Überlingen

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Geschrieben von goldorak 31/03/2009 @ 20:07

Tags : überlingen, baden-württemberg, deutschland

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Überlingen

Wappen der Stadt Überlingen

Überlingen ist eine Stadt am nördlichen Bodenseeufer. Sie ist nach der Kreisstadt Friedrichshafen die zweitgrößte Stadt im Bodenseekreis und ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Seit dem 1. Januar 1993 ist Überlingen Große Kreisstadt.

Überlingen liegt am Überlinger See genannten Teil des Bodensees. Das Hinterland ist eine hügelige Moränelandschaft, die in der letzten Eiszeit geprägt wurde.

Sipplingen, Bodman-Ludwigshafen, Stockach, Owingen, Frickingen, Salem und Uhldingen-Mühlhofen.

Mit den Nachbargemeinden Owingen und Sipplingen hat die Stadt eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.

Das Gemeindegebiet Überlingens besteht aus der Kernstadt und den im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre eingegliederten ehemalig selbständigen Gemeinden Bambergen, Bonndorf, Deisendorf, Hödingen, Lippertsreute, Nesselwangen und Nußdorf. Die eingegliederten Orte sind heute zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, sie haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden. In jeder der Ortschaften gibt es eine Ortsverwaltung, deren Leiter der Ortsvorsteher ist.

Überlingen bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Bodensee-Oberschwaben, deren Oberzentren die Städte Ravensburg, Weingarten und Friedrichshafen (in Funktionsergänzung) sind. Zum Mittelbereich Überlingen gehört der westliche Bereich des Bodenseekreises, im Einzelnen neben Überlingen noch die Städte und Gemeinden Daisendorf, Frickingen, Hagnau am Bodensee, Heiligenberg, Meersburg, Owingen, Salem, Sipplingen, Stetten und Uhldingen-Mühlhofen.

Überlingen wurde erstmals 770 als Iburinga urkundlich erwähnt. Möglicherweise war die Gunzoburg in der Oberstadt zuvor (641) Sitz des alemannischen Herzogs Gunzo. Um 1180 verlieh Kaiser Friederich Barbarossa dem Ort das Marktrecht, 1211 wurde Überlingen das Stadtrecht verliehen.

Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Stadt freie Reichsstadt. Das Heilige Geist Spital zu Überlingen gelangte an große Besitzungen im Oberen und Unteren Linzgau, sowie im Hegau.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1632 und 1634 erfolglos von schwedischen Soldaten belagert.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss verlor Überlingen 1803 die Reichsunmittelbarkeit und wurde Teil des Kurfürstentums bzw. späteren Großherzogtums Baden. Überlingen wurde Sitz eines Amts bzw. Bezirksamtes. Ab 1918 wurde Überlingen nach Abdankung des badischen Großherzogs Teil des republikanischen Freistaates Baden.

Im Jahr 1895 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz. Dieser Anschluss wurde 1901 nach Osten erweitert durch die Eröffnung der Strecke Überlingen - Friedrichshafen.

Im Jahr 1939 wurde der Landkreis Überlingen gebildet.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde von Häftlingen des KZ Dachau nahe von Überlingen eine Außenstelle des Konzentrationslagers (KZ Aufkirch) errichtet. Die Häftlinge arbeiteten in Überlingen von Oktober 1944 bis April 1945 an ausgedehnten unterirdischen Anlagen. So auch am Goldbacher Stollen, in dem Friedrichshafener Rüstungsbetriebe vor Bombardierung geschützt sein sollten. Von den mindestens 168 Häftlingen, die die Bauzeit nicht überlebten, liegen 97 auf einem Friedhof in der Nähe der Wallfahrtskirche Birnau begraben. Die Namen der toten KZ-Häftlinge sind soweit bekannt im Buch von Burger („Der Stollen“) zum Gedenken und zum Nachforschen für unbekannte Angehörige aufgeführt. Durch den Goldbacher Stollen an der Oberen Bahnhofstraße wird einmal im Monat eine Führung durchgeführt.

Etwa 200 Meter östlich der Wallfahrtskirche Birnau, oberhalb der B 31, befindet sich eine Gedenkstätte und ein Friedhof für KZ-Häftlinge, die beim Bau des Goldbacher Stollens ums Leben kamen. Der KZ-Friedhof Birnau ist ab dem Parkplatz oberhalb der Klosterkirche Birnau und der B 31 zu Fuß zu erreichen. Aus Überlingen selbst hat es keine Deportationen gegeben.

1972 führte die Stadt Überlingen als erste Stadt der Bundesrepublik eine Zweitwohnungssteuer ein („Überlinger Modell“).

Bis zur Kreisreform zum 1. Januar 1973 war Überlingen Kreisstadt des Landkreises Überlingen, der dann im Bodenseekreis aufging. 1990 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 20.000. Daraufhin stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die Landesregierung von Baden-Württemberg dann mit Wirkung vom 1. Januar 1993 beschloss.

In die internationalen Schlagzeilen geriet die Stadt durch das Flugzeugunglück am 1. Juli 2002: Über dem Stadtgebiet stieß eine Passagiermaschine mit einem Frachtflugzeug zusammen. 71 Menschen starben bei dem Unglück. Die Trümmer gingen im weniger dicht besiedelten nördlichen Umland der Stadt nieder, am Boden gab es keine Verletzten. Zum Gedenken an die Opfer wurde ein Denkmal in Form einer zerrissenen Perlenkette in Überlingen-Brachenreuthe bei Owingen nahe dem Absturzort errichtet.

2003 wurde die direkt am See gelegene Bodensee-Therme eröffnet.

2005 erreichte die Stadt, unter Mitwirkung der Ortsteile Deisendorf und Lippertsreute, eine Goldmedaille beim Wettbewerb Unsere Stadt blüht auf.

Andelshofen wurde 1239 als Andelsowe erstmals erwähnt. Der Ort war Besitz des Johanniter-/Malteserordens. 1552 und 1634 brannte der Ort nieder und wurde danach jeweils wieder aufgebaut. Die Obrigkeit lag bei Überlingen. 1805 kam der Ort an Baden und bildete zunächst eine eigene Gemeinde innerhalb des Bezirksamts Überlingen. 1927 wurde die Gemeinde aufgelöst. Andelshofen kam zu Überlingen. Der zugehörige Ort Hagenweiler kam zur Gemeinde Lippertsweiler, Schönbuch zur Gemeinde Bambergen.

Aufkirch wurde 1242 als Ufkilche erstmals erwähnt. Der Ort war Standort der ursprünglichen Pfarrkirche von Überlingen, St. Michael. Die Kirche mit dem zugehörigen Ort wurde 1311 dem Kloster Engelberg und 1343 dem Deutschen Orden auf der Insel Mainau übertragen. Dieser trat die Kollatur 1557 an Überlingen ab. Danach sank die Kirche zur Filiale herab und der zugehörige Ort blieb nur ein kleiner zu Überlingen gehöriger Weiler.

Bambergen wurde 1268 erstmals erwähnt. Der Ort war wohl im 13./14. Jahrhundert Sitz derer von Regentsweiler, deren Besitz 1352 an das Spital in Überlingen kam. Die Stadt Überlingen übte die Niedergerichtsbarkeit und auch die Landeshoheit über Bambergen und einige kleinere Weiler, darunter auch Reuthemühle, aus. Dazu war der Ort Sitz eines Amtes, zu dem auch umliegende spitalische Ort gehörten. 1803 kam der Ort an Baden und wurde dem Bezirksamt Überlingen zugeordnet.

Bonndorf wurde 800 als Pondorf erstmals erwähnt. Im 12. Jahrhundert tauchen Edelfreie von Bonndorf auf, deren Nachfolger die Herren von Hohenfels wurden. 1423 und 1479 wurde der Ort an das Spital Überlingen verkauft. Somit gelangte die Herrschaft an die Stadt Überlingen. 1803 kam der Ort an Baden und wurde eine Gemeinde im Bezirksamt Überlingen.

