufbau des Schlosses Hambach. Bald waren die Pläne fertig und wurden dem Herzog zur Begutachtung vorgelegt. Die Stadt sollte mit einer modernen Befestigung im Bastionärsystem umgeben werden, dabei war die Form eines gestreckten Pentagons vorgesehen, ausgerichtet nach Westen, mit Bastionen an drei der fünf Ecken. Die anderen beiden Ecken sowie die gesamte Nordflanke der Stadt sollte von einer riesigen quadratischen Zitadelle eingenommen werden, mit vier Bastionen, einer doppelten Befestigungsanlage und einem Residenzschloss im Zentrum. Damit wurde das in der damaligen Zeit viel diskutierte, aber selten ausgeführte Konzept des palazzo in fortezza, des Herrscherpalastes in einer Befestigung, ausgeführt. Um 1546 begann der Neubau der Stadt und des Schlosses, wobei die vorhandene Altbebauung der mittelalterlichen Stadt berücksichtigt werden musste. Aber bereits in der Nacht vom 26. auf den 27. Mai 1547 zerstörte ein großes Feuer fast die gesamte Stadt bis auf einen kleinen Teil um den Hexenturm und die Kleine Rurstraße. Nun war der Weg frei für eine Idealstadt nach zeitgenössischen Vorstellungen, die ohne Rücksicht auf vorherige Bebauung angelegt werden konnte. Der Herzog erließ 1554 eine strenge Bauordnung, die unter anderem vorschrieb, dass alle Häuser in der Stadt wegen der Feuergefahr aus Stein zu bestehen hatten und sich innerhalb bestimmter Maße halten mussten, damit die Straßen einen einheitlichen Eindruck machten. Die neuen Straßen waren großzügig angelegt und ziemlich breit, orientierten sich zum Teil aber am mittelalterlichen Straßennetz. Neue Straßen verliefen so, dass sie von der Zitadelle aus eingesehen werden konnten, was die Beherrschung der Stadt von dort aus vereinfachte. Überhaupt waren die Straßen nach Sichtlinien konzipiert, die eine Kommunikation über die Bebauung hinweg und damit die Beherrschung der Stadt und die Verständigung zwischen verschiedenen Stellungen im Belagerungsfall erleichterten. Die wichtigsten Sichtlinien verbanden die Zitadelle und neuralgische Punkte der Stadtbefestigung miteinander, so dass man im Ernstfall schnell Nachrichten austauschen konnte. Die Breite der Straßen war so berechnet, dass beim Einsturz eines Hauses nur eine Hälfte der Straße durch den Schutt blockiert wurde und genug Platz blieb, damit ein Wagen den Schutt umfahren konnte. In diese Zeit des Neuaufbaues fielen auch mehrere vergebliche Versuche, die Rur schiffbar zu machen.

Es erwies sich als notwendig, den großzügigen Entwurfsplan aus Geldmangel heraus zu reduzieren, dies geschah allerdings vermutlich erst während der Bauarbeiten. Die Zitadelle wurde in ihrer Größe deutlich reduziert und verlagert, was die regelmäßige Form der Stadt störte und die Errichtung einer zusätzlichen Halbbastion im Nordwesten erforderlich machte. Der Grundstein zum herzoglichen Residenzschloss wurde am 30. April 1549 gelegt. Bereits 1553 war der Ostflügel bezugsfertig, um 1556 wurde die Schmuckfassade des Nordflügels fertiggestellt, und um 1561 folgte der Südflügel. Die Befestigungsanlagen erforderten mehr Zeit, um 1565 erfolgte die Fertigstellung des Kölntores, aber erst gegen 1580 waren die Arbeiten soweit gediehen, dass die Festung in einem verteidigungsbereiten Zustand war. Dabei wurden ganz erhebliche Mengen an Ziegeln verbraucht, erhalten gebliebene Rechnungen belegen die Lieferung von insgesamt 27 Millionen Stück zwischen 1555 und 1568. Die Wiederbesiedlung der Stadt nach dem großen Brand von 1547 verlief eher schleppend, das lag auch an den hohen Anforderungen an die Bauweise der Häuser, die die Bauprojekte verteuerten. Der Herzog befahl die Aufgabe des Rathauses an der bisherigen Stelle im nördlichen Teil der Stadt, es wurde ab 1566 an der Westseite des Marktplatzes etwa gegenüber der heutigen Stelle neu errichtet. Um 1570 gab es noch viele unbebaute Grundstücke, der Stadtteil südlich der heutigen Großen Rurstraße war fast leer. Innerhalb der Stadtbefestigung standen noch zahlreiche Reste der alten Mauern, um die herum sich im Bereich der Südstadt bis zum Aachener Tor ausgesprochene Armenquartiere bildeten. 1572 erfolgte die Gründung der herzoglichen Partikularschule, aus der später das Staatliche Gymnasium und noch später das heutige Gymnasium Zitadelle hervorgehen sollte. 1583 entschloss sich der Landdrost Werner von Gymnich aus taktischen Gründen zum Abriss des Stadtdorfes Petternich, das unmittelbar vor der Zitadellennordfront zwischen Ellebach und Rur gelegen war und im Belagerungsfall dem Angreifer ein Einnisten nahe der Festung ermöglicht hätte. Die Einwohner wurden zum Teil in die Stadt umgesiedelt, zum Teil wanderten sie aus. Die Petternicher Straße im Nordviertel erinnert noch heute an den untergegangenen Ort.

Die neue Herrlichkeit als herzogliche Residenzstadt hatte nicht lange gewährt, und die Herrscherfamilie weilte meistens in Düsseldorf und nutzte das Residenzschloss im Stil der italienischen Hochrenaissance nur sporadisch. Einer der Gründe dafür waren die fortgesetzten kriegerischen Auseinandersetzungen in den benachbarten Niederlanden, wo der Befreiungskrieg gegen die Spanier tobte und infolge derer die Sicherheitslage im Herzogtum Jülich stets angespannt blieb. Ein endgültiges Ende nahm die bevorzugte Stellung der Stadt mit dem Aussterben der Herrscherfamilie 1609, der letzte Herzog Johann Wilhelm I. war kinderlos gestorben und die Erben stritten sich um die reichen Ländereien. Ganz besonders die wittelsbachischen Pfälzer Kurfürsten und Brandenburg machten Ansprüche geltend, während der Kaiser Rudolf II. den Standpunkt vertrat, die Herzogtümer seien mit dem Aussterben der Herzöge an das Reich zurückgefallen. Kaiserliche Truppen besetzten Jülich und es kam zum Krieg, im Jahr 1610 belagerten und eroberten niederländische Truppen, verstärkt um brandenburgische, englische, pfälzische und französische Truppen, die damals als stärkste Festung Europas geltende Stadt, die nach nur 35 Tagen der Belagerung fiel – die Verteidiger waren schlecht vorbereitet gewesen. Die neuen Herren setzten sich in der Stadt fest und bauten die Befestigungen aus, ein Teilungsplan zwischen Brandenburg und der Pfalz ließ Jülich in pfälzische Hände fallen. Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges und des Achtzigjährigen Krieges der Niederländer mit den Spaniern belagerte und eroberte ein spanisches Heer 1621 und 1622 nach langer Belagerung die Stadt. Die Spanier führten angeblich ein Schreckensregiment und waren bei den Bürgern unbeliebt, sie blieben bis 1660, danach fiel die Stadt zurück an die Pfälzer.

