Fuerteventura

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Geschrieben von daneel 09/04/2009 @ 00:12

Tags : fuerteventura, kanarische inseln, spanien, europa, ausland

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Fuerteventura

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Fuerteventura (spanisch: großes Glück) ist eine der Kanarischen Inseln im Atlantischen Ozean, rund 120 Kilometer westlich der marokkanischen Küste. Mit einer Fläche von 1.659,74 Quadratkilometern hat die Insel einen Anteil von 22,15 Prozent an der gesamten Landfläche der Kanaren, damit ist sie nach Teneriffa die zweitgrößte Insel des Archipels. Fuerteventura hat 94.386 Einwohner (Stand 1. Januar 2007). Die Hauptstadt ist Puerto del Rosario, wo sich auch der Inselflughafen befindet. Die Landessprache ist Spanisch. Fuerteventura bildet mit der nördlich gelegenen Insel Lanzarote die östliche Grenze der Kanaren. Die Kanaren gehören zum Hoheitsgebiet Spaniens, genießen aber einen Sonderstatus als Autonome Gemeinschaft mit eigenem Parlament und Präsidenten (Paulino Rivero Baute, seit Juli 2007). Fuerteventura gehört mit Lanzarote und Gran Canaria zur spanischen Provinz Las Palmas.

Die Bevölkerungszahl hat sich von 1996 bis 2006 um 146,82 Prozent gesteigert. Im Dezember 2006 zählte die Insel 105.980 Einwohner. Davon sind knapp ein Drittel, nämlich 29,20 Prozent, Ausländer.

Fuerteventura ist die älteste Insel der Kanaren; sie entstand vor etwa 20,6 Millionen Jahren und ist vulkanischen Ursprungs. Die Entstehungsgeschichte im Allgemeinen ist im Kapitel Kanarische Inseln ausführlich beschrieben. Der Großteil der Inselmasse entstand vor ca. 5 Millionen Jahren und ist seitdem durch Wind und Wetter stark erodiert. Die letzten vulkanischen Aktivitäten auf Fuerteventura erloschen vor 4.000 bis 5.000 Jahren. Der höchste Punkt auf Fuerteventura ist der Berg Pico de la Zarza (807 m), auch Pico de Jandía genannt, auf der gleichnamigen Halbinsel.

Im Nordosten der Insel findet man (bei Corralejo) große Sanddünenbereiche (Wanderdünen), die die Nähe der kanarischen Inseln zu Nordafrika sehr anschaulich werden lassen. (Parque Natural de las Dunas de Corralejo) Der Sand besteht aber zu großen Teilen aus zerriebenen Meerestiergehäusen (Muscheln, Schneckenhäuser) und die Bewohner legen großen Wert darauf, über mehr eigenen als Saharasand zu verfügen. An manchen Stellen findet man auch Kalkformationen vom ehemaligen Meeresboden, die ebenso wie die schwarzen Vulkanreste stark erodieren und ihren Teil zum meist gesprenkelten Sand beitragen.

Die Insel erreicht zwischen der Nord- und Südwestspitze eine Länge von knapp 100 Kilometern und misst an der breitesten Stelle 31 Kilometer. Der Istmo de la Pared ist mit fünf Kilometer Breite die schmalste Stelle Fuerteventuras und gliedert die Insel in zwei Teile: den nördlichen Teil Maxorata, nach dem auch die ursprünglichen Inselbewohner Majoreros benannt sind, und die südliche Halbinsel Jandía. Die Inselfläche von knapp 1.700 Quadratkilometern ist, im Vergleich zu anderen Kanarischen Inseln, mit 54 Einwohnern pro km² nur sehr dünn besiedelt - Tendenz stark steigend sowohl bei Einwanderern als auch bei Touristen. Es gibt bereits Proteststimmen, die mit hochgerechneten Bettenzahlen künftiger Jahre eine Gegenbewegung einleiten wollen.

Das Klima ist das ganze Jahr über angenehm, was den Kanarischen Inseln den Beinamen „Inseln des ewigen Frühlings“ eingebracht hat. Das Meer gleicht die Temperaturen aus und die Passatwinde halten die heißen Luftmassen aus der nahen Sahara weitgehend fern (gelegentlich zeigt sich der Scirocco). Fuerteventura ist mit 147 mm pro Jahr im Kanarenvergleich sehr niederschlagsarm. Die Wolken ziehen darüber hinweg, weil die Berge zu niedrig sind. Verstärkt durch die Sünden der Vergangenheit (Brennholzgewinnung, Haltung freilaufender Ziegen) wirkt sich dies in jüngster Zeit besonders auf die Landwirtschaft aus - der Tomatenanbau wurde aufgegeben, nur Aloe Vera wird noch angebaut. Man spricht von Halbwüste mit Tendenz zur Wüste. Die Palmen und anderen Gewächse, die man auf Postkarten sieht, werden fast ausschließlich künstlich aus den Abwässern der Hotels bewässert. Die teilweise sehr starken Regenfälle in den Wintermonaten fließen, begünstigt durch die fehlende Vegetation, größtenteils ungenutzt und ungebremst ins Meer ab. Die Erosion ist erschreckend hoch. Speicherbecken füllen sich immer wieder mit Material auf, müssen ausgebaggert oder neu angelegt werden. Ein besonderes Wetterphänomen ist der Scirocco, in Spanien auch Leveche genannt, ein heißer Südostwind aus der Sahara. Während des Scirocco steigt die Temperatur manchmal sprunghaft um 10 °C und die Luft wird extrem trocken. Der Wind bringt neben feinem Sand, der den Himmel verdunkelt und die Sicht auf 100 bis 200 Meter senkt, auch afrikanische Wanderheuschrecken sowie andere Insekten mit sich.

Die Kanaren, auch Fuerteventura, wurden von Ureinwohnern, den Guanchen, bewohnt. Als Herkunft vermutet man nordafrikanische Berberstämme, welche ab etwa 3000 v. Chr. die Inseln besiedelten. Ab dem 30. Jahrhundert v. Chr. findet eine erste Besiedlung der Kanaren in mindestens zwei Wellen statt. Um das 11. Jahrhundert v. Chr. besuchen wahrscheinlich phönizische Seefahrer Fuerteventura und Lanzarote, eindeutig belegt ist dies jedoch nicht. Um 850 v. Chr. beschreibt der griechische Dichter Homer in der Odyssee die Kanaren als „Die Inseln der Glückseligen“. Quer über die Landenge der Insel, welche den nördlichen Teil vom Südlichen trennte, soll es bis zur Ankunft der Spanier im 15. Jahrhundert einen Steinwall gegeben haben. Er grenzte die zwei Königreiche der Insel in das nördliche Maxorata mit König Guize und das südliche Gandía (heute Jandía) mit König Ayoze ab. Beim Durchwandern der Landenge von Jandía kann man unterhalb des Windparkes von Costa Calma auf Reste einer dicken, etwa drei Meter hohen Mauer treffen. Ob es der echte Wall der Legende ist, ist fraglich.

1312 landete Lancelotto Malocello auf Lanzarote. Aufgrund seiner fantastischen Berichte brachen 1340 Spanier und Portugiesen mit Expeditionen in Richtung Kanaren auf. Die Inseln wurden von europäischen Goldsuchern, Händlern und Sklavenjägern heimgesucht.

1402 startete der Normanne Jean de Béthencourt seine Expedition von Lanzarote aus, das er vorher unterworfen hatte. Im Januar 1405 ließ sich König Guize mit seinen Gefolgsleuten taufen. Einen Tag später folgte auch König Ayoze mit vielen seiner Einwohner. Die Könige verblieben auf der Insel und bekamen sogar Ländereien zurück. Betancuria wurde als Hauptstadt gegründet. 1412 legte Béthencourt den Lehnseid vor dem spanischen König ab. 1424 wurde Fuerteventura aus politischen Gründen Bistum. Der Bischof trat sein Amt aber nie vor Ort an. 1430 wurde die Ernennung zum Bistum für ungültig erklärt und Guillén de las Casas erwarb den Besitzanspruch auf die Insel. 1441 kam der Franziskanermönch Didakus auf die Insel und gründete das Kloster Fortaventure. Er gilt als Missionar der Guanchen. 1456 ging der Besitz des Guillén auf dessen Erben, Diego García de Herrera, über. Herrera und seine Nachfolger herrschten als Señores über die Insel und erschlossen sie systematisch. Wichtige Einnahmequelle des Herrera-Clans war die Sklavenjagd an der nordafrikanischen Küste.

1708 war die Gründung einer Militärherrschaft (die Coroneles, die Obersten) mit Sitz in La Oliva. 1740 landeten englische Korsaren bei Gran Tarajal und wollten die Insel unterwerfen, sie wurden jedoch in zwei Schlachten bei Tuineje besiegt. Während des 17. und 18. Jahrhunderts kam es immer wieder zu Überfällen von Freibeutern.

1834 wurde Antigua neue Hauptstadt, 1835 wurde der Verwaltungssitz nach Puerto de Cabras (heute: Puerto del Rosario) verlegt. 1836 wurde die Feudalherrschaft der Señores abgeschafft. 1852 wurden die Kanarischen Inseln von Isabella II. zur Freihandelszone erklärt. Die Militärherrschaft über die Insel wurde 1859 aufgelöst und Puerto de Cabras wurde 1860 schließlich die neue und jetzige Hauptstadt der Insel.

