Handel

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Geschrieben von goldorak 10/03/2009 @ 19:11

Tags : handel, wirtschaft

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Handel

Unter Handel wird im weitesten Sinn die wirtschaftliche Tätigkeit des Austausch von Gütern zwischen Wirtschaftssubjekten auf dem Weg der Güter von der Produktion bis zum Konsum bzw. der Güterverwendung verstanden. Dabei ist es nach Rudolf Seyffert unerheblich, ob diese Funktion von selbstständigen Institutionen (Handelsunternehmen, Handelsbetrieben, Handlungen) oder von angegliederten Institutionen (Produzentenhandel, Handwerkshandel, landwirtschaftlicher Handel, Konsumentenhandel, staatlicher Handel) erfüllt wird.

Während in frühen primitiven Gesellschaften dieser Güteraustausch als Tausch von Ware gegen Ware (Tauschhandel, Naturaltausch) stattfand, kennen die entwickelten modernen Geldwirtschaften nur noch den Handel in der Form des Ankaufs und Verkaufs von Ware gegen Geld. Der Begriff „Handel“ taucht zwar schon im 15. Jh. auf, tritt jedoch bis zum Ende des 18. Jh. - und somit in der Entstehungs- und ersten Blütezeit des städtischen Handels wie des Fernhandels – hinter andere Begriffe wie Kaufmannschaft, Handlung, Commercien oder Kommerz zurück.

Erst zu Beginn des 19. Jh. wird Handel in dem heute auch von der Handelsbetriebslehre verwendeten engeren Sinn verstanden als der gewerbsmäßige Ankauf von materiellen Gütern (Handelsware) und deren Verkauf ohne wesentliche Be- oder Verarbeitung (Warenhandel). „Warenhandel ist Warenumsatz, Warenverkehr, Warenumschlag. Diese Umsatzleistung ist die den Handel bestimmende Grundfunktion.“ (Rudolf Seyffert) Handelsunternehmen sind folglich diejenigen Institutionen, die diese Grundfunktion (und weitere Handelsfunktionen) a) gewerbsmäßig, b) ausschließlich oder überwiegend, c) im eigenen Namen sowie d) auf eigene Rechnung und eigenes Risiko ausüben. Die Unternehmen des Handels sind damit die Spezialisten der Beschaffungs- und der Absatzwirtschaft.

Außer den im engeren Sinn Handel treibenden Institutionen sind handelsähnliche Institutionen am Güteraustausch beteiligt, z.B. Handelshilfsgewerbe, Handelsvertretungen, Kommissionsagenturen und Kommissionäre. Der Begriff „Zwischenhandel“ ist tautologisch – Händler werden immer zwischen Lieferanten und Kunden tätig – und sollte vermieden werden.

Handel oder Warenhandel umfasst den Ankauf von Waren von verschiedenen Herstellern bzw. Lieferanten, die Beförderung, Bevorratung und Zusammenführung der Waren zu einem Sortiment sowie ihren Verkauf an gewerbliche Abnehmer (Großhandel) oder an nicht-gewerbliche Abnehmer (Einzelhandel), ohne dass die Waren wesentlich verändert oder verarbeitet werden. Die Handeltreibenden (Handelsbetriebe, Handelsunternehmungen) werden in der Regel in der Absicht der Gewinnerzielung tätig. Die marktwirtschaftliche Leistung des gesamten Handels wie jedes einzelnen Handelsbetriebs liegt in der permanenten Gestaltung und Organisation von vier Märkten (Absatzmärkte, Beschaffungsmärkte, Konkurrenzmärkte und interne Märkte). Die Tätigkeit der Handelsbetriebe stellt eine produktive Dienstleistung sui generis dar. Im Unterschied zu Produktionsbetrieben werden im Handel – abgesehen von branchenüblichen Veredelungen – keine neuen materiellen Güter hergestellt; von reinen Dienstleistungsbetrieben unterscheiden sich die Handelsbetriebe durch Lagerhaltung bzw. das Warengeschäft.

Häufig tritt der Handel in Verbindung mit produzierenden Tätigkeiten (z. B. Handwerkshandel) oder Dienstleistungen (z. B. Wertpapierhandel) auf. Neben dem Warenhandel können handelsähnliche Geschäfte auch mit anderen Gütern wie Kapital, Dienstleistungen oder Wissen betrieben werden. Gehandelt werden meist knappe Güter. Diese Knappheit ist u. a. darin begründet, dass ein natürlicher Rohstoff nur in manchen Gegenden vorkommt, dass Produktion und Konsum zeitlich oder mengenmäßig auseinanderfallen oder dass bestimmte Waren nur von vielen Menschen in einem arbeitsteiligen Geflecht hergestellt werden. Mit zunehmender Globalisierung und Differenzierung der Gesellschaft wächst die Notwendigkeit, dass die „Beschaffungs- und Absatzspezialisten“ des Handels märkteorganisierend tätig werden.

Rechtlich gesehen werden unter Handelspartnern Verträge geschlossen. Zwischen den am Handel beteiligten Partnern besteht eine Handelsbeziehung. Es kann zwischen Binnenhandel (lokaler, regionaler, nationaler Handel) und Außenhandel (Fernhandel) unterschieden werden. Der Ländergrenzen überschreitende Handel zwischen Handelspartnern in der Europäischen Union zählt zum EU-Binnenhandel.

Die Verbreitung von Produkten sagt nichts über die Art und Weise ihrer Verbreitung aus. Den Warenverkehr zwischen dem Hersteller und den Verwendern seiner Produkte bewerkstelligt seit Alters her der Handel. Händler beschafften und lieferten die Produkte, in kultureller Frühzeit zunächst als Fernhändler. Sofern sie als Überbringer der Wirtschaftsgüter (Rohstoffe, Betriebsmittel, Investitions- und Konsumgüter) den Warentransport nicht in eigener Regie betrieben, organisierten sie jedoch den Warenverkehr. Mit dem Entstehen von Hochkulturen und Staaten verdichteten sich die Fernhandelsbeziehungen. Erst im Mittelalter bildete sich ein regionaler und lokaler Handel heraus, der dank seiner ständischen Struktur und des jahrhundertelang in Kaufmannsfamilien tradierten Wissens maßgeblich an der Entstehung der Städte beteiligt war. Das Auf und Ab der Reiche führte zu Schwankungen der regionalen und überregionalen Verflechtung. So bestanden über Jahrhunderte vergleichsweise intensive Handelsbeziehungen zwischen der bereits hoch differenzierten edelsteinreichen Induskultur (2600–1900 v. Chr.) und der sumerischen Kultur; mit dem Zerfall der Induskultur brachen sowohl ihr Binnenhandel als auch der Außenhandel ein. Im damals peripheren Europa ist für die Bronzezeit bereits ein Tauschhandel zwischen dem Mittelmeerraum und Nordeuropa nachgewiesen, ein Handelsweg ist die Bernsteinstraße.

In der Antike bildeten sich neue hoch differenzierte Reiche und Imperien (Griechenland/Rom im Westen, Han-China im fernen Osten), entlang dieser eurasischen Achse intensivierte sich der Fernhandel. Beispielsweise wurde in Rom chinesische Seide getragen, ein Beleg für den kontinentüberspannenden Austausch über die Seidenstraße. Mit der eurasischen Völkerwanderung brachen diese Pfeiler des Fernhandels ganz oder zeitweise zusammen, im Römischen Reich kam es mit dem Zerfall der Zentralgewalt auch zu einer internen Entdifferenzierung und dem Zusammenbruch zahlreicher Städte.

Im eurasischen Hochmittelalter stabilisierten sich die Reiche bzw. bildeten sich neue Imperien (z. B. die riesigen, aber kurzlebigen Mongolenreiche). Der eurasische Fernhandel nahm wieder zu, wurde wiederum intensiver und systematischer als in der vorhergegangenen Phase. Europa beschleunigte das Entwicklungstempo und entwickelte sich allmählich von einer peripheren Region zu einem Zentrum. Der europäische Seehandel im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit wurde wesentlich von Stadtrepubliken (z. B. Venedig, Genua, flämische und niederländische Städte sowie Hansestädte) beherrscht. Damals operierten erstmals „Fernkaufleute“, nach dem Soziologen Ferdinand Tönnies überhaupt als diejenige Berufsgruppe anzusehen, die in die traditionellen „Gemeinschaften“ das rechenhafte Zweckdenken bringen und sie damit global „vergesellschaften“. Besondere Bedeutung erlangten hierbei die Kaufmannsgilden (Zusammenschlüsse von Kaufleuten) wie z. B. die Hanse. Die Suche nach neuen Seewegen nach Indien und China war eine wesentliche Motivation für die Entdeckungsreisen am Ende des Mittelalters bzw. am Anfang der Neuzeit. So war Christoph Kolumbus davon überzeugt, Indien erreicht zu haben, was auch das eigentliche Ziel seiner Reise gewesen war.

Mit dem Aufblühen der auf Autarkie bedachten mittelalterlichen Städte mit eigenem Münzwesen und von Zünften und Gilden getragenen eigenen Marktordnungen bildet sich ein glanzvoller städtischer Einzelhandel heraus, getragen von so erfolgreichen Kaufmannsdynastien wie denen der Fugger, Welser, Paumgartner und Tucher in Augsburg oder Nürnberg. Erst mit Beginn der Industrialisierung kommt es zu einer institutionellen Spezialisierung und Aufteilung in Groß- und Einzelhandel.

Die gesellschaftliche Bedeutung des Handels ist äußerst vielgestaltig. Sie reicht von der frühen Pflege des (kaufmännischen) Bildungswesens - bis zur Erfindung des Buchdrucks waren im Wesentlichen nur der Klerus, Teile des Adels und Kaufleute des Lesens, Schreibens und Rechnens kundig -, über die Mehrung des allgemeinen Wohlstands sowie die Normierung von Rechtsregeln für den Geschäftsverkehr und das Zahlungswesen bis hin zur neuzeitlichen "Demokratisierung des Konsums". Besonders der stationäre Einzelhandel prägt mit seinem vielfältigen Warenangebot und immer neuen "Events" als "Erlebnisbühne" (Karl Kaufmann) nicht nur den Konsumstil, sondern auch weitgehend das gesellschaftliche Leben, sei es in der Symbiose von Klein- und Mittelbetrieben mit Warenhäusern in den Innenstädten, sei es durch Eleganz und Luxus in Shopping Malls oder durch günstige Versorgung in außerstädtischen Shopping Centern. Im langjährigen Slogan eines Warenhauskonzerns "Die Welt bei uns zu Gast" spiegelt sich die "kulturelle Funktion des Handels" (Karl Oberparleiter): Verschaffung des unmittelbaren Zugangs zu Konsumgütern aus allen Kulturen für jedermann.

