Ehrenlegion

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Geschrieben von daneel 04/04/2009 @ 04:07

Tags : ehrenlegion, frankreich, europa, ausland

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Ehrenlegion

Jean-Baptiste Debret: Erste Verteilung der Dekorationen der Ehrenlegion in der Kirche des Invalidenheimes am 14. Juli 1804 (1812), Musée national du château de Versailles

Die Ehrenlegion (frz. Légion d'honneur) wurde am 19. Mai 1802 von Napoléon Bonaparte, damals noch erster Konsul, in der Absicht gestiftet, militärische und zivile Verdienste, ausgezeichnete Talente und große Tugenden zu belohnen. Kein Staatsbürger ist seiner Geburt, seines Standes oder seines Religionsbekenntnisses wegen von diesem Orden ausgeschlossen. Die Ehrenlegion ist die ranghöchste Auszeichnung Frankreichs.

Durch die Französische Revolution von 1789 veränderte sich das Auszeichnungswesen grundlegend. Das Ordenssystem des Adels wurde in Frankreich abgeschafft. Die neue Ordnung wollte jedoch auf ein Auszeichnungssystem nicht verzichten. Die durch die revolutionäre Umgestaltung geschaffenen Verwaltungs- und Staatsbehörden basierten auf einer aktiven Mitarbeit von Vertretern unterer Bevölkerungsschichten. In den Koalitionskriegen, die gegen Frankreich geführt wurden, erschien die Schaffung von Auszeichnungen notwendig, die den Leistungswillen der Massenheere (levée en masse) zum Ausdruck brachten und vor allem der Motivation dienten. Durch die veränderten Gesellschaftsstrukturen konnte auf das aus dynastischen Zeiten stammende Ordenswesen nicht zurückgegriffen werden. Eine Belohnung erfolgte durch Geldgeschenke oder durch die Vergabe von Ehrenwaffen in Form von gravierten Degen und Säbeln.

In der Nationalversammlung wurde 1802 die auf einer Idee Napoleon Bonapartes beruhende Ehrenlegion ins Leben gerufen. Die Ehrenlegion berücksichtigte gleichermaßen zivile und militärische Verdienste. Orientierung gaben römische Vorbilder, was auch in den Bezeichnungen seinen Niederschlag fand. Entsprechend der Zahl der Landesregionen bestand die Legion aus 16 Kohorten. Jede von ihnen zählte 350 Legionäre, 30 Offiziere, 20 Kommandeure und 7 Großoffiziere. Den Kohorten stand der Große Rat vor; Chef des Rates und der Legion war der Erste Konsul. In die Legion konnte jeder unabhängig vom Rang oder Stand sowie unabhängig von der konfessionellen Bindung aufgenommen werden. Aufnahme und Mitgliedschaft stellten die Auszeichnung dar. Bis 1804 gab es auch keine sichtbar zu tragende Insignie. Ein Kapitel regelte die finanziellen Angelegenheiten, da mit der Aufnahme ein Rentenanspruch verbunden war.

Die Auszeichnung unterschied sich grundlegend von den Orden des Ancien Régime und entsprach in dieser Form den gesellschaftlichen Notwendigkeiten und Erfordernissen der Konsulatszeit. Als sich Napoleon 1804 zum Kaiser krönte, wurden auch die Statuten der Ehrenlegion geändert. Von einer Organisation wurde sie zum Verdienstorden umfunktioniert. In den folgenden Jahren entstand eine fünfklassige Einteilung in Großkreuz (maximal 75), Großoffizier (maximal 250), Kommandeur (maximal 1.250), Offizier (maximal 10.000) und Ritter (maximal 125.000), die von der Ein- bzw. Dreistufigkeit bisheriger Orden abwich. Ein Ausdruck für die nationale Bedeutung dieser Auszeichnung ist ihr Bestand durch den politischen und zeitlichen Wandel bis zur Gegenwart. Als ziviler und militärischer Verdienstorden stand und steht sie allen Personen ohne Rücksicht auf Rang oder Stand offen. Im Laufe der Jahre wurden lediglich Modifizierungen der Verleihung oder Änderungen in der Größe und am Bild sowie der Devise im Medaillon des Ordenszeichens vorgenommen. Die Änderungen entsprachen dem jeweiligen politischen Umfeld. Seit 1871 ist das Zeichen der Ehrenlegion auch Bestandteil des Staatswappens der Republik Frankreich.

Die Ehrenlegion als ein äußeres Zeichen der gesellschaftlichen Veränderungen war auch für das Auszeichnungswesen anderer Länder ein Vorbild. Die Entwicklung Europas wurde nachhaltig durch die Französische Revolution, die Auswirkungen der Koalitionskriege sowie die Napoleonischen Kriege beeinflusst. Staaten, die in einem Abhängigkeits- oder Besatzungsverhältnis zu Frankreich standen, übernahmen Teile der bürgerlichen Gesellschaftsstrukturen. Auch in den monarchisch geprägten Ländern Deutschlands nahm im 19. Jahrhundert die Zahl der Orden für Verdienste zu. Obwohl der Adel keine Verleihungsvoraussetzung mehr war, blieben die hohen Klassen (Großkreuz und Kommandeur) noch an Rang und Stand gebunden. Das Auszeichnungswesen war im 19. Jahrhundert durch eine Vielzahl von Stiftungen gekennzeichnet. Von 1800 bis 1945 entstanden in den deutschen Ländern 3.500 staatliche tragbare Auszeichnungen aller Kategorien und Klassen. Verdienstauszeichnungen wurden geschaffen für ein breites Leistungs- und Verdienstspektrum verschiedener Bereiche, Berufe, Ämter und Dienststellungen. Leistungen im wissenschaftlich-technischen Bereich, bei der industriellen Entwicklung und bei der Bewältigung von Verwaltungsaufgaben fanden mit der Verleihung von Verdienstorden eine Würdigung. Vertreter des Bürgertums wurden politisch gesehen im 19. Jahrhundert zu anerkannten Kräften in der Gesellschaft.

Viele Orden wurden um eine vierte Klasse oder eine Medaille bzw. ein Kreuz erweitert. In der Fachsprache nennt man diese Ehrenzeichen, die einem Orden angeschlossen sind, affiliierte Medaillen oder Kreuze. Untere Berufsgruppen im Staatsapparat und niedere Ranggruppen des Militärs konnten so ebenfalls in den Genuss von Auszeichnungen kommen. Ordensverleihungen an Arbeiter oder Bauern blieben eine Ausnahme. Stiftungen und Statuten, Klasseneinteilung und Verleihungsmodalitäten sowie Gestaltung und Form der Orden des 19. Jahrhunderts wurden inhaltlich von den deutschen Fürsten vorgegeben. Sie waren auf die Würdigung von Leistungen zur Wahrung monarchischer Strukturen ausgerichtet. Verleihungen an Vertreter des Bürgertums sind innerhalb des monarchischen Systems Ausdruck der Würdigung ihrer Arbeit auf politischem, wirtschaftlichem, wissenschaftlichem und kulturellem Gebiet.

Seit seiner Stiftung ist der Orden von allen politischen Systemen und Regierungen gleichermaßen anerkannt. Die Träger der Auszeichnung bilden eine Gemeinschaft, welcher der Staatspräsident vorsteht. Die Entscheidung darüber, wer mit einem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet wird, kommt nur dem jeweils amtierenden französischen Staatspräsidenten zu, der zugleich Großmeister der Ehrenlegion ist.

Das für den Fürsten Friedrich III. von Salm-Kyrburg gebaute Hôtel de Salm ist seit dem 13. Mai 1804 Sitz der Ehrenlegion und beherbergt deren Museum.

Auch ein Tier erhielt die höchste Auszeichnung. Eine Taube brachte im Ersten Weltkrieg bei Verdun als letzte Brieftaube die Bitte um Entsatz der in Fort Vaux eingeschlossenen Soldaten heil ans Ziel, starb aber noch am selben Tag aufgrund der eingeatmeten Kampfgase. Postum erhielt sie das rote Band.

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Karl Bodmer

Karl Bodmer 1877

Johann Carl Bodmer (* 11. Februar 1809 in Zürich; † 30. Oktober 1893 in Paris), Ritter der Ehrenlegion, war Grafiker, Radierer, Lithograf, Zinkstecher, Zeichner, Maler, Illustrator und Jäger. Ab etwa 1850 lautete sein Name Johann Karl Bodmer, abgekürzt und später in der Literatur allgemein gebräuchlich: Karl Bodmer. Als gebürtiger Schweizer nahm er 1843 die französische Staatsbürgerschaft an und nannte sich auch Jean-Charles Bodmer oder (ebenso wie sein Sohn Karl-Henry) Charles Bodmer; diese Namensgleichheit kann zu Verwechslungen zwischen Vater und Sohn führen. Als Signatur verwendete Karl Bodmer auch nach dem Jahr 1843 K Bodmer, während vermutlich sein Sohn Karl-Henry die Signatur Ch.Bodmer Barbizon benutzte.

Karl Bodmer wurde in Deutschland bekannt durch seine Aquarelle, Zeichnungen und Aquatinten der Städte und Landschaften des Rheins, der Mosel und der Lahn. In Frankreich werden seine Ölbilder mit Wald- und Tiermotiven und seine Kupferstiche, Zeichnungen und Buchillustrationen geschätzt, die er als Mitglied der Schule von Barbizon anfertigte.

Eine grosse Bedeutung für die Ethnologie haben seine von 1832 bis 1834 in Nordamerika gezeichneten und aquarellierten Indianer- und Landschaftsbilder, die sein Auftraggeber Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied ab 1839 in dem Werk Reise in das innere Nord-America 1832–1834 als kolorierte Aquatinten veröffentlichte. Sie zeigen den Wilden Westen, wie er wirklich war, und gaben Karl May Inspiration und dokumentarisches Material für seine Indianerliteratur. Mató-Tópe, Häuptling der Mandan, könnte Karl May bei der Erschaffung Winnetous, des Häuptlings der Mescalero-Apachen, beeinflusst haben.

Heute gehören Bodmers Bilder und die Reisebeschreibung von Maximilian zu Wied-Neuwied zu den wichtigsten Dokumenten über die untergegangenen Indianerkulturen in den Great Plains am Missouri River.

Die Druckplatten sowie 386 Zeichnungen und Aquarelle befinden sich zusammen mit dem schriftlichen Nachlass von Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied in dem amerikanischen Joslyn Art Museum in Omaha (Nebraska). Eine weitere wichtige Sammlung wird in der Newberry Library Bodmer Collection in Chicago aufbewahrt.