Deisendorf wurde 972 und 1040 als Besitz der Abtei „Meginradescella“ (Maria Einsiedeln) in der Schweiz als Tyzindorf erstmals erwähnt. Im 13. Jahrhundert bestand ein Ortsadel. Ein Graf Mangold von Rohrdorf übertrug 1202 sein Gut an das Kloster Reichenau zu Lehen auf. Später kaufte das Kloster Salem und 1363 die Dombruderschaft Konstanz Güter am Ort. 1402 gelangte der Ort an das Spital Überlingen. Von 1469 bis 1811 war Deisendorf Poststation der Österreichischen, später Thurn und Taxis-Postlinie Stockach-Ravensburg und Wien-Paris. 1803 kam Deisendorf an Baden und wurde dem Bezirksamt Überlingen zugeordnet.

Ernatsreute wurde 1213 erwähnt, als ein Conradus de Eradesriuti auftaucht. 1408 kam der Ort an das Spital Überlingen und war Teil des Amtes Bambergen. Die Ortsherrschaft lag somit bei Überlingen, doch hatte auch das Deutschordenshaus Mainau einen Lehnshof. 1803 kam der Ort an Baden und war zunächst Teil der Gemeinde Bambergen. 1924 wurde er der Gemeinde Lippertsreute zugeordnet.

Hagenweiler wurde 1285 als Hagenwiller erstmals erwähnt, als die Herren von Bodman ihren Besitz an den Johanniter-/Malteserorden verkauften. Der Ort gehörte dann zum Amt Andelshofen, die Steuerhoheit lag jedoch bei Überlingen. 1803 wurde Hagenweiler badisch und gehörte zunächst zur Gemeinde Andelshofen. Bei dessen Eingliederung nach Überlingen 1926 wurde Hagenweiler abgetrennt und der Gemeinde Lippertsreute zugeordnet.

Haldenhof (Hohenfels): Um 1148 taucht der Name Hohenfels auf. Sicher bezeugt ist eine kleine Herrscherfamilie von 1191 bis 1408. Deren Burg lag bei einer 1479 als Haldenhof bezeugten Ansiedlung. Damals war die Herrschaft Hohenfels bereits untergegangen. Die Herren von Hohenfels besaßen ursprünglich die Orte Sippingen, Mahlspüren und die heute zu Überlingen gehörigen Siedlungen Bonndorf und Nesselwangen. Durch Heirat konnte der Besitz auf Ittendorf vergrößert werden. 1408 wurde die Herrschaft aufgeteilt und der Großteil kam 1479 an das Spital Überlingen. Die Burg Hohenfels brannte 1633 und 1644 ab und ist nur noch als Ruine erhalten. Der Haldenhof ist heute nur noch ein Wohnplatz des Stadtteils Bonndorf.

Hödingen wurde 1242 als Hedingen erstmals erwähnt. 1297 verkaufte ein Swigger von Blankenstein den Kehlhof zu Hödingen an den Johanniter-/Malteserorden in Überlingen, später war der Ort im Besitz des Spitals Konstanz, welches die Ortsherrschaft innehatte. In neuerer Zeit hatte Überlingen die Oberhoheit über Hödingen. 1803 kam der Ort an Baden und wurde dem Bezirksamt Überlingen zugeordnet.

Lippertsreute wurde 1159 als Luiprehtisruti erstmals erwähnt. Im 12. Jahrhundert war der Ort im Besitz von St. Stefan in Konstanz, dann von St. Johann in Konstanz. 1217 erwarb das Kloster Salem Güter der Herren von Bodman, die die Ortsherrschaft über Lippertsreute ausübten. 1290 kam der Ort an die Johanniter in Überlingen und 1337 an die Deutschordenskommende Mainau, bei deren Landkomturei Altshausen der Ort bis 1805 verblieb. Dann wurde der Ort badisch und dem Bezirksamt Überlingen zugeordnet. 1924 erfolgte die Eingliederung von Ernatsreute (bisher Gemeinde Bambergen) und 1928 von Hagenweiler (bisher Gemeinde Andelshofen).

Nesselwangen wurde 1094 als Nezzelwanc erstmals erwähnt. Zunächst war der Ort im Besitz des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen. Später war er Teil der Herrschaft Hohenfels, von wo er 1479 an das Spital Überlingen kam. 1803 fiel der Ort an Baden und wurde dem Bezirksamt Überlingen zugeordnet.

Nußdorf wurde 1134 als Nuzdorf erstmals erwähnt. Über verschiedene Adelige, darunter Pfalzgraf Rudolf von Tübingen kamen die Besitzungen des Ortes an das Kloster Salem. 1803 wurde der Ort badisch und dem Bezirksamt Überlingen zugeordnet.

Schönbuch wurde im 13. Jahrhundert als Schonbuch erstmals erwähnt. Um 1260 kam die Siedlung derer von Gundelfingen an die Johanniter in Überlingen, die den Besitz im 15. Jahrhundert noch vergrößerten. Der Johanniterkommende stand somit bis 1803 die Niedergerichtsbarkeit zu, die Landeshoheit lag bei Überlingen. 1803 kam der Ort an Baden und wurde Teil der Gemeinde Andelshofen. Bei deren Auflösung 1928 wurde Schönbuch der Gemeinde Bambergen zugeordnet.

Walpertsweiler wurde 1160 als Waltprechtesweiler erstmals erwähnt. Der Ort gehörte dem Kloster Salem. 1415 wurde der Ort an das Spital Überlingen verkauft und gehörte nach dem Übergang an Baden als Wohnplatz zur Gemeinde Bonndorf.

Überlingen gehörte anfangs zum Bistum Konstanz. Die Bevölkerung war der Pfarrei St. Michael (Aufkirch) zugeordnet.

Eine Kirche wurde in Überlingen aber wohl schon im 10. Jahrhundert erbaut. Reste dieser Kirche wurden unter dem heutigen Münster St. Nikolaus gefunden. Das Münster wurde im 14. Jahrhundert als spätgotische Basilika erbaut. Die dem Hl. Nikolaus geweihte Kirche war bereits 1360 Pfarrkirche der Stadt. Von 1357 bis 1557 war sie dem Deutschen Orden inkorporiert. Nach dem Übergang an die Stadt wurde dort 1609 ein Kollegiatstift eingerichtet. Auch nach der Reformation blieb Überlingen katholisch. Neben der Stadtgemeinde gab es auch mehrere Klöster. Eine Franziskanerkirche wurde 1348 geweiht, 1519 umgebaut und 1752 barockisiert (heute Kirche Zur Unbefleckten Empfängnis). Das Kloster wurde 1803 aufgelöst. Die St. Jakobsbruderschaft erbaute sich eine Kirche, die 1462 geweiht wurde (heute Kirche St. Jodok). Ein Kapuzinerkloster bestand von 1619 bis 1806. Die 1686 erbaute Kirche wurde danach profaniert.

Der Johanniter-/Malteserorden gründete 1257 in Überlingen eine Kommende. Die Kommende Überlingen gehörte bis 1806 zum katholischen Großpriorat Deutschland des Johanniter-/Malteserordens, mit Sitz in Heitersheim. Die zugehörige Kirche wurde 1818 abgerissen. Ein Franziskanerinnenkloster zu St. Gallen bestand von 1535 bis 1803. Die St. Gallenkapelle, die sich in der Fischerhäuservorstand befand, wurde 1849 profaniert. Von den zahlreichen Kapellen sind zu erwähnen: St. Lucia von 1462 (heute Reichlin-Meldegg-Haus), St. Leonhard in den Egerden von 1437, Heinrich-Suso-Kapelle im Altersheim St. Ulrich von 1881, St. Joseph im Krankenhaus Seeburg von 1938, St. Johann Vianney von 1954 und Hl. Geist 1960.

Nach der Pfarrkirche St. Nikolaus („Münster“) wurde 1977 eine zweite Pfarrei auf dem Burgberg errichtet. Dort war bereits 1973 die katholische Kirche Heinrich Suso erbaut worden.

