Afrika

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Geschrieben von daneel 03/05/2009 @ 02:07

Tags : afrika, ausland

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Afrika

Afrika aus europäischer Sicht, um 1570

Der Kontinent Afrika hat eine Fläche von 30,3 Millionen km² (22 % der gesamten Landfläche der Erde) und wird von etwa 924 Mio. Menschen (14 % der gegenwärtigen Weltbevölkerung, Stand Mitte 2006) bewohnt.

In Afrika leben viele, sehr heterogene Völker, nach europäischem Maßstab sind die meisten Menschen sehr arm. In der Weltwirtschaft spielen die größten Teile Afrikas keine Rolle.

In der Antike bezeichnete der lateinische Name Africa nur das Gebiet der gleichnamigen römischen Provinz im heutigen Tunesien, der Kontinent (zunächst nur Nordafrika westlich des Nils) wurde in der Antike oft Libya genannt. Der Name Africa wurde vom römischen Senator und Feldherrn Scipio Africanus (Eroberer Karthagos) erstmals verwendet und könnte von einem einheimischen Stamm abgeleitet sein oder auf dem phönizischen afar („Staub“), dem griechischen aphrike („unkalt“), dem lateinischen aprica („sonnig“) oder dem lateinischen Wort Afer (Plural: Afri) beruhen, was soviel wie „Afrikaner, Punier“ bedeutet.

Seltener gebrauchte Bezeichnungen für den Kontinent sind Schwarzer Kontinent, Wiege des Lebens oder sehr selten Dritter Kontinent (von Europa aus gezählt).

Afrika ist im Norden vom Mittelmeer, im Westen vom Atlantik, im Osten vom Indischen Ozean und dem Roten Meer umgeben. Die Küstenlänge beträgt 30.490 km, was gemessen an der großen Fläche relativ wenig ist. Die einzige Landverbindung zu anderen Festlandmassen, bzw. zu Eurasien, bildet der Sinai, der zwischen Afrika und der Arabischen Halbinsel liegt. Europa liegt Afrika an der Straße von Gibraltar und der Straße von Sizilien am nächsten. Der afrikanische Erdteil ist nur wenig gegliedert; er hat weniger Inseln und Halbinseln als alle anderen Kontinente.

Durch seine Lage beiderseits des Äquators und seine kompakte Form besitzt Afrika die größte zusammenhängende Landmasse der Tropen. 75 % der Fläche Afrikas liegen innerhalb der Wendekreise, die die mathematische Tropengrenze bilden. Der größte Teil Zentral- und Westafrikas ist von tropischem Regenwald bedeckt; das Kongobecken ist nach Amazonien das zweitgrößte Regenwaldgebiet der Erde. Um die Wendekreise sind große Wüsten entstanden; die Sahara im Norden wird nur durch die Flussoase des Nil unterbrochen, im Süden befinden sich die Namib als Nebelwüste und die Kalahari als Trockensavanne. Südlich der Sahara (Sahelzone) und in Ostafrika bis Südafrika hinunter befinden sich riesige Savannengebiete. Im Bereich zweier jährlicher Niederschlagsmaxima breiten sich die Trockenwälder und Feuerökosysteme aus, beispielsweise Mopane, Miombo oder Chipya-Vegetation. Südostafrika ist durch den Einfluss des Monsun und die großen Täler von Sambesi und Limpopo fruchtbarer.

Der kleinste Staat auf dem Festland, Gambia, ist etwa so groß wie Zypern und der größte, Sudan, ungefähr siebenmal so groß wie Deutschland. Die größte Insel ist Madagaskar, die vor der Südostküste Afrikas im Indischen Ozean (Indik) liegt.

Es gibt zwei grundlegende Typen von Seen, einmal die Beckenseen, sie sind flach aber weit ausgestreckt und verändern ihre Größe durch Verdunstung sehr stark, ein Beispiel dafür ist der Tschadsee. Und dann noch die Grabenseen, sie liegen im Ost- und Zentralafrikanischen Graben, sind sehr tief und lang, aber schmal, ein Beispiel ist der Malawisee oder der Tanganjikasee. Es gibt auch noch zwei Arten von Flüssen in Afrika, die einen speisen Beckenseen, sie haben kein großes Gefälle und eine geringe Fließgeschwindigkeit, z.B. der Schari, der den Tschadsee speist. Auf der anderen Seite gibt es die Flüsse, die in das Meer münden, sie weisen ein hohes Gefälle auf und haben dadurch eine hohe Fließgeschwindigkeit, ein Beispiel ist der Nil, der in das Mittelmeer fließt.

Der größte Teil Afrikas besteht aus geologisch sehr alten (präkambrischen) Plattformen, die zu großen Teilen von jüngeren Sedimenten der Karoo-Supergruppe überdeckt sind.

Im Nordwesten Afrikas zieht sich das geologisch junge Atlas- oder Maghreb-Gebirge durch die Staaten Marokko, Algerien und Tunesien, das zusammen mit den Alpen im Zuge der Annäherung der afrikanischen an die eurasische Platte entstanden ist.

Durch den Osten Afrikas zieht sich der Große Afrikanische Grabenbruch, welcher die Fortsetzung des Grabenbruchs unter dem Roten Meer ist und auf eine Abspaltung des Horns von Afrika und Arabiens vom Rest Afrikas hindeutet. Der dabei entstehende Vulkanismus hat unter anderem das Kilimandscharo-Massiv, das höchste Bergmassiv Afrikas, das Ruwenzori-Gebirge und das Mount-Kenya-Massiv geschaffen. Im weiteren Verlauf des Grabenbruchs liegen Rudolfsee, Kiwusee, Tanganjikasee und Malawisee sowie der Unterlauf des Sambesi.

Außerdem zählen der Atlas mit dem Toubkal (4.165 m ü. NN) in Marokko, der Mount Meru (4.562,13 m), ein Inselberg in Tansania, und der Kamerunberg (4.095 m), ein Inselberg in Kamerun, zu den höchsten Gebirgen, Bergmassiven bzw. Bergen des Kontinents.

Afrika hat 967 Millionen Einwohner (Stand 2008), wovon die meisten südlich der weitgehend unbesiedelte Wüste Sahara, in Schwarzafrika (subsaharisches Afrika) leben. In Nordafrika, wo hauptsächlich Berber und Araber leben, gibt es nur etwa 200 Millionen Afrikaner.

Der bevölkerungsreichste Staat ist Nigeria mit knapp 140 Millionen Einwohnern. Der bevölkerungsärmste Staat sind die Seychellen mit 80.000 Einwohnern.

Die größte Stadt Afrikas ist Kairo (Ägypten) mit 15.707.992 Einwohnern, danach folgt Lagos (Nigeria) mit 11.153.863 Einwohnern; die drittgrößte Stadt des Kontinents ist Kinshasa (Demokratische Republik Kongo) mit 8.096.254 Einwohnern.

Im Norden Afrikas lebten schon Jahrtausende vor der Ankunft der Araber um das 7. Jahrhundert herum berberische Völker. Diese leben seitdem vor allem in den gebirgigen Regionen des Maghreb, wo sie vor den arabischen Invasoren Zuflucht fanden, um sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte aber deutlich mit jenen zu durchmischen und eine eigene maghrebinische Kultur zu schaffen, die einige Unterschiede zur übrigen arabischen Welt aufweist, beispielsweise in der Sprache. Auch die Völker Nordostafrikas, wie z. B. die Amharen sind semitische Völker. Die Sahara wird von nomadisierenden Tuareg bewohnt.

In Westafrika sind die Mande- und Voltaic-Völker zu nennen. Hausa und Yoruba leben im östlichen Westafrika, Wolof und Fulbe im westlichen Teil.

In Zentral- und Ostafrika sind die Bantu beheimatet, eine aus zahlreichen Völkern bestehende Gruppe. Die Khoisan-Völker im Süden Afrikas zählen zu den indigenen Völkern, wie auch die bereits genannten Berber und Tuareg in der Sahara und die Massai in Ostafrika. Größte Gruppe von im Zuge der Kolonialisierung eingewanderten Menschen sind die Buren in Südafrika. Moderne Migrationsbewegungen haben Libanesen nach West- sowie Inder und Chinesen nach Ostafrika gebracht.

