Cristiano Ronaldo

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Geschrieben von goldorak 21/04/2009 @ 14:14

Tags : cristiano ronaldo, fussballspieler, fussball, sport

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Cristiano Ronaldo

Cristiano Ronaldo als Spieler von Manchester United.

Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro (* 5. Februar 1985 in Funchal, Madeira, Portugal) ist ein portugiesischer Fußballspieler. Er steht derzeit bei Manchester United unter Vertrag und ist zudem aktueller Nationalspieler seines Landes. In seinem Verein agiert er vornehmlich als Flügelstürmer auf der rechten Seite, kommt aber zeitweilig auch im Angriffszentrum oder als zweiter Stürmer in vorderster Linie zum Einsatz. Cristiano Ronaldo wurde sowohl zu Europas Fußballer des Jahres als auch zum Weltfußballer des Jahres 2008 gewählt.

Bereits im Alter von drei Jahren trat Cristiano Ronaldo erstmals gegen den Ball und als er sechsjährig die Grundschule besuchte, war seine Leidenschaft für den Fußballsport offensichtlich. Er entwickelte Sympathien für Benfica Lissabon, obwohl er sich später für dessen Lokalrivalen Sporting Lissabon entscheiden sollte. Sein erster Verein war aber der Amateurklub CF Andorinha. In dem Klub, bei dem sein Vater als Zeugwart arbeitete, spielte Ronaldo ab dem Alter von acht Jahren und im Laufe der nun folgenden zwei Jahre begann er sich landesweit einen Namen zu machen. Mit Nacional Funchal und Marítimo Funchal zeigten sich 1995 die beiden führenden Vereine auf Madeira an einer Verpflichtung des jungen Talents interessiert. Die Wahl fiel schließlich auf den kleineren Verein von Nacional, nachdem Vertreter von Marítimo ein Treffen mit dem Berater Ronaldos bei Adorinha hatten platzen lassen.

Bei seinem neuen Verein gewann er eine Jugendmeisterschaft und absolvierte 1997 ein dreitägiges Probetraining bei Sporting Lissabon. Für eine nicht bekannte Ablösesumme (bzw. „Ausbildungsentschädigung“) wechselte Ronaldo später schließlich zu dem Hauptstadtverein.

In der Kaderschmiede von Sporting Lissabon trainierte Ronaldo fortan in Alcochete mit anderen Jugendspielern des Vereins unter professioneller Führung. Dabei hatte er anfänglich Akzeptanzprobleme bei den Kameraden, die zumeist aus der näheren Umgebung Lissabons entstammten und sich über Ronaldos spezifischen Dialekt aus Madeira lustig machten. Zur persönlichen Unterstützung sollte sich schließlich seine Mutter um den jungen Teenager vor Ort kümmern. Auch ein extremer Wachstumsschub stand seiner weiteren sportlichen Entwicklung zunächst einmal im Wege. Dennoch sollte Ronaldo später der erste Jugendliche in der Vereinsgeschichte von Sporting Lissabon sein, der binnen einer Saison für die U-16-, U-17-, U-18-, die Reserveauswahl und für das Profiteam zum Einsatz kam. Dabei debütierte er am 29. September 2002 gegen Sporting Braga und schoss bereits bei seinem zweiten Spiel für die A-Mannschaft am 7. Oktober 2002 gegen den Moreirense FC zwei Tore zum 3:0-Sieg. Zudem stand Ronaldo im portugiesischen Kader zur U-17-Europameisterschaft 2002 in Dänemark.

Durch seine Leistung bei der U-17-EM fiel er auch der internationalen Fußballwelt auf. Zunächst entdeckte mit Gérard Houllier der damalige Trainer des FC Liverpool den 17-jährigen Spieler. Verpflichtungspläne sollten aber schließlich daran scheitern, dass Ronaldo als noch zu jung eingestuft wurde und nach Meinung der Verantwortlichen noch Zeit benötigte, um sich zu einem Spitzenfußballspieler zu entwickeln. Im Sommer 2003 kam es dann jedoch zur Begegnung mit Alex Ferguson und dessen Verein Manchester United, als Sporting den englischen Großverein anlässlich der Eröffnungsfeierlichkeiten des José-Alvalade-Stadions in Lissabon mit 3:1 besiegte. Dabei demonstrierte Ronaldo auf beiden Außenpositionen seine Leistungsfähigkeit und beeindruckte seine Gegenspieler durch ein trickreiches Spiel derart, dass diese ihren Trainer auf einen möglichen Transfer des jungen Portugiesen ansprachen.

Im August 2003 wechselte Ronaldo zu Manchester United. Da Ferguson primär nach dem Wechsel von David Beckham zu Real Madrid auf der Suche nach einem Nachfolger auf der rechten Mittelfeldposition war, entschied er sich schließlich zur Verpflichtung von Cristiano Ronaldo, der damit auch zum ersten Portugiesen in der Vereinsgeschichte von Manchester United wurde. Der 17,5-Millionen-Euro-Kauf erhielt bei seiner Ankunft das renommierte Trikot mit der Rückennummer 7, das zuvor von Vereinslegenden wie George Best, Bryan Robson, Éric Cantona und Beckham getragen worden war. Um diesem Druck zu entgehen, hatte Ronaldo ursprünglich mit der 28 die gleiche Trikotnummer wie bei Sporting gewählt. Ferguson bestand jedoch darauf, dass sein neuer Spieler künftig mit der geschichtsbeladenen Nummer 7 auflaufen sollte.

Am 16. August 2003 kam Ronaldo in der 60. Minute zu seinem ersten Spiel für Manchester United, als er in Old Trafford mit 4:0 gegen die Bolton Wanderers siegreich blieb. In seinen ersten beiden Spielzeiten belegte er mit United jeweils den dritten Platz in der Meisterschaft und gewann 2004 mit dem FA Cup seinen ersten englischen Titel. In der Anfangsphase der Saison 2005/06 erzielte er bei der 1:4-Niederlage gegen den FC Middlesbrough den 1.000 Premier-League-Treffer des Vereins und ließ im Februar jeweils einen „Doppelpack“ gegen den FC Fulham und beim FC Portsmouth im Fratton Park folgen. Am Ende der Saison hatte Ronaldo mit neun Toren so viele Treffer erzielt, wie in den beiden Spielzeiten zuvor gemeinsam. Eine erste namhafte Ehrung war 2005 die Auszeichnung zum besten Jungprofi der FIFPro, die er im anschließenden Jahr verteidigen sollte. Bei der Weltfußballer-Wahl 2005 belegte er den 20. Platz.

In der Saison 2006/07 spielte Ronaldo besser denn je, obwohl nach der WM 2006 infolge der Ereignisse des Spiels gegen England viele Wechselgerüchte auftraten und er in den anfänglichen Spielen von den eigenen wie gegnerischen Fans bei eigenem Ballkontakt ausgepfiffen wurde. Durch seine beständig guten Leistungen ließen die Unmutsbekundungen im United-Anhang jedoch schnell wieder nach und Ronaldo konnte in dieser Spielzeit endgültig seinen Durchbruch zu einem der besten Spieler der Premier League feiern. Mit insgesamt 17 Ligatreffern entwickelte er sich zudem immer mehr zu einem Torjäger. Im November 2006 wurde er zum „Spieler des Monats“ gewählt und im Monat darauf sorgten sechs Tore in drei Spielen dafür, dass er mit bis dato 12 Toren der einflussreichste United-Spieler in der laufenden Saison war (die Auszeichnung zum besten Spieler des Monats verteidigte er folgerichtig im Dezember). Auch seine Spielanlage innerhalb der Mannschaft hatte mittlerweile an Reife zugelegt und seine vormals noch egozentrische Spielweise hatte sich in ein gutes Passspiel gewandelt. Am 5. Mai 2007 sorgte er mit seinem insgesamt 50. Pflichtspieltor für Manchester United für den entscheidenden Treffer zum 1:0-Sieg gegen Manchester City, der die erste Meisterschaft für United nach vier Jahren sicherstellte. Am 10. April 2007 hatte er zuvor während des Champions-League-Viertelfinalspieles gegen den AS Rom seine ersten beiden Tore in der „Königsklasse“ (von insgesamt dreien in dieser Spielzeit) erzielt. Auch persönliche Auszeichnungen hatte er während der Spielzeit gesammelt. Dazu zählte seine Wahl von der Spielervereinigung PFA zum besten Spieler des Jahres und zum besten Jungprofi im April 2007. Diesen doppelten Titel hatte zuletzt Andy Gray 30 Jahre zuvor einfahren können. Gemeinsam mit gleich sieben Mannschaftskameraden von United wurde er schließlich in das „Team der Saison“ gewählt und gewann mit der Fan-Auszeichnung („PFA Fans' Player of the Year“) auch die dritte von der PFA durchgeführte Wahl. Auch die einheimischen Journalisten standen dieser Meinung nicht nach und wählten Ronaldo im Mai 2007 ebenfalls zu Englands Fußballer des Jahres 2007.

Wie bereits im Jahr zuvor, mehrten sich auch gegen Ende der Saison 2006/07 Wechselgerüchte in Verbindung mit der Person von Cristiano Ronaldo - darunter war vor allem die schlagzeilenträchtige Offerte von Real Madrid in Höhe von angeblich 80 Millionen Euro. Dessen ungeachtet bestätigte Ronaldo im März 2007 jedoch die laufenden Vertragsverlängerungsverhandlungen bei Manchester United, die schließlich darin endeten, dass er am 13. April 2007 einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag unterzeichnete. Mit diesem neuen Kontrakt, der Ronaldo mutmaßlich 120.000 Pfund pro Woche einbringt, wurde der Portugiese zum bestbezahlten Spieler in der Geschichte von Manchester United.

Die Spielzeit 2007/08 begann nach einer Unsportlichkeit mit einer roten Karte im Spiel gegen den FC Portsmouth. Im Anschluss an die folgende Sperre stand Ronaldo in der Champions League seinem ehemaligen Verein Sporting Lissabon gegenüber. Dabei schoss er in der 60. Minute den einzigen Treffer zum 1:0-Sieg und erhielt für seine demonstrative Verweigerung einer Jubelgeste stehende Ovationen seines ehemaligen Anhangs. Sowohl in dem europäischen Vereinswettbewerb als auch in der Premier League wusste Ronaldo fortwährend durch seine bereits in der Vorsaison gezeigten Torjägerqualitäten zu überzeugen. Mit insgesamt fünf Toren in der Gruppenphase war Ronaldo letztlich maßgeblich am Gruppensieg seiner Mannschaft und dem daraus resultierenden Einzug in das Achtelfinale der Königsklasse beteiligt. Am 2. Dezember 2007 landete der Portugiese bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres mit 277 Punkten hinter Kaká (444) auf dem zweiten Platz. Nur zwei Wochen später - am 17. Dezember - verpasste er bei der Wahl zum Weltfußballer des Jahres als Drittplatzierter hinter Kaká und Lionel Messi erneut eine Auszeichnung. Mit seinem bereits 23. Ligatreffer am 19. Januar 2008 beim 2:0-Sieg gegen den FC Reading konnte er seine Torausbeute der gesamten Vorsaison in Bezug auf alle Pflichtspiele bereits vorzeitig einstellen. Am 4. März 2008 sicherte er seinem Team mit seinem 1:0 Siegtreffer im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Olympique Lyon den Einzug ins Viertelfinale. Am 11. Mai 2008 konnte er mit Manchester United durch einen Sieg am letzten Spieltag die erfolgreiche Titelverteidigung der englischen Meisterschaft feiern. 10 Tage später erzielte Ronaldo den ersten Treffer im Finale der UEFA Champions League gegen den FC Chelsea. Als das Spiel nach dem Ausgleich von Lampard in die Verlängerung und schließlich ins Elfmeterschießen ging, versagten dem Portugiesen ausgerechnet hier die Nerven. Dennoch konnte Manchester United den Fußball-Krimi am Ende für sich entscheiden und Ronaldo den ersten europäischen Vereinspokal seiner Karriere emporheben.

Im Anschluss an diesen Erfolg erhielt Ronaldo eine Reihe an Auszeichnungen: Er wurde sowohl von den Fans als auch von den Journalisten und Spielerkollegen zu Englands Fußballer des Jahres 2008 gewählt und sicherte sich mit 31 Treffern in der Premier League nicht nur den Titel des Torschützenkönigs, sondern auch den Goldenen Schuh der UEFA als bester Torschütze Europas. Darüber hinaus wurde Ronaldo von der UEFA zum besten Stürmer und letztlich auch zum besten Spieler der vergangenen Champions League-Saison gekürt. Addiert man die Tore, die der Portugiese im Verlauf der Saison 2007/08 in den verschiedenen Wettbewerben erzielte, so traf Ronaldo in 49 Spielen sagenhafte 42 Mal (31 Premier League-Tore, 8 Champions League-Tore, 3 Pokal-Tore), eine Quote, mit der er beinahe den internen Vereinsrekord von Manchester United eingestellt hätte, der 1964 mit 46 Toren von Denis Law aufgestellt wurde.

Zu Beginn der Saison 2008/09 war Ronaldo verletzungsbedingt zum Zuschauen verurteilt. Am 17. September 2008 feierte er sein Comeback in einem torlosen Gruppenspiel der Champions League gegen Villarreal. Sein erstes Tor in der neuen Spielzeit erzielte Ronaldo am 23. September bei einem 3:1-Sieg im Pokalspiel gegen den FC Middlesbrough. Am 15. November führte er Manchester United mit zwei Freistoßtoren gegen Stoke City zu einem 5:0-Erfolg, wobei er sein 100. und 101. Pflichtspieltor für den englischen Club erzielte. Am 2. Dezember 2008 erhielt er eine weitere Auszeichnung und wurde zu Europas Fußballer des Jahres ernannt. Kurz vor Jahresende sicherte sich der Portugiese mit seiner Mannschaft den Gewinn der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft. Die endgültige Krönung folgte am 12. Januar 2009 in Zürich, als Ronaldo von der FIFA zum Weltfußballer des Jahres gekürt wurde. Im März gewann Ronaldo mit Manchester United das Finale um den englischen Ligapokal gegen die Tottenham Hotspurs. Hierbei traf der Portugiese im spielentscheidenden Elfmeterschießen. Anfang April erzielte er beim 3:2-Sieg über Aston Villa mit den Saisontreffern 14 und 15 seinen bereits 20. Doppelpack in der Premier League. Zwei Wochen später sicherte er Manchester United mit einem Fernschusstor aus über 30 Metern gegen den FC Porto den Einzug ins Halbfinale der UEFA Champions League.

Cristiano Ronaldo hatte bereits im Jahre 2002 für die Auswahl Portugals bei der U-17-Europameisterschaft gespielt und war zudem Bestandteil der U-18- und U-21-Nationalmannschaft. Am 20. August 2003 debütierte er in der A-Nationalmannschaft als Einwechselspieler in der zweiten Halbzeit der Partie gegen Kasachstan. Während der Euro 2004 im eigenen Land war er der jüngste Spieler im Team und schoss im Eröffnungsspiel gegen Griechenland ein Tor bei der 1:2-Niederlage sowie im Halbfinale gegen die Niederlande einen Treffer zum 2:1-Sieg. Obwohl er mit dem portugiesischen Team im Finale dem Eröffnungsspielgegner Griechenland mit 0:1 unterlag und nur Vize-Europameister wurde, hatte er sich mit seiner Leistung in die „Mannschaft des Turniers“ gespielt. Weiterhin nahm er an den Olympischen Spielen 2004 in Athen teil, kam dort in den Spielen gegen den Irak (2:4) und Marokko (2:1) zum Einsatz und schied trotz eines Treffers gegen die Nordafrikaner nach einer weiteren 2:4-Niederlage gegen Costa Rica mit seinem Team bereits in der Vorrunde aus.

Während der Qualifikation zur WM 2006 in Deutschland war Ronaldo mit sieben Treffern der zweitbeste Torschütze in der UEFA-Zone. Im Weltmeisterschaftsturnier selbst erzielte er per Elfmeter sein erstes WM-Endrunden-Tor gegen den Iran. Im Achtelfinale gegen die Niederlande schied er nach einem Zweikampf gegen Khalid Boulahrouz verletzt aus, kehrte im Anschluss an den 1:0-Sieg jedoch in der Runde der letzten acht Mannschaften gegen England zurück. Dort gewann er mit seinem Team nach Elfmeterschießen, nachdem sein Team zuvor aufgrund einer roten Karte für Ronaldos United-Mannschaftskamerad Wayne Rooney in Überzahl gespielt hatte. Besondere Brisanz erhielt diese Hinausstellung deswegen, weil Rooney eine Tätlichkeit an Ricardo Carvalho begangen hatte und Ronaldo ein unsportliches Verhalten wegen angeblicher Beeinflussung des Schiedsrichters in seiner Entscheidung attestiert wurde. Dies führte dazu, dass sich Ronaldo auch noch nach dem Turnier bei seiner Rückkehr nach Manchester weitgehenden Anfeindungen aus den britischen Boulevardmedien konfrontiert sah. Die Weltmeisterschaft selbst beendete Ronaldo nach zwei Niederlagen gegen Frankreich (0:1) und Deutschland (1:3) auf dem vierten Platz. Bei der Wahl zum besten Jungspieler des Turniers gehörte Ronaldo zu den fünf nominierten Akteuren und unterlag anschließend dem deutschen Stürmer Lukas Podolski. Auch hier wirkte sich das angeblich unsportliche Verhalten des Portugiesen negativ auf seine Wahlchancen aus; die zuständige FIFA-Kommission bezeichnete eine gewisse „Anständigkeit“ als Kriterium bei der Entscheidungsfindung.

Nur einen Tag nach seinem 22. Geburtstag führte Cristiano Ronaldo am 6. Februar 2007 erstmalig Portugal als Kapitän aufs Spielfeld. Anlass war ein Freundschaftsspiel gegen Brasilien; die Ernennung geschah auf ausdrücklichen Wunsch des portugiesischen Verbandspräsidenten Carlos Silva, der zwei Tage zuvor verstorben war. Portugals Trainer Luiz Felipe Scolari äußerte zwar, dass er Ronaldo als zu jung für dieses Amt ansah, aber Silva diesen Gefallen zu tun bereit war. Zur erfolgreichen Qualifikation für die EM 2008 steuerte Ronaldo erneut insgesamt acht Treffer bei.

Ronaldo ist ein beidfüßiger Spieler, erreicht also mit beiden Füßen eine in etwa gleiche Schusshärte und -präzision. Er kann in der Offensive sowohl auf dem linken wie auch auf dem rechten Flügel oder im Angriffszentrum eingesetzt werden. Durch diese Vielseitigkeit erlaubt dies vor allem ein taktisches Wechselspiel auf beiden Außenseiten mit einem Mitspieler auf dem anderen Flügel, das für Konfusion in der gegnerischen Abwehrformation sorgen kann. Als große Stärke gilt vor allem seine außergewöhnlich gute Technik. Neben seinem Markenzeichen, dem mehrfachen „Übersteiger“, hat sich Ronaldo ein weitreichendes Repertoire an Offensivtricks und Finten angeeignet, das ihn zu einem der beim Gegner am meisten gefürchteten Flügelspieler in der Premier League gemacht hat. Durch seine hohe Antrittsschnelligkeit ist er zudem häufig in Sprintduellen gegen die Verteidigung erfolgreich, wobei er diese sowohl in Laufduellen auf dem Flügel oder beim Zug in die Mitte demonstriert. Aufgrund des harten Schusses ist er von außerhalb des Strafraums ebenso torgefährlich, wie innerhalb des 16-Meter-Raums. Eine Reihe von Kopfballtoren demonstriert zudem, dass er auch in diesem - einem Flügelspieler zumeist etwas vernachlässigten - Bereich über Stärken verfügt. Aktuell führt er primär die Elfmeter von Manchester United aus. Zudem zeichnet er sich als überdurchschnittlich guter Freistoßschütze aus, wobei er mit seinen Freistößen vor allem aufgrund eines hohen Effets und einer individuellen Flugkurve gegnerische Torhüter vor schwierige Aufgaben stellt. Seine Spielweise kann vielleicht am besten als Mischung aus dem klassischen Flügelspieler früherer Tage und einem torgefährlichen Stürmer moderner Prägung beschrieben werden.

Für Kontroversen sorgte Ronaldo häufiger dadurch, dass ihm ein Hang zu „Schwalben“ - also dem Vortäuschen eines gegnerischen Fouls durch theatralisches Verhalten - nachgesagt wurde. Zu seinen Kritikern zählten vor allem in der Saison 2006/07 mit Gareth Southgate der Trainer des FC Middlesbrough. Auch der von Steed Malbranque an ihm verursachte Elfmeter gegen Tottenham Hotspur zog ein gleichlautendes Medienecho nach sich. Ebenfalls problematisch wird sein zeitweise unkontrolliertes Temperament angesehen. Gegen Manchester City erhielt er am 14. Mai 2006 seine erste (glatte) rote Karte, nachdem er bereits zuvor von der UEFA eine Sperre auf internationaler Bühne für eine Partie hatte hinnehmen müssen - im Spiel gegen Benfica Lissabon hatte er dem gegnerischen Anhang den „Stinkefinger“ gezeigt. Auch in einem Länderspiel gegen Luxemburg ließ sich Ronaldo nach einem Foul von Jeff Strasser zu einer Revancheaktion hinreißen, die mit einer gelben Karte geahndet wurde. Ronaldo erhielt daraufhin explizit von seinem Trainer Scolari eine ausdrückliche Warnung, sein Temperament bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft im Zaum zu halten. Zu Beginn der Saison 2007/08 erhielt Ronaldo nach einem angeblichen Kopfstoß gegen Richard Hughes vom FC Portsmouth erneut eine rote Karte und eine Sperre für drei Spiele. Sein Trainer Alex Ferguson „rehabilitierte“ seinen Spieler nach der Partie mit den entschuldigenden Worten, Ronaldo sei „in die Falle getappt“. Ronaldo selbst zeigte sich nach diesem Vorfall geläutert und äußerte seine Zuversicht, dass er Gegenspielern zukünftig nicht mehr erlaube, ihn zu provozieren.

Ronaldos ältere Schwester Liliana Cátia ist, unter dem Künstlernamen Ronalda, eine in Portugal bekannte Sängerin. Am 5. Oktober 2007 veröffentlichte er das Buch Moments über seine bisherige Karriere, allerdings betonte er, dass es sich bei diesem Buch nicht um eine Autobiografie handle.

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Fußball-Weltmeisterschaft 2006

Logo FIFA World Cup 2006 Germany.svg

Die Endrunde der 18. Fußball-Weltmeisterschaft der Männer (offiziell: 2006 FIFA World Cup Germany, auf Deutsch FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006) wurde vom 9. Juni bis zum 9. Juli 2006 in Deutschland ausgetragen. Es traten 32 Nationalmannschaften zunächst in Gruppen- und danach in Ausscheidungsspielen gegeneinander an.

Italien gewann das Turnier durch einen Sieg im Elfmeterschießen gegen Frankreich und wurde damit zum vierten Mal nach 1934, 1938 und 1982 Fußball-Weltmeister. Den dritten Platz belegte die Mannschaft Deutschlands, die mit Miroslav Klose, der während des Turniers fünf Tore erzielte, auch den Torschützenkönig stellte.

Fußballerisch war das Turnier vor allem von Taktik und Athletik geprägt, insbesondere Weltmeister Italien legte Wert auf eine eher defensive Grundordnung. Speziell ab dem Achtelfinale blieben echte „Fußballfeste“ aus, viele Spiele endeten mit wenigen Toren. Auf den Rängen hingegen sorgten das vierwöchige Sommerwetter und die Begeisterung der Zuschauer für ausgelassene Stimmung im Umfeld der Weltmeisterschaft, die in Deutschland retrospektiv als „Sommermärchen“ bezeichnet wird.

Die Idee zu einer Bewerbung Deutschlands als Ausrichter der 18. Fußball-Weltmeisterschaft entstand auf einer Präsidiumssitzung des DFB im November 1992. Seit diesem Zeitpunkt warben insbesondere der damalige DFB-Präsident Egidius Braun und der damalige DFB-Pressesprecher Wolfgang Niersbach intensiv um Unterstützung im eigenen Land und bei befreundeten Verbänden. Ende 1996 konnte Franz Beckenbauer als WM-Botschafter gewonnen werden. Beckenbauer war von 1998 an Chef des deutschen Bewerbungskomitees und überreichte als solcher auch dem FIFA-Präsidenten Sepp Blatter die offizielle Absichtserklärung des Verbandes zur Ausrichtung der WM.

Bei der endgültigen Abstimmung um den Austragungsort setzte sich Deutschland am 6. Juli 2000 gegen Brasilien, Marokko, England und letztlich im Finale in Zürich mit zwölf zu elf Stimmen gegen Südafrika durch. Möglicherweise ausschlaggebend für das Stimmenverhältnis war dabei ein fingiertes Bestechungsfax des deutschen Satiremagazins Titanic, das nach dessen eigener Aussage zur entscheidenden Stimmenthaltung des neuseeländischen FIFA-Vertreters Charles Dempsey führte. Dieser war von seinem Verband eigentlich dazu aufgefordert gewesen, für Südafrika zu stimmen. In diesem Fall hätte die Stimme von Präsident Blatter den Ausschlag für Südafrika gegeben.

Das Motto der Bewerbung 1997 lautete „Wir sehen uns im Herzen Europas“. Das Motto für die Endrunde wurde am 19. November 2002 bekannt gegeben: Die Welt zu Gast bei Freunden. Es sollte die Verbundenheit der Deutschen mit dem Sport und ihre Gastfreundschaft ausdrücken. Als Logo wurden die Celebrating Faces of Football gewählt.

Insgesamt zwölf Städte waren Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft. Bei dem Vergabeverfahren sollten die modernsten und sichersten Stadien Deutschlands ausgewählt werden, zudem hatte eine flächendeckende Verteilung über Deutschland sichergestellt werden sollen. Die Stadien der zwölf Austragungsorte wurden im Vorfeld der WM entweder erweitert und modernisiert oder komplett neu gebaut.

Alle Stadien, die einen Sponsor im Namen trugen, wurden während der WM in FIFA WM Stadion umbenannt, um die FIFA-Sponsoren hervorzuheben. Die Namen der übrigen Stadien blieben unverändert.

Insgesamt betrug die Zuschauerkapazität der zwölf WM-Stadien 623.000 Sitzplätze, was einem Schnitt von etwa 52.000 Zuschauern pro Stadion entspricht. Aufgrund der im Vergleich zu Spielen in der Bundesliga strengeren Sicherheitsbestimmungen der FIFA fassten alle Stadien deutlich weniger Plätze als vor und nach der WM.

An allen Spielorten der Weltmeisterschaft wurden vier Vorrundenspiele und jeweils ein Achtel- oder Viertelfinale ausgetragen.

Berlin: Im Heimstadion von Hertha BSC und dem größten deutschen Stadion während der WM, dem 72.000* Sitzplätze fassenden Olympiastadion, wurde unter anderem am 9. Juli 2006 das Finale ausgetragen.

Dortmund: Das FIFA WM-Stadion Dortmund hatte eine Kapazität von immerhin 65.000* Plätzen, ist aber im regulären Betrieb als Signal Iduna Park (früher: Westfalenstadion) das größte Stadion der Bundesrepublik. Die Heimat von Borussia Dortmund war unter anderem Schauplatz des ersten Halbfinalspiels zwischen Deutschland und Italien.

Frankfurt am Main: Im FIFA WM-Stadion Frankfurt, der Heimat von Eintracht Frankfurt, konnten während der FIFA-Veranstaltungen nur 48.000* Zuschauer die Spiele verfolgen. Das alte Waldstadion wurde bei laufendem Betrieb vollständig umgebaut und 2005 in Commerzbank-Arena umbenannt.

Gelsenkirchen: Das FIFA WM-Stadion Gelsenkirchen ist das Heimatstadion des Fußballvereins FC Schalke 04. Die im August 2001 als Arena auf Schalke eröffnete Veltins-Arena umfasste während des Turniers 52.000* Sitzplätze.

Hamburg: Im FIFA WM-Stadion Hamburg, der Heimstätte des Hamburger SV, konnten 50.000* Zuschauer die WM-Spiele verfolgen. Der Neubau, der bei laufendem Betrieb aus dem 1953 errichteten Volksparkstadion entstand, hieß zum damaligen Zeitpunkt AOL Arena.

