Fasnacht

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Geschrieben von goldorak 12/03/2009 @ 18:12

Tags : fasnacht, karneval, traditionen, gesellschaft

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Basler Fasnacht

Morgestraich bei der Basler Fasnacht 2003

Die Basler Fasnacht ist die grösste Fasnacht der Schweiz. Sie beginnt am Montag nach Aschermittwoch um 4.00 Uhr mit dem Morgestraich. Sie dauert exakt 72 Stunden und endet am Donnerstagmorgen um 4.00 Uhr mit dem Endstraich. In dieser Zeit wird die Basler Innenstadt von den Fasnächtlern beherrscht, die in ihren Cliquen durch die Strassen, Kneipen und Geschäfte ziehen. Von Aktiven wird die Basler Fasnacht auch als „die drey scheenschte Dääg“ (die drei schönsten Tage) bezeichnet.

Die Basler Fasnacht, im Folgenden kurz einfach nur Fasnacht genannt, unterscheidet sich stark vom rheinischen „jecken“ Karneval. Dafür sorgt schon die strikte Trennung zwischen Aktiven und Zuschauern.

Jeder der ca. 18.000 aktiven Fasnächtler trägt ein Kostüm mit einer Larve (Maske). Darunter werden das Gesicht und der gesamte Körper verdeckt, der Träger des Kostüms ist nicht zu erkennen. Es gehört zum guten Ton, dass ein Fasnachtler sich nicht in der Öffentlichkeit erkennen lässt. Die Cliquen tragen, ausser beim Morgestraich und am Fasnachts-Dienstag, einheitliche Kostüme, die meist dem „Sujet“ (Thema) der Clique angepasst sind. Bei den Kostümen kennt die Fantasie keine Grenzen. Oft sind die Masken Personen des öffentlichen Lebens (Politikern und anderen Prominenten) nachempfunden, manchmal auch Comic-Figuren oder Tieren. Es gibt aber auch traditionelle Larven, die an die französische Armee der Napoleonischen Kriege erinnern, Harlekine oder die vor allem bei Einzelpersonen und Wagencliquen beliebten Waggis-Larven.

Am auffälligsten sind die Pfeifer- und Tambouren-Cliquen. Diese spielen bei ihrem Gang durch die Innenstadt Märsche, ihre Piccoloflöten werden vom Rhythmus ihrer Basler Trommeln begleitet. Die Basler Innenstadt wird somit in diesen drei Tagen zum Platz des grössten Pfeiferkonzerts der Welt. Eine Clique besteht meist aus einem Vortrab (Platzmacher), den Pfeifern, dem Tambourmajor und den Tambouren (Trommlern). Die Cliquen folgen dabei keinen bestimmten Routen (ausser am Cortège). Es kommt dabei immer mal vor, dass sich der Weg mehrerer Cliquen kreuzt. In dem Fall bleibt eine Clique einfach stehen und wartet, bis die andere passiert hat. Steht man als Zuschauer einer Clique im Weg, wird man vom Vortrab freundlich beiseite geschoben.

Neben den pfeifenden Cliquen nehmen Guggenmusik-Gruppen mit Blechblasinstrumenten an der Fasnacht teil. Diese sind allerdings nicht beim Morgestraich anzutreffen, sondern nur bei den Cortèges am Montag und Mittwoch und an den Abenden, insbesondere am Dienstagabend bei den Gugge-Konzerten. Weiterhin ziehen viele Einzelpersonen und kleine Gruppen durch die Strassen. Sie werden als „Schyssdräggziigli“ bezeichnet und bewerfen beispielsweise als Waggis kostümiert „ahnungslose“ Zuschauer mit Konfetti (im Baseldeutsch Räppli genannt) beziehungsweise stopfen es diesen auch mal in die Jacke.

Die meisten Cliquen haben sich für die Fasnacht ein sogenanntes Sujet (französisch für „Thema“) vorgenommen, das während der Fasnacht präsentiert wird. Es handelt sich dabei um Themen der Zeitgeschichte, an denen in meist satirischer Form Kritik geübt wird. Die Sujets werden beim Morgestraich auf Laternen dargestellt. Beim Cortège sind auch die Kostüme und oftmals ein Requisit dem Thema angepasst. Praktisch alle Cliquen verteilen ausserdem passende Zeedel (Handzettel mit ironischen Versen).

Der Morgestraich am Montagmorgen um 4.00 Uhr ist der Auftakt der Fasnacht. Zu diesem Zeitpunkt wird die Innenstadt vollständig verdunkelt, die Basler Stadtwerke löschen dort die Strassenbeleuchtung. Das einzige Licht kommt von den Laternen der Cliquen, die darauf ihre Sujets präsentieren. Vor den Cliquen wird eine grosse, bis zu 3,30 m hohe Zuglaterne getragen oder auf einem Wagen gerollt. Die meisten Aktiven tragen zudem eine Kopflaterne. In einigen Cliquen sind diese einheitlich und dienen als Erkennungsmerkmal für die Zugehörigkeit zur Clique, da die Fasnächtler am Morgestraich traditionell keine einheitlichen Kostüme tragen. Diese offene Kleiderordnung wird Charivari genannt.

Zum Morgestraich haben auch die meisten Kneipen und Wirtschaften in der Innenstadt geöffnet, viele davon bleiben die gesamten 72 Fasnachts-Stunden offen. Die Zuschauer geniessen die traditionellen Fasnachtsspeisen, Mehlsuppe und Zwiebelwähe oder Käsewähe (ein pikanter flacher Kuchen mit Käse, der meist warm gegessen wird).