1912 wurden den Kanaren die Selbstverwaltungsrechte (Cabildo Insular) zugestanden. Fuerteventura und Lanzarote wurden 1927 Teil der Provinz Las Palmas. 1966 kamen die ersten Urlauber auf die Insel. 1975 wurden etwa 4.500 spanische Fremdenlegionäre nach Puerto del Rosario verlegt. In den darauf folgenden Jahren führten die Legionäre ein Schreckensregime, bei dem ein Bürgermeister und der Inselpräsident ermordet werden. 1982 bekamen die Kanarischen Inseln einen eigenen Autonomiestatus. 1986 trat Spanien der EG bei, die Kanaren behalten ihren Sonderstatus. Der Fremdenverkehr wurde 1990 zur wichtigsten Einnahmequelle der Insel; die Bautätigkeiten erreichten ihren Höhepunkt. Die Fremdenlegion wurde 1996 wieder von Fuerteventura abgezogen.

Der Hauptwirtschaftszweig ist der Tourismus. Von sanftem, naturnahem Tourismus im Inselinneren bis hin zu lauten und stark frequentierten Hotelketten für Massentourismus im Küstenbereich findet man alles. Viele Sportarten werden angeboten - vor allem Wassersport: Segeln, Surfen, Schwimmen, Wasserski, Jetski, Tauchen und mit Einschränkungen auch Wandern und (Kamel-)Reiten sind beliebt. Beim Wandern unterschätzt man im heißen Ödland leicht die Entfernungen und den Bedarf an Trinkwasser. Leichter ist es die Insel mit dem Fahrrad zu erkunden, am besten mit geführten Fahrradtouren. Fahrräder und Tourenvorschläge sind bequem vor Ort bei Verleihstationen zu bekommen. Bauern bieten regionale Produkte an und partizipieren damit geringfügig am Tourismus. Wenn sie aber nicht gerade im Besitz küstennaher Weideflächen sind, geht der Fortschritt am Großteil der alteingesessenen Bevölkerung vorbei oder schadet sogar den traditionellen Großfamilien durch Abwanderung der Jugend in die Touristenorte und das besonders bei Immobilien gestiegene Preisniveau. Vorteile sind in der verbesserten Infrastruktur zu sehen. Die Arbeitslosigkeit ist relativ niedrig, die meisten spanischen Servicekräfte kommen jedoch vom Festland und sprechen verschiedene Dialekte. Regionale Produkte sind vor allem Ziegenkäse und Meersalz, Kanarische Kartoffeln (Papas Arrugadas) und Kanarische Tomaten (rückläufig). In Tiscamanita (Gemeinde Tuineje) wird seit längerer Zeit die Heilpflanze Aloe Vera gezüchtet, angebaut und exportiert. Dieses einheimische Bioprodukt ist allerdings durch Markenpiraterie und Billigimporte bedroht.

Die Insel, die hauptsächlich vom Tourismus lebt, und daher eine starke Anbindung an den internationalen Verkehr braucht, besitzt einen internationalen Flughafen mit Verbindungen in viele europäische Länder.

Der Seehafen in der Inselhauptstadt Puerto del Rosario ist der größte Umschlagsplatz der Insel. Am 22. September 2007 wurde er zum offiziellen Schengenhafen. Danach wurden Grenzkontrollen zur Aus- und Einreise aus und in die Europäische Union eingerichtet. Das hat Auswirkungen auf die Wirtschaft der Insel und auf einige Schifffahrtslinien. Unter anderen unterhält die Reederei Naviera Armas seit Anfang 2008 eine direkte Fährverbindung zum marokkanischen Hafen Tarfaya, die allerdings für unbestimmte Zeit unterbrochen wurde, als die Autofähre Assalama am 30. April 2008 vor Tarfaya sank. Weitere Häfen gibt es in Morro Jable, Corralejo und Gran Tarajal. Von Corralejo aus verkehrt stündlich eine Fähre nach Playa Blanca auf Lanzarote. Morro Jable hat eine Fährverbindung mit Las Palmas auf Gran Canaria. Die Fähre setzt einmal am Tag über und braucht etwa dreieinhalb Stunden. Der Hafen von Gran Tarajal, wie auch der Hafen von Morro Jable sind immer noch im Ausbau (Stand: 2007). Von Gran Tarajal aus wird es künftig auch eine direkte Verbindung nach Las Palmas geben.

Die eigentliche Attraktion Fuerteventuras sind wohl die weiten Strände entlang der Ostküste. Im Norden, nahe Corralejo, gibt es seit 1987 den unter Naturschutz stehenden Dünenpark, zu dem auch die vorgelagerte Insel Los Lobos gehört. Die konstanten Winde machen die Strände der Insel zu einem Paradies für Wassersportler. Wellenreiter kommen besonders an der Westküste auf ihre Kosten, Windsurfer sind im Norden bei Corralejo oder an der Ostküste (besonders am langen Strandabschnitt zwischen der Costa Calma und Jandía) gut aufgehoben. Hier hat sich gerade in den letzten Jahren auch das Kitesurfen etabliert. Teilweise ist der Strand hier in Abschnitte eingeteilt, die entweder nur für Windsurfer oder nur für Kitesurfer reserviert sind.

Der Westen der Insel besteht zu einem großen Teil aus sehenswerter Steilküste. Vom Baden sollte jedoch wegen der lebensgefährlichen, ablandigen Strömungen abgesehen werden.

Wer mit einem Auto unterwegs ist, sollte nicht auslassen, die Berge zu durchfahren. Die raue und kahle Landschaft der Berge besitzt einen ganz eigenen Charme. Öfters trifft man am Straßenrand auf Erdhörnchen, die sich flink durch die Steine bewegen und von Fall zu Fall an Menschen gewöhnt sind. (Atlantoxerus getulus, die 1965 aus Nordafrika ausgesetzt wurden und sich schlagartig vermehren und teilweise schwere Schäden an der Vegetation anrichten). Außerdem kann man mit etwas Glück auf den Nordafrikanischen Igel (Erinaceus algirus, der als Insektentilger geschätzt wird), Fledermäuse und eine Spitzmausart (Crocidura canariensis) sowie Kaninchen (Jagdwild) treffen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit im nordwestlichen Inselinneren ist das Ecomuseo de Algocida in Tefia. Mit Mitteln der Europäischen Union wurden hier in den letzten Jahren mehrere verfallene Bauernhöfe restauriert, und es wird die Handwerkskunst und Lebensweise der Bevölkerung Fuerteventuras vor der Zeit des Tourismus gezeigt. Zu sehen sind Steinmetze, Bäcker, Stellmacher, Stickerinnen uvm.

Bei Cofete auf der Halbinsel Jandía befindet sich die Villa Winter, eine nach dem ehemaligen Eigentümer benannte, verlassene und stark bewachte „Villa“ mit undurchsichtiger Vergangenheit.

Im Municipio findet man La Montaña Tindaya, den Tindayaberg. Er wird auch als heiliger Berg bezeichnet. Vor nicht allzu langer Zeit wurden dort bedeutende Überreste der Ureinwohner gefunden. Der Berg liegt in der gleichnamigen Gemeinde.

Miguel de Unamuno, ein baskischer Philosoph, lebte 1924 einige Monate auf der Insel als politisch Verbannter. Von ihm stammt die Zeile "Fuerteventura ist eine Oase in der Wüste der Zivilisation". Seit einigen Jahren steht ihm zu Ehren ein Denkmal am Fuß der Montaña Quemada, nahe Tefía.

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Kanarische Inseln

Karte

Die Kanarischen Inseln (spanisch: Islas Canarias) sind eine Inselgruppe im östlichen Zentralatlantik, etwa 100 bis 500 Kilometer westlich des südlichen Marokko gelegen. Sie bilden eine der 17 Autonomen Gemeinschaften Spaniens. Die Gesamtfläche des Archipels beträgt 7.446,95 km².

Die Kanarischen Inseln liegen im Atlantik in einer geographischen Region, die als Makaronesien bezeichnet wird. Dazu zählen auch die Kapverden, die Azoren, das Madeira-Archipel und die Ilhas Selvagens. Zwischen rund 27° 38' und 29° 30' nördlicher Breite und 13° 22' und 18° 11' westlicher Länge befinden sich die Kanaren zwischen 1.028 und 1.483 Kilometer vom Mutterland Spanien (Kap Trafalgar) entfernt, auf gleicher Höhe mit beispielsweise der Sahara, Kuwait und Florida. Es gilt, im Gegensatz zum spanischen Festland, die Westeuropäische Zeit.

Einige kleinere unbewohnte Felsinseln sind Anaga, Salmor und Garachico. Der höchste Berg der Kanarischen Inseln ist der 3.718 Meter hohe Pico del Teide. Er liegt auf der Insel Teneriffa und ist gleichzeitig Spaniens höchste Erhebung.

Geologisch sind die Inseln mit einem Alter von etwa 20,6 Millionen Jahren noch jung. Die östlichen Inseln Lanzarote, Fuerteventura und Lobos sind die ältesten. Auch La Gomera entstand schon vor etwa 12 Millionen Jahren. El Hierro und La Palma sind mit etwa 2 bis 3 Millionen Jahren die jüngsten Inseln des Archipels. Lanzarote und Fuerteventura haben als Ausnahme nahezu die gleiche geologische Geschichte durchlaufen. Jede andere Insel weist eine individuelle Entstehungsgeschichte auf.