Auch in den meisten Stadtteilen gibt es jeweils katholische Gemeinden und Kirchen oder zumindest Kapellen. In Andelshofen gibt es eine neugotische Kirche St. Verena von 1885. Die alte Pfarrkirche des Ortes war von 1462 bis 1803 der Johanniterkommende inkorporiert. In Bambergen gibt es eine Marienkapelle des 17. Jahrhundert. Bonndorf hat eine Pfarrkirche St. Pelagius und Verena mit gotischem Chor und frühgotischem Turm. In Deisendorf besteht eine Kapelle St. Andreas mit romanischen Elementen. Eine eigene Pfarrei war dort bis ins 14. Jahrhundert vorhanden. Heute gehört der Ort zu Seefelden, und Birnau ist die Pfarrkirche der Orte Deisendorf und Nußdorf, welche gemeinsam die katholische Pfarrkuratie Birnau bilden. In Hödingen bestand eine Bartholomäuskirche, die im 30-jährigen Krieg zerstört wurde. Danach wurde die Kirche wieder erbaut und als Marienwallfahrt eingerichtet. Lippertsreute hat eine 1881 erbaute Kirche Mariä Himmelfahrt, doch ist hier bereits im 13. Jahrhundert eine Kirche erwähnt. In Nesselwangen wurde bereits im 11. Jahrhundert eine Kirche erwähnt. Die heutige Kirche St. Peter und Paul wurde nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg neu erbaut und 1861 vergrößert. Nußdorf hat eine spätgotische Kapelle des H. Kosmas und Damian. Die katholischen Kirchengemeinden kamen nach Auflösung des Bistums Konstanz zum neu gegründeten Erzbistum Freiburg. Hier wurden sie dem Dekanat Linzgau, dessen Sitz sich in Meersburg befindet, zugeordnet.

Anfang des 19. Jahrhunderts zogen auch Protestanten nach Überlingen und es entstand eine kleine Filialgemeinde von Meersburg. 1861 wurde in Überlingen eine eigene Pfarrei errichtet, die erste evangelische Kirche wurde 1867 erbaut. Sie gehörte zunächst zum Dekanat Konstanz der Evangelischen Landeskirche in Baden. Heute gibt es zwei evangelische Kirchengemeinden, die Auferstehungskirchengemeinde und die Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde, zu denen auch die meisten Protestanten der Überlinger Stadtteile gehören. Beide Kirchengemeinden gehören heute zu dem 1969 neu gegründeten Kirchenbezirk Überlingen-Stockach, der seinen Sitz in Salem hat.

Daneben gibt es in Überlingen auch mehrere evangelische Freikirchen, eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten), eine Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche (Kreuzkirche), eine Mennonitengemeinde und eine Adventgemeinde. Im Stadtteil Bambergen gibt es eine Evangelische Täufergemeinde, die zum Bund Evangelischer Täufergemeinden gehört. Ferner sind auch die Zeugen Jehovas, eine Gemeinde der Christengemeinschaft und eine Neuapostolische Gemeinde in Überlingen vertreten. Seit 1983 gibt es auch eine altritualistische Kapelle der Priesterbruderschaft St. Pius X..

In den Jahren 1332 und 1349 gab es in Überlingen Judenverfolgungen. Zum Gedenken an die Judenverfolgung während der Zeit des Nationalsozialismus wurden 2005 vor dem ehemaligen Landratsamt drei Stolpersteine verlegt für den ehemaligen Landrat und seine Familienangehörigen.

In die Stadt Überlingen wurden folgende Gemeinden bzw. Gemarkungen eingegliedert. Sie gehörten vor der Kreisreform alle zum Landkreis Überlingen.

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).

An der Spitze der Stadt Überlingen standen ab dem 13. Jahrhundert der vom Stadtherrn eingesetzte Ammann sowie der Rat. Der Ammann war Verwaltungs- und Finanzbeamter und stand dem Gericht vor. Teilweise war das Gericht in ein Ober- und ein Unterstadtgericht geteilt. Dem Rat gehörten zunächst nur Patrizier an, ab dem 13. Jahrhundert waren auch die Zünfte vertreten. Ein Bürgermeister ist ab 1308 urkundlich erwähnt. Er war bald danach für die Verwaltung, der Ammann nur noch für das Gericht zuständig. 1420 gab es zwei Bürgermeister sowie einen Neuen und einen Alten Rat, später Großer und Kleiner Rat.

Nach dem Übergang an Baden leitete ein Bürgermeister die Stadt, der seit der Erhebung zur Großen Kreisstadt 1993 die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister trägt. Heute wird der Oberbürgermeister für eine Amtszeit von 8 Jahren gewählt. Er ist Vorsitzender des Gemeinderats und Leiter der Stadtverwaltung. Der Oberbürgermeister hat einen 1. Beigeordneten als hauptamtlichen Stellvertreter, der die Amtsbezeichnung „Bürgermeister“ trägt.

Bei der Bürgermeisterwahl am 12. Oktober 2008 wurde Sabine Becker mit 40,8 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 54 Prozent gewählt. Sabine Becker ist damit die erste Oberbürgermeisterin in der Geschichte der Stadt Überlingen.

Das Wappen der Stadt Überlingen zeigt in Gold einen schwarzen Adler mit goldenem Brustschild, darin ein golden gekrönter und golden bewehrter roter Löwe. Das Oberwappen stellt einen aus dem Spangenhelm mit goldener Helmkrone wachsenden golden gekrönten und bewehrten roten Löwen dar, der in der rechten Pranke ein bloßes Schwert mit goldenem Griff hält. Die Helmdecken sind rot-gold. Mit der Verleihung dieses Wappens bekräftigte der Kaiser die Verurteilung der Anführer der Linzgau-Bauern im Jahr 1525, am Ende der Bauernkriege, durch den Rat der Stadt Überlingen. Die Linzgau-Bauern hatten sich gegen den Befehl der Reichsstadt Überlingen gestellt, die aufrührerischen Hegau-Bauern zu bekämpfen („Ernatinger Meuterei“).

Die Stadtflagge ist rot-gelb.

Der Reichsadler wird schon im 13. Jahrhundert im Siegel geführt. Die heutige Form des Wappens mit dem habsburgischen Löwen als Brustschild verlieh Kaiser Karl V. im Jahr 1528. Das für ein Kommunalwappen äußerst ungebräuchliche Oberwappen wird 1528 bereits beschrieben und somit bis heute beibehalten.

Seit 1965 besteht eine Partnerschaft der Feuerwehr St. Valentin auf der Haide in Südtirol und der Feuerwehr Überlingen.

Mit jeweils etwa 4.000 Beschäftigten sind produzierendes Gewerbe und der Dienstleistungssektor (inklusive dem Tourismus mit 60 Restaurants und 33 Hotels) die größten Arbeitgeber der Stadt. Der Einzelhandel hat sich im WVÜ zusammengeschlossen. Regelmäßige Veranstaltungen sowie die 1997 eingerichtete Fußgängerzone sollen den Einzelhandel gegenüber den außerhalb des Ortes liegenden Einkaufszentren stärken.

Bis in das 19. Jahrhundert war Überlingen größter Getreidemarkt in Süddeutschland.

Überlingen ist ein anerkanntes Kneippheilbad. Aufgrund der Lage am Bodensee hat die Stadt über 500.000 Übernachtungen im Jahr zu verzeichnen.

Weinbau wird in der Lage Überlinger Felsengarten seit Jahrhunderten betrieben.

In Überlingen war im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert die überregional tätige Orgelbauwerkstatt Wilhelm Schwarz & Sohn ansässig. Heute wird Orgelbau in Überlingen noch von dem 1875 gegründeten Unternehmen Mönch Orgelbau und Drehorgelbau Raffin betrieben.

Die Tageszeitung Südkurier berichtet im Lokalteil Überlingen über das Geschehen in der Stadt und Umgebung. Auch werden dort amtliche Bekanntmachungen veröffentlicht. Außerdem gibt es für alle Bürger kostenlos ein Mitteilungsblatt, das „Hallo Ü“ genannt wird. Dieses wird an alle Haushalte verteilt und informiert über politische, kulturelle, gesellschaftliche und geistliche Themen.

Überlingen verfügt über ein Amtsgericht, das zum Landgerichtsbezirk Konstanz und zum OLG-Bezirk Karlsruhe gehört. Ferner gibt es hier ein Notariat und ein Finanzamt.

In Überlingen gibt es ein städtisches Gymnasium, eine Realschule, eine Grund- und Hauptschule (Wiestor-Schule), eine Förderschule (Franz-Sales-Wocheler-Schule) und fünf selbständige Grundschulen (Burgberg-Schule und je eine Grundschule in den Stadtteilen Deisendorf, Hödingen, Lippertsreute und Nußdorf), ferner die Krankenpflegeschule am Städtischen Krankenhaus.