Insgesamt gibt es über 2000 eigenständige afrikanische Sprachen von denen rund 50 als größere Sprachen gelten, die jeweils von über einer Million Menschen gesprochen werden. Einige der wichtigsten afrikanischen Sprachen sind Swahili, Igbo, Hausa und Fulfulde. Die ehemaligen europäischen Kolonialsprachen werden vielerorts noch gesprochen.

Zu den afroasiatischen Sprachen gehören Arabisch, Hausa und Amharisch, zu den Niger-Kongo-Sprachen zählen Bambara, Swahili, Wolof, Yoruba und Zulu. Die Khoisan-Sprachen werden von den gleichnamigen Völkern im Südlichen Afrika gesprochen; charakteristisch für sie sind Klicklaute. Auf Madagaskar werden Austronesische Sprachen wie Malagasy, Howa (Dialekt des Merina) und andere Merina-Dialekte gesprochen.

In Nordafrika, Ostafrika und Westafrika ist der Islam weit verbreitet. Zwischen 42 und 47 % aller Afrikaner (darunter in Nordafrika Araber) gehören dem Islam an. Daneben gibt es vor allem in West- und Südostafrika eine große Anzahl derer, die Animismus praktizieren. Man schätzt, dass weitere 13–20 % der Afrikaner dem Animismus anhängen. Die restlichen rund 37–45 % gehören christlichen Konfessionen an (u.a Kopten) Die Mehrheit der afrikanischen Christen lebt im Süden Afrikas. Eine Sonderrolle spielt die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche, da in Äthiopien das Königreich Axum das Christentum zur Staatsreligion machte. Außerdem sind unter den nicht-afrikanischen Minderheiten auch Bahai, Judentum, Hinduismus und Buddhismus verbreitet.

Die durchschnittliche Lebenserwartung einer afrikanischen Frau liegt bei 55 Jahren, die durchschnittliche Lebenserwartung eines afrikanischen Mannes bei 53 Jahren, damit ist sie weit niedriger als auf anderen Kontinenten. Afrika ist auch der von HIV/AIDS am stärksten betroffene Kontinent. Etwa 4 % der Bevölkerung sind HIV-positiv (siehe auch: HIV/AIDS in Afrika).

Die ältesten bisher bekannten menschlichen Lebensspuren fanden sich in Afrika. Es gilt als sicher, dass sich von hier aus zunächst Homo erectus und später – der aus den in Afrika verbliebenen Populationen von Homo erectus entstandene – moderne Mensch (Homo sapiens) nach Asien und Europa ausgebreitet haben. Dementsprechend entdeckte man auch die ältesten Steingeräte in Afrika: die einfachen Oldowan-Geräte des „Early Stone Age“, das in Europa als Altpaläolithikum bezeichnet wird.

Im Niltal in Nordafrika befand sich mit Ägypten eine der ersten Hochkulturen. Es gab weitere Königreiche in Westafrika wie zum Beispiel die Ashanti und die Haussa. Auch in Ost- und Südafrika gab es einige bedeutende Kulturen, wie auch im Gebiet des heutigen Sudan, damals Nubien oder Kusch genannt. Nubische Pharaonen haben auch für eine Dynastie ganz Ägypten beherrscht. Bedeutende Kulturen im Süden Afrikas waren zum Beispiel die Bewohner Groß-Simbabwes. Diese Steinburg war architektonisch für die damalige Zeit ein Meisterwerk und bedeutend für Handel zwischen den Völkern des Südens und des Ostens. Im Osten Afrikas waren die Swahili bekannt.

Nordafrika war durch das Mittelmeer mit Europa und Vorderasien eher verbunden als getrennt. Karthago, eine Gründung der Phönizier im heutigen Tunesien, war um die Mitte des 1. Jahrtausend v. Chr. die herrschende Großmacht im westlichen Mittelmeer, bis sie in den Punischen Kriegen von Rom abgelöst wurde. Dieses herrschte ab 30 v. Chr. (Eroberung Ägyptens) über ganz Nordafrika.

Schon die alten Ägypter (Königin Hatschepsut) unternahmen Fahrten nach Punt, wahrscheinlich im heutigen Somalia. Auch das Reich der Königin von Saba, welches wohl in Südarabien sein Zentrum hatte, soll sich über Teile des Horns von Afrika bis in den Norden Äthiopiens erstreckt haben. Die Herrscher Äthiopiens führten ihre Abstammung auf die Königin von Saba zurück. Herodot berichtet, dass um 600 v. Chr. phönizische Seeleute im Auftrag des Pharao Necho in drei Jahren Afrika vom Roten Meer bis zur Nilmündung umfahren hätten. Da er davon berichtet, sie hätten behauptet, die Sonne „zu ihrer Rechten“, also im Norden, gesehen zu haben, gilt dieser Bericht als glaubwürdig. Sicher ist die Fahrt des karthagischen Admirals Hanno um 500 v. Chr., der von Südspanien aus mindestens bis Sierra Leone kam.

Während der Völkerwanderung eroberten die Vandalen das römische Nordafrika von Marokko bis Libyen. Schon vor der Hedschra wanderten arabische Stämme nach Nordafrika ein. Mit dem Siegeszug des Islam wurde Ägypten 641, Marokko 670 erobert. In den folgenden Jahrhunderten wurde Nordafrika praktisch vollständig islamisiert, der Sahel, West- und Ostafrika zumindest teilweise.

1250 richtete sich der Sechste Kreuzzug gegen Ägypten (die anderen Kreuzzüge richteten sich gegen Palästina). Zwischen dem 9. und 16. Jahrhundert entwickelten sich im Gebiet des heutigen Mali mehrere mächtige, unabhängige Königreiche. Im 15. Jahrhundert wurde die Westküste Afrikas von Portugal aus erforscht. Portugal und Spanien errichteten im 15. und 16. Jahrhundert erste Stützpunkte an der Nordküste.

Nach der Entdeckung Amerikas war Afrika für die Europäer hauptsächlich als Quelle für Sklaven interessant. Ein erheblicher Anteil der Bevölkerung von Brasilien, Haiti und anderen Inseln der Karibik, aber auch der USA sind afrikanischer Abstammung. Zum Zweck des Sklavenhandels wurden Forts an den Küsten errichtet, den Transport aus dem Binnenland übernahmen meist einheimische Königreiche. Im ostafrikanischen Sklavenhandel waren bis ins 17. Jahrhundert arabische Händler vorherrschend. Das Innere des Kontinents war den Europäern weitestgehend unbekannt. Erste Forschungsreisen unternahmen Ende des 18. Jahrhunderts von der Association for Promotion the Discovery of the Interieur of Africa (Africa Association, London) ausgesandte Männer verschiedener Nationalitäten.

Nach der industriellen Revolution und dem Verbot des Sklavenhandels 1807 wurde Afrika eher uninteressant. Erst mit dem Aufkommen des Imperialismus wuchs das Interesse der europäischen Großmächte am dunklen Kontinent und der Wettlauf um Afrika führte innerhalb von weniger als 20 Jahren zur Besetzung fast des gesamten Kontinents. Auf der Kongokonferenz in Berlin wurde 1884/85 der größte Teil Innerafrikas zwischen den europäischen Mächten aufgeteilt, bis 1912 verloren die meisten afrikanischen Völker ihre Freiheit. Unabhängig blieben nur Liberia, eine Siedlungskolonie freigelassener nordamerikanischer Sklaven, sowie das alte Reich Abessinien (heute Äthiopien), welches allerdings kurz vor dem Zweiten Weltkrieg im italienisch-äthiopischen Krieg 1936 durch Hilfe aus dem nationalsozialistischem Deutschland (Giftgas und Artillerie) von Italien für ca. fünf Jahre annektiert wurde. Im Ersten Weltkrieg waren die deutschen Kolonien Kriegsschauplatz, viele Afrikaner kämpften auch in Europa. Im Zweiten Weltkrieg fanden Kämpfe vor allem in Nordafrika und am Horn von Afrika statt.

Im Zuge der Dekolonisation Afrikas wurden mehrere Staaten in den 1950er Jahren unabhängig. 1960 gilt als das Jahr der afrikanischen Unabhängigkeit, da der Großteil der französischen Kolonien in diesem Jahr in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Als letzte europäische Besitzung auf dem Festland wurde Dschibuti 1977 unabhängig. In Südafrika ist die schwarze Bevölkerungsmehrheit erst seit 1994 an der Regierung. Einige Inseln gehören bis heute verschiedenen europäischen Staaten.

