Barack Obama

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Geschrieben von robby 19/03/2009 @ 16:16

Tags : barack obama, us-politiker, usa, nordamerika, ausland

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Barack Obama

Barack Obama (2009)

Barack Hussein Obama II (* 4. August 1961 in Honolulu, Hawaii) ist seit dem 20. Januar 2009 der 44. Präsident der Vereinigten Staaten. Der Jurist und Politiker der Demokratischen Partei ist amerikanisch-kenianischer Abstammung und damit der erste Afroamerikaner in diesem Amt.

Von 2005 bis 2008 war Obama der dienstjüngere der beiden US-Senatoren (Junior Senator) für den Bundesstaat Illinois.

Obamas Vater, Barack Hussein Obama Senior (1936–1982), stammte aus Alego in Kenia und gehörte zum Luo-Volk. Obamas Mutter, Stanley Ann Dunham (1942–1995), war eine weiße US-Amerikanerin aus Wichita im Bundesstaat Kansas. Die Eltern lernten sich als Studenten an der Universität von Manoa, Hawaii kennen. Sie heirateten 1961 in Hawaii, als in anderen Teilen der USA Ehen zwischen Schwarzen und Weißen noch verboten waren.

1964 ließen sie sich scheiden. Der Vater setzte sein Studium an der Harvard University fort. Obama sah ihn als Zehnjähriger zum letzten Mal. Er hat väterlicherseits drei ältere und drei jüngere Halbbrüder sowie eine Halbschwester namens Auma, die in Heidelberg studiert hat.

Die Mutter heiratete einen Indonesier und späteren Ölmanager und zog mit ihm und ihrem Sohn Barack 1967 nach Jakarta. Sie gebar dort Obamas jüngere Halbschwester Maya.

Von 1967 bis 1970 besuchte Obama in Jakarta die von Kapuzinern geführte St. Francis of Assisi Elementary School, 1970/71 eine staatliche, multireligiöse Schule. 1971 kehrte er nach Hawaii zurück, wo ihn die Eltern seiner Mutter, Madelyn (1922–2008) und Stanley Dunham (1918–1992), aufzogen. Sie schulten ihn in die fünfte Klasse der renommierten privaten Punahou School ein. Diese Schule schloss er 1979 mit Auszeichnung ab.

Obama studierte ab 1979 für zwei Jahre am Occidental College in Los Angeles und weitere zwei Jahre an der Columbia University in New York City. Nach seinem Bachelor-Abschluss 1983 in Politikwissenschaften (Schwerpunkt Internationale Beziehungen) arbeitete er ein Jahr lang für das Wirtschaftsberatungsunternehmen Business International Corporation in New York. 1985 zog er nach Chicago und arbeitete dort für eine gemeinnützige Organisation, die Kirchengemeinden beim Arbeitstraining für Einwohner armer Stadtviertel half. Danach studierte Obama drei Jahre Rechtswissenschaft an der Harvard Law School. Als erster Afroamerikaner wurde er dort zum Präsidenten der Fachzeitschrift Harvard Law Review gewählt. 1991 machte Obama seinen J.D.-Abschluss mit der Gesamtbewertung magna cum laude.

1992 kehrte er nach Chicago zurück, arbeitete ab 1993 in der auf Bürgerrechte spezialisierten Anwaltssozietät Miner, Barnhill and Galland und lehrte bis 2004 Verfassungsrecht an der University of Chicago.

1992 wurde Obama erstmals politisch aktiv: Mit einer Kampagne zur Wählerregistrierung von afroamerikanischen Bürgern Chicagos mobilisierte er mehr als 150.000 Menschen zur Wahl Bill Clintons zum US-Präsidenten.

1996 wurde Obama in den Senat von Illinois als Vertreter des 13. Bezirks (was südliche Teile der Stadt Chicago umfasst, rund um den Stadtviertel Hyde Park) gewählt. Im Senat übernahm er den Vorsitz im Ausschuss für öffentliches Gesundheitswesen und Wohlfahrt. Er verfasste eine Gesetzesinitiative mit, die Hilfen für arme Arbeiterfamilien vorsah und arbeitete an einer Vorlage zur Unterstützung von Menschen ohne Krankenversicherung. Zudem half er Organisationen, die sich für Schwule und Lesben einsetzen, und setzte eine Erhöhung der Mittel zur Aids-Prävention und -Behandlung durch.

1998 – gegen den Republikaner Yesse Yehudah – und 2002 – diesmal ohne Gegenkandidaten – wurde Obama in den Senat von Illinois wiedergewählt. Auf seine Gesetzesinitiativen hin muss die Polizei in Illinois Vernehmungen für Anklagen auf Todesstrafe auf Video aufzeichnen. Krankenversicherungen müssen Kosten für regelmäßige vorbeugende Mammografien übernehmen. Außerdem wurden Waffenkontrollen verschärft. Für diese und andere Vorhaben konnte Obama Koalitionen mit politischen Gegnern bilden. Dafür fand er Zustimmung auch bei Gegnern seiner Initiativen wie der Polizeigewerkschaft Fraternal Order of Police.

2000 unterlag Obama bei den Vorwahlen der Demokratischen Partei im Ersten Kongressdistrikt für das Repräsentantenhaus gegen den langjährigen Mandatsinhaber Bobby L. Rush.

2004 bewarb sich Obama für die Demokratische Partei um einen Sitz im US-Senat und gewann bei den Vorwahlen im März überraschend 52 Prozent der Stimmen. Die New York Times sprach von einem „aufgehenden Stern“ bei den Demokraten. Die von Medienberater David Axelrod entworfene Kampagne stellte Obama in die Tradition des ersten afroamerikanischen Bürgermeisters Chicagos, Harold Washington, und des US-Senators Paul M. Simon, der kurz vor seinem Tod einen Wahlwerbespot für Obama aufnahm.

In den Hauptwahlen trat Jack Ryan, der anfängliche Gegenkandidat der Republikaner, am 25. Juni 2004 zurück, nachdem seine Scheidungsunterlagen und ein Auftrag zur Überwachung Obamas öffentlich bekannt geworden waren. Der am 8. August 2004 nominierte zweite Gegenkandidat, der konservative Alan Keyes aus Maryland, mietete nun erst einen Wohnsitz in Illinois und führte einen stark polarisierenden Wahlkampf: Er verglich Obamas Wähler mit denen der NSDAP, nannte Homosexuelle „selbstsüchtige Hedonisten“, bezeichnete Obamas Meinung zu Abtreibungen vergewaltigter Frauen als „Position der Sklavenhalter“ und erklärte, Jesus würde Obama nicht wählen.

Obamas Vorsprung erlaubte ihm, demokratische Kandidaten anderer Bundesstaaten mit Auftritten und Spenden zu unterstützen. So half er etwa Melissa Bean, ihren Wahlkreis erstmals seit 1935 für die Demokraten zu erobern. Er gewann die Wahl mit 70 zu 27 Prozent, dem besten Ergebnis eines Neubewerbers für das Senatorenamt.

Obamas Rede löste Begeisterung aus, machte ihn in den ganzen USA bekannt, verschaffte ihm viel Sympathie in den Medien und Zustimmung bei den US-Bürgern. Er galt fortan als der erfolgreichste politische Aufsteiger der Demokraten und möglicher künftiger Bewerber um das Präsidentenamt.

Ab dem 4. Januar 2005 vertrat Obama neben dem dienstälteren Dick Durbin den Bundesstaat Illinois im US-Senat. In seiner Einarbeitungsphase verzichtete er auf öffentlichkeitswirksame Aktionen. Seine Mitwahl von Condoleezza Rice als Außenministerin der USA stieß auf Kritik der Parteilinken. Im März 2005 – relativ früh – kündigte er die Gründung eines eigenen Political Action Committees an.

2005 und 2006 initiierte Obama 152 Gesetzesentwürfe und Senatsbeschlüsse und unterstützte weitere 427. Seine erste an der Southern Illinois University Edwardsville angekündete Gesetzesinitiative vom März 2005 sollte den Maximalbetrag der Pell Grants anheben und so Collegestudenten helfen, ihre Collegegebühren zu zahlen. Der Entwurf gelangte aber im Senat nie zur Abstimmung.

Obama war Mitglied folgender Senatsausschüsse: Außenpolitische Beziehungen, Gesundheit, Bildung, Arbeit und Renten, Heimatschutz und staatliche Angelegenheiten und Angelegenheiten der Veteranen. Am 30. Januar 2007 legte er einen Plan zum etappenweisen Rückzug von US-Truppen aus dem Irak bis zum 31. März 2008 vor.

Wie drei Tage zuvor angekündet, trat Obama am 16. November 2008, zwölf Tage nach seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl, als Senator von Illinois zurück. Der unter Korruptionsverdacht stehende Gouverneur von Illinois, Rod Blagojevich, bestellte Roland Burris zu seinem Nachfolger.

Im August 2005 besuchten Obama und Richard Lugar, der Vorsitzende des Senatsausschusses für Auslandsbeziehungen, Russland, die Ukraine und Aserbaidschan. Hauptanliegen der Reise war, die Kontrollmöglichkeiten von Massenvernichtungswaffen aller Art zu verbessern. Dazu besuchten sie in Saratow eine vom Nunn-Lugar-Programm unterstützte Einrichtung zur Vernichtung nuklearer Sprengköpfe. In der Ukraine besichtigten sie eine Einrichtung zur Vorbeugung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten und waren beim Abschluss eines Vertrages der Ukraine mit den USA dabei, der der Feststellung von Bioterrorismus, also der Unterscheidung von natürlichen oder künstlichen Krankheitserregern und Gefechtsrisiken beim Ausbruch infektiöser Krankheiten dient.

Im Januar 2006 besuchte Obama mit einer Delegation des US- Kongresses verschiedene Staaten im Nahen Osten. In Kuwait und im Irak besuchte er die dortigen US-Truppen und merkte öffentlich an, der Konflikt dort sei nicht militärisch lösbar. In Israel traf er Außenminister Silwan Schalom, in den palästinensischen Autonomiegebieten Mahmud Abbas. Dabei unterstrich er, die USA seien nicht bereit, die Beteiligung der Hamas an der Palästinenserregierung zu akzeptieren, solange diese Israels Vernichtung anstrebe.

Im August 2006 reiste Obama mit seiner Familie nach Südafrika und Kenia mit Zwischenstopps in Äthiopien und im Tschad. In Kenia besuchte er den Geburtsort seines Vaters und wurde von der dortigen Bevölkerung überwiegend enthusiastisch aufgenommen. Um mehr Kenianer von einem HIV-Test zu überzeugen, ließ sich das Ehepaar Obama in einer kenianischen Klinik öffentlich auf HIV testen. Obamas Rede vor Studenten der Universität von Nairobi wurde landesweit im Fernsehen ausgestrahlt. Er kritisierte darin die Korruption und den Einfluss ethnischer Rivalitäten auf die kenianische Politik.

Im Juli 2008 besuchte Obama als voraussichtlicher Präsidentschaftskandidat der Demokraten, begleitet von den Senatoren Jack Reed und Chuck Hagel, zunächst die US-Truppen in Afghanistan und im Irak, führte dann Gespräche mit Politikern in Israel und den Palästinensergebieten und reiste schließlich nach Deutschland, Frankreich und Großbritannien. In Berlin hielt er nach Treffen mit Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier und Klaus Wowereit am 24. Juli vor etwa 200.000 Zuschauern die zentrale Rede des Europabesuchs, die weltweit direkt übertragen wurde.

Am 5. April 2009 ist ein EU-USA-Gipfel in Tschechien geplant. Voraussichtliche Hauptthemen sind die Wirtschaftskrise und der Nahostkonflikt.

Am 10. Februar 2007 verkündete Obama vor 18.000 Zuhörern in Springfield seine Präsidentschaftskandidatur. Am selben Ort hatte 149 Jahre zuvor der spätere Präsident Abraham Lincoln zur Abschaffung der Sklaverei aufgerufen. Im Laufe seiner Kampagne betonte Obama Themen wie ein schnelles Ende des Irak-Kriegs, größere Unabhängigkeit in Energiefragen und eine allgemeine Krankenversicherung.

Sowohl während den Vorwahlen als auch während den landesweiten Wahlen stellte Obamas Kampagne zahlreiche Spendenrekorde auf, vor allem mit der Zahl der Kleinspenden. Obama konnte Clinton im Jahr 2007 mit Spendeneinnahmen für die Vorwahlen übertreffen, insgesamt nahm Obama in einem Jahr 101.524.154 Dollar ein. Nach den Siegen in Iowa und South Carolina erhielt Obama allein im Januar 2008 die Rekordsumme von 32 Millionen US-Dollar Spendengelder. Am 19. Juni 2008 gab Obama bekannt, als erster ernstzunehmender Kandidat die öffentliche Wahlkampffinanzierung abzulehnen und weiterhin auf Spenden zu bauen.

Seit dem 4. Mai 2007 steht Barack Obama unter dem Schutz des Secret Service, so früh wie noch kein anderer Präsidentschaftskandidat vor ihm.

Zu Beginn des Vorwahlkampfes bewarb sich eine große Anzahl Kandidaten für das Amt. Nach den ersten Vorwahlen in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina war dieses Feld auf Obama und Hillary Clinton geschrumpft, welche sich einen harten, langandauernden Kampf lieferten. Obama gewann die Vorwahlen in 29 der 50 Bundesstaaten; in einem weiteren, Texas, wo sowohl nach dem Primary- als auch nach dem Caucus-Verfahren abgestimmt wurde, gewann er in den Caucuses, nachdem er die Primary verloren hatte. Ferner siegte er im District of Columbia, in den Territories Guam und U.S. Virgin Islands, sowie bei den im Ausland lebenden Demokraten. Dass sich seine Hauptkonkurrentin Hillary Clinton dennoch bis zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit ihm lieferte, lag vor allem daran, dass Obama in den meisten bevölkerungsreichen Staaten schwächer abschnitt als Clinton. Am 3. Juni 2008 erreichte Obama die notwendige Zahl von Delegierten, um sich eine Mehrheit für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei zu sichern. Vier Tage später gratulierte ihm Hillary Clinton öffentlich zu seinem Sieg und beendete so ihre Kampagne.

Am 23. August, kurz vor der Democratic National Convention, gab Obama auf seiner Website und durch Textmitteilungen an seine Unterstützer bekannt, dass er Joe Biden, den dienstälteren Bundessenator aus Delaware, als seinen Vizepräsidentschaftskandidaten (running mate) ausgewählt habe.

Barack Obama wurde am 27. August 2008 von den Delegierten der Democratic National Convention in Denver per einfacher Akklamation als Präsidentschaftskandidat nominiert. Einen Tag später nahm er die Nominierung mit einer Rede vor 80.000 Zuhörern des Parteitags und vor 37,5 Millionen Fernsehzuschauern an.

Am nationalen Wahltag, dem 4. November 2008, errangen Obama und Joe Biden eine Mehrheit von 365 Wahlmännern des Wahlmännerkollegiums und 53 Prozent aller abgegebenen Wählerstimmen gegenüber 173 Wahlmännern und 46 Prozent für die republikanischen Kandidaten, John McCain und Sarah Palin. Parallel dazu vergrößerten die Demokraten ihre Mehrheit im Senat um mindestens sieben auf 58 Sitze gegenüber 41 Sitzen für die Republikaner, im Repräsentantenhaus um 21 Sitze auf 257 gegenüber 178 Sitzen.

Das Ergebnis entsprach den meisten nationalen Umfragen, die seit den ersten Bankenzusammenbrüchen aufgrund der Finanzkrise kontinuierlich einen Vorsprung von durchschnittlich 7,6 Prozent für Obama vorausgesagt hatten. Dieser gewann in allen Bundesstaaten, deren Wahlmänner bereits John Kerry 2004 gewonnen hatte, und dazu in etlichen Staaten, die damals für George W. Bush votiert hatten: darunter Virginia, North Carolina und Indiana, wo zuvor jahrzehntelang republikanische Kandidaten gewählt worden waren, sowie in den wichtigen Swing States New Mexico, Ohio und Florida. Zudem gewann Obama die Wahl im Second Congressional District von Nebraska, einem der beiden Bundesstaaten, die derzeit einen Teil ihrer Wahlmänner auf die einzelnen Kongressdistrikte verteilen. Eine solche sogenannte split vote hatte es zuletzt bei der Präsidentschaftswahl 1892 in Michigan gegeben.

Am 15. Dezember kamen die 538 Wahlmänner in den Hauptstädten der jeweiligen Bundesstaaten sowie in Washington D. C. zusammen, um den Präsidenten zu wählen. Obama konnte 365 Wahlmännerstimmen auf sich vereinigen und war so gemäß dem 20. Verfassungszusatz zum Präsidenten gewählt. Die offizielle Feststellung des Ergebnisses erfolgte am 8. Januar 2009 im Rahmen der ersten Sitzung des 111. Kongresses.

Immer wieder kamen über das Internet Gerüchte zu Obamas religiösem Hintergrund auf. So wurden dem US-Magazin Insight von anonymer Quelle Informationen zugespielt, nach denen Obama angeblich eine strikt muslimische Schule, eine sogenannte Madrasa, besucht hatte. Andere Medien griffen diese Meldung auf, bis der Vizedirektor der besagten Schule in einem Interview mit dem Sender CNN klarstellte: „Wir sind eine öffentliche Schule, wir konzentrieren uns nicht auf Religion“. Ende Februar 2008 kursierte ein Foto im Internet, das Obama bei einem Besuch in Kenia mit einem Turban zeigt.

Am 13. März 2008 veröffentlichte ABC Passagen aus Predigten des Pastors Jeremiah Wright, der Michelle und Barack Obama getraut und ihre Kinder getauft hatte. Mit Bezug auf prophetische Bibeltexte und die Lage für Afroamerikaner in US-Gefängnissen äußerte er: Nein, nein, nein, nicht Gott segne Amerika! Gott verdamme Amerika…. Diese Aussagen wurden in vielen Medien veröffentlicht und von Kommentatoren als rassistisch und antiamerikanisch eingestuft. In einer Rede am 18. März 2008 bezog Obama Stellung zum Problem des Rassismus in den USA. Er sprach von der „nie ausgeräumten Rassenfrage“, die ihren Ursprung in der Sklaverei, „der Erbsünde der Nation“, habe. Die Rede löste eine Debatte über die Rassenproblematik in den USA aus. Als Wright später in einem Fernseh-Interview, vor allem aber in Reden bei einer Veranstaltung der National Association for the Advancement of Colored People und vor dem National Press Club ähnliche Aussagen wiederholte und verschärfte, distanzierte sich Obama persönlich und in seinen politischen Ansichten als Präsidentschaftskandidat in einer Pressekonferenz Ende April 2008 endgültig von Wright. Als Folge traten er und seine Frau Ende Mai 2008 aus der Trinity Church in Chicago aus.

Kritisiert wurde im Vorwahlkampf Obamas geschäftliche Beziehung zu Tony Rezko, einem Unternehmer, der seit Oktober 2006 wegen Überweisungsbetrug, Bestechung, Geldwäsche und versuchter Erpressung in Chicago vor Gericht stand. Rezko hatte Obama, für den er sich – wie für viele andere Politiker aus Illinois – als Fundraiser betätigte, zu vergünstigten Bedingungen beim Kauf seines Hauses verholfen. Illegale Handlungen mit Rezko konnten Obama aber nicht nachgewiesen werden.

Obamas Präsidentschaftskampagne wurde auch als erste Internet-Kampagne bezeichnet und in den amerikanischen Medien war von einer Transformation des traditionellen Wahlkampfes die Rede. Ein großer Teil der Spendeneinnahmen der Kampagne wurde über das Internet erzielt. Ebenso erhielten Obamas Anhänger in einem Web-2.0-ähnlichen Bereich der Webseite die Möglichkeit, sich für Treffen zu verabreden sowie alles zu kommentieren, Fragen zu stellen und Gruppen zu bilden. Auch Youtube wirkte sich stark auf den Wahlkampf aus. So wurden sowohl die Videos, die den ehemaligen Pastor Obamas zeigen, wie Obamas Rede dazu, millionenfach gesehen.

Am 5. März 2007 veröffentlichte Philip de Vellis, ein ehemaliger Mitarbeiter einer IT-Berater-Firma, die den Webauftritt Obamas gestaltet hatte, auf der Internetseite YouTube einen Spot, der Obamas Kontrahentin um die Präsidentschaft als Big Brother darstellt. Der Kurzfilm, eine Abwandlung eines Apple-Werbespots aus dem Jahr 1984, endete mit der Aufforderung, für Obama zu stimmen. Gleichzeitig wurde die Internetplattform www.barackobama.com eingeblendet. Obama und sein Wahlkampfteam ließen verlauten, sie seien nicht für die Videoausstrahlung verantwortlich; es habe sich um die Aktion eines Sympathisanten ihrer Kampagne gehandelt. Philip de Vellis selbst bestätigte dies und gab an, bei der Firma gekündigt zu haben. Der Kurzfilm, der bereits über fünf Millionen mal angesehen worden war, gilt laut Experten als Beweis für den zunehmenden Einfluss des Internets auf Wahlkämpfe. So wurde im Juni 2007 Amber Lee Ettinger als Obama Girl bekannt, nachdem sie in einem der meistaufgerufenen YouTube-Videos des Jahres zu sehen war.

Um den Gerüchten, die im Wahlkampf immer wieder verbreitet wurden, entgegenzutreten, wurde die offizielle Website Fight the Smears - Learn the Truth About Barack Obama eingesetzt. Auf ihr wurden Gegendarstellungen zu aufkeimenden Gerüchten veröffentlicht und die Anhänger aufgerufen, diese zu verbreiten.

Die Rede, die Obama nach der verlorenen Vorwahl von New Hampshire am 8. Januar hielt, wurde auf Initiative von Black-Eyed-Peas-Sänger will.i.am und unter der Regie von Jesse Dylan zu einem viereinhalbminütigen Musikvideo mit dem Titel Yes We Can im Stile einer Collage verarbeitet, in dem 37 prominente Obama-Unterstützer auftreten, die ausgewählte Textstellen aus dieser im Original 13-minütigen Wahlkampfrede singen bzw. zitieren, wobei jedoch immer die Stimme von Barack Obama im Hintergrund hörbar ist. Das Lied wurde als YouTube-Video am 2. Februar 2008 bekannt und millionenfach angeschaut.

Am 20. Januar 2009, dem Tag seiner Amtseinführung, ließ Obama alle noch nicht in Kraft getretenen Verordnungen seines Vorgängers George W. Bush zur Prüfung aussetzen. Zudem ließ Obama während den ersten Tagen seiner Präsidentschaft die laufenden Militärgerichtsverfahren gegen Insassen des Gefangenenlagers Guantanamo für 120 Tage aussetzen, um sie juristisch überprüfen zu können. Dieser Erlass wird als Beginn der Schließung des Lagers gewertet, die gemäß seinem Wahlversprechen so schnell wie möglich – innerhalb eines Jahres – vollzogen werden soll. Ebenso verfügte er eine Einkommensobergrenze für Regierungsmitglieder und die Veröffentlichung von Regierungsbeschlüssen, die unter Bush geheim gehalten wurden. Des Weiteren hob er jene Verordnung auf, die Finanzhilfen für solche internationalen Organisationen untersagt hatte, die sich nicht strikt gegen Abtreibung stellen und erließ eine Durchführungsverordnung, welche es Kalifornien und weiteren Bundesstaaten erlaubt, strengere Abgasvorschriften einzuführen.

Am 17. Februar unterschrieb Obama in Denver den "American Recovery and Reinvestment Act of 2009", ein 787 Milliarden US-Dollar großes Konjunkturprogramm, welches die Effekte der Finanzkrise abdämpfen und 3,5 Millionen Arbeitsplätze schaffen soll.

10 Tage später verkündete er das Ende aller Kampfmissionen im Irak und den Abzug des Großteils der dort stationierten Truppen innerhalb von 18 Monaten. Während des Wahlkampfes hatte Obama einen "verantwortungsvollen" Abzug innerhalb von 16 Monaten gefordert. Ende 2011 sollen alle amerikanische Truppen bis auf einige wenige zum Schutz der Botschaft und zum Training des irakischen Militärs den Irak verlassen haben.

Damals war diese Ansicht weder in der US-Bevölkerung insgesamt noch in der Demokratischen Partei mehrheitsfähig.

In einer Rede zum Chicago Council on Global Affairs im November 2006 sprach sich Obama für einen „etappenweisen Rückzug der US-Truppen aus dem Irak“ und das Eröffnen eines diplomatischen Dialogs mit Syrien und dem Iran aus. Bei seiner Antrittsrede zur Kandidatur für das Präsidentenamt versprach Obama, die US-Truppen im Verlauf des Jahres 2009 aus dem Irak abzuziehen. Im Lauf der Vorwahlen änderte er diese Position, nachdem die US-Armee unter General David H. Petraeus einige Erfolge bei der Bekämpfung von Terroranschlägen im Irak („surge“) vorweisen konnte. Bei der Annahme seiner Kandidatur beim Parteitag der Demokraten am 28. August 2008 sprach Obama ohne Zeitangabe von einem „verantwortungsvollen Rückzug“.

Das Thema Irak spielte während der demokratischen Vorwahlen eine wichtige Rolle. Als einziger aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat der Demokraten, der von Anfang an gegen die Invasion des Iraks war, konnte er eine deutliche Alternative zur Irakpolitik der Bush-Regierung anbieten, während seine Kontrahentin Hillary Clinton die Finanzierung dieses Krieges im November 2002 im US-Senat mitbewilligt hatte. In den ersten beiden Fernsehdebatten mit Obama versuchte John McCain, jede zeitliche Vorgabe für den Truppenrückzug aus dem Irak als Niederlage der US-Armee und Gefährdung der US-Sicherheit darzustellen.

Iran Im März 2007 unterstrich Obama erstmals, obwohl die USA „keine Option, einschließlich militärischer Handlungen, vom Tisch nehmen“ sollten, seien „anhaltende und energische Diplomatie kombiniert mit harten Sanktionen die primären Mittel“, um den Iran an der Herstellung nuklearer Waffen zu hindern.

Obama schließt direkte Gespräche ohne bestimmte Vorbedingungen mit den Regierungen des Iran und Syriens nicht aus.

Afghanistan und Pakistan Parallel zu seinem Versprechen, die US-Truppen aus dem Irak abzuziehen, tritt Obama für die konsequente und zielgerichtete Fortsetzung des Antiterrorkrieges in Afghanistan ein. Im August 2007 äußerte er dazu, es sei ein „schrecklicher Fehler“ gewesen, nichts gegen ein Treffen von Al-Qaida-Führern im Jahr 2005 unternommen zu haben, das US-Geheimdienste bestätigt hatten. Er würde als Präsident eine solche Möglichkeit auch ohne Zustimmung der pakistanischen Regierung zum direkten Angriff auf die Versammelten nutzen.

