EWWU
- Eurozone-Rentenmarkt im Fokus - AktienCheck
- Um den Spekulationen über ein Auseinanderbrechen der EWWU oder Eurolands entgegenzutreten, sei auf dem letzten Gipfel in Brüssel beschlossen worden, die Kreditfazilität für EWWU-Länder aufzustocken, die nicht zu Euroland gehören würden....
Restriktive Geldpolitik
Restriktive Geldpolitik ist der strategisch-politische Ausdruck zur Verminderung der umlaufenden Geldmenge in einer Volkswirtschaft oder Gemeinschaft (EU). Es kann als Gegenstück zur expansiven Geldpolitik verstanden werden. Diese Form der Geldpolitik findet insbesondere in Zeiten starker Konjunktur statt, um das Preisniveau stabil zu halten bzw. einer evtl. anstehenden oder bereits bestehenden Inflation entgegenzuwirken.
Das primäre Ziel der restriktiven Geldpolitik ist die Unterstützung der Preisstabilität. Als sekundäres Ziel steht die Erhaltung eines hohen Beschäftigungsstands. Neben den zuvor genannten Zielen werden auch das außenwirtschaftliche Gleichgewicht sowie stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum verfolgt. Für die Zentralbank ist die Reihenfolge der aufgeführten Ziele maßgeblich, d.h. liegt die oberste Priorität in der Preisstabilität. Die Ziele zusammen ergeben das magische Viereck, welches auch als Basis für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft zu verstehen ist. Die Entstehung zu diesen makroökonomischen Ansätzen ist dabei auf John Maynard Keynes zurückzuführen.
Grundlegend stehen der Zentralbank drei wesentliche Instrumente zur Verfügung, um Einfluss auf die Geldmenge zu nehmen. Dabei erfolgt die Umsetzung der Ziele durch die Ausführungen von Offenmarktgeschäften, das Angebot ständiger Fazilitäten und die Einführung eines Mindestreservesystems.
An- und Verkauf von offenmarktfähigen Wertpapieren durch die Zentralbank am „offenen Markt“ zur Steuerung der Geldmenge. Der Wertpapierhandel läuft meistens in Form von Pensionsgeschäften ab, wobei die Konditionen der Geschäfte in einem Ausschreibungsverfahren festgelegt werden. Das bedeutet, die Zentralbank kündigt einen Tender an, die Geschäftsbanken geben dazu ihre Gebote ab. Im zweiten Schritt verteilt die Zentralbank das Zentralbankgeld nach einem bestimmten Quotenschlüssel. Noch während der Abwicklung der Offenmarktgeschäfte werden die Termine zum Rückkauf bzw. -verkauf vereinbart, d.h. diese Geschäfte sind Termin gebunden.
Ergänzend zur Offenmarktpolitik besteht die Möglichkeit für die Geschäftsbanken, auf eigene Initiative, ständig - also nicht termingebunden - Liquidität von der Zentralbank zu erhalten, um kurzfristige Engpässe bzw. Überschüsse an Liquidität zu vermeiden („Liquidität über Nacht“).
Die Geschäftsbanken - z.B. in den Mitgliedsländern der EWWU - sind verpflichtet, einen bestimmten Prozentsatz (aktuell 2%) an Geldreserven aus dem bei ihnen angelegten Sicht-, Termin- und Spareinlagen auf Konten der nationalen Zentralbank zu unterhalten. Es liegt kein „Instrument“ im eigentlichen Sinn vor, sondern eher eine ordnungspolitische Regel, da der Mindestreservesatz nicht allzu häufig geändert wird.
Durch diese Instrumentarien sollen die Bankreserven, Geldangebot und Zinssätze reguliert werden, um die gesetzten Ziele (Preisstabilität, geringe Arbeitslosigkeit etc.) zu erreichen. Die sogenannte Offenmarktpolitik bildet dabei das wichtigste Stabilisierungsinstrument der Zentralbank.
5.) die Rückgänge bei den zinssensiblen Positionen verringern durch den bekannten Multiplikationseffekt die Gesamtnachfrage.
Das geringere Niveau der Gesamtnachfrage senkt das Produktions- und Preisniveau bzw. Inflation.
Geldpolitik kann kurzfristig und langfristig unterschiedliche Auswirkungen haben. Kurzfristig wirkt sich eine Veränderung der Geldmenge auf die AD-Kurve, bei einer relativ flachen AS-Kurve, zum größten Teil auf die Produktion und nur zu einem geringen Teil auf das Preisniveau aus. Langfristig dagegen, wenn die AS-Kurve einen beinahe vertikalen Verlauf annimmt, führen Geldmengenverschiebungen vorwiegend zu Änderungen des Preisniveaus und kaum noch zu Änderungen der Produktionsleistung. Im Extremfall, wenn Änderungen der Geldmenge nur nominelle Variablen betreffen, ohne Auswirkung auf reale Variablen zu haben, kann man sagen, dass jede Geldmengenveränderung immer die gleiche Auswirkung (kurz- und langfristig) erzielt. Dabei steht die angestrebte Preisstabilität unmittelbar im Zusammenhang mit der Inflationsrate. Weiterführend steht die Inflation direkt in Beziehung mit der Arbeitslosigkeit, dabei stellt die Phillips-Kurve ein wichtiges Analyseinstrument dar. Die Kurve veranschaulicht die Beziehung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Auf kurze Sicht bedeutet das, dass die Senkung des einen zu einer Erhöhung des anderen führt.
Die zuvor beschriebenen Instrumente der Geldmengensteuerung sind sehr effektive Instrumente. Die Geldmenge kann damit jedoch nicht vollständig kontrolliert werden. Die Zentralbank steht dabei vor grundlegenden Problemen, die sich aufgrund des zweistufigen Finanzsystems (Zentralbank und Geschäftsbanken), der partiellen Reservehaltung und der Globalisierung ergeben. Das erste Problem liegt darin, dass die Zentralbank nicht diejenige Menge an Geld kontrollieren kann, die private Haushalte, als Einlagen im Bankensystem halten.