Durch die künstlichen Grenzziehungen der Kolonialzeit haben die meisten afrikanischen Staaten kein Nationalgefühl entwickelt. Dies und die einseitige Ausrichtung der Wirtschaften auf Exportartikel führten u. a. dazu, dass die politische Lage in den meisten Staaten instabil ist und autoritäre Regime vorherrschen. Dadurch fällt ein großer Teil der natürlichen Reichtümer des Kontinents der Korruption zum Opfer beziehungsweise wird von internationalen Konzernen abgeschöpft. Verbunden mit unterentwickelter Infrastruktur, klimatischen Problemen, hohem Bevölkerungszuwachs und in neuerer Zeit sehr hohen AIDS-Raten führt dies dazu, dass fast ganz Afrika der Dritten Welt angehört.

Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es vergleichsweise starke Probleme bei der Durchsetzung von Demokratie und Menschenrechten. Die meisten der als gescheiterte Staaten angesehen Länder liegen in Afrika.

Mit der Gründung der Afrikanischen Union (AU) soll ein neues Kapitel in der afrikanischen Politik eingeschlagen werden; Eigenverantwortung, gegenseitige Kontrolle, gute Regierungsführung sollen die afrikanische Renaissance ermöglichen.

Die Afrikanische Union geht von der Existenz von 53 Staaten auf dem Kontinent aus, die ursprünglich alle der Organisation angehörten, später dann trat Marokko aus, und Mauretanien wurde ausgeschlossen. Während jedoch die Arabische Sahara-Republik faktisch nicht existiert (das Westsahara-Gebiet ist Marokko angeschlossen), aber von der AU als Vollmitglied anerkannt wurde, existiert bereits seit 1991 eine kontinuierliche und von Somalia faktisch unabhängige Republik Somaliland, die jedoch nicht formal anerkannt ist. Unabhängig von der politischen Sichtweise kann aber jeweils von 53 afrikanischen Staaten ausgegangen werden.

Weite Teile der Wirtschaft im mittleren und südlichen Afrika sind auf den Export ausgerichtet (z. B. Bananenplantagen, Tropenhölzer, Gold- und Diamantenminen, Kakaoplantagen). Daneben gibt es in den Städten größere Industrie- und kleinere Handwerksbetriebe, die unter anderem für den Eigenbedarf produzieren. Auf dem Lande herrscht oft Subsistenzwirtschaft vor, beispielsweise Anbau von Maniok und Batate, Fischerei, Tierzucht. Außerdem ist in manchen Gegenden der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle (z. B. Safari).

In den Staaten Nordafrikas bringt vor allem die Förderung von Erdöl und Erdgas Einnahmen. Daneben gibt es am Nil und in einigen fruchtbaren Gebieten Landwirtschaft. Die Nil-Staudämme werden zur Stromerzeugung genutzt.

Filme wurden in Afrika seit der Erfindung des Kinos gedreht, darunter ethnographische Filme und kolonialistische Propagandafilme. Eine eigene Filmindustrie entwickelte sich insbesondere in Ägypten.

Zu den wichtigsten afrikanischen Autoren gehören der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka und der mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnete Chinua Achebe, der „Vater“ der afrikanischen Literatur.

Weitere bedeutende Autoren sind: Mobolaji Adenubi (Nigeria), Ama Ata Aidoo (Ghana), Amadou Hampâté Bâ, Francis Bebey (Kamerun), Mongo Beti (Kamerun), Steve Chimombo (Malawi), Mia Couto (Mosambik), Amma Darko (Ghana), E.B. Dongala (Volksrepublik Kongo), Nuruddin Farah (Somalia), Nadine Gordimer (Südafrika, Nobelpreis für Literatur 1991), Bessie Head (Südafrika/Botsuana), Lília Momplé (Mosambik), Grace Ogot (Kenia), Ben Okri (Nigeria), Ousmane Sembène (Senegal), Ngũgĩ wa Thiong’o (Kenia), Yvonne Vera (Simbabwe), Naguib Mahfouz (Ägypten, Nobelpreis für Literatur 1988), Tayeb Salih (Sudan), J. M. Coetzee (Südafrika, Nobelpreis für Literatur 2003), Waris Dirie (Somalia) und Damon Galgut (Südafrika).

Die Musik spielt für viele Afrikaner eine wichtige Rolle. Viele afrikanische Kulturen haben Tonsprachen, das heißt Sprachen, in denen die Tonhöhe zur Unterscheidung von Bedeutung benutzt wird; dies hat zum Teil erheblich Konsequenzen. Zum Beispiel dadurch, dass mit auf Instrumenten gespielten Tonfolgen ein bedeutungsvoller und für die Zuhörer verständlicher Text gespielt werden kann. Aber auch, dass Tonfolgen in Vokalmusik dem Sprachton unterworfen sein können. Über afrikanische Musik kann man nicht sprechen, ohne den Tanz einzuschließen. Viele afrikanische Sprachen haben ein gemeinsames Wort für die beiden in „westlicher“ Kultur zumeist unterschiedenen Konzepte. Historische Forschungen haben gezeigt, dass afrikanische Musikkulturen niemals statisch, sondern im Gegenteil überaus dynamisch waren und sind.

Verschiedene Tonsysteme, Musiken in Verknüpfung mit Kult, Repräsentation, dörflichen Festen, städtischer Unterhaltung, seit Anfang des 20. Jahrhunderts eine kommerzielle Musik-Industrie (Schellack-Platten) existieren jeweils unter lokal verschiedenen Bedingungen und sorgen so für eine große Diversität afrikanischer Musik.

Eine grobe Einteilung in Stilgebiete unterscheidet den Khoisanid geprägten Süden vom Bantusprachigen Zentralafrika und den mehr oder weniger islamisch beeinflussten Regionen Ost- wie Westafrikas.

Philosophische Inhalte werden zum Großteil noch immer über nicht-schriftliche Medien, wie beispielsweise mündlicher Überlieferung, vermittelt, da die meisten afrikanischen Völker keine Schriftform entwickelten. Dementsprechend schwierig gestaltet sich der Umgang mit dem philosophischen Erbe Afrikas. Amadou Hampâté Bâ drückte es einmal so aus; es verbrenne immer eine ganze Bibliothek, wenn ein Alter stirbt. Dichter wie Ngũgĩ wa Thiong’o schreiben zudem aus Protest gegen den ihrer Meinung nach eurozentristischen Blick hiesiger Wissenschaften und aufgrund ihres Zielpublikums in ihrer eigenen Sprache, für die oft noch keine Schriftform existierte. Schriftformen wurden erst in den letzten Jahrzehnten, häufig unter Mithilfe europäischer Missionsgesellschaften, entwickelt. Philosophen und Theoretiker sind einem europäischen Publikum meist aus dem Zusammenhang kultureller Befreiungsversuche bekannt.

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Judentum in Afrika

Jüdischer Bevölkerungsanteil in den Staaten Afrikas 2005

Zu den alten Gemeinschaften afrikanischer Juden zählen zum einen die sephardischen und Mizrahi Juden Nordafrikas, sowie Gruppen von Schwarzafrikanern, speziell die Lemba aus Malawi, Simbabwe und der südafrikanischen Region Venda, die die Nachkommenschaft König Salomos, sowie die äthiopischen Beta Israel, die die Herkunft vom Stamm Dan behaupten, wenn dabei auch die Historizität umstritten ist. Die Igbos, eine maghrebinische (westafrikanische) jüdische Gemeinde Nigerias, behaupten ebenso die Herkunft von jemenitischen, marokkanischen und ostafrikanischen jüdischen Gemeinden.

Von den lange Zeit ansässigen jüdischen Gemeinden in Marokko, Tunesien und den spanischen Städten Ceuta und Melilla sowie der starken jüdischen Gemeinde in Djerba, Tunesien, sind nur noch Reste verblieben. Wie in der übrigen arabischen Welt sind die meisten seit Ausrufung des Staates Israel ausgewandert, zumeist nach Israel, Frankreich oder Spanien.

