Erfurt

3.4034334763648 (2563)
Geschrieben von daneel 28/02/2009 @ 05:01

Tags : erfurt, thüringen, deutschland

Neueste Nachrichten
Erfurt will Stadtwerke-Chefs entlassen - MDR
Erfurt will die umstrittenen Geschäftsführer seiner Stadtwerke entlassen. Oberbürgermeister Andreas Bausewein sagte MDR 1 RADIO THÜRINGEN, der Korruptionsverdacht gegen Rainer Otto und Bernd Möldner habe sich bestätigt. Das gehe aus einem von der Stadt...
Kita-Streik in Erfurt - MDR
In fünf Erfurter Kindertagesstätten und zwei Krippen ist am Dienstag gestreikt worden. Die Gewerkschaft ver.di erklärte, die Eltern der betroffenen 500 Kinder seien rechtzeitig informiert worden. Unter einer ver.di-Hotline konnten sie sich zudem über...
Erfurt und Wuppertal trennen sich 2:2 - Bild.de
Erfurt (dpa/lnd) - Rot-Weiß Erfurt und der Wuppertaler SV haben sich am letzten Spieltag der 3. Fußball-Liga am Samstag 2:2 (2:2) getrennt. Die Thüringer gingen vor 3802 Zuschauern durch einen Treffer von Martin Hauswald (5.) in Front....
Hörgl soll es in Erfurt richten - MDR
Fußball-Drittligist Rot-Weiß Erfurt ist auf der Suche nach einem neuen Trainer offenbar fündig geworden. Wie der MDR aus Vereinskreisen erfahren hat, wird Rainer Hörgl am Freitag als Nachfolger von Karsten Baumann vorgestellt....
ERFURT: TV-Experten tauschen Ware - Thüringer Allgemeine
Ab Mittwoch treffen sich zum vierten Mal Fernsehspezialisten für Vorschulprogramm zur Erfurt Exchange. Im Gepäck haben sie ihre beste Ware. Der Ki.Ka ist erneut Gastgeber im Auftrag der Europäischen Rundfunkunion (EBU)....
Finales Prestige-Duell - MDR
Die "Vorbereitung" auf das Thüringer Landespokal-Finale konnte unterschiedlicher kaum sein: Während sich Rot-Weiß Erfurt im bedeutungslosen letzten Drittliga-Spiel offenkundig schonte, musste Carl Zeiss Jena im Kampf gegen den Abstieg physisch und...
Erster Mitteldeutscher Kunststofftag in Erfurt - Südthüringer Zeitung
Folien, Verpackungen, Gummiwaren, Werkzeuge - auf der Erfurter Messe dreht sich von heute an alles um Kunststoffe. Beim ersten Mitteldeutschen Kunststofftag treffen sich bis Mittwoch Experten aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, um unter anderem...
Tauschbörse für Kinderprogramme startet in Erfurt - Südthüringer Zeitung
Zum Informationsaustausch über Trends und Themen im Vorschulfernsehen lädt von heute an die Fachtagung «Erfurt Exchange». Dabei werden von den Programmverantwortlichen Filmbeiträge aus Europa, Asien, Afrika und Südamerika ausgetauscht....
Masdar PV präsentiert Hightech-Dünnschicht-Solarmodule auf Intersolar - FinanzNachrichten.de
Erfurt (ots) - Die Masdar PV GmbH, Hersteller von bis zu 5,7m² großen Dünnschicht-Solarmodulen, präsentiert auf der Intersolar in München erstmals ihre Hightech-Produkte der Öffentlichkeit. Mit einem um 10% höheren Wirkungsgrad als herkömmliche...

Bezirk Erfurt

Bezirk Erfurt

Der Bezirk Erfurt war ein auf Fläche und Bevölkerungszahl bezogen mittelgroßer Bezirk im Südwesten der Deutschen Demokratischen Republik, der zwischen 1952 und 1990 bestand. Der landwirtschaftlich und industriell geprägte Bezirk wurde infolge der Verwaltungsreform von 1952 aus dem nordwestlichen Teil des bis dahin bestehenden Landes Thüringen und Randbereichen Sachsen-Anhalts gebildet. Bezirksstadt war Erfurt. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 ging das Territorium im Bundesland Thüringen auf.

Der Bezirk Erfurt umfasste ein Gebiet von 7325 km², das sich über Nordthüringen und große Teile Mittelthüringens erstreckte. Das Gebiet schließt die Naturräume Thüringer Becken mit dem Eichsfeld, Teile des Harzes und des Thüringer Waldes ein.

Angrenzende Bezirke waren im Norden der Bezirk Magdeburg, im Nordosten der Bezirk Halle, im Osten und Südosten der Bezirk Gera, im Süden der Bezirk Suhl. Im Westen und Nordwesten verlief die Staatsgrenze zur Bundesrepublik Deutschland mit den angrenzenden Bundesländern Hessen im Westen und Niedersachsen im Nordwesten.

Bei der Bildung der thüringischen Bezirke im Vorfeld der Verwaltungsreform von 1952 stellte sich heraus, dass in keinem der zu bildenden Bezirke ein charakteristischer Wirtschaftszweig dominieren würde. Auch schloss sich die Zusammenfassung eines zusammenhängenden Naturraums in einem gemeinsamen Bezirksgebiet aus. Der Zuschnitt der Bezirksgebiete aus dem vormaligen Land Thüringen erfolgte daher durch unterschiedliche verwaltungstechnische, ökonomische, geografische, sicherheitspolitische und kulturhistorische Gründe, wobei im Gegensatz zu einigen anderen Bezirken ökonomische und geografische Aspekte nicht allzu stark in den Vordergrund traten. Ein zwischenzeitlich diskutierter Thüringer „Kalibezirk“ konnte bedingt durch die Streulage der Kalilagerstätten im Südharz- und Werra-Revier nicht realisiert werden. Die Wahl von Erfurt zu einer Bezirksstadt stand aufgrund der städtischen Größe bereits zu Beginn der Neugliederung des Staatsgebietes fest. Zudem hatte Erfurt den Vorteil einer relativ zentralen Lage im Bezirk vorzuweisen.

Der Bezirkstag Erfurt mit seinen 75 Abgeordneten bestätigte zu dessen erster Sitzung am 1. August 1952 den durch die SED zuvor bestimmten Vorsitzenden des Rates des Bezirkes Willy Gebhardt.

Die Streiks im Zusammenhang mit dem Volksaufstand des 17. Juni 1953 hatten im Bezirk Erfurt bis zum 19. Juni angedauert. Größtes Zentrum des Aufstandes war die Bezirksstadt, kleinere Zentren waren Rheinmetall Sömmerda, Gotha, Nordhausen, Mühlhausen und Weimar. Nach der Niederschlagung der Aktivitäten wurden aus den Bezirken Erfurt und Gera vier Menschen zwischen dem 18. und 20. Juni 1953 standrechtlich erschossen. Da die SED im Bezirk Erfurt bereits früh mit jungen Funktionären besetzt war, die nicht mehr aktiv gegen den Nationalsozialismus gekämpft hatten, und ältere Parteimitglieder fortwährend weniger Funktionen innehatten, befand sich die Partei im Bezirk nach dem 13. Juni 1953 in einer Krisensituation. Einige junge Verantwortliche waren von der Situation überfordert; unter anderem wurden in Sömmerda der Erste Sekretär der SED-Kreisleitung, Herrmann Stange, und der Vorsitzende des Rates des Kreises des Amtes enthoben.

Seit 1958 stand Alois Bräutigam an der Spitze der SED-Bezirksleitung, der als enger Vertrauter Walter Ulbrichts galt. Politische Erfahrung sammelte er zuvor als Erster Sekretär der SED-Kreisleitung von Arnstadt zwischen 1949 und 1950, von Weimar 1950 bis 1951, der SED-Stadtleitung Erfurt 1953 und 1954 sowie drei Jahre an der Spitze der Gebietsparteiorganisation der SDAG Wismut. Im Laufe seiner Amtsführung kamen seine Tätigkeit und sein Führungsstil, ebenso wie der einiger Kreissekretäre der Partei, zunehmend in Kritik, so dass im April 1980 Bräutigams Amtszeit beendet wurde. Nachfolger wurde der bisherige Zweite SED-Bezirkssekretär von Neubrandenburg, Gerhard Müller.

Mit Müller waren Hoffnungen für einen moralischen Neuanfang verbunden. Er setzte neue Richtlinien bei der ideologischen Ausrichtung der Parteimitglieder in seinem Bezirk durch. Anlässlich des Karl-Marx-Jahres 1983 setzte Müller in den beiden katholisch dominierten Kreisen Heiligenstadt und Worbis Maßstäbe, die zentrale Vorgaben übertrafen. So sollten nicht lediglich Partei-eintrittswillige Bürger sich klar zum Sozialismus bekennen und daher aus der Kirche austreten, sondern zudem Funktionäre der SED selbst. Der Kurs nahm offenbar kaum Rücksicht auf das Verhältnis zwischen SED und Kirche. Müller wurde daraufhin aus Berlin eine Änderung der Strategie angeordnet. Die mit der Person verbundenen Hoffnungen konnten spätestens um 1985 kaum noch aufrecht erhalten werden.

Unterdessen begann der Bau zahlreicher Plattenbaugebiete in Erfurt und anderen kleineren Städten. Unzureichende Kommunikation zwischen den Bauämtern verbunden mit Zeitdruck führten oftmals zur Situation, dass Wohnungen erst verspätet oder gar nicht bezogen werden konnten, da Teile der Infrastruktur zum Termin der Fertigstellung noch nicht vorhanden waren. Gleichzeitig wurden Mitte der 70er Jahre Rekonstruktionsmaßnahmen eingeleitet, bei denen die Bezirke für Bauten in Ost-Berlin und die Kreisstädte für die Bezirksstädte aufkommen sollten. Diese Programme konnten die Problematik des kontinuierlichen Verfalls der Altbausubstanz nicht lösen. Anfang der 80er Jahre hatte der Bezirk mit rund 44 Prozent Anteil von über 80 Jahre alter Bausubstanz am gesamten Wohnungsbestand, mithin einen vergleichsweise hohen Wert. Davon sperrte die Staatliche Bauaufsicht rund 4800 Wohnungen aufgrund des mangelhaften Bauzustandes, 1300 galten als schwer vermietbar. Besonders prekär war die Lage in Erfurt, Weimar, Mühlhausen, Gotha, Bad Langensalza und Arnstadt. Teile von Altbauvierteln waren zum Abriss vorgesehen, was in vielen Fällen mangels finanzieller Mittel ausblieb.

Durch die Siegelordnung der DDR vom 28. Mai 1953 verloren alle regionalen Wappen ihre Bedeutung als Marke bzw. Siegel. Jedoch wurden die Wappen der Städte und Kreise weiterhin an Gebäuden, oder in Publikationen verwendet, ohne eine amtliche Funktion zu erfüllen. Das in einigen Büchern verwendete Wappen des Bezirkes Erfurt zeigt in Wirklichkeit das Wappen der Stadt Erfurt. Amtlich war das Siegelwappen der DDR. Erst durch die Kommunalverfassung der DDR vom 17. Mai 1990 konnten Gemeinden und Kreise wieder ausdrücklich Wappen führen und sie als Siegel verwenden.

Der Bezirk Erfurt wies eine vielschichtige Industrie- und Landwirtschaftsstruktur auf, weshalb er seinerzeit als Industrie-Agrar-Bezirk charakterisiert wurde. Damit hatte Erfurt im Gegensatz zu einigen anderen Bezirken keinen dominierenden Wirtschaftszweig, lediglich die Anteile der einzelnen Industriebranchen verschoben sich.

Die breit gefächerte Industriestruktur des Bezirkes umfasste hauptsächlich den Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Elektronik, Feinmechanik, optische Geräte, Kali- und Steinsalzabbau, Zement-, Lederwaren-, Möbel- und Textilproduktion, Nahrungsmittelindustrie und die ab den 80er Jahren beginnende Produktion von Mikroelektronik. Rund 25% der industriellen Produktion stellte die Bezirksstadt selbst.

Profilbestimmende landwirtschaftliche Produkte waren Weizen, Zuckerrüben, Gemüse und Obst. Zudem betrieb man intensive Rinderzucht. Die Grundlagen für landwirtschaftliche Nutzung waren vor allem im Thüringer Becken gegeben, die Kreise Bad Langensalza, Erfurt, Sömmerda und Weimar behielten bis 1990 ihre landwirtschaftliche Prägung.

Mit der Wiedererrichtung der Länder auf dem Gebiet der DDR im Jahre 1990 wurden die Bezirke aufgelöst. Der Bezirk Erfurt wurde dem Land Thüringen, ab 1994 Freistaat Thüringen zugeordnet.

Mit der Kreisreform, die in Thüringen zum 1. Juli 1994 umgesetzt wurde, entstanden aus den bisherigen Kreisen größere Verwaltungseinheiten.

Zum Seitenanfang



Universität Erfurt

Logo

Die Universität Erfurt kann als eine der ältesten Universitäten Deutschlands angesehen werden. Sie wurde 1392 gegründet und bestand bis 1816. Die Neugründung erfolgte 1994.

Schon 1379 hatte sich die Stadt Erfurt bei Papst Clemens VII. für die Gründung einer eigenen Universität in Erfurt beworben und eine entsprechende Gründungsurkunde erhalten. Die Initiative für die Bewerbung geht dabei insbesondere auf das hohe Engagement der Erfurter Bürgerschaft zurück. Da der Landesherr, Erzbischof Adolf von Mainz, jedoch die Fronten wechselte und sich Papst Urban VI. zuwandte, wurde die Eröffnung unmöglich.

Nachdem jedoch im Jahre 1389 der Rat zu Köln die Gründung einer Universität in seiner Stadt erreicht hatte, wurden auch die Erfurter Stadtväter wieder aktiv und bemühten sich ein zweites Mal um die Genehmigung zur Gründung einer Universität. Diese Genehmigung erteilte ihnen der römische Papst Urban VI. noch im selben Jahr.

1392 wurde die Universität Erfurt als dritte Universität innerhalb der Grenzen des heutigen Deutschlands eröffnet. Im selben Jahr fand die erste Rektorwahl statt und wurde zum Sommersemester der Lehrbetrieb aufgenommen.

Erster Rektor der Universität Erfurt war der Arnstädter Ludwig Mollner. Unter ihm und seinen Nachfolgern nahm die Universität Erfurt einen raschen Aufstieg. Schnell entwickelte sich die junge Universität zu einer Volluniversität mit allen vier Fakultäten (Philosophie, Medizin, weltliches und kirchliches Recht, Theologie). Die Artistenfakultät, an der die Sieben Freie Künste (artes liberales) gelehrt wurden, genoss ein äußerst hohes Ansehen.

Dasselbe gilt auch insbesondere für die theologische Fakultät, deren Absolventen in ganz Deutschland tätig waren, und für die juristische Fakultät, an der sich zu Beginn des 15. Jahrhunderts neben dem Kirchenrecht auch das Zivilrecht durchsetzte. Die Erfurter Universität war zeitweilig die berühmteste Stätte rechtswissenschaftlicher Studien nördlich der Alpen und wurde als „Bologna des Nordens“ gerühmt. Zum hohen Ansehen dieser beiden Fakultäten trugen vor allem auch ihre Vertreter bei, die an den Konzilien von Konstanz (1414-1418) und Basel (1431-1449) teilnahmen und in vielen kirchlichen Streitfragen als bedeutsame Gutachter fungierten. Außerdem machten sie sich als Ratgeber der Fürsten einen Namen.