Während der Umzüge zeigen auch die Wagencliquen ihre meist aufwändig dekorierten Fasnachtswagen, auf denen sie ihre Sujets umgesetzt haben. Von den Wagen werden Süssigkeiten und Obst an die Kinder verteilt und Blumen an Mädchen verschenkt. Wer allerdings keine „Blaggedde“ (Plakette) hat, braucht gar nicht auf die Wagen loszulaufen, er wird höchstens eine Ladung „Räppli“ (Konfetti) erhalten.

Am Dienstagabend gehört die Gegend um Marktplatz, Barfüsserplatz und Claraplatz den Guggenmusik-Gruppen, die mit ihren Blechblasinstrumenten für Stimmung sorgen. Die Pfeifer-Gruppen ziehen sich in der Zeit eher in die Seitengassen zurück.

Die Gruppen bleiben auf ihrem Marsch durch die Innenstadt immer wieder mal stehen, spielen für die anwesenden Zuschauer vier bis fünf Stücke und gehen dann weiter. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich die Gruppen auch mal in Cafés und Wirtschaften begeben und den dort versammelten Gästen ein Ständchen darbieten.

Die Kinder- und Familienfasnacht findet am Dienstag statt. Auch hier gibt es wieder Umzüge durch die Stadt, allerdings zeigen sich nicht die Cliquen in Gruppen, sondern vor allem Familien mit ihren Kindern. Manchmal haben auch befreundete Familien gemeinsam einen Wagen hergerichtet. Wenn die Aktiven aus verschiedenen Cliquen kommen, sieht man die unterschiedlichsten Larven (Masken) auf einem Haufen.

Von den Kindern, insbesondere von den Kleinen, wird allerdings noch nicht erwartet, dass sie sich vollständig in schweren Kostümen vermummen. Die häufigsten Verkleidungen neben den traditionellen Figuren sind Cowboys, Prinzessinen und neuerdings vor allem bei kleineren Kindern immer häufiger Tiere wie Dinosaurier.

Von Montagabend bis Mittwochmorgen sind auf dem Platz vor dem Basler Münster sämtliche Laternen, ca. 200, der Fasnachts-Cliquen ausgestellt. Besonders am Abend, wenn die Laternen beleuchtet sind, bietet der Münsterplatz ein beeindruckendes Bild.

Die Ausstellung bietet den Besuchern und Zuschauern die Möglichkeit, sich in Ruhe die kunstvoll erstellten Zuglaternen anzusehen und die zum Teil sehr sarkastischen Verse zu studieren.

Ebenfalls von Montagabend bis Mittwochmorgen findet auf dem Kasernenareal die Ausstellung von Wagen und Requisiten statt. Aufgrund des beschränkten Platzangebotes können lediglich 25 der 120 am Cortège teilnehmenden Wagen ausgestellt werden. Dazu kommen rund 40 Requisiten der verschiedensten Gruppierungen. Der gesamte Platz wird während der Nacht beleuchtet und bietet eine schöne Atmosphäre. In den Räumlichkeiten der Kaserne befindet sich eine grosse Wirtschaft, in der dem Gast neben Verpflegung auch Unterhaltung durch Guggenmusiken und Schnitzelbänke angeboten wird. Am Dienstagnachmittag können Kinder auf einem kleinen Waggis-Wagen eine kleine Fahrt unternehmen und sollen so an die Fasnachtsfigur „Waggis“ herangeführt werden.

Der Schnitzelbank (auf Baseldeutsch: „dr Bangg“) knüpft von der Tradition her an die Bänkelsänger an. Die Schnitzelbanksänger machen sich auf ironisch- bis sarkastisch-witzige Weise, mit Baseldeutsch gesungenen Texten, teilweise instrumental begleitet, über Ereignisse des abgelaufenen Jahres lustig. Unterstützt wird ihr Beitrag meist durch Illustrationen, die als Schautafeln auf einem Helgen präsentiert werden.

Man kann den Schnitzelbank nur im weitesten Sinn als Basler Entsprechung zur Büttenrede auffassen; jener entsprechen eher die „Zeedel“, die Zettel mit den in Versform bearbeiteten Sujets, welche die Fasnachtscliquen am Cortège verteilen.

Die Schnitzelbanksänger treten regulär am Montag- und Mittwochabend in den Cafés und Wirtschaften auf. Viele hört man heute jedoch auch am Dienstag, allerdings dann nur in den Cliquen-Kellern, den paragastronomischen Lokalen der Fasnachtsgesellschaften.

Neben den mehr oder weniger organisierten Anlässen wie Morgestraich, Cortèges (Umzüge) und Guggekonzerte existiert eine freie Form der Basler Fasnacht, das sog. Gässle und Gugge. Diese Tätigkeit findet theoretisch während den ganzen 72 Stunden der Basler Fasnacht statt, ist aber während dem Morgestraich und den Cortèges sowie an den drei Fasnachtsvormittagen de facto inexistent (am Morgestraich sind die Cliquen bereits eingespannt und die Guggenmusiken nicht zugelassen, am Cortège sind praktisch alle Aktiven engagiert, an den Vormittagen wird ausgeruht oder gearbeitet). Die intensivste Zeit des Gässle und Gugge ist daher an den drei Fasnachtsabenden und -nächten (am Donnerstag bis punkt 04.00 Uhr). Beim Gässle sind die Cliquenformationen weitgehend aufgelöst, Fasnächtler verschiedener Cliquen oder nicht einer Clique zugehörige Fasnächtler treffen sich zu kleinsten, kleineren bis mittelgrossen Verbänden und ziehen trommelnd und pfeifend ohne festen Routenplan durch die Gassen der Innerstadt (daher Gässle). Die Guggenmusiken bleiben üblicherweise in ihrer Formation (aufgrund der unterschiedlichen Instrumente und Repertoires lassen sich schlecht ad hoc neue Verbände bilden) und ziehen musizierend durch die grösseren Strassen der Innerstadt. Von Beiz zu Beiz unterwegs sind ferner die Schnitzelbängge. Anzutreffen sind ferner auch marodierende Waggis, in der Regel mit einem grossen Sack Räppli (Konfetti) ausgerüstet.