Karl Bodmer wurde als fünftes Kind des Baumwollhändlers Heinrich Bodmer und seiner zweiten Frau Elisabeth geb. Meier in Zürich an der Oberdorfstrasse 15 im Haus zum Till geboren. Er wurde am Mittwoch, 15. Februar 1809, im Grossmünster getauft. Paten waren sein Onkel Johann Jakob Meier aus Meilen und seine Tante Ester Bodmer geb. Meier aus Esslingen.

1811 zog die Familie Bodmer in das Nachbarhaus an der Oberdorfstrasse 17 und 1812 in das Haus am Rennweg 16. Karl Bodmer kam 1815 als Sechsjähriger in die Schule, in der damals lediglich Buchstabieren, Lesen, Beten, Schreiben, Singen und Rechnen unterrichtet wurden. Die wirtschaftliche Lage war während seiner Kindheit aufgrund der Napoleonischen Kriege schwierig, hinzu kamen Hungersnöte in ganz Europa durch das Jahr ohne Sommer 1816.

Im Alter von 13 Jahren begann Karl Bodmer, ebenso wie zuvor sein älterer Bruder Rudolf (1805–1841), eine Ausbildung zum Radierer, Lithografen und Kupferstecher bei seinem Patenonkel Johann Jakob Meier (*4. März 1787, † 3. Dezember 1858).

Johann Jakob Meier war ein angesehener und weitgereister Landschaftsmaler und Kupferstecher. Auf den Rat von David Hess gab er Unterricht in Malen und Zeichnen. Er hatte 1817 geheiratet und lebte seit Ostern 1819 in Zürich. Er gehörte zu den sogenannten Schweizer Kleinmeistern.

So wurden die Maler genannt, die ihre Landschafts- und Stadtmotive vor Ort in ihren Skizzenbüchern festhielten, um sie später in ihrer Werkstatt radieren zu lassen, und die ihre Veduten auf kleiner Leinwand in freier Natur malten und dann an wohlhabende Touristen verkauften. Daneben stellten die Kleinmeister auch Zeichnungen und Aquarelle her. In ihrer Werkstatt arbeiteten Lehrlinge und Gesellen, die von der Vorlage ihres Meisters einen Stich oder eine Aquatinta anfertigten, ausdruckten, kolorierten und an Sammler verkauften, so wie Karl und Rudolf das bei ihrem Onkel taten. Die Kleinmeister machten auf ihrer Suche nach Motiven auch Kunstreisen in die Alpen. Auf einer solchen Kunstreise lernte Karl Bodmer die Kleinmeister Gabriel und Mathias Lory sowie Johann Jakob Wetzel kennen.

Im Jahr 1824 zog seine Familie aus Zürich in den damaligen Vorort Riesbach um. Karl und Rudolf Bodmer wohnten dort unter der Adresse Hof 77 in einem Doppelhaus an der Südstrasse 6 und 10. Hans Läng vermutet, dass auch die Familie bis Mai 1826 in einem der beiden Häuser gewohnt hat. 1825 wurde Karl Bodmer als Sechzehnjähriger konfirmiert. Nun machten sich die beiden Brüder Karl und Rudolf selbständig und verdienten ihren Lebensunterhalt durch Gravieren von Veduten und Vignetten für den Verlag F. S. Füssli in Zürich. 50 kolorierte Aquatinten wurden dort 1828 und in weiteren Auflagen 1829 und 1831 mit einem achtseitigen Begleitheft unter dem folgenden Titel veröffentlicht: Promenade Pittoresque par les lieux les plus intéressants de la Suisse et des pays limitrophes composée de cinquante vues en miniature. Dessinées et cravées par C. Bodmer, S. Corrodi & R. Bodmer. Auch in dieser Zeit beriet Johann Jakob Meier seine Neffen und begleitete sie bei der Suche nach lohnenden Motiven für ihre Veduten und Vignetten.

Im Jahr 1828 entschloss sich Bodmer, auf Wanderschaft zu gehen und sein Glück in Koblenz zu versuchen, weil die Touristen Rhein und Mosel als Ausflugsziel entdeckt hatten und ihre Lieblingsansichten als Radierung oder Ölgemälde nach Hause mitnehmen wollten. Rudolf zog am 14. Oktober 1828 nach Zürich und richtete sich in seiner Wohnung an der Oberdorfstrasse 2 ein Atelier ein, in dem er bis zu seinem Tod am 6. September 1841 auch für seinen Bruder Karl tätig war.

1828 verliess Karl Bodmer mit 19 Jahren die Schweiz und wanderte über Basel rheinabwärts nach Koblenz. Er aquarellierte und zeichnete etwa 60 Veduten von Stadtansichten und romantischen Rhein- und Mosellandschaften; sein Bruder Rudolf in Zürich oder ein Verlagsangestellter der Firma Hölscher in Koblenz fertigten davon Kupferstiche in Aquatinta-Technik an; der Verleger und Buchhändler Jakob Hölscher in Koblenz gab sie zunächst 1831 als Einzelbilder heraus. Die unsignierten Aquarelle und Tuschzeichnungen von Karl Bodmer, die als Vorlage für die Aquatinten und deren Kolorierung dienten, blieben im Besitz des Verlages Hölscher. Vier von ihnen kamen später in das Mittelrhein-Museum Koblenz. Es folgte ein Album mit 24 losen Blättern unter dem Titel: Malerische Ansichten der Mosel von Trier bis Coblenz. Nach der Natur gezeichnet von C. Bodmer. In acqua tinta geätzt von R. Bodmer. Durch diese für Touristen und Sammler gefertigten Landschafts- und Städteansichten wurde der in der Nähe von Koblenz wohnende Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied auf Karl Bodmer aufmerksam.

1831 bis 1833 folgte im Verlag Hölscher ein erweitertes Album mit 30 losen Blättern unter dem Titel Das Moselthal von Trier bis Coblenz. In malerischen Ansichten, nach der Natur gezeichnet von C. Bodmer, in acqua tinta geätzt von R. Bodmer. Die Blätter erschienen in drei Ausführungen zu unterschiedlichen Preisen: in Aquatinta, in Color und fein gemalt. Die Formulierung fein gemalt weist darauf hin, dass neben der unkolorierten und der kolorierten Aquatinta ein Aquarell vom gleichen Motiv in gleicher Größe angeboten wurde. Da bereits die von Karl Bodmer für den Verlag J. Hölscher angefertigten Aquarelle, die als Vorlagen dienen sollten, nicht datiert und signiert waren, ist es bei diesen verkauften fein gemalten Aquarellen wegen der ebenfalls fehlenden Signierung und Datierung schwierig festzustellen, ob sie von Karl Bodmer oder von einem anderen Maler in der Werkstatt des Verlages J. Hölscher gemalt wurden.

Dieses Album enthielt nur einen kurzen erläuternden Text. Bodmer achtete darauf, dass seine in diesem Loseblattalbum veröffentlichten Veduten auch als Illustrationen in literarischen Reisetagebüchern erschienen, die den Touristen zur Vorbereitung ihrer Reise dienten. Zunächst kamen im Jahr 1836 seine Moselansichten zusammen mit einem umfangreichen Text als Buchausgabe heraus: L.K.E. Seidler: Das Moselthal zwischen Coblenz und Trier. Als erläuternde Zugabe zu Bodmer’s malerischen Ansichten der Mosel. qu. 4., Hölscher, Koblenz 1836.

1841 erschienen Malerische Ansichten der Mosel in 30 Blättern, gezeichnet von Carl Bodmer und gestochen von Rudolph Bodmer, Hegy und anderen gr. 4. in drei Ausfertigungen: Aquatinta, coloriert oder fein gemalt im Verlag Hölscher in Koblenz ohne Jahresangabe.

Ebenfalls 1841 veröffentlichte Hölscher das Buch Die Mosel und ihre nächsten Umgebungen von Metz bis Coblenz; historisch-topographisch mit einem Text von Otto von Czarnowsky und 32 Blättern von Karl Bodmer. Der Text lehnt sich stark an die 1831 von dem Koblenzer Professor Johann August Klein (1778–1831) und 1837 von Christian von Stramberg (1785–1868) publizierten literarischen Reisetagebücher an. Die Kupferstecher dieser 32 Blätter waren neben Rudolf Bodmer F. Hegi, G. L. von Kress und Ruff. Die räumliche Tiefenwirkung der Bilder wurde im Kupferstichverfahren durch die zusätzliche Aquatintatechnik erhöht: nachdem der Kupferstecher die Linien in die Kupferplatte eingeritzt hatte, gab er die Flächen durch unterschiedlich starkes Ätzen in verschiedener Helligkeit wieder.

Als Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied die Reise nach Nordamerika plante, nahm er Karl Bodmer 1832 als Jäger und wissenschaftlichen Zeichner mit der Zielsetzung unter Vertrag, dass er Land und Leute sowie Flora und Fauna mit grösstmöglicher Genauigkeit im Bild dokumentiere.

Der Prinz verlangte die Besitzrechte der auf der Reise anzufertigenden Aquarelle und Skizzen bis auf zwölf Exemplare, die in Karl Bodmers Besitz übergehen sollten, und übernahm die Verpflichtung, Karl Bodmer Geld für Fahrt und Logis sowie 45 Taler im Monat zu zahlen. Die Bilder von Karl Bodmer sollten die Lebenswelt der indianischen Bevölkerung in Nordamerika dokumentieren, bevor ihre einzigartige Kultur für immer verloren ging.

Am 7. Mai 1832 verließen sie zusammen mit dem Hofjäger und Präparator David Dreidoppel das Schloss in Neuwied und reisten am 17. Mai von Hellevoetsluis bei Rotterdam aus mit einem amerikanischen Schiff nach Boston, wo sie am Independence Day, dem 4. Juli, an Land gingen. Unglücklicherweise wütete in dieser Zeit in Nordamerika die Cholera, die für die Reisenden eine ständige Bedrohung war. Die Expedition, die 28 Monate dauerte, führte zunächst von Boston über New York City und Philadelphia nach Pennsylvania zu den Niederlassungen der Mährischen Brüder in Nazareth, Gnadenhütten und Bethlehem, wo sich Karl Bodmer während einer Jagdexkursion bei dem Zerspringen seines Gewehres schwer verwundete. Während der Weiterreise den Ohio River entlang besuchten sie nördlich von Pittsburgh (Pennsylvania) die deutsche Stadtgründung Economy (heutiger Name: Ambridge) von Johann Georg Rapp und seiner Harmony Society. Am 19. Oktober 1832 erreichten sie New Harmony (Indiana), wo sie überwinterten und die Stadt und ihre Umgebung erforschten. Ihre Hoffnung, dort Indianer anzutreffen, erfüllte sich nicht.