So kam es, dass die Universität Erfurt im 15. Jahrhundert zur meistbesuchten Universität Deutschlands wurde und die größte Studentenschaft zählte. Ihre Scholaren strömten aus allen Teilen Europas nach Erfurt. Außerdem diente sie als Vorbild für viele Universitätsgründungen des 15. Jahrhunderts, z.B. für Rostock (1419), Basel (1460), Trier (1473) und Mainz (1477).

Aus dieser Zeit stammt auch eine große Bibliothek, die berühmte Bibliotheca Amploniana, gestiftet von Amplonius Rating de Berka, der in Erfurt sein Medizinstudium beendete und dort 1393 promovierte. Vom 5. Mai 1394 bis zum 31. Januar 1395 war er zweiter Rektor der Universität Erfurt. Um 1410 schrieb er eigenhändig einen nach Wissensbereichen (Theologie, Medizin etc.) geordneten Katalog für seine Bibliothek, der heute noch erhalten ist. Am 1. Mai 1412 schenkte Amplonius seine Bibliothek dem von ihm gestifteten Collegium Porta Coeli (Collegium Amplonianum) in Erfurt. Die Bibliothek des Amplonius umfasst das Universum des spätmittelalterlichen Wissens. Bis heute sind noch etwa zwei Drittel des ursprünglichen Buchbestandes erhalten. Die Bibliotheca Amploniana wird seit 2001 in der Universitätsbibliothek Erfurt aufbewahrt. Sie gilt als eine der bedeutendsten Handschriftensammlungen Deutschlands und ist die weltweit größte noch geschlossen erhaltene Handschriftensammlung eines spätmittelalterlichen Gelehrten.

Einen weiteren geistigen Aufschwung erlebte die Universität Erfurt um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert. Er erfolgte gleichzeitig nach zwei Richtungen: Zum einen gab es eine Spätblüte der Scholastik, zum anderen blieb Erfurt der via moderna treu. Dies verstärkte weiter den Zustrom von Studenten, sodass allein zwischen 1392 und dem Jahre 1521 weit über 35.700 Studenten immatrikuliert wurden, was eine für damalige Verhältnisse gewaltige Zahl an Studenten bedeutet.

Einer der bekanntesten Erfurter Studenten aus dieser Zeit ist der Reformator Martin Luther, welcher an der artistischen Fakultät der Universität Erfurt 1501 als „Martinus Ludher ex Mansfeldt“ immatrikuliert wurde, dort 1502 sein Bakkalaureus-Examen ablegte und 1505 zum Magister Artium wurde. Dabei bekam er wichtige Grundlagen und zahlreiche Anregungen für seine spätere Entwicklung mit. Sein ganzes Leben lang hatte Luther eine enge Beziehung zu Erfurt und seiner Universität, wohin ihn sein Weg auch später noch mehrmals führte. Wie ein Bekenntnis klingt es, wenn er 1513 formulierte: "Die Erfurter Universität ist meine Mutter, der ich alles verdanke". Nach seinem Gewitter-Erlebnis trat Luther am 17. Juli 1505 in das Augustinerkloster ein. 1507 empfing er in der Kilianikapelle des Erfurter Marienstifts (Dom) (heute ein Vorlesungsraum der katholisch-theologischen Fakultät) die Priesterweihe und begann danach Theologie am Generalstudium der Augustiner-Eremiten in Erfurt, das der Universität inkorporiert war, zu studieren, 1509 wurde er dann im Coelicum (dem heutigen Auditorium der katholisch-theologischen Fakultät) promoviert.

Auch in den säkularen Erneuerungsbewegungen von Humanismus und Reformation spielte die Universität eine sehr wichtige Rolle. So entstanden im so genannten „Erfurter Humanistenkreis“ um Helius Eobanus Hessus die „Dunkelmännerbriefe“ (1515/17), welche als die bedeutendsten und treffendsten Satiren auf die späte Scholastik und das pseudogelehrte Mönchtum der damaligen Zeit gelten.

In den Jahren 1520/1521 bekleidete der angesehene Humanist Crotus Rubeanus das Rektorenamt. Er bereitete für Martin Luther auf seinem Durchzug zum Reichstag nach Worms 1521 einen Ehrenempfang, was von der begeisterten Aufnahme des reformatorischen Gedankens zeugt.

Mit dem Einsetzen der Reformation nach 1521 setzte ein starker Niedergang der Universität Erfurt ein. Der Anteil der Erfurter Studenten innerhalb der deutschen Studentenschaft (ohne die Habsburgischen Gebiete) fiel von über 20 % auf 1,5 % bis 3 % im 17. und 18. Jahrhundert. Erfurt teilte das Schicksal solcher Kleinstuniversitäten wie Altdorf, Duisburg, Fulda und Herborn und überlebte die Epoche der Napoleonischen Kriege in Deutschland nicht. Nachdem Erfurt wieder preußisch geworden war, wurde die Universität mit ihren etwa 20 Studenten im Jahre 1816 geschlossen.

Lediglich die im Jahre 1754 von Erfurter Universitätsprofessoren gegründete Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt blieb bestehen. Die Akademie versuchte wie auch der Verein für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt das Andenken der Universität wach zu halten.

An die Tradition der alten Erfurter Universität erinnern unter anderem viele Gebäude im historischen Universitätsviertel, dem sogenannten Lateinischen Viertel. Dort befindet sich auch das im Zweiten Weltkrieg zerstörte und seit 1998 im Wiederaufbau befindliche Hauptgebäude der historischen Universität, das Collegium Maius (errichtet 1512-1515).

Schon seit 1987 engagierten sich Mitglieder der heutigen Universitätsgesellschaft Erfurt für eine Wiedergründung, die mit der Wende 1989 auf deren Initiative hin rasch Gestalt annahm. Im Dezember 1993 beschloss der Landtag des Freistaats Thüringen, die Universität wiederzuerrichten. Sie ist damit die jüngste staatliche Universität Deutschlands und zugleich eine der ältesten, welche über eine bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition verfügt.

Die juristische Wiedergründung der Universität in Erfurt erfolgte zum 1. Januar 1994. Der Lehrbetrieb wurde zum Wintersemester 1999/2000 aufgenommen. Kurz zuvor verließ Gründungspräsident Peter Glotz, SPD-Politiker und Kommunikationswissenschaftler, die Universität. Sein Nachfolger wurde Wolfgang Bergsdorf. Der Freund des damaligen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel hatte kurz zuvor bei der Abwahl Helmut Kohls seine Stellung als Ministerialdirektor im Bundeskanzleramt verloren.

2001 wurde die Pädagogische Hochschule Erfurt in die Universität eingegliedert: Diese Hochschule war 1969 durch Zusammenlegung der 1953 eröffneten Pädagogischen Institute Erfurt und Mühlhausen gegründet worden und bildete seit 1990 Grundschullehrer und Regelschullehrer aus. Zum 1. Januar 2003 wurde mit der Katholisch-Theologischen Fakultät die zuvor von der Katholischen Kirche getragene Theologische Fakultät Erfurt samt Priesterseminar (Nachfolgerin des 1952 errichteten Philosophisch-Theologischen Studiums Erfurt) als vierte Fakultät in die Universität integriert.

Wegen chronischer Unterfinanzierung kam es 2003 zu umfangreichen Entlassungen und Nicht-Besetzungen freier Stellen, die wie in ganz Thüringen Studentenproteste auslösten. Unter Anpassung einiger der ursprünglichen Reformziele konnte die Situation durch administrative Maßnahmen der Universitätsleitung und der -gremien stabilisiert werden.

2005 und 2008 schnitten die Studienrichtung Kommunikationswissenschaften und einige Studienrichtungen der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität in der Spitzengruppe des Hochschulrankings vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) und dem Magazin stern ab. Zahlreiche Studiengänge wurden von der Akkreditierungsagentur ACQUIN akkreditiert.

Im selben Jahr wurde die Universität Erfurt vom „Audit Familiengerechte Hochschule“ der gemeinnützigen Hertie-Stiftung als besonders familiengerechte Hochschule ausgezeichnet.

Besondere Einrichtungen sind das Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien sowie die durch Drittmittel getragene Erfurt School of Public Policy (ESPP). Die Universitätsbibliothek Erfurt wurde im Jahr 1999 mit der Forschungs- und Landesbibliothek Gotha vereinigt. Als Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha verfügt sie über einen Bestand von etwa 750.000 Bänden in Erfurt sowie etwa 550.000 Bände vorwiegend aus dem 16. bis 19. Jahrhundert in Gotha. Zum Bibliotheksbestand gehören auch ca. 10.000 Handschriften sowie die berühmte Gelehrtenbibliothek 'Bibliotheca Amploniana' mit fast 1000 mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handschriften, die niemals Teil der Universitätsbibliothek der alten Universität Erfurt war, sondern stets dem von Amplonius Rating de Berka gegründeten 'Collegium Porta Coeli' gehörte.

Als Fördergesellschaft für die Universität fungiert die Universitätsgesellschaft Erfurt.

An der Universität Erfurt existieren zahlreiche studentische Gruppen, so etwa politische und konfessionelle Hochschulgruppen, eine Amnesty International-Hochschulgruppe, der Debattierclub "Wortfechter Erfurt e.V." , AEGEE Erfurt e.V. und seit kurzem auch die "International and Public Affairs Student Association" (IPASA).

Im Sommersemester 2003 hat sich erstmals eine MUN-Projektgruppe an der Universität gebildet. Das Ziel der studentischen Initiative ist seither die Teilnahme am renommierten "National Model United Nations" NMUN in New York, mit über dreitausend Studierenden eine der größten UNO-Simulationen weltweit. Dabei vertraten die Erfurter Delegierten 2004 die Interessen der Staaten Sao Tome und Principe und der Zentralafrikanischen Republik, 2005 Iran, 2006 Mexiko, 2007 Schweden und 2008 Rumaenien. Bei der National Model United Nations Conference 2006 wurde die Gruppe der Universität Erfurt mehrmals ausgezeichnet und schloss als beste deutsche Gruppe ab. Sowohl 2007, als auch 2008 wurden die teilnehmenden Delegationen wiederum ausgezeichnet. Die Gruppe ist ebenso regelmaessig an der Organisation kleinerer Vorbereitungs-MUNs beteiligt.

Die Universität Erfurt beteiligt sich seit 2005 an der ganzjährig stattfindenden "Kinder-Uni Erfurt". Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren können dabei an speziell für sie konzipierten Veranstaltungen teilnehmen. Dort bringen Hochschullehrende den Kindern in Workshops und Vorlesungen vor allem medizinische, sozial- naturwissenschaftliche Themen verständlich näher und beantworten ihre Fragen. Die Universität Erfurt arbeitet dabei mit der Fachhochschule Erfurt und der Helios Klinikum GmbH zusammen.

Die Erfurter Herbstlese ist ein literarisches Projekt, welches durch den Gründungsrektor der Universität Erfurt, Prof. Dr. Peter Glotz, maßgeblich mitgeprägt wurde und von der Universität Erfurt gemeinsam mit Partnern wie der "Thüringer Allgemeinen" veranstaltet wird. Jährlich von Ende Oktober bis Anfang Dezember findet diese Lesereihe statt, bei der z.T. die bekanntesten Autoren Deutschlands (z.B. Martin Walser oder der Schauspieler und Autor Armin Mueller-Stahl) aber auch Nachwuchs-Autoren ihre Werke vorstellen. Mittlerweile ist diese weit über Thüringen hinaus bekannte Lesereihe zur erfolgreichsten und größten ganz Thüringens geworden, 2005 fand sie zum neunten Mal statt.

Zum Seitenanfang



Erfurt

Wappen der Stadt Erfurt

Erfurt (gesprochen ) ist die Landeshauptstadt des deutschen Freistaats Thüringen. Es ist zugleich die größte Stadt Thüringens und neben Jena und Gera im Osten eines der drei Oberzentren des Landes. Wichtigste Institutionen neben den Landesbehörden sind das Bundesarbeitsgericht, die Hochschulen Universität Erfurt und Fachhochschule Erfurt, sowie das katholische Bistum Erfurt, dessen Kathedrale der Erfurter Dom ist, der wiederum neben der Krämerbrücke eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt darstellt. Darüber hinaus besitzt die Stadt einen knapp drei Quadratkilometer großen mittelalterlich geprägten Altstadtkern mit etwa 25 Pfarrkirchen und zahlreichen Fachwerk- und Bürgerhäusern.

Erfurt wurde 742 erstmals urkundlich erwähnt und entwickelte sich bereits kurz nach seiner Gründung zum Zentrum des Thüringer Raumes, wenngleich es bis 1944 politisch nicht Teil des Landes war. Seit seiner Gründung gehörte es zu Kurmainz, wenngleich Erfurt im Mittelalter ein hohes Maß an Autonomie innehatte. Dies änderte sich mit der gewaltsamen Unterwerfung durch die Mainzer 1664. 1802 wurde Erfurt Teil Preußens (mit Ausnahme der Zeit von 1806 bis 1814, als es als Fürstentum Erfurt direkt unter französischer Herrschaft stand) und blieb es bis 1944/45. Die Universität wurde 1392 gegründet. Sie ist somit die drittälteste Universität Deutschlands. Martin Luther war ihr bekanntester Student. Die Wirtschaft der Stadt ist von Verwaltung und Dienstleistung geprägt. Erfurt ist nach Leipzig die Stadt mit der zweitgrößten Messe in den neuen Bundesländern. Des Weiteren ist Erfurt mit dem Hauptbahnhof wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Zentrum Deutschlands. Bekannt ist Erfurt auch für seinen Gartenbau (egapark) und als Medienzentrum (Sitz des Kinderkanals und mehrerer Radiostationen, sowie Tageszeitungen).

Die Stadt liegt im südlichen Thüringer Becken an der Gera.

Erfurt liegt am Südrand des Thüringer Beckens, im weiten Tal der Gera, einem Zufluss der Unstrut. Im Süden wird das Stadtgebiet von den bewaldeten Höhen des Steigerwalds umgrenzt. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt von Nord nach Süd 21 km und von Ost nach West 22,4 km. Durch die Lage der Stadt im Übergang vom Thüringer Becken zum Vorland des Thüringer Wald schwankt die Höhenlage im Stadtgebiet zwischen 158 und 430 m über NN.

Nachbarstädte sind Weimar im Osten, Gotha im Westen, Arnstadt im Süden und Sömmerda im Norden, jeweils etwa 20 Kilometer von Erfurt entfernt. Die nächsten Großstädte sind Leipzig (95 Kilometer nordöstlich), Halle (85 Kilometer nordöstlich), Jena (40 Kilometer östlich), Kassel (110 Kilometer nordwestlich), Göttingen (95 Kilometer nordwestlich), Frankfurt am Main (180 Kilometer südwestlich) und Nürnberg (160 Kilometer südlich, Entfernungen in Luftlinie). Da Erfurt nur etwa 50 Kilometer südöstlich des Mittelpunkts Deutschlands liegt, ist es die zentralste Großstadt des Landes.