Guantanamo Obama setzt sich für die sofortige Schließung des Gefangenenlagers in Guantanamo Bay ein und will den Military Commissions Act aufheben, der Grundrechte wie Habeas Corpus beschneidet und Weiße Folter zulässt. Im Präsidentschaftswahlkampf hob er mehrfach seine Übereinstimmung mit John McCain an diesem Punkt hervor.

Im Dezember 2005 und im April 2006 forderte Obama nachdrücklichere Handlungen, um den Völkermord in Darfur (Sudan) zu bekämpfen. Er desinvestierte 180.000 Dollar seiner privaten Anlagen, die in Verbindung mit dem Sudan gebracht werden konnten und verlangte dasselbe von im Iran tätigen Firmen.

Entwicklungspolitik Obama initiierte den „Global Poverty Act of 2007“. Dieser verlangt nach einer „umfangreichen Strategie, die das US-Politikziel einer Reduktion der weltweiten Armut vorantreibt“. Er unterstützt auch die Millennium Development Goals und versprach während der Präsidentschaftskampange, die jährlichen Entwicklungshilfegelder der USA bis 2012 auf 50 Milliarden US-Dollar zu verdoppeln.

Bündnispolitik Im Juli/August 2007 sprach sich Obama für eine neue Außenpolitik nach dem Irakkrieg sowie eine erneuerte diplomatische und moralische Führungsrolle der USA in der Welt aus. Mit dem Satz „wir können uns weder aus der Welt zurückziehen noch versuchen, sie in die Unterwerfung zu schikanieren“ verlangte er von den US-Amerikanern, dass sie „in der Welt führen sollen, in der Tat und als Vorbild“.

Internationale Abrüstung In seiner Rede am 24. Juli 2008 in Berlin vor etwa 200.000 Zuhörern hob er hervor, das Ziel einer Welt ohne Atomwaffen müsse nun erneuert werden.

Zudem war Obama ein Mitinitiator des „Palestinian Anti-Terrorism Act of 2006“, welcher unter anderem „Mitglieder der internationalen Gemeinschaft“ dazu aufruft, „den Kontakt zu vermeiden und es zu unterlassen, die terroristische Organisation Hamas finanziell zu unterstützen, bis diese zustimmt, Israel anzuerkennen, der Gewalt abzuschwören, abzurüsten und vorherige Abkommen zu akzeptieren, einschließlich der „Roadmap“.

Wirtschaftspolitik Barack Obamas Aussagen über seine zukünftige Wirtschaftspolitik orientieren sich an der Politik des vorsorgenden Sozialstaats und stehen in der Tradition der Rubinomics (benannt nach Robert Rubin) der Clinton-Ära. Ein zentraler Orientierungspunkt ist die Ausgabenkontrolle und ein ausgeglichener Staatshaushalt. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise und der Rezession in den USA zielt Obamas Wirtschaftspolitik auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Mittelschicht und Arbeiterklasse ab. Zur Erreichung dieses Ziels wird dem Staat allerdings nur eine untergeordnete Rolle zugewiesen. Obama ist ein Vertreter des Fiskalkonservatismus und Anhänger des Pay-As-You-Go-Prinzips, auch PAYGO-Prinzip genannt. Die Besserstellung der schrumpfenden Mittelschicht und der überschuldeten Haushalte möchte Obama durch Steuererleichterungen erwirken. Einnahmeneinbußen durch derlei Maßnahmen sollen grundsätzlich durch Sparmaßnahmen in anderen Haushaltsetats gegenfinanziert werden. Zwei „Steuersenkungspakete“ der Bush-Regierung sollen 2011 auslaufen, außerdem soll es Sparmaßnahmen im Bereich der Subventionierung der Ölindustrie und der Raumfahrt geben.

Weiterhin spricht sich Obama für Investitionen in regenerative Energien und die Aus- und Weiterbildung der arbeitenden Bevölkerung, insbesondere die College-Ausbildung, aus. Die mittelfristige Ausdehnung der Haushaltsverschuldung für ein arbeitsmarktpolitisches Konjunkturprogramm lehnt er ab. Sein wichtigster wirtschaftspolitischer Berater im Wahlkampf war Austan Goolsbee. Weitere Berater waren Jeffrey Liebman, Jason Furman, Paul Volcker, Laura Tyson und Robert Rubin. Viele seiner Mitarbeiter sind auch schon während der Clinton-Regierung beratend tätig gewesen und stehen wie Goolsbee teilweise in sehr engem Kontakt zum Democratic Leadership Council. Volcker wurde nach Beginn der Präsidentschaft von Obama zum Vorsitzenden des neu geschaffenen Beratergremiums President's Economic Recovery Advisory Board (PERAB) ernannt, zu dessen Mitgliedern auch Goolsbee und Tyson gehören.

Justiz- und Rechtspolitik Obama befürwortet die Todesstrafe für als besonders verwerflich geltende Verbrechen. In einer öffentlichen Debatte erklärte er, dies erlaube es der Gesellschaft, „das volle Ausmaß ihrer Empörung durch die Verhängung der ultimativen Strafe zum Ausdruck zu bringen.“ In seinem Buch The Audacity of Hope nennt er als Beispiele solcher Straftaten die Vergewaltigung und Ermordung von Kindern sowie Massenmorde. Deshalb kritisierte Obama die Entscheidung des United States Supreme Court zum Fall Kennedy v. Louisiana, welche ein Todesurteil wegen der Vergewaltigung eines Kindes für verfassungswidrig erklärte.

Gleichwohl trägt die Todesstrafe nach Obamas Ansicht nur wenig zur Verhinderung von Verbrechen bei. Viele Todesurteile beruhten auf fragwürdigen Polizeimethoden, rassistischen Vorurteilen und seien Folge der Arbeit schlechter Strafverteidiger. Deshalb wirkte er als Senator in Illinois an einem Gesetz zur Aussetzung von Todesurteilen mit, die ohne überprüfbares rechtsstaatliches Verfahren zustande gekommen waren.

Kulturpolitik In seiner Jugend an Religion desinteressiert, lernte Obama als Sozialarbeiter in Chicago afroamerikanisches Gemeindeleben kennen, wurde daraufhin Christ und gehört seit 1985 der United Church of Christ an. Diese gilt wegen früher Zulassung von Homosexuellen zu kirchlichen Ämtern als besonders liberal.

Obama kommentierte dies als „Jerry-Falwell-Pat-Robertson-Rhetorik“, die progressive Christen oft als unmoralisch und gottlos zugleich etikettiere. Er habe damals auf typisch liberale Weise auf den Meinungspluralismus hingewiesen sowie darauf, dass ein Senator, anders als ein Pastor, alle Bürger repräsentieren müsse. Doch der implizite Vorwurf, er sei kein wahrer Christ, habe ihn nachdenklich gemacht. Er sei sich bewusst geworden, dass seine damalige Antwort die Rolle des Glaubens für seine Wertorientierung nicht vollständig ausgedrückt habe. Dieses Dilemma bestimme die Haltung vieler liberaler Demokraten gegenüber dem Bible Belt in den USA seit über 30 Jahren: Bestenfalls vermieden sie eine Debatte über religiöse Werte aus Angst, jemandem zu nahe zu treten, mit Berufung auf die Verfassungsprinzipien, wonach Religion Privatsache sei. Schlimmstenfalls behandelten sie Religion im öffentlichen Raum als unvermeidlich irrational oder intolerant, stellten religiöse Mitbürger als Fanatiker dar oder setzten Christen mit konservativen Gegnern gleich. Deren Führer nutzten dies aus, indem sie den Evangelikalen ständig weismachten, dass Demokraten ihre Werte missachteten und ihre Kirche ablehnten, wobei sie allen übrigen nahelegten, sich nur für Themen wie Abtreibung, Homo-Ehe, Schulgebet und Intelligent Design zu interessieren.

Anstelle dieser typischen Vermeidungsstrategien solle heute ernsthaft diskutiert werden, wie Glaube und moderne pluralistische Demokratie miteinander zu versöhnen seien. Denn 90 Prozent aller US-Bürger glaubten an Gott, 70 Prozent seien Mitglieder einer religiösen Organisation, 38 Prozent nennen sich engagierte Christen und wesentlich mehr US-Bürger glaubten an Engel als an die Evolution. Dies sei nicht bloß ein Erfolg populärer Fernsehprediger, sondern Ausdruck eines tiefen Bedürfnisses nach Sinn, nach Erlösung aus tiefer Einsamkeit. Er selbst sei ohne Gemeinschaft in seinem sozialen Engagement von Anderen getrennt geblieben, bis er in der schwarzen Kirche eine Hoffnungsquelle entdeckt habe, da dort der Ruf der Bibel, die Hungrigen zu sättigen, die Nackten zu kleiden und die Mächtigen herauszufordern, unmittelbar in den Kampf für sozialen Wandel, für Freiheit und Menschenrechte münde. Auch habe er entdeckt, dass Glaube nicht bedeute, keine Zweifel mehr zu haben. Eben weil er zu dieser Welt gehöre und als Mensch auf Sündenvergebung angewiesen sei, brauche er Christus als Retter und die Kirchengemeinde als Verbündete.

Im Juni 2007 warf Obama der Religiösen Rechten in den USA vor, den Glaube entführt zu haben und zum Spalten auszunutzen.

Für die Fürbitte bei seiner Inauguration wählte Obama den populären evangelikalen Prediger Rick Warren. Dies stieß bei Homosexuellenverbänden in den USA auf scharfe Kritik, da Warren die gesetzliche Gleichstellung der Schwulenehe ablehnt, sie einmal mit einer Ehe zwischen Pädophilen und Kindern verglich und mit einem Verfassungszusatz ausschließen will. Warren hat jedoch auch die Behauptung vieler Christen, Aids sei durch homosexuelle Praktiken entstanden, als Irrtum und Sünde zurückgewiesen. Obama, der seit langem für weitgehende rechtliche Gleichstellung Homosexueller eintritt, erklärte, er stimme mit Warren in vielem nicht überein, was ihn nicht daran hindere, das Gemeinsame zu unterstreichen. Mit seiner Einladung habe er auf Warrens Einladung zu einem Gottesdienst reagiert. Das Schlussgebet der Inaugurationszeremonie sprach der Bürgerrechtler Joseph Lowery, ein Freund Martin Luther Kings. Ferner hat Obama einen „Gebetskreis“ mit Bischof T.D. Jakes, Lowery und Warren gegründet. Dies wird als Zeichen zum Versöhnen gegnerischer christlicher Lager verstanden.

Sozialpolitik Obama befürwortet eine Reform des Gesundheitssystems durch Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung. Er äußerte sich dahingehend, dass bis zum Ende der nächsten Präsidentschaft jeder US-Amerikaner krankenversichert sein sollte. Zunächst haben für Obama aber Kostensenkungen und Versicherungspflicht für Kinder Priorität. Zudem möchte er Kleinunternehmern helfen, ihre Mitarbeiter zu versichern.

Umweltpolitik Obama legte im Präsidentschaftswahlkampf einen Plan vor, der die USA innerhalb von zehn Jahren von Ölimporten unabhängig machen soll.

Dazu sollen 150 Milliarden US-Dollar in energiesparende und umweltfreundliche Technologien investiert werden. Bis 2015 sollen eine Million PKWs mit Wasserstoffantrieb in den USA gebaut werden. Eine Million Gebäude jährlich sollen effizientere Wärmedämmung erhalten. Erneuerbare Energien sollen staatlich gefördert werden und bis 2012 zehn Prozent, bis 2025 ein Viertel des Energiebedarfs der USA decken. Dadurch sollen Millionen neuer und sicherer Arbeitsplätze in den USA entstehen.

Die Umweltverschmutzung durch Treibhausgase soll bis 2050 um 80 Prozent gesenkt werden. Der Schadstoffausstoß von herkömmlichem Benzin soll gesenkt und die Obergrenze national vereinheitlicht werden. Die Leistungseffizienz von Benzin soll gesteigert und sein Preis durch Einsatz von nationalen Ölreserven und Beschneiden von Spekulationsprofiten der Ölfirmen gesenkt werden. Käufer von energiesparenden Fahrzeugen sollen Steuernachlässe von bis zu 7000 US-Dollar erhalten. So sollen die USA bei der Bekämpfung des Klimawandels eine Vorreiterrolle übernehmen.

Zugleich hält Obama an umweltschonender Kohleförderung und Atomkraftwerken in den USA fest. Er will den Bau der Alaska-Pipeline für Erdgas zügig vorantreiben.

Im Dezember 2008 nominierte Obama den Physik-Nobelpreisträger Steven Chu als Energieminister und die ehemalige Leiterin der Umweltschutzbehörde, Carol M. Browner, als Leiterin seines Beraterstabes für Energie und Klima. Da Chu und Browner sich in der Vergangenheit für den Klimaschutz engagiert haben, wurde dies als Zeichen einer Wende in der US-amerikanischen Energiepolitik gewertet.

Mit der Ernennung des Harvard-Physikers John Holdren, eines ausgewiesenen Mahners im Kampf gegen die globale Erwärmung, zum Chef-Wissenschaftsberater seiner Regierung sowie der Ernennung der in Klimafragen kritisch eingestellten Meeresbiologin Jane Lubchenco zur Direktorin der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) hat Obama weitere deutliche Signale sowohl für die Ausrichtung seiner Klimapolitik als auch für deren Wissenschaftsorientierung gesetzt.

Bürgerrechtspolitik Barack Obama hat einen erheblichen Teil seiner juristischen und politischen Tätigkeit mit der Förderung von Bürgerrechten verbracht. Seine Regierung beabsichtigt, ein Urteil des Supreme Court aus jüngerer Zeit mit neuer Gesetzgebung zu begegnen, damit ethnische Minderheiten und Frauen einfacher gegen Diskriminierung bei Fragen der Arbeitslöhne vorgehen können. Er unterstützt auch einen Gesetzentwurf gegen Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität (Employment Non-Discrimination Act). Auch die Stärkung der Gesetze gegen Hassverbrechen sowie zur Sicherung der fairen Durchführung von Wahlen sind Ziele der Obama-Regierung. Obama hat zugesagt, sich für die Abschaffung des Defense of Marriage Act einzusetzen, und die Beendigung der „Don't Ask, Don't Tell“-Politik der US-Streitkräfte einzusetzen.

Am 19. Mai 2008 besuchte Obama als erster Präsidentschaftskandidat ein Indianerreservat. Dort wurde er von einer Crow-Familie adoptiert und erhielt den Ehrennamen Awe Kooda bilaxpak Kuuxshish, einer der Leuten im ganzen Land hilft. In der Crow-Agentur in Montana begleiteten ihn seine Adoptiveltern Sunny und Mary Black Eagle zu seiner Ansprache, die er vor 2000 Zuhörern hielt. Sein Name Barack Black Eagle sei ein guter Name, meinte Obama. Er wisse, was es heiße, ein Außenseiter zu sein, nicht immer mit Respekt behandelt oder ignoriert zu werden, vergessen worden zu sein, wie die Afroamerikaner. Obama versprach regelmäßige Gespräche, und er wolle einen Berater (Advisor) für die Indianerpolitik ernennen.

Im November 2008 benannte Obama indianische Berater für sein Übergangsteam. Mary Smith, Mary McNeil und Yvette Robideaux arbeiten in den Bereichen Recht, Landwirtschaft und Gesundheit, während die drei Rechtsanwälte vom Native American Rights Fund, der 250 der weit über 500 Stämme vertritt, John Echohawk, Keith Harper und Robert Anderson den 44. Präsidenten im Rahmen des Innenministeriums beraten.

Unterstützer und Kritiker haben Obamas populäres Bild mit einem kulturellen Rorschachtest verglichen, einer neutralen Person, auf die sie ihre persönlichen Geschichten und Aspirationen projizieren können. Obamas eigene Geschichten über die Herkunft seiner Familie verstärken, was das Magazin The New Yorker im Mai 2004 in einem Artikel mit Jedermann-Bild beschrieb. In seinem Buch Dreams from My Father verknüpft er seine mütterliche Familiengeschichte mit möglichen indianischen Vorfahren und einer entfernten Verwandtschaft zu Jefferson Davis, dem Präsidenten der Konföderierten Staaten von Amerika während des Sezessionskriegs. Während seiner Kampagne für den US-Senat im Jahre 2004 verband Obama in einer Ansprache an eine ältere jüdische Gemeinde seinen ostafrikanischen Vornamen Barack mit dem hebräischen Wort Baruch, welches gesegnet bedeutet. Eugene Robinson charakterisierte Obama in einer Meinungskolumne als die Personifizierung von both-and (Sowohl-als-auch), als einen Boten, der Entweder-oder ablehnt, und jemanden, der die Nation über die kulturellen Kriege der 1960er Jahre hinausbringen könne.

Obama führte in einer weltweiten Umfrage in allen befragten 22 Ländern gegen seine Rivalen John McCain. Obamas Vorsprung reichte von 9 % in Indien über 58 % in Deutschland zu 82 % in Kenia. Im Durchschnitt entschieden sich 49 % für Obama und nur 12 % für McCain.

Barack Obama ist seit 1992 mit Michelle Obama (* 1964) verheiratet, die wie er an der Harvard Law School studierte und vor dem Umzug nach Washington eine Stellung in der öffentlichen Verwaltung von Chicago inne hatte. Sie lernten sich in der Anwaltskanzlei kennen, in der Michelle nach ihrem Abschluss 1988 arbeitete und dem Praktikanten Barack Obama als Tutorin zugeteilt war. Sie haben zwei Töchter: Malia Ann (* 1998) und Natasha („Sasha“) (* 2001).

Im Oktober 2005 wurde Obama in dem britischen Journal New Statesman als eine von 10 Personen, die die Welt verändern können aufgelistet. Das Time-Magazin zählte ihn 2005 und erneut 2007 zu den einhundert einflussreichsten Personen der Welt und kürte ihn 2008 zur Person des Jahres.

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Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten

Kuppel des Kapitols mit Flagge der USA

Das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten (engl.: United States House of Representatives, oft nur House) ist neben dem Senat eine der beiden Kammern des Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika. Jeder Bundesstaat ist im Verhältnis zu seiner Bevölkerung im Parlament vertreten. Die Bürger der USA wählen die Abgeordneten für zwei Jahre.

Im politischen System der USA ist das Repräsentantenhaus maßgeblich an der Gesetzgebung der Vereinigten Staaten beteiligt und hat einige Kontrollfunktionen gegenüber dem Präsidenten der Vereinigten Staaten. Es besitzt das alleinige Initiativrecht bei Steuer- und Haushaltsgesetzen, darüber hinaus kann nur dieses Haus ein Impeachment-Verfahren einleiten.

Das Repräsentantenhaus setzt die Tradition der Zweikammer-Parlamente, die im britischen Parlament seinen Ursprung hat, fort. Sitz des Hauses ist der Südflügel des Kapitols in Washington D. C., die Mitglieder werden als Congressmen oder Representatives bezeichnet.

Seit 1911 besteht das Parlament aus 435 Abgeordneten, die den Wahlkreis repräsentieren, in dem sie gewählt wurden. Da der Regierungsbezirk Washington, D. C. und einige andere Territorien, wie beispielsweise die politisch an die USA angeschlossenen Außengebiete von Puerto Rico und Guam, nicht als Bundesstaaten gelten, entsenden sie zwar Delegierte ins House, diese sind aber nicht stimmberechtigt. Bei den letzten Wahlen im November 2008 errangen die Demokraten 257, die Republikaner 178 Sitze. Die nächsten Wahlen stehen am 2. November 2010 an.

Die Verfassung der Vereinigten Staaten sah schon bei ihrer Entstehung 1787 ein Repräsentantenhaus vor. Ursprünglich wurden 65 Mitglieder vorgesehen, bis eine erste Volkszählung 1790 durchgeführt werden konnte. 1788, nachdem die erforderliche Ratifizierung der Verfassung durch neun US-Bundesstaaten zustande gekommen war, wurden die ersten Wahlen zum Repräsentantenhaus abgehalten. Schon am 4. März 1789 trat zwar die Verfassung in Kraft; die Beschlußfähigkeit des Hauses wurde jedoch aufgrund mangelnder persönlicher Anwesenheit in New York City (die damalige Hauptstadt der USA) erst am 1. April des selben Jahres festgestellt. Der erste US-Kongress, von dem das 65-köpfige Gremium ein Bestandteil bildete, verabschiedete die gesetzliche Grundlage für die erste Volkszählung. 1790 wurde das Repräsentantenhaus, dessen Sitz zwischenzeitlich nach Philadelphia verlegt wurde, noch auf der gleichen Grundlage (65 Mitglieder, die nach der vorläufigen Verteilung im Art. 1 Abs. 2 der Verfassung unter den Bundesstaaten verteilt waren) neu gewählt. Der zweite Kongress verabschiedete dann auf Grundlage der zwischenzeitlich vorliegenden Volkszählungsergebnisse ein Gesetz, das die Repräsentation unter den Bundesstaaten neu verteilte. Dies sah vor, 120 Sitze nach der Methode von Alexander Hamilton zu verteilen. Gegen diesen Gesetzentwurf legte jedoch Präsident George Washington das erste Veto der US-Geschichte ein. So verabschiedete der Kongress dann ein weiteres Gesetz, das 105 Sitze nach der Methode von Thomas Jefferson verteilte; dieses Gesetz trat dann mit der Genehmigung des Präsidenten auch in Kraft und bildete die Grundlage für die Wahlen zum dritten Kongress 1792, der 1793 zusammentrat.

Im 19. Jahrhundert herrschten im Repräsentantenhaus öfters andere Mehrheiten als im Senat bezüglich Themen, die regional sehr unterschiedlich bewertet wurden, nicht zuletzt Sklaverei.

Wie der Senat tagt auch das Repräsentantenhaus im Kapitol in Washington, D. C. Am einen Ende des Plenums befindet sich das Rednerpult und der Tisch des Sprechers. Vor dem Sprecher sitzen Verwaltungsmitarbeiter, die unter anderem das Protokoll führen und gegebenenfalls die Anwesenheit feststellen. Die Tische der Abgeordneten sind in mehreren Reihen in einem Halbkreis angeordnet und durch einen breiten Weg in der Mitte getrennt. Traditionsgemäß sitzen Demokraten aus Sicht des Sitzungspräsidenten rechts von der Mitte und Republikaner links. Die Sitzordnung innerhalb der Fraktionen richtet sich im Wesentlichen nach der Seniorität, d. h. dienstältere Abgeordnete haben zuerst Wahlrecht auf einen Sitz. Die Fraktionsführung sitzt jedoch auf jeden Fall vorne.

Der Plenarsaal ist mit einer großflächigen US-Flagge direkt hinter dem Sitzungspräsidenten und Porträts von George Washington und Marquis de La Fayette geschmückt. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde der Saal auch für Trauerfeiern genutzt, wenn Abgeordnete während ihrer Amtszeit verstarben.

Seit dem 20. Jahrhundert besitzen die Abgeordneten Büros in separaten Bürohäusern, um das Kapitolgebäude zu entlasten. Es handelt sich dabei um das Cannon House Office Building (eröffnet 1908), das Longworth House Office Building (eröffnet 1933) und das Rayburn House Office Building (eröffnet 1965). Das Ford House Office Building, das der Kongress in den 1980er Jahren vom FBI kaufte, beherbergt keine Abgeordnetenbüros, sondern Büros anderer Mitarbeiter und Angestellter des Repräsentantenhauses.

Die Wahl zum Repräsentantenhaus findet in Jahren mit geraden Jahreszahlen (also alle 2 Jahre) am Dienstag nach dem ersten Montag im November statt. Am Wahltag finden zeitgleich die Senatswahlen und alle vier Jahre die Wahlen zur US-Präsidentschaft statt. Die Abgeordneten werden wie bei westlichen Parlamentswahlen üblich nach den Grundsätzen der allgemeinen, freien, gleichen und geheimen Wahl gewählt. Zusätzlich ist die Wahl unmittelbar, der Wähler wählt die Abgeordneten direkt. Damit steht die Kongresswahl beispielsweise im Gegensatz zur US-Präsidentschaftswahl, bei denen die Wähler Wahlmänner wählen, die wiederum den Präsidenten wählen.

Es gilt das relative Mehrheitswahlrecht; das heißt der Wähler wählt in seinem Wahlkreis Kandidaten und keine Parteien, es gibt keine Parteilisten oder ähnliches. Derjenige Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt einen Wahlkreis, er benötigt keine absolute Mehrheit. Um zu verhindern, dass sich eigene Kandidaten gegenseitig Stimmen wegnehmen, veranstalten die großen Parteien in der Moderne Vorwahlen, so dass von ihnen nur noch je ein Kandidat bei der eigentlichen Wahl antritt. Da die Bundesstaaten die genauen Wahlverfahren festlegen, kann es zu Abweichungen kommen. In Louisiana beispielsweise ist eine absolute Mehrheit notwendig. Erreicht diese keiner der Kandidaten, kommt es zu Stichwahlen. Deshalb ist in Louisiana auch das Vorwahlsystem schwächer ausgeprägt. Die Regeln, nach denen kleinere Parteien (third parties) Kandidaten aufstellen können, variieren von Bundesstaat zu Bundesstaat.

Nach dem ersten Artikel der Verfassung sind die Sitze im Repräsentantenhaus an die Bundesstaaten im Verhältnis zu ihrer Bevölkerung zu verteilen. Grundlage der Berechnung ist die alle zehn Jahre durchgeführte Volkszählung. Allerdings stellt jeder Bundesstaat mindestens einen Abgeordneten.

Insgesamt wählen die Amerikaner in 435 Einerwahlkreisen, pro Wahlkreis wird genau ein Abgeordneter in das Parlament entsendet. Bundesstaaten, die mehrere Sitze haben, müssen sich für die Wahlen in mehrere Wahlkreise einteilen. Diese werden von den Parlamenten der Bundesstaaten üblicherweise nach jeder Volkszählung festgelegt, allerdings können sie das auch öfter tun. Bei der Festlegung der Wahlkreise muss der Grundsatz der Wahlgleichheit eingehalten werden, die Stimme eines Wählers in einem Wahlkreis muss ähnlich viel Einfluss auf den Ausgang der Gesamtwahl haben, wie die eines Wählers in einem beliebigen anderen Wahlkreis des Staates. Der Oberste Gerichtshof hat im Fall Wesberry v. Sanders festgestellt, dass grobe Unterschiede in der Zahl der Wähler zwischen Wahlkreisen im gleichen Bundesstaat verfassungswidrig sind. Außerdem verbietet der Voting Rights Act, dass Wahlkreise in einer Weise gezogen werden, die den Einfluss ethnischer Minderheiten verringert.