Um dieses Problem besser darstellen zu können, soll angenommen werden, dass die Menschen das Vertrauen in das Bankensystem verlieren und sich dazu entschließen, einen Großteil ihrer Einlagen aufzulösen, um es stattdessen in Bargeld zu halten. Im Bankensystem kann daraufhin weniger Geld geschöpft werden, so dass das Geldangebot zurückgeht, ohne dass die Zentralbank eingegriffen hat. Das zweite Problem besteht darin, dass die Zentralbank keine Kontrolle darüber hat, wie viele Kredite die Banken vergeben. Damit dieses Problem ebenfalls gut geschildert werden kann, ist anzunehmen, dass die Banken eines Tages aufgrund einer verschlechterten Einschätzung der ökonomischen Situation vorsichtiger werden und somit weniger Kredite vergeben. Durch dieses passive Verhalten erhöhen sich automatisch die Reserven der Geschäftsbanken, und es kommt hier ebenfalls zum Rückgang des umlaufenden Geldes. Die Geldmenge hängt also im partiellen Reservesystem zum Teil vom Verhalten der Einleger und Geschäftsbanken ab. Das dritte Problem resultiert aus der zunehmenden Globalisierung von Handel und Finanzen (offene Volkswirtschaft). Die flexiblen Wechselkurse und Nettoexporte werden durch jede Veränderung der Geldpolitik beeinflusst, was den Geldmechanismus für die Zentralbank zusätzlich verkompliziert.
Damit das Problem besser erläutert werden kann, nehmen wir an, dass die Zentralbank den Zinssatz angehoben hat. Das hat zur Folge, dass die inländischen Wertpapiere an Attraktivität gewinnen und ausländische Anleger in diese Wertpapiere investieren wollen. Dadurch nimmt die inländische Währung an Werthaltigkeit zu, was die inländischen Güter gegenüber den ausländischen verteuert. Dies hat wiederum zur Folge, dass die Nachfrage nach heimischen Produkten zurückgeht, d.h. es nimmt die Produktion ab. Demzufolge hat eine Zinsveränderung sowohl direkt über die Zentralbank als auch indirekt über die Wechselkurse Einfluss auf die Produktion. Folglich macht eine offene Volkswirtschaft der Zentralbank sowohl wegen des nicht exakt bestimmbaren Zusammenhangs zwischen Geldmenge und Nettoexport als auch wegen der zusätzlich politisch-wirtschaftlichen Fragen, die sich aus den Auswirkungen heimischer Politik auf fremde Volkswirtschaften, auf die Zusammensetzung des BIP und auf die Schuldenbelastung der Dritten Welt ergeben, zu schaffen. Allerdings können im Vorfeld durch ständiges Überprüfen der Einlagenentwicklung und Veränderung der Reserven das Verhalten der Einleger bzw. Geschäftsbanken ermittelt werden. Somit können rasch gegensteuernde Maßnahmen ergriffen werden, um die Geldmenge nahe am geplanten Volumen zu halten.
Liquiditäts-Konsortialbank
Die Liquiditäts-Konsortialbank GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main ist eine Spezialbank. Sie wurde im Jahre 1974 unter dem Eindruck der Herstatt-Bank-Krise von der Deutschen Bundesbank sowie weiteren Unternehmen des deutschen Kreditgewerbes gegründet.
Sowohl die Deutsche Bundesbank wie auch andere an ihr beteiligte Banken sind an den Stammeinlagen der privatrechtlich organisierten Liquiditäts-Konsortialbank beteiligt. Auf die entsprechende Stammeinlage besteht eine hohe Nachschusspflicht.
Die Aufgabe der Bank gewinnt im Zusammenhang mit der Einlagensicherung an Bedeutung. Die Unterstützung einer Bank durch die Liquiditäts-Konsortialbank hat dabei einen abschirmenden Charakter.
Sie stellt einer Bank in einer finanziellen Engpasssituation die notwendige Liquidität zur Verfügung, um die Abwicklung deren in- und ausländischen Zahlungsverkehrs sicherzustellen. Auf diese Weise soll die Insolvenz und dadurch der Verlust der entsprechenden Kundeneinlagen verhindert werden. Voraussetzung für die Gewährung der Hilfe ist dabei, dass die unterstützte Bank über eine einwandfreie Bonität verfügt.
Die Liquidität wird der Not leidenden Bank in Form der Umwandlung qualitativ hochwertiger nicht-zentralbankfähiger Wechsel in zentralbankfähige Wechsel gewährt.
Bis zur Schaffung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) kam der Liquiditäts-Konsortialbank für den Währungsraum der Deutschen Mark die Funktion des Lender of last resort zu. Dies deshalb, da die an ihr beteiligte Deutsche Bundesbank aufgrund ihrer finanzwirtschaftlichen Stellung die Hilfsmaßnahmen in theoretisch unbegrenztem Umfang durchführen konnte. Diese Möglichkeit ist inzwischen entfallen.
Importierte Inflation
Die importierte Inflation ist ein Begriff aus der Volkswirtschaftslehre. Importierte Inflationen im engeren Sinne sind begründet in einem hohen Preisniveauwachstum im Ausland. Im weiteren Sinne bezeichnet man jede Inflation, deren Ursachen in den Außenbeziehungen einer Volkswirtschaft liegen, als importierte Inflation.
Ausgangspunkt der Überlegungen ist eine im Ausland auftretende Inflation. Die inländischen Unternehmen planen nun vermehrt im Ausland abzusetzen, da sie dort höhere Preise erzielen können. Dadurch steigen die Exporte des Inlands in das Ausland, die Importe aus dem Ausland nehmen ab.
Erstens erhalten die inländischen Unternehmen für die Exporte Auslandswährung. Ist der Wechselkurs zwischen beiden Ländern fixiert, so muss die Zentralbank die aufgelaufenen Devisen zum bestehenden Kurs in Inlandswährung tauschen, wodurch die Geldmenge im Inland steigt. Da dieser Geldmengenerhöhung aber kein höheres Realgüterangebot gegenübersteht, steigen nach der Quantitätsgleichung nun auch im Inland die Preise. Die Inflation wird so aus dem Ausland importiert.
Ein zweiter Transmissionskanal der ausländischen Inflation auf das Inland kommt durch die Importe selbst: Importiert das Inland aus dem von der Inflation betroffenen Ausland Güter mit einer geringen Preiselastizität der Nachfrage (d. h. Güter, die für die Volkswirtschaft von elementarer Bedeutung sind und nicht substituiert werden können - z. B. Erdöl), so ist ein Durchschlagen der höheren Importpreise auf das inländische Preisniveau wahrscheinlich. Wenn beispielsweise wegen höherer Erdölpreise Lohnsteigerungen durchgesetzt werden, kann es über eine Lohn-Preis-Spirale auch zu einer höheren inländischen Inflation kommen.