Hannover: Im FIFA WM-Stadion Hannover, der Heimat des Fußballclubs Hannover 96, fanden 43.000* Zuschauer während der WM Platz. Das ehemalige Niedersachsenstadion wurde umgebaut und am 23. Januar 2005 als AWD-Arena eingeweiht.

Kaiserslautern: Im Fritz-Walter-Stadion empfängt während des regulären Ligabetriebs der 1. FC Kaiserslautern seine Gäste. Bei der WM-Endrunde reduzierte sich die Kapazität des Stadions auf 46.000* Plätze.

Köln: Im FIFA WM-Stadion Köln, der Heimat des 1. FC Köln, fanden fünf WM-Spiele statt. Das umgebaute Müngersdorfer Stadion ist normalerweise nach dem regionalen Stromversorger RheinEnergieStadion benannt und bot während der Weltmeisterschaft 45.000* Zuschauern Platz.

Leipzig: Das Zentralstadion ist die Spielstätte des Oberligisten FC Sachsen Leipzig. In den alten Stadionwall wurde ab 2000 ein modernes, reines Fußballstadion eingebaut und am 17. Juli 2004 offiziell eröffnet. Während der WM 2006 hatte es eine Kapazität von 43.000* Sitzplätzen.

München: Im FIFA WM-Stadion München fanden unter anderem das Eröffnungsspiel des Turniers und das Halbfinale zwischen Portugal und Frankreich statt. Das Stadion mit 66.000* Sitzplätzen wurde am 30. Mai 2005 eröffnet und wird gemeinsam vom FC Bayern München und dem TSV 1860 München genutzt. Vor und nach der WM heißt das Stadion Allianz Arena.

Nürnberg: Im Frankenstadion, der Heimstätte des 1. FC Nürnberg, konnten 41.000* Zuschauer die WM-Spiele verfolgen. Die Sportstätte wurde am 15. März 2006 in easyCredit-Stadion umbenannt, wobei jedoch für die Zeit der WM der alte Name verwendet wurde.

Stuttgart: Im früheren Gottlieb-Daimler-Stadion trägt der Fußballverein VfB Stuttgart seine Heimspiele aus. Bei der WM betrug die Zuschauerkapazität 52.000*. Zwar bezog sich der Name des Stadions auf den Automobilhersteller DaimlerChrysler, benannt war es jedoch nach Gottlieb Daimler und nicht nach dem Konzern, weswegen die Namensgebung von der FIFA anerkannt wurde. Stuttgart war Austragungsort des Spiels um Platz drei.

Hauptartikel: Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im Jahre 2006 dauerte vom 6. September 2003 bis zum 16. November 2005. 197 von 204 Verbänden waren in die WM-Qualifikation gestartet, nur 31 Mannschaften blieben schließlich übrig. Erstmals war der amtierende Weltmeister (in diesem Fall Brasilien) nicht automatisch für die Endrunde qualifiziert. Deutschland hingegen war als Gastgeber gesetzt und komplettierte das Feld der Endrundenteilnehmer. In sechs Zonen wurden die 31 Teilnehmer (zuzüglich des direkt qualifizierten Gastgebers) folgendermaßen ermittelt.

Europa hatte bei der Weltmeisterschaft dreizehn Startplätze, hinzu kam der Gastgeber Deutschland. Die Sieger der acht Qualifikationsgruppen und die beiden besten Gruppenzweiten konnten sich direkt für die WM in Deutschland qualifizieren. Die sechs übrigen Gruppenzweiten trugen am 12./16. November 2005 in Hin- und Rückspielen („Play-off-Spielen“) die Entscheidung um die drei restlichen europäischen Vertreter aus.

Südamerika hatte vier direkte Startplätze. Zehn Mannschaften spielten jeweils gegeneinander mit Hin- und Rückrunde, die besten vier waren direkt für die WM qualifiziert. Der Fünfte hatte die Chance, in zwei Ausscheidungsspielen gegen den Sieger aus Ozeanien ebenfalls noch den Sprung in die Endrunde zu schaffen. Uruguay konnte sich aber dieses Mal in der Relegation nicht gegen Australien durchsetzen.

Der Fußballverband Nord- und Mittelamerikas und der Karibik, der CONCACAF, hatte drei direkte Startplätze. Die Qualifikation war dort in drei Phasen unterteilt. Aus der ersten Runde hatten sich zwölf Teilnehmer für die zweite Runde qualifiziert. Danach wurde in drei Vierergruppen weitergespielt. Die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe rückten in die dritte Runde auf. Diese sechs Mannschaften spielten vom 9. Februar bis 12. Oktober 2005 in einer Gruppe jeweils gegeneinander mit Hin- und Rückspiel. Die drei Besten waren direkt qualifiziert. Der Vierte der CONCACAF trat noch in einem Hin- und Rückspielduell gegen den Fünften aus Asien an.

In der Afrika-Zone hatten sich bis auf Dschibuti alle 52 Verbände für die Vorrunde angemeldet. Die fünf afrikanischen Teilnehmer am FIFA-Weltpokal 2002 sowie die vier in der FIFA-Weltrangliste vom 25. Juni 2003 am besten platzierten afrikanischen Mannschaften stießen direkt in die zweite Runde vor. Die übrigen 42 Mannschaften wurden einander zugelost, die 21 Sieger aus Hin- und Rückspiel stießen ebenfalls in die zweite Runde vor. Die 30 Mannschaften der zweiten Runde waren in fünf Sechsergruppen aufgeteilt, deren Gruppensieger sich für die WM qualifizierten.

Asien spielte mit insgesamt 32 Mannschaften, die in acht Gruppen aufgeteilt waren. Sieben der 32 Mannschaften mussten sich zuvor noch gegen sieben andere Teams in Hin- und Rückspiel für die 2. Runde qualifizieren. Die acht Gruppensieger erreichten die dritte Runde (9. Februar bis 17. August 2005), die in zwei Vierergruppen ausgetragen wurde. Der Erste und der Zweite dieser beiden Gruppen qualifizierten sich direkt. Die beiden Dritten spielten gegeneinander, der Sieger trug anschließend zwei Finalspiele gegen den Vierten aus CONCACAF um die Teilnahme an der Endrunde aus. In diesen Spielen war Bahrain gegen die Mannschaft aus Trinidad und Tobago unterlegen.

Ozeanien hatte keinen direkten Startplatz. Sechs Mannschaften blieben nach der ersten Runde übrig; diese spielten eine einfache Jeder-gegen-Jeden-Runde. Der Erst- und Zweitplatzierte trafen am 3. September und 6. September 2005 im „Play-off“ gegeneinander an. Der Sieger traf auf den Fünften aus Südamerika (ebenfalls in Hin- und Rückspiel).

Von diesen nahmen Tschechien, die Ukraine, Angola, die Elfenbeinküste, Ghana, Togo sowie Trinidad und Tobago erstmals an einer Weltmeisterschaftsendrunde teil.

Im Vorfeld des Turniers wurden folgende Änderungen der Spiel- und Turnierregeln durch den Weltverband FIFA beschlossen.

Aus einer Vorauswahl von 44 Schiedsrichtern wurden zunächst 23 Referees von der FIFA für die Weltmeisterschaft nominiert, von denen drei nach ausgiebigen Fitnesstests im Vorfeld des Turniers noch ausgetauscht wurden. Kurz vor der WM wurde ferner der Italiener Massimo De Santis aufgrund seiner Beteiligung am Skandal um manipulierte Spiele in seinem Heimatland gestrichen, zudem zog sich der jamaikanische Unparteiische Peter Prendergast eine Knieverletzung zu und reiste zurück in seine Heimat.

Hinsichtlich der Auswahl der Schiedsrichter wurde kritisiert, die FIFA habe nicht die besten Schiedsrichter zur WM eingeladen, sondern vor allem auf den Kontinentalproporz geachtet.

Das Eröffnungsspiel wurde von Horacio Elizondo geleitet, der auch das Finale pfiff. Elizondo ist der erste Schiedsrichter, dem die Ehre dieses „Doppeleinsatzes“ zuteil wurde.

Im Gegensatz zu früheren WM-Turnieren wurden überwiegend Schiedsrichtergespanne eingesetzt, die auch im Ligabetrieb zusammen agieren. Erstmals standen zudem auch alle Schiedsrichter über Funk (Headset) mit ihren Assistenten in Verbindung. Neben dem international üblichen vierten Offiziellen stand dem Gespann auf dem Platz bei dieser Weltmeisterschaft auch ein fünfter Schiedsrichter zur Seite.

Kontrovers wurde das Vorgehen der FIFA diskutiert, den Schiedsrichtern bei der Weltmeisterschaft neue Regelauslegungen vorzuschreiben. So sollten zum Schutz der Spieler Grätschen in die Beine des Gegenspielers konsequent mit der Roten Karte bestraft werden, ebenso der übermäßige Einsatz des Ellenbogens in Kopfball- und Laufduellen. Daneben sollten Spielverzögerungen wie das Festhalten des Balles bei Freistoßentscheidungen gegen die eigene Mannschaft mit einer Gelben Karte geahndet werden.

Während die Entscheidungen der Unparteiischen während der ersten Spiele als zufriedenstellend beurteilt wurden, häuften sich im Laufe des Turniers die strittigen Entscheidungen massiv. Insbesondere die unterschiedlichen Bewertungen bei überhartem Körpereinsatz brachten den Schiedsrichtern Kritik ein. So gab es während dieser Weltmeisterschaft zwei Spiele mit drei Platzverweisen, im Achtelfinale zwischen Portugal und den Niederlanden wurden sogar vier Spieler des Feldes verwiesen. Insgesamt haben die Schiedsrichter 26 Platzverweise ausgesprochen.

Experten kritisierten, dass gerade die Weltmeisterschaft als sportlich bedeutendste Veranstaltung im Fußball nicht als Spielwiese für Regeländerungen benutzt werden dürfe. Die Regeln und ihre Auslegung müssten bereits im Vorfeld für Spieler und Schiedsrichter aus der Praxis der Saison bekannt sein. Die FIFA ist jedoch der Meinung, dass die Weltmeisterschaft aufgrund ihrer Bedeutung am Besten sei, da sich die Schiedsrichter in aller Welt die Umsetzung der neuen Regelungen anschauen bzw. abschauen konnten und so eher ein weltweiter Standard in der Regelumsetzung erreicht werden könnte.

Für das Turnier wurde in allen zwölf Stadien die gleiche Rasenmischung verwendet, was durch das Rasenkompetenzteam sichergestellt wurde. Sie wurde von zwei Unternehmen aus Hessen und den Niederlanden produziert und bestand zu 25 % aus Weidelgras und zu 75 % aus Wiesenrispe. Der Rasen wurde jeweils fünf Stunden vor Spielbeginn auf eine Höhe von 28 Millimeter gestutzt. Von Seiten der Spieler und Trainer wurde der Rasen mehrfach als zu trocken und stumpf kritisiert. Vergleichsweise häufig rutschten Spieler während der Partien auf dem Rasen aus. Dies wurde zwar am Rande als ärgerlich wahrgenommen, stellte jedoch kein wirkliches Problem dar.

Spielball des Turniers war der +Teamgeist, der ebenso wie die Ausrüstung der Schiedsrichter von WM-Sponsor adidas produziert wurde. Er wurde im Rahmen der Endrundenauslosung am 9. Dezember 2005 in Leipzig offiziell vorgestellt. Im Finale der Weltmeisterschaft wurde eine goldene Version des Geräts eingesetzt; Weltmeister Italien darf den +Teamgeist Berlin nun für die nächsten vier Jahre bei Länderspielen einsetzen.

Vor allem in seiner geometrischen Form unterschied sich der Ball von den klassischen Fußbällen, die aus zwölf Fünf- und 20 Sechsecken zusammengesetzt sind. Der +Teamgeist bestand dagegen aus 14 zungenartigen Plastikteilen und bot dadurch nur eine geringe Abweichung von einer idealen Kugel. Eine Konsequenz dieser neuartigen Konstruktionsweise war nach Meinung einiger Experten die Vielzahl an Weitschusstoren im Verlaufe des Turniers, die auf die veränderten Flugeigenschaften des Balls zurückgeführt wurden.

Die Endrundenauslosung, bei der die endgültigen Paarungen ermittelt wurden, fand am 9. Dezember 2005 in Leipzig statt.

Für die Auslosung wurden die qualifizierten Mannschaften in vier Töpfe aufgeteilt. Die Zuordnung erfolgte nach einem Beschluss der FIFA vom 6. Dezember. Als Grundlage diente eine Setzliste, bei der die Ergebnisse der letzten beiden WM-Turniere und die Positionen in der Weltrangliste der letzten drei Jahre berücksichtigt wurden.

Deutschland überraschte bereits im Eröffnungsspiel mit einer sehr offensiven Spielweise und hohem Tempo. Die gegen Costa Rica noch vorhandenen Probleme in der Defensive konnten in den beiden weiteren Gruppenspielen weitgehend kompensiert werden, schon im Spiel gegen Polen fand die Elf zu alter Abwehrstärke zurück und dominierte weitgehend die Partie. Das Tor zum 1:0-Erfolg fiel allerdings erst in der Nachspielzeit. In ihrem letzten Gruppenspiel zeigte die DFB-Elf dann ihre bislang beste Leistung, dominierte den Gegner aus Ecuador nach Belieben und zog verdient als Gruppensieger in das Achtelfinale ein.

Die Qualität des Teams aus Ecuador war vor Beginn des Turniers nicht einfach einzuschätzen, viele Spiele in der Qualifikation gewannen sie in der sauerstoffarmen Höhenluft ihres Nationalstadions in Quito. Für viele war es daher überraschend, dass sie in den ersten beiden Gruppenspielen durch eine sehr kompakte Spielweise überzeugten. Sowohl gegen Polen als auch gegen Costa Rica erzielten sie die beiden Führungstreffer in der ersten halben Stunde und konnten so den Gegner weitgehend kontrollieren. Im abschließenden Gruppenspiel wurden bereits viele Stammspieler für das Achtelfinale geschont, entsprechend chancenlos war das Team gegen Deutschland.

Die polnische Elf konnte wie schon vier Jahre zuvor die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Der überraschenden Auftaktniederlage gegen Ecuador folgte eine unglückliche, aber verdiente Niederlage gegen Deutschland, so dass bereits nach dem zweiten Gruppenspieltag das Vorrundenaus feststand. Immerhin konnte die WM mit einem Erfolg gegen Costa Rica und dem daraus resultierenden dritten Platz in der Gruppe beendet werden.

Costa Rica war nur im Eröffnungsspiel streckenweise in der Lage, mit dem Gegner mitzuhalten. Dort fiel insbesondere Paulo Wanchope auf, der die deutsche Abwehr zweimal überlisten konnte. Vor allem gegen Ecuador war das Team dann aber klar unterlegen, und auch gegen Polen stand am Ende eine verdiente Niederlage. Ohne Punkte verabschiedete man sich letztlich als Gruppenletzter von der Weltmeisterschaft.

Favorit der Gruppe B war England. Glanzlos gewann man das erste Spiel durch ein frühes Eigentor des Gegners aus Paraguay. Auch im zweiten Spiel taten sich die Engländer gegen Trinidad und Tobago schwer und erzielten die beiden Tore zum 2:0 erst in der Schlussphase. Nur im letzten Spiel gegen Schweden konnte das englische Team – allerdings nur in der ersten Halbzeit – überzeugen. In einer hochklassigen Partie kassierte die englische Elf den Ausgleich erst in den letzten Minuten des Spiels, nachdem Schweden in der zweiten Halbzeit stark aufspielte.

Die schwedische Mannschaft startete mit einem enttäuschenden 0:0 gegen die krassen Außenseiter aus Trinidad und Tobago in das Turnier. Deutlich verbessert zeigte man sich jedoch einige Tage später, als man hochverdient gegen Paraguay gewinnen konnte. Das Tor zum 1:0 fiel zwar erst in der Schlussphase, zuvor waren jedoch beste Chancen ausgelassen worden. In der letzten Partie gegen England machte das Team dann durch ein 2:2 die Qualifikation für das Achtelfinale perfekt, wobei es in der zweiten Halbzeit seine beste Turnierleistung zeigte.

Paraguay startete als Geheimtipp in das Turnier, wurde seinem Ruf jedoch in keiner Phase gerecht. Gegen England geriet man durch ein Eigentor früh in Rückstand und konnte in der Offensive kaum gefährliche Aktionen entwickeln. Gegen Schweden war man vor allem darauf bedacht, nicht zu verlieren, um durch einen Sieg gegen die Außenseiter aus Trinidad und Tobago noch Gruppenzweiter werden zu können. Das späte Tor der Schweden ließ jedoch alle Träume vom Achtelfinale platzen, auch wenn im letzten Spiel gegen Trinidad und Tobago doch noch drei Punkte eingefahren werden konnten.

Obwohl man das Turnier als einziges Team ohne eigenen Treffer beenden musste, war die Mannschaft von Trinidad und Tobago eine der Überraschungen der WM. Gegen Schweden konnte man einen Punkt holen, vor allem dank der starken Leistung des Ersatzkeepers Hislop. Gegen England war man nur wenige Minuten vom erneuten 0:0 entfernt und verlor erst durch zwei späte Tore. Im letzten Gruppenspiel gegen Paraguay hätte es eines Sieges bedurft, um noch theoretische Chancen auf das Achtelfinale zu besitzen. Trotz der 0:2-Niederlage konnte das Team jedoch erhobenen Hauptes in die Heimat zurückreisen.

Für viele Experten galt Argentinien nach der Vorrunde als Topfavorit auf den Titel. Die Südamerikaner gewannen zunächst in einer der besten Partien des Turniers gegen die starke Mannschaft der Elfenbeinküste, um im zweiten Gruppenspiel das als defensivstark bekannte Team aus Serbien und Montenegro mit 6:0 zu besiegen. In der letzten Partie genügte der Albiceleste ein Unentschieden gegen die ebenfalls für das Achtelfinale qualifizierten Niederlande zum Gruppensieg.

Die Niederlande wurden in der stärksten Gruppe des Turniers dank drei konzentrierter Leistungen Gruppenzweiter. Gegen Serbien und Montenegro konnte man das entscheidende 1:0 bereits nach einer Viertelstunde erzielen und auch in der zweiten Partie gegen die Elfenbeinküste machte man den Sieg bereits in der ersten Hälfte perfekt. Im abschließenden Spiel gegen Argentinien wurde der Gruppensieg durch das 0:0 jedoch verpasst.

Trotz dreier überzeugender Leistungen schied die Elfenbeinküste als Dritter aus dem Turnier aus. Entscheidend für die Niederlagen war, dass die Afrikaner in allen drei Gruppenspielen bereits in der ersten Hälfte mit 0:2 in Rückstand gerieten. Gegen die Favoriten aus Argentinien und Niederlande konnte man nur noch auf 1:2 verkürzen, gegen Serbien und Montenegro reichte es im unbedeutenden Spiel um den dritten Platz in der Gruppe immerhin noch zu einem 3:2-Erfolg.

Serbien und Montenegro zeigte eine enttäuschende Leistung während des Turniers. Aufgrund der souveränen Qualifikation mit nur einem Gegentor war dem Team auch gegen die drei offensivstarken Gruppengegner einiges zugetraut worden. Während man gegen die Niederlande nur mit 0:1 verlor, brach die Mannschaft beim Debakel gegen Argentinien jedoch völlig auseinander. So wurde auch das letzte Spiel gegen die Elfenbeinküste trotz einer 2:0-Führung noch verloren.

Portugal trat in der Vorrunde überraschend defensiv auf. Bereits im ersten Gruppenspiel gegen den krassen Außenseiter aus Angola tat die Elf von Trainer Scolari nur das Nötigste und verwaltete das frühe 1:0 bis zum Schlusspfiff. Auch gegen den Iran hatten die Portugiesen das Spiel zu jedem Zeitpunkt im Griff und konnten so bereits nach zwei Spielen den Einzug ins Achtelfinale feiern. Erst im letzten Spiel gegen Mexiko hatte man es mit einem ähnlich starken Gegner zu tun, dennoch konnte man durch das 2:1 den Gruppensieg feiern.

Bei den Auftritten Mexikos wechselten sich Licht und Schatten ab. Dem mühevollen, aber verdienten 3:1 gegen den Iran folgte ein enttäuschendes torloses Unentschieden gegen die WM-Neulinge aus Angola. Nur bei der 1:2-Niederlage gegen den Gruppensieger Portugal zeigten die Mexikaner eine starke Leistung. Allerdings ließen sie neben einem verschossenen Strafstoß weitere hochkarätige Chancen aus, so dass sie letztlich nur Gruppenzweiter wurden.

Angola war eine der positiven Überraschungen des Turniers. Obwohl das Team praktisch nur aus Spielern unterklassiger europäischer Vereine bestand, konnte die Mannschaft in allen Vorrundenpartien dem Gegner Paroli bieten. Dem 0:1 gegen Portugal folgte ein Remis gegen Mexiko, so dass für die Afrikaner im letzten Spiel gegen den Iran sogar noch die Qualifikation für das Achtelfinale möglich war. Obwohl Angola Mitte der zweiten Halbzeit in Führung ging, konnte die Partie jedoch nicht gewonnen werden und endete 1:1.

Der Iran blieb praktisch im gesamten Turnierverlauf unter seinen Möglichkeiten. Insbesondere konditionell wirkten die Spieler nicht auf der Höhe. Sowohl gegen Mexiko als auch gegen Portugal gerieten die Perser durch Abwehrschwächen in der zweiten Halbzeit in Rückstand, beide Partien wurden folgerichtig auch verloren. Erst im letzten Spiel gegen Angola konnten die Männer um Ali Daei und Ali Karimi immerhin ein Unentschieden erreichen – gemessen an den Erwartungen jedoch viel zu wenig.

Italien startete wie erwartet in das Turnier. Das Team bezwang den WM-Neuling aus Ghana dank einer kontrollierten Spielweise mit 2:0 und profitierte dabei von den Abwehrschwächen der Afrikaner. Gegen die Vereinigten Staaten reichte es dagegen nur zu einem 1:1, trotz numerischer Überzahl in der zweiten Halbzeit. Die Partie war vor allem durch die drei Platzverweise geprägt, spielerische Highlights waren selten. Im letzten Gruppenspiel folgte ein Erfolg gegen den ersatzgeschwächten Geheimtipp aus Tschechien, so dass die Italiener letztlich einen verdienten Gruppensieg feiern konnten.

Trotz der Auftaktniederlage gegen Italien konnte sich Ghana als Gruppenzweiter für das Achtelfinale qualifizieren. Besonders gegen die starken Tschechen zeigten die Afrikaner eine berauschende Leistung und gewannen letztlich hochverdient mit 2:0. So hätte gegen die USA im letzten Spiel auch ein Unentschieden gereicht, durch den 2:1-Erfolg wurde Platz zwei jedoch souverän eingefahren.

Tschechien startete mit einem furiosen 3:0 gegen die USA in das Turnier, dabei bildeten die beiden Dortmunder Tomáš Rosický und Jan Koller die Säulen einer starken Mannschaft. Jedoch währte die Freude über diesen Erfolg nur kurz, denn viele Spieler trugen Blessuren davon. Folgerichtig: Bereits gegen den Außenseiter aus Ghana wurde in einer tollen Partie mit 0:2 verloren. Und auch im letzten Gruppenspiel gegen Italien konnte das Team keine Punkte holen, so dass die Tschechen erstaunlich früh die Heimreise antreten mussten.

Die USA musste sich in einer starken Gruppe erwartungsgemäß mit Platz vier begnügen. Zwar folgte auf die desolate Leistung in der Auftaktpleite gegen Tschechien ein verdientes 1:1 gegen Italien, in dem die Amerikaner nicht nur kämpferisch zu überzeugen wussten, für ein Weiterkommen reichte es dennoch nicht. Ein fragwürdiger Elfmeter brachte die Vereinigten Staaten gegen Ghana auf die Verliererstraße, am Ende blieb es bei nur einem Punkt aus drei Spielen.

Trotz dreier Siege enttäuschte Brasilien seine Anhänger in den ersten Turniertagen. Nur in der zweiten Halbzeit gegen Japan war die herausragende Spielkultur des Teams erkennbar, davor dominierten Sicherheitsdenken und Ergebnisverwaltung. Bereits Kroatien und Australien hätten zuvor bei einer konsequenteren Chancenauswertung einen Punkt gegen die favorisierten Brasilianer holen können. Japan war in der ersten Halbzeit überlegen und hatte Pech, dass Ronaldo mit dem Halbzeitpfiff den Ausgleich köpfte. Das Team erschien insgesamt überaltert, und die herausragenden Spieler des europäischen Vereinsfußballs, insbesondere der Weltfußballer Ronaldinho, wirkten überspielt.

Australien qualifizierte sich überraschend als Gruppenzweiter für das Achtelfinale. Zu Beginn des Turniers gab es gegen Japan einen 3:1-Erfolg, der durch drei späte Tore in der Schlussphase eingefahren werden konnte. Auch gegen Brasilien wusste das Team zu überzeugen, die 0:2-Niederlage fiel um mindestens ein Tor zu hoch aus. Dennoch reichte im letzten Gruppenspiel ein Punkt gegen Kroatien für das Weiterkommen, der in einem packenden Spiel auch geholt werden konnte. So überstand zum ersten Mal ein Team aus Ozeanien die Gruppenphase.

Kroatien enttäuschte seine Fans in der Vorrunde. Das Team war zwar in keinem der drei Spiele seinem Gegner wirklich unterlegen, dennoch blieb der Erfolg in Form eines Sieges aus. Dem unglücklichen 0:1 gegen Brasilien folgten ein verschossener Strafstoß beim torlosen Unentschieden gegen Japan und ein knappes 2:2 gegen Australien. Das reichte nur für Platz drei in der Gruppe, der WM-Dritte von 1998 war damit bereits in der Gruppenphase ausgeschieden.

Japan, der Gastgeber der vergangenen Titelkämpfe, konnte nicht an die Leistungen aus dem Konföderationenpokal anknüpfen, als man in der Gruppe knapp an Brasilien scheiterte. Dem unnötigen 1:3 gegen Australien und dem torlosen Remis gegen Kroatien folgte die Niederlage gegen Brasilien. Trotz früher Führung war man nicht in der Lage, die nötigen drei Punkte für ein Weiterkommen zu erzielen. Japan wurde folgerichtig Gruppenletzter.

Etwas überraschend konnte sich die Schweiz als Gruppensieger für das Achtelfinale qualifizieren. Dem dritten Unentschieden gegen Frankreich in Folge (nach den beiden Partien in der gemeinsamen Qualifikationsgruppe für die WM) folgten zwei verdiente 2:0-Erfolge gegen Togo und Südkorea. Vor allem in der Abwehr zeigte das Team aus der Schweiz drei starke Partien, so dass man als einziges Team ohne Gegentor das Achtelfinale erreichte.

Frankreich startete dagegen enttäuschend in das Turnier. War das Remis gegen die Schweiz im Vorfeld des Turniers noch erwartet worden, so schien das 1:1 gegen Südkorea als endgültiger Beleg für eine überalterte französische Mannschaft zu dienen. Im letzten Spiel gegen Togo musste dann mit zwei Toren Unterschied gewonnen werden, um auch bei einem möglichen Unentschieden im gleichzeitig stattfindenden Spiel zwischen der Schweiz und Südkorea die nächste Runde zu erreichen, was dem Team mit der ersten überzeugenden Leistung im Turnier auch gelang.

Südkorea konnte zu keiner Zeit an die Erfolge bei der letzten Weltmeisterschaft anknüpfen, als man das Halbfinale erreichte. Bereits gegen Togo brauchte das Team viel Anlauf, um letztlich etwas glücklich gegen die Afrikaner zu gewinnen. Auch gegen Frankreich startete man verhalten in die Partie, konnte aber kurz vor Schluss ausgleichen und hatte somit vor dem letzten Spiel gegen die Schweiz alle Trümpfe in der Hand: Mit einem Sieg wäre ihnen der Gruppensieg nicht mehr zu nehmen gewesen. Am Ende stand jedoch eine 0:2-Niederlage und der dritte Platz in der Gruppe.