Trotz dieser Regelungen werden Wahlkreise oft vollkommen willkürlich gezogen, ohne auf Geographie oder politische Gliederung zu achten. Dadurch können Parteien beispielsweise erreichen, dass ihre Anhänger konzentriert in einem Wahlkreis wählen oder die Anhänger der Gegenpartei auf mehrere Wahlkreise verteilen. Diese Praxis wird als nach dem ehemaligen Gouverneur von Massachusetts Elbridge Gerry als Gerrymandering bezeichnet. Solange dabei keine ethnischen Minderheiten benachteiligt werden, ist die Manipulation der Wahlkreisgrenzen zu politischen Zwecken nicht verboten und wird in vielen Staaten praktiziert. Ein Ergebnis ist, dass bei Kongresswahlen weniger als 10 % der Sitze eine realistische Chance haben, zwischen den Parteien zu wechseln.

Die Sitzzuteilung an die einzelnen Bundesstaaten erfolgt nach dem Hill-Huntington-Verfahren und wird alle zehn Jahre neu festgelegt. Um die Zahl der Sitze überschaubar zu halten, hat der Kongress über die Jahre Grenzen für die Gesamtzahl der Sitze festgelegt. Seit 1911 liegt sie bei 435. Die einzige Ausnahme bestand 1959, als Alaska und Hawaii nach den Wahlen Bundesstaaten wurden und jeweils einen zusätzlichen Abgeordneten in das Repräsentantenhaus entsandten.

Der District of Columbia und die Territorien haben im Repräsentantenhaus entsprechend der Verfassung keine Stimmrechte. Allerdings hat der Kongress Gesetze verabschiedet, die es diesen Gebieten erlauben, stimmlose Delegierte zu ernennen. Delegierte haben die gleichen Rederechte wie die Abgeordneten und dürfen in Ausschüssen abstimmen, nicht aber im Plenum. Zur Zeit senden der Regierungsbezirk und die Gebiete Puerto Rico, Amerikanisch-Samoa, Guam und die Amerikanischen Jungferninseln Delegierte. Der Delegierte Puerto Ricos, der Resident Commissioner, wird dabei als einziger Delegierter nicht von der lokalen Regierung ernannt, sondern für vier Jahre von den Einwohnern Puerto Ricos direkt gewählt.

Wählen kann jeder volljährige Amerikaner, der seinen (Haupt-)Wohnsitz in einem der 50 US-Bundesstaaten hat oder sich im Ausland befindet. Im letzteren Falle ist er im Bundesstaat seines letzten US-Wohnsitzes wahlberechtigt.

Da Washington DC ein "federal district", also kein Bundesstaat der USA ist, sind die dort lebenden Amerikaner nicht wahlberechtigt und im Repräsentantenhaus nur durch einen begrenzt stimmberechtigten Delegierten vertreten. Eine Tatsache, die den Einwohnern der Stadt seit langem missfällt. Man hofft nun auf die Unterstützung von Präsident Barack Obama für einen Gesetzesvorschlag, der diesen Zustand ändern soll.

Gewählt werden kann jeder US-Bürger, der das 25. Lebensjahr vollendet hat und mindestens 7 Jahre die amerikanische Staatsangehörigkeit besitzt. Ein Kandidat kann sich nur im Wahlbezirk seines (Haupt-)Wohnsitzes zur Wahl stellen.

Nach dem 14. Verfassungszusatz sind Abgeordnete, die einen Eid auf die Verfassung geschworen haben und später gegen die USA rebellierten, auch später nicht mehr berechtigt, im Repräsentantenhaus zu sitzen. Der Passus wurde nach dem Sezessionskrieg eingeführt, um Parteigänger der Konföderierten ausschließen zu können.

Die endgültige Entscheidung darüber, ob ein zukünftiger Abgeordneter berechtigt ist, im Haus zu sitzen, liegt beim Repräsentantenhaus selber. Ihm ist es möglich, mit Zweidrittelmehrheit einen Abgeordneten zu akzeptieren, der objektiv die Kriterien nicht erfüllt.

Abgeordnete werden allgemein als Congressman oder Congresswoman, neuerdings auch als Representative bezeichnet. Senatoren, auch Mitglieder des Kongresses, werden hingegen nicht als Congressman bezeichnet. Die Abgeordneten dürfen das Präfix The Honorable vor ihrem Namen tragen.

Alle Abgeordneten beziehen ein jährliches Gehalt von $165.200 (etwa € 112.980 (Wechselkurs: 7. Februar 2008)), wobei der Sprecher, der Mehrheits- und der Minderheitsführer höhere Gehälter beziehen. Der Kongress bestimmt selbst über die Gehälter seiner Mitglieder. Nach dem 27. Verfassungszusatz kann er diese aber nur für die nächste Sitzungsperiode und nicht für die laufende ändern.

Abgeordnete und Delegierte (mit Ausnahme Puerto Ricos) dienen für zwei Jahre. Der Resident Commissioner von Puerto Rico dient für vier Jahre.

Nach der Wahl behalten Abgeordnete ihren Sitz für den Rest der Legislaturperiode oder bis sie zurücktreten oder sterben. Das Repräsentantenhaus kann auch mit Zweidrittelmehrheit beschließen, einen Abgeordneten auszuschließen. In der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika verloren nur fünf Abgeordnete so ihren Sitz. Drei verloren ihre Sitze vor dem Sezessionskrieg wegen ihrer Unterstützung der Sezessionisten und zwei (Michael Myers 1980 und Jim Traficant 2002) aufgrund von Korruption. Das House kann seine Mitglieder offiziell rügen, dies hat aber keine weiteren formellen Auswirkungen auf den Abgeordneten.

Das Repräsentantenhaus wird gewöhnlich als parteigebundener als der Senat betrachtet. Im ursprünglichen Konzept sollte der Senat (dessen Mitglieder bis 1912 nicht direkt, sondern von den Parlamenten der Einzelstaaten gewählt wurden) als Kontrolle des Repräsentantenhauses wirken, genauso wie dieses als Kontrolle des Senats wirken sollte. Dabei haben beide Kammern allerdings besondere Rechte. Nur das Repräsentantenhaus kann Steuergesetze einbringen oder den Präsidenten des Amtsmissbrauchs beschuldigen.

Alle gewöhnlichen Bundesgesetze der USA müssen von Repräsentantenhaus und US-Senat gleichlautend verabschiedet werden, es gibt also anders als in Deutschland keine Unterscheidung in zustimmungspflichtige und nicht zustimmungspflichtige Gesetze. Auch der US-Präsident muss dem Gesetz zustimmen oder zumindest nicht widersprechen; legt er sein Veto ein, kann das Gesetz nur in Kraft treten, wenn beide Häuser es in namentlicher Abstimmung mit Zweidrittelmehrheit erneut beschließen.

Für den Fall, dass Senat und Repräsentantenhaus unterschiedlicher Meinung über ein Gesetz sind, gibt es ähnlich wie in Deutschland einen Vermittlungsausschuss, das sogenannte Conference Committee.

Alle Finanzgesetze – also Gesetze, die Staatsausgaben oder Steuern betreffen, vor allem der jährliche US-Bundeshaushalt – dürfen nur im Repräsentantenhaus eingebracht werden, erst nach deren Verabschiedung werden sie im Senat behandelt. Der Senat hat bereits mehrfach versucht, diese Regelung anzufechten oder faktisch zu ignorieren, bisher hat sie das House jedoch erfolgreich verteidigt. Für Details siehe den Hauptartikel Gesetzgebungsverfahren (Vereinigte Staaten).

Das Repräsentantenhaus besitzt im System der Checks and Balances weniger Kontrollfunktionen als der Senat. Andererseits kann nur das Repräsentantenhaus Impeachment-Verfahren initiieren, über die der Senat dann entscheidet.

Impeachment-Verfahren sind gegen Bundesbeamte (einschließlich des US-Präsidenten) möglich, die „Verrat, Korruption oder ein anderes Verbrechen gegen den Staat“ (Treason, Bribery, or other high Crimes and Misdemeanors) begangen haben. Die mögliche Strafe beschränkt sich dabei auf den Verlust des Amtes, eventuelle weitere Strafen können nur durch reguläre Gerichte ausgesprochen werden. In der US-Geschichte kam es zu 16 derartigen Verfahren. Um es erfolgreich zu starten und an den Senat zu verweisen ist eine einfache Mehrheit im Repräsentantenhaus notwendig. Zur Verurteilung bedarf es einer Zweidrittelmehrheit im Senat. Wird ein Präsident angeklagt, führt der Präsident des Obersten Gerichtshofs die Verhandlung. 1868 wurde Andrew Johnson angeklagt, weil er vom Kongress beschlossene Gesetze zu hintertreiben versuchte. Zu seiner Verurteilung fehlte dem Senat eine Stimme. US-Präsident Richard Nixon trat 1974 zurück, als nach ausführlichen Untersuchungen klar wurde, dass es wegen seiner Vertuschungsversuche in der Watergate-Affäre die notwendigen Mehrheiten zur Anklage im Repräsentantenhaus und zur Verurteilung im Senat geben würde. Bei dem Versuch, 1999 Bill Clinton wegen Meineids und Behinderung der Justiz nach Aufdeckung einer Sexualaffäre unter Amtsanklage zu stellen, fehlten die erforderlichen Mehrheiten. Die weiteren Fälle betrafen niedrigere Regierungsbeamte, bei denen siebenmal der Amtsinhaber verurteilt wurde und einer zurücktrat, bevor das Verfahren beendet war.

Ebenso kann das Repräsentantenhaus im Falle, dass bei US-Präsidentschaftswahlen kein Kandidat eine absolute Mehrheit der Wahlmännerstimmen erreicht, den Präsidenten aus den drei Kandidaten mit den meisten Stimmen wählen. Dabei wird anders als bei allen anderen Abstimmungen nach Staaten abgestimmt, die Delegation jedes Bundesstaates hat je eine Stimme. Dies ist bisher zweimal passiert: In den Wahljahren 1800 (Thomas Jefferson) und 1824 (John Quincy Adams). Sollten sich bei einem Patt im Wahlmännergremium bis zum 20. Januar des folgenden Jahres weder das Repräsentantenhaus auf einen Präsidenten noch der Senat auf einen Vizepräsidenten einigen können, würde der Sprecher des Repräsentantenhauses (Speaker of the House) kommissarischer Präsident.

Representatives sind stärker in die hierarchische Organisation von Parlament und Fraktionen eingebunden als im Senat, die Fraktionsdisziplin ist aber immer noch weniger ausgeprägt als in den meisten europäischen Parlamenten. Während die einzelnen Senatoren durch verschiedene Regelungen fast beliebig die Tagesordnung und die Debatten bestimmen können, liegen im Repräsentantenhaus wesentlich stärkere Befugnisse beim Speaker of the House, den Fraktionsführungen und dem einflussreichen Geschäftsordnungsausschuss (United States House Committee on Rules).

Die Partei mit der größten Sitzanzahl im Repräsentantenhaus wird als die Mehrheitspartei (Majority Party), die Partei mit der nächsthöchsten Sitzanzahl als Minderheitspartei (Minority Party) bezeichnet. Die Mehrheitspartei stellt den Sprecher (Speaker of the House), die Vorsitzenden aller Ausschüsse und einige andere Posten.

Die Verfassung bestimmt, dass das Repräsentantenhaus seinen Sprecher wählt. Obwohl die Verfassung es nicht verlangt, war bisher jeder Sprecher auch Abgeordneter. In der Nachfolge des Präsidenten kommt der Sprecher nach dem Vizepräsidenten an zweiter Stelle.

Der Sprecher legt unter anderem fest, welche Ausschüsse anfallende Gesetzesvorlagen bearbeiten und bestimmt die Mitglieder des Geschäftsordnungsausschusses und des Conference Committees. Wenn Präsident und Sprecher verschiedenen Parteien angehören, entwickelt sich der Sprecher oft zum allgemeinen Oppositionsführer.

Das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert sahen eine dramatische Vergrößerung in den Befugnissen des Sprechers. Der Aufstieg des Sprechers begann in den 1890ern während der Amtszeit des Republikaners Thomas Brackett Reed. Die Bedeutung des Sprechers erreichte ihren Höhepunkt während der Amtszeit des Republikaners Joseph Gurney Cannon (1903–1911). Zu diesem Zeitpunkt beinhaltete der Posten die Führung des mächtigen Geschäftsordnungausschusses und die Befugnis, die Mitglieder aller anderen Ausschüsse festzulegen. Diesem großen Einfluss wurde aber 1910 durch die Demokraten und einige unzufriedene Republikaner ein Ende gesetzt.

Obwohl der Sprecher dem Repräsentantenhaus vorsitzt, leitet er nicht jede Debatte. Gewöhnlich delegiert er diese Aufgabe an andere Abgeordnete. Während einer Debatte hat der Vorsitzende umfangreiche Befugnisse. So kann er zum Beispiel festlegen, in welcher Reihenfolge Abgeordnete sprechen dürfen. Beschlüsse und Anträge können nur eingebracht werden, wenn der Sprecher sie anerkennt. Außerdem interpretiert der Sprecher die Geschäftsordnung eigenständig, kann aber vom Plenum überstimmt werden.

In den USA formierte sich schon in der Frühzeit ein Zweiparteiensystem, das seit Mitte des 19. Jahrhunderts von der Demokratischen Partei und der Republikanischen Partei dominiert wird. Die Strukturen des Repräsentantenhauses sind auf diese Konstellation zugeschnitten.

Beide Parteien bestimmen Fraktionsvorsitzende, die entsprechend als Mehrheits- und Minderheitsführer (Majority Leader und Minority Leader) bekannt sind. Der Mehrheitsführer ist dabei aber auch innerhalb seiner Partei klarer Zweiter hinter dem Speaker of the House, während der Minderheitsführer die Geschäfte seiner Fraktion leitet.

Außerdem wählen beide Parteien einen Whip, der die Fraktionsdisziplin sicherstellen soll. Dem Whip stehen mehrere Assistenten zur Seite. Weitere Posten in der Fraktionsführung sind in der Reihenfolge ihrer Bedeutung bei den Demokraten der Democratic Caucus Chairman, der Democratic Caucus Vice Chairman, der Assistant to the House Minority (Majority) Leader und der Democratic Campaign Committee Chairman, bei den Republikanern der Republican Conference Chair, der Republican Conference Vice-Chair, der Republican Conference Secretary, der Republican Policy Committee Chairman und der Republican Campaign Committee Chairman.

Abgeordnete sind aufgrund ihrer großen Zahl und ihrer kurzen Amtszeit oft bedeutend stärker von ihrer Partei abhängig als Senatoren. Im Allgemeinen wird die Atmosphäre im Repräsentantenhaus als bedeutend parteigebundener angesehen.

Der größte Teil der Arbeit des Repräsentantenhauses geht in den Ausschüssen und Unterausschüssen vor sich. Dazu gehört vor allem die inhaltliche Auseinandersetzung mit Gesetzesentwürfen ebenso wie die Detailaufsicht über Regierung und Bundesbehörden. Unterausschüsse sind jeweils einem bestimmten Ausschuss zugeordnet.

Die Sitzverteilung in den Ausschüssen richtet sich nach der Stärke der Parteien im ganzen Haus. Ausschussmitglieder werden formell vom ganzen Repräsentantenhaus ernannt, faktisch aber bestimmt jede Partei ihre einzelnen Mitglieder. Die Fraktionen richten sich dabei nach den Vorlieben der Mitglieder, wobei Abgeordnete mit größerer Seniorität generell Vorrang genießen.

Ausschussvorsitzende werden stets von der Mehrheitspartei gestellt, die Minderheitenpartei stellt das Ranking Minority Member, das nach dem Vorsitzenden die größten Befugnisse im Ausschuss hat. Der Ausschussvorsitzende legt die Tagesordnung fest und kann verhindern, dass bestimmte Gesetzentwürfe auch nur zur Debatte gestellt werden. Nutzten die Vorsitzenden diese Rechte in der Vergangenheit oft intensiv, sind sie generell in den letzten Jahrzehnten damit zurückhaltender geworden.

Bis 1975 wurde der Posten eines Ausschussvorsitzenden ausschließlich aufgrund der größten Seniorität vergeben, erst ab 1975 kann die Mehrheitspartei ihn bestimmen, was der Fraktionsführung einen erheblichen Machtgewinn brachte. Der Zweck dieser Reformen war es, den mächtigen Einfluss erfahrener Mitglieder zu umgehen. 1995 begrenzten die Republikaner unter Newt Gingrich die Amtszeit eines Ausschussvorsitzenden auf drei Zwei-Jahres-Perioden in Folge und weiteten auch so die Macht der House- und Parteiführung gegenüber den einzelnen Ausschussvorsitzenden aus.

Der „Ausschuss des Ganzen“ (Committee of the Whole) nimmt eine Sonderstellung ein. Es besteht aus allen Mitgliedern des Repräsentantenhauses und tagt im Plenarsaal. Im Gegensatz zum Plenum kann er nicht endgültig über Gesetze beschließen und stellt weniger anspruchsvolle Bedingungen an die Beschlussfähigkeit des Gremiums, ebenso wie die Debatten in der Praxis oft weniger strikt an Regeln gebunden sind als im Plenum. Normalerweise wird er eingesetzt, wenn ein wichtiges Gesetz vor dem ganzen Repräsentantenhaus besprochen werden soll, ohne dass es schon soweit wäre, darüber eine bindende Abstimmung zu führen. Da der Delegierte aus Washington, D. C. im Ausschuss im Gegensatz zum Plenum Stimmrecht hat und die Stadt seit Jahrzehnten zuverlässig demokratisch wählt, tagt das Committee of the Whole öfter, wenn die Demokraten eine Mehrheit haben und das Committee einberufen können.

Den größten Teil der Arbeit im Repräsentantenhaus leisten die ständigen Ausschüsse. Jeder ist für ein bestimmtes Politikfeld zuständig. Sie haben umfassende legislative Befugnisse: Die Ausschüsse debattieren jedes Gesetz, das in ihre Zuständigkeit fällt, können es ändern oder es ganz ablehnen, so dass es nie zur Abstimmung im Plenum kommt. Sie kontrollieren Ministerien und Bundesbehörden, die in ihren Aufgabenbereich fallen und haben das Recht in diesem Rahmen auch Zeugen zu befragen oder Beweise zu sammeln, die sich mit eventuellem Fehlverhalten der Behörden auseinandersetzen.

Das House kann nichtständige Ausschüsse einberufen, um auf besondere Ereignisse zu reagieren. Diese können ähnlich wie die ständigen Ausschüsse funktionieren, oder wie im Fall des Katrina-Ausschuss einem Untersuchungsausschuss im deutschen Bundestag ähneln. Auch kann sich ein ursprünglich nichtständiger Ausschuss als ständiger etablieren wie dies 1945 mit dem Komitee für unamerikanische Aktivitäten geschah, das sich bis 1975 halten konnte.

Gemeinsame Ausschüsse mit dem Senat (Joint Committees) haben im Gegensatz zu anderen Ausschüssen nicht das Recht, Gesetzesvorlagen zu behandeln. Teilweise dienen sie der Aufsicht über bestimmte staatliche Organisationen wie die Library of Congress oder nehmen eine beratende Funktion ein wie der gemeinsame Steuer-Ausschuss (Joint Committee on Taxation). Der Vorsitz wechselt turnusgemäß zwischen dem dienstältesten Senatoren und Mitglied des Repräsentantenhauses der Mehrheitspartei, während die Seniorität des Ranking Members nach der Gesamtzeit in beiden Kammern des Kongresses berechnet wird.

Die Arbeitsweisen im Repräsentantenhaus basieren auf der Geschäftsordnung, den Rules of the House, auf Jefferson’s Manual, einem Handbuch, das Thomas Jefferson 1801 als Ergänzung der Regeln schrieb, und auf Traditionen, Präzedenzfällen und formlosen Konventionen. In vielen Fällen hebt das Plenum striktere Regeln mittels einstimmigen Beschluss auf. Jeder Abgeordnete kann solche Abweichungen verhindern, was aber nur selten vorkommt. Der Vorsitzende ist für das Befolgen der Geschäftsordnung verantwortlich und warnt Abgeordnete, die sich nicht daran halten.

Die Verfassung bestimmt, dass das Repräsentantenhaus beschlussfähig ist, wenn mindestens die Hälfte seiner Mitglieder anwesend ist. Die Beschlussfähigkeit wird angenommen, bis ein Abgeordneter verlangt, dass sie überprüft wird. Obwohl selten die erforderlichen Mehrheiten für Debatten anwesend ist, wird die Beschlussfähigkeit nur selten geprüft.

Abgeordnete dürfen in Debatten nur mit Zustimmung des Sprechers teilnehmen. Der Sprecher hat das Recht zu bestimmen, wer wann teilnehmen darf. Vorträge müssen an den Sprecher gerichtet werden und dürfen sich nach dem Protokoll nicht an andere Mitglieder richten. Wenn Abgeordnete sprechen, bezeichnen sie andere Abgeordnete nicht beim Namen sondern beim Sitz, z. B. „der Verehrte Herr aus Virginia“ oder „die Verehrte Dame aus Massachusetts“.

Bevor ein Gesetzesentwurf vor das Plenum kommt, legt der Geschäftsordnungsausschuss das Verfahren fest, nach dem der Entwurf diskutiert werden muss. Zum Beispiel kann der Ausschuss die Art und Anzahl der Änderungsvorschläge begrenzen. Debatten sind gewöhnlich auf eine Stunde begrenzt, die Hälfte der Zeit ist für die Mehrheitspartei reserviert und die andere Hälfte für die Minderheitspartei. Diese Zeitbegrenzung wird von beiden Parteien auf bestimmte Abgeordnete aufgeteilt, um die Debatte effektiv zu strukturieren. In einigen Fällen kann das dazu führen, dass einige Mitglieder nur eine Minute oder weniger zum sprechen bekommen.

Debatten sind generell öffentlich. Sie finden gewöhnlich nur an Werktagen statt und der Fernsehsender C-SPAN überträgt sie live. Für den Fall, dass das Haus mit sensiblen Themen oder der Sicherheit der USA befasst ist, kann das Repräsentantenhaus eine geschlossene Sitzung abhalten. In der gesamten Geschichte des Gremiums kam dies jedoch erst fünfmal vor.

Sobald die Debatte beendet ist, bittet der Vorsitzende um eine Abstimmung. In den meisten Fällen stimmt das Plenum mit Stimme ab. Das heißt, der Vorsitzende stellt den Beschluss zur Abstimmung, alle Abgeordneten, die zustimmen wollen, sagen „Aye“ und danach sagen alle Abgeordneten, die dagegen stimmen wollen, „Nay“. Das Ergebnis der Abstimmung hängt davon ab, welche Seite in den Ohren des Vorsitzenden stärker klang. Sollte das Abstimmungsergebnis strittig sein, können ein Fünftel der Abgeordnete die Abstimmung anzweifeln und eine gezählte Abstimmung verlangen; auch wenn ein Veto des Präsidenten überstimmt werden soll, muss eine gezählte Abstimmung stattfinden. In der gezählten Abstimmung liest ein Angestellter die Liste der Abgeordneten und fragt jeden einzeln nach seiner Position. Das Ergebnis wird hier für jedes Mitglied im Archiv festgehalten.

Neben der Abstimmung mit Stimme werden zunehmend auch technische Lösungen verwendet. Dazu benutzen die Abgeordneten ihre elektronische Wahlkarte und geben ihr Votum an einer der 44 Wahlurnen bekannt. Abstimmungen dauern gewöhnlich um die 15 Minuten, die gezählte Abstimmung kann aber Stunden dauern, wenn alle Abgeordneten anwesend sind. Gelegentlich wird die Abstimmungsdauer erweitert, um die Zeit zu nutzen, Abgeordnete in ihrer Position zu beeinflussen. So dauerte die Abstimmung zur neuen Medikamentenversicherung 2003 drei Stunden.

Der Vorsitzende kann, wie jedes andere Mitglied, auch abstimmen. Sollte ein Patt entstehen gilt die Vorlage als gescheitert.

Das 111. Repräsentantenhaus trat nach den Wahlen am 4. November 2008 zum ersten Mal am 6. Januar 2009 zusammen und tagt bis zum 3. Januar 2011. Bei den Wahlen verloren die bereits in der Minderheit befindlichen Republikaner weitere Sitze im Repräsentantenhaus von zuvor 198:235 Sitzen (110. Repräsentantenhaus). Die Demokraten konnten die Mehrheit im Repräsentantenhaus (und auch im Kongress) ausbauen. Ihnen werden nun 256 Sitze (+21) im Repräsentantenhaus zugeteilt, den Republikanern nur noch 178 (-20). Andere konnten keinen Sitz erringen.

Siehe auch: Liste der Mitglieder im 111. Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten und 111. Kongress der Vereinigten Staaten.

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Barack Hussein Obama II

Barack Obama (2009)

Barack Hussein Obama II (* 4. August 1961 in Honolulu, Hawaii) ist seit dem 20. Januar 2009 der 44. Präsident der Vereinigten Staaten. Der Jurist und Politiker der Demokratischen Partei ist amerikanisch-kenianischer Abstammung und damit der erste Afroamerikaner in diesem Amt.

Von 2005 bis 2008 war Obama der dienstjüngere der beiden US-Senatoren (Junior Senator) für den Bundesstaat Illinois.

Obamas Vater, Barack Hussein Obama Senior (1936–1982), stammte aus Alego in Kenia und gehörte zum Luo-Volk. Obamas Mutter, Stanley Ann Dunham (1942–1995), war eine weiße US-Amerikanerin aus Wichita im Bundesstaat Kansas. Die Eltern lernten sich als Studenten an der Universität von Manoa, Hawaii kennen. Sie heirateten 1961 in Hawaii, als in anderen Teilen der USA Ehen zwischen Schwarzen und Weißen noch verboten waren.

1964 ließen sie sich scheiden. Der Vater setzte sein Studium an der Harvard University fort. Obama sah ihn als Zehnjähriger zum letzten Mal. Er hat väterlicherseits drei ältere und drei jüngere Halbbrüder sowie eine Halbschwester namens Auma, die in Heidelberg studiert hat.

Die Mutter heiratete einen Indonesier und späteren Ölmanager und zog mit ihm und ihrem Sohn Barack 1967 nach Jakarta. Sie gebar dort Obamas jüngere Halbschwester Maya.

Von 1967 bis 1970 besuchte Obama in Jakarta die von Kapuzinern geführte St. Francis of Assisi Elementary School, 1970/71 eine staatliche, multireligiöse Schule. 1971 kehrte er nach Hawaii zurück, wo ihn die Eltern seiner Mutter, Madelyn (1922–2008) und Stanley Dunham (1918–1992), aufzogen. Sie schulten ihn in die fünfte Klasse der renommierten privaten Punahou School ein. Diese Schule schloss er 1979 mit Auszeichnung ab.

