Heinsberg

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Geschrieben von daneel 12/03/2009 @ 01:07

Tags : heinsberg, nordrhein-westfalen, deutschland

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Heinsberg

Wappen der Stadt Heinsberg

Heinsberg liegt in Nordrhein-Westfalen im Regierungsbezirk Köln und ist die westlichste Kreisstadt Deutschlands.

Heinsberg, die westlichste Kreisstadt Deutschlands, liegt 32 km südwestlich Mönchengladbachs und 35 km nördlich Aachens am südwestlichen Rand des Rurtales, das sich hier trichterförmig Richtung Niederlande erweitert. Die Rur bildet auf mehreren Kilometern die nordöstliche Stadtgrenze zu den Nachbarstädten Hückelhoven und Wassenberg, bevor sie bei Karken in die Niederlande fließt. Das Stadtgebiet wird teilweise von der bei Kempen in die Rur mündende Wurm durchflossen. Der höchste Punkt liegt mit 85 m über NN südlich von Straeten an der Stadtgrenze zu Geilenkirchen, der niedrigste nördlich von Karken an der Staatsgrenze zu den Niederlanden mit 28 m über NN.

Die Region ist hauptsächlich durch Eis- und Jetztzeit landschaftlich geprägt worden. Der Boden besteht vor allem aus Maas- und Rheinschotter, in den oberen Bodenschichten dominieren fast nur Rheingerölle. Später überdeckte Löß das Gebiet und formte eine schwachwellige Decke. Westlich der Wurm wandelte sich der Löß meist in Schotterlehm. Erosion und kleine Flussläufe formten das heutige Bodenrelief. Nahe der westlich gelegenen Grenze zu den Niederlanden verläuft eine Verwerfung. Von dieser Linie aus sind Erdschollen in Staffeln nach Nordosten zur Rur hin abgesunken. Dieser Schollenneigung folgt die Wurm. Das Stadtgebiet hat im Nordosten Anteil am Rurtal, das hier aus Lehm- und Schlickflächen mit darunterliegendem Kies besteht, und südwestlich an der Geilenkirchener Lehmplatte. Der im Tertiär entstandene Rurgraben, der hier das Rurtal bildet ist Teil eine der geologisch und tektonisch aktivsten Regionen Deutschlands mit der Rurrandverwerfung, die die Grenze zwischen den beiden Großschollen Rurscholle im Westen und der Venloer Scholle im Osten bildet. Sie stellt eine der Hauptverwerfungen der Niederrheinischen Bucht dar. Die Bewegung der Erdschollen hat immer wieder Erdbeben zur Folge, deren schwerstes in neuerer Zeit das Beben am 13. April 1992 mit Zentrum in Herkenbosch/Gemeente Roerdalen/Niederlande und einer Stärke von 5,9 auf der Richterskala war. Es war das stärkste Erdbeben in Mitteleuropa seit 1756.

Neben der genannten Rur und Wurm durchfließt der Liecker Bach, auch Stadtbach genannt, Heinsberg. Das Quellgebiet des Baches liegt westlich von Heinsberg bei Oberlieck und wird auch von Quellen nahe dem Klosterhof gespeist. Das Gewässer fließt in nördliche Richtung und mündet zwischen Kempen und Karken in die Rur. Der Vongelaaker Bach hat seinen Ursprung im ehemaligen Bruchgelände zwischen Heinsberg und Schafhausen. Er mündet bei Unterbruch in die Wurm, führt aber durch Grundwasserabsenkungen kaum noch Wasser. Bis zum Zweiten Weltkrieg floss der Mühlenbach, auch Junge Wurm genannt, durch Heinsberg. Es war ein im Mittelalter künstlich angelegter Kanal, der bei Randerath von der Wurm abzweigte, am Rande des Wurm- und Rurtales über Horst, Porselen, Dremmen und Schafhausen verlief und zahlreiche Wassermühlen antrieb. Nach Bombenangriffen im letzten Weltkrieg war das Bachbett im Stadtgebiet zerstört und nicht wieder instand gesetzt worden. Der Teichbach, auch Erlenbach genannt, ein Mühlenteich, fließt entlang des nordöstlichen Randes des Stadtgebietes zur Rur. Er wird bei Linnich aus der Rur abgeleitet und fließt parallel zum Fluss bei Bleckden an der Schanz in die Rur zurück.

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Heinsberg, genannt im Uhrzeigersinn: Wassenberg, Hückelhoven, Geilenkirchen, Gangelt, Waldfeucht, Selfkant (alle Kreis Heinsberg) und Gemeente Roerdalen (Provinz Limburg).

