Buddhismus

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Geschrieben von daneel 15/03/2009 @ 00:08

Tags : buddhismus, religion, gesellschaft

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Buddhismus

Buddha-Statue in der Seokguram-Grotte

Der Buddhismus ist eine Lehrtradition und Religion, die mit weltweit etwa 375 bis 500 Millionen Anhängern die viertgrößte Religion der Erde ist und ihren Ursprung in Indien hat. Vor allem in Süd-, Südost- und Ostasien ist sie verbreitet.

Die Buddhisten berufen sich auf die Lehren des Siddhartha Gautama, der gemäß der Überlieferung 563 v. Chr. (80 B. B. E.) zur Welt kam, nach heutigem Kenntnisstand aber möglicherweise etwa ein Jahrhundert später in Nordindien lebte. Er wird als „historischer Buddha“ bezeichnet, um ihn von mythischen Buddha-Gestalten zu unterscheiden, die nicht historisch bezeugt sind. „Buddha“ (wörtlich „Erwachter“) ist ein Ehrentitel, der sich auf ein Erlebnis bezieht, das als Bodhi („Erwachen“) bezeichnet und oft ungenau mit „Erleuchtung“ übersetzt wird. Gemeint ist damit nach der buddhistischen Lehre eine fundamentale und befreiende Einsicht in die Grundbedingungen alles Lebens, aus der sich die Überwindung des leidhaften Daseins ergibt. Diese Erkenntnis nach dem Vorbild des historischen Buddha durch Befolgung seiner Lehren zu erlangen, ist das Ziel der buddhistischen Praxis. Aber auch von Extremen wird abgeraten, vielmehr sollte man immer den Mittleren Pfad einschlagen.

Der Buddhismus entstand auf dem indischen Subkontinent durch Siddhartha Gautama. Der Überlieferung zufolge erlangte er im Alter von 35 Jahren durch das Erlebnis des „Erwachens“ eine Aufeinanderfolge von Erkenntnissen, die es ihm ermöglichten, die buddhistische Lehre zu formulieren. Bald danach begann er mit der Verbreitung der Lehre, gewann die ersten Schüler und gründete die buddhistische Gemeinde. Bis zu seinem Tod im Alter von 80 Jahren, mit dem bei ihm nach buddhistischer Vorstellung das endgültige Nirvana (Parinirvana, „Verlöschen“) eintrat, wanderte er lehrend durch Nordindien.

Von der nordindischen Heimat Siddhartha Gautamas verbreitete sich der Buddhismus zunächst auf dem indischen Subkontinent, auf Sri Lanka und in Zentralasien. Insgesamt sechs buddhistische Konzile trugen zur „Kanonisierung“ der Lehren und, gemeinsam mit der weiteren Verbreitung in Ost- und Südostasien, zur Entwicklung verschiedener Traditionen bei. Der nördliche Buddhismus (Mahayana) erreichte über die Seidenstraße Zentral- und Ostasien, wo sich weitere Traditionen wie etwa Chan (China), Zen (Japan) und Amitabha-Buddhismus (Ostasien) entwickelten. In die Himalaya-Region gelangte der Buddhismus auch direkt aus Nordindien; dort entstand der Vajrayana (Tibet, Bhutan, Nepal, Mongolei u. a.). Aspekte des Buddhismus drangen auch in andere religiöse Traditionen ein oder gaben Impulse zu deren Institutionalisierung (vgl. Bön und Shintō bzw. Shinbutsu-Shūgō). Von Südindien und Sri Lanka gelangte der südliche Buddhismus (Theravada) in die Länder Südostasiens, wo er den Mahayana verdrängte. Der Buddhismus trat in vielfältiger Weise mit den Religionen und Philosophien der Länder, in denen er Verbreitung fand, in Wechselwirkung. Dabei wurde er auch mit religiösen und philosophischen Traditionen kombiniert, deren Lehren sich von denen des ursprünglichen Buddhismus stark unterscheiden.

Nach der buddhistischen Lehre ist jedes Lebewesen einem endlosen Kreislauf (Samsara) von Geburt und Wiedergeburt (Reinkarnation) unterworfen. Ziel von Buddhisten ist es, durch ethisches Verhalten, die Kultivierung der Tugenden (Fünf Silas), die Praxis der „Versenkung“ (Samadhi, vgl. Meditation) und die Entwicklung von Mitgefühl und Weisheit (Prajna) aus diesem Kreislauf herauszutreten. Auf diesem Weg sollen Leid und Unvollkommenheit überwunden und durch Einsicht (Erwachen) der Zustand des Nirwana realisiert werden.

Basis der buddhistischen Praxis sind die Vier Edlen Wahrheiten: erstens die Erkenntnis, dass das Leben von Leid geprägt ist, zweitens die Erkenntnis, dass dieses Leid durch Begierde verursacht wird, drittens, dass die Begierde und somit das Leid durch tugendhaftes Leben und Meditation überwunden werden können und viertens, dass der Weg dahin über den Achtfachen Pfad führt, der Handlungsanweisungen zum tugendhaften Leben gibt, in deren Mittelpunkt Rücksichtnahme und Erkenntnis stehen.

Indem jemand Zuflucht zu Buddha, Dharma (Lehre) und Sangha (Gemeinschaft) nimmt, bezeugt er seine Zugehörigkeit zur Laien-Gemeinschaft des Buddhismus. Zudem existieren verschiedene rituelle Systeme zur Ordination in den Mönchs- bzw. Nonnenorden.

Gemäß der Überlieferung wurde Siddhartha Gautama etwa 563 v. Chr. (80 B. B. E.) in Lumbini im nordindischen Fürstentum Kapilavastu, heute Teil des Nepals, als Sohn des Herrscherhauses von Shakya geboren und trägt daher den Beinamen Shakyamuni, „Weiser aus dem Hause Shakya“. Im Alter von 29 Jahren wurde ihm bewusst, dass Reichtum und Luxus nicht die Grundlage für Glück sind. Er erkannte, dass Leid wie Altern, Krankheit, Tod und Schmerz untrennbar mit dem Leben verbunden ist, und brach auf, um verschiedene Religionslehren und Philosophien zu erkunden, um die wahre Natur menschlichen Glücks zu finden. Sechs Jahre der Askese, des Studiums und danach der Meditation führten ihn schließlich auf den Weg der Mitte und er hatte unter einer Pappelfeige in Bodh-Gaya im heutigen Nordindien das Erlebnis des Erwachens (Bodhi). Wenig später hielt er in Isipatana, dem heutigen Sarnath, seine erste Lehrrede und setzte damit das „Rad der Lehre“ (Dharmachakra) in Bewegung. Danach verbrachte er als Buddha den Rest seines Lebens bis zu seinem Tod im Alter von 80 Jahren im Jahre 483 v. Chr. (Jahr 0 nach der Buddhistischen Zeitrechnung) mit der Unterweisung und Weitergabe der buddhistischen Lehre, des Dharma an die von ihm begründete Vierfache Gemeinschaft, bestehend aus den Mönchen (Bhikkhu) und Nonnen (Bhikkhuni) des buddhistischen Mönchtums, dem Sangha, und von männlichen (Upasaka) und weiblichen (Upasika) Laien.

Siddhartha Gautama gilt als erste historisch greifbare Persönlichkeit der südasiatischen Geschichte, und seine Lebensdaten gelten als deren erster wesentlicher Bezugspunkt. Von ihnen ausgehend werden die grundlegenden Transformationsprozesse der damaligen Gesellschaften im Gangestal (Urbanisierung, politische Zentralisation) zeitlich verortet. Doch gerade diese Lebensdaten sind umstritten. Insbesondere die klassische Datierung Buddhas (563–483 v. Chr.) ist problematisch, da die in den frühen buddhistischen Quellen beschriebene Gesellschaft z. T. schon wesentlich weiter entwickelt ist, als sie es nach der frühen zeitlichen Einordnung sein könnte. Daher wird im geschichtswissenschaftlichen Rahmen heute teilweise davon ausgegangen, dass Buddha bis zu 150 Jahre später gelebt hat, sein Tod also recht nah am Regierungsantritt Chandragupta Mauryas (320 v. Chr.) liegt, der das erste Großreich auf indischem Gebiet begründete (Maurya-Reich).