Der Bodenseekreis ist Träger der drei berufsbildenden Schulen: Constantin-Vanotti-Schule (Kaufmännische Schule mit Wirtschaftsgymnasium), Justus-von-Liebig-Schule (Haus- und Landwirtschaftliche Schule mit Ernährungswissenschaftlichem Gymnasium) und Jörg-Zürn-Gewerbeschule(Gewerblich-technische Schule mit Technischem Gymnasium und BTA Berufskolleg).

Die Privatschulen Freie Heimschule Georgenhof, Freie Waldorfschule Überlingen, das Gymnasium Schloss Salem - Salem International College, die Heimsonderschule Brachenreuthe, die Janusz-Korczak-Schule Deisendorf und die Kaspar-Hauser-Schule für Erziehungshilfe runden das schulische Angebot in Überlingen ab.

Weiter sind verschiedene städtische, kirchliche (evangelisch und römisch-katholisch) und freie Kindergärten vorhanden.

Das Gemeindepsychiatrische Zentrum (GpZ) Überlingen ist Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, die Unterstützung zur Führung eines selbständigen Lebens brauchen. Es bietet ein breites Spektrum an Hilfestellungen unter einem Dach an.

Die Stadt ist Mitglied der Cittaslow, einer 1999 in Italien gegründeten Bewegung zur Entschleunigung und Erhöhung der Lebensqualität in Städten.

Die ARD-Vorabendserie Sternenfänger aus dem Jahr 2002 spielt größtenteils im Ort.

Überlingen gehört zum alemannischen Sprachraum. Es wird umgangssprachlich Bodenseealemannisch gesprochen.

Überlingen erhielt 1180 Stadtrecht. Um 1250 wurden Stadtgraben und Wälle durch Mauern ersetzt. Die Mauer wurde abschnittsweise von den unterschiedlichen Zünften verteidigt. Um 1300 umschloss ein innerer Mauerring den heutigen Altstadtkern auf der Linie Franziskaner Tor - Rosenobel - St. Johann. Ein äußerer Mauerring wurde 1450 begonnen und 1630 abgeschlossen. Er schützte auch die Fischerhäuser, die Vorstadt und das „Dorf“ und verlief auf der Linie Badturm - Aufkircher Tor - Wagsäulenturm - Wiestor.

Das Reichlin-von-Meldegg-Haus, das älteste Renaissancegebäude Deutschlands, beherbergt heute das städtische Museum.

Die Stadt hat auch die längste Uferpromenade am Bodensee sowie ein Thermalbad, die Bodensee-Therme. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Sternwarte Überlingen und der Mantelhafen.

Im Ortsteil Goldbach befindet sich die sogenannte Obere Mühle Goldbach. Sie wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum „Denkmal des Monats März 2008“ ernannt.

Der Stadtgarten mit altem Baumbestand und exotischen Pflanzen umfasst auch ein Hirschgehege, einen Rosengarten und zahlreiche Kakteen. Im Stadtteil Bambergen befindet sich mit dem Haustierhof Reutemühle, einem öffentlich zugänglichen Tierpark, Deutschlands artenreichster Bauernhof.

In Überlingen wird seit 1954 in der Regel alle zwei Jahre der Bodensee-Literaturpreis vergeben. Im Preisgericht sitzen deutsche, schweizer und österreichische Professoren.

Überlingen ist eine Hochburg der traditionellen schwäbisch-alemannischen Fasnet. Zusammen mit den Zünften aus Rottweil, Elzach und Oberndorf bildet die Narrenzunft Überlingen den Viererbund. Das Häs (die Fastnachtstracht) des „Überlinger Hänseles“ wird bereits in einem Ratsprotokoll des Jahres 1430 erwähnt.

Zum Gedenken an die zweimalige Belagerung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg, denen jeweils erfolgreich widerstanden wurde, findet seit 1634 zwei mal im Jahr jeweils am Zweiten Sonntag im Mai (Muttertag) und im Juli eine Schwedenprozession statt. Im Anschluss an die Zweite Schwedenprozession wird der so genannte „Schwertletanz“ durch die Schwerttanzkompanie aufgeführt.

Seit 2004 findet jeden Sommer in der Kapuzinerkirche das so genannte Sommertheater mit verschiedenen Aufführungen des Stadttheaters Konstanz statt.

Vom Landungsplatz für die Bodenseeschiffe entlang dem Seeufer nach Nußdorf, Maurach. Dies ist eine Wegführung, die seenäher verläuft als der offizielle Bodensee-Rundwanderweg, der oberhalb des Sees verläuft. Durch die Rebhänge hinauf zur Klosterkirche Birnau. Von der Haltestelle Bundesstraße zurück mit dem Bus nach Überlingen.

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Flugzeugkollision von Überlingen

Flugzeugkollision von Überlingen

Der Zusammenstoß zwischen DHL-Flug 611 und Bashkirian-Airlines-Flug 2937 über Owingen bei Überlingen am Abend des 1. Juli 2002 war mit 71 Opfern, davon 49 Kinder, eines der folgenschwersten Flugunglücke im deutschen Luftraum. Das Unglück zog zahlreiche Diskussionen rund um die Flugsicherung und verschiedene Flugsicherungssysteme nach sich.

Bashkirian-Airlines-Flug 2937 startete am 1. Juli 2002 gegen 21 Uhr (MESZ) in Moskau mit einer russischen Tupolew Tu-154M der Bashkirian Airlines. An Bord der Maschine befanden sich 69 Menschen, davon 45 Schulkinder im Alter zwischen 8 und 16 Jahren aus Ufa. Ziel des Charterfluges war Barcelona. Die Reise sollte eine Belohnung für die größtenteils hochbegabten Schüler wegen guter Leistungen in der Schule sein und wurde von einem lokalen Bashkortostanischen Komitee für die UNESCO organisiert. Der Abflug hätte eigentlich am Vortag stattfinden sollen. Da sich der für den Bustransfer der Kinder zuständige Fahrer in Moskau verfahren hatte, wurde der Flug verpasst und dann auf den nächsten Tag umgebucht. Gesteuert wurde das Flugzeug von dem Piloten Alexander Gross, der bereits 12.000 Flugstunden absolviert hatte. An seiner Seite saß als Kopilot Murat Itkulow.

Kurz nach 23 Uhr desselben Abends hob DHL-Flug 611, ein Frachtflug mit einer Maschine vom Typ Boeing 757–200 des Dienstleistungsunternehmens DHL vom Flughafen im italienischen Bergamo ab. Das Ziel des Flugs war die belgische Hauptstadt Brüssel. Fliegender Pilot war der Engländer Paul Phillips, der seit 1989 bei DHL beschäftigt war und allein im Dienste dieses Unternehmens 10.000 Stunden Flugerfahrung hatte. Unterstützt wurde er durch seinen Kopiloten Brent Campioni aus Kanada.

Die Kreuzung der beiden Flugrouten wurde von der Flugsicherung nicht ausdrücklich vermerkt und hätte für einen Bereich über dem Bodensee geplant werden müssen.

Gegen 23:20 Uhr meldete sich der Pilot des DHL-Flugs 611, Paul Phillips, bei der für den süddeutschen Luftraum zuständigen Flugsicherungsgesellschaft Skyguide in Zürich an. Der verantwortliche Fluglotse Peter Nielsen wies diesen daraufhin an, die Flughöhe von momentan Flugfläche 260 auf Flugfläche 320 zu erhöhen. Phillips bat zwecks Treibstoff-Einsparung um die Erlaubnis, auf Flugfläche 360 (ca. 11.000 m) weiter steigen zu dürfen. Die Erlaubnis wurde von Skyguide erteilt, woraufhin die Boeing um 23:29:50 Uhr die gewünschte Flughöhe erreichte.

Auch die Flughöhe der aus Russland kommenden Tupolew, die sich um 23:30 Uhr bei Skyguide anmeldete, betrug Flugfläche 360. Der sich gleichzeitig mit der Koordination des Landeanflugs einer dritten Maschine auf den BodenseeAirport Friedrichshafen beschäftigende Fluglotse erkannte den dadurch drohenden Konflikt nicht und gab keine rechtzeitigen Instruktionen an die beiden Maschinen aus.