Obama studierte ab 1979 für zwei Jahre am Occidental College in Los Angeles und weitere zwei Jahre an der Columbia University in New York City. Nach seinem Bachelor-Abschluss 1983 in Politikwissenschaften (Schwerpunkt Internationale Beziehungen) arbeitete er ein Jahr lang für das Wirtschaftsberatungsunternehmen Business International Corporation in New York. 1985 zog er nach Chicago und arbeitete dort für eine gemeinnützige Organisation, die Kirchengemeinden beim Arbeitstraining für Einwohner armer Stadtviertel half. Danach studierte Obama drei Jahre Rechtswissenschaft an der Harvard Law School. Als erster Afroamerikaner wurde er dort zum Präsidenten der Fachzeitschrift Harvard Law Review gewählt. 1991 machte Obama seinen J.D.-Abschluss mit der Gesamtbewertung magna cum laude.

1992 kehrte er nach Chicago zurück, arbeitete ab 1993 in der auf Bürgerrechte spezialisierten Anwaltssozietät Miner, Barnhill and Galland und lehrte bis 2004 Verfassungsrecht an der University of Chicago.

1992 wurde Obama erstmals politisch aktiv: Mit einer Kampagne zur Wählerregistrierung von afroamerikanischen Bürgern Chicagos mobilisierte er mehr als 150.000 Menschen zur Wahl Bill Clintons zum US-Präsidenten.

1996 wurde Obama in den Senat von Illinois als Vertreter des 13. Bezirks (was südliche Teile der Stadt Chicago umfasst, rund um den Stadtviertel Hyde Park) gewählt. Im Senat übernahm er den Vorsitz im Ausschuss für öffentliches Gesundheitswesen und Wohlfahrt. Er verfasste eine Gesetzesinitiative mit, die Hilfen für arme Arbeiterfamilien vorsah und arbeitete an einer Vorlage zur Unterstützung von Menschen ohne Krankenversicherung. Zudem half er Organisationen, die sich für Schwule und Lesben einsetzen, und setzte eine Erhöhung der Mittel zur Aids-Prävention und -Behandlung durch.

1998 – gegen den Republikaner Yesse Yehudah – und 2002 – diesmal ohne Gegenkandidaten – wurde Obama in den Senat von Illinois wiedergewählt. Auf seine Gesetzesinitiativen hin muss die Polizei in Illinois Vernehmungen für Anklagen auf Todesstrafe auf Video aufzeichnen. Krankenversicherungen müssen Kosten für regelmäßige vorbeugende Mammografien übernehmen. Außerdem wurden Waffenkontrollen verschärft. Für diese und andere Vorhaben konnte Obama Koalitionen mit politischen Gegnern bilden. Dafür fand er Zustimmung auch bei Gegnern seiner Initiativen wie der Polizeigewerkschaft Fraternal Order of Police.

2000 unterlag Obama bei den Vorwahlen der Demokratischen Partei im Ersten Kongressdistrikt für das Repräsentantenhaus gegen den langjährigen Mandatsinhaber Bobby L. Rush.

2004 bewarb sich Obama für die Demokratische Partei um einen Sitz im US-Senat und gewann bei den Vorwahlen im März überraschend 52 Prozent der Stimmen. Die New York Times sprach von einem „aufgehenden Stern“ bei den Demokraten. Die von Medienberater David Axelrod entworfene Kampagne stellte Obama in die Tradition des ersten afroamerikanischen Bürgermeisters Chicagos, Harold Washington, und des US-Senators Paul M. Simon, der kurz vor seinem Tod einen Wahlwerbespot für Obama aufnahm.

In den Hauptwahlen trat Jack Ryan, der anfängliche Gegenkandidat der Republikaner, am 25. Juni 2004 zurück, nachdem seine Scheidungsunterlagen und ein Auftrag zur Überwachung Obamas öffentlich bekannt geworden waren. Der am 8. August 2004 nominierte zweite Gegenkandidat, der konservative Alan Keyes aus Maryland, mietete nun erst einen Wohnsitz in Illinois und führte einen stark polarisierenden Wahlkampf: Er verglich Obamas Wähler mit denen der NSDAP, nannte Homosexuelle „selbstsüchtige Hedonisten“, bezeichnete Obamas Meinung zu Abtreibungen vergewaltigter Frauen als „Position der Sklavenhalter“ und erklärte, Jesus würde Obama nicht wählen.

Obamas Vorsprung erlaubte ihm, demokratische Kandidaten anderer Bundesstaaten mit Auftritten und Spenden zu unterstützen. So half er etwa Melissa Bean, ihren Wahlkreis erstmals seit 1935 für die Demokraten zu erobern. Er gewann die Wahl mit 70 zu 27 Prozent, dem besten Ergebnis eines Neubewerbers für das Senatorenamt.

Obamas Rede löste Begeisterung aus, machte ihn in den ganzen USA bekannt, verschaffte ihm viel Sympathie in den Medien und Zustimmung bei den US-Bürgern. Er galt fortan als der erfolgreichste politische Aufsteiger der Demokraten und möglicher künftiger Bewerber um das Präsidentenamt.

Ab dem 4. Januar 2005 vertrat Obama neben dem dienstälteren Dick Durbin den Bundesstaat Illinois im US-Senat. In seiner Einarbeitungsphase verzichtete er auf öffentlichkeitswirksame Aktionen. Seine Mitwahl von Condoleezza Rice als Außenministerin der USA stieß auf Kritik der Parteilinken. Im März 2005 – relativ früh – kündigte er die Gründung eines eigenen Political Action Committees an.

2005 und 2006 initiierte Obama 152 Gesetzesentwürfe und Senatsbeschlüsse und unterstützte weitere 427. Seine erste an der Southern Illinois University Edwardsville angekündete Gesetzesinitiative vom März 2005 sollte den Maximalbetrag der Pell Grants anheben und so Collegestudenten helfen, ihre Collegegebühren zu zahlen. Der Entwurf gelangte aber im Senat nie zur Abstimmung.

Obama war Mitglied folgender Senatsausschüsse: Außenpolitische Beziehungen, Gesundheit, Bildung, Arbeit und Renten, Heimatschutz und staatliche Angelegenheiten und Angelegenheiten der Veteranen. Am 30. Januar 2007 legte er einen Plan zum etappenweisen Rückzug von US-Truppen aus dem Irak bis zum 31. März 2008 vor.

Wie drei Tage zuvor angekündet, trat Obama am 16. November 2008, zwölf Tage nach seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl, als Senator von Illinois zurück. Der unter Korruptionsverdacht stehende Gouverneur von Illinois, Rod Blagojevich, bestellte Roland Burris zu seinem Nachfolger.

Im August 2005 besuchten Obama und Richard Lugar, der Vorsitzende des Senatsausschusses für Auslandsbeziehungen, Russland, die Ukraine und Aserbaidschan. Hauptanliegen der Reise war, die Kontrollmöglichkeiten von Massenvernichtungswaffen aller Art zu verbessern. Dazu besuchten sie in Saratow eine vom Nunn-Lugar-Programm unterstützte Einrichtung zur Vernichtung nuklearer Sprengköpfe. In der Ukraine besichtigten sie eine Einrichtung zur Vorbeugung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten und waren beim Abschluss eines Vertrages der Ukraine mit den USA dabei, der der Feststellung von Bioterrorismus, also der Unterscheidung von natürlichen oder künstlichen Krankheitserregern und Gefechtsrisiken beim Ausbruch infektiöser Krankheiten dient.

Im Januar 2006 besuchte Obama mit einer Delegation des US- Kongresses verschiedene Staaten im Nahen Osten. In Kuwait und im Irak besuchte er die dortigen US-Truppen und merkte öffentlich an, der Konflikt dort sei nicht militärisch lösbar. In Israel traf er Außenminister Silwan Schalom, in den palästinensischen Autonomiegebieten Mahmud Abbas. Dabei unterstrich er, die USA seien nicht bereit, die Beteiligung der Hamas an der Palästinenserregierung zu akzeptieren, solange diese Israels Vernichtung anstrebe.

Im August 2006 reiste Obama mit seiner Familie nach Südafrika und Kenia mit Zwischenstopps in Äthiopien und im Tschad. In Kenia besuchte er den Geburtsort seines Vaters und wurde von der dortigen Bevölkerung überwiegend enthusiastisch aufgenommen. Um mehr Kenianer von einem HIV-Test zu überzeugen, ließ sich das Ehepaar Obama in einer kenianischen Klinik öffentlich auf HIV testen. Obamas Rede vor Studenten der Universität von Nairobi wurde landesweit im Fernsehen ausgestrahlt. Er kritisierte darin die Korruption und den Einfluss ethnischer Rivalitäten auf die kenianische Politik.

Im Juli 2008 besuchte Obama als voraussichtlicher Präsidentschaftskandidat der Demokraten, begleitet von den Senatoren Jack Reed und Chuck Hagel, zunächst die US-Truppen in Afghanistan und im Irak, führte dann Gespräche mit Politikern in Israel und den Palästinensergebieten und reiste schließlich nach Deutschland, Frankreich und Großbritannien. In Berlin hielt er nach Treffen mit Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier und Klaus Wowereit am 24. Juli vor etwa 200.000 Zuschauern die zentrale Rede des Europabesuchs, die weltweit direkt übertragen wurde.

Am 5. April 2009 ist ein EU-USA-Gipfel in Tschechien geplant. Voraussichtliche Hauptthemen sind die Wirtschaftskrise und der Nahostkonflikt.

Am 10. Februar 2007 verkündete Obama vor 18.000 Zuhörern in Springfield seine Präsidentschaftskandidatur. Am selben Ort hatte 149 Jahre zuvor der spätere Präsident Abraham Lincoln zur Abschaffung der Sklaverei aufgerufen. Im Laufe seiner Kampagne betonte Obama Themen wie ein schnelles Ende des Irak-Kriegs, größere Unabhängigkeit in Energiefragen und eine allgemeine Krankenversicherung.

Sowohl während den Vorwahlen als auch während den landesweiten Wahlen stellte Obamas Kampagne zahlreiche Spendenrekorde auf, vor allem mit der Zahl der Kleinspenden. Obama konnte Clinton im Jahr 2007 mit Spendeneinnahmen für die Vorwahlen übertreffen, insgesamt nahm Obama in einem Jahr 101.524.154 Dollar ein. Nach den Siegen in Iowa und South Carolina erhielt Obama allein im Januar 2008 die Rekordsumme von 32 Millionen US-Dollar Spendengelder. Am 19. Juni 2008 gab Obama bekannt, als erster ernstzunehmender Kandidat die öffentliche Wahlkampffinanzierung abzulehnen und weiterhin auf Spenden zu bauen.

Seit dem 4. Mai 2007 steht Barack Obama unter dem Schutz des Secret Service, so früh wie noch kein anderer Präsidentschaftskandidat vor ihm.

Zu Beginn des Vorwahlkampfes bewarb sich eine große Anzahl Kandidaten für das Amt. Nach den ersten Vorwahlen in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina war dieses Feld auf Obama und Hillary Clinton geschrumpft, welche sich einen harten, langandauernden Kampf lieferten. Obama gewann die Vorwahlen in 29 der 50 Bundesstaaten; in einem weiteren, Texas, wo sowohl nach dem Primary- als auch nach dem Caucus-Verfahren abgestimmt wurde, gewann er in den Caucuses, nachdem er die Primary verloren hatte. Ferner siegte er im District of Columbia, in den Territories Guam und U.S. Virgin Islands, sowie bei den im Ausland lebenden Demokraten. Dass sich seine Hauptkonkurrentin Hillary Clinton dennoch bis zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit ihm lieferte, lag vor allem daran, dass Obama in den meisten bevölkerungsreichen Staaten schwächer abschnitt als Clinton. Am 3. Juni 2008 erreichte Obama die notwendige Zahl von Delegierten, um sich eine Mehrheit für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei zu sichern. Vier Tage später gratulierte ihm Hillary Clinton öffentlich zu seinem Sieg und beendete so ihre Kampagne.

Am 23. August, kurz vor der Democratic National Convention, gab Obama auf seiner Website und durch Textmitteilungen an seine Unterstützer bekannt, dass er Joe Biden, den dienstälteren Bundessenator aus Delaware, als seinen Vizepräsidentschaftskandidaten (running mate) ausgewählt habe.

Barack Obama wurde am 27. August 2008 von den Delegierten der Democratic National Convention in Denver per einfacher Akklamation als Präsidentschaftskandidat nominiert. Einen Tag später nahm er die Nominierung mit einer Rede vor 80.000 Zuhörern des Parteitags und vor 37,5 Millionen Fernsehzuschauern an.

Am nationalen Wahltag, dem 4. November 2008, errangen Obama und Joe Biden eine Mehrheit von 365 Wahlmännern des Wahlmännerkollegiums und 53 Prozent aller abgegebenen Wählerstimmen gegenüber 173 Wahlmännern und 46 Prozent für die republikanischen Kandidaten, John McCain und Sarah Palin. Parallel dazu vergrößerten die Demokraten ihre Mehrheit im Senat um mindestens sieben auf 58 Sitze gegenüber 41 Sitzen für die Republikaner, im Repräsentantenhaus um 21 Sitze auf 257 gegenüber 178 Sitzen.

Das Ergebnis entsprach den meisten nationalen Umfragen, die seit den ersten Bankenzusammenbrüchen aufgrund der Finanzkrise kontinuierlich einen Vorsprung von durchschnittlich 7,6 Prozent für Obama vorausgesagt hatten. Dieser gewann in allen Bundesstaaten, deren Wahlmänner bereits John Kerry 2004 gewonnen hatte, und dazu in etlichen Staaten, die damals für George W. Bush votiert hatten: darunter Virginia, North Carolina und Indiana, wo zuvor jahrzehntelang republikanische Kandidaten gewählt worden waren, sowie in den wichtigen Swing States New Mexico, Ohio und Florida. Zudem gewann Obama die Wahl im Second Congressional District von Nebraska, einem der beiden Bundesstaaten, die derzeit einen Teil ihrer Wahlmänner auf die einzelnen Kongressdistrikte verteilen. Eine solche sogenannte split vote hatte es zuletzt bei der Präsidentschaftswahl 1892 in Michigan gegeben.

Am 15. Dezember kamen die 538 Wahlmänner in den Hauptstädten der jeweiligen Bundesstaaten sowie in Washington D. C. zusammen, um den Präsidenten zu wählen. Obama konnte 365 Wahlmännerstimmen auf sich vereinigen und war so gemäß dem 20. Verfassungszusatz zum Präsidenten gewählt. Die offizielle Feststellung des Ergebnisses erfolgte am 8. Januar 2009 im Rahmen der ersten Sitzung des 111. Kongresses.

Immer wieder kamen über das Internet Gerüchte zu Obamas religiösem Hintergrund auf. So wurden dem US-Magazin Insight von anonymer Quelle Informationen zugespielt, nach denen Obama angeblich eine strikt muslimische Schule, eine sogenannte Madrasa, besucht hatte. Andere Medien griffen diese Meldung auf, bis der Vizedirektor der besagten Schule in einem Interview mit dem Sender CNN klarstellte: „Wir sind eine öffentliche Schule, wir konzentrieren uns nicht auf Religion“. Ende Februar 2008 kursierte ein Foto im Internet, das Obama bei einem Besuch in Kenia mit einem Turban zeigt.

Am 13. März 2008 veröffentlichte ABC Passagen aus Predigten des Pastors Jeremiah Wright, der Michelle und Barack Obama getraut und ihre Kinder getauft hatte. Mit Bezug auf prophetische Bibeltexte und die Lage für Afroamerikaner in US-Gefängnissen äußerte er: Nein, nein, nein, nicht Gott segne Amerika! Gott verdamme Amerika…. Diese Aussagen wurden in vielen Medien veröffentlicht und von Kommentatoren als rassistisch und antiamerikanisch eingestuft. In einer Rede am 18. März 2008 bezog Obama Stellung zum Problem des Rassismus in den USA. Er sprach von der „nie ausgeräumten Rassenfrage“, die ihren Ursprung in der Sklaverei, „der Erbsünde der Nation“, habe. Die Rede löste eine Debatte über die Rassenproblematik in den USA aus. Als Wright später in einem Fernseh-Interview, vor allem aber in Reden bei einer Veranstaltung der National Association for the Advancement of Colored People und vor dem National Press Club ähnliche Aussagen wiederholte und verschärfte, distanzierte sich Obama persönlich und in seinen politischen Ansichten als Präsidentschaftskandidat in einer Pressekonferenz Ende April 2008 endgültig von Wright. Als Folge traten er und seine Frau Ende Mai 2008 aus der Trinity Church in Chicago aus.

Kritisiert wurde im Vorwahlkampf Obamas geschäftliche Beziehung zu Tony Rezko, einem Unternehmer, der seit Oktober 2006 wegen Überweisungsbetrug, Bestechung, Geldwäsche und versuchter Erpressung in Chicago vor Gericht stand. Rezko hatte Obama, für den er sich – wie für viele andere Politiker aus Illinois – als Fundraiser betätigte, zu vergünstigten Bedingungen beim Kauf seines Hauses verholfen. Illegale Handlungen mit Rezko konnten Obama aber nicht nachgewiesen werden.

Obamas Präsidentschaftskampagne wurde auch als erste Internet-Kampagne bezeichnet und in den amerikanischen Medien war von einer Transformation des traditionellen Wahlkampfes die Rede. Ein großer Teil der Spendeneinnahmen der Kampagne wurde über das Internet erzielt. Ebenso erhielten Obamas Anhänger in einem Web-2.0-ähnlichen Bereich der Webseite die Möglichkeit, sich für Treffen zu verabreden sowie alles zu kommentieren, Fragen zu stellen und Gruppen zu bilden. Auch Youtube wirkte sich stark auf den Wahlkampf aus. So wurden sowohl die Videos, die den ehemaligen Pastor Obamas zeigen, wie Obamas Rede dazu, millionenfach gesehen.

Am 5. März 2007 veröffentlichte Philip de Vellis, ein ehemaliger Mitarbeiter einer IT-Berater-Firma, die den Webauftritt Obamas gestaltet hatte, auf der Internetseite YouTube einen Spot, der Obamas Kontrahentin um die Präsidentschaft als Big Brother darstellt. Der Kurzfilm, eine Abwandlung eines Apple-Werbespots aus dem Jahr 1984, endete mit der Aufforderung, für Obama zu stimmen. Gleichzeitig wurde die Internetplattform www.barackobama.com eingeblendet. Obama und sein Wahlkampfteam ließen verlauten, sie seien nicht für die Videoausstrahlung verantwortlich; es habe sich um die Aktion eines Sympathisanten ihrer Kampagne gehandelt. Philip de Vellis selbst bestätigte dies und gab an, bei der Firma gekündigt zu haben. Der Kurzfilm, der bereits über fünf Millionen mal angesehen worden war, gilt laut Experten als Beweis für den zunehmenden Einfluss des Internets auf Wahlkämpfe. So wurde im Juni 2007 Amber Lee Ettinger als Obama Girl bekannt, nachdem sie in einem der meistaufgerufenen YouTube-Videos des Jahres zu sehen war.

Um den Gerüchten, die im Wahlkampf immer wieder verbreitet wurden, entgegenzutreten, wurde die offizielle Website Fight the Smears - Learn the Truth About Barack Obama eingesetzt. Auf ihr wurden Gegendarstellungen zu aufkeimenden Gerüchten veröffentlicht und die Anhänger aufgerufen, diese zu verbreiten.

Die Rede, die Obama nach der verlorenen Vorwahl von New Hampshire am 8. Januar hielt, wurde auf Initiative von Black-Eyed-Peas-Sänger will.i.am und unter der Regie von Jesse Dylan zu einem viereinhalbminütigen Musikvideo mit dem Titel Yes We Can im Stile einer Collage verarbeitet, in dem 37 prominente Obama-Unterstützer auftreten, die ausgewählte Textstellen aus dieser im Original 13-minütigen Wahlkampfrede singen bzw. zitieren, wobei jedoch immer die Stimme von Barack Obama im Hintergrund hörbar ist. Das Lied wurde als YouTube-Video am 2. Februar 2008 bekannt und millionenfach angeschaut.

Am 20. Januar 2009, dem Tag seiner Amtseinführung, ließ Obama alle noch nicht in Kraft getretenen Verordnungen seines Vorgängers George W. Bush zur Prüfung aussetzen. Zudem ließ Obama während den ersten Tagen seiner Präsidentschaft die laufenden Militärgerichtsverfahren gegen Insassen des Gefangenenlagers Guantanamo für 120 Tage aussetzen, um sie juristisch überprüfen zu können. Dieser Erlass wird als Beginn der Schließung des Lagers gewertet, die gemäß seinem Wahlversprechen so schnell wie möglich – innerhalb eines Jahres – vollzogen werden soll. Ebenso verfügte er eine Einkommensobergrenze für Regierungsmitglieder und die Veröffentlichung von Regierungsbeschlüssen, die unter Bush geheim gehalten wurden. Des Weiteren hob er jene Verordnung auf, die Finanzhilfen für solche internationalen Organisationen untersagt hatte, die sich nicht strikt gegen Abtreibung stellen und erließ eine Durchführungsverordnung, welche es Kalifornien und weiteren Bundesstaaten erlaubt, strengere Abgasvorschriften einzuführen.

Am 17. Februar unterschrieb Obama in Denver den "American Recovery and Reinvestment Act of 2009", ein 787 Milliarden US-Dollar großes Konjunkturprogramm, welches die Effekte der Finanzkrise abdämpfen und 3,5 Millionen Arbeitsplätze schaffen soll.

10 Tage später verkündete er das Ende aller Kampfmissionen im Irak und den Abzug des Großteils der dort stationierten Truppen innerhalb von 18 Monaten. Während des Wahlkampfes hatte Obama einen "verantwortungsvollen" Abzug innerhalb von 16 Monaten gefordert. Ende 2011 sollen alle amerikanische Truppen bis auf einige wenige zum Schutz der Botschaft und zum Training des irakischen Militärs den Irak verlassen haben.

Damals war diese Ansicht weder in der US-Bevölkerung insgesamt noch in der Demokratischen Partei mehrheitsfähig.

In einer Rede zum Chicago Council on Global Affairs im November 2006 sprach sich Obama für einen „etappenweisen Rückzug der US-Truppen aus dem Irak“ und das Eröffnen eines diplomatischen Dialogs mit Syrien und dem Iran aus. Bei seiner Antrittsrede zur Kandidatur für das Präsidentenamt versprach Obama, die US-Truppen im Verlauf des Jahres 2009 aus dem Irak abzuziehen. Im Lauf der Vorwahlen änderte er diese Position, nachdem die US-Armee unter General David H. Petraeus einige Erfolge bei der Bekämpfung von Terroranschlägen im Irak („surge“) vorweisen konnte. Bei der Annahme seiner Kandidatur beim Parteitag der Demokraten am 28. August 2008 sprach Obama ohne Zeitangabe von einem „verantwortungsvollen Rückzug“.

Das Thema Irak spielte während der demokratischen Vorwahlen eine wichtige Rolle. Als einziger aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat der Demokraten, der von Anfang an gegen die Invasion des Iraks war, konnte er eine deutliche Alternative zur Irakpolitik der Bush-Regierung anbieten, während seine Kontrahentin Hillary Clinton die Finanzierung dieses Krieges im November 2002 im US-Senat mitbewilligt hatte. In den ersten beiden Fernsehdebatten mit Obama versuchte John McCain, jede zeitliche Vorgabe für den Truppenrückzug aus dem Irak als Niederlage der US-Armee und Gefährdung der US-Sicherheit darzustellen.

Iran Im März 2007 unterstrich Obama erstmals, obwohl die USA „keine Option, einschließlich militärischer Handlungen, vom Tisch nehmen“ sollten, seien „anhaltende und energische Diplomatie kombiniert mit harten Sanktionen die primären Mittel“, um den Iran an der Herstellung nuklearer Waffen zu hindern.

Obama schließt direkte Gespräche ohne bestimmte Vorbedingungen mit den Regierungen des Iran und Syriens nicht aus.

Afghanistan und Pakistan Parallel zu seinem Versprechen, die US-Truppen aus dem Irak abzuziehen, tritt Obama für die konsequente und zielgerichtete Fortsetzung des Antiterrorkrieges in Afghanistan ein. Im August 2007 äußerte er dazu, es sei ein „schrecklicher Fehler“ gewesen, nichts gegen ein Treffen von Al-Qaida-Führern im Jahr 2005 unternommen zu haben, das US-Geheimdienste bestätigt hatten. Er würde als Präsident eine solche Möglichkeit auch ohne Zustimmung der pakistanischen Regierung zum direkten Angriff auf die Versammelten nutzen.

Guantanamo Obama setzt sich für die sofortige Schließung des Gefangenenlagers in Guantanamo Bay ein und will den Military Commissions Act aufheben, der Grundrechte wie Habeas Corpus beschneidet und Weiße Folter zulässt. Im Präsidentschaftswahlkampf hob er mehrfach seine Übereinstimmung mit John McCain an diesem Punkt hervor.

Im Dezember 2005 und im April 2006 forderte Obama nachdrücklichere Handlungen, um den Völkermord in Darfur (Sudan) zu bekämpfen. Er desinvestierte 180.000 Dollar seiner privaten Anlagen, die in Verbindung mit dem Sudan gebracht werden konnten und verlangte dasselbe von im Iran tätigen Firmen.

Entwicklungspolitik Obama initiierte den „Global Poverty Act of 2007“. Dieser verlangt nach einer „umfangreichen Strategie, die das US-Politikziel einer Reduktion der weltweiten Armut vorantreibt“. Er unterstützt auch die Millennium Development Goals und versprach während der Präsidentschaftskampange, die jährlichen Entwicklungshilfegelder der USA bis 2012 auf 50 Milliarden US-Dollar zu verdoppeln.

Bündnispolitik Im Juli/August 2007 sprach sich Obama für eine neue Außenpolitik nach dem Irakkrieg sowie eine erneuerte diplomatische und moralische Führungsrolle der USA in der Welt aus. Mit dem Satz „wir können uns weder aus der Welt zurückziehen noch versuchen, sie in die Unterwerfung zu schikanieren“ verlangte er von den US-Amerikanern, dass sie „in der Welt führen sollen, in der Tat und als Vorbild“.

Internationale Abrüstung In seiner Rede am 24. Juli 2008 in Berlin vor etwa 200.000 Zuhörern hob er hervor, das Ziel einer Welt ohne Atomwaffen müsse nun erneuert werden.

Zudem war Obama ein Mitinitiator des „Palestinian Anti-Terrorism Act of 2006“, welcher unter anderem „Mitglieder der internationalen Gemeinschaft“ dazu aufruft, „den Kontakt zu vermeiden und es zu unterlassen, die terroristische Organisation Hamas finanziell zu unterstützen, bis diese zustimmt, Israel anzuerkennen, der Gewalt abzuschwören, abzurüsten und vorherige Abkommen zu akzeptieren, einschließlich der „Roadmap“.