Fernhändler, die mit fremden Völker Handel trieben, konnte sich nicht in ihrer Muttersprache mit den ausländischen Kaufleuten verständigen. Deshalb haben sich Sprachen herausgebildet, die zur gegenseitigen Verständigung anlässlich von Handelsbeziehungen verwendet wurden. Das waren einerseits Sprachen mit überregionaler Bedeutung wie Farsi, Haussa. Es entwickelten sich aber auch Behelfssprachen, die ausschließlich zum Handelsgebrauch dienten und über keine Muttersprachler verfügten (Pidginsprachen). Bekannte Handelssprachen waren etwa die Lingua franca (Sabir) und Russenorsk.

Der Handel ist eine der bestimmenden Größen für eine Volkswirtschaft. Das gilt gleichermaßen für den Binnenhandel, der innerhalb der nationalen Grenzen oder einer Staatengruppe wie z. B. der EU abläuft, wie für den grenzüberschreitenden Außenhandel und den durchlaufenden Transithandel. Werden Waren ins Ausland verkauft, so spricht man von Export, im umgekehrten Fall von Import.

Nach der ausschließlichen oder überwiegenden Kundengruppe lassen sich im Binnenhandel Großhandel (mit Großverbrauchern, Wiederverkäufern) und Einzelhandel (mit Endverbrauchern bzw. Konsumenten) unterscheiden, nach dem Grad der Selbstständigkeit unabhängiger und vertraglich gebundener (vertikal oder horizontal kooperierender) Handel. In Abhängigkeit vom Standort der Handelstätigkeit ist der ambulante Handel vom stationären Handel und vom elektronischen Handel (bzw. E-Commerce) zu unterscheiden.

Übersteigt der Export eines Landes den Import, so spricht man von einem Außenhandelsüberschuss. Exporte haben den Vorteil, dass Geld ins Land „fließt“, aber den Nachteil, dass man stark vom wirtschaftlichen Wohlergehen der Länder abhängig ist, in die man exportiert. So kann eine Wirtschaftskrise in einem Land auf ein anderes Land „überschwappen“. Auch haben Importe aus sog. Billiglohnländern eine ambivalente Wirkung: Einerseits kann dadurch die inländische Versorgung verbilligt werden, andererseits können den konkurrierenden inländischen Produzenten entsprechende Marktanteile verloren gehen. Übersteigen die Importe eines Landes seine Exporte, so spricht man von einem Außenhandelsdefizit. Importe haben grundsätzlich den Vorteil, dass man so Waren erlangt, die im eigenen Land nicht vorhanden sind (z. B. Rohstoffe oder Früchte, die nicht im eigenen Land wachsen). Dies hat aber den Nachteil, dass man sich von anderen Ländern und deren Lieferungen abhängig macht. Dies wurde insbesondere in der Ölkrise deutlich, als die Organisation Erdöl exportierender Länder die Fördermengen von Erdöl drastisch reduzierte, was eine weltweite Energiekrise auslöste.

Für die Erklärung der Bedeutung und der Vorteile des Außenhandels lässt sich einerseits das Konzept der komparativen Kostenvorteile, z. B. aufgrund von Technologieunterschieden (Ricardo) oder Ressourcenausstattung (Heckscher-Ohlin-Theorem), heranziehen, andererseits die Theorie des unvollständigen Wettbewerbs.

Für die Erklärung der Bedeutung und der Vorteile des Binnenhandels wurden zahlreiche Konzepte entwickelt. Als die wichtigsten gelten (nach Schenk): das Arbeitsteilungskonzept, die Theorie der komparativen Kostenvorteile, die Theorie der komparativen Nutzenvorteile, das Schär’sche Gesetz, die Theorie der Handelsfunktionen, die Theorie der Märkte- und Wettbewerbsgenerierung, die Transaktionstheorie, wirtschaftsgeometrische Konzepte und die Gate-keeper-Theorie.

Wie bei allem menschlichen Handeln werden auch beim kaufmännischen Handel ethische Gesichtspunkte diskutiert. Sie prägen beispielsweise den so genannten Fairen Handel als ein Modell eines sozial und ökologisch verträglichen Handels, bei dem alle Handelsstufen von den Produzenten bis zu den Verbrauchern bewusst unter ethischen Gesichtspunkten („fair“ im Sinne von gerecht) betrachtet werden und bei dem – vor allem – den landwirtschaftlichen Erzeugern in Entwicklungsländern ein faires Entgelt gewährt werden soll. Diese Begriffswahl beinhaltet jedoch die Gefahr, dass der „normale“ Handel als nicht oder weniger fair betrachtet wird und dass die „Tradition der Vorurteile“ gegenüber dem Handel (Schenk) perpetuiert wird. Ohne Zweifel wendet das moderne Handelsmanagement geschickte Maßnahmen psychotaktisch und -strategisch abgesicherten Handelsmarketings an, um die Marktteilnehmer zu bestimmten (Verkaufs- oder Kauf-)Entscheidungen zu veranlassen. Grifflücken im SB-Regal, Platzierung preisgünstiger Artikel in der Bückzone, überdimensionierte Einkaufswagen, suggestive Hintergrundmusik und tausend andere Praktiken begegnen uns täglich. Derartige Verkaufs„tricks“ können jedoch nicht per se als ethisch bedenklich, gar als entmündigende Manipulation angesehen werden, jedenfalls solange nicht, wie die (Kauf-)Entscheidungen nicht auf Überrumpelung, sondern auf Überzeugung und freier willentlicher Entscheidung der Käufer beruhen.

Der Begriff Spezialhandel wird in verschiedenen Bedeutungen verwendet. Im Außenhandel bezeichnet zum Beispiel das Statistische Bundesamt den grenzüberschreitenden Warenverkehr des Erhebungsgebietes mit dem Ausland als Spezialhandel. Ausland im Sinne der Außenhandelsstatistik ist das Gebiet außerhalb des Erhebungsgebietes. Das Erhebungsgebiet der Außenhandelsstatistik umfasst die Bundesrepublik Deutschland (ohne den Zollausschluss Büsingen). Im Binnenhandel werden diejenigen Betriebsformen bzw. Betriebstypen des Handels als Spezialhandel bezeichnet, die sich durch extreme Sortimentsspezialisierung (meist mit tendenziell schmalem und sehr tiefem Sortiment) von anderen Betriebsformen, auch vom Fachhandel, unterscheiden. Beispiele wären Großhandel mit Lebendfischen oder Großhandel mit Schiffsausrüstungsbedarf und Einzelhandel mit Wolle oder Einzelhandel mit Babybedarf.

Heute steht der Welthandel im Kontext der Globalisierung. Unter Federführung der Welthandelsorganisation (WTO) sollen internationale Zollschranken abgebaut und der freie Waren- (GATT) und Dienstleistungsverkehr (GATS) gefördert werden. Diese Politik des Freihandels ist umstritten; Globalisierungskritiker sehen darin eine Zementierung der Benachteiligung der Länder in der so genannten unterentwickelten Dritten Welt und auch eine Beeinträchtigung der hoheitlichen Verwaltung der Staaten („Souveränitätsverlust“).

Allerdings hat neben der Theorie (s. o.) auch die Empirie belegt, dass internationaler Warenaustausch zu Wohlstand führt. So ist seit den 1950er Jahren die Armut (siehe dort) der Welt kontinuierlich gesunken, auch sank die Anzahl der vom Hunger bedrohten Menschen. Diese Grundidee einer freien Marktwirtschaft ist vielfach aber durch Krisen, Korruption und staatliche Eingriffe in den Staaten beschränkt. Statt Handel zuzulassen verschließen sich viele Gebiete den Vorteilen des freien Handels. Andererseits gehen einige Ökonomen davon aus, dass die dritte Welt nur mit Starthilfe, etwa über Entwicklungshilfe, einen Aufstieg in die erste Welt schaffen könnten. So müssten Infrastrukturen erst aufgebaut, Humankapital erst angesammelt werden.

Heute hat der Globalisierungsgedanke auch Einzug in den Binnenhandel gehalten. Unter dem Eindruck sich verschärfenden Wettbewerbs im Inland und begünstigt durch modernes Verkehrs- und Transportwesen, sicheren Zahlungsverkehr und die weltumspannende Internet-Kommunikation erschließen auch immer mehr inländische Großhandels- und Einzelhandelskonzerne weltweit neue Märkte. Die in den 80er Jahren einsetzende Phase der "Transnationalisierung" (U.C. Täger) bzw.Internationalisierung (Gründung von Filialen im benachbarten Ausland) ist auch für größere Handelsunternehmen, die traditionell schon weltweit einkaufen, in eine Phase der Globalisierung (mittels Übernahme, Errichtung von Filialen oder Aufbau des neuen Handelssystems in weit entlegenen Staaten) übergegangen.

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Kommissar für Handel

Der Kommissar für Handel ist ein Kommissar der Europäischen Union.

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Grumbachsche Händel

Die Stadt Gotha mit der Burg Grimmenstein (Holzschnitt von 1572)

Unter Grumbachsche Händel versteht man eine eher skurrile Episode in der Geschichte der ernestinischen Wettiner, die zu lebenslanger Festungshaft für Herzog Johann Friedrich II. den Mittleren von Sachsen-Coburg-Eisenach führen sollte.

Das Haus Wettin hatte sich 1485 in zwei Linien, die Ernestiner und die Albertiner, geteilt (Leipziger Teilung). Die sächsische Kurwürde blieb zunächst bei der älteren, der ernestinischen Linie. 1547 verlor jedoch Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige die Schlacht bei Mühlberg und damit den Schmalkaldischen Krieg gegen Kaiser Karl V., und musste in der Wittenberger Kapitulation der dauerhaften Übertragung der sächsischen Kurwürde auf die Albertiner zustimmen.