Drittens führt der erhöhte Export von Waren, meist kurzfristig zu einer Verknappung dieser im Inland, wodurch deren inländischer Preis ebenfalls ansteigt. Besonders stark und längerfristig tritt dieser Effekt auf, wenn nur eine bestimmte Menge produziert werden kann oder deren Grenzkosten bei zusätzlicher Produktion über dem inländischen Preis liegen würden.
Ausgangspunkt einer importierten Inflation kann auch eine kontinuierliche Abwertung der inländischen Währung sein. Ausgangspunkt der Abwertung kann beispielsweise ein Glaubwürdigkeitsverlust des Inlands auf den internationalen Finanzmärkten sein.
Die kontinuierliche Abwertung führt zu steigenden Importpreisen (und somit zu einem Rückgang der Terms of Trade), die sich über die oben geschilderten Kanäle auf das inländische Preisniveau auswirken. Allerdings liegt hier keine importierte Inflation im ursprünglichen Sinne vor, da im Ausland nicht zwingend Inflation herrschen muss.
Es gibt kein Mittel, dass die Gefahr jedes Inflationsimports verhindert. Eine vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern praktizierte Maßnahme gegen aus dem Ausland importierte Inflation ist die geldpolitische Strategie der Wechselkurssteuerung. Hierbei wird den Importgütern im Rahmen der inländischen Preisbildung von der Zentralbank ein derart großes Gewicht beigemessen, dass sie ihre gesamte Geldpolitik an diesem Mechanismus ausrichtet. Zurückzuführen ist die Popularität fester Wechselkurse in Entwicklungsländern auf das Phänomen des Fear of Floating.
Feste Wechselkurse beispielsweise sind zwar eine wirkungsvolle Maßnahme gegen die durch Währungsabwertungen hervorgerufene importierte Inflation, allerdings sind es gerade feste Wechselkursregime, die eine importierte Inflation im engeren Sinne erst möglich machen. Bei flexiblen Wechselkursen möchten die Exporteure die Auslandswährung ebenfalls in Inlandswährung umtauschen. Dabei kommt es jedoch auf dem Devisenmarkt zu einem Überangebot der Auslandswährung, so dass der Kurs der Auslandwährung gegen die Inlandswährung fällt. Dabei kompensiert die Abwertung der Auslandswährung die Preisniveausteigerung im Ausland. Die Inflation im Ausland wird in diesem Fall also nicht importiert.
Durch die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) entfällt die Möglichkeit der Absicherung gegen importierte Inflation aus Mitgliedsländern. Als Ausgleich dafür sind die Maastricht-Kriterien eingeführt worden, nach denen ein Land nur dann den Euro einführen darf, wenn seine Inflationsrate die durchschnittliche Inflationsrate der drei preisstabilsten Mitgliedsländer nicht um mehr als 1,5 Prozent überschreitet. Für die bereits im Euro-System befindlichen Mitgliedsländer bestehen allerdings keine verpflichtenden Konvergenzkriterien, sodass in der Praxis deutlich größere Abweichungen bei den Inflationsraten entstehen können.
European Payments Council
Das European Payments Council (EPC) (im Deutschen selten auch Europäischer Zahlungsverkehrsausschuss) ist eine Einrichtung der Kreditinstitute in der Europäischen Union. Erklärter Zweck des EPC ist die Realisierung des als Single Euro Payments Area (SEPA) bezeichneten einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums.
Im Vertrag von Maastricht vom 7. Februar 1992 wurde die Schaffung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) vereinbart. Kernstück des Vertrags war die Einführung des Euro als gesetzliches Zahlungsmittel in den Teilnehmerländern zum 1. Januar 1999 als Buch- und zum 1. Januar 2002 als Bargeld. Im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für die Euroeinführung hat das Europäische Parlament am 27. Januar 1997 eine Richtlinie über grenzüberschreitende Überweisungen erlassen. Diese Richtlinie zielte darauf ab, "die Bankdienstleistungen im Bereich der grenzüberschreitenden Überweisungen zu verbessern und deren Effizienz zu erhöhen." In einer Mitteilung der Europäischen Kommission an das Europäische Parlament und den Rat der Europäischen Union vom 31. Januar 2001 über die Verbesserung der Dienstleistungen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr wurde unter Anderem festgestellt, dass die EU-Richtlinie von 1997 ihre Zielsetzung nicht erreicht hatte. Deshalb haben die Europäische Kommission und der Rat am 19. Dezember 2001 die EU-Preisverordnung erlassen. Hierin wurde im Großen und Ganzen eine Vereinheitlichung der Preise zwischen dem Inlandszahlungsverkehr und dem Zahlungsverkehr in Euro festgelegt. Diese Verordnung wurde gegen den Widerstand der europäischen Banken durchgesetzt. Das ordnungspolitische Argument der Banken, dass diese Verordnung einen den marktwirtschaftlichen Prinzipien widersprechenden Eingriff in die freie Preisgestaltung darstellt, wurde vor allem deshalb nicht berücksichtigt, weil die Vereinheitlichung auf freiwilliger Basis keine erkennbaren Fortschritte erzielt hatte.
Um weitere Regelungen des Gesetzgebers auf diesem Gebiet zu verhindern, war es notwendig, für die Aktivitäten der europäischen Banken zur Vereinheitlichung und Verbesserung des Massenzahlungsverkehrs innerhalb der Europäischen Union einen institutionellen Rahmen zu schaffen. Unter Federführung der europäischen Bankenverbände wurde am 25. und 26. März 2002 ein Workshop in Brüssel durchgeführt, an dem neben den Verbänden auch 42 europäische Großbanken teilnahmen. Auf Basis dieses Workshops wurde im Sommer 2002 das European Payments Council eingerichtet.
Vorrangiges Ziel ist die Verwirklichung des als Single Euro Payments Area (SEPA) bezeichneten einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums, das im Rahmen der Selbstregulierung ohne Eingriff des Gesetzgebers verwirklicht werden soll. Diese Zielsetzung wurde in einem so genannten "Weißbuch" zusammengefasst .