Wirtschaftspolitik Barack Obamas Aussagen über seine zukünftige Wirtschaftspolitik orientieren sich an der Politik des vorsorgenden Sozialstaats und stehen in der Tradition der Rubinomics (benannt nach Robert Rubin) der Clinton-Ära. Ein zentraler Orientierungspunkt ist die Ausgabenkontrolle und ein ausgeglichener Staatshaushalt. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise und der Rezession in den USA zielt Obamas Wirtschaftspolitik auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Mittelschicht und Arbeiterklasse ab. Zur Erreichung dieses Ziels wird dem Staat allerdings nur eine untergeordnete Rolle zugewiesen. Obama ist ein Vertreter des Fiskalkonservatismus und Anhänger des Pay-As-You-Go-Prinzips, auch PAYGO-Prinzip genannt. Die Besserstellung der schrumpfenden Mittelschicht und der überschuldeten Haushalte möchte Obama durch Steuererleichterungen erwirken. Einnahmeneinbußen durch derlei Maßnahmen sollen grundsätzlich durch Sparmaßnahmen in anderen Haushaltsetats gegenfinanziert werden. Zwei „Steuersenkungspakete“ der Bush-Regierung sollen 2011 auslaufen, außerdem soll es Sparmaßnahmen im Bereich der Subventionierung der Ölindustrie und der Raumfahrt geben.

Weiterhin spricht sich Obama für Investitionen in regenerative Energien und die Aus- und Weiterbildung der arbeitenden Bevölkerung, insbesondere die College-Ausbildung, aus. Die mittelfristige Ausdehnung der Haushaltsverschuldung für ein arbeitsmarktpolitisches Konjunkturprogramm lehnt er ab. Sein wichtigster wirtschaftspolitischer Berater im Wahlkampf war Austan Goolsbee. Weitere Berater waren Jeffrey Liebman, Jason Furman, Paul Volcker, Laura Tyson und Robert Rubin. Viele seiner Mitarbeiter sind auch schon während der Clinton-Regierung beratend tätig gewesen und stehen wie Goolsbee teilweise in sehr engem Kontakt zum Democratic Leadership Council. Volcker wurde nach Beginn der Präsidentschaft von Obama zum Vorsitzenden des neu geschaffenen Beratergremiums President's Economic Recovery Advisory Board (PERAB) ernannt, zu dessen Mitgliedern auch Goolsbee und Tyson gehören.

Justiz- und Rechtspolitik Obama befürwortet die Todesstrafe für als besonders verwerflich geltende Verbrechen. In einer öffentlichen Debatte erklärte er, dies erlaube es der Gesellschaft, „das volle Ausmaß ihrer Empörung durch die Verhängung der ultimativen Strafe zum Ausdruck zu bringen.“ In seinem Buch The Audacity of Hope nennt er als Beispiele solcher Straftaten die Vergewaltigung und Ermordung von Kindern sowie Massenmorde. Deshalb kritisierte Obama die Entscheidung des United States Supreme Court zum Fall Kennedy v. Louisiana, welche ein Todesurteil wegen der Vergewaltigung eines Kindes für verfassungswidrig erklärte.

Gleichwohl trägt die Todesstrafe nach Obamas Ansicht nur wenig zur Verhinderung von Verbrechen bei. Viele Todesurteile beruhten auf fragwürdigen Polizeimethoden, rassistischen Vorurteilen und seien Folge der Arbeit schlechter Strafverteidiger. Deshalb wirkte er als Senator in Illinois an einem Gesetz zur Aussetzung von Todesurteilen mit, die ohne überprüfbares rechtsstaatliches Verfahren zustande gekommen waren.

Kulturpolitik In seiner Jugend an Religion desinteressiert, lernte Obama als Sozialarbeiter in Chicago afroamerikanisches Gemeindeleben kennen, wurde daraufhin Christ und gehört seit 1985 der United Church of Christ an. Diese gilt wegen früher Zulassung von Homosexuellen zu kirchlichen Ämtern als besonders liberal.

Obama kommentierte dies als „Jerry-Falwell-Pat-Robertson-Rhetorik“, die progressive Christen oft als unmoralisch und gottlos zugleich etikettiere. Er habe damals auf typisch liberale Weise auf den Meinungspluralismus hingewiesen sowie darauf, dass ein Senator, anders als ein Pastor, alle Bürger repräsentieren müsse. Doch der implizite Vorwurf, er sei kein wahrer Christ, habe ihn nachdenklich gemacht. Er sei sich bewusst geworden, dass seine damalige Antwort die Rolle des Glaubens für seine Wertorientierung nicht vollständig ausgedrückt habe. Dieses Dilemma bestimme die Haltung vieler liberaler Demokraten gegenüber dem Bible Belt in den USA seit über 30 Jahren: Bestenfalls vermieden sie eine Debatte über religiöse Werte aus Angst, jemandem zu nahe zu treten, mit Berufung auf die Verfassungsprinzipien, wonach Religion Privatsache sei. Schlimmstenfalls behandelten sie Religion im öffentlichen Raum als unvermeidlich irrational oder intolerant, stellten religiöse Mitbürger als Fanatiker dar oder setzten Christen mit konservativen Gegnern gleich. Deren Führer nutzten dies aus, indem sie den Evangelikalen ständig weismachten, dass Demokraten ihre Werte missachteten und ihre Kirche ablehnten, wobei sie allen übrigen nahelegten, sich nur für Themen wie Abtreibung, Homo-Ehe, Schulgebet und Intelligent Design zu interessieren.

Anstelle dieser typischen Vermeidungsstrategien solle heute ernsthaft diskutiert werden, wie Glaube und moderne pluralistische Demokratie miteinander zu versöhnen seien. Denn 90 Prozent aller US-Bürger glaubten an Gott, 70 Prozent seien Mitglieder einer religiösen Organisation, 38 Prozent nennen sich engagierte Christen und wesentlich mehr US-Bürger glaubten an Engel als an die Evolution. Dies sei nicht bloß ein Erfolg populärer Fernsehprediger, sondern Ausdruck eines tiefen Bedürfnisses nach Sinn, nach Erlösung aus tiefer Einsamkeit. Er selbst sei ohne Gemeinschaft in seinem sozialen Engagement von Anderen getrennt geblieben, bis er in der schwarzen Kirche eine Hoffnungsquelle entdeckt habe, da dort der Ruf der Bibel, die Hungrigen zu sättigen, die Nackten zu kleiden und die Mächtigen herauszufordern, unmittelbar in den Kampf für sozialen Wandel, für Freiheit und Menschenrechte münde. Auch habe er entdeckt, dass Glaube nicht bedeute, keine Zweifel mehr zu haben. Eben weil er zu dieser Welt gehöre und als Mensch auf Sündenvergebung angewiesen sei, brauche er Christus als Retter und die Kirchengemeinde als Verbündete.

Im Juni 2007 warf Obama der Religiösen Rechten in den USA vor, den Glaube entführt zu haben und zum Spalten auszunutzen.

Für die Fürbitte bei seiner Inauguration wählte Obama den populären evangelikalen Prediger Rick Warren. Dies stieß bei Homosexuellenverbänden in den USA auf scharfe Kritik, da Warren die gesetzliche Gleichstellung der Schwulenehe ablehnt, sie einmal mit einer Ehe zwischen Pädophilen und Kindern verglich und mit einem Verfassungszusatz ausschließen will. Warren hat jedoch auch die Behauptung vieler Christen, Aids sei durch homosexuelle Praktiken entstanden, als Irrtum und Sünde zurückgewiesen. Obama, der seit langem für weitgehende rechtliche Gleichstellung Homosexueller eintritt, erklärte, er stimme mit Warren in vielem nicht überein, was ihn nicht daran hindere, das Gemeinsame zu unterstreichen. Mit seiner Einladung habe er auf Warrens Einladung zu einem Gottesdienst reagiert. Das Schlussgebet der Inaugurationszeremonie sprach der Bürgerrechtler Joseph Lowery, ein Freund Martin Luther Kings. Ferner hat Obama einen „Gebetskreis“ mit Bischof T.D. Jakes, Lowery und Warren gegründet. Dies wird als Zeichen zum Versöhnen gegnerischer christlicher Lager verstanden.

Sozialpolitik Obama befürwortet eine Reform des Gesundheitssystems durch Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung. Er äußerte sich dahingehend, dass bis zum Ende der nächsten Präsidentschaft jeder US-Amerikaner krankenversichert sein sollte. Zunächst haben für Obama aber Kostensenkungen und Versicherungspflicht für Kinder Priorität. Zudem möchte er Kleinunternehmern helfen, ihre Mitarbeiter zu versichern.

Umweltpolitik Obama legte im Präsidentschaftswahlkampf einen Plan vor, der die USA innerhalb von zehn Jahren von Ölimporten unabhängig machen soll.

Dazu sollen 150 Milliarden US-Dollar in energiesparende und umweltfreundliche Technologien investiert werden. Bis 2015 sollen eine Million PKWs mit Wasserstoffantrieb in den USA gebaut werden. Eine Million Gebäude jährlich sollen effizientere Wärmedämmung erhalten. Erneuerbare Energien sollen staatlich gefördert werden und bis 2012 zehn Prozent, bis 2025 ein Viertel des Energiebedarfs der USA decken. Dadurch sollen Millionen neuer und sicherer Arbeitsplätze in den USA entstehen.

Die Umweltverschmutzung durch Treibhausgase soll bis 2050 um 80 Prozent gesenkt werden. Der Schadstoffausstoß von herkömmlichem Benzin soll gesenkt und die Obergrenze national vereinheitlicht werden. Die Leistungseffizienz von Benzin soll gesteigert und sein Preis durch Einsatz von nationalen Ölreserven und Beschneiden von Spekulationsprofiten der Ölfirmen gesenkt werden. Käufer von energiesparenden Fahrzeugen sollen Steuernachlässe von bis zu 7000 US-Dollar erhalten. So sollen die USA bei der Bekämpfung des Klimawandels eine Vorreiterrolle übernehmen.

Zugleich hält Obama an umweltschonender Kohleförderung und Atomkraftwerken in den USA fest. Er will den Bau der Alaska-Pipeline für Erdgas zügig vorantreiben.

Im Dezember 2008 nominierte Obama den Physik-Nobelpreisträger Steven Chu als Energieminister und die ehemalige Leiterin der Umweltschutzbehörde, Carol M. Browner, als Leiterin seines Beraterstabes für Energie und Klima. Da Chu und Browner sich in der Vergangenheit für den Klimaschutz engagiert haben, wurde dies als Zeichen einer Wende in der US-amerikanischen Energiepolitik gewertet.

Mit der Ernennung des Harvard-Physikers John Holdren, eines ausgewiesenen Mahners im Kampf gegen die globale Erwärmung, zum Chef-Wissenschaftsberater seiner Regierung sowie der Ernennung der in Klimafragen kritisch eingestellten Meeresbiologin Jane Lubchenco zur Direktorin der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) hat Obama weitere deutliche Signale sowohl für die Ausrichtung seiner Klimapolitik als auch für deren Wissenschaftsorientierung gesetzt.

Bürgerrechtspolitik Barack Obama hat einen erheblichen Teil seiner juristischen und politischen Tätigkeit mit der Förderung von Bürgerrechten verbracht. Seine Regierung beabsichtigt, ein Urteil des Supreme Court aus jüngerer Zeit mit neuer Gesetzgebung zu begegnen, damit ethnische Minderheiten und Frauen einfacher gegen Diskriminierung bei Fragen der Arbeitslöhne vorgehen können. Er unterstützt auch einen Gesetzentwurf gegen Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität (Employment Non-Discrimination Act). Auch die Stärkung der Gesetze gegen Hassverbrechen sowie zur Sicherung der fairen Durchführung von Wahlen sind Ziele der Obama-Regierung. Obama hat zugesagt, sich für die Abschaffung des Defense of Marriage Act einzusetzen, und die Beendigung der „Don't Ask, Don't Tell“-Politik der US-Streitkräfte einzusetzen.

Am 19. Mai 2008 besuchte Obama als erster Präsidentschaftskandidat ein Indianerreservat. Dort wurde er von einer Crow-Familie adoptiert und erhielt den Ehrennamen Awe Kooda bilaxpak Kuuxshish, einer der Leuten im ganzen Land hilft. In der Crow-Agentur in Montana begleiteten ihn seine Adoptiveltern Sunny und Mary Black Eagle zu seiner Ansprache, die er vor 2000 Zuhörern hielt. Sein Name Barack Black Eagle sei ein guter Name, meinte Obama. Er wisse, was es heiße, ein Außenseiter zu sein, nicht immer mit Respekt behandelt oder ignoriert zu werden, vergessen worden zu sein, wie die Afroamerikaner. Obama versprach regelmäßige Gespräche, und er wolle einen Berater (Advisor) für die Indianerpolitik ernennen.

Im November 2008 benannte Obama indianische Berater für sein Übergangsteam. Mary Smith, Mary McNeil und Yvette Robideaux arbeiten in den Bereichen Recht, Landwirtschaft und Gesundheit, während die drei Rechtsanwälte vom Native American Rights Fund, der 250 der weit über 500 Stämme vertritt, John Echohawk, Keith Harper und Robert Anderson den 44. Präsidenten im Rahmen des Innenministeriums beraten.

Unterstützer und Kritiker haben Obamas populäres Bild mit einem kulturellen Rorschachtest verglichen, einer neutralen Person, auf die sie ihre persönlichen Geschichten und Aspirationen projizieren können. Obamas eigene Geschichten über die Herkunft seiner Familie verstärken, was das Magazin The New Yorker im Mai 2004 in einem Artikel mit Jedermann-Bild beschrieb. In seinem Buch Dreams from My Father verknüpft er seine mütterliche Familiengeschichte mit möglichen indianischen Vorfahren und einer entfernten Verwandtschaft zu Jefferson Davis, dem Präsidenten der Konföderierten Staaten von Amerika während des Sezessionskriegs. Während seiner Kampagne für den US-Senat im Jahre 2004 verband Obama in einer Ansprache an eine ältere jüdische Gemeinde seinen ostafrikanischen Vornamen Barack mit dem hebräischen Wort Baruch, welches gesegnet bedeutet. Eugene Robinson charakterisierte Obama in einer Meinungskolumne als die Personifizierung von both-and (Sowohl-als-auch), als einen Boten, der Entweder-oder ablehnt, und jemanden, der die Nation über die kulturellen Kriege der 1960er Jahre hinausbringen könne.

Obama führte in einer weltweiten Umfrage in allen befragten 22 Ländern gegen seine Rivalen John McCain. Obamas Vorsprung reichte von 9 % in Indien über 58 % in Deutschland zu 82 % in Kenia. Im Durchschnitt entschieden sich 49 % für Obama und nur 12 % für McCain.

Barack Obama ist seit 1992 mit Michelle Obama (* 1964) verheiratet, die wie er an der Harvard Law School studierte und vor dem Umzug nach Washington eine Stellung in der öffentlichen Verwaltung von Chicago inne hatte. Sie lernten sich in der Anwaltskanzlei kennen, in der Michelle nach ihrem Abschluss 1988 arbeitete und dem Praktikanten Barack Obama als Tutorin zugeteilt war. Sie haben zwei Töchter: Malia Ann (* 1998) und Natasha („Sasha“) (* 2001).

Im Oktober 2005 wurde Obama in dem britischen Journal New Statesman als eine von 10 Personen, die die Welt verändern können aufgelistet. Das Time-Magazin zählte ihn 2005 und erneut 2007 zu den einhundert einflussreichsten Personen der Welt und kürte ihn 2008 zur Person des Jahres.

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Sarah Palin

Sarah Palin (2008)

Sarah Louise Heath Palin (* 11. Februar 1964 in Sandpoint, Idaho) ist eine amerikanische Politikerin und Mitglied der Republikanischen Partei. Seit dem 4. Dezember 2006 ist sie Gouverneurin des US-Bundesstaates Alaska und damit erste Frau in diesem Gouverneursamt. Bei den Präsidentschaftswahlen 2008 war sie an der Seite von John McCain republikanische Kandidatin für die Vizepräsidentschaft.

Palins Familie zog 1964 von Idaho nach Skagway, Alaska, da ihre Eltern dort Stellen als Lehrer und Schulsekretärin antraten. 1982 schloss Palin die Wasilla High School ab, wo sie sich als Basketballspielerin den Spitznamen „Sarah Barracuda“ erwarb. 1984 nahm sie an den Miss-Wahlen zur Miss Alaska teil und belegte den dritten Platz.

Palin besuchte von 1982 bis 1987 vier Universitäten bzw. Colleges (Hawaii Pacific College, North Idaho Community College, University of Idaho, Matanuska-Susitna Community College) und erwarb 1987 schließlich an der University of Idaho einen Bachelor of Science in Kommunikation und Journalismus. Sie lebte dann in Skagway, Eagle River, sowie in Wasilla.

Sie heiratete Todd Palin, einen in der Region North Slope tätigen Unternehmer, der viermal den Tesoro Iron Dog gewann – das weltweit längste Schneemobilrennen. Der Ehe entstammen fünf Kinder; das jüngste wurde im Frühjahr 2008 mit Down-Syndrom geboren, das zweitälteste − die 18jährige Tochter Bristol − machte sie am 28. Dezember 2008 zur Großmutter. Sie bezeichnet sich selbst als Hockey mom. Bis 2002 war sie praktizierende Pfingstlerin. Palin lebt mit ihrer Familie in Wasilla, etwa 65 Kilometer nördlich von Anchorage.

Im Jahr 2007 wurde ein Autowaschbetrieb, der ihr und ihrem Mann zu insgesamt 40 Prozent anteilig gehörte, vom Bundesstaat Alaska geschlossen (Bescheid über unfreiwillige Auflösung), nachdem der obligatorische Zweijahres-Geschäftsbericht und die Gebühren dafür vom Bundesstaat Alaska erfolglos angemahnt wurden. Die Gebühren an die Behörden waren mehr als ein Jahr überfällig.

Auf den für 2008 veröffentlichten Ranglisten von Google lag die Wortkombination "Sarah Palin" auf Platz 1 der Seiten mit den größten Steigerungen der Suchbegriffsabfragen. Sie rangierte dabei deutlich vor Barack Obama.

Palin, die seit ihrer Volljährigkeit bei der Republikanischen Partei registriert ist, wurde erstmals 1992 in den Stadtrat ihrer Heimatstadt Wasilla gewählt. 1996 wurde sie Bürgermeisterin der Kleinstadt und hatte das Amt bis 2002 inne. Im Bürgermeisterwahlkampf bezog sie vor allem Positionen gegen Waffenkontrolle und gegen Abtreibung und sicherte sich somit Unterstützung nationaler Lobbygruppen. Diese Themen waren für die sonst nachbarschaftlich geführten lokalen Wahlkämpfe sehr ungewöhnlich.

Als Bürgermeisterin verfolgte sie eine ausgesprochen wirtschaftsfreundliche Politik. So wurden von Unternehmen nur niedrige Steuern erhoben, nur wenig Auflagen bei der Ansiedlung in Wasilla erteilt und es wurde billiges Bauland für Unternehmen zur Verfügung gestellt. Als Folge wurde in den beiden Amtszeiten Palins deutlich mehr Bauland ausgewiesen und es kam zu einer Zunahme der Ansiedlung von Einkaufszentren und größerer Unternehmen. Die Bevölkerungszahl Wasillas stieg um etwa ein Viertel. Allerdings traten damit auch zunehmend Belastungen für die Umwelt auf. So weist der Lucille-See bei Wasilla erhöhte Konzentrationen von Phosphaten auf.

Im Bürgermeisteramt besprach Palin mit der örtlichen Bibliothekarin mehrmals die mögliche Zensur einiger Bücher. Nach Palins Aussage war diese Diskussion jedoch nur rhetorischer Natur. Die spätere Entlassung der Bibliothekarin, die sich gegen eine Zensur gestellt hatte, machte Palin nach Protesten wieder rückgängig.

Palin machte Wahlkampf mit der Kürzung ihres Gehalts als Bürgermeisterin. So kürzte sie ihr Gehalt ab dem 1. Januar 1997 tatsächlich von 64.200 Dollar auf 61.200 Dollar, um es dann zum 6. Januar 1998 auf 68.000 Dollar zu erhöhen. Zu Beginn des Jahres 1999 kam es zu einer erneuten Kürzung auf nun 66.000 Dollar, gefolgt von einer erneuten Erhöhung auf 68.000 Dollar zu Beginn ihrer zweiten Amtszeit.

2002 unterlag sie knapp ihrem Parteikollegen Loren Leman in der Vorwahl der Republikaner zum Vizegouverneur. Von 2003 bis 2004 saß sie im Aufsichtsrat des Kommissariats für die Öl- und Gasvorkommen in Alaska. Von diesem Posten trat sie aus Protest über die Amtsverfehlungen einiger republikanischer Parteigenossen (u. a. Arbeit für die Partei auf Staatskosten und die Weitergabe von vertraulichen Dokumenten der Öl- und Gaskommission an Lobbyisten) zurück.

Im August 2006 gewann sie die Vorwahl der Republikaner zum Amt des Gouverneurs, wobei sie Amtsinhaber Frank Murkowski mit 51 Prozent zu 19 Prozent besiegte (ein dritter Kandidat, John Binkley, erreichte 30 Prozent). Am 7. November 2006 wurde sie mit 48 Prozent, gegenüber ihren Herausforderern Tony Knowles mit 41 Prozent und Andrew Halcro mit 9 Prozent, zum jüngsten und ersten weiblichen Gouverneur Alaskas gewählt und am 4. Dezember 2006 vereidigt. Die Schwerpunkte ihrer politischen Arbeit liegen in der Erschließung der Ressourcen, im Bildungswesen, beim Arbeitsmarkt, im Gesundheitswesen, der öffentlichen Sicherheit sowie bei Transportfragen und der Infrastruktur. Unter ihrer Führung investierte Alaska 5 Milliarden Dollar in staatliche Fonds wie den Alaska Permanent Fund, überarbeite von Grund auf die Finanzierung des Bildungswesens und führte Unterstützungsmaßnahmen für einkommensschwächere Senioren (Senior Benefits Program) ein. Sie schuf auch das Alaska Petroleum Systems Integrity Office zur Überwachung der Versorgung an Öl- und Gasequipments, Anlagen sowie Infrastruktur. Außerdem ließ sie einen Ausschuss zu den Auswirkungen des Klimawandels (Climate Change Subcabinet) einrichten zur Vorbereitung und Umsetzung einer Strategie Alaskas gegen die globale Erwärmung.

Während ihrer Amtszeit wurden Gesetze verabschiedet, die die Planung einer Gaspipeline vorantrieben, die Erdgas aus Alaska durch Kanada in das amerikanische Mutterland transportieren soll. Außerdem wurden die staatlichen Ethikgesetze überarbeitet. Palin hält auch den Vorsitz der Interstate Oil and Gas Compact Commission, einer Behörde, an der die meisten Bundesstaaten beteiligt sind und die die Erhaltung, sowie die umwelt- und gesundheitsschonende Bergung der amerikanischen Öl- und Erdgasvorkommen fördern soll. Sie ist auch stellvertretende Vorsitzende des National Governors Association Natural Resources Committees.

In Alaska liefen Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs gegen sie, weil der von ihr im Juli 2008 entlassene Chef der Polizei des Staates Alaska erklärte, von Palins Umfeld wiederholt unter Druck gesetzt worden zu sein, einen bestimmten Beamten aus dem Dienst zu entfernen. Bei letzterem handelt es sich um den Ex-Mann von Palins Schwester, der mit dieser in einem Scheidungs- und Sorgerechtsstreit steht. Die Entlassungsforderung wurde damit begründet, dass ihm die für einen Polizisten erforderlichen Charaktereigenschaften fehlen würden, denn er habe seinen 11-jährigen Stiefsohn, auf dessen Wunsch hin, mit einer Elektroschockpistole verletzt, widerrechtlich einen Elch gejagt, Bier in einem Polizeiwagen getrunken und Todesdrohungen gegen seinen Schwiegervater ausgestoßen, für den Fall, dass dieser seiner Tochter einen Scheidungsanwalt besorge. Wenige Tage nach Bekanntwerden des Vorwurfs gab das Parlament von Alaska offizielle Ermittlungen zu diesem Fall in Auftrag. Versuche republikanischer Abgeordneter, das Untersuchungsverfahren zu stoppen, wurden am 9. Oktober 2008 durch den Obersten Gerichtshof des Staates Alaska zurückgewiesen. Die Abgeordneten argumentierten, die Untersuchung sei parteipolitisch motiviert. Der Gerichtshof entschied, dass zum einen die Ermittlungen bereits vor der Nominierung zur Vizepräsidentschaft aufgenommen wurden und es zum anderen legitim sei, dass das Parlament Ermittlungen über die Hintergründe der Entlassung eines Landesbeamten anstelle.

Am 11. Oktober 2008 wurde der Bericht des parlamentarischen Ermittlungskomitees veröffentlicht, der feststellte, dass die republikanische Vizepräsidentschaftskandidatin Palin bei der Entlassung des ranghohen Beamten Walt Monegan ihre Macht als Gouverneurin missbraucht habe. Dabei hätten zwar nicht ausschließlich Familienstreitigkeiten eine Rolle gespielt, diese seien aber ein Faktor gewesen. Die Entlassung sei zwar gesetzeskonform gewesen, doch habe sich Palin von dem privaten Streit beeinflussen lassen, was laut Ermittler Stephen Branchflower, einem ehemaligen Staatsanwalt, gegen Alaskas Ethikgrundsatz für Regierungsmitglieder verstoße. An den Bericht des Ausschusses schlossen sich Ermittlungen der Personaldirektion des Staates Alaska an. In Alaska ist diese Verwaltungsbehörde dafür zuständig, über eventuelle Rechtsfolgen für den Gouverneur zu befinden, falls dieser seine Macht missbraucht haben sollte. Am 24. Oktober 2008 sagte das Ehepaar Palin vor der Direktion aus. Unmittelbar vor der Präsidentschaftswahl vom 4. November 2008 veröffentlichte die Personalkommission das Ergebnis ihrer Untersuchungen. Der Personalausschuss stellte fest, dass der Untersuchungsausschuss die Fakten korrekt zusammengestellt habe. Gleichwohl habe nach Auffassung der Personalkommission Palin die Ethikgrundsätze Alaskas nicht verletzt. Der Parlamentsausschuss habe die Grundsätze unzutreffend angewendet. Die Ethikgrundsätze sollten eine persönliche Bereicherung verhindern, diese läge nicht vor.