Das Zusammenspiel verschiedener unglücklicher Faktoren führte kurz nach 23:35 Uhr zur Kollision der beiden Flugzeuge im Luftraum zwischen Owingen und Überlingen am Bodensee, wobei alle 71 Menschen in beiden Flugzeugen getötet wurden.

Um 23:30 Uhr gab der Pilot der Tupolew nochmals die Flugdaten inklusive Flughöhe durch. Der verantwortliche Fluglotse bei Skyguide, Peter Nielsen, bestätigte die Flugdaten. Er wies jedoch weder der Boeing noch der Tupolew eine andere Flughöhe zu, sodass sich beide Flugzeuge weiterhin auf gleicher Höhe befanden.

Um 23:34:42 meldete das Kollisionswarnsystem TCAS in beiden Flugzeugcockpits akustisch die Unterschreitung des Sicherheitsabstandes. Zeitgleich erkannte Fluglotse Peter Nielsen auf seinem Radarschirm die gefährliche Situation. Er wies die Tupolew sieben Sekunden nach dem Auslösen des TCAS Traffic Advisory – der Hinweis des Kollisionswarnsystems auf eine drohende Konfliktsituation – um 23:34:49 Uhr an, umgehend auf Flugfläche 350 zu sinken. Die Tupolew-Besatzung bestätigte dies nicht, diskutierte die Anweisung kurz unter sich und kam schließlich der Aufforderung des Fluglotsen nach. Gleichzeitig hatte TCAS ein Ausweichmanöver (Resolution Advisory) errechnet und wies die Tupolew an, in den Steigflug zu gehen, während es die Crew der Boeing anwies, zu sinken. Dies führte zu kurzer Irritation der Tupolew-Besatzung, die den Widerspruch bemerkt hatte. (Pilot: „es sagt ‚steigen'!“ – Kopilot: „er schickt uns runter‘!“ – First Officer: „… sinken?“). Der Flugzeugführer entschied sich, den Sinkflug fortzusetzen. Der Fluglotse meldete sich um 23:35:03 Uhr erneut und forderte die Tupolew nochmals auf, auf Flugfläche 350 zu sinken. Dies wurde von der Mannschaft sofort bestätigt. Damit sah der Fluglotse die Situation als entschärft an.

Der Pilot der Boeing, Paul Phillips, folgte den Empfehlungen des TCAS und leitete um 23:34:10 Uhr einen Sinkflug gemäß dem TCAS-Kommando der Boeing ein. Tatsächlich befanden sich wegen des Widerspruchs der Anweisung durch den Fluglotsen und des TCAS-Kommandos an die Tupolew aber beide betroffenen Flugzeuge gleichermaßen im Sinkflug. Um 23:35:13 Uhr sprach Peter Nielsen ein letztes Mal mit der Tupolew. Er warnte irrtümlich vor Konfliktverkehr auf 2 Uhr in Flugfläche 360. Die Meldung der Boeing, dass man auf Kommando des TCAS in den Sinkflug gehe, wurde am Boden nicht registriert. Der Pilot der Tupolew, Gross, suchte offenbar in der falschen Richtung nach dem anderen Flugzeug und meinte, es sei über ihm. Etwa neun Sekunden vor der Kollision fragte er seinen Kopiloten: „wo ist es ?“. Dieser antwortete: „Hier, links.“ Zwei Sekunden vor der Kollision versuchte Gross, die Tupolew stark hochzuziehen, und die Steuersäule der Boeing wurde bis zum Anschlag nach vorn gedrückt.

Um 23:35:32 Uhr kam es in 34.890 ft (etwa 10.630 m) Flughöhe zur Kollision: Die Tupolew traf nach zwei vorherigen Änderungen des Kurses um insgesamt 20° rechtwinklig in das Heck der Boeing und zerbrach anschließend in vier Teile. Beide Tragflächen und das Heck mit den drei Triebwerken lösten sich vom Flugzeugrumpf. Die Trümmer wurden nördlich von Überlingen über zwei Kilometer verstreut. Die Boeing stürzte acht Kilometer weiter nördlich über dem Gebiet der Gemeinde Owingen ab. Die Trümmer stürzten in Waldgebiete und trafen somit weder Menschen am Boden, noch richteten sie größeren Sachschaden an.

Um 23:39 Uhr wurde die integrierte Leitstelle Bodensee in Friedrichshafen über verschiedene Kleinbrände zwischen Überlingen und Owingen verständigt. Erste Rettungsfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Owingen rückten noch vor einer Alarmierung aus, nur kurze Zeit später gefolgt von verschiedenen Löschzügen der Freiwilligen Feuerwehren aus Owingen und Überlingen. Anschließend wurden alle Feuerwehren aus dem umliegenden Gebiet und den angrenzenden Landkreisen alarmiert.

Um 23:47 Uhr gingen bei der Leitstelle die ersten Hinweise auf einen Flugzeugabsturz und brennende Wrackteile ein. Daraufhin alarmierte die Rettungsleitstelle zwei Rettungshubschrauber sowie zehn Rettungswagen, zwei Rettungshundestaffeln und weitere Löschzüge. Um 0:25 Uhr wurde die Technische Einsatzleitung alarmiert, die sich daraufhin in Überlingen einrichtete. Die vordringlichste Aufgabe der Feuerwehren bestand darin, die zahlreichen brennenden Trümmer zu löschen. In Taisersdorf wurde durch den Aufprall des brennenden Wracks der Boeing ein Waldbrand ausgelöst.

Nachdem der Großteil der Brände unter Kontrolle gebracht wurden, begannen die Einsatzkräfte in der Dunkelheit eventuelle Überlebende zu suchen. Die Trümmer der Maschine waren über etwa 30 Quadratkilometer verbreitet. Für die Suche wurden vier weitere Rettungshubschrauber, zwei davon aus der benachbarten Schweiz, sowie ein Großraumrettungshubschrauber der Bundeswehr aus Laupheim eingesetzt. Insgesamt waren mehrere hundert Helfer der unterschiedlichsten Hilfseinrichtungen im Einsatz. Gegen 1:45 Uhr wurden die ersten acht Todesopfer geborgen. Um 2:12 wurde eine Bootsstaffel zur Wasserrettung auf dem Bodensee durch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft ausgesandt.

Nach Mitternacht konnte eine spezialisierte Einheit der Feuerwehr 3.500 Liter Kerosin aus einer der Tragflächen der Tupolew pumpen. Die gezielte Bergung der Leichen der Todesopfer begann am 3. Juli. Hierbei wurde mithilfe von Trennschleifern und Rettungsscheren das Wrack der Tupolew Stück für Stück zerlegt. Am 6. Juli konnte schließlich die Bergung der letzten, teilweise stark verstümmelten Leichen erfolgen. Anhand von Kleidungsstücken und mit Hilfe von DNA-Abgleichen konnten alle Leichen identifiziert werden. Am 8. Juli wurde der Großeinsatz für beendet erklärt.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) fertigt zu jedem Zwischenfall im deutschen Luftraum einen Untersuchungsbericht an. Sie verweist in ihrem Unfallgutachten auf verschiedene strukturelle Fehler, die das Unglück unmittelbar begünstigten. Im Besonderen kritisiert sie den privaten Betreiber der Zürcher Flugsicherung, Skyguide. Dieser hatte seit Jahren hingenommen, dass während der verkehrsarmen Nachtstunden nur ein einzelner Lotse Dienst tat. Die BFU sieht aber ausdrücklich von der Nennung eines Alleinschuldigen ab.

Die Untersuchungen der BFU ergaben, dass sich beide Flugzeuge in einwandfreiem technischen Zustand befanden und über ein identisches Kollisionswarnsystem verfügten, das einwandfrei arbeitete. Beide Cockpitbesatzungen konnten den unfallbezogenen Funkverkehr der Bodenkontrolle hören, da sie die entsprechende Frequenz an ihrem Funkgerät eingestellt hatten.