Alle Inseln sind vulkanischen Ursprungs. Vor etwa 36 Millionen Jahren begann mit ersten unterseeischen Ausbrüchen die Anhäufung eruptiven Materials. Grund ist hier die Kontinentaldrift der beiden tektonischen Platten des Atlantiks und Afrikas in östlicher Richtung. Letztere bewegt sich mit 1,9 cm pro Jahr langsamer als die des Atlantiks. Beide tektonischen Platten schwimmen auf heißem Magma, der so genannte Hotspot-Vulkanismus, und reiben dabei aneinander. So ist die Erdkruste westlich des nordafrikanischen Kontinents relativ dünn und der Meeresgrund brüchig und instabil. Durch enormen Druck können Stauchungen und damit Risse in der Erdkruste entstehen. Hier kann Magma an die Oberfläche treten und sich anhäufen. Stauchungen der beiden Platten führen zur Anhebung von unterseeischen Gebirgen, deren Spitzen als Inseln an die Meeresoberfläche treten. Die Entstehung der Kanaren scheint also mit der Öffnung des Atlantiks in Verbindung zu stehen. Es wird angenommen, dass nur etwa fünf Prozent des kanarischen Gebirges aus dem Wasser ragen. Die vulkanischen Aktivitäten halten mit großen Ausbrüchen im 18. Jahrhundert auf Lanzarote und dem letzten Ausbruch auf La Palma 1971 bis in die heutige Zeit an.

Die Inselgruppe der Kanaren befindet sich im Atlantischen Ozean am Ostrand des Kanarischen Beckens, welches bis in 6.501 Meter Tiefe abfällt. Dieses Becken besteht aus dem kleineren Nordbecken und dem größeren Südbecken, welche durch die Kanarenschwelle getrennt sind, an deren östlichem Ende sich die Kanaren erheben. Die Grenzen des gesamten Beckens bilden im Norden die Azorenschwelle, im Süden die Kapverdenschwelle und im Westen der Nordatlantische Rücken.

Das mediterran-subtropische Klima der Kanaren ist aufgrund seiner Nähe zum nördlichen Wendekreis zwischen dem 27. und 29. Breitengrad das ganze Jahr über angenehm, was dem Archipel den Beinamen Inseln des ewigen Frühlings eingebracht hat. Der gleich bleibend kühle Kanarenstrom, ein Teil des Golfstroms, gleicht die Temperaturen aus, und die Passatwinde halten die heißen Luftmassen aus der nahen Sahara meist fern. Eine Ausnahme bildet die mit Calima bezeichnete Wetterlage, die bei Ostwind trockene, warme Luft mit feinem Saharastaub auf die Inseln bringt. Grundsätzlich kann man zwischen einer Trockenzeit im Sommer und einer regenreicheren Zeit im Winter trennen. In den Küstenregionen liegen die Durchschnittstemperaturen im Sommer kaum höher als 25 °C, im Winter um 17 °C.

Hinzu kommt eine wesentliche Abhängigkeit des Klimas von der Topografie der Inseln. Der Nordostpassat hat dabei wesentlichen Einfluss auf die hohen westlichen Inseln, deren Nordosten durch starke Wolkenbildung an den Gebirgen deutlich feuchter und kühler ist als deren Süden. Da auf diesen Inseln die Höhenunterschiede im Vergleich zur Fläche sehr groß sind, gibt es deutlich zu differenzierende vertikale Klimazonen. Diese reichen von den trocken-heißen Küstenregionen über die feucht-kühle und deshalb oft bewaldete Zone, bis hin zu kühl-trockenen Zonen mit teilweisem Hochgebirgsklima. Wenig Einfluss hat der Passat auf die flachen östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura, auf denen durchweg ein arides Klima herrscht. Außerdem existieren auf allen Inseln in Bereichen tiefer Schluchten und hoher Felswände Mikroklimata mit großer Pflanzenvielfalt.

Die Flora der Kanarischen Inseln zeichnet sich durch eine hohe Artenvielfalt, als auch durch einen hohen Anteil an endemischen Pflanzenarten, aus. Nach aktuellen Schätzungen gibt es auf den Kanaren rund 2.000 Pflanzenarten, von denen 514 kanarische Endemiten sind, wovon wiederum 57 Prozent ausschließlich auf einer der Inseln vorkommen. Auf dem Archipel ist die Pflanzenwelt stark von der Höhenlage, der Regenmenge und der Bodenbeschaffenheit abhängig. Sie ist daher von Insel zu Insel äußerst unterschiedlich. In der Vegetationskunde werden die Kanaren zusammen mit Madeira der Makaronesischen Region zugerechnet. Ganz allgemein betrachtet bestehen heute zur nordafrikanischen und mediterranen Flora enge verwandtschaftliche Beziehungen.

Die Tierwelt wird auf den Kanaren hauptsächlich von Reptilien und Vögeln bestimmt.

Bei den Reptilien trifft man am häufigsten auf die Kleine Kanareneidechse (Gallotia caesaris) mit einer Länge bis zu 35 cm. Eine Besonderheit auf El Hierro ist die unter Naturschutz stehende Population der größten Echsenart des Archipels, der Gallotia simonyi machadori (spanisch: Lagarto gigante) mit einer Länge von bis zu 75 cm. Sie ist eine Unterart der größten urzeitlichen Eidechsenart Gallotia simonyi simonyi des Archipels, welche ausgestorben ist. Des Weiteren lebt auf der Inselgruppe der Kanaren-Skink und der Kanaren-Gecko. Schlangen hingegen existieren auf den Inseln nicht. Das größte Reptil der Kanaren ist die in Küstennähe lebende Meeresschildkröte (Caretta). Überhaupt ist die Meeresfauna artenreich. Erwähnenswert sind unter anderem einige Rochenarten, Engelshaie, Schwertfische, große Thunfische, Brassen, Papageifische, Zacken- und Ziegenbarsche, Flügelbutts und Pollacks. Zudem konnten bisher 28 Wal- und Delfinarten im Archipel nachgewiesen werden.

Die größte Vielfalt präsentieren jedoch die Vögel, von denen es viele endemische Arten gibt. Dazu zählen der Kanarische Buntspecht und die Kanarische Waldohreule, sowie endemische Arten des Rotkehlchens und des Blaufinken. Zur weiteren Vogelwelt des Archipels zählen unter anderem Amseln, Zaunkönige, Stieglitze, Finken, Meisen, Kolkraben, diverse Krähenarten wie beispielsweise die palmerische Graja, Falken, Schleiereulen, Wachteln, Rebhühner, Sturmtaucher und natürlich unzählige Möwen. Als Symbol der Kanarischen Vogelwelt gilt der Kanarienvogel (Serinus canarius). Der vom Aussterben bedrohte Fischadler ist manchmal an steilen Küsten auszumachen. Außerdem werden die Inseln von vielen Zugvögeln aufgesucht.

Mit mehreren tausend Arten ist die Insektenwelt vertreten. Dazu gehören zahlreiche Schmetterlinge mit endemischen Arten wie der Kanaren-Weißling (Pieris cheiranthi), der Kanarische Admiral (Vanessa vulcania) und das Kanaren-Waldbrettspiel (Pararge xiphioides). Häufig anzutreffen sind Libellen. Auch Heuschrecken sind häufig. Lästig werden konnten aus Afrika kommende gefräßige Heuschreckenschwärme bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Heute werden diese schon draußen auf dem Meer mit Insektiziden so traktiert, dass es diese Bedrohung praktisch nicht mehr gibt.

Bis ins 15. Jahrhundert war der Archipel von den Guanchen bewohnt. Durch die spanische Eroberung wurde zwar deren Kultur nahezu vernichtet, jedoch vermischten sich viele dieser Ureinwohner mit den neuen Siedlern, einige bekamen sogar Ländereien zurück. Deshalb hat noch heute eine nicht gerade geringe, aber dennoch nicht zu beziffernde Anzahl der Einheimischen guanchische Vorfahren. Den größten Teil der heutigen Bevölkerung bilden Spanier.

Das starke Bevölkerungswachstum resultiert hauptsächlich aus Einwanderungen, angeführt von Bürgern aus der Europäischen Union (ohne Spanien: 129.039) und den Ländern Lateinamerikas (77.502). Insgesamt lebten im Jahr 2007 (Stand: 1. Januar) 250.736 behördlich registrierte Bürger ohne spanische Staatsangehörigkeit auf den Kanaren, das entspricht einem Anteil von 12,36 %. Der größte Teil davon (114.500) lebt auf Teneriffa und Gran Canaria (64.662). Hinzu kommen noch 25.928 Bürger aus anderen Autonomen Gemeinschaften Spaniens (Stand: 2006).

Die Diözese der Kanarischen Inseln (Diócesis de Canarias) erstreckt sich exakt über die Provinz Las Palmas und ist damit für die östlichen Inseln Lanzarote, Fuerteventura und Gran Canaria zuständig. Am 26. November 2005 ernannte Papst Benedikt XVI. Francisco Cases Andreu zum neuen Bischof der Diözese der Kanarischen Inseln. Er wurde der Nachfolger des am selben Tag aus Altersgründen zurückgetretenen Bischofs Ramón Echarren Ystúriz.