Maximilian zu Wied-Neuwied war zwei Monate bettlägerig, er musste seine Cholera auskurieren. Er nutzte den Aufenthalt in New Harmony zur Erforschung der nordamerikanischen Fauna und Flora und zu Gesprächen mit den hier ansässigen Wissenschaftlern Thomas Say und Charles Alexandre Lesueur. Da Maximilian zu Wied-Neuwied eine Reise in das noch von Indianern bewohnte Gebiet westlich des Mississippi plante, war er interessiert an den wissenschaftlichen Ergebnissen der Forschungsreise, die Thomas Say in den Jahren 1819 bis 1820 vom Mississippi bis in die Rocky Mountains gemacht hatte.

Karl Bodmer reiste im Januar 1833 allein nach New Orleans, um Kisten mit Sammlungsgut nach Deutschland einzuschiffen. Bei der Stadt Natchez besuchte er ein Lager der Choctaw und porträtierte einige Repräsentanten dieses Indianervolkes, das aus dem Osten der USA vertrieben worden war.

Am 16. März 1833 fuhren sie zu dritt weiter zur Indianeragentur für den amerikanischen Westen in St. Louis, um Passierscheine für die Fahrt in das Indianergebiet zu beantragen. Als sie den Major O'Fallon auf seinem Landsitz in der Nähe von St. Louis besuchten, zeigte er ihnen seine Sammlung von Indianerbildern des Malers George Catlin, der bereits im Jahr 1831 eine Reise den Missouri River hinauf bis zum Fort Union gemacht hatte. Bei dem General William Clark lernten sie eine Delegation von Sauk und Fox kennen, die den General bitten wollten, ihren Häuptling Black Hawk aus der Haft freizulassen.

Am 10. April 1833 verliessen sie St. Louis mit der von der Lewis-und-Clark-Expedition erstellten Karte des Missouri und mit eingekauften Tauschwaren für den Handel mit Indianern. Sie fuhren auf dem Dampfschiff Yellow Stone der American Fur Company den Missouri aufwärts. Karl Bodmer skizzierte Landschaften, Tiere und Indianer und gestaltete Porträts von den Angehörigen verschiedener Indianerstämme, während Maximilian zu Wied-Neuwied ein ausführliches Tagebuch führte und für seine Sammlung Gebrauchsgegenstände von den Indianern erwarb.

Auf dem Weg zum Fort Pierre trafen sie Angehörige der Omaha und Ponca. Am 30. Mai 1833 erreichten sie den Handelsposten Fort Pierre und fanden eine Tipi-Siedlung der Dakota. Von dort aus fuhren sie am 5. Juni 1833 mit dem Dampfschiff Assiniboin an verlassenen Siedlungen der Arikaree vorbei zum Fort Clark. Hier trafen sie Mandan, Hidatsa und Absarokee. Am 19. Juni 1833 fuhren sie weiter zum Fort Union, wo sie den Cree, Ojibwa, Assiniboin und Blackfoot begegneten. Hier stiegen sie zur Weiterfahrt um in das hölzerne mit Segeln angetriebene Kielboot Flora. Auf dem Weg zum Fort McKenzie trafen sie Atsina. Sie erreichten das Fort McKenzie am 9. August 1833; dort blieben sie bis zum 14. September 1833 und lernten die Piegan (ein Stamm der Blackfoot) kennen.

Für die Rückfahrt vom Fort McKenzie benutzten sie ein schmales und flaches aus Holzplanken gezimmertes Mackinaw-Segelboot, das sie mit Kisten voller Sammlungsgut und zwei Bärenkäfigen beladen hatten. In einem Unwetter am 15. September lief das Boot voll Wasser. Dabei wurden ein Grossteil der mitgeführten botanischen Sammlung vom oberen Missouri und viele indianische Lederanzüge durch Wasserschaden und anschliessenden Schimmel zerstört.

In Fort Union blieben sie vom 29. September bis zum 30. Oktober 1833. Dort gab Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied einen Teil seiner naturhistorischen Sammlung nach Deutschland auf; im Sommer 1834 konnte das Dampfschiff Assiniboine das Fort Union wegen Niedrigwasser jedoch nicht verlassen. Später explodierte der Dampfer auf dem Missouri, brannte und sank, so dass die zoologischen Ergebnisse der Forschungsreise verloren gingen. Dieser Verlust, von dem der Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied erst im Herbst 1835 erfuhr, hat ihn schwer getroffen; daraufhin versuchte er, seine verbliebene Sammlung durch Tausch und Ankäufe zu ergänzen.

Am 8. November 1833 erreichten sie Fort Clark, wo sie einen strengen Winter mit Temperaturen bis −43 °C erlebten und das Leben der benachbarten Mandan und Hidatsa dokumentierten. Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied erkrankte am 11. März 1834 in Fort Clark an Skorbut, überlebte jedoch. Nach dem Verzehr der Blätter und Zwiebeln der kleinen weiss blühenden "Allium reticulatum" (heutiger Name Allium textile, die Präriezwiebel) stellte sich die Genesung ein. Am 18. April 1834 brachen die Reisenden mit dem voll beladenen Mackinaw-Boot nach Fort Pierre auf. Von dort fuhren sie weiter nach St. Louis und verschifften den grössten Teil der mitgeführten Sammlungen sowie Bodmers Skizzen und Zeichnungen nach Europa.

Während ihres Aufenthaltes in St. Louis sahen sie sich im Hause des Major O'Fallon eine Sammlung von indianischen Porträts und Szenen ihres Konkurrenten George Catlin an und besuchten die Mounds von Cahokia. An Bord des Dampfschiffes Metamora verliessen sie nach einer Woche St. Louis und reisten für einige Tage nach New Harmony. Dann erreichten sie Cincinnati über den Ohio River. Von Portsmouth aus befuhren sie den Ohio-Erie-Kanal, der den Ohio bis zum Jahr 1913 mit dem Eriesee verband, und erreichten Cleveland. In Buffalo besuchten sie ein Dorf der Seneca, fuhren dann zu den Niagarafällen und zu einer Siedlung der Tuscarora. Über den Erie-Kanal gelangten sie nach Syracuse, wo sie Onondaga und Oneida sahen. In Philadelphia und New York City trafen sie sich mit Wissenschaftlern zum wissenschaftlichen Austausch. Am 16. Juli 1834 reisten sie mit dem Paketboot Havre von New York nach Le Havre, wo sie am 8. August 1834 mit vier Grizzlybären in Bärenkäfigen ankamen.

Karl Bodmer brachte von der Reise mehr als 400 Skizzen und Aquarelle von Indianern, Pflanzen, Tieren und Landschaften nach Deutschland zurück. Es bedarf noch der Klärung, welche Aquarelle in Amerika und welche in den folgenden drei Jahren in Paris fertiggestellt wurden. Vermutlich sind jene Aquarelle, die stark von den späteren Tableaus abweichen, bereits in Amerika entstanden.

Nach einem kurzen Aufenthalt Ende August 1834 im Schloss Neuwied reiste Karl Bodmer zu seiner Familie nach Zürich, wo er die Arbeiten an sieben Indianerbildern überwachte, die Heinrich Rudolf Schinz für sein 1845 erschienenes Werk Naturgeschichte und Abbildungen der Menschen der verschiedenen Rassen und Stämme bei ihm bestellt hatte.

Bis zu seiner Auswanderung nach Paris im Herbst 1835 lebte er im Rheinland und gab dort mehrere Kunstmappen mit Landschaftsansichten heraus. Diese Zeit war geprägt von zunehmenden Spannungen mit seinem Verleger Jakob Hölscher in Koblenz, der im Auftrag von Maximilian zu Wied-Neuwied das Werk Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834 veröffentlichen sollte und nicht akzeptieren wollte, dass Karl Bodmer für die Herstellung der Druckplatten und Druckstöcke und für die Kolorierung der fertiggestellten Drucke verantwortlich war. In seinen Briefen beklagte sich Jakob Hölscher regelmässig bei Maximilian zu Wied-Neuwied über Karl Bodmers Tätigkeit, und diese Klagebriefe trübten das Vertrauensverhältnis zwischen Karl Bodmer und dem Prinzen in zunehmender Weise. Es fällt auf, dass Karl Bodmer sowohl seine Landschaftsansichten vom Rhein und von der Ems wie auch sein Panorama von Koblenz und seiner Umgebung nicht mehr bei Jakob Hölscher veröffentlichte, sondern beim Verlag F.C.Eisen in Köln und beim Bädeker Verlag in Koblenz.

Seine Auswanderung nach Paris im Herbst 1835 war noch kein endgültiger Abschied von Deutschland. Von 1847 bis 1848 und von 1851 bis 1854 wirkte er als Landschaftsmaler in Dormagen-Horrem, wo er die 19 Jahre jüngere Anna Maria Magdalena Pfeiffer (* 1828) kennen lernte. Erst 1848 trennte er sich von Deutschland und verlegte seinen Lebensmittelpunkt endgültig nach Frankreich in das Künstlerdorf Barbizon; denn er war zu der Einschätzung gekommen, dass seine künstlerische Entwicklung in Deutschland nicht in angemessener Weise gewürdigt wurde. Diese Einschätzung war berechtigt. Das öffentliche Interesse an seinen Bildern war so gering, dass sie in Deutschland weder auf Kunstausstellungen gezeigt noch von den Museen angekauft wurden. Aus heutiger Sicht ist das überraschend: seine Aquarelle aus Amerika, die zu den besten Aquarellen des 19. Jahrhunderts gehören, wurden niemals in Deutschland gezeigt oder veröffentlicht.

Die Geringschätzung von Karl Bodmer hatte in jener ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwei Gründe. Karl Bodmer besass trotz seiner Ausbildung als Radierer, Lithograf und Kupferstecher keine in Deutschland anerkannte Kunstausbildung und widmete sich in seinen Bildern jenen Motiven, die nach der offiziellen Auffassung für Kunstwerke nicht geeignet waren.

Für eine anerkannte Kunstausbildung gab es seinerzeit in Deutschland zwei Ausbildungswege: den Besuch des Gymnasiums und der Universität oder stattdessen den Besuch einer Kunstakademie, beides verbunden mit einer anschliessenden mehrjährigen Kunstreise nach Rom. Ein langer Studienaufenthalt in der deutschen Künstlerkolonie in Rom galt als wesentliche Ergänzung der Kunstausbildung und als wichtige Vorbereitung für den beruflichen Aufstieg. Friedrich Noack berichtet in seinem Buch Das Deutschtum in Rom seit dem Ausgang des Mittelalters, dass in der Zeit der Romantik, die 35 Jahre dauerte, etwa 1200 deutsche Künstler eine solche Studienreise nach Rom angetreten haben.