Die noch heute relativ dichte Bebauung der Innenstadt kann darauf zurückgeführt werden, dass in Erfurt nur wenige Gebäude im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden und diese Baulücken – im Gegensatz zu vielen anderen Großstädten – meist wieder bebaut wurden. Die Naherholungsgebiete befinden sich daher in Erfurt fast ausschließlich am Stadtrand, wie z. B. der Steigerwald, der Nordstrand oder der ega-Park.

Bis zur Aufhebung der Festung Erfurt durch die preußische Regierung im Jahr 1873 befand sich das bebaute Stadtgebiet innerhalb der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert. Die Stadtbefestigung umschloss Erfurt kreisförmig und besaß zahlreiche Tore, die den sich später außerhalb entwickelnden Vorstädten ihre Namen gaben. Im Nordwesten der Stadt lag das Andreastor an der Straße nach Nordhausen (B 4), im Nordosten lag das Johannestor an der Straße nach Sömmerda, im Osten das Krämpfertor an der Straße nach Buttelstedt (Via Regia), im Südosten das Schmidtstedter Tor an der Straße nach Weimar, im Süden das Löbertor an der Straße nach Arnstadt, im Südwesten das Pförtchen an der Straße nach Neudietendorf und im Westen das Brühlertor an der Straße nach Gotha. Zur Befestigungsanlage Erfurts gehörten außerdem noch die Zitadelle Petersberg und die Zitadelle Cyriaksburg sowie zwei Stadtgräben (der Kartäusergraben innerhalb - heute nicht mehr erhalten, um 1900 zugeschüttet; Juri-Gagarin-Ring - sowie der noch heute erhaltene Flutgraben). Der Mittelpunkt dieses „alten Erfurts“ war der Fischmarkt. Zwischen 1873 und 1918 bildete sich um die Altstadt ein lückenloser Gürtel aus Gründerzeitvierteln, wobei die bürgerlichen Viertel die Löber- und die Brühlervorstadt im Südwesten und die Arbeiterviertel die Krämpfer- und die Johannesvorstadt im Nordosten waren. Daberstedt und die Andreasvorstadt waren teils bürgerlich, teils von Arbeitern geprägt. Dieser Ring aus Altbauten im preußischen Stil ist noch heute vollständig erhalten, was in Deutschland relativ selten vorkommt. Außerdem wuchs im Norden der Stadt der größte Vorort: Ilversgehofen mit über 12.000 Einwohnern (1910), der 1911 eingemeindet wurde. In der Zeit bis 1945 entstanden weitere Wohnviertel im Norden und Südosten, sodass aus der runden Stadt eine „langgezogene“ Stadt wurde. Zu DDR-Zeiten wuchs die Stadt zunächst nach Norden, wo ab 1969 das Wohngebiet Erfurt-Nord, bestehend aus dem Rieth, dem Berliner Platz, dem Moskauer Platz und dem Roten Berg entstand. Ab 1979 entstand Erfurt-Südost, bestehend aus dem Herrenberg, dem Wiesenhügel und Melchendorf mit den Plattenbaugebieten Drosselberg und Buchenberg. Nach der Wende entstanden auf dem Ringelberg und in den umliegenden Dörfern, die 1950 und 1994 eingemeindet wurden, neue Siedlungen aus Einfamilien- und Reihenhäusern. In den Plattenbaugebieten wurde ab 1990 ein Abwanderungstrend in die Innenstadt, umliegende Dörfer oder die alten Bundesländer spürbar, sodass in diesen Stadtteilen bereits mehrere Plattenbauten abgerissen wurden. An diesen Stellen entstanden neue Grünflächen.

Das Stadtgebiet Erfurts gliedert sich in 53 Stadtteile. Hiervon bilden 36 zugleich eine Ortschaft im Sinne des § 45 der Thüringer Kommunalordnung. Die Ortschaften wurden durch die Hauptsatzung der Stadt Erfurt eingerichtet. Dabei handelt es sich meist um räumlich getrennte Dörfer, die ehemals selbständige Gemeinden waren. Für 33 Ortschaften gibt es jeweils einen vom Volk anlässlich einer Bürgerversammlung gewählten Ortschaftsrat, der je nach Einwohnerzahl der Ortschaft zwischen vier und zehn Mitglieder hat. Drei Ortschaften bilden mit benachbarten Ortschaften einen gemeinsamen Ortschaftsrat. Vorsitzender dieses Gremiums ist der ebenfalls vom Volk gewählte Ortsbürgermeister. Die Ortschaftsräte sind zu wichtigen, die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören.

Die Erfurter Bevölkerung verteilt sich grob gesehen auf drei Siedlungstypen: (alt)städtische Stadtteile, Plattenbaugebiete und Dörfer (alle eingemeindeten Ortschaften mit Ausnahme Melchendorfs und Ilversgehofens). 2007 lebten in städtischen Teilen 50,8% der Einwohner, in Plattenbaugebieten 27,3% und in den Dörfern 21,8% der Bevölkerung. 1990 lebten nur 48% der Einwohner in städtischen Teilen, 40% in Plattenbaugebieten und nur 12% in Dörfern (die Eingemeindungen von 1994 sind hier bereits berücksichtigt). In den meisten städtischen Stadtteilen sind allerdings zwei völlig unterschiedliche Siedlungstypen vereint: An die Altstadt angrenzend dicht bebaute Viertel aus Mietshäusern (entstanden zwischen 1873 und 1940; die Bevölkerungsdichte dieser Gebiete liegt bei rund 15.000 Einwohnern je Quadratkilometer) sowie Altneubauten (etwa 1950 bis 1970), auf der anderen Seite etwas weiter stadtauswärts aber auch Einfamilienhaussiedlungen (entstanden ab etwa 1920) mit geringer Bevölkerungsdichte. Insgesamt ist Erfurt aber im Vergleich zu anderen deutschen Städten gleicher Größe sehr kompakt aufgebaut. So konzentriert sich die Mehrheit der Bevölkerung in der Altstadt und dem unmittelbar angrenzenden Gründerzeitgürtel aus Mietshäusern. Diese Konzentration hin zur Stadtmitte nahm seit 2000 deutlich zu. Zum einen ebbte die durch die Wiedervereinigung ausgelöste Suburbanisierungswelle ab, zum anderen schritten die innerstädtischen Sanierungsmaßnahmen voran und zum dritten schrumpfen die peripheren Plattenbaugebiete kontinuierlich. In Erfurt gibt es acht Wohnungsbaugenossenschaften, die einen vergleichsweise hohen Anteil des Wohnungsbestands besitzen.

Das Klima Erfurts wird geprägt durch seine Lage am Südrand des Thüringer Beckens und der dieses umgebenden Mittelgebirge Harz und Thüringer Wald. Durch die Leewirkung dieser teilweise über 1000 Meter hohen Gebirge ergibt sich ein für Mitteleuropa recht trockenes Klima. Während die relativ flachen Bereiche des Stadtzentrums und der nördlichen Teile der Stadt ein ziemlich gleichmäßiges Klima haben, ergeben sich auf Grund der Höhenzüge Fahner Höhe und Steigerwald, die den Stadtkern um etwa 150 Meter überragen, in den südlichen Ortsteilen wie Bischleben oder Molsdorf lokale klimatische Besonderheiten.

Die Jahresdurchschnittstemperatur betrug in den Jahren 1961 bis 1990 in Erfurt 7,9 °C, wobei im Januar die mittlere Tageshöchsttemperatur bei +2 °C und die mittlere Tiefsttemperatur bei –2 °C liegt. Im Juli beträgt die mittlere Höchsttemperatur 24 °C und die mittlere Tiefsttemperatur 14 °C. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge betrug im genannten Zeitraum 500 mm, was unterhalb des deutschen Durchschnitts liegt. Die Zahl der jährlichen Sonnenstunden beträgt etwa 1600 und liegt, bedingt durch die Wärmeentwicklung der Stadt, etwa 50 Stunden über den Werten der unmittelbaren Umgebung. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit ist im Winter etwa 6 m/s, im Sommer geht sie auf durchschnittlich 4 m/s zurück. Die Werte stammen von der Erfurter Wetterstation im Ortsteil Bindersleben auf einer Höhe von 315 m ü. NN, sie soll repräsentativ für den Naturraum Thüringer Becken sein. Da das Erfurter Stadtzentrum nur auf einer Höhe von 200 Metern liegt, kann davon ausgegangen werden, dass die Temperaturwerte dort, auch durch den Erwärmungseffekt der Stadt selbst, durchschnittlich um etwa ein Kelvin höher liegen.

Die Auswirkungen der Klimaerwärmung sind auch am Klima Erfurts ablesbar. So stieg im Zeitraum von 1971 bis 2000 die jährliche Mitteltemperatur um 0,8 Kelvin, während die jährliche Niederschlagsmenge um etwa 10 Prozent zurückging. Diese Effekte sind in allen Jahreszeiten, außer im Herbst, feststellbar. Bis zum Jahr 2050 wird eine weitere Erhöhung der jährlichen Mitteltemperatur auf dann etwa 10,5 °C vorausgesagt.

Erfurt ist eine alte germanische Siedlung. Spuren erster Besiedlung finden sich bereits aus vorgeschichtlicher Zeit, so zeugen archäologische Funde im Norden Erfurts von menschlichen Spuren aus der Altsteinzeit um 100.000 v. Chr. Durch Überlieferungen ist der Stamm der Thuringi 480 im Erfurter Gebiet nachzuweisen, in der Zeit um 500 gab er dem Land Thüringen seinen Namen.

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 742, durch Missionserzbischof Bonifatius aus Mainz mit der Bitte an Papst Zacharias um Bestätigung von „Erphesfurt“. Dadurch wurde das Bistum Erfurt gegründet. Das Bistum wurde 755 mit dem von Mainz vereinigt. Ab etwa 1000 traten die Erzbischöfe von Mainz auch als weltliche Herren in Erfurt auf. 805 erklärte Karl der Große Erfurt zu einem der Grenzhandelsplätze an der Grenze des damaligen Frankenreiches. Anschließend wurde eine erste, der Heiligen Maria geweihte Kirche errichtet. Erfurt war unter den Karolingern und Ottonen eine Königspfalz.

In den Jahren 852, 936 und 1181 fanden wichtige Reichstage statt. So wurde zum Beispiel Ende 1181 Heinrich der Löwe durch Friedrich Barbarossa verurteilt und drei Jahre in die Verbannung geschickt. Am 26. Juli 1184 kam es bei einem Aufenthalt von König Heinrich VI. während einer königlichen Ratsversammlung zum Erfurter Latrinensturz, bei dem eine Anzahl edler Herren ein unrühmliches Ende in einer Abtrittsgrube fanden.

Die Stadtumwallung von 1066 gehört zu den frühesten Befestigungen in Deutschland. Im Rahmen des Investiturstreites schloss sich der Mainzer Erzbischof dem Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden an. Infolgedessen wandte sich Heinrich IV. gegen das mainzische Erfurt. 1080 eroberten seine Truppen die Stadt und steckten sie in Brand. Im 11. und 12. Jahrhundert werden nebeneinander königliche und mainzische Münzen geprägt.

1120 ist erstmals von den „Bürgern Erfurts“ die Rede. 1212 bildete sich im Zuge der Wirren des staufisch-welfischen Thronstreits ein erster, noch von Ministerialen geprägter Rat; eine grundlegende Ratsreform führte 1255 zur Herausbildung einer machtvollen und eigenständigen Bürgergemeinde, die nun nach und nach die Kompetenzen des erzbischöflichen Stadtherren an sich zog und zunehmend als Herrschaftsträger in die Region eingriff. Die daraus resultierenden Auseinandersetzungen zwischen Rat und Mainzer Erzbischof erreichten 1279 einen Kulminationspunkt. Erzbischöfliche Amtsträger wurden misshandelt und aus der Stadt verjagt. Der Erzbischof antwortet mit dem Bann. Das verhängte Interdikt lastete zweieinhalb Jahre auf der Stadt.

1289/90 hielt Rudolf von Habsburg Hof im Erfurter Peterskloster, die Stadt wurde für zehn Monate zum Mittelpunkt der Reichsverwaltung. Auf dem Erfurter Reichstag standen die Regelung der Thronfolge im Hinblick auf die Nachfolge seines Sohnes Albrecht und die Maßnahmen zur Wiederherstellung der Reichsrechte und des Landfriedens in Thüringen auf der Tagesordnung. Zur Wiederherstellung des Landfriedens in Thüringen wurden mit Hilfe der Erfurter über 60 Raubritterburgen und ummauerte Höfe gestürmt und zerstört.

Mit ca. 18.000 bis 20.000 Einwohnern entwickelte sich die Stadt im 14. und 15. Jahrhundert zu einer Stadt im Range einer mittelalterlichen Großstadt, die nur von Köln, Nürnberg und Magdeburg hinsichtlich der Größe übertroffen wurde. Erfurt erreichte damit den Gipfel ihrer wirtschaftlichen, politischen und geistig-kulturellen Entwicklung im Mittelalter und wurde der Mittelpunkt des Handels im mittleren Heiligen Römischen Reich. Dazu gehörte auch die bereits im 13. Jahrhundert einsetzende Entwicklung Erfurts zu einem der größten Waidmärkte des Reiches. In etwa 300 Dörfern Thüringens wurde die Waidpflanze angebaut, aus deren Blättern man ein begehrtes und gewinnbringendes Blaufärbemittel gewann und welches mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt eng verbunden war. 1331 erhielt Erfurt das Messeprivileg von Kaiser Ludwig IV..

Erfurt war bereits im 13. Jahrhundert zu einem Bildungszentrum von weit ausstrahlender Bedeutung herangewachsen. Keine andere Stadt in Deutschland hatte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mehr Studenten. Im Occultus Erfordensis von 1281/1283 wird die (vermutlich fiktive) Zahl von 1000 Erfurter Scholaren angegeben. Geprägt wird diese Zeit durch das Wirken von Meister Eckhart, der ab 1277 hier studiert hatte und ab 1292 Prior des Erfurter Dominikanerklosters und Vikar seines Ordens für Thüringen war. Er machte mit seinen Predigten und Schriften Erfurt zu einem Zentrum der theologischen Philosophie jener Zeit. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entwickelte sich das Erfurter studium generale zur bedeutendsten Bildungsanstalt im Römisch-Deutschen Reich. Daraus entstand 1392 die dritte Universität auf deutschem Boden, wobei zu beachten ist, dass es sich hierbei um eine nicht-fürstliche, bürgerliche, durch den Rat der Stadt gegründete Universität handelte.

Einer der bekanntesten Absolventen der Universität Erfurt war Martin Luther, der hier von 1501 bis 1505 studierte und seinen Magister der philosophischen Fakultät erhielt. Ebenfalls in der Umgebung Erfurts kam ihm die stürmische Erleuchtung. In der Nähe von Stotternheim (etwa zehn Kilometer nördlich des Erfurter Zentrums) wurde Luther 1505 bei einem schweren Unwetter beinahe vom Blitz getroffen und legte der Legende nach sein „Stotternheimer Gelübde“ („Heilige Anna, ich will Mönch werden“) ab. Sein Leben widmete er fortan der Kirche und trat dem Augustinerorden als Mönch bei. Bis 1511 lebte und predigte Luther im Augustinerkloster. In den Reformationskriegen litt die Universität sehr. In dieser Zeit war das Stadtbild durch die Türme von 25 Pfarrkirchen, 15 Klöstern und Stiften und zehn Kapellen geprägt.