Drei Monate nach dem Tod des Buddha traten seine Schüler in Rajagarha (heute Rajgir) zum ersten Konzil zusammen, um den Dhamma (die Lehre) und die Vinaya (die Mönchsregeln) zu besprechen und gemäß den Unterweisungen des Buddha festzuhalten. Die weitere Überlieferung erfolgte mündlich. Etwa 100 Jahre später fand in Vesali das zweite Konzil statt. Diskutiert wurden nun vor allem die Regeln der Mönchsgemeinschaft, da es bis dahin bereits zur Bildung verschiedener Gruppierungen mit unterschiedlichen Auslegungen der ursprünglichen Regeln gekommen war. Während des zweiten Konzils und den folgenden Zusammenkünften kam es zur Bildung von bis zu 18 verschiedenen Schulen (Nikaya-Schulen), die sich auf unterschiedliche Weise auf die ursprünglichen Lehren des Buddha beriefen. Daneben entstand auch die Mahasanghika, die für Anpassungen der Regeln an die veränderten Umstände eintrat und als früher Vorläufer des Mahayana betrachtet werden kann.

Im 3. Jahrhundert v. Chr. trat in Pataliputra (heute Patna), unter der Schirmherrschaft des Königs Ashoka und dem Vorsitz des Mönchs Moggaliputta Tissa, das 3. Konzil zusammen. Ziel der Versammlung war es, sich wieder auf eine einheitliche buddhistische Lehre zu einigen. Insbesondere Häretiker sollten aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und falsche Lehren widerlegt werden. Im Verlauf des Konzils wurde zu diesem Zweck das Buch Kathavatthu verfasst, das die philosophischen und scholastischen Abhandlungen zusammenfasste. Dieser Text wurde zum Kernstück des Abhidhammapitaka, einer philosophischen Textsammlung. Zusammen mit dem Suttapitaka, den niedergeschriebenen Lehrreden des Buddha, und dem Vinayapitaka, der Sammlung der Ordensregeln, bildet es das in Pali verfasste Tipitaka (Sanskrit: Tripitaka, deutsch: „Dreikorb“, auch Pali-Kanon), die älteste große Zusammenfassung buddhistischen Schriftgutes.

Nur diese Schriften wurden vom Konzil als authentische Grundlagen der buddhistischen Lehre anerkannt, was die Spaltung der Mönchsgemeinschaft besiegelte. Während der Theravada, die Lehre der Älteren, sich auf die unveränderte Übernahme der ursprünglichen Lehren und Regeln einigte, legte die Mahasanghika keinen festgelegten Kanon von Schriften fest und nahm auch Schriften auf, deren Herkunft von Buddha nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte.

In den folgenden Jahrhunderten verbreitete sich die Lehre in Süd- und Ostasien. Während der Regierungszeit des Königs Ashoka (3. Jahrhundert v. Chr.) verbreitete sich der Buddhismus über ganz Indien und weit darüber hinaus. Auch Teile von Afghanistan gehörten zu seinem Reich. Im Grenzgebiet zu Pakistan entstand dort, beeinflusst von griechischen Bildhauern, die mit Alexander dem Großen ins Land gekommen waren, in Gandhara die graeco-buddhistische Kultur, eine Mischung von indischen und hellenistischen Einflüssen. In deren Tradition entstanden unter anderem die Buddha-Statuen von Bamiyan.

Ashoka schickte Gesandte in viele Reiche jener Zeit. So verbreitete sich die Lehre allmählich über die Grenzen jener Region, in der Buddha gelebt und gelehrt hatte, hinaus. Im Westen reisten Ashokas Gesandte bis in den Nahen Osten, Ägypten, zu den griechischen Inseln und nach Makedonien. Über Sri Lanka gelangte Buddhas Lehre in den folgenden Jahrhunderten zum malayischen Archipel (Indonesien, Borobudur) und nach Südostasien, also Kambodscha (Funan, Angkor), Thailand, Myanmar (Pegu) und Laos. Im Norden und Nordosten wurde der Buddhismus im Hochland des Himalaya (Tibet) sowie in China, Korea und in Japan bekannt.

Während der Buddhismus so weitere Verbreitung fand, wurde er in Indien ab dem 10. Jahrhundert allmählich zurückgedrängt. Zum einen wandten sich viele Menschen dem Hinduismus zu, und zum anderen war es relativ leicht, die Dharma-Anhänger durch Tötung der Mönche entscheidend zu schwächen und dann zwangsweise zu islamisieren. Deshalb gehörten die letzten Hochburgen des Buddhismus auf dem indischen Subkontinent (Sind, Bengalen) auch schnell zu den islamisierten Gebieten. Auch auf dem malayischen Archipel (Malaysia, Indonesien) sind heute (mit Ausnahme Balis) nur noch Ruinen zu sehen, die zeigen, dass hier einstmals buddhistische Kulturen geblüht hatten.

Eine vielfältige Weiterentwicklung der Lehre war durch die Worte Buddhas vorbestimmt: Als Lehre, die ausdrücklich in Zweifel gezogen werden darf, hat der Buddhismus sich natürlicherweise mit anderen Religionen vermischt, die auch Vorstellungen von Gottheiten kennen oder die die Gebote der Enthaltsamkeit weniger streng oder gar nicht handhabten.

Der Theravada ("die Lehre der Ältesten) hält sich an die Lehre Buddhas, wie sie auf dem Konzil von Patna festgelegt wurde. Es wird in Sri Lanka, Thailand, Kambodscha, Burma und Laos befolgt. Der Mahayana ("das große Fahrzeug") durchmischte sich mehr mit den ursprünglichen Religionen und Philosophien der Kulturen, in denen der Buddhismus einzog. So kamen z. B. in China Elemente des Daoismus hinzu, wodurch schließlich die Ausprägung des Chan-Buddhismus und später in Japan Zen entstand.

Heute leben weltweit näherungsweise 450 Millionen Buddhisten. Diese Zahl ist jedoch nicht verbindlich, da es starke Schwankungen zwischen einzelnen Statistiken gibt. Die Länder mit der stärksten Verbreitung des Buddhismus sind China, Bhutan, Japan, Kambodscha, Laos, Mongolei, Myanmar, Sri Lanka, Südkorea, Taiwan, Thailand, Tibet und Vietnam. In Indien beträgt der Anteil an der Bevölkerung heute weniger als ein Prozent. Neuerdings erwacht jedoch wieder ein intellektuelles Interesse an der buddhistischen Lehre in der gebildeten Schicht. Auch unter den Dalit („Unberührbaren“) gibt es, initiiert durch Bhimrao Ramji Ambedkar, den „Vater der indischen Verfassung“, seit 1956 eine Bewegung, die in der Konversion zum Buddhismus einen Weg sieht, der Unterdrückung durch das Kastensystem zu entkommen.

Insbesondere der Kolonialismus des 19. Jahrhunderts hat paradoxerweise in vielen Ländern Asiens zu einer Renaissance des Buddhismus geführt. Die Schaffung einer internationalen buddhistischen Flagge 1885 ist dafür ein symbolischer Ausdruck. Besonders den Initiativen von Thailand und Sri Lanka ist die 1950 stattgefundene Gründung der World Fellowship of Buddhists (WFB) zu verdanken.

Seit dem 19. und insbesondere seit dem 20. Jahrhundert wächst auch in den industrialisierten Staaten USA, Europa, Australien die Tendenz, sich dem Buddhismus zuzuwenden. Im Unterschied zu den asiatischen Ländern gibt es im Westen die Situation, dass die zahlreichen und oft sehr unterschiedlichen Ausprägungen der verschiedenen Lehrrichtungen nebeneinander in Erscheinung treten.