1678 wurde die Stadt im Französisch-Niederländischen Krieg von französischen Truppen blockiert, es fand aber kein ernsthafter Angriff statt. Um 1687 erwarben die Jesuiten die gesamte Westseite des Marktplatzes, sie gewannen später im Laufe des 18. Jahrhunderts auch durch den Einfluss ihres aus Jülich stammenden Ordensgenerals Goswin Nickel erheblichen Einfluss in der Stadt. Ab 1690 ist eine reformierte Gemeinde mit eigener Kirche nachweisbar, die Kirche wurde allerdings bereits 1692 von Unbekannten niedergebrannt. Ab 1693 führten die Pfälzer und später die Bayern erhebliche Ausbauten an der Festung durch.

Anfang des 18. Jahrhunderts sah sich die reformierte Gemeinde, die ihre Kirche außerhalb der Stadtmauern hatte, Repressalien seitens durchziehender französischer Truppen ausgesetzt. Ähnlich erging es den Lutheranern, die ebenfalls ihre Kirche außerhalb der Wälle hatten. Erst unter der Herrschaft Herzogs Karl Theodors erhielten die evangelischen Bürger die Erlaubnis, ihre Kirche hinter die Stadtmauer zu verlegen und errichteten 1745 ein neues Gotteshaus am Standort der heutigen Christuskirche. Im Siebenjährigen Krieg besetzten französische Truppen mit Genehmigung des Herzogs von 1756 bis 1762 die Stadt, dann ohne Genehmigung erneut ab 1772 und zogen erst 1778 wieder ab. In diese Zeit (1756–1759) fällt auch die Errichtung der Jesuitenkirche am Marktplatz, seit 1756 wurden zum Hochwasserschutz Dämme entlang der Rur gebaut und unterhalten. 1770 wurde das alte Rathaus abgerissen und 1781 am heutigen Standort neu errichtet. 1793 scheiterte ein erster Versuch französischer Revolutionstruppen, die Stadt an sich zu bringen, in der Ersten Schlacht von Aldenhoven, wobei sich Franzosen und kaiserliche Truppen an verschiedenen Ufern der Rur gegenüberstanden. Ein Jahr später, nach der Zweiten Schlacht bei Aldenhoven, fiel die Stadt am 3. Oktober 1794 in die Hände der Franzosen.

1801 kam das Rheinland im Frieden von Lunéville an Frankreich, und das Herzogtum Jülich wurde aufgelöst; die Stadt kam unter dem Namen Juliers als Mairie (Bürgermeisteramt) an das neugebildete Département de la Roer, Arrondissement Köln. Die Franzosen schlossen sämtliche Klöster und auch das Gymnasium und betrieben erhebliche Ausbauten der Festungsanlagen, welche eine Nutzung Jülichs als Basis für ein großes Feldheer sicherstellen und den wichtigen Rurübergang der Heerstraße nach Frankreich hinein schützen sollten. Der Brückenkopf wurde 1799 begonnen und um 1806 fertiggestellt. Am 11. September 1804 besuchte Napoléon Bonaparte die Stadt, um sich über den Fortgang der Arbeiten an der Festung zu informieren, er legte den Grundstein für die unvollendet gebliebenen Forts auf der Merscher Höhe. Am 7. November 1811 besuchte er Jülich mit seiner Frau ein zweites Mal. Mit dem Rückzug der Franzosen aus Deutschland nach der verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig wurde Jülich vom 17. Januar bis zum 19. April 1814 von preußischen, dänischen und mecklenburgischen Truppen blockiert, am 28. April kapitulierten die Verteidiger, und am 4. Mai verließen die Franzosen Jülich. Der Landschaftsmaler Johann Wilhelm Schirmer erlebte die Belagerung als Kind mit und schildert sie in seinen Lebenserinnerungen.

Am 5. April 1815 ergriff Preußen nach dem Wiener Kongress offiziell Besitz von der Stadt, im Jahr darauf wurde am 24. April der Kreis Jülich gebildet, der erst zur Provinz Jülich-Kleve-Berg und dann nach deren Auflösung zur Rheinprovinz gehörte. Die neuen Herren vollendeten die von den Franzosen begonnenen Ausbauten an der Festung und benutzten sie als Bollwerk gegen Frankreich. Aus diesem Grund erhielt die Stadt in den 1850er Jahren auch keinen Eisenbahnanschluss, da man fürchtete, ein etwaiger Belagerer könne sein Material auf diesem Wege heranbringen, die Strecke wurde stattdessen an Düren vorbeigeführt. Im Jahr 1859 beschloss das preußische Kabinett die Schleifung und Entfestigung Jülichs, die Festungsanlagen waren veraltet und boten vor den neuen Waffen des heraufziehenden Industriezeitalters keinen hinreichenden Schutz mehr. Das stieß auf entschiedenen Widerstand der Bürger, die zu einem nicht unerheblichen Teil ihr Auskommen dem Unterhalt der Festungswerke und den Aufträgen durch die Garnison verdankten, und die Bürgerschaft reichte Petitionen bei König Wilhelm ein, die um Erhalt der Festung oder doch zumindest der Garnison baten. Darauf blieb Jülich Garnisonsstadt, und es wurde eine Unteroffiziersvorschule eingerichtet, die in der Zitadelle Quartier nahm. Im September 1860 führte das preußische Heer in Jülich eine große Belagerungsübung durch, bei der neue Geschütze und Gewehre sowie neue Angriffsverfahren erprobt wurden. Dabei wurde die Zitadelle beschädigt, sie blieb aber erhalten, während die Außenwerke und die Stadtbefestigung in den folgenden Jahren abgerissen wurden.