Zahlreiche Auseinandersetzungen gab es mit den sächsischen Landesherren angrenzender Gebiete, die die Stadt mehrmals erfolglos belagerten. Doch wurden immer die Straßen durch die Sachsen gesperrt, so dass der Handel abgeschnitten war. Deshalb musste Erfurt 1483 einen Schutzvertrag abschließen und jährlich 1500 Gulden bezahlen. 1509 und 1510 erhob sich das Volk gegen die Verschwendungssucht des Rates.

1664 eroberten französische und Reichsexekutionstruppen des Mainzer Kurfürsten und Erzbischof Johann Philipp von Schönborn Erfurt. Damit begann die kurmainzische Herrschaft. Sachsen verzichtete auf seine Schutzherrschaft. Erfurt wurde nun zusammen mit dem Eichsfeld von einem Mainzer Statthalter regiert, der seinen Sitz in der Kurmainzischen Statthalterei (heutige Staatskanzlei) hatte. 1682 und 1683 erlebte Erfurt die schlimmsten Pestjahre seiner Geschichte, allein 1683 erlag über die Hälfte der Erfurter Bevölkerung der tödlichen Krankheit. Am 21. Oktober 1736 zerstörte eine Feuersbrunst 188 Häuser in der Gegend zwischen Erfurter Dom, Rathaus und Predigerkirche. Höhe- und Endpunkt der kurmanzischen Epoche bildete die Amtszeit des Statthalters Karl Theodor von Dalberg 1772-1802.

1802 kamen Stadt- und Landgebiet Erfurt gemäß dem preußisch-französischen Vertrag als Entschädigung zum Königreich Preußen. Nach der Niederlage der Preußen in der Schlacht von Jena und Auerstedt kapitulierte die Stadt am 16. Oktober 1806. Am 17. Oktober wurde die Stadt kampflos durch die Truppen Napoleons besetzt. Dieser erklärte 1807 Erfurt zusammen mit Blankenhain als Fürstentum Erfurt zu einer kaiserlichen Domäne, die nicht Teil des Rheinbunds war, sondern direkt dem Kaiser unterstand.

1808 empfing Napoléon Zar Alexander I. und die Fürsten des Rheinbundes im Kaiserlichen Palast (Kurmainzische Statthalterei) zum Erfurter Fürstenkongress (auch Erfurter Kongress), in dessen Folge es zu einem Bündnisvertrag zwischen Frankreich und Russland kam. Napoleon nutzte die Zeit in Erfurt unter anderem, um Johann Wolfgang Goethe kennenzulernen. Goethe wurde als Staatsminister von Herzog Carl August von Weimar als Vertreter zum Fürstenkongress geschickt. Am 2. Oktober 1808 war Goethe zur Audienz bei Napoleon geladen. Die Audienz wurde vor allem in Deutschland als die Begegnung der zwei größten Männer der Zeit gewertet - als ein Treffen des Genies auf dem Schlachtfeld und des Genius der Dichtkunst. Napoleon soll ihn mit "Voilà un homme!" (sinngemäß "Das ist ein Mann!") begrüßt haben. Im Anschluss an die Audienz verlieh Napoleon das Kreuz der Ehrenlegion an Goethe.

1814 endete nach erfolgreicher Belagerung durch preußische, österreichische und russische Truppen die französische Besetzung, und 1815 wurde Erfurt aufgrund des Wiener Kongresses wieder dem Königreich Preußen zugesprochen, welches den größten Teil des Erfurter Landgebietes und das Blankenhainer Gebiet an Sachsen-Weimar-Eisenach abtrat. 1816 wurde die Universität Erfurt geschlossen. Im gleichen Jahr wurde Erfurt Stadtkreis (kreisfreie Stadt) und Sitz der preußischen Bezirksregierung (Regierungsbezirk Erfurt), welche dem Oberpräsidenten der preußischen Provinz Sachsen in Magdeburg unterstand. Der Stadtkreis Erfurt wurde jedoch bereits 1818 wieder mit dem Landkreis Erfurt verbunden.

1847 wurde Erfurt mit der Thüringer Bahn (Halle–Bebra) an das Eisenbahnnetz angebunden. Weitere Bahnstrecken folgten 1867 nach Arnstadt (1879 nach Ilmenau, 1884 nach Schweinfurt und 1895 nach Saalfeld verlängert), 1869 nach Nordhausen, 1876 nach Gera, 1881 nach Sangerhausen und 1897 nach Bad Langensalza.

Vom 20. März bis zum 29. April 1850 tagte das Erfurter Unionsparlament, das nach dem Scheitern der Frankfurter Nationalversammlung eine Verfassung für ein kleindeutsches Reich unter preußischer Führung erreichen wollte. Dieser Versuch scheiterte am Widerstand Österreichs.

Am 1. Januar 1872 schied die Stadt erneut aus dem Landkreis Erfurt aus und wurde kreisfrei. Die Festung wurde 1873 aufgehoben und die Stadtmauern und -tore abgerissen. Die beiden Zitadellen blieben bestehen.

Mit der Ansiedlung wichtiger Maschinenbaubetriebe wurde Erfurt im ausgehenden 19. Jahrhundert ein bedeutender Industriestandort. So gründete Christian Hagans 1857 die Maschinenfabrik Christian Hagans, 1888 Otto Schwade die „Deutsche Automat-Dampfpumpen-Fabrik“, 1902 Hugo John eine Fabrik für Schornstein-Aufsatz und Blechwaren sowie Henry Pels die „Berlin-Erfurter Maschinenfabrik“.

Besondere Bedeutung besitzen auch heute noch der Gartenbau und die Saatzucht. Diesem Umstand verdanken eingeborene Erfurter den Spitznamen „Puffbohne“. Eine wichtige Rolle spielt hier seit 1867 die Firma „N. L. Chrestensen“. Um 1900 besaß der Erwerbsgartenbau der „Blumenstadt“ Erfurt eine weltweite Führungsstellung.

Eine Gewerbezählung im Jahre 1883 ergab, dass Erfurt deutschlandweit in der Erwerbsgärtnerei an erster Stelle, in der Schuhfabrikation an fünfter Stelle und in der Konfektionsproduktion an achter Stelle stand. Im Oktober 1891 fand in Erfurt der Erfurter Parteitag der deutschen Sozialdemokraten, die sich seit 1890 „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ (SPD) nannten, statt. Für Schlagzeilen sorgte im Zeitalter des Imperialismus auch der aus Erfurt stammende Konsul und Kolonialbeamte Wilhelm Knappe, dessen bedeutende Südsee-Sammlung im Museum für Thüringer Volkskunde Erfurt zu sehen ist.

1906 wurde Erfurt mit 100.000 Einwohnern Großstadt. Der Erste Weltkrieg kostete 3579 Erfurter Bürger das Leben. Als 1920 das Land Thüringen mit der Landeshauptstadt Weimar gebildet wurde, wurden die preußischen Gebiete Thüringens einschließlich Erfurts aufgrund des Widerstands der preußischen Regierung nicht miteinbezogen. Nach positiver Entwicklung in den Goldenen Zwanzigern wurde Erfurt ab 1929 massiv von der Weltwirtschaftskrise erfasst. Die Produktion ging auf weniger als die Hälfte zurück und die Arbeitslosigkeit erreichte Höchststände. Die Wahl des Antisemiten und Wochenblatt-Herausgebers („Echo Germania“) Adolf Schmalix ins Rathaus im November 1929 sorgte reichsweit für Schlagzeilen. Im Juli 1932 errang die NSDAP ein Rekord-Reichstagswahlergebnis von 42,2 Prozent.

1933 übernahm die NSDAP die Kontrolle über die Stadt; in der Feldstraße in Ilversgehofen wurde eines der ersten Konzentrationslager errichtet. In den folgenden Jahren wurde die wirtschaftliche Entwicklung durch die einsetzende Rüstungsproduktion bestimmt. Dazu entstanden auch neue Industriebetriebe, wie die Feinmechanische Werke GmbH Erfurt (FEIMA), das Telefunkenwerk und die Reparaturwerk Erfurt G.m.b.H. (REWE), welche von Josef Jacobs, einem mit dem Pour le Mérite ausgezeichneten Piloten, gegründet wurde. Daneben wurden sechs neue Kasernenanlagen und der Fliegerhorst Erfurt-Bindersleben gebaut und der Flughafen Erfurt-Nord am Roten Berg erweitert. 1938 zählte Erfurt zu den größten Garnisonen des Deutschen Reiches. In der „Reichspogromnacht“ wurde die Große Synagoge niedergebrannt und die Verschleppung der etwa 800 jüdischen Bewohner begann. Zwischen 1939 und 1945 mussten zwischen 10.000 und 15.000 Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus zahlreichen von Deutschland besetzten Ländern vor allem in Rüstungsbetrieben der Stadt Zwangsarbeit leisten. An die in die Hunderte zählenden Toten erinnern Denkmale auf dem Hauptfriedhof und im Südpark. Im Jahr 1940 begann die Erfurter Firma J. A. Topf und Söhne die Zusammenarbeit mit der SS. In den folgenden Jahren lieferte das Unternehmen die Krematorien, Belüftungsanlagen und gasdichte Türen für die Konzentrationslager in Dachau, Buchenwald und Auschwitz. Im Zweiten Weltkrieg erlebte Erfurt 27 Luftangriffe, dabei verloren ungefähr 1600 Menschen ihr Leben. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört, aber im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten hielt sich das Ausmaß der Zerstörung mit ungefähr 17% der Wohnungen in Grenzen. Die Ruine der am 26. November 1944 zerstörten Barfüßerkirche steht noch heute. Am 12. April 1945 besetzten Einheiten der 3. US-Armee unter Befehl des Generals George S. Patton die Stadt. Danach stellte am 1. Juli die preußische Bezirksregierung ihre Tätigkeit ein. Die Stadt wurde mit dem Regierungsbezirk Erfurt dem Land Thüringen zugeordnet. Am 3. Juli übernahmen schließlich Einheiten der Roten Armee aufgrund des 1. Londoner Zonenprotokolls von 1944 und der Beschlüsse der Konferenz von Jalta die Stadt, Erfurt wurde Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone.

1945 begann Erfurt, sich langsam von den Folgen des Krieges zu erholen. 30.000 Kubikmeter Schutt wurden aus den Straßen geräumt, die Straßenbahn und die Gasversorgung wieder in Betrieb gesetzt und die Schulen eröffnet. 1948 wurde Erfurt durch den Thüringer Landtag zur thüringischen Landeshauptstadt ernannt, bevor im Jahr 1952 das Land Thüringen aufgelöst und in drei Bezirke eingeteilt wurde, wobei Erfurt Sitz des Bezirks Erfurt wurde.

Ende der 1960er-Jahre begann der großflächige Abriss des Krämpferviertels am östlichen Rande der Altstadt. Durch die folgende Verbreiterung des Juri-Gagarin-Rings und den Neubau von 11- bis 16-geschossigen sowie bis zu 120 Meter langen Plattenbauten wurde das bis dahin unzerstörte und durch Kirchtürme geprägte Stadtbild dauerhaft beeinträchtigt. Zusätzlich entstanden bis Ende der 1970er-Jahre am Stadtrand neue Wohngebiete mit zusammen über 17.000 Wohnungen. Auch im Bereich der Löberstraße wurden altstädtische Quartiere abgerissen und durch Großblocks ersetzt. Im Bereich der Johannesstraße orientierte man sich nach dem Abriss alter Häuser an der für die Innenstadt üblichen Gebäudehöhe von vier Etagen, weshalb sich die Plattenbauten dort etwas besser ins Stadtbild integrieren. Der Abriss des Andreasviertels konnte durch Bürgerproteste und die Wende 1989 verhindert werden.

1970 kam Bundeskanzler Willy Brandt zum ersten deutsch-deutschen Gipfeltreffen mit dem Vorsitzenden des Ministerrates und stellvertretenden DDR-Staatsratsvorsitzenden Willi Stoph nach Erfurt. Er zeigte sich unter anderem am Fenster des Hotels Erfurter Hof, das gegenüber dem Hauptbahnhof liegt. Die Menge begrüßte ihn begeistert mit „Willy, Willy“- und „Willy Brandt ans Fenster!“-Rufen.

1989 kam es auch in Erfurt zu immer größeren Demonstrationen, die schließlich den politischen Umbruch einleiteten. Am 4. Dezember 1989 wurde das Gebäude der Staatssicherheit in der Andreasstraße von Erfurter Bürgern besetzt und eine Bürgerwache eingerichtet. 1991 stimmten 49 von 88 Abgeordneten des Landtags für Erfurt als Thüringer Landeshauptstadt. Im Jahr 1994 erfolgte die Neugründung der Erfurter Universität; ebenfalls in diesem Jahr wurde das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen, das seit 1973 bestand, zum Bistum Erfurt erhoben.

Das Bild der Stadt hat sich in den Jahren seit der Wende deutlich verändert. Viele Gebäude der historischen Altstadt wurden saniert, an manchen Stellen entstanden Neubauten. Am 26. April 2002 erlangte Erfurt durch den Amoklauf im Gutenberg-Gymnasium mediale Aufmerksamkeit.

2008 erhielt die Stadt beim Bundeswettbewerb Unsere Stadt blüht auf eine Goldmedaille.

Die Verwaltung der Stadt Erfurt oblag zunächst einem vom König eingesetzten Vogt und dem Bistum Mainz. Im 13. Jahrhundert entwickelte sich aus einem Ausschuss der Rat der Stadt, der 1212 erstmals genannt wird. Mitglieder des Rats waren die Ratsherren und eine unterschiedliche Anzahl von Ratsmeistern. Bis 1800 gab es mehrere Änderungen beim Rat und dem Oberhaupt der Stadt. Nach dem Übergang an Preußen wurde 1822 die preußische Städteordnung eingeführt. Danach stand an der Spitze der Stadt meist ein Oberbürgermeister. Daneben gab es auch weiterhin einen Rat. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt und nach dem Zweiten Weltkrieg bildete die sowjetische Militäradministration den „Rat der Stadt“ beziehungsweise die Stadtverordnetenversammlung, die ebenfalls vom Volk „gewählt“ wurde. 1952 wurde das Stadtgebiet aufgrund eines Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung in die Stadtbezirke Mitte, Süd, Ost und West (ab 1957 Mitte, Nord und Süd) eingeteilt. Diese Einteilung blieb bis 1990 bestehen.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde das nunmehr als Stadtrat bezeichnete Gremium wieder frei gewählt. Vorsitzender dieses Gremiums war zunächst ein Präsident des Rates beziehungsweise „Ratspräsident“. Dieses Amt hatte zunächst Karl-Heinz Kindervater (CDU) inne. Der Rat wählte anfangs auch den Oberbürgermeister. Seit 1994 wird der Oberbürgermeister direkt vom Volk gewählt. Er ist heute auch Vorsitzender des Stadtrates.

Im Jahre 742 gründete Bonifatius das Bistum Erfurt, das jedoch bereits im Jahre 755 in das Bistum Mainz eingegliedert wurde. Somit gehörte die Bevölkerung der Stadt Erfurt über viele Jahrhunderte zum Bistum Mainz. Im 14. Jahrhundert hatte die Stadt über 20 Pfarrkirchen sowie drei Kollegiatstifte und über zehn Klöster. Viele davon sind heute noch gut erhalten. Anfang des 16. Jahrhundert war Martin Luther Student an der Universität Erfurt.