Der "Ändstraich" (Endstreich) ist das Ende der Basler Fasnacht. Dieser weitgehend unorganisierte Anlass findet in den letzten Minuten vor 04.00 Uhr am Donnerstag Morgen statt. Die Aktiven kehren vom Gässle zurück und vereinigen sich mit ihrer Clique, wobei jede Clique einen anderen Treffpunkt in der Innenstadt wählt. Ein letztes Mal wird im Verband ein Marsch gepfiffen und getrommelt und "Frau Fasnacht" verabschiedet. Mit dem Glockenschlag um vier Uhr verstummen die Instrumente und die Larven werden abgezogen.

Nach den Darstellungen lokaler „Historiker“ ist das Werfen von Räppli ein typischer Basler Brauch, der sich von dort aus weiter verbreitet hat. Dies ist zwar nicht eindeutig belegbar, jedoch werden in Basel während der drei schönsten Tage deutlich mehr Räppli verpulvert als beispielsweise in Mainz oder Köln.

Als Konfetti (kleines Konfekt) wurden ursprünglich Zuckerkügelchen bezeichnet, die auf den Umzügen verteilt bzw. in die Menge geschmissen wurden. Dies wurde jedoch im 19. Jahrhundert verboten. Als Ersatz dafür griff man auf Papierschnippsel zurück. Im Baseldeutsch spricht man übrigens von „Räppli“. Als Zuschauer muss man stets auf der Hut sein, dass man nicht von einem Fasnächtler mit Räppli überhäuft oder gar „ausgestopft“ (grosse Mengen Konfetti werden unter die Kleidung appliziert) wird. Es ist ungeschriebene Regel, dass aktiven Fasnächtlern (in Kostüm und Larve) keine Räppli angeworfen werden. Als beliebtes Ziel gelten allerdings Zuschauer welche keine Plakette tragen.

Auf den Routen der Cortèges bedeckt die Räppli am Abend den Boden zentimeterhoch. Es ist durchaus beeindruckend, dass jeweils am nächsten Morgen die Basler Stadtreinigung das Papier soweit eingekehrt und weggefahren hat, dass man es kaum noch sieht.

Bis zum Verbot in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts war statt der Konfetti auch die Verwendung von Spreu üblich.

In Basel werden nur einfarbige Räppli in Säcken verkauft. Dies geschieht aus hygienischen Gründen, um das Aufheben der Räppli vom Boden, auf dem sich die Farben mischen, zu verhindern. Wer also in Basel gemischtfarbige Räppli wirft, hat sie vom Boden aufgehoben und kann dafür auch bestraft werden.

Bei der Luzerner Fasnacht gibt es im Gegensatz zu der Basler Konkurrenz zum Urknall einen grossen Konfettiregen, der sogenannte Fötzeliräge, bei welchem explodierende Säcke über der Menge Zeitungsschnipsel niederregnen lassen.

Anders als beim deutschen Karneval kommt dem Publikum - also sämtlichen Personen, die nicht mit Kostüm und Larve (Maske) voll kostümiert und üblicherweise einer Basler Fasnachtsgesellschaft angehören - eine äussert passive Rolle zu. Geschminkte Gesichter, Verkleidungen und andere "lustige" Acessoires sind stark verpönt. Typischerweise trägt das Publikum übliche Strassenkleidung und gibt die Zugehörigkeit zur Fasnacht nur durch das Tragen der offiziellen Fasnachtsplakette zu erkennen. An den beiden Cortèges (Umzügen) ist es dem Publikum gestattet, um Süssigkeiten, Orangen oder Blumen zu bitten und sich hierfür mehr oder weniger aufzudrängen (was jedoch auch zu einer Ladung Räppli (Konfetti) führen kann). Während den Cortèges und dem Morgestraich hat sich das Publikum am Strassenrand aufzuhalten, in den übrigen Zeiten ist den frei umhermarschierenden Cliquen der Vortritt zu gewähren.

Die musikalischen und humoristischen Darbietungen werden in der Regel schweigend genossen, Unterstützungen durch Mitsingen oder rhythmisches Klatschen (abgesehen vom Applaus) finden nur ausnahmsweise statt. Das Fotografieren mit Blitzlicht am Morgestraich wird äusserst ungern gesehen, da dadurch die Atmosphäre erheblich gestört wird.

Auch wenn während der Basler Fasnacht Alkohol konsumiert wird, gibt es keine feuchtfröhliche Stimmung. Der übermässige Genuss von Alkohol ist verpönt, viele Aktive verzichten auf den Alkohol weitgehend freiwillig.