Das Team aus Togo war bereits vor Beginn des Turniers durch einen Prämienstreit und den kurzzeitigen Rücktritt von Trainer Otto Pfister in die Schlagzeilen geraten. Eine konzentrierte Vorbereitung auf das erste Spiel gegen Südkorea war daher nicht möglich. Dennoch startete man furios, nach einem Platzverweis kassierte man jedoch zwei Tore und eine 1:2-Niederlage. Gegen die favorisierten Teams aus Europa standen am Ende ebenfalls zwei Niederlagen zu Buche, so dass die Afrikaner ohne Punkt nach Hause reisen mussten.

Spanien sorgte bereits im ersten Gruppenspiel gegen die stark eingeschätzte Ukraine für einen Paukenschlag. Eine überzeugende Leistung in allen Mannschaftsteilen brachte einen verdienten 4:0-Sieg. Gegen Tunesien konnte an diese Leistung nur in der zweiten Hälfte angeknüpft werden, als man einen Halbzeitrückstand noch in einen Sieg verwandeln konnte. Dennoch galt das Team im Folgenden als heißer Anwärter auf den Titel. Daran änderte auch ein mühevolles 1:0 gegen Saudi-Arabien nichts, Spanien war nämlich mit einer besseren Reservemannschaft angetreten.

Trotz des 0:4-Debakels gegen Spanien zu Beginn des Turniers konnte sich die Ukraine als Gruppenzweiter wie erwartet für das Achtelfinale qualifizieren. Grund dafür waren der überzeugende Sieg gegen Saudi-Arabien und eine konzentrierte Leistung im entscheidenden Gruppenspiel gegen Tunesien. Ein verwandelter Elfmeter sorgte für den 1:0-Endstand.

Tunesien konnte sich wie bei den vorangegangenen Turnieren nicht für die zweite Runde qualifizieren. Bereits im ersten Spiel gegen Saudi-Arabien reichte es am Ende nur zu einem enttäuschenden 2:2, und auch gegen Spanien wurde die Halbzeitführung noch aus der Hand gegeben. Gegen die Ukraine musste daher ein Sieg im entscheidenden Spiel her. Trotz einer ordentlichen Leistung reichte es jedoch nicht einmal für einen Punkt, besonders in der Offensive war man zu harmlos.

Die Mannschaft Saudi-Arabiens konnte nur im ersten Gruppenspiel überraschen, als man bis zur Nachspielzeit gegen Tunesien in Führung lag. Am Ende reichte es allerdings nur zu einem Unentschieden, so dass das Team nach der Pleite gegen die Ukraine bereits nur noch theoretische Chancen auf das Erreichen der zweiten Runde hatte. Da allerdings auch gegen Spaniens B-Mannschaft verloren wurde, blieb für Saudi-Arabien am Ende nur der erwartete letzte Platz in der Gruppe.

Im Achtelfinale spielten die Ersten und Zweiten der verschiedenen Vorrundengruppen über Kreuz gegeneinander. Dabei ergaben sich auf dem Papier mit Portugal gegen die Niederlande, der Schweiz gegen die Ukraine und Spanien gegen Frankreich drei offene und zum Teil auch brisante Partien. In den anderen Spielen galten die jeweiligen Gruppensieger als klare Favoriten, sie setzten sich letztlich auch alle durch. Deswegen blieb eine große Überraschung im Achtelfinale aus.

Es war allerdings beachtlich, dass Australien unerwartet lange mit Italien mithalten und bis über die 90. Minute hinaus ein 0:0 halten konnte, wobei die Südeuropäer fast die gesamte zweite Hälfte in Unterzahl spielten. Erst in der fünften Minute der Nachspielzeit verwandelte Francesco Totti einen umstrittenen Foulelfmeter zum 1:0-Sieg der Italiener.

In der Partie Brasiliens gegen Ghana gibt das Ergebnis den tatsächlichen Spielverlauf nur ungenügend wieder. Obwohl die Brasilianer ein frühes Tor erzielen konnten, waren die Ghanaer dem brasilianischem Nationalteam lange Zeit ebenbürtig. Allerdings scheiterte Ghana am eigenen Unvermögen, hochprozentige Torchancen zu verwerten, und kassierte so kurz vor der Pause das 0:2 und später noch das etwas zu deutliche 0:3.

Auch Mexiko konnte lange Zeit mit Argentinien mithalten und ging früh mit 1:0 in Führung. Allerdings kassierten sie schnell den Ausgleich. Dennoch konnten sie die Argentinier in die erste Verlängerung dieser Weltmeisterschaft zwingen, in der Maxi Rodríguez Argentinien mit einem Traumtor zum 2:1-Sieg schoss.

Deutschland lag nach einem fulminanten Auftakt gegen Schweden schon in der zwölften Minute durch zwei Tore des in der Vorrunde kritisierten und in diesem Spiel wie entfesselt spielenden Lukas Podolski mit 2:0 in Führung und hielt das Ergebnis bis zum Ende. Dagegen mussten die Schweden nach einem vergebenen Elfmeter, den Larsson über das deutsche Tor setzte, die Heimreise antreten.

In einem schwachen Spiel setze sich England mit einem 1:0-Erfolg erwartungsgemäß gegen Ecuador durch. Das entscheidende Tor schoss David Beckham mit einem Freistoß.

In einer beidseitig sehr defensiven Partie zwischen der Schweiz und der Ukraine entschied das Elfmeterschießen nach einem torlosen Unentschieden über das Weiterkommen. Dort verschossen die Schützen der Schweiz alle drei Strafstöße, so dass die Ukraine ins Viertelfinale einzog.

Die erwartete Brisanz in der Partie Portugal gegen Niederlande blieb nicht aus, allerdings weniger wegen Spielszenen, sondern vielmehr wegen der zwölf Gelben und vier Gelb-Roten Karten, die es in diesem Spiel neben dem 1:0-Treffer für Portugal gab.

Als eine der spielerisch besten Partien des Turniers gilt Spanien gegen Frankreich. Dabei blieben die favorisierten Spanier ihrer Tradition treu, als Mitfavorit früh aus dem Turnier auszuscheiden. Nach einem offenen und spannenden Spielverlauf hatten sie am Ende gegen eine französische Mannschaft, die nach der mageren Vorrunde wie verwandelt spielte, das Nachsehen.

Sieben der acht Mannschaften im Viertelfinale galten vor Beginn des Turniers als Titelfavoriten. Lediglich der Ukraine wurden höchstens Außenseiterchancen eingeräumt.

In der Partie Italiens gegen die Ukraine wurden die Italiener von Beginn an ihrer Favoritenrolle gerecht. Bereits in der sechsten Minute ging das italienische Nationalteam in Führung, konnte sich aber glücklich schätzen, dass die Ukrainer zwischenzeitlich mehrfach beste Chancen vergaben. In der zweiten Halbzeit konnte die Squadra Azzurra ihre Führung dann aber auf ein deutliches 3:0 ausbauen.

Das Spiel Deutschlands gegen Argentinien war dagegen deutlich ausgeglichener. Nach einem verhaltenen Start ging Argentinien zu Beginn der zweiten Halbzeit mit 1:0 in Führung. Deutschland erhöhte daraufhin den Druck mit den eingewechselten Borowski und Odonkor auf sich immer mehr zurückziehende Argentinier. Schließlich nahm José Pekerman mit Riquelme das Herz der argentinischen Mannschaft zugunsten eines weiteren Verteidigers aus dem Spiel. Der Druck der Deutschen wurde in der 80. Minute belohnt, als Tim Borowski eine Flanke zu Miroslav Klose weiterleitete und dieser das 1:1 köpfte. In der Verlängerung kamen beide Teams noch zu einigen Chancen, am Ende musste jedoch das Elfmeterschießen entscheiden. Jens Lehmann konnte zwei Strafstöße parieren und sicherte der Mannschaft damit den Einzug ins Halbfinale.

Eine ähnlich spannende Partie lieferten sich England und Portugal. Trotz etlicher Bemühungen gelang keiner der beiden Mannschaften ein Tor. Jedoch wurde Wayne Rooney nach einer Tätlichkeit vom Platz gestellt. Heiß diskutiert wurde später, dass Cristiano Ronaldo, sein portugiesischer Teamkollege bei Manchester United, für ihn die Rote Karte forderte. In der Verlängerung stieg die Spannung, aber Tore blieben auch hier aus. Das Elfmeterschießen gewann Portugal schließlich mit 3:1, nachdem der portugiesische Torwart Ricardo Pereira drei Elfmeter halten konnte. So verlor England wie bereits 1998 in einem entscheidenden Spiel seinen wichtigsten Mann und unterlag erneut im Elfmeterschießen.

Etwas einseitiger war dagegen das Spiel Brasiliens gegen Frankreich. Die Franzosen hatten die Partie gegen eher schwache und unmotiviert wirkende Brasilianer über weite Strecken in der Hand. Schlüsselfigur im französischen Spiel war wieder einmal Zinédine Zidane, der auch das einzige Tor der Partie vorbereitete: Thierry Henry erzielte in der 59. Minute den verdienten Siegtreffer für Frankreich. Die Superstars des brasilianischen Weltmeisters schieden damit erstmals seit der WM 1990 vor dem Finale aus.

Seit 1982 standen zum ersten Mal wieder nur europäische Mannschaften im Halbfinale. Unter den vier Nationen gab es auf dem Papier allerdings keinen klaren Favoriten.

Im ersten Halbfinalspiel stand mit Deutschland gegen Italien ein Klassiker an. Obwohl es nach 90 Minuten immer noch 0:0 stand, erlebte das Publikum ein spannendes Spiel mit einigen großen Chancen auf beiden Seiten. In der Verlängerung verstärkten die Italiener ihre Offensivbemühungen, und so standen zu Spielende drei Stürmer auf dem Platz. Dieser für italienische Verhältnisse untypische Angriffsfußball zeigte schließlich auch Wirkung. In einer dramatischen Verlängerung war die italienische Mannschaft trotz einiger deutscher Chancen die überlegene. Schließlich schoss Fabio Grosso Italien in der 119. Minute mit 1:0 in Führung, Alessandro Del Piero konnte eine Minute später gegen eine anstürmende deutsche Mannschaft auf 2:0 erhöhen. Damit war der italienische Finaleinzug besiegelt.

In der zweiten Partie standen sich Portugal und Frankreich gegenüber. Beide Mannschaften lieferten sich ein eher verhaltenes Spiel, das hauptsächlich von der Spannung lebte. Noch in der ersten Halbzeit brachte Zinédine Zidane Frankreich mit 1:0 in Führung, indem er einen Foulelfmeter verwandelte. Portugal versuchte daraufhin in der zweiten Halbzeit den Druck zu erhöhen. Kurz vor Schluss erlaubte sich Fabien Barthez nach einem Freistoß von Cristiano Ronaldo einen Patzer, doch Luís Figo vergab die daraus resultierende hochprozentige Chance. Dadurch reichte Frankreich am Ende das 1:0 für den Finaleinzug.

Deutschland gegen Portugal war die Partie im „kleinen Finale“, das traditionell als eher unbedeutendes Spiel offensiv geführt wird und zumeist torreich endet.

Zunächst schien diese Tradition einen Bruch zu erleiden, da trotz einiger Chancen die Tore ausblieben, unter anderem durch Paraden von Oliver Kahn, der in diesem Spiel den Vorrang vor Jens Lehmann erhielt und damit sein 86. und letztes Länderspiel bestritt. Erst in der 56. Minute brach Bastian Schweinsteiger den Bann und erzielte durch einen Distanzschuss das 1:0 für Deutschland. Nur vier Minuten später war der Münchener wieder an einem Tor beteiligt, als Petit seinen Freistoß zum 2:0 abfälschte. Nach munterem Spielverlauf schoss Schweinsteiger, kurz vor seiner Auswechslung in der 78. Minute, noch das 3:0 für das deutsche Nationalteam. Damit war die Partie entschieden. Daran konnte auch Luís Figo in seinem letzten Länderspiel nichts ändern, obwohl er den 1:3-Ehrentreffer durch Nuno Gomes vorbereitete. Der späte Gegentreffer konnte nicht mehr verhindern, dass die deutsche Nationalmannschaft den dritten Platz errang.

Im Endspiel der Weltmeisterschaft standen sich mit Frankreich und Italien die beiden Finalisten der EM 2000 gegenüber, Frankreich hatte damals in der Verlängerung mit 2:1 durch ein Golden Goal gewonnen.

Die Zuschauer erlebten ein abwechslungsreiches Endspiel mit einer turbulenten Anfangsphase. So bekam Frankreich schon in der siebten Minute einen Foulelfmeter zugesprochen, den Zinédine Zidane zum 1:0 verwandelte. Dabei lupfte er den Ball gegen die Unterlatte, von wo aus er nur knapp hinter der Linie im Tor aufkam. Im Nachhinein wurde dieser Schuss als Symbol für den „schmalen Grat“ gesehen, auf dem sich Zidane in diesem Spiel bewegen sollte. Bereits in der 19. Minute erzielte Marco Materazzi nach einem Eckball den Ausgleich und machte damit seinen Fehler, mit dem er den Elfmeter verschuldet hatte, wieder gut. Anschließend folgte eine Offensivphase der Italiener, in der es unter anderem zu einem Lattentreffer durch Luca Toni kam. In der zweiten Halbzeit ließ sich Italien aus vermutlich konditionellen Gründen weit zurückfallen und lauerte fast ausschließlich auf Konterchancen. Frankreich versuchte dagegen, offensiv zu agieren und das Spiel zu machen, blieb aber mit Thierry Henry als einzigem Stürmer zu wenig durchschlagskräftig. Kein Team verbuchte einen zählbaren Erfolg. In der Verlängerung waren die Franzosen – nun mit David Trezeguet ab der 100. Minute als zusätzlichem Angreifer – die weit überlegene Mannschaft, vermochten das Abwehrbollwerk der Italiener aber nicht zu sprengen, zumal Henry kurz nach Beginn der zweiten Hälfte der Verlängerung seiner kräfteraubenden Leistung alleine gegen die italienische Abwehr Tribut zollen musste und ausgewechselt wurde. Zidane hatte noch den Siegtreffer auf dem Kopf, aber Gianluigi Buffon konnte dessen platzierten Kopfball reaktionsschnell abwehren.

Größter Aufreger des Spiels war in der 110. Minute eine Tätlichkeit Zidanes gegen Materazzi. Jener hatte seinen Kopf in den Brustkorb des Italieners gerammt, nachdem dieser mehrfach Beleidigungen gegen Familienmitglieder Zidanes ausgesprochen hatte. Zidane wurde des Platzes verwiesen, die FIFA belegte später beide Spieler mit Spielsperren und Geldstrafen.

Ab dem Platzverweis flachte das Spiel ab und ging ins Elfmeterschießen, in dem sich Italien mit 5:3 durchsetzte. Einzig David Trezeguet verschoss einen Strafstoß, als der Ball von der Latte ins Spielfeld zurückprallte.

Hauptartikel: Organisationskomitee der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

Das Organisationskomitee Fußball-Weltmeisterschaft 2006 (kurz: OK) organisierte die Fußball-WM in Deutschland. Präsident des OK war Franz Beckenbauer, Verantwortlicher für Großprojekte und Repräsentant der Veranstaltung.

Horst R. Schmidt war erster Vizepräsident und stellvertretender Chef des OK. Seine Verantwortungsbereiche im OK umfassten organisatorische Dinge – von den Finanz- und Sicherheitsangelegenheiten bis zu Transport- und Verwaltungsfragen. Wolfgang Niersbach war geschäftsführender Vizepräsident und Pressechef des OK. Er zeichnete für die Medienarbeit, die Mannschaftsunterkünfte, die Vermarktung und die Informationstechnik verantwortlich. Dr. Theo Zwanziger war Vizepräsident. Sein Verantwortungsbereich lag in der Verwaltung, den juristischen Angelegenheiten, dem Personal der WM und bei allgemeinen organisatorischen Aufgaben. Fedor Radmann war Kunst- und Kulturbeauftragter sowie Präsidiumsberater.

Dem OK standen ein Aufsichtsrat mit 10 und ein Kuratorium mit 14 Mitgliedern zur Seite. Das OK wurde vom Sportausschuss des Deutschen Bundestages beraten. Internationale Botschafter der WM waren Jürgen Klinsmann, Oliver Bierhoff, Karl-Heinz Rummenigge und Rudi Völler. OK-Chef Beckenbauer benannte weitere 14 WM-Botschafter, ausnahmslos ehemalige Fußball-Profis, die ihre Heimatstädte und gleichzeitig die WM-Austragungsorte auf dem Weg zur WM offiziell begleiten sollten.

Aufgrund der problematischen Sicherheitslage in der Welt wurde vor allem im Vorfeld des Turniers intensiv über die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von Publikum und Aktiven diskutiert. Im Mittelpunkt standen dabei Maßnahmen sowohl zur Abwehr terroristischer Aktivitäten als auch zur Eindämmung von Hooliganismus.

Auf internationaler Ebene wurde vor allem auf die innereuropäische Kooperation der verschiedenen Sicherheitsbehörden Wert gelegt. So hatte die deutsche Polizei die Einreise von Hooligans und bekannten Gewalttätern nach Deutschland dadurch verhindern wollen, dass die Daten von bereits auffällig gewordenen Personen, insbesondere aus England, Polen und den Niederlanden, an die deutschen Behördern übermittelt wurden. Zu diesem Zweck wurde für die Dauer des Turniers das Schengener Abkommen de facto außer Kraft gesetzt, so dass je nach Sicherheitslage an den deutschen Außengrenzen wieder Einreisekontrollen durchgeführt wurden. Gleichzeitig waren viele ausländische Polizisten in Deutschland im Einsatz, um ihren Landsleuten an den Spielorten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Zugleich sollte in kritischen Situationen auf ihr Insiderwissen zurückgegriffen werden.

In Deutschland selbst hatte den polizeibekannten Hooligans der Zugang zu den Stadien vor allem dadurch verwehrt werden sollen, dass die Eintrittskarten auf dem freien Markt ausschließlich personenbezogen verkauft wurden. Zu diesem Zweck wurde insbesondere auf die Einträge in der von der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze geführte Datei „Gewalttäter Sport“ zurückgegriffen, in der mehr als 6.000 Personen aufgeführt wurden. Von vielen Seiten wurde diese Praxis kritisiert, unter anderem hielt der Bundesdatenschutzbeauftragte die Speicherung der Personalausweisnummer auf den Tickets für unverhältnismäßig und „zur Abwehr terroristischer Gefährdungen ungeeignet“. Obwohl die angekündigten Kontrollen der Ticketinhaber nur in wenigen Fällen tatsächlich durchgeführt wurden, sorgten diese Maßnahmen zusammen mit der Präsenz vieler Sicherheitskräfte in den Arenen dafür, dass es innerhalb der Stadien zu keinen nennenswerten Ausschreitungen kam.

Der von CDU und CSU im Vorfeld des Turniers in die Diskussion gebrachte Einsatz der Bundeswehr im Innern wurde dagegen nicht verwirklicht. Die Sicherheit an den Spielorten und auf den öffentlichen Plätzen wurde durch eine verstärkte Polizeipräsenz und durch private Sicherheitsfirmen gewährleistet, die sowohl in den Stadien als auch im Rahmen des Public Viewing Kontrollen durchführten und die Mitnahme gefährlicher Gegenstände untersagten.

Die Auswahl der WM-Quartiere für die qualifizierten Teilnehmer der Fußballweltmeisterschaft wurde in mehreren Phasen durchgeführt. Nach Eingang aller Bewerbungen prüfte die FIFA zunächst in zwei Etappen die Tauglichkeit der verschiedenen Häuser und schlug im Oktober 2004 den teilnehmenden Teams 110 Hotels zur Auswahl vor. Für die Aufnahme in die Liste waren folgende Standards erforderlich: Die Mannschaften mussten innerhalb einer halben Stunde per Bus einen Flughafen erreichen können, von wo aus sie jeweils am Tag vor dem WM-Spiel zum Spielort reisen konnten. In unmittelbarer Nähe der Unterkunft mussten großzügige Trainingsmöglichkeiten bestehen, idealerweise in Form eines Trainingsstadions mit erstklassiger Rasenfläche und überdachter Tribüne. Dem Organisationskomitee lagen rund 300 Bewerbungen aus ganz Deutschland in den unterschiedlichsten Qualitäten vor – vom Fünf-Sterne-Hotel bis zur Sportschule. Die Mannschaftsleitungen selbst entschieden sich zumeist erst nach der Gruppenauslosung, um geographische Aspekte in die Entscheidungsfindung mit einbeziehen zu können.

Eine Konsequenz dieser Vorgehensweise war, dass ausschließlich die Ukraine ihr Quartier in den neuen Bundesländern bezog. In Schleswig-Holstein und dem Saarland ließ sich keine Nationalmannschaft nieder.

Menschenrechtsorganisationen haben darauf hingewiesen, dass die genannten Sportartikelhersteller vor allem von sehr niedrigen Löhnen und unsicheren Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern profitieren. Die dortigen Bedingungen verstießen gegen Geist und Buchstaben der Erklärung zum FIFA-Fairplayprogramm (siehe Weblinks). Darin erkennt die FIFA die Bedeutung der Themen Gleichberechtigung, Frieden, Kinderrechte, Gesundheit, Bildung und Umweltfragen an und bekennt sich zum sozialen Engagement für diese Ziele. Ein Bündnis von Nichtregierungsorganisationen fordert von den Herstellern und der FIFA, mehr Verantwortung zu übernehmen und sich für Gewerkschaftsfreiheit, existenzsichernden Lohn sowie Zulassung unabhängiger Kontrollen einzusetzen.

Da im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 die Anzahl der rassistischen Vorfälle im Fußball zugenommen hatte, hatte das Exekutivkomitee der FIFA deswegen Artikel 55 des FIFA-Disziplinarreglements revidiert.

Dieser sieht jetzt unter anderem vor, dass ein Spieler, der rassistische Diskriminierungen ausspricht, für mindestens fünf Spiele gesperrt werden kann und seiner Mannschaft Punkte abgezogen werden können. Auch Zuschauer, die während des Spiels beispielsweise ein Transparent mit rassistischen Äußerungen aushängen, können mit einem Stadionverbot von mindestens zwei Jahren bestraft werden.

Im Rahmen dieses Anti-Rassismus-Programms der FIFA wurden bei allen 64 Spielen vor der Öffnung des Stadions ein Banner mit der Aufschrift „Nein zu Rassismus“ (no to racism) im Mittelkreis ausgelegt und Videospots gegen Rassismus im Stadion ausgestrahlt. Außerdem haben die Mannschaftskapitäne der Nationalteams, die sich für das Viertelfinale qualifiziert haben, ab diesem nach dem Singen der Nationalhymne einen persönlichen Aufruf gegen Rassismus verlesen. Aufgrund des Idolstatus' dieser Spieler erhoffte sich die FIFA eine besondere Wirkung auf Zuschauer in aller Welt.

Zusätzlich startete die FIFA im Vorfeld dieser Weltmeisterschaft eine Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Fußball gegen Rassismus in Europa (FARE), um auch in Zukunft ein klares Zeichen gegen den Rassismus setzten zu können. In dieser Hinsicht sah FIFA-Präsident Joseph S. Blatter die Weltmeisterschaft daher nur als „erste Anwendung“ des neuen Anti-Rassismus-Programms.

Mit dem Projekt Green Goal wollte die FIFA ein sportliches Großereignis in Einklang mit den Zielen des Umweltschutzes durchführen. So gehörten neben der konsequenten Benutzung von Pfandbechern und Mülltrennungssystemen auch eine Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs bei der Anreise zu den Stadien zur Kampagne.

Die Fußballweltmeisterschaft wurde zum größten Teil durch Sponsoren finanziert. Alleine die internationalen Hauptsponsoren des Weltverbandes FIFA zahlten mit mehr als 600 Millionen Euro (im Schnitt etwas mehr als 40 Millionen Euro) ungefähr dreimal so viel Geld an den Verband, wie durch den Kartenverkauf eingenommen wurde. Zu den offiziellen Partnern der FIFA für die Fußball-WM zählen neben Anheuser-Busch weitere vierzehn bekannte internationale Unternehmen: adidas, Avaya, Coca-Cola, Continental, Deutsche Telekom, Emirates sowie Fujifilm, Gillette, Hyundai, Mastercard, McDonalds, Philips, Toshiba und Yahoo!.

Hinzu kamen die nationalen Sponsoren, die jeweils 13 Millionen Euro zur WM beitrugen. In Berlin präsentierte am 7. Dezember 2004 das OK der WM den letzten Förderer der WM 2006: die Deutsche Bahn AG. Weitere nationale Sponsoren waren die Postbank, Obi, Hamburg-Mannheimer, EnBW und Oddset. Im Gegensatz zu den 15 internationalen Sponsoren des Weltfußballverbandes FIFA durften die nationalen Förderer nur in Deutschland mit ihrem Engagement werben.

Die Firmen, die sich bei der WM engagierten, hofften auf eine Erhöhung ihres Bekanntheitsgrades bzw. Ansehens und damit auf eine Umsatzsteigerung. Dass sich dieses Engagement lohnen konnte, zeigte beispielsweise die Fußball-Europameisterschaft 2004 und der Geldgeber Carlsberg. Der dänische Brauereiriese verkaufte während des Turniers 13 Prozent mehr Bier. Für die WM hatte der zweitgrößte Bierbrauer der Welt, das amerikanische Unternehmen Anheuser-Busch, sich die Exklusivrechte für den Bierausschank in den Stadien für 40 Millionen Euro von der FIFA gesichert. Aufgrund eines Rechtsstreits in den 1990ern zwischen Anheuser-Busch und der Bitburger Brauerei, deren Gegenstand die Namensähnlichkeit zwischen Bit und Bud war, hätte Anheuser-Busch in Deutschland während der WM nicht für seine Marke Bud werben dürfen. Beide Brauereien einigten sich jedoch im Vorfeld der WM dahingehend, dass 30 Prozent des Bierausschanks in den Stadien von dem deutschen Unternehmen übernommen wurden.

Neben den Hauptsponsoren des Turniers erhofften sich auch die einzelnen Mannschaftsausrüster steigende Umsatzzahlen von ihrem Engagement bei den verschiedenen Nationalteams. Neben Weltkonzernen wie adidas, Puma und Nike statteten auch eher unbekannte Sportartikelhersteller wie Umbro, Lotto, Marathon und Joma die Teilnehmer der Weltmeisterschaft aus.

Von der Weltmeisterschaft profitieren neben den Geldgebern die Mannschaftsausrüster durch die Vermarktung von Spielertrikots in hohem Maße. Außer an den Veranstalter wurden Teile der Erträge an die Teilnehmer- und Mitgliedsverbände ausgeschüttet. Allein an die Verbände der Teilnehmer flossen als Antritts- und Spielprämien rund 262,9 Millionen Euro.

Jeder der 32 Teilnehmer an der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland erhielt 10,37 Millionen Schweizer Franken (8,21 Millionen Euro) Antrittsgeld von der FIFA. So war die WM-Qualifikation für die Endrunde nicht nur mit viel Prestige für jede Nation verbunden, sondern sie lohnte sich auch finanziell. Der gesamte Bonus-Pool wurde im Vergleich zur WM 2002 um 38 Prozent angehoben: 332 Millionen Schweizer Franken (262,9 Millionen Euro) im Vergleich zu 190 Millionen Euro während der WM in Japan und Südkorea.

Hauptartikel: Fußball-Weltmeisterschaft 2006/Eintrittskarten.

Vom 1. Februar bis zum 31. März 2005 fand weltweit die erste Phase des Eintrittskartenverkaufs der Fußball-WM statt. Es gab bei der WM ausschließlich Sitzplatzkarten in vier Kategorien, wobei die Preise für die günstigste Kategorie bei 47 Spielen der Vorrunde 35 Euro betrugen. Die Preise gingen hinauf bis zu 600 Euro für das Finale. Außerdem gab es ab der 3. Vorverkaufsphase auch Tickets für sichtbehinderte Plätze, welche immer 60% vom Normalpreis kosteten. Insgesamt rechnete das Organisationskomitee der Weltmeisterschaft mit Gesamteinnahmen von 200 Millionen Euro.