Das European Payments Council ist eine Non-Profit-Vereinigung ("internationale Vereinigung ohne Gewinnerzielungsabsicht") belgischen Rechts. Sitz ist Brüssel. Mitglieder des EPC sind Banken und Bankenverbände aus den Mitgliedsländern der Europäischen Union, der Schweiz, Islands, Norwegens und Liechtensteins. Derzeit umfasst es 64 Mitglieder aus 27 europäischen Ländern. Die Anzahl der Sitze der einzelnen Länder ist abhängig von der Anzahl der Zahlungsverkehrstransaktionen des jeweiligen Landes. Maximal sind pro Land sieben Sitze vorgesehen. Mitglieder aus Deutschland sind derzeit die BayernLB, der Bundesverband deutscher Banken, der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, die Deutsche Bank, der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, die DZ Bank und die WestLB.
Im Dezember 2004 hat das EPC die "Roadmap 2004 - 2010" beschlossen. Vorrangiges Ziel ist darin die Entwicklung der drei neuen europäischen Zahlungsinstrumente SEPA-Überweisung ("SEPA Credit Transfer"), SEPA-Lastschrift ("SEPA Direct Debit") und Debitkartenzahlung. Parallel hierzu werden ein einheitliches Datenformat und Rahmenbedingungen für das Clearing und das Settlement entwickelt. Die neuen Zahlungsinstrumente werden den Endkunden seit dem 28. Januar 2008 zunächst für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr angeboten.
Außenwirtschaftstheorie
Die Außenwirtschaftstheorie (oder Außenwirtschaftslehre) ist ein Teilgebiet der Volkswirtschaftslehre. Sie befasst sich mit allen Fragen, die mit dem grenzüberschreitenden Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital zusammenhängen. Sie wendet dort die Aussagen und Theorien der Makroökonomie und Mikroökonomie an.
Die Außenwirtschaftstheorie gliedert sich heute in drei Stränge: die reale (güterwirtschaftliche) Theorie, die monetäre Theorie und die Theorie wirtschaftlicher Integration. Die reale Außenwirtschaft ist das traditionelle Kernstück der Außenwirtschaftslehre (weswegen sie in älteren Lehrbüchern auch als „reine Außenwirtschaft“ bezeichnet wird). Sie befasst sich mit dem Außenhandelsmarkt und den dort relevanten Größen Ex- und Import.
Insbesondere durch den Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems haben jedoch monetäre Aspekte in den letzten Jahrzehnten eine weit stärkere Bedeutung gewonnen. Die monetäre Außenwirtschaftstheorie hat sich daher seit den 1960ern als zweites bedeutendes Standbein der Außenwirtschaftstheorie herausgebildet. Sie untersucht den Devisenmarkt (und dort insbesondere den Wechselkurs). Beide Ansätze standen lange weitgehend unverbunden nebeneinander.
Als neuester Strang der Außenwirtschaftstheorie haben sich in den letzten Jahrzehnten, insbesondere aber in den 1990er Jahren Theorien zu Fragen der wirtschaftlichen Integration herausgebildet. Sie verknüpfen reale und monetäre Außenwirtschaft und stellen heute den in der Öffentlichkeit am meisten beachteten Strang der Außenwirtschaft dar.
Ein gesondertes Wissensgebiet sind betriebswirtschaftliche Aspekte der Außenwirtschaftslehre, so z. B. der Anbahnung und Abwicklung von Exportgeschäften, der Absicherung gegen Wechselkurs-, wirtschaftliche und politische Risiken.
Adam Smith ging noch davon aus, dass sich Außenhandel nur beim Vorhandensein absoluter Kostenvorteile lohnt.
Der englische Nationalökonom David Ricardo zeigte, dass auch ein Land, das bei allen Gütern über absolute Kostenvorteile verfügt, dennoch Nutzen aus dem Außenhandel ziehen kann, wenn es seine auf Technologieunterschieden beruhendenkomparativen Kostenvorteile ausnutzt. Die Annahmen Ricardos gehen von einem Markt mit nur einem Produktionsfaktor und zwei Gütern aus, welche auf zwei verschiedene Produktionsweisen in zwei verschiedenen Ländern mit mehr oder weniger Aufwand hergestellt werden können. Dies lässt sich durch die Existenz von Technologieunterschieden begründen. Des Weiteren geht er von konstanten Skalenerträgen aus und schließt somit das Aufkommen von Größenvorteilen (economies of scale) grundsätzlich aus. In den von ihm modellierten Volkswirtschaften wird eine Vollbeschäftigung der Produktionsfaktoren angenommen. Quintessenz seiner Überlegungen ist, dass Spezialisierung und Außenhandel die Wohlfahrt aller Länder erhöhen. Dies gilt zumindest dann, wenn sich auf den Weltmärkten ein Austauschverhältnis Terms of Trade herausbildet, bei dem beide Seiten profitieren.
Im Gegensatz zum ricardianischen Modell geht das Heckscher-Ohlin-Theorem von zwei Produktionsfaktoren, nämlich Kapital und Arbeit aus. Es wird dabei von einer Cobb-Douglas Produktionsfunktion mit positiver aber abnehmender Grenzproduktivität der beiden Produktionsfaktoren ausgegangen. Des weiteren unterstellt es international beständige homogene Präferenzen. Laut dem Heckscher-Ohlin-Theorem kommt es bei zwei Volkswirtschaften mit unterschiedlichen Produktionstechnologien (kapital- und arbeitsintensive Produktion) zu keiner vollständigen Spezialisierung wie im ricardianischen Modell. Innerhalb der inländischen Sektoren wandern die Produktionsfaktoren abhängig von den Terms of Trade zwischen dem arbeits- und kapitalintensiven Wirtschaftssektoren. Durch diese Wanderungsbewegungen innerhalb der nationalen Ökonomien entsteht der zum Export notwendige Überschuss. Dem entsprechend wird jedes Land jenen Faktor intensiver nutzen, mit dem es im vergleich zum Ausland im Überfluss ausgestattet ist, da es in derartigen Produktionsstrukturen einen Kostenvorteil besitzt. Jener Faktor gewinnt daher real gegenüber der Autarkiesituation ohne Handel mit dem das Land reichlich ausgestattet ist.