Organisationen wie die 1975 gegründete EBU (Europäische Buddhistische Union) haben sich zum Ziel gesetzt, diese Gruppen miteinander zu vernetzen und sie in einen Diskurs mit einzubeziehen, der einen längerfristigen Prozess zur Inkulturation und somit Herausbildung eines europäischen Buddhismus begünstigen soll. Ein weiteres Ziel ist die Integration in die europäische Gesellschaft, damit die buddhistischen Vereinigungen ihr spirituelles, humanitäres, kulturelles und soziales Engagement ohne Hindernisse ausüben können.

In vielen Ländern Europas wurde der Buddhismus gegen Ende des 20. Jahrhunderts öffentlich und staatlich anerkannt. Während der Buddhismus in Österreich schon 1983 die volle staatliche Anerkennung erhalten hat, steht sie für Deutschland und die Schweiz noch aus.

In seiner ursprünglichen Form, die mangels direkter Quellen nur eingeschränkt rekonstruierbar ist, und durch seine vielfältige Fortentwicklung ähnelt der Buddhismus teils mehr einer Denktradition oder Philosophie als einer Religion im westlichen Verständnis.

Buddha selbst sah sich weder als Gott noch als Überbringer der Lehre eines Gottes. Er stellte klar, dass er die Lehre, Dhamma (Pali) bzw. Dharma (Sanskrit), nicht aufgrund göttlicher Offenbarung erhalten, sondern vielmehr durch eigene meditative Schau (Kontemplation) ein Verständnis der Natur des eigenen Geistes und der Natur aller Dinge erkannt habe. Diese Erkenntnis sei jedem zugänglich, wenn er seiner Lehre und Methodik folge. Dabei sei die von ihm aufgezeigte Lehre nicht dogmatisch zu befolgen. Im Gegenteil warnte er vor blinder Autoritätsgläubigkeit und hob die Selbstverantwortung des Menschen hervor. Er verwies auch auf die Vergeblichkeit von Bemühungen, die Welt mit Hilfe von Begriffen und Sprache zu erfassen, und mahnte eine Skepsis gegenüber dem geschriebenen Wort oder feststehenden Lehren an, die in anderen Religionen in dieser Radikalität kaum anzutreffen ist.

Von den monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) unterscheidet der Buddhismus sich grundlegend. So benennt die buddhistische Lehre weder einen allmächtigen Gott noch eine ewige Seele. Das, und auch die Nichtbeachtung des Kastensystems, unterscheidet ihn auch von Hinduismus und Brahmanismus, mit denen er anderseits die Karma-Lehre teilt. In deren Umfeld entstanden, wird er mitunter als eine Gegen- oder Reformbewegung zu den vedischen Glaubenssystemen Indiens betrachtet.

Kern der Lehre des Buddha sind die von ihm benannten Vier Edlen Wahrheiten, aus der vierten der Wahrheiten folgt als Weg aus dem Leiden der Achtfache Pfad.

Kamma (Pali) bzw. Karma (Sanskrit) bedeutet „Tat, Wirken“ und bezeichnet das sinnliche Begehren und das Anhaften an die Erscheinungen der Welt (Gier, Hass, Ich-Sucht), die Taten, die dadurch entstehen, und die Wirkungen von Handlungen und Gedanken in moralischer Hinsicht, insbesondere die Rückwirkungen auf den Akteur selbst. Es entspricht in etwa dem Prinzip von Ursache und Wirkung, wie es die westliche Welt als Grundlage der klassischen Physik und der Naturwissenschaft allgemein kennt. Während das westliche Denken dieses Prinzip jedoch nur im materiellen Bereich kennt, bezieht Karma sich auf alles Tun und Handeln sowie die nichtmateriellen Ebenen des Denkens und Fühlens. All das erzeugt entweder gutes oder schlechtes Karma oder kann karmisch gesehen neutral sein.

Gutes wie schlechtes Karma erzeugt die Folge der Wiedergeburten, das Samsara. Höchstes Ziel des Buddhismus ist es, diesem Kreislauf zu entkommen, indem kein Karma mehr erzeugt wird – Handlungen hinterlassen dann keine Spuren mehr in der Welt. Im Buddhismus wird dies als Eingang ins Nirvana bezeichnet.

Da dieses Ziel in der Geschichte des Buddhismus oft als unerreichbar in einem Leben galt, ging es, besonders bei den Laien, mehr um das Anhäufen guten Karmas als um das Erreichen des Nirvana in diesem Leben. Gekoppelt daran ist der Glaube, dass das erworbene Verdienst (durch gute Taten, zeitweiligen Beitritt in den Sangha, Spenden an Mönche, Kopieren von Sutras und vieles mehr) auch rituell an andere weitergegeben werden könne, selbst an Verstorbene oder ganze Nationen.

Der den wichtigen indischen Religionen gemeinsame Begriff Samsara, „beständiges Wandern“, bezeichnet den fortlaufenden Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt, Werden und Vergehen. Das Ziel der buddhistischen Praxis ist, diesen Kreislauf zu verlassen. Samsara umfasst alle Ebenen der Existenz, sowohl jene, die wir als Menschen kennen, wie auch alle anderen, von den Höllenwesen (Niraya Wesen) bis zu den Göttern (Devas). Alle Wesen sind im Kreislauf des Lebens gefangen, daran gebunden durch Karma: ihre Taten, Gedanken und Emotionen, durch Wünsche und Begierden. Erst das Erkennen und Überwinden dieser karmischen Kräfte ermöglicht ein Verlassen des Kreislaufs. Im Mahayana entstand darüber hinaus die Theorie der Identität von Samsara und Nirvana (in westlich-philosophischen Begriffen also Immanenz statt Transzendenz).

Reinkarnation (Pali: Punabbhava) und Karma waren Begriffe, die in der indischen Philosophie bereits vor Erscheinen des Buddha bekannt waren. Wie der westlichen Rezeption meist entgeht, widersprach der Buddha diesen vedischen Konzepten grundlegend und ersetzte sie entsprechend seiner Erfahrung.

Die indische Philosophie kannte Atman (Sanskrit) bzw. Atta (Pali), das „Selbst“, vergleichbar mit der persönlichen Seele der westlichen Gedankenwelt. Buddha verneinte deren Existenz als individuelle und konstante Einheit, die auch wiedergeboren werden könnte. Im Gegensatz dazu sprach er von Anatman (Sanskrit) bzw. Anatta (Pali), dem „Nicht-Selbst“. Die Vorstellung von Atman ist demnach Teil der Täuschung über die Beschaffenheit der Welt. Gemäß der Lehre Buddhas entsteht die Persönlichkeit mit all ihren Erfahrungen und Wahrnehmungen in der Welt erst aus den Fünf Aneignungsgruppen, den Skandhas (Sanskrit) bzw. Khanda (Pali): Körper, Empfindungen, Wahrnehmungen, Geistesregungen und Bewusstsein. Was in der vedischen Tradition Atman genannt wurde, ist demnach aus buddhistischer Sicht keine konstante Einheit, sondern in beständigem Werden, Wandel und Vergehen begriffen. Es kann somit auch nicht als solches wiedergeboren werden.

Reinkarnation wird im Buddhismus also nicht als „Seelenwanderung“ (Transmigration) verstanden, sondern als ein Impuls aus dem Karma des Gestorbenen. Dieser Impuls ist Folge der nicht ausgeglichenen Karmabilanz des Betreffenden, die sich in einer oder mehreren neu in Erscheinung tretenden Existenzen erneut manifestieren. Eine bekannte Allegorie vergleicht diesen Prozess mit der Flamme einer Kerze, die weitere Kerzen anzündet. Weder die Kerze selbst noch die Flamme bleiben dieselben, aber ohne die ursprüngliche Kerzenflamme gäbe es auch die folgenden nicht.

Die Ursache der Wiedergeburt liegt im Begehren nach Sinnesbefriedigung, im Trieb nach Sein und Verwirklichung, dem Karma.