Die Teilnahme an den offiziellen Fasnachtsanlässen wie Morgestraich, Cortèges und Guggekonzärt ist auf die offiziell angemeldeten Basler Fasnachtsgesellschaften beschränkt. Auswärtigen Gruppierungen - wie auch dem übrigen Publikum - ist die (aktive) Teilnahme untersagt, sie können jedoch, sofern sie die Mindestregeln der Basler Fasnacht (Vollkostüm mit Larve, als Musikinstrumente nur Basler Trommel, Piccolo oder Gugge; Fasnachtsplakette) beachten, auf eigene Initiative am "Gässle und Gugge" (individuelle Fasnacht) teilnehmen. Auswärtigen steht es zudem frei, in einer Basler Fasnachtsgesellschaft Mitglied zu werden - ein Grossteil ihrer Mitglieder stammt bereits heute nicht aus der Stadt Basel, sondern dem Umland).

Seit 1911 wird die Fasnacht vom Fasnachts-Comité organisiert, das in allen Fragen der Fasnacht als offizieller Ansprechpartner fungiert. Das Comité gibt auch die Fasnachts-Plaketten ("Blagedde") heraus. Diese gibt es in vier Ausführungen zwischen CHF 8 und 100 (Kupfer: CHF 8, Silber: CHF 15, Gold: CHF 45, Bijou (Echtsilber mit Vergoldung): CHF 100). Der Reinerlös wird an die Fasnachtsgruppen weitergegeben. Es wird zwar von Besuchern nicht explizit verlangt, aber erwartet, dass sie eine Plakette kaufen, um die Finanzierung der Gruppen weiterhin sicherzustellen.

Die Fasnacht ist ein Fest vor Beginn der vorösterlichen Fastenzeit. Damit ist der Fasnachtstermin eigentlich eindeutig festgelegt: Sie endet am 40. Tag vor Ostern. Dennoch wird die Fasnacht in Basel eine Woche später gefeiert als in den meisten anderen Orten. Der Grund dafür liegt im Konzil von Benevent von 1091 bzw. in der Reformation (um 1520). An jenem Konzil wurde beschlossen, dass die Fastenzeit an Sonntagen unterbrochen wird, dass also an Sonntagen nicht gefastet wird. Da aber weiterhin 40 Tage gefastet werden sollte, wurde damit der Beginn der Fastenzeit – und damit auch der Fasnachtstermin – um 6 Tage vorverschoben.

Dieser Konzilsbeschluss stiess nicht überall auf Gegenliebe und wurde in der Reformation rückgängig gemacht, wodurch auch der Fasnachtstermin wieder um eine Woche zurückverschoben wurde. Dass die Basler Fasnacht dennoch die einzige Fasnacht mit diesem „ursprünglichen“ Termin ist, liegt daran, dass in den anderen reformierten Orten die Fasnacht ganz abgeschafft wurde. Die Basler Fasnacht ist also die einzige „protestantische Fasnacht“. Allerdings gibt es kaum schriftliche Dokumente zu dieser Frage, so dass diese Begründung zwar plausibel ist, sich aber letztlich nicht hieb- und stichfest beweisen lässt.

Die weit verbreitete Meinung, der abweichende Fasnachtstermin hänge mit dem Wechsel von Julianischen zum Gregorianischen Kalender zusammen, ist falsch. Das ergibt sich schon allein daraus, dass beim Kalenderwechsel 10 Tage übersprungen wurden, was mit dem Fasnachtstermin nicht in Übereinstimmung zu bringen ist.

Nach dem Gesagten müsste die Basler Fasnacht „korrekterweise“ am Dienstag beendet sein. Auch wenn man die Morgenstunden des Donnerstags vernachlässigt und den Mittwoch als letzten Fasnachtstag ansieht, endet sie damit immer noch zwei Tage zu spät. Das ist aber kein Widerspruch, denn die heute aktuelle Form der Fasnacht (also 3 Tage) ist mitnichten eine uralte Tradition, sondern hat sich erst in jüngerer Zeit entwickelt, als sich die Fasnacht schon längst von jedem religiösen Bezug gelöst und als eigenständiges Fest etabliert hatte. Reduziert man die Fasnacht auf den Morgenstreich, dann stimmt das Datum.

Bis weit ins 16. Jahrhundert existierten beide Fasnachtstermine nebeneinander: zum einen die Herren- oder Pfaffenfasnacht, die am Aschermittwoch endete. Der Name deutet schon an, dass diese vor allem von den wohlhabenderen Kreisen begangen wurde. Zum anderen wurde vom gemeinen Volk die Bauernfasnacht (alemannisch Buurefasnacht) gefeiert. Die Basler Fasnacht findet demnach also zum „Bauernfasnachtstermin“ statt. Übrigens haben sich gerade im alemannischen Raum bis heute viele Bräuche der Bauernfasnacht erhalten.

Bis heute ist in Basel die Redewendung „kunnsch hindedryy wie die alti Fasnacht!" (du bist zu spät wie die alte Fasnacht) gebräuchlich.

2004 waren beim Fasnachts-Comité über 480 Einheiten gemeldet, darunter 141 Cliquen, Stammvereine, Gruppen, 141 Wagencliquen und Chaisen (Kutschen), 61 Guggenmusik-Gruppen, 86 Pfeifer- und Tambouren-Gruppen sowie 55 Einzelmasken und kleine Grüppchen. Insgesamt nahmen somit mehr als 12.000 organisierte Fasnächtler teil, hinzu kamen noch etwa 6.000 „wilde“ Fasnächtler, die nicht in einer Clique oder Gruppe organisiert sind. Insgesamt 185 Zuglaternen wurden mitgetragen oder auf einem fahrbaren Gestell mitgezogen.