Obwohl ein freier Welthandel nach der Theorie der komparativen Kosten den Wohlstand aller Volkswirtschaften begünstigt, ergriffen und ergreifen Länder protektionistische Maßnahmen zur Beschränkung des Handels. Auch zeigen verschiedene Modellansätze, dass für große Länder deren Handelspolitik Einfluss auf den Weltmarkt und die Terms of Trade nehmen kann durchaus ein Optimalzoll existiert, durch welchen sie die nationale Wohlfahrt auf Kosten der restlichen Welt maximieren können. Diese "beggar-my-neighbour" Strategie funktioniert jedoch nur kurzfristig, da langfristig die von den Zöllen betroffenen Länder reagieren und selbst Handelsbarrieren ihrerseits errichten. Die Vorteile des Freihandels für den Einzelnen werden oftmals von diesem nicht bewusst wahrgenommen, während die Nachteile oft kleine Gruppen (in Deutschland z. B. die Bergarbeiter) sehr hart treffen, die entsprechend laut ihre Interessen artikulieren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Neuordnung des Welthandels 1947 mit der Gründung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT). In seinem Rahmen fanden acht Verhandlungsrunden statt, in denen die Zölle weltweit gesenkt wurden. Die achte Runde (sog. Uruguay-Runde) endete 1995 mit der Gründung der Welthandelsorganisation WTO.
Während im Mittelpunkt der güterwirtschaftlichen Theorie physische Ströme von Waren und Dienstleistungen stehen, betrachtet die monetäre Theorie die denen entsprechenden Geldströme und bezieht auch den internationalen Kapitalverkehr mit ein.
Definitorischer Rahmen für die Abbildung der grenzüberschreitenden Geld- und Kapitalströme ist die Zahlungsbilanz. Diese ist insgesamt gesehen stets ausgeglichen, da alle Ungleichgewichte letztlich durch die Zentralbank ausgeglichen werden, deren Devisenreserven sich entsprechend verändern. Von einer ausgeglichenen Zahlungsbilanz spricht man, wenn sich die Devisenreserven nicht ändern, also die Devisenbilanz ausgeglichen ist. Instrumente zum Zahlungsbilanzausgleich sind der Wechselkurs und der Zins.
Die klassische Annahme der monetären Außenwirtschaftslehre ist, dass sich das Angebot und die Nachfrage auf den Devisenmärkten allein aus dem Außenhandel ergibt: Exporteure erlösen Devisen und bieten sie an, Importeure benötigen zur Bezahlung ihrer Rechnungen Devisen und fragen sie nach. Bildet sich der Wechselkurs frei nach Angebot und Nachfrage, dann beeinflussen Ungleichgewichte in der Zahlungsbilanz den Wechselkurs, und der Wechselkurs beeinflusst wiederum die Zahlungsbilanz. (Bei festen Wechselkursen erfolgt die Anpassung über die Inflationsraten). Hat ein Land einen Überschuss in der Zahlungsbilanz, übersteigt das Angebot auf dem Devisenmarkt die Nachfrage, der Kurs der ausländischen Währung gerät unter Druck bzw. die inländische Währung wertet auf.
Eine Aufwertung der heimischen Währung verteuert aber die Ausfuhren, so dass, eine normale Preiselastizität der Nachfrage vorausgesetzt, im Ausland weniger Exportgüter nachgefragt werden, die Ausfuhren also sinken. Gleichzeitig werden Importgüter billiger, so dass die Einfuhren steigen. Damit verringert sich der Überschuss in der Zahlungsbilanz. Diese hier nur vereinfacht wiedergegebene Argumentation war es, die Ende der sechziger Jahre, als das Bretton-Woods-System fester Wechselkurse zusammenbrach, die Forderung nach flexiblen Wechselkursen laut werden ließ.
Allerdings wird die Zahlungsbilanz in hohem Maße durch Kapitalströme beeinflusst, die zwar auch auf Wechselkurse reagieren, aber auch durch Zinsdifferenzen, Wachstumserwartungen etc. beeinflusst werden.
Noch während des Zweiten Weltkrieges wurde bei einer Konferenz in Bretton Woods die Neuordnung der internationalen Währungsordnung in die Wege geleitet mit Gründung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und seiner Schwesterorganisationen Weltbank und Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD). Die Wechselkursbeziehungen zwischen den IWF-Mitgliedern waren durch das Bretton-Woods-System geregelt, das durch feste Wechselkurse aller Mitgliedsländer gegenüber dem Dollar gekennzeichnet war, für den wiederum ein Goldstandard galt. Als das System Anfang der siebziger Jahre zusammenbrach, bildete sich in Europa das europäische Währungssystem heraus, in dem die stark verflochtenen Länder der Europäischen Union untereinander feste Wechselkurse vereinbarten.
Aufgabe des IWF ist heute vor allem die Überwachung der Stabilität der Währungen ihrer Mitglieder (Surveillance) und die Gewährung von Überbrückungskrediten, um Währungskrisen zu vermeiden. Allerdings verfolgten die IWF-Mitglieder zeitweise informelle Wechselkursziele, so z. B. 1985, als sie in konzertierter Aktion eine außerordentlich starke Aufwertung des Dollar stoppten und 1987, als sie den Fall des Dollar beendeten.
Reale und monetäre Außenwirtschaftslehre werden über die so genannte Integrationstheorie zusammengeführt. Sie ist das Ergebnis der derzeit zu beobachtenden zunehmenden wirtschaftlichen Integration, welche wiederum die direkte Folge vermehrter güterwirtschaftlicher und monetärer Interaktion zwischen Staaten ist.
Das Phänomen der wirtschaftlichen Integration hat sich in den letzten Jahren zu einer dritten Säule der Außenwirtschaftslehre entwickelt, da es in der Öffentlichkeit eine besonders starke Beachtung findet. In diesem Zusammenhang aktuell betrachtete Prozesse sind die Globalisierung und die Globalisierungskritik.
Von der De-facto-Wirtschaftsintegration durch Markt und Wettbewerb zu unterscheiden ist die von Staaten durch Völkerrechtsverträge betriebene institutionalisierte Wirtschaftsintegration durch Gründung verschiedenartiger internationaler Organisationen wie Freihandelszonen, so dass man jeweils sowohl von parallelen Integrations- als auch von Institutionalisierungsprozessen sprechen muss.