Seit dem 1. Januar 1972 gibt es die Stadt Heinsberg mit den Ortsteilen Aphoven, Baumen, Berg, Bleckden, Boverath, Donselen, Dorath, Dremmen, Erpen, Eschweiler, Grebben, Heinsberg, Herb, Himmerich, Horst, Hülhoven, Karken, Kempen, Kirchhoven, Laffeld, Lieck, Oberlieck, Oberbruch, Porselen, Pütt, Randerath, Schafhausen, Scheifendahl, Schleiden, Straeten, Uetterath, Unterbruch und Waldenrath.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte man etwa 100 cm unter dem heutigen Verlauf der Hochstraße eine Römerstraße fest. Anhand von Münzfunden kann sie um 98–117 n. Chr. datiert werden. Bei Ausgrabungen in der Propsteikirche fand man Gräber aus der vorfränkischen Zeit. Vielleicht markiert dies die Besiedlung Heinsbergs. Diese konzentrierte sich wohl zunächst auf den Bereich des heutigen Burg- und Kirchberges. Das Areal stellt heute die größte noch erhaltene Motte des Rheinlandes dar. Auf diesem Sporn, der sich am Rand des Rurtales erhebt bauten die Heinsberger Herren ihre Burg, die zum Typ der Randhausburgen gehörte. Die Vorburg wurde durch einen künstlich angelegten Graben von der Hauptburg getrennt. Auf diesem Platz errichtete man auch die Pfarr- und spätere Stiftskirche St.Gangolf. Als erster Herr von Heinsberg ist Goswin I. anzusehen, der ab 1085 als solcher erwähnt wird. Daneben hatte er auch die Herrschaft Valkenburg östlich von Maastricht inne. Verheiratet war Goswin mit Oda von Walbeck. Sie gründete das Heinsberger Gangolfus-Stift. Goswin II. – Sohn der o. g. – stiftete das Prämonstratenserkloster zu Heinsberg. Er hatte jahrelang die Reichslehen Gangelt und Richterich in Besitz, die ihm König Konrad III. entzog. Goswin verweigerte jedoch die Herausgabe, woraufhin Herzog Heinrich von Limburg im Jahr 1144 auf Befehl des Königs Heinsberg zerstörte.

Erstmals 1255 wird der Ort in einer Urkunde des Heinrich von Sponheim-Herr von Heinsberg und seiner Ehefrau Agnes von Heinsberg als Stadt erwähnt. Die Herren von Heinsberg konnten ihre Selbständigkeit durch Anlehnung an die jeweilige Vormacht am Niederrhein behaupten: bis 1288 (Schlacht bei Worringen) an Kurköln, nach 1288 an Brabant, nach 1371 (Schlacht bei Baesweiler) an Jülich und seit dem beginnenden 15. Jh. an Brabant/Burgund. Die männliche Linie der Herren von Heinsberg starb mit Johann IV. im Jahr 1448 aus. Über seine Tochter Johanna – die 1456 Johann II. Graf von Nassau-Saarbrücken heiratete – und deren gemeinsame Tochter Elisabeth – 1472 mit Wilhelm III.(IV.) Herzog von Jülich und Berg verheiratet – kam die Herrschaft Heinsberg an das Herzogtum Jülich-Berg. 1484 wurde das Gebiet als eigenes Amt dem Herzogtum einverleibt. Die Burg diente von da ab als Sitz der herzoglichen Verwaltung. 1543 nahmen kaiserlichen Truppen im Dritten Geldrischen Erbfolgekrieg Heinsberg ein und zerstörten die Stadt teilweise. Möglicherweise ist die Burg in den so genannten Raubkriegen Ludwig des XIV. Ende des 17. Jahrhunderts von französischen Truppen zerstört worden. Dafür liegen allerdings keine schriftlichen Beweise vor. Das Amt Heinsberg war gerichtlich in sechs Bezirke eingeteilt, den Dingstühlen oder Schöffengerichten. Für sie war das Stadtgericht Heinsberg die nächst höhere Instanz.

Beim größten Stadtbrand 1683 wurde die gesamte Unterstadt mit dem auf dem Marktplatz gelegenen Rathaus vernichtet. 1794 drangen französischen Revolutionstruppen unter Führung General Jourdans bis an die Rur vor. Die Österreicher hatten zu deren Abwehr auch Posten in Heinsberg stationiert. Am 2. Oktober 1794 vertrieb Brigadegeneral Bernadotte die Besatzung aus der Stadt und führte seine Truppen weiter zwischen Oberbruch und Dremmen auf die Rur zu, wo sie in der Nähe der Schanz eine Brücke errichteten. Heinsberg gelangte wie das gesamte linksrheinische Gebiet unter französische Herrschaft und wurde im Département de la Roer, Arrondissement Aachen, Sitz der Mairie Heinsberg und eines Friedensgerichtes im gleichnamigen Kanton.