1902 wurde eine neue Rurbrücke dem Verkehr übergeben, welche die zu klein gewordene napoleonische Schleusenbrücke ersetzte, 1910 wurde die heutige evangelischen Christuskirche eingeweiht, 1911 erfolgte die Fertigstellung der neuen Aachener Landstraße, die ihren Weg durch den Brückenkopf nahm. Während des Ersten Weltkriegs war die Stadt Etappenort und wurde zur Ausbildung frischer Truppen genutzt, vor allem auf dem Artilleriefahrplatz nördlich der Zitadelle. 1916 begann der Bau des Reichsbahnausbesserungswerkes, das 1919 fertiggestellt wurde und zahlreiche Neubürger brachte, die im planmäßig ausgebauten Südviertel angesiedelt wurden. Im selben Jahr rückten belgische und französische Besatzungstruppen in die Stadt ein, die sie 1929 wieder verließen. In diesem Jahr begann der Ausbau des Brückenkopfes zum Volkspark. Während der Weimarer Republik war Jülich, wie die meisten Städte und Orte im streng katholischen Rheinland, stark von der Zentrumspartei geprägt und tendierte nicht sonderlich in Richtung der Nationalsozialisten. Auch bei der letzten Reichstagswahl errang das Zentrum noch komfortable Mehrheiten.

Nach 1933 wurde die Stadt dem Reichsgau Köln-Aachen zugeteilt. 1934 wurde der Brückenkopf in eine Thingstätte bzw. „nationale Weihestätte“ mit angeblich 20.000 Sitzplätzen umgewandelt, die Kasematten wurden zur Champignonzucht verwendet. In der sogenannten Reichskristallnacht am 9. November 1938 brannte auch die Jülicher Synagoge in der Grünstraße nieder, nachdem sie von den Nationalsozialisten in Brand gesteckt worden war. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört und nicht wiederaufgebaut, die Ruine nach dem Krieg abgerissen. Der nördliche Teil der Grünstraße (im Mittelalter auch Judenstraße genannt), wo sie lag, heißt heute An der Synagoge. Der jüdische Friedhof (von 1862 bis 1941 genutzt) an der Aachener Straße ist erhalten geblieben, am nahegelegenen Propst-Bechte-Platz erinnert ein 2004 eingeweihtes Mahnmal an die in der NS-Zeit verschleppten und ermordeten jüdischen Bürger Jülichs.

Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt Durchgangsstation und Etappenort im Frankreichfeldzug, ab 1940 wurde die Zitadelle vom Reichsarbeitsdienst genutzt, und auf dem Artilleriefahrplatz übten deutsche Truppen. Die Rurbrücke erhielt am Brückenkopf und am stadtseitigen Ufer Flakstellungen zu ihrem Schutz, Teile der Betonfundamente waren noch lange nach dem Krieg zu sehen. Mit der alliierten Invasion in der Normandie und dem Rückzug aus Frankreich 1944 rückte Jülich selbst ins Frontgebiet, nach der Einnahme Aachens kam die Front langsam aber sicher näher. Die Stadt war nun im Feuerbereich gegnerischer Artillerie und wurde wegen der zur Versorgung der Front strategisch wichtigen Rurbrücke, dem Bahnhof und dem Reichsbahnausbesserungswerk auch Ziel von Bombenangriffen, dazu kamen die allgegenwärtigen alliierten Jagdbomber, die das Hinterland der deutschen Front am Tag beherrschten. Obwohl die Schäden zunächst verhältnismäßig gering blieben, gab es doch zahlreiche Tote und Verletzte. Mehrere Bombenvolltreffer im Zwangsarbeiterlager des Reichsbahnausbesserungswerkes am 29. September kosteten Hunderten russischen und ukrainischen Ostarbeitern das Leben. In der Stadtchronik ist von 120 bis 400 Toten die Rede, deren Leichen im nahen Wald verscharrt wurden. Eine Gedenkstätte gegenüber dem Tor des Heeresinstandsetzungswerkes erinnert noch an sie. Bei einer anderen Gelegenheit traf am 8. Oktober eine Bombe ins Krankenhaus und tötete mehr als ein Dutzend junger Schwesternschülerinnen, ihre Gräber liegen auf dem Ehrenfriedhof. Mit dem Fortschreiten der schweren Kämpfe und der Intensivierung der alliierten Fliegertätigkeit häuften sich die Bombenangriffe auf die Stadt und Schäden und Opfer nahmen zu. Immer mehr Bürger wurden evakuiert, und allmählich sank die Stadt in Trümmer.

Das alliierte Oberkommando plante einen verheerenden Luftschlag gegen die deutsche Front, mit dem zeitgleich eine amerikanische Großoffensive gegen die Rurfront beginnen sollte, welche die Verteidigungsstellungen westlich der Rur aufbrechen und den Vormarsch zum Rhein ermöglichen sollte. Das Unternehmen ging als Operation Queen in die Geschichte ein, am 16. November 1944 zerstörten mehrere hundert britische und amerikanische strategische Bomber die Städte Düren, Jülich und Heinsberg, um der deutschen Front den Nachschub abzuschneiden und flogen auch Angriffe gegen die Frontlinie selbst. Jülich traf der Angriff besonders hart, da es in amerikanischen und französischen Truppenkarten nach wie vor als Festung ausgewiesen war, und entsprechend versuchten die Alliierten wie schon in der Normandie, die vermuteten starken Befestigungen durch die völlige Zerstörung der Stadt zu entwerten. Das schwere Bombardement und die mehrtägige Feuersbrunst vernichteten die Stadt fast restlos, und da die anlaufende Großoffensive die deutsche Front trotz drückender Überlegenheit nicht durchbrechen konnte, blieb das Stadtgebiet lange Zeit im Bereich der Artillerie beider Seiten. Die meisten Bürger hatten die Stadt zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen, dennoch gab es etliche Verluste unter der Zivilbevölkerung, und auch viele der in Jülich befindlichen Soldaten kamen um. Es kursieren Zahlen von bis zu 4000 Toten infolge des Angriffs, darunter ein Teil des Artillerieregiments 147 der 47. Volksgrenadierdivision, das gerade am Bahnhof ausgeladen wurde. Die Hauptkampflinie verlief monatelang entlang der Rur, und die deutsche Ardennenoffensive und die verlustreichen Kämpfe im Hürtgenwald nötigten die Alliierten, ihre Offensive vorerst einzustellen. Auch nach dem Scheitern der Ardennenoffensive und dem amerikanischen Angriff entlang der Rurfront vom 10. Februar 1945 sollte es noch fast zwei Wochen dauern, bis ihnen endlich den Übergang über den Fluss gelang, da die Deutschen die Schleusen der Rurtalsperre geöffnet und das Rurtal durch die nachfolgende Überschwemmung unpassierbar gemacht hatten. Ständiges Artilleriefeuer, weitere Bombenangriffe und erbitterte Häuserkämpfe im Frühjahr 1945 taten ein Übriges dazu, dass die Stadt bei ihrer schließlichen Einnahme durch die Amerikaner am 23. Februar einer menschenleeren Trümmerwüste glich – kaum ein Mensch war in den umgepflügten Ruinen zurückgeblieben. Nur in der Römerstraße und in der Linnicher Straße hatte sich hier und da eine Häuserzeile erhalten, die Festungswerke hatten der Verwüstung noch am ehesten widerstanden, aber die Stadt war zu 98% zerstört und damit eine der am schwersten zerstörten Städte des ganzen Krieges, wenn nicht sogar die am schwersten zerstörte überhaupt. Insgesamt lag die Stadt 155 Tage lang im Kampfgebiet.