Kritisiert wurde im gesamten Vorfeld des Turniers, dass nur ein geringer Anteil der Karten in den freien Verkauf ging. Nach Angaben des Organisationskomitees (OK) standen im Online-Verkauf bloß 1,12 Millionen der insgesamt 3,2 Millionen Eintrittskarten – also ein knappes Drittel – zur Verfügung. Der größere Teil der Eintrittskarten war für Sponsoren, den DFB, die verschiedenen teilnehmenden Verbände, den Weltverband FIFA, dort für die nicht teilnehmenden Länder, sowie für besonders zahlungskräftige Kunden reserviert.

Zwischen der FIFA und den Organisatoren gab es anfänglich Auseinandersetzungen um die Preisgestaltung. Das OK bestand auf einer Sozialkomponente und setzte mit 35 Euro für den billigsten Sitzplatz in den Vorrundenspielen einen Preis durch, der um 16 Euro unter dem der WM 2002 lag. Erstmals bei einer WM galt die Eintrittskarte zu den Spielen zudem auch als Fahrschein für die kostenlose Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

Knapp über eine Million Menschen aus 195 Ländern hatten sich in dieser ersten zweimonatigen Verkaufsphase um die 812.000 Eintrittskarten beworben. 8,7 Millionen gültige Kartenbestellungen gingen ein, von denen 6,25 Millionen aus Deutschland stammten. 2,3 Millionen Bestellungen stammten aus einem aus den USA gestarteten Manipulationsversuch und 1,3 Millionen Doppelbestellungen wurden nicht akzeptiert. Damit kamen auf jede Eintrittskarte der ersten Verkaufsphase über zehn Bewerber. Bereits nach den ersten 48 Stunden der Verkaufsphase hatte die Nachfrage das Angebot überstiegen. Jeder konnte über ein Losverfahren für sieben Spiele jeweils maximal vier Eintrittskarten erhalten. Es erfolgte keine Bearbeitung in einer chronologischen Reihenfolge. Nach einem TÜV-geprüften Verfahren und unter notarieller Aufsicht wurde am 15. April 2005 die erste Bestellphase verlost. Der Verkauf der Eintrittskarten erfolgte, damit weltweit alle Interessenten gleiche Chancen haben, nur über die offizielle Internetseite.

Eine Premiere stellt die Personalisierung der Eintrittskarten dar. Mit Verweis auf Sicherheitsaspekte waren diese nicht übertragbar, die Käufer mussten sich mit Namen und Ausweisnummer registrieren. Davon ausgenommen waren mehrere hunderttausend VIP-Tickets.

Laut den AGB war niemand berechtigt, eine ihm zugeteilte Eintrittskarte weiterzuverkaufen oder weiterzugeben. Ein Versuch, Eintrittskarten zu verkaufen, hätte als Schwarzmarkthandel gewertet werden sollen und zur Sperrung der betreffenden Eintrittskarte geführt. Auf dem Sicherheitschip der personalisierten Karten sollten Zutrittsinformationen, nicht aber persönliche Daten gespeichert werden.

Die Kontrolle der Personendaten am Stadioneingang erwies sich rein organisatorisch bei durchschnittlich mehr als 50.000 Besuchern pro Spiel als nicht durchführbar. So sollen laut einem Zeitungsinterview von FIFA-Präsident Sepp Blatter nur bei rund einem Prozent der Stadionbesucher die Personalien kontrolliert worden sein. Entsprechend florierte der Schwarzmarkt in gleichem Umfang wie bei ähnlichen sportlichen Großereignissen, den Blatter im gleichen Kontext als normalen Vorgang und „offenen Markt“ bezeichnete . Außerdem wurde laut Aussagen der FIFA selbst bei den Leuten, die mit einem Ticket auf einen anderen Namen ins Stadion wollten, niemandem der Zutritt verweigert, es wurde maximal das Ticket kurzfristig umgeschrieben (außer wenn das Ticket wegen Verlust oder Diebstahl gesperrt war).

Deutschland befand sich seit 2001 in einer wirtschaftlichen Stagnation und erhoffte sich durch die Ausrichtung des (gemessen an der Zahl der Fernsehzuschauer) zweitgrößten Sportereignisses der Welt wichtige gesamtwirtschaftliche Impulse.

Der damalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement prognostizierte für Deutschland einen langfristigen, volkswirtschaftlichen Gewinn von über acht Milliarden Euro beim Bruttoinlandsprodukt, was 0,36 % des BIP des Jahres 2005 entspricht. Dieser Erlös sollte vor allem durch die ungefähr fünf Millionen zusätzlichen Übernachtungen zustande kommen. Das Organisationskomitee rechnete mit circa 3,2 Millionen Besucherinnen und Besuchern, von denen etwa eine Million aus dem Ausland kommen sollten.

Vor Beginn des Turniers wurde vor allem an Verbesserungen der Infrastruktur gearbeitet. Alle zwölf Austragungsorte konnten moderne Stadien vorweisen, wobei sich die Kosten für Um- oder Neubau auf Beträge zwischen 48 und 280 Millionen Euro summierten. Insgesamt wurden von staatlicher Seite und durch die Betreiber der Arenen rund 1,38 Milliarden Euro investiert. Daneben hatte das Wirtschaftsministerium angekündigt, 3,7 Milliarden Euro in den Straßenbau und 500 Millionen in den Kartenverkauf zu investieren.

Prinzipiell lassen sich die langfristigen Folgen eines solchen Großereignisses auf die wirtschaftliche Entwicklung aufgrund unsicherer Prognosen und vielfältiger Multiplikatorwirkungen nur sehr schwer einschätzen. Messbaren Effekten auf der Einnahmenseite von Staat und Wirtschaft stehen Auswirkungen des Turniers gegenüber, die wie beim Anstieg des Ansehens Deutschlands eher ideeller Natur sind. Zudem ist unklar, ob sich die Investitionen in die Infrastruktur gelohnt haben oder ob Umweltschäden durch den steigenden Tourismus mit verbundenen Folgekosten eingetreten sind.

Trotz aller Unwägbarkeiten zieht die Bundesregierung in ihrem Abschlussbericht ein durchweg positives Fazit des Turniers. Demnach habe die Weltmeisterschaft das Wachstum in Deutschland angeschoben, sowohl im Gastgewerbe mit einer Steigerung um 300 Millionen Euro als auch im Einzelhandel mit 2 Milliarden Euro war ein deutliches Umsatzplus zu verzeichnen. Zudem konnten über 100 Millionen Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen verbucht werden. Auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt konnte in den Monaten der Weltmeisterschaft eine leichte Entspannung registriert werden, laut Bundesagentur für Arbeit wurden etwa 50.000 zusätzliche Stellen geschaffen. Vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe, aber auch im Bereich der Sicherheitsdienste wurden neue Arbeitsplätze eingerichtet. Welcher Teil dieser Stellen längerfristigen Bestand haben wird, ist noch unklar, ebenso der Anteil sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse. Daneben ist eine exakte Zuordnung messbarer Größenordnungen zu verschiedenen Ursachen schwierig: auch der besonders warme, trockene Juni 2006 dürfte seinen Anteil an gestiegenen Übernachtungszahlen und anderen touristischen Indikatoren gehabt haben.

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung kommt zu dem Schluss, dass die Weltmeisterschaft „keinerlei nennenswerte positive gesamtwirtschaftliche Effekte“ bewirken konnte. Die Ausgaben der ausländischen Besucher beliefen sich nach Berechnungen des DIW auf nur etwa 500 Millionen Euro und sind damit in der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung eine zu vernachlässigende Größe.

Laut einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage des Kölner Marktforschungsinstituts Sport + Markt im Auftrag des Handelsblatts sind adidas, Coca-Cola, McDonald’s und die Deutsche Telekom die bekanntesten Sponsoren der Weltmeisterschaft. Größter Gewinner in dieser Hinsicht ist jedoch Hyundai, da der Autohersteller durch die WM ein Bekanntheitswachstum von 33 % auf 50 % erreicht habe. Auch die als Mannschaftsausrüster auftretenden Sportartikelhersteller profitierten von dem Boom der Weltmeisterschaft. So konnte adidas bereits im ersten Quartal des Jahres 2006 deutliche Umsatzsteigerungen verzeichnen, auch Puma rechnete mit Steigerungen um 40 % im Vergleich zum Vorjahr.

Inwieweit die mit der Weltmeisterschaft einhergegangenen Stimmungssteigerungen innerhalb der deutschen Wirtschaft auf das Turnier zurückzuführen sind ist umstritten. Zwar verzeichnete der ifo-Index, Deutschlands meistbeachtetes Konjunkturbarometer, im Juni 2006 den höchsten Stand seit rund 15 Jahren, dennoch scheint der materielle Einfluss des Turniers nur gering zu sein. Auffällig ist jedoch, dass mit dem Ende des Turniers auch ein deutlicher Dämpfer der Stimmung zu verzeichnen war.

Der Etat des Organisationskomitees betrug 430 Millionen Euro. Dabei erwirtschaftete das OK einen Überschuss von 135 Millionen Euro.

Die Betreiber der zwölf WM-Stadien erzielten Einnahmen aus Stadionmiete im Umfang von 33 Millionen Euro sowie weitere Zahlungen durch das OK im Umfang von 18 Millionen Euro. Der Gewinn des OK teilte sich wie folgt auf: Nach Abzug einer 40 Millionen Euro betragenden Rückerstattung an die FIFA, die dem OK im Vorfeld des Turniers einen Zuschuss gewährt hatte, und den zu leistenden Körperschafts- und Gewerbesteuerzahlungen (43,7 Millionen Euro) wurden die verbleibenden 56,6 Millionen Euro gemäß Grundlagenvertrag jeweils hälftig auf den DFB und die DFL aufgeteilt.

Die Einnahmen des DFB aus der WM flossen satzungsgemäß ausschließlich in gemeinnützige Projekte, 20 Millionen Euro davon gingen mit diesem Ziel an die Landesverbände. Weitere Beträge gingen an den Deutschen Olympischen Sportbund und die Deutsche Sporthilfe.

Insgesamt berichteten mindestens 14.000 Medienvertreter von der WM-Endrunde.

Für die Weltmeisterschaft hat der Lizenzgeber der Fernsehrechte, die Schweizer Sportrechteagentur Infront AG, Fernsehanstalten aus 205 Ländern unter Vertrag genommen. Die Höhe der von Infront aufgebrachten Kosten wurde nicht bekannt. Die Fernsehproduktion, das beinhaltet insbesondere die Bildregie, also die Entscheidung, welche Bilder und Spielausschnitte gesendet werden, wurde von der Infront-Tochter Host Broadcast Services (HBS) übernommen. Dies galt auch für die Übertragungen im deutschen Fernsehen.

Im Land des Gastgebers wurden montags bis samstags die Gruppenphase und die Spiele um die ersten drei Plätze im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bei ARD und ZDF sowie die acht Sonntagsbegegnungen im Privatfernsehen bei RTL Television übertragen. Alle Begegnungen der deutschen Mannschaft wurden im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt. Hätte die deutsche Mannschaft im Achtelfinale an einem Sonntag gespielt, hätten ARD bzw. ZDF ein 49. Spiel erhalten. Ansonsten hatte das öffentlich-rechtliche Fernsehen an Sonntagen bis zum Viertelfinale „spielfrei“.

In Österreich übertrug der ORF, in der Schweiz das SF alle 64 Spiele live.

Der Pay-TV-Sender Premiere übertrug sämtliche 64 Partien, acht davon exklusiv. Bei den Exklusivspielen handelte es sich um Spiele des letzten Vorrundenspieltags, die je Gruppe immer zeitgleich stattfanden, so dass zur selben Zeit die Live-Übertragung eines anderen Spiels im Free-TV erfolgte. Erstmals wurden alle 64 WM-Spiele bei Premiere auch im neuen, hochauflösenden Fernsehformat HDTV übertragen. Parallel stattfindende Begegnungen wurden in Konferenzschaltungen gezeigt. Außerdem bot Premiere einen eigenen WM-Kanal an, der rund um die Uhr Analysen, Höhepunkte und Wiederholungen zeigte.

Das Eröffnungsspiel im ZDF (Deutschland – Costa Rica) erreichte die höchste Quote eines WM-Eröffnungsspiels seit Beginn der Quotenmessung. In Spitzenzeiten wurde das Spiel in Deutschland von 22,4 Millionen Zuschauern verfolgt. Damit erreichte das Programm mehr als 27 Prozent der Bevölkerung zuzüglich Radioübertragungen.

Das Halbfinalspiel Deutschlands gegen Italien erreichte die höchste je in Deutschland gemessene Zuschauerreichweite (nicht berücksichtigt sind Sendungen unter 15 Minuten). 29,66 Millionen Zuschauer sahen das Spiel, in der Spitze sogar 31,31 Millionen und das, obwohl schätzungsweise über 10 Millionen Deutsche das Spiel nicht vor dem heimischen Fernseher, sondern auf Veranstaltungen sahen. Der Marktanteil der Fernsehübertragung stieg auf bis zu 91,2 %.

Nach einer Initiative des Organisationskomitees (OK) bei der FIFA und bei Sportrechtevermarkter Infront war die Übertragung der Fußball-WM 2006 auf Großleinwänden in deutschen Städten gesichert. Hauptgrund für das Drängen des OK war die zu geringe Anzahl an Eintrittskarten.

So gaben sowohl die Agentur Infront als auch die FIFA am 20. Januar 2005 nach und genehmigten die kostenlose öffentliche Übertragung. Somit konnte nun jede Stadt und jede Gemeinde, beispielsweise auf öffentlichen Plätzen oder in Mehrzweckhallen, Großbildleinwände aufstellen und die Spiele kostenlos übertragen.

Ausdrücklich galt diese kostenfreie Freigabe auch für alle nicht-kommerziellen Veranstaltungen in Schulen, Kirchen, Krankenhäusern, Firmen oder Biergärten. Sofern eine Übertragung jedoch durch Sponsoren finanziert wurde, galt sie als kommerzielle Veranstaltung, für die Lizenzgebühren erhoben wurden. Dies galt auch für alle Veranstaltungen, bei denen Eintritt erhoben wurde. Als Sponsoren durften nur lokale und regionale Unternehmen fungieren, die nicht Wettbewerber der offiziellen FIFA-Sponsoren waren.

Nach Gesprächen mit dem OK erlaubte die FIFA den lokalen Veranstaltern den Verkauf von Würstchen, Pommes und deutschem Bier. Das Getränk des FIFA-Sponsors Budweiser musste nicht ausgeschenkt werden.

Der internationale Fußballverband finanzierte in den zwölf Austragungsorten je eine Großleinwand mitsamt der Technik und den Fernsehbildern. Mit der Hilfe der offiziellen Sponsoren wollte der Fußballverband jedoch höchstens 700.000 Euro pro WM-Stadt ausgeben, alle weiteren Kosten mussten die einzelnen Städte aufbringen.

In vielen deutschen Städten fanden Übertragungen statt, zumeist auf großen Plätzen in der Innenstadt. Überregionale Beachtung fanden vor allem die Übertragungen aus Frankfurt und Berlin. In Frankfurt wurden die Spiele dabei live auf einer übergroßen Videowand übertragen, die als künstliche Insel auf dem Main angebracht war, damit sie von beiden Uferseiten verfolgt werden konnten (MainArena). In Berlin fanden unter anderem Live-Übertragungen auf der Straße des 17. Juni, im Sony Center, in der Waldbühne und in der neu errichteten Adidas-Arena statt.

Die FIFA vergab keine direkten Übertragungsrechte im Radiobereich, da man Radiosendern nicht verbieten kann, Spiele zu kommentieren, die im Fernsehen live gezeigt werden. Jedoch verlieh die FIFA an Radiosender den Titel „Lizenzierter Radio-Sender“, welchen diese dann auf ihren Websites und auf Plakaten sowie im laufenden Programm anpreisen durften. Viele Radiosender, private wie öffentlich-rechtliche, übertrugen die WM auch live aus den Stadien und kommentierten die Begegnungen.

Der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), OK-Chef Franz Beckenbauer und der verantwortliche Multimedia-Künstler André Heller waren die Initiatoren für das 30 Millionen Euro teure Kulturprogramm zur Einstimmung auf die Fußball-WM 2006 in Deutschland.

Das offizielle Maskottchen für die WM, der Löwe Goleo VI, wurde am 13. November 2004 vorgestellt. Weitere Symbole, die das Organisationskomitee um Franz Beckenbauer vorstellten, waren das offizielle Logo, bestehend aus bunten Gesichtern, und das offizielle WM-Plakat mit winzigen Sternen, die sich zu einem Fußball verbinden.

Die offizielle WM-Hymne wurde von Herbert Grönemeyer zusammen mit dem Duo Amadou & Mariam komponiert und trug in der deutschen Version den Titel Zeit, dass sich was dreht. Offizieller WM-Song war Love Generation von Bob Sinclar. Daneben waren auch die Sportfreunde Stiller mit '54, '74, '90, 2006 an der Spitze der deutschen Charts vertreten.

Zu den wichtigsten Projekten gehörten der Fußball-Globus, der bis zu Beginn der WM nacheinander in den Austragungsorten aufgebaut wurde. Außerdem veranstaltete die Kulturstiftung des Bundes die erste Straßenfußball-Weltmeisterschaft, ein Projekt zur Förderung des Nachwuchses unter dem Motto „Straßenfußballkulturen“.

Der Fernsehsender ARTE widmete sich ebenfalls dem Thema Fußball und Kultur, und das Goethe-Institut organisierte in über 127 Ländern eigene Ausstellungen zur WM. Auch Phoenix hatte einige Fußballfieber-Sendungen im Programm. Vor Beginn der WM wurden hier historische Spiele noch einmal in voller Länge mit Originalkommentar gezeigt.

Die brasilianische Choreographin Deborah Colker schuf mit Unterstützung des Kunst- und Kulturprogramms der Bundesregierung die Fußball-Choreographie Maracanã, welche typische Szenen wie Foul oder Fallrückzieher einbezieht.

Die geplante WM-Eröffnungsfeier am 7. Juni 2006 in Berlin, bei der David Bowie, Van Morrison, Brian Eno und Paul Simon auftreten sollten, wurde vom Weltfußballverband FIFA wegen angeblicher Rasenprobleme im Berliner Olympiastadion abgesagt. Die Eröffnungsfeier der WM fand stattdessen, wie ursprünglich geplant, am 9. Juni 2006 vor dem Eröffnungsspiel in München statt. Die Feier wurde von Christian Stückl, auch Regisseur bei den Passionsspielen in Oberammergau, gestaltet.

Als Walk of Ideas kamen in Berlin sechs Skulpturen zur Aufstellung, die den deutschen Erfindungsreichtum zur WM nach außen repräsentieren sollen. Als erste Plastik wurde am 10. März 2006 im Spreebogenpark gegenüber dem neuen Berliner Hauptbahnhof „Der moderne Fußballschuh“ enthüllt. Das pro Schuh 12 Meter lange und 5 Meter hohe Monument stellt ein Paar des von Adi Dassler entwickelten revolutionären Schraubstollenschuhs dar. Außerdem wurde als Anlehnung an die bekannte und innovative deutsche Automobilbranche ein übergroßes Plastikmodell eines Audi TT enthüllt.

Begleitend zur Fußball-WM boten in Frankfurt am Main sämtliche städtische Museen fußballthematische Ausstellungen. Eine Woche vor dem Eröffnungsspiel wurde in der so genannten „Skyarena“ die Skyline mit Höhepunkten der Fußballgeschichte angestrahlt.

Nicht nur organisatorisch war die Weltmeisterschaft laut FIFA-Präsident Sepp Blatter die beste der Geschichte, vor allem durch das ebenso begeisterungsfähige wie gastfreundliche Publikum konnte sich Deutschland als ein würdiger Gastgeber des Turniers darstellen. Durch die vielen Fanfeste und Public-Viewing-Bereiche entstand in Deutschland das Gefühl eines vierwöchigen Volksfestes, an dem ein Großteil der Bevölkerung aktiv teilnahm.

Für Diskussionsstoff im Land sorgte während der ersten Wochen des Turniers zudem das verbreitete Zeigen der deutschen Nationalflagge und der deutschen Nationalfarben an Häusern, Fahrzeugen und Bekleidung. Zahlreiche nationale und internationale Beobachter aus Medien, Gesellschaft und Politik meinten, hierin nicht nur eine große Unterstützung für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, sondern gar einen „neuen Patriotismus“ der Deutschen ausgemacht zu haben. Nach Ansicht einer Studie der Universität Marburg zeigten Untersuchungen aber auch einen einhergehenden Anstieg des Nationalismus in Deutschland.

Weil die deutsche Fußball-Nationalmannschaft dazu beigetragen hat, dass in Deutschland über Wochen diese bis dahin unbekannte Begeisterung und Euphorie ausgelöst wurde, hat Bundespräsident Horst Köhler am 14. August 2006 den Nationalspielern und dem Trainerstab das silberne Lorbeerblatt überreicht. Jürgen Klinsmann erhielt darüber hinaus im Februar 2007 noch das Bundesverdienstkreuz, nicht zuletzt auch für seinen Reformkurs für moderne Trainings- und Spielmethoden im deutschen Fußball, dem er trotz harter Kritik treu geblieben ist. Dennoch erklärte Klinsmann nach dem Turnier, dass er seinen Vertrag als Trainer der Nationalmannschaft nicht verlängern werde, da er sich nach eigenen Aussagen ausgebrannt fühlte und wieder mehr Zeit mit seiner Familie in Kalifornien verbringen möchte. Der DFB benannte noch am selben Tag den vorherigen Assistenztrainer Joachim Löw als Klinsmanns Nachfolger, da er aus Sicht der Verantwortlichen Klinsmanns Trainingsmethoden und Arbeit am besten fortsetzen könnte.

Nach einer repräsentativen Umfrage des Europäischen Tourismus Instituts (ETI) in Trier vertreten 96 % der Deutschen die Meinung, dass Deutschland ein guter Gastgeber während der Fußball-Weltmeisterschaft war. Außerdem empfanden 93 % der Befragten die ausländischen Fußballfans als angenehm.

In aller Welt zeigte man sich positiv überrascht, mit welcher Hingabe Deutschland die Weltmeisterschaft feierte. Vor allem die Tatsache, dass auch exotische Teams würdig empfangen und bejubelt wurden, sorgte für einen grundlegenden Wandel des Deutschlandbildes im Ausland.

Insbesondere am Beispiel England lassen sich konkrete Veränderungen in der Gesellschaft aufzeigen: Vor der WM wurden mit Deutschland oft das Dritte Reich und Hitler verbunden. Studien der Edge Hill University zufolge wurde dieses negative Bild besonders durch die englischen Schulen geprägt, da dort Deutschland praktisch nur im Kontext des Zweiten Weltkriegs thematisiert wurde. Mittlerweile wurde auch die deutsche Geschichte nach 1945 in die Lehrpläne aufgenommen, zudem ließ sich direkt nach der Weltmeisterschaft ein ruckartiger Anstieg der Anmeldungen für Sprachkurse bei den britischen Goethe-Instituten verzeichnen.

Vom Sportlichen her war die WM 2006 vor allem ein weiterer Beleg für die zunehmende taktische Prägung des Spiels.

Gerade in der Finalrunde, als sich in jedem Spiel zwei erstklassig eingestellte Mannschaften gegenüber standen, spielten Sicherheitsdenken und Disziplin die größte Rolle. Da zudem, anders als bei der WM 2002, kaum konditionelle Mängel bei den einzelnen Teams zu bemerken waren, fielen vergleichsweise wenig Tore. Entsprechend wurden viele Spiele erst in der Verlängerung oder im Elfmeterschießen entschieden. Bezeichnend ist, dass in der Finalrunde nur im eher unbedeutenden Spiel um Platz drei und im Achtelfinale zwischen Spanien und Frankreich mehr als drei Tore fielen.

Ähnliches wurde auch in der Vorrunde deutlich, als die spielerischen Mängel einzelner Teams durch eine hervorragende Athletik und gutes Defensivspiel weitgehend kompensiert werden konnten. Außenseiter wie Trinidad und Tobago oder Angola konnten gegen deutlich stärker eingeschätzte Gegner mithalten und diese sogar an den Rand der Niederlage bringen. Dies geschah zumeist auf Kosten eines attraktiven Offensivfußballs, so dass viele Vorrundenspiele nicht die noch von der vergangenen Europameisterschaft bekannte Qualität besaßen.

Auffällig in taktischer Hinsicht war vor allem, dass mit Ausnahme Deutschlands alle Halbfinalisten den Wechsel von einem 4-4-2-System mit einer Viererkette in der Abwehr, einer Raute im Mittelfeld und zwei Stürmern zu einem 4-4-1-1- oder 4-2-3-1-System vollzogen hatten, in dem insbesondere zwei klassische „Sechser“ vor der Abwehr spielten und so eine defensivere Grundordnung entstand. Dies wurde durch den Verzicht auf einen zweiten Stürmer kompensiert, so dass die verbleibenden Sturmspitzen wie beispielsweise der Portugiese Pauleta, Frankreichs Thierry Henry oder der Italiener Luca Toni auf sich allein gestellt waren und sich selten gegen die Abwehr des Gegners durchsetzen konnten.

Trotz der Wahl von Zinédine Zidane zum besten Spieler des Turniers wird diese Weltmeisterschaft daher vor allem aufgrund der hervorragenden Abwehrleistungen in Erinnerung bleiben. Insbesondere die italienische Mannschaft stellte mit ihren Defensivspielern Fabio Cannavaro, Andrea Pirlo und Gianluca Zambrotta drei der besten Aktiven des Turniers. Ins Bild passt zudem, dass mit Miroslav Klose erstmals seit 1962 ein Spieler mit weniger als sechs Treffern Torschützenkönig einer WM wurde.

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Fußball-Europameisterschaft 2004

Cristiano Ronaldo (links unten) im Halbfinale gegen die Niederlande

Die Endrunde der 12. Fußball-Europameisterschaft 2004 der Herren (UEFA EURO 2004) fand vom 12. Juni bis 4. Juli 2004 in Portugal statt. Am Turnier nahmen sechzehn Länder teil. Der Gewinner wurde in 31 Spielen ermittelt. Europameister 2004 wurde Griechenland.

Portugal hatte die Austragung der Europameisterschaft 2004 am 12. Oktober 1999 in Aachen von der UEFA zugesprochen bekommen. Das Land hatte sich dabei unter anderem gegen Spanien und Österreich/Ungarn durchgesetzt. Portugal hatte Spanien die gemeinsame Austragung des Turniers angeboten, die Spanier hatten jedoch in der Hoffnung auf den Zuschlag für eine eigenständige Ausrichtung abgelehnt.

Zum ersten und einzigen Mal während einer Fußball-Europameisterschaft galt die Silver-Goal-Regel. Das unpopuläre Golden Goal bewegte die UEFA in der Saison 2002 dazu, die Regel zu modifizieren. Aus dem Golden Goal wurde das so genannte Silver Goal: Das Spiel wird nur bei Führung eines Teams nach einer 15-minütigen Verlängerung entschieden. Nach der EM wurde auch diese Regel abgeschafft. Zukünftig werden Verlängerungen wieder nach altem Modus ausgespielt (siehe auch: Übersicht zum Regelwerk).

Griechenland nahm als Sieger der Europameisterschaft 2004 am Konföderationen-Pokal 2005 in Deutschland teil.

Die Qualifikationsrunde für die Europameisterschaft 2004 fand 2002 bis 2003 in zehn Gruppen statt, in denen jeweils fünf Mannschaften spielten. Die Gruppensieger qualifizierten sich automatisch für die Endrunde. Unter den Gruppenzweiten wurden fünf Relegationsspiele ausgetragen, deren Sieger ebenfalls – neben Gastgeber Portugal – die Endrunde erreichten.

Portugal konnte erst im letzten Spiel mit dem 1:0 gegen Spanien zeigen, dass es zu den Turnier-Favoriten gehörte. Aufgrund der Niederlage gegen Griechenland war die Mannschaft von Luiz Felipe Scolari schon früh unter Zugzwang geraten. Nach dem Sieg gegen Russland musste Spanien besiegt werden, was in einem spannenden Gruppen-Endspiel auch gelang.