Nach der Neuordnung Europas im Rahmen des Wiener Kongresses kam die nunmehrige Bürgermeisterei Heinsberg 1816 zu Preußen und wurde Kreisstadt. Nach dem ersten Weltkrieg war ab 1918 bis 1926 zunächst (bis 1919) französisches, dann belgisches Militär in Heinsberg stationiert. 1932 wurden die damaligen Kreise Heinsberg und Geilenkirchen zusammengelegt. Heinsberg verlor seinen Kreissitz. Am 16. November 1944 wurde die Stadt durch einen alliierten Bombenangriff schwer zerstört.

Im Rahmen der kommunalen Neugliederung erlangte Heinsberg 1972 erneut den Kreissitz.

Nach Ausgrabungsbefunden lässt sich auf eine erste vor- oder frühromanische Kirche schließen. Der Nachfolgebau war eine romanische Basilika, deren Errichtung mit der Gründung des Gangolfusstiftes in der Mitte des 12. Jahrhunderts zusammenfällt. Von dieser Kirche ist noch die Krypta erhalten. Die heutige spätgotische Kirche stammt aus der Zeit zu Anfang bis Mitte des 15. Jahrhunderts. Aus kirchlicher Sicht gehörte die Stadt bis zum Einmarsch der französischen Revolutionstruppen im Dekanat Susteren und dem Archidiakonat Kempenland zum Bistum Lüttich. Mit dem Konkordat zwischen Napoleon und dem Papst gliederte man Heinsberg dem neu errichteten Bistum Aachen an, die Pfarre St. Gangolf wurde Kantonalpfarre. In preußischer Zeit hob man das Bistum Aachen 1821 wieder auf. Fortan gehörte Heinsberg als Hauptort des gleichnamigen Landdekanates zum Erzbistum Köln, bis im Jahr 1930 das Bistum Aachen wiedererrichtet wurde. 1940 erhob der Bischof von Aachen die Pfarrkirche St. Gangolf zur Propsteikirche. Nach schweren Kriegsbeschädigungen begann der Wiederaufbau der Kirche 1951, der bis 1955 andauerte.

1642 lebten vier jüdische Familien in der Stadt. 1771 wird erstmals eine Synagoge erwähnt. Der erste jüdische Friedhof wurde 1800 behördlich geschlossen, weil er bereits dreimal belegt worden war. Nach 1808 durchgeführten französischen Erhebungen lebten damals 213 Juden in Heinsberg. 1811 erbaute man die zweite Synagoge. Nach einem Gesetz von 1847 schlossen sich die Gemeinden Erkelenz, Gangelt, Geilenkirchen und Heinsberg zu einem Synagogenverband mit Sitz in Geilenkirchen zusammen. Zu der Zeit hatten auch Dremmen und Randerath ein jüdisches Gotteshaus. 1927 lebten in Heinsberg 65 Juden, in Dremmen 6, in Unterbruch 1 und in Waldenrath 33 (mit eigener Synagoge). Am Stichtag 1. Mai 1933 wohnten 47 Personen jüdischen Glaubens in der Stadt. Die Gemeinde wurde in der Zeit des Dritten Reiches ausgelöscht, ihre Mitglieder 1942 deportiert soweit sie nicht zuvor auswandern konnten, die Synagoge in der Pogromnacht geschändet und geplündert, das Gebäude während des schweren Luftangriffes am 16. November 1944 zerstört.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete sich eine Neuapostolische Kirche.

Im Juni 2001 wurde die Gemeinde als Tochtergemeinde von Wassenberg gegründet. Zurzeit hat sie 92 Mitglieder.

In rot ein (heraldisch) rechtsgewendeter, bekrönter, doppelt geschweifter silberner/weißer Löwe. Es ist dem Wappen der ehemaligen Herren von Heinsberg entlehnt. Die Farben der Stadt sind rot und weiß. Der Löwe findet sich unter anderem in den Wappen der Städte und Gemeinden Heinsberg, Übach-Palenberg, Waldfeucht und Wassenberg sowie des Kreises Heinsberg.