Darüber hinaus werden nach Recherche der New York Times Vorwürfe erhoben, dass Palin einen Führungsposten im Landwirtschaftsministerium von Alaska an eine Schulfreundin vergeben habe. Als Qualifikation für den mit einem Jahresgehalt von 95.000 US-Dollar überdurchschnittlich gut dotierten Job habe die Schulkameradin Franci Havemeister unter anderem ihre „Liebe zu Kühen als Kind“ angegeben. Ähnliche Vorgänge seien bei vier weiteren Schulfreunden festzustellen gewesen. Zudem sei sie nach Recherchen der New York Times unter Politikern in Alaska im zweiten Jahr ihrer Amtszeit kaum an ihrem Amtssitz anzutreffen gewesen.

Untersuchungen eines Sonderermittlers wegen der möglicherweise rechtswidrigen Mitnahme von ihren Kindern auf Dienstreisen führten im Februar 2009 zu einer Vereinbarung, nach der Palin 7.000 $ an den Staat Alaska zurückzuzahlen habe. Von den untersuchten 72 Reisen wurden neun durch den Ermittler Timothy Petumenos als zweifelhaft eingestuft. Das übrige seien dienstlich bedingte Reisen gewesen. Gleichwohl liege grundsätzlich kein Fehlverhalten Palins vor, Alaska sei nur in den zweifelhaften Fällen nicht verpflichtet, die Mitnahme von Familienmitgliedern zu bezahlen.

Sarah Palin kandidierte im Präsidentschaftswahlkampf 2008 erfolglos an der Seite von John McCain für die Vizepräsidentschaft der Vereinigten Staaten. Sie wäre die erste Frau gewesen, die dieses Amt bekleidet, nicht aber die erste Kandidatin. Bereits 1884 kandidierte Marietta Stow als Vizepräsidentin; 1984 kandidierte mit Geraldine Ferraro als Bewerberin der Demokraten erstmals eine Frau auf der Plattform einer der großen Parteien für die Vizepräsidentschaft. Die Nominierung erfolgte erstmals öffentlich bei einer Wahlkampfveranstaltung in Dayton (Ohio). Palin war nicht McCains erste Wahl, sein Favorit Joe Lieberman war durch den konservativen Flügel der Republikaner blockiert worden. Sie hatte allerdings ihre Nominierung bereits im September 2007 vorbereitet, indem sie einflussreiche konservative Pressevertreter nach Alaska eingeladen und bewirtet hatte. Diese warben für sie als Vizepräsidentschaftskandidatin.

Nach Einschätzung von Analysten sollte die Nominierung Palins einerseits Anhänger der unterlegenen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, vor allem weiße Frauen, in das Lager McCains ziehen, aber auch die religiös orientierte konservative Parteibasis der Republikaner mobilisieren.

Es zeigte sich, dass die evangelikalen Kreise eher gespalten auf die Kandidatur Palins reagierten und ihre Kandidatur unter Frauen eher auf Abneigung stieß. Gemäßigte Republikaner, wie beispielsweise Colin Powell wechselten schließlich wegen der Entscheidung für Palin in das Lager Obamas über, unter neokonservativen Intellektuellen stieß ihre Kandidatur im Laufe des Wahlkampfes zunehmend auf Ablehnung. Auf der anderen Seite sahen konservative Republikaner Palin unabhängig vom Wahlausgang zukünftig in führender Stellung in der Partei. Falls McCain die Wahl verliere wurde teilweise eine Präsidentschaftskandidatur für 2012 ins Auge gefasst. Kurz vor der Wahl ergaben Umfragen der New York Times und des Senders CBS, dass 59 % der Befragten Palin eher ablehnten, da sie zu unerfahren sei.

Wenige Tage nach der Nominierung wurde die Schwangerschaft von Palins 17-jähriger lediger Tochter bekannt. Das wurde in der Öffentlichkeit wegen Palins politischen Positionen zur Sexualkunde thematisiert.

In einer gegen die Kandidaten der Demokraten gerichteten Rede auf dem Nominierungsparteitag begeisterte sie die Anhänger ihrer Partei. Die Rede erhielt in den Vereinigten Staaten mit 37,2 Millionen Zuschauern hohe Einschaltquoten. Der demokratische Vizepräsidentschaftskandidat Joe Biden hatte mit seiner Rede am 27. August 2008 demgegenüber nur 24 Millionen Zuschauer. In der Folge des Parteitages und der Rede Palins zeigten erstmals Umfragen einen Vorsprung McCains vor Obama, was auf die Nominierung Palins zurückgeführt wurde. Erst mit der Verschärfung der Finanzkrise in der Folge des Zusammenbruchs der Bank Lehman Brothers endete der mit Sarah Palins Nominierung entstandene Vorsprung.

Palins Auftreten und Kleidungsstil im Wahlkampf, insbesondere die von ihr getragene Brille, beeinflussten die Mode in den Vereinigten Staaten. Die Kleidung löste allerdings später eine Debatte in den Vereinigten Staaten aus, als bekannt wurde, dass die Republikaner Kleidung, Schminke und ihre Frisur mit 150.000 $ finanziert hatten. Die Imageberaterin hielt das für notwendig, um das Aussehen einer Provinzlerin abzustreifen und stattdessen einen kosmopolitischen Look zur Schau zu stellen. Spender für den Wahlkampf der Republikaner und Anhänger der Partei kritisierten diese Verwendung von Wahlkampfgeldern.

Um die ihr zugeschriebene außenpolitische Unerfahrenheit zu kompensieren, traf sie am 23. September 2008 zunächst den ehemaligen amerikanischen Außenminister Henry Kissinger. Anschließend traf sie sich am selben Tag am Rande der UNO-Vollversammlung mit dem Staatschef Kolumbiens, Álvaro Uribe, dem Staatschef Afghanistans, Hamid Karzai und am 24. September auch den Präsidenten Georgiens, Micheil Saakaschwili, den Präsidenten der Ukraine, Wiktor Juschtschenko, den Präsidenten des Irak, Dschalal Talabani, sowie die Staatschefs Pakistans und Indiens, Asif Ali Zardari und Manmohan Singh. Diese Treffen wurden auch mit Blick auf das Interview vom 11. September organisiert, in dem Sarah Palin einräumte, noch nie persönlich ein ausländisches Staatsoberhaupt getroffen zu haben. Die Treffen sollten zunächst unter Ausschluss der Presse erfolgen. Erst nach erheblichen Protesten, vor allem durch CNN wurde der Presse ein kleiner Einblick gewährt.

Am 11. September 2008 gab Sarah Palin bei ABC ihr erstes selbstständiges Interview seit Beginn der Kandidatur. Ansonsten gab sie seit der Nominierung auf dem Parteitag keine Pressekonferenzen. Kritiker warfen ihr daher vor, Journalisten gezielt zu meiden, um fehlende Kenntnisse in der Außenpolitik zu überdecken. In insgesamt drei Interviews zwischen dem Nominierungsparteitag und dem TV-Duell mit Joe Biden am 2. Oktober 2008 offenbarte sie weitgehende Unkenntnis in wirtschafts- und außenpolitischen Fragen. Sie äußerte außerdem Überzeugungen, die der erklärten Politik McCains zuwiderliefen.

In der Fernsehdebatte mit Joe Biden hatte sie sich laut einer Umfrage nach der Debatte nach der Meinung von 84 % der Zuschauer weniger blamiert, als zuvor zu erwarten gewesen sei. Trotzdem war sie nach der Umfrage nur für 36 % überzeugender als Biden, der von 51 % als Sieger des Duells angesehen wurde. Das Duell wurde nach Untersuchungen von Nielsen Media Research von über 70 Millionen Zuschauern gesehen, während die erste Debatte von Obama und McCain von nur 52 Millionen Zuschauern verfolgt wurde.

Nachdem die Umfragewerte des republikanischen Kandidaten zurückgingen, warf Palin Barack Obama vor, persönliche Kontakte zu Bill Ayers zu haben, einem ehemaligen führenden Mitgliedes der Weathermen, einer terroristischen Gruppe der 1960er bzw. 1970er. Das wird als Teil eines von Palin angestrebten Strategiewechsels im Wahlkampf betrachtet, der darauf abzielt, weniger persönliche Rücksicht zu nehmen. Von demokratischer Seite wurde es als ein Ablenkungsmanöver angesehen. Dieser Strategiewechsel führte allerdings dazu, dass sich die gemäßigten Republikaner mehr in Richtung auf McCains Widersacher Obama orientierten. Palin vertrat im Rahmen der härteren Linie in mehreren Reden die Position, dass Obama zu sozialistischen Experimenten neigen würde und den Anforderungen der Außenpolitik nicht gewachsen sei.

Sarah Palin und John McCain verloren bei den Präsidentschaftswahlen am 4. November 2008 deutlich gegen das Demokraten-Duo Barack Obama und Joe Biden.

Nach dem Wahlkampf erklärte Sarah Palin in einem Interview bei Larry King, dass sie die Wahl Obamas als historischen Moment betrachte, stolz auf ihn sei und für ihn und seine Regierung bete. Sie schloss eine Präsidentschaftskandidatur 2012 nicht aus. Bei der Conservative Political Action Conference wurde Sarah Palin gemeinsam mit Ron Paul mit 13% der abgegebenen Stimmen auf Platz drei der möglichen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner 2012 gewählt. Besser schnitten Mitt Romney (20%) und Bobby Jindal (14%) ab. Ein Meinungsumfrage des Senders CNN ergab demgegenüber Ende Februar 2009, dass 29% der republikanischen Wähler eine Präsidentschaftskandidatur Palins 2012 unterstützen würden. Sie schnitt bei der Umfrage damit am besten ab.

Sarah Palin gilt als gesellschaftspolitisch konservativ. Sie ist Mitglied bei Feminists for Life of America, die sich als strikte Abtreibungsgegner positionieren, auch bei Vergewaltigungsopfern und Inzestschwangerschaften. Das hat sie anlässlich ihrer Wahl zur Gouverneurin betont. Als Mitglied der National Rifle Association ist sie ferner gegen Einschränkungen des privaten Waffenbesitzes, lehnt gleichgeschlechtliche Ehen ab und unterstützte eine Änderung in der Verfassung des Staates Alaska, die eine Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau festschreibt. Sie tritt für die Todesstrafe ein. Zugleich hat sie auch einen Ruf als Reformerin und konsequente Korruptionsbekämpferin, auch wenn dieses Bild im Laufe des Präsidentschaftswahlkampfes zunehmend in Zweifel geriet.

Während der Fernsehdebatte am 2. Oktober 2008 gegen Joe Biden, den Kandidaten für die Vizepräsidentschaft der Demokraten, schlug Sarah Palin eine Ausweitung der Machtbefugnisse des US-Vizepräsidenten vor.

In Bezug auf den Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers am 15. September 2008 im Zuge der Finanzkrise ab 2007 erklärte sie, dass sie der Ansicht sei, das Finanzsystem der Vereinigten Staaten sei überholt und mit dem Missbrauch und Missmanagement an der Wallstreet müsse aufgeräumt werden. Sie griff damit Äußerungen McCains zur Wirtschaftskrise auf, erklärte aber nicht, welche Maßnahmen konkret von ihr befürwortet werden.

Sarah Palin vertritt den Standpunkt, dass Gott Amerika mit einer Vielzahl von Rohstoffen gesegnet habe. Diese seien auszubeuten, damit das Geld für diese Rohstoffe nicht in Länder fließe, die Rohstoffvorräte als Waffen einsetzen würden. Die Energiepolitik der letzten dreißig Jahre sieht sie als verfehlt an. Die Energiepolitik müsse deutlicher mit der nationalen Sicherheit der USA verknüpft werden. Palin kritisiert dabei auch die großen Energiekonzerne, die lediglich die Energiepreise hochtrieben. Bei ihrem Einsatz in der Energiepolitik vertritt sie klimapolitisch die Auffassung, dass die Globale Erwärmung nicht vom Menschen verursacht würde. Sie will aber durch den Bau von Kohlekraftwerken mit geringem Kohlendioxid-Ausstoß (Clean Coal Technology, siehe CO2-Sequestrierung) Arbeitsplätze schaffen. Nach Ansicht von Kritikern dieser Pläne Palins sind derartige Kraftwerke allerdings noch nicht weit genug entwickelt.

Sarah Palin steht laut einem Bericht der Los Angeles Times dem Kreationismus nahe. Sie selbst glaubt dem Bericht zufolge, dass vor 6000 Jahren Menschen und Dinosaurier gemeinsam die Erde bevölkerten. In ihrer Amtszeit als Gouverneurin unternahm sie Versuche, Kreationismus gleichberechtigt mit der Evolutionslehre an Schulen unterrichten zu lassen. Sie sprach sich zwar dafür aus, Intelligent Design neben der Evolutionstheorie zu lehren, meinte jedoch auch, dass Intelligent Design nicht notwendigerweise Teil des Lehrplanes sein müsse. An öffentlichen Schulen befürwortet sie das Lehren von Enthaltsamkeit vor der Ehe, hat jedoch widersprüchliche Aussagen zur Frage gemacht, ob Verhütungsmethoden gelehrt werden sollten.

Im Mai 2008 unterstützte sie eine Kampagne zur Streichung der Eisbären von der Roten Liste gefährdeter Arten mit der Begründung, dass sich deren Bestand in den letzten Jahren erholt habe. Kritiker sehen in diesem Statement jedoch die Angst Palins und anderer Politiker Alaskas, dass der Naturschutz die Öl- und Gasförderung des Bundesstaates behindern könne. Außerdem legalisierte sie das Jagen von Wölfen und Bären in Alaska per Flugzeug.

Sarah Palin gilt als außenpolitisch unerfahren. Im September 2008 erklärte sie, bis dahin lediglich Kanada und Mexiko besucht zu haben und sich ansonsten nur zu Besuchen von Soldaten in Deutschland und Kuwait im Ausland aufgehalten zu haben. Ihren ersten (Reise-)Pass hatte Palin 2007 beantragt.

In einem Interview im August 2008 mutmaßte Sarah Palin, dass der Irakkrieg, in den die USA verwickelt sind, um Energieressourcen geführt werde. Im Juni 2008 bezeichnete sie während eines Gottesdienstes das Ziel des Irakkriegs als von Gott festgesetzt. In ihrem ersten Fernsehinterview nach der Nominierung als Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten mit dem Fernsehsender ABC am 11. September 2008 relativierte sie ihre Aussage: Auf Nachfrage erklärte sie, dass sie sich kein Urteil über den Willen Gottes anmaße. Palin räumte ein, dass bei der Vorbereitung des Krieges im Irak „gepfuscht“ worden sei. Während des Fernsehduells mit dem Vizepräsidentschaftskandidaten der Demokraten Joe Biden erklärte sie, dass Abzugspläne der Demokraten ein Zeigen der weißen Flagge seien.

Palin sprach sich in einem Interview mit dem Sender ABC am 11. September 2008 für den Beitritt Georgiens und der Ukraine zur NATO aus, auch wenn das dazu führen könne, dass die USA im Bündnisfall Russland den Krieg erklären müssten. Palin betont ihre tiefe Verbundenheit mit Israel und setzt auf eine Vertiefung der strategischen Beziehungen zwischen den USA und Israel. Im ABC-Interview vom 11. September 2008 befürwortete sie die Unterstützung eines Militärschlages Israels gegen den Iran, falls Israel einen solchen für seine Sicherheit als notwendig erachte. In einer nicht gehaltenen, aber in der New York Sun veröffentlichten Rede erklärte sie, dass der Präsident des Iran und das iranische Atomprogramm aufgehalten werden müssten.

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Kansas

Karte der USA, Kansas hervorgehoben

Kansas ist ein im Mittleren Westen gelegener Bundesstaat der Vereinigten Staaten. Sein Name leitet sich ab von dem Wort Kansa und bedeutet in der Sprache der Sioux „Volk des Südwinds“. Kansas hat den Beinamen „Sunflower State“ (Sonnenblumenstaat).

Kansas grenzt im Norden an Nebraska, im Westen an Colorado, im Süden an Oklahoma, im Osten an Missouri und nimmt in der Liste der der flächenmäßig größten Bundesstaaten Platz 15 ein. Die Ost-West-Ausdehnung beträgt 640 Kilometer, die Nord-Süd-Ausdehnung 336 Kilometer. Als geographisches Zentrum der 50 zusammenhängenden Bundesstaaten der USA (genau in Osborne County) ist Kansas vom Pazifik wie vom Atlantik gleichermaßen weit entfernt. Die größten Flüsse sind Kansas River, Arkansas River, Republican River, Smoky Hill River und Missouri River, der die Nordostgrenze des Staates darstellt. Die westlichen zwei Drittel von Kansas sind Teil der Central Plains, einer großen Ebene, die meist Präriegebiet ist und einst von großen Büffelherden bewohnt war. Heute werden dort vor allem Rinder gezüchtet und Weizen angebaut. Wegen der mäßigen Niederschlagsmenge wird in der Landwirtschaft in der Regel künstlich bewässert. Das östliche Drittel des Staates ist hügelig, teils bewaldet und hat mehr Niederschlag. Höchster Punkt in Kansas ist der Mount Sunflower im Wallace County (1.231 m). Die Hauptstadt von Kansas ist Topeka, die größte Stadt ist Wichita.

Kansas hat Kontinentalklima mit kalten Wintern, heißen Sommern und wenig Niederschlag. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge beträgt im Osten des Staates mehr als 100 Zentimeter, im Westen allerdings weniger als 50 Zentimeter. Die Temperaturen in Kansas können schnell wechseln, im Westen gibt es im Winter Blizzards, und der Staat ist Teil der Tornado Alley, dem Gebiet der USA, in dem es die meisten Tornados gibt. Kansas ist nach Florida und Oklahoma der Staat mit den meisten Tornados pro Jahr und Fläche, die immer wieder schwere Schäden anrichten und Tote verursachen. Im Jahre 1966 verwüstete ein Tornado der höchsten Stufe F5 auf der Fujita-Skala Teile Topekas und tötete 17 Menschen, ein anderer F5-Tornado tötete 1955 in Udall sogar 83 Menschen. Im Jahre 2007 verwüstete ein F5-Tornado in der Kleinstadt Greensburg (1.500 Einwohner) ca. 95% aller Häuser, aufgrund rechtzeitiger Vorwarnungen gab es allerdings keine Todesopfer.

In Kansas leben 2.764.075 Einwohner (Stand: Census 1. Juli 2006), davon 85,4 % Weiße, 8,6 % Hispanics, 5,6 % Schwarze und Afro-Amerikaner, 2,2 % Asiaten, 0,9 % Indianer. 887.286 Einwohner gaben bei der Volkszählung an, deutschstämmige Vorfahren zu haben. Mit 32 % Anteil an der Gesamtbevölkerung stellen die Deutschstämmigen somit die mit Abstand stärkste Bevölkerungsgruppe des Bundesstaates dar.

Die mitgliederstärksten Religionsgemeinschaften waren im Jahre 2000 die Katholische Kirche mit 405.844, die United Methodist Church mit 206.187 und die Southern Baptist Convention mit 101.696 Anhängern.

Nach der letzten Eiszeit entstanden die heutigen Graslandschaften und die Wälder zogen sich in die Flusstäler zurück. Zwischen 10.000 und 9.000 v. Chr. lassen sich die ersten paläoindianischen Bewohner von Kansas nachweisen. Es war zu dieser Zeit kühler, auch wenn hier keine Gletscher bestanden, und Mammute und Mastodons verschwanden erst um 8000 v. Chr.

Dieser paläoindianischen Periode folgte die Archaische Periode (7000 v. Chr. bis Christi Geburt). Um 5000 v. Chr. war die Erwärmung am stärksten, und die großen Säugetiere verschwanden. Die Bewohner stellten sich auf kleinere Tiere und einen höheren Anteil pflanzlicher Nahrung um. Zugleich wurden die Siedlungen dauerhafter, die lebensweise ortsfester. Die wachsende Bevölkerung bediente sich neuer Mahltechniken und um 3500 v. Chr. entstanden Tonobjekte. Auch der Atlatl, ein Wurfspeer verbreitete sich.

In der Woodland-Periode (bis etwa 1000), die sich anschloss, entwickelten sich weiter wachsende Gesellschaften mit höherer sozialer Differenzierung. Nun entstanden Tonwaren, wie Töpfe und Krüge. Pfeil und Bogen verdrängten den Atlatl. Aus dem Süden wurde vor 1000 n. Chr. Maisanbau übernommen. Besonders prägend wurde der Bau von Mounds, insbesondere im Osten und Norden von Kansas, zur Beisetzung von Angehörigen der Oberschichten. Dabei war vor allem die Hopewell-Kultur entland des Missouri von großem Einfluss.

Zwischen 1000 und 1500 lebten die meisten Bewohner einerseits von der Bisonjagd, andererseits kultivierten sie Mais, Kürbis und Bohnen, sammelten aber auch weiterhin Wildfrüchte und Wurzeln. Der Atlatl war immer weniger in Gebrauch. Die Tonverarbeitung wurde deutlich verbessert. Im Norden verbreiteten sich rechteckige Erdhäuser, während im Süden eher Häuser aus Gras und Lehm vorherrschten. Dabei wurden die Dörfer fast dauerhaft bewohnt, gleichzeitig wuchs die Bevölkerung weiter. Der Handel mit den Pueblo-Völkern im Südwesten nahm stark zu.

Wähend der protohistorischen Periode zwischen 1500 und 1800 erscheinen europäische Artefakte. Die archäologischen Fundstätten können nun mit heutigen Stämmen, wie den Pawnee, Kansa, Wichita und Apachen in Verbindung gebracht werden. Weiterhin lebten die meisten Gruppen von Bisonjagd und Landwirtschaft, einige Gruppen neigten dabei allerdings stärker zum Nomadismus, wie etwa die Apachen im Westen. Die Fundstätte El Cuartelejo geht vermutlich auf flüchtige Pueblo-Indianer zurück, die aus New Mexico stammten. Sie ist die nordöstlichste Fundstätte dieser Kultur. Auch spanische Artefakte, wie Kettenhemden, wurden in Kansas gefunden, wie etwa in den so genannten Wichita grass lodge villages.

Der spanische Konquistador Francisco Vásquez de Coronado erreichte 1541 als erster Europäer die Gegend. Die Europäer führten Pferde ein, was zur Zuwanderung nomadischer Indianer führte (u. a. Kansa, Wichita, Osage, Kiowa, Apachen, Comanche), die alteingesessene Stämme verdrängten.

Französische Entdecker und einige amerikanische Expeditionen besuchten das spätere Kansas, z. B. der französische Missionar Jacques Marquette und der Kartograph Louis Joliet um 1673. Franzosen bauten 1744 einen Handelsposten in Kansas, nahe Forth Leavenworth. 1803 wurde das Gebiet durch den Louisiana Purchase Eigentum der USA und die Lewis-und-Clark-Expedition reiste durch das Gebiet, 1806 auch die Pike-Expedition. Seit dieser Zeit versuchte die US-Regierung, Indianer in Land westlich des Mississippi, also auch nach Kansas umzusiedeln, was manche freiwillig taten, aber besonders ab dem Indian Removal Act von 1830 auch mit Druck und Gewalt durchgesetzt wurde. In dieser Zeit wurden Stämme wie die Kickapoo, Sauk, Fox, Shawnee, Ottawa, Iowa und Peoria nach Kansas verdrängt. Bis 1854 war Kansas nicht zur Besiedlung durch Europäer freigegeben. und einige Reservate existieren noch heute.

Die Zeit bis zur Staatsgründung wurde als Bleeding Kansas (blutendes Kansas) bekannt. Am 30. Mai 1854 wurde der so genannte „Kansas-Nebraska Act“ gesetzlich beschlossen. Damit wurden Nebraska und Kansas den Vereinigten Staaten als so genannte „Territorien“ angeschlossen. Die Territorien gehörten zwar zu den USA, waren aber noch keine Bundesstaaten mit entsprechenden Rechten. Siedler erschlossen das Kansas Territory schnell, teils auf eigene Faust, teils mit Hilfe von Ansiedlugsgesellschaften (z. B. die New England Emigrant Aid Company, die mehrere Städte gründete). Die nicht-indianische Bevölkerung wuchs schnell, auf 140.000 im Jahre 1865 und auf eine Million im Jahre 1880. Das Leben im Kansas Territory war unsicher, da Befürworter und Gegner der Sklaverei (Abolitionisten) um die Mehrheit im zukünftigen Bundesstaat stritten und Guerillas ihr Unwesen trieben (vgl. Jayhawkers). Am 30. März 1855 fielen die so genannten „Border Ruffians“ (dt. ungefähr: „Grenz-Grobiane“) von Missouri kommend in Kansas ein und erzwangen die Wahl einer sklavereifreundlichen Regierung. In der Folgezeit kam es immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen, z. B. dem Überfall des Abolitionisten John Brown auf Befürworter der Sklaverei im Jahre 1856, bei dem er und seine Söhne mehrere Personen ermordeten. In der intensiven politischen Auseinandersetzung zwischen Kräften für und gegen die Sklaverei wurden insgesamt vier Verfassungsentwürfe für den zukünftigen Bundesstaat abgestimmt. Am 29. Januar 1861 wurde Kansas als 34. Staat in die Union aufgenommen, mit dem Verbot der Sklaverei in der Verfassung (als sogenannter „Freestate“).

Während des Bürgerkrieges (1861-1865) kam es in Kansas nicht zu großen Schlachten, aber immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Gruppen aus Kansas und Missouri. Der größte Zwischenfall war das von dem Sklavereibefürworter und Guerillaführer William Clark Quantrill geleitete Massaker von Lawrence im Jahre 1863. Militärische Aktionen gab es auch gegen Indianer, die bis wenige Jahre nach dem Bürgerkrieg als Vergeltung gegen ihre Verteibung und Unterdrückung Siedlungen und Militärposten überfielen. Anfang der 1870er Jahre hatte sich die Lage in Kansas stabilisert und der Ausbau der Eisenbahnlinien nach Westen begann. Zunächst wurden zahlreiche kleinere Eisenbahngesellschaften gegründet (z. B. die Leavenworth, Pawnee, and Western), die kurze Bahnlinien im Osten bauten. Bald trieben aber auch größere Gesellschaften die Bahnlinien durch den ganzen Bundesstaat nach Osten voran. Die Union Pacific Railroad baute zahlreiche Linien aus und kaufte 1880 auch die Kansas Pacific Railway auf. Die Atchison, Topeka and Santa Fe Railway baute eine Linie nach Colorado zwischen 1868 und 1873, die Chicago, Rock Island and Pacific Railroad vollendete ihre Hauptlinie nach Osten 1880, die Missouri Pacific Railroad im Jahre 1890. Auch Verbindungen nach Süden Richtung Golf von Mexiko wurden begonnen (z. B. durch die Missouri River, Fort Scott and Gulf). Ein wichtiges Geschäft für die Anrainer der Eisenbahnlinien war das Verladen von Rindern, die aus Texas entlang des Chisholm Trails zum nächstgelegen Bahnhof in Kansas getrieben wurden, um sie zu den Märkten im Norden und Osten zu transportieren. Der Bahnhof, der jeweils das nächstgelegene Ende der Eisenbahnstrecke bildete, entwickelte sich zur Boomtown, bis der Ausbau der Eisenbahnlinie eine günstiger gelegene Stadt erreichte. Vor 1871 war Abilene der Haupt-Verladebahnhof, dann für ein Jahr Newton weiter im Westen, später Ellsworth, aber auch Wichita und schließlich Dodge City im Südwesten des Staates (1875 und 1885). Zu dieser Zeit wurde Dodge City die prototypische Cowboy-Stadt, die u. a. von den Revolverhelden Wyatt Earp, Doc Holliday, Bill Tilghman, Luke Short und Bat Masterson besucht wurde. Die Boom-Zeit endete mit dem Verbot der Einfuhr von Rindern nach Kansas im Jahre 1885.