Nach dem Krieg gab es Erwägungen, die Stadt als Mahnmal sich selbst zu überlassen und an anderer Stelle wieder aufzubauen – so total war die Zerstörung gewesen, dass man ernsthaft darüber nachdachte, keinen Wiederaufbau zu versuchen. Nach der Auflösung Preußens kam die Stadt an das neugegründete Land Nordrhein-Westfalen. In der Stadt herrschten unmögliche Zustände, welche der britische Verleger und Journalist Victor Gollancz in einer bebilderten Reportage mit dem Titel In darkest Germany eindrucksvoll dokumentierte. Sie löste eine Welle der Hilfsbereitschaft in Großbritannien aus, die das Los nicht nur der Bewohner Jülichs lindern half, nach Gollancz ist heute aus Dankbarkeit eine Jülicher Straße benannt. Die Enttrümmerung war ein hartes Stück Arbeit, aber die Altstadt entstand auf den Ruinen nach dem alten Idealstadtplan neu. Dazu trug der Architekt R. Schöffer bei, der 1947 einen ersten Aufbauplan erstellte. An historischen Gebäuden im Stadtkern hatten praktisch nur die unteren Stockwerke des Turms der Propsteikirche sowie der Hexenturm überlebt, die einstmals pittoreske Altstadt war sonst völlig vernichtet. Sie wurde im Stil der 1950er Jahre auf dem alten Grundriss wieder aufgebaut, die alte Schönheit war aber dahin.

Die Festungswerke wurden ab 1954 provisorisch gesichert, sanken ansonsten aber in einen langen Dornröschenschlaf und wurden seitens der Bevölkerung und der Stadtverwaltung geflissentlich ignoriert.

Papier- und Zuckerindustrie siedelten sich in Jülich an, 1956 sah die Gründung des Atomforschungszentrums, dem heutigen Forschungszentrum und der früheren Kernforschungsanlage, in ihrem Gefolge fand mit der Firma uranit (heute Urenco Deutschland) auch Atomindustrie nach Jülich. Erneut kamen zahlreiche Zuwanderer, vor allem Akademiker, die im Forschungszentrum ihr Auskommen fanden und größtenteils im neuen Nordviertel um den ehemaligen Artilleriefahrplatz Quartier nahmen.

Ab 1964 wurden ernsthafte Sicherungsmaßnahmen in der Zitadelle durchgeführt, denen leider ein großer Teil der historischen Gebäude zum Opfer fiel. Im selben Jahr wurde das Reichsbahnausbesserungswerk geschlossen, und die Bundeswehr übernahm das Gelände als Heeresinstandsetzungswerk 800.

Ab 1968 begannen die Bauarbeiten in der Zitadelle, die sie zum Sitz des Staatlichen Gymnasiums machen sollten, und 1971 konnte die Schule den Neubau beziehen. 1972 wurde im Zuge der Kommunalreform der Kreis Jülich aufgelöst und größtenteils mit dem Kreis Düren vereinigt, dabei wurden etliche umliegende Ortschaften nach Jülich eingemeindet und die Einwohnerzahl stieg auf über 30.000 an. Dazu trugen auch die Umsiedlungen infolge des Fortschreitens der umliegenden Tagebaue der Rheinbraun bei, die Jülich mit Neu-Lich-Steinstraß um 1981 einen neuen Vorort im Nordosten auf der Merscher Höhe bescherten.

In den 1970er Jahren begannen umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen an der Zitadelle und sporadisch auch am Brückenkopf, die in den 1980er und 1990er Jahren erst zaghaft und wenig rücksichtsvoll, dann immer entschiedener und qualitätsvoller weitergeführt wurden. Ein großes Umdenken setzte ein – waren die alten Festungswerke früher nur Klotz am Bein gewesen, betrachtete man sie zunehmend als zu hütenden Schatz, aus dem sich in vieler Hinsicht Kapital schlagen ließ. Dieser Bewusstseinswandel war nicht zuletzt das Werk des Festungsforschers Hartwig Neumann, der unermüdlich um „seine“ Festung kämpfte.

Ab 1985 stand die Zitadelle endlich unter Denkmalsschutz, ab 1986 wurde die historische Innenstadt neu hergerichtet. Ihren vorläufigen Höhepunkt fand diese Entwicklung in der Landesgartenschau 1998, in deren Zentrum vor allem der Brückenkopf stand, der qualitätsvoll restauriert und mit einer aufwendigen Gartenanlage geziert wurde.

Seit 1992 setzte die Gründung des Technologiezentrum Jülich im Umfeld des Forschungszentrums neue Akzente für Jülich als Forschungsstadt.

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Festung Jülich

Der von den Franzosen geplante Endausbau der Festung Jülich

Die Festung Jülich bezeichnet die Gesamtheit der Befestigungsanlagen um die rheinische Stadt gleichen Namens, welche in der frühen Neuzeit zwischen 1547 und 1860 bestanden. Sie gehört zu den ältesten und ungewöhnlichsten Zeugnissen von Festungsarchitektur dieser Epoche nördlich der Alpen. Ihre Überreste mit renaissancezeitlicher Zitadelle und napoleonischem Brückenkopf stellen eines der bedeutendsten Ensembles frühneuzeitlicher Wehrarchitektur in Deutschland dar.