Wiedergeburten vollziehen sich, solange verursachende, nach Realisierung drängende Triebkräfte vorhanden sind. Diese „bedingte Entstehung“, auch „Entstehen in Abhängigkeit“ (Pali: Paticcasamuppada, Sanskrit: Pratityasamutpada), ist eines der zentralen Konzepte des Buddhismus. Es beschreibt die Seinsweise aller Phänomene in ihrer dynamischen Entwicklung und gegenseitigen Bedingtheit.

Bodhi ist der Vorgang des „Erwachens“, oft ungenau mit dem unbuddhistischen Begriff „Erleuchtung“ wiedergegeben. Voraussetzungen sind das vollständige Begreifen der „Vier edlen Wahrheiten“, die Überwindung aller an das Dasein bindenden Bedürfnisse und Täuschungen und somit das Vergehen aller karmischen Kräfte. Durch Bodhi wird der Kreislauf des Lebens und des Leidens (Samsara) verlassen und Nirvana erlangt.

Nirvana (Sanskrit) bzw. Nibbana (Pali) bezeichnet das Verlassen von Samsara, den Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt. Nirvana kann letztlich mit Worten nicht beschrieben werden, es kann nur erlebt und erfahren werden als Folge intensiver meditativer Übung und Erkenntnis. Es ist auch kein Ort, nicht vergleichbar mit Paradies-Vorstellungen anderer Religionen. Es ist kein Himmel und keine greifbare Seligkeit in einem Jenseits. Nirvana ist ein Abschluss, kein Neubeginn in einer anderen Sphäre. Somit ist es ein Zustand der Zustandslosigkeit, in dem alle Vorstellungen und Wunschgebilde, also alle karmischen Kräfte, überwunden und gestillt sind. Auch tritt Nirvana nicht erst mit dem Tod ein – Buddha selbst lebte und unterrichtete noch 45 Jahre, nachdem er Nirvana erreicht hatte. Das endgültige Aufgehen oder „Verlöschen“ im Nirvana nach dem Tod wird als Parinirvana bezeichnet.

Während der Buddhismus zu den Weltreligionen gezählt wird, gibt es insbesondere im Westen Buddhisten, die sich als solche nicht für Anhänger einer Religion halten. Sie betrachten den Buddhismus als Weisheitslehre und Philosophie, die mit unterschiedlichen religiösen Bekenntnissen oder weltanschaulichen Überzeugungen vereinbar sei. Allerdings gibt es sowohl in den Lehren des Frühbuddhismus als auch in den heutigen buddhistischen Schulen Mindestvoraussetzungen dafür, dass jemand als Buddhist betrachtet werden kann. Grundvoraussetzung ist das Akzeptieren der Lehre von den Vier Wahrheiten und die grundsätzliche Bereitschaft, danach zu leben. Die Anatta-Lehre, welche die Existenz einer permanenten, den Tod überdauernden Seele bestreitet, gehört zum Kernbestand des Buddhismus; sie ist mit grundlegenden Annahmen der meisten großen Religionen unvereinbar.

Ein fundamentaler Gegensatz zu allen theistischen Religionen besteht darin, dass der Buddhismus die Existenz eines allmächtigen Schöpfergottes (Ishvara) ablehnt. Vereinbar ist er jedoch mit der Annahme, dass es Götter und Geister gibt, die ebenso wie alle anderen Lebewesen grundsätzlich der Unwissenheit und dem Leid sowie dem Kreislauf der Wiedergeburt unterworfen sind. Daher konnten bei der Verbreitung des Buddhismus viele Elemente der ursprünglichen Religionen und Kulturen der jeweiligen Länder übernommen und in den Buddhismus integriert werden. So wandelten sich die ursprünglichen Bön-Gottheiten in Tibet zu Verkörperungen von verschiedenen Aspekten Buddhas in Form von Bodhisattvas. Diese werden oft als Buddhas Verehrer, Zuhörer oder Beschützer dargestellt.

Während die Vermischung (Synkretismus) mit lokalen religiösen Vorstellungen und Bräuchen traditionell weit verbreitet ist, gab es auch Vertreter anderer Lehren wie Daoismus und Konfuzianismus, die den Buddhismus ablehnten und sogar bekämpften. Auch Religionen mit Ausschließlichkeitsanspruch wie das Christentum lassen sich nur dann mit dem Kernbestand des Buddhismus verbinden, wenn der Ausschließlichkeitsanspruch nicht ernst genommen wird. In neuerer Zeit kommt es jedoch zu einer regen Zusammenarbeit von Benediktinern und Jesuiten mit japanischen Zenklöstern. In der asiatischen Volksfrömmigkeit, die zur Vernachlässigung der Gegensätze zwischen den konkurrierenden Lehren neigt, werden Elemente verschiedener Traditionen vereint, auch wenn deren Grundannahmen inhaltlich schwer miteinander vereinbar sind. Beispiele für diese gelebte Religion finden sich im chinesischen Volksglauben und in der Religion in Japan.

Abgesehen von der Leugnung des Schöpfergottes besitzt der heute gelebte Buddhismus zahlreiche Eigenschaften einer Religion, deren Formen sich allerdings je nach Tradition stark unterscheiden: Ritual, Gemeinschaft, Liturgie, Seelsorge, Askese und Mönchtum, Mystik und Dogmatismus.

Während Buddhismus in Asien als etwas angesehen wird, das untrennbar mit den jeweiligen kulturellen und historischen Besonderheiten verbunden ist, gibt es im Westen den Trend, die philosophischen und psychologischen Aspekte des Buddhismus aus ihrem historischen, kulturellen und religiösen Kontext herauszulösen und mit Werten wie Aufklärung und Demokratie zu verbinden. Angesichts der unterschiedlichen Konzepte von Buddhismus ist es eine Frage der Sichtweise und der Religionsdefinition, ob Buddhismus mit dem deutschen Begriff „Religion“ bezeichnet werden soll oder nicht.

Es gibt drei Hauptrichtungen des Buddhismus: Hinayana („Kleines Fahrzeug“), aus dessen Tradition heute nur noch die Form des Theravada („Lehre der Älteren“) existiert, Mahayana („Großes Fahrzeug“) und Vajrayana (im Westen meist als Tibetischer Buddhismus bekannt oder irreführender Weise als „Lamaismus“ bezeichnet). In allen drei Fahrzeugen sind die monastischen Orden Hauptträger der Lehre und für deren Weitergabe an die folgenden Generationen verantwortlich. Üblicherweise gilt auch der Vajrayana als Teil des großen Fahrzeugs. Der Begriff Hinayana wurde und wird von den Anhängern der ihm zugehörigen Schulen abgelehnt, da er dem Mahayana entstammt.

Die Betonung liegt im Theravada auf dem Befreiungsweg des einzelnen aus eigener Kraft nach dem Arhat-Ideal und der Aufrechterhaltung und Förderung des Sangha. Theravada ist vor allem in den Ländern Süd- und Südostasiens (Sri Lanka, Myanmar, Thailand, Laos und Kambodscha) verbreitet.

Der Mahayana-Buddhismus („großes Fahrzeug“) geht im Kern auf die Mahasanghika („große Gemeinde“) zurück, eine Tradition, die sich in der Folge des zweiten buddhistischen Konzils (etwa 100 Jahre nach dem Tod Buddhas) entwickelt hatte. Der Mahayana verwendet neben dem Tripitaka auch eine Reihe ursprünglich in Sanskrit abgefasster Schriften („Sutras“), die zusammen den Sanskrit-Kanon bilden. Zu den bedeutendsten Texten gehören das Diamant-Sutra, das Herz-Sutra und das Lotos-Sutra. Ein Teil dieser Schriften ist heute nur noch in chinesischen oder tibetischen Übersetzungen erhalten.