Die Stadt Koblenz lag im Einflussbereich der Kunstakademie Düsseldorf, in der auch Künstler aus Amerika wie Albert Bierstadt ihre Kunstausbildung erhielten. Damals war die Kunstanschauung des Düsseldorfer Akademiedirektors Wilhelm Schadow von 1826 bis 1859 massgeblich für die Beurteilung der Kunstwerke und ihrer Wertigkeit. Für Wilhelm Schadow gab es eine Hierarchie der Bildmotive. Ganz oben standen Bildmotive der kirchlichen Überlieferung, gefolgt von Motiven aus Philosophie, Poesie und Geschichte und von dem poetisch aufgefassten Porträt. Diese Bildmotive waren bis 1850 Inhalt der Akademieausbildung in Düsseldorf. Widerwillig akzeptierte Wilhelm Schadow ab 1850 auch die Genremalerei als Ausbildungsfach.

Außerhalb der Akzeptanz lag für Wilhelm Schadow das Malen von Landschaften, Tieren und Menschen, das er als Abmalen ohne künstlerischen Wert ansah. Maler wie Karl Bodmer, die sich diesen Bildmotiven widmeten, wurden damals in Deutschland nicht geschätzt. Das dürfte für Karl Bodmers Auswanderung aus Deutschland verantwortlich sein; hinzu kam die Wirtschaftskrise Ende der 1840er Jahre, in der selbst die etablierten Künstler in Deutschland ohne Einnahmen blieben.

Im Herbst 1835 zog Karl Bodmer nach Paris. Dort lernte er die Maler Jean-Francois Millet und Théodore Rousseau und den Schriftsteller Théophile Gautier kennen. 1844 wurde er vom König Louis-Philippe empfangen, der ihm später einen monogrammierten Diamantring schenkte.

Im Jahr 1836 stellte er in dem Salon im Louvre zahlreiche eigene Aquarelle aus Nordamerika aus, die er von Maximilian zu Wied-Neuwied ausgeliehen hatte. Die Aquarelle, die teilweise schon den späteren Impressionismus und Expressionismus vorwegnehmen, erhielten eine vernichtende Zeitungskritik, da sie dem damaligen Zeitgeschmack nicht entsprachen.

Daraufhin gab der Prinz Karl Bodmer den Auftrag, die geplanten Tableaus und Vignetten dem Zeitgeschmack anzupassen, um die Verkäuflichkeit des Werkes zu sichern. Es ist eine tragische Entscheidung, dass Karl Bodmer wegen dieser ablehnenden Kritik anschliessend auf das Malen von Aquarellen verzichtete. Erst neun Jahre später, von 1845 bis 1847, stellte Karl Bodmer im Pariser Salon erneut amerikanische Landschaftsaquarelle aus. Heute gelten die amerikanischen Aquarelle als Höhepunkte seines Lebenswerkes.

Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied wählte unter den zahlreichen Aquarellen diejenigen aus, die er in sein Buch Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834 aufnehmen wollte. Er bat Karl Bodmer, die Herstellung der Illustrationen gegen die Zahlung eines Monatslohnes von 100 Talern zu überwachen, von dem er die Hälfte des Geldes für Löhne und Spesen verwenden musste.

Karl Bodmer beaufsichtigte daraufhin 20 renommierte Kupferstecher in Paris, Zürich und London, die 63 Stahl- und 18 Kupferplatten herstellten, auf denen sie die Aquarellvorlagen genau reproduzierten. Die Kupferstecher benutzten dabei Pantografen, um die Vorlagen und ihre Proportionen präzise zu vergrössern.

Von den 81 Platten erschienen 48 grosse als Bildtafeln (Tableau genannt) im Grossformat und 33 kleinere als Vignetten. Nach dem Druck leitete er Künstler an, die die Bildtafeln und Vignetten gemäss seinen Angaben kolorieren sollten. Er reiste deshalb ständig zwischen den Städten Paris, Zürich und London hin und her, um die exakte Ausführung der Drucke und ihrer farbigen Fassungen sicherzustellen. Am 10. November 1837 wurde die erste Lieferung der deutschen Ausgabe in fünf verschiedenen Ausführungen angeboten. Die Preise für jede der 20 Lieferungen lagen zwischen drei Thalern, fünf Silbergroschen und zehn Thalern, je nach Art des Papiers und der Zahl der kolorierten Stiche. So ergaben sich Preise für das deutsche Gesamtwerk in Höhe von 60 bis 200 Talern. Zum Vergleich: Ein gelernter Arbeiter verdiente seinerzeit in Koblenz im ganzen Jahr 200 Taler.

Zwischen 1837 und 1842 veröffentlichte Jakob Hölscher in Koblenz das deutschsprachige Buchprojekt Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834 als zweibändiges Werk mit Bildatlas in Einzellieferungen. Wegen der 81 Bodmer-Illustrationen gilt es als Meilenstein in der Geschichte des Buchdrucks im 19. Jahrhundert.

Die Reisebeschreibungen umfassen insgesamt 1340 Textseiten, in die 52 kleine Holzschnitte eingefügt sind. Der Text von Maximilian zu Wied-Neuwied enthält in der Reihenfolge seiner Tagebuchaufzeichnungen nicht nur Reiseschilderungen und Berichte über die Indianervölker, sondern auch Aufzeichnungen über die Flora und Fauna Nordamerikas und eine Beschreibung der industrialisierten Oststaaten der USA. Der separate Bildatlas besteht aus 81 Illustrationen und einer Karte; er wurde in fünf verschiedenen Ausführungen angeboten, die unterschiedliche Papierqualitäten und entweder unkolorierte Schwarzweissbilder oder kolorierte Farbbilder enthielten.

Der gedruckte Text von Maximilian zu Wied-Neuwied umfasst rund dreihunderttausend Wörter, während das Manuskript etwa fünfhunderttausend Wörter enthielt. Das Manuskript wurde also vor der Veröffentlichung stark gekürzt, beispielsweise um die Beschreibung von Trinkgelagen, um die Darstellung sexueller Gewohnheiten der besuchten Indianerstämme und um einige wenig schmeichelhafte Bemerkungen über die weissen Händler am Missouri. Zum Einstieg beim Lesen des Textes (etwa des Reprints vom Verlag L. Borowsky, München 1979) eignet sich Kapitel 21 im 2. Band; dort beschreibt Maximilian zu Wied-Neuwied die ursprüngliche Flusslandschaft des Missouri und seine Tierwelt im Jahr 1833. Diese Flussfahrt in unberührter Natur muss ein einzigartiges Erlebnis gewesen sein.

Die Subskribentenliste führt 215 Personen und Institutionen auf, die insgesamt 277 Exemplare bestellten, davon waren 160 Exemplare in der einfachsten Ausführung ohne Kolorierung. Es zeigte sich, dass weitere Käufer des Werkes nur sehr schwer zu gewinnen waren. Dabei kam es zu Spannungen zwischen Karl Bodmer und dem Prinzen Maximilian zu Wied-Neuwied, da Bodmer vertraglich zugesagt hatte, die Verantwortung für den Verkauf in Frankreich und England zu übernehmen. Die französische Erstausgabe erschien von 1840 bis 1843, und die englische Erstausgabe folgte 1843 bis 1844. Die wirtschaftliche Depression des Jahres 1846 und die Revolution von 1848 dämpften überall die Nachfrage, und ein finanzielles Debakel zeichnete sich ab. 1847 verzichtete Karl Bodmer auf alle seine Rechte an den Originalplatten und übertrug die Verantwortung für die Vermarktung auf Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied und seine Familie. Er übergab die Platten erst 1856 der preussischen Botschaft in Paris zur Weitergabe, wo sie wegen des Deutsch-Französischen Krieges bis zum Jahr 1873 zwischenlagerten. Als sie das Schloss Neuwied erreichten, war Maximilian zu Wied-Neuwied bereits seit sechs Jahren verstorben.

Hans Peter Treichler berichtet, dass Karl Bodmer seinerzeit eine geradezu verheerende Bilanz zog: Er, Bodmer, habe zehn der besten Jahre seines Lebens dem Bildatlas geopfert. Auch wenn er die beiden Amerikajahre ausnehme, habe dieser Einsatz seiner Künstlerlaufbahn nachhaltig geschadet, das Versäumte lasse sich auch mit einem Höchstmass an Einsatz und Willenskraft nicht wieder einbringen.

Karl Bodmer zog 1847 von Paris nach Dormagen-Horrem, eröffnete dort ein Atelier und widmete sich vermehrt der Landschaftsmalerei. Bald kehrte er nach Paris zurück, zog dann 1848/49 ebenso wie Théodore Rousseau und Jean-Francois Millet wegen der französischen Februarrevolution 1848 und einer Choleraepidemie in Paris nach Barbizon, das ausserhalb von Paris südwestlich von Chailly-en-Bière in der Nähe des Waldes von Fontainebleau liegt.

Barbizon bestand seinerzeit aus verschiedenen Gehöften und Katen von Köhlern und Waldarbeitern. Der Mittelpunkt des Ortes war ein Krämerladen mit dem Gasthof Auberge Ganne, der zum Künstlertreffpunkt wurde. Dieser Gasthof an der Grande Rue wurde von dem gelernten Schneider François Ganne und seiner deutschen Frau bewirtschaftet und bot den neu angekommenen Künstlern eine erste Unterkunft.

Die eigentliche Attraktion war damals der abwechslungsreiche rund 25.000 Hektar grosse Wald von Fontainebleau mit knorrigen alten Eichen, Buchen und Kastanien, mit Schluchten, Mooren, Heide und grossen Findlingen. Karl Bodmer bezeichnete sich damals als den Maler des Waldes. Eine Eiche in dem Wald wurde später unter dem Namen Bodmer Eiche bekannt; Claude Monet malte sie 1865 in seinem Bild Le chêne Bodmer, forêt de Fontainebleau, und Eugene Cuvelier veröffentlichte eine Fotografie mit dem Titel Beech Tree Near the Bodmer Oak.

In Barbizon bestand schon seit Jahrzehnten eine Künstlerkolonie, in der Karl Bodmer ein einflussreiches Mitglied der Schule von Barbizon wurde. Er widmete sich der Freilichtmalerei. Dabei ging es ihm ebenso wie den anderen Künstlern der Malerkolonie darum, die Natur in ihrer unberührten Ursprünglichkeit zu zeigen. Zu seinem Freundeskreis gehörten Peter Burnitz, Narcisso Virgilio Díaz de la Peña, Théodore Rousseau und Jean-Francois Millet. Zusammen mit Millet lithografierte er 1852 im Auftrag eines reichen Amerikaners aus St. Louis vier Drucke mit Themen aus der amerikanischen Geschichte: Raub der Töchter von Daniel Boone und von Callaway durch die Indianer, Befreiung der Töchter, Simon Buttler und Major McCulloch. In der Lithografie En Foret ou Haute Futaie aus dem Jahr 1851 schuf Karl Bodmer die Waldlandschaft und Jean-Francois Millet die Frauenfigur.