Sitz des Bischofs ist der Bischofspalast (Palacio Episcopal) am Plaza de Santa Ana, gegenüber der fünfschiffigen Kathedrale Santa Ana im historischen Stadtteil Vegueta in Las Palmas de Gran Canaria. Den Grundstein der Kathedrale legte man bereits im Jahre 1497. 1570 wurde sie erstmals bezogen. Da sich der Bau der Kathedrale über Jahrhunderte hinzog, sind hier erst gotische Stile nach Plänen von Diego Alonso de Montaude, später barocke und zuletzt neoklassizistische Stile eingeflossen. In einem Seitenschiff der Kathedrale befindet sich ein Diözesanmuseum (Museo Diocesano de Arte Sacro), welches unter anderem ein Porträt des Bischofs Codina Augerolas aus dem 19. Jahrhundert beherbergt.

Die Diözese San Cristóbal de La Laguna (Diócesis Nivariense oder Diócesis de Tenerife) wurde am 1. Februar 1819 mit Hilfe von Papst Pius VII. gegründet und ist mit dem Gebiet der Provinz Santa Cruz de Tenerife deckungsgleich. Sie hat ihren Sitz in San Cristóbal de La Laguna auf Teneriffa und ist für die westlichen Inseln Teneriffa, La Palma, La Gomera und El Hierro zuständig. Der Wohnsitz des derzeit zwölften Bischofs der Diözese, Bernardo Álvarez Afonso, und Sitz des Ordinariates war der Palacio Salazar. Nachdem das Gebäude durch einen Brand am 23. Januar 2006 zerstört wurde, wird derzeit (Stand: April 2008) die Casa Anchieta an der Plaza del Adelantado als Bischofssitz sowie die Kirche Nuestra Señora de la Concepción als Bischofskirche genutzt. Die Kathedrale war vor der Aufteilung des Archipels auf zwei Diözesen die Gemeindekirche Nuestra Señora de Los Remedios, welche seit einigen Jahren renoviert wird.

Die offizielle Landessprache auf den Kanarischen Inseln ist heute Spanisch. Der kanarische Dialekt des Spanischen ist vergleichbar mit dem, wie er in Kuba (→ Kubanisches Spanisch) und Puerto Rico gesprochen wird. Typische Besonderheiten sind das häufige Fehlen des Buchstabens s in der Aussprache und der Ersatz der 2. Person Plural durch die 3. Person Plural. Auch viele Worte unterscheiden sich von denen auf dem Festland (Beispiel: guagua statt autobús).

Der Dialekt hatte großen Einfluss auf das in Lateinamerika gesprochene Spanisch, da ein großer Teil der ersten Siedler dort von den Kanarischen Inseln stammte.

Historisch gesehen ist der kanarische Dialekt wahrscheinlich aus einer Fusion des Portugiesischen mit dem Spanischen entstanden (→ Portuñol), da ein Großteil der ersten Siedler nach der spanischen Eroberung im 15. Jahrhundert aus den beiden Ländern kam. Die ursprünglich portugiesischen Begriffe werden jedoch nach und nach ungebräuchlicher und durch ihre spanischen Entsprechungen ersetzt.

Vor der spanischen Eroberung wurde von den Guanchen das Guanche gesprochen. Es existierte auch eine Schrift. Durch die Ausrottung derer Kultur sind nur noch wenige Sprachstücke überliefert, die aber teilweise noch gebräuchlich sind.

Die Inseln werden in den letzten Jahren vermehrt von Flüchtlingen aus Afrika unter sehr schwierigen Bedingungen, nämlich der Überquerung des Kanarenstroms als Teil des Golfstroms, mit kleinen Booten angesteuert. Bisheriges Rekordjahr war 2002 mit 9.929 Flüchtlingen, 2005 waren es noch nach Angaben des spanischen Innenministeriums 4.751. 2006 gab es einen Anstieg auf etwa 31.000 Migranten, wobei im September erstmals auch asiatische Flüchtlinge aufgegriffen wurden. Dieser enorme Aufwärtstrend setzte sich mit etwa 4.500 Einwanderern im ersten Halbjahr 2007 nicht fort. Die trotzdem hohe Zahl wird mit der verstärkten Bewachung der Straße von Gibraltar und der Ausstellung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen für illegale Einwanderer seitens der spanischen Regierung in der Vergangenheit in Verbindung gebracht. Von denen, die im Jahre 2006 die Kanaren erreicht haben, konnten nur knapp 10 Prozent in ihre Heimat zurückgebracht werden. Gründe sind das Schweigen der Flüchtlinge zu ihrer Herkunft, sowie noch nicht existierende Rückführungsabkommen mit den afrikanischen Ländern. Im November 2006 fand erstmals die „EU-Afrika-Konferenz für Migration und Entwicklung“ statt, die sich ebenfalls mit dem Problem der illegalen Einwanderung beschäftigte. Der Einsatz der Frontex soll nach Verdoppelung der EU-Gelder ab 2008 permanenten Charakter bekommen. Die Grenzkontrollmission versucht, mit Hilfe verschiedener europäischer Patrouillenboote, unterstützt von Aufklärungsflugzeugen, das Ablegen von Flüchtlingsbooten an der afrikanischen, insbesondere der senegalesischen Küste, von der etwa die Hälfte aller Flüchtlingstransporte starten, zu verhindern. Es gibt eine Schätzung der Guardia Civil, dass zwischen dem 1. Januar 2006 und dem 21. August 2007 mindestens 1.260 Bootsflüchtlinge bei der Überfahrt von Afrika auf die Kanaren ums Leben gekommen seien. Andere vermuten eine mehrfach höhere Opferzahl.

Die erste Besiedelung der Kanaren ist zeitlich nicht bekannt. Es gibt viele Vermutungen und Hinweise, dass es sich um Berberstämme aus Nordafrika handeln könnte. Die belegbare Geschichte der Kanarischen Inseln beginnt erst mit der Eroberung des Archipels durch den Normannen Jean de Béthencourt und seinem Gefolgsmann Gadifer de la Salle Anfang des 15. Jahrhunderts. Béthencourt wurde vom kastilischen König Heinrich III. unter dem Deckmantel christlicher Mission, aber doch eher aus wirtschaftlichem Interesse, auf die Kanaren geschickt. Die Eroberung aller Inseln erstreckte sich jedoch über fast ein Jahrhundert, von der ersten Ankunft Béthencourts 1402 auf Lanzarote, bis zur Unterwerfung der letzten Insel Teneriffa durch Alonso Fernández de Lugo 1496. Während dieser Zeit ging die bis dahin noch steinzeitliche Kultur der Guanchen, der Ureinwohner der Inselgruppe, nahezu verloren, einerseits durch massive Unterdrückung der Eroberer, andererseits durch Interesse der Altkanarier an mitgebrachten Neuerungen. Seit dem Ende der Eroberungszüge 1496 gehören die Kanaren zu Spanien.

Die neuen Herren über die Inseln verschrieben sich fortan der Umsiedlung der Altkanarier innerhalb des Archipels, verkauften sie als Sklaven aufs Festland und setzten die Bewohner einem verstärkten Assimilationsdruck aus. Im Zuge dieser Politik übernahm die einheimische Bevölkerung weitgehend die fremde Kultur und Sprache, so dass sie bereits 1514 den Spaniern rechtlich gleichgestellt werden konnte. Sie wurde Teil des etablierten Feudalsystems. Das 16. Jahrhundert zeichnete sich durch eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft aus, vor allem durch die Anpflanzung von Zuckerrohr. Die Zuckerindustrie geriet allmählich in eine Krise und man begann auf eingeführte Nutzpflanzen wie Kartoffeln und Mais umzuschwenken.

Im 19. Jahrhundert öffneten sich die Inseln und schlossen einen Kompensationshandel mit Frankreich und England ab, bei dem sie vor allem den roten Cochenille-Farbstoff exportierten. 1852 wurde der Archipel zur Freihandelszone erklärt.

Nach dem Tod der spanischen Diktators Francos 1975 wurden die Kanaren mit Spanien eine parlamentarische Demokratie. 1982 wurden die Kanarischen Inseln autonom. 1986 erfolgte mit Spanien der Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft.

Der Sitz des Parlamentes der Kanaren ist Santa Cruz, der Sitz des Präsidenten jedoch wechselt alle vier Jahre zwischen Gran Canaria und Teneriffa. Die Kanaren sind mit 14 Abgeordneten im Senat der Cortes Generales, des spanischen Parlamentes, vertreten. Sie setzen sich aus drei sogenannten indirekten, also durch das kanarische Parlament gewählten Senatoren zusammen, die sich aus einem für die Autonome Gemeinschaft und aus je einem pro eine Million Einwohner zusammensetzen. Die 2-Millionen-Einwohner-Marke wurde 2007 überschritten. Darüber hinaus werden auf Teneriffa drei, auf Gran Canaria drei, und auf den anderen fünf Inseln je ein Senator direkt vom Volk gewählt.

Die lokalen Verwaltungsbehörden sind die eigenen Cabildos Insulares jeder der sieben Inseln, deren Zusammenschluss heißt Mancomunidad de Cabildos. Die Cabildos Insulares sind wiederum in Gemeinden mit je einem Rathaus (ayuntamiento) unterteilt. Eine Legislaturperiode dauert vier Jahre.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der kanarischen Wirtschaft betrug im Jahr 2007 rund 42,4 Milliarden Euro. Rund 71 % davon wurden im Dienstleistungssektor (inklusive Tourismus) erwirtschaftet, gefolgt vom Baugewerbe (4,7 Milliarden), Industrie und Handel (1,7 Milliarden), Energie (1,1 Milliarden) sowie Landwirtschaft, Viehwirtschaft und Fischerei (0,5 Milliarden). Insgesamt wuchs das kanarische BIP von 2006 auf 2007 um 7,17 %.