Im Unterschied zur Theravada-Tradition, in der das Erreichen von Bodhi durch eigenes Bemühen im Vordergrund steht, nimmt im Mahayana das Bodhisattva-Ideal eine zentrale Rolle ein. Bodhisattvas sind Wesen, die als Menschen bereits Bodhi erfuhren, jedoch auf das Eingehen in das Parinirvana verzichteten, um statt dessen allen anderen Menschen, letztlich allen Wesen, zu helfen, ebenfalls dieses Ziel zu erreichen.

Bedeutende Schulen des Mahayana sind beispielsweise der Zen-Buddhismus und der Amitabha-Buddhismus.

Vajrayana („Diamantfahrzeug“) ist eigentlich ein Teil des Mahayana. Im Westen ist er meist fälschlicherweise nur als Tibetischer Buddhismus oder als Lamaismus bekannt, tatsächlich ist er jedoch eine Sammelbezeichnung für verschiedene Schulen, die außer in Tibet auch in Japan, China und der Mongolei (geschichtlich auch in Indien und Südostasien) verbreitet waren.

Er beruht auf den philosophischen Grundlagen des Mahayana, ergänzt diese aber um tantrische Techniken, die den Pfad zum Erwachen deutlich beschleunigen sollen. Zu diesen Techniken gehören neben der Meditation unter anderem Visualisierung (geistige Projektion), das Rezitieren von Mantras und weitere tantrische Übungen, zu denen Rituale, Einweihungen und Guruyoga (Einswerden mit dem Geist des Lehrers) gehören.

Diese Seite des Mahayana legt besonderen Wert auf geheime Rituale, Schriften und Praktiken, welche die Praktizierenden nur schrittweise erlernen. Daher wird Vajrayana innerhalb des Mahayana auch „esoterische Lehre“ genannt, in Abgrenzung von „exoterischen Lehren“, also öffentlich zugänglichen Praktiken wie dem Nenbutsu des Amitabha-Buddhismus.

Der tibetische Buddhismus legt besonderen Wert auf direkte Übertragung von Unterweisungen von Lehrer zu Schüler. Eine wichtige Autorität des tibetischen Buddhismus ist der Dalai Lama, der oft (fälschlich) als Oberhaupt der Gelug-Schule und als politisches Oberhaupt der Exiltibeter gesehen wird.

Der Tibetische Buddhismus ist heute in Tibet, Bhutan, Nepal, Indien, Ladakh, Sikkim, der Mongolei, Burjatien und Kalmückien verbreitet.

Etwa im 9. Jahrhundert verbreitete sich der Vajrayana auch in China. Als eigene Schule hielt er sich nicht, hatte aber Einfluss auf andere Lehrtraditionen dort. Erst in der Qing-Zeit wurde der Vajrayana der Mandschu unter Förderung der tibetischen Richtungen wieder eine staatliche Religion.

Er wurde noch im gleichen Jahrhundert seiner Einführung in China nach Japan übertragen. Dort wird Vajrayana in der Shingon-Schule gelehrt. Mikkyō (jap. Übersetzung von Mizong) hatte aber Einfluss auf Tendai und alle späteren Hauptrichtungen des japanischen Buddhismus.

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Buddhismus in Österreich

Friedens-Stupa in Wien

Obwohl die Geburtsstunde des Buddhismus in Österreich realistischerweise mit 1949 angesetzt wird, soll die Bedeutung wichtiger Vorläufer und Pioniere des Buddhismus in Österreich nicht unterschätzt werden.

Allen voran ist Karl Eugen Neumann (1865-1915) zu nennen, der durch den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer und den Komponisten Richard Wagner auf den Buddhismus aufmerksam geworden war, wie viele seiner Intellektuellen Zeitgenossen. Neumann war im Mai 1884, also vor mehr als 120 Jahren Buddhist geworden und war von der Berührung mit dem Gedankengut der Buddha-Lehre so begeistert, dass er beschloss, sein Leben der Übersetzung der buddhistischen Originaltexte aus dem Pali-Kanon zu widmen. Es war eine Jahrhundertleistung, denn er konnte auf keine Vorarbeiten zurückgreifen. Der Pali-Kanon war damals selbst in die englische Sprache nur teilweise übersetzt.

Aus der Sicht der nachfolgenden europäischen Generation von Buddhisten kann Neumanns Werk durchaus als eine epochale Meisterleistung bezeichnet werden und wurde nicht nur von zeitgenössischen intellektuellen, wie Thomas Mann geschätzt und gewürdigt. Karl Eugen Neumann starb verhältnismäßig jung, 1915, an seinem 50.Geburtstag. Die letzten Jahre seines Lebens waren von Schicksalsschlägen und Verarmung gekennzeichnet. Er liegt auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben. Sein völlig verwahrlostes Grab wurde in den 1950er Jahren von Mitgliedern der Buddhistischen Gemeinde Wien entdeckt und später zu einem ehrenhalber gewidmeten Grab der Stadt Wien erklärt.

Unter den wenigen Buddhisten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie befand sich auch schon ein ordinierter Mönch. Der aus Graz stammende Arthur Fitz war 1913 in Ceylon als "Bhikkhu Sono" in die Sangha eingetreten. Er ist im Zuge des Ersten Weltkriegs wieder in den Laienstand getreten und später in Java verstorben.

Öffentliche Vorlesungen von Lehrreden und Vorträge über Grundthemen des Buddhismus sind erste Ansätze zur Bekanntmachung des Buddhismus in Österreich in der Ersten Republik. 1923 wurde durch Ing. Axel Grasel eine Buddhistische Gesellschaft in Wien gegründet. Auf dem 2. Internationalen Buddhistischen Kongress in Paris im Juni 1937 bezeichnete allerdings der Bregenzer Buddhist Hermann Lange die Möglichkeiten für eine buddhistische Arbeit in Österreich als wenig hoffnungsvoll.

Nach dem Anschluss 1938 an NS-Deutschland wurde der Buddhismus bedingt durch das intolerante Klima des Dritten Reiches und durch die dadurch erzwungene Emigration einiger Buddhisten (die teilweise aus jüdischen Familien stammten bzw. Pazifisten waren) bis 1945 fast völlig zurückgedrängt. Nur der Theravada Kreis um Dr. Anton Kropac führte gelegentliche Treffen im privaten Kreis durch und wurde so nach Ende des 2. Weltkriegs eine Anlaufstelle für die wenigen Buddhismusinteressierten zu denen sich auch der deutsche Buddhist Helmut Klar gesellte.

Mit der Gründung der "Buddhistischen Gesellschaft Wien" wurde 1949 eine langsame, aber stetige Entwicklung eingeleitet. 1955 übernahm Fritz Hungerleider, der die Emigrationszeit in China verbracht hatte, das Präsidentenamt von Dr. Oprchal und lenkte auf sehr maßgebliche Weise die Geschicke der kleinen Organisation in den nächsten zwei Jahrzehnten. Hungerleider war 1938 infolge des Anschlusses als „Halbjude“ aus Österreich geflohen und in seinem Exil in Shanghai mit Buddhismus und orientalischer Philosophie in Kontakt gekommen. Durch seine regelmäßigen Vorträge waren in den späten 1950er Jahren viele Menschen zum ersten Mal in Kontakt mit der buddhistischen Lehre gekommen. Ab 1961, nach einem Japan-Aufenthalt begann Hungerleider auch Zen-Seminare zu leiten. Eine Serie von Radiosendungen mit Prof. Hungerleider, in der dieser mit großer Begeisterung Entstehung, Verbreitung, Wesenszüge und spezielle Aspekte und Themen im Zusammenhang mit der Buddha-Lehre erklärte, wurde in den 1970er und 1980er Jahren im Österreichischen Rundfunk ausgestrahlt und gab so vielen Menschen in allen Teilen Österreichs die Gelegenheit den Buddhismus durch einen österreichischen Buddhisten verständlich gemacht zu bekommen.