Für seine Ölgemälde mit Landschaften, die er in Barbizon malte, fand er viel Anerkennung. Barthélemy Menn besuchte ihn, und Jean-Francois Millet zeichnete ihn im Jahr 1850 und malte verschiedene Bilder mit Motiven aus Bodmers nordamerikanischen Skizzen.

Im Jahr 1851 ging er wieder nach Dormagen-Horrem. Da seine künstlerische Entwicklung in Deutschland jedoch nicht in angemessener Weise gewürdigt wurde, kehrte er 1854 nach Barbizon zurück und kaufte 1856 das Haus des amerikanischen Malers William Morris Hunt in 40, rue Grande für 4000 Franc. Dort lebte er 30 Jahre.

Aus Kleinkönigsdorf bei Horrem brachte er seine 19 Jahre jüngere Lebensgefährtin Anna Maria Magdalena Pfeiffer (1828–1903, späterer französischer Name: Anne-Marie-Madeleine Pfeiffer) mit, die ihm seine drei Söhne gebar.

Karl Bodmer bekam zahlreiche Aufträge als Maler von Wald- und Tierbildern. Er präsentierte seine Werke in Ausstellungen. Am Salon de Paris beteiligte er sich seit 1850 ziemlich regelmässig mit Waldlandschaften und Tierdarstellungen. Zwischen 1855 und 1878 zeigte er Bilder bei den Weltausstellungen, beispielsweise 1855 und 1867 in Paris, 1873 in Wien und 1878 wieder in Paris im Schweizer Pavillon. Auch an Ausstellungen in der französischen Provinz nahm er teil, zum Beispiel 1859 in Marseille. Kritiker wie Théophile Gautier, Paul Mantz und Philippe Burty betonten, seine Wald- und Tierbilder würden den Betrachter in eine Lebenswelt unberührter Natur entführen.

Karl Bodmer arbeitete auch als Illustrator für deutsche, französische und amerikanische Zeitschriften; er nutzte dabei die Zinkografie, die in Barbizon auch von Charles Emile Jacque verwendet wurde, und brachte es in dieser Technik zu grosser Meisterschaft. 20 Blätter erschienen in L’Illustration, 24 Blätter in Le Monde illustré, zwölf Blätter in La Chasse illustrée, weitere Blätter in Le Magasin pittoresque, L’Art, L’Artiste, L’Événement illustré, Graham’s Mag. (anonym), Haper’s Weekly, Die illustrierte Schweiz und Schweizer Familienbuch (anonym).

Er illustrierte Bücher bekannter Schriftsteller: von Théophile Gautier (La nature chez elle 1870, Marc éd., mit 37 Radierungen), Jules Jacques Veyrassat, Philipp Gilbert Hamerton (Chapters on animals), Jean de La Fontaine (Fables in der sog. Ausgabe des douze peintres, die 1873 bei Jouast erschien), Victor Hugo (Quatre-vingt-treize, Paris 1876), E. Muller (La Forêt, Paris 1878) und Louis Christophe François Hachette (Evangiles). Als Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied im Jahr 1865 einen bebilderten Katalog nordamerikanischer Reptilien veröffentlichte, fertigte er dafür sieben handkolorierte Radierungen an. Neben seinen künstlerischen Arbeiten unterrichtete er verschiedene Meisterschüler, unter ihnen 1877 den Solothurner Maler Otto Frölicher.

Karl Bodmers Sohn Karl-Henry (= Karl Heinrich, Charles genannt) war laut seiner Heiratseintragung vom 22. Dezember 1877 Schlosser, arbeitete aber als Maler und Fotograf. Eine Sammlung von 80 Fotografien im Format 18 x 24 cm wurde 2005 von dem Musée Nicéphore Niépce in Chalon-sur-Saône erworben. Diese Fotografien sind in der Zeit von 1870 bis 1880 in Barbizon und im Wald von Fontainebleau entstanden.

Hans Läng weist darauf hin, dass Karl Bodmer ebenfalls fotografierte und Fotografien veröffentlichte. Da Karl Bodmer sich wie sein Sohn Karl-Henry Charles Bodmer nannte, ist es schwierig, Fotografien einem der beiden korrekt zuzuweisen.

Es gibt Fotografien in der Sammlung Dietmar Siegert («Bäuerin an einem Tümpel im Wald von Fontainbleau» 1870/75) und im Musée d’Orsay (Inventar-Nr. PHO1984-88-173 und PHO1984-88-174), die neben der Unterschrift Ch.Bodmer Barbizon eine fortlaufende Nummer aus einem Werksverzeichnis tragen. Diese Signatur weicht von der Signatur Karl Bodmers (K Bodmer) ab und dürfte deshalb auf den Sohn Karl-Henry hinweisen.

Wenn sich ein französischer Bürger zwanzig Jahre lang durch besondere Leistungen hervorgetan hatte, konnte er in die Ehrenlegion aufgenommen werden und den damit verbundenen Orden vom Staatsoberhaupt persönlich verliehen bekommen. Am 31. Juli 1876 wurde Karl Bodmer so in einer festlichen Zeremonie zum Chevalier de la Légion d’Honneur ernannt. Mit dieser Ehrung war eine jährliche Rente in Höhe von 250 Francs verbunden, die im Todesfall an die Witwe des Empfängers ausbezahlt werden sollte. Das brachte Karl Bodmer vermutlich dazu, seine Lebensgefährtin Anna Maria Magdalena Pfeiffer, die sich von nun an Anne-Marie Madeleine Pfeiffer nannte, am 7. Oktober 1876 zu heiraten.

Trotz seiner künstlerischen Erfolge musste er im Jahr 1884 sein Haus in 40, rue Grande aus finanziellen Gründen verkaufen, weil die Verleger die Veröffentlichung seiner Werke bis zu seinem Tod hinauszögerten, um einen höheren Verkaufspreis zu erzielen. In seinem Haus befindet sich heute das Hotel Les Charmettes; eine Schrifttafel weist draussen auf den früheren Besitzer Karl Bodmer hin.

Karl Bodmer zog wieder nach Paris. Krankheiten und Geldnot überschatteten seine letzten Lebensjahre. Die Bemühungen des Zürichers E. Müller, die Zürcher Künstlergesellschaft zum Ankauf des durch gute Kritiken und durch Abbildungen in Zeitschriften bekannt gewordenen Gemäldes Gruppe von Hirschen im Wald zu bewegen, schlugen fehl; schliesslich entschloss sich die Zürcher Künstlergesellschaft doch, wenigstens zwei Kreidezeichnungen des Malers anzukaufen, um dessen Not zu lindern.

Innerlich vereinsamt, taub und blind, von Rheuma und Arthritis gequält, starb er am 30. Oktober 1893 in Paris. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Chailly-en-Bière bei Barbizon in der Nähe der Gräber seiner Malerfreunde Théodore Rousseau und Jean-Francois Millet.

Am 27. und 28. April 1894, ein Jahr nach seinem Tod, wurde Bodmers künstlerischer Nachlass im Hotel Drouot in Paris versteigert. Die erste Katalognummer nannte das von den Zürchern abgelehnte Bild Gruppe von Hirschen im Wald.

George A. Lucas, der aus Baltimore stammte, arbeitete Ende des 19. Jahrhunderts als Kunstagent in Paris. Er besuchte Karl Bodmer persönlich und nach dessen Tod einen seiner Söhne und kaufte Drucke und Zeichnungen für seine George A. Lucas collection, die auch ein Skizzenbuch von Karl Bodmer enthält. Am 26. April 1894 besichtigte er Bodmers Nachlass vor dem Verkauf; es ist jedoch nicht anzunehmen, dass er dort Werke ersteigerte, da sich in seiner Sammlung keine Bilder mit Auktionsstempel befinden. Die George A. Lucas collection kam vorübergehend in den Besitz des Maryland Institute und befindet sich jetzt im Baltimore Museum of Art. Die Sammlung enthält Skizzen von Bodmers Reise nach Amerika und Zeichnungen von Tieren und Landschaften aus der Umgebung von Barbizon.

Edward Everett Ayer (1841–1927), ein reicher Geschäftsmann aus Chicago, kaufte bei der Nachlassversteigerung am 27. und 28. April 1894 im Hotel Drouot in Paris 42 der 59 dort angebotenen Aquarelle, Zeichnungen, Skizzen, Kupferstiche und Lithografien von der Reise nach Amerika und fügte diese Bodmer collection in seine Ayer collection ein, die er 1911 der Newberry Library in Chicago stiftete. Die Bodmer collection trägt heute den Namen Newberry Library Bodmer Collection und enthält insgesamt 44 Werke von Karl Bodmer.

Beide Sammlungen besitzen ausschliesslich Werke aus Karl Bodmers privatem Besitz. Darunter sind Aquarelle, die er in seinem Pariser Atelier als Druckvorlage für die Tableaus anfertigte. Der Vergleich dieser Aquarelle mit den früheren Aquarellen und Skizzen zeigt, welche Veränderungen er auf Wunsch von Maximilian zu Wied-Neuwied für die Druckfassung vorgenommen hat.

Bodmers Werke und Druckplatten, die er Maximilian zu Wied-Neuwied überlassen musste, wurden im Schloss Neuwied aufbewahrt und gerieten in Vergessenheit. Dr. Stanley Pargellis von der Newberry Library und der deutsche Wissenschaftler Dr. Joseph Röder sorgten für ihre Wiederentdeckung. Durch eine Wanderausstellung kamen 118 Aquarelle 1953 – 1955 nach Amerika und machten die Aquarelle dort bekannt.

Im Jahr 1959 erwarb die Kunsthandlung M. Knoedler & Company aus New York die im Schloss Neuwied aufbewahrten gesamten Archivmaterialien sowie Karl Bodmers Kunstwerke und Druckplatten und stellte sie im Joslyn Art Museum in Omaha (Nebraska) aus. Im Jahr darauf kaufte die Northern Gas Company mit Sitz in Omaha die Sammlung für die Stiftung Inner North und übergab sie dem Joslyn Art Museum zuerst als Leihgabe und 1986 als Geschenk.

In dem Museumsbestand befinden sich seitdem 386 Zeichnungen und Aquarelle von Karl Bodmer, die Tagebücher und die Reisekorrespondenz von Maximilian zu Wied-Neuwied sowie weitere Dokumente wie Zeitungsausschnitte, Rechnungen, Einladungen und Landkarten. Die Tagebücher von Maximilian zu Wied-Neuwied werden ab 2008 in drei Bänden in englischer Übersetzung mit den dort enthaltenen Zeichnungen und Aquarellen von Maximilian zu Wied-Neuwied publiziert. Der erste Band mit den Tagebüchern von Mai 1832 bis April 1833 erschien 2008.