Vor dem Aufkommen des Massentourismus in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts lebten die Kanarios vor allem von Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei. Dieser Wirtschaftszweig spielt heute, gemessen am BIP, eine vergleichsweise geringe Rolle.

Der Großteil der landwirtschaftlichen Produktion wird durch den Anbau von Bananen erzielt; weitere nennenswerte Erzeugnisse sind Tomaten, Gurken, Schnittblumen, Kartoffeln und Wein. Die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche im Jahr 2006 belief sich auf 51.867 Hektar.

Der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig ist der Tourismus, denn die Kanaren werden jährlich von mehr als neun Millionen ausländischen Gästen besucht. Die wichtigsten touristischen Zentren befinden sich auf Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote. Im Jahr 2007 wurden rund 14,2 Milliarden Euro, also 31,09 % des BIP in der Tourismusbranche umgesetzt (2006: 13,5 Milliarden). Die Zahl der Gäste ging von 2006 auf 2007 um 6,6 % auf rund 9,33 Millionen zurück. Die weitaus meisten Touristen kommen aus Großbritannien, gefolgt von Deutschen, Holländern und Iren; davon reisten 3.410.165 nach Teneriffa, 2.713.728 nach Gran Canaria, 1.471.979 nach Fuerteventura und 1.618.335 nach Lanzarote.

Die Industrie konzentriert sich hauptsächlich auf die Energie- und Wasserwirtschaft, aber auch auf Lebensmittel-, Tabak- und andere Leichtindustrien. Insgesamt ging die Industrieproduktion im Jahr 2007 um 0,3 % zurück (2006: −1,48 %).

Das Baugewerbe steht mit einem Anteil von 11,2 % am BIP an zweiter Stelle nach dem Dienstleistungssektor. Die Anzahl der Baugenehmigungen ist von 2006 auf 2007 von 5.053 auf 4.012 zurückgegangen.

Der wichtigste Handelspartner der Kanaren ist die Europäische Union, und hier besonders Spanien. Das Außenhandelsdefizit der Kanaren betrug im Jahr 2007 rund 14 Milliarden Euro; der größte Teil davon, rund 10 Milliarden, ist auf Importe aus Spanien zurückzuführen.

Laut Nationalem Statistikamt (INE) betrugt das Brutto-Monatsgehalt eines Arbeitnehmers auf den Kanaren im Jahr 2006 durchschnittlich 1.300 Euro und ist damit das zweitniedrigste spanienweit. Hinzu kommt, dass ein kanarischer Arbeitnehmer mit durchschnittlich 146,1 Monatsstunden die drittlängste Arbeitszeit des Landes hat. 2005 hatte die Autonome Region Kanarische Inseln den zweithöchsten Anstieg der Arbeitslosenquote Spaniens.

Seit Januar 2000 existiert die Sonderzone ZEC (Zona Especial Canaria), die zunächst bis 31. Dezember 2008 von der Europäischen Union genehmigt war, und im Januar 2007 von der EU bis ins Jahr 2019 verlängert wurde. Diese von der spanischen Zentralregierung und der Regionalregierung gegründete, und dem spanischen Wirtschaftsministerium angegliederte Organisation hat zur Aufgabe, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Archipels zu fördern und zu erweitern, damit sie nicht nur von den vorherrschenden Wirtschaftszweigen Tourismus und Bau abhängt. Deshalb gibt es sogenannte ZEC-Unternehmen, die sich zu bestimmten Investitionen und zur Schaffung von Arbeitsplätzen verpflichten, und somit beispielsweise von einem reduzierten Satz der spanischen Körperschaftssteuer von nur 4 Prozent profitieren können (normal in Spanien 30 Prozent). Auf den Inseln Gran Canaria und Teneriffa ist eine Mindestinvestition von 100.000 Euro und die Schaffung von fünf Arbeitsplätzen Voraussetzung, auf den anderen Inseln mit geringerer Wirtschaft sind es 50.000 Euro und drei Neueinstellungen. Eine Hauptaufgabe der ZEC ist es, ausländisches Kapital auf die Kanaren zu holen. Bereits über 78 Prozent der Investitionen im Niedrigsteuergebiet stammen aus dem Ausland, davon über 13 Prozent aus Deutschland, was damit nach Spanien zum größten Investor unter den zugelassenen ZEC-Unternehmen wurde. Des Weiteren wird hier geregelt, dass die spanische Mehrwertsteuer auf den Inseln nicht gilt. Dafür wird die IGIC (Impuesto General Indirecto Canario), eine deutlich niedrigere Inselsteuer, erhoben. Hierbei handelt es sich um eine den Endverbraucher belastende indirekte Steuer, die der Mehrwertsteuer gleich kommt, mit einem reduzierten Steuersatz von 5 Prozent.

Der Archipel ist rund zwei Flugstunden von der iberischen Halbinsel, und etwa vier Flugstunden von Zentraleuropa entfernt. Es gibt Direktflüge in die wichtigsten Städte Spaniens, Europas und der Welt. Jede Insel besitzt inzwischen einen eigenen Flughafen, wobei die Flughäfen Teneriffa Süd und Gran Canaria zu den verkehrsreichsten Spaniens zählen. Auch untereinander sind die Inseln durch zahlreiche Fluglinien miteinander verbunden. Diese werden hauptsächlich von der in Telde auf Gran Canaria ansässigen kanarischen Fluggesellschaft Binter Canarias übernommen. Eine weitere, im Jahre 2001 gegründete, kanarische Fluggesellschaft ist Islas Airways.

Des Weiteren besitzen die Inseln Teneriffa und Gran Canaria jeweils einen der größten Seehäfen der Welt, gemessen an Ausdehnung, Schiffsaufkommen und Handelstätigkeit. Auch untereinander sind die Inseln wiederum mit zahlreichen Fähren, unter anderem der Reedereien Fred. Olsen Express, Compañía Trasmediterránea und Naviera Armas, verbunden.

Bereits von 1904 bis 1959 fuhr auf Teneriffa eine Straßenbahn. Seit März 2007 fährt als einzig schienengebundenes Verkehrsmittel der Kanaren wieder eine Straßenbahn, die Tranvia Tenerife zwischen der Hauptstadt Santa Cruz und der Universitätsstadt La Laguna.

Durch die ereignisreiche Vergangenheit des Archipels sind die Kulturgüter der Inseln das Ergebnis einer Kulturvermischung, geprägt durch Guanchen, Berbergruppen, europäische Kolonialherren und die Sitten und Gebräuche, die durch Handelsschifffahrt, hauptsächlich vom amerikanischen Kontinent, auf die Inseln gebracht wurden. Es gibt zahlreiche archäologische Fundstätten, von denen wertvolle Funde in ethnografischen und anthropologischen Museen zu sehen sind. Ein einmaliges Kulturgut ist die Pfeifsprache El Silbo, die die Ureinwohner der Kanaren entwickelten, und die heute wieder in Schulen auf La Gomera gelehrt wird.

An vielen Plätzen und Straßen kann man historische und künstlerische Monumente bewundern, deren Architektur, Bildhauerei und Malerei die kanarische Identität zum Ausdruck bringen. Hier sind insbesondere die Werke des Künstlers und Naturschützers César Manrique von der Insel Lanzarote zu erwähnen. Das kulturelle Leben wird durch Ausstellungen, Theater- und Musikveranstaltungen von internationalem Rang bereichert. Traditionen drücken sich in Festen mit typischen Trachten und kanarischer Folklore in den einzelnen Dörfern aus, wobei das typische Saiteninstrument der Kanaren, die Timple, eine unverzichtbare Rolle spielt. Religion und heidnische Riten der Ureinwohner vermischen sich. Erwähnenswert ist der lateinamerikanisch angehauchte Karneval mit Samba-Rhythmen und vielen Farben, sowie die Tradition von Hahnenkämpfen und dem heute sehr populären Lucha Canaria, dem Kanarischen Ringkampf.

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Jean de Béthencourt

Jean de Béthencourt

Jean de Béthencourt (* 1362 in Grainville-la Teinturière, Normandie, Frankreich; † 1425 ebenda, kinderlos) war ein normannischer Adliger, der 1402 unter Heinrich III. die Eroberung der Kanarischen Inseln für Kastilien begann. Seitdem gehören die Kanaren politisch zu Spanien.

Jean de Béthencourt, der Sohn von Marie de Bracquemont und Jean de Béthencourt heiratete am 30. Januar 1392 in Paris Jeanne de Fayel, die Tochter von Guillaume de Fayel und Marguerite de Chatillon. Im Jahre 1405 beschwerte sich seine Ehefrau, dass ihr Ehemann angeordnet habe, dass sie ihr Haus nicht mehr verlassen dürfe und sie keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater und Freunden haben dürfe. Am 11. April 1387 hatte Béthencourt von König Karl VI. die Erlaubnis erhalten, die Burg von Grainville-la- Teinturière wiederaufzubauen und zu verstärken. Sie war zuvor in Folge eines Bürgerkrieges zerstört worden. Am 9. Dezember 1388 erhielt er die Zustimmung von Papst Clemens VII., auf der Burg eine Kapelle zu errichten.