Seit der Gründung der Siedlung als römischer vicus entlang der Römerstraße Boulogne-Heerlen-Köln hatte sie eine strategische Bedeutung gehabt, da sie einen der wenigen gangbaren Rurübergänge kontrollierte und wohl bereits in römischer Zeit eine Brücke bestand. Aus diesem Grunde wurde Ivliacvm bereits im 4. Jahrhundert zu einem befestigten Kastell ausgebaut, das wohl sechzehn Türme aufwies und das Gebiet um den heutigen Marktplatz umschloss. Diese Befestigung, ursprünglich zur Abwehr barbarischer Einfälle aus östlicher Richtung gedacht, geriet beim Rückzug der Römer im 5. Jahrhundert in fränkische Hand und wurde zur Keimzelle des Jülich-Gaues, aus dem dann erst die Grafschaft und im 14. Jahrhundert das Herzogtum Jülich hervorgingen. Im westlichen Teil der Befestigung ist die Burg der Jülicher Herren zu suchen, die vermutlich einen Abschnitt der römischen Umwallung als Außenmauer nutzte. Im heutigen Ortsteil Altenburg entstand im 12. Jahrhundert eine Motte, die bereits im 13. Jahrhundert wieder zerstört wurde. An der Wende vom 13. Jahrhundert zum 14. Jahrhundert erfuhr die Stadt eine komplette Neubefestigung, die bereits einen erheblichen Teil der heutigen Altstadt umfriedete. Es handelte sich dabei um eine gotische Befestigung, die zur Armbrustverteidigung eingerichtet war. Relikte dieser Bauphase sind der Hexenturm und ein erhalten gebliebener Abschnitt der Stadtmauer im Innern der Bebauung des Blockes, der zwischen Stiftsherrenstraße und Großer Rurstraße liegt (Hinterhofgrundstücke Stiftsherrenstraße 7 und 9, Zugang beschränkt möglich).

Zwischenzeitlich waren die Jülicher Herzöge reich und mächtig geworden, das Jülicher Land stellte einen Teil der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg dar. Ihr Beherrscher, Herzog Wilhelm V., hegte große Ambitionen und wollte seine Herrschaft auch auf das Herzogtum Geldern ausdehnen, auf das er nach dem Aussterben des dortigen Herrscherhauses einen Erbanspruch besaß. Kaiser Karl V. betrachtete sich ebenfalls als legitimen Erben, und beide Herrscher gerieten in der Gelderner Fehde aneinander. Der Herzog unterlag dabei dem Kaiser, da sich die mit ihm verbündeten Franzosen nicht für ihn einsetzen wollten, er musste Geldern dem Kaiser überlassen und eine Habsburgerin heiraten. Ein wesentlicher Grund für die Niederlage war die schnelle Eroberung der herzoglichen Festungen gewesen, die noch im Mittelalter verhaftet und der modernen Artillerie nicht mehr gewachsen waren. Der Herzog fasste den Plan, mehrere Städte seines Herrschaftsgebietes zu modernen Landesfestungen und zum Teil auch Residenzstädten auszubauen – Düsseldorf als Residenz des Herzogtums Berg, Orsoy als klevischen Hauptwaffenplatz und Jülich als Residenz des Herzogtums Jülich. Jülich war dem Kaiser kampflos übergeben worden und deshalb unzerstört geblieben, man hatte bereits mit dem Bau einer neuen, modernen Stadtbefestigung im rondellierten System begonnen. Das genügte dem ehrgeizigen Herzog aber nicht mehr, ihm schwebte eine völlig neue Stadt nach Idealvorstellungen vor. Er hörte sich nach einem geeigneten Baumeister um und verfiel auf Alessandro Pasqualini aus Bologna, einen versierten Architekten und Festungsbaumeister, der schon seit längerer Zeit in den Niederlanden arbeitete. Wilhelm stellte ihn in seine Dienste und übertrug ihm den Ausbau der drei großen Landesfestungen und Residenzstädte.

Das Hauptaugenmerk fiel dabei auf Jülich, wo eine perfekte, völlig neue Stadt nach dem Geschmack der Renaissance entstehen sollte – eine Idealstadt. Die mittelalterliche Stadt stand noch, so dass erste Planungen darauf Rücksicht nehmen mussten. Doch bereits 1547 brannte fast die ganze Stadt in einer einzigen Nacht (vom 25. auf den 26. Mai) nieder, böse Zungen vermuteten Brandstiftung – lediglich das Gebiet um den Hexenturm und die heutige Kleine Rurstraße blieb verschont. Jedenfalls war der Weg nun frei für einen völligen Neuaufbau nach idealen Gesichtspunkten, und Pasqualini legte bald seine Pläne vor. Der Entwurf sah an der Nordseite der Stadt eine gewaltige Zitadelle mit vier Bastionen vor, mit etwa 500 Meter Kantenlänge von Bastionsspitze zu Bastionsspitze und einer doppelten Befestigung, in deren Zentrum das herzogliche Residenzschloss als palazzo in fortezza liegen sollte, ein damals viel diskutiertes, aber selten ausgeführtes Konzept. Die Stadt war als gestrecktes Pentagon konstruiert, zwei der fünf Ecken sollten von der Zitadelle abgedeckt werden, während der Rest von einer modernen bastionierten Befestigung geschützt wurde. Der Plan der Stadt folgte idealen Gesichtspunkten, alle Straßen waren breit und gerade angelegt und auf die Zitadelle ausgerichtet, um eine Beherrschung der Stadt von ihr aus möglich zu machen. Die Häuser folgten einer strengen Bauordnung, welche die Gefahren durch Feuer oder Straßenkämpfe verringern sollten. So war z. B. die Straßenbreite so berechnet, dass der Trümmerschutt eines eingestürzten Hauses nur die Hälfte ihrer Breite verstopfte und die andere Hälfte für den Durchgangsverkehr frei blieb. Alle Häuser sollten in Steinbauweise ausgeführt werden, um die Gefahr eines verheerenden Stadtbrandes zu minimieren.