Sehenswert ist die spätgotische Stiftskirche St. Gangolf, „Selfkant-Dom“, die im Jahr 2004 einen neuen Turmhelm erhalten hat. Der alte Turmhelm war im Krieg am 16. November 1944 stark beschädigt worden und stürzte am 28. Dezember 1945 durch einen Wintersturm ein. Neben der romanischen Krypta des Vorgängerbaues sind von der Ausstattung unter anderem nennenswert: der im Gelbgussverfahren um 1500 hergestellte gotische Taufkessel, das nach Kriegszerstörungen restaurierte und verkleinert wiederaufgestellte Chorgestühl und das Hochgrab der Herren von Heinsberg aus dem Anfang des 15. Jh. – eine der hervorragendsten Arbeiten dieser Art im Rheinland.

Im Bereich des Kirchberges haben sich Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung mit zwei Wehrtürmen und Stadtmauer erhalten. Dieser Bereich der Stadt wurde Anfang-Mitte des 16. Jahrhunderts stark befestigt. Die Pläne hierzu stammen möglicherweise von dem italienischen Festungsbaumeister Pasqualini, der damals in Diensten von Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg stand. Teilweise sind diese Anlagen und Kasematten erhalten und wurden 2005 zusammen mit dem angrenzenden Burgberg restauriert.

Ebenfalls sehenswert sind die Propstei, das sog. Lennartzsche Haus (erbaut im 15. Jahrhundert) und das Torbogenhaus aus dem 16. Jahrhundert, in dem heute das Kreismuseum Heinsberg untergebracht ist. Das Haus Lennartz besitzt einen schönen figurengeschmückten gotischen Fries. Propstei und Torbogenhaus wurden im 18. Jh. im barocken Stil des Aachener Baumeisters Johann Josef Couven umgestaltet. Alle drei Gebäude liegen an der oberen Hochstraße. Westlich der Stadt liegt das im Volksmund so genannte „Schlangenkapellchen“, ein kleiner schlichter Bau, wohl aus dem 17.Jh. stammend.

An der Hochstraße steht eines der wenigen erhaltenen Heinsberger Bürgerhäuser. Nach dem Stadtbrand von 1635 ließ es die Familie von dem Bruch 1636 neu erbauen und zeigt eine barocke Front aus dem 18. Jahrhundert. Daneben dominiert ein auffällig modernes Bankgebäude.

Im Stadtteil Kirchhoven befindet sich eine Turmwindmühle.

In Heinsberg wurde im Jahre 1876 von Eugen Verpoorten der Eierlikör erfunden. Das Haus an der Hochstraße, in dem der Eierlikör erfunden wurde, gehörte zum Komplex des ehemaligen Prämonstratenser-Stifts und wurde während eines Luftangriffes 1944 durch einen Volltreffer zerstört.

Ein Bahnanschluss (nur Güterverkehr für den Industriepark Oberbruch) besteht von Heinsberg-Oberbruch nach Lindern mit dortigem Anschluss an die Hauptstrecke Aachen–Düsseldorf. Heinsberg ist somit eine der wenigen Kreisstädte Deutschlands ohne Bahnanschluss für den Personenverkehr und die einzige Kreisstadt in NRW , die man nicht fahrplanmäßig mit dem Zug erreichen kann.

Allerdings wird die Strecke in den nächsten Jahren durch den Auf- und Ausbau der „Euregiobahn“ mit den Stationen Heinsberg Bf, Heinsberg-Kreishaus, Oberbruch Bf, Dremmen Bf, Porselen, Horst und Randerath wieder in den öffentlichen Nahverkehr integriert.

Zu den einzelnen Ortsteilen und Nachbarstädten bestehen Busverbindungen.

Heinsberg verfügt über eine Anbindung an die Autobahn A46 in der Nähe des Ortes Dremmen.

Die Bundesstraße 221 führt durch das Stadtgebiet.

Heinsberg hat aufgrund seiner geografischen Lage, ausreichenden Gewerbegebieten, der Verkehrsanbindung und niedriger Gewerbesteuersätze gute wirtschaftliche Voraussetzungen.

Das Städtische Krankenhaus Heinsberg ist ein Krankenhaus der Grundversorgung. Das Krankenhaus verfügt über die Fachabteilungen Chirurgie (Schwerpunkte: Unfallchirurgie, Visceralchirurgie und Gefäßchirurgie), Innere Medizin (Schwerpunkte: Kardiologie, Pneumologie, Gastroenterologie und Diabetologie), Gynäkologie, HNO und Anästhesie sowie ein augenärztliches OP-Zentrum, ein Diabetes-Zentrum und das Brustzentrum Heinsberg.

Am 21. November 1861 wird das St. Josef-Stift als neues Armenhaus eröffnet. Es wird ab 1891 vornehmlich mit kranken Menschen belegt. 1925 nimmt ein erster Chirurg seine Arbeit in dem 50-Betten-Krankenhaus auf, und am 19. März 1929 wird ein Neubau eröffnet.