1989 gab das Joslyn Art Museum eine handkolorierte und auf 125 Exemplare limitierte Neuausgabe vom Bildatlas der Reise in das innere Nord-Amerika 1832–1834 heraus, die mit den Original-Druckplatten hergestellt wurde. In verschiedenen Buchveröffentlichungen hat das Museum gemeinsam mit der University of Nebraska Press Zeichnungen und Aquarelle aus dem Museumsbestand publiziert. 1984 erschien der Ausstellungskatalog Karl Bodmer’s America mit 359 Reproduktionen von Zeichnungen und Aquarellen, die Karl Bodmer während der Amerikareise angefertigt hatte. Nach dem Urteil von Hans Peter Treichler sind die Originalaquarelle in ihrer Spontaneität, aber auch in ihrer Farbgebung und Linienführung den späteren gestochenen Illustrationen künstlerisch überlegen.

1999 gründete das Joslyn Art Museum die Bodmer Society. Der exklusive Charakter dieser Bodmer Society zeigt sich daran, dass die Aufnahmegebühr 5.000,00 $ und der jährliche Mitgliedspreis 2.500,00 $ beträgt (Stand: 2008).

Karl Bodmers Illustrationen von Nordamerika gibt es in unterschiedlichen Farbgebungen, da sie von Hand koloriert wurden. Sie befinden sich heute nicht nur in den genannten Museen, sondern auch in The Whitney Gallery of Western Art im Buffalo Bill Historical Center in der Stadt Cody (Wyoming, USA), im Deutschen Ledermuseum in Offenbach, in dem Schweizer Nordamerika Native Museum NONAM in Zürich und in einigen anderen vorwiegend amerikanischen Museen. Seine europäischen Bilder finden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen, beispielsweise im Mittelrhein-Museum Koblenz, im Mittelmosel-Museum Traben-Trarbach (mit 4 Original-Druckplatten), im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, im Stadtmuseum Simeonstift Trier, in Berlin, London, Zürich, Montpellier und Paris. Über den Kunsthandel werden viele Werke von ihm angeboten.

Karl Bodmer hatte seine künstlerischen Wurzeln bei den sogenannten Schweizer Kleinmeistern des 18. Jahrhunderts und bei den Malern der deutschen Romantik. Die Begegnung mit der zeitgenössischen amerikanischen und französischen Malerei wurde für sein Spätwerk bedeutsam. Ein romantisch gefärbter Klassizismus führte zu einer Idealisierung der Darstellung und zu einer besonderen Lichtführung, die den Bildern ihre räumliche Plastizität und Tiefe verleiht.

Für Karl Bodmer war die Suche nach der Ursprünglichkeit der Natur wesentlich. Es war sein Verdienst, dass er Naturlandschaften als Biotope und Habitate darstellte. Sein Tableau mit der Bisonherde am oberen Missouri zeigt das ebenso wie die Radierung Der Wald von Fontainbleau.

In seiner Bildgestaltung war Karl Bodmer der Zeit weit voraus. Das zeigen sein impressionistisches Aquarell Waldansicht am Fluss Lehigh in Pennsylvania, sein expressionistisches Aquarell Pioch-Kiäiu und seine surrealistische Lithografie Junge Mädchen werden von Indianern überrascht.

Da er die amerikanischen Aquarelle Maximilian zu Wied-Neuwied übergeben musste, sind sie im deutschsprachigen Raum weder ausgestellt noch veröffentlicht worden. Trotz der fehlenden Wirkungsgeschichte zählen sie zu den bedeutenden Aquarellen des 19. Jahrhunderts.

Karl Bodmers Sohn Karl-Henry, der sich wie Karl Bodmer Charles nannte, übernahm die Bildauffassung des Vaters und führte als Maler und Fotograf dessen Werk weiter.

Nach dem Tod geriet Karl Bodmer als Aquarellist, Maler und Illustrator in Vergessenheit; die Bildwerke des Buches Reise in das innere Nord-Amerika in den Jahren 1832 bis 1834 blieben jedoch durch zahlreiche Nachdrucke, die oft nicht einmal seinen Namen tragen, immer präsent. Wegen seiner dokumentarischen und vorurteilsfreien Darstellung der Prärie-Indianer, ihrer Kultur und ihrer Lebenswelt gelang ihm eine wertvolle Dokumentation der untergegangenen Indianerkulturen in den Great Plains am Missouri. Das ist sein persönlicher Beitrag zum Weltkulturerbe der Menschheit. Aufgrund der Adaption seiner Bildwerke durch den Schriftsteller Karl May, der mit Maximilian zu Wied-Neuwied befreundet war, hat Bodmers Darstellung der Lebenswelt der Indianer das populäre Bild vom Indianerleben im deutschen Sprachraum mitgeprägt. Die häufigen und oft anonymen Zitate seiner Bilder und ihre Umgestaltung in Fotografien, Werbeaufnahmen und Filmen verdichteten seine Bilder schliesslich zu visuellen Topoi im Bildervorrat der westlichen Zivilisationen.

Die Rezeption des Gesamtwerkes von Karl Bodmer hat im 20. Jahrhundert nur in den Vereinigten Staaten und in der Schweiz stattgefunden. Das zeigt sich schon daran, dass die vorhandenen Biografien nur in der Schweiz und in den Vereinigten Staaten entstanden sind. In Deutschland und Österreich steht die Rezeption noch aus. In den deutschsprachigen Werken über die Schule von Barbizon wird Karl Bodmer nur in einem Nebensatz oder in einer einzigen Fussnote erwähnt.

Für Forschungen ist der Standort Deutschland jedoch günstig. Das Werk «Reise in das innere Nord-Amerika in den Jahren 1832 bis 1834» steht in der Originalausgabe in zahlreichen deutschen Bibliotheken. Auch manche deutschen Kupferstichkabinette (beispielsweise die Kunsthalle Hamburg) verfügen über Bildwerke, die in Barbizon entstanden sind.

Karl Bodmers Geburtsstadt Zürich ehrt ihn vom 8. Februar bis 9. August 2009 mit einer Sonderausstellung in dem NONAM, Nordamerika Native Museum – Indianer und Inuit Kulturen, Seefeldstr. 317. Die Ausstellung mit der Bezeichnung «Karl Bodmer – ein Schweizer Künstler in Amerika» zeigt sämtliche Drucke (zum Teil in verschiedenen Versionen) aus dem Werk Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834. Hinzu kommen wertvolle Exponate von dieser Amerikareise aus der Sammlung des Prinzen Maximilian zu Wied-Neuwied, die das Linden-Museum in Stuttgart und das Ethnologische Museum in Berlin als Leihgaben zur Verfügung stellen. Damit dürfte dies die umfassendste Ausstellung zu Karl Bodmer sein, die je in Europa gezeigt wurde. Sie wird durch einen Katalog ergänzt, der die ausgestellten Bilder und Objekte behandelt und darüberhinausgehende grundlegende Beiträge enthält. Der Kurator der Ausstellung ist der Amerikanist und Bodmer-Spezialist Professor Hartwig Isernhagen aus Basel.

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Jean-Guillaume Fyard de Gevigney et de Mercey

Jean-Guillaume Fyard de Gevigney et de Mercey (* 15. Februar 1785 in Vesoul, Frankreich; † 30. Januar 1824 in Paris, Frankreich) war ein französischer Offizier der Garde des Königs und Ritter der Ehrenlegion und des Ludwigsordens.

Jean-Guillaume Fyard war der Sohn des Jean-François Fyard de Gevigney et de Mercey, eines Artilleriekommandanten, und der Marie-Charlotte Carles de Figeac. Verheiratet war er mit Marie-Françoise Raillard de Granvelle, Tochter des Benoît-Georges Raillard de Granvelle, Requetenmeisters und Ritters der Ehrenlegion, und der Marie-Eugénie de Valicourt.

Ihre gemeinsame Tochter Eugénie-Marie Fyard de Gevigney et de Mercey war die Mutter des Paul-Félix Beuvain de Beauséjour.

Jean-Guillaume Fyard war Bataillonskommandant des 5. Infanterieregiments.

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Justus Siebein

General Justus von Siebein

Justus Siebein (auch Justus Ritter von Siebein; * Juli 1750 in Iggelheim, Pfalz; † 24. August 1812 in Polozk, Weißrussland) war ein bayerischer General der napoleonischen Epoche, Kommandeur des Bayerischen Militär-Max-Joseph-Orden (höchste Tapferkeitsauszeichnung Bayerns) und Ritter der Französischen Ehrenlegion.

General Justus von Siebein wurde im Juli 1750, in Iggelheim, als Sohn des kurpfälzisch reformierten Kirchenrates und Pfarrers Johann Nikolaus Siebein und dessen aus Hassloch stammender Frau Anna Maria geb. Müller geboren Er war das zweite von insgesamt acht Kindern. Der Junge erhielt den Taufnamen Justus Heinrich, wovon der letzte Name auf den Taufpaten Johann Heinrich Morèe, reformierter Pfarrer in Mutterstadt verweist. Vater Siebein, in Mannheim als Sohn eines kurfürstlichen Schloss-Bäckers und Hafermessers geboren, amtierte seit 1746 als reformierter Pfarrer in Iggelheim. 1755/56 ließ er die heute noch bestehende, reformierte Kirche des Ortes neu erbauen (unter Beibehaltung des historischen Turmes), 1764 das Pfarrhaus (Hasslocher Str. 6) und 1769 ein neues reformiertes Schulhaus. Nach dem frühen Tod seiner Frau 1765, heiratete der Geistliche 1769 erneut. Die zweite Frau hieß Susanna Piscator, Pfarrerstochter aus Annweiler. Die Grabsteine beider Eltern des Generals sind bis heute erhalten und befinden sich im Außenbereich der genannten Kirche. Auf den Grabmalen vermerkte Charakterisierungen lauten bei der Mutter: „…lebte in einer guten Ehe … wandelte vor Gott mit aufrichtigem Herzen…“; beim Vater (Pfarrer Siebein):„…der Welt als Menschenfreund, Deiner Gemeinde als ein treuer Hirt, Deinen Kindern als der zärtlichste Vatter…“. Das genaue Geburtsdatum von General Siebein ist wegen Beschädigung des Kirchenbuches in den Franzosenkriegen nicht mehr bekannt. Schon 1810, zu seinen Lebzeiten angestellte Ermittlungen ergaben, dass „das Protokoll (=Kirchenbuch) durch die Kriegsunruhen versteckt und dadurch äußerst corrupt (=schlecht, verdorben) geworden“ sei.