Skyguide war am Abend des 1. Juli 2002 vorschriftsmäßig mit drei Personen besetzt worden. Der zweite Lotse war zum Zeitpunkt der Ereignisse aufgrund einer Ruhepause nicht an seinem Arbeitsplatz, so dass der verbleibende Lotse beide Radarmonitore überwachen musste. Die dritte Person war nicht mit der operativen Flugüberwachung beschäftigt. Der diensthabende Lotse Peter Nielsen befaßte sich zeitgleich mit dem Landeanflug eines Flugzeuges im Flughafen in Friedrichshafen. Durch die Betreuung dieses Anflugs war Nielsen abgelenkt, sodass er wahrscheinlich der Staffelung der beiden anderen Flüge nicht genug Beachtung schenkte. Außerdem musste Nielsen auf Grund dieses Landeanflugs immer wieder etwa zwei Meter zwischen zwei Radarschirmen hin- und herwechseln, um sowohl die Kreuzung der Boeing und Tupolew als auch die Landung in Friedrichshafen betreuen zu können. Aufgrund der Wartungsarbeiten hätten ausnahmsweise zwei zusätzliche Lotsen zur Verfügung gestanden, über deren Verfügbarkeit Nielsen allerdings nicht informiert war und die er deshalb nicht in seiner Eigenschaft als Dienstleiter einteilte.

Wenn sich ein Lotse überbeansprucht fühlt und mehrere Lotsen im Raum sind, kann er im Normalfall seine Kollegen bitten, ihm behilflich zu sein. Der dienstleitende Fluglotse machte jedoch keinen anderen Lotsen auf seine Doppelbelastung aufmerksam.

Der Lotse hat infolge seiner Überlastung eine rechtzeitige Staffelung beider Flugzeuge unterlassen und infolge der schlechten Unterstützung durch Kollegen und Technik bis zuletzt die Gefährlichkeit der Situation verkannt, was unter anderem in seiner unpassenden Wortwahl deutlich wird.

Aufgrund von Wartungsarbeiten bei der Bodenkontrolle Zürich war das optische bodengestützte Kollisionswarnsystem (STCA) am Abend des Unglücks nicht verfügbar. Zur Kompensation waren im Kontrollraum sowohl ein weiterer Lotse als auch ein Systemmanager anwesend und hätten den regulären Lotsen unterstützt, wenn er darum gebeten hätte; jedoch verkannte der dienstleitende Lotse Peter Nielsen entweder das Ausmaß seiner Arbeitsüberlastung oder die Möglichkeit der Unterstützung war ihm nicht bekannt. Das akustische STCA arbeitete gemäß einer anschließenden technischen Untersuchung einwandfrei und erteilte 32 Sekunden vor der Kollision eine akustische Warnung, die jedoch von keiner dort anwesenden Person gehört wurde; da dieses System jedoch von der Tagesschicht abgestellt wird und das Reaktivieren nicht protokolliert wird, ist unklar, ob es zur Zeit des Unfalls überhaupt gehört werden konnte.

Auch die Telefondirektleitungen der Bodenkontrolle Zürich zu den benachbarten Luftüberwachungszentren waren außer Betrieb, nachdem der Lotse nach anfänglichem Zögern Wartungsarbeiten an der Telefonanlage zustimmte, wobei er annehmen durfte, dass die Funktion der Telefonanlage hinreichend ersetzt wird; in der Tat war das Ersatzsystem jedoch nicht einsatzbereit und die Wartungsarbeiten am Hauptsystem waren zur Zeit des Unfalls zwar beendet, ohne dass es jedoch für den Lotsen freigegeben worden war. Das Zentrum für die obere Luftraumüberwachung in Karlsruhe hatte mehrfach vergeblich versucht, Zürich telefonisch auf die drohende Kollision hinzuweisen, durfte aber selbst nicht unmittelbar in das Geschehen eingreifen, zumal ein erfolgreiches Eingreifen in einer bereits derartig fortgeschrittenen Situation aus heutiger Sicht ausgeschlossen zu sein scheint.

Die Boeing 757 flog als erste in den Luftraum, in dem die Kreuzung der Flugzeuge geplant war, ein. Wenige Minuten später meldete sich die Tupolew der Bashkirian-Airlines ebenfalls im Flugraum an und gab dabei die Flugdaten per Funk durch. Dies hatte der Pilot der Boeing 757, Paul Phillips, ebenfalls hören können und hätte sodann die Kompetenz des ATC in Frage stellen können, obwohl er über Kurs, Kursänderungen und Entfernung noch nichts wusste.

Die Nachuntersuchungen ergaben, dass beide Crews den jeweils für gültig erachteten Anweisungen nicht gefolgt sind. Die Crew der Boeing wich mit einer Sinkrate von 2.400 ft/min von der empfohlenen Sinkrate von 2.500 – 3.000 ft/min ab. Die Crew der Tupolew passte ihre Sinkrate nicht der geforderten neuen Flughöhe an, so dass sich der Zusammenstoß 110 ft (etwa 33 m) unter der angeordneten Flughöhe mit einer Sinkrate von etwa 1.900 ft/min ereignete.

Das TCAS forderte die Tupolew zunächst auf, einen Steigflug einzuleiten. Gleichzeitig wies der Fluglotse Peter Nielsen die Mannschaft der Tupolew an, in den Sinkflug zu gehen und auf eine Höhe von 35.000 ft zu sinken. Die Mannschaft der Tupolew folgte der Anweisung des Fluglotsen und ging in den Sinkflug. Dieser Widerspruch und der damit entstandene Interpretationsspielraum für die Crew der Tupolew führten mit zur Kollision der Flugzeuge.

Grund für das Verhalten des Flugzeugführers der Tupolew, Alexander Gross, nicht der TCAS-Empfehlung zu folgen, dürfte mangelnde Erfahrung mit dem System gewesen sein. Luftverkehrsrechtlich war die Situation zum Zeitpunkt des Unfalls nicht zwingend geregelt. So gab es zwar mehrere Empfehlungen, TCAS Resolution Advisories eine höhere Priorität zuzuschreiben, keine davon hatte jedoch offiziellen Stellenwert.

Die Erklärung dafür, dass die russische Crew die mit schneidender, eindringlicher Stimme vorgetragene TCAS-Anweisung ignoriert hat, dürfte in der russischen, militärisch geprägten Ausbildungs-Philosophie zu suchen sein, da dort der Fluglotse einen gegenüber der Besatzung weisungsbefugten militärischen Rang mit den dort üblichen Konsequenzen bekleidet.

Allerdings kommt ein weiterer Faktor zum Tragen: Laut TCAS-Benutzerhandbuch sind Flugmanöver, die dem TCAS-Manöver entgegengesetzt sind, verboten. Im Flugbetriebshandbuch der Bashkirian Airlines hingegen steht, dass die Anweisungen der Flugsicherungen das wichtigste Mittel zur Vermeidung von Kollisionen sei – eine eventuelle gleichzeitige TCAS Resolution Advisority bleibt bei diesen Erläuterungen völlig unberücksichtigt.

Während der fliegende Pilot (auch: Pilot Flying) bei einer TCAS Resolution Advisory entsprechende Flugmanöver einleitet, nimmt der assistierende Pilot (auch: Pilot Monitoring) sofort Kontakt zur Flugsicherung auf und informiert sie, dass die Maschine aufgrund einer TCAS-Anweisung von der Flugsicherung angeordneten Flugfläche abweicht. Erst um 23:35:19 Uhr und damit nur 13 Sekunden vor der Kollision respektive 23 Sekunden nach dem TCAS Resolution Advisory führt die Crew der Boeing diese Meldung durch. Die BFU hält diese Reaktionszeit entsprechend dem Benutzerhandbuch von TCAS trotzdem für situationsangemessen, da die Frequenz zur Flugsicherung vorher belegt war. Die Crew der Tupolew wies den Lotsen trotz der Unstimmigkeiten innerhalb des Cockpits nicht auf den Widerspruch hin.

Die Unfalluntersuchung kam zu dem Ergebnis, dass das TCAS der Boeing (anders als das der Tupolew) vermutlich nicht auf die größte Reichweite eingestellt war, sodass der Pilot erst sehr spät auf die Annäherung des zweiten Flugzeugs aufmerksam wurde. Die auf beiden Flugzeugen verwendete TCAS-Anzeige hat eine einstellbare Reichweite von bis zu 40 nautischen Meilen, die akustische Warnung erfolgt dagegen erst kurz nach der Staffelungsunterschreitung. Nur so lässt sich erklären, dass sich der Kopilot der Boeing, Brent Campioni, kurz vor der ersten TCAS-Warnmeldung auf die Toilette begab und erst nach der Warnung ins Cockpit zurückgekehrt ist. Somit war der Pilot Paul Phillips in einer entscheidenden Phase unter größten Stressbedingungen auf sich allein gestellt.