Auf Johann Friedrich den Großmütigen, verstorben 1554, folgten seine drei Söhne Johann Friedrich II. der Mittlere, Johann Wilhelm und Johann Friedrich III. der Jüngere zunächst gemeinsam. 1565 einigten sich jedoch die beiden älteren Brüder auf eine Landesteilung. Johann Friedrich II. erhielt dabei Coburg und Eisenach, Johann Wilhelm Weimar.

Johann Friedrich II. nahm seine Residenz in Gotha. Er beanspruchte die seinem Vater aberkannte Kurwürde weiterhin für sich. Den mit ihm befreundeten Ritter Wilhelm von Grumbach nahm er bei sich auf, als dieser wegen Landfriedensbruchs unter Reichsacht stand. Grumbach bestärkte den Herzog in seinen gewagten politischen Ideen. Der „Engelseher“ Hans Tausendschön behauptete, dass ihm Engel erschienen seien und einen erneuten Aufstieg des Ernestiner-Geschlechts vorausgesagt hätten. Dies, so versprach Grumbach, werde er ohne militärische Auseinandersetzung erreichen und so den Ernestinern die Kurwürde wieder verschaffen.

Unter Kaiser Maximilian II. wurde daraufhin auch über Johann Friedrich II. die Reichsacht verhängt, weil dieser Grumbach auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht auslieferte. Kurfürst August von Sachsen (aus der albertinischen Verwandtschaft) wurde mit der Reichsexekution beauftragt und belagerte die Stadt Gotha und Burg Grimmenstein. Auch Johann Friedrichs Bruder, Johann Wilhelm, nahm an der Reichsexekution teil.

Letztendlich musste Johann Friedrich II. aufgeben und geriet so in kaiserliche Gefangenschaft in Österreich, wo er 29 Jahre später verstarb. Grumbach wurde auf der Stelle auf dem Marktplatz von Gotha gevierteilt. Die Ländereien Johann Friedrich des Mittleren wurden zunächst seinem Bruder Johann Wilhelm zur Verwaltung übergeben. 1572 wurden die beiden Söhne Johann Friedrichs II., Johann Casimir (1564-1633) und Johann Ernst (1566-1638) wieder in die Besitzungen ihres Vaters eingesetzt; Johann Wilhelm musste sein Land jedoch nach der Erfurter Teilung mit seinen beiden Neffen teilen. Dies war die erste einer Vielzahl von Landesteilungen der Besitzungen der Ernestiner in Thüringen, durch die schließlich die thüringischen Kleinstaaten, die Ernestinischen Herzogtümer, entstanden.

Die Grumbachschen Händel gelten als letzter Bruch des Landfriedens.

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Handel (Finanzmanagement)

Als Handel oder Frontoffice bezeichnet man in Finanzinstitutionen und großen Unternehmen die Abteilungen, die mit dem Abschluss von Geldhandelsgeschäften, dem Abschluss von derivaten Finanzprodukten wie Optionen, Futures, Zinsswaps, Forward Rate Agreements, oder Credit Default Swaps beschäftigt sind. Für diese Abteilungen werden daher gelegentlich auch der Begriff Treasury verwendet, wobei dieser Begriff von Unternehmen zu Unternehmen je nach der Ablauforganisation eine andere Bedeutung haben kann. Der Begriff Frontoffice, der sich mittlerweile auch in der deutschsprachigen Literatur eingebürgert hat, ist daher präziser und bezieht sich eindeutig auf die Abteilung, die Finanztransaktionen abschließt.

Sowohl bei Finanzinstitutionen als auch bei Unternehmen ist es Aufgabe des Frontoffice, die Liquidität zu optimieren und Risiken zu minimieren. Bei Finanzinstitutionen, bei denen der Umgang mit Finanzprodukten zum Kerngeschäft des Unternehmens gehören, gibt es daher in der Regel nicht ein Frontoffice, sondern spezifische Handelsabteilungen, deren Aktivitäten durch Risikolimite wie Value at Risk-Limite limitiert sind. Im Gegensatz zur allgemeinen Vorstellung sind auch hier spekulative Geschäfte nur in einem sehr geringem Maße zulässig und werden ständig beobachtet und limitiert.

Bei Unternehmen sind spekulative Tätigkeiten in der Regel nicht zugelassen. Unternehmensinterne Richtlinien lassen in der Regel nur die Abschlüsse derivater Transaktionen dann zu, wenn ein entsprechendes Grundgeschäft oder Exposure vorhanden ist und die Transaktion das finanzielle Risiko des Unternehmens reduziert und nicht erhöht. Je nach Risikostruktur eines Unternehmens kann daher die Absicherung finanzieller Risiken aus Rohstoffen dazugehören oder die Nutzung von Wetterderivaten, wenn die unternehmerischen Aktivitäten besonders von Wetter beeinflusst sind.

Geschäfte, die durch ein Frontoffice abgeschlossen werden, werden bis heute in einem sehr großen Maße telephonisch abgeschlossen. So legt ein Geldhändler eines Unternehmens, der zum Frontoffice gehört, beispielsweise die überschüssige Liquidität, die der Disponent des Cash Managements festgestellt hat, taggleich als sogenanntes Overnight an, in dem er von den Geldhändlern unterschiedliche Banken Vergleichsquotierungen einholt. Das Geschäft tätigt er bei der Bank, bei der er den höchsten Zinssatz erhält. Seit dem Jahr 2000 haben sich zunehmend Handelsplattformen etabliert, die die Möglichkeiten des Internets nutzen. Das Geldanlagegeschäft, das hier zu tätigen ist, wird dann quasi versteigert. Das Geschäft wird mit der Bank getätigt, die den höchsten Overnight-Satz anbietet.

Ergänzt wird das Frontoffice durch die Abwicklung (backoffice), die alle Aktivitäten rund um die Bestätigung und den Zahlungsverkehr leistet. Wirtschaftsprüfer achten generell darauf, dass Unternehmen eine strikte Trennung zwischen diesen beiden Abteilungen gewährleisten, um damit kriminelle Handlungen zu vermeiden. Untersuchungen von zum Teil spektakulären Betrugsfällen im Bereich des Finanzmanagements wie etwa dem Fall der Barings Bank, die einzelne Arbeitnehmern begehen konnten, zeigen sehr häufig, dass diese Handlungen durch eine mangelhafte Trennung zwischen diesen beiden Bereichen begünstigt wurden.

In großen Unternehmen, in denen die Nutzung von derivativen Finanzinstrumenten zur unternehmerischen Risikovorsorge gehört, ist in der Regel auch ein Finanzrisikocontrolling etabliert. Bei einer guten Ablauforganisation laufen die Berichtsstränge von Frontoffice und Finanzrisikocontroling erst auf Ebene des Finanzvorstands oder dem für das Finanzmanagement verantwortliche Geschäftsführer oder Geschäftsführerin zusammen. Bei deutschen Kreditinstituten fordert die Bankenaufsicht in den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk), dass im Normalfall verschiedene Geschäftsleiter für den Handel einerseits und für die Abwicklung und das Risikocontrolling andererseits verantwortlich sind.

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Georg Friedrich Händel

Georg Friedrich Händel

Georg Friedrich Händel (* 23. Februar 1685 in Halle an der Saale; † 14. April 1759 in London) war ein deutsch-britischer Komponist in der Epoche des Barock, der vor allem durch sein Hauptwerk, über 40 Opern und 25 Oratorien, darunter auch den Messias mit dem weltberühmten Halleluja-Chor, zu großer Berühmtheit gelangte. Händel hat jedoch in allen musikalischen Gattungen seiner Zeit Kompositionen hinterlassen.

Händels Vater Georg (1622–1697) war Barbier und Wundarzt in der erzbischöflich-magdeburgischen Residenzstadt Halle sowie späterer Hofchirurg des Herzogs Johann Adolf I. von Sachsen-Weißenfels. Als Georg Händels erste Frau 1682 starb, heiratete er bald darauf die 32-jährige Dorothea Taust (1651–1730), Tochter des Pfarrers Georg Taust (1606–1685). Das erste Kind aus dieser zweiten Ehe starb 1684 bei der Geburt; nach Georg Friedrich folgten noch zwei Schwestern, Johanna Christina (1690–1709) und Dorothea Sophia (1697–1718), mit denen und mit deren Kindern Händel zeitlebens Kontakt hielt.

Die einzige Quelle über Händels Jugend ist die von dem Theologen John Mainwaring (1735–1807) 1760 in London veröffentlichte Biografie Memoirs of the life of the Late George Frederic Handel . Mainwaring zufolge nahm Vater Georg Händel seinen Sohn, als der noch keine acht Jahre alt war, mit ins sächsische Weißenfels, in das der Hofstaat des Herzogs bereits 1680 gezogen war. Dort spielte Händel in Anwesenheit des Herzogs auf der Orgel. Dieser erkannte sofort dessen Talent und überzeugte den Vater, der selbst kein Interesse an Musik hatte, den Sohn Musiker werden zu lassen.

Nach der Rückkehr wurde Händel ein Schüler von Friedrich Wilhelm Zachow (1663–1712), dem Komponisten und Musikdirektor der Marktkirche Unser Lieben Frauen. Zachows Kompositionsstil zeichnet sich einerseits durch weitgespannte Großräumigkeit und andererseits durch (besonders in den Chören seiner Kantaten) atemberaubende kontrapunktische Verdichtungen aus. Nicht nur Händel hat später thematische Materialien von Zachow aufgegriffen und kunstvoll verarbeitet, sondern auch Johann Sebastian Bach, der sich nach Zachows Tod auch um dessen Nachfolge bewarb. Händel erhielt nun bei Zachow eine grundlegende Kompositions- und Instrumentalausbildung. Ab seinem neunten Lebensjahr, heißt es bei Mainwaring, begann Händel „Kirchenstücke mit Stimmen und Instrumenten zu setzen “. Während seiner Lehrzeit verfasste Händel auch zusätzlich eine Harfenstimme zu Zachows Kantate „Herr, wenn ich nur dich habe“.