Die 1911 in Österreich geborene spätere Nonne Gelongma Karma Kechog Palmo (Freda Bedi) war in den 1950er Jahren eine der ersten westlichen Frauen im tibetischen Buddhismus und wurde 1966 von S.H. Karmapa zur Samaneri ordiniert. Sie hat das Karma Drubgyud Darje Ling Nonnenkloster für tibetische Frauen in Nordindien mit aufgebaut und starb 1977 in Sikkim.

Die Gründung einer Buddhistischen Buchhandlung in Wien entsprach dem steigenden Bedürfnis, buddhistische Originaltexte und Werke über Buddhismus lesen zu können. In diesem Zusammenhang wurde auch eine erste Adressenkartei von Buddhismus-Interessierten in Österreich und Süddeutschland aufgebaut, die für die ersten Kontakte von Suchenden von großer Bedeutung war.

1975 wurde ein altes Gebäude in Scheibbs angekauft und das "Buddhistische Zentrum Scheibbs" begründet. Damit war die Grundlage für eine völlig neue Buddhismus-Rezeption gelegt. 1975 markiert den Übergang von buddhistischen Diskussionszirkeln zu buddhistischen Praxisgemeinschaften. In diese Zeit (1976) fällt auch der Rückzug Fritz Hungerleiders aus dem Präsidium, dessen Leitung Ing. Heinrich Chowanetz übernimmt. Das noch unzureichend renovierte Zentrum in Scheibbs war 1976 Schauplatz des ersten Jahreskongresses der EBU (Europäischen Buddhistischen Union) nach ihrer Gründung in Paris 1975, bei der die österreichischen Buddhisten Franz Dolezel und Erich Skrleta beteiligt waren..

Mit der Schaffung eines Stadtzentrums am Dannebergplatz in Wien 1976 und der Gründung einer österreichischen Dachorganisation (Österreichische Buddhistische Union), sowie der ersten Bundesländerorganisation 1977 durch Friedrich Fenzl (Buddhistische Gemeinschaft Salzburg) reift auch die Idee, für den Buddhismus in Österreich die staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft zu erlangen. Dieser mit großen Hindernissen gepflasterte Weg sollte von Dezember 1974 fast 10 Jahre dauern, bis es im Februar 1983 endlich so weit war, dass der Buddhismus erstmals in einem europäischen Land anerkannt war. 1976 ist auch das Gründungsdatum der buddhistischen Zeitschrift "Bodhibaum", die in den fast 20 Jahren ihres Bestehens der Vernetzung und Diskussion unter Österreichs Buddhisten einen unschätzbaren Dienst geleistet hat.

Ab 1977 war der Wiener Arzt Dr. Walter Karwath Präsident der Buddhistischen Gemeinschaft und des Buddhistischen Zentrums Scheibbs. Er war es auch, der die Anerkennungsfrage konsequent verfolgte. Der Besuch zahlreicher namhafter asiatischer Lehrerpersönlichkeiten, allen voran S.H. Karmapa, Geshe Rabten, Hemaloka Thero u.a. prägte das nunmehr sehr lebendige Bild des Buddhismus in Österreich. Im August 1982 fand im BZ Scheibbs die 2. Europäische Shintagung unter Teilnahme des Patriarchen des Nishi Honganji, Lord Kosho Otani, statt, der schon durch seinen Besuch 1954 in Wien dem österreichischen Buddhismus einen wichtigen Impuls gegeben hatte.

Nach dem Tod von Dr. Walter Karwath (1986) wurde der erste österreichische Zen-Priester Genro Koudela Osho, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft. Ihm folgte 2001 bis 2006 der Wiener Arzt Dr. Peter Riedl, der auch Herausgeber der Zeitschrift "Ursache & Wirkung" ist, die im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet ist.

Genro Koudela, der in den USA Zen-Mönch geworden war und von seinem Lehrer Joshu Sasaki Roshi als Zen-Priester (Osho) eingesetzt wurde, war 1979 in seine Heimatstadt Wien zurückgekehrt. Mit ihm, mit der Gründung des Bodhidharma Zen-Ordens und der Schaffung des neuen Buddhistischen Zentrums am Fleischmarkt wurde wieder eine neue Ära des Buddhismus in Österreich eingeläutet.

Bis 1983 wurden 8 weitere buddhistische Gemeinschaften und Zentren in Österreich begründet und auch die staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft, die für die weitere Entwicklung und Verbreitung des Buddhismus in Österreich von größter Bedeutung war, wurde nach längerem Hin und Her mit dem Ministerium realisiert. Im Mai 1983 wurde die erste buddhistische TV-Sendung “DIE LEHRE DES BUDDHA” vom ORF ausgestrahlt, bis zum heutigen Tag folgten weitere 100 Sendungen.

Ganz im Westen Österreichs, in Feldkirch (Vorarlberg) wurde gleichzeitig mit der gesetzlichen Anerkennung und der Errichtung der buddhistischen Friedenspagode am Donaukai durch japanische Mönche, ein Zentrum des tibetischen Buddhismus, der "Letzehof” in Feldkirch installiert, in dem regelmäßig einige tibetische und mongolische Mönche leben, studieren und den Dharma lehren.

Bis zum Beginn der 90er Jahre entstanden buddhistische Initiativen und Gruppen in allen Bundesländern. Kontakte zu den in Österreich lebenden asiatischen Buddhisten wurden intensiviert. Meditation und Kontemplation fanden zunehmend breiten Anklang. 1989 wurde das Haus der Stille in Dienten am Hochkönig (Berg) als gemeinsame Initiative des Zen-Mönchs Vanja Palmers und des Benediktiner-Mönchs Bruder David Steindl-Rast eröffnet. Es wird insbesondere von Buddhisten, aber auch von Christen aus Westösterreich als Zentrum der Praxis und Besinnung genutzt. Mehrmals hat sich das Zentrum auch als ideale Begegnungsstätte für den Interreligiösen Dialog angeboten.

Anfang der Neunzigerjahre folgte ein Tempel und Meditationszentrum des burmesischen Theravada-Buddhismus in Kärnten und ein Zentrum des japanischen Buddhismus in Mödling, südlich von Wien. 1992 wird Österreich Soka Gakkai International in Wien begründet und 2001 als Gemeinschaft in die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft aufgenommen. 1995 wird in Wien die Hua Yen Schule in der koreanischen Chogye-Tradition begründet und unter dem Patronat S.H. des Dalai Lama in Graz das Buddhistische Zentrum She Drup Ling in Graz eröffnet.

1993 fand der Jahreskongress der EBU (Europäischen Buddhistischen Union) auf Einladung der Buddhistischen Gemeinschaft Salzburg in Hallein bei Salzburg statt. Delegierte aus 10 europäischen Ländern nahmen an diesen Beratungen teil. Besonders die Buddhisten in Westösterreich erfuhren dadurch wichtige Anregungen und Impulse. Mit dem Schuljahr 1993/94 begann in Österreich der Religionsunterricht für buddhistische Schüler, eine europaweit diskutierte Pioniertat. 1995 gab S.H. Dalai Lama in Anerkennung dieser Tatsache in Graz den Schülern, die den Buddhistischen Religionsunterricht in verschiedenen Städten Österreichs besuchten, eine persönliche Belehrung. 1993 hatte der Unterricht mit 3 Lehrern und circa 25 Schülern begonnen, im Schuljahr 1999/2000 sollten es schon 130 Schüler sein, die von 8 Lehreren in 6 Bundesländern unterrichtet werden. Bis 2004 hatte sich die Anzahl der buddhistischen Religionslehrer verdoppelt und die Anzahl der Schüler ebenfalls. Mehrmals in diesen Jahren wurden an Höheren Schulen in Wien, Salzburg, Kärnten Steiermark und Tirol von buddhistischen Schülern ausgezeichnete Leistungen bei mündlichen Reifeprüfungen im Fach Buddhistischer Religion geboten.