Zahlreiche Aktivitäten finden vor der Fasnacht und nach der Fasnacht statt. Folgender Überblick fasst die wichtigsten wiederkehrenden Ereignisse zusammen.

Vorfasnachtsveranstaltungen sind oft Plattform für fasnachtsübergreifende Experimente, so zum Beispiel Fasnachts-Musicals oder Konzerte mit Fasnachts- und Nicht-Fasnachtsinstrumenten. Die folgende Auflistung zeigt die bekanntesten wiederkehrenden Veranstaltungen.

Das „Ladärne yynepfyffe“ (Laternen hineinpfeifen) findet am Sonntagabend vor der Fasnacht statt. Dabei werden die (meist) noch verhüllten Laternen vom Atelier, wo sie gefertigt wurden, bei Fasnachtsbeginn an den Abmarschort in der Innerstadt getragen oder gezogen. Begleitet werden sie dabei von Pfeiferinnen und Pfeifern. Die Tambouren (Trommler) lassen an diesem Anlass ihre Trommeln zuhause.

Das „Ladärne Verabschiide“ (Laternen verabschieden) findet in der Nacht auf Donnerstag der Fasnacht statt. Dabei wird ein Cliquen spezifisches Ritual durchgespielt. Meistens bildet die ganze Clique einen Kreis um ihre Ladärne (Laterne) und intoniert den Wettsteinmarsch, die Tagwacht, die Retraite, den Basler Marsch, "le Lancier" oder eine andere Komposition. Während des Vortrages werden die Lichter im Laterneninneren langsam gelöscht. Meistens findet dieses Ritual um Punkt 4.00 Uhr zum Abschluss der Fasnacht statt, manchmal aber auch früher im Laufe des Abends, und das normalerweise vor dem jeweiligen Stammlokal.

Am Samstag nach der Fasnacht finden verschiedene Maskenbälle statt, die allgemein unter dem Namen Kehrausball (Kurz und baslerisch: „Kehruus“) bekannt sind. Zudem veranstalten viele Cliquen einen cliqueninternen Kehrausball in ihren Cliquenkellern.

Nach der Fasnacht begeben sich alle Cliquen (und auch Guggenmusiken) an einem der drei folgenden Sonntage auf den sogenannten Bummel. Dieser Bummel ist der Abschluss des Fasnachtsjahres und wird meist in Form einer kleinen Reise und eines Restaurantbesuchs durchgeführt. Abends, nach der Rückkehr nach Basel, ziehen die Fasnächtler in Strassenkleidern (unmaskiert und unverkleidet) durch die Basler Innenstadt, speziell immer auch die ganze Freie Strasse hinunter (die wichtigste Strasse der Innenstadt).

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Böse Fasnacht

Als Böse Fasnacht wird der Aufruhr in Basel am 26. Februar 1376 zur Zeit der Fasnacht bezeichnet. Für die Tötung einiger Gefolgsleute des Herzogs Leopold III. bekam die Stadt harte Sanktionen auferlegt und stand rund eine Dekade lang unter habsburgischer Dominanz.

Vorgeschichte und Hintergrund des Aufruhrs waren einerseits der schon im 13. Jahrhundert begonnene Konflikt zwischen dem Bischof von Basel und dem Haus Habsburg über den Besitz der damals noch rechtlich getrennten Städte Gross- und Kleinbasel; dieser spaltete die ritterliche Führungsschicht der Stadt in die «Sterner» (für Habsburg) und «Psitticher» (für den Bischof), erfasste mit der Zeit aber die gesamte Bevölkerung. Anderseits bildete sich als dritte Partei seit Beginn des 14. Jahrhunderts eine Bewegung aus Teilen des Adels und der Bürgerschaft, die sowohl die habsburgische als auch bischöfliche Hoheit ablehnte und die Reichsunmittelbarkeit anstrebte.

Zwar verlagerten sich im auslaufenden 14. Jahrhundert die territorialen Ambitionen der Habsburger in den österreichisch-tirolischen Raum, doch blieb ein Interesse an Basel mit Blick auf die Arrondierung des elsässisch-süddeutschen Besitzes bestehen. So kaufte Herzog Leopold III. 1375 Kleinbasel als Pfand vom Basler Bischof, der es ihm aus Geldnot anbot. Im Januar 1376 empfing Leopold vom Kaiser zusätzlich die Reichsvogtei (Blutgerichtsbarkeit) über Basel und gelangte so zu wichtigen Herrschaftsrechten in der Stadt, geriet aber auch auf Konfrontationskurs mit der Bürgerschaft. Diese hatte schon konkrete Schritte zur Eigenständigkeit unternommen, als ihr vom Bischof 1372/73 Marktrecht, Zoll und Münze Grossbasels verpfändet worden waren.

Am 26. Februar 1376 hielt Leopold mit zahlreichem Anhang ein Turnier beim Grossbasler Münster ab, als sich in Kleinbasel kein geeigneter Platz für diese traditionelle fasnächtliche Veranstaltung gefunden hatte. Das Turnier erschien aber auch als Herausforderung und Machtdemonstration, und als Waffen und Pferde in die Zuschauerreihen gerieten, kam es zu Tumulten. Eine angestachelte Menge griff die Habsburger Gesellschaft auf dem Münsterplatz und in den Adelsstuben an und erschlug einige Edelleute und Knechte. Der Herzog musste in einem Kahn nach Kleinbasel fliehen, ein halbes Hundert Grafen, Domherren, Edel- und Dienstleute kamen kurzfristig in die Gewalt der Aufrührer.