Laut Mainwaring wurde Händel 1697 an den preußischen Hof in Berlin geschickt. Der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. (1657–1713), seit 1701 als Friedrich I. zum König in Preußen aufgestiegen, war vom Können des Zwölfjährigen so beeindruckt, dass er Händels Vater anbot, dem Sohn eine Musikausbildung in Italien zu finanzieren und ihm nach erfolgreicher Absolvierung eine Anstellung am Berliner Hof zu verschaffen. Händels Vater nahm jedoch, so Mainwaring, das kurfürstliche Angebot nicht an. Friedrich Wilhelm I. (1688–1740), der als „Soldatenkönig“ in die Geschichte einging, war ein außerordentlicher Bewunderer der Kompositionen Händels. Händel selbst stand offensichtlich lebenslang in Kontakt mit den Königen von Preußen. So berichtete 1740 die zeitgenössische Presse, Händel sei bald nach der Krönung von Friedrich II. (1712–1786) nach Berlin gereist, um ihm seine Aufwartung zu machen. Dieser, selbst Komponist und darüber hinaus ein exzellenter Flötist, bemühte sich nach Händels Tod vergeblich, dessen Autographe zu erwerben.

1701 machte Georg Philipp Telemann (1681–1767) auf seiner Reise von Magdeburg nach Leipzig in Halle Zwischenstation, um, wie er 1740 in seiner Autobiographie berichtete, den „damahls schon wichtigen Hrn. Georg Fr. Händel“ kennenzulernen. Wie Telemann weiter berichtet, war diese Begegnung der Beginn einer konstruktiven und produktiven Zusammenarbeit zwischen beiden Komponisten: „ in melodischen Sätzen und deren Untersuchung, hatten Händel und ich, bey öfftern Besuchen auf beiden Seiten, wie auch schrifftlich, eine stete Beschäfftigung.“ 1702 immatrikuliert sich Händel an der neugegründeten Universität in Halle (Saale), um bei Christian Thomasius (1655–1728) Rechtswissenschaft zu studieren, der als erster in Deutschland seine Vorlesungen in deutscher Sprache hielt und den Hexenprozessen ein Ende setzte. Am 13. März 1702 übernahm Händel auch den Organistenposten am Hallenser Dom.

Im Sommer 1703 begab sich Händel nach Hamburg. Dort blühte, unter der Leitung des Komponisten Reinhard Keiser (1674–1739), die 1678 (am Gänsemarkt) eröffnete erste deutsche Oper. In jenem Opernorchester spielte Händel anfangs die Violine, später jedoch das Cembalo. Er befreundete sich mit dem Komponisten, Dirigenten und Sänger Johann Mattheson (1681–1764), der später einflussreiche musiktheoretische Schriften wie Das Neu-Eröffnete Orchestre und Grundlage einer Ehrenpforte schrieb. Als an der Lübecker Marienkirche der Posten des berühmten Komponisten und Organisten Dietrich Buxtehude (1637–1707) vakant wurde, weil dieser wegen seines hohen Alters in den Ruhestand gehen wollte, reisten Händel und Mattheson im August 1703 zusammen nach Lübeck. Aber keiner von beiden bewarb sich um die Stelle, denn der erfolgreiche Kandidat hätte gemäß der Tradition die Tochter Buxtehudes heiraten müssen.

Zurückgekehrt nach Hamburg, kam es mitten in der Vorstellung von Matthesons Oper Cleopatra zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen Händel und Mattheson. Händel weigerte sich eines Tages, Mattheson den Dirigentenplatz zu überlassen, als dieser, nachdem er sich in seiner Rolle als Marcus Antonius auf der Bühne entleibt hatte, wie üblich wieder seinen Platz am Cembalo einnehmen wollte. Der Streit führte zu einem Degenduell vor der Oper am Gänsemarkt. Seit diesem Ereignis bestand zwischen beiden ein gespanntes und reserviertes Verhältnis. So bekam Mattheson später von Händel trotz Bitten keinerlei biografische Daten für seine Grundlage einer Ehrenpforte geliefert. Mattheson wiederum schaltete sich in seiner deutschen Übersetzung von John Mainwarings Händel-Biografie unentwegt mit gehässigen und abwertenden Kommentaren gegenüber Händel ein.

Am 8. Januar 1705 wurde Händels erste Oper Almira mit großem Erfolg in Hamburg uraufgeführt. Wenige Wochen später, am 25. Februar, folgte eine weitere Uraufführung mit dem Titel Nero. Während Händels Oper Nero als verschollen gilt, bietet die erhaltene Almira mit ihrer Mischung aus deutscher und italienischer Form sowie Sprache ein lehrreiches Beispiel für die damals an der Oper am Gänsemarkt vorherrschende Opernform. Viele Themen und Kontrapunkte aus seiner Almira verarbeitete Händel in späteren Werken. So baute er mit dem Thema „Lebet beglückt, höchst seeliges Paar“, das Almira im dritten Akt, Szene XVIII intoniert, wenig später in Italien den grandiosen Schlusschor Gloria Patri vom Dixit Dominus).

In Hamburg komponierte Händel noch eine weitere Oper, die aber solchen Umfang annahm, dass sie in zwei Werke, Daphne und Florindo, aufgeteilt werden musste. Auch diese Opern gelten als verschollen. Nachdem Händel schon mehrmals Angebote von adligen Mäzenen für eine Italienreise abgelehnt hatte, darunter wahrscheinlich eines von Gian Gastone de’ Medici, reiste er im Sommer oder Herbst 1706, unter Zurücklassung zweier (verschollener) Kisten mit Kompositionen, auf eigene Kosten nach Italien.

Händels Studienreise durch Italien währte vier Jahre. Er machte Station u.a. in Florenz, Rom, Neapel und Venedig. Die genauen Daten über seine Aufenthalte in diesen Städten sind nicht bekannt. Jedoch sind aus jener Zeit viele Anekdoten überliefert, so von Treffen mit Arcangelo Corelli und Antonio Lotti sowie Alessandro und Domenico Scarlatti. Händel wurde als Il Sassone (der Sachse) berühmt. Als Domenico Scarlatti in Venedig auf einer Maskerade Händel inkognito (mit einer Maske vor dem Gesicht) auf einem Cembalo spielen hörte, soll er ausgerufen haben: „Das ist entweder der berühmte Sachse oder der Teufel!“. Mainwaring berichtete, dass es zwischen Corelli und Händel zu Meinungsverschiedenheiten über die Ausführung der doppelten Punktierung in den langsamen Ecksätzen der (ursprünglichen) Ouverture zu Il Trionfo del Tempo i del Disinganno kam. Ungeduldig soll Händel Corelli die Geige aus der Hand gerissen haben, um zu demonstrieren, wie er sich die Ausführung dieser Punktierung wünschte. Corelli, ein liebenswürdiger Mann, sagte daraufhin: „Ma, caro Sassone, questa Musica è nel Stylo Francese, di ch’io non m’intendo – Aber mein lieber Sachse, diese eure Musik ist nach dem französischen Stil eingerichtet, darauf ich mich gar nicht verstehe.“ Corelli zum Gefallen komponierte Händel eine neue Ouverture im italienischen Stil.

In Italien brachte Händel zwei Opern auf die Bühne, den Rodrigo (Sommer 1707) in Florenz und die Agrippina (Ende 1709/Anfang 1710) in Venedig. Das Libretto zur Agrippina verfasste Vincenzo Grimani, Kardinal und Vizekönig von Neapel (1652–1710). Diese Oper gilt allgemein als der eigentliche Durchbruch in Händels Opernstil. Die Ouverture zu Agrippina, mit dem erregend tremolierenden Fugenthema über ein kleines Hexachord, zählt zu Händels herausragendsten Opern-Ouverturen. Für Rom, wo auf Grund kriegerischer Ereignisse und einem stattgehabten Erdbeben Opernaufführungen durch Papst Clemens XI. (1649–1721) verboten waren, schuf er zwei Oratorien, das geistliche La Resurrezione (Frühjahr 1708) und das allegorische Il Trionfo del Tempo e del Disinganno (Frühjahr 1707). Den Text zu Il Trionfo verfasste Kardinal Benedetto Panfili (1652–1730). Dieser war neben Kardinal Pietro Ottoboni (1667–1740) ein bedeutsamer Gönner und Förderer Händels. Den Stoff Il Trionfo bearbeitete Händel in London noch zweimal: 1737 und zuletzt 1757 als Der Triumph der Zeit und der Wahrheit.

Des weiteren komponierte Händel in Italien das berühmte Dixit Dominus (Psalm 110), die Serenata Aci, Galatea e Polifemo (Neapel 1708) sowie zahlreiche Chor- und Solokantaten. Händel begründete in Italien seinen Ruhm.

1709 wurde ihm in Venedig der Posten des Kapellmeisters am Hofe des Kurfürsten Georg Ludwig von Hannover angeboten. Händel nahm die Stelle in Hannover an, ließ sich aber zusichern, hin und wieder für längere Zeiträume vom Hof abwesend sein zu dürfen. Diese Option nutzte er schon bald aus: offiziell begann sein Vertrag am 16. Juni 1710, aber schon gegen Ende des Jahres reiste er nach London.

Dort erntete Händel am 24. Februar 1711 seinen ersten Erfolg mit der Uraufführung seiner Oper Rinaldo am Haymarket-Theatre. Aus dieser Oper stammt die bekannte Sarabanden-Arie „Lascia ch’io pianga“. Sie gehört, neben Cleopatras „V’doro, pupille, seatte d’Amore“ aus Julius Cäsar und dem „Largo“ (eigentlich ein Larghetto) aus der Oper (Xerxes), seit Jahrhunderten mit zum Standardrepertoire berühmter Opern- und Konzertsänger und -sängerinnen. Nach dem Ende der Opernsaison kehrte Händel Anfang Juni 1712 nach Hannover zurück und schrieb dort – vermutlich für die Kurprinzessin und spätere britische Königin Caroline von Brandenburg-Ansbach – u. a. eine Reihe von Vokalduetten.

Im Oktober 1712 begab sich Händel wieder nach London, wo er – von Reisen abgesehen – den Rest seines Lebens verbrachte. Er wohnte zunächst ein Jahr bei einem reichen Musikliebhaber in Barn Elms, Surrey. Drei weitere Jahre lebte er beim Earl of Burlington in der Nähe von London. Die Hauptwerke dieser Periode sind zwei italienische Opern und das Utrechter Te Deum im Auftrag von Queen Anne, nach dessen Aufführung sie ihm eine lebenslange Pension von 200 Pfund gewährte.