Ab 1934 wurden auch im Krankenhaus Heinsberg Zwangssterilisationen durchgeführt. Spätere Untersuchungen (vgl. Harry Seipolt, Aachen 1995) haben ergeben, dass routinemäßig zwischen 1934 und 1944 mindestens 239 „rassisch minderwertige“ Menschen und eine unbekannte Zahl von Menschen aus dem regionalen Umkreis der Stadt Heinsberg zwangssterilisiert worden waren. Am heutigen Städtischen Krankenhaus gibt es keine Erinnerung an die Opfer der NS-Zwangssterilisisation.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird das Krankenhaus in den 1940er und 1950er Jahren wiederaufgebaut und erheblich erweitert. Seit 1981 wird das Städtische Krankenhaus nach dem Rückzug der Ordensschwestern als GmbH mit der Stadt Heinsberg als einzige Gesellschafterin geführt. In den 1990er Jahren folgen weitere Erweiterungsbauten.

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Kreis Heinsberg

Radwegbeschilderung im Kreis Heinsberg

Der Kreis Heinsberg ist ein Kreis im Westen von Nordrhein-Westfalen im Regierungsbezirk Köln. Er ist der westlichste Kreis Deutschlands; denn in der kreisangehörigen Gemeinde Selfkant liegt der westlichste Punkt Deutschlands.

Im Norden des Kreises beginnt der Naturpark Maas-Schwalm-Nette, im Westen liegt das Naturschutzgebiet Teverener Heide.

Der Kreis Heinsberg setzt sich aus zehn Gemeinden zusammen. Sieben führen den Titel „Stadt“. Von diesen sieben sind die fünf Städte Erkelenz, Geilenkirchen, Heinsberg (Rhld.), Hückelhoven und Wegberg Mittlere kreisangehörige Städte, da ihre Einwohnerzahlen jeweils zwischen 25.000 und 60.000 liegen.

Die folgende Liste zählt die zehn Gemeinden des Kreises Heinsberg alphabetisch mit amtlichen Namen auf.

Die Einwohnerzahlen – in Klammern – haben den Stand vom 30. Juni 2006.

Der Kreis Heinsberg hat eine Fläche von 628 Quadratkilometern. Die Kreisgrenze hat eine Länge von 171 Kilometern, fast 78 Kilometer davon sind identisch mit der deutsch-niederländischen Grenze. Mit seiner Ausdehnung von 42,8 Kilometern in west-östlicher Richtung und 32,6 Kilometern in nord-südlicher Richtung gehört der Kreis Heinsberg zu den mittelgroßen Flächenkreisen in Nordrhein-Westfalen.

Der Kreis Heinsberg grenzt im Norden an den Kreis Viersen, im Nordosten an die kreisfreie Stadt Mönchengladbach, im Osten an den Rhein-Kreis Neuss, im Südosten an den Kreis Düren, im Süden an den Kreis Aachen, sowie im Westen an die Niederlande.

Seit dem 3. September 1973 führt der Kreis ein Wappen, Siegel und Fahne.

Das Wappen ist geteilt und oben gespalten, besitzt also drei Felder. Im oberen Feld steht vorn in Rot ein zwiegeschwänzter bekrönter, silberner (weißer) Löwe. Im hinteren Feld steht in Gold (Gelb) ein schwarzer Löwe. Im unteren Feld ist ein liegendes rotes Lilienkreuz, in seiner Mitte ist eine fünfblättrige, blaue Flachsblüte.

Der Gestaltung des Wappens lag die Absicht zugrunde, die Entstehung aus den drei Kreisen Erkelenz, Geilenkirchen und Heinsberg und deren gemeinsame Interessen symbolisch darzustellen.

Der Kreis Heinsberg ist ein altes Siedlungsgebiet. Dies beweisen Bodenfunde aus den verschiedensten Epochen. Ob es nun steinzeitliche Werkzeuge mit einem Alter von bis zu 100.000 Jahren sind, oder der rund 7000 Jahre alte Holzbrunnen, der zu Beginn der 90-er Jahre bei Erkelenz-Kückhoven gefunden wurde. Auch die Römer waren in der Region heimisch, zumal das Gebiet durch Römerstraßen, unter anderem die bedeutende Verbindung Heerlen – Xanten, erschlossen wurde.