Die äthiopischen Beta Israel oder Falascha wurden 1975 von der israelischen Regierung als „amtliche“ Juden anerkannt und viele von ihnen wurden in der Regierungszeit Menachem Begins per Luftbrücke nach Israel transportiert; diese spektakuläre Einwanderungsaktion wird im 21. Jahrhundert fortgesetzt. Begin hatte einen vom israelischen sephardischen Oberrabbiner ( Rishon LeTzion ) Ovadja Josef autorisierten Entscheid erhalten, diese seien Nachkommen der zehn verlorenen Stämme, vermutlich des Stammes Dan, wie rabbinische Bemerkungen diese Angelegenheit seit Jahrhunderten andeuteten; historische und genetische Beweise jedoch legen einen anderen Ursprung nahe. Rabbi Yosef verfügte eine pro forma Konversion zum Judentum aller Beta Israel nach ihrer Ankunft im Staat Israel und eine Unterwerfungserklärung unter die Lebensweise der Halacha, bzw. Lehre und Praxis des orthodoxen rabbinischen Judentums. Zahlreiche rabbinische Behörden sehen die Konversion zum Judentum nicht als pro forma sondern real an.

Die Praxis der Beta Israel unterscheidet sich in bestimmten Bereichen erheblich von denen anderer Formen des Judentums, da in Äthiopien die Beta Israel Gemeinde zumeist in Unkenntnis des Talmud gelebt hatte.

Sie besaßen jedoch ihr eigenes mündlich tradiertes Gesetz, das zuweilen dem der Karäer ähnelte. Jedoch interpretierten ihre Ältesten oder die Priesterkaste, die sog. „kessim“ oder „qessotch“, das biblische Gesetz des Tanach in einer nicht vollständig abweichenden Weise von dem, was andere rabbinisch-jüdische Gemeinden in anderen Teilen der Welt praktizierten. In diesem Sinn verfolgen die Beta Israel eine dem Talmud ähnliche Tradition, obgleich sie zuweilen im Gegensatz zu Lehre und Praxis anderer jüdischer Gemeinden weltweit steht. Heute sind sie eine Gemeinde im Fluss und haben mit vielen kessim das „normative“ Judentum übernommen, während andere Traditionalisten auf der Beibehaltung ihrer eigenen und eindeutigen Form des Judentums bestehen, wie sie in Äthiopien und in Eritrea geübt wird.

Die nach Israel eingewanderte äthiopische jüdische Jugend passte sich zum einen der in Israel herrschenden Form des orthodoxen Judentums an, während sich andere am weltlichen Lebensstil in Israel orientierten.

Die Beta Israel feierten weder Purim noch Chanukka, da sie sich historisch bereits vom Zentrum des Judentums entfernt hatten, bevor diese Festtage aufkamen. Heute halten sich die meisten Mitglieder der israelischen Beta Israel Gemeinde an diese Feiertage.

Der in Palermo lebende Geograph al-Idrisi schreibt 1154 in Bezug auf das Gebiet des westlichen Nigerbogens, dass es dort die Städte Malal (Mali) und Do gab, die vier Tagereisen von einander entfernt lagen. Die Einwohner der beiden Städte seien Juden aber sie seien von Ignoranz und Unglauben befallen. Auch die Einwohner des geheimnisvollen Landes Qamnuriya, dessen Lage der des Ghana-Reiches entsprach, sollten Juden gewesen sein aber ihre Religion sei so verworren, dass sie letztendlich an gar nichts glaubten. Der zeitgleich mit al-Idrisi schreibendende andalusische Geograph al-Zuhri bestätigt die Richtigkeit dieser Nachrichten mit folgender Information: „Die Einwohner von Amima (Mema) bekennen sich zum Judentum. Man erreicht ihr Land über Gao und Wargla. Sie sind die ärmsten der Schwarzen. Sie lesen die Tora.“ Dieses sind die einzigen zeitgenössischen Angaben arabischer Autoren zu jüdischen Gemeinde in Westafrika. Andere Hinweise können indirekt aus späteren Traditionen erschlossen werden.

Nach den arabischen Aufzeichnungen des Tarikh el-Fettash (17. Jahrhundert) und Tarikh el Soudan (17. Jahrhundert) bestanden einige jüdische Gemeinden als Teile Ghanas, Malis und der neueren Songhay Reiche. Eine solche Gemeinde wurde von einer Gruppe ägyptischer Juden gegründet, die über die Sahelzone durch den Tschad nach Mali reiste. Das Manuskript C des Tarikh el-Fettash beschreibt eine Bani Israel genannte Gemeinde, die 1402 in Tendirma bestand, 333 Brunnen besaß und sieben Prinzen sowie ein Heer hatte.

Anderen Quellen zufolge wurden weitere jüdische Gemeinden der Region durch Wanderungsströme aus Marokko, Ägypten, Portugal und evtl. aus Gojjam, Äthiopien gegründet. Von einigen Gemeinden heißt es, sie bestünden aus einer Gruppe bestimmter Berberjuden wie die Gruppe von Kal Tamasheq alias Iddao Ishaak, der von Nordafrika nach Westafrika Handelsreisen unternahm, sowie jenen, die den islamischen Invasionen in Nordafrika entgingen.

Die Lemba (Lembaa ) sind eine südafrikanische Volksgruppe. Obgleich sie die Bantusprache wie ihre Nachbarn sprechen, pflegen sie spezifische religiöse Praktiken, die denen des Judentums ähnlich sind, sowie Wandererbräuche, die auf einen Ursprung im Nahen Osten oder in Nordafrika deuten.

Interkulturelle Ehen mit Nicht-Lemba sind tabu, so dass es, besonders für männliche Nicht-Lemba schwer ist, Teil des Stammes zu werden. Das Vorhandensein einer nichtproportionalen Zahl bestimmter Ketten auf dem Y-Chromosom, deutet auf eine genetische Verwandtschaft über den Aaron des Y-Chromosoms mit den Kohanim oder Priestern, einer eindeutigen israelitischen Untergruppe. Über diesen Y Chromosomen Marker verfügen über 50% der Männer in Israel, während etwa 85% der Lemba-Männer den Cohen Model Marker aufwiesen.

Während es sicher ist, dass die Lemba Nachkommen der israelitischen Stämmen sind, haben sie das Judentum Jahrhunderte lang nicht praktiziert. Obgleich eine beträchtliche Mehrheit der Lemba keinen Widerspruch sehen, ihr hebräisches Erbe gleichzeitig mit der Ausübung des Christentums oder des Islam zu proklamieren, gab es später eine Bewegung in Richtung des Mainstream-Judentum, und organisierte Maßnahmen, die sie unterstützten, Vollmitglieder der weltweiten jüdischen Gemeinschaft zu werden.

Teile der Igbo (Ibo) von Nigeria gelten als Nachfahren nordafrikanischer oder ägyptischer Juden oder späterer israelitischer Wanderungsbewegungen in Westafrika. Mündlich tradierten Legenden der Igbo zufolge begann diese Migration vor ca. 1.500 Jahren.

Mündliche Legenden der Igbo weisen darauf hin, dass bestimmte Nri Familien levitische Nachkommen nordafrikanischer Einwanderer sein könnten. Die Legende meldet weiter, die Vorfahren der Igbo entstammten israelitischen Familienclans, die das Nordreich Israel vor und während der assyrischen und babylonischen Belagerungen verlassen hätten. Dieses würde die gegenwärtigen mündliche Traditionen der betreffenden Stämme erklären.

Die Godians und Ibrim genannten Gruppen behielten einen großen Teil der jüdischen Traditionen der Igbo bei. Isoliert vom Rest der nigerianischen Gesellschaft pflegten sie die jüdischen Traditionen, die bei der Mehrheit der Gemeinden inzwischen verloren gegangen waren. Bestimmte nigerianische Gemeinden mit jüdischer Praxis haben die Unterstützung einzelner in Nigeria arbeitender Israelis und amerikanischer Juden erfahren, darüber hinaus von Organisationen wie Kulanu und African American Jewish communities in America. Zwei Synagogen in Nigeria wurden von außerhalb Nigerias lebenden Juden gegründet und von den Igbos in Nigeria genutzt.

Mangels einer offiziellen Zählung in der Region ist nicht bekannt, wie viele nigerianische Igbos sich selbst als Israeliten oder Juden bezeichnen. Z.Z. gibt es 26 Synagogen verschiedener Größe, schätzungsweise 30.000 Igbos üben irgendeine Form des Judentums aus.