Obwohl Händel seine Abwesenheit vom Hof in Hannover weit überdehnte, ist kein Versuch des Kurfürsten Georg dokumentiert, ihn an seine Verpflichtung in Hannover zu erinnern. Im Oktober 1714 wurde der Kurfürst in der Londoner Westminster Abbey als Georg I. zum König von Großbritannien und Irland gekrönt. Für ihn soll Händel die Wassermusik komponiert haben, die bei einem Fest auf der Themse wahrscheinlich erstmals 1717 gespielt wurde. Der König verdoppelte Händels Gehalt. Später wurde Händel auch Musiklehrer der Töchter des Königs. 1716 folgte er dem König kurzweilig zurück auf deutschen Boden, wo er auch die Passion „Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende JESUS“, nach einer damals beliebten Dichtung von Barthold Heinrich Brockes (1680–1747), komponierte.

Nach seiner Rückkehr nach Großbritannien trat er als Hauskomponist in die Dienste des Earls of Carnavon, dem späteren Herzog von Chandos. Hier war auch ein progressiver Literatenkreis versammelt, dem u. a. John Gay (1685–1732) und Alexander Pope (1688–1744) angehörten. Händels Werke, die er für die Herzogsresidenz Canons in Edgware komponierte, umfassen die zwölf Chandos Anthems sowie die erste Fassung von Esther und die neue englische Fassung von Acis and Galatea (Text: John Gay). Galateas, Acis’ und Polyphemus’ Terzett – The flocks shall leave the mountains – erinnert ab Takt 5, dort, wo das Hauptthema zwischen Acis und der 1. Oboe in Engführung erscheint, an den Eingangschor der Bach-Kantate Ich hatte viel Bekümmernis. In Canons vollendete Händel wahrscheinlich auch die 1720 veröffentlichten Suites de Pièces pour le Clavecin, die unter anderem die bekannten Variationen enthalten, denen man später den Namen The Harmonious Blacksmith gab.

Der Name des Ortes „Canons“ war zugleich Programm: der Earl of Chandos und sein Kreis brachten auf diese Weise zum Ausdruck, dass es um die Errichtung von musikalischen Maßstäben ging (lat. canon/griech. kanón; Kanon = Maßstab, Richtschnur, Regel, Anweisung).

Händels Aufenthalt in Canons endete etwa im Frühjahr 1719, als die Vorbereitungen für ein neues Opernunternehmen am King’s Theatre begannen, die Royal Academy of Music mit Händel als musikalischem Direktor. Für die Anwerbung einer Sängertruppe reiste Händel nach Dresden und konnte dort mehrere Sänger engagieren, darunter den Starkastraten Senesino.

Händels erste und sehr erfolgreiche Oper für die Opernakademie, Radamisto, wurde erstmals am 27. April 1720 aufgeführt. Neben Händel beschäftigte die Akademie zeitweise noch die Komponisten Giovanni Bononcini und Attilio Ariosti. Das Publikum spaltete sich in Parteien, die sich entweder hinter Händel oder Bononcini stellten. Insbesondere in der Anfangszeit waren Bononcinis Aufführungen erfolgreicher als Händels. Händels Dominanz wurde erst etwa ab der dritten Saison spürbar, und in den folgenden Jahren schrieb er einige seiner bedeutendsten und heute populärsten Opern wie Giulio Cesare, Tamerlano und Rodelinda.

Nach heutigen Kenntnissen war die Opernakademie von Anfang an unterfinanziert und nur in den besten Zeiten wirtschaftlich tragfähig. Das Management versuchte dadurch zum Erfolg zu kommen, dass es noch mehr Starsänger einkaufte. Ab Januar 1723 wurde Francesca Cuzzoni (1700–1770), ab Mai 1726 Faustina Bordoni (1700–1781) (die spätere Ehefrau des Dresdner Hofkomponisten Johann Adolf Hasse (1699–1783)) engagiert. Beide Primadonnen waren miteinander verfeindet. Am 6. Juni 1727 beschimpften und schlugen sie sich, lautstark angefeuert von ihren jeweiligen Anhängern, während der Vorstellung auf offener Bühne. Durch die hohen Gagen, die beide erhielten, wurde das Opernunternehmen finanziell sehr stark belastet. Hinzu kam, dass sich der Publikumsgeschmack zunehmend leichteren und politisch-satirischen englischsprachigen Musikdarbietungen zuneigte, wofür 1728 der rauschende Erfolg von John Gays Des Bettlers Oper symptomatisch war. Höhepunkt dieser Oper soll eine Parodie auf Händels populären „Kreuzrittermarsch“ aus dessen Oper Rinaldo gewesen sein – gesungen von „Bettlern“, „Dieben“ und „Gaunern“. (Die Oper stand Modell für Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht.) Nach der Saison 1727/28 wurde die Opernakademie aufgelöst. Persönlich nahm Händel, der inzwischen englischer Staatsbürger war, an dem Scheitern der Akademie jedoch keinen Schaden.

Nach der Auflösung der Opernakademie startete Händel gemeinsam mit dem schweizerischen Impresario Johann Jacob Heidegger (1659–1749) ein neues Unternehmen, das in der Literatur auch als „die zweite Opernakademie“ bezeichnet wird. Sie übernahmen den Fundus der Akademie, mieteten das King’s Theatre für fünf Jahre und Händel reiste im Herbst 1728 nach Italien, um neue Sänger anzuwerben. Das neue Ensemble war durchweg bescheidener angelegt, mit Antonio Bernacchi als neuem Star. Auf der Rückreise besuchte Händel im Sommer 1729 seine Mutter in Halle und machte in Hannover und Hamburg Halt.

Das neue Opernunternehmen eröffnete am 2. Dezember 1729 mit Lotario, hatte aber nur moderaten Erfolg, so dass für die nächste Saison wieder Senesino als Zugnummer engagiert wurde. Eher zufällig wurde Händels Interesse auf das Oratorium gelenkt. 1732 wurden seine beiden englischsprachigen Masques Esther und Acis and Galatea aus der Canons-Zeit unautorisiert gespielt. Händel antwortete jeweils schnell darauf, indem er eigene neue Fassungen erstellte und mit Erfolg aufführte.

Die nächste Saison 1732/33 bestritt er weitgehend mit der Aufführung von Oratorien. Darunter war auch das weitgehend aus altem Material bestehende Oratorium Deborah (Debora). Im Sommer reiste Händel mit seinem Ensemble nach Oxford. Dort brachte er in der großen Festhalle der Universität („Theater“ genannt) sein Oratorium Athalia erfolgreich zur Uraufführung. Das d-moll-„Halleluja“, das den ersten Akt beschließt, ist eine Doppelfuge über die sechs geteilten Solmisationssilben: UT-FA RE-SOL MI-La. Händels Hommage an Guido von Arezzos (~992–1050) Hexachord-System! Als Gegenthema (Kontrasubjekt) zu Arezzos geteilten Silben (Syllaben) erwählte Händel, leicht figuriert, das Hauptthema (Subjekt) der Fuge aus seiner achten f-moll-Klaviersuite. Einem Pressebericht zufolge sollte ihm von der Universität die Ehrendoktorwürde verliehen werden, die er jedoch aus unbekannten Gründen ablehnte. Der Erfolg mit der Uraufführung seines Oratoriums in Oxford veranlasste Händel jedoch keineswegs, die niedergehende italienische Oper aufzugeben.

Im Dezember 1733 wurde von einer rivalisierenden Operngesellschaft, die Opera of the Nobility (die sogenannte Adelsoper), im Lincoln’s Inn Fields Theater eröffnet, mit Nicola Antonio Porpora (1686–1768) als Komponisten. Zuvor hatte diese Gesellschaft fast Händels gesamtes Sängerensemble einschließlich Senesino abgeworben. Da es in London keinen Markt für zwei konkurrierende Opernhäuser gab, kam es zu einem ruinösen Wettbewerb. Die Situation verschärfte sich noch dadurch, dass zum Ende der Saison Händels Mietvertrag auslief und Heidegger das King’s Theatre an die Adelsoper vermietete. Dazu gelang es der Adelsoper noch, den berühmten italienischen Kastraten Farinelli (1705–1782) zu engagieren.

Beide Opernunternehmen spalteten nicht nur das Londoner Opernpublikum in zwei Lager, sondern auch die königliche Familie. So protegierte der Prince of Wales Friedrich Ludwig von Hannover (1707–1751) die Adelsoper. Händels Meisterschülerin Princess Anne (1707–1759) ergriff dagegen leidenschaftlich Partei für Händel. Noch viele Jahre später, 1770 in Bologna, erzählte Farinelli dem englischen Musikgelehrten Charles Burney (1726–1814), wie er nach seiner Ankunft in London „zum ersten Male bei Hofe“ dem König Georg II. (1683–1760) vorsang. Dabei habe „ihm die königliche Prinzessin, die nachmalige Prinzessin von Oranien, mit dem Flügel begleitet, welche verlangte, dass er zwei von Händels Arien vom Blatt wegsingen sollte, die in einem Schlüssel und einer Schreibart gesetzt waren, welche er gar nicht gewohnt war.“ Ihre Kunst im Generalbassspiel wurde noch 1763 von Friedrich Wilhelm Marpurg (1718–1795) in seinen Kritischen Briefen über die Tonkunst erwähnt. Händel selbst vertraute einmal dem aus Hamburg stammenden Groninger Organisten Jacob Wilhelm Lustig an, dass für ihn Princess Anne „die Blüte aller Prinzessinnen“ sei.

Händel zog nun in das neuerbaute Covent Garden Theatre um und führte das Opernunternehmen in eigener Regie. Trotz des Dahinsiechens des Unternehmens komponierte er in dieser Zeit Werke wie Ariodante und Alcina, die zusammen mit Orlando zu den bedeutendsten nach dem Zusammenbruch der ersten Akademie zählen. 1737 kam es zum Bankrott und Händel erlitt einen Schlaganfall mit Lähmungserscheinungen. Aber auch die Adelsoper ging bankrott und musste aufgelöst werden. Bei einem Kuraufenthalt in Burtscheid bei Aachen erholte Händel sich jedoch schnell wieder und komponierte mit der alten Produktivität.