Die Stadt wandte sich später mehrheitlich der Reformation zu. Daher gab es innerhalb der Stadt starke Spannungen zwischen den Konfessionen. 1530 konnte im Hammelburger Vertrag die Gleichberechtigung der Konfessionen erreicht werden. Danach behielten die Protestanten acht Kirchen. Sie wurden von einem Senior geleitet. 1563 wurde ein Evangelisches Ministerium eingerichtet, dem als oberste Kirchenbehörde die Verwaltung der Protestanten oblag.

Nach dem Übergang der Stadt Erfurt an Preußen 1815 wurden in der Folgezeit auch die kirchlichen Strukturen neu geordnet. Die Erfurter Protestanten wurden Glieder der mit der Bildung der preußischen Provinz Sachsen errichteten Provinzialkirche Sachsen. 1817 wurden in ganz Preußen lutherische und reformierte Gemeinden zu einer einheitlichen Landeskirche (Unierte Kirchen) vereinigt. Danach gehörten alle evangelischen Kirchengemeinden Erfurts zur Evangelischen Kirche in Preußen, beziehungsweise dessen Provinzialkirche Sachsen, deren Oberhaupt der jeweilige König von Preußen als summus episcopus war. Nach Wegfall des Landesherrlichen Kirchenregiments 1918 war die Provinzialkirche Sachsens Gründungsmitglied der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. 1947 wurde sie eine selbständige Landeskirche (Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen) mit einem Bischof an der Spitze. Zum 1. Januar 2009 erfolgte der Zusammenschluss mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Die protestantischen Kirchengemeinden Erfurts gehören - sofern es sich nicht um Freikirchen handelt - zum Kirchenkreis Erfurt innerhalb der Propstei Erfurt-Nordhausen, deren Sitz sich in Erfurt befindet. Der Kirchenkreis hatte im Jahr 2003 etwa 28.000 Mitglieder.

Als Reaktion auf die 1817 erfolgte Vereinigung der lutherischen und der reformierten Kirche in Preußen entstand die Evangelisch-Lutherische (altlutherische) Kirche Preußens. Die Altlutheraner bestanden auf ihre Religionsfreiheit, indem sie uneingeschränkt lutherische Gottesdienste, Verfassung und Lehre forderten. Nach harter Verfolgungszeit seitens des Staates konnte sie sich 1841 unter König Friedrich Wilhelm IV konstituieren und wurde anerkannt. Mitten in der Verfolgungszeit entstand 1836 mit dem Austritt von 21 Familien aus der Landeskirche die Evangelisch-Lutherische Christuskirchengemeinde, die sich dem Oberkirchenkollegium der evangelisch-lutherischen (altlutherischen) Kirche in Breslau unterstellte. Geweiht wurde ihre Kirche in der Tettaustraße aber erst 1913. Diese Kirchengemeinde gehört heute zum Kirchenbezirk Sachsen-Thüringen der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche.

Die römisch-katholischen Pfarrgemeinden der Stadt gehörten ab 1821 zum Bistum Paderborn. Nach dem Preußischen Konkordat von 1929 erfolgte eine Neuordnung der Gebiete der römisch-katholischen Bistümer. Die Gemeinden in Erfurt kamen zum Bistum Fulda. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es für den Bischof immer schwerer, seine Amtsgeschäfte im Ostteil seines Bistums wahrzunehmen. Ebenso erging es dem Bischof von Würzburg, dem die südlichen Pfarrgemeinden Thüringens zugeordnet waren. 1946 wurde daher in Erfurt für die DDR-Gebiete der Bistümer Fulda und Würzburg ein Generalvikar eingesetzt, der 1953 zum Weihbischof und 1967 zum Bischöflichen Kommissar ernannt wurde. Durch die Neuordnung der römisch-katholischen Kirche in der DDR wurden die Gebiete ausgegliedert und per Dekret des Heiligen Stuhls am 20. Juli 1973 dem Bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen zugeordnet und damit formell von ihren bisherigen Bistümern abgetrennt. Leiter dieses Bischöflichen Amtes wurde ein Apostolischer Administrator, der Titularbischof war. Am 14. Juni 1994 wurde das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen zum Bistum Erfurt erhoben und der Kirchenprovinz Paderborn zugeordnet. Die Rechtswirksamkeit erfolgte zum 7. Juli 1994. Die Pfarrgemeinde in Erfurt gehört somit heute zum Dekanat Erfurt innerhalb des Bistums Erfurt. Im Jahr 2003 gab es etwa 14.000 römische Katholiken in Erfurt.

Neben den beiden großen Kirchen gibt es auch noch eine kleine Gemeinde der Alt-Katholischen Kirche, die in der Michaeliskirche ansässig ist, sowie Gemeinden, die zu Freikirchen gehören, darunter eine Evangelisch-methodistische Kirche (Ägidienkirche), eine Freie evangelische Gemeinde, eine Adventgemeinde, die Jesus Freaks, eine Missionsgemeinde und das Christus-Zentrum. Ferner sind die Neuapostolische Kirche, die Christengemeinschaft, die Zeugen Jehovas, die Apostolische Gemeinschaft sowie die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Erfurt vertreten.

Erfurt ist darüber hinaus auch der Sitz der jüdischen Gemeinde von Thüringen, die etwa 650 Mitglieder hat. Von diesen leben 350 in Erfurt selbst. In der Stadt findet sich die einzige in der DDR gebaute Synagoge, die Neue Synagoge, die als Gebets- und Gemeinderaum genutzt wird, sowie die Alte Synagoge, mit 900 Jahren eine der ältesten erhaltenen Synagogen Europas, und die Kleine Synagoge, die heute Museum und Begegnungsstätte sind. Als Zeugnis der früheren Gemeinde wurde im Frühjahr 2007 das alte rituelle Bad, die Mikwe nahe der um 1100 gebauten Alten Synagoge bei Erdarbeiten unweit der Krämerbrücke mit einem weitgehend erhaltenen Tonnengewölbe zufällig wiederentdeckt. Die Mikwe ist seit 1250 bezeugt.

1880 hatte Erfurt mehr als 50.000 Einwohner. 1905 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges am 1. Dezember 1945 hatte die Stadt 164.998 Einwohner und überschritt 1973 die Grenze von 200.000 Einwohnern. 1989 erreichte die Bevölkerungszahl mit über 220.000 ihren historischen Höchststand. Seit der Wende in der DDR verlor die Stadt aufgrund von Abwanderung, Suburbanisierung und Geburtenrückgang trotz zahlreicher Eingemeindungen rund 20.000 Menschen. Durch Wanderungsgewinne vor allem durch den Umzug junger Menschen aus anderen Landkreisen Thüringens in die Landeshauptstadt, nahm die Bevölkerungszahl seit 2003 wieder leicht zu und rangiert wieder oberhalb der 200.000-Marke.

Erfurt wird seit 1998 im Deutschen Bundestag von Carsten Schneider (SPD) vertreten. Bei der Bundestagswahl 2005 gewann er das Direktmandat im Wahlkreis Erfurt mit 31,5 % der Stimmen. Die anderen vier Direktkandidaten Antje Tillmann (CDU), Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Uwe Barth (FDP) und Frank Spieth (Linkspartei) sind über die Landesliste in den Bundestag eingezogen. Bei den Bundestagswahlen 1990 und 1994 gewann jeweils Norbert Otto (CDU) das Direktmandat im Wahlkreis Erfurt.

Bei Abstimmungen im Stadtrat bilden sich abhängig vom Thema unterschiedliche Mehrheiten quer über die Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg.

Bei den ersten freien Kommunalwahlen der DDR am 6. Mai 1990 wählten die Erfurter noch eine 160-köpfige Stadtverordnetenversammlung – die größte in ganz Deutschland. Die Versammlung wiederum wählte den Oberbürgermeister. 1994 und 1999 fanden Wahlen zum Stadtrat in seiner heutigen Konzeption statt.

Bei der Wahl des Oberbürgermeisters 2006 konnte im ersten Wahlgang keiner der Bewerber eine absolute Mehrheit erringen, weshalb ein zweiter Wahlgang notwendig wurde. In der Stichwahl erzielte der SPD-Kandidat Andreas Bausewein 60,2 Prozent der abgegebenen Stimmen, während der CDU-Kandidat nur auf 39,2 Prozent kam. Im ersten Wahlgang betrug die Wahlbeteiligung 37,2 %, in der Stichwahl 30,5 %.

Die Verschuldung der Stadt Erfurt ist seit 2005 rückläufig. Im Jahr 2005 hatte Erfurt noch 226,9 Millionen Euro Schulden, die im Jahr 2008 auf circa 188 Millionen Euro zurückgegangen sind. Laut mittelfristigem Finanzplan wird eine durchschnittliche Schuldentilgung von etwa 11 Millionen Euro pro Jahr angestrebt. Bis 2012 rechnet die Stadtverwaltung mit einem Schuldenstand von 144 Millionen Euro.

Das Wappen der Stadt Erfurt zeigt ein silbernes, sechsspeichiges Rad, wobei zwei Speichen senkrecht stehen, vor rotem Grund.

Auf dem ältesten Stadtsiegel aus dem 12. Jahrhundert war der Patron von Mainz, der Heilige Martin abgebildet. Das sechsspeichige Rad erscheint etwa von der Mitte des 17. Jahrhunderts an im Siegel. Auf Münzen, Denksteinen, in Druckwerken usw. ist das Rad als Stadtwappen um 1285 erstmals zu finden. Dieses Wappen ist dem des Erzbistums Mainz entlehnt, zu dem die Stadt über 1000 Jahre, von 755 bis 1802, gehörte.

Die Bedeutung des Mainzer Rades ist bis heute nicht eindeutig geklärt: Die volkstümliche Erklärung ist die verbreitete Sage vom Erzbischof Willigis, der angeblich der Sohn eines armen Wagenbauers gewesen sei und trotz des Spotts der adligen Mainzer Domherren das weiße Rad im roten Feld als Wappen geführt haben soll.

Andere Erklärungen beziehen sich auf das Zeichen des Rades in der Mythologie der Griechen und Römer sowie das Rad als Feldzeichen einer römischen Legion – diese sind jedoch unwahrscheinlich, da der bedeutendste geistliche Würdenträger des Reiches, der Mainzer Erzbischof, sicher nicht auf ein heidnisches Symbol zurückgegriffen haben wird. Weitere Erklärungen sehen das Rad als „Kreuz oder Christusmonogramm im Nimbuskreis“, als symbolische Darstellung für einen Wagen – nämlich den Wagen der Kirche oder als mit einem Siegelrand umgebenen Bischofsring.

Der Leitspruch der Stadt ist Rendezvous in der Mitte Deutschlands.

Im Jahr 2003 wurde im Brühl das neue Gebäude des Erfurter Theaters eröffnet. Das Theater bietet Platz für 800 Zuschauer und führt jährlich etwa 250 Veranstaltungen durch. Hauptsächlich werden Musiktheaterstücke gespielt. Tanztheater und Schauspiel runden das Angebot ab. Ein Ziel des Theaters unter der Leitung von Generalintendant Guy Montavon ist es, einmal pro Spielzeit eine Uraufführung zu präsentieren.

Das Theater, zu dem auch das Philharmonische Orchester Erfurt gehört, veranstaltet außerdem seit 1994 jährlich die Domstufen-Festspiele, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Die Festspiele finden jeden Sommer statt und dauern drei Wochen. Vor der Kulisse von Dom und Severikirche wird an mehreren Abenden jeweils ein Stück aufgeführt. Bekannte Stücke, die im Rahmen der Domstufen-Festspiele aufgeführt wurden, sind Carmina Burana (1994 und 1995), Jedermann (2000 und 2001), Der fliegende Holländer (2002), Jesus Christ Superstar (2005) und Der Mond (2006).

Neben dem Theater Erfurt gibt es mit der Schotte, der Theaterfirma Erfurt, dem Neuen Schauspiel Erfurt und dem Galli-Theater noch kleinere unabhängige Theater in Erfurt. Seit 1979 gibt es das Erfurter Kabarett Die Arche und seit 2003 mit dem Lachgeschoss noch ein zweites Kabarett. Das Theaterangebot umfasst zudem mit dem Theater Waidspeicher und dem Erfreulichen Theater zwei Puppentheater, die sowohl Stücke für Kinder als auch für Erwachsene aufführen.

Kern Erfurts ist die Altstadt, die sich in zwei Teile einteilen lässt: die innere Altstadt innerhalb der ersten Stadtbefestigung aus dem 10. Jahrhundert und die äußere Altstadt innerhalb der zweiten Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert. Beide Mauerringe lassen sich heute noch gut nachvollziehen; der innere wird vom Juri-Gagarin-Ring und der äußere vom Stadtring nachvollzogen. Dabei zeigt die innere Altstadt heute noch größtenteils ein mittelalterliches Bild, das von den über 20 gotischen Pfarrkirchen und den sie umgebenden Fachwerk-, Bürger- und Handelshäusern geprägt wird. Sie stammen größtenteils aus der Zeit des 16., 17. und 18. Jahrhunderts (Renaissance/Barock). Punktuell wurden in der inneren Altstadt auch in späterer Zeit neue Gebäude errichtet, was sich aber im Wesentlichen auf die Hauptgeschäftsstraßen beschränkte. Die äußere Altstadt zeigt hingegen schon ein durchmischteres architektonisches Bild. Neben kleinen frühneuzeitlichen Gebäuden (z. B. im Brühl) finden sich hier auch große Bauten aus der Gründerzeit (z.B. im Bahnhofsviertel) und nachfolgenden Epochen (vor allem entlang des Juri-Gagarin-Rings).

Erst 1873 verlor Erfurt seinen Status als Festungsstadt. Die Stadtbefestigungen wurden abgetragen und die Flächen außerhalb zur Bebauung freigegeben. Dadurch konnte sich die Stadt schnell, aber auch sehr regelmäßig entwickeln. Um die Altstadt entstand in den folgenden 60 Jahren ein Gürtel aus Wohnvierteln (die Erfurter Vorstädte). Die ältesten Gebäude dieser Phase befinden sich an der Magdeburger Allee und die jüngsten sind die Wohnblocks der Neuen Sachlichkeit aus der Zeit um 1930 in der Krämpfervorstadt. Dieser Gürtel musste weder unter Kriegsschäden, noch unter späteren Umbaumaßnahmen leiden, sodass er heute noch vollständig erhalten ist; einzig einige Industriebauwerke wurden nach der Wiedervereinigung abgerissen. Dennoch gibt es im Erscheinungsbild der Viertel große Unterschiede: So dominieren im Südwesten der Stadt reich verzierte, einzeln stehende Villen, während im Nordosten eher monotone Arbeiterviertel mit der typischen fünfgeschossigen Block-Bauweise vorherrschen. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten Mitteldeutschlands sind diese Häuser unverputzt und ohne Fassadenschmuck, typischerweise aus rotem Ziegel (hergestellt in den Ziegeleien am Roten Berg im Norden der Stadt). Der Sanierungsstand hier ist relativ hoch, der Brachflächenanteil eher gering.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die weitere Entwicklung der Stadt durch die staatlichen Wohnungsbauprogramme in der DDR bestimmt. Dabei entstanden die beiden Großsiedlungen Erfurt-Nord und Erfurt-Südost mit Hochhäusern in Plattenbauweise. Nach der Wiedervereinigung schrumpfte die Einwohnerzahl der Stadt durch Wegzüge und Suburbanisierung. Suburbanisierungsgebiete waren im Folgenden vor allem der Ringelberg im Osten, Marbach im Westen und andere Dörfer in der Umgebung Erfurts. In der Stadt dominierte der Bau von Geschäfts- und Verwaltungsbauten, um die Aufgaben der neuen Funktion als Landeshauptstadt zu erfüllen. Zudem wurde eine weitgehende Sanierung des Altbaubestands in der Altstadt und den Vorstädten erreicht. In jüngster Zeit entstanden auch vermehrt neue Wohnhäuser auf Baulücken in der Altstadt.