Mit Datum vom 26. Mai 1800 erfolgte denn auch Siebeins Beförderung zum Oberst und Kommandeur beider Bataillone, welche er im weiteren Verlaufe des Feldzugs führte und sich hierbei am 5. Juni auf der Weidenbühler Höhe, besonders aber am 27. Juni im Treffen bei Neuburg an der Donau, derartig auszeichnete, dass ihm mit Kabinettsorder vom 20. August 1800 das Kurpfalz-Bayerische Militär Ehrenzeichen, damals der höchste Tapferkeitsorden des Kurfürstentums verliehen wurde. Bevor die Kämpfe gegen die Franzosen endeten, verteidigte Siebein mit seinem Bataillon, am 28. November 1800, noch den Brückenkopf bei Wasserburg am Inn und behauptete sich dort erfolgreich. Als nach dem Kriege eine Kommission zusammentrat, um das bayerische Heereswesen allgemein zu verbessern, berief man dazu auch Oberst Siebein. Seit Juni 1801 kehrte er wieder in den aktiven Felddienst zurück. Ab 28. August 1802 befehligte er das Truppenkontingent, welches das bisherige Fürstbistum Bamberg für Bayern in Besitz nahm, wobei der Beauftragte des Fürstbischofs, Kommissarius Anton Joseph Martin konstatiert, Siebein zeige sich als Staatsmann und Soldat gleichermaßen; „als Staatsmann wegen seinen ausgebreiteten politischen Kenntnissen, als Soldat wegen seinem ernsthaften, allenthalben Achtung zu Wege bringenden Benehmen“.

Am 28. September 1804 avancierte Justus Siebein zum Generalmajor u. wurde fast genau ein Jahr später, am 27. September 1805 Chef der 6. Bay. Brigade, die er im Kriege gegen Österreich führte. Hier war er mit seinen Truppen erst bei Ingolstadt aufgestellt, operierte vom 14. bis zum 17. Oktober gegen den österreichischen General Franz Freiherr von Werneck, verblieb an der Ilm, um den Rücken der französischen Armee gegen die Österreicher zu decken und wurde schließlich in Eilmärschen nach Tirol gesandt, um das dortige bayerische Korps unter General Wrede zu verstärken. Der Armeebefehl vom 6. Januar 1806 übertrug Siebein das Oberkommando über die bayerischen Truppen in Tirol. Bayern, drei mal zwischen die Fronten der kriegführenden Parteien geraten, hatte sich von der antifranzösischen Koalition gelöst, war seit September 1805 mit dem übermächtigen Frankreich verbündet und trat zur Festigung dieser Allianz, auf Verlangen Napoleons, auch in verwandtschaftliche Beziehungen mit dessen Familie. Nach der an Silvester 1805 erfolgten Zustimmung der Kurfürsten-Tochter Auguste zu ihrer Hochzeit mit Napoleons Stiefsohn (später adoptiert) Eugen Beauharnais, Vizekönig von Italien, konnte der Reichsherold bereits am Neujahrstag 1806 in den Straßen Münchens verkünden, dass Kurfürst Maximilian IV. Joseph den Titel „König von Bayern“ angenommen habe; er nannte sich von da an König Maximilian I. Joseph. Der neue König stiftete alsbald, am 1. März 1806, als höchste Tapferkeitsauszeichnung des nunmehrigen Königreiches, den nach ihm benannten Militär-Max-Joseph-Orden, der bis 1918 verliehen wurde und dessen letzte Inhaber erst vor wenigen Jahren starben. Generalmajor Justus Siebein gehört zu den ersten Rittern dieses renommierten Ordens, denn als Träger des pfalz-bayerischen Militär Ehrenzeichens, der bisher höchsten Tapferkeitsdekoration, nimmt man ihn bei Stiftung des neuen Militär-Max-Joseph Ordens automatisch in diesen auf, verbunden mit dem persönlichen Adelstitel eines „Ritter von“. Ritter von Siebein erhält sogar unmittelbar die 2. Stufe, das Kommandeurkreuz. Als 1882 in München das Standardwerk „Der königlich bayerische Militär-Max-Joseph-Orden und seine Mitglieder“ erscheint, widmet man deshalb darin auch dem Pfälzer General eine ausführliche Lebensbeschreibung (Seiten 812-818). Zusammen mit Frankreich fand 1806/07 der Feldzug gegen Preußen statt, in dem Justus von Siebein die 1. Brigade der 1. Bay. Division „Deroy“ befehligte und sich besonders im November 1806 vor Glogau, im Dezember 1806 vor Breslau sowie im Juni 1807 vor Glatz hervortat. Seine Tapferkeit wird dabei ausdrücklich in den verschiedenen Armeebefehlen erwähnt. 1809 marschieren Franzosen und Bayern gemeinsam gegen Österreich, wobei ihre Armeen in die legendären Gefechte mit den aufständischen Tirolern unter Andreas Hofer verwickelt werden. Siebein kommandiert hier zunächst die 3. Bay. Division. Diese gibt er an den ranghöheren General Erasmus von Deroy ab, als Kronprinz Ludwig (der spätere König Ludwig I.) auf dem Kriegsschauplatz erscheint und selbst eine Division übernimmt. Als nunmehriger Führer der 1. Infanterie Brigade der 3. Bay. Division „Deroy“, macht Ritter von Siebein den Rest des Feldzuges in Österreich und Tirol mit und wird am 15. Juni 1809 schließlich auch mit dem höchsten französischen Tapferkeitsorden, dem Kreuz der Ehrenlegion dekoriert. Gegen Ende der Kampagne avanciert der Pfälzer, am 9. Juni 1810, zum Oberbefehlshaber aller in Tirol stehenden bayerischen Truppen. Nach Abschluss der Kämpfe übernahm er am 11. Februar 1811 eine kurze Friedensstellung als Chef des Generalkommandos Nürnberg, ehe er mit 61 Jahren in jenen schrecklichen Krieg gegen Russland zog, den er und so viele seiner Kameraden mit ihrem Leben bezahlen sollten.

Es ist bekannt, dass König Max Joseph sich nur widerwillig an diesem Feldzug beteiligte. Bei einem siegreichen Ausgang wäre er gegenüber dem übermächtigen Frankreich noch unbedeutender und geriete in noch größere Abhängigkeit. Eine Niederlage konnte leicht zur Katastrophe ausarten, vielleicht sogar Land und Thron kosten, denn die Sieger würden sich auch an ihm, als Napoleons Waffengefährten, schadlos halten. Überdies war die Zarin eine Schwester seiner Frau; sein Sohn, Kronprinz Ludwig (später König Ludwig I.), stand dem Unternehmen ohnehin ablehnend gegenüber und verweigerte – nachdem er gesehen hatte, wie die Franzosen mit den Tirolern umsprangen – jegliche aktive Teilnahme. Die etwa 30.000, zum russischen Krieg befohlenen Bayern bildeten (abgesehen von 6 Regimentern Kavallerie u. dem 13. Infanterieregiment, die später separat verwendet wurden) unter dem französischen Generaloberst Laurent de Gouvion Saint-Cyr, das VI. Armeekorps der „Großen Armee“, welches wiederum in die 19. (bay.) und die 20. (bay.) Division unter den kommandierenden bayerischen Generalen Erasmus von Deroy und Carl Philipp von Wrede aufgeteilt war. Ritter von Siebein führte die 1. Infanterie-Brigade der 19. (bay.) Division unter General Deroy. Durch Görlitz, Glogau u. Lissa gelangten die Bayern nach Polen, setzten im Mai 1812 über die Weichsel u. erreichten am 22. Juni Lyck. Wenige Tage später überquerten sie den Njemen um am 13. Juli 1812 – bisher kampflos – in Wilna einzurücken. Am 14. Juli, zwischen 10 und 11 Uhr vormittags, nahm Kaiser Napoleon, südwestlich dieser Stadt den Vorbeimarsch der bayerischen Truppen ab. Es war ein trostloser Tag, der Himmel grau und Wolkenverhangen, es regnete in Strömen. Dennoch defilierten die beiden bay. Divisionen – unter ihnen auch General Siebein – mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen, alles in schönster Ordnung und tadelloser Haltung. Die beiden bayerischen Kommandeure Deroy und Wrede nahmen einige Schritte rechts und links hinter dem Kaiser auf ihren Pferden die Parade ab und freuten sich über dessen Lob und Anerkennung. Ohne weitere Verzögerung wurde der Marsch nun fortgesetzt, über Asinski (14.7.), Trokiniki (15.7.), Glubokoje (21.7.) und Uschatz (25.7.) nach Beschenko. Dort stellte man zunächst die Verfolgung der ins Landesinnere ausweichenden Zarenarmee ein und gönnte der Truppe einige Ruhetage. Schon am 5. August befahl Napoleon den Weitermarsch im Eiltempo, um dem bei Polozk/Weißrussland in harte Kämpfe verwickelten II. Armeekorps unter Marschall Charles Nicolas Oudinot zu Hilfe zu eilen.