Béthencourt begann 1402 mit der Einnahme von Lanzarote, was sich bis dahin Titeroygatra nannte, und führte mit seinem militärischen Partner Gadifer de la Salle seine Feldzüge auf dem benachbarten Fuerteventura bis 1404 fort, wo die Hauptstadt Betancuria nach ihm benannt wurde. An der Insel La Gomera scheiterte er, konnte aber mit zwei der vier damaligen Stämme der Ureinwohner, der Guanchen, Beziehungen aufnehmen. Schließlich gelang es ihm durch eine List auch die westlichste Insel El Hierro einzunehmen. Für die beiden großen Zentralinseln des Archipels, Gran Canaria und Teneriffa, sowie für die schwer zugängliche Insel La Palma waren seine Kräfte zu gering.

Jean de Béthencourt musste aus seiner Misere heraus kommen. Er war beim französischen König Karl VI. in Ungnade gefallen, mehrfach angeklagt und stark verschuldet. Daraufhin knüpfte er Beziehungen zum kastilischen Hof. König Heinrich III. von Kastilien befahl Béthencourt auf den Kanaren, dem damaligen Ende der westlichen Welt, unter dem Deckmantel christlicher Mission seinem eher wirtschaftlichen Interesse nachzugehen.

Im Dezember 1401 verkaufte Béthencourt sein Haus in Paris, welches mit 200 goldenen Francs geschätzt worden war. Auch andere Eigentümer verkaufte er, um eine Expedition zu den Kanaren finanzieren zu können. Die Summe war jedoch nicht ausreichend, so dass sein Onkel, Robert de Braquemont, noch den entscheidenden Beitrag leistete.

Am 1. Mai 1402 stach Béthencourt mit seinem Gefährten Gadifer de la Salle, mit dem er schon 1390 eine Expedition nach Tunesien unternommen hatte, von La Rochelle aus in See. Offiziell handelte es sich um einen Kreuzzug, in Wirklichkeit ging es darum, die Kanarischen Inseln zu erobern. Zu dieser Expedition zählten auch zwei Kapläne, Bruder Pierre Bontier, ein Franziskanermönch, und Jean Le Verrier, der später Priester auf Fuerteventura wurde. Sie sollten die Guanchen missionieren und alle so genannten Heldentaten dokumentieren, wobei die Chronik Le Canarien entstand. Die Flotte machte in Cádiz einen letzten Halt auf spanischem Festland, wobei die größte Anzahl der angeworbenen Soldaten desertierte. Ihnen war die Fahrt in eine damals ungewisse Welt scheinbar zu gefährlich. Nur wenige Soldaten und die engsten Gefolgsleute Béthencourts und La Salles blieben. Im Juli 1402 startete die Expedition dann von Cádiz in Richtung Kanarische Inseln. Nach acht Tagen auf See erreichten sie die kleine Insel La Graciosa.

Ende Juli 1402 setzte Béthencourt mit einer kleinen Anzahl Soldaten und den Priestern Jean Le Verrier und Pierre Bautier (oder Bontier) nach Lanzarote über, nach der nordöstlichsten großen Insel des kanarischen Archipels, die bei den Ureinwohnern den Namen Titeroygatra trug. Béthencourt hatte zwei ehemalige Einwohner von Lanzarote mitgebracht, die bei früheren Piratenzügen von der Insel verschleppt worden waren. Auf deren Vermittlung hin kam es vorerst zu friedlichen Begegnungen mit den Guanchen. Béthencourt konnte den König von Titeroygatra, Luis de Guardafía, davon überzeugen, dass er nicht als Sklavenjäger gekommen war, und baute mit dessen Hilfe in der Rubicón-Ebene mit Ausblick auf Fuerteventura ein befestigtes Lager auf, zu dem er die Ruinen des alten Lagers des Lancelotto Malocello verwendete. Doch die Kräfte Béthencourts waren zu gering. Sein Teilhaber Gadifer de la Salle blieb als Statthalter auf der Insel, während Béthencourt auf die iberische Halbinsel zurücksegelte, um Unterstützung für die Eroberung von Fuerteventura zu organisieren, die er von König Heinrichs III. von Kastilien auch huldvoll erhielt, wozu er aber den Lehenseid auf ihn ablegen musste. Béthencourt legte diesen Eid nur in seinem Namen ab, wodurch er formell alleiniger Herr der Inseln wurde, was Gadifer de la Salle schwer verärgerte. Später nutzte Béthencourt diese formelle Tatsache, um seinen Teilhaber La Salle um seine Rechte zu prellen.

Während Béthencourts Abwesenheit besuchte Gadifer de la Salle die kleine Fuerteventura vorgelagerte Insel Lobos, um mittels Jagd auf die damals noch dort lebenden Mönchsrobben den Mangel an Leder für Stiefel und Panzer der französischen Soldaten zu beheben. Doch ein Gefolgsmann Béthencourts, Bertín de Berneval, nutzte die Abwesenheit La Salles und die Anwesenheit eines spanischen Sklavenjägerschiffes vor Lanzarote für einen Aufstand. Berneval und seine Mitverschwörer plünderten und zerstörten das Lager Rubicón und nahmen eine Anzahl von Einheimischen, die sich ja vertrauensvoll unter ihnen bewegten, als Sklaven mit nach Spanien. Danach war auf Lanzarote kein Boot mehr vorhanden, so dass Gadifer und seine Leute auf Lobos beinahe verdurstet wären, wenn nicht das erbetene Boot eines zufällig aufkreuzenden anderen spanischen Handelsschiffes ihn gerettet hätte. Während dessen begannen die empörten Einheimischen mit der Verfolgung der Franzosen, von denen sie sich verraten fühlten. Doch auch unter der Urbevölkerung Lanzarotes bestanden starke Spannungen. Gadifer de la Salle erhielt Hilfe von Atchen, vermutlich ein mit Guardafía rivalisierender Sippenführer. Atchen nahm am 25. November 1402 den König Guardafía gefangen und lieferte ihn den Franzosen aus, um mit deren Hilfe selbst an die Macht zu kommen. Guardafía konnte jedoch fliehen und ließ Atchen lebendig verbrennen. Das darauf folgende Jahr, bis zur Rückkehr Béthencourts mit Nachschub und neuen Soldaten am 1. Juli 1403, war von dauernden Gefechten bestimmt. Die Ureinwohner versuchten, die Franzosen, die in Rubicón alle ihre Vorräte verloren hatten, auszuhungern, die Franzosen plünderten alle Vorratslager der Einheimischen, denen sie habhaft werden konnten. Es brach eine Hungersnot aus. Mit den frischen Kräften der Franzosen wurde die Lage der Ureinwohner hoffnungslos. Mit seinen letzten 18 Getreuen erschien schließlich auch Guadarfía im Lager der Franzosen, ergab sich und ließ sich taufen.

Die beiden von Béthencourt mitgebrachte Geistlichen beeilten sich daraufhin mit der Taufe der Ureinwohner Lanzarotes, was für diese ein gewisser Schutz bedeutete, denn getaufte Christen konnten im Prinzip nicht zu Sklaven gemacht werden. Aber die Internationale der Sklavenjäger kümmerte sich wenig um solche theologischen Feinheiten und jagte trotzdem weiter, wie schon 1393 auf Gran Canaria zu sehen gewesen war (Episkopat von Telde), als der Versuch der friedlichen Mission von spanischen Sklavenjägern und Plünderern liquidiert worden war. In Rubicón wird durch Benedikt XIII. der erste feste Bischofssitz auf der Kanarischen Insel Lanzarote gegründet. Pater Alfonso Sanlúcar de Barrameda war erster Bischof bis 1417.

Vom Fort Rubicón im Süden Lanzarotes aus wagte Béthencourts Begleiter Gadifer de la Salle in dessen Abwesenheit einen ersten Versuch, über Los Lobos nach Fuerteventura zu kommen, was jedoch nicht gelang. Als Béthencourt 1404 mit einer stärkeren Mannschaft von Spanien zurückkehrte, ließ er auf Fuerteventura die beiden Festungen Rico Roque und Valtarajal bauen. Die Insel war in die beiden Königreiche Maxorata mit König Guize und Gandía mit König Ayoze aufgeteilt. Nach einigen Zusammenstößen wurden viele Einheimische getötet oder als Gefangene nach Lanzarote gebracht. Auch der ehemalige König Guardafía von Lanzarote half bei der Eroberung Fuerteventuras. Am 18. Januar 1405 ließ sich König Guize mit seinen Gefolgsleuten taufen, am 25. Januar des Jahres folgte auch König Ayoze mit vielen seiner Einwohner. Die Könige verblieben auf der Insel und bekamen sogar Ländereien zurück. Die zeitweise Hauptstadt Betancuria trägt noch heute Béthencourts Namen. Am 31. Januar 1405 kehrte Béthencourt nach Frankreich zurück, wo er alles für den Aufbau einer Kolonie bekam. Am 9. Mai 1405 verließ er Honfleur in der Normandie und kam zurück zu seinem Neffen Maciot de Béthencourt auf Lanzarote.

La Gomera war für Béthencourt nur sehr schwer einzunehmen, da sich die vier damaligen Stämme in den hohen Bergen und tiefen Schluchten gut verschanzt hatten. Gomera war in die vier Königreiche Agana unter König Alguabozeque, Hipalán unter Alhagal, Malaqua unter Aberbequeye und Orone unter Masege aufgeteilt. Nach großen Schwierigkeiten konnte Béthencourt 1404 Agana und Hipalán schließlich einnehmen. Die beiden anderen Stämme leisteten solchen Widerstand, dass auch Béthencourts Neffe Maciot keinen Erfolg hatte. Erst etwa 80 Jahre später, nach der despotischen Herrschaft des Feudalherren Hernán Peraza, wurde La Gomera unterworfen, so dass man nicht von einer Eroberung der gesamten Insel sprechen kann.