Die Bnai Ephraim unterscheiden sich von anderen nigerianischen israelitischen Gruppen dadurch, dass sie anstelle der Igbo unter dem Volk der Yoruba leben. Die nigerianischen Bnai Ephraim („Kinder von Ephraim“) zählten 1930 ungefähr 2000 Personen in 400 Familien in 20 kleinen Dörfern im Ondo Distrikt in Südwestnigeria. Nach ihren Überlieferungen gelangten sie im 16. Jahrhundert nach der Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 über Marokko nach Nigeria. Ihre Sprache ist eine Mischung des marokkanischen Arabisch mit Yoruba, jedoch mit aramäischen Elementen, wie ima für „Mutter“. In ihren Ansichten und den meisten Bräuchen unterscheiden sie sich nicht nennenswert von ihren Yoruba-Nachbarn, aber die Yoruba nennen sie Emo Yo Quaim - die „merkwürdigen Leute.“ Sie selbst nennen sich Bnai Ephraim und bewahren Kopien von Teilen der Torah in ihren Schreinen auf - anders als andere afrikanisch-israelitischen Gemeinde in Nigeria, wie die Igbo, die eine Form der althebräischen Lebensart ohne Torah praktizierte. Die Bnai Ephraim sind die einzige abgesonderte Volksgruppe bei den Yoruba.

Es gibt Vermutungen, dass das Judentum zu einem bestimmten Zeitpunkt über ägyptische Kaufleute nach Kamerun kam. Quellen zufolge haben diese Gemeinden Bräuche wie die Trennung von Milch- und Fleischprodukten beachtet sowie Tefillin getragen. Auch wird behauptet, Juden wanderten im Zuge der islamischen Eroberungen Nordafrikas auf ihrer Flucht nach Süden in Kamerun ein.

Die Behauptung einer jüdischen Präsenz in Kamerun stammt von Rabbi Yisrael Oriel. Rabbi Oriel, früher Bodol Ngimbus-Ngimbus, wurde im Ba-Saa Stamm geboren. Das Wort Ba-Saa sei hebräisch für „auf der Reise“ und bedeute Segen. Rabbi Oriel behauptet die levitische Nachkommenschaft von Mose. Angeblich unternahm Rabbi Oriel 1988 die Alija und wurde vom Sephardischen Oberrabbiner zum Rabbiner ordiniert und zum Rabbiner der nigerianischen Juden ernannt.

Rabbi Oriel behauptet, 1920 hätten 400.000 „Israeliten“ in Kamerun gelebt, und er könne ihren jüdischen Status gemäß den mittelalterlichen rabbinischen Quellen beweisen. Aber um 1962 habe sich die Zahl wegen der Konversion zu christlichen und islamischen Missionaren auf 167.000 verringert. Gleichwohl wurden diese Stämme als nicht halachisch abgelehnt.

Das Brüsseler Havila-Institut will diejenigen Tutsi (Batutsi) Ruandas und Burundis unterstützen, die trotz Christianisierung im 19. und Völkermord Ende des 20. Jahrhunderts eine Erinnerung an eine hebräische Vergangenheit bewahrt haben und sich als Nachkommen der Stämme Juda und Dan betrachten. Yochannan Bwejeri sieht ihren Ursprung in Äthiopien bzw. im Becken des Weißen Nil, im vielfach in der Bibel erwähnten Königreich Kusch. Er identifiziert dieses mit dem vom Strom Pischon aus dem Garten Eden umflossenen Land Hawila (Gen 2,11 EU). Kulturelle und religiöse Beziehungen hätten entweder zum ägyptischen Monotheismus der 18. Dynastie oder zur Torah bestanden. Diese gingen bis auf die Zeit Moses' zurück, andere jüdische Gruppen seien etwa zur Zeit der Zerstörung des Tempels ausgewandert. Nach der Zerstörung des Reichs Kusch 1270 n. Chr. seien verschiedene Stämme in das Gebiet der Großen Seen, ins heutige Burundi, Ruanda, in Teile von Uganda, Tanzania und des Kongo gezogen. Die politische Organisation der frühen und späteren, südkuschitischen Königreiche sei eng mit dem salomonischen System verbunden gewesen, und die Gesetzgebung sei eine genaue Kopie des deuteronomischen Gesetzes. Schon im 9. Jahrhundert berichtete Eldad Ha Dani von einer authentischen und alten mosaischen Zivilisation im südlichen Äthiopien. Diese beachte Speisegebote, glaube an den Schöpfergott, lerne den hebräischen Talmud, kenne aber keine Rabbis. Bwejeri meint, Tutsi-Stämme könnten heute noch genauso beschrieben werden.

Bis vor kurzem trug die Flagge Burundis drei rote Davidssterne, ein weltweit verbreitetes Symbol des Judentums.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts beherrschte die Vorstellung massiver Fremdeinflüsse das Bild, das man sich von der Geschichte Afrikas machte. Dabei spielte auch die Idee israelitischer Abwanderungen nach Afrika eine gewisse Rolle, sowie Einflüsse der kanaanäischen Kultur, die durch die phönikische Expansion von 1000 bis 500 Jh. v. Chr. vermittelt wurden. Diese Ansätze wurden jedoch in nachkolonialer Zeit nur noch selten akzeptiert. In jüngerer Zeit nahm sie unter anderem Dierk Lange wieder auf und begründete sie neu. Im Folgenden werden seine Forschungsergebnisse dargestellt und ihre Relevanz für die Thematik dieses Artikels hervorgehoben. Andere Historiker Afrikas wie Christopher Ehret gehen weiterhin von der Isolation Afrikas von der antiken Weltgeschichte aus und ignorieren dementsprechend die Thematik der Israeliten im subsaharanischen Afrika.

Die spärlichen Berichte der arabischen Geographen zum mittelalterlichen Westafrika erwähnen jüdische Gemeinden lediglich für den Westen des Bilad al-Sudan im Bereich des heutigen Mali. Für das viel direkter von der phönikischen Expansion betroffene Tschadseegebiet fehlen derartige Informationen. Hier lassen nur verschiedene innere Überlieferungen auf bedeutende israelitische Einflüsse schließen, deren Datierung auf die Gründungszeit der betroffenen Staaten und damit in die phönikisch-karthagische Zeit zurückführt.

Für das Reich Kanem östlich des Tschadsees belegt die Staatschronik, der Diwan, die große Bedeutung, die die Sefuwa-Herrscher des Reiches einer Abstammung aus Israel beimaßen. Danach soll ihr Stammvater Sef ein Nachkomme der 18 namentlich genannten biblischen Patriarchen von Adam bis Abraham gewesen sein. Unter dem Einfluss des postkolonialen Paradigmas der Historiographie Afrikas war man bisher der Ansicht, dass diese Namen aus dem arabischen Schrifttum entlehnt sein müssten. Verschiedene Besonderheiten der überlieferten Patriarchennamen, die als authentisch anzusehen sind, deuten jedoch auf eine innere, vorarabische schriftliche Überlieferung in Hebräisch oder Griechisch. Auch der aus dem Sumerischen abgeleitete mündliche Zweitname der Chronik, Girgam, weist auf eine dem Arabischen vorhergegangene Schrifttradition des Tschadreiches Kanem-Bornu.

Die Schriftquellen der inneren Überlieferung berichten übereinstimmend von der Zerstörung des Mune-Nationalheiligtums durch den radikalislamischen Reformkönig Dunama II. (1203-1242). Obgleich sie fest in der islamischen Tradition stehen, kritisieren sie diese Gewalttat, die die Einheit der politischen Führungsschicht des Reiches vernichtete. Der wichtigste Chronist des Tschadreiches, der Großimam Ibn Furtu, bezeichnet 1578 die 350 Jahre zuvor erfolgte Zerstörung des Mune als monumentalen Fehler mit Konsequenzen, unter denen das Volk bis zu seiner Zeit zu leiden hätte. Bei der Darlegung der Bedeutung des Mune erwähnt er beiläufig, dass es sich um die Bundeslade des israelitischen Königs Saul handelte. Sie habe für die Einwohner des Tschadreiches die gleiche religiöse Bedeutung wie die Sakina (Bundeslade) für den Propheten Muhammad.