Mit nur noch knapp 10.000 kampffähigen Soldaten (weniger als die Hälfte des Armeekorps) und einigen tausend Kranken waren die Bayern am 16. August 1812 in Polozk angekommen. Hier sollten sie ihre erste Schlacht schlagen und sich auch das Schicksal Justus von Siebeins erfüllen. Polozk ist heute im Westen nicht ganz unbekannt, wegen seinem berühmten Erzbischof Josaphat Kunzewitsch, der 1623 ermordet und 1867 heiliggesprochen, nun in einem gläsernen Sarg im Petersdom zu Rom ruht. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es eine meist aus Holzhäusern erbaute Stadt, mit einem mächtigen Jesuitenkloster (französisch-bayerisches Hauptquartier) und etwa 12.000 Einwohnern, auf dem rechten Ufer der Düna gelegen, mit der gegenüberliegenden Vorstadt Klein-Polozk durch eine Brücke verbunden. Die Polota, ein tief eingegrabenes Flüsschen mit gewundenem Lauf mündet auf der Westseite der Stadt in die Düna. Ab 17. August griffen die Bayern in die Kämpfe ein, zunächst hauptsächlich Verbände der 20. (bay.) Division „Wrede“. Es erfolgten an diesem Tage massive Angriffe der russischen Truppen; Bayern und Franzosen konnten jedoch ihre Stellungen behaupteten. Eine Kanonenkugel verwundet Oberbefehlshaber Marschall Charles Nicolas Oudinot, dessen Stelle daraufhin General Laurent de Gouvion Saint-Cyr einnimmt. Am 18. August um vier Uhr morgens, wird die stark dezimierte 20. (bay.) Division „Wrede“ von der 19. (bay.) Division „Deroy“ abgelöst. Ihre I. Brigade kommandiert General von Siebein. Um 16.00 Uhr schießen 34 bayerische Geschütze vom linken Polotaufer gegen den jenseits des Flusses gelegenen Edelhof Primenitza und geben damit das Signal zum Sturmangriff auf dieses Hauptquartier der Russen. Zum Läuten der Klosterglocken (später Thema einer Ode) durchwaten die Krieger den Polotafluss und mit dem begeisterten Ruf „Es lebe der König!“ stürzen sich die Bayern auf ihre Gegner. Beim Sturm auf das russische Hauptquartier führt der aus Mannheim stammende, 68-jährige General Erasmus von Deroy seine Division persönlich im schwersten Feuer und erhält dabei einen Bauchschuss an dem er fünf Tage später stirbt. Noch von der Tragbahre herunter spornt der schwerverletzte Feldherr seine Männer zum Kampf an. Im mörderischen Kartätschenfeuer beginnen die Franzosen zu flüchten u. reißen dabei fast die durch den Verlust Ihres Befehlshabers verwirrten Bayern mit. Hier greift General Siebein ein und wird neben dem unglücklichen Deroy der Held des Tages. Trotzdem die zurückweichenden Franzosen schon in großer Zahl die bayerischen Linien nach rückwärts durchbrechen, stürmt er unbeirrt mit seiner Truppe weiter und erobert Schloss Primenitza im Handstreich. Die sich bereits siegreich wähnenden Russen ergreifen die wilde Flucht oder werden niedergemacht. Auch an anderen Stellen geriet die Zarenarmee in Bedrängnis und musste zurückweichen. Da entschloss sich ihr Befehlshaber General Wittgenstein zum Rückzug; es dunkelt bereits. Um ohne weitere Verluste abziehen zu können, ließ der Russe seine gesamte Reiterei auf die Gegner los. Mit wildem Geschrei jagten die russischen Schwadronen bis knapp vor die Mauern von Polozk. Der von dem sumpfigen Boden aufsteigende und und mit Pulverdampf vermischte Nebel, sowie die einsetzende Dämmerung begünstigten die Attacke. Gerade waren 20 französische Kanonen erbeutet u. General St. Cyr drohte die Gefangennahme, als Siebein u. seine Brigade wieder die Situation retten. Sie hatten eben erst Primenitza erobert, aber sofort ließ er seine Batterien nun gegen die russische Kavallerie in Stellung gehen. Diese flüchtete, unter Zurücklassung ihrer Beute, ob des unerwartet starken bayerischen Gegenangriffs. Das geschah gegen 21.30 Uhr; die Schlacht von Polozk war damit endgültig entschieden. Nicht zuletzt dank dem beherzten Einsatz Ritter von Siebeins hatten Bayern und Franzosen gesiegt und General Wrede ernannte ihn folgerichtig, am 19. August, an Stelle des mit dem Tode ringenden Deroy, zum Kommandeur der 19. (bay.) Division.

Fahrlässigerweise unterließ St. Cyr eine sofortige Verfolgung des geschlagenen Feindes, weshalb sich dieser wieder nahe der Stadt festsetzten konnte. Erst am 22. August unternahm man hinter den abgezogenen Russen her einen Aufklärungsvorstoß, wobei die Bayern, 3 Marschstunden von Polozk entfernt, im Wald bei Gamzelowo, auf der St. Petersburger Straße, die ersten feindlichen Vorhuten antrafen. Bei dem sich entspinnenden Gefecht geriet General Siebein mit seiner Truppe unerwartet in fürchterliches Geschütz- und Kartätschenfeuer, wobei der Pfälzer einen Schuss in den Unterleib erhielt und nach Polotzk zurückgebracht werden musste. Der bay. Armee-Tagesbefehl vom 24. August 1812 erwähnt ausdrücklich den „tapferen General Siebein“ u. belobigt auch den „Herrn Oberfeldspitalmedicus Dreßler, welcher vorgestern unter dem größten Kugel- und Kartätschenfeuer, nicht nur den General Siebein vom Schlachtfelde wegtragen half, sondern als er selbst schon einen Streifschuß am Backen erhalten, ihn dennoch nicht verlassen hat“. Siebein erliegt trotzdem seiner schweren Verwundung. Vielfach wird der 24.8., morgens 2 Uhr als Todeszeitpunkt angegeben, während andere Quellen – darunter der Augenzeuge, Stabsauditor Max von Stubenrauch, in seinem Tagebuch – den 25. August, 2 Uhr, als Sterbezeit nennen. Am 25. August, um 5 Uhr abends, fand das feierliche Begräbnis der ranghöchsten, bei Polozk gefallenen Bayern statt. Es waren dies General Justus Ritter von Siebein u. sein Pfälzer Landsmann, General Erasmus von Deroy, sowie die Offiziere Oberst Dominik Wreden, Oberst Friedrich Graf von Preysing, sowie Oberstleutnant Joseph von Gedoni. Ihre Leichen wurden mit militärischen Ehren, auf fünf schwarz behangenen Wagen, zur letzten Ruhe geführt. Das Begräbnis erfolgte auf dem Schlachtfeld, unweit der Stadt, nahe bei dem Dorf Spas, in der in einem Kirchhof gelegenen Jesuitenkapelle St. Xaveri. Insgesamt zählten Bayern und Franzosen 4000 Mann Verluste an Gefallenen und Kampfunfähigen.

Zur Zeit Kaiser Napoleons bot dessen „Freundschaft“, besonders für die kleineren Länder innerhalb seines Einflussbereiches, eine gewisse Garantie zur Wahrung größtmöglicher Unabhängigkeit von ihm. Viele deutsche Staaten – auch Bayern – suchten daher statt Konfrontation eher die Gunst des Franzosenkaisers und nahmen dabei in Kauf, als Verbündete, auch eigene Heereskontingente für dessen Eroberungszüge aufstellen zu müssen. Nur aus dieser Stellung relativer Unabhängigkeit, in Verbindung mit den intakt gebliebenen, eigenständigen Heeresstrukturen, konnte jedoch 1813, als der Stern Bonapartes sank, die blitzartige Erhebung der deutschen Länder und der Sturz des Usurpators gelingen.

Laut der Stadtüberlieferung in Polozk, war nach der Schlacht eine der Polotabrücken förmlich vom Blut der Krieger überzogen und wurde deswegen ab diesem Zeitpunkt die „Rote Brücke“ genannt. Diese Brücke – zwischenzeitlich mehrfach erneuert – trägt bis heute jenen Namen u. wird in Erinnerung der Napoleonischen Kämpfe, stets wieder rot gestrichen. Auch den Friedhof St. Xaveri gibt es noch in Polozk. Die einst darin gelegene Kapelle mit dem Grab der bayerischen Generale ist jedoch verschwunden; ein Zustand den bereits Feldmarschall Prinz Leopold von Bayern, Bruder des letzten bayerischen Königs und deutscher Oberbefehlshaber Ost, im I. Weltkrieg monierte (Mitteilung des Bay. Kriegsarchivs an den Autor). Da an dem geschichtsträchtigen Ort überhaupt nichts mehr an seine kaum 100 Jahre zuvor gefallenen Landsleute erinnerte, wollte er ihnen im Juli 1918 wenigstens ein Denkmal setzen lassen, wozu es aber in Folge der ungünstigen Kriegsentwicklung leider nicht mehr kam.

Als einzige öffentliche Erinnerung an General Siebein verblieb in Germersheim die „Siebeinstraße“, im Bereich des heutigen Hafen-Industriegebietes, dort wo sich bis zur Schleifung großer Teile der Festung Germersheim 1920, das nach ihm benannte „Vorwerk Siebein“ befand.

In dem Buch „1000 Jahre Iggelheim“ widmete man 1991 ein Kapitel dem wohl bedeutendsten Sohn der Gemeinde und seiner Familie. Im Heimatjahrbuch Nr. 24 (2007/2008) des Rhein-Pfalz-Kreises (wozu Iggelheim gehört) wurde von Joachim Specht ein Gedenkartikel zu Siebeins 195. Todestag veröffentlicht, unter dem Titel:„Hier ruhen Polozk`s umgestürzte Mauern“.

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Geneviève de Gaulle-Anthonioz

Geneviève de Gaulle-Anthonioz (* 25. Oktober 1920 in Saint-Jean-de-Valériscle; † 14. Februar 2002 in Paris) war ein Mitglied der Résistance und Präsidentin der Menschenrechtsbewegung ATD Vierte Welt. Für ihr öffentliches Wirken erhielt sie als erste Frau das Großkreuz der Ehrenlegion.

Geneviève de Gaulle wuchs als ältestes dreier Kinder auf. Ihr Vater war Ingenieur, ihre Mutter starb, als sie vier Jahre alt war. Ab 1935 studierte sie an der Universität von Rennes Geschichte. Nach der Niederlage und deutschen Besetzung Frankreichs im Juni 1940 trat Geneviève de Gaulle, eine Nichte Charles de Gaulles, der Résistance bei und half bei der Organisation des Nachrichtendienstes. Von der französischen Hilfskräften der Gestapo am 20. Juli 1943 verhaftet, wurde sie am 2. Februar 1944 in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert und dort auf Befehl Heinrich Himmlers vier Monate in Isolationshaft gehalten, um sie für einen Gefangenenaustausch benutzen zu können. Sie kam im April 1945 frei. Über diese Zeit schrieb sie ein Buch, das unter dem Titel Durch die Nacht 1999 auch auf deutsch erschienen ist. Später Präsidentin der ADIR, der nationalen Organisation der deportierten und internierten Mitglieder der Résistance, war sie aktiv in der juristischen Verfolgung nationalsozialistischer Kriegsverbrecher tätig. 1987 trat sie als Zeugin im Prozess gegen Klaus Barbie auf.

1946 heiratete sie den Kunstverleger Bernard Anthonioz. Wie dieser arbeitete sie im Ministerium André Malraux' und engagierte sich im Rassemblement du peuple français, der von ihrem Onkel gegründeten politischen Bewegung. 1958 lernte sie Joseph Wresinski kennen, Pater der Obdachlosensiedlung Noisy-le-Grand und Gründer der ATD Vierte Welt. Nach einer Zeit der Freiwilligenarbeit für diese Organisation übernahm sie deren Präsidium von 1964 bis 2001.

1988 wurde sie Mitglied des nationalen Wirtschafts- und Sozialrats, über den sie sich für eine verbesserte Gesetzgebung zugunsten Armer einsetzte. Das mit ihrer Hilfe entworfene Gesetz wurde 1998 vom französischen Parlament verabschiedet.

Neben dem Großkreuz der Ehrenlegion erhielt sie den Preis der Menschenrechte in Frankreich und der Welt (1994), die Medaille der Résistance und das Kriegskreuz 1939-1945. Charles de Gaulle widmete ihr sein Buch Mémoires de Guerre („Kriegserinnerungen“).

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Source : Wikipedia