Die genauen Vorgänge sind nicht rekonstruierbar. Die These, dass eine Auseinandersetzung zwischen Zünften und Adel stattfand, ist aber zweifelhaft, da viele Zunftgewerbe von der ritterlichen Kultur lebten und gerade bei Turnieren ihre größten Umsätze erzielten. Die Alltagskultur Basels wie anderer grösserer Städte des späten Mittelalters war von einer latenten Gewaltbereitschaft geprägt, die gerade an der Fasnacht immer wieder zum Ausbruch kam. Eine flottante Unterschicht, die wenig zu verlieren hatte, ließ sich jederzeit leicht zu Aufruhr anstacheln. Bereits beim Pogrom von 1349 gegen die Basler Juden – ebenfalls zur Fasnachtszeit – waren Banden aus dieser Gesellschaftsgruppe aufgehetzt worden, während die Hintermänner im Dunkeln blieben. So wird vermutet, dass die Drahtzieher der gewaltsamen Auftritte von 1376 aus dem Umfeld des Bischofs oder der städtischen Autonomisten kamen.

Der städtische Rat erklärte «fremdes Volk und böse Buben» verantwortlich und ließ zwölf angebliche Rädelsführer enthaupten. Der Herzog ergriff jedoch die Gelegenheit, die Bürgerschaft insgesamt zur Verantwortung zu ziehen und botmässig zu machen. Auf sein Drängen verhängte das Reich für den Landfriedensbruch die Acht über Basel, das so von der Aussenwelt abgeschnitten wurde. Das Abkommen vom 9. Juli 1376 in Hall in Tirol zwischen Stadt und Herzog legte den Streit bei, fiel aber höchst ungünstig für Basel aus. Es musste Leopold von nun an Dienstfolge wie andere habsburgische Städte leisten und einen Schadenersatz von 8.000 Gulden zahlen. Mit der Macht Leopolds im Rücken dominierte die habsburgische Partei in der Stadt.

Dem bürgerlichen Streben nach Eigenständigkeit war vorerst Einhalt geboten worden. Jedoch suchten die Habsburger in der Folge um ein gutes Einvernehmen mit Bischof und Bürgerschaft, so dass diese ihre Positionen wieder aufbauen konnten. Basler Adelige wie die Familien Münch und Bärenfels flochten währenddessen ein enges Beziehungsnetz mit den römisch-deutschen Herrschern aus dem Haus Luxemburg. Die Emanzipierung aus der Habsburger Vorherrschaft setzte 1384 mit dem Beitritt zum Schwäbischen Städtebund ein. Die Niederlage in der Schlacht von Sempach am 9. Juli 1386 war eine Katastrophe für die Habsburger in Basel. Zahlreiche ihrer Anhänger aus Ritter- und Bürgerschaft wurden getötet, auch Leopold III. kam ums Leben. Die Stadt ergriff die Gelegenheit. Drei Wochen später erwarb sie die durch den Tod des Herzogs freigewordene Reichsvogtei. 1392 dann kaufte sie das bischöfliche Pfand Kleinbasel von den nun ihrerseits in Geldnot befindlichen Kindern Leopolds und vereinigte die beiden Städte. Ein offen formulierter Bündnisvertrag schaffte den Ausgleich mit den Habsburgern 1393. Die faktische Selbständigkeit der Stadt (die rechtliche Ablösung der Pfänder gelang erst im späten 15. Jahrhundert) erlaubte dieser nun eine eigene Territorialpolitik, die 1400 begann.

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Monika Fasnacht

Monika Fasnacht (* 6. August 1964) ist eine Schweizer Fernsehmoderatorin. Seit 1993 arbeitet sie beim Schweizer Fernsehen (SF).

Nach der Matura Typus E besuchte Monika Fasnacht die Hotelfachschule in Luzern. Neben dem Hotelfach arbeitete Fasnacht zweieinhalb Jahre bei der Schweizer Fluglinie Swissair und viereinhalb Jahre beim Radio, bevor sie zum Fernsehen ging.

Seit mehreren Jahren moderiert Fasnacht zusammen mit Sascha Ruefer die Schweizer Ausscheidung des Grand Prix der Volksmusik. Im Jahre 2005 präsentierte Fasnacht das Internationale Finale in Zürich.

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Fasnacht in Liechtenstein

Die Fasnacht geniesst in Liechtenstein einen besonderen Stellenwert, auch wenn die "Fünfte Jahreszeit" im Fürstentum eine relativ junge Erscheinung ist. Quellen berichten von ersten Fasnachtveranstaltungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Fasnachtshochburg ist die Gemeinde Schaan.

Auch wenn es schon länger Fasnachtsveranstaltungen gab, entstand die organisierte Liechtensteiner Fasnacht mit der Einführung des Schaaner Fasnachtsumzug 1952. Organisator war der Fussballclub, der sich daraus einen Zustupf in die Vereinskasse erwartete. Beteiligt waren rund zwei Dutzend Männer, die sich in zwei Fussballmannschaften teilten: Die «Kenia Niggers», in weissem Dress und mit schwarz bemalten Gesichtern sowie die «Hollywood Stars» in bunten Kleidchen und kurzen Röckchen. Auf Wagen zogen sie vom Dorf zum Fussballplatz, wo ein Fussballspiel ausgetragen wurde. In den Jahren von 1953 bis 1956 kamen keine Umzüge zustande.