1405 landete Béthencourt im Süden El Hierros in der Bahía de Naos. Die sehr dünn besiedelte, kleinste Insel des Archipels konnte ohne Schlachten erobert werden. Eine List verhalf Béthencourt zusätzlich zu seinem Erfolg. Er hatte dem König von El Hierro, Armiche, seinen Verwandten Augerón mitgebracht, der bei einem früheren Piratenüberfall entführt wurde. Er musste König Armiche überzeugen, mit Béthencourt einen Pakt zu schließen, bei dem die Einheimischen wie Verbündete behandelt würden. König Armiche nahm dessen Angebot an und kam mit allen Getreuen zum Strand von Naos. Aber Béthencourt nahm sofort alle gefangen. Hier trat erstmals Gewalt in das Leben der Ureinwohner, indem Béthencourt und seine Leute die Männer versklavten und sich ihre Frauen und ihren Besitz nahmen.

Nach knapp vier Jahren seiner Eroberungszüge hatte Béthencourt die Hälfte der Kanarischen Inseln erobern können. Der Versuch, im Oktober 1405 Gran Canaria zu erobern, war erfolglos. Auch an La Palma scheiterte er. Diese beiden Inseln und Teneriffa eroberte gegen Ende des 15. Jahrhunderts der Andalusier Alonso Fernández de Lugo für die spanische Krone. Er führte verheerende Schlachten, versklavte viele Ureinwohner und radierte die Kultur der Guanchen nahezu endgültig aus der Geschichte aus.

Als Béthencourt am 15. Dezember 1406 nach Europa zurückkehrte, war er finanziell saniert. Er soll den Reichtum jedoch auch recht schnell wieder unter die Leute gebracht haben. Durch Intrigen nahm er seinem Gefährten Gadifer de la Salle alle Rechte an den Inseln, die dieser sich schwer erkämpft hatte. Er war hauptsächlich für die militärischen Erfolge der Eroberer verantwortlich. Béthencourts Neffe Maciot de Béthencourt regierte auf El Hierro und war Statthalter auf Lanzarote, wo er die Tochter des ehemaligen Königs Guardafía heiratete. Sie hieß Teguise und gab der zeitweisen Hauptstadt Lanzarotes ihren Namen. Auf königlich-kastilische Anordnung verliert Maciot 1415 aber alle Herrschaftsrechte. Am 17. Oktober 1418 lässt Jean de Béthencourt es zu, dass sein Neffe Maciot die eroberten Kanaren verkaufen darf, allerdings mit Ausnahme von Fuerteventura, welche sein Erbe bleiben soll. Am 16. Mai 1419 schwören Béthencourt und König Heinrich V. den Lehnseid. Béthencourt erhält aufgrund der erfolgreichen Christianisierung eine Audienz bei Papst Innozenz VII.. Über Florenz, wo er von der Regierung gefeiert wurde, und Paris kehrte er wieder an seinen Geburtsort zurück. Béthencourt erkrankte und verstarb 1425 in Grainville-la-Teinturière. Sein Kaplan, Jean Le Verrier, besuchte ihn am Sterbebett, dann wurde Jean de Béthencourt in der Kirche seines Heimatortes beigesetzt.

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Guanchen

Wichtigste Fundstätten zu Kultur der Guanchen auf La Palma

Die Guanchen waren die Ureinwohner der Kanarischen Inseln, einer geographisch zu Afrika, politisch aber zu Spanien gehörenden Inselgruppe.

Der Name leitet sich aus der Bezeichnung „Guanchinet“ (in der Sprache der Guanchen Guan = Mensch und Chinet = Teneriffa) her und bezeichnete ursprünglich nur die Ureinwohner Teneriffas.

Als Synonym wird auch der Begriff Altkanarier verwendet.

Am 25. Dezember 1495 unterliegen die Guanchen bei La Victoria endgültig den Spaniern. Teneriffa ist die letzte Insel, die der spanischen Krone unterworfen wird. Die Kultur der Ureinwohner wird nahezu vernichtet.

Über die Herkunft der Guanchen ist wenig bekannt. Wahrscheinlich gab es mehrere Besiedlungsphasen der Kanaren.

Die ersten Menschen wanderten vermutlich ab etwa 3000 v. Chr. von Osten auf die Kanaren ein. Wahrscheinlich stammen sie von Wüstenbewohnern der Sahara ab, die mit Binsenbooten von Nordafrika aus übersetzten. Außerdem weisen archäologische Ausgrabungen auf eine Besiedlung aus Südwesteuropa hin. Für eine Besiedlung aus Europa spricht die Hellhäutigkeit der Altkanarier.

Um 1100 v. Chr. könnten Phönizier auf der Suche nach Handelsmöglichkeiten die Kanarischen Inseln besucht haben.

Im Zeitraum von 500 - 200 v. Chr. kommen weitere Menschen aus Nordafrika auf die Inseln. Wahrscheinlich finden sie bereits mehrere Kleinkönigreiche vor.

Vom 6. Jahrhundert bis ungefähr ins Jahr 800 haben vermutlich Berber beim letzten großen Besiedlungsschub die Kanaren erreicht. Während dieser Zeit ging möglicherweise das antike Wissen um die Kanaren im mittelalterlichen Europa verloren.

Die Guanchen wohnten bis zur spanischen Eroberung in einer Art steinzeitlicher Kultur auf den Inseln. Über die Größe der Bevölkerung gibt es keine verlässlichen Angaben. Man nimmt die Zahl kurz vor der spanischen Eroberung, zu Anfang des 15. Jahrhunderts, mit etwa 50.000-70.000 Einwohnern an.

Die gewaltsame Eroberung durch die Spanier begann 1402 unter Jean de Béthencourt auf Lanzarote und endete 1495 unter Alonso Fernández de Lugo auf Teneriffa. Ein Teil der Altkanarier wurde umgebracht, viele wurden versklavt oder verschleppt. Die steinzeitliche Kultur ging zu Grunde. 1441 war der spanische Franziskanermönch Didakus, San Diego de Alcalá, auf die Kanarischen Inseln gereist, gründete auf Fuerteventura das Kloster Fortaventure und missionierte von dort die Guanchen, was neben der physischen auch die kulturelle Vernichtung ihrer Ethnie vorantrieb.

Das Guanche, die Sprache aller Guanchen, war gleichen Ursprungs. Von Insel zu Insel gab es jedoch verschiedene Mundarten, da es untereinander so gut wie keine Verbindungen gab. Es gibt laut Jose Luis Concepion (siehe Literatur) einige Wörter des Guanche, die sich mit berberischen Wörtern decken: Tigot für Himmel, Tigotan für die Himmel, Ahorem für Gerstenmehl, Ahemon bzw. Amon für Wasser, Cariana bzw. Carian für Korb, um nur einige anzuführen.

Archäologische Funde legen die Existenz einer der libysch-berberischen verwandten Schrift nahe. Auf den meisten Inseln findet man zahlreiche Petroglyphen der Altkanarier.

Es sind nur noch wenige Wörter aus dem Guanche bekannt. So bedeutet Guanche eigentlich Mann/Mensch aus Teneriffa und wurde erst später zu einer Sammelbezeichnung. Die Sprache starb nach der spanischen Eroberung aus. Allerdings haben sich bis heute Elemente dieser Sprache im Kanarischen Dialekt gehalten. Viele Ortsbezeichnungen auf den Kanaren sind beispielsweise guanchischen Ursprungs, ebenso sind noch Vornamen verbreitet.

El Silbo (spanisch: 'der Pfiff') bezeichnet die Pfeifsprache der Guanchen. Sie ist heute nur noch auf der Insel La Gomera gebräuchlich. Um dieses kulturelle Erbe zu bewahren, wird die Sprache in den Schulen auf La Gomera gelehrt.

Zwischen den einzelnen Inseln bestanden zu Lebzeiten der Guanchen keine Verbindungen, da sie die Schifffahrt nicht beherrscht haben. Sie sollen friedfertige, aber ihre Heimat verteidigende Menschen gewesen sein. Die beiden Geistlichen, die Jean de Béthencourt auf seinen Eroberungszügen begleiteten, sollen sinngemäß mitgeteilt haben: Nirgends auf der Welt werdet ihr besser gewachsene Menschen antreffen, hättet ihr ihnen Gelegenheit gegeben, etwas zu lernen, hätte man sich sicher besser verstanden.

Guanchen betrieben Viehzucht und Ackerbau. In ihrer bäuerlichen Kultur züchteten sie Ziegen, Schafe und Schweine. Angebaut wurden Gerste, Weizen und Hülsenfrüchte. Da sich für den Ackerbau keine planen Flächen boten, legten sie riesige Terrassentreppen an, die mit Bewässerungsgräben durchzogen waren. Die Guanchen bejagten weiterhin eine große endemische Echsenart, den heute ausgestorbenen Lagarto gigante (Länge ca. 75 cm). Eine kleine Population der Unterart Gallotia simonyi machadori lebt noch unter Naturschutz auf El Hierro.

Metallverarbeitung war ihnen unbekannt. Sie besaßen Steinmesser, die tabonas, welche auch als Waffe genutzt wurden. Eine Waffe auf Teneriffa war der banot, eine Art Wurfspeer aus Holz.