Wenngleich Händel bis zu seiner letzten Oper Deidamia 1741 noch zahlreiche Versuche unternahm, die Oper fortzuführen, trat jedoch allmählich mit Saul und Israel in Egypt von 1739 und der Wiederaufnahmen seiner früheren Werke, darunter auch das 1736 komponierte Alexander’s Feast or the Power of Musick das Oratorium wieder in den Vordergrund. Den Text, eine Ode zu Ehren der hl. „Cäcilia von Rom“, verfasste John Dryden (1631–1700). Drydens Ode gilt als Meisterwerk englischer Dichtkunst. Bald darauf, 1740, vertonte Händel Verse eines weiteren großen englischen Dichters: „L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato“ von John Milton (1608–1674). Das „il Moderato“ stammt allerdings nicht aus der Feder von Milton, sondern von Charles Jennens (1700–1773), dem Texter von Händels „Saul“, „Messiah“ und „Belshazzar“.

1742 reiste Händel nach Dublin und brachte dort sein Oratorium Messiah zugunsten von Schuldgefangenen und Armenkrankenhäusern zur Uraufführung. Die Alt-Partie sang Susanna Maria Cibber (1714–1766), die bald danach in London erste Schauspielerin am Theater des berühmten Shakespeare-Darstellers David Garrick (1717–1779) wurde. Auch später in London überließ Händel den Erlös aus seinen Messiah-Aufführungen Armen und Entrechteten. Hinter der Themenskizzierung für die Amen-Fuge notierte Händel eine irische Tanzmelodie, die er (in deutscher Sprache) als „Ballet“ „Dr arme Irische Junge“ bezeichnete. Einmal jährlich führte er den Messiah zugunsten des Londoner Foundling-Hospital auf, dessen ehrenamtlicher Co-Direktor er neben dem sozialkritischen Maler, Grafiker und Verfasser der „Analysis of Beauty“ William Hogarth (1697–1764) war. Kurz vor seiner Rückreise nach London begegnete Händel noch dem Autor von „Gullivers Reisen“, Jonathan Swift (1667–1745).

Nach dieser Zeit komponierte Händel keine Opern mehr. Stattdessen gab es von 1743 bis 1752 eine durchgehende Reihe von ein bis zwei neuen Oratorien pro Saison, die meisten davon zu Themen aus dem Alten Testament. Daneben entstanden die weltlichen Musikdramen Herakles und Semele. Beide werden mit zu den bedeutendsten englischen Opern gezählt, obwohl Händel sie selbst nicht szenisch aufführte.

Noch etliche Zeit versuchten Adelskreise Händel, der sich nun ganz dem Oratorium zugewandt hatte, zu Fall zu bringen. „Die ganze Operngesellschaft ist in Rage über Händel“ notierte eine Zeitgenossin. Anders als zu Zeiten der Adelsoper hatte er zwar als Oratorienkomponist keine Konkurrenz, aber seine Gegner konnten an den Abenden seiner Aufführungen Bälle und Bankette geben, um ihm zu schaden. Breite Bevölkerungsschichten erreicht er bald mit seinen „Siegesoratorien“ nach dem Jakobitenaufstand von 1745, von denen Judas Maccabaeus neben dem Messiah das zu seinen Lebzeiten populärste Oratorium wurde. Zur Arie des Judas Maccabaeus „With honour let desert be crown’d“ im dritten Akt komponierte Händel ein außergewöhnliches Solo für Naturtrompete, denn ausnahmsweise band Händel für sein Naturtrompetensolo den (bis heute) als „unnatürlich“ geltenden siebenten Oberton mit ein und brachte mit diesem Kunstgriff die „Doppelnatur des Trompetenklangs“ zur Geltung. Händel bildete mit dem siebten Oberton die Mollterz, wodurch sein „Trompetenklang“ permanent zwischen elegischem a-moll und kriegerischem (teils auch festlichem) D-Dur wechselt.

1751 begann Händel mit der Komposition des Oratoriums Jephta. Während der Niederschrift zeigten sich erste Symptome einer beginnenden Erblindung. Mit vielen Unterbrechungen sowie unter höchsten Anstrengungen vermochte Händel sein Werk zu vollenden. Den zweiten Akt im Jephta beschließt der Chor mit Alexander Popes Maxime aus dem Essay on Man: „Whatever is, is right.“ Diese Maxime wurde bald in Deutschland Gegenstand heftiger weltanschaulicher Auseinandersetzungen, an denen sich auch Moses Mendelssohn (1729–1781) und Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) beteiligten. Später übernahm Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) Popes Maxime und kleidete sie in die Worte: „Alles was ist, ist vernünftig“ - vom Hegel-Schüler Heinrich Heine (1797–1831) dann in „Alles, was vernünftig ist, muss sein“ umgedeutet.

1754 konnte Händel sich endlich beim Blumenliebhaber Telemann mit einer Kiste kostbarer Blumenzwiebeln bedanken (wenn auch verspätet: ihm war irrtümlich der Tod seines Hamburger Kollegen mitgeteilt worden). Händels Dank galt der ihm von Telemann 1750 vorab übersandten Intervall-Lehre „Neues musikalisches System“, die zwei Jahre später, 1752, in Mizlers „Musikalischer Bibliothek“ erschien. Hierin unterteilt Telemann jeden Ton, jedes Intervall vierfach in: Minimum, Minor, Major und Maximum. Sein Neues musikalisches System stieß allerdings bei den Zeitgenossen auf scharfe Ablehnung, weil mit dem Aufkommen des Hammerklaviers bis in unsere Tage die temperierte Stimmung favorisiert wurde. Diese vierfache Unterteilung hatte Händel übrigens punktuell in seinen 1706–1709 entstandenen 72 italienischen Kantaten für Singstimme und Basso continuo, den „Cantaten con strumenti“ sowie im „Il Trionfo“ (in der Arie „Io sperai“) angewandt.

Händel unterzog sich mehreren erfolglosen Augenoperationen, eine davon durch den umstrittenen Okulisten (Starstecher) John Taylor (1703–1772), der auch Bachs Augen operiert hatte. In Taylors 1761 in London erschienen History of the Travels and Adventures findet sich auch ein Abschnitt über seine medizinischen Begegnungen mit Bach und Händel. Darin vermerkte Taylor, dass beide Komponisten „anfangs zusammen erzogen wurden“. Diese Aussage Taylors stieß bei den Bach- und Händel-Biografen seit Jahrhunderten auf heftigen Widerspruch.

Es gibt Hinweise, dass Händel während seiner letzten Jahre zeitweise wieder sehen konnte, aber nach Mai 1752 gewann er sein Augenlicht praktisch nicht mehr zurück. Trotzdem wirkte er weiterhin bei den Aufführungen seiner Oratorien mit und spielte zwischen den Akten seine Orgelkonzerte, die er teilweise improvisierte. Weiterhin komponierte er neue Arien oder überarbeitete ältere. Für den Judas Maccabaeus komponierte er den Duett- und Chorsatz: Sion now her head shall raise. Noch eine Woche vor seinem Tod saß Händel an der Orgel bei einer Aufführung seines Messiah.

Am Morgen des 14. April 1759, an einem Karsamstag, verstarb Händel in seiner Wohnung Brook Street Nr. 57 (heute Nr. 25). Er wurde am 20. April in der Londoner Westminster Abbey beigesetzt.

Händels 46 Opern folgen dem Typus des Dramma per musica, der aus einer Folge von Secco-Rezitativen und Da-capo-Arien besteht. Im Laufe der Zeit entwickelte er die Oper weiter, ohne jedoch mit der etablierten Form zu brechen. Um besonders intensive Gefühlszustände einer Figur darzustellen, setzt Händel gerne das Accompagnato (vom Orchester begleitete)-Rezitativ ein. So z. B. zur großen Sterbeszene des Bajazet im Tamerlano oder bei der berühmten Wahnsinnsszene des Orlando im Orlando.

Neben Arien gibt es Duette, seltener Terzette oder Quartette. Chöre schrieb Händel anfangs nur für die Finali, wo sie von den Protagonisten gesungen werden. Erst ab 1735 scheint er über einen eigenständigen Opernchor verfügt zu haben. Im selben Jahr schrieb er für die in Covent Garden gespielten Opern Alcina und Ariodante Ballettnummern, weil ihm dort die Ballett-Compagnie mit Marie Sallé (1707–1756) als Primaballerina und Choreographin zur Verfügung stand. (Voltaire zählte zu ihren Verehrern). Eigens für sie komponierte Händel die Terpsichore als Prolog zur Zweitfassung von seinem Il Pastor fido. Marie Sallé, die bereits vor Jean-Georges Noverre (1727–1810) den damaligen Bühnentanz revolutionierte, löste mit ihrem Auftritt in Händels Zauberoper Alcina einen Skandal aus. Weil sie darin die Rolle des Cupidon (Cupido) in Männerkleidung tanzte, wurde sie auf offener Bühne ausgepfiffen.

Händels Opern-Ouvertüren folgen dem von Lully geprägten französischen Typus: langsam-schnell (eine Fuge)-langsam. Die Libretti sind oftmals aus venezianischen Vorlagen abgeleitet; entgegen der allgemeinen Popularität der Metastasio-Texte benutzte Händel nur dreimal Libretti dieses Dichters.

Schon während seiner Zeit als Komponist italienischer Opern entwickelt Händel eine neue Kunstform: Das englische Oratorium.