Am 12. Juni 1998 wurde im Grazer Volksgarten ein großer Stupa durch S.H. Dalai Lama eingeweiht und kurz darauf am Stadtrand von Graz das Zentrum und der Stupa der Grazer Karma Kagyü Gruppe. Nachdem nur Monate vorher das tibetisch-buddhistische Zentrum der Salzburger Karma Kagyü Gruppe in der Weizensteinerstraße eröffnet wurde, kam es am 11. November 1998 zur Eröffnung des Buddhistischen Zentrums Salzburg in der Lehenerstraße durch den EW Thich Minh Thanh (Abt der An-Quang-Pagode, Saigon-HCM) und die EW Su Cô Chân Không vom Tiep Hien Orden in Plum Village, die das Buddhistische Zentrum einweihten. Am gleichen Tag hielt der EW Lehrer Thich Nhat Hanh nach Veranstaltungen in Wien und Graz auch einen Vortrag mit hunderten Besuchern in Salzburg ab.

Mit etwa 10.000 Besuchern war die vom Dalai Lama geleitete Kalachakra-Zeremonie in Graz im Herbst 2002 sicherlich die bis dato größte buddhistische Veranstaltung in Österreich.

Heute gibt es eine wachsende Zahl von österreichischen Männern und Frauen, die größtenteils in Klöstern der buddhistischen Ursprungsländer eine langjährige Ausbildung zu vollordinierten Nonnen und Mönchen absolvieren. Genro Koudela Osho, der Leiter des Bodhidharma Zendo in Wien, der auch viele Jahre Präsident der ÖBR (Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft) war, ist ein Mönch und Priester der japanischen Rinzai-Zen Tradition. Neben weiteren voll ordinierten Mönchen, die gebürtige Österreicher sind, wie dem EW Jampa Lungtok, der Leiter des einzigen buddhistischen Klosters in Österreich, des "Letzehof" ist, gibt es eine Anzahl von gut ausgebildeten Dharmalehrerinnen und -lehrern, von denen einige auch über längere Zeit die Robe in asiatischen Ländern getragen hatten. Derzeit leben auch eine Reihe von Mönchen und Nonnen aus asiatischen Ländern (China, Japan, Korea, Sri Lanka, Thailand) in Österreich, um hier über kürzere oder längere Zeiträume die entsprechenden Gruppen und Zentren einer spezifischen buddhistischen Schultradition anzuleiten und zu unterstützen.

Hier ist insbesondere der Leiter des Dhamma Zentrums Nyanaponika, Bhante Seelawansa Mahathero zu nennen, der seit den 1980er Jahren in Wien tätig ist und den Theravada Buddhismus sri lankischer Prägung repräsentiert. Er ist auch der Leiter der Theravada Schule in Wien und Salzburg. Er war Initiator eines sehr gut besuchten viersemestrigen Buddhismus Lehrgangs an der Universität Wien von Herbst 2003 bis Frühsommer 2005. Weiters leben auch eine Reihe österreichischer Mönche, Nonnen und engagierte Laien in Klöstern und Meditationszentren Asiens.

2004 wurde Rangjung Yeshe Gomde in Scharnstein, Oberösterreich als ein internationales Zentrum für Praxis und Studium des tibetischen Buddhismus errichtet. Im Mai 2005 wurde nach mehrjähriger Planungs- und Bauzeit der Buddhistische Friedhof am Wiener Zentralfriedhof eingeweiht. Im Oktober 2006 wurden die Leitungsgremien der ÖBR (Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft), das Präsidium und die Buddhistische Gemeinde Österreich, neu gewählt. Derzeitiger Präsident der ÖBR ist Gerhard Weißgrab. Auf seine Initiative geht auch die Schaffung eines landesweiten Netzwerks von Repräsentanten der ÖBR zurück, wodurch der österreichische Buddhismus auch in den Regionen Gesicht und Stimme erhält. So fand auch die Feier zum dreißigjährigen Bestehen des organisierten Buddhismus in Salzburg im Mai 2007 große lokale Beachtung.

Am 23. Februar 2008 fand an der Universität in Wien eine Feier zum 25. Jahrestag der staatlichen Anerkennung des Buddhismus in Österreich statt.

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Buddhismus im Westen

Zen-Tempel (Chicago, USA)

Mit Buddhismus im Westen wird der religiöse und philosophische Einfluss des Buddhismus auf die Kultur der sogenannten westlichen Welt bezeichnet. Ebenso wird darunter die Verbreitung des Buddhismus im „Westen“ sowie der zunehmende Austausch zwischen der „westlichen“ Kultur und dem Buddhismus verstanden.

Eine intensive Beschäftigung mit dem Buddhismus findet in der westlichen Welt erst seit rund 100 Jahren statt. Erste Kenntnisse des Buddhismus gelangten allerdings schon im Altertum in den Westen, und zwar auf Initiative des indischen Kaisers Ashoka (regierte etwa 268-232 v. Chr.), der erstmals religiöse Gesandtschaften nach Syrien, Ägypten, Griechenland und Makedonien aussandte (siehe auch Edikte des Ashoka). Auch über die Handelswege entlang der Seidenstraße und mit den Eroberungszügen Alexander des Großen (356-323 v. Chr.) gelangten Nachrichten über den Buddhismus in den Westen. Im ägyptischen Alexandria soll sich längere Zeit eine buddhistische Schule gehalten haben, von der man annimmt, dass sie die griechische Philosophie beeinflusst haben könnte. Östliche Einflüsse sind vor allem bei Pythagoras und Empedokles, sodann in der Gnosis – in Basilides hat man gar einen Kryptobuddhisten erkannt – und im Neuplatonismus (Plotin und Porphyrius), bei Apollonius von Tyana und bei Origenes erkennbar. Gnosis und Neuplatonismus könnten ihrerseits (Rück-)Wirkungen auf die Ausbildung des Mahayana-Buddhismus gehabt haben.

Einen etwas kuriosen Eingang in die christliche Welt hielt Buddha vermittels der im Mittelalter weitverbreiteten Heiligenlegende von Baarlam und Joasaph (auch Josaphat) (ursprünglich 'Bodhisattva') aus dem frühen 6. Jahrhundert, die nichts anderes als eine christliche Umarbeitung der Buddha-Legende ist, was freilich erst Jahrhunderte später zutage gefördert wurde. Mit der Heiligsprechung der beiden legendären Gestalten im Jahr 1583 (Namenstag: 27. November) fand so auch Buddha als vermeintlich christlicher Heros Aufnahme in die Heiligengalerie der katholischen Kirche.

Mit dem Aufkommen des Islam und dem Abbruch des geistigen Transfers zwischen Ost und West (ab dem 8. Jh.) gerieten bestehende Kenntnisse über den Buddhismus wieder in Vergessenheit. Erst durch die Berichte des Marco Polo (1251-1324), der viele Jahre am Hof des buddhistischen Mongolenkaisers Kublai Khan zubrachte, gelangten erstmals wieder Nachrichten über den Buddhismus in die westliche Welt. Sie wurden aber als Phantasterei, Ketzerei und Heidentum abgetan und so kaum zur Kenntnis genommen. Geprägt wurde das westliche Bild vom Buddhismus in der Folge auch durch die Berichte christlicher Missionare.

Zwar lebt seit dem 17. Jahrhundert mit den Kalmücken ein ganzes buddhistisches Volk in Europa, es sollten aber wiederum Jahrhunderte verstreichen, ehe sich zunächst Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) und in der Folge vor allem Arthur Schopenhauer (1788-1860) als erste westliche Philosophen der Neuzeit eingehend mit dem östlichen Denken auseinander setzten. Schopenhauer bezeichnete sich selbst als den »ersten europäischen Buddhisten«, doch waren seine Kenntnisse über diese Religion noch sehr rudimentär und unvollständig. Dennoch wird er als wesentlicher Wegbereiter des Buddhismus in der westlichen Welt gesehen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte in rascher Folge eine rege Übersetzertätigkeit buddhistischer Quellentexte ein, welche zunehmend einen umfassenden und zuvor nicht gekannten Wissensstand vermittelten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zogen erstmals auch Europäer (darunter auch zahlreiche Deutsche und Österreicher) in den Osten, um in den Ursprungsländern des Buddhismus zu studieren, wobei einige als Übersetzer ins Deutsche hervortraten, wie Karl Eugen Neumann, oder gar dem buddhistischen Mönchsorden beitraten und aus der direkten Begegnung und Auseinandersetzung mit der Lehre den Buddhismus dem Abendland öffneten (Nyanatiloka, Nyanaponika, Lama Anagarika Govinda, Ayya Khema). Umgekehrt begaben sich ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts zunehmend auch asiatische Lehrer, darunter der vietnamesische Mönch Thich Nhat Hanh in die westliche Welt, wo sie ihrerseits zu einer großen Buddhismus-Rezeption im Westen beitrugen.