Nach einer Staffelungsunterschreitung am 31. Januar 2001 durch zwei Japan-Airlines-Flüge wurde ein Änderungsvorschlag zu TCAS (change proposal CP112) erlassen, in dem die Implementierung einer neuen Funktion vorgeschlagen wurde. Diese neue Funktion gibt den beiden Crews eine Reversal Resolution Advisory, sollte eine Crew den Anweisungen des TCAS nicht folgen. TCAS würde in einem solchen Fall die Anweisungen an die Crews exakt umkehren. In dem konkreten Fall wäre die Tupolew also zum Fortsetzen des Sinkflugs angewiesen worden, während die Boeing zum Steigflug aufgefordert worden wäre. Die Vereitelung des Vorfalls durch diese Funktion ist als „wahrscheinlich“ einzustufen..

In einer Stellungnahme zu dem offiziellen Untersuchungsbericht betonte die Schweiz, dass unabhängig von der falschen Positionsangabe durch den Lotsen zum Zeitpunkt der Kollision die von dem Lotsen angeordnete Flughöhe für die Tupolew bereits um 33 Meter unterschritten worden war. Zudem stellt sie fest, dass die Sinkrate noch 1.900 ft pro Minute betrug und dass die beidseitige Ausführung der TCAS-Ratschläge zur Vermeidung des Unfalls beigetragen hätte.

Russland betonte in einer entsprechenden Stellungnahme, dass die TCAS-Ratschläge bereits aufgrund der falschen Auskunft des Fluglotsen über Konfliktverkehr über der Tupolew falsch wirkten und die falsche Auskunft des Fluglotsen dem Entscheidungsprozess der russischen Besatzung nicht dienlich war. Zudem sei die Besatzung der Boeing in der Lage gewesen, den Funkverkehr mit der Tupolew zu hören, obwohl sie bezüglich des Konflikts nicht direkt vom Fluglotsen angesprochen worden sei, und habe so eine echte Chance zur Vermeidung des Unfalls ungenutzt gelassen.

Bashkirian Airlines reichte 2005 Klage gegen Skyguide ein, gefolgt von einer Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland 2006 mit dem Vorwurf mangelnder Flugsicherung und Flugüberwachung. Die geforderte Schadensersatzsumme für das zerstörte Flugzeug beläuft sich auf 2,6 Millionen Euro. Am 27. Juli 2006 gab das Konstanzer Landgericht der Bundesrepublik Deutschland die alleinige Schuld am Unglück, da die Übertragung der Flugsicherung im süddeutschen Randbereich am Bodensee (siehe Karte des Fluginformationsgebiets für Deutschland) an das Schweizer Unternehmen Skyguide gesetzeswidrig und aufgrund ungültiger Verträge unwirksam sei; der Vertrag verstoße gegen das Grundgesetz, das besagt, dass die Luftverkehrsüberwachung in bundeseigener Verwaltung geführt werden müsse. Nach dem Urteil muss die Bundesrepublik Deutschland alle Schadensersatzansprüche aus diesem Unglück übernehmen, die Bundesregierung hat vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe Berufung gegen das Urteil eingelegt. Das Rechtsmittel wird vor dem 9. Zivilsenat der Außenstelle Freiburg verhandelt werden (Stand: Februar 2009).

Zwischenzeitlich zahlte die schweizerische Winterthur Group, die als Haftpflichtversicherung von Skyguide fungierte, Schadensersatz in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Wenig später reichte sie jedoch Klage gegen Bashkirian Airlines ein und forderte aufgrund der Mitschuld der Piloten der Tupolev 60% des Betrags zurück. Diese Klage wurde am 18. September 2008 vom Landgericht Konstanz jedoch abgewiesen, da nach Ansicht des Richters ein Fehlverhalten der Tupolev-Piloten „vollständig in den Hintergrund tritt und keine teilweise Mithaftung der Airline begründet“.

Nach dem Unglück begannen die Ermittlungen der zuständigen Staatsanwaltschaften Winterthur, Unterland und Konstanz gegen die beiden dienst­habenden Flugverkehrsleiter und weitere sieben Mitarbeiter von Skyguide wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und anderer Straftaten. Die Staatsanwaltschaft Winterthur reichte am 4. August 2006 vor dem Bezirksgericht Bülach Klage gegen die Skyguide-Mitarbeiter wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs ein. Aufgrund der Anklageerhebung und der schweizerischen Staatsbürgerschaft der Beschuldigten hat die Staatsanwaltschaft Konstanz am 7. August 2006 das Ermittlungsverfahren an die Schweizer Behörden abgegeben. Am 15. Mai 2007 begann vor dem Bezirksgericht in Bülach bei Zürich der Strafprozess gegen acht Skyguide-Mitarbeiter, der am 4. September 2007 mit der Verurteilung der vier leitenden Angestellten unter den insgesamt acht Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafen endete.

Am 29. Januar 2009 entschied ein Berufungsgericht in Barcelona hingegen, dass die – mittlerweile insolvente – Bashkirian Airlines die Hinterbliebenen der Opfer zu entschädigen habe. So wurde Bashkirian Airlines zu einer Zahlung von 20.400 US-Dollar pro Opfer verurteilt. Die Hinterbliebenen hatten ursprünglich eine Entschädigung von 100.000 US-Dollar pro Opfer gefordert, dies wurde jedoch auch vom Berufungsgericht abgewiesen mit der Begründung, dass die Hauptverantwortung für das Unglück bei Skyguide zu suchen sei.

Auch nach der Untersuchung des Vorfalls vom 1. Juli 2002 gab die BFU Sicherheitsempfehlungen aus. Allerdings wurde im Jahr 2002 keine dieser Empfehlungen realisiert, sodass durch den Zusammenstoß der beiden Flugzeuge bei Überlingen keine Verbesserungen für die Funktionsweise technischer Mittel oder verpflichtende Anweisungen für die Personalstruktur der Flugsicherung durchgesetzt wurden.

Die erste Sicherheitsempfehlung veröffentlichte die BFU am 1. Oktober 2002, nur drei Monate nach der Kollision. In dieser Sicherheitsempfehlung wird der ICAO, der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation, nahegelegt, die TCAS-Kommandos zukünftig für alle Piloten verpflichtend zu machen. Dabei solle es keine Rolle spielen, ob ein Fluglotse eventuell andere, entgegengesetzte Anweisungen gibt.

Am 21. Juli 2003 wurden drei weitere Empfehlungen, die das Verhalten der Fluglotsen und verschiedene Sicherheitsvorkehrungen thematisieren, veröffentlicht. So empfiehlt die BFU, dass Wartungen an Flugsicherungssystemen ausreichend lange im Vorfeld angekündigt werden, dass immer genügend Lotsen, jedoch mindestens zwei, bei der Flugsicherung anwesend sind, und dass die Lotsen durch regelmäßige Fortbildungen immer über ein aktuelles Wissen verfügen.

Am 19. Mai 2004 hat die BFU weitere Sicherheitsempfehlungen herausgegeben. Die wichtigsten Empfehlungen beziehen sich dabei auf das STCA, das bodengestützte Kollisionswarnsystem. So sollte jeder Lotse über einen eventuellen Ausfall des STCA eindeutig auf seinem Radarschirm informiert werden. Zudem sollte das akustische Signal, das das STCA ausgibt, auf eine festgesetzte Lautstärke eingestellt sein, die nicht überhört werden kann. Dieses im Alarmfall ertönende akustische Signal könnte ausgeschaltet werden, was jedoch von dem entsprechenden Lotsen formal quittiert werden sollte. Zudem empfiehlt die BFU, dass das Telefonsystem immer zu funktionieren habe und bei Wartungen gegebenenfalls ein Ersatzsystem installiert werden müsse.

Außerdem wurde der Hersteller des TCAS dazu angehalten, die Systemphilosophie von TCAS noch eindeutiger darzustellen, damit es zu keinen derartigen Missverständnissen, wie sie am 1. Juli 2002 geschehen sind, mehr kommen könne.