1957 rollten wieder drei Fasnachtswagen durchs Dorf; die Organisation lag erneut beim Fussballclub.Im Herbst 1957 ging die Verantwortung für die Organisation des Fasnachtsumzugs auf das Vereinskartell, ein Zusammenschluss aller Schaaner Ortsvereine, über. Es wurde ein eigenes Fasnachtskomitee gebildet, das künftig den Umzug organisierte. Beim Umzug von 1958 wurde übrigens erstmals ein Eintritt von 1 Franken erhoben.

In der Folge wurde der Schaaner Fasnachtsumzug jedoch immer kleiner. Durch einen Appell des Fasnachtskomitees an die Schaaner Vereine konnte der Niedergang gestoppt werden. 1964 brach in Triesenberg die Maul- und Klauenseuche aus; um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, verbot die Regierung den Fasnachtsumzug. 1965 konnte jedoch die Fasnacht gefeiert werden. Der Umzug war so gross wie noch nie und wurde vom Schweizer Fernsehen mitgeschnitten.

Andere Fasnachtsveranstaltungen entstanden im Umfeld des Schaaner Umzugs.

Seit 1966 ist die neu gegründete Narrenzunft für die Organisation des Umzugs verantwortlich. Unter dem Motto «Schaaner Fasnacht maximal» beteiligen sich 28 Gruppen am Umzug. 1977 wurde das 25-jährige Jubiläum der Schaaner Fasnacht gefeiert. Der Umzug zog - trotz starken Föhnsturms - rund 15'000 Zuschauer an.

In den Achtzigerjahren wurde der Umzug immer grösser: Ausländische Guggenmusiken sorgten für musikalische Abwechslung, Fasnachtsgilden aus dem Ausland belebten das Bild, aber auch traditionsreiche Fasnachtsgruppen aus Schaan und anderen Gemeinden brachten Leben in den oft über 70 Gruppen umfassenden Zug. Im Januar 1991 brach nach dem irakischen Einmarsch in Kuwait in der Golfregion Krieg aus. Aus Solidarität mit den Opfern des Krieges und deren Angehörigen wurden sämtliche Fasnachts-Veranstaltungen abgesagt. Es wäre das 25-jährige Jubiläum der Narrenzunft gewesen.

Neben dem Schaaner Umzug gibt es heute zahlreiche weitere Anlässe in Liechtenstein zur Fasnachtszeit.

Der Schaaner Fasnachtumzug ist der grösste Umzug der Region mit mehreren Zehntausend Zuschauern und fester Bestandteil in der regionalen Fasnacht. Er findet jeweils am Fasnachtssonntag statt. Daneben erfreuen sich vor allem die Umzüge in Mauren und Trisenberg sowie der Kinderumzug in Vaduz grosser Beliebtheit.

1976 fand in Schaan am Fasnachtssamstag auf dem Platz vor der St. Peterskirche das erste Monsterkonzert statt, an dem sich rund 300 Guggenmusiker beteiligten.

Es war der Beginn einer neuen Tradition, mit der die Bevölkerung auf den traditionellen Umzug vom Fasnachts Sonntag eingestimmt wurde. Seit 1991 findet das Monsterkonzert jeweils auf dem Lindenplatz statt. Das Monsterkonzert vom Fasnachtssamstag wurde zu einem in der Region bekannten und beliebten Anlass. In den letzten Jahren wurde es jeweils von rund 10'000 Zuhörern besucht. Weitere Monsterkonzerte finden in Vaduz, Eschen, Malbun und Balzers statt.

1990 wurde das Schaaner Zentrum zwischen St. Peter und Lindenplatz erstmals von Samstag Abend bis Sonntag Abend für den Verkehr gesperrt. Das war der Beginn der inzwischen traditionellen Strassenfasnacht. Heute beginnt die Strassenfasnacht am Schmutzigen Donnerstag und endet in der Nacht auf den Aschermittwoch. In diesen Nächten ist die Sperrstunde aufgehoben.

Besonders das Restaurant Trüble in Schaan, das jeweils nach dem Motto der Guggamusik Plunderhüüsler dekoriert war, erfreute sich grosser Beliebtheit. Seit dem Frühling 2007 ist das Trüble aufgrund des baufälligen Zustandes nicht mehr verpachtet und wird daher in der Zukunft nicht mehr geöffnet sein. Es entwickelte sich in den vergangen Jahren zum Fasnachtssport, so lange wie möglich am selben Platz im Trüble zu sitzen, ohne sich dazwischen zu erheben. Aufgrund dieses Umstandes ist zu erwarten, dass sich das Fasnachtsgeschehen ab dem Jahr 2008 mehr auf den Dorfkern von Schaan zwischen Lindenplatz und Restaurant Rössle konzentrieren wird.

Weitere Treffpunkte in Liechtenstein sind das legendäre Lokal Gitzihöll in Malbun, das Restaurant Freiendorf in Mauren und das Restaurant Kreuz in Schellenberg.

In vielen Gemeinden wird zu Beginn der kleinen Fasnacht am 11. November um 11.11 Uhr der Rathausschlüssel an die Narrenzunft oder das Prinzenpaar übergeben. Diese Übergabe wird meist mit Guggamusikauftritten und ersten Fasnachtspartys gefeiert.

Während Schaan die Hochburg der Strassenfasnacht ist, sind vor allem die Törmleparty in Vaduz und der Gigox in Triesenberg die beliebtesten Fasnachtsbälle. Auch der Crazyball, organisiert von FC Vaduz, zählt jeweils viele Besucher. Für die Kinder finden spezielle Kindermaskenbälle statt.