Die Christianisierung hinterließ ihre siedlungsgeschichtlichen Spuren, da bereits im 8. Jahrhundert erste Kirchenbauten nachzuweisen sind. Die Motten in Brüggelchen, Karken (2: am Friedhof und an der Wolfhagener Mühle), Arsbeck, Birgelen und Heinsberg, die um die erste Jahrtausendwende als Fliehburgen vor einfallenden Wikingerhorden dienten, sind ebenfalls Zeugnisse früher Siedlungsgeschichte.

Im Mittelalter gab es in der Region kein homogenes Gebiet. Unterschiedlichste Adelshäuser beanspruchten Besitztümer im heutigen Kreisgebiet, das sprachlich und kulturhistorisch dem Maasland zuzuordnen war.

Mit Errichtung des Regierungsbezirks Aachen im Königreich Preußen entstanden 1816 die Kreise Heinsberg/Geilenkirchen und Erkelenz. Während der Kreis Erkelenz 156 Jahre Bestand hatte, wurden die Kreise Geilenkirchen und Heinsberg 1932 zusammengefasst. Im Jahr 1951 wurde dieser Kreis in „Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg“ umbenannt. Maßgebend dafür war die vorübergehende Unterstellung des Selfkantgebietes unter niederländische Verwaltung in den Jahren 1949 bis 1963.

Am 1. Januar 1972 entstand der neue Kreis Heinsberg im Rahmen der kommunalen Neugliederung im Raum Aachen (Aachen-Gesetz) durch Zusammenlegung des Selfkantkreises Geilenkirchen-Heinsberg mit dem Landkreis Erkelenz. Seit dem 1. Januar 1975 - damals wurde die Gemeinde Niederkrüchten in den Kreis Viersen eingegliedert - hat der Kreis Heinsberg seine heutige Gestalt.

Am 18. September 2005 gewann Leo Dautzenberg (CDU) mit 51,4% der Erststimmen das Direktmandat des Wahlkreises Heinsberg für den Deutschen Bundestag. Die CDU errang 43,2% der Zweitstimmen.

Bei der Kommunalwahl am 26. September 2004 konnte sich Stephan Pusch (CDU) mit 56,2% der Stimmen souverän gegen seinen Herausforderer Franz-Josef Fürkötter (SPD), auf den 26,2% entfielen, durchsetzen.

Folglich wird der Kreis Heinsberg mit einer absoluten Mehrheit von der CDU regiert.

Der Kreis Heinsberg gehört seit 1978 zur Euregio Maas-Rhein.

Seit dem Ausbau der A 46 Heinsberg - Düsseldorf ("Selfkantstraße") im Jahre 1995 gibt es mehrere Anschlussstellen zu Orten im Kreisgebiet.

Der Kreis Heinsberg gehört zum Aachener Verkehrsverbund (AVV). Die Versorgung im Busverkehr übernehmen die kreiseigene WestEnergie und Verkehr GmbH und die Deutsche Bahn AG (RVE). Der Verkehr ist hauptsächlich auf den Transport von Schülern ausgerichtet, deshalb folgt das Busangebot teilweise keinem einheitlichen Takt. Während der Verkehr werktags oftmals schon nach 19 Uhr endet, kommt dieser am Wochenende nahezu ganz zum Erliegen. Um dennoch Verkehrsleistungen in Schwachzeiten anbieten zu können setzt man auf Anruf-Sammel-Taxis, bzw. im westlichen Teil auf den Multibus, einem Bus, der nur auf Anforderung fährt.

Den Kreis Heinsberg berührt seit 1852 die Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Bahn. Von ihr zweigt außerhalb des Kreises seit 1879 die Hauptstrecke Mönchengladbach – Wegberg – Roermond - Antwerpen (Eiserner Rhein) der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft ab. Eine Nebenstrecke führt zum Siemens-Bahnprüfzentrum Wildenrath und eine Stichstrecke nach Brüggen.

Die Preußische Staatsbahn schloss 1890 die heutige Kreisstadt Heinsberg in Lindern (Bahnstrecke Heinsberg–Lindern) an die o.g. Hauptbahn an. Ferner kam 1911 die Querverbindung Dalheim–Hückelhoven–Baal–Linnich-Jülich hinzu. Außerdem zweigen in Ratheim und in Oberbruch Werksbahnen zur Zeche Sophia-Jacoba und zum Chemiepark Oberbruch ab.

Im Jahre 1900 eröffneten die Geilenkirchener Kreisbahnen Schmalspurbahnen von der Kreisstadt einerseits nach Alsdorf, andererseits nach Wehr, von wo es 1905 bis Tüddern weiterging. Heute betreibt die IHS auf dem Reststück dieser Bahnlinie einen Touristikverkehr, die Selfkantbahn.