In England war das Oratorium bis dahin unbekannt, und auf dem Kontinent orientierte es sich am starren Schema der Opera Seria mit ihrer abgenutzten Folge von rezitativischer Handlung und langen, affektschildernden Da-capo-Arien; Ensembles und Chöre kommen kaum vor. Aus Elementen der englischen Plays, Masques und Anthems, des klassischen französischen Dramas, der deutschen Kirchenkantate sowie der charakteristischen Musikform der italienischen Oper (Rezitativ und Arie, Ouverture, Einteilung in drei Akte) schafft Händel durch die großformale Gestaltung eine neue Form des musikalischen Dramas, die von der Bühne losgelöst ist. Das Theater stellt zwar weiter den äußeren Rahmen, doch szenisches Spiel, Kostüme, Masken usw. entfallen. Dies ermöglicht plötzliche Szenen- und Affektwechsel. Der Handlungsablauf wird nun ausschließlich in die Fantasie des Zuhörers verlagert, dementsprechend wird der ideelle und sinnliche Gehalt eines Werkes intensiviert. Der Chor ist jetzt nicht nur integriert, sondern er wird zum wesentlichen Glied und Träger der Handlung. Das Oratorium hat dadurch, ohne das Dramatische zu verlieren, episch-lyrischen Charakter. Librettist und Komponist teilen dem Chor zwei Rollen zu: Die Rolle des unmittelbar an der Handlung Beteiligten und, nach antikem Vorbild, des sie Betrachtenden und Kommentierenden. Schicksal und Taten der handelnden Personen wickeln sich vor dem Hintergrund das Volkslebens ab. Ganze Völker werden personifiziert. In Belshazzar werden gar drei Völker einander gegenübergestellt. Der Heldenkastrat wird (so gut wie) verbannt, dafür übernimmt der in der Oper bisher vorwiegend als Schurke agierende Tenor die Rolle des Helden. Händel führt seine Oratorien in eigener Regie auf und öffnet einem neuen Publikum, dem bürgerlichen, die Pforten.

Händels Kirchenmusik teilt sich auf in einige Psalmvertonungen in lateinischer Sprache, die er in Italien schrieb, und die englischsprachigen Stücke. Zu den lateinischen Werken zählen die Vesperpsalmen Dixit Dominus, Laudate pueri und Nisi Dominus. Die in der frühen Londoner Zeit entstandenen Chandos Anthems sind entsprechend dem kleinen zur Verfügung stehenden Ensemble von eher intimem Charakter. Die anderen kirchenmusikalischen Werke der Londoner Zeit entstanden meist für die Chapel Royal für besondere, teils staatspolitische Anlässe. Das Utrechter Te Deum und Jubilate zur Feier des Friedens von Utrecht ist vom Einfluss Purcells geprägt. Von den vier Coronation Anthems, komponiert zur Krönung von Georg II. und Königin Caroline 1727 in der Westminster Abbey, wird Zadok the Priest seither bei jeder britischen Krönungszeremonie gespielt. Zuletzt am 2. Juni 1953 anlässlich der Krönung von Elisabeth II. in der Westminster Abbey. Das Funeral Anthem – The ways of Zion do mourn, komponierte Händel 1737 für das Staatsbegräbnis von Königin Caroline und das Dettinger Te Deum mit dem Dettingen Anthem 1743 zur Feier des Sieges bei Dettingen.

Ein gewichtiger Teil von Händels Orchestermusiken entstand für seine Opern und Oratorien. Und zwar als Ouvertüren, Zwischenakt-, Pantomimen- und Ballettmusiken. Zu den eigenständig herausgegebenen Konzerten gehören die sechs so genannten Oboenkonzerte op. 3, die 1734 veröffentlicht, aber wesentlich früher zu verschiedenen Gelegenheiten geschrieben wurden, sowie die zwölf Concerti grossi op. 6 von 1739. Händels Concerti grossi Op. 6 sind Orchesterwerke mit einem Wechselspiel zwischen vollem Streichorchester (Ripieno) und einer Streicher-Solistengruppe (Concertino). Richtungsweisend für diese aus Italien stammende Form war Corelli. Händel verbindet in seinen Konzerten italienische Tradition mit der neuen sinfonischen Entwicklung des 18. Jahrhunderts. Zu etlichen Concerti grossi fügte Händel im nachherein noch Oboenparte hinzu.

Händels Orgelkonzerte sind seine eigene Erfindung und stehen neben Bachs Cembalokonzerten am Anfang der Entwicklung des Konzerts für Tasteninstrument und Orchester. Händel spielte seine Orgelkonzerte in der Regel während der Pausen großer Oratorien-Aufführungen auf einem Orgelpositiv. In der gedruckten Ausgabe von 1738 wurde auch das Cembalo sowie die Harfe (op. 4, Nr. 6) als mögliches Soloinstrument angegeben. Gegenüber den sechs Konzerten op. 4 (veröffentlicht 1738) zeichnen sich die beiden aus der „Second Series“ (veröffentlicht 1740, das erste mit dem Beinamen „The Cuckoo and the Nightingale“) und die sechs posthum veröffentlichten Konzerte op. 7 dadurch aus, dass viele Stellen und ganze Sätze als „ad libitum“ gekennzeichnet wurden, die Händel also während der Aufführungen ex tempore spielte. Für das Konzert Op. 7 Nr. 1, mit einem mächtigen Ostinato-Satz, schreibt Händel eine zweimanualige Orgel mit Pedal („Organo a. 2 Clav. e Pedale“) vor!

In den Jahren 1747 und 1748 schrieb Händel drei Concerti a due cori, in denen er das Orchester eigentlich dreiteilt: Nämlich in zwei Bläserchöre, (mit jeweils 2 Oboen, 1 Fagott, 2 Hörner) und einem Streicherchor incl. dem Continuo. Diese Konzerte sind größtenteils keine eigenständigen Kompositionen, sondern Arrangements von Chören aus den Oratorien Esther, Belshazzar, Semele und Messiah. Von Händel für Freiluftaufführungen arrangiert.

Als Freiluftmusiken sind auch die dreiteilige Water Music (Wassermusik) Suite für Bootsfahrten auf der Themse, sowie die Music for the Royal Fireworks (Feuerwerksmusik) von 1749 konzpiert. Letztere wurde anlässlich des am 7. Oktober 1748 geschlossenen Aachener Friedens von König Georg II in Auftrag gegeben und am 27. April 1749 in Londoner Green Park uraufgeführt. Im Vorfeld kam es wegen der Orchesterbesetzung zu Auseinandersetzungen zwischen dem König und Händel. Denn der König wollte ausschließlich „Militärintrumente“ (Oboen, Fagotte, Hörner, Trompeten und Pauken) verwendet wissen. Händel dagegen bestand auf Mitwirkung von Streichinstrumenten. Wer sich von beiden letztendlich durchsetzte, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen: Tatsache bleibt, dass Händel seine Partitur ursprünglich für „Militärinstrumente“ konzipierte, jedoch später vermerkte, dass zusätzlich Streicher die Oboen- und Fagottstimmen zu verdoppeln hätten. Die öffentliche Probe der Feuerwerksmusik mit 100 Musikern vor 12 000 Zuhörern am 21. April in Vauxhall Gardens wurde ein großer Erfolg. Das eigentliche Ereignis dagegen, die offizielle Feierlichkeit am 27. April im Green Park, endete mit einem Desaster. Durch technisches Versagen des Feuerwerks fingen die eigens für das Feuerwerk zur Feier des Aachener Friedens errichtete Bauten und Dekorationen Feuer und brannten nieder. Einzig Händels Musik soll die Ehre dieses Tages gerettet haben.

Die sechs Triosonaten Opus 2, für zwei Violinen und Basso continuo, wurden zuerst von Roger in Amsterdam um 1722 verlegt. Sie entsprechen durchgängig der viersätzigen italienischen Kirchensonatenform. Weitere sieben Triosonaten Opus. 5, für zwei Violinen und Basso continuo, wurden 1739 in London veröffentlicht. Diese haben fünf bis sieben Sätze, darunter Tanzsätze wie Passacaille, Sarabande Gavotte etc., so dass sie der Suitenform nahekommen. Drei weitere Triosonaten sind nur durch Handschriften überliefert. Der Kirchensonatenform entsprechen auch die 15 Solosonaten op. 1, die ebenfalls um 1722 von Roger in Amsterdam erstmals publiziert wurden. Sie unterteilen sich in 3 Sonaten für Traversa und Basso continuo, in 4 Sonaten für Flauto und Basso continuo, in 2 Sonaten für Oboe und Basso continuo und in 6 Sonaten für Violine und Basso continuo. In der Hallischen Händel-Ausgabe stehen noch sechs Triosonaten für zwei Oboen und Basso continuo. Allerdings ist nicht sicher, ob Händel der Urheber dieser Sonaten ist.

Händels Werke für Cembalo entstanden größtenteils im Rahmen seiner Lehrtätigkeit oder als Gelegenheitswerke. Als die wichtigsten gelten die acht 1720 veröffentlichten Suites de Pièces pour le Clavecin (HWV 426–433), daneben ein zweite Sammlung von Suiten (HWV 434–438, 1730) und 6 Fugen (HWV 605–610, 1735). Die zweite Suitensammlung enthält zwei bemerkenswerte Chaconnen (HWV 435 und HWV 442), Variationswerke über ein achttaktiges Ostinato-Bassthema. Diesen Basso ostinato, bestehend aus acht Fundamentalnoten, verwendet auch Bach für seine Goldberg-Variationen sowie für den Canon triplex a. 6 Voc., einen Rätselkanon, den er auf dem bekannten Porträt von Elias Gottlieb Haußmann in der Hand hält.

In seiner Schrift Der vollkommene Kapellmeister, die 1739 in Hamburg erschien, hat Johann Mattheson knapp 1 1/4 Takte (Takt 3–4) aus dem vierten Satz – der Schlussfuge – von Händels Klaviersuite Nr. 2 F-dur (aus Suites de Pièces von 1720) abgedruckt. Neben seinem Notenzitat richtet Mattheson, der sicherlich noch tieferen Einblick in Händels Kompositionsprinzipien hatte, folgende Frage an seine Leserschaft: „Wer sollte wol dencken, daß in diesen wenig Noten, als einem dicken kurtzen Golddrat, ein Faden verborgen wäre, der sich hundertmahl so lang ziehen läßt?“ Mit „Golddrat“ (Golddraht) meint Mattheson Händels Fugenthema (Subjekt) mit seinem Gegenthema (Kontrasubjekt).

Zur Kammermusik zählten zu Händels Zeit sowohl Vokal- als auch Instrumentalstücke. Zahlreich sind seine weltliche Kantaten: 72 Kantaten für Solostimme und Basso continuo, die aus einer Abfolge von Arien und Rezitativen bestehen, bei denen er sich mit an Alessandro Scarlatti orientierte. Hinzu kommen die „Cantaten con strumenti“, also mit selbständigen Instrumentalstimmen. (Dazu gehört die kleine spanische Kantate: „Cantata Spagnuola a voce sola e Chitarra“, von Händel mit Noten im alten Stil aufgezeichnet). Die meisten der weltlichen Kantaten werden der Zeit in Rom zugeordnet, als Händel an der Accademia degli Arcadi mit Scarlatti, Corelli und Pasquini zusammentraf.