Beispiele für derartige Integrationsformen sind die Europäische Union, der Deutsche Zoll- und Handelsverein (1834-1871), das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) oder der Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN). Die regionale Integration wird auf globaler Ebene begleitet und gefördert von der Welthandelsorganisation (WTO) mit ihren wichtigsten Pfeilern GATT und GATS.
Zur Untersuchung dieser Zusammenhänge verfügt die Außenwirtschaftslehre jedoch bisher über ein vergleichsweise kleines theoretisches Spektrum. In den letzten Jahrzehnten haben sich erst wenige Integrationstheorien herausgebildet, jedoch gibt es vor allem im Bereich der Währungsintegration eine ganze Reihe wissenschaftlicher Arbeiten, die unter dem Schlagwort Theorie optimaler Währungsräume zusammengefasst werden.
Insbesondere bei institutionalisierten Wirtschaftsintegrationen haben die traditionellen Außenwirtschaftslehren und Integrationstheorien das theoretische und praktische Problem, über keine Kriterien zu verfügen, wann anfänglich außenwirtschaftlich - internationale Integrationen einen solchen Verdichtungs- (Konvergenz-, Vernetzungs-, Konzentrations-, Synergie-)grad erreichen, dass sie in eine einzige Volkswirtschaft (Binnenwirtschaft, Nationalökonomie) umschlagen. Insbesondere Rechtsvereinheitlichung (Abschaffung von Binnengrenzen, Schaffung eines Binnenmarktes, Rechtssicherheit usw.) sind von einseitig wirtschaftlichen Integrations-Lehren nur mühsam zu bewältigen.
Im Rahmen der Globalisierungsdebatte hat sich v. a. in den 1990er Jahren eine teils scharfe Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern entwickelt. Das theoretische Rüstzeug hierzu bilden bis heute v. a. die bekannten Außenhandelstheorien, denen Globalisierungskritiker jedoch die übergreifende Aussagekraft absprechen.
Als weltweit erfolgreichstes Integrationsprojekt hat sich bis heute die Europäische Union (seit 1957) bewiesen, da sie durch supranationales EU-Einheitsrecht die früher rechtlich selbständigen Außenwirtschaften der EU-Staaten aufgehoben und zu einer verfassungs- und außenwirtschaftsrechtlich einzigen, allerdings wirtschaftspolitisch weiterhin föderalen Binnenwirtschaft ohne Binnengrenzen verschmolzen hat. Sie hat als einzige der vielen in der Welt begonnenen Integrationen erfolgreich nacheinander mehrere, immer komplexere Stufen der Integration erklommen und verwirklicht, indem sie von der anfänglichen Zollunion über den Gemeinsamen Markt bis zum vollendeten Binnenmarkt mit Binnenhandel (1992) qualitativ und quantitativ erweitert und vertieft worden ist. Sie ist heute eine reife Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) mit tiefreichender Rechtseinheit nach innen und außen, die mit weiteren Integrationssäulen teilweise sogar eine politische Union mit Verfassung ist, die immer mehr dem Nationalen gleichkommt.
Die Außenwirtschaftslehre misst der europäischen Integration mehrheitlich einen stark positiven Nutzen bei. EU-Mitgliedsländer wie Irland, Spanien, Portugal oder die MOEL haben als EU-Inland nicht zuletzt aufgrund der fruchtbaren einheitlichen institutionellen Rahmenbedingungen der grenzfreien EU-Binnenwirtschaft mit Konvergenz und Vernetzung, Strukturveränderungen und Arbeitsteilung bei der Produktion sowie Synergie-Effekten im Handel ein beachtliches ökonomisches Wachstum erzielt.
In Europa hatte sich parallel zur EU die EFTA (European Free Trade Association) gegründet, die meisten ihrer Mitglieder traten aber nach und nach der EU bei. In Osteuropa war als Gegenpol zur Marshallplanhilfe der Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW, COMECON) entstanden, der sich 1991 mit dem Ende des planwirtschaftlichen Systems auflöste.
In Nordamerika wurde die US-kanadische Freihandelszone 1994 durch den Beitritt Mexikos die NAFTA (Nordamerikanische Freihandelszone) gebildet. In Südamerika gründeten Argentinien, Uruguay, Brasilien und Paraguay den Mercosur. In der Planung ist eine panamerikanische Freihandelszone FTAA.
In Asien steht die regionale wirtschaftliche Integration noch am Anfang. In Südostasien existiert zwar schon seit 1967 die ASEAN, jedoch unternehmen ihre Mitglieder erst gegenwärtig erste Schritte in Richtung einer Freihandelszone.
Aus betrieblicher Sicht sind grenzüberschreitende Geschäfte mit besonderen Risiken verbunden: Dadurch, dass Geschäfte immer einem ausländischen Außenhandels- bzw. Außenwirtschaftsrecht unterliegen und häufig in fremden Währungen fakturiert werden, ergibt sich die Notwendigkeit einer Absicherung gegen Wechselkursrisiken (z. B. durch Hedging). Dadurch, dass die Transportwege länger sind, entstehen auch größere Transportrisiken als im Binnenhandel. Deshalb sind klare Absprachen zu treffen, wo Risiken vom Versender auf den Empfänger übergehen und wer welche Kosten zu tragen hat. Um hier klare Regeln zu schaffen, werden in Verträgen international eindeutig definierte Handelsklauseln verwendet.
Ferner unterliegt Außenhandel besonderen Länder- und politischen Risiken. Eine staatlich garantierte Absicherung gegen solche Risiken bilden in Deutschland die Hermes-Bürgschaften. Eine Absicherung im Außenhandel ist z. B. auch durch Dokumentenakkreditiv möglich.
Außerdem kann es schwierig sein, Forderungen gegen Vertragspartner durchzusetzen, deren Rechtssitz im Ausland liegt und auf die daher das inländische Recht nicht anwendbar ist.
Neben wirtschaftlichen Interessen tragen ebenfalls politische Motive eines Staates zur Ausrichtung der nationalen Handelspolitik bei: Typisch hierfür sind gegenseitige Handelsvergünstigungen oder Freihandelsabkommen, die einem Staat als Belohnung für dessen Gefolgschaft angeboten werden, und die Errichtung von Handelsbarrieren oder Embargos, durch die eine Nation unter Druck gesetzt wird, ohne dass militärische Gewalt angewendet werden muss. Zusätzlich kann die Außenhandelspolitik eines Staates durch Lobbys von innen her beeinflusst werden, wenn diesen beispielsweise aufgrund geplanter Marktöffnungen ein wirtschaftlicher Nachteil droht.