Die Wälle und Bastionen bestanden aus Erde, eingefasst von Blendmauern aus Ziegeln, die nach der Feldseite hin bis zu fünf Meter stark war. Hinter der feldseitigen Blendmauer lag ein System aus Tonnengewölben, das die Erde des Hauptwalles in kleine Portionen unterteilte und bei einer Bresche in der Mauer das Auslaufen der Erdmassen verhinderte, wodurch das Entstehen einer gangbaren Bresche verzögert wurde, durch die ein etwaiger Gegner den Wall hätte stürmen können. Dabei war die Befestigung der Zitadelle deutlich stärker ausgelegt als die der Stadt, die Mauern waren dort zwölf bis fünfzehn Meter hoch anstatt nur acht bis zehn Metern bei der Stadtmauer, und sie waren mit bis zu 42 Metern auch deutlich stärker als der maximal 20 Meter dicke Stadtwall. Sowohl die Stadtmauer als auch der Zitadellenwall waren im unteren Teil geböscht, was die Mauer verstärkte und dazu führte, dass Wurfgeschosse von oben in Richtung des Feindes abprallten. Im Innern der Bastionen verlief ein System aus bombensicheren Kasematten, die zu den Kanonenhöfen in den zurückgezogenen Flankenstellungen der Bastionen führten, die Zitadelle wies daneben noch Kommunikationsgänge hinter der vorderen Blendmauer und zum Teil auch hinter der hofseitigen Mauer auf, die nachträglich eingebaut wurden.

Sowohl Zitadelle als auch die Stadtbefestigung besaßen mehrere Tore, wobei nur die Stadttore Namen trugen.

Die Zitadelle besaß im Norden und im Süden je ein Haupttor, das sie mit der Stadt und mit der nördlichen Feldseite verband. In späterer Zeit wurden auch Tore nach Westen und Osten angelegt, die allerdings nicht dem Durchgangsverkehr dienten, sondern lediglich der Kommunikation mit den östlichen und westlichen Vorwerken.

Die erste Bewährungsprobe für die neue Festung kam schon 1610. Im Zuge des Jülich-Klevischen Erbfolgestreites nach dem Aussterben des Herrscherhauses besetzten kaiserliche Truppen die Festung, da der Kaiser Rudolf II. den Standpunkt vertrat, die Lehen würden mit dem Ende der herzoglichen Linie an ihn zurückfallen. Sowohl Brandenburg-Preußen als auch das Kurfürstentum Pfalz machten Erbansprüche geltend, und es kam zum Krieg.

Niederländische Truppen, die mit den Brandenburgern und Pfälzern verbündet waren, verstärkt um Truppen aus England, Frankreich und der Protestantischen Union, zogen unter der Führung von Moritz von Oranien-Nassau vor der Festung auf und belagerten sie vom 28. Juli an, begleitet von einem starken Aufgebot internationaler Beobachter, welche die Operationen gegen die damals stärkste Festung Europas gespannt verfolgten. Die Belagerer zernierten die Festung mit einem Ring aus Schanzen und gingen auf der Merscher Höhe in Stellung, einer Erhebung nordöstlich der Zitadelle, von der aus man einen guten Überblick über das Geschehen und auch eine gute Schussposition für einen Angriff auf die Zitadelle hatte. Durch die überhöhte Position konnte man von dort aus gut in die Festung hineinschießen, angeblich war der hohe Nordostturm des Schlosses ein besonders beliebtes Ziel.

In der Festung wurden Bargeld und Nahrungsmittel bald knapp, der kaiserliche Festungskommandant Johann von Reuschenberg hatte es versäumt, ausreichende Vorräte anzulegen. Das Tafelsilber des kaiserlichen Reichskommissars Erzherzog Leopold wurde in kleine Stücke geschnitten und, mit einem Stempel versehen, als Notklippen ausgegeben. Die Belagerer trieben Laufgräben gegen die Zitadellenbastionen Marianne und St. Salvator vor und legten Breschen, die kaiserlichen Verteidiger mussten sich auch wegen der mangelnden Vorräte nach nur 35 Tagen am 1. September ergeben.

Die Festung war nun in niederländischer Hand, und die neuen Herren legten vor der Stadt und der Zitadelle einige neue Außenwerke an, vornehmlich zeittypische Hornwerke in Erdbauweise. Dabei wurde das Hauptaugenmerk auf die Nordseite der Zitadelle gelegt, die nachweislich am stärksten bedroht war. Zwischenzeitlich hatten sich Brandenburg und Pfalz im Vertrag von Xanten über eine Aufteilung der Vereinigten Herzogtümer geeinigt: Die Pfalz erhielt Jülich und Berg, während Brandenburg Kleve und die Grafschaften Mark und Ravensberg erhielt.

Mit dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges geriet die Stadt wiederum in den Brennpunkt des Interesses. Die Spanier wollten den niederländischen Einfluss in der Gegend beschneiden, um im Achtzigjährigen Krieg um die Niederlande selbst eine bessere Position zu erlangen, und begannen unter General Ambrosio Spinola 1621 eine weitere Belagerung. Wieder wurde die Festung durch einen Ring aus Schanzen von der Außenwelt abgeschnitten, und die Spanier griffen wie schon bei der vorherigen Belagerung die Zitadelle von der Merscher Höhe aus an. Die Niederländer leisteten zähen Widerstand und führten immer wieder Ausfälle durch, um die Arbeit der Belagerer zu stören. Ein besonders erfolgreicher Ausfall führte bis in das Lager der Belagerer, das dabei erheblichen Schaden nahm. Erneut kam es zur Ausgabe von Notgeld. Die heftigen Kämpfe hielten den Winter über an, und erst am 3. Februar 1622 mussten die Verteidiger kapitulieren. Für den Rest des Krieges hielten die Spanier die Festung besetzt und führten einige Um- und Ausbauten durch, in diese Zeit fällt wohl auch die Verlegung des Aachener Tores an seine heutige Position. Angeblich waren die Spanier bei der Bevölkerung nicht sehr beliebt und wurden als Unterdrücker angesehen. Die Spanier verließen Jülich aber erst 1660 und räumten seinen Besitz den Pfälzern wieder ein.

1678 wurde die Stadt im Französisch-Niederländischen Krieg von französischen Truppen blockiert, es fand aber kein ernsthafter Angriff statt. Ab 1693 führten die Pfälzer und später die Bayern erhebliche Ausbauten an der Festung durch. Die Zitadelle erhielt ein vierteiliges Oberwallsystem (Kavaliere) und wurde mit einem Kranz aus vorgeschobenen Ravelins und Kontregardes umgeben, auch ein Glacis wurde angelegt. Die Stadt erhielt ähnliche Vorwerke, wenn auch nicht in der gleichen Stärke wie die Zitadelle, da diese eindeutig die am meisten bedrohte Position darstellte.