Auf etwa 1729 datieren die Neun Deutschen Arien für Solostimme, Melodieinstrument und Basso continuo aus B. H. Brockes’ naturlyrischer Gedichtssammlung: Irdisches Vergnügen in Gott. Brockes, der mit „poetischer Verklärung“ für die Ausbreitung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse sorgte, beeinflusste nachhaltig Christoph Martin Wieland (1733–1813) und Johann Wolfgang Goethe (1749–1832). „Meine Seele hört im Sehen“, – so lautet eine der von Händel vertonten „Deutschen Arien“.

Die Duetti e Terzetti für Singstimmen und Basso continuo entstanden in Italien oder Hannover sowie zwischen 1741 bis 1745 in London. Etliche Duette und Terzette erweiterte Händel für seine Oratorien zu vierstimmigen Chören.

Schon zu Lebzeiten genoss Händel in England den Rang eines Klassikers. 1738 war ihm zu Ehren in Vauxhall Gardens ein durch Roubiliac geschaffenes Lebens-großes Denkmal errichtet worden. Am 15. Juli 1762 wurde das von Roubiliac gestalteten Grabdenkmals Händels in der Westminster Abbey enthüllt. Mainwarings 1760 erschienene Memoirs of the Life of the Late George Frederic Handel (von Mattheson ins Deutsche übersetzt) gelten als erste Musikerbiographie überhaupt. Im Gegensatz zu vielen Komponisten seiner Epoche, wie etwa in Deutschland Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann, geriet Händel nach seinem Tod in England nicht in Vergessenheit. Allerdings gründete sich seine dauerhafte Präsenz im englischen Musikleben vorwiegend auf seine Oratorien.

Neben regelmäßigen auszugsweisen Aufführungen seiner Oratorien wurden mehrere aus Händels Musik zusammengestellte Pasticci gespielt. Zur Feier von Händels hundertstem Geburtstag wurde 1784 (man hatte sich um ein Jahr vertan, weil im Geburtsjahr Händels in England noch der Julianische Kalender galt, nach dem das Jahr erst am 25. März begann, während in Deutschland der Gregorianische Kalender galt) mit über 500 Musikern eine dreitägige Gedächtnisfeier in Westminster Abbey und im Pantheon gehalten, mit Aufführungen des Messiah, Stücken aus den Oratorien und Orchestermusik. Wegen des Erfolgs wurde die Messiah-Aufführung noch zweimal wiederholt. Diese Gedächtnisfeier begründete eine Tradition, die bis 1791 fortgeführt wurde.

Die Messiah-Begeisterung erreichte auch bald Deutschland. 1772 wurde der Messiah erstmals von Michael Arne in Hamburg dirigiert. Drei Jahre später dann von Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788), dem zweitältesten Sohn von J. S. Bach. Nachdem Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803) im Jahre 1773 sein Vers-Epos Der Messias abgeschlossen hatte, erschien nun 1775 seine deutsche Übersetzung von Händels Messiah. Johann Adam Hiller (1728–1804) war dann der erste, der für Berlin 1786 das Werk völlig neuinstrumentierte und änderte.

In Wien erweiterte und verändert Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) für die Konzerte des Barons Gottfried van Swieten, zwischen 1788 und 1790, die Instrumentierung von vier oratorischen Werken Händels, darunter den Messiah, um sie dem Zeitgeschmack anzupassen. Darüber hinaus verarbeitete Mozart 1791 in seinem (unvollendeten) Requiem Themen sowie kontrapunktische Verdichtungen aus Händels Funeral Anthem und Händels Oratorium Joseph and his Brethren.

Als Haydn während seines London-Aufenthalts Oratorien Händels hörte, war er tief berührt: Ihm war, „als sei er an den Beginn seiner Studien zurückversetzt worden und habe bis dahin nichts gewusst.“ (nach Giuseppe Carpani). Er brachte ein Libretto nach Wien mit, das möglicherweise für Händel verfasst worden war, und komponierte danach Die Schöpfung, ein Oratorium, das in seiner Struktur und seinen Chorfugen deutlich unter dem Einfluss Händels steht. Gleichermaßen ließ sich Beethoven von Händel inspirieren. Auf See the conqu’ring hero comes schrieb er Variationen für Cello und Klavier (1796). Die Ouvertüre Die Weihe des Hauses mit ihrer großen Mittelfuge ist bewusst nach Händels Stil modelliert.

In den 1770er Jahren kam der Messiah nun auch in die USA und wurde, der englischen Tradition folgend, vorwiegend zu Benefizzwecken aufgeführt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierte dann sich dort die Tradition, ihn in der Vorweihnachtszeit aufzuführen.

Ab 1842 machte Vincent Novello in England eine enge Auswahl an Oratorien in einem preiswerten Klavierauszug zugänglich. War die bis dahin einzige Gesamtausgabe von Samuel Arnold unhandlich; so konnten die Noten (deren Preis den leerer Notenblätter nicht überstieg) sich nun auch in den Chorvereinigungen der Provinzen ausbreiten.

In monumentalem Maßstabe wurden in London (nach einer Probe 1857) von 1859 bis 1926 im dreijährigen Abstande im Crystal Palace Händelfestspiele gehalten. Auf ihrem Höhepunkt wirkten etwa 4000 Chorsänger und etwa 500 Orchestermusiker mit. In dieser Form entwickelte sich die Veranstaltung geradezu zu einer Demonstration des englischen Nationalstolzes.

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) hat im Jahre 1829 mit seiner denkwürdigen Wiederaufführung der Matthäuspassion das Werk Johann Sebastian Bachs der Vergessenheit entrissen. Und er war es, der dafür Sorge trug, dass nun Händels Oratorien in Deutschland aufgeführt wurden. Einige Oratorien Händels richtete Mendelssohn eigenhändig für den praktischen Gebrauch ein. Georg Gottfried Gervinus (1805–1871) übersetzte die englischen Texte von sämtlichen Oratorien Händels, die so überhaupt zum Standardrepertoire der deutschen Chorvereinigungen werden konnten. Und Johannes Brahms (1833–1897) verfasste für die erste deutsche Händel-Gesamtausgabe Klavierstimmen (Generalbass-Aussetzungen) zu den Duetti e Terzetti.

Seit 1914 überzog der Antisemitismus in Deutschland das Werk Händels, indem seine Oratorien arisiert werden: Israel in Egypt wird in Mongolensturm umbenannt und Judas Maccabaeus, zunächst in Der Feldherr umfirmiert, kommt von 1933–1945 nur noch unter dem Titel Wilhelm von Nassau zur Aufführung.

Andererseits war es Deutschland vorbehalten, Händels völlig vergessene Opern wiederzubeleben. Ab 1920 brachte der Kunsthistoriker Oskar Hagen mehrere davon in Göttingen auf die Bühne. Seine deutschen Fassungen verbreiteten sich schnell an den Theatern des ganzen Landes.

Gegenwärtig wird Händels Tonschaffen in Deutschland neben Konzerten und Theateraufführungen bei drei Festspielen gepflegt: die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen, (die aus Oskar Hagens Opernaufführungen der 1920er entstanden), dann die 1952 in Händels Geburtsstadt vom GMD Horst- Tanu Margraf initiierten Händel-Festspiele Halle und die Karlsruher Händel-Festspiele, die seit 1985 vom Badischen Staatstheater in enger Zusammenarbeit mit der Händel-Gesellschaft und der Int. Händel-Akademie veranstaltet werden.

Händel stellt jeden Herausgeber vor besondere Schwierigkeiten. Seine Änderungen, Ergänzungen und Anpassungen an veränderte Aufführungsbedingungen führen dazu, dass es für fast jedes Werk eine Vielzahl von möglichen Varianten gibt. Die Hallische Händel-Ausgabe hat sich zum Ziel gesetzt, alle Fassungen eines Werkes zu rekonstruieren. Eine Fassung letzter Hand gibt es nicht. So besteht für den Interpreten die Möglichkeit, zwischen den verschiedenen Fassungen zu wählen. Für die Kammermusik gibt es das Problem, dass mehrere Veröffentlichungen nicht von Händel autorisiert waren und teilweise vom Verleger selbst zusammengestellt und um unechte Werke ergänzt wurden. Inzwischen sind die unechten Werke jedoch identifiziert und der Befund in modernen Ausgaben erklärt.

Der erste Versuch einer Gesamtausgabe von Händels Werken erfolgte zwischen 1787 und 1797 durch Samuel Arnold in London, wurde aber wegen abspringender und verstorbener Subskribenten vorzeitig abgebrochen, so dass fast alle Opern und ein Großteil der vokalen Kammermusik fehlen. Eine von der English Handel Society zwischen 1843 und 1858 betriebene Ausgabe auf der Basis von Autographen brach nach kaum mehr als zwölf größeren Chorwerken ab.

Als Pionierleistung muss die Gesamtausgabe in 94 Bänden gelten, die Friedrich Chrysander – anfangs unter dem Dach der von ihm mitgegründeten Deutschen Händel-Gesellschaft in Leipzig – ab 1858 herausgab. Chrysander griff dafür auf Händels Dirigierpartituren und teilweise auf Autographen zurück. Dazu kamen sechs Ergänzungsbände mit Kompositionen anderer Komponisten, deren Materialien Händel verwendete. Nur ein Band der Gesamtausgabe und zwei Ergänzungsbände wurden 1902 von Max Seiffert hinzugefügt, ein weiterer (Nr. 49) erschien nie.

1955 begann die Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft in Halle mit einer Ausgabe für den praktischen Gebrauch, die die Chrysander-Ausgabe ergänzen sollte. Man stellte bald fest, dass diese den modernen musikwissenschaftlichen Ansprüchen nicht mehr genügte, da Varianten und Begründungen der Editionsentscheidungen fehlten; so dass man 1958 beschloss, eine neue Gesamtausgabe mit kritischem Bericht zu erarbeiten – die Hallische Händel-Ausgabe (HHA). Die Arbeit soll bis 2023 abgeschlossen sein. Im Rahmen der HHA erschien 1978 im Händel-Handbuch das von Bernd Baselt erarbeitete Händel-Werke-Verzeichnis (HWV).

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Source : Wikipedia