Bedeutendstes romanisches Bauwerk der Stadt ist die Peterskirche. Aus der Zeit der Gotik stammen der Erfurter Dom sowie die Kloster- und Pfarrkirchen der Altstadt, etwa die Predigerkirche oder die Kaufmannskirche. Auch Profanbauten wie der Kornhofspeicher entstanden zu dieser Zeit. Die Renaissance ist in Erfurt durch den Bau repräsentativer Bürgerhäuser geprägt. Beispiele hierfür sind das Haus zum Roten Ochsen am Fischmarkt oder das Haus zum Stockfisch in der Johannesstraße. Die Kurmainzische Statthalterei (heute Sitz der Staatskanzlei) entstand als Verwaltungsbau in zwei Phasen. Sie hat einen Renaissance- und einen Barock-Teil. Ein weiteres bedeutendes Barockbauwerk in der Stadt ist die Waage. Auch die große Zitadelle Petersberg entstand zur Zeit des Barock. Die folgende Epoche des Klassizismus war in Erfurt nicht besonders prägend, Gebäude dieser Zeit sind der Kaisersaal, die Kleine Synagoge oder auch der Alte Hauptbahnhof. Im Historismus entstanden neben zahlreichen Wohngebäuden auch das Rathaus, das Gericht und die Thomaskirche. Zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg entstanden beispielsweise die Lutherkirche (Art Deco), die Thüringenhalle, das Jacobsenviertel oder der Landtag. Aus dem Jahr 1960 stammt die Gesamtanlage des egaparks und aus der Nachwendezeit die Messe, das Neue Theater oder auch die Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle.

Wegen seiner zahlreichen Kirchen und Klöster erhielt Erfurt im Mittelalter den Beinamen „Thüringisches Rom“. Heute sind noch insgesamt 24 dieser Kirchen erhalten, wobei die Gesamtzahl der Kirchen durch Eingemeindungen 75 beträgt.

Das Wahrzeichen der Stadt ist das einzigartige Ensemble von Dom und Severikirche auf dem Domplatz. Die Kirchen sind auf dem Domberg beheimatet und über 70 Stufen zu erreichen. Die Glocke des Domes, die Gloriosa, ist die größte freischwingende mittelalterliche Glocke Europas. Die 1497 gegossene Glocke ist 2,57 Meter hoch, misst 2,54 Meter im Durchmesser und wiegt 11.450 Kilogramm. Die Gloriosa wird heute noch zu besonderen Ereignissen und kirchlichen Feiertagen geläutet.

Die Barfüßerkirche wurde 1231 errichtet und gehörte einst zum Kloster der Franziskaner. Bei einem Bombenangriff im Jahr 1944 wurde die Kirche weitgehend zerstört. In der Ruine der Kirche finden jährlich im Sommer Theatervorstellungen unter freiem Himmel statt. Derzeit wird ein Umbau geplant. Die Kosten sollen sich auf zwei Millionen Euro belaufen. Dabei ist nicht an eine Restaurierung gedacht, wie bei der Frauenkirche in Dresden, sondern an einen Überbau, um die historische Substanz als Kulturerbe zu erhalten.

Die am Wenigemarkt beheimatete Ägidienkirche wurde 1110 erstmals erwähnt. Sie war eine der zwei Brückenkopfkirchen der Krämerbrücke, ist aber heute als einzige erhalten. Der Zugang zur Krämerbrücke erfolgt durch ein begehbares Tor in der Kirche. Der Turm kann von Besuchern bestiegen werden und bietet eine einzigartige Aussicht über die gesamte Erfurter Altstadt.

Die zwischen 1270 und 1450 erbaute Predigerkirche mit dem zugehörigen Predigerkloster ist eine dreischiffige kreuzrippengewölbte Basilika und eines der bedeutendsten Bauwerke der Bettelordensarchitektur in Deutschland. Dendrologische Untersuchungen ergaben, dass der ausschließlich aus Holz bestehende Dachstuhl von thüringer Fichten stammt, die zwischen 1279 und 1285 geschlagen wurden. Damit besitzt das Predigerkloster den ältesten Dachstuhl im deutschsprachigen Raum.

Der mit 53 Metern höchste Turm der Altstadt gehört zur Allerheiligenkirche an der Weggabelung der Allerheiligen- und Marktstraße. Weitere bekannte Kirchen sind die Peterskirche auf dem Erfurter Petersberg, die Kaufmannskirche, die Lorenzkirche und die Schottenkirche.

Das 1277 erbaute Augustinerkloster ist vor allem als bedeutende Lutherstätte bekannt. Nach Beendigung seines Studiums in Erfurt schloss sich Martin Luther den Augustiner-Eremiten an. Hier lebte er von 1505 bis 1511 und wurde 1507 im Dom zum Priester geweiht. Heute wird das Augustinerkloster als internationale Begegnungsstätte genutzt. In den Sommermonaten finden im Renaissancehof des Klosters verschiedene Konzerte und Theateraufführungen statt.

Erfurt besitzt einen der am besten erhaltenen und größten mittelalterlichen Stadtkerne Deutschlands. Ein bemerkenswertes Bauwerk ist die Krämerbrücke, die 1117 erstmals erwähnt und 1325 nach mehreren Bränden aus Stein gebaut wurde. Das 120 m lange Bauwerk überspannt die Gera und ist mit 32 Häusern bebaut. Damit ist die Krämerbrücke die längste komplett bebaute und bewohnte Brücke Europas. Einst befanden sich an beiden Zugängen Brückenkopfkirchen, heute ist nur noch die Ägidienkirche am Zugang Wenigemarkt erhalten.

Neben der Krämerbrücke waren im Mittelalter die Lehmannsbrücke, erstmalig 1108 erwähnt und 1976 durch ein Spannbetonbauwerk ersetzt, die Schlösserbrücke und Lange Brücke wichtige Gerabrücken. Zu den ältesten erhaltenen Natursteinbrücken der Stadt zählt außerdem die Roßbrücke aus dem Jahr 1750.

Direkt neben dem Domplatz reckt sich der Petersberg empor, auf dem zwischen 1665 und 1707 die Zitadelle Petersberg errichtet wurde. Heute ist die Zitadelle die einzige weitgehend erhaltene barocke Stadtfestung Europas.

Auf dem Fischmarkt, gelegen zwischen Anger und Domplatz, befindet sich das Erfurter Rathaus. Das neogotische Haus wurde 1870 bis 1874 erbaut und enthält im Treppenaufgang zahlreiche Wandgemälde mit Szenen der Erfurter und Thüringer Geschichte. Gegenüber dem Rathaus befindet sich die 1561 errichtete Statue eines römischen Kriegers, welcher den Stadtpatron Martin von Tours darstellen soll. Am Fischmarkt befinden sich noch weitere sehenswerte Gebäude, beispielsweise das 1562 erbaute Haus zum Roten Ochsen, welches heute eine Kunstgalerie beheimatet. Links vom Rathaus steht das Haus zum Breiten Herd mit seiner reich verzierten Renaissancefassade.

Auf dem Gelände des egaparks befindet sich die 1480 errichtete und im 17. Jahrhundert zur Zitadelle ausgebaute Cyriaksburg. Sie beherbergt heute das Deutsche Gartenbaumuseum und eine Aussichtsplattform auf einem der beiden Festungstürme.

Weitere sehenswerte Bauwerke sind das Haus zum Güldenen Krönbacken, das Haus zum Sonneborn, welches heute das Standesamt beherbergt, die Kurmainzische Statthalterei (heute Thüringer Staatskanzlei) und der Gebäudekomplex Engelsburg, Ursprung der Dunkelmännerbriefe. Das nahe Collegium maius der alten Universität in der Michaelisstraße wird bis 2010 als Verwaltungssitz der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland rekonstruiert.

Der Dachstuhl des Haus Dacheröden brannte am 24. August 2006 vollständig aus. Der Renaissance-Bau ist danach für 1,5 Millionen Euro saniert worden. Das Haus war im 18. und 19. Jahrhundert Treffpunkt für Gelehrte, Schriftsteller und Künstler. Goethe, Schiller, Dalberg und Wilhelm von Humboldt waren oft Gäste dieses Hauses.

Das klassizistische Kultur- und Kongresszentrum Kaisersaal gehört als Stätte von Napoleons Erfurter Fürstenkongress 1808 und des Erfurter Parteitages der SPD 1891 mit zu den historisch bedeutsamsten Gebäuden.

Im 1904 erbauten ehemaligen Hotel Erfurter Hof fand 1970 das erste deutsch-deutsche Gipfeltreffen zwischen Bundeskanzler Willy Brandt und Ministerratsvorsitzendem Willi Stoph statt. Das "Willy-Brandt-Zimmer" erinnert an die spektakulären Ovationen der Erfurter für Brandt.

Der Thüringer Zoopark Erfurt gehört zu den flächenmäßig größten Zoos in Deutschland. Der 1959 eröffnete Zoo beherbergt 1200 Tiere und 128 verschiedene Arten, darunter Löwen, Elefanten, Nashörner und Giraffen. Der Zoopark befindet sich im Erfurter Norden, am Roten Berg.

Das Aquarium am Nettelbeckufer beherbergt 368 Arten und insgesamt 3000 Tiere. Das Aquarium besitzt eine der größten Sammlungen an Süßwasserfischen in Deutschland.

Die Erfurter Gartenbauausstellung, der egapark, liegt am westlichen Stadtrand von Erfurt an der Zitadelle Cyriaksburg und wurde 1959 eröffnet. 1961 fand auf dem Gelände die „I. Internationale Gartenbauausstellung (iga) sozialistischer Länder“ statt. Das 36 Hektar große Areal steht unter Denkmalschutz und umfasst unter anderem das größte ornamental bepflanzte Blumenbeet Europas und den größten Spielplatz in Thüringen. Neben einem Rosengarten und einem Japanischen Garten gibt es im egapark zahlreiche Themenhäuser, wie das Tropenhaus, das Schmetterlingshaus, das Kakteenhaus und das Orchideenhaus. Zudem befindet sich auf dem Gelände des egaparks die Zitadelle Cyriaksburg, welche unter anderem das Deutsche Gartenbaumuseum beherbergt. Der egapark ist außerdem Ort regelmäßiger Großveranstaltungen, wie dem Lichterfest im August und dem spätsommerlichen Biermarkt.

Erfurt besitzt zahlreiche Parkanlagen, beispielsweise den Stadtpark in der Nähe des Hauptbahnhofes, den Südpark neben dem Stadion und die größte Parkanlage, den Nordpark, in dem sich das Nordbad befindet, das derzeit neu gebaut wird. Ein weiterer Park ist der direkt an der Gera gelegene Luisenpark im Südwesten Erfurts. Dort befindet sich auch der botanisch-dendrologische Garten, ein terrassenförmig angelegte Anlage, mit zahlreichen Blumen und Sitzgelegenheiten. Direkt neben der Altstadt befindet sich der 1,5 Hektar große Brühler Garten. Der in sich abgeschlossene Garten steht unter Denkmalschutz und wurde 2001 neugestaltet. Im Süden der Stadt befindet sich der 700 Hektar große Steigerwald, der unter anderem 36 km Wanderwege bietet.

Das seit 1975 jährlich am zweiten Wochenende im Juni stattfindende Krämerbrückenfest ist das größte Altstadtfest Thüringens und zieht regelmäßig eine sechsstellige Anzahl an Besuchern an. In der ganzen Altstadt werden Thüringer Kunsthandwerk und kulinarische Spezialitäten verkauft. Kleinkunst und ein Mittelaltermarkt runden das dreitägige Fest ab. Zeitgleich zum Krämerbrückenfest findet das New Orleans Music Festival statt, welches auf der Bühne hinter dem Rathaus vom Jazz über den Blues hin zum Boogie Woogie und Gospel die verschiedenen Musikstile aus New Orleans präsentiert.

Jährlich am 10. November findet auf dem Domplatz das Ökumenische Martinsfest statt. Der Martinstag wird in Erfurt einen Tag früher begangen, da hier neben dem Todestag des Stadtheiligen Martin von Tours (11. November 397), auch der Geburtstag von Martin Luther (10. November 1483) gefeiert wird. Aus diesem Grund begehen die katholische und die evangelische Kirche das Fest gemeinsam. Am Abend der Festveranstaltung finden sich tausende Erfurter auf dem Domplatz ein, Kinder bringen Laternen mit, so dass der Domplatz hell erleuchtet ist. Nach der Festveranstaltung ist es in Erfurt üblich, dass die Kinder mit ihren Laternen singend von Haus zu Haus gehen und dafür Süßigkeiten erhalten.

Der Erfurter Weihnachtsmarkt findet jährlich von Ende November bis 22. Dezember statt. Der Weihnachtsmarkt findet hauptsächlich auf dem Domplatz vor der Kulisse des beleuchteten Ensembles von Dom und Severikirche statt. Auf dem Anger, dem Willy-Brandt-Platz, dem Fischmarkt und dem Wenigemarkt gibt es kleinere Ableger des Weihnachtsmarktes.

Im 17. und 18. Jahrhundert wirkten in Erfurt zahlreiche Mitglieder der Familie Bach, die seit den 1630er-Jahren über ein ganzes Jahrhundert das musikalische Leben der Stadt derart beherrschten, dass noch 1793 alle Erfurter Stadtpfeifer „Bache“ genannt wurden, obwohl damals längst kein Musiker dieses Namens mehr in Erfurt lebte. Von 1678 bis 1690 war Johann Pachelbel als Organist an der Predigerkirche angestellt. Bedeutendste Figur des Musiklebens der Stadt im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts war Richard Wetz, der zwischen 1906 und 1925 den Erfurter Musikverein leitete und dessen kompositorische Hauptwerke hier entstanden. Unter den Musikern der Nachkriegszeit ist besonders Johann Cilenšek zu nennen, der ebenfalls den Großteil seines Schaffens in Erfurt komponierte.

Heute hat Erfurt eine lebhafte Musikszene, so dass an jedem Wochenende Livekonzerte stattfinden. Große Veranstaltungen finden in der Messehalle oder der Thüringenhalle statt. Für kleinere Konzerte stehen das Haus der sozialen Dienste (im Volksmund Gewerkschaftshaus), der Stadtgarten, das Centrum, die Alte Oper und der Museumskeller zur Verfügung. Im Erfurter Jazzclub am Fischmarkt finden außerdem an vielen Wochenenden Jazzkonzerte statt. Außerdem veranstalten das zum Theater Erfurt gehörende Philharmonisches Orchester Erfurt und die Stadtharmonie Erfurt regelmäßig Konzerte.