Kansas beschloss im November 1880 als erster Bundesstaat den Ausschank alkoholischer Getränke zu verbieten (Prohibition), das Verbot trat im Mai 1881 in Kraft. Offiziell galt das Alkoholverbot bis 1948, mit der Ausnahme von Bier mit niedrigem Alkoholgehalt, das seit 1937 verkauft werden durfte. Damit war Kansas auch einer der letzten Bundesstaaten, der das Ende der Prohibition auf Bundesebene (erfolgt durch den 21. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten von 1933) in die Gesetze des Bundesstaates übernahm. Während der 1880er und 1890er Jahre war in Kansas die Populist Party erfolgreich, die vor allem von Farmern im Mittleren Westen gewählt wurde, die sich mehr Unterstützung vom Staat wünschten. 1892 wurde der Kandidat der Populist Party Lorenzo Lewelling (mit Unterstützung der Demokraten) zum Gouverneur gewählt und die Partei beherrschte den Senat in Kansas. Schon 1899 erlangte aber wieder ein Republikaner den Gouverneursposten.

Im Ersten Weltkrieg spielte Kansas keine besondere militärische Rolle, bildete aber in Camp Funston Soldaten aus. 2.500 Kansans fielen im Ersten Weltkrieg aber mehr als 5.000 starben an der spanischen Grippe. Es wird die vermutet, dass Kansas der Herkunftsstaat der spanischen Grippe ist, die sich weltweit verbreitet. Soldaten, die aus der Militärbasis Fort Riley an verschiedene Kriegsschauplätze verlegt wurden, sollen eine Grippe-Erreger in die Welt getragen haben. Kansas wurde wie alle Bundesstaaten von der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre betroffen, die im Mittleren Westen auch noch mit einer Dürre zusammenfiel. Die Trockenheit verursachte nicht nur Missernten, sondern auch Staubstürme, weswegen der Mittlere Westen auch Dust Bowl genannt wurde. Viele Farmer mussten zu dieser Zeit ihre Farmen aufgeben und verließen Kansas.

Im Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche deutsche Kriegsgefangene in Kriegsgefangenenlager in Kansas interniert. Die größten der insgesamt 14 Lager in Kansas zwischen 1943 und 1946 waren Camp Concordia und Camp Phillips. Durch die große Entfernung von Küsten und Landesgrenzen, aber auch aufgrund der guten Behandlung der Gefangenen gab es kaum Fluchtversuche. Die Gefangenen arbeiteten teils auf Farmen mit und manche schlossen Freundschaften mit Amerikanern. In einigen Gegenden mit Kriegsgefangenenlagern lebten deutschsprechende Amerikaner, die sich mit den Kriegsgefangenen unterhalten konnten. Wirtschaftlich beeinflusste der Zweite Weltkrieg Kansas stark, da nun die Flugzeugindustrie wichtig wurde, die in der Gegend von Wichita heranwuchs. Außerdem wurde in Kansas Munition produziert und verstärkt Sojabohnen zur Sicherung der Nahrungsversorgung der USA angebaut.

In den 1950er Jahren erhielt Kansas zweimal eher indirekt landesweite Aufmerksamkeit. Der in Kansas aufgewachsene Dwight D. Eisenhower wurde 1953 US-Präsident (bis 1961) und im Jahre 1955 erschien die Schulbehörde der Hauptstadt von Kansas, Topeka, als Beklagte vor dem Bundesverfassungsgericht der USA (Supreme Court). Diese Klage gegen Rassentrennung in Schulen war eine Sammelklage, wurde aber unter dem Namen des in der Anklageschrift zuerst aufgeführten Klägers aus Kansas als Brown et al. vs. Board of Education of Topeka bekannt. Nachdem die Klage durch mehrere Instanzen gegangen war, erklärte der Supreme Court die Rassentrennung in öffentlichen Schulen für Verfassungswidrig.

An der Wende zum 21. Jahrhundert machte Kansas Schlagzeilen im Rahmen der Debatte um die Rolle von Evolutionslehre und Intelligent Design im Schulunterricht. Als 1998 in das staatliche School Board eine konservative Mehrheit gewählt wurde, beschloss diese eine Gleichstellung der Evolutionslehre mit anderen Konzepten der Entstehung von Leben auf der Erde. Der neue Lehrplan wurde im nächsten Jahr eingeführt, aber schon im Jahr 2000 durch die neue Mehrheit im School Board wieder abgeschafft. Der gleiche Vorgang wiederholte sich wenige Jahre später: 2004 kam es wieder zu einer konservativen Mehrheit im School Board, die eine öffentliche Anhörung zum Thema im nächsten Jahr ansetzte und 2006 neue Richtlinien für den Biologieunterricht einführte. Evolution sollte den Schülern als nicht voll wissenschaftlich erwiesen und daher gleichwertig zu Intelligent Design und anderen Konzepten vorgestellt werden. Die Mehrheit im Schoolboard wechselte allerdings wieder und der Entschluss wurde wieder zurückgenommen. Während Kansas wegen dieser Debatte international Aufmerksamkeit erhielt, finden vergleichbare Debatten auch in anderen Bundesstaaten statt.

Kansas, in den 1890er Jahren eine Hochburg von teilweise sozialistisch gefärbtem Agrarpopulismus, ist heute ein zuverlässiger Teil der republikanischen Machtbasis zwischen Rocky Mountains und Mittlerem Westen. Das Staatsparlament in Kansas hat zwei Kammern, (Senat und Repräsentantenhaus), die momentan beide stark republikanisch dominiert sind. Die beiden amtierenden Senatoren des Staates im Kongress der Vereinigten Staaten sind Republikaner (Sam Brownback und Pat Roberts), während die amtierende Gouverneurin Kathleen Sebelius (seit 2002, im Jahre 2006 wiedergewählt) Demokratin ist. Bei den Wahlen des US-Präsidenten stellt Kansas 6 Wahlmänner für das Electoral College.

Bei den US-Präsidentschaftswahlen 2004 dominierten mit Ausnahme von Wyandotte County mit der Stadt Kansas City und Douglas County mit der Universitätsstadt Lawrence die Republikaner (also in 103 der 105 Countys), 2008 kam noch ein dritter County mit demokratischer Mehrheit hinzu (Crawford County). 2004 erhielt der republikanische Kandidat George W. Bush 62% aller Stimmen, der Demokrat John Kerry 36.62%, der Kandidat der Grünen Ralph Nader nur 0.79%. Bei den Präsidentschaftswahl 2008 kam der Republikaner John McCain auf 56,8% der Stimmen, der Demokrat Barack Obama erzielte 41,4% aller Stimmen, wobei sich zwei Extremwerte zeigen: im ländlichen Westen des Bundesstaates stimmten teils 85% der Wähler für John McCain und in den zwei demokratischen Hochburgen Douglas und Wyandotte Counties ungefähr 65% für Barack Obama. Beispiele für den großen Anteil von Wählern mit kulturell konservativer Grundhaltung mag die Behandlung des Naturkundeunterrichts geben (siehe Geschichte – 20. Jahrhundert bis heute). Außerdem hat Kansas in 1990er Jahren die Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch verschärft und wie viele andere Bundesstaaten die gleichgeschlechtliche Ehe durch ein Amendment zur Staatsverfassung 2005 verboten. Die Gouveneurin hat 2008 den Neubau von Kohlekraftwerken unter Hinweis auf den Klimaschutz durch ein Veto blockiert.

Die wichtigsten staatlichen Hochschulen sind die Kansas State University, die University of Kansas und die Wichita State University. Weitere Universitäten sind in der Liste der Universitäten in Kansas verzeichnet.

Das reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (engl. per capita real GDP) lag im Jahre 2006 bei USD 34.242 (nationaler Durchschnitt der 50 US-Bundesstaaten: USD 37.714; nationaler Rangplatz: 32).

Kansas ist der größte Weizenproduzent der USA („Brotkorb der Nation“), hat das größte natürliche Erdgasfeld der Welt und ist zweitgrößter Rindfleischproduzent der USA.

Der Anteil deutschstämmiger Einwohner liegt in Kansas mit 32 Prozent deutlich über dem US-Durchschnitt von 23,3 Prozent. Der Anteil derjenigen Einwohner, deren Vorfahren eine Varietät des Deutschen sprachen, liegt noch höher, da auch Deutschsprecher aus Regionen einwanderten, die in den Statistiken nicht als ‘’deutsch’’ erfasst wurden. Dazu gehören Einwanderer aus Österreich und dem Kaisertum Österreich, der Schweiz, dem Elsass, aus Sprachinseln in Osteuropa, vor allem aus dem Wolga-Gebiet und der Bukowina, des Weiteren Pennsylvania German-Sprecher, die zuvor bereits in anderen Gegenden der USA gelebt hatten. Deutschsprachige Einwanderer lassen sich also in drei Kategorien einteilen: Erstens diejenigen, die direkt aus dem Mutterland einwanderten. Zweitens solche, die von Gebieten außerhalb des sprachlichen Mutterlandes direkt nach Kansas kamen. Drittens diejenigen, die erst in anderen Bundesstaaten der USA lebten und dann nach Kansas kamen.

Deutschsprecher waren schon mit den ersten nicht-indianischen Siedlern nach Kansas gekommen. 115 in Deutschland geborene Siedler erscheinen in der Volkszählung von 1855. Die größte Zahl von Deutschsprechern wanderte zwischen 1870 und 1930 nach Kansas ein, als die Einwanderung von Deutschsprechern in die USA schon stark rückläufig war. Mehrere tausend Mennoniten und die ersten Amische kamen in den 1870er Jahren an, als die Eisenbahnrouten nach Westen ausgebaut wurden und die Eisenbahngesellschaften Land verkauften. Besonders die Verladebahnhöfe für Rinder am Chisholm Trail zogen Siedler an. So entstanden z. B. Abilene, in dessen Nähe Pennsylvania Dutch sprechende German Baptists siedelten, und Newton, um das sich die größte Konzentration von Mennoniten westlich des Mississippi niederließ. Die Mennoniten sprechen meist Plautdietsch, eine Variante des Niederdeutschen. Ebenfalls durch die Westerweiterung der Eisenbahnlinien erreichten Wolga- und Bukovinadeutsche die Gegend um Hays, die meist Varianten bayrischer oder Pfälzische Dialekte sprechen. In den 1990er Jahren erlebte Kansas noch einmal eine kleinere Einwanderungswelle von Deutschsprechern. Ungefähr 5.000 Plautdietsch-sprechende Mennoniten aus Mexiko siedelten sich in Südwest-Kansas an (in der Gegend um Dodge City), da neu entstehende Schlachthöfe und fleischverarbeitende Betriebe Arbeitsplätze boten.

Zahlreiche Orte in Kansas wurden von deutschsprachigen Einwanderern gegründet oder später mehrheitlich von ihnen bewohnt. Dazu gehören z. B. Eudora (Ost-Kansas), das vom Deutschen-Neusiedlungsverein gegründet wurde, oder auch Hays (West-Kansas), das nach dem Zuzug vieler Russlanddeutscher während des Eisenbahnbaus in den 1870er Jahren mehrheitlich Einwohner deutschsprachiger Herkunft hat und sich heute “Hauptstadt der Deutschen in Kansas” (German Capital of Kansas) nennt. Bei vielen Orten (siehe Liste der Städte in Kansas) kann man am Namen die deutschsprachige Herkunft der Siedler ablesen, so z. B.: Bern (Schweizerdeutsch), Hanover und Bremen (Niederdeutsch) in Nordost-Kansas, Dresden (Sächsisch) und Stuttgart (Schwäbisch) in Nordzentral-Kansas, Elbing (Ostniederdeutsch) in Südwest-Kansas,oder Strassburg (Alemannisch), von dem nur noch der Friedhof existiert. Auch andere Namen verraten einen deutschsprachigen Hintergrund, so die Russlanddeutschen Siedlungen Liebenthal, Pfeifer und Schoenchen südwestlich von Hays in West-Kansas, Humboldt in Südost-Kansas, das nach Alexander von Humboldt benannt wurde, und Windthorst in Südwest-Kansas, benannt nach dem katholischen Zentrums-Politiker Ludwig Windthorst (ein mittlerweile verlassener Ort, dessen katholische Kirche noch besteht). Der Ort Hollenberg, am Oregon Trail in Nordost-Kansas wurde nach dem Niederdeutschen Gerat Hollenberg benannt, der die nahegelegene Stadt Hanover und eine Station des Pony Express gründete.

Fast überall in den USA, wo sich viele Deutschsprecher ansiedelten, entstanden deutschsprachige Zeitungen, die meistens mit zunehmender Assimilation der Einwanderer verschwanden. In Kansas wurden über 120 deutschsprachige Zeitungen ins Leben gerufen, wovon zwischen 1885 und 1910 mehr als fünfzehn im ganzen Bundesstaat erhältlich waren. Eine der größten und einflussreichsten war die die in Atchison erscheinende Kansas Zeitung (laut Titel „Ein Organ für freies Wort, freien Boden und freie Männer“), die sich während der Territorialzeit gegen die Sklaverei einsetzte und von dem Mitglied der New England Emigrant Aid Company Karl Friedrich Kob (auch: Charles Kob) herausgegeben wurde. Kob veröffentlichte auch einen Ratgeber für Siedler in Kansas in deutscher Sprache (im Jahre 1857 unter dem Titel Wegweiser für Ansiedler im Territorium Kansas).

Viele Siedler, die bereits in anderen Bundesstaaten gelebt hatten (z. B. Pennsylvania Dutch) hatten schon Englisch gelernt, bevor sie in Kansas siedelten und gaben dann ihren deutschen Dialekt bald auf, mit Ausnahme sich absondernder religiöser Gruppen wie konservative Amische und Mennoniten. Als generelle Tendenz lässt sich festhalten, dass Immigranten, die keiner sich absondernden religiösen Gruppe angehörten, ihre deutschen Dialekte meist um die Zeit des Ersten Weltkrieges nicht mehr als Alltagssprache benutzten. Heute beherrschen keine oder nur noch ältere Sprecher diese Kategorie deutscher Dialekte. In Gruppen, in denen die deutschen Dialekte mit der religiösen Identität verknüpft sind, wird die Sprache erhalten. Die konservativen Amische (Old Order Amish) und Mennoniten sprechen noch heute Pennsylvania Dutch oder Plautdietsch als Muttersprache und die Zahl der Amische in Kansas steigt an.

Bundesdistrikt: Washington D. C.

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Abraham Lincoln

Abraham Lincoln (1863)

Abraham Lincoln (* 12. Februar 1809 bei Hodgenville, Hardin County, heute: LaRue County, Kentucky; † 15. April 1865 in Washington, D.C.) wurde 1860 zum 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt und 1864 wiedergewählt.

Er war einer der bedeutendsten Präsidenten der USA, der erste aus den Reihen der Republikanischen Partei und der erste, der einem Attentat zum Opfer fiel. Nach der Sezession von elf sklavenhaltenden Südstaaten führte er die Nordstaaten durch den Bürgerkrieg, setzte die Wiederherstellung der Union durch und betrieb die Sklavenbefreiung. Unter seiner Regierung schlugen die USA den Weg zum zentral regierten, modernen Industriestaat ein und schufen so die Basis für ihren Aufstieg zur Weltmacht im 20. Jahrhundert.

Abraham Lincoln wurde in einer Blockhütte auf der Sinking Spring Farm nahe dem Dorf Hodgenville in Kentucky geboren. Seine Eltern waren der Farmer Thomas Lincoln und dessen Frau Nancy, die beide aus Virginia stammten. Thomas Lincolns Vorfahren waren einige Generationen zuvor aus Wales nach Amerika ausgewandert. Zu seiner Familie gehörten noch Abrahams ältere Schwester Sarah sowie ein jüngerer Bruder, Thomas jun., der aber schon kurz nach der Geburt starb.

Als frommer Baptist lehnte Lincolns Vater die in Kentucky erlaubte Sklaverei ab, obwohl einige seiner Verwandten Sklavenhalter waren. Ende 1816 zog Thomas Lincoln mit seiner Familie nach Little Pigeon Creek im Südwesten des sklavenfreien Staats Indiana. Zwei Jahre später starb seine Frau Nancy; 1819 heiratete er die Witwe Sarah Bush Johnston, die drei eigene Kinder in die Ehe mitbrachte. Abraham Lincoln pflegte zu seiner Stiefmutter zeitlebens eine warmherzige Beziehung.

Bis zu seinem 19. Lebensjahr half Lincoln seinem Vater bei der Farmarbeit und führte das harte Leben der Pioniere an der Frontier, der Siedlungsgrenze zur Wildnis. 1830 zogen die Lincolns erneut weiter nach Westen, nach Macon County in Illinois. Kurz darauf verließ Abraham das Elternhaus und ließ sich im Präriestädtchen New Salem, Illinois nieder, wo er in den nächsten Jahren als Kaufmann, Landvermesser und Posthalter arbeitete. Das städtische Amerika lernte er erstmals im Jahr 1831 kennen, in dem er als Flößer auf dem Ohio und dem Mississippi flussabwärts bis nach New Orleans fuhr.

Lincoln behauptete später, er habe in seiner Jugend kein ganzes Jahr lang die Schule besucht. Immerhin lernte er soweit lesen, schreiben und rechnen, dass er mit 18 eine Stellung als Kaufmannsgehilfe erhielt. Als Autodidakt sollte er sich aber im Laufe der Jahre eine umfassende Bildung aneignen.

Im Jahr 1832 nahm Lincoln als Freiwilliger am Kriegszug gegen die Sauk-Indianer unter Häuptling Black Hawk teil, ohne aber in Kämpfe verwickelt zu werden. Seine Kameraden wählten ihn bei dieser Gelegenheit zum Captain. Dies und die Tatsache, dass er sich in einem Debattierclub in New Salem als guter Redner erwiesen hatte, ermutigte ihn, noch im gleichen Jahr für das Repräsentantenhaus von Illinois zu kandidieren. Als Parteigänger der liberal-konservativen Whigs trat er im Wahlkampf für den Ausbau der Verkehrswege und eine Verbesserung des Schulwesens ein. Im ersten Anlauf gescheitert, errang Lincoln das Mandat im Jahr 1834 und behielt es über vier Legislaturperioden bis 1842.

In den ersten Jahren seiner politischen Tätigkeit absolvierte Lincoln ein diszipliniertes Selbststudium der Rechtswissenschaft, und 1836 wurde er zur Anwaltskammer von Illinois zugelassen. Im folgenden Jahr gründete er mit dem Rechtsanwalt John T. Stuart eine gemeinsame Kanzlei in der neuen Hauptstadt von Illinois, Springfield. Doch auch als Anwalt lebte Lincoln noch lange in äußerst bescheidenen Verhältnissen.

Im Jahr 1842 heiratete Abraham Lincoln Mary Todd, die einer reichen Familie von Pflanzern und Sklavenhaltern aus Kentucky entstammte. Bei dieser stieß die Hochzeit wegen Lincolns geringem Vermögen, seiner Herkunft und seinen politischen Ansichten auf erheblichen Widerstand. Dem Ehepaar wurden vier Söhne geboren: Robert, Edward, William und Thomas. Edward und William starben noch im Kindesalter zu Lincolns Lebzeiten, Thomas 1871 im Alter von 18 Jahren. Nur Robert Todd Lincoln erreichte das Erwachsenenalter. Wie sein Vater schlug er eine Karriere als Anwalt und Politiker ein und war von 1881-1885 Kriegsminister der USA. Der letzte direkte Nachfahre Abraham Lincolns, ein Urenkel, starb 1985.

Im Jahr seiner Hochzeit schied Lincoln aus dem Staatsparlament von Illinois aus, um sich verstärkt seiner Anwaltstätigkeit zu widmen. Er erwarb sich einen Ruf als Spezialist für Eisenbahnrecht und kam allmählich zu bescheidenem Wohlstand. Als einer der führenden Köpfe der Whig-Partei in dem jungen Bundesstaat wurde er 1846 ins Repräsentantenhaus gewählt.

In Washington trat er als Gegner von Präsident James K. Polk und seiner Kriegspolitik gegen Mexiko auf. Darüber hinaus brachte er eine zaghafte Resolution zur Beschränkung der Sklaverei im District of Columbia ein. Ansonsten machte er bei seinem ersten Auftreten in der Bundespolitik kaum von sich reden.

Da er in Washington ohne seine Familie lebte, reizte ihn eine Karriere in der Bundeshauptstadt wenig. Der neue Präsident Zachary Taylor bot ihm an, Gouverneur des neuen Territoriums Oregon zu werden, das die heutigen Staaten Oregon, Washington und Idaho sowie Teile Montanas und Wyomings einschloss. Aber auch dies schlug er aus und kehrte 1849 nach Springfield zurück. Für die nächsten fünf Jahre verabschiedete sich Abraham Lincoln aus der Politik. Erst die Zuspitzung der Sklavenfrage brachte ihn auf die politische Bühne zurück.

Um zu verstehen, wie Abraham Lincoln von einer kaum über Illinois hinaus bekannten Parteigröße zu einem in ganz Amerika beachteten Politiker und schließlich zum Präsidentschaftskandidaten der neuen Republikanischen Partei werden konnte, muss man die Entwicklung der Sklavenfrage und Lincolns Haltung dazu betrachten.

Gesellschaftlich, kulturell und wirtschaftlich hatten sich der Norden und der Süden der USA von jeher unterschieden. Trotz seiner geringeren Bevölkerungszahl nahm der Süden mit seiner reichen Pflanzeraristokratie bis zum Bürgerkrieg die gesellschaftlich führende Rolle ein. So kamen zum Beispiel die meisten Präsidenten aus den Sklavenhalterstaaten. Zudem wog die Stimme eines weißen Südstaatlers bei Wahlen ungleich schwerer als die eines Nordstaatlers. Wie viele Abgeordnete ein Staat ins Repräsentantenhaus entsenden durfte, hing von seiner Einwohnerstärke ab. Jedem der Südstaaten aber wurde die Zahl der dort lebenden afroamerikanischen Sklaven zu drei Fünfteln angerechnet, obwohl diesen selbst das Wahlrecht verwehrt war. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts jedoch schritten Industrialisierung und Bevölkerungswachstum im Norden rasch voran und verschoben das wirtschaftliche Gewicht immer mehr zu seinen Gunsten.

Die Interessen der beiden völlig gegensätzlichen Wirtschaftssysteme ließen sich immer schwerer miteinander vereinbaren. Der Süden, als Agrarland auf die Ausfuhr von Baumwolle, Tabak und anderer Plantagenprodukte angewiesen, verfocht eine Freihandelspolitik. Der Norden, der seine noch junge Industrie vor der Einfuhr von Massenprodukten aus England schützen wollte, trat für möglichst hohe Schutzzölle ein. Die im Süden traditionell starke Demokratische Partei war für eine weitgehende Autonomie der Einzelstaaten, was auch das Recht neuer Staaten einschloss, auf ihrem Territorium die Sklaverei zu gestatten. Lincolns Partei dagegen, die Whigs (wie später auch die Republikaner), traten für eine starke Zentralmacht in Washington ein und für das Prinzip der freien Arbeit in den neu zu besiedelnden Gebieten des Westens.

Freie und Sklavenstaaten waren zunehmend darauf bedacht, gegenüber der jeweils anderen Seite im Senat nicht in die Minderheit zu geraten. Dieses Problem stellte sich immer von neuem, sobald ein weiterer Staat in die Union aufgenommen werden sollte. Eine erste Zuspitzung des Konflikts konnte 1820 durch den Missouri-Kompromiss entschärft werden. Er sah vor, dass die Sklaverei nördlich der Mason-Dixon-Linie, die auf etwa 36°30' nördlicher Breite verlief, in allen neuen Staaten mit Ausnahme Missouris verboten sein solle. Infolge der großen Landgewinne, die die USA 1848 im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg südlich dieser Linie gemacht hatten, drohte sich das Gleichgewicht erneut zugunsten des Südens zu verschieben. Mit dem Kompromiss von 1850 gelang es dem Kongress jedoch ein weiteres Mal, die Gegensätze auszugleichen.

Am 30. Mai 1854 jedoch verabschiedete er auf Antrag des demokratischen Senators Stephen A. Douglas, eines späteren politischen Gegners von Abraham Lincoln, den Kansas-Nebraska Act. Dieses Gesetz stellte es beiden Territorien – obwohl nördlich der Mason-Dixon-Linie gelegen – frei, in ihren künftigen Staatsverfassungen selbst festzulegen, ob sie die Sklaverei gestatteten oder nicht. In bleeding Kansas, dem blutenden Kansas, brach daraufhin ein „Bürgerkrieg vor dem Bürgerkrieg“ aus. In ihm bekämpften sich Sklavereibefürworter und Free Soiler, die für das Prinzip der freien Arbeit auf freiem Land eintraten. Die faktische Aufhebung des Missouri-Kompromisses löste einen Sturm der Entrüstung im ganzen Norden aus.

Im Streit über das neue Gesetz zerbrach die Partei der Whigs. Wie Lincoln schloss sich der größte Teil ihrer Mitglieder noch im Laufe des Jahres 1854 mit gemäßigten Sklavereigegnern aus den Reihen der Demokraten, mit radikalen Abolitionisten, die das sofortige Verbot der Sklaverei forderten, und mit einigen anderen Gruppierungen zur neuen Republikanischen Partei zusammen.

Zu dieser Zeit war Lincoln kein bedingungsloser Gegner der Sklaverei. Er verabscheute sie zwar moralisch, vertrat gegenüber den Südstaaten damals aber einen streng am geltenden Recht und Gesetz orientierten Standpunkt. Er war der Ansicht, dass die Gründerväter der Vereinigten Staaten die Sklaverei grundsätzlich als Übel angesehen, sie aber aus pragmatischen Gründen weiterhin in jenen Staaten geduldet hätten, in denen sie zur Zeit der Unabhängigkeitserklärung von 1776 und zum Zeitpunkt der Verabschiedung der US-Verfassung von 1787 bereits bestand. Eine Ausdehnung der Sklaverei auf weitere Staaten und Territorien widerspreche aber dem Geist der Verfassung und den freiheitlichen Prinzipien der Amerikanischen Revolution.