Griechenland überraschte bereits im Eröffnungsspiel. Der Sieg gegen Gastgeber Portugal war keine Eintagsfliege, wie das Unentschieden gegen Spanien bewies. Doch nach der Niederlage gegen das bereits ausgeschiedene Russland, die nur knapp zum Viertelfinaleinzug reichte, ging die Fachwelt davon aus, dass spätestens gegen Europameister Frankreich das Turnieraus kommen würde.

Spanien bestätigte seinen Ruf, alles andere als eine Turniermannschaft zu sein. Nach dem knappen Sieg gegen Russland und dem Unentschieden gegen Griechenland hätte ein Unentschieden gegen Portugal zum Weiterkommen genügt. Doch das 0:1 gegen den kleineren Nachbarn führte zum Aus, weil Griechenland nicht mit mehr als einem Tor Unterschied gegen Russland verlor.

Russland schied schon nach dem zweiten Spiel aus. Die Niederlagen gegen Spanien und Portugal führten dazu, dass auch der Sieg gegen Griechenland im letzten Gruppenspiel nutzlos war.

Frankreich erreichte das Viertelfinale ohne Niederlage, überzeugte dabei aber nicht. Dem späten Auftaktsieg gegen England folgte ein schwaches Unentschieden gegen Kroatien, wodurch der vorzeitige Viertelfinaleinzug verpasst wurde. Zwar konnte Frankreich im letzten Spiel gegen Schweiz dies nachholen, doch Frankreich zählte nicht mehr zu den Topfavoriten im Turnier.

England erholte sich schnell von dem durch das verlorene Eröffnungsspiel gegen Frankreich erlittenen Schock, bei dem David Beckham seinen ersten Elfer bei dieser EM verschoss. Ein klarer Sieg gegen die Schweiz und ein trotz 0:1-Rückstand am Ende deutlicher Sieg gegen Kroatien ermöglichte das Weiterkommen. Der erst 18-jährige Wayne Rooney stieg in dieser Phase mit jeweils zwei Toren gegen die Schweiz und Kroatien zum neuen Star der englischen Mannschaft auf.

Für Kroatien war es schon nach dem ersten Gruppenspiel sehr schwierig geworden, den Viertelfinaleinzug zu schaffen. Da man davon ausgehen musste, dass gegen Frankreich und England nicht nur Siege erzielt werden konnten, war ein Erfolg im Spiel gegen die Schweiz Pflicht. Doch das Spiel endete nur unentschieden. Kroatien erzielte zwar mit dem 2:2 gegen Frankreich einen Achtungserfolg, schied aber nach dem 2:4 gegen England aus.

Die Schweiz war als Außenseiter in die Gruppe B gegangen und hatte nach dem Unentschieden gegen Kroatien keine großen Chancen mehr auf das Weiterkommen. Nach einer Niederlage gegen England und Frankreich schied die Mannschaft aus.

Schweden startete mit dem 5:0 gegen Bulgarien sehr gut in das Turnier. Das Unentschieden gegen Italien und das 2:2 gegen Dänemark reichten dank der guten Tordifferenz sogar zum Weiterkommen als Gruppenerster.

Dänemark hatte einen guten Start ins Turnier. Das 0:0 gegen Italien und der Sieg gegen Bulgarien sorgten dafür, dass Schweden und Dänemark ein 2:2 im letzten Gruppenspiel reichte, um den Viertelfinaleinzug zu schaffen.

Italien konnte bei der Euro 2004 nicht überzeugen. Die Unentschieden gegen Dänemark und Schweden brachten die Mannschaft schnell ins Hintertreffen. Trotz des späten 2:1-Erfolges gegen Bulgarien reichte es den Italienern nicht, da Dänemark und Schweden sich 2:2 trennten. Da schon im Vorhinein klar war, dass sich Dänemark und Schweden bei diesem Ergebnis beide für das Viertelfinale qualifizieren konnten und der dänische Torwart zu allem Überfluss in der 90. Minute noch den 2:2-Ausgleich der Schweden verursachte, kam in Teilen der italienischen Medien der Verdacht einer Absprache auf. Auch die ironisch gemeinte Äußerung des dänischen Trainers Morten Olsen („Natürlich machen wir einen Deal.“) sorgte für Aufregung.

Bulgarien war nach dem klaren 0:5 gegen Schweden und der weiteren Niederlage gegen Dänemark schon vor dem letzten Spiel ausgeschieden. Dennoch hielten die Bulgaren gegen Italien gut mit und verloren erst durch ein Tor in der 90. Minute.

Tschechien hatte einen glücklichen Einstand in das Turnier. Trotz eines 0:1-Rückstandes gegen Lettland siegte man noch 2:1. Das 3:2 gegen die Niederlande, das wiederum nach einem 0:2-Rückstand zustande kam, war eines der besten Spiele der Europameisterschaft. Da Tschechien nach diesen zwei Siegen schon als Gruppensieger feststand, spielte im letzten Gruppenspiel gegen die deutsche Mannschaft nur eine B-Elf. Abermals lag man 0:1 hinten, abermals gewann die Mannschaft noch 2:1. Tschechien galt nach dem klaren Weiterkommen in der so genannten Todesgruppe als einer der Anwärter für den Titel des Europameisters.

Die Niederlande konnten zu Beginn gegen Deutschland knapp ein 1:1 erkämpfen. Da auch das Spiel gegen Tschechien nach 2:0-Führung noch mit 2:3 verloren ging, konnten die Niederländer das Viertelfinale im letzten Spiel gegen Lettland nicht mehr aus eigener Kraft erreichen. Trotz Unruhe im Team, die aus der herben Kritik an Trainer Dick Advocaat herrührte, gewann die Mannschaft klar mit 3:0 gegen Lettland und konnte dank der deutschen Niederlage gegen Tschechien auch den Einzug ins Viertelfinale feiern.

Deutschland schied – wie 2000 – nach den Gruppenspielen aus. Allerdings war das frühe Ende der Euro nicht so desaströs wie vier Jahre zuvor. In einem guten Spiel gegen die Niederlande fing sich die Mannschaft neun Minuten vor Schluss noch den Ausgleich ein. Gegen Lettland enttäuschte die Mannschaft allerdings und kam nur zu einem 0:0. Da aber die Niederlande gegen Tschechien verloren, hätte die deutsche Mannschaft noch aus eigener Kraft mit einem Sieg gegen die B-Elf Tschechiens das Viertelfinale erreichen können. Doch auch gegen den östlichen Nachbarn gelang kein Sieg. Die 1:0-Führung durch Michael Ballack wurde noch in ein 1:2 umgewandelt. Damit musste Deutschland zum dritten Mal nach 1984 und 2000 die Heimreise nach der Gruppenphase antreten.

Lettland, dessen Qualifikation eine große Überraschung gewesen war, spielte gut mit. Die Letten verloren im Eröffnungsspiel trotz Führung gegen Tschechien und erkämpften sich gegen Deutschland ein 0:0. Dadurch gab es sogar noch theoretisch die Möglichkeit, ins Viertelfinale einzuziehen. Doch gegen die Niederlande waren die Balten chancenlos und verloren klar mit 0:3.

Die Viertelfinalbegegnung Portugal – England zählen viele zu den spannendsten und höchstklassigen Spielen der Europameisterschaftgeschichte. Während der regulären Spielzeit geriet Portugal durch ein frühes und selbstverschuldetes Tor der Engländer in Rückstand. Erst in der 85. Minute gelang der Ausgleich durch Helder Postiga. Umstritten war ein nach einem Freistoß erzieltes Tor der Engländer durch Sol Campbell in der 89. Minute, das aufgrund einer als Behinderung des portugiesischen Torhüters Ricardo Pereira durch John Terry gewerteten Aktion nicht anerkannt wurde. Der Schiedsrichter Urs Meier erhielt in der Folge mehrere Morddrohungen. Der englische Jungstar und bei dieser EM zum Führungsspieler avancierte Wayne Rooney zog sich bereits in der ersten Spielhälfte einen Knochenbruch im Fuß zu und konnte so nicht mehr als wichtiger Torjäger ins Spiel eingreifen. In der Verlängerung lieferten sich beide Mannschaften einen Schlagabtausch, zeigten bei konstant hohem Tempo eine große Energieleistung und konnten untereinander keinen Sieger ermitteln. Daher kam es zum Elfmeterschießen. Zwei verschossene Elfmeter auf Seiten Englands bei einem verfehlten portugiesischen Versuch (von Rui Costa) führten zum portugiesischen Sieg. David Beckham verschoss seinen zweiten Elfmeter bei dieser EM (gegen Frankreich scheiterte er an Barthez, gegen Portugal schoss er wie bereits in der Qualifikation über das Tor), und Darius Vassells Schuss wurde vom portugiesischen Torhüter Ricardo, der ohne Handschuhe hielt, pariert. Der wiederum versenkte den entscheidenden Elfmeter im Tor des englischen Keepers David James und markierte so den 8:7-Endstand zu Gunsten Portugals. England erlitt zum wiederholten Male bei einem Turnier eine Niederlage im Elfmeterschießen.

Im zweiten Viertelfinalspiel der EM schaffte Griechenland eine Überraschung. Die Griechen warfen den amtierenden Europameister Frankreich mit einem 1:0 aus dem Turnier. Sie spielten befreit und ohne Druck auf. In der ersten Halbzeit arbeiteten sie sich eine Reihe hochkarätiger Chancen heraus. Die „Equipe Tricolore“ wirkte abermals müde und agierte ideenlos. Erst in der zweiten Halbzeit kamen die Franzosen zu einigen guten Chancen. Frankreich fehlte aber das nötige Glück, unter anderem verfehlte Thierry Henry zweimal das Tor nur knapp. Den Siegtreffer erzielte Angelos Charisteas in der 65. Minute völlig freistehend mit einem Kopfball. Dass die Griechen ohne Gegentor blieben, ist vor allem der Defensivtaktik zu verdanken, die den französischen Kombinationsfußball nicht zur Entfaltung kommen ließ. Nach dem griechischen Treffer versuchten die Franzosen bis zum Spielende erfolglos, mit der Brechstange zum Ausgleich zu kommen. Die griechischen Spieler – allen voran Angelos Charisteas – und der Nationaltrainer Otto Rehhagel wurden im Heimatland als Helden gefeiert und gingen bereits mit diesem Sieg in die Europameisterschaftsgeschichte ein. Frankreich hatte zuvor seit dem missglückten Auftritt bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea nur ein Spiel (gegen Dänemark) verloren.

Schweden rang den Niederlanden mit einer guten Abwehr nach 90 Minuten ein 0:0 ab. Nach 120 Minuten mit offensiven Vorstößen beider Mannschaften kam es nach dem Spiel Portugal – England zum zweiten Elfmeterschießen der Euro. Zlatan Ibrahimović verschoss den ersten Elfmeter für Schweden. Nachdem der Niederländer Philip Cocu vom Elfmeterpunkt ebenfalls am Tor vorbei zielte, konnte Edwin van der Sar seiner Mannschaft mit einer Parade des Elfmeters des Schweden Olof Mellberg den Sieg mit 5:4 sichern. Obwohl die Schweden bereits im Viertelfinale ausschieden, galt die Mannschaft mit ihrem kontrollierten und taktisch disziplinierten Spiel in Offensive und Defensive als eine der positiven Überraschungen des Turniers. Schweden bewies, dass auch zwei gleichberechtigte Trainer eine Mannschaft zum Erfolg führen können.

Tschechien ließ Dänemark im letzten Viertelfinalspiel trotz einer anfangs defensiven Taktik keine Chance und besiegte die Skandinavier mit 3:0. In der ersten Halbzeit enttäuschten die Tschechen mit von ihnen eher ungewohntem Defensivfußball. Nach dem Spiel erklärte der tschechische Trainer Karel Brückner die Taktik in der ersten Spielhälfte damit, dass man nicht erneut wie bei allen drei Gruppenpartien in Rückstand geraten wollte. Dänemark hingegen spielte überzeugend offensiv, konnte die Überlegenheit aber nicht in Tore umsetzen und lief sich nebenher müde. In der zweiten Halbzeit ging Tschechien in die Offensive, riss das Spiel an sich und machte binnen 20 Minuten durch einen Kopfball von Jan Koller sowie einem Doppelschlag innerhalb dreier Spielminuten durch den 23-jährigen Milan Baroš mit seinen Turniertoren vier und fünf den Sieg perfekt.

Nach verhaltenem Beginn köpfte Cristiano Ronaldo nach einem Eckstoß von Deco in der 26. Spielminute zum 1:0 ein. Portugal spielte frei auf und zeigte eine überzeugende Mannschaftsleistung. Als bester Spieler der Partie galt Luís Figo. Er übernahm oft die Verantwortung und setzte entscheidende Akzente. Portugal kontrollierte das Spiel und konterte immer wieder. Die Niederländer standen relativ weit vom Gegner entfernt und brauchten relativ lange, um ihre Angriffe aufzubauen. Der niederländische Stürmer Ruud van Nistelrooy konnte sich gegen die Portugiesen nicht durchsetzten. Die Niederlande wirkten insgesamt ideenlos. Nach dem 2:0 in der 58. Minute ebenfalls durch eine Standardsituation (nach kurzem Eckball) durch Maniche und einem Eigentor - Jorge Andrade lenkte den Ball in Bedrängnis von van Nistelrooy über den Torhüter Ricardo ins Tor - zum 2:1 gewannen die Niederländer etwas mehr Selbstvertrauen. Das Spiel wurde aber langsamer. Erst allmählich spielten sich die Portugiesen über Konter neue Chancen heraus. Ab der 81. Minute stürmten die Niederlande mit drei Mittelstürmern: Ruud van Nistelrooy, Roy Makaay und Pierre van Hooijdonk. Doch auch das brachte keinen Torerfolg. Portugal erreichte mit dem 2:1 erstmals ein EM-Finale.

Im zweiten Halbfinalspiel ging die Taktik der Griechen wiederum auf. Sie nahmen unter anderem die beiden tschechischen Stürmer Milan Baroš und Jan Koller in Manndeckung, machten die Räume eng und ließen die tschechische Mannschaft kaum zur Entfaltung kommen. Die Tschechen hatten in der ersten Halbzeit nur drei Torchancen, darunter einen Lattentreffer von Tomáš Rosický. In der zweiten Halbzeit hatte die tschechische Mannschaft dann aber weitere gute Chancen, unter anderem nach einem Doppelpass zwischen Rosický und Koller. Entscheidend in der ersten Halbzeit der nötig gewordenen Verlängerung war die ungenügende Chancenausbeute der Tschechen. Griechenland schaffte den Einzug ins Finale durch das Silver Goal - Dellas erzielte den Treffer per Kopfball nach einer Ecke von Tsiartas zum Ende der ersten Verlängerung.

Insgesamt war die Partie nicht als hochklassig zu bezeichnen. Der tschechische Mittelfeldakteur Pavel Nedvěd zog sich in der ersten Halbzeit im griechischen Strafraum bei einem Zweikampf eine Knieverletzung zu und fiel aus.

Mit dem Finale zwischen Portugal und Griechenland am 4. Juli kam es erstmals zur Wiederauflage eines Eröffnungsspiels – ein Novum in der Fußballhistorie. Zudem standen erstmals bei einer Europameisterschaft zwei Mannschaften im Finale, die nie zuvor in einem Finale gestanden haben. Griechenland begann wie zuvor diszipliniert und Portugal etwas verhalten, um nicht den Fehler des Eröffnungsspiels zu machen und in Rückstand zu geraten. Zu Beginn der zweiten Halbzeit erhöhten die Portugiesen den Druck. Die Griechen ließen sich nun etwas nach hinten drängen, so dass die Portugiesen zu mehreren Chancen kamen. Doch in dieser Situation erzielte erneut Angelos Charisteas von Werder Bremen bei einem Eckball einen Treffer. Er nutzte einen Fehler des portugiesischen Torwarts Ricardo und köpfte in der 57. Minute zum 0:1 ein. Der Kopfball war der einzige Torschuss von Charisteas in dieser Partie. Die Portugiesen zogen nun nach, scheiterten jedoch immer wieder an der griechischen Verteidigung. In den restlichen Spielminuten kam Portugal insbesondere durch Cristiano Ronaldo und Luís Figo noch zu einigen guten Chancen, die allerdings alle vergeben bzw. vereitelt wurden. Versuche, die Stürmer von den Flügeln zu bedienen, blieben ebenfalls erfolglos. Hohe Bälle aus dem Mittelfeld in den Strafraum geschlagen und Schüsse aus relativ großer Distanz konnte der griechische Torhüter Antonios Nikopolidis abwehren. Die Portugiesen agierten fast das ganze Spiel über nervös und konnten insgesamt über zwanzig Torchancen nicht nutzen. Kurz vor Spielende kam es zu einem Zwischenfall durch einen so genannten Flitzer. Der Störer, der sich Jimmy Jump nennt, stürmte auf das Spielfeld, bewarf Luís Figo mit einer Flagge des FC Barcelona und sprang anschließend ins Netz des griechischen Tors. Bis er überwältigt und vom Spielfeld getragen werden konnte, vergingen gut zwei Minuten. Der das Endspiel leitende deutsche Schiedsrichter Markus Merk blieb fehlerlos.

Griechenland wurde somit erstmals Europameister.

Milan Baroš aus Tschechien wurde mit fünf Treffern Torschützenkönig. Unmittelbar hinter ihm folgen der Niederländer Ruud van Nistelrooy und der Engländer Wayne Rooney. Je drei Tore erzielten Europameister Angelos Charisteas (Griechenland), Frank Lampard (England), Henrik Larsson (Schweden), Jon Dahl Tomasson (Dänemark) und Zinédine Zidane (Frankreich).

Siehe auch die gesamte Torschützenliste.

Sportlich gesehen war die Euro 2004 von hohem Niveau gekennzeichnet. Die Experten waren sich einig, dass das Turnier spielerisch eines der besten der vergangenen Jahrzehnte war. Die meisten Mannschaften zogen sich nicht wie bei früheren Turnieren abwartend in die eigene Spielhälfte zurück, sondern bemühten sich von Spielbeginn an, attraktiven risikoorientieren Offensivfußball zu spielen. Die gute sportliche Qualität ließ allerdings auch kaum hohe Ergebnisse zu. Ausnahmen waren vor allem die Spiele Kroatien gegen England (2:4) als das Spiel mit den meisten Toren und die Partie zwischen Schweden und Bulgarien (5:0) als das Spiel mit der höchsten Tordifferenz des Turniers. Die große Leistungsdichte sorgte dafür, dass sich kein Land wirklich blamierte, auch nicht der EM-Neuling Lettland, der die tschechische Mannschaft zwischenzeitlich in Bedrängnis brachte und gegen Deutschland ein 0:0 und damit den ersten EM-Punkt erreichte.

Einige Mannschaften enttäuschten aber auch. Italien spielte für seine Verhältnisse viel zu defensiv und konnte während der drei absolvierten Spiele die Ansprüche in keiner Weise erfüllen. Den Franzosen merkte man ihre Müdigkeit und Ideenlosigkeit an. Nach der Weltmeisterschaft 2002 gelang ihnen wiederum kein gutes Turnier. Danach stand die lang überfällige Verjüngung des Kaders an. Auch die deutsche Mannschaft konnte mit ihren begrenzten Mitteln nicht überzeugen. Es fehlten der uneingeschränkte Kampfeswille und die Risikobereitschaft. Zumindest im Spiel gegen die Niederlande konnte sie vorübergehend ihr wirkliches Potenzial aufzeigen. Auch Portugal konnte anfangs nicht durch schönen Fußball glänzen. Man merkte dem Team den enormen Druck an, unbedingt im eigenen Land den Titel holen zu müssen. Erst im Lauf des Turniers konnte die portugiesische Mannschaft sich spielerisch steigern.

Die Euro 2004 galt als ein Turnier der Überraschungen. Zuvor als Favoriten gehandelte Mannschaften wie Spanien und Italien schieden schon in der Gruppenphase aus. Gleichzeitig war Griechenland mehreren Weltklassemannschaften ebenbürtig oder überlegen und wurde Europameister.

Nicht nur Spanien und Italien schieden früher als von vielen erwartet aus, sondern auch England und Frankreich, die im Viertelfinale scheiterten.

Das Ausscheiden der hoch gehandelten Mannschaften wird häufig damit begründet, dass die Nationalspieler dieser Länder in den großen 20er-Ligen Europas (Spanien, Frankreich, England) samt den nationalen und internationalen Pokalwettbewerben sowie den Länderspielen zu viele Spiele im Jahr absolvieren müssten und sich nicht ausreichend regenerieren könnten. Da das Phänomen auch schon für das frühe Ausscheiden einiger Mannschaften bei der WM 2002 verantwortlich gemacht wurde, gab es nach der EM Absichtserklärungen, die Anzahl der Spiele zu reduzieren. Ergebnis dieser Strategie ist auch die Abschaffung der zweiten Gruppenphase in der UEFA Champions League.

Die Griechen hatten zuletzt 1980 an einer Europameisterschaftsendrunde teilgenommen. Somit war für sie schon das Erreichen der Endrunde in diesem Jahr ein Erfolg. Zuvor hatten die Hellenen bei einer EM noch nie einen Sieg errungen. An ihrem letzten großen Turnier nahmen sie 1994 – der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA – teil. Der Titelerfolg bei diesem Turnier wird auch dem deutschen Trainer Otto Rehhagel zugeschrieben, der die Mannschaft seit 2001 trainiert.

Als Otto Rehhagel in Griechenland seine Arbeit begann, war der Nationalmannschaftsfußball dort bedeutungslos. Er hat ohne Griechischkenntnisse aus vielen Einzelgängern eine Truppe mit Mannschaftsgeist geformt. Rehhagel beschrieb seine Methode mit den Worten: „Die Griechen haben die Demokratie erfunden. Ich habe eine demokratische Diktatur eingeführt.“ Er verhalf dem griechischen Fußball mit einer auf die Mannschaft und die Fähigkeiten der Spieler abgestimmten Taktik in die europäische Spitze. Rehhagel dazu: „Früher hat jeder gemacht, was er will. Jetzt macht jeder, was er kann.“ Er versuchte nach Siegen die Euphorie vieler Fans zu unterdrücken: „Wenn wir zweimal gewinnen, wollen sie gleich Europameister werden, und wenn wir zweimal verlieren, wollen sie sich gleich ins Meer stürzen.“ Rehhagel bewirkte auch, dass Vereins- und Verbandsfunktionäre von der Zuständigkeit über die Nationalmannschaft entbunden wurden. Nur so konnte Rehhagel eine Mannschaft formen, die eine konstante Zusammensetzung hat und keinem Druck unterliegt.

Auf ihrem Weg zum Europameistertitel besiegte Griechenland mehrere hochklassige Teams, die an der guten griechischen Verteidigung scheiterten. Schon das Auftaktspiel gegen den Gastgeber Portugal – zuvor als „wichtigstes Spiel für Griechenland seit 20 Jahren“ gehandelt – war erfolgreich. Die Griechen besiegten die portugiesische Mannschaft dank ihrer Taktik und eines frühen Tores mit 2:1. Bereits dieser Erfolg war von vielen unerwartet, sodass von einer „Sensation“ die Rede war. Die Griechen bestätigten den guten Eindruck im zweiten Gruppenspiel bei einem 1:1-Unentschieden - was zum Ausscheiden der mitfavorisierten Spanier führte. Daraufhin gelang ihnen der Sieg über den amtierenden Europameister Frankreich im Viertelfinale und die ebenfalls hoch gehandelten Tschechen im Halbfinale. Auch die mit Heimvorteil ausgerüstete portugiesische Mannschaft scheiterte an der gut eingestellten Mannschaft auch im Finale. Nur die zuerst ausgeschiedenen Russen konnten Griechenland während des Turniers schlagen.

Der Gewinn des Titels durch die Griechen wurde als „Wunder von Lissabon“ bekannt. Griechenland war eine der wenigen Mannschaften, die mit einer eher defensiven Taktik spielten. Rehhagel nennt die griechische Taktik „kontrollierte Offensive“. Er stellte heraus, dass ein Abwehrspieler in einem Spiel das entscheidende Tor erzielte und „dass wir mit Seitaridis einen der offensivsten Verteidiger der EM gehabt haben“. Des Weiteren agierten die Griechen erfolgreich mit einem Spieler auf der, nach Meinung vieler veralteten, Libero-Position und mit Dreierkette. Die meisten anderen Mannschaften setzten auf die als moderne Alternative angesehene Viererkette. Dass die Griechen die vermeintlich großen Mannschaften als Europameister hinter sich ließen, war vor allem der Umsetzung der Taktik, der geschlossenen Mannschaftsleistung (besonders in der Einsatzbereitschaft) sowie der guten Chancenverwertung zuzuschreiben.

Otto Rehhagel führte als ausländischer Nationalcoach eine Nationalmannschaft zu einem Turniertitel, was zuvor noch nie einem Trainer gelang. 1992 hatte Rehhagel an der Stelle des Stadion des Lichts, noch in der alten Arena, mit Werder Bremen den Europapokal der Pokalsieger gewonnen. Der Erfolg der griechischen Mannschaft hatte im olympischen Jahr eine große Euphorie im ganzen Land zur Folge. Nach der Rückkehr wurden die Europameister im Panathinaikon-Stadion der griechischen Hauptstadt Athen geehrt und dort von rund 100.000 Menschen empfangen. Dort wurden bis dato nur die griechischen Olympiasieger gefeiert. Bei dieser Gelegenheit wurden Otto Rehhagel und seine Spieler zu Ehrenbürgern der Stadt Athen ernannt.

Die EM war nicht die Bühne der etablierten Stars wie Zinédine Zidane, David Beckham, Pavel Nedvěd oder Luís Figo. Sie gehörte den talentierten Jungstars wie dem neuen englischen Superstar Wayne Rooney (jeweils zwei Tore gegen die Schweiz und Kroatien), dem Portugiesen Cristiano Ronaldo, dem Niederländer Arjen Robben (schoss sein Team im Elfmeterschießen gegen Schweden ins Halbfinale), dem Schweden Zlatan Ibrahimović und dem Tschechen Milan Baroš, der die EM als Torschützenkönig abschloss.

Neben den sportlichen gab es auch unschöne und unsportliche Momente auf dem Platz. Francesco Totti (Italien) wurde wegen einer Spuckattacke gegen Christian Poulsen (Dänemark) für drei EM-Spiele gesperrt. Alexander Frei (Schweiz) musste sich ebenfalls wegen mutmaßlichen Spuckens vor der UEFA-Disziplinar- und Kontrollkommission verantworten, wurde aber erst aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Er hatte verdeckt zur Fernsehkamera den Gegenspieler Steven Gerrard (England) angespuckt. Nachdem neue Aufnahmen auftauchten, die auch Frei eindeutig überführten, wurde dieser für die gesamte Europameisterschaft gesperrt, weil er sich bei der Verhandlung nicht schuldig bekannt hatte.

Portugal gelang es, eine freundliche Europameisterschaft ohne große Ausschreitungen zu veranstalten, was vor allem dem Sicherheitskonzept zu verdanken ist. Das Land bemühte sich, eine möglichst umfassende Sicherheit zu gewährleisten, ohne die Fans abzuschrecken oder arg zu beeinträchtigen.

Die Verhinderung größerer Ausschreitungen ist vor allem neuen Strategien gegen Hooligans zu verdanken. Hier wurden erhebliche Fortschritte im Vergleich zur Euro 2000 gemacht. Allerdings gibt es direkt in Portugal auch kein Hooliganproblem, wie es in den Niederlanden der Fall war. Das Konzept bestand in erster Linie aus präventiven Maßnahmen wie der Aussetzung des Schengener Abkommens während der Euro, der Verschärfung von Kontrollen an den portugiesischen Grenzen sowie dem Ausreiseverbot beziehungsweise Passentzug polizeibekannter ausländischer Hooligans. Die Polizei hielt sich größtenteils aus den großen Fanmassen zurück und fiel nicht durch übermäßige Präsenz oder Provokation auf. Die umgehende gerichtliche Behandlung von Randalierern erlaubte eine schnelle Verurteilung und Abschiebung. Ferner wurden in den Stadien neben der einheimischen Polizei speziell in Sicherheitsfragen (insbesondere der Zuschauerüberwachung) ausgebildete Stewards eingesetzt, die berechtigt waren, gegen die Vorschriften verstoßende Fans aus den Stadien zu verweisen. Während der gesamten Euro kam es zu zwei kleineren Zwischenfällen mit Engländern in Touristenorten und zu einem Todesfall in Lissabon, wo ein 27-jähriger Engländer nach einem Raubüberfall seinen Verletzungen auf dem Weg zum Krankenhaus erlag.