Im Sommerhalbjahr findet in der Predigerkirche jeden Mittwoch ein Orgelkonzert an der Schuke-Orgel statt. Außerdem stehen auf dem Programm der Kirchenmusik die Nachtkonzerte im Augustinerkloster, Internationale Orgelwettbewerbe, und Aufführungen großer Oratorien durch die Augustinerkantorei und Andreas Kammerorchester. Jährlich im Okt.-Nov. findet das Musica-rara-Festival statt, das sich mit wechselnden Themenschwerpunkten selten aufgeführter Kammermusik widmet.

Des Weiteren gehört Erfurt zu den Austragungsorten der Jazzmeile. Außerdem findet einmal im Jahr am nahegelegenen Stausee Hohenfelden das Highfield-Festival statt. Die dreitägige Rock und Alternative-Veranstaltung gehört zu den größten Festivals dieser Art in Deutschland. Am letzten Schultag vor den Sommerferien findet in Erfurt jedes Jahr das Festival Rock in die Ferien statt, welches mit bekannten Popmusik-Acts das junge Publikum anspricht.

Das Erfurter Nachtleben bietet neben Livemusikveranstaltungen auch zwei Großraumdiskotheken, zahlreiche kleinere Clubs mit verschiedensten Veranstaltungen sowie zwei Studentenclubs.

Die wohl bekannteste kulinarische Spezialität Erfurts ist die Thüringer Bratwurst. In der Erfurter Innenstadt werden an mehreren Ständen täglich Bratwürste verkauft, zu besonderen Veranstaltungen stehen entsprechend mehr Verkaufsstände zur Verfügung. Die Thüringer Bratwurst wird traditionell mit Born-Senf gegessen. Der Erfurter Traditionsbetrieb betreibt am Wenigemarkt ein Senfmuseum und ein Senfgeschäft. Neben Bratwürsten werden meistens auch Thüringer Rostbrätel angeboten.

Eine weitere Spezialität ist das Erfurter Schittchen, ein Weihnachtsstollen, der 1329 erstmals urkundlich erwähnt wurde und somit einer der ältesten Christstollen Deutschlands ist.

In Erfurt befinden sich zahlreiche Sportanlagen, auf denen nationale und internationale Wettkämpfe stattfinden. Außerdem sind in der Stadt mehrere überregional aktive Vereine beheimatet. Zahlreiche Olympiasieger hatten ihre sportliche Heimat ebenfalls in Erfurt.

Erfurt ist eine Hochburg des Eissports. Besonders erfolgreich sind die Erfurter Eisschnellläuferinnen, die stets zur Weltspitze gehörten. Insbesondere sind hier Gunda Niemann-Stirnemann, Franziska Schenk, Sabine Völker und Daniela Anschütz-Thoms zu nennen.

Im Eiskunstlauf ist der Erfurter Stefan Lindemann international erfolgreich. Außerdem ist in Erfurt eine Eishockeymannschaft beheimatet. Die Black Dragons Erfurt spielen in der Saison 2008/2009 in der Regionalliga Nord/Ost.

Im Jahr 2001 wurde die Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle fertiggestellt. Sie besitzt eine 400-m-Eisbahn und ist sowohl für den Leistungssport, als auch als Freizeitanlage nutzbar. In der Halle, die für 4000 Zuschauer Platz bietet, fanden unter anderem die Deutschen Meisterschaften, Weltcuprennen, sowie die Europameisterschaft im Eisschnelllauf statt.

Der FC Rot-Weiß Erfurt spielt derzeit in der 3. Liga. Zu DDR-Zeiten spielte RWE fast immer erstklassig und gewann 1954 und 1955 die DDR-Meisterschaft, noch als SC Turbine Erfurt. Der Verein nahm 1991 am UEFA-Pokal teil und spielte 1991/92 und 2004/05 in der 2. Bundesliga. Die Heimspiele trägt der Club im Steigerwaldstadion aus, das Platz für etwa 20.000 Zuschauer bietet. In der letzten Zweitligasaison besuchten durchschnittlich ca. 12.000 Zuschauer die Spiele des Vereins. Die Zweite Mannschaft von Rot-Weiß Erfurt ist aus der Oberliga abgestiegen und spielt jetzt in der Verbandsliga, in der bis 2005 auch der bis dahin zweitbeste Erfurter Fußballverein FC Erfurt Nord spielte. Erfurt ist zudem Sitz des Thüringer Fußball-Verbandes. In der Landesklasse spielt Empor Erfurt um den Klassenerhalt. Auch in den Bezirksligen sind Erfurter Mannschaften, wie z.B. ESV Lok Erfurt, Union Erfurt oder Borntal Erfurt, vertreten. Auf Stadtebene ist die Stadtliga (vgl. Kreisliga) die höchste Spielklasse. Der Aufsteiger steigt direkt in die Bezirksliga auf. Unter der Stadtliga sind die erste und zweite Stadtklasse eingereiht. Erfurt war 2001 einer der fünf Austragungsorte der Fußball-Europameisterschaft der Frauen.

Erfurt ist außerdem eine Hochburg im deutschen Radsport und besitzt im Andreasried eine Radrennbahn. Die 1925 eröffnete Bahn hat eine Länge von 333 m und bietet Platz für 4000 Zuschauer. Die Bahn wurde saniert und komplett überdacht. Bei den Olympischen Spielen 2004 gewann der Erfurter Bahnradsportler René Wolff die Goldmedaille. Bei der Tour de France 2005 waren mit Daniel Becke, Sebastian Lang und Stephan Schreck drei Erfurter Radfahrer am Start. Erfurt ist zudem Zielort des traditionsreichen Radrennens Rund um die Hainleite, welches 1907 erstmals ausgetragen wurde und jährlich deutsche und internationale Spitzenfahrer anzieht.

Mit dem Erfurter LAC, dem Laufclub Erfurt und dem ASV Erfurt hat die Stadt gleich drei Vereine die zu den besten 50 Leichtathletikklubs Deutschlands gehören. In der Vereinsrangliste des Deutschen Leichtathletik-Verbandes rangiert der LAC 2007 auf Rang elf. Alle drei Vereine zusammen würden deutschlandweit lediglich von Bayer 04 Leverkusen geschlagen.

Im Steigerwaldstadion fanden 1994, 1999 und im Juli 2007 die Deutsche Leichtathletik-Meisterschaft sowie 2005 die U23-Europameisterschaft statt. Erfurt ist außerdem die Heimat zahlreicher erfolgreicher Sportler, unter anderem trainierten die Olympiasieger Heike Drechsler, Silke Renk, Sigrun Siegl, Hartwig Gauder und Nils Schumann in der thüringischen Landeshauptstadt.

Der Thüringer Handball Club Erfurt/Bad Langensalza spielt seit 2005 in der Handball-Bundesliga der Frauen. Seine Heimspiele trägt der Verein in Bad Langensalza aus. Entstanden ist der Verein 1996 aus einer Fusion des HC Erfurt und dem SV Empor Bad Langensalza. Im Männerbereich ist die Landeshauptstadt durch den HSC Erfurt vertreten, welcher in der Handball-Oberliga Thüringen spielt. Zum 1. Januar 2004 lösten sich die Handballer aus dem SSV Erfurt Nord heraus und bildeten den eigenständigen Verein HSC Erfurt.

Der Erfurter TC Rot-Weiß wurde 2005 souverän Meister der 2. Bundesliga Nord im Tennis und spielt derzeit in der Bundesliga der Herren. Die Anlage des Vereins mit sechs Sandplätzen befindet sich in der Martin-Andersen-Nexö-Straße.

Das SWE Volley-Team Erfurt spielt derzeit in der 2. Bundesliga Süd der Frauen. In der Saison 2003/04 spielte der Verein in der Volleyball-Bundesliga.

Erfurt war ein bedeutender Industriestandort, jedoch mussten nach 1990 viele alte Betriebe, wie das Optima Büromaschinenwerk Erfurt, schließen. Dieser Strukturwandel brachte das Ende alter Unternehmen und die Gründung neuer Firmen mit sich. Das wirtschaftliche Profil der Stadt wandelte sich vom Industriestandort zum Dienstleistungszentrum.

Eine der traditionsreichen Unternehmen ist die heutige Maschinenbaufirma Müller Weingarten AG, deren Werk in Erfurt aus dem ehemaligen Zweigwerk der Berlin-Erfurter Maschinenfabrik Henry Pels & Co. an der Schwerborner Straße, 1902 von Henry Pels gegründet, hervorgegangen ist. Anfangs produzierte der Betrieb Scheren, Lochstanzen und kombinierte Maschinen, später auch Pressen. Im Dritten Reich wurde das Werk 1936 als jüdisches Eigentum zwangsweise an die Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken AG von Günther Quandt verkauft. Bis 1939 wuchs die Belegschaft auf 1000 Beschäftigte an. 1946 erfolgte die Umwandlung in eine Sowjetische Aktiengesellschaft. Ab 1953 hieß der Betrieb „VEB Pressen- und Scherenbau Henry Pels“. 1970 entstand daraus das „Kombinat Umformtechnik“, eine Zusammenfassung von 19 Betrieben des Umformmaschinenbaus. Das Werk in Erfurt war 1985 mit 5500 Mitarbeitern einer der großen Arbeitgeber Erfurts. 1990 wurde daraus die Treuhandfirma Umformtechnik GmbH. 1994 erhielt diese einen neuen Besitzer, den Škoda-Konzern aus Pilsen. 2001 erfolgte die Übernahme durch die Müller Weingarten AG. Zurzeit hat das Werk ungefähr 500 Mitarbeiter und ist im Pressenbau für die Automobilindustrie tätig.

Zu erwähnen ist außerdem das 1936 von der Telefunken GmbH gegründete Werk für Sender- und Empfängerröhren. Dieses hieß nach der Verstaatlichung VEB Funkwerk Erfurt, welches weiterhin Rundfunkröhren und Messtechnik baute. 1978 ging es im Kombinat VEB Mikroelektronik „Karl Marx“ auf und begann mit der Produktion von Halbleitern. 1989 hatte das Werk 8700 Mitarbeiter. 1992 wurde aus dem VEB unter anderem die Thesys Gesellschaft für Mikroelektronik mbH gegründet, die heute als X-FAB Semiconductor Foundries GmbH in Erfurt-Windischholzhausen mit ca. 600 Mitarbeitern Halbleiterprodukte produziert.

Auch die Fabrik der Condomi AG für die Produktion von Kondomen beruht auf einer alteingesessenen Erfurter Firma, nämlich die Gummiwarenfabrik Richter & Käufer, die schon 1929 Latexprodukte produzierte. Nach dem Krieg wurde das Unternehmen unter dem Namen VEB Plastina verstaatlicht. Die Produktpalette umfasste damals neben Kondomen auch Badekappen und Babysauger. 2005 wurde die Condomi AG von ihrer polnischen Tochterfirma Unimil übernommen. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 140 Mitarbeiter in Erfurt und hat deutschlandweit auf dem Markt für Präservative einen Marktanteil von elf Prozent.

Die Erfurter Malzwerke GmbH am Nordbahnhof gründen auf einer der größten und ältesten Malzfabriken Deutschlands, der 1869 gegründeten Malzfabrik Wolff. Seit 1993 ist Getreide AG Rendsburg neuer Eigentümer.

Die Braugold Brauerei in der Schillerstraße hat ihre Wurzeln in den Erfurter Brauereien Büchner und Baumann, die 1920 mit der Riebeck Brauerei aus Leipzig zur Riebeck Brauerei Erfurt fusionierten. Diese wurde 1948 als VEB verstaatlicht und produzierte ab 1956 Bier mit dem neuen Markennamen „Braugold“. 1969 wurde die Braugold Brauerei Stammbetrieb des VEB Getränkekombinat Erfurt. Seit 1996 gehört der Betrieb wieder als Braugold Brauerei Riebeck GmbH & Co. KG zur Riebeck-Gruppe.

Seinen Ruf als Blumenstadt hat Erfurt unter anderem der seit 1863 ansässigen Firma N.L. Chrestensen zu verdanken. Neben Blumen- und Gemüsesamen, gehören auch Blumenzwiebeln und Samen für Heil- und Gewürzkräuter zu den Produkten des Unternehmens, das Gärtner und Handelspartner in der ganzen Welt beliefert.

Das größte Energiedienstleistungsunternehmen Thüringens ist die E.ON Thüringer Energie AG, die in Thüringen über 1500 Mitarbeiter beschäftigen.

Die ErSol Solar Energy Aktiengesellschaft ist ein Wafer- und Solarzellenproduzent. Sie wurde 1997 in Erfurt gegründet und hatte im Jahr 2007 zirka 500 Mitarbeiter in Erfurt und einen Jahresumsatz von rund 128 Millionen Euro. Weitere Unternehmen der Hochtechnologie sind die Chipfabrik des Konzerns X-FAB, der seinen Sitz in Erfurt hat, sowie der Telekommunikationsausrüster Funkwerk AG im nahen Kölleda. Zusätzlich weist Erfurt eine hohe Dichte an Medienunternehmen (Kinderkanal, MDR Thüringen) auf sowie mehrere größere IT-Dienstleister (z. B. IBM Deutschland Customer Support Services, IAD GmbH, NT Neue Technologie AG, TecArt Group, Ibykus AG, T-Systems, DB Systel).

Mit 251 Mitarbeitern ist die Milchwerke Thüringen GmbH, die zur Humana Milchunion gehört, einer der größten Arbeitgeber in Erfurt. Neben Trinkmilch gehören Käse, Sahne, Joghurt, Quark und Desserts zum Produktionsprogramm. In den neuen Bundesländern werden die Erzeugnisse unter dem Markennamen Osterland vertrieben, in den alten Bundesländern firmieren die Produkte unter dem Namen Ravensberger.

Die Messe Erfurt ist nach der Leipziger Messe die zweitgrößte Messe der neuen Bundesländer. Das Messegelände, das sich am Stadtrand neben der ega befindet, umfasst neben einer Mehrzweckhalle zwei Messehallen und ein CongressCenter. Die Messe wird neben Ausstellungen, Tagungen und Kongressen auch für Konzert-, TV- und Sportereignisse genutzt. Mit einem Fassungsvermögen von bis zu 12.000 Zuschauern zählt die Halle zu einer der bedeutendsten dieser Art in Deutschland.

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hat einen ihrer beiden Hauptsitze in Erfurt und beschäftigt dort über 200 Mitarbeiter. Daneben haben die zur Helaba gehörende Sparkasse Mittelthüringen sowie die Erfurter Bank als Genossenschaftsbank ihren Sitz in der Stadt.

Der größte private Arbeitgeber in der Landeshauptstadt ist das aus der 1954 gegründeten Medizinischen Akademie Erfurt entstandene Helios-Klinikum. Dort sind derzeit circa 1600 Mitarbeiter beschäftigt.

Seit 1999 gibt es Bemühungen zu einer Kooperation der Städte Erfurt, Weimar und Jena mit dem Ziel einer abgestimmten Wirtschaftsförderung und Tourismusvermarktung unter der Marke „Die ImPuls-Region“. Ergebnisse dieser Zusammenarbeit sind z. B. der 2006 bei den öffentlichen Verkehrsmitteln eingeführte Verbundtarif Mittelthüringen und das touristische Themenjahr bauhaus 2009.