Einen weiteren Hinweis auf die Bedeutung des israelitischen Tradition für die Einwohner des Tschdreiches, die heutigen Kanuri, bietet die mündliche Überlieferung, derzufolge die Herrschaft über das Tschadreich auf Bremi, d.h. Abraham, zurückführe. Sef und Dugu, die Stammväter der beiden Führungsklans des Tschadreiches, seien seine Zeitgenossen. Daraus ist zu ersehen, dass nicht nur die herrschende Dynastie der Sefuwa sondern das gesamte Staatswesen von Kanem-Bornu in einer israelitischen Tradition verwurzelt ist. Dennoch war Kanem, wie aus den Beschreibungen der arabischen Geographen hervorgeht, kein rein israelitischer oder gar jüdischer Staat. Das Ineinanderwirken israelitischer und kanaanäischer Elemente machten ihn zu einem Staat der kanaanäisch-israelitischen Tradition.

Im Gegensatz zum Großreich Kanem-Bornu zeichneten sich die Hausastaaten durch ihre Aufteilung in verschiedene Stadtstaaten aus. Der im Nordwesten gelegene kleine Stadtstaat Daura galt als traditionelles Zentrum dieser Staatenwelt. Hier wird auch die für alle Hausastaaten maßgebliche Bayajidda-Legende überliefert, die als kanaanäisch-israelitische Gründungscharta der Hausastaaten anzusehen ist. Ihr wichtigstes kanaanäisches Element besteht in der Drachentötung. Als ihr zentrales israelitisches Erbe ist die namentlich leicht entstellte Abraham-Sara-Hagar-Erzählung anzusehen, wonach die Staatenwelt des Zentralsudan zur einen Hälfte aus der Nachkommenschaft des älteren Sohnes der Hagar/Bagwariya und zur anderen aus der Nachkommenschaft des legitimeren Sohnes der lokalen Königin, der Sara/Magajiya, hervorgegangen sei.

Man könnte der Ansicht sein, es handle sich bei der Hausatradition um eine oberflächliche Erzählung, die nur zufällige Ähnlichkeiten mit der Abraham-Erzählung des Alten Testaments aufweist. Bemerkenswert ist jedoch, dass in beiden Fällen auf die regionale Völkerwelt Bezug genommen wird: hier die „sieben Hausa-“ und die „sieben Banza-Staaten“, dort die zwölf Stämme Israels und die zwölf Stämme der Araber. Zudem finden wir in beiden Fällen auch innere Vertreter der verpönten Außenseitergruppe: hier die verstreuten Azna-Klans innerhalb der „sieben Hausa“ und dort die verstreuten Leviten innerhalb der Stämme Israels. Die tiefe Verankerung der Hausa- und Azna-Klans innerhalb der Hausastaaten und der Hausagesellschaft legen einen Ursprung in der Gründungszeit dieser Staaten nahe, die gleichfalls in der Periode der phönikischen Expansion anzusetzen ist.

Die einzige Chronik aller Hausa-Staaten, die Kano-Chronik, bestätigt die Verankerung der Hausa-Geschichte in der israelitischen Tradition. Danach war der Gründer des Kano-Staates kein Geringerer als der israelitische König David, der hier den lokalen Namen Bagauda trägt. Weitere Namen der legendären Tradition der Stadt können mit Moses, Joschua und Salomo identifiziert werden. Offensichtlich war den frühen Chronisten daran gelegen, die Geschichte ihrer Stadt parallel zu Jerusalem darzustellen: So wie das jebusitisch-kanaaäische Jerusalem von David und den Israeliten erobert wurde, so wurde auch die lokale, polytheistische Gemeinde von Kano durch den wie ein Muslim auftretenden Bagauda belagert und letztlich von seinem Nachfolger eingenommen.

Während der Kolonialzeit waren Versuche, die Entstehung der Yoruba-Staaten aus Ägypten oder dem Vorderen Orient zurückzuführen, gang und gäbe. Unter dem Druck des postkolonialen Paradigmas wurden diese Versuche allesamt aufgegeben. Erst in letzter Zeit gibt es erneut Bestrebungen, die Verknüpfungen zwischen der Geschichte der Yoruba und der Antiken Welt zu thematisieren. Dabei fallen zunächst die Parallelen zwischen dem Pantheon der Yoruba und der kanaanäisch-phönikischen Götterwelt ins Auge. So erscheint der Hochgott Olodumare durchaus als eine Replik Els, Obatala als ein Pendant Jahwes und Melqarts und Yemoja als Entsprechung der Meeresgottheit Jamm/Tiamat. Diese Vergleiche geben eine generelle Parallelität mit der kanaanäisch-israelitischen Götterwelt zu erkennen, erlauben jedoch keine Schlussfolgerungen über präzise historische Zusammenhänge.

Die in Ile-Ife beheimatete große Schöpfungsmythologie der Yoruba bestätigt die Verwandtschaft mit der kanaanäisch-semitischen Welt. Danach entstand die Erde auf dem Urozean im Zusammenhang mit einem Streit zwischen dem Schöpfergott Obatala und dem Urgott Oduduwa. Der Streit ist noch heute Gegenstand genereller kultdramatischer Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der verschiedenen Kultgruppen der Stadt im Rahmen des Itapa-Neujahrsfestes. Da die Palastgruppen gleichfalls in diesen Streit involviert sind, muss es sich auch in diesem Fall um Vorstellungen handeln, die bis in die Gründungszeit des Stadtstaates von Ile-Ife zurückreichen.

Die Oraltraditionen des weiter nördlich gelegenen großen Königreichs Oyo der Yoruba ermöglichen eine einigermaßen genaue Datierung der über das phönikisch-punische Nordafrika nach Westafrika gelangten kanaanäisch-israelitischen Staatstradition. Nach einer Anknüpfung an die Götterwelt bezieht sich die Überlieferung zunächst auf den israelitischen Ahnherren Isaak (Ajaka) und dann auf das kurze Interregnum des assyrischen Eroberers Salmanassar III. (858-824 v. Chr.), der als Schango erinnert wird. Weitere Einzelheiten der israelitischen Geschichte wurden bis vor Kurzem in Form einer Schädelverehrung im Palast von Oyo wachgehalten. Dieser Kultus betraf ursprünglich die getöteten Prinzen der Omriden-Dynastie, die der jahwistischen Revolution des Jehu 841 v. Chr. zum Opfer gefallen waren. Nach dieser Interpretation identifizierten sich die frühen Könige von Oyo mit der noch stark kanaanäisch geprägten israelitischen Dynastie der Omriden. Der streng monotheistische Jehu war ihnen zuwider. Die Absetzung ihrer Vorfahren nach Westen und ihre Integration in die phönikische Gesellschaft könnte frühestens in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts und müsste spätestens 721 v. Chr. im Anschluss an die zweite assyrische Eroberung Israels stattgefunden haben. Ihre weitere Geschichte und insbesondere ihre Abwanderung nach Innerafrika ist wiederum nur im Rahmen der phönikisch-karthagischen Expansion zu verstehen.

Der größte Zustrom von Juden nach Afrika erfolgte nach der spanischen Inquisition und der bald danach erfolgten Vertreibung der Juden aus Spanien, Portugal und Sizilien 1492. Viele dieser Sephardischen Juden ließen sich in Nordafrika nieder.

König Manuel I. von Portugal verbannte um 1500 ca. 2.000 jüdische Kinder nach São Tomé und Príncipe. Die meisten von ihnen starben, aber Anfang der 1600er „stellte der örtliche Bischof voller Ekel fest, dass noch jüdische Bräuche auf der Insel gepflegt wurden und kehrte nach Portugal zurück wegen seiner Verärgerung über sie.“ Obgleich das jüdische Brauchtum über die Jahrhunderte verblasste, achten teilweise Menschen in São Tomé und Príncipe ihre Herkunft aus dieser Bevölkerungsgruppe. Ähnlich wurden zahlreiche portugiesische Juden nach ihrer Zwangskonversion zum Katholizismus nach Sao Tome verbannt.

Die Kehath-Familie konvertierte mit den übrigen Nichtmuslimen. Die Cohens, die vom marokkanischen islamisierten jüdischen Händler El-Hadj Abd-Al-Salam Al Kuhin abstammen, kamen im 18. Jahrhundert in die Region Timbuktu, die Familie Abana Anfang des 19. Jahrhunderts. Nach Prof. Michel Abitbol im Center for the Research of Moroccan Jewry in Israel reiste Rabbi Mordoche Aby Serour Ende des 19. Jahrhunderts mehrmals als wenig erfolgreicher Straußenfedern- und Elfenbeinhändler nach Timbuktu. Ismael Diadie Haidara, Historiker aus Timbuktu, fand althebräische Texte unter den historischen Aufzeichnungen der Stadt. Bei genealogischen Untersuchen erfuhr er, dass er selbst von marokkanisch-jüdischen Händlern der Abana-Familie abstammte. Als er Älteste in den Dörfern seiner Verwandten interviewte, entdeckte er, dass das Bewusstsein der jüdischen Identität der Familie aus Furcht vor Verfolgung als Geheimnis bewahrt blieb.