Heute sind fast alle Schattierungen des Buddhismus im Westen vertreten, allen voran: Theravada, Vajrayana und Zen, aber auch unterschiedliche europäische Neubildungen, wie z. B. der von Sangharakshita gegründete Western Buddhist Order (in Deutschland: "Freunde des Westlichen Buddhistischen Ordens"), oder der von Ole Nydahl geprägte Diamantweg. Weniger stark als in den USA sind auch in Europa die Lehren des "Reine Land Buddhismus" (Amidismus) und der verschiedenen Schulen des Nichiren-Buddhismus verbreitet. Bekannt wurde der Buddhismus in den letzten Jahrzehnten vor allem über das Schicksal der Tibeter und ihres bekanntesten Repräsentanten, des 14. Dalai Lama.

Die Verbreitung des Buddhismus im Westen hat auch ein Zusammentreffen mit der westlichen Wissenschaft zur Folge. Das Prinzip des bedingten Entstehens (strikte Kausalität innerhalb der phänomenalen Welt ohne Annahme einer transzendenten Wirklichkeit) gilt manchem als besser mit einem streng wissenschaftlichen Weltbild verträglich, denn der in der abendländischen, jüdisch-christlichen Tradition verankerte Rekurs auf einen Schöpfergott. Das Diktum vieler buddhistischer Lehrer, dass man der Wissenschaft folgen soll, wenn der Buddhismus unrecht hat (Dalai Lama, Lama Ole Nydahl u.a.), wird dann nicht nur als Zeugnis eines großen Vertrauens in die eigene Lehre, sondern auch in das große Potenzial der Wissenschaften interpretiert. Weil der Buddhismus keine Glaubens-, sondern eine Erfahrungsreligion sei, soll der empirische Ansatz dem Buddhismus und den Wissenschaften gemein sein. Die buddhistische Philosophie des Mahayana steht allerdings in deutlichem Widerspruch zu den Naturwissenschaften, da sie die Erfahrung einer bewusstseinsunabhängig existierenden Wirklichkeit für eine Illusion erklärt und deshalb die Erfahrung der Natur des Geistes als einzige Möglichkeit der Erfahrung von Wirklichkeit ansieht. Das dabei entstehende logische Paradoxon soll sich in der Erfahrung der Natur des Geistes als Leerheit auflösen.

Die Biologen und Neurowissenschaftler Francisco Varela und Humberto Maturana beziehen sich explizit auf den Buddhismus.

Bekannte westliche Buddhisten lassen sich in zwei Kategorien einteilen. Die einen sind Prominente wie Richard Gere, Tina Turner und Allen Ginsberg, von deren "Buddhist sein" aufgrund ihrer anderweitig bedingten Bekanntheit öffentlich die Rede ist.

Zum anderen sind es Europäer und US-Amerikaner, die sich so intensiv mit dem Buddhismus beschäftigt haben, dass sie ihre Erfahrung und ihr Wissen weitergeben können. Zu ihnen gehören z.B. Jeffrey Hopkins, Pema Chödrön, Dr. Alexander Berzin, Jack Kornfield und Robert F. Thurman.

Auch in Deutschland sind seit mehr als hundert Jahren Menschen, die zum Buddhismus gefunden haben bemüht, die Buddhalehre weiterzugeben; unter anderen Friedrich Zimmermann, Karl Seidenstücker, Georg Grimm, Nyanatiloka, Nyanaponika, Lama Anagarika Govinda, Harry Pieper, Ayya Khema, Karl Schmied, Alfred Weil, Sylvia Wetzel und Yeshe Udo Regel, sowie in Österreich Karl Eugen Neumann, Fritz Hungerleider und Genro Koudela und in der Schweiz unter anderen Max Ladner und Marcel Geisser. Neben diesen gibt es Buddhisten mit einem hohen Bekanntheitsgrad, die aber nicht unumstritten sind, wie z.B. Sangharakshita oder Ole Nydahl.

Die Adaption des Buddha-Dharma durch den Westen hat zu mehr oder weniger starken Modifikationen der Lehre im Hinblick auf ihre Ausdeutung und ihre Form (Rituale) geführt. Gegenstand der Kritik sind einerseits Formen der buddhistischen Praxis geworden, die lediglich 1-zu-1-Kopien der asiatischen Vorbilder darstellen und nicht ausreichend Rücksicht auf den unterschiedlichen kulturellen Hintergrund des Abendlandes nehmen. Als kritikwürdig werden aber auch Buddhismus-Varianten empfunden, die unter dem Einfluss von New Age oder Esoterik sowie kapitalistischer Marktmechanismen eine Aushöhlung und Verflachung der ursprünglichen Lehre mit sich bringen.

Die Anpassung an den Westen kann jedoch auch zu einer Form des westlichen Buddhismus führen, bei welcher die westliche Lebensweise die ursprünglich religiöse Lebenserfahrung gänzlich Überformt. Der Philosoph und Kulturkritiker Slavoj Žižek sieht daher im „westlichen Buddhismus“ eine „fetischistische Ideologie“ für das kapitalistische Zeitalter. Laut ihm befähige er einen „voll am hektischen Wettlauf des kapitalistischen Spiels teilzunehmen, während er den Eindruck stütze, dass man nicht wirklich drin sei, dass man sich wohl bewusst ist, wie wertlos dieses Spektakel ist — was einen wirklich betreffe, sei der Friede des inneren Selbst, zu dem man sich stets zurückziehen könne.“ Der Buddhismus, so Žižek, läßt an der Dynamik des Wirtschaftssystems in vollem Umfang teil haben, verspräche jedoch gleichzeitig mentale Gesundheit und funktioniere so als „perfektes ideologisches Supplement“ für den Kapitalismus. Der von Žižek angeprangerte „Wellness-Buddhismus“ wird auch von praktizierenden Buddhisten kritisiert, die ihm einen gesellschaftlich engagierten Buddhismus entgegen stellen, der sich bewusst mit der abendländischen Tradition auseinandersetzt.

In den Kontext dieser Kritik zählen auch jene Stimmen, die im Buddhismus bloß eine Modereligion für gebildete Mittelschichtler erblicken, denen die Buddha-Lehre neben der Gelegenheit zum Entspannen auch die Chance gibt, ihre Persönlichkeit interessant und exotisch zu inszenieren. In diesem Zusammenhang ist schließlich eine zunehmende Tendenz zu beobachten, den Buddhismus in verflachter esoterischer und leicht konsumierbarer Form in die Wellness-Kultur zu integrieren oder seine Ikonographie (Buddhastatuen etc.) als exotisch-dekoratives Accessoire in der Einrichtungs- und Wohnkultur zu verwenden.

Ein weiteres Problem, das sich im Zusammenhang mit dem westlichen Buddhismus auftut, ist die Frage, in wieweit westliche Denkmuster lediglich in eine fremde Kultur hineinprojiziert werden, wobei westliche „Wertemuster, Persönlichkeits- und Sozialvorstellungen mit einer buddhistisch klingenden Terminologie übertüncht und therapeutisch aufbereitet werden, so dass gerade eine Veränderung der Beziehung von Individuum und Gesellschaft verhindert wird“.

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Source : Wikipedia