Der Fokus der Sicherheitsmaßnahmen richtet sich allerdings nicht mehr auf die Hooligans, sondern seit dem 11. September 2001 in erster Linie auf die Gefahr terroristischer Anschläge. Nach dem Terroranschlag von Madrid am 11. März 2004 wurde das Konzept nochmals überarbeitet und die NATO und Europol eingebunden. Die NATO unterstützte Portugal in der größten Sicherheitsoperation des Landes durch die Überwachung des Luftraumes über der iberischen Halbinsel durch AWACS-Flugzeuge. Alle Stadien wurden am Vorabend vor einem Spiel hermetisch abgeriegelt und an den Eingängen wurde die Anzahl von Detektoren erhöht, um das Einschmuggeln von Bomben unmöglich zu machen. Insgesamt waren für die Sicherheit während des Turniers 20.000 Sicherheitskräfte zuständig. Für die Sicherheit der teilnehmenden Teams wurden eigene nationale Kräfte eingesetzt. Frankreich beispielsweise ließ sich von einer Elitetruppe beschützen und Deutschland brachte einen eigenen Sicherheitskoordinator des Bundeskriminalamtes mit. Mittlerweile arbeiten alle EU-Länder für die Sicherheit solcher Großereignisse zusammen. Beispielsweise tagt alle zwei Monate ein Komitee des Europarates zur Verhinderung von Gewalt bei Sportveranstaltungen. Die Sicherheitsausgaben während des Turniers beliefen sich auf eine zweistellige Millionensumme in Euro.

Die meisten Stadien boten vorzügliche Bedingungen. Die beeindruckendsten Spielstätten waren nach einhelliger Meinung von Fans und Experten das Stadion des Lichts (Estádio da Luz) in Lissabon mit seiner intensiven Atmosphäre und das Estádio do Dragão in Porto mit seiner markanten Dachkonstruktion aus Glas. Allerdings gab es auch Kritik an einigen Stadien. Das Stadion in Braga, zwar in spektakulärer Architektur unkonventionell in ein Felsmassiv hinein gebaut, hat lediglich zwei Seitentribünen und ist als Fußballstadion nur bedingt geeignet. Vor allem in den Fernsehübertragungen kam keinerlei Stimmung auf. Kritisiert wurde auch das Municipal-Stadion in Aveiro, das in der Einöde neben einer Müllverbrennungsanlage errichtet wurde und dessen Zufahrtsstraßen nicht rechtzeitig fertiggestellt waren. Das beste Gegenbeispiel ist das Dom-Afonso-Henriques-Stadion in Guimarães, das sich geradezu organisch in den Ort einfügt.

Ein enormes Problem stellt die Nachnutzung der Spielstätten dar. In Neubau und Modernisierung der Stadien wurden 553,6 Millionen Euro – geplant waren lediglich 426,4 Millionen – und in den Ausbau der stadionnahen Infrastruktur nochmals 79,4 Millionen Euro investiert. Ein Großteil der Kosten muss von den Kommunen und den Vereinen als Betreiber getragen werden. Die Haushalte der kleineren Kommunen werden durch die Europameisterschaft über lange Zeit schwer belastet bleiben und die Vereine haben hohe Mieten zu zahlen, während sich die erste portugiesische Liga mit geringen Zuschauerzahlen und finanziellen Schwierigkeiten in einer Krise befindet. Schon vor der EM stellte sich die Frage, ob für 31 Spiele zehn Stadien notwendig sind. In fünf Stadien wurden lediglich zwei Gruppenspiele ausgetragen. Leiria hatte nach dem Turnier mit 55 Millionen Euro Schulden durch den Bau des Estádio Dr. Magalhães Pessoa zu kämpfen. Zu den Heimspielen des Vereins kommen im Schnitt nur etwa 6.000 Besucher. Faro und Loulé, die Trägergemeinden des Algarve-Stadions, müssen 5.500 Euro pro Tag für ein Stadion aufbringen, in dem kein Fußball stattfindet. Die Klubs der Städte spielen nur in der Regionalliga und die Austragung ihrer Partien im Algarve-Stadion wäre wegen der geringen Zuschauerresonanz ein Verlustgeschäft.

Doch es gibt auch positive Entwicklungen. Der Super Liga-Klub SC Braga konnte im 30.000 Zuschauer fassenden Städtischen Stadion von Braga mit durchschnittlich 10.000 Besuchern pro Heimspiel eine Verdopplung seiner Zuschauerzahlen seit der Europameisterschaft verzeichnen. Damit befindet man sich in Portugal hinter den großen Vereinen Sporting Lissabon, Benfica Lissabon und FC Porto auf Rang vier der Zuschauergunst. Um das Stadion rentabler zu machen, finden Rockkonzerte, Musikfestivals und andere Veranstaltungen statt. Das Stadionumfeld soll durch einen geplanten Sport- und Freizeitpark noch attraktiver werden.

Auch an der UEFA wurde Kritik laut. Zu große Kartenkontingente für die Verbände führten trotz ausverkaufter Stadien zu leeren Sitzreihen und verärgerten Fans. Bisher stand jedem an einem EM-Spiel beteiligten Verband ein Kontingent von jeweils 20 Prozent der Karten im jeweiligen Stadion zu. Einige Verbände wie der russische und der italienische nutzten jedoch Tausende ihrer übernommenen Karten nicht. Sie konnten die von der UEFA erhaltenen Tickets nicht an die Fans absetzen. Die UEFA kündigte an, die Kontingente deutlich zu reduzieren, um vergleichbare Situationen bei künftigen Turnieren zu verhindern.

Portugal befindet sich seit Anfang 2001 in einer wirtschaftlichen Krise. Die Wirtschaft schrumpft nach einer langen Wachstumsphase seit dem EG-Beitritt im Jahre 1986, die Arbeitslosigkeit und die Inflationsrate steigen und rufen ein hohes Staatsdefizit hervor. Das Land erhoffte sich durch die Ausrichtung des nach Fernsehzuschauern drittgrößten Sportereignisses der Welt wichtige gesamtwirtschaftliche Impulse.

Durch die gute Organisation der Euro 2004 konnte das Land einen enormen Imagegewinn und eine gesteigerte Bekanntheit in aller Welt für sich verbuchen. Dieser unbezahlbare Werbeeffekt wird sich in erster Linie im Tourismussektor auswirken. In den nächsten sechs Jahren sollen die Einnahmen aus dem Tourismus zwischen drei und sechs Prozent – mit bis zu 700.000 zusätzlichen Besuchern pro Jahr – wachsen. 2004 wurde mit einer Steigerung von 2,5 Prozent und 500.000 Besuchern gerechnet. Der Tourismus macht immerhin 3,7 Prozent des portugiesischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus. Weiterhin sorgte die Euro 2004 für einen Aufschwung in der Bauwirtschaft. Dies ist auf die hohen Ausgaben für den Bau der Stadien und der Infrastruktur zurückzuführen. Niemals zuvor wurde solch eine große Zahl von Stadien für eine Fußball-Europameisterschaft neu errichtet. In Bau und Erweiterung der Stadien wurden über 600 Millionen Euro investiert. Portugiesische Baufirmen waren an 85 Prozent der Bauarbeiten beteiligt. Der Staat förderte die Baumaßnahmen mit mehr als 100 Millionen Euro. Hinzu kamen Bauaufträge für den Ausbau der öffentlichen und privaten Infrastruktur (beispielsweise Straßen, Hotels). Die konjunkturellen Auswirkungen aus der Baubranche heraus sind allerdings nur gering, da dieser Sektor zu den unproduktivsten Wirtschaftszweigen gehört.

Das portugiesische Finanzministerium prognostizierte die direkt messbaren Auswirkungen der EM mit einem Anstieg des BIP von 2004 um lediglich 0,08 Prozent. Das Land soll aber mit einem langfristigen, volkswirtschaftlichen Gewinn von 900 Millionen Euro rechnen können. Darin eingerechnet sind Mehreinnahmen von 262 Millionen Euro aus dem Tourismus, 200 Millionen aus zusätzlichem Konsumverbrauch dieser Touristen und 244 Millionen Euro aus der Schaffung von Arbeitsplätzen in Tourismus und Bauwirtschaft. Allerdings lassen sich die langfristigen Folgen eines solchen Großereignisses auf die wirtschaftliche Entwicklung aufgrund unsicherer Prognosen und vielfältiger Multiplikatorwirkungen nur sehr schwer einschätzen. Neben positiven Effekten wie dem Imagegewinn oder zusätzlichen Steuereinnahmen könnte die EM auch negative Auswirkungen wie Verkehrs- und Sicherheitsprobleme sowie Umweltschäden durch den steigenden Tourismus und damit hohe Folgekosten hervorrufen.

Die eindeutigeren Gewinner in wirtschaftlicher Hinsicht sind die UEFA mit ihren Mitgliedsverbänden und die als Teamausrüster auftretenden Sportartikelhersteller. Das Joint Venture der UEFA und dem Veranstalterland, das für die Organisation des Turniers gegründet wurde, erwartete Bruttorekordeinnahmen von rund 817 Millionen Euro aus Eintrittsgeldern, Sponsoring, Fernseh- und Marketingrechten. Besonders die Einnahmen aus Sponsoring, Fernseh- und Marketingrechten konnten sprunghaft gesteigert werden. Nicht umsonst gilt der Sport unter Wirtschaftsexperten mittlerweile als der am stärksten wachsende Wirtschaftsfaktor der Welt. 500 Millionen Euro zahlten allein die Hauptsponsoren. Dass sich dieses Engagement lohnte, zeigt das Beispiel Carlsberg. Der Braukonzern verkaufte während des Turniers dreizehn Prozent mehr Bier. Außer an den Veranstalter wurden Teile der Erträge an die Teilnehmer- und Mitgliedsverbände ausgeschüttet. Allein an die Verbände der Teilnehmer flossen als Spielprämien rund 120 Millionen Euro. Von der Europameisterschaft profitierten zudem die Teamausrüster durch die Vermarktung von Spielertrikots in hohem Maße. Zusätzlich konnte Adidas auch durch den Verkauf des von der UEFA lizenzierten EM-Balles namens Roteiro eine Nettogewinnsteigerung von 21% auf einen Rekordgewinn von 314 Millionen Euro verbuchen.

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Goldener Schuh (UEFA)

Cristiano Ronaldo ist der amtierende Titelträger.

Der Goldene Schuh ist eine Auszeichnung im europäischen Fußball. Sie wird jedes Jahr an den erfolgreichsten Torjäger einer Saison vergeben. Dabei werden nur Spieler berücksichtigt, die in den jeweils höchsten Spielklassen der UEFA-Mitgliedsverbände spielen.

Erstmals wurde die Auszeichnung 1968 vom französischen Magazin France Football vergeben. Die damals Soulier d'Or genannte Trophäe ging an den Spieler, der in einer Saison die meisten Tore in Ligaspielen erzielte. Die Anzahl der ausgetragenen Spiele und die relative Spielstärke der Liga spielten dabei keine Rolle. Im Jahre 1987 sicherte sich der Rumäne Rodion Cămătaru mit 44 Toren die Trophäe. Lange führte der Österreicher Toni Polster die Rangliste mit 39 Toren an, wurde jedoch noch von Cămătaru überholt, der in den letzten sechs Meisterschaftsspielen 21 Tore erzielte. Wenige Jahre später räumten rumänische Offizielle ein, dass Cămătarus Sieg durch Manipulation erzielt wurde. Polster erhielt nachträglich einen Goldenen Schuh.

Zwischen 1991 und 1996 wurde kein Preis vergeben. Der Zyprische Fußballverband protestierte gegen den Sieg von Darko Pančev (34 Tore) und behauptete, das der Torschützenkönig der zyprischen Liga 40 Tore erzielt hätte. Jedoch hatten beide Torschützenkönige der zyprischen Liga jeweils nur 19 Tore erzielt. Panchev erhielt 2006 doch noch einen Goldenen Schuh. Seit 1997 wird der Preis vom Verband European Sports Magazines (ESM) vergeben. Durch ein Punktesystem werden die unterschiedlichen Spielstärken der europäischen Ligen berücksichtigt. Ausschlaggebend ist hierbei die Platzierung der Liga in der UEFA-Fünfjahreswertung.

Sechs Spieler haben den Goldenen Schuh mehr als einmal gewonnen. Zu diesem Kreis gehören die Portugiesen Eusébio und Fernando Gomes, Dudu Georgescu (Rumänien), der Franzose Thierry Henry, Mário Jardel aus Brasilien sowie der Deutsche Gerd Müller. Amtierender Titelträger ist der Portugiese Cristiano Ronaldo von Manchester United.

Während dieses Zeitraumes wurden keinen Goldenen Schuhe vergeben. Nach den ursprünglichen Regeln hätten diese Spieler zwischen 1992 und 1996 den Goldenen Schuh gewonnen.

Seit 1997 wird der Goldenen Schuh an den Spieler vergeben, der die höchste Punktzahl erzielt. Die höchste erreichte Punktzahl ist fett markiert.

Diese Tabelle listet die Spieler auf, die seit 1997 die tatsächlich meisten Tore erzielten und nach den ursprünglichen Regeln den Goldenen Schuh gewonnen hätten. Die Spieler, die tatsächlich den Goldenen Schuh gewinnen, konnten sind grün markiert.

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Ballon d’Or 2007

Der 52. Ballon d’Or (dt: Goldener Ball) der Zeitschrift France Football wurde 2007 erstmals für den Weltbesten Fußballer des Jahres vergeben. Von 1956 bis 2006 erhielt diese Trophäe Europas Fußballer des Jahres. Sie ist nicht identisch mit der von der FIFA seit 1991 vergebenen Auszeichnung Weltfußballer des Jahres.

Der erste nach diesem neuen Reglement ermittelte Sieger, der Brasilianer Kaká, wurde am 2. Dezember 2007 öffentlich bekannt gegeben. Er gewann den Ballon d’Or 2007 mit deutlichem Vorsprung vor Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Keiner dieser drei Spieler war im Vorjahr unter den zehn Besten gewesen; auch der Vorjahressieger Fabio Cannavaro landete 2007 mit fünf Punkten weit abgeschlagen auf Rang 24. Kaká stand auf 95 der 96 Stimmzettel, davon 78 Mal auf Platz 1; lediglich der Juror aus Bosnien-Herzegowina gab ihm keinen Punkt.

Jeder Juror vergibt an fünf Spieler aus der von der France-Football-Redaktion vorgegebenen Liste mit 50 Vorschlägen 5, 4, 3, 2 bzw. einen Punkt. Dabei soll die gesamte Leistung der Spieler im jeweiligen Kalenderjahr gewürdigt werden. Sollten zwei oder mehr Spieler in der Summe die höchste Punktzahl erhalten, käme es zu einer Stichwahl.

Paolo Maldini stand zwar nur auf drei Stimmzetteln (acht Punkte), einmal davon aber sogar auf dem ersten Platz. Von den in Deutschland spielenden Kandidaten erhielten Franck Ribéry zehn, Diego, Miroslav Klose und Luca Toni null Punkte.

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Lukas Podolski

Lukas Podolski.JPG

Lukas Podolski (* 4. Juni 1985 als Łukasz Podolski in Gliwice (deutsch Gleiwitz), Polen) ist ein deutscher Fußballprofi polnischer Herkunft. Der Stürmer spielt aktuell für den FC Bayern München und die Deutsche Fußballnationalmannschaft.

Podolski wurde als Sohn des ehemaligen polnischen Fußballprofis Waldemar und der Handballspielerin Krystyna Podolski geboren. Als Aussiedler emigrierten seine Eltern aber bereits 1987 nach Deutschland. Dort wuchs Podolski in Bergheim bei Köln auf. Podolski besitzt neben der deutschen auch die polnische Staatsbürgerschaft, hat sich jedoch keinen polnischen Pass ausstellen lassen. Mit seiner ebenfalls aus Polen stammenden Freundin hat er einen gemeinsamen Sohn (* 2008).

Podolski begann 1991 mit dem aktiven Fußballspielen und kam in der Jugendmannschaft des FC Jugend 07 Bergheim regelmäßig zum Einsatz. 1995 wechselte er zur D-Jugend des 1. FC Köln. In der C-Jugend wurde er von Willi Breuer trainiert. Mit 18 Jahren wurde er vom damaligen Trainer des FC, Marcel Koller, zum ersten Mal eingeladen, mit den Profis zu trainieren. Seit dem 11. November 2003 hat Podolski einen Profivertrag. Im Alter von 19 Jahren gab Podolski am 6. Juni 2004 sein Debüt in der Nationalmannschaft. Mit 21 Jahren hatte er bereits 16 Länderspieltore erzielt, was zuvor keinem anderen Spieler in seinem Alter gelang . Am 10. Juli 2006 wechselte der Stürmer zum FC Bayern München, wo er einen Vertrag bis 2010 unterschrieb. Im Januar 2009 erhielt der wechselwillige Lukas Podolski vom Rekordmeister die Freigabe und wird zur Saison 2009/10 zum 1. FC Köln zurückkehren, sofern dieser weiterhin in der Bundesliga spielt.

Podolski erlebte mit dem 1. FC Köln eine Berg- und Talfahrt zwischen der 1. Bundesliga und der 2. Bundesliga. In der Saison 2003/04 stieg Köln ab, obwohl Podolski in 19 Bundesliga-Spielen 10 Tore erzielt hatte. Dies gelang in der 41-jährigen Geschichte der Bundesliga zuvor noch keinem 18-Jährigen. Nach der Saison 2004/05, in der Podolski mit 24 Toren Torschützenkönig der 2. Liga wurde, stieg Köln als Meister wieder auf. Den direkten Wiederabstieg nach der Saison 2005/06 nannte der Stürmer als Hauptgrund für seinen Weggang aus Köln.

Podolski wechselte für eine Ablösesumme von etwa 10 Millionen Euro zum FC Bayern München, wo er sich auch aufgrund von Verletzungen bisher nicht dauerhaft durchsetzen konnte und über den Status eines Ergänzungsspielers meist nicht hinaus kam. So erzielte er in der Saison 2006/07 in 22 Spielen nur vier Tore für die Bayern und wurde Anfang Juni 2007 in einer Umfrage des Kicker-Sportmagazin unter 268 Bundesligaspielern zum „Absteiger der Saison 2006/07“ gewählt. Die Spielzeit 2007/08 verlief bei 25 Einsätzen und fünf Toren ähnlich unbefriedigend für Podolski, jedoch wurde er mit den Bayern Deutscher Meister und Pokalsieger.

Am 19. Januar 2009 gab Podolski bekannt, dass er zur Saison 2009/10 zum 1. FC Köln zurückkehrt. Die Ablösesumme soll 10 Millionen Euro betragen. Der Vertrag mit Köln läuft bis zum Sommer 2013.

Sein erstes A-Länderspiel bestritt Podolski am 6. Juni 2004 in Kaiserslautern bei einer 0:2-Niederlage gegen Ungarn.

Er nahm mit der deutschen Nationalmannschaft an der Europameisterschaft 2004 in Portugal teil. Dort wurde er aber nur im letzten Spiel der Gruppenphase gegen Tschechien (1:2) eingewechselt. Am Konföderationen-Pokal 2005 in Deutschland nahm er als Stammspieler teil und erzielte während dieses Turniers drei Tore.

Bei der Weltmeisterschaft 2006 kam er in jedem Spiel seiner Mannschaft zum Einsatz und schoss drei Tore. Außerdem wählte ihn die technische Kommission der FIFA vor prominenten Spielern wie Lionel Messi (Argentinien) oder Cristiano Ronaldo (Portugal) zum besten jungen Spieler der WM.

Podolski ist von den derzeit aktiven Nationalspielern nach Michael Ballack und Miroslav Klose der drittbeste Torschütze. Am 7. Oktober 2006 kassierte er in einem Testländerspiel gegen Georgien nach einer Tätlichkeit die erste rote Karte seiner Profikarriere.

Bei den ersten beiden Spielen Deutschlands bei der Europameisterschaft 2008 – dem 2:0 gegen Polen am 8. Juni in Klagenfurt am Wörthersee und dem 1:2 gegen Kroatien am 12. Juni am gleichen Ort – erzielte er alle drei Feldtore der deutschen Mannschaft in der Vorrunde. Im Viertelfinale gegen Portugal und im Halbfinale gegen die Türkei bereitete Podolski beide Treffer von Bastian Schweinsteiger vor. Von der Expertenkommission der UEFA wurde er einen Tag nach der Endspiel-Niederlage gegen Spanien in das All-Star-Team der EM 2008 gewählt.

Am 6. September 2008 gelang ihm gegen Liechtenstein sein 30. Länderspieltor. Er ist mit 23,3 Jahren der jüngste deutsche Nationalspieler, dem dies gelang. Weltweit waren nur sechs Spieler jünger: Pelé, Sven Rydell, Ronaldo, Sándor Kocsis, Stern John und Ferenc Puskás.

Vom 26. August bis zum 17. September 2006 engagierte sich Lukas Podolski als Botschafter für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 der Menschen mit Behinderung in Deutschland.

Sein Spruch „So ist Fußball. Manchmal gewinnt der Bessere.“ wurde bei der Verleihung des Deutschen Fußball-Kulturpreises 2006 als „Fußballspruch des Jahres“ ausgezeichnet.

Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 entstand der Kurzfilm Poldis Engel, ein offizieller Kulturbeitrag der Stadt Köln für die Public Viewings. Die drei weiblichen Hauptfiguren sind Podolski-Fans, mit dessen Spitznamen der Filmtitel spielt.

Wegen einer Satire des Radiosenders Eins Live hat Podolski während der ersten zwei Wochen der FIFA WM 2006 keine Interviews für die Radiosender der ARD gegeben. Der Sender nahm in der Satire „Das WM-Tagebuch von Lukas Podolski“ den Nationalspieler seit Beginn der WM auf die Hörner. Die Serie wurde trotz der Unterlassungsklage entschärft als „Lukas’ Tagebuch“ fortgesetzt.

Mirosław Orzechowski, Vorstandsmitglied der Partei Liga polnischer Familien (LPR) forderte im Juni 2008 Poldolski die polnische Staatsbürgerschaft zu entziehen. Er drohte juristische Maßnahmen an, da das polnische Recht keine doppelte Staatsbürgerschaft vorsehen würde. Die etablierten Parteien reagierten empört.

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Fußball-Europameisterschaft 2008

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Die Endrunde der 13. Fußball-Europameisterschaft der Männer (offiziell: UEFA EURO 2008™) wurde vom 7. bis 29. Juni 2008 in Österreich und in der Schweiz ausgetragen. Am Turnier nahmen 16 Nationalmannschaften teil, die zunächst in Gruppen- und danach im K.-o.-System gegeneinander antraten. Die Nationalmannschaft Spaniens gewann das Turnier nach einem 1:0-Sieg über Deutschland im Finale von Wien und wurde damit zum zweiten Mal nach 1964 Fußball-Europameister. Mit dem Mittelfeldspieler Xavi und dem Angreifer David Villa, der während des Turniers vier Tore erzielte, stellte Spanien zudem den besten Spieler und den Torschützenkönig der EURO 2008.

Die 2008 erstmals in Österreich und in der Schweiz ausgetragene Europameisterschaft die unter dem Motto „Erlebe Emotionen“ stand, fand in acht verschiedenen Städten statt. Insgesamt verfolgten rund 1,14 Millionen Besucher die 31 Begegnungen des dreiwöchigen Turniers in den Stadien. Als Sieger der Europameisterschaft 2008 nimmt Spanien am Konföderationen-Pokal 2009 in Südafrika teil.

Den Zuschlag für die Austragung der Europameisterschaft 2008 erhielten Österreich und die Schweiz am 12. Dezember 2002. Insgesamt hatten sich 14 Nationen, zusammengefasst zu sieben Kandidaturen, um die Ausrichtung der Euro 2008 beworben. Die Wahlprozedur zur Bestimmung des Gastgebers dauerte zwei Tage. Am ersten Tag hatten die sieben Bewerberkomitees die Gelegenheit, sich in der UEFA-Zentrale in Nyon ein letztes Mal vor der Verbandsspitze zu präsentieren.

Die endgültige Entscheidung über die Vergabe der Europameisterschaft 2008 traf das Exekutivkomitee der UEFA tags darauf in Genf. Hierbei setzte sich die Bewerbung der beiden Alpenländer im entscheidenden Wahldurchgang mit 9:3 Stimmen gegen Ungarn durch. Zuvor waren im ersten Wahlgang bereits die Bewerbung Russlands, die gemeinsamen Kandidaturen von Bosnien-Herzegowina/Kroatien, Griechenland/Türkei, Schottland/Irland sowie die Vier-Länder-Bewerbung Skandinaviens (Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden) gescheitert. Das Turnier wurde damit, nach der gemeinsamen Ausrichtung der Euro 2000 durch die Niederlande und Belgien, zum zweiten Mal von zwei Ländern gemeinsam veranstaltet.

Die Austragungsorte verteilten sich über insgesamt acht Stadien, von denen jeweils vier in der Schweiz und in Österreich lagen. In sechs Stadien wurden jeweils drei Gruppenspiele ausgetragen, während der Basler St. Jakob-Park und das Wiener Ernst-Happel-Stadion zusätzlich Schauplatz von jeweils zwei Viertelfinalspielen und einem Halbfinale waren. In Wien wurde außerdem das Endspiel ausgetragen.

Nach dem offiziellen Reglement der UEFA bestand der Wettbewerb aus einer im Meisterschaftsmodus mit Hin- und Rückspielen stattfindenden Qualifikationsrunde, sowie der in einer Gruppenphase und den Finalspielen ausgetragenen Endrunde.

Bei der Endrunde bildeten die 16 Teilnehmer vier Vorrundengruppen mit je vier Mannschaften, von denen sich jeweils die ersten beiden für das Viertelfinale qualifizierten. In der Gruppenphase spielte jede Mannschaft gegen jede andere Mannschaft ihrer Gruppe nach dem Meisterschaftsmodus, wobei für einen Sieg drei Punkte und für ein Unentschieden ein Punkt vergeben wurden.

Bei Punktgleichheit mehrerer Mannschaften in den Gruppenspielen entschieden die Ergebnisse aus den direkten Begegnungen über die Platzierung. Dabei wurden erst die summierten Punkte, dann die Tordifferenz und danach die Anzahl der erzielten Tore verglichen. Hätte sich hierdurch keine Platzierung ergeben, sollten die Tordifferenz und die Anzahl der erzielten Tore aus allen Gruppenspielen herangezogen werden. Wäre damit immer noch keine Entscheidung gefallen, wäre die Platzierung anhand der Ergebnisse der Mannschaften in der Qualifikation für die WM 2006 und für die EM 2008 ermittelt worden; bei Gleichheit des Quotienten von erzielten Punkten und ausgetragenen Spielen (Qualifikationskoeffizient) hätte die Fair-Play-Wertung in der Gruppenphase gezählt, schließlich wäre auf den Losentscheid zurückgegriffen worden. Ein Sonderfall hätte sich ergeben, falls sich am letzten Spieltag der Gruppenphase zwei Mannschaften gegenübergestanden hätten, die nach Ende der regulären Spielzeit Remis spielten und dieselbe Anzahl an Punkten und dieselbe Tordifferenz aufwiesen. Hätte es kein weiteres Team gegeben, das ebenso viele Punkte verbuchen konnte, wäre die Entscheidung um die Platzierung in der Gruppe dann im Elfmeterschießen gefallen.

Ab dem Viertelfinale wurde das Turnier über Halbfinale und Finale im K.-o.-System fortgesetzt, wobei sich der Sieger eines Spiels für die nächste Runde qualifizierte. Spiele, die nach Ablauf der regulären Spielzeit unentschieden endeten, wurden um zweimal 15 Minuten verlängert. Die bei vorhergehenden EM-Turnieren angewandten Regeln eines Golden bzw. Silver Goals wurden abgeschafft. War auch nach der Verlängerung keine Entscheidung gefallen, wurde der Sieger der Begegnung im Elfmeterschießen ermittelt.