Damit die staatlichen Handelspolitiken jedoch keinem einseitigen Machtstreben dienen, versucht die WTO durch international verbindliche Regeln ein größtmögliches Maß an Gerechtigkeit zwischen ihren Mitgliedern herzustellen. Bei Erreichung dieses Ziels wird sie vor allem vom Gedankengut des neoliberalen Institutionalismus bestimmt, dessen Ursprünge bereits in der Epoche der Aufklärung liegen: Immanuel Kant entwickelte in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ das Modell eines weltweit gültigen Völkerrechts und wies die friedensstabilisierende Wirkung des zwischenstaatlichen Handels nach. Eingang in die Politik der Nationen fand sein Gedankengebäude jedoch erst nach dem ersten Weltkrieg in Form von Wilsons 14 Punkten, in denen die Freiheit der Meere in Friedens- und in Kriegszeiten, der Abbau möglichst aller Handelsschranken und die Schaffung gleicher Handelsbedingungen auf internationaler Ebene sowie die Einrichtung eines Völkerbundes gefordert wurden.
Ausgangspunkt des neoliberalen Institutionalismus ist das Menschenbild des Idealismus, nach dem der Mensch von Natur aus gut und friedliebend, vernunftbegabt und lernfähig ist. Auf den Staat bezogen bedeutet es, dass dessen Streben auf Frieden, Gleichheit, Solidarität und Abrüstung gerichtet ist und dies durch die Lernfähigkeit des Menschen auch erreicht werden kann. Voraussetzungen hierfür sind die Kooperation und Integration der Nationen innerhalb einer gemeinsam organisierten festen Ordnung, sodass Kommunikation zur Lösung des Gefangenendilemmas, Vertrauen und gegenseitige Abhängigkeiten hergestellt werden können. Das Ziel eines liberalen Freihandels kann demnach nur mithilfe eines institutionellen Rahmens, der WTO, verwirklicht werden.
Wirtschaftsraum
Ein Wirtschaftsraum ist ein Teilabschnitt der Erdoberfläche, der durch bestimmte wirtschaftliche Strukturmerkmale und funktionale Verflechtungen gekennzeichnet ist und sich durch seine individuelle Struktur von den ihn umgebenden Teilabschnitten abhebt. Dabei unterscheidet man zwischen staatlichen Wirtschaftsräumen (administrative Abgrenzung), wirtschaftlichen Eignungsräumen (Abgrenzung aufgrund natürlicher Faktoren) und strukturell-funktional bestimmten Wirtschaftsräumen. Die Gesamtheit aller in einem Wirtschaftsraum verbundenen und gegenseitig abhängigen Sektoren wird als Volkswirtschaft bezeichnet.
Die EU steht im Wettbewerb mit den beiden anderen großen Wirtschaftsräumen. Die wirtschaftlich wichtigsten Staaten, die den größten Anteil am Welthandel haben, gehören diesen Wirtschaftsräumen an. (NAFTA Nordamerikanische Freihandelszone mit USA, Kanada und Mexiko; Japan, Südkorea, ASEAN-Staaten mit Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam). Mit der Erweiterung der Europäischen Union auf 27 Mitgliedstaaten ist der europäische Wirtschaftsraum der größte gemeinsame Markt der Welt.
Immer mehr Menschen sind direkt oder indirekt durch weltweite Verflechtungen in Wirtschaft, Kultur und Politik betroffen: Konzerne sind auf der ganzen Welt tätig, Staaten schließen sich zu Bündnissen zusammen, TV-Serien werden weltweit gezeigt ...
Mit zahlreichen Handelsbarrieren und Zöllen wehren sich aber die Industrieländer vor allem gegen billige Agrarprodukte aus Entwicklungsländern. Dadurch werden arme Staaten daran gehindert, ihre einzigen Wettbewerbsvorteile – billige Rohstoffe und preiswerte Arbeitskraft - zu nutzen und sich mehr Wohlstand zu erarbeiten (Agrarprotektionismus). Schutzzölle erheben nicht nur die Industrieländer und ganz besonders die Europäische Union in der Agrarpolitik. Auch viele Schwellen- und Entwicklungsländer schotten sich mit hohen Zöllen und anderen Handelsbarrieren dort ab, wo es um unliebsame Konkurrenz geht (Schutzzölle).
Die Globalisierung wurde erleichtert und beschleunigt durch die Gründung verschiedener internationaler Organisationen wie der OECD-Organization for Economic Co-operation and development, den Vereinte Nationen, des Internationalen Währungsfonds, der World Trade Organization (WTO) und nicht zuletzt der Weltbank.
Durch Handelsabkommen werden zwar oftmals die formalen Handelsbarrieren beseitigt, die Bedeutung nationaler Grenzen werden aber kaum aufgehoben. Der Handel zwischen Regionen ein und desselben Landes ist meist größer als der Handel zwischen geografisch vergleichbar gelegenen Regionen verschiedener Länder. Ein gutes Beispiel ist die Grenze zwischen den USA und Kanada. Diese beiden Länder haben ein Freihandelsabkommen unterzeichnet noch vor der Unterzeichnung des NAFTA (North American Free Trade Agreement). Die Überschreitung der Landesgrenze ist hier nur mit einem minimalen bürokratischen Aufwand verbunden. Die meisten Kanadier beherrschen die englische Sprache und doch übersteigt der Handel zwischen den Provinzen Kanadas denjenigen mit den USA bei weitem.
Im Bild:Tabelle 1 wird am Beispiel der kanadischen Provinz British Columbia dargestellt, wie gravierend das Ausmaß dieser Unterschiede sein kann. Die Lage der Provinzen und Bundesstaaten ist im Bild:Karte Nordamerika genauer zu erkennen. Es wird hier jeder kanadischen Provinz ein US-Bundesstaat zugeordnet, welcher ungefähr so weit von ihr entfernt liegt wie British Columbia. In allen Fällen ist der Handel zwischen den eigenen Provinzen Kanadas viel größer als der Handel mit den fast gleich weit entfernten US-Bundesstaaten. Durch die Daten aus Bild:Tabelle 1 und weiterer Schätzungen über eine mögliche Wirkung von Entfernungen (Gravitationsmodell) auf den Handel, wurde von Wirtschaftswissenschaftlern errechnet, das der Handel zwischen de USA und Kanada durch die Grenze eben so stark beeinträchtigt wird, wie bei einer Entfernung von 2400-4000 km. Und das, obwohl diese Grenze zu den offensten Staatsgrenzen der Welt gehört.