Erfurt erhielt im Jahr 1847 einen Anschluss an der Thüringer Bahn von Halle (Saale) und Leipzig nach Bebra. Weitere Strecken führen nach Sangerhausen, Nordhausen, Kassel, Würzburg, Ilmenau und Saalfeld.

Von 1882 bis Ende 1993 war Erfurt Sitz einer Eisenbahndirektion, anfangs der Königlichen Eisenbahndirektion und ab 1920 der Reichsbahndirektion Erfurt. Heute ist die Stadt noch Sitz einer Außenstelle des Eisenbahn-Bundesamtes sowie Sitz der DB Regio AG-Verkehrsbetrieb Thüringen.

In Erfurt halten Intercity-Express-Züge auf der Strecke Dresden – Leipzig – Erfurt – Fulda – Frankfurt am Main (– Wiesbaden / Saarbrücken) im Stunden-Takt. Zudem fahren Intercity nach Kassel – Paderborn – Dortmund – Düsseldorf (– Köln) und Halle (Saale) – Berlin (– Stralsund) im Zwei-Stunden-Takt. Ein CityNightLine fährt täglich nach Frankfurt am Main – Zürich. Nach Fertigstellung der Schnellfahrstrecken nach Leipzig/Halle und Nürnberg werden hier außerdem die ICE der Linie (Hamburg –) Berlin – Leipzig – Nürnberg – München halten.

Im Regionalverkehr bestehen Regional-Express-Verbindungen in Richtung Sömmerda – Sangerhausen – Magdeburg, Jena – Gera – Chemnitz / Zwickau, Gotha – Mühlhausen – Göttingen, Arnstadt – Suhl – Schweinfurt – Würzburg, Arnstadt – Saalfeld (Saale) und Straußfurt – Sondershausen – Nordhausen. Neben der wichtigen Verbindung Eisenach – Gotha – Erfurt – Weimar – Apolda – Naumburg (Saale) – Weißenfels – Halle (Saale) fahren Regionalbahnen nach Sömmerda – Sangerhausen und Straußfurt – Nordhausen. Die Linien nach Arnstadt – Ilmenau bzw. Meiningen werden von der Erfurter Bahn, die der Stadt Erfurt gehört, bzw. deren Tochtergesellschaft Süd-Thüringen-Bahn betrieben.

Weitere Personenbahnhöfe an der Thüringer Bahn haben die Stadtteile Vieselbach und Bischleben. An der Strecke nach Nordhausen gibt es den Bahnhof Erfurt-Nord sowie Stationen in Kühnhausen und Gispersleben, nach Sangerhausen halten Personenzüge in Erfurt-Ost und Stotternheim. Außerdem gab es die Kleinbahn Erfurt–Nottleben mit weiteren sieben Stationen im Erfurter Stadtgebiet, die 1967 für den Personenverkehr stillgelegt wurde. Von 1976 bis 1993 wurde auf dem 8,7 km langen Abschnitt von Erfurt-Berliner Straße bis zum Hauptbahnhof eine S-Bahnlinie betrieben. Der Nordhäuser und der Sangerhäuser Bahnhof als Endpunkte jener Strecken sind heute nicht mehr vorhanden. So sind heute acht der siebzehn Erfurter Bahnhöfe in Betrieb.

Die Bundesautobahn 4 bildet die südliche Stadtgrenze. Erfurt hat an dieser die Anschlussstellen Erfurt-West, Erfurt-Ost und Erfurt-Vieselbach, von denen zwei im Stadtgebiet liegen. Im Südwesten der Stadt wird die A 4 am Erfurter Kreuz von der A 71 gekreuzt, die in südlicher Richtung über Meiningen bis nach Schweinfurt führt und in nördlicher Richtung zur A 38 führen soll. Ab dem Erfurter Kreuz besteht die nördliche Verbindung schon bis Sömmerda-Ost. Ferner führen zwei Bundesstraßen durch das Stadtgebiet: die B4, die nach Nordhausen und Ilmenau führt, und die B7, die Erfurt mit Gotha und Weimar verbindet.

Der Öffentliche Personennahverkehr wird durch die Erfurter Verkehrsbetriebe der Stadtwerke (SWE-EVAG) realisiert. Die EVAG betreibt hierbei zwischen 4:00 Uhr morgens und 1:00 Uhr nachts sechs Stadtbahnlinien, die nahezu alle städtischen Quartiere erschließen. Dabei wird zwischen 6:30 Uhr und 18:30 Uhr ein Zehnminutentakt gefahren. Zum Einsatz kommen neben den Niederflurbahnen Combino und MGT6D auch ältere Hochflurbahnen des Typs Tatra KT4. Alle Bahnen können in Zweifach-, die Tatras auch in Dreifach-Traktion gefahren werden. Damit deckt die 1883 als Pferdebahn eröffnete und zwischen 1997 und 2007 erheblich erweiterte Stadtbahn den Großteil des Transportbedarfs ab.

Neben dem Stadtbahnnetz besteht auch ein Stadtbusnetz aus 24 Linien, von denen eine (Linie 9) ebenfalls im Zehnminutentakt verkehrt, um die von der Stadtbahn wenig erschlossenen Quartiere Johannesplatz und Daberstedt anzubinden. Die anderen Stadtbuslinien verkehren wesentlich seltener und meist als Zubringer von eingemeindeten Dörfern zu den Endpunkten der Stadtbahn. Darüber hinaus verkehren acht von der EVAG und zahlreiche weitere von anderen Busunternehmen betriebene Regionalbuslinien, die am Busbahnhof neben dem Hauptbahnhof enden.

Im Nachtnetz verkehren ab 21:00 Uhr wochentags fünf Stadtbahn- und eine Stadtbuslinie in teilweise veränderter Linienführung mit großen Nachtknoten jeweils :30 und :00 und kleinen Nachtknoten jeweils :15 und :45 am Anger. Betriebsschluss ist 01:00 Uhr. Am Wochenende (Nächte FR-SA und SA-SO sowie vor Feiertagen) verkehrt zusätzlich eine weitere Nachtbuslinie und einige Linien werden durchgängig bis zum nächsten Morgen betrieben.

Insgesamt transportieren die Bahnen und Busse der EVAG rund 100.000 Fahrgäste am Tag. Andere Verkehrsmittel wie etwa die Eisenbahn spielen in Erfurt für den innerstädtischen ÖPNV nur eine untergeordnete Rolle. Nicht mehr in Betrieb sind der Oberleitungsbus Erfurt und die S-Bahn Erfurt.

Von 1924 bis 1945 hatte Erfurt seinen Flughafen in Erfurt-Nord am Roten Berg. Der heutige Flughafen Erfurt im Westen der Stadt, im Stadtteil Bindersleben, wurde für die Verkehrsfliegerei 1956 in Betrieb genommen. Im Jahr 2008 werden wochentägliche Linienflüge nach Düsseldorf, Hamburg, und München angeboten. Den größten Anteil am Passagieraufkommen hat jedoch der Charterverkehr, vorrangig in die Urlaubsregionen rund um das Mittelmeer. Air Berlin führt zudem Shuttleflüge nach Nürnberg durch, wo Anschlüsse zu weiteren Flughäfen in Deutschland und Europa bestehen.

Neben dem Passagierverkehr wurden 2005 außerdem 4855 Tonnen Luftfracht durch die beiden Logistik-Unternehmen TNT und Schenker auf dem Erfurter Flughafen umgeschlagen.

Erfurt liegt am Gera-Radweg und am Radfernweg Thüringer Städtekette, sie verbinden die Stadt mit Gebesee (Unstrut-Radweg) im Norden, Weimar (Ilmtal-Radweg) im Osten, dem Rennsteig-Radwanderweg im Süden und Eisenach (Werra-Radweg) im Westen. Im Stadtverkehr liegt der Radanteil bei etwa 9%. Dennoch ist der Radwegeanteil an den Hauptstraßen vergleichsweise gering und/oder lückenhaft. So ist beispielsweise die Universität nicht über Radwege erreichbar. Auch der Zustand der Radwege ist nicht überall zufriedenstellend, so sind sie oftmals gepflastert und nicht asphaltiert, an Kreuzungen fehlen Ampeln für Radfahrer und die Wege führen über Bordsteinkanten. Auch Bäume oder parkende Fahrzeuge schränken vielerorts die Sichtverhältnisse auf und an den Radwegen ein. In Erfurt sind die meisten Radwege an Straßen Teil des Gehsteigs und nicht Teil der Fahrbahn, was das Unfallrisiko zwischen Fußgängern und Radfahrern erhöht.

Erfurt ist Sitz des KI.KA von ARD und ZDF. Außerdem ist in Erfurt das Landesfunkhaus des MDR ansässig, dort befindet sich auch ein Studio für Liveproduktionen und Aufzeichnungen, unter anderem wird das tägliche Lokalnachrichtenformat Thüringen Journal hier produziert.

Thüringer Allgemeine (TA) und Thüringische Landeszeitung (TLZ) berichten mit eigenen Lokalredaktionen aus Erfurt. Beide Zeitungen gehören seit 1990 über die Zeitungsgruppe Thüringen (ZGT) zur WAZ-Gruppe, sind aber redaktionell getrennt. In der Lokalberichterstattung aus Erfurt versucht die TA ein breites Themenspektrum abzudecken, während die TLZ klare Schwerpunkte setzen will. Die auflagenstärkere TA sowie der MDR erheben den Anspruch, in der Region Erfurt Meinungsführer zu sein.

Des Weiteren gibt es in Erfurt mit hEFt, t.akt, DATEs, Blitz und Rampensau verschiedene kostenlose Stadtmagazine, in denen Veranstaltungshinweise und Kulturbeiträge rund um Erfurt und Thüringen zu finden sind.

Neben MDR 1 Radio Thüringen hat der Thüringer Privatsender Landeswelle Thüringen seinen Sitz in Erfurt. Zudem hat die Thüringer Landesmedienanstalt zwei lokale Bürgerradios zugelassen: Radio Funkwerk und Radio F.R.E.I..

Seit 2004 haben die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) und die Thüringer Landesmedienanstalt ihren Sitz in Erfurt.

Seit dem 22. November 1999 ist Erfurt der Sitz des Bundesarbeitsgerichtes. Das BAG ist das oberste Gericht der Arbeitsgerichtsbarkeit und damit einer der fünf obersten Gerichtshöfe des Bundes in Deutschland.

Als Landeshauptstadt ist Erfurt zudem Sitz des Thüringer Landtages und der Staatskanzlei. Zudem haben zahlreiche Landesämter und das Landeskriminalamt (LKA) ihren Sitz in Erfurt. Außerdem befindet sich in Erfurt eines der vier Thüringer Landgerichte, die zum Oberlandesgerichtsbezirk Jena gehören.

Neben dem Bundesarbeitsgericht und den Landesämtern sitzen in Erfurt die Handwerkskammer, das Hauptzollamt, die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Thüringer Landesfinanzdirektion. Des Weiteren ist die Bundeswehr in Erfurt mit zwei Kasernen (die Löberfeldkaserne mit Kreiswehrersatzamt sowie die Henne-Kaserne) und einem SAR-Kommando am Flughafen Erfurt vertreten. Die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen sowie das Bundesamt für Güterverkehr unterhalten in Erfurt jeweils eine Außenstelle.

Die 1392 gegründete Universität Erfurt ist eine der ältesten Universitäten Deutschlands und war zeitweise sogar die größte Universität des Landes. Martin Luther studierte hier zwischen 1501 und 1505 und erhielt den Magister Artium der philosophischen Fakultät. Nach der Schließung 1816 wurde die Universität auf Initiative der Universitätsgesellschaft Erfurt unter Gründungspräsident Peter Glotz im Jahr 1994 neugegründet. Die Uni bietet 30 Studiengänge an vier Fakultäten (Staatswissenschaftliche, Philosophische, Erziehungswissenschaftliche und Katholisch-Theologische Fakultät) an, wobei alle Studiengänge mit einem Bachelor oder Master abschließen. Derzeit sind zirka 4500 Studenten in Erfurt immatrikuliert. Besondere Einrichtungen der Universität sind das Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien, sowie die Erfurt School of Public Policy. Die 1999 eröffnete Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha verfügt über einen Bestand von 750.000 Bänden in Erfurt, sowie weiteren 550.000 Bänden vorwiegend aus dem 16. bis 19. Jahrhundert im benachbarten Gotha.

An der Fachhochschule Erfurt studieren derzeit ca. 4600 Studenten in den Fachbereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Landschaftsarchitektur und Gartenbau, Gebäudetechnik und Informatik, Konservierung und Restaurierung, Sozialwesen, Verkehrs- und Transportwesen und Wirtschaftswissenschaft. Zum Wintersemester 2007 wurde das Angebot um die Studiengänge Forstwirtschaft und Ökosystemmanagement sowie Bildung und Erziehung von Kindern ergänzt. Die FH ist eine Neugründung des Landes Thüringen und besteht seit 1991. Dabei folgt die Hochschule aber einer langjährigen Tradition, geht sie doch auf die 1946 und 1901 gegründeten Ingenieurschulen für Gartenbau und Bauwesen zurück.

Im Jahr 2007 wurde neben den staatlichen Bildungseinrichtungen die private Adam-Ries-Fachhochschule gegründet. Dort kann in den dualen Studiengängen Tourismuswirtschaft sowie Steuern und Prüfungswesen der Abschluss als Bachelor of Arts mit der Option auf Master of Arts erworben werden. Im ersten Wintersemester 2008/2009 wurden 39 Studenten immatrikuliert.

Das Priesterseminar Erfurt ist die einzige Ausbildungsstätte für angehende Priester aus den römisch-katholischen Diözesen Ostdeutschlands. Derzeit gehören circa 35 Seminaristen zum Haus.

Des Weiteren gibt es in Erfurt 31 Grundschulen (darunter die Regenbogen Freie Schule Erfurt und die Montessori-Integrationsschule), 14 Regelschulen, 3 Gesamtschulen (darunter die Freie Waldorfschule Erfurt), 9 Gymnasien (darunter ein mathematisch-naturwissenschaftlicher Spezialschulteil), 19 Berufsschulen, 1 Volkshochschule, 9 Förderschulen (darunter die Christophorus-Schule und das Christliche Jugenddorf Erfurt - Rehabilitationszentrum) 2 Musikschulen und 2 Malschulen (je eine städtisch und eine privat).

Der Verein für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt erforscht und verbreitet in Zusammenarbeit mit Schulen, Hochschulen und Institutionen die Geschichte der Stadt.

Die Erfurter sind auch unter ihrem Spitznamen Puffbohnen bekannt. Die dicke Bohne wurde bereits im Mittelalter auf den Erfurter Feldern angebaut und war zu dieser Zeit ein wichtiges Nahrungsmittel für die Bevölkerung. Legenden erzählen, dass die Erfurter zur damaligen Zeit immer einen kleinen Vorrat der Bohnen dabei hatten, um sie unterwegs aus der Tasche zu essen.

Im Jahr 2000 wurden erstmals Puffbohnen aus Plüsch verkauft. Nach nur zwei Jahren wurden über 20.000 Exemplare abgesetzt, außerdem erscheinen regelmäßig Sondereditionen, wie die Weihnachtspuffbohne oder die Unicef-Edition. Zudem erhält jedes in Erfurt geborene Kind eine Puffbohne aus Plüsch, Mädchen eine rosafarbene und Jungen eine blaue.

Zum Seitenanfang



Source : Wikipedia