In den frühen Jahren der Republik hatten sogar viele Politiker aus den Südstaaten, die - wie George Washington oder Thomas Jefferson - selbst Sklavenhalter waren, diesen Standpunkt geteilt. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts jedoch mehrten sich im Süden die Stimmen von Apologeten der Sklaverei. Sie verteidigten nicht nur ihre Beibehaltung, sondern forderten ihre weitere Ausdehnung. Gingen ihnen die Kompromisse von 1820 und 1850 nicht weit genug, sahen viele Sklavereigegner des Nordens in ihnen ein viel zu großes Entgegenkommen gegenüber dem Süden. Mit dem Kansas-Nebraska Act schienen die Sklavereibefürworter endgültig in die Offensive zu gehen. Daher löste seine Verabschiedung in Lincoln den Entschluss aus, in die Politik zurückzukehren.

Im Jahr 1855 scheiterte sein erster Versuch, einen Sitz im Senat zu erlangen. Drei Jahre später unternahm er einen zweiten Anlauf. Sein Gegenkandidat war Stephen A. Douglas, der Führer der Demokraten auf Unionsebene, der als großer Redner bekannt war. Er ließ sich im Wahlkampf auf sieben öffentliche Rededuelle mit Lincoln ein, die wegen ihrer Grundsätzlichkeit und der rhetorischen Fähigkeiten der Kontrahenten überall in den USA abgedruckt wurden. Lincoln verlor die Wahl in den Senat zwar erneut, aber er hatte sich nun als gemäßigter Gegner der Sklaverei im ganzen Land einen Namen gemacht und galt als ernsthafter Kandidat der Republikaner für die nächsten Präsidentschaftswahlen.

Lincoln unternahm 1859 Vortragsreisen durch die Nordstaaten, um sich der Bevölkerung und seinen Parteifreunden vorzustellen und weiter für seinen gemäßigten Standpunkt zu werben. Auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner in Chicago konnte er sich schließlich gegen den ursprünglichen Favoriten William H. Seward aus dem Bundesstaat New York und weitere starke Kandidaten wie Salmon P. Chase aus Ohio und Simon Cameron aus Pennsylvania durchsetzen. Später nahm er sie alle in sein Kabinett auf und zwang damit die Führer der verschiedenen innerparteilichen Gruppierungen, zusammen statt gegeneinander zu arbeiten. Am 18. Mai 1860 bestimmten die Republikaner Abraham Lincoln zu ihrem Spitzenkandidaten für den Kampf ums Weiße Haus. Lincolns Wahlkampflied, das sein Programm prägnant zusammenfasste, war der noch heute populäre Song „Lincoln and Liberty“.

Während des Wahlkampfs kam Lincoln seine hohe rhetorische Begabung zustatten. Er galt als einer der größten Redner seiner Zeit und viele der von ihm geprägten Aussprüche und Aphorismen gehören in den USA bis heute zum allgemeinen Bildungsgut. Vor allem verstand er es, komplizierte Fragen mit einfachen Worten auf den Punkt zu bringen. Sätze wie „Nichts ist geregelt, was nicht gerecht geregelt ist“, „Die Wahlversprechen von heute sind die Steuern von morgen“ oder „Wer anderen die Freiheit verweigert, verdient sie nicht für sich selbst“ überzeugten viele Wähler.

Die Präsidentschaftswahl fand im Herbst statt. Eine Grundlage für seinen Sieg hatte Lincoln schon zwei Jahre zuvor in den Debatten mit Stephen A. Douglas gelegt. Er hatte damals seinen Gegner, der die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten anstrebte, zu Äußerungen über die Sklaverei gedrängt, die ihn für die Demokraten des Südens unwählbar machten. Wie die Whigs sechs Jahre zuvor, so spaltete sich nun auch die Demokratische Partei.

Die Nord-Demokraten nominierten Douglas, die Süd-Demokraten den eindeutigen Sklavereibefürworter John C. Breckinridge aus Kentucky. Beide zusammen gewannen 2,2 Millionen Wähler, der Whig-Kandidat John Bell aus Tennessee weitere 0,6 Millionen, Lincoln aber wurde mit 1,9 Millionen Stimmen der stärkste Einzelkandidat. Er siegte in keinem einzigen der Wahlbezirke des Südens - in den meisten stand er nicht einmal auf dem Stimmzettel -, erhielt aber fast alle Wahlmännerstimmen des Nordens (180) und damit eine klare Mehrheit: Mit 40 % der Wähler gewannen er und sein Vizepräsidentschaftskandidat Hannibal Hamlin 59 % aller Wahlmänner. Am 6. November 1860 wurde Abraham Lincoln gewählt; am 4. März 1861 sollte er den Amtseid ablegen. In diesen vier Monaten aber wurden Tatsachen geschaffen, die Lincolns gesamte Regierungszeit bestimmen sollten.

Während seiner gesamten Amtszeit als US-Präsident sah sich Abraham Lincoln gezwungen, einen Bürgerkrieg zur Wiederherstellung der Union zu führen. Dabei stand er im Wesentlichen vor vier großen Aufgaben: Er musste den Krieg militärisch gewinnen, bei der Bevölkerung des Nordens die Kampfbereitschaft aufrecht erhalten, die Einmischung europäischer Mächte zugunsten der Konföderierten verhindern und schließlich die Abschaffung der Sklaverei betreiben, um die Ursache des Konflikts ein für allemal zu beseitigen.

Die Wahl Abraham Lincolns war nicht die Ursache, aber Anlass der Sezession. Bereits seit etwa 1850 hatten sich in den Südstaaten die Stimmen gemehrt, die für einen Austritt aus der Union eintraten. Die im Norden geübte Kritik an der Sklaverei wurde als Bedrohung der eigenen Lebensart und Kultur betrachtet und jeder Versuch, sie zu beschränken als Eingriff in die Rechte der Einzelstaaten und in das Eigentumsrecht ihrer Bürger. Aufgrund dieser Sichtweise machten die Verfechter der Sezession keinen Unterschied zwischen der kompromissbereiten Haltung Lincolns und den Zielen der Abolitionisten.

Die Aussicht, Lincoln ins Weiße Haus einziehen zu sehen, gab den Extremisten im Süden den letzten entscheidenden Auftrieb. Noch bevor der neue Präsident sein Amt antreten konnte, gab South Carolina am 20. Dezember 1860 als erster Staat seinen Austritt aus der Union bekannt. Innerhalb weniger Wochen folgten alle Staaten des tiefen Südens: Georgia, Florida, Alabama, Louisiana, Mississippi und am 22. Februar 1861 Texas. In Montgomery, der Hauptstadt Alabamas, wurden am 8. Februar die Konföderierten Staaten von Amerika ausgerufen. Zu ihrem provisorischen Präsidenten wurde der Senator von Mississippi und frühere Kriegsminister Jefferson Davis gewählt, der wie Lincoln aus Kentucky stammte. Der scheidende US-Präsident James Buchanan bestritt den Einzelstaaten zwar das Recht, die Union zu verlassen, tat in seinen letzten Wochen im Amt aber nichts, um die Sezession zu verhindern.

Der Beginn der Kampfhandlungen bewog Virginia und drei weitere Staaten des oberen Südens – North Carolina, Tennessee und Arkansas – die Union nun ebenfalls zu verlassen. Die Konföderierten verlegten daraufhin ihre Hauptstadt nach Richmond, Virginia. Von diesem Staat wiederum trennten sich die westlichen Landesteile ab, die in der Union bleiben wollten. Sie bildeten später den neuen Bundesstaat West Virginia. Um die Hauptstadt Washington halten zu können, war es für den Norden von entscheidender Bedeutung, die sklavenhaltenden Grenzstaaten Delaware, Maryland, Kentucky und Missouri zum Verbleib in der Union zu bewegen. Zu diesem Problem ist der Ausspruch Lincolns überliefert: „In diesem Krieg hoffe ich Gott auf meiner Seite zu haben. Kentucky aber muss ich auf meiner Seite haben.“ Alle vier Staaten blieben schließlich loyal - teils freiwillig, teils unter militärischem Druck.

Die US-Armee zählte zu Kriegsbeginn nur etwas mehr als 16.000 Soldaten, die zudem überwiegend in den Indianergebieten des Westens stationiert waren. Am 15. April, einen Tag nach dem Fall von Fort Sumter, berief Lincoln daher 75.000 auf 90 Tage verpflichtete Milizsoldaten ein, um der Rebellion, wie die Abspaltung der Südstaaten im Norden genannt wurde, nunmehr militärisch ein Ende zu bereiten. Als weitere Sofortmaßnahme verfügte er eine Seeblockade aller konföderierten Häfen und vergrößerte die US-Streitkräfte bis zum Frühsommer durch weitere Anwerbungen auf rund 174.000 Soldaten und Matrosen.

Da der Kongress erst im Juli wieder zusammentrat, geschahen diese Truppenaushebungen ohne dessen Ermächtigung. Dasselbe traf auf die Einschränkung einiger Grundrechte, etwa der Pressefreiheit oder des Habeas Corpus-Gesetzes zu. So ließ Lincoln Personen, die der Spionage für die Südstaaten verdächtigt wurden, ohne gesetzliche Grundlage verhaften. All dies brachte ihm bei Sympathisanten des Südens – zum Teil bis heute – den Ruf eines Diktators ein. Als aber im Juli die Vertreter der in der Union verbliebenen Staaten zum Kongress zusammentraten, stimmten sie allen Notstandsmaßnahmen des Präsidenten nachträglich zu. Aus ihrer Sicht verfuhr Lincoln mit den Unterstützern der Konföderierten nicht anders, als es mit Angehörigen einer fremden, mit den USA im Krieg befindlichen Macht üblich war – und genau dies beanspruchte die Konföderation ja zu sein.

Doch selbst die angegebenen energischen Maßnahmen Lincolns reichten nicht aus. Die erste Niederlage der Unionstruppen in der Schlacht am Bull Run am 21. Juli 1861 machte deutlich, dass der Konflikt militärisch nicht schnell zu lösen war. Die Union musste sich auf einen langwierigen Eroberungskrieg einstellen. Dies war mit einer Freiwilligenarmee und einer dreimonatigen Dienstpflicht nicht zu erreichen. Auch die Verlängerung auf neun Monate reichte nicht aus. Schließlich führte Lincolns Regierung erstmals in der Geschichte der USA die allgemeine Wehrpflicht ein, eine Maßnahme, die Anfang Juli 1863 zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen in New York führte, den sogenannten Draft Riots (Einziehungskrawalle). In der Stadt gab es zeitweilig sogar Bestrebungen, sich ebenfalls von der Union loszusagen und einen souveränen Staat zu bilden.

Der Amerikanische Bürgerkrieg zog sich auch deshalb in die Länge, weil Lincoln lange Zeit keinen geeigneten Oberbefehlshaber für die Potomac-Armee fand, die die Hauptlast der Kämpfe im Grenzgebiet von Virginia, zwischen Washington, D.C., und Richmond, zu tragen hatte. General George B. McClellan erwies sich zwar als hervorragender Organisator, aber als zögerlicher Heerführer. Er vergab – etwa im Halbinsel-Feldzug vom Frühjahr 1862 – gleich mehrere Chancen, dem Krieg durch schon greifbare Siege ein frühes Ende zu bereiten. Andere Befehlshaber wie Joseph Hooker und Ambrose E. Burnside erlitten katastrophale Niederlagen gegen die zahlenmäßig unterlegene Nord-Virginia-Armee des konföderierten Generals Robert E. Lee.

Abraham Lincoln, der zwischen seiner Funktion als Kompaniechef im Indianerkrieg und der als Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte nie mehr einen soldatischen Rang bekleidet hatte, unterzog sich nun auch einem Selbststudium in Militärfragen und wurde bald zum Experten. Mit den auf dem westlichen Kriegsschauplatz siegreichen Generalen Ulysses S. Grant und William T. Sherman fand er schließlich zwei Kommandeure, die mit ihren Truppen – der eine von Norden, der andere von Süden – die Konföderierten in langen, blutigen Kämpfen niederrangen.

In der Tat ging es im Bürgerkrieg vordergründig um die Union. Die Frage, an der sich der Kampf entzündet hatte, lautete: Hat ein einzelner Bundesstaat der USA das Recht, jederzeit aus der gemeinsamen Union auszutreten? Der Süden bejahte dies, mit dem Argument, man sei dem Bund schließlich freiwillig beigetreten. Die Konföderierten kämpften also nach eigenem Selbstverständnis für die Rechte der Einzelstaaten.

Der Norden wies dagegen darauf hin, dass keines der Einzelstaatenrechte bis dahin verletzt worden und dass nach der Unabhängigkeitserklärung von 1776 eine Revolution nur nach fortgesetzten schweren Rechtsverletzungen gerechtfertigt sei. Den tieferen Grund aber berührte Abraham Lincoln in der Gettysburg Address von 1863. In dieser, seiner berühmtesten Rede sagte er, der Krieg werde um die Frage geführt, ob ein Staat, der sich auf Demokratie und individuelle Freiheit gründe, überhaupt auf Dauer bestehen könne. Diese Frage stellte sich mit umso größerer Berechtigung in einer Zeit, als eine „Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk“ - wie Lincoln es in der Rede formulierte - international noch die große Ausnahme darstellte. Lincoln gab damit seiner Überzeugung Ausdruck, dass eine Demokratie zerbrechen müsse, wenn eine Minderheit (wie die Südstaatler) eine demokratische Entscheidung der Mehrheit (wie Lincolns Wahl zum Präsidenten) jederzeit verwerfen oder sogar mit Gewalt beantworten dürfe.

Hinter der Frage der Einzelstaatenrechte stand aber immer unübersehbar die Sklavenfrage. An ihr – und nur an ihr – hatte sich der Streit um diese Rechte überhaupt erst entzündet. Ohne sie hätte sich das Problem der Einzelstaatenrechte nie in dieser Schärfe gestellt. Lincoln verneinte aus wahltaktischen Gründen lange, dass die Abschaffung der Sklaverei zu seinen Kriegszielen gehörte. Zu Beginn des Konfliktes bildeten die Abolitionisten auch im Norden noch immer eine Minderheit; kaum jemand wäre bereit gewesen, für die Befreiung der Sklaven in den Kampf zu ziehen. Doch eben diese hatte Lincoln bereits in die Wege geleitet, als er den zitierten Brief an Greeley schrieb.

Lincoln war nie radikaler Abolitionist und wurde es auch im Krieg nicht. In dem berühmten Brief an Greeley unterschied er zwischen seinem persönlichen Wunsch, nach dem alle Menschen frei sein sollten, und seiner Pflicht als Amtsträger, nach Recht und Gesetz zu handeln. Nach dem Gesetz aber war die Sklaverei im Süden erlaubt. Nach seiner Vorstellung sollte sie in einem allmählichen Prozess abgeschafft und die Sklavenhalter für den Verlust ihres „Besitzes“ entschädigt werden. Auf keinen Fall war Lincoln vor 1861 bereit, einen Krieg um diese Frage zu führen.

Indem sie aber von sich aus zur Gewalt griffen, hatten die Südstaaten nach Lincolns Auffassung selbst den Boden des Rechtes und der Verfassung verlassen. Je länger der Krieg dauerte und je mehr Opfer er forderte, desto stärker wurde Lincolns Überzeugung, dass die Sklaverei als Quelle allen Übels endgültig abgeschafft werden müsse. Dazu kam, dass er die Sklavenbefreiung mehr und mehr als Mittel begriff, den Süden wirtschaftlich und militärisch schwer zu treffen. Am 22. Juli 1862 informierte Lincoln sein Kabinett über die geplante Proklamation. Da die Sklavenbefreiung auch als Kriegsmaßnahme gedacht war, gab Außenminister Seward zu bedenken, dass die Erklärung nach der Reihe schwerer Niederlagen, die die Union bis dahin erlitten hatte, als Zeichen der Schwäche missdeutet werden könne. Daher gab Lincoln die Proklamation erst im September bekannt, nach dem Unionssieg in der Schlacht am Antietam.

Die Proklamation galt also vorerst nur für die Gebiete der Konföderierten, um die loyal gebliebenen Sklavenstaaten nicht zu verprellen. Aber die Befreiung der Sklaven war nun ein offizielles Kriegsziel der Union. Dessen moralisches Gewicht machte es England und Frankreich, die aus wirtschaftlichen und machtpolitischen Gründen die Sache der Konföderation unterstützten, unmöglich, aktiv zu ihren Gunsten in den Krieg einzugreifen. Vollständig abgeschafft wurde die Sklaverei 1865.

Nach ihrer Niederlage in der Schlacht von Gettysburg vom 1. bis 3. Juli 1863 waren die Konföderierten nicht mehr in der Lage, den Krieg aus eigener Kraft zu gewinnen. Ihre einzige Chance bestand darin, den Krieg so lange und für den Norden so verlustreich weiterzuführen, dass Abraham Lincoln die Präsidentschaftswahlen von 1864 verlieren und er durch einen neuen, verhandlungsbereiten Präsidenten ersetzt würde.

Diese Chance war durchaus real. Der unerwartet lange und blutige Stellungskrieg, den General Grant seit dem Frühjahr 1864 im Norden Virginias führte, kostete die Regierung Lincoln weitgehend das Vertrauen der Bevölkerung. Der Präsident war im Sommer des Wahljahrs so unpopulär, dass er selbst mit einer Niederlage rechnete. In einem Memorandum vom 23. August 1864 schrieb er: „Die Wiederwahl dieser Regierung erscheint heute, wie seit einigen Tagen, als überaus unwahrscheinlich.“ Sein Gegenkandidat von den Demokraten war sein früherer Oberbefehlshaber McClellan, der grundsätzlich zu einem Verhandlungsfrieden mit dem Süden und zur Anerkennung seiner Unabhängigkeit bereit war.

Erst in den letzten Wochen vor der Wahl wendete sich das Blatt, als die Ergebnisse des für den Norden äußerst erfolgreichen Atlanta-Feldzuges bekannt wurden: Die Truppen General Shermans hatten am 2. September 1864 Atlanta, die Hauptstadt des Rebellenstaats Georgia, erobert. Zwischen ihnen und Virginia standen nur noch schwache Kräfte des Südens, so dass ein baldiges Kriegsende absehbar war.

Die Republikaner setzten im Wahlkampf auf den von Lincoln geprägten Slogan „Mitten im Fluss soll man nicht die Pferde wechseln“ und bezeichneten die Positionen der Demokraten als landesverräterisch. Am 8. November gewann Lincoln die Wahl mit einem Erdrutschsieg: 55 Prozent der Wähler stimmten für ihn, aber er erhielt 212 von 233 Wahlmännerstimmen. Als erster Präsident seit 32 Jahren wurde er für eine zweite Amtszeit bestätigt.

Seine Wähler entstammten vor allem der Bauern- und Arbeiterschaft sowie den städtischen Mittelschichten. Ihre geografischen Hochburgen waren Neuengland und die Staaten mit einem starken Anteil deutscher Einwanderer wie Wisconsin oder Illinois. Für den Präsidenten war es besonders bedeutsam, dass auch die Soldaten der Unionsarmee zu mehr als zwei Dritteln für ihn gestimmt hatten, obwohl sie sich von einem Sieg McClellans ein rascheres Ende der Kampfhandlungen erhoffen konnten. Vor der Wahl hatte Lincoln geäußert, es sei ihm lieber mit der Mehrheit der Soldatenstimmen besiegt als ohne diese Mehrheit Präsident zu werden.

In der Zeit bis zu seinem zweiten Amtsantritt setzte sich Lincoln energisch für die Verabschiedung des 13. Zusatzartikels zur US-Verfassung ein, der die Sklaverei auf dem Territorium der USA ein für allemal verbieten sollte. Nach dem Senat konnte er - nach einem vergeblichen Anlauf - am 31. Januar 1865 auch die nötige Zweitdrittel-Mehrheit des Repräsentantenhauses zur Zustimmung bewegen. Um dem Sklavereiverbot endgültig Verfassungsrang zu verleihen, musste es jetzt nur noch von den Einzelstaaten ratifiziert werden.

Ein weiteres, drängendes Problem war die Wiedereingliederung der Südstaaten in die Union. Am 4. März 1865 – anlässlich seiner zweiten Vereidigung als Präsident – versprach Lincoln „Groll gegen niemanden“ und „Nächstenliebe gegen alle“ walten zu lassen. Er fasste bereits die Nachkriegsordnung ins Auge und hatte vor, den Südstaatlern milde Friedensbedingungen zu stellen. Die Rückkehr in die Union sollte ihnen so leicht wie möglich fallen. Gegen Widerstände aus der eigenen Partei, setzte sich Lincoln den Grundsatz durch, dass ein abtrünniger Staat wieder gleichberechtigt in die Union aufgenommen werden sollte, sobald ein Zehntel seiner Bürger ihr den Treueid geleistet hätten.

Der Krieg ging nun einem raschen Ende entgegen. Am 3. April eroberten Grants Truppen die Konföderiertenhauptstadt Richmond, und Lincoln besichtigte zwei Tage später das Amtszimmer seines Kontrahenten Jefferson Davis. Am 9. April 1865 kapitulierten die Reste von Lees Armee vor General Grant bei Appomattox Court House in Virginia. Die konföderierten Truppen unter General Joseph E. Johnston ergaben sich am 26. April General Sherman bei Durham in North Carolina.

Den endgültigen Sieg erlebte Lincoln nicht mehr: Am Abend des Karfreitags 1865 wurde der Präsident beim Besuch des Ford-Theaters in Washington, D.C., von einem fanatischen Sympathisanten der Südstaaten, dem Schauspieler John Wilkes Booth, angeschossen. Am folgenden Tag, dem 15. April, erlag er seinen schweren Kopfverletzungen. Andrew Johnson, seit März Lincolns Vizepräsident, legte noch am gleichen Tag den Amtseid als sein Nachfolger ab. Das Attentat war Teil einer größeren Verschwörung: Eine Gruppe von Sklaverei-Anhängern um Booth hatte geplant, neben Lincoln weitere Regierungsmitglieder zu ermorden. So wurde auch Außenminister Seward bei einem Mordanschlag schwer verletzt. Booth wurde am 26. Mai in Virginia gestellt und bei einem Schusswechsel mit seinen Verfolgern getötet. Seine Komplizen Mary Surratt, Lewis Powell, David Herold und der deutschstämmige George Atzerodt wurden später zum Tode verurteilt und am 7. Juli 1865 hingerichtet.

Lincolns Sarg wurde mit der Eisenbahn auf dem selben Weg nach Springfield überführt, auf dem der neugewählte Präsident 1860 nach Washington gereist war. In allen größeren Städten wie New York und Chicago fanden Trauerprozessionen und -gottesdienste mit dem aufgebahrten Leichnam statt. Am 5. Mai 1865 wurde Abraham Lincoln auf dem Friedhof Oak Ridge Cemetery in seiner Heimatstadt Springfield beigesetzt. Am 23. Juni kapitulierten bei Fort Towson im Indianer-Territorium die letzten Truppen der Konföderation. Lincolns Vermächtnis, der 13. Verfassungszusatz, trat nach der Ratifizierung durch sämtliche Bundesstaaten am 18. Dezember 1865 in Kraft.

Als der Dichter Walt Whitman von Lincolns Tod erfuhr, widmete er ihm das Gedicht „O Captain! My Captain!". Es spricht von einem Kapitän, der sein Schiff durch schweren Sturm sicher in den Hafen gebracht hat, diesen aber selbst nicht lebend erreicht. Später verglich Whitman den Präsidenten, der an einem Karfreitag tödlich verwundet worden war, mit Jesus Christus.

Dies ist nur eines von vielen Beispielen für die bis zur Verklärung reichende Verehrung, die Abraham Lincoln bereits unmittelbar nach seiner Ermordung zuteil wurde. Mehr als die nüchterne Beurteilung seiner Präsidentschaft trug dazu die Art seines Todes und der Vergleich mit den eher glanzlosen Regierungszeiten seiner ersten Amtsnachfolger bei. Zunächst nur in den Nordstaaten, mit wachsendem zeitlichen Abstand zum Bürgerkrieg aber in den ganzen USA setzte sich das Bild von Lincoln als einem der bedeutendsten Präsidenten der US-amerikanischen Geschichte durch.

Heute wird der Mitbegründer der Republikanischen Partei von Angehörigen aller ethnischen Gruppen verehrt, von Konservativen und Liberalen ebenso wie von Linken. Die Freiwilligenverbände aus den USA, die im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republik gegen die Putschisten unter General Franco kämpften, nannten sich Abraham-Lincoln-Brigade. Zahlreiche Städte in den USA sind nach Lincoln benannt, zum Beispiel die Hauptstadt Nebraskas. Die United States Navy benannte mehrere Schiffe nach dem Präsidenten, u.a. den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln. Als Forschungseinrichtung wurde 1889 die Abraham Lincoln Presidential Library ins Leben gerufen. Im April 2005 wurde "The Abraham Lincoln Presidential Library and Museum" in Springfield/Illinois in einem Festakt seiner Bestimmung übergeben. Redner waren neben anderen US-Präsident George W. Bush und Senator Barack Obama. Das Wohnhaus von Abraham Lincoln im historischen Zentrum Springfields steht unter der Obhut des U.S. National Park Service und ist heute ein Museum. Lincolns Bild ziert die 5-Dollar-Note sowie die 1-Cent-Münze. Lincoln und George Washington zu Ehren wurde der Feiertag „Presidents's Day“ eingeführt. Und neben den Köpfen George Washingtons, Thomas Jeffersons und Theodore Roosevelts wurde auch der seine in die Felsen von Mount Rushmore in South Dakota gemeißelt.

Am Ufer des Potomac in Washington, D.C. wurde 1922 zu Ehren des 16. US-Präsidenten das Lincoln Memorial eingeweiht. Der klassizistische Tempelbau und das Kapitol markieren die beiden Enden der National Mall, der zentralen Achse der amerikanischen Hauptstadt. Die Gedenkstätte birgt eine Kolossalstatue Abraham Lincolns, die der Zeusstatue von Olympia nachempfunden ist. In seine Südwand ist der Text der Gettysburg Address, in die Nordwand Lincolns zweite Inaugurationsrede eingemeißelt. Seit ihrer Entstehung ist sie Schauplatz vieler großer Bürgerrechtsdemonstrationen gewesen. Martin Luther King hielt 1963 seine berühmte Rede „I Have a Dream“ von den Stufen des Lincoln Memorials herab.

2009, in Lincolns 200. Geburtsjahr, trat der erste afroamerikanische Präsident der USA sein Amt an. Barack Obama hatte seine Bewerbung als Präsidentschaftskandidat zwei Jahre zuvor, am 10. Februar 2007, vor dem alten Parlamentsgebäude in Springfield bekannt gegeben, in dem Lincoln 1858 seine bis heute nachwirkende House-Divided-Speech gehalten hatte.

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Source : Wikipedia