Die Abayudaya von Uganda sind eine Gruppe des enthusiastischen Judentums aus vergleichsweise neuer Zeit; der Beginn ihrer Religionsausübung liegt um 1917.

Das Haus von Israel ist eine Gemeinde von Sefwi Wiawso und von Sefwi Sui in Westghana, die die Nachkommenschaft ihrer Sefwi-Vorfahren von Juden behauptet, die südwärts zur Elfenbeinküste abwanderten. Die ununterbrochene jüdische Praxis dieser Gemeinde geht jedoch nur auf die frühen 1970er zurück.

Die Juden von Rusape, Simbabwe behaupten eine althebräische Stammesverwandtschaft; demnach seien die meisten Völker der Schwarzafrikaner (besonders die Bantu) tatsächlich althebräischen Ursprungs. Jedoch geht die jüdische Aktivität in der Rusape Gemeinde lediglich auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück; in diesem Fall auf 1903. Obwohl diese Gemeinde nicht mehr an Jesus als Messias wie die Christen glaubt, glaubt sie, Jesus sei ein Prophet gewesen, da jedoch alle Menschen Propheten seien, habe Jesus keinen besonderen Status. Zur Zeit bewegt sich die Gemeinde in Richtung des Mainstream-Judentum. Sie glaubt, die Mehrheit der afrikanischen Völker seien Nachkommen der 12 verlorenen Stämme Israels und die meisten Afrikaner übten hebräisches Brauchtum.

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HIV/AIDS in Afrika

Verbreitung von AIDS in Afrika (zu den grau markierten Gebieten liegen keine Daten vor)

Afrika südlich der Sahara ist die weltweit am schwersten von der HIV-Epidemie getroffene Region: 2007 lebten mit 22,0 Millionen HIV-positiver Menschen 67% aller Menschen mit HIV/AIDS in Subsahara-Afrika; dort kam es zu 75% (2,0 Millionen) aller HIV-bedingten Todesfälle. 2,3 Millionen wurden neu infiziert. Eine Studie zu den gemeldeten Todesfällen zeigt, dass die Zahl der Todesfälle in der Altersgruppe über 15 Jahre im Zeitraum 1997–2002 um 62% angestiegen ist, die Todesfälle in der Altersgruppe 25–44 Jahre haben sich mehr als verdoppelt. Dies hat dramatische demografische Folgen: In einigen Ländern ist durch die Immunschwäche die Lebenserwartung um mehr als zehn Jahre gesunken. Warum sich die Erkrankung im südlichen Afrika schneller verbreitet, ist unter dem Punkt Ursachen noch näher erläutert.

Innerhalb Afrikas unterscheidet sich Nordafrika (0,3%) hinsichtlich des Anteils der Infizierten an der Gesamtbevölkerung deutlich vom südlichen Afrika (5,0%).

Die Hauptübertragungswege von HIV unterscheiden sich grundlegend von denen in Europa und Nordamerika: Der heterosexuelle Geschlechtsverkehr ist in Afrika mit etwa 50% der HIV-Infektionen der weitaus häufigste Übertragungsweg. Zu weiteren 5 bis 10% der Ansteckungen kommt es durch infizierte Bluttransfusionen. Die Übertragung des Virus von HIV-positiven, schwangeren Frauen auf ihre Neugeborenen während der Schwangerschaft, der Geburt und der Stillzeit ist einer der wichtigsten Ansteckungswege: Infizierte Schwangere übertragen das HI-Virus mit einer Wahrscheinlichkeit von 16 bis 30 % auf ihr Kind (Mother to child transmission – MTCT). Die Hälfte von ihnen stirbt im ersten Lebensjahr, die meisten anderen vor dem fünften Geburtstag.

Genaue Angaben über Zeit, Ort, Wirtstier, Art und Anzahl der Übertragungen sind nicht bekannt. Ein internationales Forscherteam konnte 2006 schlüssig beweisen, dass der Ursprung des Erregers bei Schimpansen in Kamerun liegt. Phylogenetische Untersuchungen (Verwandtschaftsvergleiche zwischen den unterschiedlichen Subtypen von HIV und zwischen HIV und SIV) lassen vermuten, dass mehrere unabhängige Übertragungen vom Schimpansen auf den Menschen in Kamerun und/oder dessen Nachbarländern stattfanden. Die erste Blutprobe, in der sich HIV nachweisen ließ, wurde 1959 im Kongo von einem erwachsenen Menschen genommen. Weitere Proben stammen von einem US-Amerikaner (1969) und einem norwegischen Matrosen (1976).

Die vergleichbare Verbreitung in Nordafrika und West- bzw. Zentraleuropa ist auf den Einfluss Europas auf den nordafrikanischen Teil zurückzuführen; zusätzlich bildet die Sahara eine ökologische Abgrenzung zwischen nord- und südafrikanischen Staaten.

Höhere Prävalenz und fehlende Behandlungsmöglichkeiten für andere sexuell übertragbare Krankheiten begünstigen die Übertragung des HI-Virus. Inwieweit die Prävalenz dieser Erkrankungen die Verbreitung von HIV beeinflusst, ist noch nicht verstanden. Da viele Geschlechtskrankheiten zu Hautwunden an den Geschlechtsorganen führen, kann das Virus beim Geschlechtsverkehr die Schleimhautbarrieren wesentlich leichter überwinden. Gelegentlich werden auch genetische Faktoren in Betracht gezogen und Unterschiede des HI-Virus zu den in Europa verbreiteten Stämmen genannt. Bekannt ist, dass Aids vermehrt mit den in Afrika häufigen Erkrankungen Tuberkulose und Malaria einher geht.

Auch wenn alle oben genannten Ursachen die Verbreitung von AIDS begünstigen, überwiegen in bestimmten Regionen spezifische Ursachen. Zentral- und Ostafrika sind die einzigen Regionen in Afrika, die eine Abnahme der Verbreitung in der Bevölkerung aufzeigen – um dies nun schon als allmähliche Entschärfung des Problems betrachten zu können, sind die beobachteten Zeiträume jedoch zu kurz und ist der prozentuale Anteil der Infizierten in der Bevölkerung immer noch zu hoch. Trotzdem nimmt man an, dass diese Abnahme auch auf die Präventionskampagne, die seit Mitte der 1980er Jahre in Zusammenarbeit mit der WHO begonnen hat und die dafür verantwortlich ist, dass die Aids-Problematik und die möglichen Schutzmaßnahmen inzwischen 99 % der Bevölkerung, insbesondere auch den Jugendlichen, bekannt sind, zurückzuführen ist. In Ost- und Zentralafrika konnte UNAIDS feststellen, dass gute, intensive Präventionskampagnen einen deutlich positiven Effekt aufweisen können.

In Westafrika soll Prostitution eine wichtige Ursache sein. Beispielsweise sind in Luanda 33%, in Ouagadougou 21% der weiblichen Sexarbeiter HIV positiv – ein riesiges Potential für ein zukünftiges Wachstum der Epidemie.

Die Ursachen in Südafrika liegen gemäß UNAIDS (2004) an der frühen sexuellen Aktivität der Jugendlichen (das Durchschnittsalter beim ersten Geschlechtsverkehr beträgt bei Männern 16,4 Jahre und bei Frauen 17 Jahre, Deutschland: 16.9 Jahre) in Zusammenhang mit schlechter bzw. schlicht nicht vorhandener Präventionsaufklärung. Bei den Fünfzehn- bis Neunzehnjährigen sind 4,8% (2004) infiziert, bei den Zwanzig- bis Vierundzwanzigjährigen bereits 16,5% (2004). Auch sexuelle Gewalt scheint eine große Rolle zu spielen: 14 % der Frauen in Ostafrika geben an, dass sie zu ihrer ersten sexuellen Erfahrung gezwungen wurden.