Die ersten Guggamusiken gab es in Liechtenstein bereits in den Fünfzigerjahren. Diese losen Verbindungen lösten sich aber meist nach einigen Jahren wieder auf. Die erste Guggamusik, die bis heute besteht, entstand im Jahr 1970. In Schaan schlossen sich einige Jugendliche, ausgestattet mit alten Instrumenten der Harmoniemusik oder anderen lärmenden Dingen, zur "Schaaner Guggamusik" zusammen. Die ersten öffentlichen Auftritte erfolgten in den Gasthäusern in Schaan. Im Jahr 1972 erfolgte die erste Teilnahme am Schaaner Umzug. 1976 wurde die Gruppe auf den neuen Namen Röfischrenzer getauft. 2003 wurde der Guggamusik Röfischrenzer durch den Fürsten Hans-Adam II von und zu Liechtenstein eine grosse Ehre erteilt. Sie bekamen den Titel Fürstliche Guggamusik Röfischrenzer verliehen. Seit 2006 zieren die Farben des Fürstenhauses – Rot / Gold auch die Fahne der Röfischrenzer. In den vergangen Jahren erfolgten zahlreiche Auftritte im Ausland. Seit mehreren Jahren sind die Röfischrenzer Mitglied bei der Närrischen Europäischen Gemeinschaft und der Föderation Europäischer Narren.

Die Liechtensteiner Guggamusiken sind im Liechtensteinischen Guggamusikverband organisiert. Anders als bei vielen Guggamusiken im Ausland, wechseln die Kleidung der Liechtensteinischen Guggamusiken jährlich. Weitere Guggamusiken sind: Plunderhüüsler Schaan (1972), Törmleguger Vaduz (1974), Moschtgügeler Triesen (1976), Wildmandligugga Triesenberg (1980), Tuarbaguger Eschen (1982), Pföhrassler Balzers (1989), Ratatätsch Schaan (1998) und die Gitzifäger Nendeln (2002). Die Guggamusik Ratatätsch entstand aus einem Rhythmuskurs für Behinderte. Der Verein setzt sich zum Ziel, einen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration von Menschen mit Behinderungen zu leisten, und diesen eine Möglichkeit zu bieten aktiv an der Fasnacht teilzunehmen.

Neben den normalen Fasnachtbrauchtümer der Region, wovon in Liechtenstein vor allem das Ruassla und das Bratenstehlen sowie das Sammeln von Fasnachtsplaketten mit Enthusiasmus betrieben wurden, haben sich einige besondere Gepflogenheiten entwickelt.

Verschiedene Gruppierungen geben in der Fasnachtzeit kleine Zeitungen heraus, die das Jahresgeschehen in der Gemeinde humorvoll kommentieren. Oftmals erschliesst sich der Humor in den Fasnachtszeitungen aber nur einheimischen Lesern, welche die versteckten Anspielungen verstehen können. Als erste Fasnachtszeitung erschien 1922 in Schaan der Eselstuhl. Weitere Fasnachtszeitungen sind der Wingertesel (Schaan), Residenzler (Vaduz), Provinzler (Eschen), Jux (Ruggell), Räbahobel (Mauren), Wildmandli (Triesenberg), Tresner Moscht Press (Triesen) sowie der Buschneger (Gamprin, 2002 eingestellt). Seit 2008 gibt die Liechtensteiner Tageszeitung, das "Liechtensteiner Vaterland" unter dem Titel "Liechtensteiner Fasnachtsland" eine Fasnachtsausgabe heraus.

Malbun ist eine Siedlung in einem Hochtal in den Liechtensteinischen Bergen. Während die Siedlung politisch zu Vaduz und Triesenberg gehört, wird während der Fasnacht ein eigener Gemeinderat gewählt. Zwanzig ungefragte Kandidaten müssen sich jeweils zur Wahl stellen. Das Wahlkampfprogramm beschränkt sich auf das Spendieren hochprozentiger Getränke. Aufgabe des Gemeinderats ist es, während der Amtsperiode für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Auf Anregung der Melser Kapuzinermönche wurde in Liechtenstein von den 1930er Jahren bis in die 1980er Jahre in allen Gemeinden für die Mission in Afrika gesammelt. Mit schwarz geschminkten Gesichtern und Baströckchen gingen Kinder von Tür zu Tür. Zudem war in vielen Schulen ein sogenanntes "Negerkässile" aufgestellt, eine Geldsammelbüchse mit einem knienden schwarzen Jungen, der dankend mit dem Kopf nickte, wenn man eine Münze einwarf. Dieser rückwirkend betrachtet rassistisch gefärbte Brauch wird heute nicht mehr ausgeübt.

Der Schaanerfasnachtsruf "Allweg Kwösso" (etwa: Gewiss auf allen Wegen) soll die Antwort eines Schaaners auf die Frage wo es denn zum Restaurant Rössle ginge gewesen sein. Der Ruf erinnert an den Ausspruch Alle Wege führen nach Rom.

Gerüchteweise wird der Fasnacht in Liechtenstein auch die Erfindung des Flying Hirsch, ein alkoholisches Mischgetränk aus Red Bull und Jägermeister, zugeschrieben. Grösstenteils herrscht jedoch die Meinung vor, dass das Getränk in einem österreichischen Skigebiet erfunden wurde. Dennoch verkleiden sich Liechtensteinische Jugendliche in der Fasnachtszeit seit vielen Jahren als fliegende Hirsche.

Im Liechtensteinischen Landesmuseum ist eine permanente Ausstellung der Liechtensteinischen Fasnacht gewidmet. Auch in anderen liechtensteinischen Museen wurden temporäre Ausstellungen zum Thema gezeigt.

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Source : Wikipedia