Um 1741 und von 1756 bis 1762 besetzten französische Truppen während des Siebenjährigen Krieges die Stadt mit Genehmigung des Herzogs, und erneut von 1772 bis 1778, diesmal ohne Genehmigung. Im späten 18. Jahrhundert verfiel die Festung, und als die Franzosen nach der Zweiten Schlacht bei Aldenhoven 1794 auf sie vordrangen, wurde sie am 3. Oktober kampflos übergeben. Mit der Etablierung der Rheingrenze erhielt Jülich (nun als Juliers eine französische Mairie im Département de la Roer) eine neue Bedeutung als Etappenfestung auf der wichtigen Heerstraße vom Rhein ins französische Mutterland. Die Franzosen schmiedeten weitreichende Ausbaupläne, die sie auch gleich umzusetzen begannen. Die kaiserliche Festungsdoktrin sah die festen Plätze nicht mehr nur als Defensivwaffe an, sie sollten vielmehr als fester Rückhalt für das bewegliche Feldheer dienen. Entsprechend sahen die Planungen vor, das von der Festung beherrschte Gebiet enorm auszuweiten, damit es für ein starkes Heer als Rückzugsort, Lagerplatz und Operationsbasis dienen konnte. Die südwestliche Front wurde durch den neu geschaffenen riesigen Brückenkopf (ab 1799) abgedeckt, zudem wurde eine neue Rurbrücke (ab 1806) errichtet, die als Schleusenbrücke ausgelegt war. Mit ihr konnte man das Wasser des Flusses stauen und das Gebiet südlich der Stadt unter Wasser setzen, was jedem Angreifer den Zugang unmöglich machte. Ein Kranz von sieben vorgeschobenen Lünetten wurde um die Stadt gelegt, um ihr Umfeld beherrschen zu können und einem Angreifer die Annäherung zu erschweren, weitere derartige Werke waren geplant, wurden aber nicht begonnen. Zwischen ihnen sollten Feldbefestigungen angelegt werden, die einem von Jülich aus operierenden kaiserlichen Heer als Rückhalt und Lagerbefestigung dienen sollten. Auch auf der Merscher Höhe wurde um diese Zeit eine Schanze angelegt, die heute allgemein als Sternschanze bezeichnet wird. Vermutlich wurde sie von den Franzosen nach der Inbesitznahme der Stadt als Sofortmaßnahme in Erdbauweise errichtet, um die gefährdete Nordflanke der Stadt abzudecken. Ihre Überreste wurden bei den Ausschachtungsarbeiten eines Neubaugebietes Ende des 20. Jahrhunderts nahe Neu-Lich-Steinstraß aufgefunden und führten zur Benennung der Straße Sternschanze. Die Pläne und Ausgrabungsbefunde weisen sie als nach hinten offene Redoute aus, welche die Merscher Höhe beherrschen und einem etwaigen Belagerer das Festsetzen auf der zum Angriff am besten geeigneten Merscher Höhe erschweren sollte. 1811 wurde das Pulvermagazin auf der Zitadellenbastion St. Johannes fertiggestellt, bereits 1806 war sein kleinerer Bruder am Brückenkopf begonnen worden. Ein weiteres großes Projekt war die Anlage von drei großen Forts auf der Merscher Höhe, welche es einem etwaigen Belagerer unmöglich machen sollten, sich der Festung von dort aus zu nähern. Sie wurden 1804 begonnen, wobei Kaiser Napoleon selbst den Grundstein legte, die ältere Sternschanze musste den Neubauten weichen.

Die Arbeiten an den Forts waren aber noch nicht weit gediehen, als die Niederlage Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig die Franzosen 1813 zum Rückzug hinter den Rhein zwang. Jülich ergab sich nicht, wurde aber von preußischen, dänischen und mecklenburgischen Verbänden 1814 den Winter über blockiert. Kampfhandlungen gab es dabei kaum, es kam den Belagerern vornehmlich darauf an, die Franzosen in der Festung festzuhalten. Der entbehrungsreiche Winter der Belagerung wurde von Johann Wilhelm Schirmer in seinen Lebenserinnerungen beschrieben. Die Festung Jülich wurde dabei ihrem von den Franzosen intendierten Zweck nicht gerecht - weder gab es ein starkes Feldheer, dem sie als Rückhalt dienen konnte, noch erwies sie sich als Hindernis für die Operationen der Alliierten, welche einige Kilometer südlich der Stadt eine eigene Brücke über die Rur schlugen und die Festung schlicht umgingen. Die Besatzung war für wirkungsvolle Ausfälle viel zu schwach, entsprechend bot sie schon früh die Kapitulation an. Am 28. April 1814 ergaben sich die Verteidiger, und 4. Mai zogen die Franzosen ab.

Mit dem Friedensschluss 1814 kam Jülich zu Preußen. Die neuen Herren führten weitere Ausbauten durch. Die begonnenen französischen Forts auf der Merscher Höhe wurden nicht fertiggestellt, alle anderen von den Franzosen begonnenen Bauten dagegen vollendet. Unter diesen waren die sieben Lünetten A-G, welche die Stadt als vorgeschobene Stellungen umgaben. Nicht weniger als fünf von ihnen deckten dabei die Zitadelle nach allen Richtungen ab, die anderen beiden schützten die Stadt von Süden aus. Hinzu kam die Neue Flesche, die den großen Zwischenraum zwischen den Lünetten C und D an der Ostflanke der Zitadelle abdeckte. Die Lage der Lünetten A, B und C lässt sich heute noch am Verlauf der Artilleriestraße ablesen, der Verlauf der Wilhelmstraße folgt dem ehemaligen gedeckten Weg zur Lünette D. Das Grundstück von Lünette F ist heute noch im Kataster zu sehen, und der Zuweg zu diesem Vorwerk ist heute eine öffentliche Straße (An der Lünette). Von Lünette A sind zudem noch einige Erdreste erhalten.

1831 wurde die Festung wegen der Revolution in Frankreich in Alarmbereitschaft versetzt, wohl auch wegen des Freiheitskampfes in Belgien. Bereits 1833 folgte aber der Befehl zur Desarmierung, bis zur Schleifung 1860 wurden nur noch Unterhaltsarbeiten durchgeführt.

Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Waffentechnologie rasant weiter. Mit der Verbesserung der Metallurgie war es möglich geworden, Hinterladergeschütze und –gewehre billig zu produzieren, was die Feuergeschwindigkeit sehr erhöhte. Ihre Läufe wurden zudem mit Zügen versehen, was die Geschosse durch den damit verbundenen Drall stabilisierte und Reichweite sowie Zielgenauigkeit enorm steigerte. Da man nun nicht länger auf Kugeln als Geschosse angewiesen war, sondern drallstabilisierte Langgeschosse verwenden konnte, wuchs auch die Durchschlagskraft enorm. Dieser neuen Entwicklung waren kleinere und ältere Festungen wie Jülich nicht länger gewachsen, und das preußische Kabinett entschloss sich 1859, die Festung aufzuheben. Das stieß auf entschiedenen Widerstand der Bürger, die zu einem nicht unerheblichen Teil ihr Auskommen dem Unterhalt der Festungswerke und den Aufträgen durch die Garnison verdankten, und die Bürgerschaft reichte Petitionen bei König Wilhelm ein, die um Erhalt der Festung oder doch zumindest der Garnison baten. Darauf blieb Jülich Garnisonsstadt, und es wurde eine Unteroffiziersvorschule in der Zitadelle eingerichtet, welche diesem Umstand ihre Erhaltung verdankt.

Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Aufhebung der Festung beraumte das preußische Oberkommando für den Zeitraum vom 8. bis zum 29. September 1860 eine großangelegte Belagerungsübung in Jülich an, bei der die neuen Waffen im Einsatz gegen eine zeitgenössische Festung erprobt werden sollten. Es kamen dabei die neuesten Kruppgeschütze zum Einsatz, die Brisanzgranaten verschossen, sowie das neuartige Dreyse-Zündnadelgewehr, das im Deutschen Krieg 1866 so entscheidend zum Erfolg der Preußen beitragen sollte. An den Vorwerken, aber auch an der Zitadelle selbst wurden neue Schussverfahren und Angriffstaktiken praktisch erprobt, dabei entstand auch die Große Bresche in der nördlichen Face der Bastion Marianne. Dabei ergab sich, dass die neuen Waffen den Angriff auf eine Festung wie Jülich, die bisherigen Ansprüchen genügt hatte, ganz wesentlich vereinfachten. Ihre gegenüber den alten Glattrohrgeschützen ganz wesentlich gesteigerte Feuerkraft, Schussfolge und Zielgenauigkeit verschob das Gewicht im Belagerungskrieg erheblich zugunsten der Angreifer, und auch die neuen zielgenauen und weitreichenden Kleinwaffen trugen dazu bei, dass in Europa zwischen 1860 und 1880 ein großes Festungssterben einsetzte. Kleine Anlagen wie Jülich konnten den neuen Waffen nicht mehr standhalten, und man setzte nun auf wesentlich größere Festungen mit einem Netzwerk aus sich gegenseitig unterstützenden Forts. Wie sehr die neuen Waffen gegen alte Festungen wirkten, mussten die Franzosen im Deutsch-Französischen Krieg feststellen, als die Deutschen Festungen wie Straßburg ohne viel Federlesens überrannten.

In den Jahren 1859 bis 1861 wurden die weitaus meisten Festungswerke um Jülich planmäßig geschleift. Dem fielen sämtliche Vorwerke und der größte Teil der Stadtbefestigung zum Opfer, lediglich die Zitadelle und der Brückenkopf blieben erhalten. Sie nahmen allerdings im Zweiten Weltkrieg schweren Schaden und wurden neuen Nutzungen zugeführt (siehe jeweilige Spezialartikel).

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Wilhelm IV. (Jülich)

Graf Wilhelm IV. von Jülich (* 1210; † 16. März 1278 in Aachen) war von 1225 bis zu seinem Tod Graf der Grafschaft Jülich. Sein Sarkophag befindet sich in der Kirche St. Johannes in Nideggen. Das erste Stadtsiegel Jülichs von um 1230 zeigte eine zinnenbewehrte Mauer mit zwei Türmen und einem Stadttor, in welchem der Löwenschild Wilhelms IV. stand.

Er ist nicht zu verwechseln mit Herzog Wilhelm IV. von Jülich († 1511).

Wilhelm wird 1225, sechs Jahre nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1219, Graf von Jülich. Im selben Jahr bestätigt er die im Jahre 1219 von seinem Vater gemachte Schenkung der Kirchen von Siersdorf und Nideggen an den Deutschen Ritterorden. In den folgenden Jahren festigt und sichert er seinen Herrschaftsbereich und baut ihn aus.

1234 erhebt Wilhelm Jülich zur Stadt, ohne auf die Rechte der Kölner Erzbischöfe Rücksicht zu nehmen, mit denen sich die Grafschaft in dauerndem Streit befand. Diese Handlung verschärft die Auseinandersetzungen. 1239 zerstört Erzbischof Konrad die Stadt. Beim Ausbau seiner Ländereien stößt Wilhelm dann um 1240 mit dem Erwerb der Hochstadener Erbschaft, aus der ihm Teile um Münstereifel zufallen, an der Ostseite wiederum mit den Erzbischöfen von Köln zusammen. Unter Erzbischof Konrad von Hochstaden bricht der Streit offen aus. In derem Verlauf nimmt er 1267 Erzbischof Engelbert II. († 1274) gefangen und lässt ihn dreieinhalb Jahre bis 1271 in seiner Burg Nideggen einkerkern, woraufhin Papst Clemens IV. nach vergeblichen Verhandlungen das Interdikt über Jülich ausspricht. Zu neuen Streitigkeiten kommt es unter Erzbischof Siegfried von Westerburg.

Von 1265 bis 1269 lässt er auf den Resten einer älteren Grenzfeste die nach ihm benannte Burg Wilhelmstein errichten.

Am 16. März 1278 ist er zusammen mit seinen Söhnen Roland und Wilhelm sowie Wirich I. von Frentz (andere Quellen: mit drei Söhnen) in der so genannten „Gertrudisnacht“ in Aachen, um für König Rudolf I. von Habsburg fällige Steuern einzutreiben. Es kommt zu einer Aufruhr, und er wird von Aachener Bürgern erschlagen. Im so genannten Sühnevertrag am 20. September 1280 auf Schloss Schönau wird die Stadt Aachen für diese Morde zur Zahlung einer hohen Summe Schadenersatz an die Grafenwitwe Richarda verpflichtet. Es bleibt zu spekulieren, ob sein unerwarteter Tod in Aachen den drohenden Krieg oder zumindest eine weitere Eskalation des Kräftemessens verhindert hat.

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Source : Wikipedia