In vielen Staaten Afrikas haben Mediziner und AIDS-Aufklärer mit heftiger Ablehnung der wissenschaftlichen Erkenntnisse über das HI-Virus zu kämpfen sowie mit einer weitverbreiteten Ignoranz gegenüber der AIDS-Forschung. Dazu beigetragen hat die als Aids-Leugner (engl. AIDS denialists) bezeichnete Gruppe von Personen, die mit unterschiedlichen Thesen den Zusammenhang von HIV und AIDS oder sogar die Existenz des Virus in Frage stellt. Ein besonders prominenter Vertreter dieser Gruppe ist der deutsch-amerikanische Molekularbiologe Peter Duesberg, der trotz seiner im Westen völlig diskreditierten Thesen zu der Krankheit in die AIDS-Beratungskommission der südafrikanischen Regierung berufen wurde. Südafrikas ehemaliger Präsident Thabo Mbeki hat wiederholt den Zusammenhang zwischen HIV und AIDS bestritten ebenso wie die Tatsache, dass es sich bei AIDS überhaupt um eine Krankheit handelt. Sein voraussichtlicher Nachfolger Jacob Zuma hat ähnliche Ansichten angedeutet. Auch andere afrikanische Staatschefs haben sich in dieser Hinsicht hervorgetan. So rät etwa Gambias Diktator Yahya Jammeh den Einwohnern seines Landes von der Einnahme antiviraler Medikamente ab.

Der umstrittene deutsche Vitaminverkäufer Matthias Rath war ebenfalls in Südafrika aktiv und verkaufte, unterstützt von der dortigen Gesundheitsministerin, Vitaminpräparate als angebliche Arznei gegen AIDS. Ende 2006 gab es Berichte darüber, dass sich ein grundlegender Kurswechsel in der AIDS-Politik Südafrikas abzeichne. Die Protagonisten der umstrittenen AIDS-Politik blieben allerdings weiterhin im Amt.

Während sich die Lebenserwartung und Lebensqualität für HIV-Infizierte in den Industrienationen deutlich vergrößert bzw. gebessert haben – sei es durch antiretrovirale Medikamente, durch bessere Behandlung von opportunistischen Infektionen oder die medikamentöse Prophylaxe von Infektionen –, sind die Perspektiven von HIV-Infizierten in den meisten afrikanischen Ländern weiterhin schlecht. Wo eine medizinische Versorgung oft ein Privileg Weniger ist, bleibt eine lebenslange antiretrovirale Therapie für Millionen von Menschen unbezahlbar.

Mindestens 85 % (nahezu 900.000) der Südafrikaner, die antiretrovirale Medikamente benötigen, bekamen diese Mittel 2005 nicht, das Gleiche gilt für mindestens 90 % der Bedürftigen in Ländern wie Äthiopien, Ghana, Lesotho, Mozambique, Nigeria, der Vereinigten Republik Tansania und Simbabwe.

Eine antiretrovirale Therapie kostet in Europa zwischen 10.000 $ und 15.000 $ pro Person und Jahr. Die Kosten sind u.a. so hoch, weil auf diesen Medikamenten Patentrechte liegen. Durch pharmazeutische Fabriken in Südafrika, Indien, Brasilien, Thailand und China sowie durch Spenden ist es möglich, in bestimmten afrikanischen Ländern Generika für 140 $ pro Person und Jahr zur Verfügung zu stellen.

Zu Beginn des Jahres 2004 hat die Clinton Foundation eine Einigung zwischen verschiedenen Herstellern von Generika und Markenherstellern erzielt und deutlich günstigere Konditionen für die Länder ausgehandelt, die am stärksten von der Pandemie betroffen sind. UNAIDS verkündete das Ziel, in diesen Ländern bis zum Jahre 2005 drei Millionen Menschen den Zugang zur antiretroviralen Therapie zu ermöglichen. 2004 wurde von der WHO die Initiative 3 by 5 gestartet: 3 Millionen Infizierte sollten im Jahr 2005 mit Medikamenten versorgt werden.

Junge Mädchen müssen oft die Schule abbrechen, um ihre erkrankten Eltern zu pflegen oder sich um die jüngeren Geschwister zu kümmern. Bis zum Jahr 2006 waren in Afrika 12 Millionen Kinder durch AIDS zu Waisen geworden. Diese gehen oft nicht zur Schule, werden ausgegrenzt und diskriminiert. Die Großfamilien sind angesichts der riesigen Anzahl an Waisen mit der Pflege dieser Kinder zunehmend überfordert. Sie tragen ein hohes Risiko, an Unterernährung zu leiden.

Diese Finanzierungen unterstützen afrikanische Staaten maßgeblich beim Aufbau nationaler Programme gegen die HIV-Epidemie. Kritiker mahnen häufig eine bessere Einbindung zivilgesellschaftlicher Gruppen und der Kirchen an.

1988 begann die Weltbank Projekte gegen HIV/AIDS finanziell zu unterstützen. In Afrika fördert die Weltbank staatliche Programme gegen HIV/AIDS durch Zuschüsse, die im Rahmen des "Multi-Country AIDS Program for Africa" (MAP) und des kleineren, auf die Implementierung der AIDS-Therapie ausgerichteten "Treatment Acceleration Program" (TAP, 2006-2008) vergeben werden. In der ersten Phase von MAP (2001 bis 2006) finanzierte die Weltbank 39 nationale oder überregionale Projekte mit einem Volumen von 1,286 Milliarden US-Dollar.

Für das Fortsetzungs-Programm PEPFAR 2 (2009 bis 2013) sind 48 Milliarden US-Dollar geplant.

Häufig wird die Kritik geäußert, dass die Mittelvergabe mit vielen, teilweise ideologischen Bedingungen verbunden ist: In Therapieprogrammen werden Markenmedikamente von US-amerikanischen Herstellern gegenüber billigeren Nachahmerpräparaten (Generike) bevorzugt. Kirchliche amerikanische Organisationen (Faith based Organisations), die oft den Gebrauch von Kondomen ablehnen, werden anderen nichtstaatlichen Organisationen und Initiativen vorgezogen. Das Verhältnis zwischen präventiven und therapeutischen Maßnahmen sei nicht ausgewogen; insbesondere werde zu sehr die ABC-Strategie („A“: abstinence, „B“: be faithful, „C“ use condoms) propagiert.

In Südafrika engagieren sich zahlreiche kleine Organisationen und Gruppen in der besonders betroffenen Provinz KwaZulu-Natal in der AIDS-Arbeit. Oft handelt es sich dabei um dörfliche Initiativen, die dem Leid ihrer Nachbarn nicht länger untätig zusehen wollen. Was ihnen fehlt, sind fachliches Wissen und finanzielle Mittel. Die AIDS Foundation South Africa (AFSA) hilft den Basisgruppen durch fachliche Beratung und mit Geld aus einem eigens dafür eingerichteten Fonds. In den nächsten drei Jahren will AFSA 16 Initiativen, die sich für AIDS-Aufklärung engagieren und betroffenen Familien helfen, finanziell unterstützen und fachlich beraten. So kann sichergestellt werden, dass sich die kleinen Initiativen und Gruppen ganz auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können und Hilfe bekommen, wenn sie nicht mehr weiter wissen.

In Angola, Botswana, Guinea-Bissau, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika, (aber auch in Indien und China) arbeitet in bisher 50 Gebieten à 100.000 Einwohnern Total Control of the Epidemic („totale Kontrolle der Epidemie“), eine mehrfach ausgezeichnete Kampagne zur Bekämpfung von HIV/AIDS der NGO Humana People to People. Auf der Basis einer strikten Organisation betreibt sie die Aufklärung und Mobilisierung der Bevölkerung in Besuchen geschulter Einheimischer von Haus zu Haus. Ende 2006 hatte sie 4,8 Millionen Menschen erreicht.

In Äthiopien, Kenia, Tansania und Uganda fördert die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung die AIDS-Aufklärung, unter anderem indem sie Selbsthilfeinitiativen der Bevölkerung unterstützt.

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Südliches Afrika

Südliches Afrika

Der Begriff südliches Afrika bezieht sich auf den südlichen Teil des afrikanischen Kontinents. Es gehört zu Schwarzafrika.

Im Gegensatz zu Nord-, West- und Ostafrika ist mit Südafrika meist nicht eine Region gemeint, sondern der Staat Südafrika. Deshalb wird zur Unterscheidung die Region südliches Afrika genannt.

Die Region kämpft mit zahlreichen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen. Die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (SADC) ist eine zwischenstaatliche Organisation, die sich der Lösung dieser Probleme verschrieben hat.

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Source : Wikipedia