Der Grenzbahnhof in Dalheim erreichte einst eine Ausdehnung von über 27 Gleisen und war damit für lange Zeit der größte Bahnhof im Kreis. Der Personenzugverkehr nach Heinsberg erreichte in den 50er Jahren mit 13 Personenzugpaaren am Tag seine Höchstzahl.

Der Güterverkehr zur Zeche Sophia-Jacoba war auf der elektrifizierten Verbindung Baal - Ratheim immer schon eine wichtige Einnahmequelle für die Bahn; so hatte der Bahnhof Ratheim einst 14 Beamte und der Güterverkehr erreichte bis zu 60.000(!) Güterwaggons pro Jahr (z.B. 1987). Es fuhren 4 bis 6 so genannte "Programmzüge" pro Tag (bei Bedarf weitere Güterzüge) und nahezu im Blockabstand betriebsinterne Transporte zwischen dem Zechengelände in Ratheim und der Verarbeitung (Brikettfabrik) in Hückelhoven.

Im Zuge der individuellen Motorisierung mit PKW ging das Fahrgastaufkommen in den Nachkriegsjahren zurück. Mit dem Einsatz von Bahnbussen verlagerte die damalige Bundesbahn den öffentlichen Personenverkehr weg von der Schiene und reduzierte gleichzeitig auch den Betrieb auf den Nebenstrecken auf nur sehr wenige Zugpaare pro Tag und Richtung.

Kritiker sahen das verringerte Angebot als Ursache für den Passagierrückgang und unterstellten, die Bahn habe systematisch versucht, den Betrieb auf den Bahnstrecken unattraktiv zu gestalten und mit dem resultierendem Fahrgastrückgang einen Grund für deren Stilllegungen zu konstruieren.

So endete in den Jahren 1949-1971 schrittweise der Verkehr auf der Selfkantbahn. Bereits seit 1953 verkehrten keine Personenzüge mehr im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Dalheim und Roermond. Am 29. September 1968 wurde der Personenverkehr von Baal nach Jülich eingestellt. Am 27. September 1980 verkehrte der letzte Personenzug von Baal nach Dalheim und einen Tag früher der letzte Personenzug von Heinsberg nach Lindern.

Die beiden Hauptstrecken stellen wichtige Städteverbindung im Rheinland dar. Während die Dalheimer Strecke die Versorgung der Stadt Wegberg im ÖPNV sichert, ist die den Kreis an seinem südlichsten Zipfel tangierende Hauptstrecke Aachen-M.gladbach eine wichtige Verbindungen der Relation Ruhrgebiet-Aachen-Belgien und sind insbesondere im strukturschwachen Heinsberger Land heute für Berufspendler von großer Bedeutung.

Die Nebenstrecken stellen zudem die Versorgung des Oberbrucher Chemieparks und des in Hückelhoven ansässigen Restbetriebs der Zeche Sophia-Jacoba sicher.

Für den Kreis und die Stadt Wegberg hat der Schienenverkehr aufgrund des Bahnprüfzentrums in Wegberg-Wildenrath außerdem eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung.

Da Heinsberg eine der wenigen Kreisstädte Deutschlands ohne Bahnanschluss für den Personenverkehr ist, gibt es Planungen, dieses durch den Auf- und Ausbau der Heinsberger Bahn (ursprünglich schon bis 2008) wieder zu ändern. Zudem wird langfristig angestrebt, die Verbindung Baal–Ratheim–Wassenberg wieder in Betrieb zu nehmen. Vorgesehen ist auch der Neubau einer Verbindung zwischen Baal und Linnich bzw. zwischen Lindern und Linnich, um Anschluss an die euregiobahn zu erlangen. Für den überregionalen Güterverkehr soll der so genannte Eiserne Rhein wieder genutzt werden.

Mittel- bis langfristig wird man allerdings nicht alle Projekte verwirklichen können, da es Schwierigkeiten in der Finanzierung gibt, deren Ursache die Kürzung der Regionalisierungsmittel durch den Bund sowie die politische Neubewertung durch den 2009 aus dem Amt geschiedenen NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke sind.

Der Kreis unterhält ein Museum und eine Museumsmühle.

Seit 2006 dient ein an die benachbarten Niederlande und die Nachbarkreise angepasstes Orientierungssystem mit Knotenpunkten der Förderung des Fahrradtourismus. Drei Fernradwege führen durch das Kreisgebiet.

Im Jahre 2006 wurde im Kreis Heinsberg das aus den Niederlanden bekannte "Knooppuntsystem" (Knotenpunktsystem) eingeführt. An diesen rot markierten und durchnummerierten Knotenpunkten befindet sich jeweils eine Orientierungskarte.