Im Gegensatz zu den Weltmeisterschaften gibt es bei Europameisterschaften seit 1984 kein Spiel um den dritten Platz. Der Europameister 2008 qualifizierte sich für den im Jahr 2009 stattfindenden Konföderationen-Pokal in Südafrika.

Für die Teilnahme an der Euro 2008 hatten sich alle 52 zum Zeitpunkt des Meldeschlusses bestehenden UEFA-Mitgliedsverbände angemeldet. Zum ersten Mal nahm Kasachstan, das 2002 vom asiatischen Kontinentalverband AFC zur UEFA gewechselt war, an der EM-Qualifikation teil. Serbien trat die Nachfolge des aufgelösten Staatenbundes Serbien und Montenegro an. Da Montenegro erst am 26. Januar 2007 als vollwertiges Mitglied der UEFA aufgenommen wurde, blieb dem Balkanstaat eine Teilnahme an der Qualifikation zur Euro 2008 verwehrt.

Nach dem offiziellen Reglement der UEFA ist die Europameisterschaft in Qualifikation und Endrunde gegliedert. Für die EM-Endrunde konnten sich neben den beiden automatisch zur Teilnahme berechtigten Gastgebern Österreich und Schweiz vierzehn weitere Mannschaften qualifizieren.

Das Austragungsformat der Qualifikation für die Endrunde in Österreich und der Schweiz wurde durch das Exekutivkomitee der UEFA am 21. April 2005 auf der Tagung im estnischen Tallinn festgelegt. Die Auslosung der Qualifikationsgruppen fand am 27. Januar 2006 im Raffles Le Montreux Palace im schweizerischen Montreux statt, die Spiele selbst zwischen dem 16. August 2006 und dem 24. November 2007.

Die insgesamt 50 um die restlichen 14 Endrundenplätze konkurrierenden Mannschaften wurden einer Achtergruppe und sechs Siebenergruppen zugelost. In den einzelnen Gruppen, in denen jede Mannschaft in Hin- und Rückspielen gegen jede andere Mannschaft antrat, qualifizierten sich nach 306 Qualifikationsspielen, in denen insgesamt 839 Tore erzielt wurden, die jeweils Erst- und Zweitplatzierten für die Europameisterschaft 2008. Im Gegensatz zu früheren Qualifikationsrunden gab es keine Relegationsspiele der Gruppenzweiten.

Die Auslosung der EM-Endrunde fand am 2. Dezember 2007 um 12 Uhr im Kultur- und Kongresszentrum in Luzern statt. Die Zeremonie wurde in 138 Länder übertragen, von denen 37 live sendeten; rund 120 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten die Sendung. Durch das Programm der 52 Minuten dauernden Veranstaltung führten die ehemalige Miss Schweiz, Melanie Winiger, sowie ORF-Sportmoderator Rainer Pariasek. Der Showteil stand unter dem Motto „Football meets Classical Music“. Neben dem spanischen Startenor José Carreras traten die Wiener Sängerknaben sowie der Berner Bach-Chor und eine Schweizer Alphornbläserin auf.

Die Auslosung selbst wurde durch die Kapitäne früherer Europameistermannschaften beziehungsweise ihre Vertreter durchgeführt. Aus den einzelnen Töpfen wurden die Mannschaften den jeweiligen Gruppen zugelost. Zur Bestimmung der für die Erstellung des Spielplans verwendeten Position der Mannschaft innerhalb der Gruppe wurde eine zweite Kugel gezogen.

Die Kader der teilnehmenden Mannschaften umfassten jeweils 23 Spieler und wurden von den jeweiligen Teamchefs bis zum 28. Mai 2008 benannt.

Im russischen Aufgebot waren zum Zeitpunkt des Turniers mit 22 Spielern die meisten in einem Verein des Heimatlands aktiv, im kroatischen und im tschechischen Aufgebot mit jeweils 3 Spielern die wenigsten. Deutsche Vereine stellten die meisten der 368 Spieler. Von den „Legionären“ unter den Spielern spielten die meisten in einer englischen Liga, gefolgt von den deutschen, spanischen, italienischen und französischen Ligen. Der Verein, der die meisten Spieler stellte, war Olympique Lyon (elf).

Portugal zog als Gruppensieger ins Viertelfinale des Turniers ein. Im ersten Spiel wurde die Türkei mit 2:0 besiegt; im zweiten Spiel gegen Tschechien tat man sich zwar schwerer, gewann aber dennoch mit 3:1. Da Portugal mit diesen zwei Siegen bereits als Gruppensieger feststand, wurden im abschließenden Spiel gegen Gastgeber Schweiz bereits mehrere Stammkräfte geschont, was schließlich zu einer 0:2-Niederlage führte.

Das Weiterkommen der Türkei war insofern bemerkenswert, als die Mannschaft gleich zweimal ein Spiel in der Schlussphase drehen konnte. War man im ersten Spiel noch relativ chancenlos, so lieferte man sich bei strömendem Regen gegen die Schweiz einen offenen Schlagabtausch. Die Türkei war letztlich die glücklichere Mannschaft und gewann durch einen Treffer in der Nachspielzeit knapp mit 2:1, nachdem die Schweizer Mannschaft gute Möglichkeiten für das entscheidende Tor nicht hatte nutzen können. Das letzte Gruppenspiel gegen Tschechien war praktisch das „Achtelfinale“ der EM, da beide Mannschaften die gleiche Anzahl an Punkten und die gleiche Anzahl erzielter Tore besaßen und im letzten Spiel direkt aufeinander trafen. Tschechien bestimmte über weite Strecken das Spiel und führte bis in die Schlussphase hinein mit 2:0. Etwa eine Viertelstunde vor Schluss kamen die Türken zum Anschlusstreffer und durch einen Fehler des tschechischen Torhüters Petr Čech in der 87. Minute zum Ausgleich. Nihat bescherte der Türkei nur zwei Minuten später den Sieg. Das Spiel wurde später zu einem der zehn besten Spiele der EM-Historie gewählt.

Tschechien konnte nicht ganz an die Leistungen der EM 2004 anknüpfen. Im ersten Spiel gegen Gastgeber Schweiz zeigte sich die Mannschaft verunsichert und gewann durch eine Einzelaktion des eingewechselten Václav Svěrkoš in der Schlussphase glücklich mit 1:0. Gegen Portugal zeigte man sich zwar stark verbessert, doch zu einem Punktgewinn sollte es nicht reichen. Gegen die Türkei konnte das Team erneut über weite Strecken überzeugen, verspielte aber in den letzten Minuten den sicher geglaubten Sieg und beendete die Vorrunde als Tabellendritter.

Gastgeber Schweiz konnte die Vorrunde nicht überstehen und stand bereits nach zwei Spieltagen als Gruppenletzter fest. Ein Abwehrfehler und eine schlechte Chancenverwertung bescherten dem Team des Gastgebers eine unglückliche 0:1-Auftaktniederlage gegen Tschechien. Hinzu kam die Verletzung von Mannschaftskapitän Alexander Frei, für den das Turnier schon kurz vor der Halbzeitpause des Auftaktmatches aufgrund eines Innenbandabrisses am Knie vorzeitig beendet war. Im zweiten Spiel war der notwendige Sieg gegen die Türkei zum Greifen nahe, doch verlor man ein gutes Spiel wiederum unglücklich mit 1:2. Mit dem Sieg gegen Portugal am letzten Spieltag verabschiedete sich die Schweiz versöhnlich aus dem Turnier, ein Doppelpack von Hakan Yakin sorgte für das 2:0.

Kroatien qualifizierte sich als Erster mit insgesamt drei Siegen für das Viertelfinale. Im ersten Spiel reichte ein frühes Tor durch einen Foulelfmeter für einen knappen 1:0-Auftaktsieg gegen Österreich, wobei sich die Kroaten glücklich schätzen konnten, dass die Österreicher ihre Chancen in der zweiten Halbzeit nicht nutzten. Im zweiten Spiel gegen Deutschland trat die Mannschaft weitaus besser auf und gewann mit 2:1. Damit stand Kroatien schon vor dem letzten Spiel gegen Polen als Gruppensieger fest und lief mit der zweiten Garde auf, konnte jedoch auch hier überzeugen und Polen schlagen.

Deutschland überstand zum ersten Mal seit 1996 wieder die Vorrunde einer Europameisterschaft. Nach einer vielversprechenden Leistung gegen Polen erlitt die deutsche Mannschaft eine Niederlage gegen Kroatien. Danach folgte ein 1:0-Sieg gegen Österreich. Einer der wenigen Höhepunkte in diesem Spiel war Michael Ballacks Freistoßtor, das in Deutschland zum Tor des Jahres gewählt wurde.

Österreich zeigte als einer der Gastgeber eine gute Moral und konnte in den ersten beiden Partien phasenweise auch spielerisch überzeugen, war letztendlich aber zu harmlos für das Weiterkommen. Gegen Kroatien hatte es eine knappe Niederlage gegeben. Im nächsten Spiel gingen die Polen in Führung, nachdem das Schiedsrichtergespann fälschlicherweise nicht auf Abseits erkannte. Nachdem in weiteren Verlauf erneut die Chancenverwertung zu bemängeln war, konnte Ivica Vastić in letzter Minute durch einen Foulelfmeter ausgleichen. Vor dem letzten Spiel besaß Österreich zwar noch die Möglichkeit auf das Viertelfinale. Ein „zweites Córdoba“, wie es in den Medien beschworen wurde, wollte gegen Deutschland jedoch nicht gelingen. In einem mäßigen Spiel unterlag Österreich durch Ballacks Freistoßtor mit 0:1.

Polen schied als Gruppenletzter aus. Gegen Deutschland konnte die Mannschaft phasenweise mithalten, verlor aber mit 0:2. Nach dem 1:1 gegen Österreich folgte zum Abschluss eine Niederlage gegen die kroatische Mannschaft, in der viele Stammspieler geschont wurden. Insgesamt konnte das Team nicht an die Leistungen aus der Qualifikation anknüpfen, in der die Mannschaft in einem Spiel sogar Portugal hatte schlagen können.

Die Niederlande wurden im Vorfeld als Außenseiter in der „Todesgruppe C“ gehandelt, entwickelten sich aber schnell zu einem der Turnierfavoriten. Temporeicher Angriffs- und Konterfußball führte zu zwei deutlichen Siegen gegen Weltmeister Italien und Vize-Weltmeister Frankreich. Die vor dem Turnier hoch gelobte Verteidigung der beiden Mannschaften präsentierte sich gegen die niederländischen Stürmer in weiten Teilen überfordert und hätte sogar noch deutlich mehr Treffer kassieren können. Mit dem schnellen Spiel nach vorne konnten die Niederlande eigene Schwächen in der Defensive kaschieren. Die deutlichen Resultate resultierten daraus, dass die gegnerischen Stürmer zahlreiche gute Chancen vergaben und Torhüter Edwin van der Sar sehr sicher spielte. Da den Niederlanden der Gruppensieg nach den ersten beiden Spielen nicht mehr zu nehmen war, lief im letzten Spiel gegen Rumänien eine B-Mannschaft auf. Gegen eine enttäuschende rumänische Elf, die den unbedingten Siegeswillen vermissen ließ, gewann die „Elftal“ verdient mit 2:0.

Italien erwischte einen katastrophalen Fehlstart ins Turnier. Der Ausfall von Fabio Cannavaro bedeutete eine erhebliche Schwächung der Defensive, die bei der WM 2006 noch das italienische Prunkstück war. Die zahlreichen Fehler wurden im ersten Spiel von den Niederländern ausgenutzt. Nach dem 0:2-Pausenrückstand hatte man in der zweiten Halbzeit Chancen, wieder in das Spiel zu kommen, doch fehlte den Italienern die nötige Ruhe und Cleverness, um van der Sar zu überwinden. Allerdings erholte sich das erfahrene Team schnell von dieser Niederlage und präsentierte sich einige Tage später im Spiel gegen Rumänien stark verbessert. Das hochklassige Spiel endete letztendlich mit einem Unentschieden; Keeper Buffon wehrte in der Schlussphase einen Elfmeter von Adrian Mutu ab. Das abschließende Spiel gegen Frankreich wurde mit 2:0 gewonnen; speziell die italienische Defensive fand gegen ein schwaches französisches Team zu alter Stärke zurück.

Nach der starken Qualifikation und einigen guten Testspielen zeigte Rumänien auch bei der EM einige respektable Leistungen. Gegen ein passives, uninspiriertes französisches Team hatte die rumänische Mannschaft wenig Mühe, ein 0:0 zu sichern. Auch gegen Italien war man ein ebenbürtiger Gegner und hatte durch einen Elfmeter in der Schlussphase, den Gianluigi Buffon jedoch parierte, sogar die Chance auf den Sieg. Im abschließenden Spiel gegen die zweite Garde der Niederländer enttäuschte das Team allerdings und kassierte eine verdiente Niederlage, obwohl ihm bei einem Sieg der zweite Platz nicht zu nehmen gewesen wäre.

Frankreich stellte eine der größten Enttäuschungen der EM dar. Nach der katastrophalen WM 2002 und der kaum besseren EM 2004 hatte man bei der WM 2006 einen Ausrutscher nach oben verzeichnen können, doch dieses Mal gelang der Equipe Tricolore wieder kein gutes Turnier. Die Mannschaft trat insgesamt zu passiv, ungefährlich und phantasielos auf, versprühte praktisch nie Torgefahr und wurde für ihre Fehler in der Defensive hart bestraft.

Spanien hatte einen erfolgreichen Start gegen Russland. David Villa gelang ein (allerdings nicht „lupenreiner“) Hattrick in der ersten Partie. Weitaus schwerer tat sich die Mannschaft im zweiten Spiel gegen Schweden. Mit einem Tor in der Nachspielzeit sicherten sich die Spanier den Sieg. Die B-Mannschaft Spaniens spielte im letzten Gruppenspiel erfolgreich gegen Griechenland.

Russland erholte sich schnell wieder von der Auftaktniederlage und rehabilitierte sich mit einem ungefährdeten Erfolg gegen Griechenland. Aufgrund des schlechteren Torverhältnisses musste das letzte Spiel gegen Schweden gewonnen werden, was mit einer starken Leistung gelang. Damit sicherte sich Russland den zweiten Platz in der Gruppe.

Schweden konnte im Auftaktspiel gegen Griechenland nicht überzeugen und gewann als das stärkere von zwei schwachen Teams mit 2:0. Auf die Niederlage gegen Spanien folgte eine schlechte Vorstellung gegen Russland, die die Mannschaft mit dem Ausscheiden bezahlte.

Titelverteidiger Griechenland schied bereits in der Vorrunde aus. Nach einer katastrophalen Vorstellung gegen Schweden folgte ein kaum besserer Auftritt gegen Russland und am Ende sogar noch eine Niederlage gegen das spanische B-Team. Als erster Titelverteidiger verabschiedeten sich die Griechen ohne Punkte aus dem Turnier, obwohl sie in der Qualifikation noch mehr Punkte errungen hatten als jede andere Mannschaft.

Im ersten Viertelfinale begannen die Mannschaften aus Portugal und Deutschland zunächst ein sehr taktisches, aber dennoch schnelles Spiel, welches zu großen Teilen im Mittelfeld stattfand. In der 22. Minute ging Deutschland nach einer Doppelpassabfolge im Mittelfeld und Flanke von Lukas Podolski durch ein Tor von Schweinsteiger mit 1:0 in Führung. Das 2:0 durch Klose folgte in der 26. Minute nach einem von Schweinsteiger ausgeführten Freistoß. Es folgte eine Drangperiode der Portugiesen, die in der 40. Minute zum Anschlusstreffer führte. Cristiano Ronaldo tauchte halblinks vor dem deutschen Torwart Jens Lehmann auf, der dessen Schuss zunächst parieren konnte, beim Nachschuss von Nuno Gomes jedoch keine Abwehrmöglichkeit mehr hatte. Auch nach der Pause startete Portugal mit viel Druck. Der deutschen Elf gelang dennoch in der 61. Minute das 3:1 durch einen Kopfball von Ballack – wieder durch einen Schweinsteiger-Freistoß vorbereitet. Etwas Glück hatte die deutsche Mannschaft, dass ein Schubser durch Ballack im Vorfeld seines Kopfballtores, der auch als Stürmerfoul an Ferreira hätte interpretiert werden können, vom Schiedsrichter nicht geahndet wurde. Die Portugiesen starteten nun mehrfach Angriffe auf das deutsche Tor. In der 87. Minute gelang es schließlich Postiga, durch einen Kopfball aus kurzer Distanz erneut auf 3:2 zu verkürzen. Deutschland brachte die knappe Führung in der dramatischen und hektischen Schlussphase über die Zeit und qualifizierte sich für das Halbfinale.

Deutschlands Halbfinalgegner wurde im Spiel zwischen Kroatien und der Türkei ermittelt. In einem zunächst chancenarmen Spiel für die Türkei hatte Kroatien hingegen große Probleme die sich bietenden Chancen zu nutzen. In der zweiten Halbzeit waren die Mannschaften ausgeglichener aber auch defensiver aufgestellt, so dass es mit einem Stand von 0:0 in die Verlängerung ging. Nachdem in der 119. Minute alles nach einem Elfmeterschießen aussah, nutzte Luka Modrić einen Fehler von Rüştü, um auf Klasnić zu passen, der zum 1:0 für Kroatien einköpfte. Doch nur drei Minuten später, kurz vor Ende der Nachspielzeit der Verlängerung, gelangte der Ball nach einem weiten Abschlag von Rüştü und einigen Ballberührungen verschiedener Spieler zu Semih, der den Ausgleich erzielte. Im Elfmeterschießen versagten den Kroaten die Nerven. Während alle türkischen Schützen trafen, schossen Modrić und Rakitić neben das Tor. Rüştü parierte schließlich gegen Mladen Petrić.

Im dritten Viertelfinalspiel zwischen den Niederlanden und Russland hatten die Russen in der ersten Hälfte deutlich mehr vom Spiel, konnten ihre Torchancen jedoch nicht nutzen. Nach der Pause gestalteten die Niederländer das Spiel zunächst deutlich offener, mussten aber in der 56. Minute nach einem schnellen Spielzug das 0:1 durch Roman Pawljutschenko hinnehmen. Nach der Führung ließen die Russen die Mannschaft der Niederlande immer weniger ins Spiel kommen und hatten nach schnellen Kontern weitere Torchancen. In der 86. Minute gelang den Niederlanden nach einem Freistoß von Sneijder dennoch das 1:1 durch einen Kopfball von Ruud van Nistelrooy, was auch der Stand nach Ende der regulären Spielzeit war. Auch in der Verlängerung blieb die Mannschaft Russlands spielbestimmend. In der 112. Minute gelang ihnen dann das 2:1 durch Torbinski. Vier Minuten später war das Spiel durch den Treffer Arschawins zum 3:1 endgültig entschieden.

Im letzten Viertelfinale trafen Spanien und Italien aufeinander. Auf Seiten der Italiener machte sich das Fehlen des gelbgesperrten Andrea Pirlo negativ bemerkbar. Nach einer von Taktik geprägten Partie mit wenigen Höhepunkten musste das Elfmeterschießen entscheiden. Hier setzte sich Spanien mit 4:2 durch. Den entscheidenden Elfmeter verwandelte Cesc Fàbregas. Er beendete damit den spanischen „Viertelfinal-Fluch“ (die spanische Mannschaft war zuvor bereits am 22. Juni der Jahre 1986, 1996 und 2002 im Viertelfinale nach Elfmeterschießen aus Welt- und Europameisterschaftsturnieren ausgeschieden) und nach 24 Jahren zog die Spanische Nationalmannschaft wieder in ein Halbfinale ein (zuletzt das Finale 1984).

Bemerkenswert war, dass mit Spanien nur einer der vier Gruppensieger den Einzug in das Halbfinale schaffte. Aus der vermeintlich stärksten Gruppe C erreichte keine Mannschaft die nächste Runde, die Niederlande und Italien scheiterten an Russland bzw. Spanien. Dabei standen alle Gruppensieger bereits nach dem zweiten Spieltag fest, so dass die Trainer ihre besten Spieler im 3. Spiel nicht mehr einsetzen mussten, wohingegen die Gruppenzweiten erst am letzten Spieltag der Gruppenphase ermittelt wurden.

Deutschland begann im Halbfinalspiel gegen die Türkei sehr nervös. Die Türken kamen zunächst besser ins Spiel, und daraus resultierte in der 22. Minute der Führungstreffer durch Uğur Boral. Nur vier Minuten später glich Deutschland aus, als Lukas Podolski von der linken Seite auf Bastian Schweinsteiger flankte, der aus kurzer Distanz traf. In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel kampfbetonter, klare Torchancen blieben aber aus. Elf Minuten vor Spielende gelang Miroslav Klose durch einen Kopfball nach Flanke von Philipp Lahm das 2:1. In der Schlussphase glich die Türkei durch ein Tor von Semih Şentürk in der 86. Minute zunächst aus. Den 3:2-Endstand stellte Philipp Lahm in der 90. Minute nach Doppelpass mit Thomas Hitzlsperger durch einen Treffer in die linke obere Ecke des Tors her.

Aufgrund von gewitterbedingten Stromschwankungen im Millisekundenbereich und einer fehlerhaften Notstromversorgung im internationalen EM-Fernsehzentrum der UEFA in Wien (International Broadcast Centre (IBC)), wurde das internationale Fernsehsignal des Spiels weltweit zweimal unterbrochen, da sich die Computer des Master Control Rooms im IBC bei jeder dieser kurzen Schwankungen abschalteten und erst wieder hochgefahren werden mussten. Das ZDF sendete zwischenzeitlich nur einen Livekommentar, der per Telefon in das Studio übertragen wurde. Während des zweiten Bildausfalls sendeten ZDF und ORF Material des Schweizer Senders SF, der ein direktes Übertragungssignal vom Stadion in Basel erhielt. Im ZDF war das Bild um etwa drei Sekunden zeitlich vom Ton versetzt, so dass ein Tor bereits kommentiert wurde, während dieses im Bild noch nicht zu sehen war. Die Public-Viewing-Vorführungen außerhalb der Schweiz waren von den Bildstörungen ebenfalls betroffen. Das Unwetter mit begleitenden Stürmen über 80 Kilometer pro Stunde in Wien sorgte dort zusätzlich für einen vorzeitigen Abbruch des Public-Viewings.

Das zweite Halbfinale zwischen Russland und Spanien am darauffolgenden Tag in Wien begann, während ein weiteres schweres Unwetter mit strömendem Gewitterregen über der österreichischen Hauptstadt niederbrach. Die schlechten Platzverhältnisse verhinderten während der ersten Halbzeit zwingende Aktionen; zur Pause stand es 0:0. In der 50. Minute – der Regen hatte zwischenzeitlich nachgelassen – vollendete der spanische Mittelfeldspieler Xavi eine mustergültige Vorlage von Iniesta zum 1:0. In der 72. Minute hob der einige Minuten zuvor eingewechselte Güiza den Ball über den russischen Torhüter Akinfejew hinweg zum 2:0. Das vorentscheidende 3:0 gelang Silva in der 82. Minute.

Die spanische Mannschaft begann anfangs nervös und Deutschland startete unerwartet stark, doch nach zehn Minuten dominierte Spanien und kam zu einigen Großchancen, während sich bei der deutschen Mannschaft die Fehlpässe häuften. Schon in der 15. Minute hatte Deutschland großes Glück, als Metzelder einen Schuss von Iniesta abfälschte und so fast ein Eigentor verschuldete. Sergio Ramos konnte in der 23. Minute ungehindert auf Torres flanken, dessen Kopfball jedoch nur an den Pfosten ging. Die Schwächephase der deutschen Mannschaft führte folgerichtig in der 33. Spielminute zum 0:1 durch Fernando Torres. Insgesamt wirkte Spanien wesentlich frischer sowie sehr kombinationssicher und spielte sehr schönen Fußball, der in der 35. Spielminute fast zum 2:0 führte, als Iniesta ungehindert flanken durfte und David Silva völlig freie Bahn zum Schuss hatte, der Ball jedoch über das Tor ging. In der zweiten Hälfte änderte sich das Bild nicht: Spanien kam immer besser in Fahrt, hatte bereits in der 55. Minute durch den überragenden Spieler Xavi die Chance, das Spiel zu entscheiden, als Torres frei auf Xavi passen konnte und der nur knapp das lange Eck verfehlte. Spanien, das sich durch einen schnellen Spielstil auszeichnete und enormen Druck auf die deutsche Mannschaft ausübte, erspielte sich immer weitere Chancen. Am Ende blieb es beim knappen 1:0-Sieg.

Mit dem Schlusspfiff des Finales in Wien am 29. Juni 2008 um 22:42 Uhr wurde Spanien zum zweiten Mal nach 1964 Fußball-Europameister. Zum Kader der von Trainer Luis Aragonés betreuten Mannschaft gehörten insgesamt 23 Spieler, von denen 22 das Turnier bestritten.

Außerdem war der dritte Torwart Andrés Palop im Kader, bestritt jedoch kein Spiel.

Die Mannschaft Spaniens galt als das mit Abstand beste Team der EURO 2008. Spanien, das bereits vor der Europameisterschaftsendrunde 16 Mal in Folge unbesiegt blieb, konnte auch während des Turniers alle sechs Spiele gewinnen. Verantwortlich für den Erfolg war vor allem die technische Qualität der spanischen Spieler, ihr „Tiqui-taca“ genanntes Kurzpassspiel sowie die Fähigkeit selbst unter enormen Druck den Ball zu behaupten.

Sicherer Rückhalt im Tor der Spanier war Iker Casillas. Davor kamen in der Abwehr meist die beiden Innenverteidiger Puyol und Marchena, sowie außen Ramos und Capdevila zum Einsatz.

Das Mittelfeld um den zum besten Turnierspieler gewählten Xavi, der das Tempo im spanischen Spiel bestimmte, war das Glanzstück der Mannschaft. Neben Xavi spielten die ebenfalls in UEFA-Allstarteam gewählten Senna, Fàbregas sowie Iniesta. Hinzu kam David Silva.

Auch im Angriff war Spanien mit Fernando Torres und David Villa die beste Mannschaft des Turniers.

Den Sieg der Nationalmannschaft wurde in Spanien überschwänglich und in allen Landesteilen gefeiert. Am Tag nach dem Endspiel kehrte das spanische Team am Abend in die Heimat zurück, wo ihnen Hunderttausende einen triumphalen Empfang bereiteten. Vom Madrider Flughafen Barajas fuhr die Mannschaft in einem offenen Bus auf den von unzähligen Fans gesäumten Straßen zur Plaza de Colón im Zentrum der spanischen Hauptstadt. Dort wurde der neue Europameister von 65.000 auf dem Plaza platz findenden Anhängern gefeiert.

Am darauf folgenden Tag wurde die „Selección“ im Zarzuela-Palast von König Juan Carlos und Königin Sofía empfangen und danach vom spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero in dessen Amtssitz geehrt.

Für den Gewinn des Europameistertitels erhielt jeder spanische Akteur 214.000 Euro vom spanischen Fußballverband.

Torschützenkönig bei dieser Europameisterschaft wurde der Spanier David Villa, der als einziger Spieler vier Tore im gesamten Turnier erzielte und zudem mit dem Sieg im Finale gegen Deutschland auch noch Europameister mit Spanien wurde. Die vier erzielten Tore bedeuteten die geringste Trefferzahl eines EM-Torschützenkönigs seit der Aufstockung der Europameisterschaft auf 16 Mannschaften im Jahr 1996. Bemerkenswert war, dass Villa all seine Turniertore bereits in den ersten beiden Partien erzielte. Drei der vier Tore schoss er beim 4:1 im Auftaktspiel der Gruppe D gegen Russland. Das vierte gelang ihm im zweiten Spiel gegen Schweden, als er in der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer zum 2:1-Sieg erzielte.

Mit jeweils drei Treffern während des Turniers schafften es der deutsche Nationalspieler Lukas Podolski, der Schweizer Hakan Yakin, Roman Pawljutschenko aus Russland und Semih Şentürk aus der Türkei auf den zweiten Platz.

Dazu gab es 13 Spieler, die zweimal trafen und 35 Spieler, denen ein Tor gelang. Darunter waren die Deutschen Michael Ballack, Miroslav Klose sowie Bastian Schweinsteiger mit jeweils zwei Toren und Philipp Lahm mit einem Tor. Den einzigen österreichischen Treffer schoss Ivica Vastić. Alle drei Tore der Schweiz wurden durch Hakan Yakin erzielt.