Warum sich Grenzen so negativ auf den Außenhandel auswirken ist immer noch Gegenstand aktueller Forschungen und ein Schwerpunkt dieser Forschung ist z.B. die Wirkung verschiedener nationaler Währungen auf den Außenhandel.
Wirtschaftliche Grenzen hindern Unternehmen am freien Zugang zu ausländischen Beschaffungs-, Absatz- und Arbeitsmärkten. So wie es zwischen einzelnen Ländern politische Grenzen gibt, die das Reisen erschweren können, weil man Visa und andere Papiere benötigt, gibt es auch wirtschaftliche Grenzen. Früher wurden in den Ländern Europas auf ausländische Erzeugnisse Steuern erhoben, und für den Verkauf galten unterschiedliche Regelungen. Diese Regelungen werden Handelshemmnisse genannt.
Je offener und unbedeutender Grenzen sind, desto nachhaltiger gestalten sich die Handelsströme bzw. außenwirtschaftlichen Relevanzen. Innerhalb der Grenzen besteht eine bessere Mobilität der Produktionsfaktoren (Boden, Arbeit). Außerhalb der Grenzen behindern Sprachbarrieren und gesetzliche Beschränkungen den Handel zwischen den Nationen. Andere Nationen - andere politische Systeme (unterschiedliche marktwirtschaftliche Ordnungen und Regelungen). Also hat die Wirtschaftspolitik einen erheblichen Einfluss auf den Außenhandel. Außerdem wird der Handel zwischen den Ländern noch durch Reglementierungen (Zölle) erschwert. Verschiedenartige klimatische, geografische und historische Faktoren führen zu unterschiedlichen Kundenpräferenzen der einzelnen Länder und dadurch auch zu unterschiedlichen Produktionsstrukturen. Die ungleiche Währung der verschiedenen Länder hat ebenfalls einen negativen Einfluss auf den Außenhandel.
Grenzen können Trennfunktionen (Begrenzung von Rechtsräumen, Ein- und Ausfuhrkontrollen, fiskalische Kontrollen durch Zölle und Steuern) und oder Kontaktfunktionen (Zusammenbringen zweier Gesellschaftssysteme) besitzen.
Bei diesen Grenzen überwiegt die trennende Funktion und diese behindert die wirtschaftliche Entwicklung im Grenzgebiet. Märkte können wegfallen oder auch gar nicht erst entstehen. In diesem Fall durchschneidet die nationale Grenze den Wirtschaftsraum und senkt die Standortattraktivität für Unternehmen in den Grenzgebieten.
Wenn die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Nationen sich mehr offen gestaltet, als Grenzen an sich aber erhalte bleiben, kann von einer Filterfunktion gesprochen werden. Dadurch konnte es in grenznahen Gebieten zu Positions- und oder Differentialrenten. Unternehmen können dann sowohl den ausländischen als auch den inländischen Markt bearbeiten oder aber bestimmte Arbeitsgänge ins grenznahe Ausland verlagern (Positionsrente). Ausländische Arbeitskräfte können bei unterschiedlichen Lohn- und Preisniveau kostengünstiger beschäftigt werden (Differentialrente).
Sind die Grenzen dagegen so weit geöffnet, dass die eigentliche Trennfunktion fast völlig verloren gegangen ist und die Kontaktfunktion überwiegt, gleicht sich das Lohn- und Preisniveau langsam an. Es entsteht ein integrierter "normaler" Markt. Durch die Zunahme der internationalen Wirtschaftsbeziehungen und Verflechtungen als auch durch das Zusammenwachsen von Märkten über die Grenzen einzelner Staaten hinaus wird die Globalisierung der Wirtschaft begünstigt.
Verschiedene Wirtschaftsräume (Staaten) haben voneinander abweichende Rahmenbedingungen für ihre wirtschaftliche Tätigkeit. Einerseits sind das natürliche Ungleichheiten zwischen den Wirtschaftsräumen wie z.B. die Ausstattung mit Produktionsfaktoren oder bei der Produktivität der Arbeitskräfte andererseits beruhen diese auf unterschiedlichen künstlichen Regulierungsmaßnahmen (Steuersätze, Arbeitsmarktregeln, Förderpolitik) Diese abweichenden Rahmenbedingungen führen zu international unterschiedlichen Preisen, Löhnen und Zinssätzen. Wenn diese Differenzen nicht auf Qualitätsunterschieden beruhen, lassen sie sich nur so lange aufrecht erhalten, wie die betreffenden Märkte durch undurchlässige Grenzen voneinander getrennt sind.
Eine Grenzöffnung bewirkt Preisänderungen und einen Strukturwandel. Da sich dann bei bestimmten Gütern die Produktion durch sinkende Preise nicht mehr lohnt kommt es zu höheren Importen in den entsprechenden Bereichen. Auf der anderen Seite kommt es zu neuen Expotmöglichkeiten, weil sich die Produktion anderer Güter rentabler gestaltet. Die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital finden alternative Verwendungsmöglichkeiten als ohne Marktöffnung.
Dieser Strukturwandel dient als Triebfeder wirtschaftlichen Fortschritts und garantiert die Anpassung der Volkswirtschaft an sich veränderte Gegebenheiten.
Eines der Hauptziele der Länder der Europäischen Union waren die Wechselkurse untereinander festzulegen. Diese festen Wechselkurse sollten die Schaffung eines gemeinsamen Binnenmarktes unterstützen. Am 1. Januar 1999 führten 11 EU-Länder den Euro als gemeinsame Währung ein. Diese gemeinsame Währung wurde vom ESZB (Europäisches System der Zentralbanken) ausgegeben.
Auch in der EWWU (Europäische Wirtschafts- und Währungsunion)] werden nicht alle Kriterien eines optimalen Wirtschaftsraumes erfüllt. Es wurden zwar viele Hindernisse durch die Schaffung des Europäischen Binnenmarktes innerhalb der EU beseitigt, und auch der EURO hat den innereuropäischen Handel scheinbar gefördert, der Handel innerhalb der EU bleibt aber dennoch beschränkt.