Ihre Kultur kannte die Töpferei, jedoch ohne sich drehende Töpferscheibe. Sie polierten ihre unterschiedlich großen Gefäße mit glatten Steinen, färbten sie mit Ocker und verzierten sie mit kringelförmigen Mustern. Als weitere Gegenstände gebrauchten sie Holzgefäße, Holzkämme, Steinmühlen, Ziegenbälge, Lederbeutel und Binsensäcke.

Kleidung und Schuhe wurden aus gegerbten Tierfellen gefertigt. Schuhe wurden auf Teneriffa xercos, und auf Fuerteventura und Lanzarote maho genannt. Schmuck aus Muscheln, Tonkugeln, Steinen oder Knochen war gebräuchlich.

Bevorzugt nutzten die Ureinwohner der Kanaren kühle Berghöhlen als Wohnstätten und Vorratslager. Es wird aber ebenso von Hütten aus Stein mit Strohdächern berichtet. Sie verwendeten einen langen Stock aus Riesenheideholz, um die extrem zerklüfteten Vulkanlandschaften zu meistern und kleine Schluchten zu überwinden.

Es gab Eheschließungen mit Zustimmung beider Partner. Entgegen anders lautenden Behauptungen heirateten altkanarische Männer nicht mehr als eine Frau.

Tanz und Gesang waren bei den Guanchen sehr beliebt. Der Tanz, der heute canario genannt wird, stammt mit seinen kurzen und zügigen Schritten aus der Zeit der Ureinwohner. Das Hauptfest mit Tanz und Gesang fand im Sommer anlässlich der Ernte statt und hieß beñesmen. Zum Fest gehörte ein Festessen (guatativoa) und Wettkämpfe wie Steinheben, Ringkämpfe (Vorläufer des heutigen Lucha Canaria) oder Stockfechten (Vorläufer des heutigen Juego del Palo).

Experten fanden Schädel mit deutlichen Anzeichen einer Trepanation. Somit mussten die Altkanarier ein gewisses medizinisches Wissen gehabt haben.

Die Guanchen organisierten sich in Stämmen unter einem König, den man auf Teneriffa mencey und auf Gran Canaria guanarteme nannte. Die Zeremonie der Ernennung zum König fand auf dem tagaror, einem Ratsplatz in Form eines Steinkreises, statt. Häuptlinge und Ratgeber standen den Königen zur Seite. Auf Gran Canaria nannte man einen Häuptling guaire, einen Richter fayacán und einen Priester faycán.

Jeder Mann, der besondere Verdienste nachwies, konnte in den Adelsstand erhoben werden. Konnte der Mann bei einer Zeremonie aber nicht die richtigen Antworten geben, wurde ihm sein Haar abgeschnitten, er erhielt dann den Namen trasquilado, der Geschorene, und konnte niemals mehr in den Adelsstand erhoben werden.

Alle Volksstämme hatten Gebetsorte und Priester. Auf Gran Canaria gab es harimaguadas, so genannte Tempelmädchen, vergleichbar mit Nonnen. Der Tempel hieß almogaren und das Kloster tamogantes. Dem höchsten Wesen gaben die Guanchen zum Beispiel den Namen aborac oder acoran.

In Güímar auf Teneriffa befindet sich eine Höhle mit Guanchenfunden unter einem pyramidenähnlichen Bau (Pyramiden von Güímar). Diese "Pyramiden" werden in vielen Reiseführern mehr oder weniger eindeutig als Kultbauten der Guanchen bezeichnet. Die "Pyramiden" sind jedoch durch archäologische Ausgrabungen zweifelsfrei in das 19. Jahrhundert datiert.

Andere Kultstätten, wie die Höhle von Belmaco, gibt es auf La Palma. Wahrscheinlich dienten auch die Queseras auf Lanzarote rituellen Zwecken.

Einige Guanchen wurden einbalsamiert oder mumifiziert bestattet. Der Leichnam wurde xaxo genannt. Sie sind heute im Museo Canario in Las Palmas de Gran Canaria und im Museo Arqueológico in Puerto de la Cruz auf Teneriffa zu besichtigen.

Schwierig ist die Anzahl der Ureinwohner vor der spanischen Eroberung einzuschätzen. Lanzarote soll Jean de Béthencourt mit etwa 300 Kriegern gegenübergestanden haben. Man schätzt damit hier die Gesamtzahl der Guanchen auf kaum mehr als 1000. Unzuverlässigen Angaben zufolge sollen es auf Fuerteventura deutlich mehr gewesen sein. El Hierro soll sehr dünn besiedelt gewesen sein. Für Gran Canaria schätzt man die Zahl der Ureinwohner auf 20-30.000, für Teneriffa auf mindestens 30.000, da hier allein Benchomo über 5000 Mann verfügen konnte.

Nur einige große Schlachten dürften eine erhebliche Anzahl an getöteten Guanchen gebracht haben. Sonst sind die meisten Ureinwohner in Gefangenschaft geraten, haben sich ergeben oder flohen ins gebirgige Hinterland. Auf La Palma gab es beispielsweise keine großen Kämpfe, daher sind die Todesopfer hier eher gering.

Ureinwohner, die sich den neuen Friedensverträgen unterwarfen, waren auf Gran Canaria oder La Palma frei. Das Cabildo auf Teneriffa verfügte im Jahre 1500, dass alle Guanchen und ihre Frauen erst frei seien, wenn sie ihrem Herrn sechzehn Jahre lang gedient hätten. Es wurde im Jahre 1504 bekanntgegeben, dass alle Guanchen gegen Lohn arbeiten sollten. Würden sie nicht aus ihren Verstecken kommen, würde man sie in Haft nehmen. Später siedelte man die Guanchen von ihrer Geburtsinsel zu einer anderen Insel um, weil sie dann einfacher zu unterwerfen waren. Einige Guanchen wurden versklavt in den Südosten Spaniens verbannt, doch die Anzahl der Einheimischen auf den Inseln blieb hoch.

Das Wissen stammt überwiegend von den Eroberern, deren Siedlern und einigen Eingeborenen, die bei der Land- und Wasserverteilung Glück hatten. Kaum etwas ist von der großen Anzahl Sklaven überliefert, die sich auf den ausgedehnten Ländereien der Siedler befanden. So kam es, dass man annahm, dass die Ureinwohner größtenteils verschwunden waren, und die Inseln im Wesentlichen von den neuen Siedlern bevölkert waren. Deren Zahl war jedoch recht gering. Auf Gran Canaria waren es nur 700 Mann; von denen wurden die meisten von Alonso Fernández de Lugo wieder nach Spanien geschickt. Ähnlich verlief es auf Teneriffa, wo nach der Befriedung die meisten in ihre Heimat Kastilien zurückzogen. Denen, die blieben, gab man Bürgerrechte und Land, was die Landvergabe-Akten belegen. Es gab in den Jahren 1497 bis 1517 auf Teneriffa und La Palma zusammen nur 1990 Zuteilungen, von denen auch Ureinwohner, die ihren Herren gedient hatten, profitierten.

Man geht davon aus, dass auf Teneriffa und Gran Canaria am Ende jeweils etwa 300 Siedler geblieben sind. Die Mehrzahl dieser heirateten eine Eingeborene, die anderen holten Familienmitglieder vom Festland auf die Inseln. Bedenkt man, dass jeder Siedler viele Sklaven hatte, und es weitere Eingeborene in Friedensbünden gab, und nochmal eine große Zahl, die weiterhin Widerstand in der Kriegspartei leistete, dann war die Anzahl der Guanchen der der neuen Siedler immer noch weit überlegen. Dazu kommt, dass hundert Jahre nach der Eroberung 500 Sklaven auf die Inseln verkauft wurden. Dabei handelte es sich weitestgehend um Nachkommen der nach Sevilla verbannten Sklaven, also Guanchen.

In der heutigen Bevölkerung der Kanarischen Inseln muss es demzufolge weiterhin noch eine große Anzahl von Nachkommen der Guanchen geben. Einige Sitten und Gebräuche sind trotz der massiven und flächendeckenden Unterdrückung bis heute erhalten geblieben.

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Jandía

Jandia

Jandía bezeichnet auf der zu Spanien gehörenden Kanarischen Insel Fuerteventura die im Süden gelegene Halbinsel Jandía, sowie den mit 807 m höchsten Berg auf Fuerteventura, den Pico de Jandía (auch: Pico de la Zarza). Zudem gibt es eine Landspitze Punta de Jandía sowie den Tourismusort Jandía Playa, der mit Morro Jable das Zentrum der Halbinsel bildet. Die Halbinsel gehört verwaltungsmäßig zur Gemeinde Pájara.

Das Stadtbild von Morro Jable ist von Hotelketten geprägt. Einheimisches Leben trifft man nur in einzelnen Vierteln an.

Im Norden bildet der Istmo de la Pared mit nur 5 km Breite die schmalste Stelle Fuerteventuras. An dessen Westküste befinden sich die schönsten Sandstrände der Insel, die von Surfern gerne benutzt werden.

An der Südwestküste der Halbinsel befindet sich der kleine Fischerort Cofete, in dessen Nähe die Villa Winter angesiedelt ist, die von dem deutschen Geschäftsmann Winter - vermutlich mit finanzieller Unterstützung der NSDAP - errichtet wurde.

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Source : Wikipedia