Seit der Europameisterschaft 1996 stellt eine Expertenkommission der UEFA ein All-Star-Team mit den 23 besten Spielern des Turniers zusammen. Verantwortlich für die Wahl der offiziellen Mannschaft des Turniers ist die aus erfahrenen Trainern bestehende technische Studiengruppe, welche die technische Entwicklung während der EM-Endrunde analysiert und in einem Abschlussbericht zusammenstellt. Die Kriterien bei der Wahl des All-Star-Teams sind Teamgeist, Technik, Abwehr- oder Torjägerqualitäten. Der unter dem Vorsitz des Schotten Andy Roxburgh stehenden Expertenkommission gehörten unter anderem Jean-Paul Brigger, Roy Hodgson und Holger Osieck an.

Als bester Spieler des Turniers wurde der Spanier Xavi ausgezeichnet. Die Wahl des Mittelfeldspielers vom FC Barcelona erschien der Technikkommission, in deren Entscheidung zum Teil auch Abstimmungsergebnisse im Internet einflossen, als logische Konsequenz aus dem Auftritt der in allen sechs Europameisterschaftsspielen erfolgreichen Spanier. Xavi habe den Stil der erfolgreichen Spanischen Mannschaft am besten repräsentiert. „Er war sehr einflussreich“ und „bestimmte das Tempo im spanischen Spiel“, begründete der Schotte Andy Roxburgh die Wahl.

Verantwortlich für die Gesamtorganisation der Fußball-Europameisterschaft 2008 war die Euro 2008 SA, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der UEFA mit Hauptsitz in Nyon sowie Turnierdirektionen in Wien und Bern. Das höchste Gremium der am 17. Dezember 2004 gegründeten Aktiengesellschaft ist der Verwaltungsrat, der sich aus Vertretern der UEFA sowie der beiden Gastgeberverbände zusammensetzt. Präsident des neun Mitglieder umfassenden Verwaltungsrates der Euro 2008 SA war bis Ende 2006 der SFV-Präsident Ralph Zloczower. Anschließend übernahm Friedrich Stickler, der Präsident des ÖFB, die Funktion.

Für die operative Führung der Euro 2008 SA war die Geschäftsleitung um den Schweizer Martin Kallen verantwortlich. Zudem hatten die Schweiz und Österreich je einen Turnierdirektor, Christian Schmölzer (Österreich) und Christian Mutschler (Schweiz), die für die Organisation des Turniers verantwortlich waren. Beide Verbände unterschrieben im November in Wien ein Rahmenabkommen, im Januar 2005 kam der neu gegründete Verwaltungsrat der Euro 2008 erstmals zusammen. Das Turnier-Organisationsbüro hatte seinen Sitz in Nyon, Schweiz.

Der Etat für die Organisation der Fußball-Europameisterschaft 2008 betrug 235 Millionen Schweizer Franken (rund 147 Millionen Euro). Der bedeutendste Teil der Einnahmen resultierte aus dem Verkauf der eine Million Eintrittskarten, bei denen mit einem Erlös von 138 Millionen Euro kalkuliert wurde. Den acht Ausrichterstädten wurden Sach- und Finanzleistungen im Wert von insgesamt 18,6 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Zudem erhielt jede Stadt von der UEFA einen Zuschuss über 375.000 Euro, um die Kosten für die Organisation der Fanzonen zu decken.

Bei der Organisation des Turniers orientierte man sich stark an der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Es wurden erneut zahlreiche Fanmeilen, Public-Viewing-Leinwände und andere öffentliche Zonen geschaffen.

Das Logo der Fußball-Europameisterschaft 2008 zeigte die stilisierte Gebirgslandschaft der beiden Gastgeberländer Schweiz und Österreich, in deren Mitte sich ein Fußball befindet. Das Emblem ist überwiegend in rot und weiß, den Nationalfarben der beiden Gastgeber, gehalten. Der grüne Kern des Balles sollte die Wichtigkeit der Natur in der Region wiedergeben. Entworfen wurde das am 7. Juni 2005 erstmals während einer feierlichen Zeremonie in der Wiener Hofburg präsentierte Logo von der Londoner Design- und Markenfirma English & Pockett.

Die offiziellen Maskottchen der Europameisterschaft 2008 hießen Trix und Flix. Die offensichtlich fußballbegeisterten Zwillinge stellten die Austragungsländer in ihren Nationalfarben Rot-Weiß dar. Ihre Trikotnummern waren „20“ und „08“, um beim Nebeneinanderstehen den Schriftzug „2008“ zu erzeugen. Die Figuren wurden von Warner Bros. Consumer Products entwickelt und erinnerten optisch und namentlich sehr an Fix und Foxi. Die knallroten, gezackten Frisuren erinnerten an das Logo der Euro 2008 und Bergketten der Alpenländer. Zur Auswahl standen die Namen Zagi & Zigi, Flitz & Bitz und Trix & Flix. 36,3 Prozent der 67.406 abstimmenden Personen entschieden sich – seit dem 27. September via Internet, Telefon-Hotline und in allen McDonald’s-Restaurants der beiden Länder – für die am 10. Oktober 2006 im Historischen Rathaus von Innsbruck bekanntgegebenen Namen. Vor dem Freundschaftsspiel Österreich – Schweiz, welches zwei Tage darauf stattfand, betraten die beiden zum ersten Mal offiziell ein Fußballstadion. Österreich gewann das Spiel mit 2:1.

Erstmals wurde für eine Europameisterschaft eine akustische Marke als Erkennungsmerkmal komponiert. Dieses Jingle zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Berichterstattung in den Medien. Komponiert wurde das Stück von Rollo Armstrong von der Gruppe Faithless. Der Spanier Enrique Iglesias sang mit Can You Hear Me den offiziellen Song zur Europameisterschaft. Die mascots songs (Maskottchen-Lieder) der Europameisterschaft 2008 hießen Feel the Rush und Like a Superstar und wurden von Shaggy gesungen. Den offiziellen Song der österreichischen Fußballnationalmannschaft für die EM sang Christina Stürmer. Im März 2008 beim Länderspiel der österreichischen Nationalmannschaft gegen die Niederlande wurde das Lied Fieber vorgestellt, das auch vom ZDF benutzt wurde. Die Schweizer EM-Hymne war eine Remix-Version von Baschis Bring en hei. Parallel dazu wurden in Österreich und Deutschland je hochdeutsche Versionen des Songs von Mario Lang und Oliver Pocher veröffentlicht. Der DFB hatte das Lied Helden 2008 der Hamburger Band Revolverheld zum Lied der deutschen Fußballnationalmannschaft erklärt. Die russische EM-Hymne komponierte der Duma-Vorsitzende Boris Gryslow. Der allgemeine Fan-Gesang, der zu Beginn eines jeden Spiels im Stadion gespielt wurde, war eine Ableitung aus dem Lied Seven Nation Army von den White Stripes. Außerdem wurde nach jedem gefallenen Tor der Chorus des Liedes Samba de Janeiro von Bellini eingespielt.

Spielball des Turniers war der von Adidas in Zusammenarbeit mit Bayer MaterialScience hergestellte EUROPASS. Der Name sollte einerseits den „Euro“-Pass der beiden Ausrichterländer und der Fans symbolisieren, andererseits stand er für das Zuspiel der Protagonisten auf dem Rasen. Er wurde im Rahmen der Endrundenauslosung am 2. Dezember 2007 in Luzern offiziell vorgestellt.

Die Farbgebung in weißer Grundfarbe mit schwarzen Punkten erinnerte vom Design her an Fußbälle vergangener Jahrzehnte. Die zwei Landesflaggen der Gastgeberländer waren mit acht Kreisen ebenfalls integriert. In den zwölf schwarzen Punkten befanden sich individuelle grafische Elemente, die die UEFA begleitend zum Euro-Logo entwickelt hatte. Die Elemente sollten für Leidenschaft, Freundschaft, Action, Training und Fans sowie das Siegtor stehen und sie fanden sich als Wasserzeichen in den schwarzen Punkten des Europass wieder. Für jedes Spiel kamen Spezialaufdrucke wie die Namen der zwei Gegner, die EM-Gruppe, das Datum, der Name der Stadt und des Stadions dazu.

Neu im Vergleich zur EM 2004 in Portugal, wo der Ball glatt und fast ganz in Silber gehalten war, war nicht nur die Farbgebung, sondern auch die vom Hersteller als „Gänsehaut“ bezeichnete feine Struktur der Oberfläche, die dem Ball zu besseren Flugeigenschaften und zu besserer Kontrollierbarkeit verhelfen sollte.

Von einigen Torhütern und Spielern wurde der Europass hingegen kritisiert. Der tschechische Torhüter Petr Čech sowie der deutsche Torwart Jens Lehmann bezeichneten den Ball als unberechenbar, seine Flugbahn sei außerordentlich schwer zu berechnen.

Am 19. Dezember 2007 wurden die Offiziellen der Fußball-Europameisterschaft 2008 bekanntgegeben. Die Schiedsrichterkommission der UEFA berief 12 Schiedsrichter und 24 Schiedsrichterassistenten. Um bestmöglich miteinander zu kooperieren, setzten sich die Gespanne wie bereits bei der Europameisterschaft 2004 aus Schiedsrichtern und Assistenten des jeweils gleichen Landes zusammen. Hinzu kamen acht vierte Offizielle.

Die Halbfinal-Spiele wurden von Massimo Busacca und Frank De Bleeckere geleitet. Im Finale war Roberto Rosetti der Schiedsrichter.

Die ausgewählten 44 Offiziellen nahmen vom 14. bis 17. April 2008 an einem Vorbereitungsseminar teil, bei dem sie sich einem Fitnesstest unterzogen und spezielle Instruktionen hinsichtlich der EM-Endrunde erhielten. Während der EURO 2008 waren die Schiedsrichterteams bis zum ersten Halbfinale am 25. Juni 2008 im Hotel Mövenpick im Schweizer Regensdorf untergebracht. Jene Unparteiische, die im zweiten Halbfinale sowie dem Endspiel eingesetzt wurden, zogen am 26. Juni in das Hotel Renaissance Penta in Wien um.

Die Fußball-Europameisterschaft wurde zu einem großen Teil durch Sponsoren finanziert. Allein die 17 offiziellen Hauptsponsoren zahlten rund 370 Millionen Euro und machten damit einen erheblichen Anteil an den 900 Millionen Gewinn aus, den die UEFA insgesamt erwartete.

Bei der Ausrüstung der Nationalmannschaften mit Trikots, Fußballschuhen und Handschuhen dominierten die Hersteller Adidas, Nike mit Umbro und Puma. Von 100.000 bis über eine Million Euro ließen sich die Hersteller die Exklusivverträge mit den Profispielern kosten, um sie als weltweite Werbeträger zu nutzen.

Im Vorfeld und während der Euro geriet die UEFA wiederholt in Kritik, dass sie die kommerziellen Aspekte des Turniers zu stark betone. So forderte die UEFA von den Wirten und allen Betreibern von privaten Public Viewings eine zusätzliche Gebühr sowie Exklusivrechte für ihre Sponsoren. Das Schweizer Bundesverwaltungsgericht entschied kurz vor der Euro, dass die UEFA dazu nicht berechtigt sei und nur die üblichen Urheberrechtsabgaben an die SUISA zu zahlen seien.

Weitgehend erfolglos bekämpfte die UEFA das Ambush Marketing und forderte vergebens die Einführung eines Gesetzes, das dieses verbiete. Ebenfalls zu Kritik Anlass gaben die Exklusivverkaufsrechte in den offiziellen Fanzonen. So wurde unter anderem Wirten von Restaurants in den Fanzonen verboten, andere Getränke auszuschenken als jenes des UEFA-Sponsors, was beispielsweise in Basel dazu führte, dass drei Restaurants am Kleinbasler Rheinufer, die weiter lokales Bier ausschenkten, mittels eines Zauns von der offiziellen Fanzone hermetisch abgeriegelt wurden.

Im Vorfeld der Europameisterschaft wurden die Stadien, in denen die Spiele stattfanden, für insgesamt rund 900 Millionen Euro umgebaut, erweitert oder neu errichtet. Insgesamt wurden die 31 Endrundenspiele in den acht Stadien von rund 1,14 Millionen Zuschauern verfolgt. Sämtliche Begegnungen waren ausverkauft.

Von den zur Verfügung stehenden Eintrittskarten waren 870.100 (77 Prozent) für den öffentlichen Verkauf bestimmt. Die restlichen rund 259.900 Tickets waren für Sponsoren, Vertreter der 52 UEFA Mitgliedsverbände, Medien, die UEFA und das Hospitality-Programm reserviert. Etwa 169.500 dieser Karten wurden den offiziellen Werbepartnern der EURO 2008 zugeteilt.

Von den in den öffentlichen Verkauf gelangten Eintrittskarten wurden 418.100 Stück Ende April 2007 unter allen Interessenten verlost, die sich während der ersten Verkaufsphase im Monat März 2007 über die offizielle Internetseite beworben hatten. Hierbei registrierte man 8.467.919 Bestellwünsche, woraufhin aufgrund der massiven Überbuchung der Karten auf eine ursprünglich geplante zweite Verkaufsphase im Juni 2007 verzichtet wurde. Die restlichen 226.000 frei verkäuflichen Karten gingen an die nationalen Verbände der qualifizierten Teams, die für jedes ihrer Spiele je 20 Prozent der Eintrittskarten erhielten, um diese an die Fans weiterverkaufen zu können.

Die regulären Preise für die günstigsten Tickets der Europameisterschaft lagen bei 45 Euro für einen Besuch einer Vorrundenbegegnung auf einem Platz der niedrigsten Preiskategorie. Für die günstigste Endspielkarte mussten 160 Euro, für die teuersten Plätze 550 Euro bezahlt werden. Obwohl die UEFA den Weiterverkauf der Eintrittskarten unter anderem durch personalisierte Tickets verhindern wollte, betrugen die Schwarzmarktpreise ein Vielfaches der regulären Kartenpreise.

An sämtlichen Spielorten wurden für die EM Teile der Innenstädte zu Fanmeilen umgewandelt, auf denen Millionen Fans zum Public Viewing kamen. In der Schweiz wurden zudem als zusätzliche Fanmeilen in 16 Städten (nicht aber in den Spielorten) sogenannte UBS-Arenen erstellt. In Liestal wurde unter dem Namen 9. Stadion zudem das größte provisorische Stadion der Schweiz mit 8.000 Sitzplätzen und weiteren Stehplätzen errichtet, in dem die Spiele auf einer Großleinwand verfolgt werden konnten und die Fans übernachten konnten.

Auf alle 16 teilnehmenden Nationen wurde ein Preisgeld von insgesamt 184 Millionen Euro ausgeschüttet, über 40 Prozent mehr als 2004. Jede Nation, die sich qualifiziert hatte, erhielt eine Antrittsgage von 7,5 Millionen Euro. Für einen Sieg in der Gruppenphase erhielt jeder Verband eine Million Euro, für ein Unentschieden eine halbe Million. Die acht Viertelfinalisten bekamen zusätzlich je zwei Millionen, die Halbfinalisten weitere drei Millionen Euro. Für das Erreichen des Endspiels bekamen beide Teams 4,5 Millionen Euro, der Europameister dazu weitere drei Millionen Euro. Insgesamt konnte der Europameister nach Gewinn aller Gruppenspiele ein Preisgeld in Höhe von 23 Millionen Euro erhalten, 5,3 Millionen Euro mehr als 2004.

Zusätzlich erhielten die Vereine, die Spieler für die EM abstellten, von der UEFA einen Zuschuss; insgesamt wollte die UEFA 43,5 Millionen Euro an die Vereine ausschütten. Dies wurde im Januar 2008 zwischen der UEFA und der Vereinigung der Europäischen Fußballvereine (ECA) vereinbart. Je länger ein Spieler im Turnier blieb, desto mehr Geld sollten die Klubs erhalten. Den vollen Betrag erhielt ein Verein nur, wenn der Spieler schon mindestens zwei Jahre unter Vertrag stand, ansonsten erhielt der vorherige Verein einen Teilbetrag. In Deutschland erhielten die Vereine zudem pro Spieler und Spiel 3.000 Euro. Den Vereinen dienten diese Zahlungen auch, um sich gegen Verletzungen der Spieler während der EM zu versichern.

Der Europameister erhielt für vier Jahre die von der UEFA gestiftete Trophäe, auf der der Name der siegreichen Mannschaft eingraviert ist. Für die Europameisterschaft 2008 wurde ein neuer Pokal verliehen, der den bisherigen Coupe Henri Delaunay ablöste. Der Pokal wurde am 27. Januar 2006 vorgestellt und ist, wie schon sein Vorgänger, nach dem früheren französischen Generalsekretär der UEFA Henri Delaunay benannt. Entworfen wurde die neue Trophäe von der Londoner Juwelierfirma Asprey. Die Kosten beliefen sich auf 50.000 Schweizer Franken.

Der erstmals überreichte Pokal ähnelt vom Design her dem oberen Teil seines Vorgängers, ist jedoch 22 Zentimeter höher. Er ist 60 Zentimeter hoch, besteht zu einem Großteil aus Sterlingsilber und wiegt 7,6 Kilogramm. Die oberen und unteren Enden des Pokals sind mit einer Ziselierung versehen. Auf der Vorderseite sind das UEFA-Logo und die Bezeichnung UEFA EUROPEAN FOOTBALL CHAMPIONSHIP eingraviert. Auf der Rückseite befinden sich unter dem Namen COUPE HENRI DELAUNAY die Namen der bisherigen Europameister.

Die Trophäe bleibt im ständigen Eigentum der UEFA und kann nicht dauerhaft von einem Land gewonnen werden. Der amtierende Europameister behält den Pokal bis zur nächsten EM und darf jeweils eine Kopie anfertigen lassen, die den eindeutigen Vermerk „Replikat“ enthalten muss und vier Fünftel der Originalgröße des Pokals nicht überschreiten darf. Eine Mannschaft, die dreimal in Folge oder fünfmal insgesamt Europameister geworden ist, erhält eine originalgetreue Nachbildung der neuen EM-Trophäe.

Die UEFA präsentierte die Fußball-Europameisterschaft 2008 als das drittgrößtes mediale Sportereignis weltweit und als das größte in Europa. Nach Angaben des europäischen Fußballverbandes wurde jedes der 31 Endrundenspiele von mindestens 155 Millionen Menschen live am Fernsehgerät verfolgt, was eine Steigerung der durchschnittlichen Einschaltquote um 165 Prozent gegenüber der Fußball-Europameisterschaft 2000 bedeutete.

Die europäischen Fernseh-Übertragungsrechte an dem Turnier wurden im Januar 2005 an den Sportrechtevermarkter Sportfive vergeben. Die UEFA hatte zuvor diverse Angebote überprüft und zwei Bewerber in die engere Auswahl gezogen – Sportfive und den langjährigen UEFA-Partner, die Europäische Rundfunkunion. Die UEFA begründete diesen Schritt, um fortan für jeden einzelnen Markt eine maßgeschneiderte Lösung anzustreben. Die Einnahmen für den Verkauf der Übertragungsrechte betrugen 780 Millionen Euro.

Hauptvertragsbedingung war, dass der Großteil der Übertragungen im freiempfangbaren Fernsehen stattfinden sollte. In der Schweiz übernahm das Schweizer Fernsehen (SF) die Ausstrahlung aller 31 Partien ebenso wie in Österreich der Österreichische Rundfunk (ORF), in Deutschland zeigten die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF alle Spiele. Zusätzlich wurde für den Zeitraum vom 24. Mai bis zum 13. Juli in Österreich ein eigener Radiosender eingerichtet, welcher mit einer zeitlich begrenzten Eventradio-Lizenz an den Austragungsorten senden durfte.

Erstmals monopolisierte die UEFA die Fernsehübertragung der Spiele und verpflichtete sämtliche Fernsehstationen, das von der UEFA selbst produzierte Fernsehsignal zu übernehmen. Einzig dem Schweizer und dem Österreichischen Fernsehen war es gestattet zusätzliche Kameras in den Stadien des eigenen Landes aufzustellen. Über das UEFA-eigene Fernsehsignal wurden einige Vorkommnisse in den Stadien wie das Abbrennen von pyrotechnischen Fackeln oder Personen, die den Rasen stürmen, nicht gezeigt, worauf der UEFA unter anderem vom SRG-Chef Armin Walpen und dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Österreich Zensur vorgeworfen wurde.

Die UEFA präsentierte die Fußball-Europameisterschaft 2008 als das drittgrößte Sportereignis weltweit und als das größte in Europa. Nach Angaben des europäischen Fußballverbands sollte es in den Stadien rund 1,1 Millionen Zuseher geben. Es wurde von einer durchschnittlichen Fernseh-Einschaltquote von 155 Millionen sowie einer Steigerung der Einschaltziffern um 165 Prozent gegenüber der Fußball-Europameisterschaft 2000 ausgegangen.

Die Wirtschaftskammer Österreich rechnete mit Wertschöpfungseffekten von 383,79 Millionen Euro. Davon sind 89,19 Millionen Euro Infrastruktur-Investitionen, 221,7 Millionen Euro Tourismus und 72,9 Millionen Euro Medien, Werbung und Sponsoring.

Die WKÖ präsentierte Beschäftigungseffekte von 8.638 Mann-Jahren, Kaufkrafteffekte von etwa 260,3 Millionen Euro und Steuereffekte von 146,1 Millionen Euro.

Außerdem legte der Arbeitsmarktservice einen Bericht vor, der besagte, dass mindestens 11.000 Arbeitsplätze durch die Europameisterschaft entstehen würden. Diese Studie wurde im Auftrag der AMS vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft durchgeführt. Den meisten Bedarf hätten der Sicherheitsbereich mit 5.300 Jobs und die Gastronomiebranche mit rund 4.400 Arbeitsplätzen.

Nebenbei wurde während der EURO 2008 die neue Arbeitsmarkt-Plattform EMJOBS08 von WKÖ und AMS eingeführt. Diese diente als Job- und Personalvermittlungsbörse.

Unzufriedenheit mit den Umsätzen gab es hingegen bei den Fanzonen-Wirten, die derzeit in Wien eine Klage gegen die Stadt erwägen.

Unter den Erwartungen blieben auch die Nächtigungszahlen, da in Tourismusgebieten teilweise Stammgäste ausblieben und die Fußballfans nicht im erwarteten Ausmaß nächtigten.

Basel-Stadt und Basel-Landschaft rechneten mit 21,6 Millionen Franken Kosten für die Euro. Der Bund wendete 82,5 Millionen auf. 4,2 Millionen setzte er für regionale EURO-Kosten in Basel ein. Die Fußballverbände UEFA und SFV beteiligten sich nur mit einer Million Franken.

Eine Studie von PricewaterhouseCoopers aus dem Jahr 2006 kalkulierte die durch die EURO generierten Steuereinnahmen „auf gesamthaft rund 50 Millionen“ für die ganze Schweiz.

Die UEFA wünschte, dass die teilnehmenden Spieler keine Quellensteuer zahlen müssen. Laut Gesetz muss das von den ausländischen Fußballern in der Schweiz erwirtschaftete Einkommen mit bis zu einem Drittel versteuert werden. Zwischenzeitlich einigten sich die UEFA, die Schweiz und Österreich darauf, die an der EM durch Ausländer generierten Einkommen mit 20 Prozent an der Quelle zu besteuern. Bei einem Konzert beispielsweise müssen die Künstler ebenfalls Quellensteuer bezahlen. Die Polizei konnte die Sicherheitskosten in Rechnung stellen (Ende 2007 geschätzte Kosten: 64 Millionen Schweizer Franken).

Wie auch in Österreich blieben in der Schweiz die Nächtigungszahlen unter den Erwartungen. Im Juni sank die Zahl der Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent.

Die 13. Fußball-Europameisterschaft in Österreich und in der Schweiz wurde von Organisatoren, Gastgebern und Experten überwiegend positiv bewertet und als ein Turnier angesehen, das die hohen Erwartungen erfüllt hat. So lobte UEFA-Präsident Michel Platini die Organisatoren vor allem für die hervorragenden Rahmenbedingungen bezüglich Transport, Unterbringung, Stadien und Sicherheit.

Im Gegensatz zur zwei Jahre zuvor in Deutschland ausgetragenen Weltmeisterschaft 2006 zeigte sich das Publikum zwar freundlich, jedoch nicht vergleichbar euphorisch. Neben dem frühen Ausscheiden der beiden Gastgeber lag dies auch am schlechten Wetter und dem zu Beginn des Turniers anhaltenden Dauerregen. Das Wetter war auch für die größten Pannen des Turniers mitverantwortlich. So musste der Rasen im Basler St. Jakob-Park nach der Regenschlacht zwischen der Schweiz und der Türkei komplett neu verlegt werden, und ein Gewitter über Wien sorgte für einen fast weltweiten Bildausfall beim deutsch-türkischen Halbfinale. Die vor dem Turnier aufgestellten Prognosen über den zu erwarteten Touristenstrom stellten sich zunächst als weit überhöht heraus, die Fan-Arenen waren häufig nicht ausgelastet. Im weiteren Verlauf des Turniers fiel diese Bilanz besser aus. Mit dem einsetzenden milden und warmen Wetter wurden je nach Spiel, vor allem bei Beteiligung der Niederlande, Deutschlands oder Russlands Rekordzahlen vermeldet.

Wirtschaftlich konnte die Europameisterschaft nicht alle Erwartungen erfüllen. Für die UEFA brachte das Turnier eine EM-Rekord-Einnahme von 1,3 Milliarden Euro, was eine Steigerung des Umsatzes um 56 Prozent gegenüber der EURO 2004 in Portugal bedeutete. Der Gewinn betrug rund 700 Millionen Euro, auch das eine Steigerung um fünf Prozent im Vergleich zu 2004. Mit dem erwirtschafteten Gewinn sollen in den nächsten vier Jahren Entwicklungsprojekte in sämtlichen 53 UEFA-Mitgliedsverbänden finanziert werden. Gleichzeitig mit Erhöhung von Umsatz und Gewinn gab es allerdings auch einen Anstieg der Kosten gegenüber 2004 von 313 Millionen auf 618 Millionen Euro. Vor allem in der Gastronomie hatte man sich vom Europameisterschaftsturnier jedoch höhere Gewinne erhofft, was unter anderem zum vorzeitigen Schließen einiger Verkaufsstände in den Fanzonen führte.

Sportlich gesehen war die EURO 2008 auf hohem Niveau. Die UEFA zeigte sich sehr zufrieden mit der Qualität der Spiele. Besonders der von den meisten Mannschaften vorgetragene Offensivfußball mit 77 erzielten Turniertoren konnte begeistern. Zudem zeichnete sich das Turnier, in dem lediglich drei rote Karten gezeigt wurden, durch große Fairness aus. Wie erwartet wurden keine neuen Spielsysteme entwickelt, die Intensität und Schnelligkeit des Spiels jedoch erhöht. Der zur technischen Studiengruppe der UEFA gehörende Andy Roxburgh beschrieb die gesehenen Spiele als „eine unglaubliche Mischung aus Dynamik und hohem technischen Standard“. Defensiv ausgerichtete Mannschaften, wie die noch vier Jahre zuvor erfolgreichen Griechen, die bereits nach drei Niederlagen in der Vorrunde ausschieden, spielten bei diesem Turnier keine entscheidende Rolle.

Neben den Griechen enttäuschten vor allem die Mannschaften der Gastgeber. Sowohl Österreich als auch die Schweiz kamen nicht über die Vorrunde hinaus. Auch Frankreich sowie Italien hatten sich mehr erhofft und schieden bereits in der Vorrunde beziehungsweise im Viertelfinale aus. Ebenfalls im Viertelfinale endete das Turnier für Portugal und die Niederlande, nachdem sich beide Mannschaften in der Vorrunde noch in die Rolle der Titelfavoriten gespielt hatten. Positiv überraschten vor allem die Mannschaften Russlands und der Türkei. Dabei zeigte die junge, von Guus Hiddink trainierte „Sbornaja“ um Andrei Arschawin und Roman Anatoljewitsch Pawljutschenko zeitweise atemberaubenden Fußball.

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Source : Wikipedia