Der lokale Zeitungskmarkt teilt das Kreisgebiet nach wie vor in seine beiden Vorgängerkreisen auf: Während man im südlichem Teil, dem ehemaligen Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg eher die "Geilenkirchener Zeitung" und die "Heinsberger Zeitung" (als Lokalausgaben der Aachener Zeitung) sowie die "Heinsberger Nachrichten" (als Lokalausgabe der Aachener Nachrichten) liest, so ist im nördlichen ehemaligen Kreis Erkelenz die Rheinische Post verbreiteter.

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) berichtet aus dem für die Region zuständigen WDR-Lokalstudio Aachen sowohl in der Sendung „Lokalzeit“ des WDR-Fernsehens als auch im Regionalteil seines zweiten Hörfunkprogramms WDR 2 über aktuelle Geschehnisse.

HS-TV Regionalfernsehen für den Kreis Heinsberg mit Sitz in Erkelenz ist ein Unternehmen für Internetfernsehen und öffentliches Fernsehen an publikumswirksamen Standorten. Es berichtet in einer 14-tägigen Magazinsendung an über 70 Terminalstandorten im gesamten Kreisgebiet sowie tagesaktuell auf seiner Internetpräsenz unter www.HS-TV.de über regionale Themen. Eine öffentliche Ausstrahlung über den Rundfunk findet nicht statt.

Welle West, der lokale Rundfunksender für den Kreis Heinsberg, hat am 15. Mai 2007 nach 15 Jahren seinen Sendebetrieb eingestellt.

Deutschlandweit aktiv ist der Internetradiosender wunschradio.fm mit Sitz in Hückelhoven. Dieser strahlt ein in Deutschland einzigartiges Konzept seit Oktober 2004 aus, durch das die Hörer interaktiv das Radioprogramm über die Webseite des Senders bestimmen können.

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Justizvollzugsanstalt Heinsberg

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg ist eine Jugendstrafanstalt in Nordrhein-Westfalen für männliche und weibliche Strafgefangene im Alter von 14 bis 24 Jahren.

Mit dem durch den Spatenstich am 19. März 2008 begonnen Ausbau ist sie die größte Einrichtung ihrer Art des Landes.

Überregionale Bedeutung hat die Anstalt durch ihre verschiedenen sozialpädogischen Konzepte erhalten, wie etwa die Einrichtung von je nach Klientel speziellen Wohngruppen, beispielsweise für Gewalttäter oder besonders junge Straftäter. In diesen Wohngruppen erfahren die Insassen eine intensivere therapeutische Begleitung als im normalen Strafvollzug. Weiter wurde in der JVA Heinsberg ein pädagogisches Stufenmodell entwickelt, das mittlerweile Modellcharakter für den Jugendstrafvollzug hat, jedoch intern und unter Praktikern umstritten ist. Ein breit gefächertes Ausbildungsangebot in Kooperation mit ortsansässigen Berufsschulen und anderen Ausbildungsträgern bilden eine wesentliche Grundlage zur Wiedereingliederung der Straftäter. Abgerundet wird das Behandlungskonzept durch zahlreiche Freizeitangebote: Hier finden sich neben rein freizeitorientierten Maßnahmen (wie Sportneigungsgruppe) auch Behandlungsmaßnahmen wie Gesprächsgruppen mit externen ehrenamtlichen Betreuern oder sozialtherapeutische Gruppen wie Anti-Aggressions-Trainings.

Seit 1999 besteht eine Partnerschaft mit einem „Straflager“ für jugendliche Gefangene in Sudokta/Russland. Der dortige Anstaltsleiter (Iwan Iwanovic) zeigte sich bei seinem ersten Besuch in Heinsberg verwundert: Bereits mitten in der JVA stehend fragte er, wann man denn nun endlich das Gefängnis zu sehen bekomme. Aus Russland war man anderes gewöhnt. So zeigte er sich vom Umgang mit den Gefangenen besonders beeindruckt: In Russland würden die Jugendlichen als Straftäter abgestempelt und hätten dementsprechend eine wesentlich vom Strafgedanken geprägte Haft zu erleiden. Ausbildung, Wiedereingliederung, ja selbst „normaler“ Umgang war dort unbekannt. Mittlerweile habe man etwa 70 % der hier gewonnenen Eindrücke dort übernehmen können, vor allem im Bereich Ausbildung, wie Iwanovic bei einem neuerlichen Besuch Ende August in Heinsberg angab. Davon, dass dem tatsächlich so ist, konnten sich Delegationen aus Heinsberg mehrfach bei Gegenbesuchen überzeugen.

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Source : Wikipedia