Nachdem die Bergungs- und Aufräummaßnahmen abgeschlossen waren, schrieb das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg die Errichtung einer Gedenkstätte aus. Diese wurde nach einer Auswahl durch eine Jury in Überlingens Stadtteil Brachenreuthe errichtet und am 3. Mai 2004 eingeweiht. In Brachenreuthe wurde der Rumpf der Tupolew gefunden und die meisten Todesopfer geborgen. Entworfen wurde die Gedenkstätte mit dem Titel „Memento mori – Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben“ von Andrea Zaumseil. Die Gedenkstätte stellt Edelstahlkugeln mit einem Durchmesser von etwa einem Meter dar, die teilweise durch Stahlseile verbunden sind. Sie sollen an eine zerrissene Perlenkette erinnern, welche von kleinen Messingfiguren ergänzt wird.

Auch in Ufa wurde ein Denkmal errichtet, vor welchem in vier Reihen die Grabsteine angeordnet sind, entsprechend der Sitzordnung des Flugzeugs. 55 der Opfer, darunter 40 Kinder und Jugendliche, sind hier bestattet. Der von einem kleinen Zaun eingerahmte Platz ist rot gepflastert. Eine das Denkmal umgebende Fläche sowie die einzelnen Gräber sind, als Symbol der Hoffnung, mit Gras bewachsen, eingerahmt mit schwarzem Stein. Der Grabstein trägt jeweils eingraviert das Bild des Verstorbenen, den Namen und die Lebensdaten. Rechts oben in der Ecke deutet ein kleiner Halbmond die muslimische Glaubenszugehörigkeit an, ein Kreuz die christliche. Bei einem weiteren Drittel fehlt ein Symbol. Auf der Rückseite ist ein kurzer Text eingraviert.

Eine weitere Gedenkstätte für das Flugzeugunglück wurde in der Schweiz bei der Flugsicherung Skyguide am 1. Juli 2006 eingeweiht. Die Überlinger Künstlerin Daniela Einsdorf gestaltete zuvor schon die jeweiligen Gedenkfeiern zu den Jahrestagen des Unglücks in Überlingen.

Am 24. Februar 2004 wurde der beim Unfall dienstleitende Fluglotse Peter Nielsen von dem Osseten Witali Kalojew, dessen Frau und zwei Kinder bei der Kollision ums Leben gekommen waren, erstochen. Das Obergericht des Kantons Zürich verurteilte den Täter wegen Totschlags zu acht Jahren Haft. Da der anschließend eingelegten Revision vom Kassationsgericht des Kantons Zürich teilweise stattgegeben wurde, reduzierte das Obergericht die Strafe im Juli 2007 auf fünf Jahre und drei Monate, da Kalojew eine stark verminderte Zurechnungsfähigkeit zugeschrieben wurde. Daraufhin legte die Staatsanwaltschaft erneut Berufung ein, sodass der Fall vom Bundesgericht verhandelt wurde. Am 7. November 2007 wurde vom Bundesgericht die Strafe von fünf Jahren und drei Monaten jedoch bestätigt; da Kalojew zwei Drittel der Strafe bereits abgesessen hatte, wurde er daraufhin aus der Haft entlassen. Nach seiner Haftentlassung kehrte Witali Kalojew in seine Heimat zurück; dort wurde er, insbesondere von hunderten Mitglieder der Putin-nahen Jugendorganisation Naschi, wie ein Held empfangen und gefeiert. Am Freitag, 18. Januar 2008 wurde er in der Republik Nordossetien zum stellvertretenden Minister für Bau und Architektur ernannt.

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Landkreis Überlingen

Wappen des Landkreises Überlingen

Der Landkreis Überlingen war ein Landkreis in Baden-Württemberg, der im Zuge der Kreisreform am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.

Der Landkreis Überlingen lag im Süden Baden-Württembergs. Seine Nachbarkreise waren im Westen der Landkreis Stockach, im Norden der Landkreis Sigmaringen, im Nordosten der Landkreis Ravensburg und im Osten der Landkreis Tettnang. Im Süden bildete der Bodensee seine natürliche Grenze.

Geographisch hatte der Landkreis Überlingen Anteil am Hegau und am Linzgau. Die Kreisstadt Überlingen lag im Südwesten des Kreisgebiets.

Das Gebiet des späteren Landkreises Überlingen gehörte vor 1800 zu verschiedenen Herrschaften, darunter die Fürsten von Fürstenberg. 1810 kam das Gebiet an Baden, das zunächst mehrere Ämter, darunter die Ämter bzw. Bezirksämter Heiligenberg, Herdwangen, Meersburg, Pfullendorf, Salem und Überlingen bildete, die sich im Laufe der Geschichte mehrmals veränderten und teilweise auch bald aufgelöst wurden. Sie gehörten zum Seekreis im Landeskommissärbezirk Konstanz. 1849 wurde das Bezirksamt Heiligenberg und 1857 das Bezirksamt Salem aufgehoben. Die beiden noch verbliebenen Ämter Überlingen und Pfullendorf wurden 1936 zum Amt Überlingen vereinigt. Daraus entstand 1939 der Landkreis Überlingen.

Nach der Bildung des Landes Baden-Württemberg 1952 gehörte der Landkreis Überlingen zum Regierungsbezirk Südbaden. Im Vorfeld der Kreisreform bzw. der Gemeindereform ab 1971 veränderte sich das Kreisgebiet in fünf Fällen: Am 1. Januar 1969 wurde die Gemeinde Adelsreute dem Landkreis Ravensburg zugeordnet, wo sie fünf Jahre später (1. Oktober 1974) der Stadt Ravensburg eingegliedert wurde. Gleichzeitig wechselte am 1. Januar 1969 die Gemeinde Gaisweiler vom Landkreis Sigmaringen in den Landkreis Überlingen. Am 1. Dezember 1971 vereinigte sich die Gemeinde Raderach und am 1. April 1972 die Gemeinde Kluftern mit der Stadt Friedrichshafen, Landkreis Tettnang. Beide Gemeinden verließen somit den Landkreis Überlingen. Am 1.  Dezember 1971 wurde die Gemeinde Wangen in die Gemeinde Ostrach, Landkreis Sigmaringen, eingegliedert und verließ somit ebenfalls den Landkreis Überlingen.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Überlingen aufgelöst. Seine Gemeinden gingen überwiegend im neuen Bodenseekreis auf, der damit Rechtsnachfolger des Landkreises Überlingen wurde. Die Gemeinden im nördlichen Kreisgebiet wurden dem vergrößerten Landkreis Sigmaringen angegliedert. Alle Gemeinden des ehemaligen Landkreises Überlingen gehören seitdem zum Regierungsbezirk Tübingen.

Alle Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse.

Das Wappen des Landkreises Überlingen zeigte in einem von Silber und Blau schräg geteilten Schild oben einen schwarzen Stufenschrägbalken, unten einen schräg abwärts gelegten silbernen Fisch. Das Wappen wurde vom Innenministerium Baden-Württemberg am 16. Oktober 1958 verliehen.

Der Schrägbalken symbolisiert die „Heiligenberger Stiege“, das Wappen der Grafen von Heiligenberg, die den Linzgau, der sich im Wesentlichen mit dem Kreisgebiet deckt, beherrschten. Sie wurden von den Grafen von Werdenberg und diese wiederum von den Fürsten von Fürstenberg beerbt. Der Fisch symbolisiert den Bodensee und steht für den einst bedeutenden Fischfang in der Region.

Durch das Kreisgebiet führte keine Bundesautobahn. Daher wurde der Kreis durch die Bundesstraße 31 und durch mehrere Kreisstraßen erschlossen.

Zum Landkreis Überlingen gehörten ab 1936 zunächst 62 Gemeinden und vier Städte.

Am 7. März 1968 stellte der Landtag von Baden-Württemberg die Weichen für eine Gemeindereform. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden war es möglich, dass sich kleinere Gemeinden freiwillig zu größeren Gemeinden vereinigen konnten. Den Anfang im Landkreis Überlingen machte am 1. Juli 1971 die Gemeinde Bambergen, die sich mit der Stadt Überlingen vereinigte. In der Folgezeit reduzierte sich die Zahl der Gemeinden stetig, bis der Landkreis Überlingen schließlich 1973 aufgelöst wurde.

Größte Gemeinde des Landkreises war die Kreisstadt Überlingen, kleinste Gemeinde war Oberstenweiler.

Die Gemeinden des Landkreises Überlingen vor der Gemeindereform.

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Source : Wikipedia